N * — ö ö 6 — ) l 1 der gen eisen, 0 1 0 ltiget d- on eisen litt. 1 e E stadt 79. evil onpl. Al. n Pressen 1 en — billige chleb, Nr. 43. Gießen, Sonntag, den 22. Oktober 1899. 5. Jahrg. Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Jonnt Mitteldeutsche Ags⸗Zeitu MNedbaktionbschluß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. Abounements preis: Bestellungen 1 Juserate Die„Mitteldentsche e kostet durch unsere] nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der„M. S.-Ztg.“ weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt Austräger frei ins Haus ge liefert monatlich 25 Pfennig.[Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die] Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindestens Durch die Post bezogen vierteljährlich 90 Pfg. Direkt durch] Druckerei, Schloßg. 18, sowie jede Postanstalt und] 4 mal. Bestellung gewähren wir 25%, bei 6mal. Bestellung die Expedition unter Kreuzbaud vierteljährlich 1 Mark. Zur Landtagswahl! Wer kann wählen? Wählen kann jeder in die Wählerliste ein- getragene Hesse, wenn er bis zum 8. No⸗ vember— dem Wahltag— seine Kom- munalstenern bezahlt hat. Wer jedoch erst kurz vor oder gar erst am 8. November seine Steuern zahlt, muß den quittierten Steuerzettel mit in's Wahllokal nehmen. Also, vergesse keiner, seine Steuern zu zahlen! ** * Montag, den 23. Oktober, Dienstag, den 24. Oktober, Mittwoch, den 25. Oktober, liegen die MWaählerlisten bei den Bürgermeistern zur allgemeinen Ein- sichtnahme auf. Ueberzeugt Euch, Arbeiter, ob Ihr in die Listen eingetragen seid. Wenn nicht, so ver- langt die nachträgliche Eintragung sofort. Es muß jeder 25 Jahre alte Hesse in die Wählerliste eingetragen werden, der seit 1. April 1899 steuerpflichtig ist. Alle Hessen, die Wahlmänner werden können, sind noch einmal in einer besonderen Liste verzeichnet. In jedem Ort muß unser Vertrauensmann sich überzeugen, ob die von uns aufgestellten Wahlmänner in dieser Liste aufgeführt sind; ist das nicht der all, so muß sofort Genosse Scheidemann in ießen, Kirchenplatz 11, per Postkarte benach⸗ richtigt werden. Nur drei Tage liegen die Listen aus, nämlich: Montag, den 23. Oktober, Dienstag, den 24. Oktober, Mittwoch, den 25. Oktober. Al so nicht vergessen: Waählerlisten einsehen! Nach dem Parteitag. * Die arbeitsreichen Tage von Hannover 1 zu Ende. Zwar abgespannt von den an— rengenden Sitzungen, aber auch befriedigt von dem Ergebnis, haben die roten Delegierten der Welfenstadt an der Leine wieder den Rücken gekehrt. Weniger befriedigt sind unsere Gegner. Dies— mal hatten sie so sicher auf die längst ersehnte Spaltung gerechnet. Und nun war es doch wieder nichts! Das viele Hoffen und Harren machte unsere Gegner zu Narren. Das erklärt und ent⸗ schuldigt die unglaublich einfältigen Aeußerungen der bürgerlichen Presse über unsern Parteitag. Wie eine Oase in der Wüste erscheint da die Berliner Volks⸗Zeitung, ein ehrliches frei⸗ sinnig-demokratisches Organ. Sie schreibt in einem Rückblick auf unseren Parteitag: „Es ist ein Zeichen innerer Stärke der Sozialdemokratie, daß sie einen Prinzipien- streit, bei dem nach den Preßkämpfen inner- halb der Partei zu erwarten war, daß die kampflustigsten Elemente aufs heftigste an— einander geraten würden, nicht hinter ver— schlossenen Thüren, sondern im Lichte der vollsten Oeffentlichkeit hat aus⸗ fechten lassen.... Man hat sich gründlich ausgesprochen, so gründlich, daß die tage⸗ langen Turniere des Mittelalters gegen das Redeturnier von Hannover nur als Kinder⸗ spiel erscheinen. Für den objektiven Beobachter des Turniers steht die bemerkenswerte Erschei- nung im Vordergrunde, daß in der sozial— demokratischen Partei ein ungemein reges geistiges Leben pulsiert. Es edeihen in ihr die verschiedensten politischen Persönlichteiten, die Raum genug finden, ihre Kräfte zu entfalten. Es giebt keinen Partei⸗ papst, der sich mit Nullen umgiebt, um als Einer besser zur Geltung zu kommen. Es gibt keine Verknöcherung im Doktrinartsmus.... Wohl der Partei, die derartige Debatten über sich ergehen lassen kann, die ein derartiges theoretisches Feuerwerk abbrennen kann, ohne baß ihr das in ihrer taktischen Geschlossenheit irgend etwas anhaben kann!... ... Was wir vor acht Tagen an dieser Stelle angedeutet haben, das müssen wir auch heute, nach dem theoretischen Scharmützel an der Leine, wiederholen: So lange die herrschen— den Klassen der Sozialdemokratie den prakti— fend Agitationsstoff dank den traurigen Zu— tänden auf innerpolitischem Gebiete scheffel— weise ins Haus tragen und so lange durch stete Bedrohungen der natürlichsten Rechte des„vierten Standes“ die Solidarität aller Proletarierinteressen geradezu gefördert wird, so lange bleibt die sozialdemokratische Partei, ungestört durch theoretische Gewitter, die sich zuweilen in den Wolken entladen, eine Partei von nnangreifbarer Ge— schlossenheit.“— Jawohl, eine Partei von unangreifbarer Geschlossenheit! Das sind wir, und das bleiben wir. Nicht nur so lange, wie die herrschende Klasse uns den Agitationsstoff e e e in's Haus trägt, sondern bis wir am Ziel sind: bis der Kapitalismus be— siegt am Boden liegt. . Arbeitslöhne in der alten und neuen Welt. O. Es ist keine Frage, daß die Löhne der Arbeiter in den Vereinigten Staaten von Amerika höher sind, als in Europa. Die amerikanischen Schutzzöllner behaupten zwar, daß ihr Schutzzoll die Ursache der höheren Löhne sei, indem die In dustrie, geschützt gegen die Konkurrenz des Aus lands, befähigt werde, höhere Löhne zu zahlen: Diese Annahme beruht aber auf einer Täuschung. Denn England, ein Freihandelsstaat, zahlt höhere Löhne als die Schutzzoll-Staaten Deutschland, Oesterreich, Frankreich u. s. w. Wenn Amerika höhere Löhne zahlt, so liegt der Grund in ganz anderen Verhältnissen. jeder Landbriefträger entgegen.(Post-⸗Z.⸗Kat. 4312.) 33s½% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt Zunächst sind die Produktionskosten in Amerika trotz der höheren Löhne geringer, als in Europa bei dem geringeren Lohnsatz. Dies scheint ein Widerspruch zu sein. Allein infolge ihrer besseren Ernährung und ihrer höheren Intelligenz leisten und produzieren die amerikanischen Arbeiter viel mehr als die Arbeiter in Europa. Sodann findet eine größere Arbeitsteilung statt in jedem Industriezweige, sodaß jeder Arbeiter in seinem geteilten Fache sehr gewandt ist. Endlich wird mehr mit Maschinen gearbeitet, während in Deutschland die Hausindustrie noch sehr ver— breitet ist. Die Weber verdienen in Amerika mehr als z. B. in Deutschland, trotzdem ihre Arbeitszeit eine geringere ist. Sie bedienen aber auch doppelt so viel Stühle, wie die deutschen Weber. Wanduhren giebt es in Amerika für 3,60 Ml., Taschenuhren für 6 Mk. Diese geringen Pretse erregen allgemeines Erstaunen. Die Herstellungs— kosten einer Taschenuhr, Verfertigung von Federn, Rädern, Schrauben u. s. w. nebst einem mit Satin ausgelegten Kasten betragen nicht mehr als 2 Mk. Gleichwohl betragen die Löhne pro Woche min destens 40 Mk. In den amerikanischen Schuhfabriken betragen die Produktionskosten eines Paars feiner Damen— schuhe nur 1,40 Mk. In Berlin, Frankfurt, Erfurt sind die Produktionskosten, obgleich die Arbeit nicht besser ist, um das Doppelte teurer, und doch sind die Arbeitslöhne in diesem Fache in Amerika mindestens um ein Drittel höher als in den genannten deutschen Städten. Die amerikanischen Arbeiter haben im Allge— meinen größere Gewandtheit und Aufmerksamkeit, eine außerordentliche Geschwindigkeit, vor allem größere Arbeitskraft infolge besserer Lebensweise— Größere Lebenskraft durch bessere Ernährung, höhere Intelligenz, strikte Arbeitsteilung, mehr Maschinenwerk ermöglichen trotz höherer Löhne eine Verminderung der Produktionskosten. In Deutschland will man auch eine höhere Arbeits— leistung aus den Arbeitern herauspressen, aber anstatt durch höhere Löhne, welche eine bessere Ernährung gestatten, durch das— Zuchthaus— gesetz, das die Arbeiter zwingen soll, sich ohne Murren für die Löhne, welche die Arbeitgeber ge— währen wollen, ausbeuten zu lassen. Politische Rundschau. Gießen, den 20. Oktober. „Das hast Du gut gemacht, Alter!“ So rief in der Mittwochs-Sitzung des Parteitages Genosse Bebel unserm alten Veteranen Liebknecht zu, als dieser auf die thörichten und verderblichen Flaumachereien derer, die dem Proletariat Angst machen wollen vor seinem Siege, die sich in ewigen Unkenrufen ergehen über die angebliche„Unreife des Prole— tariats“, schlagend erwiderte: „Ist die Klasse, deren Vertreter jetzt auf der Anklagebank im Harmlosen-Prozeß sitzen, besser geeignet, den Staat zu regseren, als das Proletariat, wie es heute ist?“ In der That: kein besserer Vergleich, kein erhebenderer Vergleich ist möglich, als den zwischen dem verlotterten und verlumpten „Harmlosen“-Nachwuchs der besitzenden Klasse, Nr r Seite 2. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. ein Nachwuchs, der bar ist allen idealen Strebens und aufgeht in ödester Genußsucht auf der einen, und den Vertretern des klassenbewußten Prole⸗ tariats, der geknechtetsten und gedrücktesten Klasse unseres Volkes, auf der andern Seite, Männer, die in ruhiger Weise, durchglüht vom Feuer edelster Begeisterung, eine Debatte über die ernstesten die Menschheit bewegenden Probleme führen. Wo ist die Klasse, die Partei, die uns das nachmachen, die auf ihrem Kongreß eine Debatte auch nur von ähnlicher Höhe des Niveaus zu stande bringen könnte? Wahrlich: Ein Blick in den Saal des Justtz⸗ palastes zu Moabit und dann ein Blick in den alten Ballhaussaal zu Hannover muß jedem noch Zweifelnden die Gewißheit darüber geben, auf welcher Seite hier die größere Reife ist. Durch diese prächtige Gegenüberstellung hat Wilhelm Liebknecht sich ein Verdienst erworben, und mit Bebel rufen auch wir ihm zu: „Das hast Du gut gemacht, Alter!“ Die blamierten Freisinnigen. Die„Deutsche Wacht“ schreibt:„Als„nichts⸗ würdiges Wahlmanbver“ waren von der Freis. Ztg. jene Inserate mit der Unterzeichnung: „Die Wahlausschüsse der Freisinnigen Volks⸗ partei für Neustadt und Langburkersdorf“ in den Blättern des 8. sächsischen Reichstagswahl⸗ kreises vor der Stichwahl bezeichnet worden. Wir haben schon damals unsere Ansicht ge⸗ äußert. Heute können wir nun auf Grund uns zugegangener Mitteilungen feststellen, daß jene Inserate unter Zustimmung des freisin⸗ nigen Blumenfabrikanten Sch. verfaßt worden sind. Dieselben sind dann dem Vorsitzenden des Frelsinnigen Vereins in Neustadt, Herrn Max Ehlig, vorgelegt worden und hat dieser den Inhalt vollständig gebilligt.“ Die Mache ist also von den Antisemiten angestiftet worden und hat die ausdrückliche Zustimmung freisinniger Führer ge⸗ funden. Die Freisinnigen im Wahlkreise Pirna sind demnach noch schäbiger wie die Antisemiten. Neureichsdeutsche Rechtsprechung Das Abpflücken von Maiglöckchen ist als Forstdiebstahl zu betrachten— so hat die Strafkammer zu Graudenz in einer Strafsache gegen eine Einwohnerstochter in Wiewiorten entschieden. Während einer Haus⸗ suchung hatten Forstbeamte bei dem Mädchen Maiglöckchen gefunden und erstatteten Anzeige wegen— Forstdiebstahls! Während nun das Schöffengericht die Angeklagte freisprach, ver⸗ urteilte sie die Strafkammer, indem sie entgegen der Auffassung der Vorinstanz annahm, daß Maiglöckchen nicht zu den Kräutern, son⸗ dern zu den Walder zeugnissen, bezw. zur „Schilfstreu“ zu rechnen seien!! Die Ange⸗ klagte wurde zu 2 Mark Geldstrafe oder zwei Tagen Gefängnis verurteilt und muß außerdem den Wert des gestohlenen Gutes— 7 Pfennige für ein Zehntel Raum⸗ meter„Schilfstreu“ zurückerstatten.— Armer Rabbi Ben Akiba, was bist du auf dem Holz⸗ weg gewesen, als du die Behauptung aufstelltest, „es ist Alles schon einmal dagewesen!“ Für zweierlei Recht! Mit einer Unverfrorenheit, wie sie bis jetzt doch wohl kaum dagewesen ist, tritt das ehe⸗ malige Leibblatt des verstorbenen Fürsten Bis⸗ marck, die„Hamburger Nachrichten“ für zweierlei Maß in der Rechtsprechung ein, je nach der politischen Stellung des Angeklagten. Mit cynischer Offenheit schreibt das Blatt: „Wenn ein Sozialdemokrat, also ein Todfeind der Monarchie, wegen Beleidigung des Kaisers verurteilt wird, oder wenn ein wüster Demokrat in seiner revolutionären Begierde den Monarchen beleidigt und einen Denunzianten findet, so braucht man sich über die Verurteilung nicht weiter aufzu⸗ regen.“ Das Blatt war der„Ehre“ würdig, das Leibblatt des Fürsten Bismarck zu sein, der die Arbeiterschaft Deutschlands 12 Jahre lang unter ein Ausnahme gesetz knebelte, also das Zur Zuchthaus vorlage. Auf unserem Parteitage ist beschlossen worden, daß der Kampf gegen das schmachvolle Aus⸗ nahmegesetz sofort mit allen Kräften von neuem aufzunehmen ist. In wenigen Wochen tritt der Reichstag wieder zusammen. Die wichtigste ihn beschäftigende Aufgabe wird die zweite Lesung der Zuchthaus vorlage sein. Das Unter⸗ nehmertum ist im Bunde mit der Regierung unaufhörlich an der Arbeit, durch offene und geheime Agitation sowie durch politische Koulissen⸗ manöver den Boden zu bereiten für die An⸗ nahme jenes unerhörten Gesetzes, durch das der Arbeiterklasse das Koalitionsrecht geraubt, durch das sie rechtlos gemacht, durch das sie im wirtschaftlichen Kampfe außerhalb des Gesetzes gestellt werden soll. 1 Arbeiter! Parteigenossen! Gefahr ist im Verzuge! Alle Mann auf Posten zum Kampf gegen das Ausnahmegesetz! Den hessischen Ar⸗ beitern bietet sich am 8. November, am Tage der Wahlmännerwahl, treffliche Gelegenheit, Protest zu erheben gegen das drohende Aus⸗ nahmegesez. Die Wahl von Sozial demo⸗ kraten ist der beste Protest gegen das Zucht⸗ hausgesetz, demgegenüber die National⸗ liberalen und Antisemiten eine gleich igen Haltung eingenommen aben. Bassermanu und das Zuchthausgesetz. Der nationalliberale Abg. Bassermann, der sich bekanntlich im Reichstag energisch gegen die Zuchthausvorlage aussprach, hat dieser Tage eine Rede gehalten, aus der hervorgeht, daß er seine Ansichten inbezug auf das Ausnahmegesetz gegen die Arbeiter nicht geändert hat. Er führte aus: Es ist eine große Agitation in diesem Sommer für die Vorlage entfaltet worden. Aber sie ist ausgegangen einzig und allein von der Großindustrie und ihrer Presse. Ihr Ruf:„Schutz den Arbeitswilligen“, ist eitel Heuchelei. Nicht um den Schutz der Arbeitswilligen handelt es sich, sondern um den Schutz der höchsteigenen Interessen und die Pflege ihrer eigenen Macht⸗ bedürfnisse. Von einem Nationalliberalen gesprochen, klingen diese Worte sehr tapfer. Aber eine, oder sagen wir einige, Schwalben machen noch keinen Sommer. Das ruft jedem, der es noch nicht wissen sollte, mit aller wünschenswerten Deutlich— keit die National-Ztg. zu. Dieselbe erinnert den Abg. Bassermann daran, daß schon bei der ersten Lesung der Zuchthausvorlage„min destens die Hälfte der nationalliberalen Reichstagsfraktion“ der Ueberzeugung war, daß„ein verstärkter Schutz der Arbeitswilligen“ notwendig sei. Das heißt, aus dem Nationalliberalen in ehrliches Deutsch übersetzt: Die Mehrzahl der Nationalliberalen ist Feuer und Flamme für ein Zuchthaus— gesetz! Ein Wunder, wenn es anders wäre. Waren es nicht Nationalliberale, die die Arbeiter unter das Sozialistengesetz zwangen, auf Grund dessen dann fast alle gewerkschaftlichen Organi— sationen zerstört wurden? Waren es nicht die⸗ selben Nationalliberalen, die nach der Umsturz— vorlage riefen, nach einer Verschlechterung des Wahlsystems verlangen? Immer dieselben! Und die Ausnahmen Bassermann und Heyl be— stätigen lediglich die Regel, die feststehende Regel, daß die nationalliberalen Drehscheibeu— männer eine rückschrittliche, volksfeindliche Gesell— schaft sind, die das zur Erkenntnis kommende Volk so schnell als möglich aus den Parlamenten herausbefördern muß. Pastor Göhre. In der Welt am Montag, dem„demokrati— schen“ Organ des„Nationalsozialen“ von Gerlach, lesen wir: „Der ehemalige nationalsoziale Pfarrer Paul Göhre nahm am sozialdemo— kratischen Parteitag vorläufig nur als Zuhörer hat er den Gedanken, ins Pfarramt zurückzu⸗ gehen, den er in letzter Zeit noch lebhaft er⸗ wogen hatte, endgültig aufgegeben und wird in allernächster Zeit offen zur Sozialdemo— teil. Wie wir jedoch aus bester Quelle hören, Pastor Göhre ist jener Theologe, der vor Jahren als Kandidat unerkannt drei Monate als Fabrikarbeiter in Sachsen sein Brod ver— diente, um aus eigener Anschauung die vielen Leiden und wenigen Freuden eines modernen Proletariers kennen zu lernen. Seine Erfahrungen hat er dann in dem aufsehenerregenden Buche: „Drei Monate Fabrikarbeiter“ geschildert. Paul Göhre hat vor wenigen Monaten in der„Zu— kunft“(Mai 1899, Nr. 33) in einem Artikel: „Meine Trennung von den Nationalsozialen“ sich ausführlich über den damals angezeigten Austritt aus der nationalsozialen Gruppe ausgesprochen. Er trennte sich von ihr, weil die Wahlbeteiligung von 1898 und die Haltung bei der Rede von Oeynhausen ihm gezeigt habe, daß die National—⸗ sozialen eine„bürgerliche Gruppe“ geworden wären, und daß der„Nationalismus für sie ge— radezu oberstes politisches Prinzip“ geworden sei. „Proletarischer Sozialismus“ sei„ihnen fremd... Die kleine nationalsoziale Partei ist heute jeden⸗ falls keine proletarisch-sozialistische, sondern eine bürgerlich-nationalistische Gruppe. Und weil diese Entwickelung mit meinen Absichten und Wünschen unvereinbar ist, habe ich keinen Platz mehr bei den Nationalsozialen.“ Edle Herren der Kirche. Die Geistlichen der Synode Schlochau haben, wie die„Kreuz⸗Zeitung“ mitteilt, für den wegen seiner Abstimmung gegen die Kanalvorlage zur Disposition gestellten Landrat Kersten Gottes Segen angerufen. Die in der Geistlichen spricht das aufrichtigste Bedauern aus über den Weggang des Landrats und schließt:„Möge Gott der Herr Ihnen dafür lohnen und mit seinem Schutz und Segen über Ihnen und Ihrem Hause walten.“ In Straßburg feierte der Kaiser die Geist⸗ lichkeit, die er„edle Herren der Kirche“ nannte, als beste Helferin seiner Politik und erbat ihre fernere Unterstützung. Er wird an den Geistlichen von Schlochau, die mehr zu den i Landräten halten, wenig Freude aben.— Majestätsbeleidigender Agrarier. Der Herausgeber der„Deutschen Agrar⸗ ischen Korrespondenz“, Edmund Klapper, stand Dienstag vor der vierten Strafkammer des Landgerichts J in Berlin unter der Anklage der Majestätsbeleidigung. Der Agrarier wurde schuldig befunden und zus Monaten Festung verurteilt. Herr Klapper gehört also den glück⸗ licheren Majestätsbeleidigern, die wegen der „anständigen Form“ nur eine Festungs strafe verwirken, an. Sozialdemokraten ist es bekannt⸗ lich niemals gegeben, in solchen Fällen die An⸗ erkennung einer anständigen Form zu gewinnen. Sie wandern stets in das Gefängnis. Die„gelbe Gefahr“. In der„Köln. Ztg.“ erschien vor einiger Zeit ein Artikel, in welchem die Tugenden der Kulis über das Bohnenlied gelobt und die Einführung von chinesischen Dienstboten empfohlen wurde. Die Anregung des würdigen Unternehmer— organs, das sonst nicht genug die„nationale Idee“ feiern kann, hat bereits Früchte getragen; im „Deutschen Blatt“ findet sich nachstehendes Inserat: „Chinesische Dienstboten. Ein Großindustrieller, welcher geneigt ist, den in der„Köln. Zeitung“ vom 1. Oktober besprochenen Versuch zu machen, und selbst 5—6 junge Chinesen gebrauchen könnte, sucht Standesgenossen, welche sich an diesem Versuch beteiligen wollen, so daß eine größere Anzahl junger Chinesen importiert werden kann.“ Mit den Dienstboten wird der Anfang gemacht; natürlich werden sich diese bewähren, sie sind viel arbeitsamer, zufriedener, billiger und williger, als die Deutschen. Manche Kalamität wäre im Hand⸗ umdrehen gelöst: die Dienstbotenfrage, die Leute⸗ not. Die Kulis würden weder eine Dienstboten⸗ Bewegnug machen noch je die Erringung des Koalitionsrecht oder die Beseitigung der Gesinde— Ordnung anstreben. Das, was deutsche Kraut⸗ und Schlotbarone sich als das Ideal eines Arbeiters zweierlei Recht„von Rechtswegen“ einführte. kratie übertreten.“ vorstellen, das wäre erreicht— ein Arbeits tier. Nr 43. „Kreuz⸗Zeitung“ abgedruckte Beileidsadresse der r. Dik u por henubt! agel . Int lusse schel,, 0st h late. Del Fiuen! e ub l fe t ft ufer igel, ersc neldtt ükuere fat. mal, u öffne Vule! linder Tuffer 10 ft! N. — er dur ate lg 0 der⸗ bielen dernen tungen Bucht: 1 „Iu⸗ e i lugtritt N prochen, ligung de von tional Worden sie ge. den sei rend.. e jeden⸗ rn eine ill dies ünschen jehr hel haben, wegen Vorlage Kersten in der esse der tdauern s und n dafür en über ie Geis⸗ nannt, id erbat an den. zu den Freude ier. Igrar⸗ , stand ner des lage del wurde estung en glüt⸗ gen, det 3 trafe bekannt die A⸗ winnen. . iger gel r Kulis führ mpfahlel rehm ale ger gen; f Inserlt neigt/ Oklahe 0 felt le/ fal n Jah e a 1 10 10 fin liger i in Halb 1 d, ausbole, gung, 00 „ raul⸗ 3 el each bal ststiel 9 0 . 5 Nr. 43. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 8. Die Sache ist in der That sehr ernst zu nehmen und es gilt,— so lang solcher Kuli— Import zwecks Lohndruck und Kulturerniedrigung benutzt werden soll— dem ersten Versuch energisch entgegenzutreten. Die Regierung hat die Pflicht, im Interesse der deutschen Arbeiterschaft, im In— teresse der Kultur, dem Eindringen jener asia— tischen billigen Arbeitskraft zu wehren. Wenn je, so ist hier der„Schutz der nationalen“ Arbeit am Platze.— Krieg in Südafrika. Der Krieg zwischen den Engländern und Buren in Südafrika hat begonnen. Vom Kriegs⸗ schauplatz liegen verhältnismäßig wenig Nach⸗ richten vor, obwohl kein Zweifel darüber besteht, daß die Buren schon seit einigen Tagen die Offensive ergriffen haben. Englischerseits wird eine strenge Telegraphen⸗Zensur geübt, so daß für England ungünstige Nachrichten kaum passieren dürften. Alle bisherigen Ergebnisse zeigen, daß man englischerseits den Gegner sehr unterschätzt hat. Das Reuter'sche Bureau meldete aus Pretoria vom 14. d. M.: Ein schweres Gefecht fand im Süden von Maseking statt. Ein gepanzerter Zug, der abgelassen war, um die zerstörte Linie wieder herzustellen, eröffnete ein Feuer auf Burentruppen. Ein Bure wurde getötet, zwei verwundet. Die Eng⸗ länder hatten 9 Verwundete. Ein zweites Treffen fand neun Meilen nördlich von Mafe⸗ king statt, woselbst die Eisenbahnbrücke zer⸗ stört war. Unser Parteitag. 8. Die Resolution Bebel wurde mit 219 gegen 21 Stimmen angenommen. Glänzender konnte die Einheit der Partei nicht zum Ausdruck gebracht werden. Das tritt um so mehr in die Erscheinung, wenn man be⸗ rücksichtigt, daß die 21 Gegner fast nur Leipziger, Ber⸗ liner und Hamburger waren; die ersteren beiden stimmten mit nein, weil ihnen der Abschnitt 3 der Bebelschen Resolution(siehe vorige Nummer), der von einem in besonderen Fällen erforderlichen Zusammengehen mit bürgerlichen Parteien spricht, nicht gefiel; die Hamburger waren unzufrieden mit Abschnitt 4, in dem von den Genossenschaften die Rede ist. Es wurden dann die Entschließungen der Neuner⸗ kommission gutgeheißen. Es handelt sich namentlich um Dr. Lütgenau, für dessen fernere Thätigkeit die Partei jede Verantwortung ablehnt. Lütgenau hat sich Hand⸗ lungen zu Schulden kommen lassen, die ihn als un⸗ würdig erscheinen lassen, in der sozialdemokratischen Partei noch irgend welche Rolle zu spielen. Unsere Partei stellt an ihre Mitglieder die höchsten Ansprüche inbezug auf ihre Moral. Am Freitag Nachmittag begannen die Verhandlungen über unsere Stellung gegenüber dem Militarismus. Genosse Geyer referierte. Er ging namentlich mit Schippel in's Gericht, der unter dem Pseudonym(Deck⸗ namen)„Isegrim“ gegen unsere Programmforderung: Miliz(Volkswehr) an Stelle des stehenden Heeres, schwer gesündigt hatte. Schippel suchte sich nach Kräften zu rechtfertigen, mußte aber in der Diskussion die allerschwersten Vorwürfe einstecken. Die folgende von Geyer eingebrachte Resolution wurde angenommen: „Der Parteitag erklärt: Das stehende Heerwesen ist nach seiner ganzen Ent⸗ wicklung und Organisation das vornehmste Macht⸗ mittel zur Aufrechterhaltung und Befestigung der Klassenherrschaft; eine Hauptstütze für alle volks⸗ und arbeiterfeindlichen Bestrebungen; eine Einrichtung, die nur durch die schweren, stets wachsenden und unge⸗ recht verteilten Opfer an Gut und Blut möglich ist, welche die herrschende Gesellschaft besonders den arbei— tenden Klassen auferlegt. Das Bestreben der Partei muß deshalb darauf gerichtet sein, das Heerwesen von Grund aus umzu⸗ gestalten, so daß die Wehrkraft der Nation aus einem Mittel der Unterdrückung nach iunen und steter Be⸗ unruhigung nach außen zu einem Mittel der Sicherung der Volksrechte und Freiheiten und der Verteidigung gegen fremde Angriffe wird. Zu diesem Zwecke verlangt die Partei eine auf demokratischer Grundlage aufgebaute Organisation der Landes- und Volksverteidigung, die Kastenwesen und Gegensätze zwischen Volk und Heer unmöglich macht, jeden wehrfähigen Mann zum Waffendienst verpflichtet und seine Ausbildung zum brauchbaren Wehrmann durch eine entsprechende Jugenderziehung herbeiführt. Von diesen Gesichtspunkten ausgehend, betrachtet es der Parteitag als selbstverständlich, den Punkt 3 des Parteiprogramms unverändert aufrecht zu erhalten, und fordert von den parlamentarischen Vertretern der Partei, auch künftig keinerlei Mittel für das bestehende Militärsystem zu bewilligen und jede Gelegenheit zur Propagierung der in Punkt 3 des Parteiprogramms aufgestellten Forderungen zu benutzen.“ Samstags ⸗Sitzung. Genosse Segitz, der über die Zuchthausvorlage referieren sollte, verzichtete auf eine eingehende Rede mit Rücksicht auf die vorgeschrittene Zeit und unter Hinweis auf die Einmütigkeit, mit der die gesamte Arbeiterschaft das Zuchthausgesetz ablehne. Segitz legt eine Resolution vor, die einstimmig ange⸗ nommen wurde. Nachdem noch eine große Anzahl Anträge erledigt waren, wurde beschlossen, die Parteitage in Zukunft Mitte September abzuhalten. Der nächste Parteitag findet in Mainz statt. Der Vorfitzende Singer gab hierauf das Resultat der Vorstandswahl bekannt. Danach find zu Vorsitzenden Bebel und Singer gewählt worden. Als Kassierer ist Gerisch mit sämtlichen gültigen Stimmen wieder⸗ gewählt. Als Sekretäre wurden wiedergewählt Pfann⸗ kuch und Auer. Als Kontroleure wurden gewählt: Meister, Brühne, Kaden, Koenen, Zetkin, Ehrhart und Metzner. Damit war die Tagesordnung erschöpft. Genosse Singer sprach den Hannoverschen Genossen den Dank aus für ihre Mühewaltung und führte weiter aus: Wenn ich einen kurzen Rückblick auf unsere Verhandlungen werfe, so liegt mir nichts ferner, als irgend etwas ver⸗ tuschen oder verschleiern zu wollen, um etwa nach außen hin künstlich einen befriedigenden Erfolg zu konstruteren. Aus vollster Ueberzeugung spreche ich es aus: Wir dürfen zufrieden sein mit den Ergebnissen dieses Parteitages. Wenn auch zu manchen Stunden in diesem Saale gleich einem Gewittersturme die Leiden⸗ schaften entfesselt waren, wobei nicht immer die zartesten Worte gewählt wurden, so meine ich, ist das, was viel⸗ leicht die Gegner als unsere Schwäche bezeichnen, doch auch in gewissem Sinne die Stärke unserer Partei. Wenn eben nicht der Eifer und die Energie, mit der bei uns die Ansichten vertreten werden, auch äußerlich in einer gewissen leidenschaftlichen Weise zum Ausdruck kommen würden, so würde unseren Diskussionen und Beschlüssen ein Teil ihres Wertes abgeben(Zustimmung). Denn auch auf diesem Parteitag hat es sich ja gezeigt, daß trotz aller leidenschaftlichen Diskussion und trotz der vorhandenen persönlichen Differenzen zwischen einzelnen unserer Mitglieder, trotz der verschiedenen Anschauungen über einzelne Fragen, doch die Partei als solche wie sie hier in ihren Delegierten vertreten ist, in fa st allen Fragen eine einheitliche Stellung ge⸗ nommen hat. Parteigenossen! Wir haben diskutiert über unsere Theorie, über unser praktisches Programm. Trotz scharfer Gegensätze und trotz mancher Auffassungen, die in ihrer Konsequenz allerdings zu einer Aenderung unseres Pro⸗ gramms hätten führen können, haben sich doch auch die Vertreter dieser Auffassung zu den Grundsätzen be⸗ kannt, welche die Gesamtpartei vertritt, als überzeugte, ehrliche Sozialdemokraten.(Lebhafter Beifall.) Mit diesem Resultat dürfen wir, meine ich zufrieden sein, zer⸗ streut es doch von vornherein schon die Legende, die unsere Gegner sonst zweifellos verbreiten würden, wir seien gespalten und gingen auseinander. Nein, Partei⸗ genossen, das wollen wir doch vor aller Welt konstatieren: Mögen einzelne Parteigenossen Differenzen haben, scharfe Differenzen, die Partei als solche ist gebunden durch ihre Beschlüsse; durch die Ent⸗ scheidungen, die sie getroffen, hat sie erklärt: wir sind, was wir waren, und wir bleiben was wir sind!(Leb⸗ hafter Beifall.) g Parteigenossen! Die Fragen der Taktik sind in der viel diskutierten Schrift unter dem Motto behandelt: „Was die Partei ist, das wage sie zu scheinen!“ Ja⸗ wohl, wir wollen scheinen, was wir sind, wir wollen scheinen, daß wir sind die alte Sozialdemo⸗ kratie, die in der Beseitigung der bürgerlichen Gesell⸗ schaft, in der Beseitigung der Ausbeutergesellschaft ihr Ziel erblickt; daß wir sind die alte Sozialdemokratie, die auf dem Wege zu ihrem Ziel alles, was sie der bürgerlichen Gesellschaft abtrotzen kann, ihr nur deshalb abtrotzt, um sich kampffähiger, stärker zu machen. Und wer jetzt noch behauptet, daß die sozialdemokratische Partei geneigt ist, auch nur um ein Jota von ihren Grundsätzen abzugehen, wer behauptet, daß sie geneigt ist, mit bürgerlichen Parteien insofern in Beziehung zu treten, als wir anerkennen, daß die bürgerlichen Parteien und Kreise, sie mögen einen Namen haben, welchen sie wollen, durch ihre Ueberzeugungen, durch ihre Politik geeignet seien, uns in ihre Reihen hinüberzuziehen, wer das behauptet, kennt unsere Verhandlungen nicht, kennt vor allem nicht den Geist, in dem sie geführt sind.(Bravo!) Parteigenossen! Es giebt ein Wort, das heißt: Durch Einigkeit zum Sieg! Ich ändere es ein wenig und sage Durch Einigkeit zum Ziel und zwar zum En d⸗ ziel!(Bravo!) Wir wollen uns kräftigen in diesem Bestreben, indem wir all das, was wir fühlen, all das, was wir wollen, zusammenfassen in unseren alten guten Schlachtruf:„Die Sozialdemokratie, sie lebe hoch, hoch, hoch!“ Die Delegierten hatten sich von ihren Sitzen erhoben, stimmten begeistert in diesen Ruf ein und sangen den ersten Vers der Arbeitermarseillaise.— Damit war der Parteitag gegen 3 Uhr nachmittags geschlossen. Von Nah und Fern. Mitteilungen aus unsexem Leserkreise find jederzeit willkommen Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissen⸗ haftigkeit bei Uebermittelung von Nachrichten.— Wir bitten alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben. Herr Hirschel fürchtet sich. * Der von den Odenwälder Bauern heim⸗ geschickte Architekt Hirschel will am kom⸗ menden Sonntag in Großen⸗Linden sprechen. Da ihm aber der Mut fehlt, sich seinen Gegnern gegenüberzustellen, so läßt er eine Mitglieder versammlung der Ortsgruppe des Bauernbundes einberufen. Nachdem dort über Holz⸗ und Kohlenbezug, sowie über„Künst⸗ lichen Dünger“ gesprochen ist, will Hirschel einen Vortrag halten über:„Die Leistungen unserer Partei(nämlich der antisemitischen) gegenüber denjenigen der Sozialdemokratie im hessischen Landtag“. Genau wie den National⸗ liberalen fehlt auch dem Hirschel der Mut, sich dem Gegner zu stellen. Er fürchtet sich, sonst würde er öffentliche Versamm⸗ lungen abhalten, zu denen jedermann Zutritt hat. Der Mann hat Angst, daß ihm vor versammeltem Volk alle die Lügen und Dummheiten nachgewiesen würden, von denen die Antisemiten leben. Antisemitischer Schacher. * Der früher antisemitisch⸗deutsch⸗soziale, jetzt Naumannisch-national⸗soziale Herr Erd⸗ mannsdörffer in Marburg erinnert den anti⸗ semitischen Reichstags ⸗ Abgeordneten Werner daran, daß er doch Klage gegen ihn(Erdmanns⸗ dörffer) erheben wollte, weil ihm der Vorwurf gemacht wurde, als Antisemit an jüdische Journalisten Nachrichten verkauft zu haben. Herr Werner hat wegen diesem für ihn gewiß sehr schwer wiegenden Vorwurf wiederholt mit Klage gedroht, bisher aber keine Klage eingereicht. Ebensowenig hat das der ehemalige Reichstags⸗ Abgeordnete Hirschel gethan, dem Erdmannsdörffer gleich⸗ falls den Vorwurf gemacht hat, an Juden Notizen verkauft zu haben. Herr Erdmanns⸗ dörffer tritt in dieser Sache so sicher auf, daß nicht mehr daran zu zweifeln ist, daß die Anti⸗ semiten Werner und Hirschel, die fortgesetzt den heftigsten Kampf gegen das Judentum mit dem — Munde führen, Nachrichten für„jüdisches Sündengeld“— schauderbar aber wahr!!!— an Juden verkauft haben. Preßprozeß in Darmstadt. Aus Darmstadt wurde am vorigen Freitag gemeldet: Die 1. Strafkammer des hiesigen Landgerichts verurteilte heute den verantwort⸗ lichen Redakteur der„Frankfurter Ztg.“, Giesen, zu 6 Monaten Gefängnis und die Redak⸗ teure Koepgen vom„Mainzer Journal“ und Malten von den„Mainzer Neuesten Nachrichten“ . zu je 500 N. Geldstrafe. Giesen war ange⸗ klagt, wegen Aufnahme eines 8 in die 5 kfurter Ztg.“, in der der hessischen Re⸗ geworfen wurde, es sei notorisch be⸗ sie die fundamentalsten Vorschriften In gierung kannt, 9 er Verfassung frank und frei übertrete. dem Artikel wurde ferner behauptet, die Staats⸗ anwaltschaft sei durch höhere Weisung verhin⸗ dert worden, gegen den früheren Landgeri chts⸗ direktor Küchler Anklage wegen Beihülfe zum Bankerott zu erheben. Die beiden Mai nzer Redakteure wurden wegen Abdruckes dieses Artikels mitangeklagt.— Dieser Prozeß wird zweifellos in der hessischen Kammer ein Nach⸗ spiel haben. oer Seite 4. Witieldeutsche Sonntags⸗Zeitung Nr. 48. 4% S. Noreen be i gel jeder zielbewusste Arbeiter aus dem Hreis Ciessen- Land zur Hahlmünnerioalil. 8 Durch die Nail derjenigen Nahlmäͤnner, die sich verpflichten, unseren Candidalen Philipp Schieidemann in Giessen zum Land- sagsubgeordneten zu wühlen, sichiern Sieli die Arbeiler im hessischen Parlamenl eine Fa Verltrelung. Aber mehr nocht: Dureh die Mail eines 8 Sosialdemolrralen, dureh die Mail unseres Genossen Pf. Scheidemann prolèslieren die S Arbeiter auch gleichzeitig gegen die Be- Hauplung der Na inνν,,iIͤbe Lale n, dass des Pole noch nicht reif sei, dire! Sie proleslieren ferner gegen die Irrsinnspolilik der Anlisemilen, vil ih len. die ehrliche Arbeiter Schlammbeisser schimpfen. dureh: die 25 den Zuchilhaus hun s, gegen dus Die Arbeiler proloeslieren ferner ail eines Sozialdemoseralen neue Ausnahmegesels, unter das der Ar- bellsmann geslelli werden soll. Ein Tug den Abrechmunig muss der&. Norember Iôgg werden. Alle glelen gegen Euch, ihr Münner der Ar- beil, nun handlell, wie es ernslen Männern gesieml. Heiner darf der Mahlurne sern bleiben. Von Bauslelle zu Baustelle, von Peristull ν Werleslall, von Fabrik zu Fabri muss am S. November vor millags die Losung laulen: Heim zur Nan˖l.! Zeigt am&. November, wb polidischi reife MHünner handeln. Zahll den anli- Semilisclien die Hanswürslen 2 Reim! ** * Wahlbewegung in Hessen. * Die Adressen der Wahlmänner sind noch nicht von allen Orten nach Gießen gemeldet worden. Wir ersuchen die Parteigenossen, bisspätestens zum 25. Oktober die genaue Adresse eines jeden Wahlmannes an 5 Genossen Ph. Scheidemann in Gießen zu enden. * Wo werden Wähler ⸗Versamm⸗ lungen gewünscht? Die Parteigenossen werden ersucht, sich sofort an Scheidemann zu wenden, wenn Wählerversammlungen abgehalten werden sollen. Außer den in Gießen ansässigen Parteigenossen haben sich die Landtagsabgeord— neten Dr. David und Ulrich bereit erklärt, einige Versammlungen im Gießener Landkreis abzuhalten. * Holland in Not ist bei den Anti⸗ semiten. Sie betteln um Geld, daß es Steine erweichen könnte. Dabei schwindeln sie von den„Riesensummen“, die den Sozialdemo— kraten zu Gebote stehen sollen. Die antisemi⸗ tischen Schiupfapostel wollen noch„viele Ver⸗ sammlungen“ abhallen und„taasende Flug— blätter verbreiten. Die Versammlungen werden sie allem Anschein nach nicht öffentlich ab⸗ halten und in den Flugblättern werden sie wieder lugen, verleumden und schimpfen, daß sich die Balken biegen. Den Arbeitern im Gießener Landkreis fällt die ehrenvolle Aufgabe zu, den Architelten Hirschel ebenso heimzu— schicken, wie ihn die Odenwälder Bauern heim⸗ geschickt haben. * Feierabendstunde bei Wahlen. Verschiedene Kreisämter beingen zur öffentlichen versammlungen für Reichstag und Lan d⸗ tag vom Tage der Ausschreibung der Wahl bis nach vollständig beendeter Wahl in dem betreffenden Wahlbezirk nicht zur Anwendung kommt.— Das ist bekanntlich der Erfolg eines von unserer Fraktion in der Zweiten Kammer gestellten Antrages. »Freisinnige Volks partei in Hessen. Unter dem Vorsitz des Notars Wolf⸗Mainz tagte in Frankfurt a. M. der Landesausschuß der freisinnigen Volkspartei für Hessen. Nach reger Diskussion wurde Eintreten in die Agi⸗ tation für die Landtagswahlen und Erlaß eines Wahlaufrufs beschlossen.— Wo wollen denn die„Freisinnigen“ aufrufen? Oder haben sie sich schon entschlossen, ob sie mit den National- liberalen oder mit den Antisemiten, oder ob sie mit beiden kuddelmuddeln wollen? b. In Heldenbergen fand am Sonntag den 8. Oktober eine Wählerversammlung statt, in der Gen. Ulrich aus Offenbach über die bevorstehende Landtagswahl referierte. Ulrich schilderte die Situation als er und Jöst zum erstenmal in den hessischen Landtag einzogen, wie damals sofort eine andere Haltung seitens der übrigen Parteien eintrat. Redner führte der Versammlung vor Augen, wie nötig es sei, mehr Sozialdemokraten in der 2. Kammer zu haben. An der Diskussion beteiligten sich die Gen. Toussaint, der sich namentlich mit dem Grafen Oriola beschäftigte, Weisbecker, der die Arbeiter aufforderte, einig zusammenzustehen, und Fußennecker. Letzterer wünschte von Ulrich Auskunft, für was die 600,000 M. für die Landwirtschaft angelegt worden sind. Gen. Ulrich kam der Anfrage zur größten Zufrieden⸗ heit der Versammlung nach. Zum Schluß forderte Gen. Reul die Versammlung auf, wie bei der Reichstagswahl so auch jetzt ihre Pflicht zu thun am 8. November und für die Wahlmänner Heinrich Hild und Peter Wolf einzutreten. „ Darmstadt. Regierungsrat Noack hat nunmehr die Kandidatur im Landtagswahl⸗ bezirk Darmstadt⸗Land angenommen, nachdem der ursprünglich von den Nationalliberalen auf- gestellte Stadtverordnete Wittmann verzichtet hat. Herr Noack kandidiert für National- liberale und Antisemiten. ** * Freie Lehrmittel. * Die Gießener Stadtväter haben am Donnerstag beschlossen, allen Volks⸗ schulkindern, deren Eltern ein Einkommen von weniger als 900 Mk. haben, vom nächsten Schuljahr ab alle Lehrmittel gratis zu liefern, wenn die Eltern einen bezüglichen Wunsch äußern. Als Armenunterstützung wird diese Lehrmittelabgabe nicht angesehen. Ist auch der Wunsch der sozialdemokratischen Vertreter im Gießener Stadtparlament, allen Volksschülern die Lehrmittel umsonst zu liefern, zunächst nicht erreicht, so bedeutet die am Donnerstag einstimmig ausgesprochene Be⸗ willigung doch einen großen Schritt nach Vor⸗ wärts. Die beiden Sozialdemokraten in der Stadtverordnetenversammlung, die Gen. Orbig und Krumm werden hoffentlich bei den nächsten Wahlen weitere sozialdemokratische Collegen be⸗ kommen und dann wird die Forderung auf Lieferung der Lehrmittel für alle Volksschüler von Neuem gestellt. Leichen verbrennung in Gießen. * Auf eine Anregung des Professors Fuhr haben die Stadtverordneten am Donnerstag ein— stimmig beschlossen, den Oberbürgermeister zu er— suchen, eine Umfrage wegen der in anderen Städten bereits bestehenden Leichenverbrennungsöfen(Kre— matorien) zu halten und dann der städtischen Ver— tretung eine Vorlage zur Errichtung eines Krema— toriums auch in Gießen zu machen. Auf dem neuen Friedhof ist bereits ein geeigneter Platz zur Errichtung eines Krematoriums vorgesehen. Eine auffällige Begnadigung. Zu Anfang d. Is. erregte in Darmstadt die Miß— großes Aufsehen. Der Hauptschuldige, Student Kopf aus Frankfurt a. M., worde am 22. Juni von der Darmstädter Strafkammer zu 8 Monaten 2 Wochen Gefängnis verurteilt, wovon 4 Monate 2 Wochen durch die Untersuchungshaft für ver⸗ büßt erachtet wurden. Jetzt verlautet, daß der Großherzog Kopf begnadigt habe. Kopf soll gegenwärtig als Einjähriger bei einem Ulanen⸗ regiment dienen. Eine teure Jungfserurede hielt im Februar dieses Jahres der Mechaniker Schönberg in einer Arbeiterversammlung in Frankfurt a. M. Er hatte sich eine Broschüre von Most zur Unterlage genommen, ohne zu bedenken, daß vieles, was in der Broschüre steht, wohl richtig ist, aber nicht gesagt werden darf. Da Schönberg den Vortrag aus dem Gedächtnis hielt, so fiel der Vortrag viel⸗ fach noch schärfer aus. Der überwachende Beamte hatte sich die Rede stenographiert und so war ein ganzer Rattenkönig von Anklagen die Folge. Das Landgericht verurteilte ihn deshalb dieser Tage zu sechs Monaten Gefäng⸗ nis! An diese Jungfernrede dürfte der junge Genosse zeitlebens gedenken. Die„Harmlosen“ vor Gericht. Seit Wochen stehen in Berlin die jugend⸗ lichen Spieler, die unter der Bezeichnung:„die Harmlosen“ ihr Geld mit leichtsinnigen Weibern und im Spiel vergeudeten, vor Gericht. Ab⸗ esehen davon, daß fast in jeder Sitzung neue elege für den bodenlosen Leichtsinn dieser adligen Faulpelze erbracht wurden, spielt sich dort auch manche heitere Szene ab. So er⸗ zählte der Zeuge v. Andreae, daß er einmal an v. Kayser 10000 Mark verloren habe. Kayser bestritt dies. Er habe eines Abends bemerkt, daß v. Andreae, obwohl ziemlich ani⸗ mirt, mit großen Summen gegen den Frhrn. v. Reccum gespielt und erhebliche Beträge ver⸗ loren habe. Er habe zu ihm gesagt:„Mensch, höre auf, ich werde Dich nach Hause bringen und für Dich weiter spielen.“ Er habe dann auch in kurzer Zeit etwa 6000 Mark für den Zeugen gewonnen und diesen hierauf nach Hause gebracht. Als er nach einem kleinen Abstecher wieder in das Spiellokal zurückgekommen sei, habe der Zeuge zu seinem größten Erstaunen wieder am Spieltisch gesessen und wieder er⸗ hebliche Summen an v. Reccum verloren. (Heiterkeit.) Vors.: Zu welcher Zeit war das? Zeuge: Ich war gerade zur notleidenden — landwirtschaftlichen Woche hier. (Große Heiterkeit.)— Die Woche der Not⸗ leidenden nennt man die jedesmalige General- versammlung des Bundes der Landwirte. Wenn diese Junker jedesmal in Berlin sind, geht es hoch dort her. Kleine Mitteilungen. v. Lollar. Am 18. Oktober feierten hier der Schlosser Joh. Schupp und seine Gattin das Fest der silbernen Hochzeit. Für die allgemeine Beliebtheit des Ehepaares zeugten die getroffenen Veranstaltungen. Der Gesangverein Eintracht-Gießen brachte dem Paar ein Ständchen. Der erste Bevollmächtigte des Lollarer Metall arbeiter⸗Verbandes überreichte eine Gedenktafel. Saale am Mittwoch verlebt wurden.— Wir er— lauben uns an dieser Stelle dem Silber-Hoch— zeits⸗Paar die besten Glückwünsche darzubringen. Mögzgen die beiden Lebensgefährten, die ein viertel Jahrhundert Freud uud Leid miteinander geteilt haben, gesund und munter bleiben, auf daß sie nach weiteren 25 Jahren die goldene Hochzeit in frohem Kreise feiern können. Krofdorf. In der hiesigen Königlichen Oberförsterei wurde ein kapitaler Vierzehnender gedenken hier nicht erlegt ist. Nacht durch getanzt wird. handlung zweier Handwerker, von denen einer Kenntnis, daß die Polzeistunde bei Wahl— ein Auge einbüßte, durch Studenten versammlungen?— Merkwürdig lange läßt hier 3 Es waren frohe Stunden, die im Weinrich schen zur Strecke gebracht, wie er stärker seit Menschen- l. Nieder-Eschbach. Im hiesigen Schul⸗ saal wurde kürzlich die Hochzeit eines auswärtigen Lehrers gefeiert. Wir haben nichts dagegen, wenn im Schulsaal bei solchen Gelegenheiten einmal die Aber wie steht es denn mit der Ueberlassung des Schulsaales zu Volks⸗ die Reparatur eines nur mit großer Gefahr zu 1 7775 isse 1 300 a ute I 0 1 b 5 un f au, aue lchele die 0 ficht! Neußer! lb it uren 90 0 fein 11 ereigle G0 fin sonstru len bod, 5 den G Hhrer Shale Unters 3 Der henli die E vom durch gegen hom begti den Der Mar also hand oschüre zesagt ag aus ag viel- chende ert und klagen lte ihn Hefäng, r junge ht. jugend⸗ g:„die Weibern t. Ab⸗ ng neue n dieser elt sich So er⸗ r einmal n habe. Abends lich ani Frhrn, age bel „Mensch, bringen be dann für den ch Hause Abstechen men sel, yrstaunen sieder er⸗ verloren. war das! denden ge hier. der Nol⸗ General fe. Wenn ind, get ieee ten he ine Gall Für dl eugten l Jonge Stäldchl u Mall Hedenllofl ml — Wit ll Ibn bih ub ein biet nder fei rr r 4 Nr. 43. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 8. passierenden Bachstegs auf sich warten. Weshalb die Zögerung? Wenn erst Jemand verunglückt ist, dürfte es zu spät sein. ** Büdes heim. Hier wurde eine Frau aus Roßdorf, Mutter von 4 Kindern, die von ihrem Manne verlassen worden war, als Leiche aus der Nidder geländet. ** Dar mstadt. Die von hiesigen Blättern ausgesprochene Annahme, als ob durch den staat⸗ lichen Betrieb der neuen Landes⸗Lotterie die Veranstaltungen so sehr verzögert würden, daß in diesem Jahre die Ausgabe von Loosen nicht mehr erfolgen könne, bestätigt sich nach Aeußerungen des Finanzministers Küchler nicht. Es ist für die Oberleitung bereits eine geeignete Persönlichkeit als Direktor in Aussicht genommen. Der Betrieb soll durchaus nicht bureaukratisch ge— handhabt und für den Vertrieb der Loose soll der freien Konkurenz weiter Spielraum gelassen werden. — Abwarten! ** Miltenberg. Am hiesigen Brückenbau ereignete sich am Montag ein entsetzliches Unglück. Es stürzte am rechten Ufer ein jedenfalls zu schwach konstruirt gewesenes Fahrgerüst ein und mit ihm stelen elf Arbeiter in die Tiefe. Zwei sind todt, drei schwer und sechs leicht verletzt. Von den Getödeten war einer ledig, der andere Er- nährer von Frau und drei Kindern. Der ktl. Staatsanwalt von Aschaffenburg kam hier an zur Untersuchung des Unfalls. ** Ein 300jähriger Prozeß beendet. Der über 300 Jahre alte Waldstreit der Frei— herrlich von Thüngen'schen Gesammtfamilie gegen die Gemeinde Burgsinn(Bayern) wurde endlich vom Obersten Landesgericht als Revisionsinstanz durch Urteil beendigt, wodurch die von den Klägern gegen das Urteil des Oberlandesgerichts Bamberg vom 15. Juni 1898 eingereichte Revifion als un- begründet zurückgewiesen wurde. Die Kläger wur⸗ den in die Kosten des Rechtsstreites verurteilt. Der Streitwert wurde vom Gericht auf 800,000 Mark festgesetzt. Die Gemeinde Burgsinn ist also als Siegerin aus dem langwierigen Rechts- handel hervorgegangen. Orts ⸗Krankenkasse Giesten. 1. Von gut unterrichteter Seite wird uns ge— schrieben: Am 7. Oktober tagte die Vertreter⸗ versammlung der Ortskrankenkasse Gießen. Es war dies die letzte Versammlung für die derzeitigen Vertreter, da noch in diesem Jahre eine Neuwahl stattfinden muß. Aus diesem Grunde war auch von derjenigen Seite, welche früher die Leitung der Kasse in Händen hatte, alles aufgeboten worden, um in letzter Stunde noch zu retten, was für sie und ihren Geldbeutel zu retten war. Aber trotz Rundgang einer Liste, besonderer Einladung und Annoncierung im„amtlichen“ waren doch nur 15 Arbeitgeber und— 6 Parliere erschienen, während von Seiten der Arbeiter 32 Vertreter am Platze waren. Die auswärts wohnenden Parliere mußten eigens wegen dieser Versammlung in Gießen übernachten.— Auf der Tagesordnung stand: 1. Endgültige Abnahme der 1897er Rech— nung, 2. Jahresrechnung pro 1898, 3. Statuten⸗ änderung. Der Vorsitzende, G. Dahmer, eröffnete die Versammlung und erteilte zum Punkt 1 dem Sachverständigen, Herrn Steuerkommissariats-Ge— hülfe Möbus, das Wort. Derselbe legte in aus— führlicher Weise dar, daß nach der von ihm vor⸗ genommenen Prüfung der Rechner in 1765 Fällen Beiträge in Rechnung gesetzt und statutenwidrig nicht erhoben habe, wodurch die Kasse einen Ein— nahme-⸗Ausfall von 1084,05 Mk. im Jahre 1897 gehabt habe.— Die Ausführungen des Herrn Möbus offenbarten jedem Laten, daß der Sach— verständige unter der größten Sorgfalt die Sache geprüft hatte. Trotzdem auch Gesetz und Statut seine Behauptungen bestätigten, erlaubte sich der Rechner in seinen Erwiderungen auf die Aus⸗ führung des Sachverständigen letzteren in ganz un⸗ motivierter Weise persönlich anzugreifen. Eine kräftige Rüge des Vorsitzenden zeigte ihm jedoch, daß der parlamentarische Anstaud auch in einer Ortskrankenkassen-Versammlung gewahrt werden Debatte, in welcher sich zeigte, daß die Arbeiter gewillt waren, den Rechner Heidt für den Ausfall verantwortlich zu machen. Hatte letzterer zu An⸗ fang noch eine recht selbstbewußte Miene zur Schau getragen, so schwand solche nach und nach während der Debatte, bis der Mann, der sonst stets von oben herab die Arbeiterschaft zu behandeln gewohnt war, zuletzt nur noch hervorbringen konnte: „Meine Herrn, haben Sie Mitleid, ich bin schon genug gestraft.“ Mitglied Judt beantragte, daß der Rechner vollen Ersatz leisten solle. Arbeit- geber Stadtv. Löber sprach für Ersatz der Un⸗ kosten der 2. Revision im Betrage von 120 Mk. Arbeitgeber Nickel beantragte bedingungslose Dechargeerteilung. Bei der Abstimmung über den Antrag Judt ergab sich, daß er mit einer Stimme in der Minderheit blieb. Hierauf wurde der Antrag Löber ange⸗ nommen, trotzdem der Vater dieses Autrages, eben der Stadtv. Löber, sich die denkbar größte Mühe gab, seinen eignen Antrag zu Fall zu bringen, indem er den anwesenden Arbeitgebern unausgesetzt zurief:„Sitzen bleiben, es ist mein Antrag.“ Wahrscheinlich war Herr Löber in⸗ zwischen erft dahinter gekommen, daß noch der Antrag Nickel vorlag, der gänzliche Entlastung für den Rechner verlangte. Das merkwürdige Gebahren des Stadtv. Löber wurde übrigens vom Vorsitzenden gebührend gerügt. Zu Puukt 2 referierte Geschäftsführer Fourier und wurde, nachdem der Rechner die Beseitigung der Anstände zugefichert hatte, dem letzteren für 1897 und 1898 Decharge erteilt. Bei dem letzten Punkt der Tagesordnung glaubte nun Herr Winn, jetzt sei der richtige Zeitpunkt zum Handeln gekommen. Der Vorstand hatte nämlich bean⸗ tragt, daß das Statut in mehreren Punkten ab⸗ geändert werden solle, damit u. a. die Mitglieder in den Genuß einer höheren Krankenrente kämen. Bei Beratung der Statutenabänderung im Vorstande glänzten die Herren Arbeitgeber durch unentschuldigte Abwesenheit, mit Aus⸗ nahme des Stadtv. Hanau, der überhaupt der einzige Arbeitgeber im Vorstande sein soll, der jeder Zeit mit wirkt und mit schafft. Bevor in den letzten Punkt der Tagesordnung eingetreten werden konnte, beantragte Herr Winn, daß die Statutenänderung ausgesetzt und eine Kommission zur Neuberatung über dieselben gewählt werden solle. Er motivierte seinen Antrag damit, daß man durch das Inserat gar nicht wisse, was ge— ändert werden soll und— das schien sein Haupt— trumpf zu sein— man müsse unbedingt einen Advokaten hierzu haben. Die verschiedenen Arbeitervertreter, namentlich der Vorsitzende Dahmer, Kontrolleur Beckmann und andere er⸗ klarten ihm jedoch, daß die Arbeiterschaft die Mithülfe eines Advokaten in den von ihr geleiteten Instituten nicht nötig habe. Auch hier ergriff Stadtv. Löber die Partei des Herrn Winn. Daß die Herren den Vorstandssitzungen fernblieben und deshalb über die Statutenänderung nicht orientiert waren, erörterten sie nicht.(Das Fortbleiben des freisinnigen Herrn Löber wäre am Ende noch zu entschuldigen, seiddem er im Flottenverein hervorragendes Mitglied ist.) Die Versammlung hatte keine Lust, die Statutenänderung noch weiter hinauszuschieben und lehnte deshalb den Antrag Winn ab, für denselben stimmten die Arbeitgeber und sämtliche— Parliere. Das Ergebnis der Statutenberatung und Abänderung kommt am besten in§ 14 zum Ausdruck. Danach beträgt die Karrenzzeit nur noch zwei Tage und das Krankengeld täglich für die 1. Klasse Mk. 1.90(früher Mk. 1.75) 2 70 2 70 77 1.50 7„ 1 35) 5„ 1.20 4„ 0 7 7 4. 5 0 1 72 7 5 0.90) „ 1 2 1 70 0.65 7 1 0,60) 17 7 6 5„ 0.50 7 7 0.45) Der Geschäftsführer Fourier machte die er— freuliche Mitteilung, daß sich die Kasse jetzt derart eutwickle, daß wahrscheinlich im nächsten Jahre das Krankengeld um weitere 5 Prozent erhöht werden könne.— Also auch in Gießen trifft das zu, was man anderswo längst festgestellt hat: Seitdem die Ortskrankenkasse von Arbeitern müsse. Es entspann sich hierauf eine lebhafte Partei ⸗ Nachrichten. Versammlungs⸗ Kalender. Samstag, 21. Oktober: Heuchelheim. A.⸗B.⸗V. Abends halb 9 Uhr bei Wirt Ludw. Mandler. Die Mitglieder werden ersucht, pünktlich und recht zahlreich zu erscheinen. Dienstag, den 24. Oktober: Kreis⸗Wahl⸗Verein. Vorstandssitzung Abends 9 Uhr bei Orbig. Sonntag, 29. Oktober: Vereinigte Gewerkschaften. Nachmittags halb 4 Uhr General-Versammlung bei Orbig. Das Cartell. Quittung. Für die Landtagswahlen von H. Schmidt 50 Pfg. Von Wieseck 18,45 M.— Für den Parteitag 10.— M. von Wieseck. Parteigenossen! Auf dem Parteitag in Hannover wurden die Genossen Bebel, Singer, Auer, Pfannkuch und Gerisch wieder mit der Führung der Parteigeschäfte betraut. Unmittel⸗ bar im Anschluß an die Verhandlungen hat die Konstituierung der Parteileitung stattgefunden und wurden unter anderen folgende Beschlüsse gefaßt: Die Adresse des Partei⸗Bureaus ist wie bisher: J. Auer, Berlin SW., Katzbachstr. 9. Sämtliche für den Parteivorstand bestimmten Briefe und sonstigen Zusendungen sind an die vorstehende Adressen zu richten; alle Gel d⸗ sendungen sind dagegen an den Partei⸗ kassierer Albin Gerisch, Berlin S W., Katzbachst. 9, zu adressieren. Beschwer den über den Parteivorstand, dessen Geschäftsführung und Entscheidungen nimmt H. Meister, Hannover, Langestraße 1 entgegen. Briefkasten der Redaktion. W. in B. Wir können beim besten Willen den Sinn Ihres Briefes nicht enträtseln. Druckfehlerberichtigung. In der dritten Notiz unter„Letzte Nachr.“ in voriger Nummer muß es in der letzten Zeile„Antisemiten“ heißen, nicht Christen. Briefkasten der Expediion. Quittungen. Nll. Fr. 1.80. Pfg. G. 5.85. Dthfr. Ogstrn. 8.40. Wbr. G. 1.— Bolte Lollar 3. Quartal 39.80. Kch. Noflstdt. 3 Quartal 12.40. Kch. Kfdf. 3. Quart. 38.40. Dbg. Alsfd. 14.60. Hp. Bohm. 7.80. Wch. Bft. 3.— Th North. 1.20. Sg. Hehst. 2.20. Schmidt Dschlg. 0.70. Hchstdt Kchn. 8.60. M. Obsch. 3.—. B. Dllbg. 2.40. P. Grßl. 2.80. Ccht. Glbg. 12.20. Dlm. S. 1.— B. Rdgn. 4.60. Mhl. G. 58.80. Mhr. Eckh. 3.—. Schmpf. All. 2.—. Fth. Wtzlr. 35.—. G. Dbrgn. 10.—. Wzl. Hdf. 3.60. Gge. Hoͤbgn. 8.20. S. Slgth. 2.—. Vkm. Hchhm. 26.40. Z. Noͤh. 5.—. Str. G. Z. 4.80. H. Hbch⸗ 3.—, Vtzbg. Bckr. 10.20. Grgr. Mbg. 33.60. Chr. Lg. Schtz. 12.40. Kft. Angersbach 9.40. Rg. Etbch. 31.20. Z. Fon. 1.—. Hzl. Obh.—.7. Rtr. G. 1.20. Hhn. Lbch.—. 20. L. Weck. 30.60. Krgr. G. 40.—. Frlch. Gbg. 3.—. —— Gewerbegerichtswahl. Samstag, den 21. Oktober von 12 bis 6 Uhr im Bürgermeistereigebäude. bless el. II Sonntag, den 22. Oktober 1899: Zweites Gastspiel von Carl Schönfeld Madame Bonivard. Schwank in 3 Akten von A. Bisson. Duyg! Carl Schönfeld als Gast. Dienstag, den 24. Oktober 1899: Drittes Gastspiel von Carl Schönfeld Krieg im Frieden. verwaltet wird, macht sie die besten Fortschritte. Reif⸗Reiflingen Carl Schönfeld als Gast. — 2 SSF — Seite 6. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 13. O eee 2 ILL CCC UAnterhaltungs⸗Ceil. * Sturmesmpythe. Stumm und regungslos in sich verschlossen Ruht die tiefe See dahingegossen, Sendet ihren Gruß dem Strande nicht; Ihre Wellenpulse sind versunken, Ungespüret glüh'n die Abendfunken Wie auf einem Totenangesicht. Nicht ein Blatt am Strande wagt zu rauschen, Wie betroffen stehn die Bäume, lauschen, Ob kein Lüftchen, keine Welle, wacht d Und die Sonne ist hinabgeschieden, Hüllend breitet um den Todesfrieden Schleier nun auf Schleier stille Nacht. Plötzlich auf am Horizonte tauchen Dunkle Wolken, die herüberhauchen Schwer, in stürmischer Beklommenheit; Eilig kommen sie heraufgefahren, Haben sich in angstverworr'nen Schaaren Um die stumme Schläferin gereiht. Und sie neigen sich herab und fragen: „Cebst du noch“ in lauten Donnerklagen, Und sie weinen aus ihr banges Weh, Sitternd leuchten sie mit scheuem Grauen, Auf das stille Bett herab und schauen, Ob die alte Mutter tot, die Seed Nein, sie lebt! sie lebt! der Töchter Kummer Hat sie aufgestört aus ihrem Schlummer, Und sie springt vom Lager hoch empor: Mutter,— Kinder— brausend sich umschlingen Und sie tanzen freudenwild und singen ü Ihrer Cieb' ein Lied im Sturmeschor. Lenau. Michael Kohlhaas. Historische Erzählung von H. von Kleist. (Fortsetzung und Schluß.) Kohlhaas aber, als diese Frau zu ihm ein⸗ trat, meinte an einem Siegelring, den sie an der Hand trug, und einer ihr vom Hals herab— hängenden Corallenkette die bekannte alte Zigeunerin selbst wieder zu erkennen, die ihm in Jüterbock den Zettel überreicht hatte; und wie denn die eee nicht immer auf Seiten der Wahrheit ist, so traf es sich, daß hier etwas geschehen war, das wir zwar be⸗ richten: die Freiheit aber, daran zu zweifeln, demjenigen, dem es wohlgefällt, zugestehen müssen: der Kämmerer hatte den ungeheuersten Mißgriff begangen und in dem alten Trödel⸗ weib, das er in den Straßen von Berlin auf⸗ griff, um die Zigeunerin nachzuahmen, die ge⸗ heimnisreiche Zigeunerin selbst getroffen, die er nachgeahmt wissen wollte. Wenigstens berichtete das Weib, indem sie auf ihre Krücken gestützt die Wangen der Kinder streichelte, die sich, be— troffen von ihrem wunderlichen Anblick, an den Vater lehnten: daß sie schon seit geraumer Zeit aus dem Sächsischen ins Brandenburgische zurück— gekehrt sei, und sich auf eine in den Straßen von Berlin unvorsichtig gewagte Frage des Kämmerers nach der Zigeunerin, die im Früh⸗ jahr des verflossenen Jahres in Jüterbock ge⸗ wesen, sogleich an ihn gedrängt, und unter einem falchen Namen zu dem Geschäfte, das er besorgt wissen wollte, angetragen habe. Der Roßhändler, der eine sonderbare Aehn— lichkeit zwischen ihr und seinem verstorbenen Weibe Lisbeth bemerkte, dergestalt, daß er sie hätte fragen können, ob sie ihre Großmutter sei; denn nicht nur, daß die Züge ihres Gesichts, ihre Hände, auch in ihrem knöchernen Bau noch schön, und, besonders der Gebrauch, den sie da⸗ von im Reden machte, ihn aufs lebhafteste an sie erinnerten; auch ein Mal, womit seiner Frauen Hals bezeichnet war, bemerkte er an dem ihrigen— der Roßhändler nötigte sie unter Gedanken, die sich seltsam in ihm kreuzten, auf einen Stuhl nieder und fragte, was ste in aller Welt in Geschäften des Kämmerers zu ihm führe? Die Frau, während der alte Hund des Kohlhaas ihre Knie umschnüffelte, und von ihrer Hand gekraut, mit dem Schwanz wedelte, antwortete:„der Auftrag den ihr der Kämmerer esa wäre, ihm zu eröffnen, auf welche drei em sächstschen Hofe wichtige Fragen der Zettel Aera Antwort enthalte; ihn vor einem bgesandten, der sich in Berlin befinde, um seiner habhaft zu werden, zu warnen: und ihm den Zettel, unter dem Vorwande, daß er an seiner Brust wo er ihn trage nicht mehr sicher sei, abzufordern. Die Absicht aber, in der sie komme, sei, ihm zu sagen, daß die Drohung, ihn durch Arglist oder Gewalttätigkeit um den Zettel zu bringen, abgeschmackt, und ein leeres Trugbild sei; daß er unter dem Schutz des Kurfürsten von Brandenburg, in dessen Ver⸗ wahrsam er sich befinde, nicht das Mindeste für denselben zu befürchten habe; ja daß das Blatt bei ihm weit sicherer sei, als bei ihr, und daß er sich wohl hüten möchte, sich durch Ablieferung desselben, an wen und unter welchem Vorwand es auch sei, darum bringen zu lassen.— Gleich⸗ wohl schloß sie, daß sie es für klug hielte von dem Zettel den Gebrauch zu machen zu welchem sie ihm denselben auf dem Jahrmarkt zu Jüter⸗ bock eingehändigt, dem Antrag, den man ihm auf der Grenze durch den Junker von Stein gemacht, Gehör zu geben, und den Zettel, der ihm selbst weiter nichts nutzen könne, für Frei⸗ heit und Leben an den Kurfürsten von Sachsen auszuliefern.“ Kohlhaas, der über die Macht jauchzte, die ihm gegeben war, seines Feindes Ferse in dem Augenblick, da sie ihn in den Staub trat, töd⸗ lich zu verwunden, antwortete: nicht um die Welt, Mütterchen, nicht um die Welt! und drückte der Alten Hand, und wollte nur wissen, was für Antworten auf die ungeheuren Fragen im Zettel enthalten wären? Die Frau, inzwischen sie das Jüngste, daß sich zu ihren Füßen niedergekauert hatte, auf den Schooß nahm, sprach:„nicht um die Welt, Kohlhaas der Roß⸗ händler; aber um diesen hübschen, kleinen, blonden Jungen!“ und damit lachte sie ihn an, herzte und küßte ihn, der sie mit großen Augen ansah, und reichte ihm mit ihren dürren Händen einen Apfel, den sie in der Tasche trug, dar. Kohlhaas sagte verwirrt: daß die Kinder selbst, wenn sie groß wären, ihn seines Verfahrens halber loben würden, und daß er für sie und ihre Enkel nichts Heilsameres thun könne, als den Zettel behalten. Zudem fragte er, wer ihn nach der Erfahrung, die er gemacht, vor einem neuen Betrug sicher stelle, und ob er nicht zu⸗ letzt unnützer Weise den Zettel, wie jüngst den Kriegshaufen, den er in Lützen zusammenge⸗ bracht, an den Kurfürsten aufopfern würde? „Wer mir sein Wort einmal gebrochen,“ sprach er,„mit dem wechsle ich keins mehr; und nur deine Forderung, bestimmt und unzweideutig, trennt mich, gutes Mütterchen, von dem Blatt, durch welches mir für Alles, was ich erlitten, auf so wunderbare Weise Genugthuung ge⸗ worden ist.“ Die Frau, indem sie das Kind auf den Boden setzte, sagte: daß er in mancherlei Hin⸗ sicht Recht hätte, und daß er thun und lassen könnte, was er wollte! Und damit nahm sie ihre Krücken wieder zur Haud, und wollte gehn. Kohlhaas wiederholte seine Frage, den Juhalt des wunderbaren Zettes betreffend; er wünschte, da sie flüchtig antwortete:„daß er ihn eröffnen könne, obschon es eine bloße Neugierde wäre,“ noch über Tausend andere Dinge, bevor sie ihn verließe, Aufschluß zu erhalten; wer sie eigent⸗ lich sei, woher sie zu der Wissenschaft, die ihr inwohne, komme, warum sie den Kurfürsten, für den er doch geschrieben, den Zettel ver⸗ weigert, und grade ihm unter so vielen tausend Menschen, der ihrer Wissenschaft nie begehrt, das Wunderblatt überreicht habe? Nun traf es sich, daß in eben diesem Augen⸗ blick ein Geräusch hörbar ward, das einige Jolizei⸗Offizianten, die die Treppe heraufstiegen, verursachten; dergestalt, daß das Weib von plötzlicher Besorgnis in diesen Gemächern von ihnen betroffen zu werden ergriffen, antwortete: auf Wiedersehen Kohlhaas, auf Wiedersehn! Es soll dir, wenn wir uns wieder treffen, an Kenntnis über dies Alles nicht fehlen!“ Und damit, indem sie sich gegen die Thür wandte, rief sie:„lebt wohl Kinderchen, lebt wohl!“ küßte das kleine Geschlecht nach der Reihe, und ging ab. Inzwischen hatte der Kurfürst von Sachsen, f seinen jammervollen Gedanken preisgegeben, Namens Oldenholm und zwei Astrologen, Olearius, welche damals in Sachsen in großem Ansehen standen, herbeigerufen, und wegen des Inhalts des geheimnisvollen, ihm und dem Schloßturm zu Dresden fortgesetzten tiefsinnigen Untersuchung nicht einig werden konnten, ob die g 0 ö Prophezeihung sich auf späte Jahrhunderte oder aber auf die jetzige Zeit beziehe, und viel⸗ leicht die Krone Polen, mit welcher die Ver⸗ hältnisse immer noch sehr kriegerisch waren, da⸗ mit gemeint sei; so wurde durch solchen ge⸗ lehrten Streit, statt sie zu zerstreuen, die Un⸗ welcher sich dieser unglückliche Herr befand, nur geschärft, und zuletzt bis auf einen Grad, der seiner Seele ganz unerträglich war, vermehrt. Dazu kam, daß der Kämmerer um diese Zeit seiner Frau, die im Begriff stand ihm nach Berlin zu folgen, auftrug, dem Kurfürsten bevor sie abreise auf eine geschickte Art beizubringen, wie mißlich es nach einem verunglückten Versuch, den er mit demWeibe gemacht, das sich seitdem nicht wieder habe blicken lassen, mit der Hoff⸗ nung aussehe, des Zettels, in dessen Besitz der Kohlhaas sei, habhaft zu werden, indem das über ihn gefällte Todesurteil nunmehr nach einer umständlichen Prüfung der Acten von dem Kurfürsten von Brandenburg unterzeichnet, und der Hinrichtungstag bereits auf den Montag nach Palmarum festgesetzt sei; auf welche Nach⸗ richt der Kurfürst sich, das Herz von Kummer und Reue zerrissen, gleich einem ganz Verlorenen, in seinem Zimmer verschloß, während zwei Tage des Lebens satt, keine Speisen zu sich nahm, und am dritten plötzlich, unter der kurzen Anzeige an das Gubernium, daß er zu dem Fürsten von Dessau auf die Jagd reise, aus Dresden verschwand. Wohin er elgeutlich ging, und ob er sich uach Dessau wandte, lassen wir dahin gestellt sein, indem die Chroniken, aus deren Vergleich wir Bericht erstatten, an dieser Stelle auf befremdende Weise einander wider⸗ sprechen und aufheben. Gewiß ist, daß der Fürst von Dessau, unfähig zu jagen, um diese Zeit krank in Braunschweig bei seinem Oheim, dem Herzog Heinrich, lag, und daß die Dame Heloise am Abend des folgenden Tages in Ge⸗ sellschaft eines Grofen von Königstein, den sie für ihren Vetter ausgab, bei dem Kämmerer Herrn Kunz, ihrem Gemahl, in Berlin eintraf.— Inzwischen war dem Kohlhaas auf Befehl des Kurfürsten das Todesurteil vorgelesen, die Ketten abgenommen, und die über sein Ver⸗ mögen lautenden Papiere, die man ihm in Dresden abgesprochen hatte, wieder zugestellt worden; und da die Räte, die das Gericht an ihn abegordnet hatte, ihn fragten, wie er es mit dem, was er besitze, nach seinem Tode ge⸗ halten wissen wolle: so verfertigte er mit Hülfe eines Notars zu seiner Kinder Gunsten ein Testament, und setzte den Amtmann zu Kohl⸗ haasenbrück, seinen wackeren Freund, zum Vor⸗ mund derselben ein. Demnach glich nichts der Ruhe und Zufriedenheit seiner Tage; denn auf eine sonderbare Special⸗Verorbnung des Kur⸗ war bald darauf auch noch der Zwinger, in welchem er sich befand, eröffnet, und allen seinen Freunden, deren er sehr viele in der Stadt be⸗ saß, bei Tag und Nacht freier Zutritt zu ihm verstattet worden. Ja, er hatte non die Geuug⸗ thuung, den Theologen Jakob Freising, als einen Abgesandten Doctor Luthers, mit einem eigenhändigen, ohne Zweifel sehr merkwürdigen Brief, der aber verloren gegangen ist, in sein Gefängnis treten zu sehen, und von diesem geistlichen Herrn in Gegenwart zweier branden⸗ burgischen Dechanten, die ihm an die Hand gingen, die Wohlthat der heiligen Communion zu empfangen. a Hierauf erschien nun unter einer allgemeinen Bewegung der Stadt, die sich immer noch nicht entwöhnen konnte, auf ein Machtwort, das ihn jeheir Au ganzen Geschlecht seiner Nachkommen so wich- ul tigen Zettels zu Rate gezogen; und da die Männer nach einer, mehrere Tage lang im he, en. gol b er 1. al 1 fit 0 ell 9 funde ich dn ber Wel Hohe derln; ruhe— um nicht zu sagen Verzweiflung— in. fan aum H. kbutlich uche d den 1 getel! satwort i Mitte p bonn Augen sehmen, iu zitte Als Den Kl Oolg Deinric leßlich halten Franz in der llusun Auwa! Herolk den de And de erde Denn flage, en a libe cle Inke falt 10 1 dit bun Id det ark Damn un an I d fer Aon ind f 9 Fals furt ale fed 0 Vin lt dle 10 Jun den lber die 8 13. — bandte goht, Sachen, geben, N Und N großen gen de? ud den 0 pich. d da N lang in „ oh die hunderte und viel. die Ver ren, da⸗ ö chen ge⸗ die ll. g— in and, nur rad, der ermehrt. ese Zeit ch Berlin beor sie gen, wie Lersuh, seitden er Hof⸗ estz der dem das ehr nuch von dem net, und Montag che Nach⸗ Kummer rlorenen, d zwei zu sich r kurzen zu dem ise, aus lich ging, sen wir kel, aus in diesen r wider⸗ daß del um diese 1 Ohein, je Dall g in Ge den ste mmerel traf. F Bech 9rgelesel, geln Ber ihm 1 zune kit 1 Tode g 6+6— 22 77... rettete, zu hoffen, der verhängnißvolle Montag Nr. 43. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 7. nach Palmarum, an welchem er die Welt wegen des allzuraschen Versuchs sich selvst in ihr Recht verschaffen zu wollen, versöhnen sollte. Eben trat er, in Begleitung einer starken Wache, seine beiden Knaben auf dem Arm(denn diese Vergünstigung hatte er sich ausdrücklich vor den Schranken des Gerichts ausgebeten), von dem Theologen Jakob Freising geführt, aus dem Thor seines Gefängnisses, als unter einem wehmütigen Gewimmel von Bekannten, die ihm die Hände drückten und von ihm Abschied nahmen, der Castellan des kurfürstlichen Schlosses, verstört im Gesicht, zu ihm herein trat, und ihm ein Blatt gab, das ihm, wie er sagte, ein altes Weib für ihn eingehändigt. Kohlhaas, während er den Mann, der ihm nur wenig bekannt war, befremdet ansah, eröffnete das Blatt, dessen Siegelring ihn, im Mundlack ausgedrückt, so- gleich an die bekannte Zigeunerin erinnerte. Aber wer beschreibt das Erstaunen das ihn er⸗ griff, als er folgende Nachricht darin fand: „Kohlhaas, der Kurfürst von Sachsen ist in Berlin; auf den Richtplatz schon ist er voran⸗ gegangen, und wird, wenn dir daran liegt, an einem Hut mit blauen und weißen Federbüschen kenntlich sein. Die Absicht in der er kommt, brauche ich dir nicht zu sagen; er will die Kapsel, sobald du verscharrt bist ausgraben, und den Zettel der darin befindlich ist eröffnen lassen.— Deine Elisabeth.“ Kohlhaas indem er sich auf das Aeußerste bestürzt zu dem Castellan umwandte, fragte ihn: ob er das wunderbare Weib, das ihm den Zettel übergeben, kenne? Doch da der Castellan antwortete:„Kohlhaas, das Weib“—— und in Mitten der Rede auf sonderbare Weise stockte, so konnte er von dem Zuge, der in diesem Augenblick wieder antrat, fortgerissen, nicht ver⸗ nehmen, was der Mann, der an allen Gliedern zu zittern schien, vorbrachte.— Als er auf dem Richtplatz ankam, fand er den Kurfürsten von Brandenburg mit seinem Gefolge, worunter sich auch der Erzkanzler Herr Heinrich von Geusau befand, unter einer uner⸗ meßlichen Menschenmenge daselbst zu Pferde halten: ihm zur Rechten der kaiserliche Anwalt Franz Müller, eine Abschrift des Todesurtheils in der Hand; ihm zur Linken mit dem Con⸗ clusum des Dresdner Hofgerichts sein eigener Anwalt, der Rechtsgelehrte Anton Zäuner; ein Herold in der Mitte des halboffenen Kreises, den das Volk schloß, mit einem Bündel Sachen, und den beiden, von Wohlsein glänzenden, die erde mit ihren Hufen stampfenden Rappen. Denn der Erzkanzler Herr Heinrich hatte die Klage, die er im Namen seines Herrn in Dres- den anhängig gemacht, Punkt für Punkt und ohne die mindeste Einschränkung gegen den Junker Wenzel von Tronka durchgesetzt; der⸗ gestalt, daß die Pferde, nachdem man sie durch Schwingung einer Fahne über ihre Häupter ehr⸗ lich gemacht, und aus den Händen des Ab⸗ deckers, der sie ernährte, zurückgezogen hatte, von den Leuten des Junkers dickgefüttert, und in Gegenwart einer eigens dazu nieder⸗ gesetzten Commision dem Anwalt auf dem Markt zu Dresden übergeben worden waren. Demnach sprach der Kurfürst, als Kohhaas von der Wache begleitet auf den Hügel zu ihm heranschritt: nun, Kohlhaas, heut ist der Tag, an dem dir dein Recht geschieht! Schau her, hier liefere ich dir Alles, was du auf der Tronkenburg gewaltsamer Weise eingebüßt, und was ich als dein Landesherr, dir wieder zu verschaffen, schuldig war, zurück: Rappen, Halstuch, Reichsgulden, Wäsche, bis auf die Kurkosten sogar für deinen bei Mühlberg ge⸗ fallenen Knecht Herse. Bist du mit mir zu— frieden?— Kohlhaas, während er das ihm auf den Wink des Erzkanzlers eingehändigte Conclusum mit großen, funkelnden Augen überlas, setzte die beiden Kinder, die er auf dem Arm trug, neben sich auf den Boden nieder; und da er auch einen Artikel darin fand, in welchem der Junker Wenzel zu zweijähriger Gefängnißstrafe verurtheilt: so ließ er sich aus der Ferne, ganz überwältigt von Gefühlen, mit kreuzweis auf nieder. Er versicherte bed dem Erzkanzler, indem er aufstand, und die Hand auf seinen Schoß legte, daß sein höchster Wunsch auf Erden erfüllt sei, trat an die Pferde heran, musterte sie, und klopfte ihren feisten Hals; und erklärte dem Kanzler, indem er wieder zu ihm zurück- kam, heiter: daß er sie seinen beiden Söhnen Heinrich und Leopold schenke!“ Der Kanzler, Herr Heinrich von Geusau, vom Pferde herab mild zu ihm gewandt, versprach ihm in des Kurfürsten Namen, daß sein letzter Wille heilig gehalten werden solle: und forderte ihn auf, auch über die übrigen im Bündel befindlichen Sachen nach seinem Gutdünken zu schalten. Hierauf rief Kohlhaas die alte Mutter Hersens, die er auf dem Platz wahrgenommen hatte, aus dem Haufen des Volks hervor, und indem er ihr die Sachen übergab, sprach er:„da, Mütterchen, das gehört dir!“— die Summe, die als Schadenersatz für ihn bei den im Bündel liegenden Gelde befindlich war, als ein Ge⸗ schenk noch zur Pflege und Erquickung ihrer alten Tage hinzufügend.—— Der Kurfürst rief:„nun Kohlhaas der Roß⸗ händler, und, dem solchergestalt Genugthuung geworden, mache dich bereit, kaiserlicher Maje⸗ stät, deren Anwalt hier steht, wegen des Bruchs ihres Landfriedens deinerseits Genugthuung zu geben!“ Kohlhaas indem er seinen Hut ab⸗ nahm, und auf die Erde warf, sagte: daß er bereit dazu wäre! übergab die Kinder, nachdem er sie noch einmal vom Boden erhoben, und an seine Brust gedrückt hatte, dem Amtmann von Kohlhaasenbrück, und trat, während dieser sie unter stillen Thränen vom Platz hinweg⸗ führte, an den Block. Eben knüpfte er sich das Tuch vom Hals ab, und öffnete seinen Brust⸗ latz, als er mit einem flüchtigen Blick auf den Kreis, den das Volk bildete, in geringer Ent⸗ fernung von sich zwischen zwei Rittern, die ihn mit ihren Leibern halb deckten, den wohlbe⸗ kannten Mann mit blauen und weißen Feder⸗ büschen wahrnahm. Kohlhaas löste sich, indem er mit einem plötzlichen, die Wache, die ihn umringte, befremdenden Schritt, dicht vor ihn trat, die Kapsel von der Brust; er nahm den Zettel heraus, entsiegelte ihn, und überlas ihn, und das Auge unverwandt auf den Manu mit blauen und weißen Federbüschen gerichtet, der bereits süßen Hoffnungen Raum zu geben an⸗ fing, steckte er ihn in den Mund und verschlang ihn. Der Mann mit blauen und weißen Jeder⸗ büschen sank bei diesem Anblick ohnmächtig in Krämpfen nieder. Kohlhaas aber, während die bestürzten Begleiter desselben sich herab⸗ beugten und ihn vom Boden aufhoben, wandte sich zu dem Schaffot, wo sein Haupt unter dem Beil des Scharfrichters fiel. Hier endigt die Geschichte von Kohlhaas. Man legte die Leiche unter einer allgemeinen Klage des Volks in einen Sarg; und während die Träger sie aufhoben, um sie anständig auf den Kirchhof der Vorstadt zu begraben, rief der Kurfürst die Söhne des Abgeschiedenen herbei und schlug sie, mit der Erklärung an den Erz⸗ kanzler, daß sie in seiner Pagenschule erzogen werden sollten, zu Rittern. Der Kurfürst von Sachsen kam bald darauf, zerrissen an Leib und Seele, nach Dresden zu⸗ rück, wo man das Weitere in der Geschichte nachlesen muß. Von Kohlhaas aber haben noch im ver⸗ gangenen Jahrhundert im Mecklenburgischen einige frohe und rüstige Nachkommen gelebt. Russische Sprichwörter. Auch einen alten Mann liebt die Frau,— wenn er nicht eifersüchtig ist. * An ein fremdes Weib thut der Teufel einen Löffel Honig. a Nicht Jeder ist ein Bösewicht, der einmal bös ist. * Nur Hunde und vornehme Herren fasten nicht. N Wer Knoblauch gegessen, braucht sich nicht die Brust gelegten Händen vor dem Kurfürsten zu melden. Wo der Teufel nicht zurecht kommt, da schickt er das Weib hin. * Eine kluge Lüge ist oft besser, als eine dumme Wahrheit. * Wenn der Pope die Messe sitzend liest, so hört die Gemeinde liegend zu. * Preise nicht deine Frau nach dem dritten Tag, preise sie nach dem dritten Jahr. * Wenn der Donner nicht rollt, schlägt au der Bauer kein Kreuz. cee r— Humoristisches. Veteranen.„.. Veteranen! Kriegskameraden! Meine Herren! Heute hat der Erbprinz den ersten Zahn bekommen. Mit Freuden hat der Kriegerbund die Ge⸗ legenheit ergriffen, seine Fahne zu entrollen und zu zeigen, daß der markige, schlachtenergraute, sturmerprob te Krieger überall dabei ist...“ * Gemütlich. Lehrer:„Aber Pepi, was fällt Dir denn ein? Die Schule geht um 8 Uhr an, es ist schon neun Uhr und Du kommst jetzt erst!“ Schüler:„Gelt, da schaust!“ * Kathederblüte.„Nach der verlorenen Schlacht brachte der unglückliche Regent die erste Nacht in Ver⸗ zweiflung, die nächste in Wien zu!“ * „Der Namensvetter Andrées. In mili⸗ tärischen Kreisen wird folgende Anekdote erzählt. Bei einer der letzten Rekrutenbesichtigungen fragte der Kaiser einen angehenden Vaterlandsverteidiger:„Wie heißt Du, mein Sohn?“ worauf der Rekrut mit möglichst regle⸗ mentsmäßiger Schneidigkeit:„Andrée, Ew. Majestät!“ antwortete. Auf die Frage des Monarchen:„Weißt Du auch, daß Du einen berühmten Namensvetter hast?“— „Zu Befehl, Ew. Majestät!“—„Wer hat Dir das gesagt?“—„Der Herr Hauptmann!“ erwiderte der Rekrut.—„So“, entgegnete der Kaiser lächelnd,„und was hat der Herr Hauptmann Dir von Deinem Namens⸗ vetter erzählt?“—„Ew. Majestät, der Herr Haupt⸗ mann hat gesagt, wenn Dir Andrée man voch bloß mitgenommen hätte!“ war die Antwort des strammen Kriegers.(Andrée heißt der Luftschiffer, der im Luft⸗ ballon den Nordpol erreichen wollte, aber seit Jahren verschollen ist.) Neu eingelaufene Schriften. Besprechung wichtigerer Erscheinung behalten wir uns vor. „Eine Junkerrevolte.““ Unter diesem Titel behandelt eine im Verlag der Buchhandlung Vorwärts soeben erschienene Broschüre von Kurt Eisner die Fragen der inneren preußischen Politik unter Anlehnung an den Kanalhandel und prüft diese Frage vom Stand⸗ punkte des Sozialismus. Der Stoff ist gegliedert in folgende Kapitel: Die Politik der Mitte, Kulturinteresse und Interessenkultur, der persönliche Wille, Bilder aus der verkehrten Welt, die Komödie der Drohungen, ohne Sozialdemokraten. Im ersten Abschnitt wird das Ver⸗ hältniß zwischen Industrie und Landwirtschaft in Preußen mit Hilfe von Zahlen über Bevölkerungsgliederung, Bodenbenutzung, Einfuhr und Ausfuhr von Industrie⸗ erzeugnissen und Nahrungsmitteln geschildert.— Der Verfasser kommt am Schlusse seiner interessanten Dar⸗ legungen zu der Forderung, daß wir auch in Preußen die Eroberung der politischen Macht mit allen tauglichen Mitteln anbahnen müssen, und verlangt einheitliche und bindende Beschlüsse zur Frage der preußischen Landtags⸗ wahlen.— Der Preis für die Broschüre beträgt 50 Pf.; um aber den Parteigenossen die Anschaffung zu erleichtern, hat der Verlag eine Agitationsausgabe zum Preise von 20 Pf. hergestellt. Nur 60 Pfennige kostet die„Mitteldeutsche Sonntags-Zeitung“ für die Monate November und Dezember durch den Briefträger frei in's Haus geliefert. Jeder Briefträger nimmt Bestellungen an. Bei unsern Austrägern bestellt, kostet die„M. S.⸗Z.“ monatlich nur 25 Pfg. frei in's Haus. n K 8 r eee eee U Carl Frensdorf Seite 8. Mitteldeutsche SonntagsZeitung. Nr. 43. Tür Landragswabft im Giessener Landkress! Am Montag, den 23., Dienstag, den 24. und Mittwoch, den 28. Oktober liegen auf allen Bürger⸗ meistereien die Wählerlisten zur Einsicht der Wähler auf. Sehe jeder mindestens 25 Jahre alte Hesse nach, ob er in die Liste eingetragen ist. Die Wahlmännerwahl findet am 5 S Mittwoch, den 8. November S statt. Sprecht das weiter, damit die Arbeiter sich schon wochenlang vorher darauf einrichten können, am 8. Ro vember unter Umständen einen viertel oder einen halben Tag zu feiern. bleiben. Wenn jeder seine Pflicht thut, ist uns diesmal der Sieg gewiß. Arbeitet unermüdlich, Ihr Arbeiter, zahlt es den Antisemiten, die ehrliche Arbeiter Schlammbeißser genannt haben, am 8. November heim. Beweist auch den Nationalliberalen, die die Arbeiter noch nicht für reif halten, direkt zum Landtag wählen zu können, daß Ihr sehr wohl wißt, wer Eure Interessen am besten vertritt. Kein Arbeiter darf am 8. November einem anderen Wahlmann seine Stimme geben, als demjenigen, von dem er weiß, daß er den Candidaten der Arbeiterpartei, Philipp Seheidemann in Gießen, zum Landtags⸗ abgeordneten wählen will. Keiner darf diesmal der Wahlurne fern Es steht viel für Euch auf dem Spiel, es wird für sechs lange Jahre gewählt. Bedenkt, was Euch in dieser Zeit einer der Eurigen nützen, und wie Euch ein Gegner schaden kann. TLodenjoppen. Empfehle als besonders preiswert 600 Lodlenjoppen mit und ohne Falten, darunter schöne graue, grüne u. moderne Jarben. 1. 3.80 Me. 5 pro Stück in allen Herren⸗Größen. Bahnhofstrasse Marktstrasse, Ecke Neustadt, Giessen. Erstes Speziul-Herren-Gurderobe Geschl. SGcss6ss6sss. Call Freudenstein. Nachfolger, Marburg a. L. 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D 2 2 — 5„ Sffüßfeß 8 8 — S 2 D.— 2— ——— 8 35 S 2— 38 5 5 7„ 8 W N eee— El. Ottmann sche Buchüruckerei Verlag der Mitteld. Sonntags⸗Zeitung(E. Krumm), Gießen. Verantwortl. Redakteur Ph. Scheidemann, Gießen. Druck von A. Heppeler in Gießen.