isen. stallel We fla ustadt/ height kompl. N en Pre III ulzast“ illigs für ren. Maaß.— 1 pparel „heul tung t. schu cn. Uf. Vork 15 U g 1 — Nr. 38. Gießen, Sonntag, den 17. September 1899. 5. Jahrg. Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. n 5 8. A 2 Mitteldeutsche ntags⸗3ei Nedaktionsschluß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. Abonnementspreis: Sie„Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung“ kostet durch unsere Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Durch die Post bezogen vierteljährlich 90 Pfg. Ein amerikanischer Arbeits— kommissar über Streiks. el. Noch immer schwebt die Gefahr drohend über unserm Haupte, daß die Zuchthausvorlage, wenn auch in etwas abgeschwächter Form, Gesetz werde. Angesichts dieser Thatsache ist es von Interesse, zu hören, wie sich ein amerikanischer Beamter über Arbeitsausstellungen äußert. Der Kommissar des Arbeitsamts für den Staat New Pork, Peck, sprach sich 1888, also vor 11 Jahren, in seinem Bericht so offen und frei⸗ mütig zu Gunsten der Streiks aus, daß den preußischen geheimrätlichen Verfassern der Zucht⸗ hausvorlage und der berühmten Denkschrist bei dessen Lektüre die Haare zu Berge stehen müssen, wenn sie sich noch keine salonmäßige Glatze an— geschafft haben. Peck schrieb damals u. a.: Streiks, ihre Ursachen und Folgen, sind Dinge, die das In⸗ teresse für die Arbeiterbewegung schon seit Jahren in Anspruch genommen haben. Wäre der Ar⸗ beiter ruhig geblieben und hätte Alles schweigend ertragen, wie er es seit Jahrhunderten gethan, mit nur gelegentlichen Ausbrüchen, so wären wir in die Fußstapfen unserer Vorfahren ge⸗ treten. Aber die langen Streiks, die Arbeiter⸗ organisationen, die wiederholten Störungen für Geld machende, kapitalistische Anlagen haben die Aufmerksamkeit auf die Forderungen und Wünsche der Arbeiter gelenkt. Die Ursachen der Streiks werden eine wichtige Frage. Das Resultat der Streiks ist ein sehr wichtiger Gegenstand. Der Lohnarbeiter lebt durch seinen Lohn. Ohne Arbeit kein Lohn; ohne Lohn keine Nah⸗ rung, kein Obdach, weder für ihn, noch für seine Familie. Es muß in der That ein großes, starkes Motiv sein, das einen Mann be⸗ wegen kann, die Arbeit einzustellen und sich selbst alles Erwerbes und Lohnes zu berauben. Er begeht häufig Irrtümer, aber es ist ihm immer surchtbarer Ernst. Er beweist dies durch Selbstaufopferung, den schärfsten Prüfstein für Treue und Prinzip, wenn nicht für Urteilskraft und Klugheit. Selbst wenn der Streiker von seiner Organisation Unterstützung erhält, so ist dies nur eine Hilfe und niemals ein Lohn, um seine Bedürfnisse zu befriedigen, sondern nur, um ihm über Hindernisse hinwegzuhelfen. Streiks haben geholfen, die Löhne zu er⸗ höhen, die Arbeitszeit zu verkürzen, die Lage, nicht einzelner Arbeiter, sondern der Menschen überhaupt, zu verbessern. Ein Streik in einer Fabrik, wegen vernünftiger Gründe, endet oft mit einer allgemeinen Verbesserung. Die Bäcker haben ihre Arbeitszeit von 18 Stunden auf 12 reduclert. Den Neunstunden⸗ tag verdankt der Arbeiter dem Streik. Die Löhne in verschiedenen Gewerken sind von 9 bis auf 30% gestiegen, weil die Arbeiter in ver⸗ schiedenen Geschäften sich organisiert und ihre Forderungen zu stellen sich entschlossen haben. Selbst ein„verlorener“ Streik ist nicht immer ein unbedingter Verlust. Er bringt eine Ver⸗ besserung in anderer Wie In dem Streikunterstützungsfonds finden wir einen starken und interessanten Beweis für die Solidarität unter den Loh narbeitern. Die Gewerkschaften unterstützen Bestellungen nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die Druckerei, Schloßg. 13, sowie jede Postanstalt und jeder Landbriefträger entgegen.(Post⸗Z.⸗Kat. 43 12a.) nicht nur ihre Mitglieder, sondern unterstützen sich gegenseitig in moralischer und finanzieller Hinsicht. Sie stehen zusammen, um ihr Prinzip zu verteidigen und bringen für ihre Sache große Opfer. Im Zigarrengeschäft erhalten die Frauen dieselben Loͤhne wie die Männer; ebenso ist es in den Spinnereien und Webereien. In andern Industrien jedoch, in denen hauptsächlich Frauen arbeiten und die der Organisation ermangeln, sind die Löhne bis auf den niedrigsten Stand herabgedrückt und die Arbeiter stehen in immer⸗ währendem Kampf mit dem Verhungern. Ein wichtiger Punkt in jetziger Zeit im ge— schäftlichen Leben ist die Vereinigung von Kapi— talisten, nicht im legitimen Gewerbe, sondern um Konkurrenz unter einander zu vermeiden und um sich gegenseitig zu unterstützen. Gegen wen? Entweder gegen die Konsumenten oder gegen die Lohnarbeiter. Diese kapitalistischen Vereinigungen erscheinen unter den verschiedensten Namen, am bekanntesten unter dem des„Trust.“ Bei verschiedenen Gerichten, hauptsächlich in New York und Brocklyn, wurden Walking— Delegates(auf Deutsch eigentlich spazieren— gehende Delegierte— Arbeiter, die beauftragt sind, bei Streiks die Fortarbeitenden—„Ar- beitswillige“ sagt man heute— für den Streik zu gewinnen. Anm. des Ref.) und Streiker wegen angeblicher Gesetzesverletzungen vorge— führt, eine Folge der Arbeitgebervereinigungen, welche sich in den letzten Jahren gebildet haben, um die Arbeitgeber vor den Forderungen der Arbeiterorganisationen zu sichern. Die Vereinigungen standen in vielen Fällen einzelnen Arbeitgebern bei, welche mit ihren Arbeitern in Konflikt geraten waren.. Der Streik ist der letzte Protest des Ar— beiters gegen die Gier, Unterdrückungslust und Rücksichtslosigkeit der Arbeitgeber. Der Streik ist nur eine der Phasen des sozialen Kampfes, er schädigt beide Parteien und sollte nur in Anwendung kommen, wenn alle andern Mittel zur Beilegung von Differenzen erschöpft sind... Es ist absurd, Arbeit und Lohn als einen ein⸗ fachen Tausch zwischen gleichen Größen anzu— sehen. Der Arbeiter muß seine Arbeit(wir Sozialisten sagen genauer: Arbeitskraft. Der Ref.) verkaufen, um nicht zu verhungern, und da kommt es denn vor, daß er einen Lohn an— nehmen muß, bei dem er die Vorteile und Rechte, welche die Gesellschaft ihm bietet und zu denen er als Mensch berechtigt ist, nicht zu genießen vermag. Er ist eine lebende Waare mit häuslichen, sozialen und politischen Ver⸗ pflichtungen und Erwartungen. Die Gesellschaft erlaubt ihm nicht, seine Freiheit zu verkaufen, aber sie gestattet ihm, seine Gesundheit und seinen Ruf preiszugeben; er kann im verfaulten Schiffe zur See gehen, in ungesunden Arbeits— räumen arbeiten und seinen Nachkommen das Mark aus den Knochen pressen, indem er seine Kinder vorzeitig früh zur Arbeit anhält— gegen Alles das hat die Gesellschaft nichts einzuwenden. Zum Streik greift der Arbeiter daher nur, wenn er durch die Not dazu ge⸗ zwungen wird. Die Löhne und Lebens⸗ weise vergangener Jahrhunderte bieten keinen Vergleich für die Jetztzeit; sie gehören der Ge⸗ schichte an; sogar die enorme Erleichterung der Produktion und die riesige Vermehrung der 33½¼% und bei —.——. Juserate finden in der„M. S.⸗Ztg“ weiteste Verbreitung. Die 5gespolt Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Amal. Bestellung gewähren wir 25%, bei 6 mal. Bestellung Bei mindestens mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt Produkte kommen hier nicht in Betracht, denn die Bedürfnisse der Menschen haben sich in dem— selben Maaße vermehrt. Und außerdem— ist nicht der Arbeiter gleichzeitig ein Produzent? Bringt er nicht sein Gehirn und seine Muskeln als Beitrag zum nationalen Fortschritt, und ist ihm nicht gelehrt worden, daß dem„Ochsen, der deischt, das Maul nicht verbunden werden De Der Streik ist eine der wichtigsten Erschei— nungen in der modernen Geschichte der Arbeiter— bewegung. Wenn ein Streik erfolgreich ist, so ist dies das sicherste Zeichen, daß ein Kampf durch zeitige Zuge⸗— ständnisse hätte vermieden werden können. Aber wenn ein Streik erfolglos war, so ist noch immer nicht gesagt, daß die Ursache dafür nicht begründet war... So der Bericht. Es sei ausdrücklich auf die Thatsache hinge— wiesen, daß er den obersten Staatsbeamten im Arbeitsamt des ersten Staates der nordameri⸗ kanischen Republik zum Verfasser hatte und streng offiziell war. Das klingt allerdings im Hinblick auf deutsche Verhältnisse ganz unge— heuerlich. Gewissensbisse. -d- Kurz vor den Wahlen zum Reichstag oder Landtag schlägt jedesmal auch den hessi— schen Nationalliberalen das Gewissen. Sie denken mit Schrecken an ihre Seiltänzer-Kunststücke in den Parlamenten und sehen mit Furcht und Zittern der Abrechnung entgegen, die die Wähler halten werden. So auch vor den diesmaligen hessischen Land— tagswahlen und— mit gutem Grund. Die Herren wissen, daß die gute alte Zeit, in der die Nationalliberalen im Darmstädter Karpfen— teich ganz nach Belieben schalten und walten konnten, endgültig vorüber ist, denken sie doch noch mit Entsetzen daran, wie sie bei den letzten Wahlen vor drei Jahren Haare lassen mußten. Aber sie wollen retten, was zu retten ist. Und da sie mit ihren Thaten keinen Staat machen können, so suchen sie sich dadurch in gute Er— innerung zu bringen, daß sie— ein alter Spitz— bubenkniff— andere verdächtigen. Setzt sich da einer von den Junggesellen— steuer⸗Weisen hin und macht im„Darmstädter kläglichen Anzeiger“ in Agitationsartikeln. Und da die Amtsblätter unseres Hessenlandes nun einmal nationalliberal zusammengeschnitten und ⸗geklebt werden, so versteht es sich am Rande, daß die im„Kläglichen“ abgeladenen national— liberalen Weisheiten die Runde durch den amt— lichen Blätterwald des Großherzogtums machen. Mit mathematischer Sicherheit ist jetzt alle paar Tage so ein drehscheibig-pfiffiger Artikel zu er⸗ warten, zwei liegen bereits vor. Dir eine ist betitelt: Zu den Landtagswahlen, der andere: Der Bauer und die Sozialdemokratie. i In dem erstgenannten Artikel wird ausge— führt, daß die Antisemiten und Sozialdemo⸗ kraten zusammen gingen, um die National- liberalen zu stürzen. „Und wozu das? Blos um in der Zweiten Ständekammer das Heft in die Hand zu be— kommen.“ — —— Seite 2. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 38. Abgesehen davon, daß nirgends davon die Rede ist, daß Sozialdemokraten mit Anti⸗ semiten zusammengehen, ist es ja selbstverständ— lich, daß jede Partei das Bestreben haben muß, das„Heft in die Hand zu bekommen.“ Oder glauben die Drehscheibenmänner etwa, daß sie für alle Zeiten das Privilegium beanspruchen könnten, in der Zweiten Kammer das Heft in der Hand zu behalten? Im Uebrigen ist der Artikel ohne besonderes Juteresse; die wirklichen Verhältnisse im Lande sind dem Verfasser unbekannt, er sieht das Land an, wie es in den Kreisblättern geschildert wird, also so, wie es nicht ist. Ruppiger ist der zweite Artikel: Der Bauer und die Sozialdemokratie. Hier wird Sturm gelaufen gegen unsere Partei und sie wird be— wußtermaßen verleumdet, indem ihr nach— gesagt wird, sie habe sowohl im Reichstag, wie auch im hessischen Landtag„in erster und letzter Linie“ die Interessen der Fabrik- arbeiter vertreten.„Und auf wessen Kosten? Natürlich auf Kosten der Arbeitgeber, Bauern, der Handwerksmeister in Stadt und Land, der Handelsleute usw.“ Es hieße Wetterfahnen in das national— liberale Lager tragen, wollte man die uner— müdliche Thätigkeit der Sozialdemokraten im Interesse der kleinen Leute in Dorf und Stadt immer wieder hervorheben. Das ist im Volk nur zu gut bekannt, was die Sozialdemokraten ethan und was die Nationalliberalen ver— 1 555 haben. Mit der Taktit, wie sie seither im Darm— städter„Kläglichen“ und ihm nach in den übrigen hessischen Reptilienorganen eingeschlagen ist, kommen die Drehscheibenparteiler nicht weit. Wenn sie, was ganz erklärlich ist, in diesen Wochen wieder Gewissensbisse empfinden, dann sollen sie Einkehr bei sich selbst halten, denn Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung. Wir glauben allerdings nicht an Selbsterkenntnis und demzufolge auch nicht au Besserung der Nationalliberalen. Ihre Partei ist in der Wurzel verdorben, da ist jede Besserung ausgeschlossen. Ueber— lassen wir deshalb den Nationalliberalen die Gewisseusbisse und nehmen wir ihnen die Mandate. Politische Rundschau. Gießen, den 15. September. Die Gleichheit vor dem Gesetz. In Lünen(Westfalen) war ein Gesaug— verein für politisch erklärt worden. Da sich der Vorsitzende weigerte, die Mitgliederliste ein— zureichen, wurde er vom Schöffengericht zu Dortmund zu 20 Mark Geldstrafe verurteilt. Gegen das schöffengerichtliche Urteil wurde Be— rufung eingelegt, und sogar nicht nur vom Angeklagten, sondern auch vom Amtsanwalt. Die Begründung der amts anwaltlichen Berufung ist nun zu charakteristisch für den modernen Reaktionsgeist, als daß wir sie der Oeffentlichkeit vorenthalten wollten. Sie lautet: „Die unterm 9. Juni 1899 diesseits an— gemeldete Berufung gegen das Erkenntnis des hiesigen Königlichen Schöffengerichts vom 8. Juni 1899 wird um deshalb eingelegt und hiermit begründet: Weil der Angeklagte nicht nach dem dies— seitigen Antrage verurteilt ist. Der Angeklagte gehört der Um— sturzpartei an, die sich selbst außerhalb des Gesetzes stellt und ist deshalb, wenn überhaupt, dann uur mit den höchsten zulässigen Strafen nach diesseitiger An— sicht zu belegen. Es wird daher diesseits beantragt: Das erste Erkenntnis aufzuheben und den Angeklagten mit der im Hauptverhandlungs— termine am 8. Juni 1899 beantragten Sühne ron 150 Mark event. 6 Wochen Gefängnis aus den§§ 2 und 13 des Gesetzes vom 11. März 1850 zu belegen. Dortmund, den 27. Juni 1899. Der Königliche Amtsanwalt: v. Deinitz Krebs.“ Schließlich bestätigte die Strafkammer das er stinstanzliche Urteil. Jenes mitgeteilte Schrift— stück ist aber von hohem Interesse für alle die Leute, die noch so naiv sind, zu glauben, daß iu Deutschland die Arbeiter Rechtsgleich— heit genießen. Die gemaßregelten Landräte erlassen einer nach dem andern schwungvolle Abschiedsmanifeste. Ueberall werden für die Scheidenden große Abschiedsfeieru, Fackelzüge und anders mehr veranstaltet. Allerorts geben die Kreisinsassen ihrer Solidarität mit den Kanalopfern Ausdruck. Die Regierung hat also das Kunststück fertig gebracht, in den konservatipsten Kreisen des Landes eine hochgradige Mißstimmung gegen sich wachzu— rufen, diese Kreise in scharfe Opposition zu drängen und ihnen Märtyrer zu verschaffen. Woraus zu ersehen ist, das der Streich der Regierung, von seiner Ungesetzlichkeit und Ver— fassungswidrigkeit einmal ganz abgesehen, eine politische Dummheit allerersten Ranges war. Aber schließlich: wann hätte sich die Re— gierung des Zickzackkurses jemals eine Gelegen— heit, bedeutende Dummheiten zu machen, entgehen lassen? Winisterkonsum unterm neuen Kurs. Viele Blätter hatten erwähnt, daß durch den Rücktritt der Minister Bosse und v. d. Recke die Zahl der gegenwärtig lebenden inaktiven Staatsminister sich auf 21 erhöht habe. Diese Angabe ist, so bemerkt die Magdeburger Zeitung, nur insofern richtig, als es jetzt 21 ehemalige Staatsminister giebt, die diesen Titel noch führen. Die Zahl sämtlicher noch lebenden ehemaligen Staats minister ist noch etwas größer. Es treten jenen 21 noch hinzu der frühere Finanzminister Hobrecht, dem bei seinem Aus— scheiden die Fortführung des Titels als Staats— minister nicht gewährt wurde, und die Kriegs- minister, die nach ihrem Ausscheiden den Titel Staatsminister nicht mehr führen. Von früheren Kriegsministern leben noch v. Verdy du Vernois und Brontzart v. Schellendorff II. Im ganzen giebt es also jetzt 24 ehemalige Staatsminister. Von ihnen sind nur v. Delbrück, Falk, v. Hof— mann, Graf Hatzfeld und v. Putfkamer vor dem Regierungsantritt des jetzigen Kaisers aus dem Dienst geschieden, die übrigen 19 erst später. Von den seit 1888 ausgeschiedenen Mitgliedern des Ministeriums sind außerdem schon fünf gestorben, Fürst Bismarck, Graf Caprivi, v. Friedberg, Brousart v. Schellen— dorff J. und v. Kaltenborn-Stachau. In den letzten 11 Jahren sind also schon 24 Minister als solche aus dem Amte ge— schieden. 535 Monate Gefängnis. Aus den im Arbeiter-Notizkalender für 1900 gegebenen biographischen Angaben über die 57 sozialdemokratischen Reichstags- Abgeordneten geht hervor, daß 40 von ihnen mit Freiheits- strafen belastet sind von zusammen 535 Monaten, oder durchschnittlich der Mann mit 13% Monaten. Diese Strafen, die sämtlich im Dienste der Freiheit erworben wurden, bilden ein wertvolles Stück Geschichte aus dem Befreiungskampfe der deutschen Arbeiterklasse. Und sie sind do uur ein kleiner Bruchteil der über die organisierten Arbeiter und ihre Vorkämpfer seit dem Bestehen der deutschen Sozialdemokratie verhängten Strafen.— Die meisten Strafen haben Lieb— knecht und Bebel verbüßen müssenu. Ersterer mußte für seine Thätigkeit für die Rechte des Volkes 6— 7 Jahre, Bebel nahezu 5 Jahre hinter Kerkerm zuern schmachten. Antisemitischer Parteitag. In Hamburg haben die Antisemiten ihren Parteitag abgehalten. Der Vorsitzende Lieber— mann von Sonnenberg sprach reckt kleinlaut. Er wünschte ein Zusammesigehen mit ver— wandten Gruppen, den Konservativen, dem Bund der Landwirte und den— Nationalliberalen à la Heyl. Graf Reventlow und Raab tadelten die Zunimmung der Antisemiten zur Kom— missionsberatung des Zuchthausgesetzes. Beide verlangten, daß die antisemitische Reichs— tagsfraktion beauftragt werde, die Zuchthaus— vorlage in den kommenden Beratungen glatt abzulehnen. Dieser vernünftige Vorschlag wurde vom Parteitag nicht gutgeheißen. Das heißt: die Antisemiten werden im Reichstag bei der Zuchthausvorlage die gewohnte schäbige arbeiterfeindliche Rolle spielen. Die Augen auf, Arbeiter! Nationalliberaler Zuchthauszwist. Die in Meinigen erscheinende und in Thüringen nicht einflußlose nationalliberalle„Dorfzeitung“ schreibt über die Haltung, die ihre Partei unter des Abgeortneten Vassermanns Führung zum Zuchthausgesetz einnahm und cinnehmen sollte, also: „Man merkt es doch recht deutlich, daß der nationalliberalen Partei Männer von der staats— männischen Gelassenheit eines Bennigsen und von den weitumfassenden Kenntnissen, der tief— gründigen Einsicht und dem vorausschauenden Scharfblick eines Hammacher fehlen. Wir schätzen den Abgeordneten Bassermann sehr, aber an diese früheren Führer reicht er nicht heran. Sie hätten es der Partei unter allen Umständen erspart, dadurch, daß sie sich erst auf den Stand— punkt der absoluten Negation stellte und nach— her ein lenkt, sich den Spott der Gegner zu— zuziehen. Denn die Partei wird einlenken, und wenn die Parteileitung einstweilen noch nach Möglichkeit entsprechende Kundgebungen unterdrücken möchte, so ändert das an den Thatsachen nichts. Die nationalliberalen Ab— geordneten haben in den Ferien Gelegenheit gehabt, sich davon zu überzeugen, daß ihre Wählerschaft, wenn sie nicht die Sank— tionierung des von der Regierung vorgelegten Entwurfes verlangt, doch das Zustande— kommen eines wirksamen Schutzes der Ar— beitswilligen wünscht.“ Die„Hilfe“ meint dazu, die„Dorfzeitung“ gebe die Stimmung des Thüringer National- liberalismus richtig wieder. Wir zweifeln daran nicht, wenn die wortführenden Unternehmer der Partei gemeint sind; die„Wählerschaft“, die Nicht-Ausbeuter, die thöricht nattonalliberal gewählt haben, sie werden den Groll gegen Bassermann nicht teilen und der Rückhalt an ihnen würde es sein, der den Abg. Bassermann darin festigt, bei seiser im Reichstag genommenen Haltung zum Zuchthaus-Schandgesetz zu vex⸗ harren. Denn, wie die„Hilfe“ wissen will, ist dies die Absicht Bassermanns, trotzdem auch die nationalliberalen Organe seiner engeren Heimat ihn nicht unterstützen.— Wesen und Ziel der Zuchthausvorlage. In einer Polemik gegen die„Deutsch⸗ Socialen Blätter“ Liebermann v. Sonnenbergs gesteht die„Kreuz-Zeitung“ plötzlich, daß die Zuchthausvorlage en Aus nahmegesetz ses, um der Socialdemokratie an den Leib zu gehen. Es sei eine bloß formale Unterscheidung, daß das Gesetz gegen die terroristischen Ein⸗ schüchterungsmitlel der Arbeiter gerichtet sei, nicht gegen die Socialdemoktatie als solche: „In wirklichkeit ist die Vorlage allerdings gegen die soclaldemokratische Organisation gerichtet, die in der Begünstigung der Ausstände aller Art eines ihrer wirksamsten Bethätigungsmittel findet. Richtig verstanden würde sie den Ausgangspunkt einer Reihe unmittelbarer Maßnahmen bilden, die sämtlich die Aufgabe hätten, der Umsturzpartei durch Isolierung den Boden abzugraben, auf dem sie gegenwärtig noch mitten in der bürgerlichen Gesellsch ift unangefochten steht, obwohl sie diese Gesellschaft zu⸗ gestandenermaßen als Todfeindin betrachtet und be⸗ handelt.“ Die Zuchthausvorlage ist also nur ein An⸗ fang und der angebliche Terrorismus der Ar⸗ beiter nur ein lügnerischer Vorwand. Wozu die Vorlage der Anfang ist, läßt sich denken: Aufhebung des Reichstagswahl- rechts, der Preßfreiheit, des Versam m⸗ lungs- und Vereinsrechts, Aus nah me⸗ bestimmungen aller Art, kurz die Diktatur der brutaten Unterdrückung— das kommt nach der Zuchthausvorlage. Ein wertvolles Geständnis!— * B45 9 der hi sthen Notar und j ernan 8 die 2 Herre wiede * ten Anze hard wied. dera f lach Reb Jub⸗ Wer lecht sind, Str fänd di A Delegh licht l der bo elles gehrac haelt, age lere f Lund W. thauz en gut une het bei E schal igen 10 wist. hurt eiu lei uutg ng zun u sollz daß he W sagtz, gen un der tie gauenden „ Wi chr, aber t heran, ständen Stande egner zu. lenken, den noc gebungmn an den len A legenheit daß ihse e Saal rgeleun stande, der N= zeitung ati onal⸗ In daran mer det It“, die alliben“ UI gegel, khalt iu sserma ommeneh zu bl sen wil dem aut enge orlagt, Deutch. „ suenbecg⸗ daß l zu geh ung, dg u Ell. chtet fe. l solche 5 tet, die 1 Akt fu . Nh kt eint bilden, M. ane du — Nr. 38. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 8. Hier muß irgend ein Irrthum vorliegen. Entweder ist der Arbeiter mit mindestens zwei Monaten bestraft, oder er hat sich nicht einer eigentlichen Majestätsbeleidigung schuldig gemacht, sondern nur der Beleidigung eines Mitaliedes des landesherrlichen Hauses(§ 97 d. R-St. ⸗ G. B.) In letzterem Falle beträgt die Mindest⸗ strafe 1 Monat Gefängniß oder Festung. Volksschuluuterricht. Wie das deutsche Volk„unterrichtet“ wird, das ergiebt sich aus einer interessanten Statistik, welche in gegebener Veranlassung veröffentlicht wird. Sie betrifft den Religionsunterricht in den protestantischen Volksschulen. In Würt⸗ temberg sind derzeit auswendig zu lernen 350 Sprüche— 518 Bibelverse, 35 Lieder= 279 Strophen, Katechismus= 77 Stücke, zusammen 874 Stücke gegen 504 Stücke im Großherzog⸗ tum Sachsen, 511 Stücke in Baden iiese beiden sind ohne Katechismus gerechnet). In Preußen werden 181 Sprüche und 18 Lieder gelernt, im Königreich Sachsen 150 Sprüche und 20 Lieder. Dieses schreckliche Quantum von Buchstaben„religion“ muß den Kindern eingetrichtert werden! Und dann wundert man sich noch, daß ein großer Teil der der Schule Entlassenen nicht einmal einen ordentlichen Brief zu schreiben vermag. Kleine Mitteilungen. * Gießen. Laut einer Verordnung über das Notariat bleibt es für Rheinhessen bei der bisherigen Zahl und den bisherigen Amts⸗ sitzen der Notare. In Darmstadt werden fünf Notare, in Offenbach drei, in Gießen drei und je einer an jedem Amtsgerichtsorte ernannt. 5 Stadttheater. Am 1. Oktober beginnen die Vorstellungen in dem unter Direktion der Herren Kruse und Helm stehenden Stadttheater wieder. * Marburg. Zum Landgerichts-Präsiden⸗ ten beim Landgericht Marburg ist laut„Reichs⸗ Anzeiger“ der Erste Staatsanwalt Bern⸗ hard in Göttingen ernannt worden.— Also wieder ein Staatsanwalt in ein hohes Rich— teramt berufen! f. Wetzlar. Im Kreise Wetzlar wird d m⸗ nächst ein Düsseldorfer Beamter eine sehr genaue Rebision der Quittungskarten für die Juvaliditäts⸗ und Altersversicherung vornehmen. Wer also mit der Sache zu thun hat, der sehe recht bald nach, ob seine Karten in Ordnung sind, denn wo Unordnung herrscht, da giebt's Strafen und zwar Strafen, die unter Um⸗ ständen recht hoch bemessen werden können. Die hessische Landeskonferenz. s. Mainz, 10. September 1890. Auf der Landeskonferenz waren 55 Orte durch 78 Delegierte vertreten. Abg. Ulrich erstattet den Be⸗ richt über die Thätigkeit des Landeskomitees. Die von der vorjährigen Landeskonferenz gewünschte Herausgabe eines Agitationskalenders konnte nicht zur Ausführung gebracht werden, weil das Landeskomitee es für richtiger hielt, die disponiblen Mittel für die bevorstehenden Land⸗ tagswahlen zu reservieren. Die Vorbereitungen für letz⸗ tere sind getroffen. Ein zur Verbreitung im ganzen Land bestimmtes Flugblatt, das in sachlicher Weise über die Thätigkeit der sozialdemokratischen Fraktion im Land⸗ tag berichtet, wurde in 60 000 Exemplaren hergestellt. In den Kreisen, in denen wir uns an der Landtags- wahl beteiligen, sind unsere Kandidaten aufgestellt, über— all sind wir fertig zum Gefecht. Der Kassirer des Landeskomitees, Ben Orb-Offen⸗ bach, berichtet über die Kassenverh ltnisse. Dieselben haben sich nach Einführung einer einheitlichen Landesbeitrags⸗ marke wesentlich gegen früher gebessert. Die Einnahmen beliefen sich— einschließlich eines Bestandes von 143,32 Mk.— auf 2296,91 Mk., die Ausgaben auf 1649,50 Mk. Der Kassenbestand beträgt also 647,41 Mk. An⸗ nahme fand ein Antrag, der die Führung von Neben⸗ marken verbietet.. i Landtagsabg. Haas ⸗Meainz berichtete sodaun in ausführlicher Weise über die Thätigkeit der sozialdemo⸗ kratischen Fraktion im Landtag. Da in der„M. S.⸗3tg.“ über die Landtagsverhandlungen berichtet worden ist, sehen wir von einer Wiedergabe des Haasschen Referats ab. Annahme sand mit geringer Mehrheit ein Antrag Heilmann⸗ Offenbach:„Das Landeskomitee wird be. auftragt, nach jeder Landtagsperiode einen gedruckten Bericht herauszugeben, ähnlich dem Handbuch für sozial⸗ demokratische Reichstagswähler“. Einstimmig erklärte sich die Landeskonferenz mit der Thätigkeit der Landtagsfraktion einverstanden. Nach der Mittagspause spricht bg. Cramer⸗-Darm⸗ stadt über die bevorstehenden Landtagswahlen. Nach einer kurzen aber trefflichen Charakteristik der Nationalliberalen, die früher den Landtag beherrschten, schildert Redner die früheren Wahlen, die mehr oder weniger unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfanden. Seitdem sich unsere Partei an den Wahlen beteiligt, ist das anders geworden. Der Referent giebt dann eine Uebersicht über die Wahlaus⸗ sichten in den einzelnen Kreisen. Er stützt sich dabei auf die bei den letzten Reichstagswahlen erzielten Stimmen⸗ zahlen. Danach sind unsere Aussichten die denkbar besten, da wir in den meisten Bezirken mehr Stimmen hatten, als die gegnerischen Parteien zusammengenommen. Die Schwierigkeit liegt in der Hauptsache in dem indirekten Wahlsystem. Cramer ermuntert zur eifrigen Agitation und spricht die Hoffnung aus, daß in dem neuen Land⸗ tag unsere Fraktion stärker vertreten sein wird, als seit⸗ her. Eine kurze Debatte ergiebt die Uebereinstimmung des Parteitages mit den Ausführungen des Referenten. Ueber die die Partei beschäftigenden taktischen Streitfragen referierte sodann Gen. Dr. David. Er trat warm für Bernstein ein. Mit 49 gegen 11 Stimmen wurde folgende von David eingebrachte Reso⸗ lution angenommen: 1) Die Landeskonferenz der Sozialdemokratie Hessens sieht in den Sätzen des allgemeinen Teiles des Erfurter Programms keine unanfechtbare, für alle Zeiten feststehende Wahrheiten. Der Charakter der sozialistischen Theorie als eine wissenschaft⸗ liche Lehre erheischt ihre fortgesetzte voraussetzungs⸗ freie Prüfung und Weiterbildung gemäß den Fort⸗ schritten der wissenschaftlichen Erkenntnis und der praktisch⸗politischen Erfahrung. 2) Die theoretischen Streitfragen, die von Bernstein aufgerollt sind, können natürlich nicht durch Ma⸗ joritätsbeschlüsse entschieden werden. Die Landes⸗ konferenz lehnt es daher auch ab, zu den aufge⸗ rollten theoretischen Streitfragen in zustimmendem oder ablehnendem Sinne Stellung zu nehmen, ebenso wie sie jeden Versuch, die Freiheit des Denkens und Forschens innerhalb der Partei ein⸗ zuschränken, zurückweist. 3) Was die taktische Haltung der sozialdemokratischen Partei betrifft, so ist die Landeskonferenz der Ueberzeugung, daß das Hauptgewicht der Partei⸗ thätigkeit auf der praktischen Mitarbeit an allen aus der Gegenwart erwachsenden sozial⸗politischen Aufgaben zu liegen hat. Dabei ist ein zeitweiliges Zusammengehen mit anderen Parleien nicht zu umgehen. Selbstverständlich darf dabei die Sozial⸗ demokratie niemals ihren Charakter als äußerlich unabhängige und innerlich festgeschlossene Partei zur Durchführung des proletarischen Klassenkampfes, dessen Ziel die volle politische, wirtschaftliche und soziale Emanzipation der Arbeiterklasse ist, ver⸗ leugnen. 4) Diese auch schon seither von der sozialdemokratischen Partei befolgte Praxis wird vom Gen. Bernstein in keiner Weise in Fra ze gestellt, sondern im Gegenteil ausdrücklich gebilligt. Die Landeskonfe⸗ renz sieht darum auch in keiner Weise Bernstein's Zugehörigkeit zur Partei in Frage gestellt und ist der Meinung, daß alle diesbezügliche ketzerrichterischen Wünsche doctrinärer Theoretiker energisch zurück— zuweisen sind. Die Auskührungen des Korreferenten Gen. Katzen- stein betonten in erster Linie den Standpunkt des Klassen⸗ kampfes, wie er sich aus der Zuspitzung der kaptitalisti⸗ schen Entwickelung mit steigender Schärfe ergiebt. Er erklärt u. A, das von Bernstein gelieferte Material biete keinen Grund, die bisherigen theoretischen und taktischen Grundanschanungen der Partei zu ändern. Vom Par⸗ teitag in Hannover müsse eine entschiedene Betonung der wirtschaftlichen wie der politischen Kampfmittel und unter Aufrechterhaltung voller Meinungsfreiheit auf theoretischem Gebiet eutschiedene Ablehnung aller Versuche der Ab— schwächung unserer Kampfesstellung in und gegenüber der bürgerlichen Gesellschaft erwartet werden. Nunmehr wurden in rascher Folge die übrigen noch der Erledigung harrenden Gegenstände kurzer Besprechung unterzogen. Die Anträge des Wahlkreises Mainz-Op⸗ penheim: 1)„Die Vorsitzenden der Kreisorganisationen haben auf der Landeskonferenz Sitz und Stimme“, und 2)„Die Landeskouferenz in Zukunft bei wichtigen Tagesordnungen an 2 Tagen, womöglich an Feier⸗ tagen(wie Pfingsten) stattfinden zu lassen“, wurden abgelehnt und ein Antrag Heilmann-Offen⸗ bach angenommen, der eine Revision des Landesorgani⸗ sations⸗Statuts bezweckt. Angenommen wurde weiter nachstehender, von Ha m⸗ mel⸗Rumpenheim und 11 Genossen gestellter Antrag: „Um allen Streitfragen über gefaßte Beschlüsse vorzubeugen, beantragen wir, ein Protokollbuch anzuschaffen, in welches alle Beschlüsse der Landes⸗ konferenz aufgenommen und nach Schluß der Kon— ferenz zur Kontrole vorgelesen werden.“ Gen. Müller-Darmstadt beantragt, das seitherige Landeskomitee per Akklamation wiederzuwählen, was die Zustimmung der Konferenz findet und wurde das seit— herige Landeskomitee einstimmig wiedergewählt. Damit war die Tagesordnung der Landeskonferenz erschöpft. Der Vorsitzende. Genosse Ulrich, resumierte kurz die Ergebnisse der Verhandlungen und dankte den Theil nehmern an derselben für die Ausdauer und das rege Interesse, welches sie den Beratungen geschenkt. Wohl seien in faft allen Fragen Meinungsverschiedenheiten auf⸗ getreten, doch blieb stets die Diskussion sachlich und sei nie die Grenze überschritten worden, welche die parlamen⸗ tarische Ordnung vorzeichne. Die heutige Konferenz sei ein Merkstein in der Geschichte der Sozialdemokratie Hessens. Mit froher Hoffnung auf neue Erfolge ziehe man in den Kampf zur Erringung neuer Landtagsman⸗ date. Das von ihm auf die internationale Sozialdemo⸗ kratie ausgebrachte Hoch fand begeisterten Widerhall und damit hatte um 7½ Uhr die diesjährige Landeskonferenz, welche allen Theilnehmern noch lange in der Erinnerung haften wird, ihr Ende erreicht. a Partei⸗ Nachrichten. Versammlungs⸗Kalender. Samstag, den 16. September: Gießener Wahlverein. Abends 9 Uhr bei C. Orbig. Tagesordnung: Die Landeskonferenz in Mainz. Berichterstattung des Delegierten. Dienstag, den 19. September: Kartell⸗ Sitzung. Tagesordnung: Die Wahl der Gewerbegerichts⸗Beisitzer. Die Delegierten werden gebeten, sämtlich zu erscheinen. Sonntag, den 17. September: Wahlverein Alsfeld. Nachmittags 2 Uhr bei Gastwirt Kemmer. Tages⸗Ordnung: Berichterstattung über die hessische Landeskonferenz. Verschiedenes. Voll⸗ zähliges Erscheinen notwendig. Sonntag, den 24. September: Friedberg. Wahlverein. Morgens 10 Uhr Versammlung bei Gastwirt Kühn„zur Stadt Newyork.“ Landtagswahl Die Parteigenossen im 5. oberhessischen Land⸗ tagswahlkreis(Gießen⸗Land) werden dringend ersucht, sofort die Wablmänner aufzu⸗ stellen, soweit das noch nicht geschehen ist: Es ist dabei außer der unbedingten Zuver⸗ lässigkeit des betreffenden Mannes auch zu prüfen, ob er Hesse und 25 Jahre alt ist und ob er pro Ziel mindestens 2,10 Mk. direkte Staatssteuern zahlt, auch mit seinen Steuern nicht im Rückstande ist. Sobald die Wählerlisten ausgelegt werden, müssen sich die Genossen überzeugen, ob die von ihnen aufgestellten Wahlmänner auch in die Liste derjenigen Wahlberechtigten ein— getragen sind, die als Wahlmänner aufge— stellt werden können. Es werden nämlich zwei Listen ausgelegt. In der einen sind alle Ur wähler verzeichnet, in der zweiten Liste sind nur diejenigen Ur⸗ wähler noch einmal angegeben, die Wahl⸗— männer werden können, weil sie alle e⸗ forderlichen, oben angegebenen Bedingungen (Alter, Steuersatz ꝛc.) erfüllen. Die Adressen der Wahlmänner, Vor- und Zunamen, mit Angabe ob J., II. u. s. w., und der Bern! der Betreffenden, also ob Bauer, Arbeiter, Gemeinderat u. s. w., bitten wir umgehend an Ph. Scheidemann, Gießen, Kirchenplatz 11, zu senden. Ebenso erbitten wir an dieselbe Adresse so— fortige Benachrichtigung, wenn irgendwo Ver— samm ungen gewünscht werden. Auch wollen die Genossen angeben, wann die Versamm⸗ lungen stattfi nden sollen. Briefkasten der Redaktion. W. u. K. 100. Der Großherzog bezieht jährlich 1200 000 Mk. aus der Staatskasse als sogen. „Civilliste“. Dazu kommen die Einnahmen ans dem Privatbesitz des großh. Hauses. F. W. Lokn. war nur vom Samstag bis zum Montag Mittag hier. Für die außerhalb Gießens wohnenden Abonnenten der„M. S.⸗3.“ wird der heutigen Nummer ein Prospekt der Firma Gebr. J. u. P. Schulhoff, München, beigelegt. — — ́—h——— u f — Seite 6. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 38. 0 2— Gen 5 75* SS,; ö Unterhaltungs⸗Ceil. * Thränen. Ich soll dir sagen, mein liebes Kind, was Sterne sind?— Das sind die Thränen, mein süßes Herz, die die Mütter geweint in Not und Schmerz sel's im Königsschloß oder im Kämmerlein— um die bösen, unartigen Kinderlein. O llebste Mutter, mir wird so weh, wenn ich die vielen Sterne seh'!— Mir ist, als ob die, die am hellsten scheinen, wären die Deinen.— Nein, Schatz, du warst immer so brav und lieb, daß mir nie was zu wünschen übrig blieb, und, wenn du weiter so artig bist, kein besseres Kind auf der Erde ist. Nie, gar nie hast du geweint um mich — Nur Freudenthränen weint' ich um dich. Und wo sind diese denn hingekommen Haben die auch die Engelein zu sich genommen?— Nein, die sind draußen auf blumigen Auen als leuchtende Purpurblüten zu schauen. — Gelt, Mutter, wenn wir morgen erwacht und die Sonne wieder am Himmel lacht, dann darf ich hinüber und alle pflücken und mit dem Strauß dir die Haare schmücken!? Alfred Georg Hartmann. Michael Kohlhaas. Historische Erzählung von H. von Kleist. (9. Fortsetzung.) Aber wie betreten war Kohlhaas, als er am Abend des folgenden, gleichfalls ohne die er— wartete Antwort verstrichenen Tages, mit einem Schritt, den er gedankenvoll in Erwägung seiner Lage und besonders der ihm von dem Doctor Luther ausgewirkten Amnestie, an das Fenster seines Hinterstübchens that, in dem kleinen auf dem Hofe befindlichen Nebengebäude, das er ihr zum Aufenthalte angewiesen hatte, die Wache nicht erblickte, die ihm bei seiner Ankunft der Prinz von Meißen eingesetzt hatte. Thomas, der alte Hausmann, den er herbei— rief und fragte: was dies zu bedeuten habe? antwortete ihm seufzend: Herr! es ist nicht alles wie es sein soll; die Landskuechte deren heute mehr sind als gewohnlich, haben sich bei Ein⸗ bruch der Nacht um das ganze Haus verteilt; zwei stehen mit Schild und Spieß an der vor⸗ deren Thür auf der Straße: zwei an der hintern im Garten: und noch zwei andere liegen im Vorsaal auf einem Bund Stroh, und sagen, daß sie daselbst schlafen würden. Kohlhaas der seine Farbe verlor, wandte sich und versetzte;„es ware gleichviel, wenn sie nur da wären; und er mochte den Landsknechten, sobald er auf den Flur käme, Licht hinsetzen, damit sie sehen könnten.“ Nachdem er noch unter dem Vorwande ein Geschirr auszugießen den vordern Feusterladen eroͤffnet, und sich von der Wahrheit des Umstands, den ihm der Alte ent— deckt, uͤberzeugt hatte— denn eben ward sogar in geräuschloser Ablösung die Wache erneuert, an welchr Maaßregel bisher, so lange die Einrichtung bestand, noch niemand gedacht hatte — so legte er sich, wenig schlaflustig allerdings, zu Bette, und sein Entschluß war für den kommenden Tag sogleich gefaßt. Denn nichts mißgoͤnnte er der Regierung, mit der er zu thun hatte mehr, als den Schein der Gerechtig— keit, während sie in der That die Amnestie, die sie ihm angelobt hatte, an ihm brach; und falls er wirklich ein Gefangener sein sollte, wie es keinem Zweifel mehr unterworfen war, wollte er derselbe auch die bestimmte und unumwundene Erklärung, daß es so sei, abnoͤtigen. Demnach ließ er, sobald der Morgen des nächten Tages anbrach, durch Sternbald, seinen Buecht, den Wagen anspannen und vorführen, um, wie er vorgab, zu dem Verwalter nach Lock— witz zu fahren, der ihn als ein alter Bekannter einige Tage zuvor in Dresden gesprochen und eingeladen hatte ihn einmal mit seinen Kindern zu besuchen. Die Landskuechte, welche mit zu⸗ sammengesteckten Köpfen die dadurch veranlaßten Bewegungen im Hause wahrnahmen, schickten Einen aus ihrer Mitte heimlich in die Stadt, worauf binnen wenigen Minuten ein Gubernial— Officiant an der Spitze mehrerer Häscher erschien, und sich, als ob er daselbst ein Geschäft hätte. in das gegenüberliegende Haus begab. Kohl— haas, der mit der Ankleidung seiner Knaben beschäftigt, diese Bewegungen gleichfalls bemerkte, und den Wagen absichtlich länger, als eben nötig gewesen wäre, vor dem Hause halten ließ, trat, sobald er die Austalten der Polizei voll— endet sah, mit seinen Kindern, ohne Rücksicht zu nehmen, vor das Haus hinaus; und wahrend er dem Troß der Landsknechte, die unter der Thür standen, im Vorübergehen sagte, daß sie nicht nötig haͤtten ihm zu folgen, hob er die Jungen in den Wagen und küßte und tröstete die kleinen weinenden Mädchen, die seiner An— ordnung gemäß bei der Tochter des alten Haus— manns zurückbleiben sollten. Kaum hatte er selbst den Wagen bestiegen, als der Gubernial⸗ Offieiant mit seinem Gefolge von Häschern aus dem gegenüberliegenden Hause zu ihm herantrat, und ihn fragte: wohin er wolle? Auf die Antwort Kohlhaasens;„daß er zu seinem Freund dem Amtmann nach Lockwitz fahren wolle, der ihn vor einigen Tagen mit seinen beiden Knaben zu sich auf's Land geladen,“ antwortete der Gubernial-Officiant: daß er in diesem Fall einige Augenblicke warten müsse, indem einige beriktene Landsknechte, dem Befehl des Prinzen von Meißen gemäß, ihn begleiten würden. Kohlhaas fragte lächelnd von dem Wagen herab;„ob er glaube, daß seine Person in dem Hause eines Freundes, der sich erboten ihn auf einen Tag an seiner Tafel zu bewirten, nicht sicher sei?“ Der Officiant erwiderte auf eine heitere und angenehme Art: daß die Ge— fahr allerdings nicht groß sei: wobei er hinzu— setzte: daß ihm die Knechte auf keine Weise zur Last fallen sollten. Kohlhaas versetzte erusthaft: „daß ihm der Prinz von Meißen bei seiner An— kunft in Dresden freigestellt, ob er sich der Wache bedienen wolle oder nicht: und da der Officiant sich über diesen Umstand wunderte, und sich mit vorsichtigen Wendungen auf den Gebrauch während der ganzen Zeit seiner An— wesenheit: so erzählte der Roßhaͤndler ihm den Vorfall, der die Einsetzung der Wache in seinem Hause veranlaßt hatte. Der Officiant versicherte ihn, daß die Befehle des Schloßhauptmanns Freiherrn von Wenk, der in diesem Augenblick Chef der Polizei sei, ihm die unausgesetzte Be— schützung seiner Person zur Pflicht mache; und bat ihn, falls er sich die Begleitung nicht ge— fallen lassen wolle, selbst auf das Gubernium zu gehen, um den Irrtum der dabei obwalten müsse zu berichtigen. Kohlhaas mit einem sprechenden Blick, den er auf den Officianten warf, sagte, entschlossen zu beugen oder zu brechen: „daß er dies thun wolle;“ stieg mit klopfendem Herzen von dem Wagen, ließ die Kinder durch den Hausmann in den Flur tragen, und ver⸗ fügte sich, während der Knecht mit dem Fuhr⸗ werk vor dem Hause halten blieb, mit dem Officianten und seiner Wache in das Gubernium. Es traf sich, daß der Schloßhauptmann Freiherr Wenk eben mit der Besichligung einer Bande am Abend zuvor eingebrachter Nagel- schmidtscher Knechte, die man in der Gegend von Leipzig aufgefangen hatte, beschäftigt war, und die Kerle über manche Dinge, die man gern von ihnen gehört hätte, von den Rittern, die bei ihm waren, befragt wurden, als der Roßhändler mit seiner Begleitung zu ihm in den Saal trat. Der Freiherr, sobald er den Roßhändler erblickte, ging, während die Ritter plötzlich still wurden, und mit dem Verhör der Knechte einhielten, auf ihn zu, und fragte ihn: was er wolle? und da der Roßkamm ihm auf ehrerbietige Weise sein Vorhaben bei dem Ver- walter in Lockwitz zu Mittag zu speisen, und den Wunsch, die Landsknechte, deren er dabei nicht bedürfe, zurücklassen zu dürfen, vorge— tragen hatte, antwortete der Freiherr, die Farbe im Gesicht wechselnd, indem er eine andere Rede zu verschlucken schien:„er würde wohl thun, wenn er sich still in seinem Hause hielte, und den Schmaus bei dem Lockwitzer Amtmann vor der Hand noch aussetzte.“— Dabei wandte er sich, das ganze Gespräch zerschneidend, dem Officianten zu, und sagte ihm:„daß es mit dem Befehl, den er ihm in Bezug auf den Mann gegeben sein Bewenden hätte, und daß derselbe anders nicht, als in Begleitung von sechs be— rittenen Landsknechten die Stadt verlassen dürfe.“— Kohlhaas fragte: ob er er Gefangener wäre, und ob er glauben solle, daß die ihm feierlich vor den Augen der ganzen Welt angelobte Amnestie gebrochen sei? worauf der Freiherr sich plötzlich glutrot im Gesichte zu ihm wandte, und indem er dicht vor ihn trat, und ihm in das Auge sah, antwortete: ja! ja! ja!— ihm den Rücken zukehrte, ihn stehen ließ und wieder zu den Nagelschmidtschen Knechten ging. Hierauf verließ Kohlhaas den Saal, und ob er schon einsah, daß er sich das einzige Rettungsmittel, das ihm übrig blieb, die Flucht, durch die Schritte die er gethan, sehr erschwert hatte, so lobte er sein Verfahren gleichwohl, weil er sich nunmehr auch anderseits von der Verbindlichkeit, dem Artikel der Amnestie nach— zukommen, befreit sah. Er ließ, da er zu Hause kam, die Pferde ausspannen, und begab sich in Begleitung des Gubernial⸗Officianten sehr traurig und erschuͤttert in sein Zimmer; und während dieser Mann auf eine dem Roßhändler Ekel erregende Weise versicherte, daß alles nur auf einem Mißverständuiß beruhen müsse, das sich in kurzem lösen würde, verriegelten die Häscher auf seinen Wink alle Ausgänge der Wohnung, die auf den Hof führten; wobei der Officiant ihn versicherte, daß ihm der vordere Haupt⸗ eingang nach wie vor zu seinem beliebigen Ge— brauch offen stehe. Inzwischen war der Nagelschmidt in den Wäldern des Erzgebirgs durch Häscher und Landsknechte von allen Seiten so gedrängt worden, daß er bei dem gänzlichen Mangel an Hülfsmitteln eine Rolle der Art, wie er sie übernommen, durchzuführen, auf den Gedanken verfiel, den Kohlhaas in der That in's Interesse zu ziehen; und da er von der Lage seines Rechtsstreits in Dresden durch einen Reisenden, der die Straße zog, mit ziemlicher Genauigkeit unterrichtet war: so glaubte er, der offenbaren Feindschaft die unter ihnen bestand zum Trotz, den Roßhändler bewegen zu können eine neue Verbindung mit ihm einzugehen. Demnach schickte er einen Knecht mit einem in kaum leserlichem Deutsch abgefaßten Schreiben an ihn ab, des Inhalts:„Wenn er nach dem Alten- burgischen kommen, und die Anführung des Haufens, der sich daselbst aus Resten des auf⸗ gelösten zusammengefunden, wieder übernehmen wolle, fo sei er erbötig ihm zur Flucht aus seiner Haft in Dresden mit Pferden, Leuten. und Geld an die Hand zu gehen; wobei er ihm versprach, künftig gehorsamer und überhaupt ordentlich und besser zu sein, als vorher, und sich zum Beweis seiner Treue und Anhäng⸗ lichkeit anheischig machte selbst in die Gegen von Dresden zu kommen, um seine Befreiung aus seinem Kerker zu bewirken.“ Nun hatte der mit diesem Brief beauftragte Kerl das Un⸗ glück in einem Dorfe dicht vor Dresden in Krämpfen häßlicher Art, denen er von Jugend auf unterworfen war, niederzusinken, bei welcher Gelegenheit der Brief den er im Brustlatz trug von Leuten, die ihm zu Hülfe kamen, gefunden, er selbst aber, sobald er sich erholt, arretirt, und durch eine Wache unter Begleitung vielen Volks auf das Gubernium transportiert ward. Sobald der Schloßhauptmann von Wenk diesen Brief gelesen hatte, verfügte er sich unverzüglich zum Kurfürsten auf's Schloß, wo er die Herren Kunz und Hinz, welcher Ersterer von seinen Wunden wieder hergestellt war, und den Präsidenten der Staatskanzlei Grafen Kallheim egenwärtig fand. Die Herren waren, der Meinung, daß der Kohlhaas ohne Weiteres arretirt, und ihm auf den Grund eheimer Einverständnisse mit dem Nagelschmidt der 2 2 Usch. heröff zugt, eilig wähke wesen wie d Welt Spek! für dallel ellbas kannt Viel herbe staltg beiter deset dunn Win 0 bit zu Sym Daß selbet 1 liche keit lan Verk für Unt ber! or 0 * Sol Dre Um Wan läng Viel dur stähl Nackt ganz Mei ella des! die lte Mod huec nn schul um klef bolt Ded. Un 100 eb Re de 0 Sal belt ir Ver. 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Auch jetzt, nach⸗ dem der Vergleich geschlossen worden ist, äußert die Geistlichkeit ihre Sympathie für die Arbeiter. So hat der Primas der bänischen Kirche, Bischof Rördam, dieser Tage einen Hirtenbrief veröffentlicht, worin es heißt:„Ich bin über⸗ zeugt, daß alle rechtschaffenen Menschen darüber einig sein werden, daß die Haltung der Arbeiter während der langen Sperre so musterhaft ge— wesen ist, wie es wohl Niemand erwartet und wie die Meisten es als undenkbar erklärt hätten, wenn man hätte voraussehen können, daß die Sperre und die daraus folgende Arbeitslosigkeit für so viele Tausende über ein Vierteljahr dauern würde. Ich weiß nicht, ob man irgendwo etwas ähnliches gesehen hat, es ist jedoch be— kannt, daß in mehreren anderen Ländern eine viel kürzere Arbeitslosigkeit große Unruhen hervorgerufen hat. Hier haben solche gar nicht stattgefunden, was sehr für die dänischen Ar⸗ beiter spricht und allgemeine Sympathie für dieselben hervorrufen muß.“ Der Bischof fordert dann Alle auf, währeud des bevorstehenden Winters die Familien der Arbeiter, unter denen ja vielfach große Not herrscht, mit Geldbeiträgen zu unterstützen. Andere Geistliche suchen ihre Sympathie für die Arbeiter dadurch zu zeigen, daß sie eine Reihe populärer Vorträge für die⸗ selben angekündigt haben. Demnach geben sich die dänischen Geist⸗ lichen Mühe, der Arbeiterbewegung Gerechtig⸗ keit wiederfahren zu lassen. In Deutsch⸗ land sind die Pastor Hülle und ähnliche Verkündiger der christlichen Nächstenliebe Tag für Tag am Werke, zur höheren Ehre des Unternehmerprofits die Arbeiterbewegung zu verdächtigen und für die Zuchthaus⸗ vorlage Stimmung zu machen. Dreyfus wieder verurteilt. * Das Kriegsgericht in Rennes hat am Sonnabend die Schuldfrage bejaht und Alfred Dreyfus unter Zubilligung mildernder Umstände zu zehnjähriger Haft verurteilt. War das Urteil von 1894, das Dreyfus lebens⸗ länglich auf die Teufelinsel verbannte, noch vielleicht ein Rechtsirrtum, verschuldet durch die schamlosen Fälschungen der General- stäbler, so ist das neue Urteil eiu brutaler, nackter Justizmor d. Die Richter, vor denen das ganze Generalstabszeugengesindel als Fälscher, Meineidige, Lockspitzel und hinverbrannte Narren entlarvt worden ist, haben als feile Werkzeuge des Armeeklüngels das Recht schamlos gebeugt, die Wahrheit mit Füßen getreten und dieses Urteil gefällt, das ein Schandfleck für das moderne Frankreich ist. Daß Dreyfus das Opfer eines Justizver⸗ brechens ist, eines schändlichen Rechtsbruches, ist sonnenklar. Wohl sind vor ihm schon Viele ur- schuldig verurteilt worden. Hier handelte es sich um ein offensichtliches zum Nutzen einer kleinen Kaste begangenes Verbrechen, dessen politischer und sozialer Hintergrund von größter Bedeutung ist. Es drehte sich bei diesem Prozeß um die große in Frankreich jetzt zur ent⸗ scheidenden Wichtigkeit gekommene Auseinan⸗ setzung zwischen der jesuitisch⸗ymilitärischen Reaktion, die auf den Umsturz der republikanischen Verfassung, auf das Säbelregiment, auf eine neue Diktatur hinar⸗ beitet, und der Demokratie, die die bürgerlichen Freiheiten und die republikanische Verfassung mit allen Mittel jetzt zu verteidigen gezwungen ist.— Die mildernde Umstände, die das Kriegs⸗ gericht gefunden haben will, sind ein schlüssiger Beweis dafür, daß das Kriegsgericht selbst nicht wagte, die Konsequenzen seines Schuldig⸗ spruchs zu ziehen. Damit kennzeichnet sich das Urteil nicht als juristisches, sondern als poli⸗ tisches. Aus Gründen der Staatsraison(d. h. der jesuitischen Staatsraison des General- und ihre verbrecherischen Machenschaften Deckung finden, damit diese dadurch gerechtfertigt werden, daß sie unternommen sind, um einen Schuldigen zur Bestrafung zu bringen. Ein Schuldiger mußte vorhanden sein und dieser Schuldige muß te Dreyfus sein, weil sonst ein vernichtendes Gericht über die Verbrecher im Generalstab unvermeidlich geworden wäre. * Das Urteil wurde im Sitzungssaale in Ab—⸗ wesenheit des Dreyfus verlesen. Ihm selbst wurde vor versammeltem Militär in einem be⸗ sonderen Saale durch den Gerichtsschreiber das Urteil bekannt gemacht. Dreyfus hörte die Verurteilung völlig ruhig an, ohne die geringste Bewegung zu zeigen und ging ruhig mit gemessenem Schritt in das Untersuchungsgefängnis zurück. Er hat sofort eine Nichtigkeitsbeschwerde unterzeichnet. Die Affäre Dreyfus ist also noch nicht erledigt, wie die französischen Monarchisten und ihre Helfershelfer, die jesuitischen Pfaffen und die Antisemiten, erwartet haben. * Alle Welt ist entrüstet über das Urteil. Lediglich die Antisemiten freuen sich. Die anti⸗ semitische„Staatsbürger⸗Zeitung“, die„Volks⸗ wacht“ der Herren Kohler und Hirschel und die„Deutsche Tageszeitung“, das führende Blatt des Bundes der Landwirte— also die Blätter der Brotwucher-Parteien!— sind ganz entzückt, daß man den Dreyfus wieder verurteilt hat, ist er doch— ein Jude! Daß man ihm nichts, absolut nichts nach⸗ weisen konnte, daß die dentsche Reichsregierung im amtlichen Teil des Reichsanzeigers noch „aus Gründen der Menschlichkeit“, wie sie selbst angiebt, in feierlicher Weise versichert, daß Dreyfus niemals mit irgendwelchen deutschen Organen zu thun gehabt hat, all das rührt so ein deutsches Männerherz antisemitischen Schlages nicht. Der Jude muß verbrannt werden! Das Blatt des ehemaligen Architekten Hirschel schließt seinen Dreyfusartikel mit den Worten:„Ehre dem Kriegsgericht!“ Ehre den Männern also, die von jedem anständigen Menschen als feige Justizmörder bezeichnet werden. Echt antisemitisch. * Genosse Jaures schreibt in unserm französi⸗ schen Parteiblatt: Mit erhobenem Haupt und hohen Herzen haben wir das abscheuliche Urteil der Lüge und des Mordes angehört. Der klerikale Mili— tarismus hat ein Verbrechen ohne gleichen voll⸗ führt Die Kaste, welche dieses Verbrechen begangen hat steht von heute ab außerhalb der Mensch⸗ heit. Entweder sind fünf Offiziere, die Drey⸗ fus noch einmal verurteilten, durch die Soyhismen der Generale und Pfaffen in den Glauben ver— setzt, Dreyfuß sei in der That schuldig, und dann haben sie sich selbst vollkommen jeder menschlichen Vernunft bar erklärt, denn diese stellt die Unschuld Dreyfus, den Verrat Esterhazys mit unbedingter Gewißheit fest. Oder, was warscheinlicher ist, sie haben den Un⸗ schuldigen mit dem vollen Bewußtsein seiner Unschuld verurteilt, um die schul⸗ digen Generale zu retten und dann stehen sie außerhalb des menschlischen Gewissens. Von heute ab giebt es zwischen dieser wahn⸗ sinnigen oder verbrecherischen Kaste und der Nation nichts Gemeinsames mehr. 5 Daher beunruhigt uns die abscheuliche Koa⸗ lition der Lüge und des Verbrechens auch nicht: sie wird keine andere Wirkung haben als die: den revolutionären Haß gegen den Militarismus weiter zu ver⸗ breiten. In den großen menschlichen Schmerz der unser Herz zusammenkrampft, mischt sich eine bittere Freude: die harte Wollust der Empörung, des Hasses und der Verachtung. * Dr. Pozzi, der Dreyfus untersuchte, hat er⸗ klärt, dieser sei auf jeden Fall physisch hin und habe nur ein, höchstens zwei Jahre noch zu herbeiführte. Jahre lang dem mörderischen Klima auf der Teufelsinsel widerstehen? * Aus allen Ländera wird berichtet, daß die Entrüstung über den Renneser Justizmord unglaublich groß ist. In zahlreichen Städten bilden sich Komitees, um die Beschickung der Pariser Weltausstellung zu hintertreiben. Das halten wir allerdings fur eine Dummheit. AL⏑A= r 2. 0 2 Die beste Gelegenheit neue Abonnenten für die„Mitteld. Sonntags⸗ Zeitung“ zu werben, ist gegenwärtig, kurz vor Beginn des neuen Quartals vorhanden. Wir ersuchen deshalb unsere Spedi⸗ teure alle Kraft aufzubieten, um den Abon⸗ neutenst and zu erhöhen. Ferner richten wir unsere Bitte um eifrige Agitation für die„M. S.⸗Ztg.“ an die Vorstände der gewerk⸗ schaftlichen und politischen Organi⸗ sationen. Keine Versammlung darf abgehalten werden, ohne des Parteiblattes zu gedenken! Und die Vereine auf dem Lande müssen einzelne Genossen bestimmen, die von Haus zu Haus gehen, um neue Abon⸗ nenten für die„M. S.⸗Ztg.“ zu gewinnen. In Lich und Nidda, in Hungen und Grünberg, in Wieseckund Heuchelheim, in Alten-und Großen⸗ Buseck, in Watzenborn-Steinberg, Leihgestern, Rödgen, Lollar, Daubringen, in Klein- u. Groß⸗ Linden u. s. w., kurz überall können an einem einzigen Sonntag noch Hunderte neuer Abonnenten genommen werden. Es werden sich in jedem Dorf zwei oder drei treue Genossen bereit finden, an einem Sountag von Haus zu Haus zu gehen, um die Gleichgültigen aufzurütteln und sie auf die Wichtigkeit unser Parteipresse aufmerksam zu machen. In manchen Dörfern wurden an einem einzigen Sonntag durch wenige eifrige Genossen bis zu 50 neue Abon⸗ nenten gewonnen. Schwere Kämpfe stehen uns bevor. Mehr denn je ist es Pflicht aller Genossen, sich in den Dienst der Partei zu stellen. Opfere jeder einige Stunden am Sonntag und der Erfolg wird nicht ausbleiben! Verlangt Probenummern von der Expedition der„M. S.⸗Ztg.“ Dieselben werden vollständig kostenlos abgegeben. 2 Pon Nah und Fern. Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind jederzeit willkommen Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewiss n⸗ haftigkeit bei Uebermittelung von Nachrichten.— Wir bitten alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben. Liebknecht in Klein⸗Linden. n. Am Samstag Abend sprach Genosse Liebknecht in Klein-Linden. Der Hinter⸗ lang'sche Saal war dicht besetzt, obwohl am selben Abend die Vorfeier für ein Turnfest in Klein Linden stattfand. Gen. Krumm, der den Vorsitz führte, wies bei der Eröffnung der Versammlung darauf hin, daß wir leider ge— zwungenermaßen diesen für Klein-Linden so ungünstigen Abend wählen mußten, da Gen. Liebknecht der Nachwahl in Pirna wegen nur zwei Tage in seiner Heimat verweilen könne. Gen. Liebknecht begrüßte die Erschienenen als seine Landsleute. Es wären wohl 55 bis 56 Jahre her, daß er nicht in Klein-Linden gewesen sei. Welcher Unterschied zwischen da⸗ mals und heute! In der ihm eigenen fesselnden Weise schilderte Liebknecht, welche ungeheure Revolution der König Dampf seit jener Zeit verursacht habe, wie derselbe das Handwerk vernichtete, indem er der Großindustrie die Wege ebnete, das Zeitalter des Großkapitalismus erb Hunderttausende selbstständige Existenzen sind vernichtet, weitere Hundert⸗ tausende sehen dem Untergang entgegen, der Kapitalismus ist unersättlich. Liebknecht führte dann weiter aus, wie der großindustriellen Entwicklung, den ganz ungeahnten Fortschritten der Technik, das Bestreben der herrschenden Gewalten gegenüberstehe, die arbeitende Bevöl— Sciie 4. Weittelbeutiche Sonntags- Zeitung Nr. 38. kerung politisch rechtlos zu machen. Erst das Sozialistengesetz, nun die Zuchthausvorlage. Redner kam dann auf hessische Verhältnisse zu sprechen und beleuchtete nebenbei die Einfalt und Böswilligkett der Antise niten, die die Juden für die heutigen Zustände verantwortlich machen. In Amerika und England, wo die Juden gar keine Rolle spielen, herrschen die⸗ selben, teilweise noch schlimmere Zustände als bei uns, dort ist der Bauer längst zu Grunde gerichtet ohne Juden. Wir bekämpfen den Kapitalismus und appellieren an den Verstand der Massen, die Autisemiten raisonieren auf die Juden und spekulieren auf die niedersten In⸗ stinkte und auf die Dummheit der Menschen. Der Jude als Kapitalist und Wucherer ist unser Feind. Aber der scheußlichste Wucher, den es gebe, sei der Brodwucher und den betreiben die Antisemiten Arm in Arm mit den Junkern. In Sachsen sei man daran, die letzten Antisemiten aus dem Parlament heraus- zuwerfen, ihre letzte Zuflucht sei Hessen. Hier solle man ihnen gleichfalls den Laufpaß geben. Die kommende Landtagswahl biete die beste Gelegenheit, den seither von einem Antisemiten innegehabten Landtagssitz für einen Sozial⸗ demokraten zu erobern. Es sei die vielfach verbreitete Annahme falsch, als handle es sich bei den Landtagswahlen um etwas weniger wichtiges. Gewiß sind dem Reichstag weit⸗ gehende Befugnisse eingeräumt. Aber die Land⸗ tagswahlen sind deshalb doch von der aller⸗ größten Bedeutung. Im hessischen Landtag kommen die allerwichtigsten, für jeden Hessen bedeutsame Angelegenheiten zur Sprache. Setzen Sie alle Kräfte ein, um dem Kandidaten des arbeitenden Volkes, meinem Freunde Scheide— mann, zum Siege zu verhelfen.(Langanhaltender Beifall.) Nach einer kurzen Pause nahm Genosse Scheidemann das Wort, um die Thätig⸗ keit der sozialdemokratischen Abgeordneten im Landtag zu beleuchten. Unsere Leser sind über die fleißige Arbeit unserer Vertreter im Landtag unterrichtet und übergehen wir deshalb die diesbezüglichen Ausführungen des Redners. Scheidemann schilderte zum Schluß das in⸗ direkte Wahlsystem und forderte die Anwesenden auf, daß jeder seine Schuldigkeit thun möge. Keiner dürfe der Wahlurne fern bleiben, selbst dann nicht, wenn einmal ein viertel Tag ge⸗ feiert werden müsse. Es dürfe nicht wieder vorkommen, daß in Klein⸗Linden nur die Wahl⸗ vorsteher wählen und die Arbeiter zu Hause bleiben. Stadtv. Krumm wies auf das Verhalten der Antisemiten hin, deren Arbeiterfeindlichkeit ebenso belannt sei, wie ihre Unfähigkeit. Die Kleinen sollten treu zusammenstehen, dann würde der Sieg nicht ausbleiben.(Beifall.) Da sich sonst Niemand zum Worte meldete, schloß hierauf der Vorsitzende die gut verlaufene Versammlung. Gewerbegerichtswahlen in Hessen. * Die Verzeichnisse der stimmberechtigten Arbeitgeber und Arbeiter zur Wahl der Beisitzer zum Gewerbegericht liegen vom 11. September incl. bis 18. September incl.(auch am Sonn- tag) vormittags von 8 bis 12 und nachmittags von 2 bis 6 Uhr auf dem Burcau der Bürger⸗ meisterei, Zimmer Nr. 2, zur Einsicht der Be⸗ theiligten offen. Anträge auf Berichtigung oder Ergänzung dieser Verzeichnisse sind in der ge⸗ nansz ten Frist bei Meidung des Ausschlusses vorzubringen. Wir empfehlen deshalb die Ein⸗ sichinahme der Listen. Affaire Oettweiler-Ahlheim. * Unsere Leser erinnern sich wohl noch der Interpeuation der Sozialdemokraten im hessi— sche: Landtag wegen der Affaire Dettweiler— Ahlheim. Oberschulrat Dr. Deltweiler war der Vorgesetzte des Dr. Ahlheim. Letzterer war Lehrer des etwas schwerbegreifenden Sohnes des Dett veiler und hatte denselben auf Auweisung resp. mit Wissen seines Vorgesetzten in unzu— lasstger Wesse bei den Schulaufgaben unterstuützt, sod en der junge Dettweil er te lweise vorzügliche Arbeiten liefern konnte, obwohl er keiner der Pfifigsten war. Während mehreren Tagen sand dieser Woche vor dem Disziplinargerichis— hof in Darmstadt die Verhandlung gegen Dett⸗ weiler statt. Der Regierungsvertreter Ministerial⸗ rat Braun hielt die Anklage gegen Oberschulrat Dettweiler in vollem Umfange aufrecht. Er erfülle eine schwere Pflicht, wenn er die Dienst⸗ entlassung beantrage. Da aber dem Ange⸗ klagten, der ja nur als Vater gehandelt habe, mildernde Umstände zuzubilligen seien, beantrage er, ihm den höchsten Teil des Ruhegehal⸗ tes auf Lebenszeit oder gewisse Jahre zu be— lassen.— Der Verteidiger Dettweilers, Rechts⸗ anwalt Hallwachs, beantragt, weil neue That⸗ sachen j tzt nicht zu Tage getreten, dieses Ver⸗ fahren einzustellen, da ja Dettweiler wegen derselben Sache schon disziplinarisch bestraft sei. Das Urteil wurde am Donnerstag Mittag ver⸗ kündet. Dasselbe lautete auf einen Verweis und 500 Mk. Geldstrafe, so vie Tragung der Kosten zu zwei Drittel. In dem Urteil wird ausgesprochen, daß Oberschulrat Dr. Dettweiler die Pflichten verletzt habe, die ihm sein Amt auferlegte. Kanalisation in Gießen. * Die vom Oberbürgermeister der Stadt- verordneten⸗Versammlung unterbreitete Vorlage über die städtische Kanalisation liegt uns im Drucke vor. Im Vorwort wird die unbedingte Notwendigkeit erörtert, die Mittel für die systematische Kanalisierung einer Stadt wie Gießen zu beschaffen; im weiteren werden die verschiedenen Vorarbeiten in der Kanalisierungs⸗ frage dargelegt unter Anfügung des Antrags vom April 1888 des damaligen Beigeordneten (jetzigen Oberbürgermeister) Gnauth, betreffend Aufstellung eines festen Entwurfs für die systematische unterirdische Entwässerung Gießens nach neuzeitlichen Prinzipien, ferner eines Er— läuterungsberichts-Auszugs in derselben Sache vom Juni 1890, verfaßt vom Stadtb auinspek⸗ tor Steuernagel in Köln, desgl. eines diesbe⸗ züglichen Berichts-Auszugs von Civilingenieur Vindley in Fraukfurt a. M. d. d. 25. März 1895, desgleichen eines diesbezüglichen generellen Vorberichts des Kgl. Baurat Herzberg in Berlin d. d. 26. Januar 1898, eines Promemoria des Stadtbaurat Schmandt über„den heutigen Stand der Entwässerung der Städte, insbe— sondere mit dem Bezug auf die Stadt Gießen“ vom Juli 1898(worin u. a. die Projekte von Steuernagel, Lindley und Herzberg näher dis— kutiert werden), endlich eines vom 26 November 1898 datierten Gutachtens des Stadtv. Geh. Medizinalrat Professor Dr. Gaffky in der Kanalisationsfrage. Das in allem wesent⸗ lichen übereinstimmende Ergebnis der Schmandt⸗ schen und der Gaffkyschen Arbeit empfiehlt: 1) Entwässerung der„Altstadt“ nach dem System der kombinierten Schwemmkanalisation, unter thunlicher Anstrebung der getrennten Ableitung der Regenwässer auch aus diesem Stadtteil. 2) Entwässerung der übrigen Stadtteile nach dem Trennungssystem. 3) Vereinigung der Schmutzwassersiele der äußeren Stadtteile mit dem Hauptsiel der Altstadt, zwecks gemeinsamer Reinigung und zeitweiser künstlicher Hebung des Sieliahalts vor der Einleitung in die Lahn. 4) Obligatorischer Anschluß der Abtritte an die Schmutzwassersiele und Beseitigung der Gruben und Tonnen unter Gewährung einer ange— messenen, nicht zu knappen Frist. 5) Mechanische Reinigung der Schmutzwässer vor ihrem Ein⸗ lauf in die Lahn nach dem Muster der Marburger Anlage mit Riensch'schen Grob— und Fein⸗Rechen, sowie durch Rediment erung in Klärbecken mit kontinuierli hem Betriebe und einer Strömungsgeschwindigkeit von etwa 5 mm in der Sekunde. Geflügelzucht. * Der„Klub Deutscher Geflügelzüchter“ in Berlin teilt uns mit, daß er zar Hebung der Nutzgeflügelzucht in Hessen bei dem Ministerium des Janern zu Darmstadt unt die Gewahrung eines einmaligen Beitrags in Höhe von 1000 Mark gebeten habe, um den hessischen Land— wirlen im nächsten Jahre durch den Verkauf von Hühner⸗Eier n und anderen Geflügel- erzeugnissen zu besseren Preisen nich größeren Städten Deuschlands hin eine volle Million Mark zuführen zu können. Die Hauptthätigkeit des Klubs richtet sich auf die Hebung der Nutzgeflügelzucht und sind infolge dessen 20 Zentral- und 45 Zweigverkaufsstellen in den größeren Städten Dentschlands bereits ins Leben gerufen worden. Sobald die Mitglieder deu Bedarf an frischen Eiern für die Verkaufs- stellen decken können, sollen auch in Darmstadt, Gießen, Offenbach und Worms Verkaufs- stellen eröffnet werden. Aus Marburg. st-„Ein jeder Gast ist ehrenwert, der in Gemütlichkeit sein Geld verzehrt, nicht flucht, nicht schimpft, nicht Händel macht und aufs Bezahlen ist bedacht.“ Diesen„schönen“ Vers hatte ein Gastwirt im benachbarten Dorfe Sarn au der Ankündigung eines von ihm ver⸗ anstalteten Erntefestes beigefügt. Der Verlauf dieses Festes lieferte eine treff liche Illustration dazu, denn die Teilnehmer prügelten und zer⸗ stachen sich derartig, daß nicht weniger als 17 Mann die hiesige Klinik aufsuchen und sich verbinden lassen mußten. Sogar ein einem Karousselbesitzer gehöriges Pferd erhielt einen Messerstich in den Hinterteil.— Wegen Ver⸗ gehens gegen das Nahrungsmittel- gesetz stand der Gutspächter Fr. Pfeffer aus Holzhausen vor der hiesigen Strafkammer. Derselbe war bereits vor enniger Zeit wegen Vergehens gegen das Seuchengesetz zu 6 Wochen Gefängnis verurteilt worden, weil er die unter seinem Nindvieh ausgebrochene Maul⸗ und Klauenseuche verheimlicht hatte. Bei der da⸗ maligen Verhandlung stellte sich heraus, daß Pfeffer die Milch der von der Seuche befallenen Kühe anstandslos weiter verkauft hatte, und wurde dieserhalb gegen ihn Anklage wegen Ver— gehen gegen das Nahrungsmittelgesetz erhoben. Er wurde zu einer Zusatzstrafe von 4 Wochen Gefängnis verurteilt.— Am Soanabend, den 16. Sept. feiern die hiesigen Gewerkschaften ein Vergnügen im Café Quentin, dessen Ueberschuß den ausgesperrten Däuen überwiesen werden soll. Kommt diese Unterstützung auch etwas spät, da ja die Aussperrung bekanntlich bereits beendet ist, so wird sie doch jedenfalls auch jetzt noch benötigt, und ist inanbetracht des guten Zweckes dem Vergnügen ein zahl⸗ reicher Besuch zu wünschen.— Nächsten Montag spricht bei D. Jesberg entweder Gen. Scheide⸗ mann oder Stadtw. Krumm-⸗Gießen über den bevorstehenden Parteitag. Zahlreicher Be— such der Versammlung ist angesichts der wich⸗ tigen Angelegenheiten, die den Parteitag in Hannover beschäftigen werden, dringend er— forderlich. Aus Wetzlar. f. Zur Zeit liegt der Manöver wegen viel Militär in Wetzlar und Umgegend. Natürlich ist die Einwohnerschaft furchtbar„erfreut“ des⸗ wegen. Die Freude der gutsituirten Leute in der Stadt, also derjenigen, die den Patriotismus in Erbpacht zu haben glauben, geht so weit, daß sie ihre Einquartierung wieder ausquartieren und das Vergnügen, einige Vaterlandsvertheidiger zu beherbergen, anderen Leuten überlassen, denen sie dafür einige Groschen zahlen. Der Wirt Wagner im benachbarten Naun⸗ heim, der als Geschäftsmann unserer Partei wiederholt seinen Saal zur Verfügung stellte, hat zwar Einquartierung, aber auch gleichzeitig das Militarverbot bekommen. Mehr kann man nicht verlangen. Die Liebe zum Militarismus wird durch derartiges Eingreifen in das Ge⸗ schaftsleben friedlicher Bürger natürlich riesig gefördert. Es ist wirklich weit gekommen mit dem Terrorismus der— Arbeiter. Ein Majestätsbeleldiger? * In einem Wetzlarer Blatt lesen wir über eine Strafkammerverhandlung: 5 „In der ersten Anklagesache, bei der es sich um eine Majestätsbellidigung handelt, wird auf Antrag der Staatsanwaltschaft aus Gründen der öffentlichen Ordnung die Oeffentlichkeit aus⸗ geschlossen. Angeklagt ist der Arbeiter Louis Qu. aus Lispenhausen bei Bebra. Das nach Wiederherstellung der Oeffentlichkeit verkündigte Urteil leutet auf eine Gefängnißstrafe von einem Monat.“ brangeg⸗ a She filden U Her and bl guuld f let Gele i nate un Nah shudt. pwischel f oz 01 0 uf den u e urch der Fhuecht, 9 stei sef, ob kr ward de gestect b Gubernit ihm del dem Vel Etrafe d folderte fallen, de At schl Weiteres cheimni 1 Ouberni hatte, zu Kohl mit den! gewiß u genomm Thür f der Sti Schritt fähig w hatte, d Handel, so sah in sein wo er Stunde auf sein Er hie Thür! elliche schäft a. Alder z. nieder u an den! Vorschle in Alt er demg Haft in halten n wissen wit all. eine Ri Knecht sich nat wolle; feine e N Dre unn sihrun sein 6 0 Di. am.. W weicht I Ac dessen wiesen auch itlich falls kracht zahl- Jontag seide⸗ über er Be⸗ vi dag il Id el⸗ n bill türlich bez ute il eins Weib tiere eidiget deen Faul Patt fell 0 f Hal Nr. 38. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 7. Prozeß gemacht werden müsse; indem sie be⸗ wiesen, daß ein solcher Brief nicht, ohne daß frühere auch von Seiten des Roßhändlers vorangegangen, und ohne daß überhaupt eine frevelhafte und verbrecherische Verbindung zur Schmiedung neuer Gräuel unter ihnen statt⸗ finden sollte, geschrieben sein könne. Der Kurfürst weigerte sich standhaft auf den Grund bloß dieses Briefes dem Kohlhaas das freie Geleit, das er ihm angelobt, zu brechen: er war vielmehr der Meinung, daß eine Art von Wahrscheinlichkeit aus dem Briefe des Nagel⸗ schmidt hervorgehe, daß keine frühere Verbindung zwischen ihnen Statt gefunden habe; und Alles, wozu er sich um hierüber auf's Reine zu kommen, auf den Vorschlag des Präsidenten obschon nach großer Zögerung entschloß, war, den Brief durch den von dem Nagelschmidt abgeschickten Knecht, gleichsam als ob derselbe nach wie vor frei sei, an ihn abgeben zu lassen, und zu prüfen, ob er ihn beantworten würde. Dem gemäß ward der Knecht, den man in ein Gefängniß gesteckt hatte, am andern Morgen auf das Gubernium geführt, wo der Schloßhauptmana ihm den Brief wieder zustellte, und ihn unter dem Versprechen, daß er frei sein, und die Strafe die verwirkt ihm erlassen sein solle, auf⸗ forderte das Schreiben, als sei nichts vorge— fallen, dem Roßhändler zu übergeben; zu welcher List schlechter Art sich dieser Kerl auch ohne Weiteres gebrauchen ließ, und auf scheinbar geheimnißvolle Weise unter dem Vorwand, daß er Krebse zu verkaufen habe, womit ihn der Gubernial⸗Officiant auf dem Markte versorgt hatte, zu Kohlhaas in's Zimmer trat. Kohlhaas, der den Brief, während die Kinder mit den Krebsen spielten, las, würde den Gauner gewiß unter andern Umständen beim Kragen genommen, und den Landsknechten die vor seiner Thür standen überliefert haben; doch da bei der Stimmung der Gemüther auch selbst dieser Schritt noch einer gleichgültigen Auslegung fähig war, und er sich vollkommen überzeugt hatte, daß nichts auf der Welt ihn aus dem Handel, in den er verwickelt war, retten konnte: so sah er dem Kerl mit einem traurigen Blick in sein ihm wohl bekanntes Gesicht, fragte ihn, wo er wohnte, und beschied ihn in einigen Stunden wieder zu sich, wo er ihre in Bezug auf seinen Herrn seinen Beschluß eröffnen wolle. Er hieß den Sternbald, der zufällig in die Thür trat, dem Mann der im Zimmer war etliche Krebse abkaufen, und nachdem dies Ge⸗ schäft abgemacht war, und beide sich ohne ein— ander zu kennen, entfernt hatten, setzte er sich nieder und schrieb einen Brief folgenden Inhalts an den Nagelschmidt:„Zuvörderst, daß er seinen Vorschlag, die Oberanführung seines Haufens im Altenbürgischen betreffend, annähme; daß er demgemäß, zur Befreiung aus der vorläufigen Haft in welcher er mit seinen fünf Kindern ge— halten werde, ihm einen Wagen mit zwei Pferden nach der Neustadt bei Dresden schicken solle; daß er auch, rascheren Fortkommens wegen, noch eines Gespannes von zwei Pferden auf der Straße nach Wittenberg bedürfe, auf welchem Umweg er allein aus Gründen, die anzugeben zu weitläufig wären, zu ihm kommen könne: daß er die Landsknechte, die ihn bewachten, zwar durch Bestechung gewinnen zu können glaube, für den Fall aber, daß Gewalt nötig sei, ein Paar beherzte, gescheidte und wohlbewaffnete Knechte in der Neustadt bei Dresden gegenwärtig wissen wolle; daß er ihm zur Bestreitung der mit allen diesen Austalten verbundenen Kosten eine Rolle von zwanzig Goldkronen durch den Knecht zuschicken, über deren Verwendung er sich nach abgemachter Sache mit ihm berechnen wolle; daß er sich übrigens, weil sie unnötig sei seine eigene Auwesenheit bei seiner Befreiung in Dresden ver bitte, ja ihm vielmehr den be⸗ stimmten Befehl erteile, ur einstweiligen An⸗ führung der Bande, die nicht ohne Oberhaupt sein könne, im Altenburgischen zurückzubleiben.“ — Diesen Brief als der Knecht gegen Abend kam. überlieferte er ihm; beschenkte ihn selbst reichlich, und schärfte ihm ein, denselben wohl in Acht zu nehmen.— (Fortsetzung folgt.) Einst und Jetzt. In einem interessanten Aufsatze über die Entwicklung und Bedeutung der Eisenbahnen stellt der bayerische Generaldirektionssekretär Muschweck in der Zeitung des deutschen Eisen— bahn⸗Vereins folgende weniger bekannte Urteile aus der ersten Zeit der Eisenbahnen zusammen: Die wissenschaftliche Zeitung„Quaterly Review“ schrieb im Jahre 1819: „Die Idee einer Eisenbahn ist praktisch un⸗ ausführbar. Giebt es etwas Lächerlicheres und Absurderes als das Projekt eines Dampf⸗ wagens, welcher zweimal so geschwind gehen soll als unsere Postwagen? Eher ließe sich er⸗ warten, daß man sich im Artillerielaboratorium zu Woolwpich mittels einer Kongreveschen Rakete befördern läßt, als durch die Gnade einer doppelt so schnell als unsere Postwagen laufenden Lokomotive“. Lord Brougham machte sich über den„tollen Einfall der Ingenieure“ lustig, 700 Personen in sieben Wagen verpackt 24 Kilometer in der Stunde befördern zu wollen. Als das Projekt vom Bau der Liverpool-Manchesterbahn auf— tauchte, prophezeiten die Schwarzseher, alle Häuser in der Nähe der Bahn würden in Brand gesteckt, das Getreide reife nicht, die Wiesen verdorrten, die Kühe hörten auf zu weiden, die Hühner Eier zu legen, die Vögel in der Luft erstickten, Fuhrleute und Kutscher müßten samt ihren Pferden verhungern, der Luftdruck würde die Passagiere töten, Kesselexplosionen wären unvermeidlich. Thiers verhielt sich noch im Jahre 1836 gegen den Bau von Eisenbahnen ablehnend: denn„man möchte nicht gern durch die Anlage von Eisenbahnen das Leben der Reisenden aufs Spiel setzen“. Der Natur⸗ forscher Franz Arago riet bei der Verhandlung über die Versailler Bahn von dem Bau eines Tunnels ab, weil das Leben der Passagiere durch den Wechsel der Temperatur und durch die Möglichkeit von Explosionen der Lokomotiven sehr gefährdet würde. Ebenso riet er mit Rück⸗ sicht auf die Gefährlichkeit des Betriebes davon ab, ein und dasselbe Geleise durch raschfahrende Personenzüge und langsamfahrende Güterzüge zu benutzen. Auch der Rentabilität der Bahnen stellte er an der Hand der Statistik der Per⸗ sonenfrequenz bei den Diligencen(Postkutschen) kein günstiges Prognostikon. Papst Gregor XVI. erklärte die Eisenbahnen für„ein durchaus ver— abscheuungswürdiges Transportmittel“. Ein großer Brünner Fabrikant Namens Anspitz brach, als er davon hörte, daß Roth— schild eine Bahn von Wien nach Brünn bauen wollte, in den höhnischen Ruf aus:„Narrheit! Die Post verkehrt immer leer auf der Strecke, und da soll sich eine Bahn rentiern?“ Als Kaiser Ferdinand dem Bankier Rothschild das Privilegium zur Erbaung der Nordbahn er⸗ teilte, spottete er:„Geben wirs ihm, lange kann sich so etwas doch nicht halten.“ Grillparzer spottete: „Eisenbahnen, Anlehn und Jesuiten, Sind unbestritten Die Wege, die wahren, Zum Teufel zu fahren“. Ehe der Bau der Eisenbahn von Nürnberg nach Führt begonnen wurde, gab das bayerische Obermedizinalkollegium ein Gutachten dahin ab, daß der Fahrbetrieb mit Dampfwagen im Interesse der öffentlichen Gesund heit zu un'erssgen sei. Die schnelle Bewegung erzeuge unfehlbar eine Gehirnkrankheit bei den Passa⸗ gieren, welche eine besondere Art des delirium furiosum darstelle. Wollten die Fahrenden der Gefahr trotzen, so müsse der Staat wenigstens die Zuschauer schützen. Der bloße Anblick eines rasch dahin fahrenden Dampfwagens erzeuge genau dieselbe Gehirnkrankheit; es sei deshalb zu verlangen, daß der Bahnkörper zu beiden mit einem dichten, mindestens fünf Fuß hohen Bretterzaune umgeben werde. Ein Redner des bayerischen Landtags meinte, daß Bayern, da es keine überseeischen Verbindungen habe, auch keine Eisenbahn brauche. Als der Oberwegebau⸗ Inspektor für Pommern, Neuhaus, nach Eng— land reisen wollte, um sich über die neuen Eisenbahnen zu unterrichten, fertigte ihn Beuth, der Direktor der Abteilung des preußischen Finanzministeriums für Handel und Bauwesen, mit den Worten ab:„Lieber Neuhaus, ich habe Sie bis jetzt für einen vernünftigen Menschen gehalten, aber ich fange an, daran zu zweifeln.“ König Ernst August von Hannover wollte keine Eisenbahnen im Lande, weil„sonst jeder Schuster und Schneider so rasch reisen könne wie der König.“ n Sprüche zur Lebensweisheit. Aus tiefstem Gemüt, aus der Mutter Schooß Will Manches dem Tage entgegen; Doch soll das Kleine je werden groß, So muß es sich rühren und regen. Goethe. Leb' in der Gegenwart! Zu leer ist und zu weit Der Zukunft Haus, zu groß das der Ver— gangenheit. In beiden weißt du nicht den Hausrat einzu⸗ richten Der ungescheh' nen und geschehenen Geschichten. Doch 171 die Gegenwart nicht eng dir sei und ein, Zieh' die Vergangenheit und Zukunft mit herein, Die mögen dir erfüllen und erweitern Die Wohnung und mit Glanz die dunkle schön erheitern. Rückert. Humoristisches. Grausame Strafe.„Wie strafen Sie Ihren Mann, wenn er Sie einmal besonders ärgert? „Dann muß er auf den Junggesellenstand schimpfen.“ * Immer ärger. Mit dem Professor Müller wird es in neuester Zeit stets ärger; wenn er jetzt, seitdem seine Frau tot ist, des nachts heimkommt, legt er sich in das Bett seiner Frau und hält sich selbst eine donnernde Gardinenpredigt! * Ein leutseliger Monarch eines afrikanischen Staates erließ das folgende Reskript:„Für den sech⸗ zehnten des nächsten Monats verfüge ich die Abhaltung eines allgemeinen Feiertages. Da ist nämlich mein Geburtstag, an dem meine Unterthanen nicht arbeiten sollen. Das beruht auf Gegenseitigkeit—: ich arbeite nämlich am Geburtstag meiner Unterthanen auch nicht!“ n Neu eingelaufene Schriften. Besprechung wichtigerer Erscheinung behalten wir uns vor. „Das Wissenswerteste aus dem In⸗ validenversicherungsgesetz“. Von Theodor Sust in Chemnitz. 3. Auflage. Diese neue Ausgabe ist ver⸗ anlaßt durch die großen und wesentlichen Veränderungen, welche die Invaliditäts⸗ und Altersversicherungen durch durch das mit dem 1. Januar 1900 in Kraft tretende Gesetz vom 13. Februar dieses Jahres erfahren hat. Preis 25 Pfg. Rote Postkarten. Fünfundzwanzig Ansichts⸗ karten des Wahren Jacob sind bis jetzt im Verlag J. H. W. Dietz Nachf., Stuttgart, zur Ausgabe gelangt. Die Karten sind in zwei Serien eingeteilt: Dieeinfarbige Serie besteht ans dreizehn Nummern; dieselben sind in einem Couvert geordnet und mit Aufdruck versehen. Preis dieser Sammlung 60 Pfg. Die zweite farbige Serie mit zwölf Karten, gleichfalls im Couvert mit Aufdruck, wird zum Preis von Mk. 1.20 abgegeben. Diese farbigen Karten verdienen den Namen Künstler⸗ karten. Sie können den Vergleich mit dem Besten, was s ither auf diesem neuen Gebiete des Sammelsports ge⸗ boten wurde, getrost aushalten. Zu der künstlerischen Ansführung komwen die herzerfrischenden, melst humo⸗ ristischen, stets sin reichen Darstellungen, so daß die Karten des Wahren Jakob, die dem Dietzschen Verlag alle Ehre machen, gewiß nicht nur in sozialdemokratischen Kreisen den größten Anklang finden dürften.— Auch einzeln sind die Karten farbig à 10 Pfennig, einfarbig à 5 Pfennig erhältlich. Alle Parteibuchhandlungen, Zeitungsexpeditionen sowie Kolporteure vermitteln Be⸗ stellungen. Ueber die nächsten Aufgaben der deut⸗ schen Sozialdemokratie. Von G. v. Vollmar. 2. Aufl. 8. 51 S. 40 Pfg.(Verlag von M. Ernst, München.) Zu der jetzigen schwebenden Parteidiskussion ist der Inhalt der Broschüre von aktuellem Interesse und ist daher die Anschaffung derselben jedem in der politi⸗ schen und gewerkschaftlichen Bewegung stehenden Partei⸗ genossen zu empfehlen. Seite 8. Nr. 38. eff d g der Fabrik- und Hilfs-⸗Arbeiter Samstag, 23. Sept., Abends 7 Uhr, im Lokale des Gastwirt Heuser. Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht. Um zahlreiches Erscheinen bittet Der Vorstand. Gold. Medaille Bruchleidenden Paris 1896. empfehle meine nachweisbar von Tausenden mit Vorliebe getrageuen, solid und dauerhaft gearbeiteten 28 Gürtelbruchbänder ohne Federn, Leib- und Vorfallbinden. Für jeden Bruchschaden Extra- anfertigung, deshalb jeder Versuch befriedigend. Kein Druck wie bei Federbändern. Mein Vertreter zeigt Muster vor und nimmt Be- stellungen entgegen in Giessen Donnerstag, den 21. September, von 2-7 Uhr im Restaur. Riegelmann, in Wetzlar am Freitag, den 22. September, von 8— 12 Uhr im Hotel Kaltwasser. L. Bogisch. Stuttgart, Reuchlinstr. 6. . Fir Aiagenleldende! 5 Allen denen, die sich durch Erkältung oder Ueberladung des Magens, durch Genuß mangelhafter, schwer verdaulicher, zu heißer oder zu kalter Speisen, oder durch unregelmäßige Lebens⸗ weise ein Magenleiden, wie: Magenkatarrh, Magenkrampf, Magen⸗ schmerzen, schwere Verdauung oder Ver⸗ schleimung zugezogen haben, sei hiermit ein gute 3 Hausmittel empsohlen dessen vorzügliche heilsame Wirkungen schon seit vielen Jahren erprobt sind. Es ist dies das bekannte Verdauungs⸗ und Blutreinigungsmittel, der Huber! Ullrich'sche Kräuter-Wein. Dieser Fräuter⸗Wein ist aus vorzüglichen, heilkräftig befundenen Bräutern mit gutem Wein bereitet, und stärkt und belebt den ganzen Lerdauungsore anismus des Mlenschen, ohne e in Absührungsmittel zu sein. bBräuter⸗Wein beseitigt alle Störungen in den Flut⸗ gefäßen, reinigt das glut von allen verdorbenen, krankmachenden Stoffen und wirkt fördernd auf die Neubildung gesunden Blutes. 5 Durch rechtzeitigen Gebrauch des Kräuter⸗Weines werden Magen übel meist schon im Keime erstickt. Man sollte also nicht säumen seine Anwendung allen anderen scharfen, ätzenden, Gesundheit zer⸗ störenden Mitteln vorzuziehen. Alle Symptome, wie: Kopf- schmerzen, Aufstossen, Sodbrennen, Blähungen, Lebelkeit mit Erbrechen, die bei chronischen(veralteten) Magenleiden um so eftiger auftreten, werden oft nach einigen Mal Trinken beseitigt. tuhlverstopfung und deren unangenehme Folgen wie: Beklemmung, Kolikschmerzen erzklopfen, Schlaflos igkeit, sowie Blutanstauungen, in Leber Milz und Pfortadersystem(Rämorrholdalleiden) werden durch iuter⸗Wein rasch und gelind beseitigt. Kräuter-Wein behebt edwede Unverdaulichkeit, verleiht dem Verdauungssystem einen Aufschwung und entfernt durch einen leichten Stuhl alle untaug⸗ ichen Stoffe aus dem Magen und Gedärmen. Hageres, bleich. Aussehen, Blutmangel, 2 Entkräftung sind meist die Folge schlechter Verdauung, mangelhafter Blutbildung und eines krank⸗ haften Zustandes der Leber. Bei gänzlicher Appetitlosigkelt, unter nervöser Abspannung und Gemüthsverstimmung, sowie häufigen Kopfschmerzen, schlaflosen Nächten, siechen oft solche Kranke langsam dahin. 9 Kräuter⸗Wein giebt der geschwächten Lebenskraft einen frischen Impuls. D Kräuter⸗Wein steigert den Appetit, befördert Verdauung und Ernährung, regt den Stoffwechsel kräftig an, beschleunigt und verbessert die Blut⸗ bildung, beruhigt die erregten Nerven und schafft dem Kranken neue Kräfte und neues Leben. Zahlreiche Anerkennungen und Dankschreiben beweisen dies. Kränter⸗Wein ist zu haben in Flaschen 4/ 1.25 u 1.75 in: Gießen, Großen⸗Linden, Wetzlar, Fron⸗ hausen, Braunfels, Butzbach, Brandoberndorf, Gladen⸗ bach, Weilburg, Groß⸗Buseck, Allendorf, Grünberg,? Lich, Hungen, Laubach, Bad⸗Nauheim, Marburg usw. in den Apotheken. Auch versendet die Firma„Hubert Ulrich, Leipzig, West- strasse 828“, 3 und mehr Flaschen Kräuter⸗Wein zu Original⸗ preisen nach allen Orten Deutschlands porto- und kistefrei. 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