. lus⸗ ung ler en Nr. 8. Gießen, Sonntag, den 19. Februar 1899. 6. Jahrg. Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Sonnt Mitteldeutsche Redaktionsschluß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. —— 2 gs⸗Zeitung. Abonnementspreis: Bestellungen Juserate Die„Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung“ kostet durch unsere nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Ex pe⸗ finden in der„M. S.⸗Z.“ weiteste Verbreitung. Die ögespalt. N— Zur Agrarfrage. I. Einleitung. Welchen Standpunkt unsere Genossen auch gegenüber der Frage Agrarprogramm oder nicht? einnehmen mochten, das mußten selbst die Freunde eines besonderen Programms mit praktischen For⸗ derungen für die Landbevölkerung zugestehen, daßzuns nicht nur ausreichende Kenntnisse der landwirtschaftlichen Verhältnisse, sondern noch in weit höherem Grade die Grundlagen einer sozia⸗ listischen Agrarpolitik fehlten. Zwar fanden die Debatten auf dem Breslauer Parteitage in der Presse, namentlich in der„Neuen Zeit“, ihre Fortsetzung, allein eine einheitliche Zusammen⸗ fassung des weitschichtigen Materials, eine syste⸗ matische Grundlegung der Agrarfrage, konnte nur in weitem Rahmen geboten werden. Diese Arbeit zu vollführen, hatte sich Genosse Kautsky zur Aufgabe gestellt, und er hat sie glänzend gelöst. Wenn irgend einer in der Partei dazu be⸗ rufen schien, diese schwierige Materie zu bear⸗ beiten, so war es Kautsky. Was wir an unserm Altmeister Friedrich Engels bewunderten: die Dinge im Fluß der geschichtlichen Entwickelung zu sehen, die Gesetze und Entwickelungstendenzen in der Geschichte und die eigenartigen Merkmale in einer Erscheinung zu finden, sowie deren ge⸗ schichtliche Verursachung klarzulegen: diese Gabe ist, wie keinem zweiten, seinem Lieblingsschüler, Karl Kautsky, verliehen. Mit Freude und Genug⸗ thuung dürfen wir es daher begrüßen, daß gerade Kautsky die Bearbeitung der Agrarfrage sich zur Aufgabe gestellt hat. Er hat alle übertriebenen Wünsche und Hoffnungen, welche an eine Land⸗ agitation geknüpft werden, auf ihr richtiges Maß zurückgeführt, andererseits aber auch die Mittel und Wege aufgezeigt, welche weite Schichten der Landbevölkerung in unsere Reihen führen werden. Weite Schichten der Landbevölkerung, nicht die Landbevölkerung in ihrer Gesamtheit; denn daß wir die Bauern unterschiedslos ebensowenig zu uns herüberziehen werden, wie das Kleinbürgertum, muß jedem Einsichtigen einleuchten. Auch aus den Reihen des Kleinbürgertums stoßen nur diejenigen zu uns, die an dem Fortbestand ihrer Klasse ver⸗ zweifeln, die erkannt haben, daß sie im Kampfe mit dem Kapitalismus er⸗ liegen müssen. Mit der zunehmenden Ver⸗ nichtung kleinbürgerlicher Existenzen wird die Schaar unserer Anhänger aus diesen Kreisen immer größer. Aber der beschränkte Gesichtskreis dieser Leute läßt sie auf Mittel zu ihrer Rettung vor dem wirtschaftlichen Untergange stets von neuem hoffen. Nur zu bereitwillig glauben sie daher den leichtfertigen Versprechungen gewissen⸗ loser Demagogen und erwarten von der Wieder⸗ belebung der Innungen, von Handwerkerkamme n, von der Besteuerung der großen Warenhäuser usw. eine Besserung ihrer Lage. Aehnlich ergeht es dem Bauern, d h. dem Bauern mit mittlerem Grundbesitz, dem Bauern, welcher mit Knechten und Mägden für den Markt produziert. Er verlangt, gleich dem Großgrundbesitzer, hohe Getreide⸗, Gemüse⸗ und Fleischpreise und lebt in dem Wahne, daß die Unrentabilität der Land⸗ wirtschaft auf die niedrigen Preise zurückzuleiten sei. Blind für die wahren Ursachen seiner miß lichen Lage, glaubt er den antisemitischen Agi⸗ tatoren, daß mit der Vertreibung der Juden die Ursache ihrer Verschuldung beseitigt sei. Wollten wir Sozialdemokraten gewissenlos sein, wie die Antisemiten, wir könnten den Bauern goldene Berge versprechen. Und wie die Antise⸗ miten und agrarischen Konservativen, so behaup⸗ ten auch politische Schwärmer, ein Universal⸗ heilmittel für alle Leiden der Bauern in der Tasche zu haben. Nach Herrn Pfarrer Naumann zeigt sich in Kautskys Werk die politische Un⸗ fähigkeit und Haltlosigkeit des Marxismus, d. h. der sozialistischen Lehren im Marxschen Sinne. In der Agrarfrage habe der Sozialismus seinen Bankrott angesagt! Das vollständige Unver⸗ mögen Naumanns, historisch zu denken, zeigt sich in seinen Ausführungen(Nr. 4 der„Hilfe“ für 1899) offenkundig. Er verlangt vom Sozialis⸗ mus nichts geringeres, als daß er Naumannisch werde: Kolonial-, Militär⸗ und Flottenpolitik, Kanonen und Schiffe, Exportindustrie und dabei hohe Schutzzölle! Und diese Konfusion zum Pro⸗ gramm erhoben, soll die klare Erkenntnis der ökonomischen Zusammenhänge und unsere Schluß⸗ folgerungen aus ihnen, aus welch' letzteren wir unsere Forderungen für die Gegenwart ableiten, ersetzen. Ach, lieber Herr Naumann, die 26 000 Stimmen bei den letzten Reichstagswahlen scheinen Ihnen den Rest kühler, klarer Ueberlegung ge⸗ raubt und sie blind gemacht zu haben gegen die Thaten und Pläne der Flotten- und Weltpolitiker. Was Sie wollen, steht auch zum größten Teil in dem Programm der Reaktionäre bis zu Herrn von Stumm. Nur daß die Leute konsequenter als Sie sind. Liest man Ihre politischen Ergüsse, in denen Feuer und Wasser vereinigt werden sollen, dann erkennt man die Wahrheit, welche in dem Ausspruch Wilhelms II. liegt:„Christlich⸗ sozial ist Unsinn.“ So verlockend es auch wäre auf die theore⸗ tischen und geschichtlichen Ausführungen Kauts⸗ kys näher einzugehen, so müssen wir es uns doch versagen. Eine Zeitung ist nicht der geeignete Ort für theoretische Erörterungen; dazu kommt auch noch der Mangel an Raum, welcher uns zu knapper Bemessung unserer Artikel zwingt. Um den Lesern ein Bild von der lichtvollen Be⸗ handlung und der durchsichtigen Darstellungs— weise, welche das Kautskysche Werk auszeichnen und es in die vorderste Reihe in der national⸗ ökonomischen Litteratur stellen, zu geben, bringt die Redaktion einige Kapitel aus der Geschichte der Landwirtschaft und des Bauerntums. Uns bleibt die Aufgabe, den zweiten Teil des Werkes über die sozialdemokratische Agrarpolitik zu be— sprechen und zunächst die Frage zu erörtern: Brauchen wir ein sozialdemokratisches Agrar⸗ programm?— Darüber in einem zweiten Ar⸗ tikel. Elenchus. Zum Dresdener Zuchthausurteil. * Ueber das Dresdener Urteil veröffentlicht Genosse Wolfgang Heine, Reichtagsabg. für den dritten Berliner Wahlkreis und Mit⸗ Verteidiger der nun lebendig im Zuchthaus Be⸗ grabenen, im„Vorwärts“ bemerkenswerte Aus⸗ führungen, die er mit folgenden Sätzen schließt:! jeder Briefträger entgegen.(Post⸗Ztgs.⸗Katal. 43 12a.) 33¹ Austräger frei in's Haus geliefert monatlich 25 Pfg.[dition in Gießen, Kirchenplatz 11, Schloßgasse, die] Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindestens Durch die Post bezogen vierteljährlich 90 Pfg. Direkt durch] Druckerei, Sonnenstraße 6, sowie jede Postanst die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. alt und Amal. Bestellung gewähren wir 250%, bei 6mal. Bestellung 50/ o und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. r „Wer dem Schlußakte dieses grauenvollen Dramas beiwohnte, kann sich meines Erachtens der Ueberzeugung nicht entschlagen, daß die Ge⸗ schworenen und das Gericht unter dem Ein⸗ flusse jener jetzt künstlich verbreiteten geistigen Strömung gestanden haben, die in jeder Ausschreitung von Arbeitern einen Versuch sieht, die Gesellschaft gewalt⸗ sam umzustürzen und die Revolution zu proklamieren. Hier gilt nach meiner Ueberzeugung, was die„Post“ und die anderen konservativen Blätter fälschlich der sozialdemokratischen Presse nach⸗ sagen, daß nämlich die allgemeine Ansicht in gewissen Kreisen künstlich verwirrt und auf Abwege gelenkt wird. Gewiß tragen die Richter für ihre Entschließungen selbst die Verantwortung und sie werden sicherlich der Ueberzeugung sein, ihre Sprüche verantworten zu können, aber trotzdem fällt nach meiner An⸗ sicht ein großer Teil der Schuld an diesem so weite Kreise entsetzenden Urteile auf die Leute zurück, die fortwährend in Wort und Schrift gegen jede berechtigte Bestrebung der Arbeiter⸗ schaft hetzen, die eine völlig erlogene Gefahr revolutionärer Gewaltthaten an die Wand malen, und die am liebsten für jeden, der sich der Ar⸗ beitersache widmet, das Zuchthaus und die Ver⸗ bannung bereit halten möchten. Namentlich die Dresdener konservative Hetzpresse hat unmittelbar nach dem traurigen Vorfalle das Menschenmögliche gethan, die Sache aufzubauschen, zu verdrehen und dem Publikum, zu dem doch Richter und Geschworene schließlich auch gehören, das Gefühl beizubringen, daß es sich hier um einen sozialdemokratischen Gewaltakt handele. Ich glaube, daß— gewiß unbewußt— auch die Geschworenen und Richter durch solche Stimmungen beeinflußt worden sind. Freilich sind sie dann einem verhängnisvollen Irrtume verfallen: Die Ausschreitungen, die verübt worden sind, hatten weder mit der Sozialdemokratie noch mit der Gewerk⸗ schaftsbewegung, weder mit dem Streben nach besseren Arbeitsbedingungen, noch nach einer neuen Gesellschaft das gering ste zu thun, sie waren eine Frucht der Trunken⸗ heit, der Unbildung und der Neigung zu Gewaltakten, Erscheinungen, die gänz⸗ lich im Boden der unübertrefflichen heutigen Gesellschaft wuchern. Und doch, so fremd gerade uns Sozial⸗ demokraten die Handlungen der Angeklagten sind, wir betrachten sie als Märtyrer: nicht als Blutzeugen einer Gesinnung, aber als Opfer einer systematischen Irreführung der öffentlichen Meinung in gewissen Kreisen, deren Einfluß sich Geschworene und Richter nicht haben entziehen können, und die allein im stande gewesen sein kann, aus ihrem Herzen die Milde zu verbannen. Und darum verdienen die Angeklagten unser Mitgefühl und unsere Hilfe.“ * * Die Geschworenen des Zuchthaus kurses. Das„Volksgericht“, nach dessen Wahr⸗ spruch vom Schwurgericht in Dresden die neun Bauarbeiter in so erschreckender Weise abgeurteilt wurden, war zusammengesetzt aus 3 Apotheken- ————— 8— 1 ———...—— — — — — Seite 2. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 8. R besitzern, 3 Rentnern, 2 königlichen Oberförstern, 1 Regierungsrat, Kaufherren und 1 Ritter gutsbesitzer! Das Urteil entspricht der Zusammensetzung des Gerichts. * . Vergleiche mit dem Dresdener Urteil. Der„Vorwärts“ erinnert an den Eis⸗ lebener Krawallprozeß von 1891, bei dem Sozialdemokraten von„reichstreuen“ Berg⸗ leuten unter Führung eines preußischen Polizeisergeanten planmäßig über⸗ fallen und schwer mißhandelt wurden. In Dresden 7, 8, 9, 10 Jahre Zuchthaus — in Eisleben wurden Strafen verhängt über 9 reichstreue Bergleute und 1 Polizeisergeanten von insgesamt 2 Jahren, 10 Monaten, 3 Wochen Gefängnis. In Dresden wurde der„Rädelsführer“ mit 8 Jahren Zucht⸗ haus bestraft, in Eisleben mit 9 Monaten Gefängnis. In Dresden wurden zwei Ar⸗ beiter, weil sie den Bauunternehmer mit Tot⸗ schlag bedroht haben sollten, mit 9 und 10 Jahren Zuchthaus bestraft. In Eisleben wurden die Reichstreuen, welche dasselbe thaten, mit 3, 4 und 6 Monaten Gefängnis bestraft. Der Polizeisergeant, der geschrieen:„Schlagt den Hund tot“, wurde mit 6 Monaten Gefängnis bestraft. Die bürgerliche Berliner„Volksztg.“ meint bezüglich dieses Vergleichs:„Wir sind neugierig, was die Schar fmacherpresse, nachdem ihr die Erinnerung an die Eislebener Verhandlung aufgefrischt worden ist, nunmehr zu den exor⸗ bitant hohen Strafen sagen wird, die man in Dresden verhängt hat. Im Eislebener Falle haben sich auch Personen gefunden, die sich für die Begnadigung der Exzedenten ver⸗ wendeten, und die Fürsprecher der Verurteilten hatten die Freude, mit ihrer Verwendung Erfolg zu erzielen. Die Bergleute wurden nach einiger Zeit begnadigt, auch wurden ihnen die Kosten des Verfahrens erlassen. Ob sich auch Fürsprecher finden werden, die sich für die Begnadigung der Dresdener Verurteilten ver— wenden?“ Der„Vorwärts“ hat eine besondere Rubrik eingerichtet, unter der er Urteile anführt, die mit dem Dresdener Wahrspruch der oben ihrer sozialen Stellung nach angeführten Geschworenen in krassem Gegensatz stehen. Er wird eine lange Reihe von Urteilen bringen können. Er braucht nur die Gerichtsverhandlungen aus Universitätsstädten zu verfolgen, dann wird er fortgesetzt finden, wie milde z. B. Stu⸗ denten wegen Roheitsdelikten bestraft werden. ** * Des Volkes Stimme im Reichstag. Unser Hamburger Bruderblatt schreibt: „In der deutschen Volksvertretung, im Reichstage, wo doch alle Beschwerden und Leiden des Volkes zur Sprache kommen sollen, hat sich noch Keiner gefunden, der offen und ungeschminkt einmal die Wahrheit sagt über die neudeutsche Rechtspflege. Noch Keiner! Denn was von sozialdemokratischen Ab⸗ geordneten hin und wieder an beiläufigen Be⸗ merkungen über Richter und Richtersprüche fiel, das genügt nicht, das erfüllt nicht im ent⸗ ferntesten das Bedürfnis des Volkes, einmal von seinen Vertretern die Worte zu hören, welche einigermaßen als eine ange- messene Kritik unserer Rechtsver⸗ hältnisse zu betrachten wären. Sollen Urteilen, welche seit Jahresfrist auf die Arbeiter nieder⸗ hageln, sollen den Magdeburger und Dresdener Rechtssprüchen denn noch viele folgen, ehe endlich einmal angesichts ganz Deutschlands, angesichts der zivilisierten Welt Pro te st erhoben wird gegen die Art der deut⸗ schen Justiz, wie sie jetzt an der Tagesordnung ist, ehe endlich einmal zum Ausdruck gelangt, was das ganze Volk fühlt und denkt über diese Rechtsprechung? Es wird hohe Zeit, daß die Volksvertreter sich entschließen, der Ansicht des Volkes Ausdruck zu geben.“ Das findet unseren vollsten Beifall. Was viele Millionen im Volke fühlen, was aber keiner außerhalb des Reichs⸗ tages sagen darf, das kann und muß im Reichstage gesagt werden, damit es die unabhängige Presse nachdrucken kann. In je unzweidentigerer Weise im Reichstage das gesagt wird, was die Neunzehntel⸗ Mehrheit des Volkes denkt, um so besser! Macht den gepreßten Herzen von Millionen Luft! * 25. * Werbt neue Mitkämpfer! Es steht fest, daß die deutsche Arbeiterschaft ihr Möglichstes thun wird, den Familien der unglücklichen Opfer ihr Schicksal zu erleichtern. Aber das ist nicht genug! Mit dem Urteil in der Hand werbe man neue Kämpfer für die Befreiung des Proletariats, neue Streiter gegen die Klassenherrschaft. Was sind alle akademischen Auseinandersetzungen, alle historisch⸗ökonomischen Beweise für die Not⸗ wendigkeit der Beseitigung der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung, was sind sie im Vergleich zu der zwingenden Logik des Dresdener Urteils? Ziehen wir Nutzen daraus! Wo es noch einen Arbeiter giebt, der nicht einsehen will, daß er ein rechtloser Paria ist, wo noch ein Arbeiter ist, der in„Zufriedenheit“ und „Patriotismus“ seine Tage verdämmert— da zeige man das Zuchthausurteil von Dresden. Es wird seine Wirkung nicht ver⸗ fehlen. Politische Bundschau. * Gießen, den 17. Febrnar. Eisleben und Dresden. In Eisleben hatten„reichstreue“ Berg⸗ leute in tagelang vorher wohlüberlegter Weise eine sozialdemokratische Versammlung ge⸗ sprengt und einzelne Genossen furchtbar miß⸗ handelt. Zu den Führern dieser Bergleute gehörte auch ein Polizist.— Was die Bau⸗ handwerker in Löbtau im Trunk und ohne Ueberlegung, und gereizt durch die Revolver⸗ schießerei eines Bauunternehmers gethan haben, ist unseren Lesern genügend bekannt. Und nun vergleiche man die Strafen aus Eisleben mit denen aus Dresden: Libau, Rädelsführer,schlug] Moritz als Rädelsführer erbarmungslos mit einem Gummi-⸗Schlauch, in den eine Schraubenmutter eingebunden war. 9 Monate Gefängnis und begnadigt! Köhler forderte als Beamter die Bergleute auf, die Sozialdemo— kraten totzuschlagen. 6 Monate Gefängnis und begnadigt! 8 Jahre Zuchthaus. Im gleichen Falle(aber nicht als Beamte, sondern als angetrunkene Arbei⸗ ter) Zwahr 10 Jahre Zuchthaus, Schmieder 9 Jahre Zuchthaus, Wobst 7 Jahre Zuchthaus. Im gleichen Falle Gedlich 7 Jahre Zuchthaus, Leiber 6 Jahre Zucht haus, Pfeifer 6 Jahre Zuchthaus. Die an den Mißhandlungen beteiligt. Bergleute Wun⸗ derlich 6 Monate Gef., Glatz 4 Monate Gef., Breithaupt! Woche Ge⸗ fängnis, Neupert 1 Monat Gefäugnis, Zich 3 Monate Gef., Günther 3 Woch. Gef., Döttmeyer 4 Monate Gefängnis, Frieß 3 Wochen Gefängnis, alle begnadigt! Der Bergmann Hoffmann, der nur unter der tumul⸗ tuarischen Menge gewesen, aber des Mitschlagens nicht voll überführt war, freigesprochen. Wie aber ist das zu erklären?— Nun, es genügt, darauf hinzuweisen, daß in Eisleben der Staatsanwalt Götze zur Entschuldigung der Bergleute vorbrachte, es komme auf die politische Gesinnung der Thäter an, „auf der einen Seite Leute, welche den Staat und die Gesellschaft retten(Mit Rohheiten und Prügeleien? D. Red.), auf der anderen solche, die alles umstürzen und verderben Geißler und Hecht im gleichen Falle je vier Jahre Gefängnis. wollen.“ Die„gute Gesinnung“ wurde bei den Berg⸗ leuten in Eisleben mil dernd ins Feld geführt, und mit Erfolg. Die Vermutung„ schlechter Gesinnung“ soll nach der Meinung des Dresdener Offiziosus die hohen Strafen begründen, das nennt er gleiches Recht für Alle. Die Sozialdemokratie verlangt Rechtsprechung durch vom Volk gewählte Bichter! Gegen die sozialdemokratischen Redakteure? Die sächsischen Behörden sind nach unserem Leipziger Parteiorgan angewiesen worden, über die in den letzten Jahren vorgekommenen Straf⸗ verfolgungen der Redakteure der sozialdemokra⸗ tischen Zeitungen Bericht an die betreffenden Kreishauptmannschaften zu erstatten. Ob hier eine sächsische Sondererhebung vorliegt, oder ob es sich nur um einen Teil einer allgemeinen deut schen Erhebung handelt, dürfte sich ja bald herausstellen. Aus gewissen Anzeichen, die die „Frkf. Volksst.“ selbst zu spüren Gelegenheit hatte, schließen diese, daß es sich um ein Vor⸗ gehen in ganz Deutschland und die Vorbereitung schärferer Verfolgungen gegen bisher noch weniger bestrafte sozialdemokratische Redakteure handelt. Unsere Kollegen werden mit uns desto fester auf ihrem Posten stehen! Volksverdummung, Volksentrechtung und Volksausbeutung — das ist der Wahlspruch, den die preußischen Junker auf ihre Fahne geschrieben haben und zu dessen Verwirklichung ihnen die Geistlichen hilf⸗ reich die Hand bieten. In allererster Linie soll die ländliche Volksschule in den Dienst der Junker und Geistlichen gestellt, der Unterricht soll möglichst beschränkt werden, ja es soll sogar geflissentlich die Un wahrheit auf der Schule gelehrt werden. Unter lebhaftem Beifall der Rechten und des Zentrums verlangte der Abg. Hoheisel(Zentr.) allen Ernstes, die Lehrer sollten den Kindern vorreden, daß in der Stadt nied⸗ rigere Löhne gezahlt werden, als auf dem Lande, um auf diese Weise den Wegzug der Arbeiter vom Lande zu hintertreiben. Dies dreiste und unerhörte Ansinnen ging selbst dem Vertreter des Kultusministers, Mi nisterialdirektor Der. Kügler, zu weit, der den Junkern dafür bittere Wahrheiten sagte und unter stürmischer Unruhe auf der Rechten den Satz aufstellte, daß es die erste Pflicht des Lehrers sei, wahrhaft zu sein.„Die Schule kann die Kinder doch nicht mit Scheuklappen erziehen. Wenn wir den Kindern die Fabel erzählen wollten, wie schlimm es in der Stadt ist, so würden die allgemeine Militärpflicht und die Eisenbahnen uns ad absur- dum führen, denn sie geben den jungen Leuten ein wahres Bild von der heutigen Situation.“ Während der Zentrumsmann Hoheisel die gewaltsame Verdummung in der Schule ver⸗ langte, begnügte sich Freiherr v. Wangen⸗ heim, der Vorsitzende des Bundes der Land⸗ wirte nicht mit der Zulassung polnischer, galizischer und italienischer Arbeiter, nein, er verlangte ausdrücklich, daß die Land⸗ wirte zu chinesischen Kulis ihre Zuflucht nehmen — ein rührendes Beispiel der nationalen Ge⸗ Die römi Seite“ aus kenne angel Fuer Hier itullenischen in geplantes hie tha ut Anklage Untrieb“. bun einem in spitzel hett insgeheim n sitgestelt. einn diesbezi wäre intetess wie hie undd zeug gewisse For Nur im der Freizügi schreibt das die deutsche Sie faßt in det Land alla ist al. fellen, daß Auswüchse uns mehrfa eine wesentl eintreten wi A Die boni at vor eini, cheimnis de sinnung einer gewissen Partei, die als„national“ nur das betrachtet, was ihr zum Vorteil gereicht, als antinational aber alles, wovon sie keinen 11 Nutzen haben. Und wie schon Tags zuvor sein Fraktions⸗ f kollege von Korn, so brach am Samstag Frhr. von Wangenheim eine Lanze für die Ein⸗ führung der Prügelstrafe. Humanitätsduselei weiter, gewisse Schäden können nur mit un⸗ gebrannter Asche geheilt werden“. Und dabei beklagen sich dieselben Leute, die eine so de „Mit der 0 kommen wir nicht die gewaltig des Reichzta chreib 0 N VBeder 0 der We e man 1 Aihlucht Abel an de gerheitzui est 0 Nan saatz 11 erhalte nehmen i venigen ser eh 8. ührt echter dener ö daz t. 2 serem über straf⸗ nokta fenden hier ob ez deinen bald ie die enheit Vor⸗ eitung niger delt. er auf ung zicchen nd zu hilf⸗ ie soll st der erricht sogar Schule ll der Abg. sollten nied⸗ Lande, beitet e und treter ektot dafür mischer „ daß thaft r doch ir den ginn semteilt absur⸗ Leuten ation.“ el die lle ver⸗ ngel⸗ gab 0 0 er, rbeitel/ Land⸗ Ar. S. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 3. rohe Gesinnung an den Tag legen, über die zunehmende Verrohung der Jugend. Welche Heuchelei!. Der Schwager des Kaisers. In den Reichs landen wird nach den Münchener„Neuest. Nachr.“ seit einiger Zeit schon in wirklich gut unterrichteten Kreisen sehr ernsthaft mit einem noch in diesem Jahre zu er⸗ wartenden Wechsel in der Person des Statthalters gerechnet. Es unterliege kaum noch einem Zweifel, daß in Berlin an hoher Stelle thatsächlich der Wunsch besteht, den Prinzen von Schaumburg, den Schwager des Kaisers, zum Statthalter von Elsaß⸗ Lothringen zu ernennen.— Vielleicht wird bei dieser Ernennung gleich der alte Plan ver⸗ wirklicht, die Reichslande in einen monarchisch regierten Bundesstaat zu verwandeln. Des Schwindels Ende. Die römische Opinione erhält„von erster Seite“ aus Alexandrien Einzelheiten über das bekannte angebliche Komplott gegen den deutschen Kaiser. Hiernach hat die Ratskammer des italienischen Konsulargerichtes die Anklage auf ein geplantes Attentat wegen Mangels aller Be⸗ weise thatsächlich fallen lassen und erhebt nur Anklage„wegen gewöhnlicher anarchistischer Umtriebe“. Daß die aufgefundenen Bomben vou einem in diesem Metier bewanderten Lock⸗ spitzel hergestellt und bei dem Wirte Pinelli insgeheim niedergelegt wurden, ist gleichfalls festgestellt. Ja, der verhaftete Spitzel hat bereits ein diesbezügliches Geständnis abgelegt. Es wäre interessant, zu wissen, ob dieser Spitzel, wie hie und da behauptet wurde, wirklich ein Werk⸗ zeug gewisser deutscher Polizeileute war. Fort mit der Freizügigkeit. Nur immer offenherzig! Die Beschränkung der Freizügigkeit, das ist des Pudels Kern! So schreibt das Organ des Bundes der Landwirte, die deutsche Tageszeitung. Sie faßt das Ergebnis der Leutenot-Debatte in der Landratskammer so zusammen: Alles in allem ist als Ergebnis der Beratungen festzu⸗ stellen, daß ohne eine Beschneidung der Auswüchse der Freizügigkeit, wie sie von uns mehrfach im einzelnen dargelegt worden ist, eine wesentliche Besserung der Verhältnisse nicht eintreten wird.“ Wahlrechts⸗Umstürzler. Die königlich sächsische„Leipziger Zeitung“ hat vor einigen Tagen wieder einmal das große Geheimnis der herrschenden Klassen ausgeplaudert, die gewaltige Sehnsucht nach der Vernichtung des Reichstags⸗Wahlrechts. Das amtliche Blatt schreibr: „Weder die Oeffentlichkeit der Stimmabgabe, noch der Wahlzwang und alle die kleinen Mittel, die man zur Einschränkung des allgemeinen Wahlrechts sonst noch vorschlägt, treffen das Uebel an der Wurzel. Es sind sämtlich Ver⸗ legenheitsmittel und bestätigen von Neuem den auch gestern wieder hervorgetretenen Mangel an Mut, der in dieser Beziehung unter den staatserhaltenden Parteien noch immer wahr⸗ zunehmen ist. Mit wahrscheinlich nur ganz wenigen Ausnahmen pflichten sie unserer Ueberzeugung bei, daß das Grund⸗ übel unserer staatlichen Zustände dieses gleiche und allgemeine Wahlrecht ist, daß es die größte Lüge unseres öffentlichen Lebens ist, bei allen Staatsbürgern eine Gleich⸗ heit der politischen Reife und Einsicht, des po⸗ litischen Interesses und des Rechtes der Anteil⸗ nahme an den öffentlichen Geschäften voraus⸗ zusetzen, die thatsächlich nicht existiert und niemals bestehen wird, solange es Staaten und Menschen giebt. Die Herren mögen sagen, was sie wollen, die Beseitigung dieses vernunft⸗ widrigen Wahlrechts wird doch kommen, und sie muß kommen aus innerer Notwendig⸗ keit. Des Staatsstreiches, den man von jener Seite wünscht, wird es dazu garnicht bedürfen.“ Merkts euch alle, ihr Wähler! In den Augen der herrschenden Klasse seid ihr viel zu dumm zum Wählen. Lehrer im Stall. Der preußische Landwirtschaftsminister von Hammerstein sagte dieser Tage im preußischen Abgeordnetenhause unter dem Beifall der Rechten,„eine der wichtigsten Fragen sei die Erziehung der Kinder, ihnen müsse die Liebe zum landwirtschaftlichen Berufe wieder beigebracht werden und da biete sich ein dankbares Feld der Thätigkeit für landwirtschaftliche Vereine, für Geistliche und Lehrer. Aber gerade die letzteren und die Schulverwaltungen lassen es in dieser Beziehung vielfach fehlen, die Lehrer stehen dem landwirtschaftlichen Berufe zu fern und die Kinder verlernen ganz den Begriff dafür, wozu sie der liebe Gott auf das Land gesetzt hat. (Lebhafte Zustimmung rechts.) Statt in den landwirtschaftlichen Betrieb eingeführt zu werden und Liebe für die Einzelheiten der landwirt⸗ schaftlichen Berufsthätigkeit, für die Wartung des Viehes, für das Melken ꝛc. zu lernen, lernen die Kinder stricken(Heiterkeit und lebhafte Zu⸗ stimmung rechts) und was weiß ich sonst noch, wofür sie keine Verwendung haben. Die Lehrer selbst verderben die Geistesrichtung der bäuerlichen Bevölkerung. Der Niedersachse lebt mit seiner Kuh und seinem Vieh unter einem Dache und hat darin niemals etwas Entehrendes gefunden, aber der Lehrer thut es nicht, er will einen eigenen Stall haben und giebt damit ein schlechtes Beispiel.(Lebhafte Zustimmung rechts.)“— Trotz alledem giebt es doch noch Lehrer, die für preußische Junker politische Schlepperdienste leisten, Agitation für Leute betreiben, die den Lehrern am liebsten den Kuhstall als Wohnung anweisen möchten. Bauernschinder in Rumänien. Sämtliche der Teilnahme an den Bauern⸗ revolten schuldigen Fremden oder in Rumänien nicht naturalisierten Sozialisten wurden polizeilich ausgewiesen. So meldet der Telegraph aus Bukarest.„Ausländer, Fremde sinds zumeist...“ Die Beutepolitiker im halbasiatischen Rumänien ahmen nicht ungeschickt ihre reaktionären Vor⸗ bilder im„zivilisterten“ Westeuropa nach. Aber die Fremden sind es auch in Rumänien wirklich nicht, die Bauernrevolten machen. Das sind Bojaren selbst, die rumänischen Junker. Sie verpachten ihren Besitz an bulgarische, rumänische oder griechische Bauernschinder. Und derweil der Bojar, mit seiner oder seinen Maitressen in Bud apest, Paris oder sonst einer lustigen Stadt die Pachtsummen verpraßt, schindet, prügelt mit Hilfe der Ortspolizei, des Militärs, der Pächter die armen, unwissenden Landarbeiter. Das wird selbst diesen armseligen, ausgehungerten Bauern zuviel und so überfällt sie die Wut und ein Pächter oder ein Primar fällt zum Opfer. Dann kommt Militär ins„Dorf“, wie die paar Höhlen, in denen die Bauern hausen und hungern, fälschlich genannt werden und einige Bauern werden auf die schändlichste Weise gemartet oder man macht kürzeren Prozeß und schlägt die„Rädelsführer“ gleich tot. Das ist die Entstehungsgeschichte und der Verlauf der meisten rumänischen Bauern⸗ revolten. Die„Fremden“ aber können nichts dafür. Aus dem Reichstag. Die widerstreitenden Interessen, die um die Reichsbank mit einander ringen, zeichneten sich in der Freitagssitzung recht scharf ab. Das agrarische Junkertum mit seiner mittel⸗ ständisch-zünftlerischen Junkerschutztruppe war vertreten durch v. Kardorff, Dr. Hahn, v. Wangen⸗ heim, Liebermann v. Sonnenberg— so ziemlich der ganze Generalstab. Und nicht der Firnis weltmännischer Bildung, wie beim Grafen Kanitz. Der Pferdefuß wurde denn auch nicht kunstvoll verhüllt. Leichterer Kredit, d. h. Pump nach Belieben für die Junker und Junkergenossen — Vernichtung der Goldwährung, damit die „Notleidenden“ sich wie weiland bankrotte Fürsten mit falschem Geld auf die Beine helfen können — kurz, die Losung: Her mit dem Kapital— für die richtigen Leute! Den bürgerlich-kapitalistischen Standpunkt verfochten die Freihändler und Freisinnigen 9 Fischbeck und Brömel; und Bankdirektor Koch, der eine gute Klinge führt, sprang mit den Agrariern unbarmherzig um, sie in ihrer ganzen Unwissenheit an den Pranger stellend. Herr Liebermann, der nicht begreifen kann, daß es etwas anderes ist, die Reichsbank einer Junkerklique auszuliefern als sie in einem demo⸗ kratischen Staat zu verstaatlichen, machte uns den komischen Vorwurf der Inkonsequenz. Er wurde von Gen. Schoenlank, den er besonders angegriffen hatte, mit Leichtigkeit heimgeschickt.— Die Vorlage ging an eine Kommission. Die ganze Samstagssitzung wurde in An⸗ spruch genommen durch die Interpellation des Grafen Kanitz über den Stand der handels⸗ politischen Verhandlungen mit den Ver⸗ einigten Staaten von Amerika. Graf Kanitz hielt im ersten Teil seiner Begründung eine längere schutzzöllnerische Rede und kam erst im zweiten Teil auf den eigentlichen Inhalt der Interpellation. Aus der Antwort des Staats⸗ sekretärs v. Bülow ergab sich, mit ziemlicher Sicherheit, daß die Junker von der Regierung bestellte Arbeit geliefert hatten mit ihrer Inter⸗ pellation. Die Rede des Staatssekretärs war sorgsam vorbereitet. Sie war in jeder Beziehung geeignet, auf ein besseres Verständnis der Amerikaner hin⸗ zu wirken. Montag, Dienstag und Mittwoch waren der Beratung des neuen Invaliditätsver⸗ sicherungsgesetzes gewidmet. Unsererseits sprach Gen. Molkenbuhr. Er wies über⸗ zeugend nach, daß auch dieses Gesetz wieder so gemacht werden soll, daß es neben winzigen Ver⸗ besserungen große Nachteile mit sich bringe. Es sollten die Agrarer auch hier entlastet werden durch weitere Belastung der städtischen resp. industriellen Kreise. Molkenbuhr erklärte, daß die Sozialdemokratie für eine Reform der Versicherung sei. Wenn aber dieser Novelle die agrarischen Krallen nicht abgeschnitten werden, so werden wir gegen das Gesetz stimmen. Verbesserungen sind nicht schwer anzubringen. Die Novelle ist so voller Mängel, daß faft jede Aenderung an ihr eine Verbesserung darstellen wird. Im weiteren Verlauf der Verhandlungen, die, wie gewöhnlich wieder allerlei Dummheiten und Verleumdungen gegen unsere Partei gezeitigt hatten, kamen noch die Genossen Wurm und Sachße zum Wort. Wurm wendet sich gegen die zwangs⸗ weise Unterbringung der Arbeiter in die mit Recht als Rentenquetschen bezeichneten Heitanstalten. Die ganze Arbeiterver⸗ sicherung, mit Ausnahme der auf der Haft⸗ pflicht beruhenden Unfallversicherung ist nur eine Ausgestaltung der Armenpflege. Die Rentenstellen könnten eine Bedeutung nur erlangen, wenn man die Arbeiter dazu heranziehen wollte, namentlich auch die Frauen. Die Vorlage hat im Ganzen wenig Freunde, ich hoffe, daß sie in die Kommission geht; wir werden beweisen, daß auf dem Boden der heutigen Gesellschafts⸗ ordnung dieselbe noch ganz gut ausge⸗ staltet werden kann. —— Kommunales aus Gießen. II. ps. Wir haben folgendes Schreiben erhalten: Oberbürgermeister Gnauth. Gießen, den 13. Februar 1899. An verehrliche Redaction der Mitteldeutschen Sontags-Zeitung, hier. Die Bemerkungen, welche Sie in Nr. 7 Ihrer Zeitung hinsichtlich der Unterstützung unseres Theaters aus städt. Mitteln gemacht haben, bedürfen in zwei⸗ facher Hinsicht der Ergänzung. Zunächst ist in der Spielzeit 1897/8 die Direction nicht nur durch den angegebenen Gaspreisnachlaß, sondern auch weiterhin dadurch unterstützt worden, daß für die Anschaffung von(in das Eigentum der Stadt übergehenden) Decorations- und Einrichtungs- Gegenständen insgesamt 1500 M. verwilligt wurden. Des Weiteren aber hat die Stadt für die laufende Spielzeit die Saalmiethe bis zum Betrag von 3000 M. übernommen(unter Wegsall des früheren Gaspreis, nachlasses) und unter der Bedingung, daß die ie! tion sich verpflichtet,„mindestens 12 sogen.“ Seite 4. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 8. EE vorstellungenß zu möglichst gleichmäßigen und be⸗ deutend herabgesetzten Eintrittspreisen zu geben“. Aus den von der Direction dafür vorgeschlagenen Stücken hat man diesseits ausgewählt:„Don Car⸗ los, Nathan, Tell, Maria Stuart, Ehre, Heimath, Glück im Winkel, Uriel Acosta, Pfarrer von Kirch⸗ feld, Minna von Barnhelm, der Herr Senator und event. einige Einakter.“— Die Aufführung weiterer Stücke geringeren Werthes kennzeichnet sich somit mehr nur als eine von der Direction beliebte Zu⸗ gabe weiterer Ausführungen zu ermäßigten Preisen, für welche die Direction eben auch die Bezeichnung „Volksvorstellungen“ gewählt hat. Unsere„Stadtväter“ waren also wol auch dabei nicht gar so schlimm. Ergebenst F. Gnauth. Für diese Aufklärung sind wir dem Herrn Oberbürgermeister sehr dankbar. Wir konnten von der Bewilligung einer Summe von 3000 Mk. keine Kenntnis haben, da weder im städtischen Voranschlag für 1898/99, noch im neuesten Ver⸗ waltungsbericht für 1897/8 irgend etwas davon bemerkt ist. Immerhin hätten wir wohl von der Bewilligung hören müssen, wenn sie in öffent⸗ licher Sitzung unserer Stadtväter erfolgt wäre. Da viele der Gießener Stadtverordneten, soweit sie bis Ende 1898 in Aktivität waren, nicht allein innerhalb, sondern auch außerhalb des Bürger⸗ meistereigebäudes fast ausnahmslos eine geradezu bewundernswerte Schweigsamkeit beobachteten, so blieb uns jener lobenswerte Beschluß, der die Oeffentlichkeit durchaus nicht zu scheuen brauchte, ein Geheimnis. Wir wollen übrigens an dieser Stelle den Herrn Oberbürgermeister daran erinnern, daß er in der Stadtverordnetensitzung vom 3. März 1898 auf eine Anregung des Stadtv. Haubach hin die Zusage gab, der Presse Mitteilung von den in nicht öffentlichen Sitzungen gefaßten Beschlüssen zu machen. Doch kommen wir zum Schreiben des Herrn Oberbürgermeisters zurück. Außer der erfreu⸗ lichen Thatsache, daß der Stadtvorstand das Theater mit einer nennenswerten Summe zu sub⸗ ventionieren beschlossen hat, geht aus der Zu⸗ schrift weiter hervor, daß der Theaterdirektion auch gewisse Verpflichtungen in bezug auf die Veranstaltung von Volksvorstellungen auf⸗ erlegt worden sind, also das bereits geschehen i st, was wir in voriger Nummer als wünschens⸗ wert bezeichneten. Da der Herr Oberbürger⸗ meister der Ansicht ist, daß sich verschiedene Auf⸗ führungen geringwertigerer Stücke nur als Zugaben der Direktion kennzeichnen, so ist wohl zu erwarten, daß in der laufenden Spiel⸗ zeit noch einige Volksvorstellungen stattfinden, in denen Stücke von unbestritten künstlerischem Wert zur Aufführung kommen. Daß sich genau nach der einmal getroffenen Wahl gerichtet werden müßte, halten wir für nicht absolut not⸗ wendig. Wenn 3. B. an Stelle der Maria Stuart Barthel Turaser über die Bühne ging, so hielten wir das ebenso wenig für ein Unglück, als wenn in einer Volksvorstellung Don Carlos dem Fuhrmann Henschel Platz machen müßte. Wir haben das Vertrauen zum Stadt⸗ vorstand, daß er auch in Zutunft bei der Aus⸗ wahl der Stücke sowohl die Alten wie auch die Jungen in der Litteratur gleichmäßig berück⸗ sichtigt, so, wie das nach dem Schreiben des Herrn Gnauth, bereits für die laufende Spiel⸗ zeit geschehen ist. Da wir uns noch einmal so eingehend mit der Theaterangelegenheit befassen mußten, wollen wir gleichzeitig noch einem Wunsche Ausdruck geben, den die Theaterdirektion leicht zu erfüllen in der Lage ist. Es ist bekannt, daß die Volks⸗ vorstellungen jetzt in der Hauptsache von Leuten besucht werden, für die sie gar nicht in erster Linie bestimmt sind. Wenn die wirklich un⸗ bemittelten Leute um 7 Uhr von der Arbeit kommen, so können sie unmöglich um halb 8 Uhr bereits das Theater belagern, um nach fürchter⸗ lichem Kampfe vor jeder einzelnen Thür überhaupt noch ein bescheidenes Plätzchen zu erlangen. Leute, die soviel Zeit haben, daß sie schon von halb 7 Uhr ab im Theaterhof die Thürbffnung, die erst halb 8 Uhr erfolgt, abwarten können, mögen an den gewöhnlichen Spielabenden das Theater besuchen. Die Volksvorstellungen sollten nes reserviert bleiben, die höhere Preise, als in den Volksvorstellungen üblich, nicht zahlen können. Wir sind nun der Ansicht, daß es sehr leicht angängig wäre, den geringen Leuten Plätze zu sichern. Es wäre nur notwendig, mehrere Tage vor den Volksvorstellungen nummerierte Billets zu verkaufen. Dann wäre jedermann in der Lage, sich einen Platz zu sichern, auch wenn er erst wenige Minuten vor 8 Uhr ins Theater gehen kann. Diesen Wunsch zu erfüllen läge im Interesse der Theaterdirektion selbst. Von Nah und Fern. Mitteilungen aus unserem Leserkreise find jederzeit willkommen Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissenhaftigkei bei Uebermittelung von Nachrichten.— Wir bitten, alle zum Druc bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben. Sozialdemokraten in Schulausschüssen. * Daß in Hessen Sozialdemokraten ungestört in den Schulausschüssen sitzen dürfen, findet die„Kreuzztg.“, das Junkerblatt, auffällig, es meint,„daß dieses Entgegenkommen den hessischen Schulen sicherlich nicht zum Segen ge⸗ reichen werde“.— Das Blatt des Hammerstein kann unbesorgt sein. Wenn auch die hessischen Schulen nicht ganz unsern Wünschen ent⸗ sprechen, so sind sie doch ganz entschieden besser wie die preußischen. Sicherlich dürfte es auch ein hessischer Krautjunker nicht ris⸗ kieren, so über die Schulen zu reden, wie das in der preußischen Landrats⸗ und Junkerkammer wiederholt geschehen ist. Der Arbeiter⸗Freund. * Die Nr. 7 des von dem bekannten Pastor Hülle mit Unterstützung von Behörden und Unternehmern herausgegebenen Wurstblattes, das den Lügentitel:„Der Arbeiter-Freund“ führt, zeigt wieder in der üblichen Weise die „Arbeiter⸗Freund“schaft. Unter der Ueberschrift: „Ein neuer Ankläger“ wird eine Broschüre gegen unsere Partei ausgeschlachtet, die ein Magde⸗ burger Arbeiter unter dem Titel„15 Jahre Sozialdemokrat“ herausgegeben hat. Es sind die alten Lügen: hohe Gehälter, fette Diäten usw. Die Herren Unternehmer sollten eine Million von der Anklageschrift drucken lassen und gratis verteilen. Der Erfolg würde für uns nicht ausbleiben.— Noch besser als der Lü genartikel des„Arbeiter- Freundes“ be⸗ weist die er ste Notiz unter den politischen Nach⸗ richten, wie die Arbeiterfreundlichkeit des Lügen⸗ blättchens beschaffen ist. Die Notiz lautet: Der Kaiser hat neuerdings auf das Ent⸗ schiedenste bekundet, daß das Gesetz zum Schutz der Arbeitswilligen noch in der laufenden Session zur Beratung und Ver⸗ abschiedung gelangen möchte, und daß ins⸗ besondere dem Un wesen des Streik⸗ postenstehens scharf vorgebeugt werde. Hui, wie mag sich der christliche Pastor Hülle freuen, daß er in seinem Fabrikanten⸗ blatt mit dem Lügentitel:„Der Arbeiter⸗ freund“ den um bessere Ernährung ihrer Familien besorgten Arbeitern das Zuchthaus ankündigen kann. Und fortwährend jammern und heucheln die Unternehmer über den Terrorismus der Arbeiter. Kann es einen schlimmeren Terrorismus geben, als den auch von Gießener Fabrikanten ausgeübten: den Arbeitern Blätter aufzuzwingen, in denen die Arbeiterbewegung fortgesetzt ver⸗ leumdet und herabgesetzt wird? Schneiderversammlung. G. In einer am 6. Februar im Lokale des Herrn Orbig abgehaltenen Schneiderversammlung stand das Thema„Lohn- und Arbeits⸗ verhältnisse im Schneidergewerbe“ auf der Tagesordnung. Der Referent Mirus hob hervor, daß in keinem anderen Gewerbe so ungeordnete Verhältnisse vorherrschten, wie in der Schneiderei. Als Hauptursache bezeichnete er die sogenannte Heimarbeit, welche es unmöglich mache, geordnete Verhältnisse herbeizuführen. Die erste Forderung der Schneider müsse also bei Lohnbewegungen auf Abschaffung der Heimarbeit und Errichtung von Werkstätten lauten. Sind z die letzteren erst eingeführt, dann könne man auch auf die Lohnverhältnisse bessernd einwirken. Um nun dies zu erreichen, bedürfe es des Zu⸗ sammenschlusses aller Gehilfen in der Organi⸗ sation, welche der einzige Rückhalt für die Ar⸗ beiter in einer Lohnbewegung ist. Nach einer kurzen Diskussion über das Referat wurde der Tarif verlesen, welcher in diesem Frühjahr den Gießener Schneidermeistern vorgelegt werden soll. Derselbe wurde einstimmig angenommen und beschlossen, denselben in kürzester Frist durch die Lohnkommission den Meistern vorlegen zu lassen. Erwähnt sei noch, daß sich die Zahl der Mitglieder in der hiesigen Filiale des Schneiderverbandes mehr als ver⸗ doppelt hat. In Darmstadt wird vom April ab ein Arbeitersekretariat errichtet werden. drei Gewerkschaftsmitgliedern, drei Mitgliedern der sozialdemokratischen Partei, sowie einem Mit⸗ gliede der Kreisorganisation hat die Vorbe⸗ reitungen so weit gefördert, daß die Errichtung gesichert erscheint. Die Arbeitgeber werden sich finanziell beteiligen. Freisinnige Oktroifreunde. Die freisinnigen Hausagrarier, die den Mund nicht voll genug nehmen können, wenn es gilt, über die Begehrlichkeit der Vollblut⸗ agrarier herzuziehen, sind genau ebenso habgierig, wenn ihr Geldbeutel in Frage kommt. So hat dieser Tage die Breslauer Stadtverordneten⸗ Versammlung mit 62 gegen 30 Stimmen die Weitererhebung der Schlachtsteuer beschlossen. Die liberalen Hauspaschas sind zu filzig, diese schreiend ungerechte Steuer, die eine Durchschnitts⸗ Arbeiterfamilie mit 15—20 Mk. pro Jahr be⸗ lastet, auf direktem Wege aufzubringen. Solche Freisinnige gibts selbstverständlich nicht nur in Breslau. Aus Alsfeld. w Hungerlöhne im wahren Sinn des Wortes werden in den hiesigen Holzschneidereieu und Holzhandlungen bezahlt. Dieselben betragen für einen erwachsenen Arbeiter Mk. 1,70 bis Mk. 2,— durchschnittlich bei einer Arbeitszeit von zwölf Stunden. Etwa 300 Arbeiter sind in den. verschiedenen Holzgeschäften beschäftigt, mehr als die Hälfte der Arbeiter muß jeden Morgen und Abend einen Weg von 1 bis 2 Stunden zurück⸗ legen. Rechnet man dieses hinzu, so ergiebt sich daß die Arbeiter täglich für einen Hungerlohn 14 bis 16 Stunden auf den Beinen sein müssen. Aber nicht allein in den Holzgeschäften herrschen solche erbärmliche Zustände; ist doch in der „Köster'schen Tabakfabrik“ 12 Mk. der höch ste Wochenlohn, welchen ein Arbeiter erringen kann. Trotzdem aber scheint fast unmöglich, die Leute Ein Ausschuß, bestehend aus davon zu überzeugen, daß es sich die verschiedenen Organisationen, die Holz⸗ und Tabakarbeiter⸗ usw. Verbände zur Aufgaffe machen, bessere Zu⸗ stände zu schaffen, damit jeder Arbeiter ein anständiges Leben führen kann. Unsere Aufgabe, wird nach wie vor die sein, aufzuklären, damit es möglich wird, auch hier die Arbeiter gewerkschaftlich zu organisieren. Aus Wetzlar. f. Das Gewerbegericht für den hiesigen Kreis hat im Jahre 1898 insgesamt 20 Sitzungen abgehalten, davon nur 3 mit Hinzuziehung von Beisitzern. Anhängig wurden 73 Sachen. In 40 Fällen waren Arbeitgeber, in 33 Fällen Arbeiter Kläger. In Wetzlar ist also die wohl seltene Thatsache zu konstatieren, daß mehr Unternehmer als Arbeiter klagten. Aus Marburg. b. Eine Ehrung. Der neue präsident von Hessen⸗Nassau v. Zedblitz⸗ Trützschler hat am Samstag Marburg besucht. Das Ereignis wurde in sinniger Weise gefeiert. Es wurden an diesem Tage alle statthabenden Mensuren abgefaßt oder durch Besetzung der Pauklokale durch Gendarmen unmöglich ge⸗ macht. Es wurde also so eine Art Gottesfrieden hergestellt, damit der heilige Tag des hohen Besuchs nicht durch Blut entweiht werde. Oder ist der neue Oberpräsident überhaupt ein Feind ö Ober⸗ 5— Verhaftet Reüngni 0 hiferndar un Herfelbe geh Graf Gao gliedrigen„ lagen“, Au unter dem ils. Et getteten wie debselben un als„Orale Beide halte in der Nöh durch ihre „Damen“ Ueber d Erbprin; verschiedene von Selbstr lichen geit da er als! sellschaft Spiele star ersetzt wor der Prinz gangen it, fehlunge gezogen. Zlätter, fi Mitteln rei scc den Ver der Erbh lukungen i iu sein., 0 einer ahm. bald fu d dagegen au leberra In ein wit: Pon gettauten hurtzuehg eines Oft den gesul da die d Vaters Un dig Sean d. — Man ken. 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Weiß sie das an den übrigen Samstagen nicht? — Die Kosten der jetzt vollenden Sch wemm⸗ Kanalisation Marburgs belaufen sich nach dem Verwaltungsbericht auf 1 078 000 Mark, wovon 195 000 Mark durch die Anlieger der neuen Straßen zurückerstattet werden, sodaß nur rund 880 000 Mark verbleiben.— Die Stadt⸗ verordneten genehmigten gestern Abend nach leb⸗ hafter Diskussion die Errichtung einer Vor⸗ schule für die höheren Lehranstalten. Der in der Presse wie in Versammlungen geführte heftige Kampf wegen dieser Schule hat damit sein Ende gesunden und zwar ein durchaus unbefriedigendes, weil den„Vornehmen“ wieder eine Extrawurst gebraten ist. Aus der„guten“ Gesellschaft. Verhaftet und in das Moabiter Untersuchungs⸗ gefängnis eingeliefert wurde der Regierungs⸗ referendar und Leutenant der Reserve v. Ka yser. Derselbe gehörte mit den beiden bereits verhafteten Graf Egloffstein und v. Kröcher zu dem fünf⸗ gliedrigen„Direktorium“ des„Klubs der Harm⸗ losen“. Auch v. Kayser steht in erster Linie unter dem Verdacht des gewerbsmäßigen Glücks⸗ spiels. Er war persönlich nicht so sehr hervor⸗ getreten wie v. Kröcher, ist aber ein naher Freund desselben und gilt in den Kreisen der Eingeweihten als„Orakel“ und„Meister“ des v. Kröcher. Beide hatten luxuriös eingerichtete Wohnungen in der Nähe des Tiergartens, und beide machten durch ihre Beziehungen zu den elegantesten „Damen“ der Halbwelt viel von sich reden. Flott gelebt. Ueber die Ursache des frühzeitigen Todes des Erbprinzen von Koburg-Gotha sind verschiedene Gerüchte im Umlauf. Mehrfach war von Selbstmord die Rede; jetzt wird in bürger⸗ lichen Zeitungen mitgeteilt, daß der Erbprinz, da er als Potsdamer Offizier in lockere Ge⸗ sellschaft geraten war und namentlich dem Spiele stark zu fröhnen anfing, nach Darmstadt versetzt worden ist. Die Krankheit, an welcher der Prinz in entsetzlicher Weise zu Grunde ge⸗ gangen ist, hatte er sich durch schwere Ver⸗ fehlungen in seiner Lebens weise zu⸗ gezogen. Es sei, so schreiben die patriotischen Blätter, für einen jungen, lebenslustigen, mit Mitteln reich versehenen Fürstensohn nicht leicht, sich den Verführungen der Großstadt zu entziehen. Der Erbprinz scheine diesen gefährlichen Ver⸗ lockungen in besonders hohem Maße unterlegen zu sein.„Er zog sich dabei ein Leiden zu, das schnell einen ungewöhnlich bösartigen Charakter annahm. Das Krankheitsgift hatte den Körper bald fo vollständig durchsetzt, daß jeder Kampf dagegen aussichtslos war.“— ö Ueberraschung auf dem Standesamte. In einem Würzburger Blatte lesen wir: Von den am Sonnabend standesamtlich getrauten Ehepaaren wurde eine Braut von Ge⸗ burtswehen überrascht und mußte in das Zimmer eines Offizianten gebracht werden, wo sie von einem gesunden Knaben glücklich entbunden wurde. Da die Trauung noch vor der Geburt des Kindes vollzogen wurde, führt dasselbe den Namen des Vaters und ist als ehelich geboren in die Register des Standesamtes aufzunehmen. Arbeiterbewegung. Zum Streik der Crefelder Weber. In der letzten Crefelder Stadtverordnetensitzung teilte, wie der Frankfurter Volksstimme geschrieben wird, der Vorsitzende der sozialen Kommission, Dr. Bertram, unter dem Beifall der Versamm⸗ lung mit, er halte nunmehr den Zeitpunkt für ein vermittelndes Eingreifen für gekommen und werde zu diesem Behufe zunächst die Kommission berufen, da die Beteiligten ihrerseits sich nicht an die Behörde gewendet hätten und die Fort⸗ setzung des Kampfes die Erbitterung nur steigere. Bekanntlich haben die Arbeiter gleich zu Anfang des Streiks die gesetzliche Einigungsinstanz, das Gewerbegericht, angerufen, die Unternehmer haben es jedoch abgelehnt. Wenn jetzt die soziale Kommission als Vermittelungsstelle eingreift, so darf vermutet werden, daß die Unternehmer von ihrer streng abweichenden Haltung zurück⸗ gekommen sind. — In Hamburg haben alle Mitgliedschaften des Hafenarbeiterverbandes ihre Soli⸗ darität mit den Schauerleuten erklärt betreffs des Arbeitsnachweises. Von festangestellten 2000 Schauerleuten lösten bisher 935 Karten durch ihre Stauerbaase, von ca. 2500 Hülfsarbeitern bisher 113. Dem Vorsitzenden der Senatskommission für die Hafenverhältnisse ist bisher auf ein Ver⸗ mittelungsersuchen keine Antwort zu Teil ge⸗ worden. Die Frist läust am 20. ab. Die Situation ist sehr ernst. Beharren die Rheder auf ihrer Protzenhaftigkeit, allein bei der Ar⸗ beitsvermittelung zu bestimmen, so ist das schlimmste zu befürchten. Partei⸗Nachrichten. Kreis Konferenz für den Wahlkreis Gießen ⸗Grünberg⸗Nidda am 26. Februar, nachmittags von 1 Uhr ab im Herbertschen Saale zu —— Hausen. Tagesordnung: 1. Abrechnung des Kreisvertrauensmanns. 2. Ab⸗ rechnung des Kassierers vom Kreis-Wahl-Verein. 3. Bericht der Delegierten über den Stand der Bewegung in ihren Orten. 4. Die bevor⸗ stehende Landtagswahl für Gießen⸗Land.(Ref. Scheidemann.) 5. Ausbau der Organi⸗ sation im Kreise.(Referent: Bock.) 6. Unsere Presse.(Ref. Krumm.) Für jeden Ort sind bis zu drei Delegierte stimm⸗ berechtigt. Mandatsformulare sind bei dem Genossen Orbig-Gießen, Rittergasse, in Empfang zu nehmen oder per Postkarte zu bestellen. Die Genossen werden ersucht, sofort Stellung zur Kreiskonferenz zu nehmen und die Wahl der Delegierten vorzunehmen. Abends ½8 Uhr im selben Lokale Volksversammlung. Redner: Redakteur Scheidemann-Gießen. Versammlungs⸗Kalender. Samstag, den 18. Februar: Gießener Wahlverein bei Orbig, abends pünkt⸗ lich 9 Uhr:. Partei⸗Versammlung, zu der alle Genossen, auch diejenigen, welche nicht 1 des Vereins sind, ausdrücklich eingeladen werden. Tagesordnung: 1. Miliz oder stehendes Heer? Eine prinzipielle Streitfrage. Referent: Redakteur Scheidemann. Korreferent: Stadtv. Ed. Krumm. 2. Der Maulkorbzwang im Reichstag. Referent: Chr. Petersen. Diskussion zu jedem Punkt. 3. Wahl der Delegierten für die Kreis-Konferenz in Hausen. Heuchelheim. A.⸗B.⸗V. bei B. Keil, abends 9 Uhr. Sonntag, den 19. Februar: Kreis Alsfeld. Nachmittags 3 Uhr in Romrod bei Gastwirt Jost Schmidt. Abends 8 Uhr in Oberbreitenbach bei Gastwirt Wenzel. Referent in beiden Versammlungen: Redakteur Scheidemaun⸗Gießen. Briefkaften der Redaktion. Pf.— O. Adresse können Sie von Abg. Hoch⸗ Hanau erfahren. Derselbe ist Redakteur der„Dachd.⸗ Zeitung“. Für die Dresdener Zuchthaus opfer sind bei der Redaktion der M.⸗S.⸗Z. eingegangen: Ed. Krumm 10.—, Holzarbeiter-Verband Gießen 10.—, A. J. 2.—, Ortsverein der Handschuhmacher Wetzlar 10.— Mk., L. A. 25 Pfg. H. B. 20 Pfg. In voriger Nummer quittiert Mk. 7.50, ergiebt eine Gesamtsumme von Mk. 39.95. Marktberichte. Gießen. Auf dem Wochenmarkte vom 16. Februar kostete: Butter per Pfund Mk. 075,—0,85, Hühnereier 1 St. 6—8 Pfg., 0 Stück 0—0 Pfg., Käse per Stück 5—8 Pfg., Käsematte 1 Stück 5 Pfg., Erbsen pro Liter 20 Pfg., Linsen pro Liter 30 Pfg., Tauben pro Paar Mk. 0,80— 1,00, Hühner pro Stück Mk. 1,30— 1,70, Hahnen pro Stück Mk. 1,30— 2,00, Enten per Stück Mk. 1,80— 2,40, Gänse pro Pfund 00—00 Pfg., Ochsenfleisch per Pfd. 68— 74 Pfg., Kuh⸗ und Rindfleisch 62—64 Pfg., Schweinefleisch 68— 76 Pfg., gesalzen 80 Pfg., Kalbfleisch 64—66 Pfg., Ham⸗ melfleisch 50— 70 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kilo Mk. 6,00 bis 7,00, Zwiebeln pro Zentner Mk. 8,00 9,00, Milch per Liter 16 Pfg. Grünberg, 11. Februar. Fruchtpreise. Weizen Mk. 16,50 00,00, Korn Mk. 14,90 00,00, Gerste Mk. 00,00 00,00, Hafer Mk. 13,88— 00,00, Erbsen Mk. 00,00— 00,00, Linsen Mk. 00,—, Wicken Mk.—,.— Lein Mk.—,—, Kartoffeln Mk. 0,00 00,00, Samen Mk. 00,00 per 100 Kilogr. Letzte Nachrichten. Zum Dresdener Zuchthaus Urteil. Die„Sächs. Arbeiter⸗Ztg.“ stellt fest, daß ein im offiziellen„Dresd. Journ.“ veröffentlichter Artikel, der das furchtbare Urteil rechtfertigen soll, soweit die Schilderung des Thatbestandes in Betracht kommt, wörtlich der Anklage⸗ schrift entnommen ist, die alles enthält, was den Angeklagten von der Staatsanwaltschaft zur Last gelegt wurde, aber nichts von dem, was die Verhandlung im heimlichen Gericht ergab, nichts von dem, was die lebendig Be⸗ grabenen entlastete! Und zu solchen Mitteln greift ein offizielles Organ! Die Begründung des Ausschlusses der Oeffentlichkeit ist gänzlich mißlungen! Inzwischen urteilt das arbeitende Volk in nicht mißzuverstehender Weise über das Urteil. Der„Vorwärts“ quittiert am Donners⸗ tag über 5935,10 Mark, die„S. Arb.⸗Ztg.“ über 8956,44 Mark, die für die Hinterbliebenen der Verurteilten eingegangen sind. Wiederum drei Opfer hat der Berg⸗ bau gefordert. Aus Dortmund wird unterm 15. d. M. berichtet: Auf der Zeche„Glückauf Tiefbau“ verunglückten heute bei Sprengungen drei Bergleute. Zwei derselben sind tot, der dritte ist schwer verletzt. Russische Abrüstung. Aus Petersburg wird gemeldet: Das Marineministerium beschloß, sofort nach dem Stapellauf der neuen drei Kreuzer„Aurora“,„Diana“ und„Pallas“ auf der Petersburger Werft ein neues großes Panzerschiff zu bauen. Dasselbe wird 12 600 Tonnen Wasserverdrängung und 18 Knoten Fahrgeschwindigkeit in der Stunde haben. Prozeß Dreyfus. Aus Paris kommen jetzt wiederholt Meldungen, die eine baldige und bestimmte Beendigung der Affaire Dreyfus in Aussicht stellen; der Ministerpräsident Dupuy hat sogar mit dem Pariser Deputierten Binder gewettet, der Kassationshof werde längstens bis zum 20. März das Urteil gefällt haben, mit dem, wie Dupuy sich in der Kammer ausdrückte, nur Narren oder Empörer unzufrieden sein könnten. Abwarten! Felix Faure, der Präsident der französischen Republik, ist am Donners⸗ tag Abend 10 Uhr plötzlich infolge eines Gehirn⸗ schlags gestorben. Zehn Minuten vor dem Tod Faures erschien der Ministerpräsident Charles Dupuy, der sofort die Präsidenten des Senats und der Kammer benachrichtigte. Nach der Verfassung beruft der Senatspräsident beide Kammern zur Wahl eines neuen Präsidenten ein, die am Samstag in Versäailles stattfindet. — Faure ist 58 Jahre alt geworden. PPP ð ͥ Te Parteigenossen! Werbt unablässig Abonnenten für Euer Parteiorgan, die„Mitteld. S.⸗Ztg.“! —— ——— —. —— E—————p—jꝙ—v —— ——— Seite 6. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 8. 0—— ee— so 7700000000000 Unterhaltungs⸗CTeil. . Aus der Enge. Von Klara Müller.“ Hinaus möcht' ich zieh'n in die blühende Weite, Ein Lied auf der Lippe, den Lenz als Geleite, In rauschende Wälder, an sonnige Borden, Auf ragende Berge— nach Süden, nach Norden— Hinaus nur, hinaus! 8 möcht' ich zieh'n auf die lärmenden Gassen, in Tropfen, versinken im Meere der Massen, Der eigenen Pulse Auschwellen und Schwinden Erschauernd als Herzschlag der Menschheit empfinden, Hinaus nur, hinaus! 8 Hinaus möcht' ich zieh'n in die schimmerude Ferne;— Schon glänzen zu Häupten mir tropische Sterne: In glühenden Nächten, in pressenden Armen Möcht' ich zu lachendem Leben erwarmen Hinaus nur, hinaus! Aus„Mit roten Kressen“. 0(Verlag von Baumert und Ronge, Großenhain.) vom Stamm gevissen. 71 Roman von E. Langer. Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) Gleich am nächsten Morgen wurde die Annonce, durch welche Valeska eine Stellung als Erzieherin oder Lehrerin in Musik und Sprachen suchte, in die Spalten des verbreitetsten Organs der Provinz eingerückt und am nämlichen Tage, an welchem sie erschien, meldete sich eine Verwandte der Familie von Kries, für welche sie eine Dame, die in den genannten Fächern Tüchtiges leistete, engagieren sollte. Wie immer machte Valeska den günstig sten Eindruck, und man einigte sich leicht über die Bedingungen. Da die Stellung sogleich angetreten werden sollte, so erbat sich Valeska nur vierundzwanzig Stunden Zeit, um ihre Vorbereitungen zu treffen. Mit Oettinger hatte sie am Abend eine Zusammen⸗ kunft, zu der Tussy sie begleitete. Er war be⸗ stürzt und außer sich über die Trennung, auf die er so garnicht vorbereitet gewesen, doch gab er der Geliebten an Mut nichts nach. Sie schieden wie Menschen, deren Bund nicht nur auf flüchtigem Sinnenrausch, sondern auf tief innerer Sympathie beruht, das heißt gefaßt und voll Hoffnung auf die Zukunft. In der Frühe des nächsten Morgens sah Oettinger, der sich ein Stück vor dem Bahnhof aufgestellt, den Zug, der Valeska entführte, an sich vorbeirasen und in dem dicken winterlichen Nebel verschwinden. III. Prächtiges, klares Winterwetter. Auf dem beschneiten Rondell vor dem Herrenhause auf Adlig⸗Triberg tummeln sich Valeska Stern und ihre Schülerinnen, die zarte Agnes und Elfriede, der muntere Backfisch, im Hause von allen Elfchen genannt; auch der kleine Hans fehlt nicht, der von Valeska unzertrennlich ist. Alle haben frische, rote Wangen, selbst die früh ver⸗ blühte Agnes, mit welcher überhaupt eine völlige Verwandlung vorgegangen ist. Man wirft sich mit Schneeballen und hascht einander, und das Lachen und Jauchzen der jugendlichen Stimmen klingt silbern in der reinen, frostigen Luft. „Sapperlot, war das ein eleganter Wurf, und welche elastischen Bewegungen“, sagte der junge Lieutenant von Kries, der zu den Oster⸗ feiertagen gekommen war und mit seiner Braut, der zweiten Tochter des Hauses, Rosa, die ein wenig erkältet war und nicht hinaus durfte, eine Partie Billard spielte, wobei er die Blicke fort⸗ während zum Fenster hinausschweifen ließ. „Ich glaubte, Du sprächst hier von unserem Spiel, Georg“, schmollte Rosa, die der Richtung seiner Blicke gefolgt war.„Du scheinst aber mehr draußen zu sein. So geh doch, geh, wenn Dich die elastischen Bewegungen unserer Gesangs⸗ lehrerin so sehr reizen.“ „Aber, Schätzchen, warum denn gleich so empfindlich? Die Schönheit muß man bewun⸗ dern, wo man sie findet, und Fräulein Stern ist eine Schönheit; wirklich, eine famose Erschei⸗ nung, besonders jetzt mit dem roten indischen Shawl um den Kopf, den sie so genial um⸗ zuwerfen versteht.“ „Wo sie nur die alte Herrlichkeit herhaben mag? Gewiß ein Erbstück von der Urgroß⸗ mutter“, stichelte Fräulein Rosa. „Laß Du die alte Herrlichkeit in Ruhe. Solche alte Sachen haben jetzt einen hohen Wert“, belehrte sie der Lieutenant mit weiser Miene. „Nun, mit den neuen wird es bei denen auch übel bestellt sein. Tante Wanda, die die Stern engagierte, schrieb, daß es recht ärmlich bei den Leuten aussähe. Sie hat jedenfalls nötig, zu verdienen.“ „Um so merkwürdiger ist die Sicherheit und natürliche Eleganz, mit der sie auftritt. Ich bin begierig, wie Papa sie finden wird. Schade, Holdchen, daß Du nicht mit zur Bahn fahren kannst, um ihn abzuholen.“ „Daran ist nicht zu denken. Aber Du fährst auch nicht“, dekretierte Holdchen.„Tante Adele und Elfchen können Papa abholen. Nein, Georg, Du bleibst bei mir, Du darfst nicht fahren. Heimlich seufzend ergab sich der Lieute⸗ nant in den süßen Zwang. Der Reichstag hatte seine Sitzungen vierzehn Tage vor dem Feste geschlossen und der Gnts⸗ herr seine Heimkehr angekündigt. Heute Abend wurde er erwartet. Das ganze Haus war des⸗ wegen in Aufregung. Fräulein Adele wirtschaftete in allen Wohnräumen herum, um überall für die Bequemlichkeit des geliebten Bruders zu sorgen. Die Thätigkeit der Hausfrau war weniger geräuschvoll. Sie beschränkte sich auf Anordnen und Beaufsichtigen. Innerlich war sie aber um so erregter. Obgleich mehr als zwanzig Jahre verheiratet und Mutter von vier Kindern, war Frau von Kries eine Frau mit jungem Herzen. Sie liebte ihren Mann noch ebenso innig, als da sie mit ihm vor den Altar trat. Solche bräutlich empfindenden, ihre Mäd⸗ chenliebe unverändert bewahrenden alten Frauen sind keine so großen Seltenheiten, wie man denkt. Bei Frau von Kries hatte sich dies Gefühl um so frischer erhalten, als die Anwesenheit ihrer Schwägerin im Hause sie stets genötigt hatte, dasselbe zurückzudrängen. Ihr Inneres profanen Augen preiszugeben, war ihr nicht möglich, und Fräulein Adele war für sie eine profane Person. Diese wiederum hielt die scheu reservierte Art der Gattin ihres Bruders, dem sie eine über⸗ schwängliche Verehrung zollte, für Geistesbe⸗ schränktheit und behandelte sie demgemäß mit einer zur Schau getragenen Ueberlegenheit. Sie war ja auch nur von bürgerlicher Herkunft, die Tochter eines höheren Gerichtsbeamten aus der nahen Provinzialhauptstadt. Fräulein von Kries besaß noch viel von dem veralteten Adelsstolz, auch war sie es gewesen, die die Liebe zwischen ihrem Neffen, dem Lieutenant Georg von Kries, den sie bis zu seinem Eintritt in das Kadetten⸗ haus erzogen, und ihrer Nichte, die beide ihren adligen Namen trugen, eifrig geschürt und be— günstigt hatte. Herr von Kries, der Gutsherr, war ein ebenso leidenschaftlicher Landwirt wie Politiker und nebenbei ein eifriger Briefschreiber. Er korrespondierte mit der halben Welt. Wenn er daher zuhause war, was selten der Fall, so saß er in seinem Zimmer am Schreibtisch. Seine Frau hatte wenig von ihm. Er liebte sie, wie ein Mann mit einem großen Wirkungskreise in späteren Jahren seine Frau zu lieben pflegt, mit jener Gewohnheitsliebe, die mehr von Gewohnheit als von Liebe hat. Dies war ihr nun steter Gram, sie konnte sich nicht darein finden. Die Tage ihres jungen Liebesglückes waren ihrem Gedächtnis unauslöschlich eingeprägt. Warum konnte nicht wenigstens der Abglanz jenes Glückes noch die Neige des Lebens vergolden? Eines tröstete sie: sie hatte die wärmeren Gefühle ihres Gatten an keine andere abtreten müssen, wie es so vielen Frauen ergeht. Nur die Wirtschaft und die öffentlichen Angelegenheiten waren ihre glücklicheren Nebenbuhlerinnen gewesen, und bis⸗ elektrisieren vermag. weilen meinte sie sogar die alte Zärtlichkeit aus seinem Herzen hervorbrechen zu fühlen, besonders wenn er nach längerer Abwesenheit nachhause kam. Ihre heutige Aufregung war daher er⸗ klärlich. Aeußerlich gab sich dieselbe durch nichts als durch einen lebhafteren Glanz der ruhigen, dunkelgrauen Augen und durch zarte rote Flecken in dem schmalen, fast mädchenhaften Gesichte kund, Zeichen, auf die, außer Valeska, niemand achtete. In dieser hatte Frau von Kries ein ihr durchaus sympathisches Wesen gefunden, und täglich pries sie das Geschick, welches Valeska in ihr Haus geführt. Nicht nur, daß durch sie das ganze häusliche Leben einen höheren Gehalt gewonnen hatte, daß sie geistig erfrischend und belebend auf alle wirkte, sie übte auch den günstigsten Einfluß auf das körperliche Befinden ihrer Töchter aus, namentlich der ältesten, welche aus ihrer Apathie aufgerüttelt und sichtlich munterer und lebensfreudiger geworden war. Früher jeder Bewegung abgeneigt, hatte Agnes sehr bald an den Spaziergängen teilgenommen, welche Valeska mit Elfchen, Hans und Rosa, wenn diese nicht gerade mit ihrer täglichen Epistel an Georg beschäftigt war, regelmäßig in der Mittagsstunde unternahm. Appetit und Schlaf hatten sich wieder eingestellt und mit ihnen ein erhöhtes Lebensgefühl, eine zweite Jugendblüte. Frau von Kries sah dieses mit unaussprechlicher Freude und innigem Dank gegen Valeska. Sie selbst hatte nie so viel Einfluß auf ihre Töchter besessen, da ihre Schwägerin ihr stets entgegen⸗ gearbeitet und der schüchternen Frau das Heft aus der Hand gewunden hatte. f Obgleich Fräulein Adele selbst sich nicht gern rührte und das Bedürfnis nach frischer Luft für Einbildung erklärte, so blieb sie doch bei Aus⸗ fahrten nie zurück. Auch ließ sie es sich heute nicht nehmen, zum Empfang ihres Bruders nach der Station zu fahren, und nach längerem Hin⸗ und Herreden über ihre Begleitung entschied Frau von Kries, daß Georg dieselbe bilden sollte. Sie meinte, daß es sich für ihn schicke, und in ihrer heutigen Erregtheit fand sie den Mut und die Energie, ihre Meinung zur Geltung zu bringen. Sie selbst liebte keinen öffentlichen Empfang. Rosa wandte ihrem ungehorsamen Bräutigam, der ihr komischflehende Blicke und Geberden nachsandte, den Rücken und zog sich schmollend auf ihr Zimmer zurück. Auch Valeska hatte sich gleich nach Tisch auf ihr Zimmer begeben. Sie wollte die Fa⸗ milie bei ihrem Wiedersehen mit dem Heim⸗ kehrenden ganz ungestört lassen und die Zeit benutzen, um Oettingers letzten Brief zu beant⸗ worten. Dieser hatte ihr sein Eintreffen in dem benachbarten Neukirch angezeigt und wartete nun mit höchster Ungeduld auf eine Nachricht, wann und wo er die Geliebte sehen könnte. N Oettinger hatte mittlerweile sein Examen ge⸗ macht und glänzend bestanden, trotz der feind⸗ lichen Gesinnung des Gerichtspräsidenten, der die Aeußerung gethan, er würde lieber sein Amt verlieren, als einen so rabiaten Radikalen wie Oettinger durchlassen. Er hatte jedoch nichts gegen die Stimmen der Beisitzenden vermocht, die zwar auch die Richtung des Examinanden mißbilligten, seinen Kenntnissen und scharfsinnigen Detuktionen aber die verdiente Anerkennung nicht versagen konnten. Für jeden jungen Mann von mäßigem Ehr⸗ geiz und Egoismus wäre dieser Erfolg die erste Etappe auf dem Wege einer glänzenden Karriere gewesen; für Oettinger war er das Signal, sich jetzt derjenigen Lebensaufgabe zuzuwenden, die er für die edelste und würdigste hielt, zur Auf⸗ klärung der Unwissenden und zur Verbesserung des Loses der Armen und Elenden mitzuwirken. Bevor das Hauptmittel, das neue Parteiorgan, ins Leben trat, hatte er die langgeplante Agi⸗ tationsreise unternommen und bereits an ver⸗ schiedenen Orten Versammlungen abgehalten, die sehr besucht gewesen waren und ihre Wirkung nicht verfehlt hatten. Oettinger besaß im hohen Grade den einfachen, klaren, bestimmten Aus⸗ druck, welcher zu überzeugen, und jenen Schwung, welcher eine Volksmenge hinzureißen und zu Dabei war er klug und ——— . ere poder jule 7255 daß sie ih 102 Auge fell, du iht wi niht an. E wenn er dl Werwahtung bershloß. ushindigen in der Nähe In gtoßer Unterde den Seinen empfangen Schliten und lebhaft dann war Zum Damen nu speiste mit Zimmer. ob er leider so gehalten nit dem go Man e Empfang bonnnisen in der S und ließ zum gehei. ihrer Reser sprͤch ein. „Nun finstelen,; sch dafür Balesk, ind zug fi Jus de De 9 duch die; die Var gingen a and zur den na Uleger. den Acker 9 aud erz use er⸗ tz q, chte and ihr und Aka galt und den den lich dar. nes nen, ga, istel der ein ite. cher Sie hter gen⸗ heft gern us⸗ eute lach in⸗ hied lden icke, den ung chen men und sch isch Fa⸗ eim⸗ Zeit ant⸗ dem nun ann rr r ere N 1 1 1 1 3 1 1 Nr. 8. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 7. 1 gewandt genug, um jeden Konflikt mit der Polizei zu vermeiden. Noch stand seine Partei unter keinem Ausnahmegesetz, niemand konnte ihr das Versammlungsrecht wehren, und so war Oettinger unbehelligt nach Neukirch, dem eine Meile von der Kriesschen Besitzung gelegenen Städtchen ge⸗ langt, wo er Valeska, wenn auch nur eine flüchtige Minute, zu sehen und zu sprechen hoffte. Das Städtchen wurde von den Kriesschen Damen zum Zwecke kleinerer Einkäufe, wohl auch um die ländliche Stille und Einförmigkeit zu unterbrechen, öfter besucht. Valeskas Absicht war es nun, unter dem Vorwand einer dringen⸗ den Besorgung sich Fuhrwerk nach der Stadt zu erbitten und Oettinger in dem einzigen Gast⸗ haus des Ortes wie zufällig zu treffen. In diesem Sinne schrieb sie ihm, ohne daß sie noch wußte, auf welche Weise sie ihren Brief be⸗ fördern sollte. Bisher hatte sie es so einzurichten gewußt, daß sie ihre Briefe an Oettinger stets erst im letzten Augenblick eigenhändig in die Posttasche steckte, da sie ihr bräutliches Verhältnis zu ihm nicht preisgeben wollte. Dies ging jetzt nicht mehr an. Sie hatte erfahren, daß Herr v. Kries, wenn er zuhause war, die Posttasche in seine Verwahrung nahm und sie selbst öffnete und verschloß. Sie hätte ihm folglich ihre Briefe aushändigen müssen, was ihr jetzt, da Oettinger in der Nähe war, bedenklicher denn je erschien. In großer Erregung schrieb sie Seite auf Seite. Unterdessen war unten der Gutsherr von den Seinen in dem festlich illuminierten Hause empfangen worden. Valeska hatte nur den Schlitten vorfahren, Thüren auf⸗ und zugehen und lebhaftes Stimmengeräusch herauftönen hören, dann war wieder alles still geworden. Zum Abendtisch fand sich außer den jungen Damen nur der Lieutenant ein. Der Gutsherr speiste mit Gattin und Schwester auf seinem Zimmer. Als sich Valeska höflich erkundigte, ob er leidend wäre, erfuhr sie, daß dies immer so gehalten würde. Papa liebte es nicht, sogleich mit dem ganzen Schwarm zu essen. Man erzählte noch dies und jenes von dem Empfang auf der Station und von den Vor⸗ kommnissen der Reise, doch Valeska war nicht in der Stimmung, sich dafür zu interessieren und ließ sich auch mit dem Lieutenant, der, zum geheimen Aerger seiner Braut, Valeska aus ihrer Reserve herauszulocken suchte, in kein Ge⸗ spräch ein. „Nun müssen wir auch unsere Gesangstunde einstellen, Fräulein Stern“, sagte Rosa, wie um sich dafür zu rächen. Valeska that jedoch, als hörte sie es nicht und zog sich nach beendetem Mahl sogleich zurück. (Fortsetzung folgt.) Aus der Bulturgeschichte unserer Bauernschaft.“ Von Karl Kautsky. Die Waffen der Jagd waren ursprünglich auch die Waffen des Krieges, die Jagd selbst die Vorschule des Krieges, Jagd und Krieg hingen aufs Engste zusammen. So lange die Jagd zur Deckung der Bedürfnisse des Gemein⸗ freien notwendig war, war dieser auch ein Krieger. Das Zurücktreten der Jagd hinter den Ackerbau als Quelle der Gewinnung von Nahrungsmitteln förderte die Arbeitsteilung von „Nährstand“ und„Wehrstand“, die allerdings noch andere Ursachen hatte. Und umgekehrt, je mehr der Krieg ausschließlich dem Adel zufiel, desto mehr wurde die Jagd ein ausschließlich adeliger Sport. Als der Adel überflüssig wurde, als der moderne Staat ihm die Funktionen abnahm, die er im Mittelalter geübt, Krieg, Rechtsprechung, Polizei, da wurde der Adel zum Hofadel, der sich am Hofe des Monarchen zusammendrängte, um sich zu amüsieren und den Staat zu plündern, und der, wenn er einmal seine Güter besuchte, dort kein anderes Vergnügen wußte, als die Jagd. * Siehe Nr. 6 und 7 der„M. S.⸗Ztg.“ 1 Das Gedeihen der Jagd und das der Boden⸗ kultur schließen jedoch einander aus. Ein starker Wildstand kann sich nur in großen, ausgedehnten Forsten halten und er bildet eine beständige Quelle on Verlusten und Schäden für den Bauern. Je überflüssiger und übermütiger der Adel wurde, desto mehr siegte in dem Widerstreit der Interessen der Bodenkultur und der Jagd für ihn die letztere. Den Fortschritten der Boden⸗ bebauung, die den Wildstand einzuschränken drohten, wurde ein Ziel gesetzt, Rodungen in den Wäldern verboten, die Jagd der Bauern aufs Strengste bestraft, ja, diese wurden sogar verhindert, das Wild, das ihre Felder verwüstete, zu töten. Auch davon legen bereits die zwölf Artikel der Bauern von 1525 Zeugnis ab, in deren vierten es heißt:„Zum vierten ist bisher im Brauch gewesen, daß kein armer Mann Gewalt gehabt hat, das Wildpret, Geflügel oder Fische im fließenden Wasser zu fangen, was uns ganz unziemlich und unbrüderlich dünkt und dem Worte Gottes nicht gemäß. Auch hegt in zum“ Trutz und mächtigem Schaden, weil wir leiden müssen, daß uns das Unsere, was Gott dem Menschen zu Nutze hat wachsen lassen, die unvernünftigen Tiere zu Unnutz verfressen, und wir sollen dazu stillschweigen, was wider Gott und den Nächsten ist.“ Aber in den folgenden Jahrhunderten wurde es noch viel ärger. Erst die große Revolution machte diesen Zuständen in Frankreich ein Ende. In Deutschland aber durften noch hundert Jahre nach der französischen Revolution im Reichstag preußische Junker es wagen, die Forderung zu stellen, daß der Bauer verpflichtet sei, ihre Hasen mit seinem Kohl zu füttern, ohne ernstlichen Widerstand bei der Majorität zu finden. Wenn dort, wo ein Markt für das Holz sich gebildet hatte, es nahe lag und ziemlich ein⸗ fach war, den Wald in Privateigentum zu ver⸗ wandeln, das nach kapitalistischen Grundsätzen, wenn auch noch unter feudalen Formen bewirt⸗ schaftet wurde, so war es kaum weniger nahe⸗ liegend und einfach, dort, wo ein großer Markt für ein Produkt der Weidewirtschaft(namentlich Wolle) sich gebildet hatte und Boden und Klima diese gestatteten, zu kapitalistischer Weidewirtschaft überzugehen, die ja auch, ebenso wie die Forst⸗ wirtschaft, weder ein ausgedehntes Lohnproletariat noch große Kapitalanlagen erfordert und deren Technik höchst einfacher Natur. Wie die kapita⸗ listische Forstwirtschaft verlangt auch die extensive Form der kapitalistischen Weidewirtschaft fast nur das Privateigentum an ausgedehnten Weide⸗ flächen, und dies zu schaffen, haben die Grund⸗ herren dort, wo die oben angegebenen Verhält⸗ nisse dazu drängten, sich redlich bemüht, im 15. und 16. Jahrhundert in England und Spanien, später in manchen Gegenden des nördlichen Deutschland, die für die Schafzucht günstige Be⸗ dingungen boten. Die mildeste Form war die Monopolisierung der Schäfereigerechtigkeit, des Rechts, Schafe auf die gemeine Weide zu treiben, durch die Gutsherrschaft. Die Klagen darüber beginnen in Deutschland erst nach dem Bauern⸗ krieg. Vielfach aber trieb die Rentabilität der Schafzucht die Grundherren auch dahin, die ge⸗ meine Weide in Privateigentum zu verwandeln, mitunter auch dazu, Bauernstellen einzuziehen, das Ackerfeld in Weideland zu verwandeln. Wo sich ein Markt für Produkte des Acker⸗ baues bildete, trachteten die Feudalherren danach, auch diese in ihren eigenen Betrieben herzustellen. Das war allerdings weniger einfach, als die Forst⸗ und Weidewirtschaft. Es erforderte in geringerem Maße als diese zusätzliches Land, in höherem dagegen zusätzliche Arbeitskräfte und einen gewissen Kapitalaufwand. Im Mittelalter hatte jeder Grundherr in der Regel nur einen Teil seines Landes selbst bewirtschaftet, entweder direkt oder durch einen Vogt. Den Rest seiues Gebietes hatte er an Zinsleute ausgegeben, die ihm teils Natural⸗ lieferungen, teils Frohnarbeiten in seiner eigenen Wirtschaft, dem Frohnhof, entrichten mußten. Wir haben gesehen, wie das Aufkommen des städtischen Marktes für Lebensmittel auf der einen Seite die Möglichkeit, auf der anderen S den Drang entwickelte, diese Leistungen in Geld⸗ abgaben zu verwandeln. Aber diese Tendenz wird dort, wo der Frohnhof auch zum Verkauf zu produzieren anfängt, durch eine andere durch⸗ kreuzt: noch ist die Lohnarbeit wenig entwickelt, die Landwirtschaft des Frohnhofs ist auf die Zwangsarbeit der Zinsbauern angewiesen. Je mehr Ueberschuß an Lebensmitteln der Frohnhof liefern soll, desto mehr Arbeitskräfte braucht er, desto mehr Land braucht er aber auch. Dies erzeugt auf der einen Seite das Streben nach Ausdehnung des gutsherrlichen Gebietes auf Kosten des bäuerlichen, entweder durch Ver⸗ kürzung der ungeteilten Feldmark, namentlich der Weide, oder aber direkt durch Austreibung, Legung von Bauern; auf der anderen Seite das Streben nach Vermehrung der Frohnden der Bauern, ein Streben, welches das Bauernlegen in gewissen Grenzen hält, denn je weniger Bauern im Dorf, um so weniger Arbeitskräfte auf dem Herrengut; welches aber selbst wieder durch das Bauernlegen aufs stärkste angestachelt wird, denn je weniger Arbeiter auf dem Herren⸗ gut, um so mehr Arbeitslast muß jedem einzelnen aufgebürdet werden. So sehen wir, daß die Entwickelung der Warenproduktion die verschiedensten Tendenzen auf dem Lande erzeugte, die aber alle dahin wirkten, das Ackerland und namentlich Weide und Wald für den Bauern immer mehr ein⸗ zuschränken, lange ehe noch eine wirkliche Ueber⸗ völkerung eingetreten, das heißt, jene Volkszahl erreicht war, die das herrschende landwirtschaft⸗ liche Betriebssystem hätte ernähren können. Die bäuerliche Existenz wurde dadurch aufs tiefste erschüttert. f Die tiefgehende Umwandlung der bäuerlichen Existenzbedingungen zeigte sich bereits in der Nahrung des Bauern.(Fortsetzung folgt.) Sprüche zur Lebensweisheit. Das Schaffen selbst ist eitel Bewegung, Das stümpert sich leicht in kurzer Frist; Jedoch der Plan, die Ueberlegung— Das zeigt erst, wer ein Künstler ist. * Man entsagt leichter seinem Vorteil, als seiner Neigung. 1 Wer neue Stiefel an den Füßen hat, Geht darum noch keinen neuen Weg. Humoristisches. Höchster Tierschutz. Frau Huber ist einem Tier⸗ verein beigetreten. Seitdem wagt sie es nicht mehr, sich an ihrem Gatten zu vergreifen, wenn er mit einem Affen nach Hause kommt. Vorteilhafte Auslegung. Mann(Pantoffel⸗ held zu seiner Frau):„Der Arzt hat mir dringend angeraten, Eisen zu nehmen. Gieb mir den Haus⸗ schlüssel her!“ * Verdächtige Nachbarschaft.(Im Hotel.) Tochter (im Bett):„Mutter, ich fürchte mich! Hör) nur, wie unruhig unser Zimmernachbar schläft und stönt! Das ist gemiß ein gefährlicher Mensch und hat Gewissens⸗ bisse!“. Mutter:„Wer denkt doch gleich das schlimmste! Es können ja auch andere Bisse sein, die den Armen quälen!“ — —8— Nen eingelaufene Schriften. Besprechung wichtigerer Erscheinungen behalten wir uns vor. W. Liebknecht: Die Emser Dep esche, oder Wie Kriege gemacht werden ist soeben in siebenter, bedeutend vermehrter Auflage erschienen. Diese Neu⸗ auflage enthält einen besonderen Nachtrag betitelt: Die Emser Depesche und„Bismark nackt“, in dem der Verfasser rücksichtslos die Veröffentlichungen des Busch, sowie„Bismarks Gedanken und Erinnerungen! einer eingehenden Kritik unterzieht. Die 7½ Bogen starke Broschüre ist durch alle Buchhandlungen und Kolporteure um den Preis von 35 Pfg. zu beziehen. Das Koalitionsrecht der deutschen Arbeiter in Theorie und Praxis. Unter diesem Titel hat soeben C. Legien im Auftrage der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands eine über zweihundert Seiten starke Denkschrift erscheinen lassen(Hamburg, Verlag der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands). Das Buch enthält in fast überreichem Maße die Beweismaterialien dafür, daß in Deutschland das Koalitionsrecht der Arbeiter nur Schein ist. Seite 8. um Platz zu schaffen, Eimer, neublau.. 85 Pfg. 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Eräuter⸗Wein beseitigt alle Störungen in den glut⸗ gefäßen, reinigt das glut von allen verdorbenen, krankmachenden Floffen und wirkt fördernd auf die Neubildung gesunden Blutes. diurch rechtzeitigen Gebrauch des Kräuter-Weines werden Magen übel meist schon im Keime erstickt. Man sollte also nicht säumen, seine Anwendung allen anderen scharfen, ätzenden, Gesundheit zer⸗ Fstörenden Mitteln vorzuziehen. Alle Symptome, wie: Kopf- schmerzen, Aufstossen, Sodbrennen, Blähungen, VLebelkeit mit Erbrechen, die bei chronischen(veralteten) Magenleiden um so heftiger auftreten, werden oft nach einigen Mal Trinken beseitigt. und deren unangenehme Folgen Stuhlverstopfung wie: Beklemmung, Kollkschmer zen“ Herzklopfen, Schlafsosigkeit, sowie Blutanstauungen, in Leber, Milz und Pfortadersystem(Hamorrhoidalleiden) werden durch Kräuter⸗Wein rasch und gelind beseitigt. Kräuter⸗Wein behebt jedwede Unverdaulichkeit, verleiht dem Verdauungssystem einen Aufschwung und entfernt durch einen leichten Stuhl alle untaug⸗ 2 lichen Stoffe aus dem Magen und Gedärmen. Hageres, bleich. Aussehen, Blutmangel, 3 sind meist die Folge schlechter Verdauung, 5 Entkräftung mangelhafter Blutbildung und eines krank⸗ haften Zustandes der Leber. Bei gänzlicher Appetitlosigkeit, unter nervöser Abspannung und Gemüthsverstimmung, sowie häufigen Kopfschmerzen, schlaflosen Mächten, siechen oft solche Kranke langsam dahin. 5 Kräuter⸗Wein giebt der geschwächten Lebenskraft einen frischen Impuls. 8 Kräuter⸗Wein steigert den Appetit, befördert Verdauung und Ernährung, regt den Stcoffwechsel kräftig an, beschleunigt und verbessert die Blut⸗ bildung, beruhigt die erregten Nerven und schafft dem Kranken neue Kräfte und neues Leben. Zahlreiche Anerkennungen und Danskschreiben beweisen dies. 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