2 — 2 Nr. 42. Gießen, Sonntag, den 15. Oktober 1899. 5. Jahns Redaktion: a 6 9 4 Nedaktionsschluß: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Mitteld eutsche Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. Abontementspreis: Bestellungen 1 Juserate ——— 0 — 2 S E 0»Die„Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung“ loßtet durch unsere] nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die] finden in der„M. S.⸗Ztg“ weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt Austräger frei ins Huus geliefert monatlich 25 Pfennig. Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die] Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindestens Durch die Bost bezogen vierteljährlich 90 Pfg. Direkt durch Druckerei, Schloßg. 13, sowie jede Postanstalt und 4mal. Bestellung gewähren wir 25%, bei 6 mal. Bestellung f die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(Post⸗Z.⸗Kat. 4312.) 33¼% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt 8 50 von Verantwortlichkeit aufgebürdet. Wahrschein⸗J[Bahnhof, weil zu so früher Stunde noch kein 9 Die Sozialdemokraten verlangen: 100 sollen 1 0 45 en 10 0 2 fi 5 ee rekt l Eisenbahnarbeiter über ihre geradezu unglaub⸗ as es für Leute bedeutet, die Mittags i Direkte Wahl zum Landtag! lich niedrigen Entlöhnungen trösten. nichts Warmes genießen, wenn man ihnen die 2 Der nationalliberale Als sehr charakteristisch wollen wir aus den Möglichkeit nimmt, ein ordentliches Frühstück Landtsgsabgeordnete Schröder aber erklärte„Gemeinsamen Bestimmungeu“ für die Eisen⸗ zu sich zu nehmen, das 1 sich denen 95 in der hessischen Kammer: bahnarbeiter den§ 11 anführen. Derselbe lautet: S5 eee dahen af ng seen e 1 Mund den „Für die direkte Wahl ist unser Volk„Der Tagelohn wird für diejenigen Tage gewährt, Eisenbahnern wird wahrhaftig nichts geschenkt— in feiner großen Mehrheit politisch an welchen der Arbeiter dienstlich thätig gewesen ist. gar nicht vorstellen.— noch nicht reif!“ Ferner wird der Tagelohn gewährt.. für die Ab⸗ Es scheint, als würde die Unzufriedenheit löse⸗Ruhetage und den Arbeitern, welche an Sonn⸗ und mit den Eisenbahnverwaltungen ganz systematisch l 8 Festtagen.. regelmäßig(ö) zur Dienstleistung heran⸗ 3 0 Und gegen die Einführung direkter Wahlen ür di illiate! gefördert. geg führung 0 gezogen werden, für die ihnen bewilligte Ruhezeit und Auf die Wünsche des reisenden Publikums . stimmten dann 7 Nationalliberale und der[Zeit zur Teilnahme am Gottes dienst. 5 1 l 2 5 2 0 Bauernbündler Glaser! 8 Die ien kunde 9 haben keinen Bonetti ee 1 E.; nspruch auf Vergütung geleisteter Ueberstunden. In⸗. 8 g 5 a Merkt's Euch, Arbeiter! soweit ihnen eine solche ausnahmsweise gewährt werden stelle der Kilometerhefte— Bahnsteigsperre. 5 kann und in welcher Weise den übrigen Arbeitern die 1 155 eee Wünsche der 21 amten 8 5 7 3 3 Leistung von Ueberstunden zu entgelten ist, bestimmt die eiben unberücksichtigt und den Arbeitern 5 N Die Unzufried enheit der Direktion. legt man neue Verpflichtungen auf. 1 5.. Für versäumte Zeitabschnitte kann, abgesehen Und— der Sozialdemokraten werden 5 1 Eisenbahner. von der etwa verwirkten Strafe, ein verhältnis-⸗[es immer 1 5 5* Die hervorragendste Verkehrsanstalt heißt* 3 25 am 5 1 5 8 75 8 ie ae. ene wibettsstunde für voll gerechne a ö 5 Denn leider werden die Eisenbahnen nicht in werden. Parteigenossen! — erster Linie als eine der Allgemeinheit dienende Nun sage noch einer, die Eisenbahnen wären Seid unermüdlich in der Agitation für die Einrichtung verwaltet, dazu geschaffen, den Ver⸗ keine staatlichen Musterbetriebe! Für 5 ö 5 kehr ständig zu erleichtern, zu verbessern, be⸗Ueberstunden giebt's nichts, oder bestenfalls be⸗ N gh 205 e nicht, daß n quemer, billiger und sicherer zu gestalten, sondern][stimmt die Direktion darüber, für versäumte. 5 50 beutzutage müssen in erster Linie Ueberschüsse 10 Minuten— angefangene Stunde!— Wählerlisten 1 Me 5 N aus der Eisenbahn herausgewirtschaftet werden. wird dagegen ein Stundenlohn abgezogen, ganz zur allgemeinen Einsicht bei den Bürgermeistern 0 5 e eee sparen, abgesehen von den noch verwirkten Strafen. ausliegen. aterial sparen, kurz— sparen, sparen, Der S 11 spricht aber auch von den regel- 3. da, wo es am wenigsten angebracht ist, damit mäßig zur Sonntagsarbeit herange⸗ Die Wahlmännerwahl . schw M 5 11 w 0 7 n um so mehr ver⸗ ohn 1 508 60 155 e ein wahrer findet statt am Hes endet werden kann! ohn auf das Christentum! ie man uns ger, Daß unter solchen Umständen die Eisenbahn⸗ bestimmt verstchert, wird auch eine vor mehreren Mittwoch, den 8. November. 15 Beamten und Arbeiter nicht auf Rosen gebettet Jahren veröffentlichte Bestimmung über die Macht schon jetzt die in Gießen arbei⸗ 1 sind, ist klar. Und daß die Sicherheit der sich freien Sonntage nicht mehr beobachtet, die tenden Wahlberechtigten darauf aufmerlsam, daß We den Eisenbahnen anvertrauenden Reisenden auch] Sonntagsarbeit ist auch für diejenigen, die nicht sie unter Umständen am 8. November einen 4 nicht größer wird, leuchtet ebenfalls ein. Wer regelmäßig dazu herangezogen werden, viertel oder einen halben Tag n Lennt nicht die stehende Rubrik in zahlreichen wieder viel häufiger geworden. feiern müssen, Zeitungen: Von den preußischen Unglücksbahnen? Aber man sage nicht, daß die Eisenbahn⸗ m in ihrem Heimatsd der W bit(Siehe unsere Notiz in heutiger Nummer über verwaltungen gar nichts thäten, um ihre Ar⸗ Wahlmänner telnehn orf 16 er Wahl der al. das Unglück in Hamburg.) beiter wieder zufrieden zu machen. Beileibe e ee e Dult Unsere Dresdener und Leipziger Partei⸗ nicht. Ein vortreffliches Mittel, um die Arbeiter Die Gegner 7715 blätter veröffentlichen Artikel, in denen das mit all den übrigen Ungerechtigkeiten wieder werden alles aufbieten, um uns den Sieg l Sparsystem Thielens grell beleuchtet wird. In auszusöhnen, glaubt wahrscheinlich die Eisen⸗[ noch einmal zu entreißen. Das darf und Len, Dresden wurden am 1. Oktober zahlreiche bahndirektion in Frankfurt entdeckt zu haben.] wird ihnen nicht gelingen, wenn die Arbeiter Bremser entlassen, 77 wurden zu Wagendrückern Sie hat nämlich den Gießener Eisenbahn⸗ ihre Pflicht erfüllen und zur Wahlurne gehen (. degradiert. Warum? Es wird eben an allen arbeitern durch die zuständige Betriebsinspektion Unsere Partei hat t 72 5 Landkr 12 Ecken und Kanten geknausert. in assen, daß Feähkkück geholt gißen geblrigen Wahlhzirken U de Alle, die im Dienst der Eisenbahn⸗Ver⸗ i . waltung stehen, klagen. 5 Ungrrechtioeit 11 Selbstverständlich sind die Arbeiter, die bei 1 Stimmen mehr der Besoldung geht durch alle Beamtenklassen Wind und Wetter im Eisenbahndienst ihr Leben erzielt, als alle unsere Gegner zusammen. 8 hindurch. Bekaunt ist, daß die im Außendienst Tag und Nacht aufs Spiel setzen dürfen, ganz Der Sieg ist uns sicher, wenn Ihr siegen wollt! beschaftigten Beamten trotz anstrengenderem außer sich vor Freude über dieses neue Zeichen Und Ihr werdet wollen. Ihr werdet am 8. Dienst weit schlechter bezahlt werden, als die von Wohlwollen. Seit langen Jahren war es November abrechnen mit den— 5 Beamten des Innendienstes, obgleich alle die⸗ auf dem Gießener Bahnhof Gebrauch, Morgens] Wahlrechtsfeinden. Ihr werdet den anti⸗ * felben Vorkenntnisse mitbringen müssen und ob⸗ das Frühstück holen zu lassen. Von der Bahn⸗ Tann ena die ehrliche gleich alle fast denselben Vorbereitungsdienst meisterei war zu diesem Zwecke sogar ein be⸗[ Arbeiter Schlammbeißer nennen, die fort⸗ ö haben. sonderer Ausläufer zur Verfügung gestellt. gesetzten e Nr Wie die Ist schon in den Beam tenkreisen die Un⸗ Wer wollte es den Arbeitern, die bei Nacht Odenwälder Bauern 1898, so werdet Ihr pe mit ieder e groß, so steigert sich die⸗ und Nebel schon von ihren Heimatsdörfern zum am 8. November 1899 dem Sachsenhäuser felbe mit jeder Stufe, die wir auf der Beamten⸗ Gießener Bahnhof pilgern, auch verdenken, wenn Schimpfspezialisten Hirschel den Laufpaß geben, und Unterbeamten⸗Leiter nach unten gehen, bis sie nach mehrstündiger Arbeit sich ein Stück daß ihm das Wiederkommen ein für allemal sie bei den Eisenbahn arbeitern den höchsten] warme Wurst, ein Stück warmes Fleisch oder verleidet wird. Grcd erreicht. sonst irgend eine Kleinigkeit zum Frühstück holen Und nun, an die Arbeit, Partei⸗ a Den Eisenbahnarbeitern hat die Verwaltung ließen! Sie waren ja gar nicht in der Lage, genossen! Diesmal heißt es nicht nur viele Pflichten auferlegt und ein hohes Maaß! sich selbst etwas zu kaufen auf dem Weg zum] kämpfen, diesmal heißt es auch siegen! ccc Seite 2. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr 42. Politische Rundschau. Gießen, den 13. Oktober. Die Feigheit der bürgerlichen Presse. Außer etwa einem halben Dutzend demo⸗ kratischer und Zentrums⸗ Blätter hat sich die gesamte bürgerliche Presse über die furchtbaren Magdeburger Urteile gegen unsere Genossen Schmidt und Müller ausgeschwiegen. Sie hat kurz Notiz davon genommen,, daß an dem und dem Tage das und das Urteil gefällt wurde; damit ist für die Bourgeois Presse die Sache erledigt. Sie weiß kein Wort der Entrüstung zu sagen— kein Wort, daß es unerhört ist, am Ende des 19. Jahrhunderts zwei Ehrenmänner wegen einer Majestäts⸗ beleidigung auf mehr als 7 Jahre in's Ge⸗ fängnis zu sperren. Wie gesagt, kein Wort der Entrüstung. Damit vergleiche man das jahrelange Gewimmer und Gewinsel über Dreyfus, das unschuldige Opfer französi⸗ scher Militärjustiz. Allerdings— Dreyfus ist ein Bourgeois, er gehört einer reichen Familie an, seine Stammesgenossen sind vielfach ton⸗ angebend in der Presse Europas. Müller und Schmidt aber— pah!— ein paar arme Teufel, dazu Sozialdemokraten. Wer wird ihretwegen sich wohl aufregen. Und dann ist es ja die deutsche Justiz, der Stolz eines jeden teuto⸗ nischen Bierbankpolitikers, die hier in Frage kommt. Wer wird denn gegen ein deutsches Gericht, gegen deutsche Institutionen etwas sagen! Was geht das die bürgerliche Presse an! Sie hat besseres zu thun. Sie hat, nach⸗ dem der Dreyfusprozeß beendigt, sich als Hüterin der Moral und der Gerechtigkeit zu erheben gegen die Hallunkenjustiz in Serbien, wo wegen angeblicher Beteiligung an einem Attentat und wegen Majestätsbeleidigung die Führer der Oppositionspartei im Kerker begraben werden. O, diese tapfere, wahrheits⸗ und gerechtigkeits⸗ liebende, deutsche Presse! Wie wußte sie tapfer zu schmähen über die Generalstabs⸗„Banditen“ in Rennes und wie gießt sie die Schale ihres Zornes aus über Milans Bluthunde in Belgrad! Aber für eine ruhige, sachliche Erörterung, ja, nur für eine ausführliche Darstellung der beiden Magdeburger Majestätsbeleidigungs-Prozesse fehlt der Anlaß und fehlt der Raum. Es sind sechsunddreißig Jahre verflossen, seitdem Ferdinand Lassalle im„Bastiat⸗Schulze“ über die bürgerliche Presse schrieb:„Unser Hauptfeind, der Hauptfeind aller gesunden Entwicklung des deutschen Volkstums, das ist heutzutage die bürgerliche Presse! Diese Presse ist in dem Entwicklungsstadium, auf dem sie angelangt ist, der gefährlichste, der wahre Feind des Volkes, ein um so gefährlicherer, als er verkappt auftritt. Ihre Lügenhaftigkeit, ihre Verkommenheit, ihre Unsittlichkeit werden von nichts anderem überboten als viel⸗ leicht von ihrer Unwissenheit!“ Das hat die bürgerliche Presse in der Magde⸗ burger Majestätsbeleidigungsaffaire wieder voll⸗ inhaltlich bewiesen, nur mit dem Unterschied, daß diesmal nicht ihre Unwissenheit, sondern ihre Feigheit den Ausschlag gab.— Ein frommer Stoßseufzer. Ueber den famosen Spieler-Prozeß der „Harmlosen“, von dem wir bereits in voriger Nummer kurz Notiz nahmen, schreibt der frumbe„Reichsbote“ des Pastor Engel. Das heilige Blatt ist ganz entsetzt über die Schlechtig⸗ keit dieser argen Welt und thut so, als habe es von all diesen Schändlichkeiten bisher auch nicht die blasseste Ahnung gehabt. Wir lesen: „Was ist das fur eine Jugend! Mit Spiel, Weibern und Pferden vergeudet sie ihre Zeit, ihr Geld und, was mehr ist, ihre Sittlichkeit, ihr Gewissen— und brüstet sich dabei noch mit gewissen Ehrbegriffen. Wo ist da noch Platz für edles Thun, für Fortbildung, für ernste wissenschaftliche Arbeit?— Und nun deuke man sich, daß solche Leute vielleicht einmal hohe Beamte werden, die im Auftrage des Staates für Sitte, Religion und Ordnung ein⸗ treten sollen! Wie kann das dann mit wirklichem, sittlichem Ernst geschehen und muß es nicht das Gegenteil bewirken, wenn dahinter ein böses Gewissen steht, welches dann überall durchblickt und vom Volke empfunden wird! Und was sind das für Eltern, die ihren leichtsinnigen Söhnen das Geld scheffelweise in den Schoß werfen zur Weiterführung ihres liderlichen Lebens! Was sollen da so manche arme Leute denken, die in harter Arbeit nicht einmal so viel erringen können, womit sie ihre Familien kümmerlich zu ernähren vermögen, wenn sie hier sehen und hören, wie von solchen jungen Leuten Zehntausende für Spiel, Maitressen und üppiges Leben weggeworfen werden! So „harmlos“, wie diese Leute denken, ist dieses frivole Spiel in unserer Zeit nicht und ihr herausforderndes Benehmen vor Gericht, aus dem man überall heraushörte:„was geht das Euch eigentlich an, was wir mit unserer Zeit und unserem Gelde anfangen“, macht den Ein⸗ druck nur um so widerwärtiger.“ Zehn Jahre Zonentarif. Zehn Jahre sind verflossen, seit der unga⸗ rische Minister Gabriel Baroß den Versuch wagte, den Zonentarif für den Eisenbahnverkehr einzuführen und damit eine bahnbrechende Reform des Verkehrswesens einzuleiten. Heute kann man sagen, daß dieser Versuch glänzend ge⸗ lungen ist und daß diese That des Handels⸗ ministers eines sonst sehr rückständigen Landes das Verkehrsleben mächtig gefördert hat. Be⸗ deutende Theoretiker des Verkehrswesens waren gegen das Wagnis, und es schien fast, als ob sich Ungarn in ein kostspieliges Abenteuer stürze, das von ganz falschen Erwägungen diktiert sei und in seiner Durchführung das Staatsbudget schwer schädigen werde. Anfangs machte sich die Sache auch so, als ob die Warner Recht behalten sollten— trotz der wesentlich bil⸗ liger gewordenen Fahrpreise hob sich der Ver⸗ kehr nicht. Aber schon in wenigen Monaten änderte sich das Bild. Der Verkehr hob sich in ungeahnter Weise. Im Jahre 1888 wurden von den ungarischen Bahnen 5047500 Personen befördert, im Jahre 1896 aber nicht weniger als 33 146 400. Die Einnahmen aber stiegen während dieser Zeit von 6811 000 fl. auf 21472000 fl. Der Erfolg des Zonen⸗ tarifs ist also ein durchschlagender, und er wird allerorten, wo man heute dem Beispiel Ungarns schon gefolgt ist, um so größer werden, je konsequenter man die einmal betretene Bahn einhält. Bei uns hört man von der Absicht, ebensolche Fortschritte zu machen, nichts. Die Reaktionäre fürchten den Revolutionär Eisenbahn. Und sie haben Recht. Um so mehr thut Not, 1 die Herrschaft der Reaktionäre gebrochen wird.— Die Junkertrabauten. Mit dem Verlauf des antisemitischen Parteitags ist die Junkerpresse einver⸗ standen und das führende Organ der Agrarier, die„Deutsche Tagesztg.“ Die letztere schreibt: „Das Hauptergebnis des deutschsozialen Parteitages scheint uns die bedeutsame Rede des Abg. Liebermann von Sonnenberg zu sein. Dadurch, daß der Parteitag ihn fast einstinmig wieder zum Vorsitzenden wählte, hat er sich zu den von Liebermann ent⸗ wickelten Grundsätzen bekannt; denn Abg. von Liebermann hatte ausdrücklich gebeten, daß nur diejenigen ihm ihre Stimme geben möchten, welche mit seinen Ausführungen einverstanden seien. Es wäre ein großer Segen, wenn diese Liebermannschen Ge⸗ danken allenthalben in Thaten umgesetzt würden.... Das, was sie von den Konser⸗ vativen trennt, ist so wenig, daß eine Verständigung wohl möglich sein müßte. Der „Bund der Landwirte“ hat zu den Führern der deutschsozialen Reformpartei und auch zur Partei selbst fast immer in einem freundschaftlichen Verhältnis gestanden.“ And diese antisemitische Gesellschaft, mit denen die Junker, die preußischen Schnaps⸗ brenner, Wahlrechts feinde und Zuchthaus⸗ freunde so zufrieden sind, bewerben sich um ein Mandat im Gießener Landkreis, der fast ausschließlich von Industriearbeitern und Kleinbauern bewohnt ist!. Preußische Unglücksbahnen. Das furchtbare Eisenbahn⸗Unglück auf dem Klosterthorbahnhof in Hamburg wird nicht in letzter Instanz auf die bei der Eisenbahn⸗Ver⸗ waltung obwaltende„Sparsamkeit“ zurückge⸗ führt. Ein königlicher Stationsbeamter schrieb unserem Hamburger Parteiblatt nach dem furchtbaren Unglück: „Als das Entsetzliche geschehen war, hieß es unter allen Beamten des Bahnhofes Klosterthor:„So muß es erst kommen!“ Das bedeutet Folgendes: Ich schwöre Ihnen, Herr Redakteur, daß ein mini⸗ sterieller Erlaß von diesem Sommer ausdrücklich vor⸗ schreibt:„Alle im vorigen Jahre anläßlich der U n⸗ fälle mehr eingestellten Beamten sind thunlichst wieder zurückzuziehen.“ Infolge davon sind z. B. die drei Betriebs⸗ kontroleure der Direktion Altona seit längerer Zeit fast täglich unterwegs, um festzustellen, wo hier noch ein Stations⸗Assistent, dert ein Rangiermeister oder Weichensteller, hier wieder ein Portier ꝛc. zu ersparen ist! Bedenkt man dann, daß infolge der Bahnsteig⸗ sperre an den Zügen fast keine Schaffner mehr sind, so ist es geradezu ein Wunder, wenn unter dem unerhörten Sparsystem Miquel⸗ Thielen nicht noch viel mehr Unglück passiert! Ueber diesen Erlaß werden die etwa in den Anklage⸗ zustand versetzten Stationsbeamten demnächst vor Gericht befragt werden müssen, damit die wahren Schuldigen endlich einmal entlarvt werden.“ Das ist ein trefflicher Beitrag zu den in unserm heutigen Leitartikel gemachten Aus⸗ führungen. Die Bedeutungslosigkeit der Antisemiten. In einem Rückblick auf den Hamburger Parteitag der Antisemiten schreibt die„Nat.⸗ Lib. Corresp.“:„Die Antisemiten haben bereits bei den Reichstagswahlen im Sommer 1898 ihren politischen Zusammenbruch erlebt. Ihre Wahlstimmen sind von 263 861 auf 242874 zurückgegangen; von 16 Kreisen ihres vorherigen Besitzstandes haben ste nur 11 behauptet, dazu haben sie 2 neue Kreise erobert; im ganzen be⸗ sitzen ste also 13 Mandate. Der Hamburger Parteitag ist das platte Zugeständnis des poli⸗ tischen Bankerotts. Man sucht vergeblich nach einem ähnlich skandalösen— Abschied von den ernsthaften politischen Kreisen. Wenn wir sagten, daß der Besitzstand nach den Juniwahlen von 1898 noch auf 13 Mandate sich belief, so will damit nicht gesagt sein, daß die 13 ge⸗ wählten Antisemiten auch zusammengehöxren und zusammenpassen. Der Fraktion schlossen sich überhaupt nur zehn an, die anderen drei ordneten sich von vornherein keinem gemeinsamen Be⸗ kenntnis unter. Aber auch der zehn Fraktio⸗ nellen waren so viel Köpfe, so viel politische Sondergeister. Die verflosseue Reichstagssession hat allgemein erkennen lassen, daß diese inner⸗ lich durch nichts zusammengehaltene Gesellschaft auf parlamentarischem Arbeitsgebiet in jeder Hinsicht bedeutungslos geworden ist.“ Das Urteil ist zutreffend, obwohl es von nationalliberaler Seite gefällt wird. An Zer⸗ fahrenheit, Waschlappigkeit und Uneinigkeit können sich die Nationalliberalen ganz gut mit den Antisemiten messen. Unser Parteitag. s. Zum 10. Male seit dem Fall des Sozialisten⸗ gesetzes ist der Parteitag der deutschen Sozialdemokratie zusammengetreten und zwar diesmal in Hannover. Die dortigen Genossen hatten zu Ehren der Delegierten am Sonntag im Konzerthaus des Palmengartens eine Begrüßungsfeier arrangiert, an der viele Tausend Partei⸗ genossen ans Hannover teilnahmen. Der Reichstagsabg. für Hannover, Gen. Meister, begrüßte die Delegierten in herzlicher Weise und sprach den Wunsch aus, daß auch der heurige Parteitag einen würdigen Markstein für die deutsche Sozialdemokratie bilden möge. Namens der Delegierten dankte der Abg. Froh me⸗ Altona für den herzlichen Empfang. Er wies auf die er 0 Uuharg al buen bahn fun at 0, 2 J wache dle Au unens slet, gen uten n ls Hel bum 1 mie Sing ad das: 55 Naher ume Große 9 kuugt d dacht lieh der Naglled Ihnen g auch! spiele uud abe einer ie Ic. 6 Den Auer! Nichte bolllegen lch mit Jatteibo Zuchthar euen det Löb Sewerks da fur keine 1 6, oh eint di schen A an der im Sin Ge. die Hau haben. erich 400 O00 lber er fe lab lhate rg 1 1. Nacht PPP — 1); d 6 00 . b: 90 im mini⸗ lic bor⸗ der Un⸗ ulli Betriebz⸗ rer Zeit dier noch ster oder ersparen ahnseig⸗ haffner r, wenn Miquel basstert! Afllage⸗ hst vor pahren .“ . den in 1 Aus⸗ r burget „Nat. bereits r 1898 Ihle 242874 herigen , dazu fen be⸗ mburger 08 poll ich nac on den un U wahlen lief, b e 13 ge⸗ ren ud sen sch ordneten 5 ratio f esel e inne elch in fe eb bol An gel. it kinel nit den betet. Nr. 42. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 8. Ehrenstelle hin, die die sozialdemokratische Hochburg Hannorer von jeher in der modernen Arbeiterbewegung eingenommen habe. Der Parteitag habe schwere Ar⸗ beiten zu erledigen, aber er werde sie erledigen und zwar so, daß das Ergebnis dem kämpfenden Proletariat zum Nutzen gereichen würde. Gesangsvorträge Han⸗ noverscher Arbeitervereine und Konzert einer tüchtigen Kapelle sorgten für gediegene Unterhaltung.— Am Montag früh 9 Uhr wurde dann der Parteitag Namens des Parteivorstandes von Gen. Singer er⸗ öffnet. Zu Vorsitzenden wurden Singer und Blume⸗ Hamburg gewählt. Zu Schriftführern wurden 9 Ge⸗ nossen aus den verschiedensten Teilen des Reichs gewählt. Uns Hessen vertritt Müller⸗Darmstadt. Die Nummer⸗ kommission, die die Mandate und etwaige Beschwerden zu prüfen hat, wird in ähnlicher Weise zusammengesetzt. Singer begrüßt dann die ausländischen Gäste. Es sind das: Adler⸗Wien, Vliegen und Keuther aus Holland, Lindblatt⸗ Stockholm, einige Schweizer Genossen und Dietzgen⸗Chicago. Adler, Vliegen, Lindblatt und Dietzgen übermitteln die Grüße von den Genossen ihrer Länder. Große Heiterkeit rief Dietzgen⸗Chicago hervor. Er über⸗ bringt die Grüße beider sozialistischen Parteien der Vereinigten Staaten. Er könne das, denn er sei Mit⸗ glied der einen Partei und seine hier anwesende Frau Mitglied der anderen.(Große Heiterkeit.) Das kommt Ihnen gewiß etwas komisch vor.(Heiterkeit.) Wir wären ja auch längst geschiedene Lente(Heiterkeit), wenn prin⸗ zipielle Unterschiede zwischen uns vorhanden wären. Es sind aber nur taktische Verschiedenheiten und solche dürfen in einer Partei ruhig bestehen, wenn nur das Gefühl prinzipieller Zusammengehörigkeit nicht darüber verloren geht.(Lebhafter Beifall.) Den Geschäftsbericht des Vorstandes erstatteten Auer und Gerisch. Beide wiesen auf die gedruckten Berichte hin, ergänzten dieselben und gingen auf die vorliegenden Anträge ein. Auer beschäftigte sich nament⸗ lich mit einem Antrag der Dresdener Genossen, den Parteivorstand zu tadeln, weil er nicht die Löbtauer Zuchthausopfer mit in der Monatsliste der Opfer des „neuen Kurses“ aufgeführt habe. Auer bestreitet, daß der Löbtauer Exzeß mit der sozialdemokratischen oder Gewerkschafts⸗Bewegung in Zusammenhang stehe. Ueber das furchtbare Urteil selbst bestehe in unseren Kreisen keine Meinungsverschiedenheit. Etwas anderes aber sei es, ob die Löbtauer in unsere Liste gehören. Auer ver⸗ neint diese Frage und bittet alle auf diesen Fall bezüg⸗ lichen Anträge abzulehnen.— Nach längerer Diskussion, an der sich namentlich Ledebaur⸗Dresden beteiligt, wird im Sinne Auers beschlossen. Gerisch erläuterte den Kassenbericht, aus dem wir die Hauptziffern schon vor mehreren Wochen mitgeteilt haben. Interessant dürften noch folgende Angaben Gerisch's sein: Unsere Parteiblätter haben insgesamt 400 000 Abonnenten und nehmen für Abonnements⸗ gelder und Inserate Mk. 3 740 000 ein. Auf Antrag der Kontrolleure wurde dem Parteivorstand einstimmig Decharge erteilt. Ueber die Thätigkeit der Reichstagsfraktion berichtet der Abg. Hoch. An seinen Vortrag knüpfte sich eine lebhafte Diskussion. Zur Annahme kamen folgende Anträge: 1.„Die Reichstags⸗ Fraktion wird beauftragt, im Reichstag dahin zu wirken: a) In dem§ 46 des Krankenversicherungs⸗Gesetzes im 1. Absatz die Worte„innerhalb des Bezirks einer Aufsichtsbehörde“ zu streichen. b) Im§ 137 der Gewerbeordnung den 5. Absatz zu streichen und dafür zu setzen: „Wöchnerinnen dürfen während sechs Wochen nach ihrer Niederkunft überhaupt nicht beschäftigt werden.“ c) Bei§S 119 a der Gewerbe⸗Ordnung ist zu setzen: „Zuwiderhandlungen werden bestraft.“ 2. Die sozialdemokratische Reichstags⸗Fraktion hat bei Beratung des neuen Post⸗Zeitungsgesetzes dafür ein⸗ zutreten, daß es ausdrücklich Jedermann frei gestellt wird, an Wochentagen, sowie an Sonntagen und Fest⸗ tagen gleich den Briefträgern der Kaiserlichen Reichspost zu den für den Gewerbebetrieb freigegebenen Stunden Zeitungen an Abonnenten auszutragen. Pfannkuch sprach dann kurz über die Maifeier 1900. Die von ihm vorgeschlagene Resolution fand einstimmige Annahme. Die Feier des 1. Mai wird also auch im kommenden Jahre in der seitherigen Weise begangen werden. Liebknecht referirte alsdann über den nächsten internationalen Kongreß. Ursprünglich sollte der Kongreß in Deutschland tagen. Da jedoch die politischen Zustände in Deutschland derart sind, daß wir unseren ausländischen Genossen kein sicheres Asyl gewährleisten können, muß der Kongreß in Paris tagen. Die von Liebknecht vorgeschlagene und einstimmig angenommene Resolution hat solgenden Wortlaut: Der Parc be⸗ schließt, die deutschen Genossen zur Bekundung des inter⸗ nationalen Solidaritätsgefühls zur möglichst zahlreichen Beschickung des„Internationalen Arbeiterkongresses“ auf⸗ zufordern, der im Herbst des nächsten Jahres(1900) zu Paris sich versammeln wird. Es wird hierauf seitens der Mandatsprüfungs⸗ Kommission Bericht erstattet. Anwesend sind 200 Dele⸗ gierte und etwa 40 Reichstagsabgeordnete. Von letzteren sind alle bekannteren Genossen anwesend. Am Dienstag Morgen begann die Aufrollung der Bernsteinfrage. Bebel war Referent. Er sprach Vormittags 4 Stunden an einer Tour und nach der Mittagspause weitere zwei Stunden. Er berührte in seinen 6stündigen Ausführungen alle von Bernstein an⸗ geschnittenen Fragen. Seine Rede war ein Mtisterstück. Und als Bebel mit den Worten schloß: Wir bleiben, was wir waren, da wollte der Beifall kein Ende nehmen. Bebel schlägt folgende Resolution vor: „Die bisherige Entwickelung der bürgerlichen Gesell⸗ schaft giebt der Partei keine Veranlassung, ihre Grund— anschauungen über dieselbe aufzugeben oder zu ändern. Die Partei steht nach wie vor auf dem Boden des Klassenkampfs, wonach die Befreiung der Arbeiterklasse nur ihr eigenes Werk sein kann, und betrachtet es dem⸗ zufolge als geschichtliche Aufgabe der Arbeiterklasse, die politische Macht zu erobern, um mit Hilfe derselben durch Vergesellschaftung der Produktionsmittel und Einführung der sozialistischen Produktions- und Austauschweise die größtmögliche Wohlfahrt Aller zu begründen. Um dieses Ziel zu erreichen, benutzt die Partei jedes mit ihren Grundanschauungen vereinbare Mittel, das ihr Erfolg verspricht. Ohne sich über das Wesen und den Charakter der bürgerlichen Parteien als Vertreter und Verfechter der bestehenden Staats- und Gesellschafts⸗ ordnung zu tänschen, lehnt sie ein Zusammengehen mit solchen von Fall zu Fall nicht ab, sobald es sich um Stärkung der Partei bei Wahlen, oder um Erweiterung der politischen Rechte und Freiheiten des Volkes, oder um eine ernsthafte Verbesserung der sozialen Lage der Arbeiterklasse und der Förderung von Kulturaufgaben, oder um Bekämpfung arbeiter⸗ und volksfeindlicher Be⸗ strebungen handelt. Aber die Partei bewahrt sich überall in ihrer Thätigkeit ihre volle Selbständigkeit und Un⸗ abhängigkeit und betrachtet jeden Erfolg, den sie erringt, nur als einen Schritt, der sie ihrem Endziel näher bringt. Die Partei steht der Gründung von Wirtschafts⸗ genossenschaften neutral gegenüber; sie erachtet die Grün⸗ dung solcher Genossenschaften, vorausgesetzt, daß die dazu nötigen Vorbedingungen vorhanden sind, als geeignet, in der wirtschaftlichen Lage ihrer Mitglieder Verbesse⸗ rungen herbeizuführen, sie sieht auch in der Gründung solcher Genossenschaften, wie in jeder Organisation der Arbeiter zur Wahrung und Förderung ihrer Interessen, ein geeignetes Mittel zur Erziehung der Arbeiterklasse zur selbständigen Leitung ihrer Angelegenheiten, aber sie mißt diesen Wirtschaftsgenossenschaften keine ent⸗ scheidende Bedeutung bei für die Befreiung der Arbeiter⸗ klasse aus den Fesseln der Lohnstlaverei. In der Bekämpfung des Militarismus zu Wasser und zu Lande und der Kolonialpolitik beharrt die Partei auf ihrem bisherigen Standpunkt. Ebenso verbleibt sie bei ihrer bisherigen internationalen Politik, die auf eine Verständigung und Verbrüderung der Völker, in erster Linie der Arbeiterklasse in den verschiedenen Kultur⸗ ländern, abzielt, um auf dem Boden einer allgemeinen Föderation die Lösung der gemeinsamen Kulturaufgaben herbeizuführen. Nach all diesem liegt für die Partei kein Grund vor, weder ihr Programm, noch ihre Taktik, noch ihren Namen zu ändern, und sie weist jeden Versuch ent⸗ schieden zurück, der darauf hinausgeht, ihre Stellung gegenüber der bestehenden Staats- und Gesellschafts⸗ ordnung und den bürgerlichen Parteien zu verschleiern oder zu verrücken.“ Nach Bebel nahm Dr. David das Wort. Er bekennt sich zu Bernstein in vielen Fragen und hält fich deshalb verpflichtet, den in der Verbannung lebenden Genossen zu vertreten. Er sprach am Dienstag Nach⸗ mittag 2 und am Mittwoch Morgen noch eine weitere Stunde. Nach ihm kam Genossin Zietz-Hamburg zum Wort, die gegen Bernstein Stellung nahm. Dr. Wolt⸗ mann⸗Barmen und Fendrich-Karlsruhe stehen in der Hauptsache für Bernstein ein, gegen den Liebknecht energisch Stellung nahm. Eine Einladung der Hannoverschen Parteigenoss en zu einem Ausflug am Donnerstag Nachmittag mußte der Parteitag mit Rücksicht auf die Geschäftslage dankend ablehnen.(Schluß in nächster Nummer.) Von Rah und Lern. Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind jederzeit willkommen Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissen⸗ haftigkeit bei Uebermittelung von Nachrichten.— Wir bitten alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben. Die vereinigte Reaktion. * In der„Frankf. Ztg.“ finden wir fol⸗ gende bezeichnende Mitteilung: „Die Nationalliberalen und Auti⸗ semiten wollen im Landtagswahlkreis Darmstadt⸗Land als gemeinsamen Kan⸗ didaten den Regierungsrat Noack auf⸗ stellen, um den von den Sozialdemokraten sehr gefährdeten Wahlkreis für die bürger⸗ lichen Parteien zu retten und ein Vorbild der Einigung aller bürgerlichen Parteien gegen die Sozialdemokratie für das ganze Land zu geben. Regierungsrat Noack hat sich bereit erklärt, jedenfalls die Kandidatur anzu⸗ nehmen.“ Um die einzige Partei, die es mit dem Fortschritt auf allen Gebieten ehrlich meint, die wirklich im Interesse des arbeitenden Volkes nach vorwärts drängt, die gleiches Recht für Alle erstrebt, um die Sozialdemo⸗ kratie niederzuhalten, verbünden sich Anti⸗ semiten mit Nationalliberalen! Das hätten sie längst thun sollen, denn beide gehören zu⸗ sammen, beide sind Reaktionäre. Für uns kann nichts wünschenswerter sein, als daß sich unsere Gegner immer mehr zusammenschließen. Das Kampffeld wird klarer abgegrenzt, der Kampf für uns leichter. Dort die vereinigte Rückwärtserei, bei uns die Vertreter des Fort⸗ schritts. Wer kann da aus dem arbeitenden Volk im Zweifel sein, auf welche Seite er sich zu stellen hat? Herr Leun will nicht. * Der„Kleinen Presse“ hat Herr Bürger⸗ meister Leun in Großen⸗Linden einige Zeilen geschickt, die auch für unsere Leser von Inter⸗ esse sind: Geehrte Redaktion! In Nr. 234 Ihres geschätzten Blattes bringen Sie einen Artikel aus Gießen über die Land⸗ tagswahl, der zwar aus zuverlässigster Quelle stammen soll, jedoch sehr unzuverlässig ist. Die Landgemeinden, die hier in Betracht kommen, teilen sich bekanntlich im Wesentlichsten in zwei große Parteien— Antisemiten und Sozial⸗ demokraten— und diese haben ihre Kandidaten aufgestellt. Von einer weiteren Kandidatur kann deshalb unmöglich die Rede sein. Bitte lassen Sie künftig bei derartigen Undingen meinen Namen außer Betracht. Hochachtend! Leun, Bürgermeister. Damit hat Herr Leun unzweideutig erklärt, daß er nicht kandidieren wird. Zwischen den Puffern. Wie der„Köln. V.⸗Ztg.“ gemeldet wird, steht für die Ausschußsitzung des Gesamtverbandes der evangelischen Arbeitervereine Deutschlands am 18. Oktober in Eisenach der Ausschluß des Pastors Naumann auf der Tagesordnung. Herr Naumann ist aus den evangelischen Arbeiter— vereinen hervorgegangen. Jetzt wird er einsehen, daß alle Christlichkeit, aller Monarchismus, alle Flottenbegeisterung nicht vor der Aechtung schützt, wenn man etwas ernsthaft für Sozial⸗ reform eintritt. Für die herrschende Klasse ist nicht nur christlich-sozial, sondern auch national⸗ sozial„Unsinn“. Entweder— oder, auch Herrn Naumanns Sammelpolitik muß an den harten, unversönlichen Widersprüchen und Gegensätzen scheitern.— Einführung in die sozial istischen Lehren. * Im Frankfurter sozialdemokratischen Verein hielt Genosse Kampffmeyer einen Vortrag, über die„Einführung in die sozialistischen Lehren und Litteratur“. Wir stimmen ihm zu, wenn er die unten angegebenen kleinen und billigen Schriftchen als sehr geeignet empfiehlt, die zusammen den ganzen Kern der sozialdemokratischen Lehren ent⸗ halten, wenn auch einige darin niedergesetzten Theorien und Forderungen inzwischen überwunden seien. Es sind dies folgende kleine Schriftchen: Marx-Engels: Das kommunistische Manifest; Marx: Lohnarbeit und Kapital. Lassalle: Arbeiter- Programm, Offenes Antwortschreiben und Arbeiter— lesebuch; ferner Fr. Engels: Von der Utopie zur Wissenschaft. Das Darmstädter Arbeitersekretariat. * Der Sekretär des von den organisierten Ar— beitern Darmstadts begründeten Arbeitersekretariats, Gen. Ph. Müller, erstattet folgenden Bericht über PAE Seite 4. Mitieldeutsche Sonntags⸗Zeitung Nr. 42. die Juanspruchnahme des Sekretariats:„In den Monaten August und September war das Bureau an 26 Tagen für das Publikum zugänglich und wurde dasselbe von 334 und zwar von 57 weib⸗ lichen und 277 männlichen Personen in Anspruch genommen. Dabei wurden folgende Fälle erledigt: Gewerbestreitigkeiten(55 mündlich und 12 schrift— lich), Krankenkassen-, Unfall-, Invaliditäts- und Altersversicherungssachen(46 mündlich und 35 schriftlich), Vormundschafts-, Verehelichungs⸗, Erb⸗ schafts, Heimats-, Miets-, Steuer-, Militär- und Strafsachen(109 mündlich und 74 schriftlich). Von den Besuchern waren 56 gewerkschaftlich organisiert, in der Partei organisiert 70 Besucher, von Letzteren waren 22 auch gewerkschaftlich or— ganisiert. Aus Darmstadt haben 210 Personen unser Institut in Anspruch genommen, von Aus— wärts 124 Personen. Eingelaufen sind 35 Schrift⸗ stücke, bei welchen wiederum vielfach doppelte und dreifache Ausfertigung notwendig wurde, welche hier nicht mit eingerechnet sind.“— Wie an anderen Orten, so hat sich also auch in unserer hessischen Hauptstadt das Arbeitersekretariat auf das erfreulichste entwickelt und sehr segensreich gewirkt. Im baierischen Landtag haben bei den Debatten über die Abwendung der Hochwassergefahren die beiden neuge⸗ wählten sozialdemokratischen Abgeord— neten Müller und Schmidt Gelegenheit gefunden, sich mit vortrefflichen Reden im Hause einzu⸗ führen. Die beiden Genossen haben das Hoch⸗ wassergebiet selbst besucht und konnten somit aus eigener Anschauung urteilen. Müller rügte die verfehlte Anlage von Bahndämmen, welche gradezu Hochwassergefahren herbeiführen, ferner die Kopflosigkeit der Behörden bei Ein⸗ tritt der Katastrophe, die Verwahrlosung des Uferschutzes durch den Forstärar; der Redner belegte seine Anklagen durch drastische Beispiele. Gründliche Revision der einschlägigen Ge— setzgebung fordere die Sozialdemokratie. Der Staat müsse sich seiner sozialen Pflicht bewußt werden, die Kammer darf sich nicht mit einer Flickerei begnügen, es muß systematisch in allen Zweigen der Staatsverwaltung gearbeitet werden, um solche Katastrophen so viel als möglich abzuwehren. Dem schloß sich Schmidt an. Er verlangte insbesondere ausreichende Hülfe für die durch die Katastrophe brotlos gewordenen Arbeiter. Aberglauben. Als, ein Zeichen, wie Dummheit und Aber— glauben vielfach noch das Gehirn der Menschen beherrschen, soll folgende Geschichte gelten. In einem Dorfe des Dillkreises geschah es, daß das kleine Kind eines Einwohners durch anhalten— des Schreien kund gab, daß etwas nicht in der Ordnung bei ihm war. Höchstwahrscheinlich war eine Verdauungsstörung eingetreten, die eine Darm— entzündung nach sich zog. Sachverständige Hilfe suchte mau gar nicht nach, sondern man wandte sich an einen—„Hexenmeister“, da das Kind behext sein sollte. Der Hexenmeister konnte wahr— scheinlich nichts ausrichten und so schrie das arme Kind mehrere Wochen lang weiter, dann starb es.—„Und das ist geschehen am Ende des 19. Jahrhunderts“— fügt ein Blatt aus dem Dill— kreis hinzu. Ja, sind denn nicht unzählige Fak— toren ständig an der Arbeit, um das Volk immer mehr zu verdummen? Sehen wir denn nicht tagtäglich, wie über die Bestrebungen der Sozial— demokratie, Aufklärung in die Massen zu bringen, von den Amts- und Unternehmerblätter die erbärmlichsten Lügen und Verleumdungen in die Welt posaunt werden? Unentgeltliche Lehrmittel. * Einen erfreulichen Schritt auf dem Wege zur Unentgeltlichkeit der Lehrmittel hat der Ge⸗ meinderat von Feuerbach bei Stuttgart in seiner letzten Sitzung gemacht. Auf Antrag des sozial— demokratischen Gemeinderats Epple, der Mitglied der Ortsschulbehörde ist, wurde mit 13 gegen 4 Stimmen beschlossen, vorerst probeweise auf ein Jahr alle Schulbücher, Hefte und andere Schreib— materialien von Gemeindewegen anzuschaffen und zum Selbstkostenpreis an die Volksschüler abzu— geben. Ein Lehrer soll die Verwaltung über— nehmen.— Wir sind sicher, daß wenn dieser Be⸗ schluß in koulanter Weise durchgeführt wird, auch die Gegner der Unentgeltlichkeit der Lehrmittel überzeugt werden, daß es im Interesse des größten Teils der Einwohnerschaft und gerade des weniger bemittelten ist, wenn in dieser Beziehung die Ge— meinde vollständig eintritt. Für die Gesamtheit wird nämlich die Beschaffung der Lehrmittel, die für den Familienvater, der mehrere Kinder hat, eine fast unerträgliche Last ist, zur Kleinigkeit. Und die Gesamtheit hat die Pflicht, die Mittel zur Bildung der Kinder des Volkes zu beschaffen, nicht nur weil sie die Kinder zur Schule zwingt, sondern weil sie auch den größten Nutzen von der besseren Bildung des arbeitenden Volkes hat. Daß man den Soldaten Säbel, Gewehre und Munition zum Schießen, Nahrung und Kleidung zum Leben stellt, das betrachtet man als selbstverständlich, daß man aber auch den Schülern Bücher, Hefte und Federn zum Lernen stellt, daß kann man nicht begreifen— im Militärstaat. Ueber Verjährungssristen bestimmt das mit Jan. 1900 in Krast tretende Bürger⸗ liche Eesetzbuch folgendes: Die Verjährung be— ginnt mit der Entstehung des Anspruchs, also bei Lieferungen vom Tage der Lieferung ab; bei Leistungen mit Kündigungsfristen natürlich erst mit dem Ablauf der Kündigungsfrist. In 2 Jahren verjähren alle Forderungen von Kaufleuten Fa— brikanten, Handwerkern und derjenigen, welche ein Kunstgewerbe betreiben, für Lieferungen von Waren, Ausführung von Arbeiten und Besorgung fremder Geschäfte mit Einschluß der Auslagen, sofern die Leistungen für den Privatgebrauch des Schuldners bestimmt waren. Erfolgt die Lieferung für den Gewerbebetrieb des Schuldners, so verjährt die Ferderung in 4 Jahren. Es sollen sich in Folge dessen Kaufleute beeilen, Forderungen, die sie an andere Kaufleute haben, einzuklagen. Bisher be— trug diese Verjährungsfrist 30 Jahre. In 3 Jahren verjähren die Ansprüche auf Schaden— ersatz aus unerlaubten Handlungen, wie mutwillige oder unbeabsichtigte Zerstörungen irgend einer Sache und in 4 Jahren verjähren die Ausprüche aus rückständigen Zinsen, sowohl vereinbarte, als Verzugszinsen und soustige gesetzliche Zinsen, wie Miet- und Pachtzinsen usw. Da vom 1. Januar ab bereits das Recht nach dem neuen Bürgerlichen Gesetzbuch gehandhabt und gesprochen wird, empfiehlt es sich, in der kurzen Zeit bis zum Ende des Jahres alle ausständigen Forderungen einzu— ziehen oder den Klageweg noch vor dem J. Januar für diejenigen Posten, welche der neuen Ver— jährungsfrist von nur 2— 4 Jahren unterliegen, zu beschreiten. Durch Einleitung der Klage wird die Verjährung unterbrochen. Eine hoffnungsvolle Jugend. Eine Messeraffaire unter vierzehnjährigen Gymnasialschülern wurde vor dem Schöffeugericht in Neustadt, Pfalz, verhandelt. Am Frohnleich— nahmstage vergnügte sich eine Anzahl solcher Jungen in Königsbach im Garten einer Witwe mit Schießen aus einem Flobertgewehr; dabei be⸗ kam der Sohn des Hauses mit einem Mitschüler Streit und ließ sich von einem zu Besuch an— wesenden Jungen aus Mannheim ein Dolchmesser geben, welches er im Verlauf des Streites seinem Kameraden fünf Centimeter tief in den Rücken stieß. Da vom Gericht Notwehr in Betracht ge— zogen wurde, erfolgte Freisprechung. Der Eigen— tümer des Dolches, 1885 geboren, wurde wegen verbotenen Waffentragens mit 3 Mark oder einem Tag Gefängnis bestraft.— Um einen„Studenten- ulk“ auszuführen, setzten die beiden Schüler der Chemnitzer technischen Staatslehranstalten, Nickel und Claise aus Limbach, eine Scheuer in Brand, in der ein Handwerksbursche nächtigte. Dieser ist durch die Flammen umgekommen. Die beiden Techniker wurden jeder zu 1 Jahr 6 Monaten Gefänguis verurteilt.— Diesmal sind es nicht junge Leute aus den sogenannten „unteren Ständen“, die sich als Messerstecher und Brandstifter versucht haben. Somit sind sie für die reaktionäre Presse ungeeignet zu Betrachtungen über die Zuchtlosigkeit des„niederen Volkes“. Wenn die Knaben von vierzehn Jahren, die jetzt mit Messern um sich stechen, erst älter und im Siune der konservativen Auffassung verständiger und„korrekter“ geworden sein werden, so werden einander losgehen, sondern sie werden sich als Kavaliere— duellieren. Sie sind dann unter allen Umständen, wie die Sache auch ausgehen mag, Ehrenmänner.— Kinderausbeutung. Zum Kapitel der Kinderausbeutung auf dem Lande wird aus Frohburg(Sachsen) berichtet: Vor kurzem wurde von hier gemeldet, daß ein Knabe von einer Ringelwalze überfahren und ge— tötet worden sei. Diesem Vorkommnis liegt, wie wir aus unserem Chemnitzer Parteiblatt er— sehen, eine himmelschreiende Kinderausbeutung zu Grunde. Der 12jährige Sohn des Maurers Stürmer war mit einer mit Ochsen bespannten Ringelwalze auf dem hiesigen Rittergutsfelde be— schäftigt. Im Begriff, auf einem anderen Teil Rittergutsfeld die Arbeit fortzusetzen, geriet der Knabe auf dem Teichhauswege mit seiner Schürze in die Walze und wurde, da er die Thiere nicht zum Stehen zu bringen vermochte, vermutlich unter diese hineingedreht. Herbeigeeilte Leute befreiten den unglücklichen Knaben, nachdem er bereits sein junges Leben ausgehaucht.— Ueber die Art der Kinderbeschäftigung und Kinderaus— beutung auf diesem Rittergute wird der„Chem— nitzer Volksstimme“ noch berichtet: Auf dem hie— sigen Rittergute, das ein reicher Pächter be— wirtschaftet, steht die Kinderarbeit in höchster Blüte. Die Kinder erhalten pro Tag 60 Pf. Die Arbeitszeit in der Ernte dauert von früh 5 bis 11, und nachmittags von 1— 7 Uhr. Die kräftigeren Kinder werden mit Mistladen beschäftigt und mit Ochsenbespannen betraut, eine Arbeit, die nur ein kräftiger Mann zu verrichten vermag. Der Pächter ist eifriger Förderer der Bundes der Landwirte. Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, will er die Schuld für das Ge— meldete auf seinen Inspektor abladen, den er an— geblich auf die Gefahr aufmerksam gemacht haben will, den Kindern keine Ochsen anzuvertrauen. Aber die schwere Kinderbeschäftigung kann dem Pächter nicht entgangen sein. Der reichste Mann der Welt dürfte, dem„Hamburger Kurier“ zufolge, zur Zeit in Newyork leben. Es ist dies Mr. John D. Rockefeller, und die soeben in Newyork er— schie nene Statistik für 1898 giebt einen ungefähren Begriff von dem Reichtum dieses Mannes. Der Oelkönig wird es wohl noch zum Billionär bringen, das Drittel einer Billion besitzt er bereits, und sein Vermögen wächst mit wahren Riesenschritten. Auf zehn bis zwölf Millionen kann er es selbst nicht genau berechnen. Er soll mehr als die Astors, Vanderbilts und Golds zusammen haben. Krösus war ein armer Schlucker im Vergleich zu diesem Manne, in dessen Hand das Geschick von Tausen⸗ den ruht. Sein jährliches Einkommen beträgt 20,000,000 Dollars, also 1.666,666.66 Dollars pro Monat, 55,555.55 Dollars pro Tag(Sonn⸗ tage inbegriffen) und 2316.48 Dollars pro Stunde Mr. Rockefeller begann seine lohnende Laufbahn als Buchhalter mit 50 Dollars monatlich. Er soll jetzt so unnahbar wie der Kaiser von China sein. Die Newyorker Zeitungen schildern, was er als Billionär(der erste, den die Welt sieht), alles thun könute. Er könnte die Armut ausrotten, in— dem er das Leben billig macht und Allen Arbeit gibt, er könnte allen Herrschern der Welt die Apanagen zahlen und doch immer noch ein größeres Einkommen als diese haben. Welche Gegenstände sind unpfändbar: Einer Pfändung sind nicht unterworfen, müssen vielmehr dem Schuldner belassen werden: 1. Die Kleidungsstücke, die Betten, das Haus⸗ und Küchengerät, insbesondere die Heiz⸗ und Kochöfen, soweit diese Gegenstände für den Schuldner, seine Familie und sein Gesinde un⸗ entbehrlich sind. 2. Die für den Schuldner, seine Familie und sein Gesinde auf zwei Wochen erforderlichen Nahrungs- und Feuerungsmittel. 3. Eine Milchkuh oder nach der Wahl des Schuldners statt einer solchen zwei Ziegen oder zwe! nebst dem zum Unterhalt und zur Nahr auß für sie auf zwei Wochen erforder⸗ lichen Futter und Stroh, sofern die bezeichneten Tiere für die Ernährung des Schuldners, seiner Familie und seines Gesindes unentbehrlich sind. sie bei Streitigkeiten nicht mehr mit Messern auf⸗ 1 . b 9 b b ler das Hestinm scleit hessen⸗ Feen 1 die Jie üb Rande. de hie ien iegeri ume Am f haftet, N gieser op Karlo gerhäl wurde und gusd mend Stüc — 1 auf 9 dlz Unter ehen dem achtet; 5 ein d ge⸗ liegt, lt 1 kütung Aurerg aunten de he⸗ Del et der ichürze hicht mutlich Leule em er lleber eraus⸗ Chem⸗ m hie⸗ er be⸗ höchster 60 Ff. früh 5 Die chäftigt Arbei, dermag. undes lässtger aas Ge⸗ er au⸗ t haben trauen. in dem. e, zur „John ork er⸗ gefahren . Det bringen, 16, und schritten, bst nicht Astets, Krösus diesen Tausen⸗ belrägl Dollars (Son. Stunde Aufbahn ich. Er U China was tl 00a, tten, il, n Abel delt die großere ber! woll, peldel! 3 Hal eiß⸗ b Nr. 12. Mitteldeutsche Sonutags⸗Zeitung. Seite 8. f Bei Künstlern, Handwerkern, Hand⸗ und Fabrik⸗ arbeitern, sowie bei Hebammen die zur persön⸗ lichen Ausübung des Berufs unentbehrlichen Gegenstände. 4. Bei Personen, die Landwirt⸗ schaft betreiben, das zum Wirtschaftsbetrieb un⸗ entbehrliche Gerät, Vieh⸗ und Feld⸗-Inven⸗ tarium nebst dem nötigen Dünger, sowie die landwirtschaftlichen Erzeugnisse, die zur Fort⸗ setzung der Wirtschaft bis zur nächsten Erute unentbehrlich sind. 5. Die Bücher, die zum Gebrauche des Schuldners und seiner Familie in der Kirche und Schule bestimmt sind.— Wolche Kleidungsstücke, Geräte, Mobilien ꝛc. als unentbehrlich zu erachten sind, ent⸗ scheidet zunächst der Gerichtsvollzieher, event. auf Beschwerde hin das Amtsgericht. Aus Marburg. st- Am Dienstag, den 10. Oktober, wurde hier das neu erbaute Realschulgebäude seiner Bestimmung übergeben. Der Einweihungsfeier— lichkeit wohnten u. a. der Oberpräsident der Provinz Hessen-Nassau, von Zedlitz⸗Trützschler und der Regierungspräsident von Trott zu Solz bei. Daß bei dieser Gelegenheit für einige der Beteiligten die üblichen Orden abfielen, versteht sich am Rande.— Zu 9 Monaten Gefängnis verurteilte die hiesige Strafkammer einen Knecht, der durch einen Besuch des Ziegenhainer Kriegerfestes in kriegerische Stimmung geraten war und einem der heimkehrenden Krieger mit dem Messer in den Arm stach. Der Verurteilte wurde sofort ver— haftet. Kleine Mitteilungen. * Gießen.(Stadttheater.) Die im Laufe dieser Woche gegebenen Vorstellungen—„Stabs⸗ trompeter“,„Schlafwagenkoutrolleur“,„Don Karlos“ und„Der neue Stiftsarzt“— waren verhältnismäßig gut besucht.„Don Karlos“ wurde als Volksvorstellung gegeben und fand den größten Beifall des bis auf die Logen ausverkaufteu Hauses. Ueber die in der kom⸗ menden Woche zur Aufführung gelangenden 5 unterrichten wir unsere Leser an anderer elle. Hessische Staats lotterie. Wie die „Darmst. Ztg.“ meldet, will die hessische Re⸗ gierung die Staatslotterie in eigene Verwaltung nehmen. dz. Grünberg. Die bei den Gemeinde— obst⸗Versteigerungen erzielten Preise waren im allgemeinen verhältnismäßig niedrig. In Saaßen kam der Korb Aepfel auf 90 Pfennig bis 1 Mk. 20 Pfg. durchschnittlich zu stehen. In Lenheim berechnete sich das Simmer auf 2 M. bis 2 Mk. 50 Pf. Bei der Versteigerung in hiesiger Gemarkung wurde der Korb mit durch⸗ schnittlich 1 Mk. 30 Pf. bis 2 M. je nach den Sorten bezahlt.— Eine schöne Einnahme er⸗ zielte die kleine Gemeinde Göbelnrod. Der Er⸗ lös für Obst beträgt dort nahezu 300 Mk. Das Malter Kelterobst wird in hiesiger Gegend zu 6 bis 8 Mk. verkauft. Bei weitem teurer sind dieses Jahr die Zwetschen. Das Hundert kostete seither 20 und 25 Pfg. * Bad Nauheim. Hier sind die Bohr⸗ maschinen zu den Bohrarbeiten für eine neue Heilquelle eingetroffen. Der Leiter der Boh⸗ rungen, Geh. Oberbergrat Prof. Dr. Lepstus, bestimmte definitiv den Platz, an dem gebohrt werden soll. Der Platz befindet sich etwa 25 Meter nordöstlich der Sprudelquellen VII u. XII. Die Firma aus Halle, welche die Bohrarbeiten übernommen hat, hofft in drei Monaten damit zu Ende zu sein; es soll 200 Meter tief gebohrt werden in einer Bohrweite von 22 Centimeter. Die alten Sprudelquellen VII und XII, die 1846 und 1855 zu Tage traten, sind 159,5 resp. 180,10 Meter tief und nur 9 Meter von einander entfernt. Ehringshausen. Der Holzhändler Conr. Weimer von hier ist verhaftet worden. Obernhof a. d. Lahn. An der Abteikirche zu Kloster Arnstein, dem vielbesungenen Bau⸗ werk, sollen die Westtürme wiederhergestellt werden. Die Steinmetz. und Maurerarbeiten sind ausgeschrieben. Bereits vor 20 Jahren hat der Staat erhebliche Kosten für die Er⸗ neuerung der Kirche aufgewendet. Die West⸗ türme, welche die Glocken tragen, gehören zu den ältesten(romanischen) Teilen der Kirche und sind von dem Grafen Ludwig, der— man höre und staune nicht!— nach einem Leben in Saus und Braus schließlich Kloster⸗— bruder wurde und sein Raubnest in ein Prämonstratenser⸗Kloster verwandelte, in der Mitte des zwölften Jahrhunderts erbaut worden. — Krieg im Frieden. Eine fast un⸗ glaubliche nachträgliche Meldung vom Kaiser— manöver entnehmen wir dem„Bad. Landesbt.“: „Ein während der Manöver vermißter Dragoner wurde am 28. v. M. bei Pforzheim in einem Graben tot aufgefunden; demselben waren beide Beine gebrochen. Der Bedauernswerte scheint vom Pferde gestürzt und, da er unbe⸗ achtet blieb, dem Hungertode verfallen zu sein.“— Ehe wir an diese grauenhafte Nach— richt weitere Bemerkungen knüpfen, warten wir ab, ob sie bestätigt wird.— — ù— Partei⸗ Nachrichten. Versammlungs⸗Kalender. Sonntag, 15. Oktober: Tabakarbeiter⸗Verband(Zahlstelle Heuchel⸗ heim), Nachmittags 3 Uhr: Versammlung bei Georg Volkmanu. Sonntag, 22. Oktober. Friedberg. Morgens 10 Uhr: Wahlvereins⸗ Versammlung, Nachmittags 3 Uhr: Maler- und Weiß⸗ binder⸗Versammlung bei Gustav Kühn,„Zur Stadt Newyork“. Briefkasten der Redaktion. Nach Heldenbergen. Notiz in nächster Nummer. Wir bitten, in Zukunft die Briefe richtig frankieren zu wollen, damit wir nicht wieder Strafporto bezahlen müssen. Nach Beilstein. öffentlicht. Briefkasten der Expediion. Quittungen. Fauth, W. 25.— M. Odgn. 3.—. Kn. Bdgn. 2.—. M. Wtzlr. 6.20. L. Bbg. 1.—. Wird in nächster Nummer ver⸗ Pf. Odh. 4.20. D. Bgs. 6.—. Sch. Grßb. 2.60. Kl. Rögn. 7.20. B. Ptwl. 7.40. Opf. Lbg. 4.—. Sgfr. Altb. 10.40. Schpf. All. 2.—. Zur Landtagswahl Welchen Wahlmann wählst du? Unter allen Umständen nur denjenigen, von dem du bestimmt weißt, daß er seine Stimme abgeben wird für den Arbeiter kandidaten. Nehmen wir zum Beispiel an, du hättest dich mit deinem alten Kameraden Karl, der wie du, Sozialdemokrat ist, in letzter Zeit veruneinigt. Dagegen hättest du in neuerer Zeit viel verkehrt mit deinem Nachbar August, don dem du aber weißt, daß er Antisemit ist. Nehmen wir nun an, Karl würde von den Sozialdemokraten, August von den Antisemiten zum Wahlmann bestimmt. Würdest du dann auch nur eine Minute im Zweifel sein, wen du zu wählen hast? Gewiß nicht! Du würdest sofort fühlen, daß bei einer Wahl nicht persön⸗ liche Zuneigung oder Abneigung, sondern lediglich die Uebereinstimmung der politischen lleberzeugang ausschlag⸗ ebend sein muß. Du würdest deine Stimme ür Karl abgeben, obwohl du mit ihm auf dem Kriegsfuß lebst. Du würdest ihn wählen, weil du bestimmt weißt, daß er dem Mann eures Vertrauens, dem Genossen Philipp Scheidemann zum Siege bei der Landtagswahl verhelfen würde, damit dieser nachher im Landtag für euch eintreten und denen auf die Finger klopfen kann, die die Arbeiter Schlammbeißer nennen. Also wählt nur Wahlmänner, von denen ihr wißt, daß sie für euren Kandidaten Scheidemann stimmen wollen, einerlei ob nun der betreffende Wahlmann Müller oder Schulze heißt, Gemeinderat oder Tagelöhner, Bauer oder Händler ist. Letzte Nachrichten. s. Hannover, 12. Okt. Die Diskussion um die Bernsteinfrage wurde heute Abend nach drei— tägiger Dauer zum Abschluß gebracht, nachdem 29 Redner zum Wort gekommen waren. 14 Redner standen noch auf der Rednerliste verzeichnet, als Schluß der Debatte angenommen wurde. Freitag früh nimmt Bebel das Schlußwort, dann wird abgestimmt über die von ihm eingebrachte und von uns in der heutigen Nummer zum Ab— druck gebrachte Resolution. Zweifellos wird die Resolution einstimmige Annahme finden. — In der dreitägigen Debatte fiel manches scharfe Wort. Aber die Einheitlichkeit in der Auf— fassung unserer Aufgaben ist wohl nie klarer zum Ausdruck gekommen, als gerade bei der sogenannten Bernsteinfrage. Zum Entsetzen unserer Gegner, die diesmal ganz bestimmt auf die längst erwünschte Spaltung gehofft hatten, steht unsere Partei einiger denn je da. Was wir von vornherein gesagt haben, ist glänzend bestätigt worden: Ueber den besten Weg, der uns zum Ziel führen soll, bestehen Meinungsverschiedenheiten. Ueber das Ziel selbst sind wir einig. — Wie die„Bad. Landesztg.“ mitteilt, ist von dem an anderer Stelle unseres Blattes mitgeteilten Manöver-Unfall„an maßgebender Stelle nichts bekannt.“ — Zum Polnaer Mädchenmord wird gemeldet: In Polna zirkuliert das Gerücht, der Bruder der ermordeten Hruza hätte ein⸗ gestanden, seine Schwester ermordet zu haben. Bekanntlich wurde die Crmordung des Mädchens von den Christen als Ritualmord dargestellt. Gewerbegerichtswahl. 1 Samstag, den 21. Oktober l. J., Nachmittags von 12 bis 6 Uhr, findet im Bürgermeisterei-Gebäude die Neuwahl der Beisitzer zum Gewerbe-Schiedsgericht statt. Während des kurzen Bestehens dieser volks⸗ tümlichen Rechtsprechung hat es sich gezeigt, daß solche bei richtiger Handhabung in vielen Bezieh⸗ ungen nur Vorteilhaftes für die Arbeiterbevölkerung bietet. Damit diese Vorteile erhalten und noch mehr ausgenützt werden können, muß die Besetzung dieses Volksgerichts eine unabhängige und vor— urteilslose sein. Zur Wahl schlägt aus diesem Grunde das Gewerkschaftskariell nachstehende Arbeiter vor und ersucht die Arbeiterschaft sich an der Wahl zahl⸗ reich zu beteiligen und ihre Stimme auf dieselben zu vereinigen, nämlich: Georg Dahmer, Spengler, Heinrich Männche, Schreiner, Adolf Hensel, Schriftsetzer, Gustav Krüger, Dreher, Heinrich Baum, Glaser, Christian Petersen, Schneider, Paul Kretzig, Tapezier, August[Bock, Drechler, Gustav Holtberg, Brauer, Joh. Rudolf, Cigarreum., Wieseck, Joh. Schäfer, Lackierer, Steinberg, Wilh. Laucht, Maurer, Gleiberg. Das Gewerkschaftskartell. esse Stadttheatef Sonntag, den 15. Oktober 1899: Hopfenraths Erben. Volksstück mit Gesang in 5 Akten von Wilken. Musik von Michaelis. Dienstag, den 17. Oktober 1899: Der Compagnon. Lustspiel in 4 Akten von Adolph L Arronge. Mittwoch, den 18. Oktober 1899: Ein Sommernachtstraum. Von Shakespeare. Musik von Mendelssohn⸗ Bartholdy. Freitag, den 20. Oktober 1899: Gastspiel von Carl Schönfeld: Krieg im Frieden. Lustspiel in 5 Akten von Moser u. Schonthan. Reif⸗Reiflingen Carl Schönfeld als Gast. Seite 8. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. FFF Dee eee Unterhaltungs⸗Ceil. 72 Ein Bettelgang im Herbste. In Lumpen gehüllt, ein Kind auf dem Arm, Das Antlitz durchwühlet von bitterem Harm, So wanket dahin ein Bettelweib; Kaum tragen die Füße den müden Leib. So schwankt sie bis zu des Reichen Naus, Er schaut gerade zum Fenster heraus: „Das trägt doch am liebsten den Bettelsack, Das faule, das unnütze Cumpenpack.“ „„Ach Herr, erbarmet Euch meiner Not! Ihr wißt es, mein lieber Mann ist nun tot, Das Schwungrad hatt' ihn zu gut erfaßt— Die Rippen entzwei! Nun ist er erblaßt, Als er noch lebte— ich denke zurück An unser bescheidenes stilles Glück— Da hatten wir Aleider, da hatten wir Brod! Das schreckliche Schwungrad! Er ist nun tot. Und meine drei Würmchen, nun vaterlos, Und das vierte, das noch in meinem Schooß, Sie sind nun dem Nunger, dem Elend preis, Dem Laster vielleicht und der Schande, wer weiß! Mein Mann ist verunglückt in Eurer Fabrik, Fahrlässig, so schien es des Richters Blick— Ich bin nun elend, bin nun in Not— O Herr gebt mir, gebt den Kindern Brod! Des Winters denket, der nun vor der Thür, Und denket der Kinder— Ihr habt ja schier Millionen auf Sinsen, Ihr seid so reich, Erbarmet Euch meiner, seid mild und weich!““ Und siehe, des Reichen Herz ist erweicht. Er dreht sich zur Kasse um und er reicht— Ein blinkendes Goldstück gar? Ei beileib'— Nein, Einen Kreuzer dem weinenden Weib. 7 Michael Kohlhaas. Historische Erzählung von H. von Kleist. (13. Fortsetzung.) Der Kurfürst von Brandenburg, dem in dieser Angabe mancherlei zweideutig und unklar schien, antwortete ihm:„daß der Nachdruck, mit welchem der Anwalt kaiserlicher Majestät ver⸗ führe, platter dings nicht erlaube, dem Wunsch, den er ihm geäußert, gemäß, von der strengen Vorschrift der Gesetze abzuweichen. Er bemerkte, daß die ihm vorgelegte Besorgniß in der That zu weit ginge, indem die Beschwerde, wegen der dem Kohlhaas in der Amnestie verziehenen Verbrechen ja nicht von ihm, der demselben die Amnestie ertheilt, sondern von dem Reichsober⸗ haupt, das daran auf keine Weise gebunden sei, bei dem Kammergericht zu Berlin anhängig gemacht worden wäre. Dabei stellt er ihm vor, wie nothwendig bei den fortdauernden Ge⸗ waltthätigkeiten des Nagelschmidt, die sich sogar schon mit unerhörter Dreistigkeit bis aufs branden⸗ burgische Gebiet erstreckten, die Statuirung eines abschreckenden Beispiels wäre, und bat ihn, falls er dies alles nicht berücksichtigen wolle, sich an des Kaisers Majestät selbst zu wenden, indem, wenn dem Kohlhaas zu Gunsten ein Machtspruch fallen sollte, dies allein auf eine Erklärung von dieser Seite her geschehen könne.“ Der Knurfürst, aus Gram und Aerger über alle diese mißglückten Versuche, verfiel in eine neue Krankheit; und da der Kämmerer ihn an einem Morgen besuchte, zeigte er ihm die Briefe, die er, um dem Kohlhaas das Leben zu fristen, und somit wenigstens Zeit zu gewinnen, um des Zettels, den er besäße, habhaft zu werden, an den Wiener und Berliner Hof erlassen. Der Kämmerer warf sich auf den Knieen vor ihm nieder, und bat ihn, um Alles was ihm heilig und teuer sei, ihm zu sagen, was dieser Zettel enthalte? Der Kurfürst sprach, er möchte das Zimmer verriegeln, und sich auf das Bett niedersetzen, und nachdem er seine Hand er⸗ griffen, und mit einem Seufzer an sein Herz gedrückt hatte, begann er folgendergestalt:„Deine Frau hat dir wie ich höre schon erzählt, daß der Kurfürst von Brandenburg und ich, am dritten Tage der Zusammenkunft, die wir in Jüterbock hielten, auf eine Zigeunerin trafen; und da der Kurfürst, aufgeweckt wie er von Natur ist, beschloß, den Ruf dieser abenteuer⸗ lichen Frau, von deren Kunst eben bei der Tafel auf ungebührliche Weise die Rede ge⸗ wesen war, durch einen Scherz im Angesicht alles Volks zu nichte zu machen, so trat er mit verschränkten Armen vor ihren Tisch, und sorderte der Weissagung wegen, die sie ihm machen sollte, ein Zeichen von ihr, das sich noch heute erproben ließe, vorschützend, daß er sonst nicht, und wäre stie auch die römische Sybille selbst, an ihre Worte glauben könne. Die Frau, indem sie uns flüchtig von Kopf zu Fuß maß, sagte, das Zeichen würde sein, daß uns der große gehörnte Rehbock den der Sohn des Gärtners im Park erzog, auf dem Markt worauf wir uns befanden, bevor wir ihn noch verlassen, entgegenkommen würde. Nun mußt du wissen, daß dieser für die Dresdener Küche bestimmte Rehbock in einem mit Latten hoch verzäunten Verschlage, den die Eichen des Parks beschatteten, hinter Schloß und Riegel aufbewahrt ward, dergestalt, daß, da überdies anderen kleineren Wildes und Ge⸗ flügels wegen, der Park überhaupt und obenein der Garten, der zu ihm führte, in sorgfältigem Beschluß gehalten ward, schlechterdings nicht ab⸗ zusehen war, wie uns das Thier, diesem sonder⸗ baren Vorgeben gemäß, bis auf den Platz wo wir standen, entgegen kommen würde; gleich⸗ wohl schickte der Kurfürst aus Besorgnis vor einer dahinter steckenden Schelmerei, nach einer kurzen Abrede mit mir, entschlossen auf unab⸗ änderliche Weise Alles was sie noch vorbringen würde des Spaßes wegen zu Schanden zu machen in's Schloß, und befahl, daß der Reh⸗ bock augenblicklich getödtet, und für die Tafel an einem der nächsten Tage zubereitet werden solle. Hierauf wandte er sich zu der Frau, vor welcher diese Sache laut verhandelt worden war, zurück, und sagte: nun, wohlan! was hast du mir für die Zukunft zu entdecken? Die Frau, indem sie in seine Hand sah, sprach: Heil meinem Kurfürsten und Herrn! Deine Gnaden wird lange regieren, das Haus aus dem du stammst lange bestehen, und deine Nach⸗ kommen groß und herrlich werden, und zu Macht gelangen vor allen Fürsten und Herren der Welt! Der Kurfürst, nach einer kurzen Pause, in welcher er die Frau gedankenvoll ansah, sagte halblaut mit einem Schritte den er zu mir that, daß es ihm jetzo fast Leid thäte, einen Boten abgeschickt zu haben, um die Weissagung zu nichte zu machen; und während das Geld aus den Händen der Ritter, die ihm folgten, der Frau haufenweise unter vielem Jubel in den Schooß regnete, fragte er sie, indem er selbst in die Tasche griff und ein Goldstück dazu legte: ob der Gruß, den sie mir zu eröffnen hätte, auch von so silbernem Klang wäre, als der seinige? Die Frau, nachdem sie einen Kasten, der ihr zur Seite stand, aufgemacht, und das Geld nach Sorte und Menge weitläufig und umständlich darin geordnet, und den Kasten wieder verschlossen hatte, schützte ihre Hand vor die Sonne, gleichsam als ob ste ihr lästig wäre, und sah mich an; und da ich die Frage an sie wiederholte, und auf scherzhafte Weise, während sie meine Hand prüfte, zum Kurfürsten sagte: mir, scheint es, hat sie nichts das eben angenehm wäre zu verkündigen: so ergriff sie ihre Krücken, hob sich langsam daran vom Schemel empor, und indem sie sich mit ge⸗ heimnisvoll vorgehaltenen Händen dicht zu mir heran drängte, flüsterte sie mir vernehmlich ins Ohr: nein!— So, sagt' ich verwirrt, und trat einen Schritt vor der Gestalt zurück, die sich mit einem Blick kalt end leblos wie aus mar⸗ mornen Augen, auf den Schemel, der hinte⸗ ihr stand, zurücksetzte: von welcher Seite her droht meinem Hause Gefahr? Die Fran, indem sie eine Kohle und ein Papier zur Hand nahm und ihre Kniee kreuzte, fragte: ob sie es mir aufschreiben solle? und da ich, verlegen in der That, blos weil mir unter den bestehenden Umständen nichts anderes übrig blieb, ant⸗ wortete: i das thu! so versetzte sie:„wohlan! dreierlei schreib ich dir auf: den Namen des letzten Regenten deines Hauses, die Jahreszahl, da er sein Reich verlieren, und den Namen dessen, der es durch die Gewalt der Waffen an sich reißen wird.“ Dies vor den Augen alles Volks abgemacht, erhebt sie sich, verklebt den Zettel mit Lack, den sie in ihrem welken Mund befeuchtet, und drückt einen bleiernen, an ihrem Mittelfinger befind- lichen Siegelring darauf. Und da ich den Zettel, neugierig, wie du leicht begreifst, mehr als Worte sagen können, erfassen will, spricht sie:„mit nichten, Hoheit!“ und wendet sich und hebt ihrer Krücken eine empor:„von jenem Mann dort, der mit dem Federhut auf der Bank steht hinter allem Volk, am Kirchenein⸗ gang, lösest du, wenn es dir beliebt, den Zettel ein!“ Und damit, ehe ich noch recht begriffen was sie sagt, auf dem Platz vor Erstaunen sprachlos, läßt sie mich stehen; und während sie den Kasten, der hinter ihr stand zusammen⸗ schlug und über den Rücken warf, mischte sie sich, ohne daß ich bemerken konnte, was sie thut, unter den Haufen des uns umringenden. Volks. Nun trat, zu meinem in der That herzlichen Trost, in eben diesem Augenblick der Ritter auf, den der Kurfürst ins Schloß ge⸗ schickt hatte, und meldete ihm mit lachendem Munde, daß der Rehbock getötet, und durch zwei Jäger vor seinen Augen in die Küche ge⸗ schleppt worden sei. Der Kurfürst, indem er seinen Arm munter in den meinigen legte, in der Absicht mich von dem Platz hinwegzuführen, sagte: nun, wohlan! so war die Prophezeiung eine alltägliche Gaunerei, und Zeit und Gold, die sie uns gekostet nicht wert! Aber wie groß war unser Erstaunen, da sich noch während dieser Worte ein Geschrei rings auf dem Platze erhob, und aller Augen sich einem großen, vom Schloßhof herantrabenden Schlächterhund zu⸗ wandten, der in der Küche den Rehbock als gute Beute beim Nacken erfaßt, und das Tier drei Schritte von uns, verfolgt von Knechten und Mägden, auf den Boden fallen ließ: der⸗ gestalt, daß in der That die Prophezeiung des Weibes, zum Unterpfand alles dessen, was sie vorgebracht, erfüllt, und der Rehbock uns bis auf den Markt, obschon allerdings tot, entgegen gekommen war. Der Blitz, der an einem Wintertag vom Himmel fällt, kann nicht ver⸗ nichtender treffen, als mich dieser Anblick, und meine erste Bemühung, sobald ich der Gesell⸗ schaft in der ich mich befand überhoben, war gleich den Mann mit dem Federhut den mir das Weib bezeichnet hatte, auszumitteln; doch keiner meiner Leute, unausgesetzt während drei Tage auf Kundschaft geschickt, war im Stande mir auch nur auf die entfernteste Weise Nach⸗ richt davon zu geben: und jetzt, Freund Kunz, vor wenig Wochen, in der Meierei zu Dahme, habe ich den Mann mit meinem eigenen Augen gesehn.“— Damit nun ließ er die Hand des Kämmerers fahren; und während er sich den Schweiß ab⸗ trocknete, sank er wieder auf das Lager zurück. Der Kämmerer, der es für vergebliche Mühe hielt, mit seiner Ansicht von diesem Vorfall die Ansicht die der Kurfürst davon hatte, zu durchkrenzen und zu berichtigen, bat ihn, doch irgend ein Mittel zu versuchen des Zettels hab⸗ haft zu werden, und den Kerl nachher seinem Schicksal zu überlassen; doch der Kurfürst ant⸗ wortete, daß er platterdings kein Mittel dazu sähe, obschon der Gedanke ihn entbehren zu müssen, oder wohl gar die Wissenschaft mit diesem Menschen untergehen zu sehen, ihn dem Jammer der Verzweiflung nahe brächte. Auf die Frage des Freundes: ob er denn Versuche gemacht die Person der Zigeunerin selbst aus⸗ zuforschen? erwiderte der Kurfürst, daß das Gubernium auf einen Befehl, den er unter einem falschen Vorwand an dasselbe erlassen, diesem Weibe vergebens bis auf den heutigen Tag in allen Plätzen des Kurfürstentums nach⸗ spüre: wobei er aus Gründen, die er jedoch näher zu entwickeln sich weigerte, überhaupt 17 daß sie in Sachsen auszumit⸗ eln sei. 1 1 1 1 9 1 ö Nr. 12. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 7. Nun traf es sich, daß der Kämmerer meh⸗ rerer beträchtlichen Güter wegen, die seiner Frau aus der Hinterlassenschaft des abgesetzten und bald darauf verstorbenen Exgrafen Kall⸗ heim in der Neumark zugefallen waren, nach Berlin reisen wollte; dergestalt, daß, da er den Kurfürsten in der That liebte, er ihn nach einer kurzen Ueberlegung fragte: ob er ihm in dieser Sache freie Hand lassen wolle? und da dieser, indem er seine Hand herzlich an seine Brust drückte, antwortete:„denke, du seist ich, und schaff mir den Zettel!“ so beschleunigte der Kämmerer, nachdem er seine Geschäfte abgegeben, um einige Tage seiner Abreise, und fuhr mit Zurücklassung seiner Frau, bloß von einigen Bedienten begleitet, nach Berlin ab. Kohlhaas, der inzwischen wie schon gesagt, in Berlin angekommen, und auf einen Special⸗ befehl des Kurfürsten in ein ritterliches Gefäng⸗ nis gebracht worden war, das ihn mit seinen fünf Kindern, so bequem es sich thun ließ, empfing, war gleich nach Erscheinung des kaiser⸗ lichen Anwalts aus Wien, auf den Grund wegen Verletzung des öffentlichen kaiserlichen Landfriedens, vor den Schranken des Kammer⸗ gerichts zur Rechenschaft gezogen worden; und ob er schon in seiner Verantwortung einwandte, daß er wegen seines bewaffneten Einfalls in Sachsen, und der dabei verübten Gewaltthätig⸗ keiten, kraft des mit dem Kurfürsten von Sachsen zu Lützen abgeschlossenen Vergleichs, nicht belangt werden könne: so erfuhr er doch zu seiner Belehrung, daß des Kaisers Majestät, dessen Anwalt hier die Beschwerde führe, darauf keine Rücksicht nehmen könne: ließ sich auch sehr bald, da man ihm die Sache auseinander setzte und erklärte, wie ihm daher von Dresden her in seiner Sache gegen den Junker Wenzel von Tronka völlige Genugthuung widerfahren werde, die Sache gefallen. Demnach traf es sich, daß grade am Tage der Ankunft des Kämmerers das Gesetz über ihn sprach, und verurteilt ward mit dem Schwerte vom Leben zum Tode gebracht zu werden; ein Urteil, an dessen Vollstreckung gleichwohl, bei der verwickelten Lage der Dinge, seiner Milde ungeachtet, niemand glaubte, ja, das die ganze Stadt, bei dem Wohlwollen, das der Kurfürst für den Kohlhaas trug, unfehlbar durch ein Machtwort desselben in eine bloße, vielleicht beschwerliche und langwierige Gefäng⸗ nisstrafe verwandelt zu sehen hoffte. Der Kämmerer, der gleichwohl einsah, daß keine Zeit zu verlieren sein möchte, falls der Auftrag den ihm sein Herr gegeben, in Erfüll⸗ ung gehen sollte, fing sein Geschäft damit an, sich dem Kohlhaas, am Morgen eines Tages, da derselbe in harmloser Betrachtung der Vor⸗ übergehenden am Fenster seines Gefängnisses stand, in seiner gewöhnlichen Hoftracht genau und umständlich zu zeigen; und da er aus einer plötzlichen Bewegung seines Kopfes schloß, daß der Roßhändler ihn bemerkt hatte, und be⸗ sonders mit großem Vergnügen einen unwill⸗ kürlichen Griff desselben mit der Hand auf die Gegend der Brust, wo die Kapsel lag, wahr— nahm: so hielt er Jas, was in der Seele des⸗ selben in diesem Augenblick vorgegangen war, für eine hinlängliche Vorbereiturg, um in dem Versuch, des Zettels habhaft zu werden, einen Schritt weiter vorzurücken. Er bestellte ein altes, auf Krücken herumwandelndes Trödel⸗ weib zu sich, das er in den Straßen von Berlin unter einem Troß andern, mit Lumpen han⸗ delnden Gesindels bemerkt hatte, und das ihm, dem Alter und der Tracht nach, ziemlich mit dem, was ihm der Kurfürst beschrieben hatte, übereinzustimmen schien; und in der Voraus⸗ setzung, der Kohlhaas werde sich die Züge der⸗ jenigen, die ihm in einer flüchtigen Erscheinung den Zettel überreicht hatte, nicht eben tief ein⸗ eprägt haben, beschloß er, das gedachte Weib tatt ihrer unterzuschieben, und bei Kohlhaas, wenn es sich thun ließe, die Rolle, als ob ste die Ziegeunerin wäre, spielen zu lassen. Dem gemäß, um sie dazu in Stand zu setzen, unter⸗ richtete er sie umständlich von Allem, was zwischen dem Kurfürsten und der gedachten Zigeunerin in Jüterbock vorgefallen wan, wobei er, weil er nicht wußte wie weit das Weib in ihren Eröffnungen gegen den Kohlhaas gegangen war, nicht vergaß, ihr besonders die drei ge⸗ heimnisvollen, in dem Zettel enthaltenen Artikel einzuschärfen; und nachdem er ihr auseinander⸗ gesetzt hatte, was sie auf abgerissene und um⸗ ständliche Weise fallen lassen müsse, gewisser Anstalten wegen, die man getroffen, sei es durch List oder durch Gewalt, des Zettels, der dem sächsischen Hofe von der äußersten Wichtig⸗ keit sei, habhaft zu werden, trug er ihr auf, dem Kohlhaas den Zettel unter dem Vorwand, daß derselbe bei ihm nicht mehr sicher sei, zur Aufbewahrung während einiger verhängnisvollen Tage abzufordern. Das Trödelweib übernahm auch zugleich gegen die Verheißung einer beträchtlichen Be⸗ lohnung, wovon der Kämmerer ihr auf ihre Forderung einen Teil im voraus bezahlen mußte, die Ausführung des besagten Geschäfts; und da die Mutter des bei Mühlberg gefallenen Knechts Herse, den Kohlhaas mit Erlaubnis der Regierung zuweilen besuchte, diese Frau ihr aber seit einigen Monaten her bekannt war, so gelang es ihr an einem der nächsten Tage, vermittelst einer kleinen Gabe an den Kerker⸗ meister, sich bei dem Roßkamm Eingang zu verschaffen.—(Forts. folgt.) Gemeinnütziges. Gegen das Nasenbluten giebt es ein Mittel, das, so einfach es ist, sich doch keiner großen Verbreitung erfreut; das tiefe Einatmen. Dabei muß man darauf sehen, daß durch die Nase bei geschlossenem Mund tief eingeatmet und dann durch den offenen Mund ausgeatmet wird. Man wird die Beobachtung machen, daß die Blutung fast augenblicklich zum Still⸗ stand kommt; je tiefer die Inspiration, um so schneller der Erfolg. Durch das starke Ein⸗ atmen wird nämlich das Blut aus der Nase in den Brustraum zurückgesaugt und die Schleim⸗ haut der Nase auf diese Weise blutleer gemacht. Zugleich wird dadurch, daß die Luft mit Gewalt in den Nasenraum hineinströmt, das aus⸗ fließende Blut sozusagen an der Nasenöffnung zurückgehalten, und so schließt es diese, indem es gerinnt. Hierbei sei jedoch bemerkt, daß nicht etwa blos die Luft das Blut zum Ge⸗ rinnen bringt, wie vielfach, auch bei anderen Wunden, angenommen wird, vielmehr ist in dem normalen Blut eine eiweißartige Substanz, Fibrin, enthalten, die in den Blutgefäßen durch bestimmte, diesen zukommende Eigenschaften am Gerinnen verhindert wird. Wenn nun das Blut aus den Gefäßen austritt, so hören diese auf, ihren Einfluß geltend zu machen, und die Folge ist, daß das Fibrin schon nach wenigen Minuten sich in Flocken aus dem Blutserum ausscheidet und die Wunde verschließt. Es giebt bekanntlich Menschen, deren Blut sehr schwer gerinnt. Diese haben es natürlich mit dem Blutstillen nicht so einfach. In solchen Fällen muß die Nasenhöhle tamponiert werden. Entweder genügt es dabei schon, von vorn die Nasenlöcher zu verschließen, oder es muß auch die gegen den Schlund gerichtete Nasenöffnung noch verschlossen werden. Ein einfaches Mittel für nicht zu starkes Nasenbluten ist das Ein⸗ ziehen von Eiswasser aus der hohlen Hand in die Nase oder Eiswasserumschläge um die äußere Nase. Das wertvollste und beste Mittel aber bleibt starkes und tiefes Einatmen. Sprüche zur Lebensweisheit. Keine große Wahrheit, einmal entdeckt, ist je wieder verloren gegangen und keine wichtige Entdeckung ist jemals gemacht worden, die nicht am Ende alles mit sich fortgerissen hätte. * Erst zweifeln, dann untersuchen, dann ent⸗ decken. Der Zweifel veranlaßt zum Forschen, das Forschen zum Fortschritt, zum 10 uckle. * Die volle Wahrheit geht nicht aus den Händen des Individuums, sondern aus den Händen der Zeit hervor. Riel. Wenn eine überraschende wissenschaftliche Wahrheit entdeckt wird, so sagen die Menschen zuerst„es ist nicht wahr“, alsdann„es streitet gegen die Religion“; zuletzt:„das hat man schon lange gewußt.“ Lyell. * Ueberall geht ein frühes Ahnen dem späteren Wissen voraus. A. v. Humboldt. * Die Autorität verewigt im Einzelnen, was einzeln vorübergehen sollte und lehnt ab und läßt an sich vorübergehen was festgehalten werden sollte. Sie trägt hauptsächlich die Schuld, daß die Menschheit nicht vom Flecke kommt.. Der Mensch muß bei dem Glauben beharren, daß das unbegreiflich erscheinende, begreiflich sei; er würde sonst nicht forschen. Goethe. * Ein Augenblick kann Alles umgestalten. Wieland. Humoristisches. Eine Vergnügungsreise. Der Wind peitscht den Regen klatschend an die Koupeefenster, der Zug fährt mit einer Verspätung von zwei Stunden, die Mutter zankt mit den Kindern und der Papa, bereits über die Maßen unwirsch, giebt seinem Jüngsten ein⸗ Ohrfeige.— Heulend flüchtet sich derselbe zwischen die Knie eines Mitreisenden.—„Laß gut sein“, sagte der⸗ selbe, ihn beruhigend,„der Papa hats nicht so schlimm gemeint, Buberl! Wo fahrt ihr denn hin?“— Der Kleine(weinerlich):„Wir— wir machen— eine Ver⸗ gnügungsreise!“ * Ein höflicher Augenblick. Ein deutscher Fürst spazierte am Hamburger Hafen entlang und fragte bei dieser Gelegenheit einen Seemann:„Lieber Freund, wie heißt das große Schiff da?“ Der Seemann, der sich andere Augen als die seinigen nicht vorstellen konnte, antwortete:„Sparr doch die Oogen open un kik selbs too!“ Gleich darauf trat ein anderer Herr an den Seemann heran und fragte: „Wissen Sie auch, mit wem sie soeben gesprochen haben? „Nee“, versetzte jener. l „Das war der Großherzog von M.“ „Sooo?“ meinte der Biedere.„Junge, Junge, denn is jo man good, dat ick ni groff(nicht grob) wor'n bin!“ * Schneidige Mahnung. Barbier(nachdem sich ein Kunde entfernte.„Hat der noch immer nicht sein Rasier⸗Abonnement bezahlt?“ Gehilfe:„J bewahre! Ich habe ihn geschnitten, daß er geschrien— aber gezahlt hat er doch nicht!“ Neu eingelaufene Schriften. Besprechung wichtigerer Erscheinung behalten wir uns vor. Arbeiter⸗Notiz⸗ Kalender. Soeben ist im Verlage der Buchhandlung Vorwärts, Berlin, der Ar⸗ beiter⸗Notiz⸗Kalender für 1900 zum alten Preise von 60% erschienen. Der Inhalt ist auch in diesem Jahre ein sehr vielseitiger. Für die Parteigenossen von ganz besonderem Interesse dürfte die Statistit der letzen Reichstagswahlen nach den amtlichen Zahlen sein, welche die in jedem einzelnen Wahlkreise für jede Partei ab⸗ gegebenen Stimmen enthält, sowie die vergleichenden Prozentziffern der für die Sozialdemokratie 1893 abge⸗ gebenen Stimmen. Eine tabellarische Uebersicht zeigt das Wachstum der Partei seit 1871 in den einzelnen Ländern und Provinzen. Eine wesentliche Bereicherung hat der Kalender erfahren durch die Portraits und die Biographien der sozialdemokratischen Abgeordneten, sowie durch die Aufführung der in den einzelnen Bundes⸗ staaten gewählten sozialdemokratischen Landtag sabge⸗ ordneten. Aber auch für die Gewerkschaften erweist sich der Kalender durch die Adressen aller deutschen Gewerk⸗ schaftsvorstände, der Fabrikinspektoren mit Angabe ihrer Amtsbezirke, Adressen der Arbeitersekretariate, populäre Darlegung des Werk⸗(Arbeits-) Vertrages und der übrigen für den Arbeiter wissenswerten Abschnitte aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch, Portotarife ꝛc. zu einem praktischen, empfehlenswerten Nachschlagebuch für jeden Arbeiter. Pre Seite 8. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 42. ———* ae 55 SSG 5 S 8 2 S e 8 2 e e e 2—— ————— SSS S2 E 2 8 2 SS S822— 2. 83 S S S r e e — 2 S 3 2.— ES A8 3 332 8 3, — 2 2— 2 G S—. D— 5 S2 2 2 Gr 2 2 2 2 8 5 2 S. S S D 2 5 e 3 r es S„ — S SAS 22—— 2 5 22 SES S SS 8 88 2 S= M SA 232 2 S 2 S 2 28— S SSE SSS 8 8 S 2 2 3 8 2 3 F S SSS d 7 2 3 8 52 8 8 2 3 S S e e ee ——„ SS 5 3 SS 5* 88 2. 33— —. S S=* 2 Ai 2— 3323— —.— 223 S(D S S2 2 22——— 28—-N ο. YO—— C — 2= SFS 23 2. 2 8. 7 9 7 S 5. 2 1 22 F222 8—— D. S 5252— 3 5— ————— 2 55.. 8 2 8 8 8 5 5—— 5 —** S 2 dende, Frankfurter Schuhlager aufe-Nefsammlung, 1 Giessen Engros. Mäusburg 12 En detail. in s sẽenbe sec. empfiehlt seine riesige Auswahl bei Gastwirt Christoph Siegfried. ele g sig 6 Der Elnberufer. Wi 1 8 5 1 8 a 77. Schuhen risch eingetroffen: Wznter Ben Misch eingekuf ud Stiefeln Echte prima Frankfurter Würstchen per Paar 25 Pfg. für 8 2 Pfd. 65 fg. einma ndrrneisen per Pfd. 0 Herren, Damen und Kinder zu bekannt billigen Preisen. 70 Pfg. 8 Delikatessschinken, 4 bis 6 Pfd. schwer, per Pd. 65 Pfg. Schweineschmalz, garantiert rein, per Pfd. 44 Pfg. bei 5 Pfd. 42 Pfg. 4 empfehle meine täglieh frisch gebrannten Kaffees per Pfd. 80, 92, 100, 120, 140, 170 Pfg. Kölner Konsum⸗Anstalt Bahnhofstraße 27. C. F. Hackenberg, Lindenplatz 12. 2. 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