— 2 2 663296 N —— ——— —— —— — —— — 22 en B ·—˖˙˖˙·ͤͤ ͤ Nr. 48. Gießen, Sonntag, den 26. November 1899. 5. Jahrg. Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Mitteldeutsche tags 1 Redaktionsschluß Donnerstag Nachmittag 4 Uhr ——— Hu Abonnementspreis: Die„Mitteldeutsche Sonntags ⸗Zeitung“ kostet durch unsere Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 90 Pfg. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Bestellungen nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die Druckerei, Schloßg. 18, sowie jede Postanstalt und jeder Landbriefträger entgegen.(Post⸗Z.⸗Kat. 4312a.) — .—————— Auf dem Schindanger. * Der 1. Juni 1899, ein denkwürdiger Donnerstag war es, an dem die vom deut⸗ schen Kaiser in Oeynhausen angekündigte Zucht- hausvorlage dem Reichstag vorgelegt wurde. Unsere fällige Nummer war bereits hergestellt, als damals der Telegraph den Wortlaut der Zuchthausvorlage meldete. Wir waren ge⸗ wungen, noch in der Nacht eine Sonderbeilage anzustellen. Wir teilten den Wortlaut der Vorlage mit und„würdigten“ sie in gebührender Weise. Unter dem unmittelbaren Eindruck der Aus- nahmegesetz⸗Vorlage schrieben wir damals: „Dem Freiherrn von Stumm wird das Herz im Leibe lachen. Aber Millionen Arbeiterherzen werden in Zorn er- glühen. Und Tausende, die seither der Sozialdemokratie feindlich oder gleichgültig gegenüberstanden, werden jetzt einsehen, wo Platz istt. Die Vorlage ist ein Peitschenhieb in das Gesicht der deutschen Arbeiter- schaft. Wie ein Schrei muß und wird es aus vielen Millionen deutscher Proletarier⸗ kehlen herausklingen: Fort mit diefer Mißgeburt!“ Jawohl, fort mit der Mißgeburt, das war die Losung. Einmütig hat das deutsche Prole⸗ tariat Protest erhoben— und die Mißgeburt ist fort! Kein ehrliches Begräbnis ist ihr zuteil ge⸗ worden. Auf dem Schindanger hat sie die Mehrheit des deutschen Reichstags am Montag verscharrt. Verscharrt drei Tage nach der letzten Kraftaustrengung der Scharfmacher zu gunsten des Arbeiter⸗Knebelgesetzes! Es hat nichts mehr genützt, daß die Stümm⸗ linge noch am Freitag der vorigen Woche in Berlin für die gefährdete Vorlage mobil machten. Es hat nichts genützt, daß noch die Hälfte der Nationalliberalen wenigstens das „halbe“ Zuchthaus durch neue Anträge retten wollten. Es hat nichts genützt, daß schließlich die konservativen Kraut⸗Junker, die nationalliberalen Schlotbarone und die antisemitischen Handlanger der Reaktion sich zu gunsten der einzelnen Paragraphen im Reichstag erhoben. Fort mit der Mißgeburt! das war am Montag auch die Losung der großen Mehr⸗ heit des Reichstags. Der im posante ein⸗ mütige Protest des arbeitenden Volkes hatte auch denen den Rücken gesteift, die bis kurz vor der Entscheidung die Vorlage noch mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachteten.— n Die deutschen Arbeiter dürfen sich von Herzen freuen; ihr Sieg war ein so vollkommener, wie die Niederlage der Regierung eine zer⸗ schmetternde. Graf Posadowsky hat kein Glück mit seinen Gesetzesvorschlägen, er ist ein wirklicher Pech⸗Minister. In Frankreich oder England wäre er längst Minister a. D., bei uns kann er weitere Niederlagen vorbereiten, seine Pechsammlung komplettieren. Die Zuchthaus vorlage, die Graf Posadowsky verteidigte, wie eine Löwin ihr Junges, der zu Liebe er sogar eine große Patronensammlung 2 Juserate 2 finden in der„M. S.⸗Ztg.“ weiteste Verbreitung. Die 5gespalt Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4mal. Bestellung gewähren wir 25%, bei 6 mal. Bestellung 33¼% und bei Bei mindestens mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. angelegt hatte— mit der er übrigens auch Pech hatte, denn bet näherer Besichtigung er⸗ wiesen sich die sonst so gefährlichen Geschosse als Platz patronen— eben diese Zuchthaus⸗ vorlage ist tot. Ste ist im Reichstag mit dem Knüppel totgeschlagen, weil sie keinen Schuß Pulver wert war. Und auf dem Schindanger ist die Mißgeburt verscharrt. Als trauernde Hinterbliebene haben dem Scheusal nationalliberale, konservative und antisemitische Rückwärtser die„letzte Ehre“ er⸗ wiesen. Aber der Geruch des verwesenden Kadavers ist an den trauernden Hinterbliebenen haften geblieben. Und für alle Zeiten mit dem abscheulichen Kadavergestank parfümiert, werden die nationalliberalen, konservativen und antisemitischen Zuchthausfreunde alle ehrlichen Volksfreunde von sich wegekeln. Der„Patriotismus“ bei unseren „Vatrioten“. Der Geschäfts⸗Marinismus wird durch das typische Geschäftsgebahren der Firma Krupp grell beleuchtet. Im Inland wird unter gewaltigen Neklameausgaben für Flotten⸗ verstärkung agitiert, währenddem man das Ausland durch deutsches Kapital, deutsche Tech⸗ nik und deutsche Arbeit gleich in den Stand setzt, seine Flotte der deutschen überlegen zu machen oder zu halten. So ist die Firma Krupp nicht nur mit die Schöpferin der russischen, sondern bis zu einem gewissen Grade auch der nordamerikanischen Zukunftsmarine. Rußland stößt zwar bei seinen Anstrengungen, seine Kriegs⸗ und Handelsflotte rasch auf einen großen Fuß zu bringen, auf keine finanziellen Schwierigkeiten. Wohl aber steht einer raschen Vergrößerung der Marine die begrenzte Leistungs⸗ fähigkeit der dortigen Staatswerften entgegen. Das russische Marineministerium interesstert sich daher eifrig für die Erweiterung der heimischen Staatswerften, erreicht aber auch hier bald die Grenze des Möglichen, schon wegen Mangels an technischem Arbeitspersonal und aus anderen Gründen. In die Lucke springt nun bei an⸗ ständigen Gewinnchancen die deutsche Industrie, vor Alen auch die Firma Krupp ein. Sie ist um die Vergrößerung der russischen Kriegs- flotte mindestens ebenso sehr besorgt, wie um die der deutschen. Die deutsche Schiffs⸗ bautechnik und Leistungsfähigkeit wird gegen klingende Münze auf russischen Boden verpflanzt. Die russische Regierung hat schon Ende vorigen Jahres mit dem Stettiner Vulkan sowie mit der Firma Krupp Verhandlungen in dieser Richtung angeknüpft, die von den deutschen Firmen keineswegs abgelehnt worden sind. Es sollen in Rußland von den genannten Firmen Privatwerften angelegt werden. Verwirklicht sich das Projekt der russtischen Regierung, so muß ein reicher Zustrom deutscher Ingenieure und technischer Arbeiter nach Rußland stattfinden, die dort die Aufgabe finden werden, aus den Eingeborenen allmählich ein geschicktes Arbeits⸗ personal für den Schiffsbau heranzubilden. Die russische Regierung garantiert den deutschen An⸗ lagen„für die erste Zeit“ den bescheidenen Reingewinn von 27 Millionen Rubel jährlich. Eine solche Summe zieht! Während Deutschland Rußland direkt erst in den Stand setzt, seine Flotte in raschem Tempo u vervielfachen, hat es Amerika den besten We e seiner Schiffe verschafft. Vor einiger Zeit lenkten die Carnegie-Stahlwerke als Vertreter der Firma Krupp die Auf⸗ merksamkeit des nordamerikanischen Marine⸗ departements auf das neue Kruppsche Fabrika⸗ tionsverfahren von Panzerplatten und stellten zugleich das Ersuchen, Panzerplatten, die nach demselben hergestellt waren, den schwersten Proben zu unterwerfen, da sie das Benutzungs⸗ recht des betreffenden Verfahrens erworben hätten. Anfänglich verhielten sich die Sachverständigen des Marinedepartements diesem Verlangen gegen⸗ über nicht nur ablehnend, sondern sie erklärten, daß es keine besseren Stahlpanzer geben könne, als die nach dem Harreyschen Verfahren her— gestellten, mit denen die Bundesschiffe gepanzert sind. Schließlich gab man aber auch dem Drängen der indirekten Vertreter der deutschen Firma doch nach und veranstaltete Versuche, die allerdings überraschende Resultate ergaben. Das Geschoß traf die Platte beinahe im Zentrum und drang nur 8½ Zoll ein, wo es stecken blieb. Nach dem Dafürhalten der Sachverstän⸗ digen hat die zwölfzöllige Kruppsche Platte un⸗ gefähr dieselbe Widerstandsfähigkeit wie jede andere von 12½ Zoll Stärke, was für den Bau der Kriegsschiffe von wesentlicher Bedeutung ist. Die Panzerung mit solchen Platten wird zur Folge haben, daß das Gewicht des Panzers um etwa 300 Tounen pro Schiff vermindert wird. Es können also entweder die Batterien entsprechend verstärkt oder das Kohlenfassungs⸗ vermögen erhöht bezw. die Leistungsfähigkeit der Maschinen gesteigert werden. Natürlich versieht Amerika seine neuen Kriegsschiffe, so augenblicklich drei neue Schlachtschiffe und vier Monitors, dank dem Entgegenkommen Krupps mit diesen deutschen Panzern. Wenn man erwägt, das auf die genannte Weise gerade diejenigen Kreise, die jetzt am meisten Stimmung für eine deutsche Flotten⸗ vermehrung machen, alles thun, um die Kriegs- flotten des Auslandes der deutschen gegen⸗ über überlegen zu machen oder zu erhalten, dann erscheint die in erster Linie von den Flotteninteressenten inszenierte Flottenreklame als ein anmutiges Bild praktischen Geschäfts⸗ sinnes und ihr Patriotismus erstrahlt heller in der Aureole des Profits. Wenn es einmal zu einer Verwicklung kommt, dann muß die breite Masse der Be⸗ völkerung ihre Haut zu Markte tragen. Die Herren Ir dustriellen, Rheder und Kapitalisten aber, die so patriotisch thun, liefern dem Auslande die vorzüglichsten Waffen und das beste Material, um die deutschen Mannschaften mit Erfolg bekriegen zu können. Und für die Nutznießer solcher doch sicher nicht von Patriotismus diktierten Geschäfts⸗ maximen soll das arbeitende Volk noch aus seiner Tasche die ungeheueren Summen für neue Flottenausgaben aufbringen. Genossen! Agitiert allerorts für die Arbeiterpresse! eee eee. 8 7 Seite 2. WMitleldeutsche Sonntags⸗Zeitung Nr. 48. Politische Rundschau. Gießen, 24. November. Die traurigen Hinterbliebenen. Die trauernden Hinterbliebenen der Zucht⸗ hausvorlage sind wütend. Die offiziöse„Nordd. allg. Ztg.“ erklärt: Mit der Ablehnung ist die Sache nicht erledigt. Im Organ des Zentral⸗ verbandes der Scharfmacher, den„Berl. Pol. Nachr.“ krakehlt der Galizier Schweinburg, der für jährlich 10000 Mark im Nebenamt die Arbeiterbewegung verdächtigen muß. Er meint, „man“ müsse auf den jetzt gescheiterten Plan zurückkommen. Einstweilen müsse die Bevölke rung„planmäßig aufgeklärt“ werden. Direkt „auf's Ganze“, dreht der Stummsche„Post“⸗ Schleifstein. Er will dem Volke das allgemeine gleiche geheime und direkte Wahlrecht abschleifen. Das ist seiner Weisheit letzter Schluß: Fort mit dem Wahlrecht. Die Scharfmacher sollen sich nur hüten, daß sie sich bei ihrem blind⸗ wütigen Scharfmachen nicht in die Finger schneiden. Sie lachenden Erben. Die sozialdemokratische Fraktion hatte einen Gesetzentwurf ausgearbeitet, der dem Zucht⸗ hausentwurfe des Scharfmachertums die Forderung eines wirklichen Koali⸗ tionsrecht entgegeunstellt. So lange a ber das Zuchthausgesetz nicht endgültig be⸗ seitigt war, konnte dieser Entwurf nicht einge⸗ bracht werden, denn dem Zuch hausgesetz durfte Unter keinen Umständen die Ehre einer ein⸗ gehenden Beratung mit Verbessexungsvor⸗ schlägen erwiesen werden. Jetzt hat die Frak⸗ tion sich entschlossen, die Bestimmungen ihres Entwurfs als Anträge bei der Beratung der Gewerbe⸗Ordnung einzubringen. Man wird ja dann sehen, was es mit, den Versicherungen derjenigen Abgeordneten, die mit der Zucht⸗ hausvorlage liebäugelten aber angeblich das Koalitionsrecht durchaus sichergestellt wissen wollten, auf sich hatte. Der Kaiserin Oberhofmeister. Die Kaiserin hat als Antwort auf die ihr übermittelten Geburtstags⸗Glückwünsche der Berliner Stadtverordneten durch ihren Ober⸗ hofmeister, den Grafen Mirbach, dem Stadt⸗ verordnetenvorsteher Langerhaus ein Dank⸗ schreiben zustellen lassen, in dem über das geringe Entgegenkommen der städtischen Vertretung gegenüber den bestehenden kirch⸗ lichen Schwierigkeiten geklagt wird. Außer⸗ dem wird mitgeteilt, daß sich die Kaiserin ver⸗ letzt gefühlt hat durch einige Aeußerungen des Stadtv. Dr. Preuß, der„heilige, evangelische biblische Trostesworte“ in spöttischer Weise ge⸗ braucht habe, ohne daß das in gebührender Weise gerügt worden sei. Stadtverordnetenvorsteher Langerhaus verlas das oberhofmeisterliche Schreiben in öffentlicher Sitzung und grenzte dann sofort scharf ab die Befugnisse und Pflichten der Stadt als politische Vertretung gegenüber den Kirchenbehörden. Er stellte außerdem sest, daß jener Universttäts⸗ lehrer— Dr. Preuß— seiner Zeit selbst die von ihm gebrauchten Worte mit dem Ausdruck des Bedauerns zurückgenommen hat und auch in jener Sitzung sofort auf das Unpassende seiner Worte aufmerksam gemacht worden sei. Das„Verbrechen“ des Privatdozenten Dr. Preuß hatte darin bestanden, daß er sagte:„Befiehl Du Deine Wege und was Dein Herze kränkt, der allertreuesten Pflege des Magtstrats, der lenkt.“ In einem zweiten Zitat sagte er in Bezug auf den Kultus minister:„Excellenz hat es gegeben, Excellenz hat es genommen, der Name seiner Excellenz sei gelobt.“ Herr von Mirbach, der Kaiserin Oberhof⸗ meister, wird ob seines Schreibens an den Magistrat scharf angegriffen. Die nattonallibe⸗ rale„Nationalzeitung“ schreibt:„Wir glauben, daß in Berlin nur eine Stimme des Be⸗ dauerns über die Absendung des Schreibens des Herrn v. Mirbach an die Stadtverordneten⸗ versammlung sein wird. Nach unserem Dafür⸗ halten mußte Herr v. Mirbach lieber sein Amt als Oberhofmeister niederlegen, als dieses Schreiben unterzeichnen. Er mußte voraus⸗ sehen, daß es bedauerliche Folgen haben würde.“ Aehnlich spricht sich die„Köln. Ztg.“ aus. Unser Leipziger Bruderblatt meint: Wie Wilhelm II. so hat nun auch Viktoria Augusta, seine Gewahlin, ohne sich der verant⸗ wortlichen Instanzen zu bedienen, ohne jede Vermittelung an öffentlichen Dingen Kritik geübt und ihr persönliches Urteil über Gemeindepolitik abgegeben.... Es ist abzuwarten, ob die hohe Dame auch bei an⸗ deren Gelegenheiten zu Streitfragen, die sie interessieren, Stellung nehmen wird. Der Kaiser in England. Zum großen Leidwesen aller„wahren“ Patrioten ist der Kaiser nach England gefahren, nach demselben England, das jetzt mit den Buren im Krieg liegt. Die„Gutgesinnten“ sind ganz aus dem Häuschen. Vor mehreren Jahren schickte nämlich der Kaisen au den Burenpräsidenten Krüger ein Sympathie⸗ telegramm, weil es ihm resp, seinen Lands leuten gelungen war, einen räuberischen Einfall des Engländers Rhodes abzuschlagen. Daß nun gerade jetzt, wo England wieder mit den tapferen Buren im Krieg liegt, der deutsche Kaiser seine Großmutter besucht, ist unseren „Patrioten“ ganz unfaßbar. Ein goldenes Buch. Ein spekulativer Buchhändler hat zum Jahrhundertschluß ein„Goldenes Buch“ erscheinen lassen, in dem viele bekan ate Persön⸗ lichkeiten in kurzen Sätzen ihre Gedanken ein⸗ getragen haben. Kaiser Wilhelm II. spricht seine bekaunten Ansichten über das Königtum von Gottes Gnaden aus. Graf Kliuckowström⸗ Korklak will Gewalt angewendet wissen „gegen die sozialdemokratischen Führer und Verführer“. Graf Micbach wütet gegen das gleiche Wählcecht, das an allem schuld ist, was ihm nicht paßt.— Schade, daß wir unsere Gedanken nicht in das Buch schreiben dürfen. Ein Unglück ist das zwar schließlich auch nicht, denn die zollfreien Gedanken vieler Millionen Sozial⸗ demokraten in zielbewußtes Handeln, in un— ermüdliche Aufklärungsarbeit umgesetzt, ver⸗ sprechen einen besseren und nachhaltigeren Erfolg, als die Aufzeichnungen auf zwar kostbares, aber dennoch vergängliches Papier. Oui vivra verra! Wer's erlebt, wird's sehen. Geldbeutel⸗Vatrioten. Eine hübsche Ergänzung zu unserem heutigen Leitartikel ist folgende Notiz der„Kölnischen Nolksztg.“, einem Zentrumsblatt. Sie beant⸗ wortet die Frage: Was wird an der Lieferung der Panzerplatten für die neuen Kriegsschiffe verdient? folgender— maßen: „Als zur Panzerung noch einfache Stahl⸗ platten ohne Nickelzusatz verwendet wurden, hat einer unserer Großindustriellen einmal einem Leiter ähnlicher Unternehmungen, den er für seine Werke gewinnen wollte, einen Nutzen von 1 Mark vom Kilo(! an 1 Kilo 1 Mark!!!) an solchen Stahlplatten rechuungsmäßig nachgewiesen. Bei den Nickel⸗ stahlplatten, welche heute zur Verwendung kommen, dürfte, nach den Feststellungen er⸗ fahrener Fachmänner, der Nutzen 1,80 Mk. vom Kilo betragen. Wenn man nun be⸗ denkt, daß das Gewicht der Panzerplatten für ein Kriegsschiff nach Millionen Kilo sich berechnet, so ergiebt sich von selbst, daß es den Lieferanten solcher Platten nicht darauf ankommen kaun, einige Tausend Mark für Agitationskosten in irgend welcher Form zu opfern, wenn solche Be⸗ stellungen durch Bewilligung neuer Schiffe zu erzielen sind. Die Anlagen der Werke, welche für die Herstellung von Nickelstahl⸗ Panzerplatten nötig sind, erfordern an sich ein halbes Dutzend Millionen; daher spielen einige Tausende bei einem solchen Geschäft keine Rolle.“ Bei solchen Profiten kann man sich schon einige Austrengungen in der Erzeugung vater⸗ ländischer Hochgefühle leisten. Der Aufwand an patriotischer Begeisterung gehört zu den Geschäftsunkosten. Unsere Leser werden den Wert von Flug⸗ blättern, die von dem Galizier V. Schwein⸗ burg, dem bezahlten Beauftragten der deutschen Großindustriellen, unterzeichnet sind, richtig einzuschätzen wissen. Wirklich eine famose Komödie: Die deutschen Panzerplatten⸗ und Kanonenlieferanten wollen Geschäfte machen, deshalb führen sie den„Nachweis“, daß wir neue Schiffe bauen müssen. Und um uns Deutsche in die gehörige Michelstimmung zu versetzen, muß der galizische Schornalist Viktor Schweinburg den erforderlichen„patrio⸗ tischen“ Tamtam machen, uns das wahre „Daitschtum“ beizubringen. Das beste wäre, wenn man die Wasserapostel, die dem deutschen Volke zu Nutz und Frommen gerissener Ge⸗ T äftspatrioten das Fell über die Ohren ziehen wollen, vier Wochen in Kaltwasserheilanstalten sperrte. Vielleicht würde sich dann die wasser⸗ patriotische Begeisterung etwas legen. Vom Ministerium für Unglücksfälle. Zur Sparpolitik des preußischen Eisenbahn⸗ ministers Thielen bringt unser Zentralorgan mit der Veröffentlichung eines vom 4. Mar dieses Jahres datierten Rundschreibens einen neuen, charakteristischen Beitrag. Minister Thielen giebt in diesem Rundschreiben an die Eisenbahndirektionen gewisse allgemeine Vor⸗ schrifteu über die zweckmäßige und wirtschaft⸗ liche Regelung des Dienstes des Betriebsper⸗ sonals. Er kommt dabei zu den folgenden Anweisungen: Erstens ist in den Fällen, wo der Dienst ohne Ueberanstrengung des Personals in der bisherigen Weise nicht geleistet werden kann, die notwendige Diensterleichterung nicht ohne weiteres durch Herabsetzung der Dauer der Dienstschicht herbeizuführen. Viel⸗ mehr ist an erster Stelle zu prüfen, ob durch Gewährung angemessener Dienstpzusen oder durch Verringerung der den etnzelnen obliegen⸗ den Geschäfte der Dienst auch ohne Abkürz⸗ ung der Dauer hinreichend erleichtert werden kann. Dies läßt sich durch einen„turnus⸗ mäßigen“ Wechsel der Bediensteten auf schwie⸗ rigen und minderschwierigen Posten, durch Mit⸗ beteiligung der Stationsvorsteher des inneren Dienstes am äußeren Dienste, durch Heran⸗ ziehung der Zugführer zu den Geschäften der Packmeister, Schaffner und Bremser, durch zeitweise Schwächung der Rangier- kolonnen und ähnliche den Betriebsverhältnissen der einzelnen Stationen eutsprechende Anord⸗ nungen ohne oder nur mit geringem Mehrauf⸗ wande erreichen. Mit besonderer Vorsicht, meint Herr Thielen, ist bei der Gewährung von Diensterleichterungen für das Rangier⸗ personal zu verfahren. Sodann empfiehlt der Minister, da auf ein und derselben Betriebs⸗ stelle der Dienst doch nicht zu allen Zeiten gleichmäßig stark ist, während der ruhigen Zeiten, zum Beispiel des Nachts, längere Dienst⸗ schichten einzulegen. Hierdurch wird es ermöglicht, den Dienst an den Wechseltagen ohne Einstellung von Ablösern so zu regeln, daß beim Dienstwechsel ein beispiels weise sonst achtstündiger Dienst auf 10—12 Stunden per⸗ längert wird. Dann sollen noch die Hilfs⸗ weichensteller dadurch erspart werden, daß die Stellwerkswärter nach Beendigung oder vor Beginn des eigentlichen Dienstes ein bis zwei Stunden zur Weicheustellung herangezogen werden.— Staatsbetriebe sollen Musterbe⸗ triebe sein, lautet ein geflügeltes Wort. Die raffgierige Thielensche Sparpolitik, die die menschliche Arbeitskraft schonungslos ausbeutet und die Sicherheit des Lebens der Beamten wie des reisenden Publikums um kargen Ge⸗ winns willen aufs Spiel setzt, thut redlich das ihrige, dieses Wort wie einen grimmen Hohn auf die bestehenden Verhältnisse in den preußischen Staatsbetrieben erscheinen zu lassen. Zum Verfahren gegen Dr. Arons. Wie die„Berl. Ztg.“ erfährt, hat unser Genosse Arons am Sonnabend vor dem Dis⸗ ziplinarhofe erklärt, daß er seine Freisprech⸗ ung beantrage; sollte aber das Gericht zu — aal, be 100 N zu bel belholl Jehung hasehle Diel bürdig. ngste ihn ill Peil e Copa Henose leußs Gesetz Her, Bundes scen 9 Danzig eilige! . schäfte fe soll geben Vor al lig, lichten. Di otle für be. Junker dus de dd E bud, cen Irin. d, dageg 0 — folges let c in f affe die fol f Po dat der 9 Mu neren Heral⸗ chäften emser, ngier⸗ ltnissen Anord⸗ ehrauf⸗ sicht, ährung ugier⸗ apfeht etriebs⸗ Zeiten Zeiten, senst⸗ ird es eltagel egelll t po en bel⸗ Hilfs⸗ 10 die er bol, 6 zwel gezogen erbe⸗ 155 die die beute! N 3 Nr. 18. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 8. einem verurteilenden Spruche kommen, so bitte er jedenfalls, nicht etwa auf eine Verwar⸗ nung zu erkennen. Von seiner Ueberzeug⸗ ung werde er niemals lassen und ebenso wenig werde er sich sein staatsbürger⸗ liches Recht einschränken lassen, dieselbe frei zu bekennen und auch agitatorisch zu bethätigen. Eine Verwarnung in dieser Be⸗ ziehung würde also ihren Zweck vollstäudig verfehlen. Diese Sprache ist eines Sozialdemokraten würdig. Dr. Arons hat sich nie auch das ge⸗ ringste zu schulden kommen lassen. Man will ihn nur deshalb von der Universität verweisen, weil er seiner ehrlichen Ueberzeugung nach Sozialdemokrat ist. Um überhaupt an unseren Genossen zu können, hat im vorigen Jahre das preußische Abgeordnetenhaus ein besonderes Gesetz gemacht, die„lex Arons“. Die Zentralpumpstation. Herr von Wangenheim, der Vorsitzende des Bundes der Landwirte, hat auf der westpreußi⸗ schen Provinzialversammlung des Bundes in Danzig von seiner agrarischen Beschränktheit einige neue Proben gegeben. So sagte er: „Die deutsche Reichsbank muß nicht Ge⸗ schäfte betreiben, um Geld zu verdienen, sondern sie soll allen schaffenden Ständen Geld so billig geben wie möglich, was jetzt nicht der Fall ist. Vor allem ist dazu eine Diskontoherabsetzung nötig, da sich alle anderen Banken danach richten.“ Die Reichsbank soll nach den Wünschen der „Notleidenden“ eine Zentralpumpstation für verkrachte, verschuldete und geldbedürftige Junker und andere„Harmlose“ werden. Was aus den Aufgaben der Reichsbank, Regulierung des Geldumlaufs und Schutz der Währung wird, ist diesen grotesken Junkern gänzlich „schnuppe“. Die Sozialdemokraten, die im Prinzip für Verstaatlichung der Reichsbank sind, wußten sehr wohl, warum sie trotzdem dagegen stimmten. Wo dle Roheit blüht. Der erste Staatsanwalt in Allenstein erläßt folgende Bekanntmachung: „Die Messerstecherei nimmt in der letzten Zeit im diesseitigen Bezirke trotz der schweren vom Gericht steks verhängten Strafen in einer Weise zu, daß sie eine ernste Gefahr für Leben und Gesundheit, sowie für die öffentliche Sicherheit bedeutet. Um thunlichst die Strafe für folche Roheiten auf dem Fuße folgen zu lassen und dadurch auch nachdrück⸗ licher zu machen, erwarte ich von allen Polizeibehörden, insbesondere von den Gen⸗ darmen, daß jeder Messerstecher gleich nach der That festgenommen und dem zuständigen Amtsgericht zur Verhaftung vorgeführt wird.“ Der neunte Kreis des irn den Königsberg(Allenstein⸗Rössel) ist im Reichstag durch den Domherrn Herrmann vertreten; für diesen Zentrumsmaun wurden 9322 Stim⸗ men abgegeben. Ein polnischer Kandidat erhielt bei den letzten Reichstagswahlen 5067 Stimmen, der Sozialdemokrat nur 154. Dieser sesserstecherkreis ist demnach eine der sozia⸗ listeufreiesten Gegenden des Deutschen Reiches. Von 100 abgegebenen Stimmen ent⸗ fallen bloß/ auf den„Umstürzler“. Dieses gesegnete Allenstein hat eine durchaus gläubige kirchlich⸗fromme Bevölkerung. Sie rüttelt nicht an den Grundsäulen des Staates, nicht an Thron und Altar, nicht an Ehe und Familie. Keine zügellose Begehrlichkeit macht dieses Revier des treuen, anspruchslosen Patriarchalis⸗ mus unsicher. Und die paar Umstürzler sind nur leise, kaum sichtbare Spritzflecke auf dem spiegelhellen Schilde der landesüblichen besten Gesinnung und Gesittung. Kurz das Eden unserer herrschenden Klassen ist in diesem Kreise zur Erde gestiegen. Das ist das Land, in dem sich die Sehnsucht unserer Staatsretter, Scharf⸗ macher, Patrioten und Mucker erfüllt. Wird es also unseren Ordnungsleuten in den sozial⸗ demokratisch verseuchten Strichen des Reiches gar zu unheimlich, so mögen sie in dieses Para⸗ dies der Gutgesinntheit auswandern, wo noch die alte Zucht und Sitte herrscht, wo kein Arbeitswilliger von ruchlosen Streikbrüdern terroristert wird und die Jugend noch nicht der Verrohung der Industriebevölkerung ver- fallen ist. Fühlen sich dann die Flüchtlinge vor der Umsturzpest gelegentlich im Besitze einiger ländlich⸗sittlicher Messerstiche, so werden sie lächelnd auf diese Gaben als schöne Be⸗ thätigungen einer von der sozialistischen Ver⸗ seuchung verschont gebliebenen urkräftigen Musterbevölkerung hinneh nen und preisen. Freigesprochen. Genosse Müller in Magdeburg, der Redak⸗ teur der„Volksstimme“, welcher früher wegen Majestätsbeleidigung, begangen durch einen Artikel in der„Volksstimme“, zu vier Jahren Gefängnis verurteilt war, wurde von der Strafkammer im Wiederaufnahmeverfahren frei⸗ gesprochen. Einen Teil der Strafe hat er bereits abgebüßt. Als Verfasser des Artikels bekannte sich bekanntlich Genosse Alb. Schmidt, der seine Strafe in Höhe von drei Jahren bereits angetreten hat. Vom Krieg in Südafrika. Nach amtlichen Berichten betrugen die Ver⸗ luste der Buren seit dem Beginu des Krieges 90 Tote und 200 Verwundete(2 2); von letzteren ist eine Anzahl bereits wieder hergestellt und auf den Kriegsschauplatz zurück⸗ gekehrt.— Nach Privatnachrichten der„Stan⸗ dard and Diggers News“ steht eine allgemeine Erhebung der holländischen Farmer Natals be⸗ vor. Die Kolonialburen in den Distrikten, welche für Territorien der Republiken erklärt sind, schlossen sich bereits den Buren an. Aus dem Reichstag. Die letzten Tage der vorigen Woche beschäftigte fich der Reichstag mit der Postnovelle. Die Kom⸗ missionsvorlage wurde im wesentlichen angenommen. Die Privatpostanstalten werden„abgelöst“. Als Ent⸗ schädigung bekommen sie den zehnfachen Betrag des Durchschnittsprofits der letzten drei Jahre. Für die möglichst günstige Unterbringung der Privatpost⸗Unter⸗ beamten im Reichspostdienst verwendeten fich besonders die Sozialdemokraten. Erwähnenswert ist noch, daß durch das neue Postgesetz das Höchstgewicht für Zehn⸗ pfennig⸗Briefe von 15 auf 20 Gramm erhöht wird. Bei unfrankierten Briefen tritt ein Zuschlagsporto von 10 Pfg. ohne Unterschied des Gewichtes des Briefes hinzu. In der Montags sitzung fand die Verscharrung der Zuchthausvorlage statt. Der Nationalliberale Büsing verteidigt die von ihm und 23 Parteifreunden eingebrachten Abänder ungs⸗ anträge, die das Wesentliche des Zuchthausgesetzes, wenn auch mit anderen Worten, beibehalten wissen wollen. Hier und da ist die in der Regierungsvorlage vorgesehene Strafe ein wenig gemildert, die Zuchthaußstrafe gänzlich gestrichen. Die lange Rede Büsings wurde häufig durch große Unruhe unterbrochen. Das bringt wohl auch nur ein Nationalliberaler fertig, für die Zuchthaus⸗ vorlage, wenn auch in gemilderter Form, zu reden und dabei zu versichern, es handle sich darum, das Koalitions⸗ recht der Arbeiter zu sichern. König Stumm legt sich mächtig ins Zeng für das Zuchthausgesetz. Die von Büsing vorgeschlagenen Strafen sind ihm viel zu niedrig. Er stellt den Antrag, das Gesetz an eine besondere Kommission von 28 Mitgliedern zu verweisen. Bei der Abstimmung über diesen Antrag wird das Schicksal der Zuchthausvorlage bestegelt. Nur die beiden konservativen Parteien und die Hälfte der Nationalliberalen stimmen für den Antrag Stumm. Lieber(Zentrum) erklärt sich gegen die Vorlage. Seine Partei habe erst die Absicht gehabt,„Besserungs⸗ vorschläge“ zu machen, sei aber jetzt der Ueberzeugung, daß es besser wäre, die ganze Vorlage zu beseitigen. Graf v. Posadowsky, der Atoptivvater des Zucht⸗ hausgesetzes, beschwerte sich sehr, daß der Reichstag nicht einmal so höflich wäre, für die Kommissionsberatung zu stimmen. Die Regierung wäre sehr gern bereit,„das Gesetz auf einer anderen Grundlage zu erörtern“. In dem heutigen Beschluß können die verbündeten Regie⸗ rungen nichts anderes wie ein sehr bedenkliches Zeichen erblicken.(Abg. Bebel: Sehr gut!) Genosse Heine erklärt, daß es nach Lage der Dinge nicht angemessen erscheine, noch lange Worte zu machen. Das deutsche Volk will wissen, woran es mit diesem Gesetz ist. Es ist angezeigt, mit diesem möglichst bald reinen Tisch zu machen und zu anderen ernsteren Arbeiten überzugehen. Wir haben auch Wünsche für die Ausdehnung des Koalitionsrechtes, aber wir stellen sie für heute zurück. Wir meinen, daß dieser Entwurf, der so allgemeine Entrüstung hervorgerufen hat (lebhafter Widerspruch rechts), nicht der Boden ist, auf dem sich verhandeln läßt. Wir würden den Eindruck der heutigen Erörterungen nur abschwächen, wenn wir nur ein Wort hinzufügten.(Beifall bei den Sozial⸗ demokraten.) Wir werden alle Anträge ablehnen. Der Konservative von Löbell sang ein bewegtes Klagelied wegen der verweigerten Kommissionsberatung. Er und seine Partei sind für das Zuchthausgesetz, weil sie den„königstreuen, vaterlandsliebenden Arbeiter un⸗ bedingt schützen wollen gegen die königsfeindliche, vater laudslose Sozialdemokratie. Wir erwarten, daß der starke Arm des Staates seine Kraft gegen diese Vater⸗ landsfeinde erprobt; die kouservative Partei wird stets bereit sein, diesen Arm zu stützen und ihm das Schwert zu schärfen.(Stürmische Unterbrechungen links.) Abg. Richter(freis. Vp.) wendet sich gegen die Schulmeisterei, die der Graf Posadowsky dem Reichstag gegenüber für nötig gehalten habe. Der Staatssekretär meinte, es entspreche die Abweisung der Kommission nicht der Höflichkeit; aber die Pflicht des Reichstages erschöpft sich nicht in Höflichkeiten. Der Staatssekretär meinte, dies Vorkommnis sei ein bedenkliches Zeichen. Nun, bedenkliche Zeichen sehen wir schon läugst auf der anderen Seite.(Sehr richtig!!) Ein be⸗ denkliches Zeichen ist es, wenn aus der Initia⸗ tive von Trinksprüchen solche Vorlagen aus⸗ gearbeitet werden, von denen man im voraus weiß, daß sie mit den Anschauungen der großen Mehrheit des Reichstages im Widerspruch stehen. Die verdienen des⸗ halb auch nicht anders behandelt zu werden, wie es hier der Fall ist.(Lebhafter Beifall) Nach weiterer Diskussion, in der unser Genosse Molkenbuhr noch einmal zum Worte kam, wurde das Zuchthausgesetz gegen die Stimmen der Konservativen und der Hälfte der Nationalliberalen und Antisemiten abgelehnt.(Großer anhaltender Beifall links und Händetlatschen.) Von Nah und Lern. unserem Leserkreise sind je derzeit willkommen Die Ehre unserer Sache gebletet natürlich strengste Gewissen⸗ haftigkeit bei Uebermittelung von N hrichten.— Wir bitt 0 zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben. Liberale Zünftler. * Laut Beschluß der Gießener Stadtver⸗ ordnetenversammlung soll ein Ortsstatut er⸗ lassen werden, dem zufolge Konzession zum Wirtschaftsbetrieb nur erteilt werden soll, wenn das Bedürfnis dazu nachgewiesen ist. Die diesen Beschluß veranlassende Eingabe rührt vom hiesigen Gastwirtverein her, die Eingabe wurde unterstützt vom oberhessischen Verein für innere Mission, der von dem Erlaß des Statuts einen heilsamen Einfluß auf die Aus⸗ wüchse des Wirtshauslebens erhofft, während der Gastwirteverein lediglich im Interesse des Ansehens des Gastwirtestandes zu handeln vor⸗ giebt. Das Statut soll probeweise auf drei Jahre erlassen werden. Gießen hat über 200 Wirtschaften und Schankstellen und ist bis jetzt die einzige Stadt Hessens, welche die Kon⸗ zessionserteilung durch Statut erschweren will.— Es ist ganz unsinnig, anzunehmen, daß auch nur ein„Dippcheu“ oder ein Viertel⸗ chen„halb Frucht, halb Korn“ weniger ge— trunken wird, wenn man es einem armen Teufel, der in seinem Tischler⸗, Schuster- oder Schneidergeschäft nicht mehr existieren kann, untersagt, seinen Lebensunterhalt im Wirt⸗ schaftsbetrieb zu suchen. Daß die„inn eren Missionare“ am liebsten alle Kneipen schlössen, glauben wir gern. Sie haben den Wein im Keller und setzen sich nicht gern unter das ge⸗ wöhnliche Volk, das sie von der„Sünde“ durch Muckerei„erretten“ wollen. Wenn aber die Wirte für den Bedürfnisnachweis eintreten, so bekunden sie dadurch den engherzig sten Krämergeist. Wir bedauern es sehr, daß sich eine Mehrheit für das Ortsstatut gefunden hat. Die weitaus meisten Wirte Gießens sind ehe— malige Handwerker. Was würden sie ge⸗ wettert haben, wenn man ihnen die Eröffnung einer Wirtschaft versagt hätte. Jetzt aber, wo sie zu„Restaurateuren“ avanciert sind, möchten sie sich durch eine chinesische Mauer gegen wei⸗ tere Konkurrenten schützen. Jetzt kann es einem tüchtigen Kellner, der seinen Beruf von Grund aus versteht, passieren, daß ihm in Gießen die Mitteilungen aus SPP T Seite. A. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 48. Eröffnung einer Wirtschaft versagt wird. Er kann dann Lebens⸗ oder Feuerversicherungs⸗ reisender werden und zusehen, wie ehemalige Handwerker, die oft wenig genug vom Gast⸗ wirtsbetrieb verstehen, die ihm aber die Existenz im erlernten Beruf unmöglich machten, sich als „Restaurateure“ gehaben. Der Erlaß dieses Ortsstatuts zum Schutze der Wirte vor unlieb⸗ samer Konkurrenz ist eine krasse Durchbrechung der Gewerbefreiheit. Vom Staufenberg zum Windhof. Der Mittelpunkt des Landtags wahlkreises Gießen⸗Land ist nach der geographischen Lage und auch nach den vorhandenen Bahnverbin⸗ dungen die Stadt Gießen. Diese ist auch der Sitz des Kreisamtes und der Provinzial⸗ direktion. Die Wahlmänner wurden zur Wahl des Abgeordneten aber nicht nach Gießen, sondern in den Burgsaal nach Staufen⸗ berg geladen. Staufenberg ist der nördlichste Punkt des Wahlkreises, von Lollar, der letzten Bahnstation aus, noch eine halbe Stunde ent⸗ fernt und der Weg ziemlich steil. Da nun der erste Wahlakt nicht stattfinden konnte, weil die Sozialdemokraten, denen der Weg zum Staufenberg wahrscheinlich zu beschwer⸗ lich war, fortblieben, so mußte ein zweiter Wahltermin anberaumt werden und nun soll die feierliche Wahl stattfinden auf dem— Windhof, einem an der Straße zwischen Gießen und Rodheim gelegenen Restaurant, das wegen seiner abgelegenen Lage von den Stu⸗ denten zur Ausfechtung ihrer Mensuren sehr bevorzugt wird. Wir wären sehr glücklich, wenn uns ein Mensch auf dem weiten Erden⸗ rund eine Erklärung dafür geben könnte, warum die 37 Wahlmänner von Gießen⸗Land zur Aus⸗ übung ihrer wichtigen Aufgabe möglichst weit weg bon Gießen⸗Stadt bestellt werden. Sollen sie durch den Anblick der verrosteten Rüstungen im Staufenberger Burgsaal an die„gute alte Zeit“ erinnert und dadurch in ihrer Abstimm⸗ ung beeinflußt werden? Oder soll ihnen durch das Studentenblut, welches schon schoppenweise auf dem Windhof geflossen ist, vor der„blu⸗ tigen Revolution“ der roten Umstürzler graulich gemacht werden?(Kl. Pr.) Wer ist das Pumpgenie? * Der Verleger der konservativen„Haller Ztg.“, Herr Otto Thiele, wurde eines schönen Tages von einem antisemitischen Reichs⸗ tagsabgeordueten aufgesucht und um 100 Mark sowie um einen Pelz angepumpt. Der Pelz wurde deshalb gefordert, weil der Antisemiterich versicherte, damit den Bauern besonders zu imponieren. In einem Prozeß kam die Sache zur Sprache und der Tischlerinnungsmeister Gurth sagte unter Eid aus, Ahlwardt sei jener Abgeordnete gewesen. Herr Thiele giebt daraufhin, wie wir aus Berliner und sächsischen Zeitungen ersehen, in seinem Blatte die Erklärung ab, daß nicht Ahlwardt, sondern ein anderer antisemi⸗ tischer Abgeordneter der Pumper gewesen sei. — Ja, wer war denn nun das Pumpgenie, das in dem gepumpten Pelz— ein Fuchs im Schafsfell— auf den Bauernfang gehen wollte? Aus Wieseck. m. Am Sonntag fand hier eine Tabak⸗ arbeiterversammlung statt, in der Gen. Or big über die Notwendigkeit der Organisation sprach und den Anschluß an die Zentralorganisation der deutschen Tabakarbeiter empfahl. In der Diskussion meldete sich ein in Gießen seit mehreren Wochen privatisierender Bürstenmacher Namens Wilhelm Klink zum Wort, der gegen Orbigs Ausführungen polemisierte und für Lokalorganisation eintrat. Das Un⸗ sinnige einer Lokalorganisation gerade bei den Zigarrenarbeitern in Oberhessen liegt so klar auf der Hand, daß uns die gehässige Art, in der Herr Klink über die Zentralorganisationen sprach, in der Annahme bestärkte: der junge Mann muß seine guten Gründe haben, in der Weise aufzutreten. Wir haben uns nicht getäuscht. Klink ist, wie uns mitgeteilt wird, aus triftigen Gründen in Württemberg aus der Partei ausgeschlossen, hat dann in „Anarchismus“ gemacht und nimmt wohl an, in Gießen und Umgegend für seine Quer⸗ treiberei den geeigneten Boden zu finden. Er dürfte sich getäuscht haben. Aus Wetzlar. *„Unser“ Reichstagsabgeordneter, der Na⸗ tionalliberale Krämer, hat im vorigen Jahre auf die Anfrage eines Hirsch⸗Dunckerischen Ge⸗ werkschaftlers in öffentlicher Versammlung er⸗ klärt, daß er für das freie Koalitionsrecht eintrete. Das konnte gar nichts anderes be— deuten, als die unbedingteste Gegnerschaft gegen⸗ über der Zuchthausvorlage. Trotzdem gehört jetzt Herr Krämer zu den 24 Nationalliberalen, die„Verbesserungsvorschläge“ zum Zuchthaus⸗ gesetz einbrachten, um noch„etwas“ zu retten von dem Ausnahmegesetz gegen die Arbeiter. Durch die Art und Weise, wie die große Mehr⸗ heit des Reichstags die Zuchthausvorlage ver⸗ scharrte, ist Herr Krämer mit bestraft— er saß mit der Regierung auf der Anklagebank. Alsfeld⸗Lauterbach⸗Schotten. Kreiskonferenz. S-t. Im Kentzer'schen Saale zu Lauter⸗ bach fand am Sonntag, den 19. November die Parteikonferenz obengenannten Wahlkreises statt. Dieselbe war von Parteigenossen aus 9 Orten besucht. Der Kreisvertrauensmann Dechert⸗- Alsfeld eröffnete um 3 Uhr die Konferenz und hieß die anwesenden Besucher willkommen. Er gab einen kurzen Rückblick auf das verflossene Geschäftsjahr und erstattete den Kassenbericht. Die Einnahmen be⸗ trugen inkl. Kassenbestand des vorigen Jahres Mk. 85,35, die Ausgaben Mk. 56,40, jetziger Kassenbestand 28,05. In der Diskussion, an der sich mehrere Genossen beteiligten, stellte Genosse Schmidt-Preungesheim fest, daß im letzten Jahre in den Bezirken Alsfeld und Lauterbach 10 öffentliche Volksversammlungen und eine Kreiskonferenz, in welcher der Kreis⸗ wahlverein neu gegründet, sowie die Wahl des Kreisvertrauensmannes vorgenommen wurde, stattfanden. Im Bezirk Schotten, seien alle Versuche, die dortigen Genossen für die Agita⸗ tion zu gewinnen, seither vergeblich gewesen. Trotzdem dürfe man nicht nachlassen, denn so wie in den oberen Bezirken endlich einmal ein Vorwärtskommen zu verspüren sei, müßten auch in dem dortigen Bezirk Mittel und Wege gefunden werden.(Beifall.) Zum 2. Punkt der Tagesordnung gab der Vorsitzende einen kurzen Bericht über die Thätigkeit des Kreiswahlvereins. Es sei erfreulich, daß wir jetzt auch in Schlitz eine Anzahl Mitglieder hätten. Der Wahlverein sei das Fundament der Agitation im Wahlkreis; es sei Pflicht aller derjenigen, welche bei der letzten Reichs⸗ tagswahl unserem Genossen Schmidt ihre Stimme gaben, auch dem Wahlberein als Mit⸗ glied anzugehören. Hierauf; gab der Kassierer den Kassenbericht. Die Einnahmen betrugen Mk. 78,30, die Ausgaben Mk 43,31, bleibt Kassenbestand Mk. 34,99. Da die Revisoren Bücher und Kasse für richtig befunden hatten, wurde dem Vertrauensmann und dem Kassierer des Wahlvereins einstimmig Decharge erteilt.— Es folgte nun die Wahl des Kreisvertrauens⸗ mannes sowie die Wahl des Vorstandes für den Kreiswahlverein. Der seitherige Vertrauens⸗ mann Dechert⸗Alsfeld wurde trotz seinem innigsten Verlangen, die Wahl auf einen an⸗ deren Genossen zu lenken, einstimmig wieder⸗ gewählt. An Stelle des seitherigen Vorsitzenden des Wahlvereins, Reining-Lauterbach, welcher eine Wahl nicht mehr annahm, wurde Leißler⸗ Blitzenrod, als Kassterer Block-, und als Schriftführer Linn⸗Lauterbach wiedergewählt. Zu Punkt 3 der Tagesordnung machte Gen. Schmidt einige Anregungen in Bezug auf unsere zukünftige Agitation im Wahlkreis. Vor allen Dingen müßten die Genossen suchen, die finanztellen Verhältnisse mehr zu kräftigen, damit die Genossen im Wahlkreis, welche hinaus müßten zur Agitation, ihre not⸗ wendigsten Tagesausgaben vergütet bekämen: unter dem Geldmangel dürfe die Agitation nicht leiden. Ueber den Parteitag in Hannover berichtete sodann Gen. Sch mi dt⸗Preungesheim in anderthalbstündiger Rede. Eine Resolution, welche sich mit den Ausführungen des Refe⸗ renten, sowie mit den Beschlüssen des Partei⸗ tages einverstanden erklärte, fand einstimmige Annahme. Gen. Wiegand⸗Alsfeld machte die Anregung, daß der Wahlverein in Zukunft überall in den Orten, wo Mitglieder desselben sind, Stellung nehmen soll zu den Gemeinde⸗ und Stadtverordneten⸗Wahlen. Gen. Dechert⸗ Alsfeld bemängelte ein Inserat, welches in der „Mitteld. Sonntags⸗Zeitung“ Aufnahme fand (Krakau, 144 Gegenstände für 3 Mk.). Auf Antrag der Geuossen von Schlitz findet die Maifeier dortselbst statt, ebenso die nächstjährige Kreiskonferenz. Gen. Schmidt gab noch be⸗ kannt, daß nach Beschluß der Agitations⸗ kommifsfion in Frankfurt in Zukunft populär geschriebene, den ländlichen Verhältnissen an⸗ gepaßte Broschüren im Wahlkreis von Zeit zu Zeit verteilt werden sollen. Nachdem der Vor⸗ sitzende Gen. Dechert noch einige zu beherzigende Worte an die Anwesenden gerichtet, schloß der⸗ selbe die Konferenz um 7¼ ¼Uhr mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie. Vom Schlachtfeld der Arbeit. Aus Beuthen in Oberschlesien wird be⸗ richte: Auf der Ludwigsglückgrube entstand Sonntag abend ein großer Brand. Die General⸗ verwaltung des Borsigwerks entsandte Ober⸗ beamte. Diese versuchten zwölf eingeschlossene Bergleute zu retten, gaben aber bald das Not⸗ signal und mußten aufgezogen werden. Der Bergwerksdirektor und der Obersteiger erlitten Brandwunden und wurden ins Zaborzer La⸗ zarett gebracht. Die eingeschlossenen Bergleute sind verbrannt. Mit den Riesenprofiten, die der Bergbau abwirft, steigt die Lebensgefahr für die Arbeiter. Kleine Mitteilungen. ** Gießen. Die Strafkammer verurteilte den sehr wohlhabenden Kaufmann J. Mendel⸗ sohn von hier wegen gewerbsmäßiger Hehlerei zu einem Jahr Zuchthaus und drei Jahren Ehr⸗ verlust. Er hatte von einem übelbeleumundeten Dachdeckergesellen etwa neun Zentuer Walzblei gekauft, das dieser sich auf unredliche Weise verschafft hatte. Die mitangeklagte Ehefrau Mendelsohn wurde freigesprochen, der Dieb er⸗ hielt 10 Monate 3 Wochen Gefängnis. ** Gießen. Der Fuhrmann Karl Schmidt, in Diensten der Firma Heyligenstädt u. Co. hier wurde von seinem Fuhrwerk so unglücklich überfahren, daß er nach wenigen Minuten starb. Schmidt war mit Sandfahren beschäftigt; hier⸗ bei gingen die Pferde durch und als Schmidt eines derselben fassen wollte, kam er zu Fall; der schwere Wagen ging ihm über den Kopf. ** Krofdorf. Der aus Böhmen stam— mende Küfer Szavazal, der hier verheiratet war, hat sich durch einen Stich in's Herz selbst getötet. Szavazal war mit längerer Zeit dem Trunke ergeben. * Hessische Millionäre. Nach einem Bericht des Offenbacher Beigeordneten Wolff in der Zeitschrift für Staats⸗ und Gemeinde⸗ verwaltung gibt es z. Zt. in Hessen 305 Mil⸗ lionäre. Auf 1000 Steuerzahler kommen da⸗ her in Hessen 1,2 Millionäre. Von diesen wohnen in den Städten Mainz 80, Darmstadt 54, Offendach 54 und Worms 26. ** Pfiffige Handwerksmeister. Auch die Darmstädter Handwerker sind sehr eifer⸗ süchtig auf ihr Renommee. Sobald öffentliche Arbeiten an auswärtige Firmen vergeben werden, beschweren sie sich bitter. Das hatte sich die städtische Bauverwaltung zu Herzen genommen und beim Vergeben der Handwerkerarbeiten für den Neubau der Viktoriaschule die einheimischen Handwerker in erster Linie berücksichtigt. Dieser Tage nun konstatirte der Stadtverordnete Schädler in der Stadtverordnetenversammlung, daß die Darmstädter Handwerker nichts eiligeres zu thun hatten, als die an sie vergebenen Arbeiten auswärtigen Firmen zu übertragen und ohne 1791 Arbeitsleistung die Differenz von 5 bis 10 pCt. in die Tasche zu stecken. Die Vertreter der Bürgermeisterei mußten zu⸗ geben, daß dergleichen a und ver⸗ sprachen, ihre Lehre daraus zu ziehen. — Die 1 A pahlen Gie faul zu, 2 nic Dablme licht üb fügten, shziehen Velden, derlei nnen. suf den Bil fall), wählt rum Del dir. 1 0 U Vahm Happer Al. früher B. gewähl Ueedere Ni fewähl G. stüher La hedert Dad uf, 5 ut.) de Saen (gent. 05 unt selben lelnde⸗ schert⸗ in der ̃ 10 Al l. jährige 0 he⸗ ationg⸗ Ipulär en an⸗ geit zu 5 Vor⸗ zigende n Hoch 5 g 50 he⸗ ntstand eleral⸗ Ober⸗ lossene 5 Not⸗ Der erlitten gleute ten, die gefahr D. urteilte Nendel⸗ hehlerei n Ehr⸗ indeten salzblei Weise hefrau ieb er⸗ chmidt, l. 60. lüäcklih f staurb. ti hier⸗ Schmidt u Fall; Kohl. f stan⸗ heiratet tz selbt eit den einem Volff mleinde⸗ 5 Mil⸗ men da⸗ diesen mstadt Auch 72 1 eifen⸗ sallich 1 rden, 0 die uml ten fl inisch Nr. 48. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 5. * Rou. Am Sonnabend hat sich in Rom, 66 Jahre alt, der Reichsgerichtsrat a. D. Otto Mittelstädt erschossen. Mittelstädt hat sich als Staatsanwalt als gründlicher Hasser und Verfolger der Sozialdemokratie hervorgethan. Durch und durch konservativ gesinnt, machte ihn die Entwicklung der Rechtspflege in den letzten Jahrzehnten zu ihrem schärfsten Kritiker. Nach seinem Austritt aus dem Reichsdienst hat er öfter in der Presse das Wort ergriffen. Zahlreiche Artikel in Hardens„Zukunft“ und seine Broschüre:„Vor der Flut“, erregten be⸗ rechtigtes Aufsehen. Sein Freimut, seine Charakterfestigkeit und die Rücksichtslostgkeit, mit der er die Schäden der deutschen Rechtsprechung offen kritisterte, sichern ihm auch bei der Partei, deren entschiedenster Be⸗ kämpfer er war, die Achtung, die einem Gegner zukommt, der mit offenem Vister kämpft. Die Landtagswahlen in Hessen. * Am Samstag haben die Abgeordneten⸗ wahlen stattgefunden mit folgendem Resultat: Oberhessen. Gießen⸗Land: Die Wahl sollte im Burg⸗ saal zu Staufenberg vorgenommen werden, kam aber nicht zustande, weil die sozialdemokratischen Wahlmänner fern blieben. Da die Gegner nicht über zwei Drittel aller Wahlmänner ver⸗ fügten, mußten sie unverrichteter Sache wieder abziehen. Ein zweiter Termin muß anberaumt werden, in dem die erschienenen Wahlmänner, einerlei wieviel es ihrer dann sind, abstimmen können. Wie wir hören, soll der zweite Termin auf dem Windhof stattfinden. Vilbel⸗Büdesheim: Graf Oriola (ntl.), der den Bezirk seither vertrat, ist wieder⸗ gewählt. Für seinen Gegenkandidaten, Genossen Krumm, wurden neun Wahlmänner gewählt. Bei direkter Wahl würde Krumm glänzend ge⸗ siegt haben. Selbst die amtliche„Darmst. tg.“ giebt zu, daß die soztaldemokratischen ahlmänner in mehreren Orten nur mit ganz knappen Mehrheiten geschlagen wurden. Altenstadt⸗Büdingen: Baehr(Antis.). früher Westernacher(natl.). Bad Nauheim: Weith(natl.) wieder⸗ gewählt. Alsfeld⸗-Ulrichstein: Corell(Bund der Landw.) wiedergewählt. Hungen⸗Lich: Köhler(Antis.) wieder⸗ gewählt. Homberg-Grünberg: wiedergewählt. Nidda⸗Ortenberg: Erk(natl.) wieder- gewählt. Brauer(natl.) Starkenburg. Groß Gerau⸗Land: Berthold(Sozd.), früher Dr. Osann(natl.). Cramer(Sozd.) Langen⸗Isenburg: wiedergewählt. l Darmstadt⸗Land: Noack(parteil.), früher Prof. Friedrich(natl.). f Pfungstadt⸗Eberstadt: Kreisrat Haas (natl.) wiedergewählt. n Heppenheim⸗ Viernheim: Professor 1 85(Zentr.), früher Frhr. Dael v. Köth entr.). a Höch st Wiebelsbach: Häusel(natl.) wiedergewälht. f. Fürth⸗ Reinheim: Ripper(Ant.) wieder⸗ gewählt. Seligenstadt: gewählt.. Bensheim: Euler(natl.) wiedergewählt. Beerfelden: Breimer(ntl.) wiedergewählt. Rheinhessen. Mainz⸗Land: Dr. Schmitt(Zentrum) wiedergewählt. Oppenheim-Nieder-Olm: Molthan (Zentr.), früher Wernher(natl.). 5 05 Wörrstadt: Wolf⸗Stadecken(Ant.), früher rist(freis.). 8 Osthofen⸗Alsheim: Schill(ntl.), früher (natl.). Horn(Zentr.) wieder- Hehn eg: Diehl(ntl.), früher Römer(natl.). Wöllstein⸗Alzey: Pitthan(utl.) wieder⸗ gewählt. Marburg. Ober⸗Ingelheim: Brentano(Zentr.) wiedergewählt. Eine irgendwie beträchtliche Verschiebung in der Zusammensetzung des Landtags hat nicht stattgefunden. Die Nationalliberalen, die noch vor 6 Jahren von den 50 Abgeord— netensitzen 33 inne hatten, dann aber auf 23 „zusammengewählt“ wurden, sind nun bis auf 19 zusammengeschrumpft. Sie haben wieder vier Mandate verloren, eins an die Antisemiten, eins an die Sozialdemokraten und zwei an sogenannte parteilose Kandidaten. Die Frei⸗ sinnigen haben einen Sitz an die Antisemiten verloren, sind also nur noch durch zwei Ab⸗ geordnete vertreten. Die Antisemiten ge⸗ wannen zwei Mandate und verloren eins, die Sozialdemokraten behaupteten ein seither unsicheres Mandat glänzend und ge⸗ wannen ein neues. Das Zentrum hat seinen alten Besttzstand gerettet. Die sozialdemokratische Partei kann mit dem Ausgang der Landtagswahlen in Hessen zufrieden sein. Ueberall haben wir ganz bedeutend an Stimmen gewonnen und in zahlreichen Orten unterlagen unsere Wahl⸗ männer den gegnerischen, für die Bürgermeister, Pfarrer und Lehrer häufig genug mobil ge⸗ macht waren, nur mit wenigen Stimmen. Die in Hessen seit Jahren planmäßig be⸗ triebene Landagttation ist nicht fruchtlos ge⸗ wesen. Es geht überall vorwärts! ** * In einer längeren Wahlbetrachtung der „Frkf. Ztg.“ heitzt es: „Es ist charakteristisch für die Stimmung in Hessen, daß man sich mehr und mehr sogen.„parteilosen“ Kandidaten zuneigt— solchen Kandidaten, die sich keiner der bestehenden Parteien anschließen mögen. Die natio⸗ nalliberale Mißwirtschaft hat eben die Wähler mit einem solchen Widerwillen und Argwohn gegen Partei⸗ kandidaten„gemäßigter“ Richtung erfüllt, daß sie, wenn sie nicht einem Vertreter extremer Anschauungen ihre Stimme geben, entweder gar nicht wählen oder einen Mann, der durch persönliche Eindrücke und Ein— flüsse, nicht durch ein Parteiprogramm auf sie einwirkt. Das ist nicht erfreulich, es erscheint aber begreiflich, wenn man die Unfruchtbarkeit und Unthätig⸗ keit der liberalen Parteien Hessens kennt. In dieser Ginsicht bleibt die freifinnige Partei der nationallibe⸗ ralen nichts schuldig. Ihr Verhalten im verflossenen Wahlkampf war durchaus unerfreulich; eine Sitzung des Landesausschusses mit ebenso hoffnungsfreudigen wie grundlosen Erfolgabwägungen, ein recht hübsch zu lesen⸗ der Wahlaufruf, und hie und da ein wenig Agitation von Mund zu Mund, selbstverständlich mit möglichstem Ausschluß der Oeffentlichkeit: das war alles. Keine Nachhaltigkeit, keine Verve in der Agitation. Der Erfolg war dementsprechend; von den drei Sitzen verlor sie einen, und wenn nicht Uneinigkeit der Gegner oder ähnliche Glücksumstände bei den nächsten Wahten hülf⸗ reich eingreifen, dürfte der hessische Freisiun aus der Volksvertretung verschwinden.... Die Sozialdemokraten.... hatten auf mehr gerechnet. Aussichtsvoll für die Sozialdemokratie ist die poli⸗ tische Entwickelung Hessens ganz gewiß; man mag das an sich bedauern, aber unter den obwaltenden Verhält⸗ nissen muß man die Soztaldemokraten im Hessenlande als die eifrigsteu und rücksichts⸗ losesten Vertreter der Volksrechte, nicht nur des Proletariats, ansehen. Partei⸗ Nachrichten. Versammlungs⸗Kalender. Samstag, 25. November: Gießen. Partei⸗Vers. bei Orbig. Bericht über den Parteitag in Hannover. Referent: Ph. Scheide⸗ mann. Debatte. Wieseck. Arb.⸗Bild.⸗Verein abends halb 9 Uhr bei Gerhard Schneider. Partei⸗Vers. bei C. Müller. Vortrag des Gen. Alb. Meyer über das kommunistische Manifest. Sonntag, 26. No vember: Gießen. Arb.⸗Bild.⸗Verein nachm. halb vier Uhr Generalversammlung bei Orbig.(Näh. im Inserat.) Alsfeld. Wahlverein nachmittags 3 Uhr Mitglieder⸗ versammlung auf der Pfefferhöhe. Vollzähliges Er⸗ scheinen erwünscht! Sonntag, 3. Dezember: Wahlkreis Wetzlar⸗Altenkirchen. Nachmittags 3 Uhr Parteiversammlung bei Löb in Gießen, Kaplansgasse. Tagesordnung: Bericht unseres Delegierten Ed. Krumm über den Parteitag in Hanno ver. Wahlkreis Wetzlar⸗ Altenkirchen. Quittung. Für den Parteitag in Hannover gingen ein auf die Listen Nr. 1: 12,60 Mk., 3: 9,90 Mk., 4: 5,45 Mk., 5: 1,50 Mk., 7: 2,— Mk., 8: 5,60 Mk., 10: 6.70 Mk., 11: 5,40 Mk., 12: 1,80 Mk. Quittung. Für die Landtagswahl vom Volks⸗ verein in Alten⸗Buseck 8,50 Mk. „Europa, zittere, der gefährliche Verbrecher Dr. Quarck in Frankfurt a. M. ist am Samstag wieder in die deutsche Freiheit entlassen worden, nachdem er vier Monate lang in Preungesheim eingesperrt war. Quarck hatte sich seiner Zeit mit der Thronrede be⸗ schäftigt, wodurch er zum Majestätsverbrecher geworden sein sollte. Damit er gebessert werde, wurde er auf vier Monate von Frau und Kindern getrennt, die wahr⸗ scheinlich gar zu schlimme Einflüsse auf ihn ausübten, und nach Preungesheim unter die sich dort gewöhnlich aufhaltende anständige Gesellschaft gethan. Wir kennen den verstockten Sünder schon so lange, daß wir mit Bestimmtheit behaupten können: er hat sich nicht ge⸗ bessert. Aber eins hoffen wir, nämlich daß ihm die Haft möglichst wenig an der Gesundheit geschadet hat, damit er seine vorzügliche Feder recht bald wieder in den Dienst der Partei stellen kann. Im übrigen: herzlich willkommen in der deutschen Freiheit! Briefkasten der Redaktion. Wahlmänner. Wir erwarten, daß keiner bei der zweiten Abstimmung fehlt. A. H. V. ⸗H.⸗S bach. Ihre Frage ist erst heute (Donnerstag) an die Redaktion gelangt. Das angefragte dürften Sie in jeder besseren Eisenwarenhandlung er⸗ halten. Bestimmt erhältlich bei Ph. Mayfarth u. Ko., Frankfurt a. M. Briefkasten der Expediion. Quittungen. L. Weck. 24.60. Mhl G. 56.— Mdlr. Kzbch. 24.40. Schfr. Shsbch. 2.80. A. Rdogn. 4.60. Rch. Grhs. E. 3.— Lcht Gbg. 6.20. Kch. Ifd. 9.40. Ffflr. Frbg. 30.— Wdm. Cch. 2.40 Sg. Hchst. 2.20. Strk. S. Z. 3.80. K. S 11.30. Kch. Nrfl. 6.— N Ech. 3.— Tetzte Nachrichten. Reichstag. Am Donnerstag hat der Reichstag die Novelle zum Postgesetz in der Gesamtabstimmung angenommen. Dann folgte die zweite Lesung der Novelle zur Ge⸗ werbeordnung. Zu längeren Auseinander⸗ setzungen führt ein sozialdemokratischer Antrag zu§ 33, wonach alle Gastwirte eines Ortes in Bezug auf Polizeistunde und Genehmigung von Lustbarkeiten gleich be⸗ handelt werden sollen. Für diesen An⸗ trag sprachen mehrere Sozialdemokraten, trotz⸗ dem lehnte der Reichstag denselben ab. Außer den Sozialdemokraten erkennt eben niemand das gleiche Recht für alle an. Ein neuer Artikel 4 a, betreffend die Einschränk⸗ ung des Barbier⸗ und Friseurgeschäfts an Sonn- und Feiertagen wurde angenommen. Die Maureraussperrung im Frank⸗ furt a. M. dauert fort. Der Versuch der Unternehmer, die Schuld des bedauerlichen Konfliktes auf die Arbeiter zu schieben, ist total mißglückt. Aktenmäßig haben die Arbeiter in der„Volksstimme“ nachgewiesen, daß sie in gutem Recht, die Unternehmer aber im schlimm⸗ sten Unrecht sind. Die Frankfurter Maurer verdienen der thatkräftigsten Unterstützung vor allen Dingen insofern, daß dafür gesort wird, jeden Zuzug nach Frankfurt fernzuhalten. Gießener Stadttheater. Sonntag, den 26. Nov.: Marianne, ein Weib aus dem Volke. Dienstag, den 28. Nov.: Onkel Bräsig. Mittwoch, 29. Nov.: Luser Doktor. Freitag, den 1. Dez.: Ehrliche Arbeit. Dienstag, Mittwoch u. Freitag: Gastspiele v. G. Richard. ——— N 3 45 1 S Seeed S Seite 6. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 18. 1 und hot gesagt:„Gelt, die sin schö! Die fin] mer mei Schwester, die Karline, die mer die Unterhaltungs-Cril. heut' for'm Papa sein Nachtisch, wisse Se, der[Haushaltung führt, entgege un sägt:„G'rad' Jeanette. Von Otto Julius Bierbaum. Was ist mein Schatz? Eine Plättmamsell. Wo wohnt sie? Unten am Gries, Wo die Isar rauscht, wo die Brücke steht, Wo die Wiese von flatternden Nemden weht, Da ist mein Paradies. Im allerkleinsten Nause drin, Mit den Fensterläden grün, Da steht mein Schatz am Bügelbrett, Hoiho, wie sie hurtig den Bügelstahl dreht, Gott, wie die Backen glüh'n! Im weißen Röckchen steht sie da, Ihre Blouse ist blumig und bunt; Mein Mieder schnürt, was drunter sich regt, Sich wellenwohlig weich bewegt, Der Brüste knospendes Rund. Vorüber geh ich allmorgens früh, Schau tief ihr ins Auge hinein, Da liegt meine Lust, meine Liebe, mein Glück, Die lachende Kunde: Komm abends zurück, Das Waschermadel ist dein! 's Lisbethche. Aus eme alte Schwerenöter sei'm Tag buch von Dr. G. R. Wann mer so dahin lebt als än Tag wie de annere— mer hat set Geschäft, wo alle Fingerslang ebbes Dummes passiert un der Nerger nit ausgeht, die Kinner wer'n groß und mache em Sorge, ob se äch rechtschaffe denke un ebbes Ordentliches lerne— do merkt mer lang nix, daß mer alt werd dabei— uff ämol is mer'sch. Die Leut' sagen's em nit g'rad' ins Gesicht, wenn de aber die Gewohnheit an der hast, nach de Weibsleur zu gucke, do werscht de gewahre wer'n, daß sich do im allgemeinen ebbes ge⸗ ännert hat. Was die Zielbewußte sein, so von Neunzehn bis Neunundzwanzig, die doch sonst als des Köppche gedreht habe, die renne an der vorbei als wärscht de Luft; und sind's bekaunte Mädercher, do schlele se höchstens rüber mit steife Köpp und wolle e Kompliment gemacht habe, was se mit ehre vornehme Senkung der allergnädigste Nasespitz erwidern könne. So denk' ich mer, guck' als überzwerch, Rosmareinche, un geb' Acht, daß dei'm Lad⸗ stöckche nix passtert, wo de verschluckt hast. Ens aber is drunner, das Lis bethche, des is ganz annerscht: des lacht schun von weitem, wann's mich sieht, und waun's dann näher kömmt, da läßt's mer gar kä Zeit, daß ich mein' Hut runner thu', es giebt mer sei Handche und macht sei Kuixche und frägt mit sei'm helle Stimmche:„Gut Zeit, Herr Röder, Sie sehe aber prächtig aus! Wie geht's denn der Frau Schwester, ich hab' se gar zu lang nimmer gesehe?“, und so weiter, daß mer gar nit zum Wort kommt vor lauter Freundlichkeit un Gebappel. Waun ich dann so en windstille Moment benütze will und mei Komplimente anbringe: was es für„e lieb und gescheit Mädche wär“ und was mer sonst als einfällt, weun ich em so nah in sei sunnine Aage guck', do werd's als e bische rot, aber es thut nit zimperlich, es frägt herzhaft:„Is wahr, Herr Roder? Das freut mich, daß Sie so e gute Meinung von mir habe, Herr Röder.“ Un fort is es wieder. Un ich tapp' halt aach weuer un summ' dem alte Mendelssohn set melancholisch Lied:„Ach, wie so bald verhallet der Reigen...“ Des will mer seit e paar Woche nit mehr aus m Kopp. Heut früh begegne ich dem Lisbethche wider emol in der Kreuzgaß, wie's g'rad' en große Henkelkorb am Arm hat. Es geht uf der annere Seit“ von der Gaß. Wie's mer aber so lieb zunickt, do geh' ich zu em rüber und wunner mich:„Gelt, Sie komme schon vom Markt, Lisbethche, und habe recht eingekaaft?“ Da macht's sein Korb uf und zeigt mer allerhand gute Sache un obe druf die aller⸗ schönste Traube. „So“, sag ich,„wer kriegt denn die? So 85 88 hab' ich ja des Jahr noch gar nit ehe. Do hot's mich so e bische listig angeblinzetl will als ebbes zum Zuspitze, un so lang's Traube giebt, is des es Best'.“ „Do habe Se ganz recht“, sag) ich,„wenn ich nur äch so e lieb Töchterche hätt', des mer was Gutes vom Markt häm trägt!“ Do is des lustig Lisbethche uf ämol ganz ernst wor'n und sägt:„Ja, gelt, Herr Röder, Sie wohne halt e bische weit drauße, und die Mägd wenn mer fortschickt, die komme gar nie mehr wider. Aber wenn Sie erlaube, Herr Röder, will ich als— „Ja, das wär' noch schöner— ich dank' Ihne recht herzlich für Ihre freundliche Ge⸗ sinnung un grüße Se de Papa und die Mama recht schön von mir!“ „Danke, Herr Röder, will's ausrichte!“ Und fort war's, das Lisbethche mit sei'm gescheite Gesichtche, seine liebe Aage und seine schwarze Löckelcher, un ich hab' em noch lang nachgeguckt, bis es mit seim Marktkorb im Geschwindschritt ums Eck war. Des Lisbethche is nämlich die ältest Tochter von mei'm Freund, dem Professor Schmitt, un ich hab's schon als Kind gekannt un immer gern gehabt. Seit zwei Jahr' sag' ich„Sie“ zu em, was es als anfangs nit hat leide wolle. Wie ich's aber nit annerscht gethan hab', hat sich's gebe, is aber immer gleich freundlich un herzlich gebliebe. Dehäm is es arig fleißig, springt wie e Wieselche im Haus rum un hilft seiner Mutter in der Küch' un in der Haus⸗ haltung. Es sin sechs Kinner, vier Bube un zwä Mädcher von zwanzig Jahr' bis zu zehn runner, un do hat der Vater gemänt, wo acht esse, do thät's nit viel ausmache, wenn noch e paar mitesse, un so halte se aach noch e paar Schüler. Das wär' alles recht, wenn die Mutter nit als emol Koppweh hätt' un Herz⸗ kloppe, wo se sich dann ins Belt lege muß oder in de Lehnstuhl setze un warte, bis es wider vorbei is. Do hat denn des Lisbethche die groß Haushaltung allän zu besorge, was ebbes häße will for so e jung Mädche. Aber es grunzt nit, es kräxt nit, es macht kä Gesicht; es denkt sich sei Sach' schö zusamme, komman⸗ diert des Mädche zur rechte Zeit zum Better⸗ mache un ufräume un wird nit ämol err de ganze Morgent. Ja, es hat noch Zeit, als emol nach seiner kranke Mutter zu gucke, un mächt er Umschläg' un tröst' se, un fragt se, ob se nix braucht. Um halber Ens steht die Supp uf em Tisch, un's Lisbethche steht dabei un schöppt jedem 'raus wie sonst als die Mutter, un die Ge⸗ schwister stumpe enanner mit de Elleboge un gucke em zu, wie's do rum wirtschaft' uf em Tisch un's Mäulche zampetzt zu ere mütterliche Amtsmiene. Das alles hat mer letzthin sei Vater ver⸗ zählt, un wie er'sch nachher e bische gefoppt hat. Er hätt als so mit em Löffel in der Supp' rumgeläppert un, als wüßt' er von nix, gefragt:„Wer hat denn heut' die Supp' ge⸗ macht, ich meen, sie wär' angebrennt.“ „Angebrennt?“ sägt 8 Lisbethche,„gelt, Du willst mich wider emal utze, Papa? Aber es wär' ke Wunner, wenn em ebbes passiert, weil mer keen Aageblick sei Ruh' hat vor dene deibelse Bube. Wie die Mutter de Rücke ver⸗ wend't, wutsch, sind se in der Küch' und überm Kücheschrank.“ „Wäßt De, Vater“, sagt da der Aeltst, der Fritz,„es hat heut' so verdächtig gerappelt in der Küch', da habe mer nachsehe müsse, was passiert is.“ Der Vater aber hält jetzt zur Tochter und sagt:„Die Bube habe ämol nix zu thun in der Küch', ob's jetzt rappelt oder nit rappelt.“ „No, wenn mer doch schuld sein solle“, mischt sich da der Zwät, der Ludwig, drei, „dann därf mer aach sage, daß die Supp' heut' gar nit angebrennt is, ich schmeck' nix.“ „No, sie passiert“, sägt der Vater, und streichelt's Töchterche über das Nasespitzche runner, daß es äch wieder gut werd.—— So muß ich den ganze Morgent an das klä Mädche denke. Wie ich häm kumm', kommt war's Professors Lisbethche da, un hat en ganze Teller voll schöne Traube gebracht. Du thätst schon wisse davon, hat's gesagt, un hat's recht pressant gehabt, die klä Hex' mit ihrem große Korb. Gelt, Du bist em nf'm Markt begegnet?“ g Da hab' ich e Bedürfnis gefühlt, e bische zu lüge, un sag':„Ja freilich, es hat sich an⸗ gebote, die Traube mitzunehme, weil mer so weit drauße wohne. Es hat ee recht gut Herz, des Mädche, un thut äm gern en Gefalle.“ „Ja, es is e interessank Mädche“, sagt da mei Schwester,„un's is jetzt schon in die Zwanzig, da wunnert's mich eigentlich, daß sich noch kä Liebhaber gefunne hat.“ No, es wird halt aach nit jeden wolle, denk' ich mer, un guck als im Vorbeigeh'n in de Spiegel un dreh' den Schnurrbart un werbel mei Tuze uf; un wenn ich mer aach sage muß, daß des nimmer so schön schwarz is wie vor zwanzig Jahr', un daß e dicker Bauch nit g'rad' zu de Zierde des männlichen Geschlechts gehört, so stell' ich doch noch mein' Maun mit em heitern Gemüt un ere splendide Lebensart, was bei de Weiber nit ohne is. Mer kann ja gar nit wisse, wie verschiede die Geschmäcker sin bei dene Frauenzimmer, do kumme als die seltenste Sache vor. Wer kann vor die Lieb'?'s is was Himm⸗ lisches un so e ganz uninteressant Gefühl von Wohlgefallen, wo kä Mensch wäß, wo's her⸗ kommt un was eigentlich die Ursach' is. Un wenn mer sich denkt, daß mer selber dadervon des Ziel un der Gegenstand wär'! Eh mer sich's versieht, hätt' mer so e lieb Dingelchen uf em Schoß sitze; des streichelt em un küßt em bald uf de Backe, bald uf's Maul, un bald uf de Glatze, un werd gar nit fertig mit aller⸗ hand Posse un äfältige Frage, von dene's scho lang die Antwort wäß. So Zeug rappelt mer durch's Blut, wie ich nach Tisch von dene Trauben eß, die des Lisbethche vorhin gebracht hat. a ö Die Karline sitzt dabei un betracht mich als von der Seit' un schüttelt de Kopp un wäß nit recht, was se draus mache soll, daß se heut' uf die allerinteressanteste Frage ke Antwort kriegt oder e recht überzwerche. Endlich sägt se:„A spinn' als!“, un geht naus. So um drei Uhr, wie ich mei Mittags⸗ schläfche gemacht hatt', kommt e telegraphische Depesch von mei'm Wilhelm aus Erlange: „Doctor magna cum laude gemacht, komme heute Abend acht Uhr.“— Natürlich hole mer'n All am Bahnhof ab, de neugebackene Herr Doktor, un wie er aussteigt, do is großer Jubel bei Alt un Jung.. Er selber aber kommt mer als e bische traumverlore vor, als ging em noch was ab. Nach em Nachtesse rückt er dann raus un sagt:„Ihr werd' mer'sch nit übel nehme, aber ich muß heut noch ins Professersch'nunner, ich hab' en wichtige Auftrag auszuricht.“ „A, mach' mer kä Flause, des werd nit so presstere. Wer werd denn bei der stockfinstere Nacht noch die Leut überfalle.“ g „No, ich will Dir's nur sage, ich muß des Lisbethche noch sehe un ihm sage, wie mer'sch gange is.“—„Dem Lisbethche??. „Ja, natürlich— jetzt könnte mer Ja unsere We— 1 weiß, Ihr habt nix dagege, Ihr habt's ja au Fein N „Ia, do schlag' doch e Bumme'nei! Seit 7¹ wa „O wir sind schon seit zwei Jahr' einig— — ja, Vatter, was schüttelst denn de Kopp? Is es nit e prächtig Kerlche, e feine Frau Doktorin?“ a „Ja, ja— meinetwege— als zu!— ich ärger mich nur, daß ich so dumm war un so lang nix gemerkt hab'!“ n hämlich denk ich mer:„Es hat doch alles uf der Welt sein begreifliche Zusamme⸗ hang.—— Un eh mer an übernatürliche Ursache glaabt, soll mer sich immer zuvor uf die natürliche besinne. Wart' nor, Lisbethche!“ („Frkf. Ztg.“) 9 2 92 U bei iu fiche Rep 0 Mitteldeuische Sonntags⸗Zeitung. Nr. 48. 18. 1 Samstag, den 25. November, 5 4 abends 9 Uhr pünktlich im Orbigschen Lokale e and die Sn; 0 tab Sozialdemokratische Knabenkleider 5 Partei- Versammlung. Regenschirme 1 pie Tagegerd nung; Stõcke 2 ihren Der Parteitag in Hannover. Herreuwäsche Markt Reserent: Ph. Scheidemaun. Cravatten D e Nach bent Referat: Diskussion. 2 Haus⸗ und 0 1 Die Parteigenossen werden aufgefordert, recht zahlreich zu 1 an⸗ erscheinen. e Drze n 5 mer so 5. 5 de 26 8 5 5 3. U as he Sonntag, den 26. November, Steingu lle.““ nachmittags 3½ Uhr im Lokale des Herrn Orbig, Rittergasse: Emaille⸗ und sagt da(Spee deralver a r Blechgeschirr 1 Gener alve 5 ammlung Edling Se teduten aß sic 44 Bil 1 5 2 Spielwaren und Rotor Aeg U. 5 1 „ Arbeiter- Bildungs ⸗Cereins. Waren ale det in de Tagesordnung: Puppen⸗ und werbel 1 und Kass 70 erich 0 Leiterwagen 1 2. Das kom ißische Mauifest. Sen Wand 1 Referent: Mauer⸗Marburg. 1 Wa nd 8 0 bor Sämtliche Gewerkschaften siud verpflichtet zu erscheinen. Hängelampen galt N Das Gewerkschaftskartell. 1 und aun ü e e bensart Lager in 5 Lederwaren dull, N let 110 Arbeiterschuhen 80 1 Art 110 und Stiefeln, Ii arg 5 Herren- und Frauen- r 8 1 8 Christbaum⸗ i Halbschunen, sehmuck und 0 1 Zurstiefeln, gichter 8. In Winterschuhen von einfachsteu bis zun fein⸗ daderb von 50 Pfg an in nur besten] sten Genre kauft mau zu N 1 Qualitäten zu billigsten Preisen. euorm billigen Preisen in nur Eh mer guten Qualitäten im ingelchen— Marktstrasse 9 5 5h un lügt Kauf haus un 100 und Wettergasse. 1 Aeparaturen gut und billig. F. E[sSoffer IESSEN 1. 27 2. 1 9* 9 i, we 8 0 bill 19 0 6 ch I 27 Marktstraße 27. de de ehr oh Un oeh gut! 8 a 1 F 1! 9 er erehrl. Vereinen gewähre Ein Poften Arbeitskleider ich den allerhöchsten Rabatt. mich als 5 Anzüge, Joppen, Uebe zieher, l, beiße und bunte Hemden dlich sagt empfehlen Mittags- gmaphishe Erlange: Kuder& Sonneborn Marktstr. 25 u. Neuenveg 17. t, komme len Für Arbeiter u. Landleute fer Jubel empfehle mein reichhaltitzes ö „ Schuhwarenlager 110 1 in gebiegenen soliden Onalitäten zu billigsten Preisen. iu dn Akbeitsschuhe u. ⸗Stiefel aue. Winterschuhwaren in reicher Auswahl und jeder Preislage. Aufertigung nach Naß. Reparaturen in eigene Werkstätte rasch, gut und billig. Justus Benner, Marktstr. 34. sunnel, ic 11 erd uit so . se bogne 1. 14 Flaschen in der Firma ErsteraunusCognac-Breuner. Fritz Scheller Söhne, Homburg. Anerkanntseinsteqstar fie. Nr. 1 per Flasche M. 5.— „ 2 7„ 4.— „ 3 77„ 3.— „ 4.„ 2.40 „ 5 77„ 1.80 7 6 per Literfl. 797 2. 2 77 7 7„ 1.30 Alleinige Niederlage: Heuchelb. Consun-Halle Juh. W. Schmidt Heuchelheim b. Gießen. Friedberg. Hüte und Mäzen Crapatten, Regenschirme Hosentrager, Spazierstöcke u. s w. enipftehlt Jalus Friedrich am Bahnhof, neben dem Darmstädter Hof. Seite 7. FFF ³·Ä0A. ² a 2 Mk. und 2,50 Mk. kostet Buxkin zur großen Mannshose. 3 Mk. kostet der Stoff zur Loden⸗Joppe in grün, grau, braun, gelb ꝛc. ꝛc. 5 Mk. kostet der Stoff zum Kaisermantel in egal Farben. 7 Mk. kostet der Stoff(4 Meter) zum Haveloc in allen Farben. 10 Mk. kostet der Stoff zum Buxkinanzug 12 Mk. kostet d. Stoff z. Ia. Buxkinanzug. 8, 10 u. 12 Mk. kostet der Stoff in grün, oliv, blau, braun und schwarzem Cheviot⸗Pracht⸗Muster, ganz neue Dessins. 8 Es bedarf uur der Farbenangabe.— Nichtgefallendes wird zurückgenommen und Betrag zurückgezahlt. 1 Versandt gegen Nachnahme oder vorheriger Ein⸗ sendung des Betrages. H. Möller, Marburg Gessen) Tuch- und Buxkin-Versandt-Geschäft. Gegründet 1872. Viele Anerkennungsschreiben. Mein ausgedehntes Kleiderlager in Hosen, Westen, Saccos, Röcken, Geh⸗Röcken, Tuch⸗Röcken, Joppen, Winter⸗ und Herbst⸗Paletots, Pelerin⸗Mäntel mit und ohne Aermel, sämtliche Knaben- d. Kindergarderoben in 1000ten Stücken, sowie mein Lager in Hüten, Mützen, Schuhen, Stiefeln, Wollwaren, Metzger⸗Bekleidung empfehle dringend. —— bb Mehrere tüchtige 9 NRockarbeiter sucht Wilh., Stein Eisern. Hüfte und li tz en in schöner Auswahl zu billigsten a ubs age Holz per Meter von 90 Pfg. an Vorlagekatalog u. Preisliste; Lber Ae Laubsäge- U. Kerbsohaftt- tenen! hats. G. Schaller& Co.] Konstanz. 3 Marktstätte 3. Arbeiter-Motizkalender 0 Preisen N 900 11 a. Neue Wlelt-Halen Rudolf Richter, Nur dc Hutmacher, 8 5 26 Marktstraße 26. Buürgerl.Gesetzbuch, geb. Wahlkreis„ Wetzlar⸗Altenkirchen. Parteitn 98-Protokoll Sonntag, den 3. Dezember, 50 Pfg. sämtlich zu haben in der Buchhandlung Schneider Sonnenstraße 25. nachmittags 3¼ Ubr, im Lokale des Herrn Gastwirt Löb in Gießen, Kaplansgasse Oeffentliche Partei- Versammlung. Tagesordnung: d 1. Jahresbericht des Kreisver⸗ trauensmannes und Neuwahl des⸗ selben.. 2. Berichterstattung vom Partei⸗ tage in Hannover. Referent: Ge⸗ nosse Ed. Krumm⸗Gießeun. 3. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet Der Kreisvertrauensmaun⸗ D N Buchhandlung Vorwärts Berlin SW. 19. Soeben erschienen: Protokoll des Parteitages zu Hannover. 304 Seiten stark. Preis 50 Pfg., gebd. 75 Pfg. Porto 20 Pfg. Die Verhandlungen über Taktik und Grundanschauungen der Partei, sowie die Erörterungen über den Militarismus haben dem Parteitage zu Hannover eine Bedeutung ver⸗ liehen, die für die Entwicklungs- geschichte der Partei bleibend ist. Die Verhandlungen sind ausführlich, mit stenographischer Treue wieder⸗ gegeben und ein ausführliches Sach⸗ register erhöht den Wert des Proto- kolles für Nachschlagezwecke. Für jeden Genossen, der an dem geistigen Ein schönes Weihnachts⸗ Geschenk ist das berübmte Buch: Hundert Jahre in Wort u. Bild. Ladenpreis Mk. 10.—, für Abonnenten der„Mitteldeutschen socfußene 5 des empfehle u ig— 8 Uh 1 r alle orten 18 10 unsere von den billigsten bis zu den seinsten, sowie Ketten, Artabänder, 1 bt nil Broscheu, Ohrringe u. s. w. f 9 m Grrautie für jede gekauste Ubr, sowie für sämtliche Reparaturen. 1 8 1 5 1 each 4— 15 v Marktstr. 322 Uhrmacher Marktstr. 32 el Beru. Stahmer — ich 80 . 1 8 r Peter Loppla I e . Neustadt 79 Nen stadi 79 „ Flaschenbier! mee ö Aach dell und Funkel 5 115 1 9 W i us, 5 uu f 10 Halbe Flaschen Mk. 3. 1 55 5 4 billigen Preisen. 0 frei ins Haus. See dee eee Sonntags⸗Ztg.“ nur Mk. 3.—. eben und Streben der Partei In⸗ Buchhandlung teresse nimmt,. ide f Parteitags⸗Protokoll unentbehr⸗ H. Schneider, Faern Sonnenfraße. FFF 17 r.— Laufhaus Leilioy E To. Marktstrasse 1 GIESSEN Marktstrasse 12. ln dieser Woche: Ausstellung pielwaren in den Souterrain⸗Räumen unseres Kaufhauses. In den Abteilungen für Manufactll- Lemen-Wasche-Confegton-Futr-Galatefenaee haben wir ganz besonders preiswerte Gelegenheitskäufe für 1 weihnaehts⸗Gesehenke ausgestellt. iets 3 für 5 1 Vereine. Traufur r Schuhlager Engros. ur N 12 En detail. Reichste Auswahl in eee u. S.. Grösstes Lager in Winter- Schuhen, Stiefeln, Pantoffeln in allen 0 35 125 1 9—— U AB 11 10ů Air 2 eee eee Weihnachtsgeschenke! Zaum Einkauf von Weihnachtsgeschenken empfehle ich mein grosses Lager in Uhren, Gold und Silberwaren Regulateureu, Staud⸗ und Wanduhren, sowie Weckern in allen Ausführungen. Herrenuhren in Gold, Silber, Double, Weißmetall, Stahl und Nickel. Damenuhren in Gold, Silber und Stahl. Herren⸗ und Damen⸗Uhrketten in Gold, Silber, Doublé, Weißmetall und Nickel. Reiche Auswahl in Broschen, Ohrringen, Colliers, Armreifen, Ringen, Manschetten⸗ kuöpfeu, Kravatteunadeln, Haarkettenbeschlä⸗ geu, Auhängeru u. s. w. — 585 und 333 gesetzlich Trauringe getenpen Echt silberne Bestecke, sowie stark versilberte Waren us der württem⸗ bergischen Metallwarenfabrik in“ Geislingen. Selbstspielende Musikwerke. Dla. Waren, billigste Preise, reelle Garantie. Reparaturen und Gravierungen aller Art werden schnell, gut und preiswert ausgeführt.— Auch übernehme ich das regelmäßige Aufziehen 8 u. 14 Tage gehender Uhren im Abonnement. D. Kaminka, Uhrmacher Marktplatz 18. eee eee Preislagen. F 9 Se eee Verlag der Mitteld. Sonntags⸗Zeitung(CE. Krumm), Gießen. Reparaturen schnell und billig. Derantwortl. Nedafteur Ph. Scheidemann, Gießen. Druck von A. Heppeler in Gießen. . Ki Vbülken Mit 9 im W des S des amtlie bon Jahre rend ber