2 SSG O = 650 J — 4 — 2 5, 6 5 5,.— 83,75 sarktstr. imgegend ettz für preisen, ol U fetten, p. raturen. Nr. 12. Gießen, Sonntag, den 19. März 1899. 6. Jahrg. Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. n Mitteldeutsche Huntags⸗Zeitung. Redaktionsschluß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. = Abonnementspreis: Die„Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung“ kostet durch unsere nehmen alle Austrä Bestellungen Austräger frei in's Haus geliefert monatlich 25 Pfg.][dition in Gießen„Kirchenplatz 11, Schloßgasse, die Durch die Post bezogen vierteljährlich 90 Pfg. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Volksjuftiz. Das Urteil im Löbtauer Landfriedens⸗ bruch⸗Prozesse hat einige unserer Gegner auch zu der Behauptung veranlaßt, es sei eine Ver⸗ letzung unserer Grundsätze, wenn wir dies, doch von Laien,„Volksrichtern“ gefällte Urteil angreifen. Das giebt uns Anlaß, uns mit einer der Grundfragen unserer Rechtsprechung wieder zu beschäftigen. Der Fall giebt wahrlich keinen Anlaß, die Schuld dessen, was uns an dem Urteil entsetzt, mehr den Laien als den Juristen aufzubürden oder umgekehrt. Haben die Geschworenen in einer rohen aber durchaus nicht ungewöhnlich schlimmen Schlägerei einen Totschlagsversuch ge⸗ sehen, und haben sie bei allen Angeklagten mil⸗ dernde Umstände verneint, so hat der Gerichtshof innerhalb des ihm gelassenen Rahmens Straf⸗ maße gewählt, die uns noch weit weniger dem Falle angemessen zu sein scheinen. Aber die Frage nach dem Wert der Laienrechtsprechung ist an sich interessant genug, um sie bei diesem Anlasse zu erörtern: Das Verhältnis zwischen Juristenrechtsprechung und Laienjustiz entspricht dem Verhältnis zwischen Gesetz und Recht. Die grundlegenden Rechts⸗ überzeugungen einer Zeit bilden sich in den Massen als mehr oder weniger sichere Gefühle. In primitiven Verhältnissen genügten diese dem praktischen Bedürfnisse. Im engen Kreise des Stammes entschied von Fall zu Fall das Rechts⸗ gefühl der Gesamtheit der Stammesgenossen, das sich im Zurufe des Beifalles oder der Miß⸗ billigung äußerte. Sobald das Leben verwickelter wird, tritt das Bedürfnis auf, aus den ver⸗ schwommenen Rechtsgefühlen, die in dem einen Fall so, im andern anders sprechen können, klare feste Normen abzuleiten, die in ihrer All⸗ gemeinheit für jeden Fall anwendbar sind. Das sind die Gesetze und die Grundsätze der Rechts⸗ wissenschaft. Dazu ist der Jurist unentbehrlich, ein notwendiger Volksdiener, der für Andere eine Arbeit verrichtet, die sich die Masse nicht mehr selbst leisten kann. Aber gerade das, was den Vorzug dieser juristischen Normen und Begriffe bildet, ihre Festigkeit, das ist auch ihre Schwäche. Sie passen immer nur auf den Durchschnitt der Fälle, aus denen sie ja abgeleitet sind. Dem einzelnen Falle müssen sie unendlich oft Gewalt anthun, und dies steigert sich im Laufe der Zeit, je mehr die Rechtsanschauungen des Volkes ver⸗ schieden werden von denen, aus welchen einst der Jurist seine Begriffe abgeleitet hatte. Die rein juristische Thätigkeit kann diese Kluft nicht überbrücken, das folgt naturgemäß aus der Stellung des Juristen. Ihm erscheint als höchstes die Absolutheit der Begriffsbestim⸗ mung, ihre Klarheit und Schärfe. Ihn bindet der Buchstabe des Gesetzes; darüber darf er nicht hinweg, ihm muß er sich anbequemen, auch wo er den Inhalt des Gesetzes und der wissenschaftlichen Begriffe erweitern möchte. Was er— als reiner Jurist— in dieser Richtung leisten kann, das erschöpft sich in glänzenden advokatorischen Haarspaltereien und Spitz⸗ findigkeiten, in Aus⸗ und Unter⸗ legungen, die allerdings oft genug in ein Druckerei, Sonnenstraße 6, sowie jede Postanstalt und Gesetz hineinzutragen vermögen, was ursprünglich gar nicht darin lag Der juristische Theoretiker und der Advokat finden hierin noch ein leidlich dankbares Thätigkeitsfeld, dem Richter, der für den praktischen Fall unmittelbar das Richtigste treffen soll, legt die juristische Anschauungsweise eine unleidliche Fessel auf. Anders die rechtsbildende Kraft des Volkes. In seinem Bewußtsein erzeugen sich ja immer aufs Neue ungebunden die Anschauungen von dem, was recht ist. Der aus dem Volke berufene mich t juristische Richter darf keinen Gegensatz kennen zwischen Recht und Gesetz, für ihn muß Gesetz sein, was für ihn Recht ist, er hat die Freiheit, sowohl allgemein giltige und auch von ihm anerkannte Rechtsgrundsätze im einzelnen Falle zu überspringen, wo sie nicht das Wahre zu treffen scheinen, als auch nament⸗ lich— und das ist seine Hauptaufgabe— den alten, überlebten, vom Rechtsgefühl des Volkes innerlich überwundenen Buchstaben außer Kraft zusetzen. Das gilt uicht nur von der Strafgerichtsbarkeit, sondern vor allen Dingen auch von den Zivilgerichten. Die Leistungen der Gewerbegerichte gerade auf dem Gebiete lebendiger Fortbildung des Rechts geben einen Fingerzeig, wo die Zukunft unseres Rechtslebens liegt. Istder Juristdeshalbüberflüssig? O nein, das Bedürfnis scharfer begrifflicher Begründung einer Ansicht, das Herausschälen des Wesentlichen aus dem Unwesentlichen, ist in ver⸗ wickelten Fällen, wo das Gefühl nicht unmittel⸗ bar eine Antwort giebt, unerläßlich notwendig, ganz zu schweigen von der Notwendigkeit solcher Abstraktionen bei der Gesetzgebung. Nur aus⸗ schlaggebend im Gericht sollten die Juristen niemals sein. Es wäre freilich wunderbar, wenn die Laien⸗ gerichte lauter Vorzüge und nicht auch ihre be⸗ sonderen Schattenseiten hätten. Es ist natürlich, daß Laienrichter den Wortlaut des Gesetzes weder so gut zu kennen, noch so gut zu verstehen vermögen, wie studierte Richter, und es wird unvermeidlich sein, daß sie hier und da unge⸗ lenke Urteile fällen, die aus einer zu einseitigen Auffassung der Sache hervorgehen, die vielleicht von groben Mißverständnissen nicht frei sind. Noch mehr: weil ihr Urteil beruht auf dem Rechtsgefühl des Volkes, aus dem sie hervorgehen, so werden auch manche Vorurteile ihrer Kreise bei ihnen mitwirken. Eine recht treffende Bemerkung macht Heinrich Treitschke hierüber(Politik, 130. II. S. 440); „Es ist nicht richtig, wenn man behauptet, Ge⸗ schworene seien überhaupt leichter zur Freisprechung geneigt, als gelehrte Richter. In der Mehrzahl der Fälle wird das ja zutreffen. Es wird aber auch immer Prozesse geben, in denen Geschworene zu hart urteilen, weil sie sich in ihren sozialen Verhältnissen bedroht fühlen. Namentlich den Sozialdemokraten gegenüber können sie in diese Lage geraten. Denken wir an den berüchtigten Leipziger Sozialistenprozeß vom Jahre 1870. Hier wurden die Sozialdemokraten auch ohne rechten Beweis verurteilt. Ein gelehrtes Richterkollegium hätte das schwerlich gethan; Laien aber, die für ihren Geldbeutel zittern, fühlen sich einer solchen Partei gegenüber auch als Partei.“ Man kann das Alles zugeben, man kann ein⸗ räumen, daß gewisse falsche Urteile, die Ge⸗ schworene gefällt haben, bei juristischen Richtern IJunserate ger in Stadt und Land, die Ex pe⸗ finden in der„M. S.⸗Z.“ weiteste Verbreitung. Die ögespalt. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindestenz amal. Bestellung gewähren wir 25%,ͤ bei Emal. Bestellung jeder Briefträger entgegen.(Post⸗Ztgs.⸗Katal. 4312.) 33% und bei mindestens 12mal. Aufgabe 50% Rabatt. kaum vorgekommen sein dürften. Man muß so⸗ gar sagen, daß— rein theoretisch betrachtet— die Berufsrichter in der handwerksmäßigen Routine, die sie bei ihrer Arbeit gewinnen, ein Mittel haben könnten, sich über Vorurteile und Leidenschaften zu erheben und den Fall, ganz losgelöst von alle dem, bloß vom Gesetzesstand⸗ punkte aus als Fall zu behandeln.„Theoretisch betrachtet“, sagten wir, denn die Praxis beweist, daß es so korrekte Berufsmenschen selten giebt, und daß die Menschen für ein allgemeines Vor⸗ urteil, das sie ablegen, ein anderes besonderes Kastenvorurteil einzutauschen pflegen. Aber alle falschen Urteile, die Laienrichter hier und da gefällt haben, beweisen nichts gegen die Volksrechtsprechung. In Urteilen, die verbrecherische Rechtsbeugung sein könnten, wenn sie ein juristischer Richter gefällt hätte, kann sich beim Laienrichter gerade dessen besonderer Beruf aussprechen. Häufen sich die Urteile, in denen Laienrichter sich über das geschriebene Recht hinwegsetzen, so ist das ein Anzeichen, daß ein neues Recht lebt, dem das alte weichen muß. Häufen sich aber die Urteile, in denen Laienrichter, die ihrem Rechtsgefühl folgen, das Rechtsgefühl anderer Kreise des Volkes verletzen, so ist das ein Be⸗ weis einer tiefen Zerrissenheit im Wolksleben, ein Beweis, das nicht ein Volk mit einem Recht dort lebt, sondern mehrere einander fremde Nationen. In beiden Fällen sind solche Laienurteile, die, sei es vom juristischen Standpunkt, sei es vom Standpunkt eines anderen Rechtsgefühls, falsch erscheinen, warnende Sturmzeichen des öffentlichen Lebens, und damit erfüllen sie auch ihren Zweck. Natürlich geht der Wert der Einrichtung umso mehr verloren, je weniger die Volksrichter wirkliche Vertreter des ganzen Volkes sind. Das gilt von unseren Geschworenengerichten. Sie werden nicht vom Volke gewählt, sondern von den Behörden, und werden einseitig zusammengesetzt aus den Angehörigen der besitzenden Klasse, am liebsten aus solchen, die nicht einmal mehr mitten im Leben stehen, aus Rentiers und pensionierten Beamten und Offizieren. Jedenfalls be⸗ stehen sie in großen Städten fast ausnahmslos aus Leuten, die dem Leben des Volkes fern stehen. Dürfen wir uns wundern, wenn sie Urteile fällen, die uns fremd erscheinen? Selbst aus der Falschheit solcher Urteile ent⸗ nehmen wir keinen Grund gegen die Laien⸗Recht⸗ sprechung selbst sondern nur einen Antrieb, auf der Forderung unseres sozialdemokratischen Par⸗ teiprogramms zu beharren: Rechtsprechung durch vom Volke gewählte Richter. FFC Die beste Waffe im Befreiungskampfe des Proletariats, das beste Mittel zur Abwehr des dem werkthätigen Volke gebotenen Unrechts ist die sozialdemokratische Presse. Sie ist der Lehrer, Verteidiger und Führer der Kleinen in Dorf und Stadt. Je mehr Abonnenten unsere Presse hat, desto mehr kann sie bieten, desto machtvoller steht sie da, desto mehr kann sie nützen. 2 ————.ä́—— Deitr 2. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 12. Politische Bundschau. * Gießen, den 17. März. Reichstagsauflösung angedroht! Nachdem in der Budgetkommission von der neuen Militärvorlage ca. 7000 Mann abgehandelt worden waren, schien es, als ob sich die Regie⸗ rung mit diesem Abstrich einverstanden erkläre. Darauf deutete wenigstens das Verhalten des Kriegsministers hin. Eine höhere Stelle jedoch war nicht mit dem Resultat der Budgetkom⸗ mission einverstanden und eines schönen Tages durchlief den deutschen Blätterwald die Nach⸗ richt, daß der Reichstag aufgelöst werden würde, wenn er die Budgetkommissionsbeschlüsse zu den seinigen machen würde. Um unsere Leser über die strittige Militärvorlage genau zu in⸗ formieren, drucken wir hier die drei hauptsäch⸗ lichsten Paragraphen ab und zwar nach den Beschlüssen der Budgetkommission (dabei sind in Klammern die Ziffern der Re⸗ gierungsvorlage angegeben und in Sperr⸗ druck die Zusätze der Budgetkommission: § 2 Absatz 1. Vom 1. Oktober 1899 ab wird die Friedenspräsenzstärke des deutschen Heeres als Jahresdurchschnittsstärke allmählich derart erhöht, daß sie im Laufe des Rechnungsjahres 1903(1902) die Zahl von 495500(502 506) Gemeinen, Gefreiten und Obergefreiten erreicht und in dieser Höhe bis zum 31. März 1904 bestehen bleibt. ö § 3. In Verbindung mit der durch 8 2 bezeichneten Erhöhung der Friedenspräsenzstärke ist die Zahl der vorhandenen Formationen so zu vermehren, daß am Schlusse des Rechnungs- jahres 1902 bestehen: bei der Infanterie 625 Bataillone, „Kavallerie 465(482) Eskadrons, den Jägern zu Pferde (Meldereitern). 17 Eskadrons, 8 „der Feldartillerie 574 Batterien, „ rkillerie 38 Bataillone, „ den Pionieren 26 Bataillone, „„ Verkehrstruppen 11 Bataillone, „ d Train 23 Bataillone. § 4. In den einzelnen Rechnungsjahren unterliegt die Erhöhung der Friedenspräsenzstärke nach Maßgabe des 8 2 dieses Gesetzes und die Verteilung jener Erhöhung auf die einzelnen Waffengattungen, ebenso wie die Zahl der Stellen für Offiziere, Aerzte, Be⸗ amte und Unteroffiziere der Feststellung durch den Reichshaushaltetat. Und wegen der gestrichenen 7000 Mann wird eine Reichstagsauflösung angedroht! Uns soll es Recht sein. Der„Vorw.“ schreibt zu dieser Angelegenheit: „Selbfttäuschung und politische Unklugheit müßte innerhalb der Regierung über alles übliche Maß hinaus zur Macht gelangen, wenn sie es wegen der 7000 Mann Infanterie auf eine Auf⸗ lösung des Reichstags ankommen lassen wollte. Dem Zentrum würde eine überaus günstige Situation geschenkt werden; seine Volksverrätereien würden mit dem Glorienschem der Volkstümlich⸗ keit gekrönt werden und kein einziges Mandat würde ihm im Wahlkampf abgenommen werden. Und die Linke, insbesondere die Sozialdemo⸗ kratie, würde nur gewinnen und zwar in sehr hohem Maße, wenn die Regierung jetzt an die Wähler apellieren wollte. Niemand im Volke würde diese Auflöfung verstehen und der Zickzack⸗ kurs würde unter homerischem Lachen des ganzen deutschen Wählertums eine Niederlage erleben schwerer denn je. Oder will man etwa die Niederlage? Will die Regierung noch höher hinaus? Will man durch die Niederlage beweisen, daß mit dem allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrecht nicht zu regieren ist? Glauben die Scharfmacher um Stumm ihre Stunde gekommen? Fürchtet man, daß dieser Reichstag doch nicht so leicht jegliches Zuchthaus gesetz apportieren wird? Sinnt man auf Wahlrechtskürzung? Wohlan, das deutsche Volk kennt die Wohl⸗ thaten, mit dem es die Reaktion beglücken will. Das deutsche Volk würde eine Wahlschlacht streich, zum U Das entspricht ganz — Ueber das Verhalten des „Aus dem Reichstag“ Nachrichten“. Reichstagsersatzwahl in Berlin. Die Reichstagsersatzwahl i Wahlkreis wird, wie aus dem gemeldet wird, voraussichtlich am 11. April, statifinden. Genossen gelingen, msturz von oben auslöschen müßte.“ unseren Anschauungen. Reichstags siehe m zweiten Berliner Berliner Rathaus Dienstag, den Möchte es unseren Berliner die vereinigten Gegner zu Nationalliberale Kommunalpolitik. Wie auf den Rathäuser wo das Bürgertum unbes dafür liefert ein Vor lehrreiches Beispiel. lieferanten Ritter bes verordneten⸗Versammlun zur Deckung der Koft streits deutscher G der diesen Sommer es heißt, wird der iwohnen. In ders die Besoldungsfrage de mittleren Beamten zur elben Stadtvät Herzens eine Riesens geopfert hatten, sich recht soldungsordnung hätte 2 aber es wurden nur Einer der Herren Finanzverhältnisse weitere Gehaltsaufbe weiteren Gehaltserhöhung, Begehrlichkeit(der Unterbeg Und angesichts s dann die kleinen und fühlen. n gewirtschaftet wird, chränkte Macht hat, kommnis in Ca Auf Vorschlag des Hof⸗ chloß die dortige Stadt⸗ g 150000 Mark()) en eines Gesangswett⸗ esangvereine zu bewi el stattfindet. Kaiser diesem Gesangswett⸗ elben Sitzung kam auch chen Unter⸗ und Sprache, und da zeigten er, die kurz vorher leichten umme für ein Vergnügen sparsam. Die neue Be⸗ 0 000 Mark beansprucht, 8700 Mark bewilligt. erklärte frei und offen, der Stadt gestatteten keine sserung. Er sei Gegner jeder weil dadurch nur die mten) gesteigert werde! sen Gegensätze sollen Beamten noch patriotisch denken Die Bourgeoisie züchtet Sozial⸗ demokraten, ohne daß sie es weiß. „Katholische“ Wissenschaft. Würzburg hat jetzt an Schlör⸗folgendes Schreiben durch die heil. Kon⸗ des Index die vier von mir geschrie⸗ er, nämlich die Dogmatik. Die gött⸗ eit des Christentums 1895, 1896, Fortschritts 1897, aube 1898 auf Bücher zu unterwerfe terschrift mit allem Ge⸗ ller Erfurcht, wie es sich ge⸗ Hermann Schell, Professor der ihre Lehre ist frei! ung. Auf der einen Maßregelung durch den Maßregelung durch hr dieselbe Freiheit, e genießt— mit dem Galgen Prof. Schell in den Bischof Dr. von Dem Dekret, wo benen Büch liche Wahrh Katholizismus als Prinzip des Die neue Zeit und der alte Gl den Index der verbotenen setzen für Pflicht gehal ich mich mit horsam und a Die Wissenschaft und heißt es in der Ver Seite droht aber die Staat, auf der anderen die die Kirche. Das ist ungefä wie sie die Press Stumm zur Märzfeier. erorgan hat sich die freikon⸗ Als Scharfmach Frhrn. v. Stumm zu einer servative Post des Glanzleistung aufgeschwu Sie stellt nämli Debatte über die ver Einfriedigung d den 18. März Reckeschen S Es würden, meint das Bla für den 18. März zu cht der Erlaß über den W̃ beruhigend wirkte“. Drohung steht die Behörden gegenüber die Zügel s eit gegenüber dem fried⸗ s bisher veranstalteten ste natürlich erst recht aufre sen nicht an eiserne L Anlaß der Landtags⸗ ubnis für die Friedhofes für wendung des es in Aussicht. tt, lärmende Demon⸗ erwarten sein, affengebrauch Auf gleicher sagte Bauerla es Märzgefallenen⸗ drohend die An chieß er lass Stufe mit dieser der Post an die Kommunalverwaltung,„ möglich anzuziehen“. Diese Unverfrorenh lichen Verlauf Märzfeiern mü wirken, wenn unsere Genof Disziplin gewöhnt wären. Zweierlei Terrorismus. Der Handelsminister, Herr o straff als aller von un Brefeld, hat im ein dringender, langjähriger Wunsch der Berg⸗ arbeiter— die Heranziehung gewählter Vertreter der Arbeiter zur Teilnahme an der Berginspektion— nicht erfüllt werden soll. Herr Brefeld erkennt an, daß diese Einrichtung in England sich gut bewährt hat, und er ist nicht prinzipiell gegen sie. Aber während in England auch bei den Arbeitgebern der gute Wille vorhanden ist, die Einrichtung zweckent⸗ sprechend zu benutzen, sind die preußischen „Grubenbesitzer der Einrichtung abgeneigt, und sie würden jeden Arbeiter, der das Amt eines Delegierten übernimmt, kurzer Hand entfernen!“ Und darum nicht. In einem Sinne kann man sich über diese Erklärung freuen. Denn hier ist amtlich festgestellt, daß eine zum Schutze der Bergarbeiter notwendige Institution an dem Widerstande der betreffenden Unternehmer scheitert. Wenn— so schreibt die bürgerliche „Frankf. Ztg.“—: fortschrittlich gesinnte Blätter die Grubenbesitzer ihrer Haltung wegen tadelten, so schrieen ihre Organe:„Verhetzung!“ Nun hat Herr Brefeld selbst einen Beitrag zur Natur⸗ geschichte des Unternehmer⸗Torroris⸗ mus geliefert. Oder ift es etwa kein Terroris⸗ mus, wenn Arbeitgeber einfach nicht dulden, daß die Arbeiter in geeigneter Form über ihr Leben und ihre Gesundheit wachen? Hoffentlich schadet Herrn Brefeld seine Offenherzigkeit nicht. Sie ist amüsant und erfreulich, aber die Sache selbst steht schlimm. Die Kommission, welche im Aus⸗ land die einschlägigen Verhältnisse untersuchte, hat umsonst gearbeitet, das einzige Resultat ist eine Vermehrung der Regierungs⸗Bergbeamten, weil — die Grubenbesitzer es so wollen. Und— so meint das genannte Blatt weiter— da wundert man sich noch oder ist wohl gar entrüstet, wenn die Sozialdemokraten von„Klassenstaat“ sprechen! Dem Paasche⸗Kurs der bürgerlichen Parteien giebt die amtliche Ber⸗ liner Korrespondenz den obrigkeitlichen Segen. Das Ministerialorgan schreibt gerührt: „Die Debatte über den Militäretat, die sich wie alljährlich, zu einer Sozialistendebatte großen Stils auswuchs, bot dem nationalliberalen Redner Dr. Paasche Gelegenheit, zunächst seinen reli⸗ giösen Standpunkt gegenüber der zersetzen⸗ den sozialdemokratischen Kritik energisch hervor⸗ zukehren. War schon diese Thatsache an sich bedeutungsvoll und vielversprechend im Sinne eines Zusammenschlusses aller staats⸗ erhaltenden Parteien, so gewinnt die⸗ selbe ganz besonders an Gewicht dadurch, daß die später von einem Parteigenossen des national⸗ liberalen Redners im Namen der ganzen Frak⸗ tion bekräftigten Erklärungen des Abg. Dr. Paasche gerade bei Gelegenheit besonders scharfer Angriffe der Sozialdemokratie gegen die Armee erfolgten f Die Bedeutung der sich anbahnenden g e⸗ mein samen Frontstellung der bürger⸗ lichen Parteien gegenüber der Sozial⸗ demokratie, der diesmal auch von seiten des Freisinns keinerlei Unterstützung zu teil wurde, fand bei der Sozialdemokratie volle Würdigung, was aus den heftigen Gegenreden ihrer Vertreter hervorging, die sich bereits als Glieder einer Majoritätspartei zu fühlen gewohnt waren, plötzlich aber sich völlig isoliert sahen. Zunächst sind nur die Anfänge einer ge⸗ meinsamen Kampfstellung der bürgerliche Parteien gegen die Sozialdemokratie zu verzeichnen. In der immer schärfer sich gestaltenden, die Grund⸗ lagen des Staatswesens untergrabenden sozial⸗ demokratischen Propaganda ist aber die Not⸗ wendigkeit und zugleich die Wahrscheinlichkeit eines immer festeren Zusammenschlusses aller staatserhaltenden Elemente für die Zukunft ge⸗ geben.“ Hierzu bemerkt die S. Arb.⸗Ztg. kurz und gut: Wir freuen uns über die Thatsache des beginnenden Zusammenschlusses der bürgerlichen Parteien gegen die Sozialdemokratie nicht minder als das Amtsblatt. leber die Wirkungen schlagen, deren Ausgang jede Lust zum Staats⸗ preußischen Abgeordnetenhause erklärt, warum des neuen Kreuzzuges, in dem der Zuckerprofessor die Rolle des Peter von Amiens spielt, sind wir allerdings anderer Meinung. Als der Huldi⸗ lt⸗ en t, it 15 em en. um ion ner che ler en, sun ur⸗ N 8 tis⸗ daß ben adet Sie bt lus⸗ hat eine weil fo dert enn at“ Ber⸗ gen. sich oßen ner eli⸗ hen⸗ rvor⸗ si Zinne ats⸗ die⸗ daß 15 ral⸗ 595 hatfer Armee g gel zial en des 19 volle s als wohnt hen. iel 10 tei eb u uud fel a 40 liche 10 ft ge und 1 abgelehnt, u. a. Nr. 12. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 3. gungshymnus des geschnügelten und gebügelten Karnevalspredigers auf Weihwedel und Säbel in der schallenden Heiterkeit der Sozialdemo⸗ kratie verhallte, war uns das eine Vorbedeutung des Schicksals, das dem ganzen bürgerlichen Kreuzzuge bevorsteht. Endlich bestätigt. Der Berliner Bürgermeister Kirschner ist nun endlich— nach neunmonatlichem Warten— als Oberbürgermeister bestätigt worden. Der Berliner Magistrat wird aufatmen. Es bleibt abzuwarten, wie er sich nun in Sachen des Friedhofs der Märzgefallenen verhalten wird. Neuesten Meldungen zufolge bestätigt sich die„Bestätigung“ des unglücklichen Oberbürger⸗ meisters noch nicht. Also auch fernerhin schlaf⸗ lose Nächte! Eine proletarische Friedens⸗ demonstration. In London hat vorige Woche eine von vielen Tausenden besuchte Volksversammlung stattge⸗ funden, an der als Gäste Liebknecht, Jaur es und Vander velde als Vertreter der deutschen, französischen und belgischen Sozialdemokratie teilnahmen. Mit Jubel wurden die Gäste be⸗ grüßt, besonders Liebknecht, den der Engländer Hyndmann mit dem Namen„Marschall Vorwärts der Sozialdemokratie“ belegte. Die Versammlung verlief in großartiger Weise. In einer ein⸗ stimmig angenommenen Resolution wird gesagt, daß die Solidarität und Brüderlichkeit der Ar⸗ beiter aller zivilisierten Länder auf der Grund⸗ lage des internationalen Sozialismus einzig und allein zur Hoffnung auf dauernden Frieden der Völker untereinander berechtigen. Gottesdienst und Staatsdienst. Dem„Hessen⸗Nassauischen Volksboten“ geht über die Besetzungsfrage der Pfarrstelle im Paulssprengel folgende Mitteilung zu:„Die Besetzung der durch das Ausscheiden des Pfarrers Dr. Rade erledigten Pfarrei an St. Paul hat einen Zwiespalt zwischen der Kirchenbehörde und dem lutherischen Gemeindevorstand verursacht. Der Gemeindevorstand hatte Pfarrer Pellmann⸗ Kevenhain, der viel im Frankfurter evangelischen Arbeiterverein gewirkt hat, für die Wahl eben⸗ falls präsentiert, obwohl ursprünglich nur die Frankfurter Bewerber von der letzten Wahl be⸗ rücksichtigt werden sollten. Das Konsistorium hat aber die Zulassung des Pfarrers Pellmann außer anderen dienstlichen Gründen in Hinweis darauf, daß er als Kandidat im Frankfurter evangelischen Arbeiterverein einen Vortrag über Lassalle gehalten hat, über den der Kultusminister bei dem Konsistorium Erkundigungen eingezogen hat. Wie verlautet, besteht beim Gemeindevorstand die Absicht, die Stelle neu auszuschreiben.“— Das Vorkomm⸗ nis zeigt wieder einmal recht drastisch, wie es in unserem Polizeistaat um die Freiheit des Denkens und Handelns bestellt ist. Ein Geistlicher, der von den Wünschen der staatlichen Machthaber im mindesten nur abweicht, darf auch nicht Gottesdienst halten. Ausländisches. Frankreich. Das Pariser Schwur⸗ gericht sprach Urbain Gohier, den Verfasser des Buches„Die Armee gegen die Nation“ und den Herausgeber Natanson frei. Gohier hatte die denkbar schärfsten Angriffe auf die Armee ver⸗ öffentlicht. Die radikalen Blätter beglückwünschen die Geschworenen zu ihrem Wahrspruch. Die „Aurore“ schreibt: Die Geschworenen haben gezeigt, daß sie die Gedankenfreiheit hochachten, wenn auch das Ministerium Dupuy der Rechten und den Nationalisten gehorcht. Auf Wunsch des neuen Präsidenten Loubet beschloß der Ministerrat, sämtlichen nach der Wahl des Präsidenten wegen feindlicher Mani⸗ festationen auf der Straße Verfolgten die Strafe zu erlassen. Aus dem Reichstag. Am Donnerstag beschäftigte sich der Reichstag mit der sogenannten Lex Heinze, jenem Gesetz, durch das die Sittlichkeit in deut⸗ schen Landen„gehoben“ werden soll. Recht beachtenswert waren einige Aeußerungen des nationalliberalen Abg. Endemann, der die Prostitution als ein notwendiges Uebel bezeichnete und dann seinen plötzlich so fromm gewordenen Parteigenossen Paasche ziemlich derb abschüttelte. Der Nationalliberale Ende⸗ mann ist der Ansicht, daß man auch ein sehr sittlicher Mensch sein kann, ohne gerade religibs im Sinne des Abg. Paasche zu sein. Eine treffliche Rede hielt Genosse Bebel über die sittlichen Zustände und deren Behandlung in Deutschland. Er führte u. a aus: Der Abg. Endemann habe gesagt, die Pro⸗ stitution sei ein notwendiges Uebel. Jedenfalls werde aber der vorliegende Gesetzentwurf ihre Ausbreitung nicht verhüten. Ein großer Teil der Frauen ergebe sich der Prostitution nur aus materieller Not. Die Zustände in der Kon⸗ fektionsindustrie, die pekuniäre Lage der Kellner⸗ innen, Chanteusen, Schauspielerinnen, seien jäm⸗ merlich. Es sei höchste Zeit, daß der Reichstag gerade was die Thätigkeit der weiblichen Arbeiter anbelange, einschneidende Reformen vornehme. Dahin gehöre der Normalarbeitstag, das Verbot der Nachtarbeit, Schutz gegen niedrige Löhne und Gewährung des Koalitionsrechts der weib⸗ lichen Arbeiter. Sobald wir aber mit solchen Vorschlägen kommen, begegnen wir dem lebhaf⸗ testen Widerspruch der Rechten. Es sei anzu⸗ erkennen, daß die jetzige einige Verbesserungen gegen die frühere Vorlage enthalte. Die Macht⸗ befugnisse der Polizei dürften nicht erweitert werden. Wenn es der Polizei überlassen bleibe, „anstößige“ Schriften, Bilder u. s. w. zu unter⸗ drücken, dann könne man noch Wunder erleben. Der Berliner Polizeipräsident habe z. B. folgen⸗ des Gedicht, das bei einem Feste der Berliner Arbeiterbildungsschule vorgetragen werden sollte und dessen letzte Strophe lautete: Als ich Dir einst mein heilig Jawort gab, Da wußt ich wohl, was ich Dir zugeschworen, Und halten will ich's Dir bis übers Grab, Dir und den Kindern, die ich Dir geboren. Ich will sie wärmen mit dem eig'nen Leib Und nähren sie mit meinem letzten Bissen. Doch rein sei meine Ehre als Dein Weib Und rein mein proletarisches Gewissen. g im höchsten Grade bedenklich gefunden.(Hört, hört! links. Große Heiterkeit.) Wollte aber die Polizei bei allen„anstößigen“ Schauftellungen auf den Straßen, in den Theatern u. s. w. so streng vorgehen, wie es eigentlich das Gesetz vorschreibt, dann müßten in Berlin allein zehn neue Zuchthäuser und Gefängnisse gebaut werden.(Sehr richtig! links.) Sie sprechen immer nur vom„Volke“. Dem Volke muß die Religion erhalten werden! Dem Volke muß die Sittlichkeit erhalten werden! Was die droben machen, darum küm⸗ mert sich kein Polizeikommissar und kein Staatsanwalt, und wenn es im schreiendsten Gegensatz mit der Sittlichkeit steht.(Sehr richtig! links.) In Bezug auf die Gewaltthaten gegen Kinder bin ich darin mit Herrn v. Stumm einverstanden, daß dies das scheußlichste Verbrechen ist, was es giebt. Aber von wem werden sie denn hauptsächlich begangen? Von alten Roués, von Lebemännern aus den vornehmsten Klassen. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Soll ich Sie erinnern an die schweren Anklagen, die gegen den König eines Nachbarstaates erhoben wurden, der dieses Verbrechen sich systematisch zu schulden kommen ließ und noch zu schulden kommen läßt? Wenn man alle Genüsse bis auf die Hefe durchgekostet hat, denn vergreift man sich an unglücklichen Kindern. Die Unzucht an Kindern ist nach unserem Straf⸗ gesetzbuch ohne weiteres strafbar. Aber hier in Berlin weiß die Polizei, daß viele Kinder unter 14 Jahren systematisch zur Un⸗ zucht verwandt werden; sie kennt die Kinder und hat doch nicht die Möglichkeit, die Scheusale, die diese Kinder verwenden, dingfest und haftbar zu machen.(Hört, hört! links.) Die Maximal⸗ strafen, die gegen Sittlichkeitsverbrechen angedroht werden, werden selten angewandt; sehr häufig aber tritt hier die Begnadigung ein, be⸗ sonders wenn die Betreffenden den höheren Gesellschaftsklassen angehören.(Sehr wahr! links.) Kommerzienrat Folk in Nürnberg war wegen an verschiedenen Kindern begangenen Sittlichkeitsverbrechen zu 1/ Jahr Gefängnis verurteilt worden; er wurde vom Prinzregenten begnadigt, nachdem er noch nicht die Hälfte seiner Strafe verbüßt hatte.(Hört, hört! bei den Sozialdemokr.) Präs. Graf Ballestrem (unterbrechend): Ich bitte, die Begnadigungsrechte der deutschen Fürsten nicht zu kritisieren.(Oho! Murren links.) Gen. Bebel(fortfahrend): Aehnlich erging es einem Amtsrichter Kollmann in Mitt⸗ weida und einem höheren Offizier. Beiden wurde die Strafe auf dem Gnadenwege erleichtert, sowie auch ein Teil der Strafe geschenkt.(Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Vielleicht bietet Herr von Stumm seinen Einfluß dahin auf, daß künftig derartige Begnadigungen, die die öffent⸗ liche Moral verletzen(Große Unruhe rechts), nicht mehr vorkommen. Am Freitag, Samstag und Montag wurde der Kolonial⸗Etat beraten und die geforderten Summen bewilligt. Selbstverständlich stimmten unsere Genossen gegen den Etat. * Um die Militärvorlage. Am Dienstag fand die zweite Lesung der Militärvorlage statt. Zu allgemeiner Ueber⸗ raschung wurde die Vorlage sowohl in der von der Regierung vorgelegten wie auch in der von Budgetkommission abgeänderten Fassung a b⸗ gelehnt. Für die Regierungsvorlage sprachen der Kriegsminister, die National⸗ liberalen Bassermann und Sattler, sowie der Konservative von Levetzow, der Reichsparteiler v. Kardorff und der Antisemit Liebermann v. Sonnenberg. Der frei⸗ sinnige Vereinigungsmann Freese erklärt für die weibliche Linie des Freisinns, daß diese ihre Stellungnahme erst in der dritten Lesung end⸗ gültig bekunden würden. Der National⸗ liberale Sattler machte die für einen Volks⸗ vertreter geradezu klägliche Bemerkung, daß technisch⸗militärische Fragen nur von der Kriegs⸗ verwaltung entschieden werden könnten! Die Abg. Richter und Hausmann(demokr. Volksp.) sprachen gegen die Vorlage, ebenso unser Genosse Bebel, der für die dritte Lesung eine gründliche Abrechnung ankündigte. Der Reichskanzler trat den Hausmannschen Aus⸗ führungen entgegen, insoweit sich diese auf eine „maßgebende Stelle“ bezogen. Die maßgebende Stelle steuere durchaus nicht auf einen Konflikt mit dem Reichstag hin.„Die maßgebende Stelle ist stets von der Sorge für die Sicherheit des Reiches geleitet und ist ihrer Verantwortung vollauf bewußt.“(Bravo rechts.) Abg. Lieber (Zentrum) eiertanzte in bekannter Weise. An⸗ geblich will das Zentrum, bei dem die Ent⸗ scheidung liegt, standhaft bleiben und„nur“ die Vorlage nach den Kommissionsbeschlüssen be⸗ willigen.„Bei einem späteren Anlasse“ würde sich vielleicht auch das Zentrum von der Not⸗ wendigkeit der Einstellung weiterer 7000 Sol⸗ daten überzeugen. Die Abstimmung über die Forderung der Regierungsvorlage ist auf Antrag des Abg. v. Bismarck⸗Bohlen eine namentliche. Die Präsenzziffer von 502 506 wird mit 209 Stimmen gegen 141 Stimmen abge- lehnt. Dafür stimmen die Konser⸗ vativen, die Reichspartei, die Natio⸗ nalliberalen mit Ausnahme des Hospitanten Schwartz München, die freisinnige Ver⸗ einigung mit Ausnahme der Abgg. Dr. Hänel und Riff, die Antisemiten(die„Volks“⸗ männer!), sowie die Abgg. Ahlwardt, Fürst Bismarck, Smalakys und andere konservative Wilde. Auch die Präsenzziffer, wie sie nach den Beschlüssen der Kommission fest⸗ gestellt worden ist, wird gegen die Stimmen des Zentrums und einiger Mitglieder der freisinnigen Vereinigung abgelehnt. Die dritte Lesung findet am Donnerstag statt.(Siehe darüber unter„Letzte Nachrichten“) —— ö Seite 4. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 12. Bessiseher Landtag. „Die zweite hessische Kammer ist diese Woche zusammengetreten. Es sind über 100, jedoch meist„kleinere“ Sachen zu erledigen. Der An⸗ trag unserer Genossen, den Arbeitern— der Abg. Köhler nannte dieselben„großstädtische Schlammbeißer“—, die auf dem Wege zur und von der Arbeit eine Brücke passieren müssen, das Brückengeld zu erlassen, wurde abgelehnt. Zugestimmt wurde jedoch dem Verlangen, daß die ein Fahrrad benutzenden Arbeiter nur das Per sonenbrückengeld zu zahlen haben und nicht auch noch besonders für das Rad zahlen müssen. Die bezüglichen Anträge hatte Genosse Haas⸗Mainz begründet. Gen. Dr. David trat energisch für eine Besserstellung der staatlich angestellten Schreibgehilfen bei den Gerichten ein. Die Steuerpläne sollen erst nach Ostern zur Beratung kommen. In einer kleinen Skizze, die dem Marburger nationalsozialen Blatt aus dem hessischen Land⸗ tage zugeht, heißt es u. a. . Im ganzen finden sich am Regie— rungstisch und in dem Hause wenig temperament⸗ volle Naturen. Dort ist es noch am ersten der Ministerialrat Braun, der mit großer Sachkenntnis Liebenswürdigkeit und Redegabe verbindet. Seine Art z. B. den Sozialdemokraten gegenüber sticht sehr ab von der des Justizministers. Als diesem heute in sehr warmer Weise der Sozialdemokrat David seine Anerkennung für die Besserstellung der Schreibgehilfen aussprach, fand er vom Minister sehr kalte Worte. Ueberhaupt die Sozial⸗ demokraten! Hier müssen sie praktisch wit⸗ arbeiten und sie thun es gie und umsichtig, ganz abgesehen davon, daß sie ie besten Redner haben.... Das Auftreten des christlich-sozialen Weidner ist überaus einnehmend. Wie wohl⸗ thuend sticht er ab von seinen„Freunden“, den Antisemiten. Köhler wird gar nicht mehr ernst genommen in seinem„partikularistischen Bauerntum“. Er macht Oberhessen keine Ehre.“ Man vergesse nicht, daß das Marburger Blatt, welches die sen Bericht enthält, redigiert wird von einem ehemaligen Parteigenossen Köhlers! Von Nah und Fern. Witteilungen aus unserem Leserkreise find jederzeit willkommen Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich streugste Gewissenhaftigke lt dei Uebermittelung von Nachrichten.— Wir bitten, alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben. Zum 18. März. * Zu Ehren der Märzgefallenen von 1848 veranstaltet die sozialdemokratische Partei am Samstag Abend im Orbig'schen Lokale eine Ge⸗ dächtnisfeier. Der Festrede des Genossen Scheidemann schließen sich gemeinsame Gesänge, Deklamationen einzelner Genossen, sowie Gesangs⸗ vorträge des Vereins„Eintracht“ an. Zahl⸗ reichem Erscheinen der Genossen und Genossinnen darf wohl entgegengesehen werden. Gewerbegerichtliches. 1 In der Stadtverordnetensitzung vom 9. März d. J. beschwerte sich Gen. Krumm darüber, daß der Beig. Wolff als Vorsitzender des Gewerbegerichts den Redakteur Scheidemann nicht mehr als Arbeitervertreter zulassen wolle. Darauf hat der Beig. Wolff erklärt: „Scheidemann sei als Vertreter nicht zurück⸗ gewiesen, sondern nur auf eine Entscheidung des Karlsruher Gewerbegerichts in gleichem Betreff aufmerksam gemacht worden.“ Herr Beig. Wolff scheint jenen Vorgang nicht mehr genau im Gedächtnis behalten zu haben. Wir wollen deshalb die von uns am 21. August 1898 veröffentlichte Notiz noch ein⸗ mal abdrucken. Wir schrieben nach jener Sitzung: Vom Gießener Gewerbegericht. Als unser Genosse Scheidemann dieser Tage vor dem Gewerbegericht einen minderjährigen Arbeiter vertrat, kündigte der Vorsitzende des Ge⸗ richts, Beigeordneter Wolff, an, daß Scheidemann in Zukunft nicht mehr als Vertreter vor dem Gericht zugelassen würde. Auf die Frage nach den Gründen dieser Ankündigung erwiderte Herr Wolff, daß in der Vertretung der Arbeiter durch Scheidemann eine gewisse Gewerbsmüßigkeit zu erblicken sei. Eine Auseinandersetzung mit dem Gewerbegerichtsvorsitzenden war natürlich an Gerichts— stelle nicht angängin g. 0 Hätten diese nach unsern in jener Gewerbe⸗ gerichtssitzung gemachten Aufzeichnungen nicht bis aufs kleinste der Wahrheit entsprochen, so wäre wohl aus dem Bürgermeistereigebäude, wo die„M. S.⸗Ztg.“ sehr genau gelesen wird, eine Berich⸗ tigung gekommen. Scheidemann hätte damals selbstverständlich den Beschwerdeweg beschritten, wenn er nicht zu jener Zeit durch Arbeitsüber⸗ häufung und daraus resultierender Krankheit verhindert gewesen wäre. „ Gießener Lesehalle⸗Verein. Wir erhielten am 10. März einen ausführlichen Bericht über die Generalversammlung des Lese⸗ halle⸗Vereins, dem wir— bis auf einige Kürzungen, zu denen uns Raummangel zwingt— hier folgen lassen: Der vom Vorsitzenden, Herrn Prof. Dr. Frank, erstattete Geschäftsbericht zeigte einerseits, was mit verhältnismäßig geringen Mitteln erreicht wurde, und andererseits, wie viel noch zu thun bleibt. Die etwa 1700 Bände, die die Bibliothek bei der Eröffnung am 21. Juli 1898 zählte, waren durch Schenkungen zu⸗ sammengekommen. Die beiläufig 50 aufliegenden Zeitungen werden teils unentgeltlich, teils zu ermäßig⸗ tem Preise, teils ohne Preisermäßigung geliefert. Der Bücherbestand hat sich dann durch Ankauf langsam vermehrt. Bedeutende Ankäufe konnten wegen der großen sachlichen Ausgaben nicht gemacht werden. Eine besondere Förderung erfuhr der Verein durch die Spenden von je 200 Mark aus der Wilson⸗Stiftung und aus den Ueberschüssen der Sparkasse, wofür den betreffenden Behörden auch an dieser Stelle herzlichster Dank ausgesprochen sei. In diesen Dank schließen wir ein alle übrigen Geber, deren Namen hier auf⸗ zuführen wir uns leider versagen müssen.— Die Rechnung ergab einen Fehlbetrag, der sich durch noch nicht getilgte Forderungen auf über 250 Mark erhöht. Dem Rechner wurde Entlastung erteilt. Sodann wurde der seitherige Vorstand einstimmig wiedergewählt. Ferner beschloß die Versammlung, die Lesehalle in den Monaten März und April versuchsweise bis 10 Uhr (statt 9 Uhr) abends zu öffnen. Diese Einrichtung soll eine dauernde werden, sobald der Besuch des Leseraumes nach 9 Uhr abends ihre Notwendigkeit ergiebt. Schließlich trat die Versammlung in die Be⸗ sprechung eines vom Vorstande eingebrachten Antrages ein, dessen besondere Wichtigkeit in die Augen fällt Aus den angeführten Ergebnissen der Rechnung im Vergleich mit der den Lesern bereits aus früheren Mitteilungen bekannten Benutzungsstatistik geht un⸗ widerleglich hervor, daß die verfügbaren Mittel zu den stets wachsenden Anforderungen, die das vor⸗ handene Lesebedürfnis an die Anstalt stellt, in gar keinem Verhältnis stehen. Es erscheint daher die Erhöhung der Einnahmen des Vereins aufs dringenste geboten. Das ist aber nur möglich, wenn die Mitglieder zur freiwilligen Erhöhung ihrer Beiträge und zur Leistung eines einmaligen außer⸗ ordentlichen Beitrages sich bereit finden und wenn neue Mitglieder gewonnen werden. Es giebt in unserer Stadt eine große Anzahl gutsituierter Mitbürger, die noch nicht Mitglieder des Vereins sind und für die ein dauernder oder einmaliger namhafter Beitrag zur Förderung der Vereinsbestrebungen eine Kleinigkeit wäre. Unsere Anstalt dient keinen Sonderinteressen, keiner einzelnen Partei, keiner einzelnen Gesellschafts⸗ klasse; für al le ist sie da und für alle ist sie, wie der Erfolg lehrt, segensreich. Das sollte doch nicht verkannt und die Lesehalle nicht mit jedem anderen beliebigen Verein durch die Redensart:„ja, ich bin bei so vielen Vereinen“ auf eine Stufe gestellt werden. Diesen Erwägungen konnte sich die Versammlung nicht verschließen und beschloß daher, von neuem an den Gemeinsinn unserer Mitbürger in oben genannter Weise heranzutreten. Hoffen wir, daß der Erfolg der aufgewendeten Mühe entsprechen möge. Sand in die Augen. * Unter dieser Spitzmarke schreibt der rühmlichst bekannte Abgeordnete Köhler in seinem Blatt: „Der rote Philipp zu Gießen schreibt in der Mitteldeutschen Schabbes-Ztg. in auffallendem Druck, was folgt: e — Die Sozialdemokratie verlangt Rechtssprechung durch vom Dolke gewählte Bichter. So also schreibt der rote Philipp seinen gutgläubigen Seelen. Aber, wie sieht es in Wirklichkeit mit dieser sozzischen Theorie aus? Die hier unten folgende Rede des Abg. Köhler vom 17. Dez. 1898 bei Be⸗ ratung über den Gesetzentwurf, das Notariat betr. dürfte darüber Manchem doch einige Klarheit ver— schaffen.“ Es folgt dann die famose Rede des Herrn Köhler, die wiederholt die größte Heiterkeit im Landtag her⸗ vorrief. Herr Köhler scheint gar nicht zu merken, welches Armutszeugnis er sich durch obige Sätze aus— stellt. Für ihn scheint es ein und dasselbe zu sein, ob eine strafbare Handlung ermittelt und ab⸗ geurteilt werden soll auf Grund der im Volke lebenden Rechtsanschauungen, ob also Recht e gesprochen werden soll von Laien, oder ob ein Immobilienverkauf unter Berücksichtigung aller mög⸗ lichen noch zu Recht bestehenden juristischen. Spitzfindigkeiten so abzuschließen ist, daß weder Käufer noch Verkäufer geschädigt werden. Jeder Mensch wird wissen, daß zwischen Rechts sp rechung und freiwilliger Gerichtsbarkeit ein großer Unterschied besteht Der Gesetzgeber Köhler natürlich braucht so etwas nicht zu begreifen. Daß wir mit dem besteh enden Zivilrecht ebensowenig einver⸗ standen sind, wie mit dem Strafrecht, ist bekannt. Aber unsere Unzufriedenheit mit noch zu Recht bestehenden Gesetzen ermöglicht es uns doch leider noch nicht, unsere Anschauungen über Recht und Rechtssprechung zu verwirklichen. Nur eines hat der Abg. Köhler aufs Neue bewiesen, nämlich daß that⸗ sächlich die Gefahr bestanden hat und auch noch in gewissem Maße weiter besteht, daß durch beschränkte Ortsgerichtsmänner zum Schaden derjenigen, die sich ihnen anvertrauen mußten und noch müssen, viel Dummheiten gemacht werden können. Aus dem Kreis Alsfeld. W. Schwer beleidigt fühlte sich der Als⸗ felder Gemeinderat. Die Beleidigung sollte ent⸗ halten sein in dem harmlosen Aufruf zu Gunsten eines Kandidaten bei der letzten Beigeordneten⸗ wahl. Der Aufruf war in den beiden Alsfelder Blättern erschienen und es hieß darin u. A.:„Die seitherigen Alten haben bei der Wasserleitung, deren Einschätzung und vielen anderen Dingen gezeigt, weß Geistes Kinder sie sind; sie haben ihre Schuldigkeit gethan und können gehen.“ Die sich darob verletzt fühlenden Herren vom Stadtvorstand strengten deshalb eine Beleidi⸗ gungsklage gegen den Verfasser des Artikels, Hartmann Kemmer V., sowie gegen die Heraus⸗ geber der beiden hiesigen Blätter an. Die Straf⸗ kammer zu Gießen sprach sämtliche Angeklagte frei. Die Kosten wurden der Staatskasse auf⸗ erlegt. — In Angenrod ist in der Nacht vom Freitag zum Samstag voriger Woche die Hof⸗ raithe des Gastwirts Stumpf teilweise nieder⸗ gebrannt. Das Wohnhaus konnte gerettet werden. Ein Mutterschwein mit acht Ferkeln kam in den Flammen um. Erft vor einigen Wochen ist die Hofraithe des Schwiegervaters des Abgebrannten in Leusel teilweise dem Feuer zum Opfer gefallen. Unnatürliche Mutter. Wegen Kindesmord wurde in voriger Woche vom Schwurgericht zu Gießen die Witwe Sänger aus Kleinkarben zu 7 Jahren Zuchthaus ver⸗ urteilt. Sie hat in der Nacht vom 1. auf den 2. Juni 1898 Zwillinge geboren. Das eine Kind fand man förmlich gargekocht in einem Topf im Ofen, das andere in einer Schüssel in der Kammer, mit verbrühten Armen und Beinen. Das letztere ist nach Angabe der Angeklagten tot zur Welt gekommen. Die Angeklagte hat schon früher eine 2½ jährige Gefängnisstrafe wegen Kindesmord verbüßt. Die auf Mord lautende Schuldfrage wurde von den Geschworenen verneint, sonst hätte auf Todesstrafe erkannt werden müssen. Kleine Mitteilungen. Ludwig Bamberger, der bekannte Schrift⸗ steller und Parlamentarier, ist am Dienstag im Alter von 76 Jahren gestorben Er war in Mainz geboren, studierte Rechtswissenschaft in Gießen, Göttingen und Heidelberg und nahm an der Bewegung von 1848 lebhaften Anteil. Er wurde zum Tode verurteilt, entkam aber in's Ausland und kehrte erst 1866 nach der allge⸗ meinen Amnestie zurück. Er vertrat im Reichs⸗ tag den Wahlkreis Alzey⸗Bingen und gehörte der nationalliberalen Partei an. Später machte er die Sezession mit, um schließlich in der frei⸗ sinnigen Vereinigung zu landen. Bamberger war jedenfalls einer der tüchtigsten Liberalen und erhob sich turmhoch über die Paasche, Oriala u. s. w. Kommunales aus Gießen. k. In der Sta dtverordnetensitzung vom 9. März wurde der Voranschlag für 1899/1900 beraten. Unser Genosse Krumm führte in der Generaldebatte ungefähr folgendes aus: Ich habe Beschwerde zu führen über den Herrn Beigeordneten Wolff. werbe gericht hat er den Redakteur Scheidemann für die Folge als Arbeitervertreter abgelehnt, da Sch. Das letztere die Vertretung gewerbsmäßig betreibe. Beim Ge⸗ 7 5 1 g. E. E U. he zur bert 15 0 11 ei Jerbeugll an Vet 7 72 5 ung nicht N deutel. Fühl! it Vermah babe nit Strafen, anwenden o en antliche gaben für 8 Zeitungen,, U halt ich ec milichen Be. unserem Ge beiterscaft t. Die Atbeitsz bause sind werden.— Nach Schluß reform we — Die' Sch in lebhaftere als wir zu machen müf entgeltlit schulen be keiten entge für die für die„hö des Gesund sanitären Vild, da dit den Todesf werden.— Nordende de wild. Soll geplante. theuern, geeignete S. schädigt wer Diese Ar Weil Geno genossen sp Zensor dar, gegen die daß man rumm ert Arbeiter als sie nich heit in N duch 8 He sehenden Vutreter gegen die e Ps. Di ede gege u widerle zussen nu Diese dürf mie sonst lber die E desbeziglt W Kgenart meister i den höher sciedenart mtauf hi e. . ein mög. er e 18 un wusch urlich r mit inber⸗ fannt. Recht leider t und at der chat⸗ och in känkte ie sich viel Als⸗ ent⸗ insten leten⸗ felder „Die tung, ingen dz sie hen.“ vom leidi⸗ tikels, raug⸗ straf- klagte auf⸗ boom Hof⸗ leder⸗ erden. in den ist die innten fallen. Voche ünger ver⸗ if den eine einem sel in einen. lagten te hat gtrafe Mord orenen kannt crit tag im var in aft in 1 Anteil. er ins — — n Nr. 12. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 5. ist unwahr. Sch. hat in einigen Jahren 4 bis 5 Mal] hat. Bereits im vorigen Jahre wurde auf Grund Arbeiter vertreten, da kann doch von Gewerbsmäßigkeit mehrerer Artikel in der M. S. ⸗Z. ein kleiner Anlauf. ee 2 keine Rede sein. Die Ablehnung sollte auch wohl mehr eine Verbeugung gegen die Herren Unternehmer be⸗ deuten.— Die Unregelmäßigkeiten bei der Führung der Ortskrankenkasse habe Herrn Wolff nicht zum Einschreiten veranlaßt, als jedoch eine Beschwerde gegen den Kontrolleur, welcher allerdings meiner Partei angehört, vorgebracht wurde, da wurden nicht, wie bei den erwähnten Unregel—⸗ mäßigkeiten des Vorsitzenden und Kassierers, die Be⸗ schwerdeführer an den Vorstand verwiesen, sondern Herr Wolff nahm in diesem Falle die Beschwerde selbst zu Protokoll. Diese verschiedene Behandlung muß ich tadeln.— Für die Polizei bewillige ich nicht eher Geld, bis sie den Grundsatz„Gleiches Recht für Alle“ in Anwendung bringt. Allen Ver⸗ einen ꝛc. sind Umzüge durch die Stadt erlaubt, nur den Gewerkschaften der Arbeiter werde dieses nicht gestattet. Man komme in unseren Kreisen allmählich zu der Ansicht, daß, um ebenbürtig behandelt zu werden, die Arbeiter sich auch im Laternenzertrüm⸗ mern und Fenstereinschlagen üben müssen.— Auch die vielen Polizeistrafen sind unerfreulich, mit Vermahnungen in Bagatellsachen, die meistens unbeabsichtigt geschähen, erreiche man so viel, wie auch mit Strafen, welche man nur Böswilligen gegenüber anwenden solle.— Ferner solle sich die Stadt selbst ein amtliches Preßorgan anschaffen. Die Aus⸗ gaben für die jetzigen, zu Publikationen benutzten Zeitungen, sind für die Arbeiter zu hoch, und nebenbei halte ich es auch für unmoralisch, uns, um die amtlichen Bekanntmachungen zu lesen, zu zwingen, mit unserem Gelde Zeitungen zu unterstützen, die die Ar⸗ beiterschaft tagtäglich beschimpfen und beleidigen.— Die Arbeitszeiten einzelner Beamten im Schlacht⸗ hause sind zu lang, hier muß Abhilfe geschaffen werden.— Wir sind ferner Gegner des Oktrois. Nach Schluß der geplanten Kommunalsteuer⸗ reform werden wir diesbezügliche Anträge stellen. — Die Schuldentilgung 6. Zeit 1, 2 Proz.) müßte in lebhafterem Tempo vorgenommen werden, umsomehr, als wir zur Kanalisation ꝛc. neue Anleihen machen müssen.— Zum nächsten Etat werde ich Un⸗ entgeltlichkeit der Lehrmittel in den Volks⸗ schulen beantragen, welchem Antrag keine Schwierig⸗ keiten entgegenstehen dürften, da die Auf wen dungen für die Volksschüler doch geringer sind, wie für die„höheren“ Schüler.— Die Veröffentlichungen des Gesundheitsamtes in Darmstadt geben von den sanitären Verhältnissen der Stadt ein falsches Bild, da die in der Klinik Verstorbenen unter den Todesfällen nicht besonders kenntlich gemacht werden.— Es wird mir mitgeteilt, daß Gelände im Nordende der Stadt in auffallender Weise angekauft wird. Sollte es sich darum handeln, uns für den geplanten Nordbahnhof den Boden zu ver⸗ theuern, so bitte ich den Herrn Oberbürgermeister, geeignete Schritte zu thun, damit die Stadt nicht ge⸗ schädigt werde. Diese Ausführungen zeitigen eine lebhafte Diskussion. Weil Genosse Krumm wiederholt namens seiner Partei⸗ genossen sprach, glaubte Herr Schmall als freiwilliger Zensor darauf aufmerksam machen zu müssen, daß dies gegen die Städteordnung verstoße, welche verlange, daß man alle Bewohner vertreten müsse. Genosse Krumm erwiderte, daß er allerdings in erster Linie Arbeiterinteressen verträte, jedoch nur insoweit, als sie nicht mit den Interessen der Gesamt⸗ heit in Widerspruch stehen. Vertreten hier nicht auch 28 Herren die Interessen der ihnen nahe⸗ stehenden Kreise und Bezirksvereine? Diese Vertreter müßten also in erster Linie wegen Verstoß gegen die Städteordnung gerügt werden. ps. Der Oberbürgermeister wendet sich in längerer Rede gegen Krumm und sucht dessen Einwendungen zu widerlegen. Einverstanden ist er mit unserm Ge⸗ nossen nur in dem Punkt bezüglich der Polizei. Diese dürfe die Gewerkschaften nicht anders behandeln, wie sonstige Vereine. Die Ausführungen Krumms über die Schulen teilt er nicht. Ein Eingehen auf die diesbezüglichen Darlegungen unseres Genossen würde zu eigenartigen Konsequenzen führen. Der Oberbürger⸗ meister wies— dem G. A. zufolge—„auf die an den höheren Schulen offenen Freistellen, die Ver⸗ schiedenartigkeit in der Höhe des Schulgeldes und darauf hin, daß z. B. der städtische Zuschuß in der höheren Töchterschule 52 Mk., in der erweiterten 84 Mk. pro Kind betrage; ähnlich sei das Verhältnis zwischen Realschule und Realgymnasium.“— Stadtv. Dr. Gutfleisch erklärt, die Tendenz nach unentgelt⸗ lichen Lehrmitteln habe vom allgemein menschlichen Standpunkt viel für sich,„andererseits gehe man zu weit, wenn man denen, die unentgeltliche Lehrmittel nicht nötig haben, eine Wohlthat aufdringt.“ (O, wie werden sich die Eltern der Volksschüler zent⸗ rüsten“, wenn man ihren Kindern die Schulbücher gratis„aufdrängt“! Doch könnte man dieser Entrüstung ja aus dem Wege gehen, wenn man dem Mainzer Beispiel folgte. Dort werden die Lehrmittel nur denen gratis geliefert, die darauf Anspruch erheben. Irgend welcher Nachweis der Bedürftigkeit wird dabei nicht verlangt. Red. d. M. S.⸗Ztg.) Herr Beigeord. Wolff rechtfertigt sein Verhalten dem Redakteur Scheidemann gegenüber.(Siehe darüber die Notiz „Gewerbegerichtlich es“), Außerdem sprachen noch die Stadtverordneten Prof. Gaffky, Löber, Schmall, Hanau, Grünewald und unser Genosse Orbig. Es ist unseres Wissens das erstemal gewesen, daß (siehe unter Pol. Rundschau und Reichstag) sind gemacht und waren es damals besonders unser Genosse Orbig, der die Oktroifrage anschnitt, und Stadtv. Löber, der auf die Artikel der M. S.⸗Z. einging und denselben teilweise zustimmte. In diesem Jahre war es unser neu gewählter Genosse Krumm, der die Diskussion in Fluß brachte. Der Verlauf der Sitzung bewies auf das deutlichste, daß es dringend erforderlich ist, noch mehr Sozialdemokraten in die Stadt⸗ verordnetenversammlung zu bringen. Und wenn die seither von engherzigen Spieß bürgern, die für ihren Geldbeutel zittern, wenn von einem Sozialdemokraten die Rede ist, eingeschüchterte Wählerschaft erst dahinter gekommen sein wird, in welcher Weise sozialdemokratische Stadtverordnete ar⸗ beiten im Interesse der kleinen Leute, dann werden bei den nächsten Stadtverordnetenwahlen im Jahre 1901 noch mehr„Umstürzler“ ihren Einzug im Bürger⸗ meistereigebäude halten. Partei⸗ Nachrichten. Eduard Bernsteins Broschüre:„Die Voraus⸗ setzungen des Sozialismus und die Aufgaben der Sozialdemokratie“ ist soeben im Verlage von J. H. W. Dietz Nachf. erschienen. Sie behandelt in vier Kapiteln: Die gundlegenden Sätze des Marxschen Sozialismus, Marxismus und Hegelsche Dialektik, Die wirtschaftliche Entwickelung der modernen Gesellschaft, Aufgaben und Möglichkeiten der Sozialdemokratie. Ein Kapitel über Endziel und Bewegung macht den Schluß. Wir werden auf das Werk zurückkommen. Briefkasten der Redaktion. Marburg. Die Festrede wird Stadtv. Krumm am 18. März dort halten. R. R. K. muß für Kost und Logis aufkommen, weigert er sich dessen, so soll der Gehilfe das Kranken⸗ geld für sich erheben. Wir halten das ganze Ab⸗ kommen für ungesetzlich. Jedenfalls erscheint das Verhalten des betr. Photographen in recht sonderbarem Lichte. Das Abkommen ist wohl in der Dunkelkammer getroffen worden? W.⸗Alsf. Ins. kostet 80 Pfg. Für die Dresdener Zuchthaus opfer gingen Marburg durch Euler 35.80 Mark. Bisher quittiert 132.87 Mk., zusammen also 168.67 Mk. Wir schließen nunmehr die Sammlung und senden den obigen Betrag nach Berlin. Weitere Beträge bitten wir direkt an A. Gerisch, Berlin SW., Katz⸗ bachstraße 9, zu senden. FCetzte Nachrichten. Der Papfst ist kränker geworden. Sein Ableben dürfte in Kürze bevorstehen. Aus dem Reichstag. Donner stags⸗ sitzung. Auf das kriegerische Zwischenspiel bei den Verhandlungen über die Heeresvorlage bald Friedensschalmeien gefolgt: es ist bei der Androhung des Konflikts geblieben, sein Ausbruch aber durch eine rechtzeitige Ver⸗ ständigung zwischen der Regierung und der „regierenden Partei“, dem Zentrum, vermieden worden. Das Ergebnis dieser Verständigung ist die in dritter Lesung nach einer kurzen Debatte erfolgte Annahme der Militärvorlage mit der von der Kommission beschlossenen Friedenspräsenz, das heißt also unter Abstrich von 7000 Mann von der ursprünglichen Re⸗ gierungsforderung. Gleichzeitig aber ist eine vom Zentrum beantragte Resolution zur An nahme gelangt, wonach der Reichstag in erneute Er⸗ wägnungen über die Bemessung der Friedens⸗ präsenzstärke eintreten will, wenn sich bei Aus⸗ führung des jetzigen Gesetzes die nachweisliche Unmöglichkeit ergeben sollte, mit der bewilligten Friedenspräsenzstärke die zweijährige Dienstzeit dei den Fußtruppen aufrecht zu erhalten.— Also in ein oder zwei Jahren kommt eine neue Militärvorlage und dann verlangt die Regierung die jetzt abgehandelten 7000 Mann mit Zins und Zinses Zinsen. Kuhhandel! Die Schlußabstimmung über die Vorlage er⸗ gab die Annahme derselben mit 222 gegen 132 Stimmen. Für die Vorlage stimmten die Konservativen, die Reichspartei, die National- liberalen, die Freis. Vereinigung, das Zentrum mit einigen Ausnahmen und von den Wilden die die Abgg. Pauli(Potsdam), Böckel(ö) und Smalalys.— Gegen die Vorlage stimmten die Sozialdemokraten, die Deutsche und Freis. Volkspartei, die Elsässer, die Polen, die Anti⸗ semiten, der Hospitant der Freis. Vereinigung Riff und von den Wilden die Abgg. Eßlinger, noch bei der Redaktion ein: Von den Parteigen. in DLL UAnterhaltungs⸗CTeil. — Zum 18. März 1848. Vor dem Berliner Schlosse Ertönt ein Trauerlied: Da liegen viel hundert Tote, Sie liegen in Reih und Glied. Und Leich' um Leiche tragen Die Bürger stumm heran, Als wollten sie sagen: König! Da sieh', was du gethau! Da liegen sie, Mann und Knabe, Starr mit zerfetztem Leib; Da kommen sie weinend und klagend, Braut, Schwester, Bruder, Weib. Da schauen Väter und Mütter Die toten Söhne an—: Herrgott und das hat ein König, Ein deutscher König gethan! Viel tausend Stimmen drohen: Der König muß herab; Er salutiert die Toten Und nimmt die Mütze ab. Da bluten All' auf's neue Bei ihres Mörders Nah'n, Als sprächen sie: das hat ein König, Ein deutscher König gethan! Und viele werden's sprechen, Viel tausend fern und nah; Die Völker werden rächen Den Frevel, der geschah. Auf Sturmesflügel bricht sich Durch Land und Länder Bahn Der Zornschrei: Das hat ein König, Ein deutscher König gethan! Weh! Volk, vom eignen Blute Sind deine Hände rot Der Bruder schlug den Bruder, Weil es ein Fürst gebot. Ein großes Grab soll alle In seinem Schoß empfah'n Dirauf schreibet: Das hat ein König, Ein deutscher König gethan! L. Pfau. —— vom Stamm gevissen. Roman von E. Langer. Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) Ein allgemeines Verlangen der Gäste nach Musik kam ihm in diesem Augenblick zu Hilfe. Ja Musik!— Allgemeines Aufstehen und lautes Durcheinander. Man rückte die Stühle und plazierte sich so, daß man möglichst gut hören konnte. Valeska hatte ein kleines Programm ent⸗ worfen, wobei sie darauf Bedacht genommen, das Talent ihrer Schülerinnen ins beste Licht zu setzen. Die Einleitung bildete das liebliche Thiessensche Frühlingsterzett:„Schneeglöckchen thut läuten“, von den drei Schwestern vorge⸗ tragen, das allgemeinen Beifall erntete. Dann sangen die beiden älteren abwechselnd Lieder und Duetts. Zum Schluß hatte sich Herr von Kries das Tell⸗Terzett bestellt, welches der Gesellschaft nun auch Gelegenheit gab, Valeska singen zu hören. Die Ausführung gelang noch besser als an jenem Abend, an welchem Herr von Kries die Sängerinnen überrascht hatte, und als der Beifallssturm sich gelegt, brach ein neuer Sturm los; Fräulein Stern sollte nun allein etwas zum besten geben. So leichten Kaufs dürfte sie nicht davon kommen. Man hätte jetzt erst einen Vorgeschmack ihrer Kunstfertigkeit und des Ge⸗ nusses erhalten, den sie der Gesellschaft bereiten könnte. Die Herren, die den Flügel umstanden, 11 bei Beratung des Voranschlags eine so ausgiebige Debatte im Gießener Stadtparlament stattgefunden Bachmeier, Sabin und Köhler. unter ihnen Herr von Kries, der kein Auge von —— ——— — — Meine ——— Seite 6. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Valeska verwandte, glaubten ihre ganze Ueber⸗ redungskunst aufbieten zu müssen, um die Sängerin ihren Wünschen geneigt zu machen. Sie waren es von Künstlern und Dilettanten nicht anders gewöhnt. Allein Valeska schnitt ihren Redefluß mitten durch, indem sie die unermüdlichen Finger schon wieder zu einem Vorspiel über die Tasten gleiten ließ. Auf das vielstimmige Geräusch folgte andächtige Stille. Und nun sang Valeska einige der herrlichsten Schumannschen Lieder, in welche sie ihre ganze. heute so wonnig bewegte Seele legte; zuletzt jenen wahren Frühlings⸗ und Liebes jubel: Ueber'm Garten durch die Lüfte Seh ich Wandervögel zieh'n, Das bedeutet Frühlingsdüfte, Unten fängt's schon an zu blühn. Jauchzen möcht' ich, möchte weinen, Ist mir's doch, als könnt's nicht sein! Alte Wunder wieder scheinen Mit dem Mondesglanz herein. Und der Mond, die Sterne sagen's, Und im Traume rauscht's der Hain, Und die Nachtigallen schlagen's: „Sie ist dein, ja sie ist dein!“ Fast gleichzeitig mit dem letzten Ton erhob sie sich.„Nach diesem nichts mehr“, dachte sie. „Vielleicht hat er sich in die Nähe geschlichen und gelauscht. Es soll ihm die Botschaft ge⸗ wesen sein, daß ich komme.“ Die Erregung ihres Innern malte sich in ihren Zügen. Die Augen strahlten, die Wangen und Lippen glühten, die Brust hob und senkte sich in raschem Tempo. Man konnte es für die Erregung durch die Musik und den Beifall halten, den man ihr in tausend Danksagungen und Beglückwünschungen über ihr herrliches Talent spendete. Sie wurde so umdrängt von Jung und Alt, Herren und Damen, daß sie immer der Mittelpunkt eines Kreises war. Hatte sie diesen glücklich durchbrochen, sofort bildete sich ein anderer um sie. Sie sah, daß es kein Entrinnen gab, bis das Abendessen dem Interesse der Gesellschaft eine andere Richtung geben würde, und, wenn auch mit höchster Un⸗ geduld, schickte sie sich darein. Endlich war es so weit. In allen Zimmern wurden kleine Tische verteilt und gedeckt. Im Spei sesaal war ein reichhaltiges Buffet aufgestellt, und die ganze Gesellschaft begann dorthin zu strömen. Jetzt war der Augenblick gekommen. Während man sich den leiblichen Genüssen hin⸗ gab, glaubte sie unbemerkt entschlüpfen zu können. Indessen gab es einen, der sie nicht aus den Augen verloren hatte. Nicht wie sonst hatte Herr von Kries am Kartentisch sich fesseln lassen. Die eingefleischten Spieler unter den Guts⸗ besitzern, die selbst Valeskas Gesang nur auf kurze Zeit ins Musikzimmer zu locken vermocht, hatten ihren geschätzten Partner heute entbehren müssen. Es war ihm heute unmöglich, die Karten zu berühren. Er fand sie insipid, geistestötend, er begriff nicht, wie sie ihm je hatten Unter⸗ haltung gewähren können. Unaufhörlich war er in Bewegung gewesen, nur während des Ge⸗ sanges war er nicht vom Pianino gewichen. Wer seine frühere Scheu vor Dilettanten⸗Musik kannte, wunderte sich anfänglich etwas darüber, fand aber in den überraschenden Leist ungen der Töchter und dem geschmeichelten Vaterstolz bald genügende Erklärung. Ein Teil der Gesellschaft gruppierte sich mit den gefüllten Tellern um die kleinen Tische, ein anderer sah sich, aus dem Speisezimmer kommend, nach Plätzen um, während ein dritter eben erst nach der Quelle hinzog. In diesem Durch⸗ einander näherte Valeska sich allmählich der Aus gangsthür und warf, als sie dieselbe bereits geöffnet, noch einen Blick hinter sich, um sich zu vergewissern, daß niemand auf ihre Ent⸗ fernung achtete. Zu ihrer Bestürzung begegnete ihr Blick gerade dem des Herrn von Kries, der intensiv auf sie gerichtet war. Sie fühlte, daß sich eine Verwirrung in ihren Mienen ausprägte, und um das Ungeschickte derselben zu verwischen, neigte sie im Hinausgehen mit einem Lächeln erkünstelter Unbefangenheit den schönen Kopf gegen ihn. Wie ein Blitz durchzuckte es Herrn v. Kries. Was hatten dieser Blick, dieses Lächeln, dieses Neigen des Kopfes zu bedeuten? In der auf⸗ geregten Stimmung, in der er sich befand, legte er der kleinen Szene eine Bedeutung unter, die seinen ihm selbst bisher unbewußten Wünschen entsprach. Wie, wenn dieses anscheinend so charaktervolle Mädchen dennoch eine Kokette wäre, die seinen Zustand erraten hätte und ihn ermutigen wollte? Sein Blut siedete, es duldete ihn nicht länger im Saale, und unter dem Vor⸗ wand gegen die in seiner Nähe befindlichen Herren, für einen besonders guten Tropfen sorgen zu müssen, entfernte er sich. Als ihn draußen die kühlere Luft anwehte, blieb er einen Augenblick stehen, ohne zu wissen, was er eigentlich gewollt. Mechanisch schritt er auf die nach dem Hofe führende Thür zu und trat auf die Rampe hinaus. Da sah er eine helle Gestalt, in ein Tuch gehüllt, über den Hof huschen. Das war Valeska, kein Zweifel. Wohin eilte sie?— Gespannt schaute er ihr nach. Wie, was, sie lenkte nach dem Inspektorhause ein! Wäre es möglich? Konnte sie sich soweit ver⸗ gessen, mit Thäns in einem heimlichen Liebes⸗ verhältnis zu stehen? An diesem Plebejer Ge⸗ fallen zu finden?„Haha“, lachte es bitter in ihm auf,„da sieht man das bürgerliche Pack, das hält wie Kletten zusammen— dem ist nur unter seines Gleichen wohl.— Aber pah— was ist mir das Mädchen— eine Gesangs⸗ lehrerin, was geht sie mich an? Was ist denn überhaupt mit mir? Ich bin ja wie ausgetauscht. Ich, ein alter Knabe, Familienvater, ich laufe diesem Lärvchen nach? Es ist wahrhaftig zum Lachen!“ Allein er lachte nicht, er preßte die geballte Faust gegen die pochende Stirn. So stand er eine Weile. Dann fuhr er auf. Er mußte sich überzeugen, was dort drüben vorging. Er mußte wissen, wen er in seinem Hause hatte, wen er seinen Töchtern zur Gesellschaft gab, er war es sich und ihnen schuldig. Ohne weiter zu über⸗ legen, eilte er die Rampe hinab und über den Hof dem Inspektorhause zu. Die Läden von Herrn Thäns Wohnstube waren geschlossen, die Hausthür, vor der ein Pferd angebunden stand, war nur angelehnt. Herr von Kries schlich sich um die Ecke des Hauses, wo sich ein drittes Fenster befand, das keinen Laden hatte. Eine dunkle Kattungardine war vor demselben zusammengezogen. Durch dieselbe sah er jedoch ganz deutlich die Umrisse einer hellen Gestalt, die sich an eine dunkle schmiegte. Seine Sinne verwirrten sich. Eifer⸗ sucht und gedemülugter Stolz raubten ihm die Ueberlegung. Sein Inspektor, der plumpe Thäns, ihm, Herrn von Kries, von diesem entzückenden Wesen vorgezogen!— Mit wenigen Schritten war er im Hause und an der Stubenthür. Mit gewaltigem Fuß⸗ tritt stieß er sie auf. Aber wie gebannt stand er auf der Schwelle. Nicht Thäns, sondern jener Redner aus Neu⸗ kirch, dessen gefährlichen Einfluß er kennen ge⸗ lernt hatte, stand mit Valeska ihm gegenüber. Oettinger, der bei der unerwarteten Störung diese sofort freigegeben, verlor nicht die Fassung; er wußte, was er zu thun hatte. Einen Schritt vortretend, verneigte er sich mit feinem Anstand und sagte so ruhig als er vermochte: „Herr von Kries, wenn ich nicht irre. Mein Name ist Oettinger. Fräulein Valeska Stern ist meine Braut. Da ich in der Gegend bin, wünschte ich sie natürlich zu sehen. Ihr Haus, Herr von Kries, wollte ich aus poltitischen Rücksichten nicht belästigen.“ „Sehr gütig, mein Herr“, erwiderte Herr von Kries, der während dieser Worte die Thür hinter sich zugeschlagen hatte.„Außerordentlich gütig. Aber alles, was Sie da sagen, ändert kein Jota an der mehr als zweideutigen Situa⸗ tion, in welcher ich diese Dame hier finde“, fügte er, Valeska einen wütenden Blick zuschleu⸗ dernd, hinzu. Oettinger wollte auffahren. Allein Valeska, die bleich und mit gesenkter Wimper, aber stolz erhobenen Hauptes dagestanden, trat vor und legte ihm die Hand auf den Arm. „Ihre beleidigende Aeußerung, Herr von Kries“, wandte sie sich voll Einfachheit und Würde an diesen,„will ich auf Rechnung Ihrer Ueberraschung setzen und darüber hinwegsehen. Die Erklärung meines Bräutigams muß Ihnen genügen und das einzige, was ich hinzuzufügen habe, ist die Bitte, Herrn Thäns seine Gefällig⸗ keit gegen mich nicht entgelten zu lassen.“ 5 (Fortsetzung folgt.) Der Berliner Wagistrak. 1848: Mitbürger! Die Bestattung unserer teuern Toten ist vollzogen. Sie bot uns und der Welt das großartigste Schauspiel dar, das wir bis jetzt in unsern Mauern gesehen, die ehrfurchts⸗ volle dankbare Huldigung, welche unsere ganze Bevölkerung den in dem ruhmvollen Kampfe Gefallenen und in ihnen allen den Helden darbrachte, die für die große Sache der politischen und sozialen Freiheit ge⸗ stritten und sie uns durch ihre todesmutige Hin⸗ gebung erkämpft haben. Vor dieser erhabenen Dank⸗ und Trauer⸗Feier muß jeder noch so innige Dank verstummen, den wir oder Einzelne unseren Helden durch das Wort auszudrücken vermöchten. Unser Dank sei es vielmehr, die großen Güter, die nun errungen sind und er⸗ rungen werden können, dem Vaterlande und unserer Stadt dauernd sicher zu stellen. Dafür zu wirken, daß aus der Freiheit sich jetzt die Größe, das Glück und die Wohlfahrt unseres Volkes in festester Ordnung auferbaue; das ist und sei jetzt unser Aller Aufgabe. Um unseren tapfern Kämpfern auch noch im Einzelnen den Dank des Vaterlandes durch die That zu er⸗ weisen, haben wir bereits die nötigen Einleitungen getroffen. Berlin, 23. März 1848. Der Magistrat. * In dankbarer Anerkennung der dem Vater⸗ lande in den Tagen des 18. und 19. März errungenen Güter haben die Kommunal⸗ behörden beschlossen: den Kämpfern, welche der Hilfe bedürftig sind, sofort eine außerordentliche Unterstützung zuteil werden zu lassen. Auf diejenigen Personen, welche nur beim Bau der Barrikaden Hilfe ge⸗ leistet, aber nicht selbst mitgekämpft haben, findet dieser Kommunalbeschluß keine Anwendung und haben dieselben daher auf diese außerordentliche Unterstützung keinen Anspruch. Berlin, 29. März 1848. Der Magistrat. ** * Der Berliner Magistrat. 1899: Ist in Nöten, weil dem Oberbürgermeister die Bestätigung seither versagt wurde. Nach langem Zögern hatte der Magistrat beschlossen, den Märzgefallenen von 1848 die Grabstätten herrichten und neu einfriedigen zu lassen. Auf dem Portal sollte dann die Inschrift an⸗ gebracht werden: „Ruhestätte der Märzgefallenen“. Das hat aber Anstoß erregt bei einflußreichen Leuten. Und nun ist der Berliner Magistrat von 1899 in schweren Nöten. Es sind Feeisinnsmannen. Das sagt genug. — 2— Sprüche zur Lebensweisheit. Aussprüche„Friedrichs des Großen“, mitgeteilt von Ed. Zeller: Friedrich der Große als Philosoph: „Es giebt kein Gefühl, das mit unserm Sein unzertrennlicher verknüpft wäre, als das der Freiheit.“ 1 „Wahre Republikaner wird man nie über⸗ reden, sich einen Herrn zu geben, und wäre er auch noch so gut; sie werden immer sagen, 10 es sei besser, von den Gesetzen abzuhängen, als von der Laune eines Einzelnen.“ f 2 2 2 20 Mädchen Ferner ö gn en⸗ und 1 bringen. — 5 Fin Knaben Knaben⸗ Mädchen Knof 0 Matlistr. 2! —(—Ä— Bu al bon den bi Arn Unrat f — Se S N 2. — don und Ihrer schen llen. 9 geht eres ab ist fern k des mer⸗ tigen rat. Vater⸗ Mütz nal⸗ fern, t eine zuteil rsonen, lfe ge⸗ findet g und atliche trat. meister Noch flossen, täten lassen. ift au⸗ bee liner veten genug. autgetelt slos soph: n Stil 4 ber übel 0 gel, E 12. —— Sonntags⸗Zeitung. Seite 7. ee Anfertigung nach Maß in eigener Konfirmanden Anzüge in Tuch, Buckskin und Bammgarn von 9 bis 25 Mark. r, Gießen, Rirchenplatz J. Werkstätte. en WETZLAR. irmonden⸗Anzüge nf von 8 bis 25 Mark in Buckskin, An; und Kammgarn empfehlen in großer Auswahl Eanard berth& bie. Silhöferstr. B 85 Wetzlar e B 8 (früher Bahnbofstrasse 1). Ferner erlauben wir unser gesamtes Warenlager in Herren⸗ und Bnaben⸗Garderobe in empfehlende Erinnerung zu bringen. Für Konfirmanden empfehle in großer Auswahl: Knaben⸗Zugftiefel von Mk. 4,50 bis 5,— Knaben⸗Schaftstiefel 5,— bis 6,— Mädchen ⸗Schnür⸗ und Knopfschuhe„ 4,— bis 5,— Mädchen⸗ Röschenschuhe, ausgeschnitten 3,— bis 3,75 Für dauerhafte Ware wird garantiert. Marktstr. 21 J. B. Sehneider. 21 Marktstr. 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