im in — fel. umlung. und be⸗ general⸗ termin 1. J ertreter, . Beitrag , teilen getrennt diesem ernannt senmit⸗ ben und pie alle fl her, ell 51. Gießen, Sonntag, den 17. Dezember 1899. 6. Jahrg. Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Redaktionsschluß; Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. Abonnementé preis: Die„Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung“ Austräger frei ins Haus gesfeser! Durch die Post bezogen vierteljährlich 30 h 25 Pfennig. Pfg. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Bestellungen nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die Druckeret, Schloßg. 13, sowie jede Postaustalt une jeber Landbriefträger entgegen.(Post⸗Z.⸗Kat. 4312a.) D JInserate finden in der„M. S.⸗Ztg“ weiteste Verbreitung. Die H5gespalt Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4 mal. Bestellung gewähren wir 25%, ͤ bei 6 mal. Bestellung 33¼% und bei Bei mindestens mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. ———— Unsere beste Waffe. n. Wenn eine bürgerliche Zeitung ins Leben gerufen wird, steht den betreffenden Unternehmern fast stets ein größeres Kapital zur Verfügung und die mehr oder minder geschickte Verwendung eines solchen sichert den bürgerlichen Unter⸗ nehmungen dann den geschäftlichen Erfolg. Man agitiert durch Aufwendung möglichst großer Geldmittel, bietet für wenig Geld mög⸗ lichst viel Papier und einen bunten, viel⸗ seitigen, die Neuigkeitskrämerei und das oberflächlichste Unterhaltungsbedürfnis befrie⸗ digenden Inhalt und sieht zunächst nicht auf den Profit, sondern zunächst auf den Gewinn zahlreicher Abonnenten und Inserenten, die später den materiellen Gewinn um so sicherer garantieren. Anders ist das beim Arbeiterblatt. Dasselbe wird von vornherein nicht in der Absicht begründet, ein Geschäft zu machen, es soll lediglich idealen Zwecken dienen; es soll aufklärend und werbend für die Ideen und Bestrebungen wirken, von deren Erfüllung wir mit Recht eine durchgreifende Verbesserung unserer ganzen Verhältnisse ver⸗ sprechen. Jedes Arbeiterblatt hat deshalb, nicht nur um seine Herstellungskosten zu decken, sondern vor allen Dingen um seiner idealen Zwecke willen, das lebhafteste Interesse daran, einen möglichst weiten Leserkreis zu gewinnen. Der Unternehmer, der ein bürgerliches Blatt begründet, um dasselbe für sich möglichst ge⸗ winnbringend zu machen, kann für sein Blatt mit dem Gelde wirken— die Arbeiter können das nicht. Aber sie haben einen Faktor für sich, der in der Agitation für die Ausbreitung eines Blattes trotz der sprichwörtlichen Macht des Geldes erheblich ins Gewicht fällt: ihre starke persönliche Sympathie für die von ihrem Blatte vertretene Sache, von deren Sieg sie Großes für sich erhoffen. Und diese persönliche Sympathie, diese Anhänglichkeit an die Sache muß ihren Ausdruck vor allen Dingen finden in der steten Wirksamkeit des Arbeiters für seine Zeitung. Gewiß wird dementsprechend in den Kreisen der aufgeklärten und politisch geschulten Arbeiter schon manches für ihre Zeitung gethan, aber es könnte, es müßte noch viel, viel mehr geschehen! Und zwar bedarf es dabei gar nicht immer der lauten, geräuschvollen Agitation, der Verbreitung großer Massen sogenannter Agitationsnummern mit darauf folgender Ein⸗ sammlung von Abonnementserklärungen. Diese Art der Agitation hat, geschickt geleitet, gewiß auch ihre Vorteile, aber sie erfordert immerhin die Aufwendung erheblicher Geldmittel und sie erfordert weiter in hohem Maße die Kraft und Zeit größerer organisterter Kreise von Ge⸗ sinnungsgenossen. Es giebt aber noch eine andere Art der Agitation für das Arbeiterblatt, eine Agitation, die gar keine Geldmittel, gar keine Zeit und auch nicht einmal die geringste Agitationsfähigkeit der Genossen erfordert, eine Agitation, die so leicht zu betreiben ist, daß man billig erstaunen sollte darüber, daß sie bisher noch so wenig betrieben worden ist. Führen wir uns nur einige Beispiele einer Agitation vor, wie wir sie meinen. Da geht man z. B. in eine Restauration oder in eine Schenke, um Herz und Magen mit einem Schluck Bier oder Branntwein zu stärken. Was ist selbstverständlicher als die einfache Frage: „Kann ich mal die„M. S.⸗Ztg.“ lesen?“ Heißt es dann:„Nein, die haben wir nicht“, dann braucht man kaum noch ein Wort zu sagen, man bezahlt seine Zeche und geht. Wenn die Frage:„Haben Sie nicht die„M. S.⸗Ztg.“? so einem Wirte im Laufe einiger Tage ver⸗ schiedenmal von Gästen vorgelegt wird, dann darf man sicher sein, er bestellt rasch das so viel gefragte Blatt. Und was für den Wirt gilt, das gilt für jeden anderen Geschäfts⸗ mann auch. Man frage bei dem Barbier nach der„M. S.⸗Ztg.“, man frage danach, wenn man sich Zigarren oder Rauchtabak kauft, wenn man sich ein neues Kleidungsstück anschafft, man frage bei jedem kleinen Geschäftsmann, jedem Handwerker nach der„M. S.⸗Ztg.“, vor allem aber vergesse man nicht, die Ehefrau zu veranlassen, daß sie bei allen ihren Einkäufen beim Bäcker, Fleischer, Krämer u. s. w. die einfache Frage stellt:„Haben Sie die„M. S.⸗Ztg.“?“ In der Wiederholung liegt das Ge⸗ heimnis des Erfolges! Dies Wort bekundet seine Wahrheit nirgendwo besser als bei der hier angedeuteten Art der Agitation für das Arbeiterblatt. Macht der einzelne sich zur Ge⸗ wohnheit, diese einfache Frage:„Haben Sie die„M. S.⸗Ztg.“?“ bei jeder Gelegenheit immer wieder zu stellen und geschieht solches dann durch einen größeren Kreis von Genossen konsequent und fortdauernd, dann wird man bald überrascht sein von der vortrefflichen Wirkung einer Agitation, welche in nichts weiter sealung als in einer gelegentlichen kurzen Frage— ellung. Daß diese Agitation sich weiter auch erstrecken sollte nicht nur auf Geschäftsleute, sondern daß man die Frage auch stetig an gute Bekannte, an Nachbarn und an Berufs- und Arbeits⸗ kollegen richten sollte, ist selbstverständlich. Be⸗ sonders aber auch in den Gewerkschaften sollte man mehr auf die Verbreitung des Arbeiter⸗ organs sehen, keine Versammlung dürfte ver⸗ gehen, in der nicht auf die Notwendigkeit hin⸗ gewiesen würde, das Arbeiterblatt zu lesen. Auch in anderer Weise kann man dem Arbeiterblatte noch manchen großen Vorteil zuwenden, ohne sich selbst besonders zu bemühen. Wenn man zu einem Geschäftsmann einkaufen kommt, der im Arbeiterblatt annonciert, dann sagt man ihm einfach:„Ich komme zu Ihnen, weil ich Ihre Anzeige in der„M. S.⸗Ztg.“ gelesen habe!“ Geschieht solches dem Geschäfts⸗ manne öfter, dann sieht er deutlich, daß das Annoncieren im Arbeiterblatt für ihn von Vorteil zwar, er bleibt ein fester Kunde des⸗ selben und wendet demselben jährlich für Annoncen eine mehr oder minder große Summe zu. Ist man gezwungen, bei einem noch nicht inserierenden Geschäftsmanne zu kaufen, dann ist hier nach den Fragen:„Haben Sie die „M. S.⸗Ztg.“? Annoncieren Sie in der„M. S.⸗Ztg“?“ stets die einfache Bemerkung am Platze:„Wenn Sie in der„M. S.⸗Ztg.“ an⸗ noncierten, würden noch viele Arbeiter bei Ihnen kaufen.“. 2 In diesem Sinne kann jeder, so Mann wie Frau, für die Arbeiterzeitung wirken, ohne daß es Geld oder irgend eine Mühe kostete, außer dem Sprechen einiger weniger Worte. Aber diese Worte müssen immer wieder⸗ holt werden, jeden Tag und bei jeder Gelegenheit, sie müssen den Genossen zur Ge⸗ wohnheit werden. Frisch an's Werk, Genossen! Ihr fördert Eure eigenen Interessen, wenn Ihr Eurem Blatte, der besten Waffe im Emanzipations⸗ kampfe, einen größeren Leserkreis verschafft. Ihr wißt sehr gut, was die„Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung“, die am 1. Januar 1900 ihren siebenten Jahrgang beginnt, seither in agitatorischer Beztehung geleistet hat. Aber sie soll in Zukunft mehr leisten. Das kann sie jedoch nur dann, wenn ihr durch den Pflicht⸗ eifer der Parteigenossen immer neue Abonnenten zugeführt werden. Eine Warnung! Im„Gieß. Anz.“ und zahlreichen anderen Amtsblättern finden wir eine Notiz betreffend die Einstellung Dreijährig⸗Freiwilliger zum Seebataillon. Es heißt da u. a.: Auch wird die Anforderung der Tropen- dienstfähigkeit an dieselben gestellt, da sie im Frühjahr 1901 nach Kiautschou entsandt werden. Geeignete Leute, nicht unter 19 Jahren, haben sich unter Einsendung des Meldescheins und sonstiger Zeugnisse ꝛc. da und dahin zu wenden. Wir sind fest überzeugt, daß sich nur sehr wenig junge Leute freiwillig zur Dienstleistung bei einem Seebataillon melden würden, wenn ste wüßten, wie außerordentlich schwer dieser Dienst ist. Im Binnenland kennt man die Marine und den Seedienst nur von den Bil⸗ dern her, die sich namentlich jetzt in fast allen illustrierten Zeitschriften finden. Da sehen die Riesenschiffe so blitzblank und die Seesoldaten und Matrosen in ihren Uniformen so schmuck aus, daß wohl mancher junge Mann, der dem Militärdienst so wie so nicht entgehen kann, sich leicht bestimmen läßt, freiwillig zur Marine zu gehen. Gar schnell werden sie alle enttäuscht sein! Wie so ganz anders ist doch die Wirklichkeit im Vergleich mit den hübschen Bildern.—— Wie es in der übereinstimmenden Blätter⸗ notiz heißt“, sollen die jungen Leute, die sich jetzt freiwillig melden, im Frühjahr 1901 nach Ktautschou geschickt werden. Wie es dort aussieht, wird neuerdings der„Frkf. Ztg.“ ausführlich berichtet. Hier einige Sätze: „... So richtig gesund ist der Deutsche in Kiautschou infolge der klimatischen Verhältnisse überhaupt nie. Kopfweh, Schwindel, Magen- und Darmbeschwerden, das giebt es immer, selbst im Herbst und Winter, den gesundesten Jahreszeiten hierzulande. Aber das alles sind bloß kleinere Uebel. Wenn dagegen etwa Mitte Juni die leidige Regenzeit ihren Anfang nimmt, dann bricht unter der Besatzung von Klautschou ein Ungemach los, von dem man sich in der deutschen Heimat keinen Begriff macht...“ Infolge der heftigen Regengüsse ver⸗ schimmelt alles und der Boden wird zu einem einzigen Lehmbrei: 1... Da sinken dann die Mannschaften, welche natürlich trotz allem ihren strengen Dienst thun müssen, * Die Notiz ist allen„gutgesinnten“ Blättern von der Inspektion der Marine⸗Infanterie zugegangen. Red 1 ee ee e Sette 2. WMitieldeutsche Sonntags⸗Zeitung knieetief in den Lehmbrei eiu. Brennt dann aber die Sonne wieder drein, so kann man vor Staub nicht gehen. Am 13. Juni bereits zeigte das Thermo⸗ meter 41 Gr. C. im Schatten, und diese Temperatur steigerte sich in der heißesten Zeit auf 50 Gr. C. und darüber. Dabei unterliegt die Temperatur großen, schnell aufeinanderfolgenden Schwankungen.... Der 23. August brachte eine Hitze, daß der Schweiß in Strömen floß, abends aber wehte ein so kalter Wind, daß alle fror. Bis gegen Mitte September er⸗ reichte die größte Hitze immer noch 30 Gr.; die Nächte dagegen sind kalt und windig. .. Unter so ungünstigen Verhältnissen brechen unter der deutschen Besatzung Kiautschous massenhafte Erkrankungen aus, vor allem Unterleibskrankheiten ge⸗ fährlichster Art. Bösartiger Durchfall, Malariafieber, Typhus, Brechruhr ec. füllen das Militärlazarett in er⸗ schreckendem Maße.... Schon im Juni beherbergte das Lazarett eine Menge Kranke, besonders vom See— bataillon, und am 30. Juni wrrde ein an Brechruhr verstorbener Feldmebel des Seebataillons beerdigt, nach— dem ihm ein Kollege am 24. Juni bereits in das Grab vorangegangen war... Gegen Ende Juli lagen von den 150 Mann des im April angekommenen Matrosen⸗Artillerie⸗Detachements bereits 50 Mann im Lazarett, die Revierkranken nicht gerechnet; in dieser Zeit starb auch ein Seesoldat am Malaria fieber... Am 9. August starb ein Maat der Matrosenartillerie am Unterleibstyphus. Ihm folgten am 21. August ein Matrosenartillerist und ein Seesoldat. Um diese Zeit lagen im Lazarett noch 93 Schwerkranke, die sonstigen Kranken ungerechnet. Am 6. September starb ein Seesoldat und am 9. und 10. Sept. je ein Matrosenartillerist. Am 18. September wurden wieder fünf Matrosenartilleristen in das Lazarett verbracht. In der ersten Hälfte des Oktober waren ferner folgende Todesfälle zu verzeichnen: die Seesoldaten Franz Hölter, Rud. Thieß, Wendelin Schweizer, Rud. Schröter, Karl Rohweder, Wilh. Schippmann, sowie August Hein und Vlzewachtmeister Hermann Paxmann von der Matrosen⸗ lere Zu den in der zweiten Hälfte des Oktober Verstorbenen, die nicht angeführt sind, gehörte auch der Wiesecker Zimmermann Eisenhut. Nachdem der schwere Wachtdienst erwähnt ist, heißt es weiter: „... Und selbst die Zeit notwendigster Ruhe wird den armen Soldaten in der heißen Jahreszeit vergällt: denn da ist die Insektenplage schrecklich. Tagsüber werden die Leute gepeinigt von ungeheuren Mengen Fliegen, Mücken ꝛc., nachts aber von den Moskitos, die schon im Juni ihre Vorläufer senden.“ Dieser Bericht giebt den bunten Zeitschrift⸗ bildern von der Marine und unseren Kolonien schon einen ganz anderen Anstrich. Und die Reden der für Flottenvermehrung und Uebersee⸗ politik schwärmenden Wasserpolitiker werden durch denselben wesentlich ergänzt. Aber sehen wir uns noch ein anderes Bild an, nämlich den„Sanitätsbericht der kaiserlich deutschen Marine vom 1. April 1895 bis zum 1. April 1897“, gewiß ein zuverlässiges Werk. Dort wird über die Geschlechtskrank⸗ heiten in der deutschen Marine berichtet und festgestellt, daß jeder siebente Mann inner⸗ halb eines Jahres der erwähnten Jahre einmal geschlechtskrank war. Im einzelnen wird dann konstatiert, wie die Verhältnisse in Kiel, in Wilhelmshaven, in der Südsee, in Afrika ꝛc. waren. Am gefährlichsten war die ostasiatische Station(Kiautschou), wo 338,6 bis 339,6 ,, das heißt jeder dritte Mann geschlechts⸗ krank war. Man wird zugeben müssen, daß das keine idyllischen Verhältnisse sind. Die Aussichten auf Besserung sind aber nur geriug. Da nun in ungezählten Zeitungen immer das hohe Lied der Flotte und der Kolonialpolitik gesungen wird, so glauben wir ein ganz verdienstliches Werk gethan zu haben, einmal das zu ver— öffentlichen, was die Flottenapostel stets ver— gessen.— Wir hätten nichts dagegen, wenn sich die für unsere„Kolonien“ genannten Sand⸗ wüsten und Fieberlöcher begeisternden Wasser— apostel freiwillig zum Eintritt in die See⸗ bataillone meldeten, oder ihre Söhne zum freiwilligen Eintritt veranlaßten. Die Söhne des Volkes warnen wir dringend davor. Genossen 0 Agitiert allerorts für die Arbeiterpresse! Politische Rundschau. Gießen, 15. Dezember. Internationale Solidarität. Unser Berliner Parteivorstand hat folgendes Schreiben an den französischen Sozialisten⸗ Kongreß gerichtet: Brüder und Genossen! Euer Kongreß ist ein Ereignis, welches im höchsten Grade die Sozialisten aller Länder der zivilisierten Welt interessiert. Was uns anbetrifft, so können wir Euch versichern, daß die Auf⸗ merksamkeit der Arbeiter Deutschlands auf Euch gerichtet ist. Wir sind sicher, daß die Resultate dieses Kongresses der ruhmreichen Geschichte des französischen Proletariats, dem wir die helden⸗ hafte Schlacht des Juni 1848 und der Kom⸗ mune verdanken, ein neues Blatt hinzufügen wird. Eine einzige Sache hat Euch bisher ge— fehlt: Die Einigkeit. Und diese Einigkeit werdet Ihr dem sozialistischen Frankreich geben; wenn nicht die absolute Einigkeit der Ansichten und Theorien, so wenigstens die Einheit der Taktik, die Einheit des Handelns gegen die Feinde. Beim Wiedersehen in Paris, auf dem internationalen Kongreß des nächsten Jahres hoffen wir, das arbeitende Frankreich geeinigt zu finden. Hoch der inter⸗ nationale Sozialismus! Unsere brüderlichen Grüße. Der Vorstand der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. W. Liebknecht, Paul Singer, J. Auer, A. Bebel W. Pfannkuch, A. Gerisch. Diese Adresse wurde von dem Kongreß mit langanhaltendem Beifall begrüßt. Der in dem Schreiben ausgesprochene Wunsch, daß sich die französischen Gruppen einigen möchten, ist in Erfüllung gegangen. Nach über— aus heftigen Debatten, die nicht nur auf das lebhafte Temperament der Franzosen, sondern leider auch auf persönliche Eifersüchteleten, die unter einzelnen Führern bestanden, zurückzuführen sind, kam eine Einigung zu Stande. Die einzelnen Parteigruppen bleiben vorläufig be⸗ stehen, aber alle entsenden je nach ihrer Stärke Delegierte in das gemeinsame Aktionskomitee, das aus 47 Personen besteht. Das General- komitee besteht aus 15 Guesdisten, 7 Blan⸗ quisten, 6 Unabhängigen, 4 Allemanisten, 3 Bronssisten, 7 Anhängern der autonomen Föde⸗ rationen, 4 Gewerkschaftlern und 1 Genossen⸗ schaftler. Mehr konnte billigerweise bei den zerfahrenen Parteiverhältnissen in Frankreich zunächst nicht erwartet werden. Der Grund— stock zur Einigung ist gelegt, und das ist schon sehr viel wert. Die Schraube ohne Ende. Als Antwort auf die deutsche Flottenver⸗ mehrung kündigt die englische Presse prompt eine weitere Flottenverstärkung in England an. So sagt der Londoner„Standard“ in einer Besprechung der Rede des Staatssekretärs v. Bülow im Reichstag:„Jede Bemühung irgend eines Staates, sich mit seinen Nachbarn auf gleiche Höhe zu stellen, legt den anderen die Pflicht auf, zu thun, was in ihren Kräften steht, um das normale Gleich—⸗ gewicht wieder herzustellen.“ Ebenso erklären die„Times“: Die Deutschen werden uns nicht mißverstehen, wenn wir unsererseits es für angebracht halten sollten, unsere eigene Flotte in dem Verhältnis der Vermehrung irgend einer anderen Flotte zu vermehren.... Es ist kaum wahrschein⸗ lich, daß Deutschland je wieder der Amboß Europas wird, aber es ist noch weniger wahr— scheinlich, daß es selbst als Weltmacht der Hammer der Meere sein wird.“ Daß England die Spitze jeder deutschen Flottenvermehrung gegen sich gerichtet fühlt, ist ein Erfolg der maßlosen, systematisch be— triebenen„Aufklärungsarbeit im Volke“ der⸗ jenigen Wasserköpfe, die da glauben, wunder wie gescheit und patriotisch zu handeln, wenn sie mehr Schiffe fordern und fortgesetzt auf Eng⸗ land schimpfen. Der Angriff des Grafen Limburg ⸗Stirum auf den Fürsten Hohenlohe scheint nur die Ein⸗ leitung zu einer allgemeinen Hatz auf den alten guten Onkel Chlodwig gewesen zu sein. Die Organe der Agrarier fallen samt und sonders über den Reichskanzler her. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, wird es demnächst im Mini⸗ sterium einen Umsturz geben. Von dieser Seite rückt man Miquel, von jener Hohenlohe zu Leibe. Von letzterem kann man ohne weiteres annehmen, daß er froh wäre, wenn er den undankbaren Reichskanzlerposten los wäre. Von Miquel wollen manche Leute wissen, er wäre froh, wenn er ihn bekäme. Der unschuldige Miquel. Großes Aufsehen erregt eine Erklärung Miquels in der„Berl. Korresp.“, in welcher er sich verwahrt, jemals mit den Konservativen gegen den Kanal intriguiert und konspirtert zu haben. Auch von der kanalfeindlichen Preß⸗ thätigkeit des Herrn v. Zedlitz sei ihm nichts bekannt geworden und garnicht sei es ihm ein⸗ gefallen, die Flottenvorlage mit den Kornzöllen in Verbindung zu bringen. Auch die Verant⸗ wortung für die Kaltstelluug der kanal⸗oppo⸗ sitionellen Landräte lehnt er ab. Die Erklärung wird dem schlauen Herrn nichts nützen. Für den unschuldigen Engel, der er sein möchte, hält ihn niemand mehr. Miquel gehört zu den Leuten, denen man nur traut, so lange und so weit man sie sieht. Freisinnige Marinelust. Bemerkenswert ist der Wortlaut eines Be⸗ schlusses, welchen am Sonnabend der Parteitag der freisinnigen Volkspartei für Ber- lin gefaßt hat; er lautet: „Der Berliner Parteitag der freisinnigen Volkspartei erklärt sich mit Entschiedenheit gegen alle Pläne zur Vermehrung der Flotte, welche eine Beschränkung des Etatsrechts des Reichstages in sich schließen und zu einer wesentlichen Mehrbelastung des Volkes führen müssen.“ Nur bei weiterer Beschränkung des Etats⸗ rechts und bei„wesentlicher“ Mehrbelastung des Volkes ist dieser freisinnige Verein Gegner der Flottenvermehrung. Die politischen Ge⸗ fahren der Verabenteurerei sowie die Unkultur dieser internationalen Wettrüstungsanarchie stören die freisinnigen Leute nicht in ihrer prin⸗ zipienbaren Scheinopposition. Ein Zeitbild. Wegen Majestätsbeleidigung wurde vom Gleiwitzer Landgericht eine 70 Jahre alte Witwe, Johanna Magiera, zu neun Monaten Gefängnis bestraft. Zwei begnadigte Löbtauer. Die Zimmerleute Heinrich Geißler und Moritz Hecht, die in dem Löbtauer Prozeß zu je vier Jahren Gefängis verurteilt worden waren, sind aus dem Landgerichtsgefängnis Hoheneck entlasseu worden. Wie die„Sächs. Arbeiterzeitung“ hört, haben die Frau des Ge⸗ nossen Geißler sowie die Eltern Du Gnaden⸗ gesuche gemacht unter genauer Darlegung des Sachverhaltes, aus dem hervorgeht, daß die jetzt Freigelassenen sich nichts zu schulden haben kommen lassen, was eine derartig harte Strafe bedingte. Diese wurden dann im Ge⸗ fängnis vor zirka 14 Tagen vom Direktor noch⸗ mals nach allen Einzelheiten befragt, um am Sonntag die Nachricht zu bekommen, daß sie frei seien. Allenthalben wird die Nachricht von der Freilassung der zwei Opfer des Schwur⸗ gerichtsurteils mit Genugthuung begrüßt werden, mußte man doch nach den Worten des sächsischen Eeneralstaatsanwalts Rüger im Reichstage erwarten, daß in den Kreisen der Regierung keine Geneigtheit für eine Verkürzung der furchtbar harten Strafe bestehe. Man kann nunmehr aus dieser Begnadigung ent⸗ nehmen, daß auch in maßgebenden Kreisen sich eine mildere Aunffassung über den ganzen Fall Geltung verschafft hat, die folgerichtig auch den zu schweren Zuchthausstrafen verur⸗ teilten Bauarbeitern zu gute kommen müßte 8 70 hoffentlich auch bald zu gute kommen wird. ö b 2.. Der attaquierte Reichskanzler. 1 1 0 lib u Paris 5000 Luboris lurde geldst Die lagen, anch Aus künst Ictauch sllden. shastle end i Walt. elke on 5. d d Unterm Gazette U Cie lich tel ber Ihn Seit dee The bul und ger S0 eee dend ch tür uns, r da Erklärun 1 welcher serpatiben en Preh on nicgtz ihm ein⸗ Tome . dan Ana*oppo⸗ bellt gen. Fut u möchte, gehört zu so lange 1 eines Bt Parteitag für Ber⸗ reisinnigen und zu chiedenheit der Flotte, atsrechtz tung dez 8 Etats chelastung u Gegnet schen Ge⸗ Unkultut Panarche ihrer prin⸗ 1g wurde 0 Jahte u neun er. Prozeß zl lt worden zgefängut E e U des Oe 4 Gnadel⸗ gung deen aß die schulbn han ö tig im 1 0 un o 0 Daß tt hac lu eh ne süchsch 10 Stag fe 1 cl bt werde. üler und tor noh“ a Ar. 51. Mitteldeutsche Sonntags ⸗Zeitung. Seite 3. Nachspiel zum Dreyfus ⸗Prozest. Nach dem Attentat auf den Verteidiger des Dreyfus, Mr. Labori, brachte die antisemi⸗ tische„Libre Parole“ fortgesetzte Angriffe, um darzuthun, daß Labori gar nicht verwundet worden sei, weil man die Kugel nicht gefunden habe. Labori verklagte die„Libre Parole“ auf einen Franks Schadenersatz(um die Form zu wahren), verlangt aber gleichzeitig die Ver⸗ öffentlichung des Urteils in zwei⸗ hundert Blättern. Das Urteil ist in der Begründung äußerst scharf gegen die Be⸗ klagten von der„Libre Parole“. Es verurteilt das Antisemitenblatt zu einem Franks Schaden— ersatz und zu Insertion des Urteils in vierzig Pariser und 200 Provinzblättern, was 25000 Franks kosten dürfte, also die Anträge Laboris weit übertrifft. Die„Libre Parole“ wurde außer zu Schadenersatz noch zu einer Geldstrafe von 2000 Franks verurteilt. Der Krieg in Südafrika. Die Engländer haben wieder schwere Nieder— lagen erlitten, einen ihrer besten Generäle (Wanchope) und hunderte Soldaten verloren. Aus Loudon wird berichtet: Unter den Künstlern Englands war der Plan auf⸗ getaucht, einen„Kriegsfonds der Künstler“ zu bilden. Eine Anzahl hervorragender englischer Künstler hat dagegen protestiert. Bezeich⸗ nend ist in dieser Hinsicht ein Brief, den Walter Crane, der berühmte sozial⸗ demokratische Maler, von dem unsere Leser schon prachtvolle Bilder in den Maifeierzeitungen und dem„Wahren Jakob“ ge⸗sehen haben, unterm 10. Dezember an die„Westminster Gazette“ gerichtet hat. Er schreibt: „Ich liebe mein Vaterland, wie irgend Einer aus dem Volke, aber es ist schmerz⸗ lich, dieses Vaterland in einen ungerech⸗ ten und unnötigen Krieg gegen eine verwandte Rasse verwickelt zu sehen. Ohne daß ich der Leidenden auf beiden Seiten vergesse, glaube ich doch, daß es die menschlichste und patriotischste That wäre, einem verderblichen und ruhmlosen Krieg Einhalt zu thun und die Frage auf dem Wege eines Schieds— gerichtes zu lösen. So spricht wenige Wochen vor dem„Frie⸗ densfeste“ Weihnachten einer jener Sozial⸗ demokraten, die angeblich alle Religion „abschaffen“ wollen. Die„guten Patrioten“ natürlich, die„wahren“ Vertreter des Christen⸗ 1 17 hetzen weiter zum Krieg. Elende Heuch— er das! Aus dem Reichstag. Vier Minister als Ueberseeer. Der Montag war ein sogenannter großer Tag für das Reichsparlament. Auf der Tagesordnung stand die erste Lesung des Etats. Reichsschatzsekretär v. Thiele⸗ mann begründete denselben. Zu einer Debatte kam es aber gar nicht erst, da sofort der Reichskanzler Fürst Hohenlohe das Wort nahm, um die Mitteilung zu machen, daß eine Novelle zum Flottengesetz demnächst dem„hohen Hause“ vorgelegt werden würde. Es sei beabsichtigt die Streichung des ganzen Küsten⸗ geschwaders und eine Verdoppelung der Schlachtflotte und der großen Auslandsschiffe! Die erforderlichen Geldmittel sollen durch Anleihen beschafft werden. Hierauf nahm der Staatssekretär des Auswärtigen von Bülow das Wort. Die Erweiterung des Flotten⸗ gesetzes von 1898(das eine Ausgabe von rund 1000 Wieltlage sei jetzt anders. Millionen Mark verursacht!!) sei notwendig Die Wir ständen vor einer neuen Aufteilung der Erde. Wir hätten einen berechtigten Anspruch auf ein „größeres Deutschland“. Ohne starkes Heer und starke Flotte keine Wohlfahrt, kein Ansehen vor anderen Völkern.(Ruf links: Na! na!) Im kommen⸗ den Jahrhundert wird das deutsche Volk Hammer oder Amboß sein. Darum bitte ich Sie, bringen Sie der Flottenvorlage Wohlwollen entgegen. Hiernach trat der Staatssekretär des Marineamts, Vizeadmiral Tirpitz auf. Er hat zwar vor kaum zwei Jahren den damaligen, von ih m ausgearbeiteten Flotten⸗ plan, als aus reichend erklärt, ist aber jetzt für die neuen Pläne. Eine Flottenvermehrung sei„bitter notwendig“. Natürlich. Die Kosten. Noch einmal erscheint der Reichsschatzamtssekretär von Thielemann auf dem Plan, um in aller Ge⸗ mütsruhe auseinanderzusetzen, daß die Kosten für den neuen Plan sich belaufen würden auf nur rund 783 Millionen Mark. Nach diesen Ministerleistungen vertagte Haus.— Am Dienstag kam zunächst der Führer des Zen⸗ trums, Dr. Lieber, zum Wort. Er sprach echt zentrümlich, das heißt: er führte einen der berühmten Eiertänze auf. Nach außen hin— für die Arbeiter wähler, die immer noch auf den Zentrumsschwindel hineinfallen— sollte es so aussehen, als sei Lieber gegen die Flottenvorlage, der Regierung wurde ganz deutlich zu verstehen gegeben: des Zentrums seid Ihr sicher. Bemerkenswert war ein heftiger Angriff Liebers auf Miquel und die„un verantwortlichen Ratgeber des Kaisers“. Der konservative Graf zu Limburg-Stirum ist für eine starke Flotte, für ein starkes Heer, für drei⸗ jährige Dienstzeit u. s. w. Nach kurzen Bemerkungen des Reichskanzlers Hohen— lohe, der Staatssekretäre v. Thielemann und v. Bülow kam unser Genosse Bebel zum Wort. In zwei⸗ stündiger Rede geißelte er das ganze heutige Regierungs— system in unübertrefflicher Weise. Hoffentlich wird die Rede gedruckt und als Broschüre verbreitet. Hier einige Sätze aus der wuchtigen Anklagerede Bebels: In den letzten 12 Jahren haben wir nur zwei schlechte Finanzjahre gehabt. die Schuldenlast ist aber trotzdem von 750 auf 2300 Millionen gestiegen. Wirtschaftete ein Privatmann in der Weise, so würde man ihn ins Irrenhaus schicken oder, wenn er Kauf⸗ mann ist, ihn als leichtsinnigen Bankerottierer bestrafen. Der Reichstag wird wegen der Flottenvorlage nicht aufgelöst werden, weil das Zentrum die Vorlage be— willigen wird. An der höchsten Stelle erlebt man heute An schauungen so moderner Art, daß man als Revo— lutionär seine helle Freude daran haben kann; dann wieder Anschauungen von einer Rückständigkeit, die nicht zu begreifen ist. Zickzack⸗Kurs durchweg— aber in der Flottenfrage geht es mit Ausdauer und Konsequenz stets: Volldampf voraus!(Heiterkeit.) Wir dürfen sagen, es giebt kein Volk in der Welt, das so in den letzten Jahren von einer Aufregung in die andere gepeitscht worden ist, wie das deutsche Volk. Die deutschen Regierungen haben dieser Thatsache gegenüber eine äußerst merkwürdige Rolle gespielt. Wenn die thatsächlichen Zustände im deutschen Reiche so sind, daß im Grunde nur Einer entscheidet, wozu sind denn die anderen überhaupt noch da? Wenn die Flotten⸗ vorlage erledigt ist, wird wieder eine Militärvorlage kommen, 7000 Mann sind ja noch von der letzten Vor⸗ lage rückständig(Heiterkeit); dann wird man auch viel⸗ leicht die zweijährige Dienstzeit wieder beseitigen wollen. Redner weist dann auf den veranstalteten Flottenrummel hin, der namentlich von Großindustriellen geschürt würde, die geschäftliche Interessen an den Schiffsbauten haben. Bebel schließt dann wie folgt: Wenn Sie die neue Flottenvorlage für notwendig halten, dann greifen Sie in Ihren eigenen Beutel, bezahlen Sie die Flotte aus Ihrer eigenen Tasche! Wenn heute eine Krise ausbricht, werden gerade die einheimischen Arbeiter aufs Pflaster geworfen. Denn die Unternehmer haben ja ausländische Arbeiter in Menge hereingezogen, um die Löhne zu drücken, die Organisationen zu zerstören. Das ist der Patriotismus der deutschen Unternehmer in seiner ganzen Gestalt. Es fehlen in Deutschland zehntausende von Lehrern und Schulhäusern, dafür aber sind Mittel nicht da. Der Tuberkulosekongreß, der in diesem Saale tagte, hat Maßregeln vorgeschlagen, die für die Kultur weit mehr bedeuten würden, als die Ftottenvorlage, aber dafür hat man nichts übrig, nichts für die Arbeiter, nichts für die Organisation der Arbeiter, für ein Reichsarbeitsamt. Die gläubige Christenheit wird in einigen Wochen singen: „Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!“, und wie bereiten Sie diese christliche Feier vor? Indem Sie Flottenvorlagen beraten, Zerstörer des Lebens und der Existenz der Erdenbewohner.(Große Unruhe rechts.) Das ist Ihr Christentum!(Großer Bei⸗ fall bei den Sozialdemokraten; Lärmen rechts.) Staatssekretär Tirpitz erzählt darauf unter an⸗ derem, daß er im Sommer bei den Industriellen herumgereist ist, um sie darauf aufmerksam zu machen,„daß wir möglicherweise früher, als wir bisher angenommen, zur Flottenverstärkung kommen könnten und stch das daß sie sich darauf einrichten möchten“.(Große Be— wegung, Hört, hört!) Kein Wunder, daß jetzt die Industriebarone den Flottenspektakel nach Kräften fördern! Nachdem der Präsident dem Gen. Bebel noch einen Ordnungsruf wegen seines Schlußsatzes erteilt hatte wurde die Sitzung geschlossen. Am Mittwoch nahm als erster der Finanzminister Miquel das Wort, um die Angriffe Liebers vom Tage zuvor abzuwehren. Er hat kein Wässerchen getrübt, ist kein unverantwortlicher und kein verantwortlicher Ratgeber des Kaisers in Marinesachen gewesen. In diesen Sachen bedürfe der Kaiser keiner Ratgeber. Er habe nie geleugnet, daß er in seiner Jugend Marxist gewesen sei, und findet es ganz erklärlich, daß er sich vom Kommunisten, der Bauernaufstände inszenieren wollte, bis zum Liebling der Agrarier durchgemausert hat.— Es antwortete dem Meisterschaftsmauserer Miquel sofort der Zentrumsführer Lieber. Er ging ziemlich scharf los, aber— die beiden werden sich schon wieder ver— tragen, sie sind beide„ehrliche Makler“.— Es sprachen dann noch der Nationalliberale Sattler, der Konservative v. Frege, der niemals blaß wird, der Reichsparteiler v. Kardorff, Stumms Schildknappe, der Pole Motty und der Graf Posadowsly.(Ueber die Donnerstags— sitzung siehe unter Letzte Nachrichten.) Hammer oder Amboß? -d- In diesen Tagen des Flottenrummels wird so viel von Deutschlands Zukunft, die bekanntlich auf dem Wasser liegen soll, geredet, daß es angebracht erscheint, einmal an ein Zukunftsbild zu erinnern, das der große Spötter Heinrich Heine, dessen 100. Geburtstag am 13. Dezember d. J. wiederkehrte, vor einem halben Jahrhundert entworfen hat. Ju seinem Gedicht:„Deutschland, ein Winter⸗ märchen“, einer ebenso köstlichen wie stachlichen politischen Satire, schildert Heine, wie er nach 13 jähriger Abwesenheit von der deutschen Heimat aus Paris zurück„gen Norden“ reist. Er kommt endlich auch nach Hamburg, dem Wohnsitz seiner Angehörigen und seines Verlegers Campe. In vortrefflicher Weise erzählt Heine in seinem„Wintermärchen“, wie er, von einem fidelen Abendessen kommend, zu mitternächtiger Stunde durch Hamburgs Straßen spaziert: Und als ich auf die Drehbahn kam, Da sah ich im Mondenschimmer Ein hehres Weib, ein wunderbar Nochbusiges Frauenzimmer. Er schildert dann das„Frauenzimmer“, das sich als die Göttin Hammonia entpuppt, ganz ausführlich. Wie Heine schildert, mögen fol⸗ gende Strophen zeigen: Sie trug eine weiße Tunika, Bis an die Waden reichend. Und welche Waden! Das Fußgestell Swei dorischen Säulen gleichend. Die weltlichste Natürlichkeit Konnt' man in den Sügen lesen; Doch das übermenschliche Hinterteil Verriet ein höheres Wesen. Kurzum, Heine und Hammonia begaben sich in das Heiligtum der letzteren und amüsierten sich trefflich. Heine singt darüber: Die Göttin hat mir Thee gekocht Und Rum hineingegossen; Sie selber aber hat den Rum Ganz ohne Thee genossen. Beim„Thee“ reden beide über die herrlichen deutschen Zustände, über die Kleinstaaterei, die Censur, die Polizei und anderes mehr. Ham— monia kennt aber nicht nur die Gegenwart, sie kennt auch die Zukunft Deutschlands: „Was ich den sterblichen Menschen nie Gezeigt, ich möcht es dir zeigen: Die Sukunft deines Vaterlands— Doch ach! Du kannst nicht schweigen!“ Heine ist ob des in Aussicht gestellten Zu— kunftsbildes entzückt. Er schwört in feierlicher Weise Stillschweigen. Und nun erzählt Ham⸗ monia: „Ich werde alt. Geboren bin ich Am Tage von Hamburgs Begründung. Die Mutter war Schellfischkönigin Nier an der Elbe Mündung. Seite. A. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 31. Mein Vater war ein großer Monarch, Karolus Magnus geheißen, a Er war noch mächt'ger und klüger sogar, Als Friedrich der Große von Preußen. Der Stuhl ist zu Aachen, auf welchem er Am Tage der Krönung ruhte; Den Stuhl, woranf er saß in der Nacht, Den erbte die Mutter, die gute.“ Jetzt besitzt Hammonia den Stuhl: „Siehst du, dort in dem Winkel steht Ein alter Sessel, zerrissen Das Leder der Lehne, von Mottenfraß Sernagt das Polsterkissen. „Doch gehe hin uud hebe auf Das Kissen von dem Sessel, Du schaust eine runde Oeffnung dann, Darunter einen Kessel— „Das ist ein Sauberkessel, worin Die magischen Kräfte brauen. And steckst du in die Rundung den Kopf, So wirst du die Zukunft schauen. „Die Zukunft Deutschlands erblickst du hier Gleich wogenden Phantasmen, Doch schaudre nicht, wenn aus dem Wust Aufsteigen die Miasmen!“ Heinrich Heine war ein kouragierter Mann, vielleicht war auch zu viel Rum im Hammonia⸗ Thee gewesen, er steckte den Kopf in die be⸗ wußte Rundung— aber: „Was ich gesehen, verrate ich nicht Ich habe zu schweigen versprochen, Erlaubt ist mir zu sagen kaum, O Gott, was ich gerochen! Was Heine weiter sagt, mögen unsere Leser im„Wintermärchen“ selber nachlesen.“ Nur soviel sei noch verraten, daß Heine von dem Schrecklichen, was ihm von der Zukunft Deutsch⸗ lands— durch Gesicht und Nase wahrnehmbar — kund gethan wurde, in Ohnmacht fiel. Und doch: Heine hat sich damals von der rumseligen Hammonia bemogeln lassen: Was sie ihm als die Zukunft Deutschlands zeigte, war nur ein Durchgangsstadium zu einer glücklichen Zukunft. Heine sah zu jener Zeit nur Ausnahmegesetze, häßliche Spitzelgesichter, aufgehängte Negerweiber, Gehe imbundsprozesse, unschuldige Zuchthausopfer, wegen Majestäts⸗ beleidigung eingesperrte Kinder und Greise u. s. w.— Später sah er mehr. Und proyphetisch verkündigte er in seinen„Geständnissen“, in denen er von Marx, Engels und Lassolle spricht: „Diese Doktoren der Revolution und ihre mit⸗ leidslos entschlossenen Jünger sind die ein⸗ zigen Männer in Deutschland, denen Leben innewohnt, und ihnen gehört die Zu— kunft.“ So wie sich Heine vor 50 Jahren in Hammonias Kammer über die Zukunft Deutschlands täuschte, so irrte vor 5 Tagen anch der ehrliche Seemann Tirpitz in der Reichskammer, als er meinte, Deutschland werde in Zukunft Hammer oder Amboß sein. Wir können nur wünschen, daß Tirpitz seinen Irrtum schneller einsieht, als Heine, der fast ein Jahrzehnt dazu gebrauchte. Zu den schönsten Hoffnungen in dieser Hinsicht sind wir berechtigt! Hat doch Tirpitz kei e zwei Jahre gebraucht um einzusehen, daß sein Marinezukunftsbild von 1897 un zutreffend war. Unsere Ueberzeugung ist, daß Heine mit seinem Zukunftsbild wie er es in den„Ge⸗ ständnissen“ festlegt, Recht behält. Das zum Klassenbewußtsein erwachte Proletariat wird die politische Macht erobern, mit krästiger Faust den Hammer der Gesetzgebung ergreifen und sich eine glückliche Zukunft schmieden. Eine 1 auf die der Heine'sche Vers zutreffen wird: Es giebt hienieden Brot genug Für alle Menschenkinder. * In der Reklam⸗Ausgabe ist„Deutschland, ein Wintermärchen“, in jeder Buchhandlung für 20 Pfg. käuflich zu haben. Das Bändchen führt die Nummer 2261. N 1 Bei Einkäufen bitten wir in erster Etuie diejenigen Geschafte zu berücksichtigen, die in der„ittesd. Sonntags⸗Zeitung ann nieren. von Nah und Lern. Die letzte Kraftprobe. * Am Mittwoch fand die Vertreter⸗ wahl zur Generalversammlung der Gießener Ortskrankenkasse statt. In aller Stille hatte eine kleine Unternehmerklique auch eine Arbeitneh merliste mit 129 Kandidaten — wovon 75 Maurer waren— aufgestellt und drucken lassen. Daß die Herren gut hinter den Koulissen gearbeitet batten, ging aus dem Wahlresultat hervor: Unter Führung von Polieren und sonstigen Vertrauensleuten traten thatsächlich 106 Mann an die Urne und gaben den„Brotgeber“zettel ab. Aber der letzte Versuch, sich wieder der Verwaltung der Kasse zu bemächtigen, schlug fehl. Mit 243 Stimmen Mehrheit siegte die vom Gewerk⸗ schaftskartell herausgegebene Arbeiterliste. Der Gießener Ortskrankenkasse ist nun eine gedeihliche Weiterentwickelung ge⸗ sichert zum Wohle der Arbeiter und zum Aerger diverser Unternehmer, die auch da gerne eine große Rolle spielen möchten, wo ste ganz und gar überflüssig sind. Eine bittere Pille. * Herr Jost Benner, Hauptlehrer in Löhn⸗ berg, hat vor dem Gericht in Weilburg, um einer empfindlichen Strafe zu entgehen, einen Vergleich eingehen müssen, den ihm sein An⸗ kläger, Kaufmann Hehmann, Spediteur der „M. S.⸗Ztg.“ in Löhnberg, diktierte. Unter anderem wurde Herr Benner gezwungen, auch in der„M. S.⸗Ztg.“ die von ihm gegen Heh⸗ mann erhobenen Beleidigungen und Verdäch⸗ tigungen als unwahr zurückzunehmen. Nun sollte man denken, der Löhnberger Hauptlehrer wäre froh, daß die Sache aus der Welt ge⸗ schafft und bald vergessen würde. Weit gefehlt. Herr Benner sendet uns die in unserem heutigen Inseratenteil abgedruckte Erklärung, hält es aber für notwendig, an die Verwaltung der „M. S.⸗Ztg.“ zu schreiben: „Diese Zeilen(die Erklärung, daß Benner seine Beleidigungen und Verdächtigungen als un wahr zurück⸗ nimmt. Red. d. M. S.⸗Ztg.) haben Sie ohne weitere Hinzufügung in Druckschrift gewöhnlicher Größe im Inseratenteil Ihrer Zeitung aufzunehmen und mir in Rechnung zu stellen. Ich mache Sie ausdrücklich darauf ausmerksam, daß sich der Druck in nichts von dem ge⸗ wöhnlichen Druck unterscheiden darf und daß ich durch einen Sachverständigen die Kosten der Einrückung prüfen lasse. Die Höhe der Druckbuchstaben beträgt 2 Milli⸗ meter. Genaue Abschrift des vorliegenden Schriftstückes habe ich von geeigneter und berechtigter Seite nehmen lassen. Benner.“ Wenn Herr Benner der Ansicht war, daß uns seine energischen Anweisungen riesig impo⸗ nieren würden, so hat er sich gründlich getäuscht. Nichtsdestoweniger sind wir der unmaßgeb⸗ lichen Ansicht— die pädagogische Durchbil⸗ dung, deren sich die Lehrer erfreuen, geht uns ja ab—, daß sich ein Mann, der eben erst eine so abscheulich schmeckende Pille, wie den Widerruf, hinunterschlucken mußte, uns gegenüber schon etwas bescheidener auftreten dürfte. Außerdem glauben wir kaum, daß unser Genosse Hehmann mit der uns von Herrn Benner zugeschickten Erklärung zufrieden ist. So wie wir das Abkommen verstanden haben, ist der Löhnberger Hauptlehrer und Präsident des dortigen Kriegervereins verpflichtet, den gesamten Wortlaut des Vergleichsprotokolls abdrucken zu lassen. Konsumvereine der Eisenbahner. 5 Dem Vernehmen nach hat der preußische Minister der öffentlichen Arbeiten die Eisenbahn⸗ direktionen zur Abgabe verschiedener Berichte aufgefordert. Unter anderem sollen die Eisen⸗ bahndirektionen darüber berichten, ob und welche Konsumvereine in ihren Bezirken bestehen, denen ausschließlich oder überwiegend Eisen⸗ bahnbedienstete(Beamte und Arbeiter) an⸗ gehören. In dem bezüglichen Verzeichnisse ist auch die Anzahl der Mitglieder der Konsum⸗ vereine sowie ferner anzugeben, ob berechtigte Klagen über die Vereine laut geworden sind und ob oder welche berechtigten wirtschaftlichen Vorteile sie den Beamten gebracht haben. Wie uns bestimmt verfichert wird, soll auch in Gießen ein großer Konsum verein für die Eisenbahner ins Leben gerufen werden. Der Grundstein dazu ist schon gelegt durch die Begründung eines Eisenbahnervereins. Die Gießener Geschäftsleute werden sich über diese Gründung riesig freuen. Tapfere Vaterlandsverteidiger. * Auf der Straße von Gießen nach Rödgen wurden am Sonntag mehrere Mädchen aus letzterem Orte von einer Anzahl Soldaten über⸗ fallen und vergewaltigt. In Begleitung des Bürgermeisters haben die Bedauernswerten Maͤdchen im Laufe dieser Woche die ganze Garnison von Kompagnie zu Kompagnie be⸗ sichtigt, um die Schuldigen zu ermitteln, bisher leider vergebens. Aus einem hessischen Kinderhospital. * Eine merkwürdige Geschichte wird aus Frankfurt a. M. berichtet. Wir wollten erst Bestätigung abwarten, bevor wir Notiz davon nahmen. Nachdem aber jetzt in Offenbacher, Berliner und anderen Blättern die Notiz un⸗ widersprochen veröffentlicht wurde, halten wir uns zum Abdruck verpflichtet. Es wird berichtet: Das Kind einer armen Frau wurde auf dringenden Rat des Arztes wegen Lähmung des rechten Aermchens nach Nauheim zur Kur geschickt und fand auf Vermittelung des Frankfurter Kinderhospitals im Elisabethen⸗ haus zu Nauheim Aufnahme. Nach fünf Wochen wurde das acht Jahre alte Mädchen der Frau unverhofft von einer Schwester zurückgebracht und als„geheilt“ abgeliefert. Als die erstaunte Frau das Kind entkleidete, fand sie, daß das⸗ selbe sehr beschmutzte, eiterstarrende Wäsche trug! Erschreckt lief sie zum Arzte, welcher dann die Diagnose:— geschlechtskrank stellte. Nach mehreren Tagen waren schon die übrigen Kinder der Frau angesteckt und auf dringenden Rat des Arztes die Kinder ins Städtische Kranken⸗ haus eingeliefert. Die Spitalverwaltung in Nauheim schrieb nun ganz lakonisch, daß sie ein Verschulden nicht treffe, da jedenfalls der „eKim der Krankheit im Kinde gesteckt habe“! — Man giebt aber im Schreiben zu, daß auch eine Schwester von derselben Krankheit angesteckt, sogar um ein Auge kommen würde! Ob hier ein Verbrechen oder sonstige Ansteckung vorliegt, hat jetzt die hessische Staatsanwaltschaft in Untersuchung gezogen, deren Resultat zur Zeit noch nicht bekannt ist. Jetzt hört ein Frank⸗ furter Blatt, daß im dortigen Städtischen Krankenhause bereits weitere Kinder angesteckt worden sind! So fand eine Frau, die ihre zwei Kinder besuchte, daß dieselben jetzt an derselben Krankheit leiden! Dieser Vorfall bedarf dringend der Aufklärung; auf die Er⸗ mittelung der Staatsanwaltschaft kann man gespannt sein. Der Wetzlarer Reichsbote. * Der Abg. Rrämer, Vertreter des Wahl⸗ kreises Wetzlar⸗Altenkirchen im Reichstag, hat am Sonntag in der ehemals freien Reichsstadt bei Niedergirmes über die Thätigkeit des Reichs⸗ tags berichtet. Für Herrn Krämer steckte in der Zuchthausvorlage ein berechtigter Kern. Ein Interessengegensatz zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern bestehe nicht. Einer Ver⸗ mehrung der Flotte steht er freundlich gegen- über. Der Rede Krämers folgte eine Rede des nationalliberalen Generalsekretärs Patzig aus Berlin. Er sprach sich recht patzig über die Sozialdemokraten aus und kann nicht verstehen, warum sich die Arbeiter in Deutschland nicht wohl fühlen. Er ist für Flottenvergrößerung. „Dank dem ungeheuren Anwachsen unserer wirt⸗ schaftlichen Entwickelung sei im deutschen Lande ein früher ungekannter Wohl⸗ stand eingekehrt. Diesen Wohlstand sollten wir uns erhalten, wir wollen unserer ununterbrochen wachsenden Bevölkerung Ge⸗ legenheit geben, auf heimischem Boden ihr Brot zu finden. Wir wollen Waren exportieren, keine Menschen. Wer das wolle, der werde auch der Vermehrung und der gesetzlichen Fest⸗ legung unserer Wehrkraft zur See ein Hindernis nicht bereiten dürfen.“ Wir zweifeln durchaus nicht, daß Herr Patzig, Herr Krämer und der 19 0.* erf gegen den sehen tilen gl 7 12 1 Eu hestht Ind i gewöh achz in del b d echoh Perso 95 bi 250 Jaht den bega lied. zu e fn 1 0 eit a 8 bete A. 1 00 Merk der Wer Witt Me r auf 1 Dit 10 eie bed ber UI Mel ung des swerten dle ganze nie 0 l, bisher ospital. ird aug ten ert iz dabon eubacher, otiz un⸗ „ halten et. Cz 0 Frau es wegen Muheim mittelung sabethen⸗ f Wochen der Frau gebracht erstaunte daß das⸗ cche trug! dann die f. Nach n Kinder nden Rat Kranken⸗ tung in. daß sie falls der kt habe“ daß auch angesteck, Ob hier borlieg, schaft il, zur Zeit n Fran tädtischn angesteck 15 hte jetzt al Auril die Gr aun maß Nr. 51. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 3. anze nationalliberale Generalstab im Wohl⸗ tand lebt. Aber Herr Patzig hätte die Ge⸗ legenheit wahrnehmen sollen, sich einmal nach dem Wohlstand der in den Bergwerken und der Eisenindustrie bei Wetzlar beschäf⸗ tigten Arbeiter zu erkundigen. Dann wäre er vielleicht zu anderen Ansichten gekommen. Wie wir aus dem„Wetzl. Anz.“ ersehen, ist unser Genosse Fauth den nationalliberalen Rednern entgegengetreten.— Wenn noch ein Arbeiter im Kreis Wetzlar⸗Altenkirchen im Zweifel war, wie er zu wählen hat, so ist er hoffentlich nach den Reden der Herren Krämer und Patzig zu der Ueberzeugung gekommen, daß er Herrn Krämer seine Stimme nicht geben darf. Kleine WNitteilungen. ** Landtagswahl in Gießen⸗Stadt. Anstelle des zurückgetretenen Abg. Metz wurde von den Wahlmännern des letzteren am Mitt⸗ woch Justizrat Dr. Gutfleisch zum Abge⸗ ordneten für Gießen gewählt. ** Einbruch. In dem Seidenwarenhaus Nowack in Gießen wurde nachts eingebrochen und für 3000 Mk. beste Seide gestohlen. ** Die allgemeine Sterbekasse Gießen, welche vor zehn Jahren gegründet wurde, besteht 3. Z. aus 110 Mitgliedern. Dieselbe hatte im verflossenen Jahre einen Zuwachs von 76, da⸗ gegen einen Abgang von 9 Mitgliedern durch den Tod. Während seines zehnjährigen Be⸗ tehens hat der Verein 86 Sterbefälle unter einen Mitgliedern gehabt und wurden an 15 Mitglieder je 75 Mk., an 15 je 100, an 24 je 120, an 23 je 150 und an 9 je 170 Mk., in Summa 10485 Mk. ausgezahlt. Außerdem besitzt der Verein einen Reservefond von 2527 Mk. und ist mithin in der Lage, selbst in außer⸗ gewöhnlichen Fällen seinen Verpflichtungen nachzukommen. Auch ist die Sterbekasse wiederum in der angenehmen Lage, vom 1. Januar 1900 ab das Sterbegeld von 170 auf 185 Mk. zu erhöhen. Das Eintrittsgeld beträgt für eine Person: im Alter von 16 bis 25 Jahren 1 Mk., 25 bis 30 Jahren 1.50 Mk., 30 bis 35 Jahren 2.50 Mk., 35 bis 40 Jahren 4 Mk., 40 bis 45 Jahren 7 Mk. Bei der Aufnahme ist außer⸗ dem noch ein Sterbefallbeitrag von 25 Pfg. zu bezahlen. Für jeden Sterbefall eines Mit⸗ gliedes ist der Kasse ein Beitrag von 25 Pfg. zu entrichten, welcher durch den Kassenboten egen Quittung erhoben wird. Zur Auskunft n allen Fragen sind die Herren Schneider⸗ meister Georg Pfaff, Kreuzplatz 10, Schuh⸗ machermeister Seidewand, e e 0 sowie H. Bruchhäuser, Wolfstraße 8, gerne ereit. ** Der hessische Landtag ist auf den 20. Dezember zusammenberufen worden. k. Lotterie⸗Unfug. Man schreibt uns: Es muß im öffeutlichen Interesse darauf auf⸗ merksam gemacht werden, daß die Thätigkeit der Lotterie⸗Kollekteure resp. derer, die es noch werden wollen, zu einer öffentlichen Gefahr wird. Namentlich im Kreis Büdingen ziehen Agenten von Dorf zu Dorf, und leider müssen wir sagen, spekulieren sie mit großem Erfolg auf die Dummheit und hängen vielen Leuten 1 oder ein/ Lose auf. In einem kleinen Orte des genannten Kreises sollen allein 42%//. Lose an den Mann gebracht worden sein, was eine jährliche Ausgabe von zirka 1700 Mark bedingt. Das ohnedem sozial und moralisch verwerfliche Lotteriespiel wird durch diesen Hausierhandel doppelt gefährlich. 4 k. Zur Hundesteuer. Der Oberbürger⸗ meister Morneweg in Darmstadt scheint im Gegensatz zu seinen übrigen hessischen Kollegen ein Feind der Hundesteuer zu sein. Ju der Stadtverordnetenversammlung vom 7. Dezember erklärte Herr M., daß er schon aus dem Grunde gegen die Hundestener sei, um nicht auch dieses unschuldige und harmlose Vergnügen den Bürgern zu verekeln.“ Wo sind Anträge auf Juvalidenren te anzubringen? * Gesuche(Anträge) auf Invalidenrente sowohl als auch auf Altersrente und Beitrags rückerstattungen sind bei den Bürgermeister⸗ ämtern des Wohnorts des Versicherten anzu⸗ bringen. Zu einem Antrag auf Invalidenrente ist erforderlich: a) die letzte Quittungskarte, b) ein ärztliches Attest über die mindestens zu ½ für die Dauer eingetretene Arbeitsunfähig⸗ keit, c) gegebenenfalls Krankheitsbescheinigungen und der Militärpaß. Die sogenannten Aufrech⸗ nungsbescheinigungen sollen mit den Renten⸗ Anträgen vorgelegt werden, jedoch darf beim Fehlen einer dieser kleinen Kärtchen nicht etwa der Rentenantrag zurückgewiesen werden. Arbeits⸗ bescheinigungen irgend welcher Art, sei es vor 1891, set es nach diesem Zeitpunkt, sind bei der Invalidenrente nicht erforderlich. Die Invalidenrente wird, wie bereits erwähnt, ohne Rücksicht auf das Lebensalter gezahlt und auch nicht, wie man fälschlicherweise oft meint, erst vom zweiten Jahre an, sondern schon vom ersten Tage der durch deu Arzt konstatierten dauernden Arbeitsunfähigkeit(Invalidität); nur bei vorübergehender Erkrankung wird erst nach Ablauf eines Jahres Invalidenrente für die weitere Dauer der Krankheit gegeben. Bei dauernder Arbeitsunfähigkeit ist es weiter einerlei, ob der betreffende Gesuchsteller von seiner Krankenkasse ausgesteuert ist oder nicht. Die Wartezeit bei der Invalidenrente beträgt 4½ Jahre(235 Wochen), die der Antragsteller nachweisen muß. Was die Altersrente bei 70 Jahren an⸗ belangt, so ist bei Stellung eines solchen An⸗ trages ebenfalls a) wieder die letzte Quittungs⸗ karte, ferner b) ein Geburtszeugnis und endlich c) ein Nachweis da über erforderlich, daß der Gesuchsteller vor Inkrafttreten des Gesetzes am 1. Januar 1891 in den Jahren 1888, 1889 und 1890 als Arbeiter irgendwo im ganzen 141 Wochen gearbeitet hat. Bei der Alters⸗ rente sind also für die Zeit vor 1890 Arbeits- bescheinigungen nötig, nach dem 1. Januar 1891 bedarf es aber nur entsprechender Marken⸗ beklebung und keiner weiteren Arbeitsbeschei⸗ nigungen. Zu den Beitragsrückerstattungen möchten wir noch erwähnen, daß im Todesfalle eines männlichen verheirateten Versicherten die Witwe des Betreffenden a) eine für diesen Zweck vom Standesamt unentgeltlich auszustellende Sterbe⸗ urkunde, b) die letzte Quittungskarte, c) ein ärztliches Zeugnis über die Todesursache(es darf nämlich kein Betriebsunfall vorliegen!) und d) den Trauschein braucht. Die vaterlosen Kinder unter 15 Jahren einer versicherten Witwe haben im Todesfalle ihrer Mutter die von dieser geleisteten Beiträge ebenfalls unter Beibringung genau derselben Papiere anzufordern. Bei der Beitragsrückerstattung im Falle der Verheiratung bedarf die junge Frau nur a) ihre letzte Quittungskarte und b) des für diesen Zweck unentgeltlich vom Standesamt auszu⸗ stellenden Trauscheins. Anträge in letzter Hin⸗ sicht müssen aber drei Monate nach der Ehe⸗ schließung gestellt werden, bei Verlust des Anrechts. Alle die angeführten Rentenanträge und Beitragsrückerstattungen sind also, wie Eingangs erwähnt, bei den Bürgermeisterämtern des Wohnorts einzubringen und diese haben unent⸗ geltlich alles weitere zu veranlassen. Man hebe sich diese Notizen gut auf! Tetzte Nachrichten. Reichstag. Am Donnerstag sprach Abg. Richter(fr. Vp.). Er ging scharf mit der Regierung ins Gericht und wehrte sich dagegen, daß der Monarch nicht in Reichstagsreden er⸗ wähnt werden soll:„Wenn der Monarch von seiner Redefreiheit Gebrauch macht, so ist es unsere Pflicht, von unserer Redefreiheit Ge— brauch zu machen, um darauf zu erwidern.“ (Sehr richtig! links.) Er sei dafür, daß man einen Minister verantwortlich mache für aller⸗ höchste Kundgebungen. Aber wo sind denn die verantwortlichen Minister? Das sei ja auch eine Eigentümlichkeit unserer Zustände, daß die maßgebenden Personen mehr auf Reisen sind, als dies bisher üblich war.(Sehr richtig! — Der Reichstag ist bis zum 9. Januar vertagt. ie8sbs Hadttheates Sonntag, den 17. Dezember. Abends 8 Uhr: Die goldene Eva. Dienstag, 19. Dez.: Hu bale und Liebe. Mittwoch, 20. Dez.: Frou- Frou. Sonntag, Dienstag und Mittwoch sind Gastspiele von Lucie Virna. Freitag, den 22. Dez.: Neunte Volksvorstellung. Hyritz- Pyritz. —— e Unterhaltungas⸗eil. * Dichtungen von Heinrich Heine. (Heinrich Heine wurde am 17. Dezember 1799 in Düssel⸗ dorf geboren; er starb am 17. Februar 1856 in Paris.) Aus dem Buch der Lieder. Lieb Liebchen, leg's Händchen auf's Herze mein;— Ach, hörst Du, wie's pochet im Kämmerlein? Da hauset ein Zimmermann schlimm und arg, Der zimmert mir einen Totensarg. Er hämmert und klopfet bei Tag und bei Nacht. Er hat mich schon längst um den Schlaf gebracht. Ach, sputet euch, Meister Zimmermann, Da mit ich balde schlafen kann. Im wunderschönen Monat Mai, Als alle Knospen sprangen, Da ist in meinem Herzen Die Liebe aufgegangen. Im wunderschönen Monat Mai, Als alle Vögel sangen, Da hab' ich ihr gestanden Mein Sehnen und Verlangen. Die Rose, die Lilie, die Taube, die Sonne, Die liebt' ich einst alle in Liebeswonne. Ich li b' sie nicht mehr, ich liebe alleine Die Kleine, die Feine, die Reine, die Eine; Sie selber, aller Liebe Bronne, Ist Rose und Lilie und Taube und Sonne. Leise zieht durch mein Gemüt Liebliches Geläute, Klinge, kleines Frühlingslied, Kling hinaus ins Weite. Kling hinaus bis an das Haus, Wo die Blumen sprießen. Wenn du eine Rose schaust, Sag', ich lass' sie grüßen. Die Linde blühte, die Nachtigall sang, Die Sonne lachte mit freundlicher Lust; Da küßtest du mich und dein Arm mich umschlang, Da preßtest du mich an die schwellende Brust. Die Blätter fielen, der Rabe schrie hohl, Die Sonne grüßte verdrossenen Blicks; Da sagten wir frostig einander:„Lebwohl!“ Da knickstest du höflich den höflichsten Knicks. Am die Hochzeitsnacht betrogen. Nach dem Französischen des Guy de Maupassant. .... Der junge Ehemann, Jean Patu, war ein schöner Bursche und der reichste Pächter der ganzen Gegend. Vor allem war er ein leidenschaftlicher Jäger. Wenn es darauf an⸗ kam, diese seine Passion zu befriedigen, setzte er manchmal alle Vernunft bei Seite und gab unvernünstige Summen für Hunde, Gewehre und alles, was sonst dazu gehörte, aus. Seine junge Frau, Rosalie Russel, war seiner Zeit von den heiratsfähigen Burschen des Landes vielfach umworben worden, denn Nachm. 4 Uhr: Kindervorstellung. DDD 558566 g * Seite 6. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 51. Patu wandte sich rasch um: schulln se man kamen.“ Aber nun fing der Andere an, zu lachen: „Jo, jo, se schullt man kamen. Aewer hüt hest Du doch to veel to dohn, um em nach— tolopen.“ Der ganze Tisch bebte von dem Freuden⸗ Boten das diesen Worten folgte, sodaß der oden zitterte und die Gläser klangen. Aber der junge Mann wurde wütend bei dem Ge— danken, daß man seine Hochzeitsnacht benutzen könne, um bei ihm zu wildern.„Ick segg man blot, se schullt man kamen.“ Und jetzt ergoß sich ein förmlicher Regen von Zweideutigkeiten, und die junge Frau, die vor freudiger Erwartung bebte, errötete leicht. Als man dann noch ein Fäßchen Brannt— wein ausgetrunken hatte, gingen alle schlafen. Die Neuvermählten begaben sich in ihr Zimmer, das, wie alle Zimmer eines Bauernhofes, zu ebener Erde lag. Da es heiß war, öffneten sie die Fenster und machten nur die Läden zu. Auf der Kommode brannte eine kleine, ge— schmacklose Lampe, ein Geschenk des Schwieger⸗ vaters, und das Bett stand bereit, das junge Paar zu empfangen. Die Frau hatte sich zu Bette begeben; Jean beugte sich zu seiner Frau herab und suchte ihren Mund, den sie in den Kissen zu verbergen suchte. Da ertönte plötzlich ein Schuß in der Ferne, er schien aus dem Gehölz des Raples herzukommen. Jean fuhr unruhig empor, das Herz schnürte sich ihm zusammen. Dann stürzte er ans Fenster und riß die Läden auf. Der Mond schien voll auf den Hof herab und badete ihn in seinem gelblichen Licht. Um die Apfelbäume lagen kurze, runde Schatten 5 dunkle Flecke, und in der Ferne glänzte das reife Getreide 4— den——— von ihr los, stürzte auf das Fenster zu und sprang in den Hof hinab. Sie wartete eine Stunde— zwei Stunden — bis es Tag wurde. Ihr Mann kam immer noch nicht. Nun verlor sie den Kopf, rief Leute herbei und erzählte ihnen, wie Jean in Zorn geraten und den Wilderern nachgejagt sei. Nun machten sich sämtliche Knechte, Fuhr— leute und Burschen auf den Weg, ihren Herrn zu suchen. Man fand ihn zwei Meilen vom Hof ent⸗ fernt, vom Kopf bis zu den Füßen mit Stricken umwunden, halbtot vor Wut. Die Hose hatte er auf der verkehrten Seite an, drei tote Hasen hatte man ihm um den Hals gehängt und ein Plakat angeheftet:„Wenn man up de Jagd geiht, verliert man sin Platz.“ Wenn er späterhin von seiner Hochzeitsnacht erzählte, pflegte er hinzuzufügen:„O, för'n Jux war dat en ganz goden Jux. Se hebbt mi am Kribs kregen, as en Has, de verflixten Bengels, un hebbt mi en Sack öwer den Kopp trokken. Aewer wenn ick em mol to faten kreg, daun schült se sich man wohrn.“ So amüsiert man sich in der Normandie, wenn Hochzeit gehalten wird. Sprüche zur Lebensweisheit. Von Heinrich Heine. Die Erde ist der große Felsen, woran die Menschheit, der eigentliche Prometheus, gefesselt ist und vom Geier des Zweifels zerfleischt wird. Sie hat das Licht gestohlen und leidet nun Martern dafür. 1 Wo das Weib aufhört, fängt der schlechte Mann an. i Ales gele 11 Zum Einkauf von Weihnachtsgeschenken empfehle ich mein großes Lager in Uhren, Gold- und Silberwaren. 2 Herrenumsen in Gold, Silber, Doublé, Weißmetall, Stahl und Nickel. Herren⸗ und Damen ⸗Uhrketten in Gold, Silber, Doublé, Weißmetall und Nickel. Reiche Auswahl in Broschen, Ohrringen, Colliers, Armreisen, Ringen, Mauschettenknöpfen, Kravattennadelu, Haarkettenbeschlägen, Anhängern u., w. Damenuhren in Gold Silber und Stahl. 585 und 333 gesetzlich Trauringe= el. N se war hübsch und man wußte, daß sie eine Wie er so 11 dastand und auf jedes Wir wollen auf Erden glücklich sein, 0 1 oße Mig bekam. Aber 10 hatte Patn den J Geräusch horchte, schlangen zwei bloße Arme Und wollen nicht mehr darben; 1 Vorzug gegeben, vielleicht, weil er ihr besser sich um seinen Hals und seine Frau flüsterte, Verschlemmen soll nicht der faule Bauch, 1 gefiel, wie die Anderen, aber eher noch, weil] während sie ihn vom Fenster wegzuztehen ver⸗ Was fleißige Hände erwarben. 1 sie als echte Tochter des Landes in Betracht suchte:„Lat dat doch, wat geiht Di dat an?* 9 zog, daß er die meisten Thaler besaß. Kumm wedder to mi.“ Die Musik beim Hochzeitsgeleite erinnert 5 Jetzt saßen sie beim Hochzeitsmahl. Am Er wandte sich um, drückte sie an sich, hob mich immer an die Musik bei in die Schlacht 0 unteren Ende des Tisches saßen vier Burschensie in seinen starken Armen empor und trug sie ziehenden Soldaten. 9 aus der Nachbarschaft und heckten irgend welche] zum Bett. f* 4 Scherze aus, mit denen das junge Paar über⸗ Aber in dem Moment, wo er sie nieder⸗ Neben dem Denker ein prosaischer Mensch, 0 rascht werden sollte. Sie schienen jetzt gerade legte, krachte wieder ein Schuß und näher wie der ruhig sein Geschäft treibt— neben jeder 4 einen besonders guten gefunden zu haben, denn der erste. Krippe, worin ein Heiland, eine welterlösende 14 sie flüsterten eifrig mit einander und erstickten Jean erbebte vor Zorn und fluchte:„Den Idee, den Tag erblickt, steht auch ein Ochse, 6 fast vor Lachen. Einer von ihnen benutzte Düwel ok, se glöwt wull, dat ick wegen, Di] der ruhig frißt. g einen ruhigen Moment, um dem jungen Ehe- nich rutkam. Na, wart man, wart man! 1 1 mann zuzurufen:„Na, dusse Nacht warn de Damit zog er seine Stiefel wieder an, nahm Fatal ist mir das Lumpenpack, 7 Wilderer wull nich utbliewen, weun de Maand das Gewehr, das er immer bei der Hand hatte, Das, um die Herzen zu rühren, 5 so klar schient. Segg doch, Jean, dit Mol vom Nagel, und wie seine Frau bittend und Den Patriotismus trägt zur Schau warst Du em wull nich uplurn?“ 1 bestürzt seine Knie umfaßte, machte er sich rasch Mit allen seinen Geschwüren. „Mintwegen„ Humoristisches. Der schlaue Schneider. Der Scheider⸗Jakl kam am Sonntag mit einer derart zerissenen Hose in die Kirche, daß er bei einigen frommen Gemütern An⸗ stoß erregte und ihn der Pfarrer nach Schluß des Gottesdienstes zu sich heranwinkte.„Schamst Di net“, sagte er,„mit aner solchen Hosen in d' Kirchen z' kemma? Du bist ja a Schneider, warum flickst D' Dir's net?“ „Schaun S', Hochwürden“, meinte der Schneider— Jakl,„i hab' jetzt so viel Arbeit, wo i was verdean', daß i mi mit aner solchen Flickerei, für dö mir kans was zahlt, net aufhalten kann.“ „So, so“, sagte der Pfarrer,„damit Du net z' kurz kimmst, gib i Dir fufzig Kreuzer und dafür wirst Du Dir Dei' Hos'n schön sauber herrichten.“ Der Schneider⸗Jakl sagte:„Vergelt's Gott zehn⸗ tausendmal!“ und ging. Wer am nächsten Sonntag wieder mit einer zer⸗ rissenen Hose in die Kirche kam, war der Schneider-Jakl. Jetzt wurde dem Herrn Pfarrer die Geschichte zu bunt; er ließ sich den Jakl rufen und herrschte ihn an: „Du Lump, Du! Hab' i Dir net vorigen Sonntag fufzig Kreuzer geben, damit Du Dir Dei' Ho sen flickst, und jetzt kimmt mer no' allweil so daher?“ „Das hat scho' sei' Richtigkeit“, sagte der Jakl be⸗ dächtig,„aber wissen S', Hochwürden, ich hab mir die Hosen z' Haus genau ang'schaut; die is so zerrissen, daß i's beim besten Willen unter an Gulden net flicken kann!“ * Zum Hausfrieden. Viele Weiber, viele Flöhe, Viele Flöhe, vieles Jucken— Thun fie heimlich dir ein Wehe, Darfst du dennoch dich nicht mucken. Denn sie rächen, schelmisch lächelnd, Sich zur Nachtzeit— Willst du drücken Sie ans Herze, lieberöchelnd, Ach, da drehn sie dir den Rücken. H. Heine. SFFFFFPFPbFbFbFbFbFFCwCCccCcCccccccc 17 ½, ½ Flaschen der F Nr Breuuer. Fritz Scheller Söhne, Homburg. AnerkanntseinsteMarse. 77 7„ 4. „ 3 7„, 3.. „ 4 7„ 2.40 „, 5 7„, 1.80 77 6 per Literfl. 7 2.— 7 7„ 1.80 Alleinige Niederlage: Heuchelh. Consum-Halle Echt silberne Gestecke, sowie stark versilberte Waren aus der württemb. 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