4. nach Aus⸗ insendung Porto. halb vier tet. „ Sonnt⸗ en, somik id wissen⸗ Zeillgtis e Buch⸗ hneider, dition del 9581 — 00 I 1 ilhen. igel, 9 Die„Mitteldeutsche Nr. 4. Gießen, Sonntag, den 22. Januar 1899. 6. Jahrg. Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Mitteldeutsche P. Redaktionsschluß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. n e 0 Abonnementspreis: Sonntags⸗ Zeitung“ kostet durch unsere] nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Ex pe⸗ Austräger frei in's Haus geliefert monatlich 25 Pfg.][dition in Gießen, Kirchenplatz 11, Schloßgasse, die Durch die Po st bezogen vierteljährlich 90 Pfg. Direkt durch] Druckerei, Sonnenstraße 6, sowie jede Postanstalt und die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Briefträger entgegen.(Post⸗Ztgs.⸗Katal. 4312a.) Bestelluugen 8 Zur Beachtung! Die nächste Nummer der„Mitteldeutschen Sonntags- Zeitung“ wird zu Agitations⸗ zwecken nicht nur auf dem Lande, sondern auch ganz besonders in den Städten Marburg, Gießen und Wetzlar verbreitet werden. Wir ersuchen die Partei⸗ genossen allerorts, sich an der Verbreitung eifrig zu beteiligen und ihr Hauptaugenmerk darauf zu richten, neue Abonnenten zu werben. Sind unsere Genossen opferwillig und pflicht⸗ bewußt, so sind mit Leichtigkeit an einem einzigen Sonntag für die„Mitteld. Sonntags⸗Zeitung“ 1000 neue Abonnenten zu gewinnen. Unsere Spediteure und die Parteivertrauens⸗ leute mögen sich der Sache recht eifrig an⸗ nehmen und dafür sorgen, daß am Sonntag, den 29. Januar, vormittags, recht viele Genossen zur Verfügung stehen, damit die Ver⸗ breitung der Zeitung planmäßig und schnell er⸗ ledigt werden kann. 5 nicht unterlassen, Kein Haus darf verschont werden. In jedem Hause muß wenigstens ein neuer Abonnent ge⸗ wonnen werden. Unsere Annoncen-Acquisiteure wollen die Geschäftsleute auf die günstige Insertions gelegenheit aufmerk⸗ sam zu machen. 8 . Zur hessischen Steuerreform. »Mit der seit Jahr und Tag angekündigten Steuerreform in Hessen soll es nun Ernst werden. Die Staatsregierung hat an die zweite Kammer fünf Gesetzentwürfe gelangen lassen. „Diesen Entwürfen zufolge sollen in Zukunft in Hessen nur noch zwei staatliche direkte Steuern bestehen: die Einkommensteuer und die Vermögenssteuer. Die seitherigen Realsteuern auf Grundbesitz und Gewerbe- betrieb, sowie die Kapitalrentensteuer würden in Wegfall kommen. n 0 Durch den Wegfall dieser beiden letzten Steuern würde dem Staat— die Erträge der neuen Steuern in Abrechnung gebracht— noch ein Einnahme⸗ ausfall von rund zwei Millionen Mark entstehen. Diesen Ausfall will nun die Regie⸗ rung teilweise aus den in Aussicht zu nehmenden Mehrerträgnissen der preußisch⸗hessischen Eisen⸗ bahngemeinschaft, die auf rund 1 Million ge⸗ schätzt, jedoch nur mit 600 000 Mark in Ansatz 1. werden sollen, decken. Der Restbetrag es Ausfalles mit 1 400 000 Mark soll dem Entwurf gemäß gedeckt werden: 1. durch die Errichtung einer Staatslotterie, bei der eine Einnahme vorgesehen ist von. 500 000 Mk. 2. durch die Wiedereinführung der Weinsteuer(Neuordnung nennt der Entwurf den Vorschlag) mit einem vermutlichen Erträgnis D 500000 3. durch die Erhöhung des Verwaltungsstempels mit einem geschätzten Mehrertrag von 250 000 4. durch die Erhöhung der staatlichen Hundesteuer von 5 auf 10 Mk. mit einem Mehr⸗ r 165 000„ Zusammen 1415 000 Mk. Daß die Regierung mit derartigen Vor⸗ schlägen kommt, beweist deutlich genug, daß für sie wieder oberster Grundsatz war: die großen Vermögen und Einkommen zu schonen. Wegen einer auf 1400 000 Mark ver⸗ anschlagten Mindereinnahme will die Staats⸗ regierung vier neue Einnahmequellen erschließen resp. ergiebiger gestalten. Und was für Einnahmequellen! alten Sprüchwort„Non olet“— Geld riecht nicht— sollen aus einer zu begründenden Staatslotterie 500 000 Mk. herausgewirt⸗ schaftet werden. Derselbe Staat, der das Glücks⸗ spiel unter harte Strafe stellt, will nun selbst Glücksspiele veranstalten— lumpiger 500 000 Mark wegen. Aus einer Weinsteuer sollen ebenfalls 500 000 Mk., aus der Erhöhung des Ver- waltungsstempels 250000 Mk. heraus⸗ geholt werden. Und schließlich sollen noch 165 000 Mk. von denen aufgebracht werden, welche so unverschämt sind, Freude an einem Hunde zu haben. All diese neu ausgeheckten Steuerpläne wären vollständig überflüssig, wenn die Staats⸗ regierung gegenüber den Großen und Vor⸗ nehmen ebenso wenig rücksichtsvoll auftreten würde, wie sie das bei den Kleinen von jeher gethan hat. Aber da liegt gerade der Hase im Pfeffer. Die Großen sollen geschont werden. Ganze 4½ Prozent Steuerbelastung sieht der Regierungs⸗Entwurf als den höchsten Satz für die allergrößten Einkommen vor. Den Herren Millionären mehr abzu⸗ nehmen ist die Regierung nicht gewillt. Aber die Einkommen schon von 500 Mk. ab zu be⸗ steuern, nimmt dieselbe Regierung keinen Anstand. Ein Arbeiter, der jährlich 500 Mk. verdient, zahlt in Hessen jährlich 4 Mk. direkte Staats⸗ steuer, verdient er 610 Mk., so muß er schon 6,40 Mk. direkte Steuern zahlen.“ Das halten wir für ein bitteres Unrecht, weil ein Einkommen von 610 Mk. kaum zum Leben ausreicht und nur ein menschenunwürdiges, elendes Vegetieren gestattet, sobald davon noch Frau und Kinder „ernährt“ werden müssen. 77 77 Nach dem Daß jede Familie, einerlei ob reich oder arm, außer den direkten Steuern auch noch jährlich rund 100 Mark an indirekten Steuern zahlen muß, die auf Lebensmitteln u. s. w. ruhen, haben wir in voriger Nummer erst wieder nachgewiesen. — 5 Juserate finden in der„M. S.⸗Z.“ weiteste Verbreitung. Die ögespelt Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Amal. Bestellung gewähren wir 25%, bei Emal. Bestellung 33/0 und bei mindestens 12mal. Aufgabe 50% Rabatt. !! ⁵˙. ĩðͤ v 7 Pfg. Bei mindesten! eee eee e Aber gerade weil man sich nicht geniert, den Aermsten zur Steuerzahlung heranzuziehen, ist es um so ungerechter, die Reichen zu schonen Einer der reichsten Männer Hessens ist der Wormser Lederkönig Heyl. Sein Einkommen wurde jüngst in der Presse auf jährlich zwei Millionen Mark angegeben. Er würde also mit dem höchsten Steuersatz— 4½ Prozent— be⸗ lastet werden und hätte dann pro Jahr 90 000 Mark Einkommensteuer zu zahlen. Das ist für den Wormser Freiherrn gar nichts. Belastete man ihn nur mit zehn Prozent, so müßte er jährlich 200 000 Mark Steuern zahlen, behielt also immer noch 1800 000 Mark übrig, wovon er, wie kein Mensch bezweifeln wird, ein recht angenehmes und sorgenfreies Dasein bestreiten könnte. Er hätte Tag für Tag rund 4930 Mark zu verzehren! Freiherr von Heyl ist nicht der einzige in Hessen, der ein so riesenhaftes Einkommen hat. Warum diese Leute nicht so heranziehen, wie sie es vertragen können? Lassen wir einen Steuersatz von 4½ Prozent bei einem jährlichen Einkommen von 100 000 Mark noch gelten, so müßte der Steuersatz bei einem Einkommen von 500 000 Mark mindestens schon 6 ⅛ Prozent, bei einem Einkommen von einer Million aber wenigstens 10 Proz, betragen. Auf diese Weise würden die Gelder, welche der Staat gebraucht, mit Leichtigkeit aufgebracht werden, ohne daß die Regierung mit der Be⸗ steuerung bis auf die Hunde zu kommen brauchte. Die großen Herren, die Hundert⸗ tausende einnehmen pro Jahr, kämen bei einer Steuer von 10 Prozent noch lange nicht auf den Hund. Die Aufgabe der sozialdemokratischen Abge⸗ ordneten in der zweiten Kammer wird es sein, alles aufzubieten, um eine höhere Belastung der Großen und damit eine Entlastung der Kleinen durchzusetzen. Wir wünschen unseren Genossen im Landtage besten Erfolg. Politische Bundschau. * Gießen, den 20. Januar. Unschuldig verurteilt. Die Verurteilung des Redakteurs Müller der„Magdeburger Volkszeitung“ zu 4 Jahren 1 Monat Gefängnis ruft nicht nur in der sozial⸗ demokratischen, sondern auch in der bürgerlichen Presse immer mehr einen Sturm des Un⸗ willens hervor und zwar um so mehr, weil offenbar ein Unschuldiger von dieser drakonischen Strafe betroffen wurde. Müller hat behauptet, daß er an der Aufnahme jenes Artikels unbeteiligt gewesen ist. Zwei seiner Kollegen bestätigten das und waren bereit, ihr Zeugnis zu beschwören. Das Gericht aber lehnte die Vereidigung ab und verurteilte Müller zu vier Jahren Gefängnis, weil es ihm nicht gelungen sei, seine Unschuld zu beweisen. Jetzt ist nun das Magdeburger Gericht, welches jenes drakonische Urteil über einen Unschuldigen fällte, überzeugt worden, daß Müller un⸗ schuldig war. Am Montag brachte unser Bruder— e e 28. 17 5 eee eee . 1 * e 2 Seite 2 Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 4. organ, die„Magdeburger Volksstimme“ folgende das höchste Interesse in Anspruch nehmende Mit⸗ teilung: „Um die Unschuld des Genossen Müller im vollen Umfange darzuthun, hat Montag Mittag der Reichstagsabgeordnete Albert Schmidt sich dem königlichen Ersten Staatsanwalt gestellt und sich als den eigent⸗ lichen Schuldigen bekannt. Schmidt hat es mit seiner Ehre und seinem Charakter nicht vereinbaren können, daß für seine Handlungen ein Parteigenosse unschuldig leidet.“ Nun wird infolge eingelegter Revision Müller freigesprochen und gegen Schmidt das Verfahren eröffnet werden. Da Schmidt Reichstagsabge⸗ ordneter ist, müssen ihn die Magdeburger Richter allerdings zunächst in Ruhe lassen. Ob sie zum zweiten Male eine so furchtbare Strafe verhängen werden? Eine auffällige Spitzelgeschichte. Ende voriger Woche wurde in der bürgerlichen Presse berichtet, daß der sozialdemokratische Ver⸗ trauensmann des 6. Berliner Wahlkreises, Gräschke, als Polizeispitzel entlarvt sei. Die Sache verhält sich nun, wie dem Vorwärts aus Partei⸗ kreisen geschrieben wird, folgendermaßen. Der Genosse Eugen Ernst wurde am 3. Dezbr. von Frau Gräschke durch den Fernsprecher aufgefordert, zu ihrem Mann zu kommen. Als Ernst dort erschien, teilte Gräschke demselben mit, daß er am Donnerstag den 1. Dez., mit einem Kriminal⸗ beamten herumgekneipt und dabei sich schwer be⸗ zecht habe. Am Morgen des 2. Dezember sei der Beamte in Gräschke's Wohnung gekommen und habe von ihm verlangt, er solle seinem Ver⸗ sprechen, ihm Nachrichten über die Parteiver⸗ hältnisse zu verraten, nachkommen. Gräschke sei über dieses Verlangen erstaunt gewesen. Darauf habe ihm der Kriminalbeamte eine Schriftstück mit Gräschke's Unterschrift hingehalten, in welchem dieser sich bereit erklärt, der Polizei Dienste gegen die Sozialdemokratie zu leisten. Dafür habe er bereits eine Bezahlung von 60 Mark angenommen. Gräschke habe dies bestritten. Darauf soll der Beamte gesagt haben, daß sich in Gräschke's Westentasche noch die 60 Mark be⸗ finden müßten, die dieser dann auch wirklich vor⸗ gefunden haben will. Dies Vergehen habe ihm keine Ruhe gelassen, bis er es dem Genossen Ernst eingestanden. Soweit die Erklärung Gräschke's.— Genosse Ernst erklärte auf Be⸗ fragen Gräschke's, was er thun solle, daß es nur eins gäbe: von Allem zurücktreten. Dazu erklärte sich Gräschke bereit. Gräschke hat nach Lage der Sache mit der Partei nichts mehr zu thun. Auch dieses Vorkommnis mag uns daran mahnen, daß wir beinahe wieder in sozialistengesetzlichen Zeiten stehen. Zweifellos wird ja noch mehr Licht in die immer noch etwas dunkle Sache kommen. Wer ist der größte Sünder? Was ist härter zu bestrafen, Mord oder Majestätsbeleidigung? Diese Frage muß man, so schreibt ein bürgerliches Blatt, der Stutt⸗ garter„Beobachter“, nachgerade ernstlicher unter⸗ suchen, wenn man auf der einen Seite erfährt, daß ein Redakteur für einen Artikel, in dem eine Majestätsbeleidung gefunden wurde, an dessen Veröffentlichung er aber unschuldig ist, vier Jahre und einen Monat Gefäng⸗ nis erhielt, und wenn auf der anderen Seite an die Strafhaft des Rittmeisters Graf von Stolberg⸗ Wernigerode erinnert wird. Der Ritt⸗ meister hat im September v. J. den Sergeanten Scheinhardt erstochen und wurde für diese Strafthat mit zwei Jahren Festung bestraft. Nun wird aus Straßburg gemeldet, daß diese Strafhaft eine sehr milde sein soll. An einem Nachmittag der letzten Woche konnte man den Verurteilten in Begleitung eines anderen Herren in Straßburg den Nikolausring passieren sehen. Beide Herren waren in Civil und anscheinend auf einem Spaziergange begriffen. Seit einigen Wochen hält sich auch der nach kurzer, in Frei⸗ burg i. B. verbüßter Gefängnishaft begnadigte ehemalige Premierlieutenant von Brüsewitz in Straßburg auf. Der Sozialdemokrat aber er⸗ hielt für eine Majestätsbeleidigung vier Jahre Gefängnis! Gerechtigkeit über Alles! Die Lockspitzelei ist von einem deutschen Richter in öffentlicher Gerichtssitzung gebrandmarkt worden, allerdings nur die unpolitische. Es kam dazu in dem Prozeß Grützmacher, der vor dem Landgericht Berlin J vorige Woche verhandelt wurde. Der Angeklagte betrieb das unrüchige und vielleicht deshalb gerade in der heutigen Gesellschaft so sehr einträgliche Geschäft eines Privatdetektivs (Privatpolizeiamt). Als früherer Kriminal- kommissar wußte er mit allen Schlichen und Pfiffen der üblichen Methoden der Verbrecher⸗ aufspürung Bescheid. Bedurfte z. B. eine Ehe⸗ frau eines Beweises für die Untreue ihres Gatten, so bespitzelte er nicht nur den Sünder auf Schritt und Tritt, sondern hatte einige Prostituierte in Dienst genommen, die sich angelegen sein ließen, den bespitzelten Gatten zum Ehebruch zu ver⸗ leiten, um sich dann mit ihm auf frischer That durch den Privathüter von Ordnung, Sitte und Religion, Herrn Grützmacher, ertappen zu lassen. Das Geschäft ist glänzend lange Zeit gegangen und würde noch weiter gehen, wenn nicht Herr Grützmacher so unvorsichtig ge⸗ wesen wäre, sich beim Meineid ertappen zu lassen. Er ist auf 2¼ Jahre ins Zuchthaus geschickt worden. Als durch die Verhandlungen die unsauberen Geschäftspraktiken dieser Gesell⸗ schaftsstütze klargelegt wurden, äußerte der Vor⸗ sitzende:. „Das ist etwas so gemeines, wie ma sich gar nicht denken kann. Nicht bloß Ihr Institut, sondern auch noch andere Detektiv⸗ Institute begnügen sich leider nicht damit, Verbrechen aufzudecken: sondern senden direkt Leute aus, um einen Ehebruch zu konstruieren. Das ist wirklich schmachvoll.“ Sehr richtig; aber doch um keinen Deut schmachvoller, als die Praxis der Leute, die politische Lockspitzel aussenden. Daß die Spitzelei auch in Lockspitzelei auswachsen muß, beruht auf einem unabänderlichen Triebe der menschlichen Natur. Der Spitzel empfindet den Berufsdrang, möglichst viel zu er⸗ mitteln. Auf der Fülle der erspitzelten Thatsachen und den Wert der eingefangenen Opfer beruht sein eigenes Fortkommen. Da handelt er schließ⸗ lich genau so, wie der Jäger, der Lockspeisen in die Fallen legt, der Fischer, der Köder auf den Angelhaken spießt. Um das Lockspitzelwesen zu kennzeichnen, ist die Episode Grützmacher sehr wertvoll, aber um das Lockspitzelwesen zu be⸗ seitigen, muß man mit dem Spitzelsystem auf⸗ räumen, das ja unsere Hüter von Ordnung, Sitte und Religion nicht glauben entbehren zu können. Von der deutschen Preßfreiheit. Die„Breslauer Volkswacht“ teilt ihr Straf⸗ register seit Gründung des Blattes 1890 mit. An der„Volkswacht“ haben als Redakteure ge⸗ wirkt die Genossen Kunert, Wendtlandt, Thiel, Friedrich, Schebs, Hennig, Gerhardt, Zahn. Es wirken gegenwärtig noch die Genossen Bruhns, Neukirch und der jetzt an Stelle des Genossen Zahn getretene Genosse Löbe. Kunert ist für seine Preßsünden straffrei geblieben, weil sie nach erhobener Anklage bereits verjährt waren. Die übrigen Redakteure haben alle außer Geldstrafen auch längere Gefängnis⸗ strafen erlitten. In erster Reihe steht Wendt⸗ landt, der etwa 2½ Jahre im Breslauer Ge⸗ fängnis gesessen hat, dann kommt Thiel mit 17 Monaten, Schebs mit 16 Monaten, Friedrich mit etwa 10, Neukirch mit 11, Ger⸗ hardt mit etwa 9, Zahn mit 12 und Hennig mit 6 Monaten Gefängnis. Im ganzen haben die„Volkswacht“ Redakteure wegen be⸗ gangener Preßsünden während der acht Jahre des Bestehens des Blattes nicht weniger als elf Jahre hinter Schloß und Riegel gesessen. Die Geldstrafen, die ihnen nebenbei auferlegt wurden, dürften die Summe von 20 000 Mk. übersteigen. „Bauern und Freisinnige.“ Wie vorausgesehen, führte dieser Tage die Be⸗ ratung des Jagdgesetzes im gothaischen Landtage zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den sozialdemokratischen Abgeordneten und der Regierung. 8 Das Jagdgesetz ist nur für die Domäne und die Jagdpassionhoh er und höchster Herren zuge⸗ schnitten, All die Klagen und Notschreie der thüä; ringer Waldbevölkerung und des Landes über die Verwüstung der Forste durch den enormen Hochwildbestand fanden bei den Gesetzfabri⸗ kanten nicht die geringste Beachtung, im Gegen⸗ teil, die zum Himmel schreienden Mißstände werden durch das Gesetz für die Zukunft konser⸗ viert. Die sozialdemotratische Fraktion verlangte Niederreißungder Wildzäu ne und Aus⸗ übung der Jagd durch die Gemeinden damit die Waldbevölkerung sichdes Wildzeugs erwehre, und das Land von dieser Landplage befreie.— Unser Antrag wurde niedergestimmt, niedergestimmt mit Hilfe der waschlappigen Libe⸗ ralen, die im vorigen Jahre sich noch den An⸗ schein gaben, als wollten sie einen ernsten An⸗ lauf gegen die schreienden Uebelstände mitmachen. Liebermann von Sonnenberg sollte sich nach unserem in Nr. 52 des v. Jahrg. erschienenen Reichstagsbericht über die Zucht⸗ hausvorlage„gefreut“ haben. Wir haben diesen Bericht anderen Tageszeitungen entnommen, die fast wörtlich so berichteten wie wir. Wir haben leider heute nur noch ein Blatt, das jenen Bericht enthielt, auffinden können, und in diesem Blatt wird nur ein Satz L. v. S's. zitiert, der auf die Zuchthausvorlage Bezug hat. Derselbe lautet:„Meine Freunde(also die Anti⸗ semiten) sind erfreut über den Gesetzentwurf zum Schutz der Arbeitswilligen.“ Wie wir jetzt aus einem Blatt, das dem Abg. L. v. S. nahe steht, ersehen, hat der Antisemitenführer laut stenographischem Bericht— der uns nicht zur Verfügung stand— gesagt, daß jene Vorlage sorgfältig geprüft werden müsse, da nicht nur streikende Arbeiter, sondern häufig auch Arbeit⸗ geber Arbeitswillige an der Arbeit verhinderten.“ — Da wir unter keinen Umständen irgend jemand bewußtermaßen Unrecht thun möchten, nehmen wir hiermit Notiz von jener Richtig⸗ stellung. Schuldenfrei. Kaum glaublich! Im glorreichen Deutschen Reich, das der gesamten Bevölkerung in Schuldenmachen mit einem nicht nach⸗ ahmens würdigen Beispiel vorangeht, giebt es doch einen Bundesstaat, der schuldeufrei ist. Aus dem Fürstentum Reuß ä. L., einem der vielgeschmähten Kleinstaaten, kommt die Nachricht, daß, während schon im vorigen Jahre dort die Grund- und die Einkommensteuer je um einen Termin ermäßigt worden sind, kürzlich der Rest der Staatsschulden des Landes aus gelost worden ist. Reuß ä. L. ist somit der einzige Staat im Deutschen Reiche, der vollständig schuldenfrei dasteht. Glückliches Reuß! Des Alleinherrschers Heilsbotschaft ist in zweiter, aber nicht verbesserter Auflage er⸗ schienen. Nach dem Londoner Weltblatt„Times“ besagt ein neues Rundschreiben des preußischen auswärtigen Amtes: Obwohl seit dem Rundschreiben vom August der politische Horizont sich etwas bewölkt und einige Mächte sogar Schritte zur Ver⸗ größerung ihrer Rüstungen ergriffen haben, werde hoffentlich die allgemeine Lage sich wieder günstig für den Erfolg des großen humanitären Unternehmens des Zaren gestalten. Inzwischen halte die russische Regierung einen Meinungsaustausch zwischen den Kabinetten über den Gegenstand für rätlich, um die dip⸗ lomatische Erörterung anzubahnen. Wünschens⸗ wert sei eine Verständigung über zehn Punkte. g Die Hauptpunkte sind, ein Abkommen, die Heere und Flotten für einen bestimmten Zeit⸗ raum nicht zu vergrößern, desgleichen nicht die Militär⸗ und Marinebudgets, ferner der Ver⸗ such, Mittel ausfindig zu machen, um diese Streitkräfte und deren Budgets künftighin zu vermindern, Untersagung des Gebrauches kl N Po Genu iber Be e Nun e fassen. ict bese bourgeois die det jedens 15 el ncht 125 0 a der J inet a r geg wei bornbeg bb schon Völkerd henschd Der m die Abrüs ninder mi 1 herigen tüsten nische messene Dur Funoneb heiligen! Zw. dan der bela storben. achten E in einem Jahre al. e 1848 Er hat Leichnam steller R servati in Fried 10588 Nationa 9 55 Hauptei Mann i bervat a Schärfe Fähng aum, da Hkunte. ö beredt ö peblich = 5 . 2. 2 . Nr. 4. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 3. D neuer Waffen und Sprengstoffe oder neuer Pulversorten, die mächtiger als die jetzt im Gebrauch befindlichen wirken, Verständigung über Vermittlerdienste und Schiedsgerichte in gewissen Fällen zur Vermeidung des Krieges. Man möchte die„Times“ ⸗ Meldung als Hohn und Spott auf den Abrüstungsukas auf⸗ sassen. Jedenfalls wird die Komödie dadurch nicht besser, daß man sie wiederholt. Das feudal⸗ bourgeoise Europa ist sich darüber einig, daß die Idee der Abrüstung oder gar des ewigen Friedens ein Traum ist, und nur in dem Punkt herrscht eine Meinungsverschiedenheit, ob der Traum schön sei oder nicht. Die Philosophen aus der Moltkeschule schaudern bekanntlich vor einer Zukunft, in der sich die Menschen nicht mehr gegenseitig abschlachten. Aber warum träumt man in Petersburg so hartnäckig? Warum stellt man sich dort so, als ob schon die Zeit gekommen sei, in der die Völker Europa's geeinigt den Kriegshetzen der herrschenden Klassen ein Ende bereiten? Der mächtigste Herrscher der Welt verkündet die Abrüstung und den ewigen Frieden, andere minder mächtige Herrscher begrüßen den groß⸗ herzigen Vorschlag mit Inbrunst, und die Staaten rüsten ab, indem sie ihr menschliches und tech⸗ nisches Kriegsmaterial ins unge⸗ messene vermehren. Der internationale Friedenshymnus mit Kanonenbegleitung! Welche Schändung der heiligen Idee des Völkerfriedens! Zwei brave Männer gestorben. Am Montag Abend ist in Frankfurt a. M. der bekannte Journalist Guido Weiß ge⸗ storben. Er war ein ehrlicher Demokrat von echtem Schrot und Korn. Am 18. August 1822 in einem schlesischen Ort geboren, ist er fast 77 Jahre alt geworden. Von Beruf Arzt, wurde er 1848 in die journalistische Laufbahn gedrängt. Er hat dort allezeit seinen Mann gestellt. Sein Leichnam wird in Heidelberg verbrannt.— Am selben Tage starb in Dessau der Schrift⸗ steller Rudolf Meyer, ein ehrlicher Kon⸗ servativer. Geboren am 10. Dezember 1839 in Friedeberg in der Neumark, studierte er seit 1858 in Berlin Geschichte, Technologie und Nationalökonomie. Er schloß sich den konser⸗ vativen Sozialpolitikern an. Den geistigen Haupteinfluß auf den ehrlichen und begabten Mann übte Rodbertus, der berühmte kon⸗ servative Spozialist, dessen Briefwechsel R. Meyer später herausgegeben hat. Mit Schärfe und Sachkenntnis führte R. Meyer den Feldzug gegen das hochschutzzöllnerische Junker⸗ tum, das er aus langjähriger genauer Erfahrung kannte. Er hat die Wirkung der Getreidezölle beredt gekennzeichnet; die Konservativen, ver⸗ geblich wie sich versteht, an ihre„sozialpolitischen“ Jugendeseleien gemahnt. Wenn man Guido Weiß als den letzten echten bürgerlichen Demo⸗ kraten nennt, so verdient Rudolf Meyer, der letzte ehrliche Konservative genannt zu werden. Beide waren Ehrenmänner. —— Aus dem Reichstag. Die erste Beratung der neuen Militär⸗ vorlage wurde am Freitag beendet. In dieser Sitzung sprach unsererseits Gen. Bebel. Er führte in seiner 1 stündigen Rede aus, warum wir grundsätzliche Gegner des Militarismus sind und demgemäß jede Heeresvorlage ablehnen. Besonders beleuchtete er noch den Friedenserlaß des Zaren. Bebel führte aus: Wenn in demselben Augenblick, wo unsere Regierung der russischen ihre Sympathie für diesen Schritt ausdrückt, hier dem Parlament eine Militärvorlage ein⸗ Vert wird, das scheint uns geradezu eine erhöhnung ohne Gleichen Präs. Graf Ballestrem: Das Wort Ver⸗ höhnung in dem Zusammenhang, in dem der Herr Redner es gebraucht, ist nicht parlamentarisch. Abg. Bebel(fortfahrend): Es mag nicht parlamentarisch sein, aber, meine Herren, wahr ist es.(Sehr richtig! links. Unruhe.) Präs. Graf Ballestrem: Ich rufe nun⸗ mehr den Herrn Abg. Bebel zur Ordnung. (Heiterkeit und Bewegung.) Bebel(fortfahrend): Charakteristisch ist es ja auch, meine Herren, was der russische Kaiser einem englischen Journalisten, der ihn ausfragte, über die Bedeutung seines Vorgehens gesagt hat: „Jetzt sind wir so weit gekommen, daß wir unsere besten jungen Männer alle in die urmee gesteckt haben. Das geht so weit, daß wir unser Heer gar nicht mehr mobilisieren können, ohne den ganzen sozialen Mechanismus aus Rand und Band zu bringen.“ Und er er⸗ klärte:„Wenn es trotz alledem angesichts der ungeheuren Masse von Soldaten, die gegen⸗ wärtig die Großstaaten Europas in einem Kriege ins Feld zu stellen vermögen, und der ungeheuren Zerstörungsmittel, die diese Sol⸗ daten in einem Kriege der Zukunft anzuwenden vermögen, zu einem Kriege käme, die Folge dieses Krieges die revolutionäre Anarchie sein werde.“ Haben wir Sozialdemokraten nicht dasselbe gesagt, nicht schon oft auf die Gefahren hin⸗ gewiesen, die nicht allein in militärischer und politischer, sondern besonders auch in wirtschaft⸗ licher Beziehung dem Staate drohen, wenn ein⸗ mal die 15 Millionen Soldaten zum General⸗ marsch antreten? Dann hat die bürgerliche Ge⸗ sellschaft selbst ihr Todesurteil gesprochen; dann wird man sich darüber klar werden, ob diese ständigen Opfer berechtigt sind und ob hierdurch ein menschenwürdiger Zustand erzielt worden ist. (Bravo! links.) Ueber die Folge dieser Zustände kann sich wohl keiner von Ihnen, meine Herren, täuschen. Und diese Voraussicht hat auch den russischen Kaiser zu der Kundgebung veranlaßt. Merkwürdig sei es, daß das Friedensmanifest des Zaren in den bürgerlichen Kreisen nicht mit mehr Jubel begrüßt worden ist, daß man nicht alles aufgeboten hat, um die Regierungen zu beeinflussen, damit auf den ausgesprochenen Ge⸗ danken auch die That folge. Nur in England wurden freudige Kundgebungen laut. Aber in Deutschland erfolgte das gerade Gegenteil. Da hat z. B. kürzlich in der Genossenschaft frei⸗ williger Krankenpflege ein Professor Kahl öffent⸗ lich erklärt, er sei doch anderer Ansicht, als der russische Kaiser, wenigstens soweit Deutschland hier in Frage kommt. Nach Ansicht Kahls ist es nicht möglich, den Krieg abzu⸗ schaffen; und wenn's möglich wäre, doch nicht wünschenswert.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Und hiergegen ist kein Protest erhoben worden. General von Boguslawsky hat sich im Novemberheft der„Deutschen Rundschau“ auch hierüber ausgesprochen. Er zitiert Moltke: „Der ewige Friede ist ein Traum und nicht einmal ein schöner; der Krieg ist ein Ele⸗ ment in Gottes Ordnung.“ Der arme liebe Gott!(Sehr richtig! bei den Sozialdemo⸗ kraten.) Als ich diese Ausführungen gelesen hatte, fragte ich mich, warum, wenn der Krieg in Gottes Ordnung ist, die europäischen Re⸗ gierungen nicht alle zehn Jahre eine große Massenschlächterei veranlassen, um die physischen Kräfte der Nationen zu stärken. Daß dies nicht gethan wird, ist ein Zeichen für die Haltlosigkeit der Behauptungen. Der Proletarier hat es ja in Deutschland auch nicht nötig, auf den Krieg zu warten, um seine physischen Kräfte zu stärken. Er steht immer einem Feinde gegenüber, in der Fabrik, im Bergwerk u. s w. Nach der Unfallstatistik sind von 1886— 1896 in den der Unfallversicherung unterworfenen Be⸗ trieben Deutschlands 58 780 Arbeiter getötet worden, 34 240 für Lebenszeit ganz und 280 843 teilweise erwerbsunfähig ge⸗ worden. 151827 Arbeiter waren vorübergehend krank, sodaß im ganzen 516 762 Proletarierleben mehr oder weniger schwer beschädigt worden sind. Die deutschen Arbeiter haben also wirklich keine Ursache, einen Krieg herbeizusehnen und ihr Leben auch noch auf dem Schlachtfelde zu opfern für Interessen, die meist nicht die ihrigen sind.(Sehr richtig! bei den Soziald.) Würde es sich wirklich um einen Verteidigungs⸗ krieg handeln, dann, meine Herren, würde die deutsche Sozialdemokratie ihre Schuldigkeit thun. Aber hier handelt es sich um politische Mätzchen und Plänchen; und dafür will das deutsche Proletariat nicht seine Gliedmaßen opfern. Nachdem noch der Kriegsminister, je ein Ab⸗ geordneter des Zentrums, der Nationalliberalen, der Antisemiten und Wadenstrümpfler gesprochen hatten, wurde die Vorlage der Budgetkommission überwiesen.— Es steht heute schon fest, daß die volksfeindliche Mehrheit des Reichstags uns die neuen Soldaten und damit neue Steuer⸗ lasten bescheren wird. Am Samstag und Montag fanden keine Sitzungen statt. Am Dienstag brachte der freis. Abg. Lenzmann den Streit um Lippe zur Sprache. Den Anachronismus, daß am Ende des 19. Jahrhunderts ein Tropfen bürger⸗ liches Blut des Throns un würdig mache, die Fügsamkeit des Bundesrats, geißelte Lenzmann mit geziemender Schärfe, und kam zu dem Schluß, daß durch solche„Vergewaltigungen der Kleinen“, es handelt sich um daß grrroße Preußen und das kleine Lippe— dem Deutschen Reiche sein„Rechtsboden“ entzogen werde— als ob ein solcher je vorhanden gewesen wäre. Der Kampf um Lippe ging selbstverständlich aus, wie das Hornberger Schießen.— Mittwoch-Sitzung. Auf der Tages⸗ ordnung steht ein Antrag Klinkowström und Ge⸗ nossen, betreffend die Einführung eines Para⸗ graphen in das Strafgesetzbuch, wodurch Be⸗ amte und Mitglieder der Presse wegen Veröffentlichung geheimer amtlicher Schriftstücke zu bestrafen seien. Abg. Graf Klinkowström (kons.) bemerkt, sein Antrag richte sich hierbei besonders gegen die Sozialdemokratie. Es handle sich dabei um Bestechung und Bestechlichkeit von Beamten. Redner bittet um Verweisung an eine Kommission. Abg. Len zmann(frei.): Ich erkläre für mich und meine Partei, daß wir den Antrag ablehnen und zwar ohne Kommissionsberatung. (Zustimmung links). Der Antrag ist ein durch⸗ aus reaktionärer. Wir halten es für besser, wenn sich jede Regierungshandlung in möglichster Oeffentlichkeit vollzieht. Die Wahrung des Geheimnisses zu erleichtern, haben wir keinen Anlaß. Abg. Hofmann⸗-⸗Dillenburg(natlib.) ist gegen den Antrag. Genosse Liebknecht: Weß Geistes Kind der Antrag ist, wußten wir von vornherein nach dem Namen der Unterzeichner, trotzdem die kon⸗ servative Presse erklärt hat, daß sich der Antrag gegen die schmachvolle Verhökerung des Etats wendet. Es handelt sich lediglich um ein Knebel⸗ und Ausnahmegesetz gegen die Sozialdemokraten. Zur Bestrafung des Vertrauensbruches reichen die bestehenden Vorschriften vollständig aus. Woher soll ein Redakteur wissen, daß ein Erlaß geheim ist? Die Herren von der Rechten sind doch nicht immer so heikel gewesen mit Staatsgeheimnissen. Dem Prinzen von Preußen wurden Briefschaften gestohlen von einem Anhänger der konservativen Partei. Hat nicht Fürst Bismarck den Geheimvertrag mit Rußland ver⸗ öffentlicht, dessen Geheimhaltung im Interesse der Sicherheit des Staates lag? Die geheimen Erlasse, die der„Vorwärts“ veröffentlicht hat, zu veröffentlichen, lag im allgemeinen Interesse, um zur Gesundung des Staatskörpers zu führen.(Widerspruch rechts). Redner erinnert an die verschiedenen Veröffentlichungen des „Vorwärts“, des Mißhandlungserlasses des Prinzen Georg von Sachsen, der eine Wandlung bezüglich der Militärmiß⸗ handlungen mit sich brachte(Widerspruch rechts, Zustimmung links), des Strike-⸗Erlasses des Grafen Posadowsky, über den natürlich Herr v. Stumm, der immer ein Gegner der Koalitionsfreiheit und des allgemeinen Stimm⸗ rechts gewesen ist, sehr erfreut gewesen sein wird, und des Erlasses des Ministers v. d. Recke. Der Zeitungsredakteur, der diesen letzten Erlaß nicht veröffentlicht hätte, wäre ein Verräther ge⸗ —— — 1 Seite 4 Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 4. wesen an der Freiheit des Volkes(Zu⸗ stimmung links). Der Antragsteller meinte, der Präsident des Reichstages könnte das Verlesen von Geheimerlassen verbieten. Die Reichstags⸗ tribüne ist das letzte Asyl des freien Wortes, und dieses letzte Asyl soll der Reichstagspräsident zerstören! Das wäre die Selbstverstümmelung, das wäre die Selbstabdankung des Reichstages. (Zustimmung links.) Sorgen Sie dafür, daß die Regierungshandlungen die Oeffent⸗ lichkeit nicht zu scheuen haben. Trotz aller Ausnahmegesetze werden die Sozialdemo— kraten ihre Pflicht thun. Bravo bei den Sozdem. und Beifall links.) Nachdem noch der Genosse des Freiherrn v. Stumm, der Freikonservative Abg. Kardorff für den Antrag gesprochen wird derselbe a b⸗ gelehnt. Es folgt die Beratung des Antrags Agster (Soz.) betreffend Vorlegung eines Gesetzentwurfs zwecks Errichtung obligatorischer Ge— werbegerichte und Erweiterung der Kompe⸗ tenz derselben auf Handelsangestellte, Gesinde, sowie land⸗ und forstwirtschaftliche Arbeiter und zwar überall ohne Rücksicht auf deren Geschlecht. Genosse Zubeil empfiehlt den Antrag. In⸗ zwischen ist ein Antrag Trimborn-Hitze(Zentr.) eingegangen. Abg. Trimborn(3Zentr.) be⸗ gründet seinen Antrag und befürwortet dabei auch zwei Detail- Forderungen seines Antrages Hierzu bemerkt Staatssekretär Nieber⸗ ding, die Verhandlungen über die Frage kauf⸗ männischer Schiedsgerichte seien noch nicht abge⸗ schlossen. Abg. Freiherr v. Stumm(Rp.) erklärt, er und seine Freunde würden keinem Gesetze zustimmen, welche der Macht und der Autorität der Sozialdemokratie neue Sicherung gebe. Nach weiteren kurzen Bemerkungen des Abg. Hilbeck(natl.) und Schra der(freis. Volksp.) tritt Vertagung ein. Von Nah und Fern. Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind jederzeit willkomm en Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissenhaftiglei; bei Uebermittelung von Nachrichten.— Wir bitten, alle zum Drug bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben Von den Gießener Stadtvätern. *Der Minister für preußische Geistes⸗ freiheit setzte sich hin und schrieb einen Erlaß: Sozialdemokraten dürfen von städtischen Kollegien nicht in die Schuldeputationen gewählt werden. Geschieht diese Frevelthat dennoch, so werden die Umsturzmänner von der Regierung nicht bestätigt. Gewissenhaft berichtete der offiziöse Telegraph der staunenden Menschheit die That des Herrn Bosse. Und just acht Tage später trat die neu⸗ gewählte Gießener Stadtverordnetenversammlung, in der zwei Sozialdemokraten sitzen, zusammen und wählte den einen Umstürzler, Genossen Krumm, in die— Schuldeputation, den andern aber, den Genossen Orbig, in den— Schul vorstand. Alldieweil der Minister für preußische Geistesfreiheit in Hessen nichts zu sagen hat. Von der Ortskraukenkasse Gießen. r. Der Vorstand hielt seine erste Sitzung im neuen Jahre am 14. l. M. ab und wählte zu seinem ersten Vorsitzenden Spengler Georg Dahmer und zum Schriftführer Bureauvor⸗ steher Hch. Fourier. Die Leitung der Kasse ist damit in die Hände der Arbeiter gelangt, was bei den meisten Ortskrankenkassen schon seit Jahren der Fall ist. Der Wechsel in der Leitung der Kasse wird nicht nur allein von allen Ar⸗ beitern, sondern auch von denjenigen Arbeitgebern freudig begrüßt werden, denen wirklich das Wohl ihrer erkrankten Arbeiter am Herzen liegt. Freilich, die„Gutgesinnten“ werden ein Lamento darüber anschlagen, daß die Leitung der Kasse nunmehr aus so„umsichtigen“ Händen in die⸗ jenigen von Sozialdemokraten übergegangen ist. Mögen sie nicht vergessen, stets zu erzählen, daß die Arbeiter in ihrem und ihrer Familie Interesse, sowie durch die mangelhafte Kassenführung und die flagrantesten Gesetzesverletzungen der seit⸗ herigen Leiter geradezu gezwungen wurden, die Leitung der Kasse selbst in die Hand zu nehmen. Die Arbeiter werden nun zeigen, wie man eine Krankenkasse organisiert und wie man Gesetz und Statut anwendet, damit in denkbar kürzester Zeit allen Krankenkassenmitgliedern die weitgehendsten Leistungen zugewiesen werden können, soweit das Gesetz solche zuläßt. Vor⸗ bedingung hierzu ist natürlich eine gründliche Reorganisation des Kassenwesens, und das ist nach Lage der Dinge keine leichte Arbeit. Die neugewählten Kassenleiter werden bemüht sein, das ihnen entgegengebrachte Vertrauen zu recht⸗ fertigen. Vielbeschäftigt. * In den„Naturärztlichen Sprechstunden“, herausgegeben vom Naturheilverein Nürnberg, veröffentlicht Herr Oberst a. D. Spohr in Gießen eine Erklärung, aus der hervorgeht, daß der auch viel von Gießener Patienten um Rat er⸗ suchte Herr innerhalb 16—17 Jahren mehr als 12000 Briefe von Auswärts zu beantworten hatte. Für mehr als 90% aller Briefe mußte er auch noch die Portoko sten tragen. Zur Vermeidung schon oft beantworteter Fragen weißt Herr Spohr auf seine Schrift hin:„Was haben wir zu thun und zu lassen, um uns ge⸗ sund zu erhalten bezw. gesund zu werden?“ (Nürnberg 1892, Preis 40 Pfg.) Im übrigen ersucht er, den Anfragen von jetzt ab„einen nach den eigenen Verhältnissen zu bemessenden Betrag für die Spohrstiftung für arme Kranke beizulegen— oder erklären zu wollen, daß man dazu nicht in der Lage ist.“ Amtsblattliches. * Der Gießener Anzeiger fragte be⸗ kanntlich erst auf dem Kreis amt an, ob er ein Inserat bringen dürfe oder nicht. Er ist also viel schlimmer daran, wie der armseligste Flickschuster, denn dieser kann flicken und besohlen für wen er will und braucht sich den Teufel darum zu scheeren, ob das einer Behörde paßt, oder nicht. Jenes Gießener Blatt nun, daß nur Das bringen darf, was oben nicht anstößt, ist stets furchtbar kouragiert, wenn es sich darum handelt, den Sozialdemokraten eins anzuhängen, denn das ist oben immer angenehm. So entrüstet sich das Blatt darüber, daß einem sozialdemokratischen Buchdruckereibesitzer in Sachsen, der Jahre lang ein Pavteiblatt ge⸗ druckt hat, jetzt der Zeitungsdruck entzogen werden soll, weil das Blatt, das wöchentlich nur dreimal erschien, mit dem Parteiblatt einer benachbarten Stadt verschmolzen und dann als Tageblatt herausgegeben werden soll. Die geistigen Leiter des Gießener Amtsblattes nennen das„schwar⸗ zen Undank.“ O, diese Siebengescheiten! Wenn jener Drucker für unsere Partei ein Blatt druckte, so hat er das bezahlt bekommen. Und wenn jetzt aus triftigen Gründen das Druckverhältnis ver⸗ tragsgemäß gekündigt wurde, wo bleibt da der schwarze Undank? Wenn die geistigen Leiter im Gießener Anzeiger weiter nichts gegen die Sozialdemokratie vorzubringen wissen, wie der⸗ artig einfältige Altweibergeschichten, dann sollten sie doch lieber ganz schweigen. Dr. Guido Weiß 7. Am Sonntag Abend ist in Frankfurt a. M. einer von der alten Garde der bürgerlichen Demokratie, der Schriftsteller Dr. Guido Weiß, aus dem Leben geschieden. Weiß gehörte zu jenen wenigen Veteranen des bürgerlichen Radikalismus, die dem Salonton der modernen Demokraten und sog. Fortschrittsmänner entschieden abhold sind. Seine politische und journalistische Thätigkeit reicht bis in die Zeit des sog.„tollen Jahres“. Hauptsächlich aber in den 70er Jahren, als unter dem Sozialistengesetz die Wogen der Reaktion am höchsten gingen, machte er sich durch seine schrift⸗ stellerische Thätigkeit bemerkbar. Er gab damals „Die Waage“ heraus, in der er das Bismarck'sche System scharf geißelte. Die Zeitschrift wurde mangels eigener Literatur auch in Sozialisten⸗ kreisen damals eifrig gelesen. Weiß war mit Lassalle, Marx, Engels und unserem alten Lieb⸗ knecht bekannt und befreundet und sein Name hat stets auch in Parteikreisen einen guten Klang gehabt, weil von ihm bekannt war, daß er ein grader ehrlicher Charakter war. Vor einigen Jahren feierte er seinen 70sten Geburtstag, wo⸗ bei ihm auch der Vorwärts einen ehrenden Artikel g widmete. Vom hohen Vogelsberg. Herchenhain, verschwinden. Gegend haben den Bürgermeister Weidner daselbst im Einverständnis mit der gesamten Bevölkerung bewogen, bei Großh. Ministerium den Antrag zu stellen, die gesamte Gemeinde Herchenhain einschließlich Felder, Wiesen und Hofraithen um den Preis von einer Million— wobei für den Morgen etwa 600 Mark erzielt würde— an⸗ zukaufen. man dem Plane nicht ganz ablehnend gegenüber⸗ zustehen, zumal der Staat trotz des sehr hohen Preises immer noch ein Geschäft machen würde, da die seitherigen Zuschüsse desselben für Schul⸗ wesen u. dgl. ziemlich bedeutend sind und es möglich wäre, durch Waldanlagen auf den 32 unwirtsamen Höhen eine sichere und dauernde Einnahmequelle zu erzielen. des Planes ist dahin projektiert, daß das ganze Grundvermögen in den Besitz des Staates über⸗ ginge und diejenigen Einwohner, die gesonnen wären, weiter daselbst zu weilen, ihre seitherigen Anwesen von dem Staate pachten würden;— ob der Plan zur Wirklichkeit wird, ist noch nicht gewiß. Bemerkt sei noch, daß man sich schon 4 in den 40er Jahren einmal mit dem Gedanken trug, Herchenhain in die Gegend von Ulfa sog. Harp zu verpflanzen. Heilanstalt für Lungenkranke. Ein Genesungsheim für Lungenkranke für das Großherzogtum Hessen wird seitens der vereinigten Ortskrankenkassen bei Langen⸗Brombach im Odenwald errichtet. Da bereits alle Vorarbeiten dafür abgeschlossen sind, dürfte die Anstalt bald eröffnet werden. Aus Marburg. p. Die national⸗soziale H. L.⸗Ztg. rückt all⸗ mählich mit ihren wahren Absichten heraus. Die Phrase:„Für Deutschlands Macht und Größe“, die in den Abonnements⸗Einladungen die Heeres⸗ und Flottenbegeisterung einigermaßen maskieren sollte, wird jetzt in verständliches Deutsch über⸗ setzt. Jetzt heißts: Für mehr Soldaten, für neue Kanonen, für neue Panzer⸗ schiffe! Die Marburger Arbeiter, namentlich aber die Kleinbürger, die bei der Kanalisation geschröpft wurden, daß ihnen fast die Puste aus⸗ ging, werden sich freuen, wenn jetzt die National⸗ spezialisten die Trommel rühren für neue Opfer, die dem unersättlichen Militarismus in den Rachen geworfen werden sollen.— Aus Eschwege. cv. Die am vorigen Sonntag hier abgehaltene der höchstgelegenste Ort des Vogelsbergs, droht von der Bildfläche zu Die ärmlichen Verhältnisse der Seitens Großh. Ministeriums scheint Die Realisierung h h. 1d so 0 Ir Balg tag des ü demokralel 1 0 und Fre! Gegnersche Jabrkante Shuflie stteten kö sorgen die felschafte Fürther? der Besch geführt u een, ab Magistrat viel Geld Geld he fir de „Das so wird Hannt, w ist aber. letzte de entstehen unserem das letzt Namen gerade w die letzte und so f angeblich braucht! den J gegenwär 111 1 das Jah Jchrhund es giebt hunderts. ung Partei⸗Versammlung erfreute sich eines guten Be⸗ suches. Auf der Tagesordnung stand als erster Punkt:„Stellungnahme zum Parteitag in Cassel“. Nach eingehender Diskussion wurde u. A. be⸗ schlossen, folgende Anträge zu stellen: 1) Der „Wegweiser“ ist den ländlichen Vertrauensleuten unentgeltlich zu liefern. 2) Der„Hessische Volks⸗ kalender“ ist regelmäßig alljährlich im September wenn irgend möglich in allen Kreisen der Provinz zu verbreiten. 3) In die Agitations⸗ Kommission sind auch Genossen aus der Provinz zu wählen, die bei wichtigen Angelegenheiten ꝛc. mit zu den Beratungen zugezogen werden. Als Delegierte wurden gewählt Wilhelm Hugo, Otto Wende und Karl Koch. Nach einem sehr bei⸗ fällig aufgenommenen Vortrag von Genossen ihm kühn, W. Hugo über das Thema:„Was hat das arbeitende Volk vom jetzigen Reichstag zu er⸗ warten?“ wurde die Versammlung mit einem dreifachen Hoch auf die Sozialdemokratie ge⸗ schlossen. Unentgeltlichkeit der Lehrmittel. Im Gemeindekollegium der bayerischen Stadt Fürth beantragte unser Parteigenosse Zorn, in den Etat der Volksschule 25000 Mk. zum Zweck der unentgeltlichen Verabfolgung der Lehrmittel einzustellen. Dagegen oppo⸗ nierte der Führer der verbündeten Liberalen, Hofrath Dr. Mayer, mit der Begründung, die Freigabe der Lehrmittel gehöre nicht zu den Einmalei de ga erden u 1 gigi it ung 200, 30 Ulnd in Ichrhun erzeugt. um ein hundert Cebiete viel Gut dez Scl s Wong 5 1 maßrege dunn, Niß „ bt. e 0 bens ä kt all⸗ . Die töße“, eres⸗ lieren über⸗ ten, zer⸗ tlic sation aus⸗ jonal⸗ Opfer, u den gallen n Be⸗ 11 asel⸗ 1 be⸗ Det leuten Volks⸗ tember 1 der itions⸗ vin ten. As Otto r bel nossen 1 das 9 einem tie ge⸗ — J Stadt gelehnt. Zoch, N. N N au Nr. 4. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 5. Pflichtaufgaben der Gemeinde. Unser Partei— genosse Segitz trat dieser Auffassung entgegen, der Antrag Zorn's wurde aber, jedoch mit der geringen Stimmenzahl von 18 gegen 15, ab⸗ Darauf nahm das Kollegium mit 17 gegen 16 Stimmen einen Antrag des Demo⸗ kraten Baritsch an, wonach die Freigabe der Lehrmittel stufenweise eingeführt werden soll, und zwar so, daß im laufenden Etatsjahre die Lehrmittel in der 1. und 2. Klasse kostenlos abgegeben und zu diesem Zwecke 6000 Mark in den Etat eingesetzt werden, im nächsten Jahre sollen die Mittel zur unentgeltlichen Abgabe in zwei weiteren Klassen vorgesehen werden und so fort, bis die Neuerung in allen Klassen der Volksschule durchgeführt ist. Für den An⸗ trag des Herrn Baritsch stimmten die Sozial⸗ demokraten geschlossen und die Demokraten mit einer Ausnahme, dagegen die Liberalen und Freisinnigen und ein Demokrat. Die Gegnerschaft setzte sich fast ausschließlich aus Fabrikanten und andern größeren Unternehmern zusammen, die die Kosten der Lehrmittel für ihre Sprößlinge natürlich leicht aus ihrer Tasche be⸗ streiten können, für deren Füllung dauernd zu sorgen die Arbeiter durch die kapitalistische Ge⸗ sellschaftsordnung ja gezwungen sind.— Der Fürther Magistrat, ohne dessen Zustimmung der Beschluß des Gemeindekollegiums nicht aus⸗ geführt werden kann, hat sich, wie wir soeben lesen, ablehnend verhalten. Kein Wunder; im Magistrat sitzen nur Leute, die's haben, nämlich viel Geld. Die meisten Leute aber, die viel Geld haben, haben wenig Verständnis für die Lage des werkthätigen Volkes. „Das letzte Jahr des Jahrhunderts“ so wird fast in allen Zeitungen das Jahr ge— nannt, welches vor 14 Tagen begonnen hat. Es ist aber nicht das letzte, sondern das zweit- letzte des Jahrhunderts, und daß der Irrtum entstehen konnte, erklärt sich nur aus dem, in unserem Zahlensystem begründeten Umstand, daß das letzte Jahr eines Jahrhunderts bereits den Namen des folgenden Jahrhunderts trägt— gerade wie die letzte Zahl der Zehner schon 20, die letzte Zahl der Zwanziger schon 30 heißt und so fort. Um den Irrtum bezüglich des angeblich letzten Jahrhunderts zu begreifen, braucht man nur das erste Jahr des folgen- den Jahrhunderts zu nehmen. Wenn das gegenwärtige Jahr 1899 das letzte des neun⸗ zehnten Jahrhunderts wäre, müßte folgerichtig das Jahr 1900 das erste des zwanzigsten Jahrhunderts sein. Das ist es aber nicht, denn es giebt doch nicht zwei erste Jahre des Jahr⸗ hunderts. Und daß 1901 das erste Jahr des zwanzigsten Jahrhunderts ist, weiß jeder, der das Einmaleins kennt und aus ihm gelernt hat, daß jede Zahlenreihe von Zehnern, Hunderten, Tau⸗ senden ꝛc. mit einer 1 anfängt.— Der Irrtum bezüglich des letzten Jahres eines Jahrhunderts ist übrigens uralt; er hat schon vor 100, vor 200, 300 und mehr Jahren eine Rolle gespielt. Und im Jahre 1800, also zum Anfang unseres Jahrhundert, hat er eine förmliche Litteratur erzeugt. Unsere Vorfahren wollten mit Gewalt um ein Jahr zu früh aus dem achtzehnten Jahr⸗ hundert heraus, das ihnen— außer auf dem Gebiete der Kunst und Wissenschaft— nicht viel Gutes gebracht hatte, wohl aber sehr viel des Schlimmen und Unehrenvollen. Arbeiterbewegung. „Im Berliner Skandal ⸗ Anzeiger, der sich rühmt, 246 000(allerdings sehr bedauernswerte) Abonnenten zu haben, sind 24 Schriftsetzer ge⸗ maßregelt worden, weil sie so„unverschämt“ waren, in einer Zusammenkunft verschiedene Mißstände im Geschäft zu besprechen. So etwas ist aber in jener Zeitungsfabrik verboten. Ebenso wenig wie der Besitzer Scherl duldet, daß sich„seine Leute“ organisieren, erlaubt er ihnen, mit den Zuständen in seinem Geschäft unzufrieden zu sein. Er wirft die Leute einfach f die Straße. Allerdings erklärten sich sofort fast 100 Mann mit den Entlassenen solidarisch, sodaß im Lokal⸗Anzeiger insgesamt an einem Fase 118 Setzer die Arbeit verließen. Kleine Mitteilungen. — Liebesdrama. In Berlin erschoß der in Lothringer Straße wohnhafte 64 jährige Lackierer Wolzsztynski in seinem Keller die im gleichem Hause wohnende 48 jährige Frau des Arbeiters Teichler, mit der er ein Liebes ver- hältnis unterhalten hatte. Wolsztynski erschoß sich dann selbst. — Von der Metzer Strafkammer wurde ein seiner Zeit wegen schweren Diebstahls zu zwei Jahren Zuchthaus Verurteilter, der bereits ein Jahr seiner Haft verbüßt hat, im Wieder- aufnahmeverfahren freigesprochen. — Von Wilderern erschossen. Als am Montag Abend der in den dreißiger Jahren stehende Förster Adam Humbert von Nieder- hochstadt(Vorderpfalz) nachhause gehen wollte, erhielt er im Walde einen Schuß in den Unter⸗ leib, der den Tod bald herbeiführte. Man ver⸗ mutet in dem Thäter einen Wilderer. — Feuerbestattung. An das preußische Abgeordnetenhaus haben sämtliche preußische Feuerbestattungsvereine die Petition gerichtet, das Haus wolle die Staatsregierung ersuchen, die zur Einführung der fakultativen Feuer⸗ bestattung in Preußen erforderlichen gesetzgebe⸗ rischen Maßregeln zu treffen. Dem Gesuche ist eine ausführliche Begründung beigegeben, von deren vorurteilsfreier Prüfung man eine wohl- wollende Berücksichtigung der Petition erwartet. — Ihren schlafenden Mann übergoß die Gutsbesitzerin Rakowska in Boborodezany(Ga- lizien)p mit Petroleum und zündete dasselbe an, wodurch der Mann verbrannte. Die Mörderin wurde verhaftet. Partei⸗ Nachrichten. Eine Ehreupflicht. Die sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten Drees bach und Geck, ferner Apotheker Lutz in Baden-Baden, Kaufmann Franz Peter in Achern und Stadtrat Dr. Richter in Pforz— heim wenden sich an die sozialdemokratischen Partei- genossen und überhaupt an alle ehrlichen Freunde der Freiheit mit der Bitte, ihre Verehrung für die große revolutionäre Bewegung des Jahres 1848 und die Opfer des badischen Aufstandes, die uns ein so erhebendes Beispiel von Freiheitsliebe und Todesver— achtung gegeben haben, dadurch zu bekunden, daß sie ihr Scherflein zum Grabdenkmal für die Helden von Rastatt beitragen. Versammlungs⸗Kalender. Samstag, den 21. Januar: Gießener Wahlverein bei Orbig. General- versammlung. Tages⸗ Ordnung: 1. Abrechnung. 2. Vortrag des Gen. Scheidemann. 3. Diskussion. Sonntag, den 22. Januar: Wahlverein Friedberg. Vormitt. 10 Uhr bei Gen. Kühn(Stadt New⸗-York, Hagstr. 11). Montag, den 23. Januar: Schneider bei Orbig. Tagesordnung: Vortrag des Red. Ph. Scheidemann. Samstag, den 28. Januar: Holzarbeiter bei Löb. Vortrag des Stadtv. Krumm. Friedberg. Seit der letzten Konferenz sind bei mir eingegangen: L. 7 von der Reichstagswahl Mk. 2.80. von L. 1, 2, 3, 4, 5 zum Parteitag von Vilbel 29.05. Ausgaben in dieser Zeit Mk. 22.73 Ferner teile den Parteigenossen mit, daß ich mit dem Heutigen die Kolportage des Kreises übernommen habe, und bitte ich, bei Bedarf irgend eines Buches mit mir in Verbindung treten zu wollen, oder wo Vertrauensleute am Orte sind, es denen mitteilen zu wollen, und ist denselben schon nähere Anweisung brieflich zugegangen. H. Busold, Kreisvertrauensmann. An die Arbeitergesaugvereine des Rhein⸗ und Maingaues! Gemäß dem Beschluß des Sängerbundes„Lassallia“⸗ Frankfurt a. M., die Gründung eines Arbeiter-Sänger— bundes für den Rhein- und Maingau anzustreben, berufen wir zur Gründung desselben auf Sonntag, den 26. Februar, nachm. 2 Uhr, nach Frankfurt a. M. in die Restauration Stein, große Eschenheimerstr. 23, eine Konferenz ein, und ersuchen wir alle Ar— beitergesangvereine dieses Bezirkes, welche sich für dieses Projekt interessieren, dieselbe durch einen Delegierten zu beschicken oder ihre Erklärung schriftlich einzufenden. Weitere Auskunft wird gern erteilt durch Herrn Aug. Hofmann, Frankfurt a. M., Hermann⸗ straße 14 p. Die Kommission für Gründung eines Arbeiter- sängerbundes für Rhein- und Maingau. Briefkasten der Expedition. Quittungen. Kr. G. 50.—. M. Gbch. 6.— M. V.⸗G. Ins. 2.—. M. Pbrbch. 1.70. G. Hdobgu⸗ 8.40. L. Wzl. 1.40. Sch. Ls. Inf. 4.—. B Sch. 1.20. Kch. Nofl. 6.80. Hbr. Dbrgn. 5.40. Stpf⸗ Gbtch. 2.—. Hzl. Ob.—.70. Wch. Bst. 5.75. Sttlr. Sgntt. 2.—. Ins. Mdlr.—.90. Wtzlr. Pth. 35.—. Ob. D. H. M. 9.50. A. B. G. 30.—. K. K. G. 65.—. S. G. 34.75. Otzbg. 2.40. Kr. G. 53.75. R. G. 1.20. B. V. Fr. 2.—. B. Hbsbch 2.75. B. G. 18.— Mbg. P. 75.80. Ibg. Mbg. 12.—. K. G. 42.50. B. Dbg. 2.05. Hp. Bohm. 10.80. Ikb. Eck. 8.— Sp. Eschw. 9.40. Kch. Krfd. 44.—. W. B. 10.— H. Lbg. 3.—. Hzb. Verb. G. 5.—. Sg. Hchst. 1. Kch. Nflst. 6.80. O. G. 3.—. Kbch.—.60. Hn.— 60. N. T. 1.80. Echt. Gbg. 5.80. L. G. J. 60.—. Wbch. Rdgn. 4.40. Sch. dm. 20.75. Krgr. G. 17.80. Schr Wk. 1.20. Al. Schpf. 2.40. W. Al. 2.25. Sch. Schmk. 30.—. Dch. Atb. 9.60. Fr. G. 50.—. Schm. Wbg. 1.—. Wtzl. Witzh. 17.40. Spg. E. 7.—. Marktberichte. Grünberg, 14. Januar. Fruchtpreise. Weizen Mk. 16,50 00,00, Korn Mk. 13,60 00,00, Gerste Mk. 15,20 00,00, Hafer Mk. 13,80 00,00, Erbsen Mk. 00,00 00,00, Linsen Mk. 00,—, Wicken Mk.—.— Lein Mk.—,.—, Kartoffeln Mk. 0,00 00,00, Samen Mk. 00,00 per 50 Kilogr. Ce tzte Nachrichten. Es geschehen Zeichen und Wunder! Zu der Hardenschen Zukunft, eine in„vor⸗ nehmen“ Kreisen vielgelesene Wochenschrift macht ein aktiver Oberstlieutenant Front gegen die neue Militärvorlage. Es handelt sich gegen die vielen Neuerungen im Heere und meint u. a. „Zwischen dem gebotenen Fortschritt und dem heutigen Uebermaß von Neuerungen liegt ein breiter Raum. Es wäre nicht uninteressant, ein⸗ mal die sämtlichen Herresorganisation-, Aus⸗ bildung⸗, Bewaffung⸗, Ausrüstung⸗, Bekleidung⸗ und Administrativvorschriften, die seit zehn Jahren erlassen worden sind, zusammenzustellen und in ihren Wirkungen auf unser Heerwesen kritisch zu untersuchen. Die Frage ist thatsäch⸗ lich nicht von der Hand zu weisen, ob noch ir⸗ gend jemand in der Armee der Fülle dieses Stoffes gegenüber überhaupt sicher ist, die er⸗ forderlichen Kenntnisse zu besitzen. Da erscheint es denn als die Aufgabe derjenigen, die dem aufreibenden Dienstgetriebe mit seinen alle geistigen und körperlichen Kräfte absorbierenden Anforde⸗ rungen entzogen sind, aus langjähriger, gereifter Erfahrung ihre warnenden Stimmen gegen den ruhe⸗ und nicht selten auch planlosen Wechsel (Halbbataillone und Vollbataillone, Zweidrittel⸗ regiementer ꝛc.) in seiner Gesamtwirkung zu er⸗ heben. Nachdem er dann darauf hingewiesen, daß auch die in der Vorlage für die Kavallerie ge⸗ forderten Verstärkungen nur den Charakter eines Provisoriums tragen, das bald nach Vervoll⸗ ständigung„schreien“ werde, schließt er: „Die Behauptung, daß von der Bewilligung der neuen Vorlage„die Sicherheit des Reiches, basiert auf eine leistungsfähige, zweckmäßig organisierte Armee“ abhinge, wird übrigens schon dadurch widerlegt, daß die Vorlage erst jetzt eingebracht wird, während sie längst hätte einge⸗ bracht sein müssen, wenn das in Wirklichkeit der Fall wäre. Es handelt sich um eine nicht ein⸗ mal rein militärisch unbedingt einwandfreie, im besten Falle wünschenswerte, immerhin aber ent⸗ behrliche Verstärkung unserer, den möglichen Eventualitäten bereits genügend Rechnung tragen⸗ den Militärrüstung und der Reichstag würde sich ein Verdienst erwerben wenn er das weitere zwecklose Anwachsen der Wehr⸗ last hinberte und dem Volk damit endlich ermöglichte, im vollen Umfang die Früchte der deutschen Einheit zu ernten. Ein Oberstlieutenant.“ Das ist immerhin für einen aktiven Offizier eine Leistung, die von anerkennenswerter Selb⸗ ständigkeit zeugt. Der Mann hat ja mehr Rück⸗ grat als Volksvertreter vom Schlage der Lieber und Rickert— von den Stumm⸗Gesellen gar nicht erst zu reden. Daß die Unzufriedenheit über den militärischen Zickzackkurs auch in Offiziers⸗ kreisen um sich greift, war längst ein öffentliches Geheimnis. Jetzt hat sie selbst das Schweigen gebrochen. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr 4 Seite 6. 2 ä 9 e T Unterhaltungs⸗Ceil. N Auf der Straße. Zuf breiter straße Buh' und schweigen walten, Hernieder blickt ein Heer von ew'gen Sternen. Unendlich ist die§tille.— Die Laternen Mit ihren Flammen, rot, wie rote Wunden, Steh'n ernst wie Posten da, die Mache halten. Mit leichten Fritten auf dem Pflaster schreitet Ein weiblich Wesen.— Langsam, rastlos gehend Die Straße, die ihr nachblickt, lauschend, spähend, Im Eichtkreis spiegelt wieder sich ihr Schatten, Der wie in Schlangenwindung vorwärts gleitet. Der weiße Börper in den schwarzen Falten 3st Erde ohne Geist.— Zerstört und aufgerieben Jst alles in ihr, nur der Hunger ist geblieben Zein Elend ist wie diese Formen zynisch, In denen kein Gedanke mehr enthalten. Wer hat ihr ausgerottet das Gewissen? Welch' langes Drama warf sie nachts auf's Pflaster, Wer stürzte in die Arme sie dem Laster? Ein heimliches Erbarmen scheint vom Himmel ich zitternd auf die Arme zu ergießen. Erbarmen... Immer tiefer taucht ins Düster die mondscheinloft Nacht, kein Windhauch ist Ju spüren, Jur zchrechen, Angst und Traurigkeit sich rühren; And wie am Pranger unter den Laternen Seht hin und her das Wesen schwarz und düster Ada Negri. vom Stamm gevissen. 31 Roman von E. Langer. Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) Während dieses Gesprächs hatte sich Tussy ein sehr abgetragenes Pelzjäckchen angezogen, ein rotwollenes Käppchen aufgesetzt und war leise hinausgegangen, um das Abendbrot zu besorgen. Wie in allen alten Häusern Königsbergs, so hatte auch die Wohnung Sterns keinen abge⸗ schlossenen Korridor, sondern lag mit ihren Zimmerthüren unmittelbar an dem gemeinschaft⸗ lichen Treppenflur, in welchem die Küche, eng und dunkel, in einem Winkel angebracht war. Die schmale, ziemlich steile Treppe mündete gerade vor der Küchenthür, welche man beständig offen halten mußte, um einen spärlichen Licht⸗ strahl in das Innere gelangen zu lassen. Der Raum war kaum mehr als eine Höhle, in deren Tiefe ein schwarzer Kamin wie der Eingang zur Unterwelt gähnte; aber alle Geräte, welche auf den Borden und an den Wänden standen und hingen, und unter denen manch schönes, kupfernes Stück von dem einstigen Wohlstand der Familie redete, blitzten und gleißten wie eitel Silber und Gold im Lichte der kleinen Wandlampe, welche Tussy jetzt angezündet hatte. Ihr Strahl machte auch das rote Käppchen des Mädchens warm aufleuchten und zeichnete einen kleinen Umriß um dessen hübsch geschnittenes kindliches Profil, wie es jetzt, vor dem weißgescheuerten Anricht⸗ tische stehend, die letzten Reste eines Kalbsbratens vom Knochen schnitt und hier und da einen kleinen Fleischbrocken ins Mäulchen schob. Tussy war so eifrig bei ihrer Arbeit, daß sie einen leichten Schritt auf der Treppe überhörte, der vor der nur angelehnten Küchenthür halt machte. Durch den Spalt blickte ein junger Mann, in einen weiten Radmantel gehüllt, auf dem Kopfe die viereckige rote Studentenmütze, die sogenannte Konfederatka. Unter derselben quoll dunkles, leicht gelocktes Haar hervor, welches, nach Stu⸗ dentenart lang getragen, mit einem flockigen Vollbart zusammenfloß und ein etwas blasses Gesicht einrahmte, das auf den ersten Blick interessierte und fesselte. Es war der Verlobte Valeskas, Kurt Oettinger, um dessentwillen sie das Elternhaus hatte ver⸗ lassen müssen. „Guten Abend, Tussy“, flüsterte er, die Thür öffnend, nachdem er sich überzeugt hatte, daß das Mädchen allein in der Küche war. Die Kleine ließ Knochen und Messer fallen. „Sie, Kurt! Mein Gott, wie haben Sie mich erschreckt!“ flüsterte sie zurück und rieb sich schnell die fettige Hand ab, um sie dem künf⸗ tigen Schwager zu reichen, denn dafür sah sie ihn an, trotz aller Hindernisse, die sich der Ver⸗ bindung ihrer Schwester mit ihm zur Zeit ent⸗ gegenstellten. Er fühlte sich fast versucht, seinen weiten Mantel um das kleine, hübsche Wesen zu schlagen, das ihm wie ein Vermächtnis der Ge⸗ liebten erschien. Allein Tussy beobachtete stets eine so vollkommene Reserve ihm gegenüber, daß er es nicht wagte. „Ich wollte Ihnen nur sagen, daß sie gut angekommen und vortrefflich aufgenommen worden ist; ich hatte heute Nachricht.“ „Wir auch, sie hat noch in derselben Nacht geschrieben— einen langen Brief. Der Vater brachte ihn mit, wir haben ihn eben gelesen. Aber gehen Sie, gehen Sie! Er wird schon ungeduldig sein, er will sein Abendbrot haben.“ „Noch eins: ich werde wahrscheinlich in sehr kurzer Zeit eine Agitationsreise in jene Gegend unternehmen. Sie haben von dort das Komitee schon oft gebeten, jemanden hinzuschicken, der über die wichtigsten Fragen etwas Licht in die Köpfe bringt. Es sollen in den verschiedenen kleinen Städten eine Reihe von Vorträgen ge⸗ halten werden, und ich bin dazu ausersehen.“ Tussy hob die gefalteten Hände angstvoll zu ihm auf.„Um Gotteswillen, Kurt, was soll das? Sie lassen sich dorthin schicken, um Valeska zu sehen. Wie wollen Sie das aber anstellen? Sie können doch nicht in das Kriessche Haus eindringen; der Mann ist ein Konservativer und noch weniger können Sie sich mit ihr Rendez⸗ vous geben.“ „Haben Sie keine Furcht, kleine Weisheit“, lächelte Kurt gutmütig, und das Lächeln, bei welchem sich ein Grübchen in dem männlichen Gesicht zeigte, kleidete ihn ebenso gut, wie es herzgewinnend war.„Das Kriessche Haus werde ich nicht beunruhigen und überhaupt nichts unter⸗ nehmen, was sie kompromittieren könnte. Natür⸗ lich zieht es mich in ihre Nähe, und ich leugne nicht, daß ich in der Hoffnung gehe, sie auf irgend eine Weise zu sehen und zu sprechen, aber die Hauptsache bleibt mir doch, den Kreis womöglich für uns zu gewinnen. Es hat allen Anschein, als ob die Bewegung bald lahm gelegt werden würde. Wir müssen also die Zeit nützen, um unsere Ideen in Umlauf zu setzen. Adieu für heute. Ich springe in den nächsten Tagen wieder einmal so heran.“ Damit eilte er elastischen Schrittes die Treppe hinunter. Tussy stand eine Sekunde mit ge⸗ falteten Händen und starrte sorgenvoll vor sich hin, dann fuhr sie sich über das junge Gesicht, als wollte sie jede Spur ihrer Gedanken hinweg⸗ wischen, worauf sie schnell das Theebrett ergriff, auf welchem sie alles zum Abendessen Nötige zusammengestellt hatte. Ihre Furcht, daß der Vater ungeduldig ge⸗ worden sein könnte, war ganz unnütz gewesen. Herr Stern hatte ein altes Zeitungsblatt auf dem Tische emdeckt und sich darin so vertieft, daß er nicht einmal die Wiederkehr seiner Tochter bemerkte. Lesen war seine Passion geblieben, wie sehr der Mann und seine Lage sich auch verändert hatten. Sobald er nur etwas Ge⸗ drucktes fand, war er der Gegenwart entrückt. Infolge dieser alles verschlingenden Lesewut hatte er eine Menge Kenntnisse aufgespeichert, welche, da ihm die Basis einer soliden Bildung fehlte, unvermittelt und wie Kraut und Rüben durch⸗ einanderlagen, ihn aber mit einer dünkelhaften Ueberlegenheit über andere Menschen erfüllten, die er stets belehren zu müssen glaubte. Sein drittes Wort war daher:„Das werde ich Ihnen alles erklären.“ In jenem Blatte nun hatte er einen Artikel, die soziale Frage betreffend, gefunden, und das war ihm besonders interessant. Erst durch die Bekanntschaft mit Oettinger hatte er angefangen, sich um soziale Verhältnisse zu kümmern. Aber so leichtbeschwingt seine Phantasie, so schwer⸗ fällig war sein Geist im Aufnehmen neuer Er selbst nannte sich einen Demokraten Ideen. vom reinsten Wasser und glaubte, daß über seinen Liberalismus nichts hinausginge. Da kamen nun junge, geistreich thuende Fante und un⸗ ö gebildete Gesellen und wollten ihm weißmachen, daß es noch ganz andere Dinge zwischen Himmel und Erde gäbe, als er sich träumen lasse, und daß es wichtigere Fragen zu lösen gelte, als die politischen.“ Er ließ es denn auch nicht an leidenschaft⸗ a 0 lichen Ausfällen gegen diese„ideologischen Welt⸗ verbesserer“, die alles auf den Kopf stellen wollten, fehlen und perorierte namentlich in seinem Laden, auf Zeit. große Sympathie für die soziale Bewegung und konnte sich nicht enthalten, in die Versammlungen der Sozialdemokraten zu laufen und jede von deren er habhaft Er hätte sich auch ihnen ausgehende Schrift, werden konnte, zu lesen. vielleicht zu ihnen bekehrt, wenn nicht gerade einer ihrer Apostel, der, wie es meistens Apostelnnn geht, an Glücksgütern nichts zu bieten und ver möge seiner politischen Richtung wenig Aussichten auf eine glänzende Zukunft hatte, das Herz vegung, seiner ältesten Tochter gewonnen und diese sich⸗ gegen seinen Willen mit ihm verlobt hätte. So saß er denn auch jetzt, mit dem ganzen Oberarm auf den Tisch gestützt und das Blatt dicht an die Lampe haltend, und verschlang den Bericht, als Tussy mit dem Abendbrot hereintrat: Auch Frau Stern schien nicht auf ihr Wieder⸗ erscheinen gewartet zu haben. Sie hatte mittler⸗ weile die Spirituslampe angezündet und den Thee bereitet, dabei immer den Brief Valeskas in der Hand haltend und abwechselnd vor sich⸗ hinlächelnd und seufzend. Als der gedeckte Tisch⸗ Herrn Stern endlich von seiner Lektüre abzog, langte er mit dem gesundesten Appetit zu, undd fand nur Zeit, hin und her ein giftiges Ge⸗ brumm über die„verwünschten Aufwiegler“ er⸗ tönen zu lassen. hierauf keine Antwort, und so verlief der Rest: des Abends, indem jedes seinen Gedanken nachhing. II. Kurt Oettinger war der Sohn eines höheren Offiziers, dessen Vorfahren, der Familientradition zufolge, mit den vertriebenen salzburgischen Prote⸗ stanten nach Ostpreußen gekommen waren. eine solche Abstammung deuteten wie der Name, so die dunkeln Augen und Haare der männlichen Mitglieder der Familie. Es mochte sich darin, wie in dem Schnitt des Gesichts, der Einfluß der Jahrhunderte langen römischen Ansiedlung in dem alten Norikum bemerkbar machen. Oettinger, der Vater, zeigte diese Bildung, und die drei Söhne sahen ihm sprechend ähnlich, doch nur in Kurt, dem jüngsten, hatte der Typus seinen edelsten Ausdruck erreicht, so wie sich in ihm auch alle geistigen Fähigkeiten konzentriert: zu haben schienen. Die älteren Brüder, Paul und Alfred, waren nicht besonders beanlagt, und der Vater pflegte mit kühler Unparteilichkeit zu sagen:„Meine Jungen sind gerade klug genug, um Soldaten zu werden.“ Aber nur die beiden ältesten waren ohne Widerrede Soldaten ge⸗ Vaters widersetzt. Der wißbegierige, ungewöhn⸗ lich begabte Knabe wollte studieren, es koste, was es wolle. Vater zu einem harten Kampf gekommen, der bei des letzteren militärisch strenger, häuslicher Zucht wahrscheinlich mit Kurts Niederlage ge⸗ endet haben würde, wenn die Mutter, die das Wesen des Knaben besser erkannte, als ihr Gatte, sich nicht ins Mittel gelegt und von demselben wenigstens das Zugeständnis erlangt hätte, daß 3 Kurt das Gymnasium absolvieren durfte. Frau Rosa Oettinger stammte von den Ufern f des waldumkränzten, buchtenreichen Spirdingsees, aus dem preußischen Masuren, wo ihre Eltern ein schönes Gut besaßen. Sie hatte Geld ins Haus gebracht, und die Söhne waren im Wohl⸗ 4 einem alten Lehnstuhlee thronend, vor seinem Publikum von Schiffern: und Landleuten über die Autoritätslosigkeit der Und trotzdem hatte er im geheimen eine Von seiten der Frauen erfolgte Auf d worden; Kurt hatte sich der Forderung des Als er seinen Entschluß den Eltern verkündet, war es zwischen ihm und dem preußische 4 5 des Wort aufgelegte überschän je übersch und darb müt die In d Vileka Aer 2 f Eben die Eite neugebor kliniken um dort österreich kranken Viel unt ent 0 dunn Duulsce . an einem war, in arzt Di deb Mor perla erwärmt Als der diese Ei . ner mög U der Ken SSS 5 — 8 dwer⸗ neuer beuten seinen kamen ö un⸗ ache, immel ö und bs die schast⸗ Welt⸗ stellen 0 0 Istu le fern 2 2 r N Nr. 4. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 7. leben aufgewachsen. Dies hatte bei den beiden älteren zur Folge gehabt, daß sie schon als Fähnriche wie die großen Herren gelebt und namhafte Schulden gemacht hatten, sodaß das Vermögen zu Lebzeiten des Vaters bereits arg geschmälert worden war. Abiturienten⸗Examen stand, starb der Vater plötzlich. Dadurch wurde für Kurt die Bahn Als Kurt vor dem frei; er bezog die Albertina und widmete sich der Jurisprudenz und den Staats wissenschaften. Aber die Studienjahre kosteten Geld, das wilde Leben der Brüder nötigte die Mutter, wiederholt bedeutende Geldopfer zu bringen, sodaß, als sie ihrem Gatten nach zwei Jahren folgte, von dem einst schönen Vermögen auf jeden der Söhne nur ein sehr geringer Anteil kam. Kurt mußte seine Mittel sehr zusammenhalten, wenn er seine it der- n eine. g und ungen e bon abhast auch gerade hosteln d ver⸗ sichten Herz se sich 5 ganzen Blatt ig den. intrat. Jieder⸗ iittler⸗ ) den. leskas or sich e Asch abzog, „ und. b Ge⸗ r“ er⸗ folgte r Rest ching. öheren dition. Prote⸗ Auf Name, nlichen darin, zufluß edlung. aachen. „ und hnlich, Tupus sch in triert Pal anlagt, lichkeit genug, beiden 1 0 ö ln g loste, 4 — Studien beenden und für später einen Notgroschen bewahren wollte, und doch half er noch seinen Brüdern hier und da mit kleinen Summen aus. Er, der im Wohlleben erzogen worden, keine Entbehrung kennen gelernt hatte, bewohnte jetzt die dürftigsten Räume, die er überdies stets mit einem Freunde teilte, beschränkte sich in Kleidung und Speise aufs äußerste und war dennoch aus tiefster Seele glücklich— glücklich in dem reichen geistig bewegten Leben mit seinen Kommilitonen, in dem gemeinsamen idealen Streben, welches weit über das Brotstudium hinausging, in dem immer tieferen Erfassen der großen sozialen Be⸗ wegung, die ihre Flutwellen bis in die ost⸗ preußischen Lande hinüberwälzte. Er war ein Student so recht im idealen und poetischen Sinne des Wortes, ein leichtherziger, zu jeder Tollheit aufgelegter Kamerad, in dem die Lust des Lebens überschäumte, ohne daß er die Grenze des Schönen je überschritt, der mit derselben Heiterkeit schwelgte und darbte, und dessen poetisch gestimmtes Ge⸗ müt die gemeine Wirklichkeit kaum berührte. In diese Zeit fiel seine Bekanntschaft mit Valeska Stern.(Fortsetzung folgt.) Aerzt liche Experimente mit Men sehen material. Schluß.) Ebenso peinlich berühren Mitteilungen über die Eiterkulturen, die an Frauen und selbst neugeborenen Mädchen in verschiedenen Frauen⸗ kliniken an inneren Teilen vorgenommen wurden, um dort neue Eiterungen zu erzeugen. In einem österreichischen Irrenhause sollen sogar an Geistes⸗ kranken Experimente gemacht worden sein. Viel schlimmer sind die der Neuen Heil⸗ kunst entnommenen Angaben über schauderhafte Vorkommnisse im Rudolfsspital zu Wien. Die Deutsche Warte schreibt darüber: Am 5. Juli kam ein gewisser Knaus, der gan einem Abszeß an der linken Schläfe erkrankt war, in das Rudolfspital, wo er vom Assistenz⸗ arzte Dr. Groß behandelt wurde. Gegen Ende des Monats wurde er von Dr. Groß in den Odperationssaal geführt, wo ihm mit einer vorher erwärmten Spritze eine Injektion gemacht wurde. Als der Patient den Arzt fragte, welchen Zweck diese Einspritzung habe, erhielt er die Antwort, „er möge nur ruhig sein, es werde ihm nichts geschehen“. Wenige Tage später machte jedoch der Kranke die entsetzliche Wahrnehmung, daß er von einer schweren Geschlechtskrank— heit befallen war, zu der sich später noch andere Komplikationen gesellten. Als Knaus deshalb den Doktor zur Rede stellte, hatte dieser die Stirn, seine Freude darüber zu äußern, daß die ekelhafte Krankheit zur normalen Zeit aufgetreten sei und nahm ihn sofort in Behandlung. Der Kranke, der bisher nie geschlechtskrank gewesen war, litt schwer unter der Ansteckung, die für ihn noch zwei weitere Leiden zur Folge hatte. Das Wiener Volksblatt hatte den Mut, diese Unmenschlichkeiten aufzudecken, doch wurden seine Mitteilungen alsbald von der Mehrzahl der maßgebenden Blätter dementiert. Ritzmann, dem Verfasser des Aufsatzes in der Neuen Heilkunst, gelang es jedoch, aus dem im August dieses Jahres erschienenen dritten Heft des 45. Bandes 1 des Archivs für Dermatologie und Syphilis festzustellen, daß diese grauenhaften Enthüllungen vollkommen auf Wahrheit beruhten, da die unsauberen Experimente von ihren eigenen Ur⸗ hebern als wissenschaftliche Thaten beleuchtet und hervorgehoben wurden. Auf S. 329 findet sich dort ein Aufsatz, betitelt: Bakteriologische Studien über den Gonococcus von Dr. Siegfried Groß und Dr. Rudolf Kraus, Assistenten der Abteilung für Hautkrankheiten und Syphilis des Prof. Dr. Mracek in der k. k. Rudolfstiftung. Seite 343 geben die Herren Dr. Groß und Dr. Kraus eine genaue„Versuchsanordnung“, die sie bei ihren diesbezüglichen Experimenten beobachten, und diese Versuchsanordnung deckt sich nach der von Ritzmann angestellten Vergleichung voll⸗ ständig mit jenen Angaben, die der Schuhmacher⸗ gehilfe Knaus bezüglich der von Dr. Groß an ihm vorgenommenen Ansteckung geschildert hat. Wer die Versuchsobjekte dieser Aerzte waren, darüber giebt die auf Seite 344 veröffentlichte Mitteilung der genannten Herren Aerzte einen klaren Aufschluß. Es heißt nämlich daselbst: „Die meisten Patienten hatten niemals eine gonorrhoische Infektion(geschlechtliche Krankheit) durchgemacht; mit Vorliebe wurden jugendliche Individuen(14 bis 18 Jahre alt) für diese Versuche gewählt.“ Die Herren Doktoren Groß und Kraus erklären also selber, daß sie mit Vorliebe an vierzehn- bis achtzehnjährigen Indi⸗ viduen— Knaben und vielleicht auch Mädchen, — die bis dahin noch nie an einer Geschlechts⸗ krankheit gelitten hatten, ihre Experimente unter⸗ nahmen. Dr. Groß hat bis zum März v. J. nicht weniger als vierundzwanzig Patienten das widerliche Gift der Gonorrhoe eingespritzt, das von der heutigen Heilkunde für gefährlicher als das der Syphilis angesehen wird, da nur etwa 50 Prozent der Fälle zur völligen Heilung ge— langen, während der Prozentsatz der geheilten Syphilitiker ein bedeutend größerer ist. Wir können, falls alle Angaben unseres Gewährs⸗ mannes sich als zuverlässig erweisen, seine flammende Empörung nur in vollem Maße teilen. Heilkünstler dieser Art gehören nicht in die Hospitäler, sondern vor die Schranken des Gerichts. Das Korrespondenzblatt der ärztlichen Kreis⸗ und Bezirksvereine im Königreich Sachsen sagt hierzu: Nicht nur wir, sondern der ganze ärztliche Stand wird die Empörung über diesen frechen Eingriff in fremde Menschenrechte teilen. Es ist unverantwortlich, daß sich gerade Aerzte einer derartigen Gewissenlosigkeit schuldig gemacht haben, deren Beruf sie ganz und gar dazu ver⸗ pflichtet, den sich ihnen anvertrauenden Kranken Heilung und nicht neues Unheil zu bereiten. Erkältung und Abhärtung. Zur Erklärung der Erkältung hat man ver⸗ schiedene Theorien aufgestellt, von denen jedoch bisher keine als unbedingt richtig anerkannt werden kann. Für manche Fälle, zum Beispiel Schnupfen, ist anzunehmen, daß die Erkältung auf irgend eine unbekannte Weise die Entwicke⸗ lung entzündungserregender Bakterien an den betreffenden Stellen begünstigt. Wenn man unter Erkältung die Schädigung versteht, die der Körper durch raschen Wechsel der Tempe— raturen, und zwar auch solcher Temperaturen erleidet, die an sich ohne Schaden ertragen werden können, so wird man ihren vielfachen Einfluß nicht leugnen können. Besonders schädigend wirkt die gefürchtete Zugluft, also ein Zustand, in dem die kühlere Luft zugleich von einem ge— wissen Grad von Bewegung ergriffen ist, nament⸗ lich wenn sie Teile der Haut trifft, die sonst gedeckt getragen werden, und noch mehr auf solche, die im Augenblick der Erkältung zufällig schwitzen. 8 Nur dann aber entsteht eine Erkältung, wenn drei Momente zusammenwirken, einmal schroffe Temperaturunterschiede, gleichviel ob Hitze nach Kälte folgt oder umgekehrt, dann eine teilweise Abkühlung des Körpers, endlich Ermüdung des⸗ selben. So erklärt es sich, daß man sich nicht erkältet, wenn man sich ganz entkleidet, wie zum Baden, daß man aber sofort sich einen Katarrh holt, wenn man etwa die mit Schweiß bedeckte Brust allein entblößt dem Luftzuge darbietet. Dieser läßt den Schweiß verdunsten, die Brust wird eiskalt, die Gefäße ziehen sich zusammen, das Blut flutet nach innen, überflutet die inneren Organe, und es muß ein Katarrh entstehen, wenn das ermüdete Herz nicht mehr imstande ist, sofort die Kreislaufstörung durch kräftigen Herzschlag auszugleichen. Wir erkälten uns nicht, wenn wir zum Beispiel morgens früh aus dem warmen Bette aufspringen und nur mit dem Hemde bekleidet das Fenster öffnen. Der Körper ist dann eben ausgeruht, das Herz frisch und gleicht sofort mögliche Stauungen aus. Daher können auch viele gesunde und kränkliche Leute unter Umständen sich Tag für Tag Temperatur⸗ wechsel aussetzen, ohne sich zu erkälten. Den Zusammenhang einer Krankheit mit einer Erkältung verraten namentlich zwei Um⸗ stände. Einmal empfindet der Erkrankte die kühle Temperatur unangenehm und bekommt bald allgemeines Frösteln, und zweiten schließt sich daran bald ein allgemeines Krankheitsgefühl und der Eintritt bestimmter Krankheitsanzeichen. Naturgemäß befkehen zwischen dem erkälteten Hautteil und den ihm nahegelegenen Organen ganz bestimmte Beziehungen. Erkältung des Halses führt bekanntlich leicht zu Kehlkopfkatarrh, Menstruationsstörungen entstehen durch Erkältung der Füße und des Unterleibes, Durchfälle durch Erkälten des Bauches, den Schnupfen bekommt man leicht, wenn man aus einem heißen Zimmer in die Kälte kommt, doch auch umgekehrt, und ähnliche Beziehungen finden sich in Menge. (Schluß folgt.) ———— Sprüche zur Lebensweisheit. Die Not entwickle das Talent, behauptet Ihr ernst und kräftig. Wohl, sie gleicht dem Salz Der Speise: Etwas nützt, doch viel verdirbt. * Die Jugend ist nicht reich an Zeit— ja vielleicht arm. Gib sie, wie Geld, mit sparender Hand aus; zahle keinen Augenblick hin, ohne damit soviel zu erkaufen, als es wert ist. * Bescheidenheit!— Ja, wenn sich die Nicht wunderlich erwiese, Bescheiden glaubt manch' großer Zwerg, Er sei ein kleiner Riese. * Nicht was wir geben, sondern wie wir es geben, bestimmt den Wert der Gabe. Nur wahre Nächstenliebe adelt die Wohlthätigkeit. Humoristisches. Ein Machtwort. Herr Stillmann begleitet seine Schwiegermutter zum Bahnhof. Auf dem Wege dahin findet er die Straßen wegen eines fürstlichen Besuches polizeilich gesperrt, die Schutzleute verweigern ihm den Durchlaß. Da keine Zeit zu verlieren ist, wendet er sich an den Lieutenant:„Verzeihung, Herr Lieutenant, ich wollte meine Schwiegermutter zur Bahn bringen.“ Lieutenant(zu den Schutzleuten):„Dringen⸗ der Fall! Passieren lassen!“ * Reell bedient. Weinreisender:„Diese Marke kann ich Ihnen ganz hesonders empfehlen. Wenn Sie den Wein gekostet haben, trinken Sie keinen andern mehr. Auf Wort!“ 1 Kunde:„Schön, den nehme ich.“ (Drei Wochen später.) Weinreisender:„Nun, hatte ich nicht Recht?“ Kunde:„Allerdings. Ich trinke jetzt Wasser.“ (Lust. Bl.) Ein Genießer. Gigerl(Arbeitern zusehend, die Mauersteine abkarren): Arbeit ist doch etwas schönes; stundenlang könnte man so zusehen.“ —— T— Nen eingelaufene Schriften. Besprechung wichtigerer Erscheinungen behalten wir uns vor. Die Neue Zeit. Revue des geistigen und öffent⸗ lichen Lebens, Stuttgart, Dietz' Verlag. Heft 16.— Einzelheft 25 Pfg. Durch die Post oder Buchhandlung bezogen pro Quartal 3.25 Mk. Für jeden Politiker ist die Neue Zeit unentbehrlich. Seite 8. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. 5 ....... And Invenkur- Ausverkauf. Nach Beendigung meiner Inventur habe einen großen Posten Herren⸗, Damen⸗ und Kinder⸗Schuhe und Stiefel zurückgesetzt,. ich zu bedeutend herabgesetzten Preisen verkaufe. Das Lager umfaßt unter andere m 55 E Einen Posten Arbeiterschuhe und Stiefel, Einen Posten Damen⸗Zugstiefel u. 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E Neue Welt-Nalender wieder vorrätig in der ee Sonnenstraße 5 E l 1 ZInuserate finden in der„Mitteldentschen R Sountags⸗Zeitung“ weiteste Verbreitung. Verlag der Mitteld. Sonntags-Zeitung(E. Krumm), Gießen. Verantwortl.[Redakteur: Ph. Scheidemann, Gießen. Druck der W. Kellerschen Druckerei, Gi eßen. de Eipebil 80 nimmt B Sonntags die beide frei ins 110 l „Mitteld * wont ö Am zy In Gic sraße Ritterg Bahnht In Mo Hirschb In We Wir rechts und an Eine! W deren W hat, die Zukunft All Urteilslo und Nil