e vaben, g. an. en: und mend 3 E l 2 2 8 — *. — 55 a 1 e eee S2 —— 90 rg. teigenosse haft Jork ing. Bier. Küche. jenung, voll Kühn, — 905 5* er's Lichten ümerien Fach ell i tikel 5 zu del Nr. 33. Gießen, Sonntag, den 13. August 1899. 6. Jahrg. Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Sonnt Mitteldeutsche Redaktionsschluß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. —— ⸗Jeitung. Abounementspreis: Bestellungen 1 Juserate Die„Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung“ kostet durch unseref nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die] finden in der„M. S.⸗Ztg“ weiteste Verbreitung. Die Sgespalt Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die] Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindestens Durch die Post bezogen vierteljährlich 90 Pfg. Direkt durch] Druckerei, Schloßg. 13, sowie jede Postanstalt und 4 mal. Bestellung gewähren wir 25%, bei 6 mal. Bestellung die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Parteigenossen! Auf Grund der Bestimmungen der§§ 7, 8 und 9 der Partei-Organisation beruft die Partei⸗ leitung den dies jährigen Parteitag auf Montag, den 9. Oktober nach Hannover in den„Ballhof“, Burgstr. 9, ein. Als provisorische Tagesordnung ist sestgesetzt: Montag, den 9. Oktober und die folgen⸗ den Tage: 1. Konstituierung des Parteitages. Wahl des Bureaus. Festsetzung der Geschäfts⸗ und Tagesordnung. Wahl einer Kommission zur Prüfung der Mandate. 2. Geschäftsbericht des Vorstandes. Be⸗ richterstatter: J. Auer und A. Gerisch. 3. Bericht der Kontrolenre. Bericht⸗ erstatter: H. Meister. 4. Bericht über die parlamentarische Thätigkeit. Berichterstatter: H. Hoch. 5. Die Zuchthaus vorlage vor dem Reichstage. Berichterstatter: M. Segitz. 6. Erörterung über Punkt 3 des Pro⸗ gramms.(Erziehung zur allgemeinen Wehr⸗ haftigkeit. Volks wehr an Stelle der stehenden Heere.) Berichterstatter: F. Geyer. 7. Die Angriffe auf die Grundan⸗ schauungen und die taktische Stellung⸗ nahme der Partei. Berichterstatter: A. Bebel. 8. Die Maifeier 1900. Berichterstatter: W. Pfannkuch. 9. Anträge zum Programm und zur Or— ganisation. 10. Sonstige Anträge. Für Sonntag, den 8. Oktober, ist seitens der Parteigenossen Hannovers eine Empfangs⸗ und Begrüßungsfeier vorgesehen. Dieselbe findet von nachmittags 3 Uhr ab im„Palmengarten⸗ Konzerthaus“, Eingang Göthestraße, statt. Die Adresse des Lokalkomitees ist: August Lohrberg, Hannover, Burgstr. 9. Parteigenossen! Wir fordern Euch nun auf, die erforderlichen Vorarbeiten zu treffen, insbe⸗ sondere die Wahl der Delegierten und die Ein⸗ reichung der Anträge rechtzeitig zu bewirken. Die Anträge müssen spätestens den 15. September in den Händen des Vorstandes, Adresse: J. Auer, Berlin SW, Katzbachstr. 9 1 sein, wenn sie entsprechend den Bestimmungen des§ 8 Absatz 2 der Partei⸗Organisation im „Vorwärts“ veröffentlicht werden und in die edruckte Vorlage für den Parteitag Aufnahme kden sollen. Anträge von einzelnen Parteigenossen be⸗ dürfen der Gegenzeichnung des Vertrauens⸗ mannes, falls sie zur Veröffentlichung und Be⸗ ratung gelangen sollen. 5 Die Parteigenossen, die zum Parteitag kommen, werden ersucht, von ihrer Delegation dem Vorstand und dem Lokalkomitee rechtzeitig Mitteilung zu machen, damit dieses in Bezug auf Quartier ꝛc. die notwendigen Vor⸗ bereitungen treffen kann. Mandatsformulare, mit deren Versendung am 8. September begonnen wird, sind durch das Parteibureau, Adresse:„J. Auer, Berlin S W., Kotzbachstr. 9 1“ zu beziehen. Berlin, den 8. August 1899. Mit sozialdemokratischem Gruß Der Parteivorstand. jeder Landbriefträger entgegen.(Post⸗Z.⸗Kat. 43 12a.) 33 ½% und bei Wirtschaftlicher Aufschwung, Streiks und Zuchthaus⸗ vorlage. Wp. Es ist eine durchaus erklärliche Er— scheinung, daß mit der Besserung der Konjunk— tur auf dem Warenmarkte die Streikbewegung lebhafter wurde. Es betrug die Zahl der Streiks bis 1897 nach den Angaben der Gene— ralkommission der Gewerkschaften Deutschlands für 1898 und 1899 nach den Berechnungen Dr. Jastrows im„Arbeitsmarkt“: 1892 73 1896 483 1893 116 1897 578 1894 129 1898 553 1895 194 1899(5 Monate) 295 Aus diesen Zahlen ist ersichtlich, daß die Streikbewegung in den letzten Jahren bedeutend lebhafter war. Das ist keine für Deutschland allein charakteristische Thatsache: auch in Frank⸗ reich, Belgien und England waren die Streiks in den letzten Jahren zahlreicher; es war sogar in den beiden ersten Ländern die Streikbe⸗ wegung lebhafter als in Deutschland. Trotz⸗ dem wird natürlich in der Scharfmacherpresse unentwegt über die„Leichtfertigkeit, mit welcher Agitatoren die Arbeiter zu Streiks aufhetzen“, geschimpft. Wie es in Wirklichkeit steht, darüber geben schon diese wenigen Zahlen Aufschluß. Erst als der wirtschaftliche Aufschwung bereits kräftig eingesetzt hatte, schnellt die Zahl plötzlich empor. Es mußten eben die Arbeiter zu dem letzten Mittel, der Arbeitseinstellung, schreiten, wenn sie ihre geringen Forderungen durchsetzen wollten; trotz der hohen Profite, trotz der Ver⸗ luste, welche ihnen unter dem lebhaften Geschäfts— gang bei einem Streik entstehen, sind nun ein⸗ mal die Unternehmer nur durch Zwang zu bewegen, die Hungerlöhne um ein geringes aufzubessern, die übermäßige Arbeitszeit zu kürzen.— Noch charakteristischer ist, daß selbst in der lebhaften Geschäftszeit die Unternehmer gegen die Arbeiter auftreten und daher diese zur Abwehr zwingen. Das zeigt sich darin, daß von den 483 Streiks des Jahres 1896— 151 Ab wehrstreiks waren und von den 578 des Jahres 1897— 248. Ursache dieser letzten war in 51 Fällen die Zu⸗ mutung, aus der Organisation aus zu⸗ treten, in 62 Fällen Maßregelung, in 102 Fällen Lohnkürzung, in 9 Fällen Verlängerung der Arbeitszeit, in 4 Fällen Einführung einer Arbeitsordnung. Also trotz der allgemeinen günstigen Lage des Marktes mußten sich die Arbeiter in 111 Fällen durch einen Streik gegen die Verschlimmerung ihrer Lage wehren. Noch kennzeichnender ist es, daß in 113 Fällen die Unternehmer es riskierten, durch einen Streik den Betrieb unterbrochen zu sehen, nur um die Arbeiter ihre Macht fühlen zu lassen, um die Organisation zu schädigen, organisierte Arbeiter zu maßregeln.— Es sind das bekannte That⸗ sachen, aber man kann sie angesichts der Zucht⸗ hausvorlage nicht oft genug wiederholen. Es handelt sich heute in Deutschland um einen Entscheidungskampf über das Bestehen und die Weiterentwickelung der gewerkschaftlichen Organisation der Arbeiter. Das plumpe Wort von dem„Herrn im eigenen Hause“, welches die protzigen Unternehmer hinausgeschrien, und welches dann die Kommis der Bourgeosie an den Regierungstischen sich zu eigen gemacht haben, mindestens 12 mal. Aufgabe 50% ͤ Rabatt beleuchtet die Situation vortrefflich. Wo Herren sind, müssenBeherrschte sein,lUnterwürfige, Rechtlose, Sklaven und die Arbeiter zu rechtlosen, willenlosen, unterwürfigen Sklaven zu machen, das ist das Bestreben der Unter⸗ nehmerklasse nicht erst seit heute. Nicht deshalb wird der Ordnungsphilister zum fanatischen Bekämpfer der Sozialdemokratie, weil ihm bange vor dem Zukunftsstaate ist, sondern weil er seinen Profit bedroht sieht von dem„begehr— lichen Arbeiterpack“, und je weiter sich die Vir hältnisse entwickeln, je mehr die Lage geklärt wird, desto mehr spitzt sich der Kampf auf den rein wirtschaftlichen Gebiete zu. Schon zur Zeit des Sozial stengesetzes wurde die Situation von den Unternehmern nach Kräften ausgenützt, um die Gewerkschaften lahmzulegen, und die Bismarck und Puttkamer hatten nichts eiligeres zu thun, als sich ihnen willfährig zu erweisen; der Ansturm wurde von den Arbeitern zurückgeschlagen, die Gewerkschaften behaupteten ihre Stellung, höchstens wurde ihre Entwickelung aufgehalten. Das Sozialistengesetz fiel und so⸗ fort wurde ein neuer heimtückischer Angriff gegen diese Organisation unternommen: Im Jahre 1890 brachte die Regierung einen Gesetzenwurf zur Abänderung der Gewerbeordnung ein, in diesem Entwurf war ein„Kontraktbruchspara⸗ graph“ enthalten und eine furchtbare Verschärfung des§S 153. Wären diese Paragraphen Gesetz geworden, der Kleinkrieg, welchen die Unter⸗ nehmer mit Hilfe der Polizei gegen die Gewerk— schaften führen, wäre den letzteren noch gefähr⸗ licher geworden. Seither haben sich die Gewerkschaften in Deutschland ziemlich gut entwickelt. Trotz der denkbar ungünstigsten Verhältnisse, trotz der langandauernden schleichenden Krise, welche die Lebenshaltung der Arbeiter herabdrückte, trotz der sozialen Umwälzung, welche Jahr ein Jahr aus Hunderttausende jeder Organisationsbe— strebung fremde Landarbeiter in die Industrie treibt, wodurch der Widerstandskraft der Or— ganisationen die größte Gefahr erwächst, trotz schließlich der widergesetzlichen Haltung der Be— hörden, die auf Schritt und Tritt sich in den Dienst der Unternehmer stellen, hat die Gewerk— schaftsbewegung ununterbrochen, wenn auch lang— sam Fortschritte gemacht. Nachdem seit ein paar Jahren die Krise einem lebhaften Aufschwung gewichen ist, machten sich die Früchte der ununterbrochenen emsigen Thätigkeit der organisierten Arbeiter bemerkbar. Wenn auch die günstige Situation nicht voll ausgenutzt werden konnte, weil eben die Or⸗ ganisationen noch nicht genügend erstarkt sind, konnte man doch wenigstens auf den am meisten bedrohten Punkten dem Gegner mit Erfolg ent— gegentreten. Dieser Gegner hat wahrlich auch nicht die Hände in den Schooß gelegt. Die Unternehmer slehen heute besser als je gerüstet den organi⸗ sierten Arbeitern gegenüber. Zum Teil werden sie von der natürlichen Entwicklung begünstigt, die Riesenbetriebe, die im letzten Jahrzehnt ge— waltig anwachsen, können mit Leichtigkeit den Kampf aufnehmen, so lange die Arbeiterorgani— sationen nicht zu voller Machtentfaltung ge⸗ kommen sind. Vor Allem aber haben auch die Unternehmer zur Waffe der Organisation ge— griffen, und da sie hierbei keinerlei Gefahr von Seite 2. Mitteldeuische Sountags⸗Zeitung. Nr. 33. Seiten der Behörden ausgesetzt sind, so stehen sie heute den Arbeiterorganisationen vorzüglich gerüstet gegenüber. Seit aber dem so ist, seit das Unternehmertum sich zielbewußt und wohl⸗ überlegt zum Kampfe gegen die Gewerkschaften rüstet, scheint auch eine gewisse Aenderung der Taktik im Kampfe gegen die Arbeiterklasse vor sich zu gehen. Galt bisher die Sozialdemokratie als der gefährlichste Geaner, so wendet sich jetzt das Bürgertum mit aller Wut gegen die Ge⸗ werkschaften. Und, kein Zweifel darüber, der Kampf wird mit aller zähen Ausdauer und mit großen Mitteln geführt, das zeigt schon die fieberhafte Thätigkeit, mit welcher seit Prokla⸗ mierung des Zuchthauskurses für die kommende Gesetzesvorlage agitiert wurde und die krampf⸗ baften Bemühungen jetzt noch, nach der ersten Niederlage Stimmung für den legislatorischen Wechselbalg, der Streikvorlage, zu machen. Das ist sehr erklärlich: der wirtschaftliche Auf— schwung hat dem deutschen Unternehmertum den Mut gewaltig anschwellen lassen, es wird wag⸗ halsig, es möchte mit vollen Händen den Gold— regen aufraffen, und gerade jetzt wird das„be— gehrliche Arbesterpack“ unbequem— daher die Wut. Und da keine andern Waffen zu Haud, kämpft man mit den alten Mitteln der Polizei— gewalt, mit dem Zuchthausgesetz. 5 Bei dieser Situation ist für Jeden, dessen Urteil nicht direkt durch Rücksichten auf das Unternehmerinteresse beeinflußt wird, die Stellung⸗ nahme klar: Ein Sieg der Scharfmacher würde dazu führen, den wirtschaftlichen Kampf der lrbeiter ungemein zu erschweren, die Mittel zur Durchführung eines Streiks werden ihnen verboten. Dadurch wäre es aber herbeigeführt, daß die Arbeiter noch weniger Aussichen hätten als heute, sich der wirtschaflichen Uebermacht des Kapitals zu erwehren. Das bedeutet Herab— drückung der Arbeiter auf die Lebenshaltung des chinesischen Kuli, Rückgang der gesamten Kultur. Für die Abeiter handelt es sich nicht um die Abwehr eines einzelnen Attentates, sondern um die Austragung eines entscheidenden Kampfes. Die Machtfrage ist aufgeworfen von den Unter⸗ nehmern; jeder einzelne Streik wird heute von ihnen als eine solche Machtfrage hingestellt und die Zuchthausvorlage ist die Generalisierung dieser Einzelfragen. Die einzige Macht, welche die Arbeiter auszuspielen haben, ist ihre Organi- sation; man will diese Organ sationen vernichten — wohlan, machen wir die Organisation der Gewerkschaften unüberwindlich! Kein Arbeiter darf außerhalb seiner Gewerk— schaft bleiben.— Die Unterneh er, die auf Schritt und Tritt Terrorismus in jeder Form üben, schreien Zetermordio, wenn der Arbeiter erklärt, es sei sein gutes Recht, nicht mit einem Streikbrecher, einem Verräter an seiner eigenen Sache und der seiner Brüder, zu arbeiten. Die Antwort darauf muß sein, daß bald in Deutsch— land, wie es heute in England ist, in mauchen Gewerben die Werkststätten nur noch von Ge— werkschaftlern bevölkert sind. Spannen wir alle Kräfle an, dieses Ziel zu erreichen.— Für die Sozialdemokratie aber, für die politische Organi⸗ sation der Arbeiter, besteht die Aufgabe, ihre ganze Macht einzusetzen, um den Arbeitern die volle, uneingeschränkte Koalitiousfreiheit zu sichern. Wie die Dinge heute in Deutschland liegen, bei der rapiden Umwälzung, welche sich hier vollzieht, wird die Ausübung des Koa⸗ litionsrechtes bedingt nicht nur durch die volle Freiheit in dieser Beziehung, sondern auch da⸗ durch, daß den Arbeitern Schutz gewährt wird gegen die übermäßige Ausbeutung, welche sie der Lebenskräfte beraubt, sie zu willeulosen Werkzeugen der Ausbeuter macht. Daher ist die Losung im Kampfe gegen den Uebermut der Unternehmer, gegen das kulturfeindliche Zucht— hausgesetz— Köalitionsfreiheit und Arbeiter— schutz. Politische Rundschau. Gießen, den 11. August. Sozialdemokratische Mintister. Selbst bürgerliche Blätter erkennen lobend die Thatkraft an, womit der aus den Reihen der„Umstürzler“ entnommene neue Handelsminister Frankreichs, unser Genosse Millerand, es in den fünf Wochen seiner Amts⸗ führung verstanden hat, die Einrichtung seines Ministeriums vollständig umzugestalten. Bisher bildeten die industriellen und Arbeiter- fragen nur ein Anhängsel, das vor zehn Jahren dem Handel beigegeben wurde. Millerand hat nun die Abteilungen seines Ministeriums genau den Beschlüssen der Kammer, die verschiedene Sonderausschüsse für die sozialen Fragen ernannt har, angepaßt. Die Zahl der Einzel⸗ büreaus im Ministerium ist dadurch allerdings vermehrt worden, aber dem Budget erwächst daraus keine Erhöhung, weil Millerand gleich zeitig vier hoch besoldete Direktorstelleu aufge— hoben hat. Der„Courier du Soir“ spricht die Hoffnung aus, daß alle Minister eine ähnliche Thatkraft entwickeln möchten, wie ihr sozialistischer Kollege. Aus der Schweiz wird geschrieben: In dem über den Eintritt des Genossen Millerand in das sranzösische Ministerium Waldeck-Rousseau entbrannten Parteistreite darf daran erinnert werden, daß wir in der Schweiz bereits zwei sozialdemokratische Minister haben, wovon der eine Genosse Ernst in Zürich und der andere Genosse Thiebaud in Genf ist. Erast war früher Sekundarlehrer und sodann Stadtrat(Magistrat) von Winter⸗ thur, Thiebaud war früher Uhrenarbeiter und zuletzt Redakteur des sozialdemokratischen „Peuble“ in Genf. Ju beiden Kantonen forderten die Sozialdemokraten ihren Anteil an der Re— gierung, den die Radikalen in Genf ohne Weiteres anerkannten, während die züricherischen Genossen sich ihn in hartem Kampfe erobern mußen. Die sozialdemokratischen Grun dsätze kamen hierbei gar nicht in Betracht; man sah die Forderung als eine Sache der Parteitaktik an, worüber keinerlei Meinungsverschiedenheit bestaud. Man hat die große Macht der Behörden erkannt und als aufstrebende Partei, der die Zukunft gehören soll, erachtet man es als notwendig, sich den entsprechenden Einfluß in diesen Behörden zu erkämpfen und zu sichern. Im Kanton Zürich 3. B. würden die Sozialdemokraten den Liberalen und Demokraten deu größten Gefallen erweisen, wenn sie auf ihre Vertretung in den Verwaltun s- und Justizbehörden verzichten würen. Aus der deutschen Rechtsprechung. Eigige Reserveoffiziere hatten Briese zur Post gegeben, in deuen zu einer Abschieds⸗ feier für den Bezirkskemmandeur eingeladen war. Die Briefe versahen die Herren mit der Aufschrift„Militaria“(]) und einem Abdruck des Dienstsiegels.(() Von Frankatur war unter diesen Umstäuden natürlich keine Rede. Die Oberpostdirektion in C. fand hierin einen Verstoß gegen das Postgesetz und leitete gegen die Beteiligten das Strafverfahren wegen Porto⸗Hinterziehung ein. Das Schöffen⸗ gericht in B. hielt die Angeklagten für schuldig. Dieselben wären bei gehötiger Auf— merksamkeit im Stande gewesen, den nicht rein dienstlichen Charakter ihres Schreibens zu erkennen. Auf Berufung hob die Strafkammer in C. das Urteil des Schöffengerichts auf und sprach die Angeklagten frei, weil sie über die gesetzlichen Bestimmungen der Portofreiheit sich in einem nicht auf Fahrlässigkeit beruhenden Irrtum befunden hätten. Das Reichsgericht hat das letztere Urteil bestätigt. Zu gleicher Zeit geht folgende Notiz aus Karlsruhe durch die Blätter: „Die Austrägerin des„Volksfreundes“ in Dur⸗ lach hatte Anfang dieses Jahres wegen Postvergehen— sie hatte in einer Anzahl von Fällen den„Volksfreund“ und die„Schwäbische Tag wacht“ den Abonnenten auf einem Bestellgang zugestellt— ein Strafmandat auf 1800 Mark erhalten. Sie beantragte gerichtliche Ver— handlung, bei der vor der Strafkammer festgestellt wurde, daß die Frau nicht selbststäͤndige Bezieherin der beiden Zeitungen sei, sondern einerseits der sozialdemokratische Verein Durlach, andererseits der Mann der Aus— trägeri. Der Staatsanwalt beantragte laut„Volks freund“ Verurteilung, wobei er zugab, daß die Frau aus Fahrlässigkeit und Unkenntnis des Gesetzes ge⸗ handelt habe. Das Urteil lautete auf eine Geldstrafe von 1497 Mark oder 6 Woog dt. Nach den Ent⸗ scheidungsgründen hat der Gerke ie Vo keit der Handlung angeno meme; Das Karlsruher Gericht hat anscheinend bet der Arbeiterfrau im Gegensatz zu der Anschau⸗ ung des Staatsanwalts eine gewisse Bildung angenommen, die das Reichsgericht bei den Reserve⸗Offizieren nicht vorausgesetzt hat; anders ist die Annahme eines entschuldbaren Irrtums in dem Leipziger, einer Vorsätz⸗ lichkeit in dem Karlsruher Urteil nicht wohl zu erklären. Der„gewöhnliche Menschenver⸗ stand“, der allerdings in den Augen vieler Ge⸗ rich e einen geringen Kurswert hat, wird wenigstens der Meinung sein, daß es mindestens ebenso leicht ist, zu begreifen, daß eine„Ab⸗ schjedsfeier“ keine„dienstliche Angelegenheit“ ist, als sich in den zuweilen etwas knifflichen Be⸗ stimmungen des Preßgesetzes zurechtzufinden. Daß Reserve⸗Offiziere sich vor deutschen Ge⸗ ri“ ten eines anderen Rechtes erfreuen, als die Austrägerin eines sozialdemokratischen Blattes, ist ja selbstverständlich ausgeschlossen— meint die Kleine Presse, der wir vorstehende Zeilen entnahmen. Zum Kapitel der Soldatenmißhand⸗ lungen liefert das Sächsische Volksblatt einen Beitrag. Am 27. Juli ertrank beim Baden der Berg⸗ mann Schönfelder in Niederplanitz bei Zwickau. Die Witwe teilte die Todesnachricht ihrem beim 12. sächsischen Fußartillerie-Regiment in Metz steheuden Sohn mit und ersuchte ihn, sich zum Begräbnis Urlaub geben zu lassen. Telegraphisch und später schriftlich wurde der Witwe Schön⸗ felder eine Mitteilung aus dem Garnisonlaza⸗ ret zu teil, daß iht Sohn wegen linksseitigen Mittelohrkatarrhs sich in Lazaretbehand⸗ lung befinde und deshalb nicht nach Hause kommen könne. Wie der Mittelohrkatarrh entstanden ist, schildert nun folgender Brief des erkrankten Kanoniers an seine Mutter: Von meinem Schreck erholt, ergreife ich die Feder, um Dir mitzuteilen, daß ich beinahe in Ohnmacht fiel, als ich die Depesche erhielt, daß meinen herzlich geliebten Vater der Schlag getroffen; als ich aber von meinem Oberarzt erfuhr, daß er mich nicht entlassen könne, da war's ganz aus mit mir. 1 Nachdem ich mich von diesem Schreck erholt hatte, ging ich zum Herrn Chefarzt und stellte diesem meine Bitte vor, aber auch da wurde ich abgewiesen. Er sagte, da ich nicht entlassungsfähig wäre, könne er auch weiter nichts daran thun. Ich setzte alles in Bewegung, doch es blieb alles ohne Erfolg und muß ich mich nun in mein Schicksal drein ergeben, komme nun, wie es will. Ich muß mich meinem Schmerze ergeben, wiewohl i meinen Vater doch gar so gerne noch einmal gesegen hätte. O, wer hätte das glauben sollen, als ich weg⸗ fuhr, daß ich meinen Vater nimmer wiedersehe. Herzlich geliebte Mutter! Ich will dir noch mitteilen, warum ich in das Lazarett gekommen bin. Es war am 16. Juli d. J., als ich von einem Unteroffizier einige Ohrfeigen erhielt. Nach diesen hatte ich immer Ohrenreißen und mußte mich schließlich krank melden, worauf ich in das Lazarett überführt wurde. Nach⸗ dem mich der Arzt untersucht hatte, mußte ich auch die Wahrheit, daß mich der Unteroffizier geschlagen hat, sagen. Das kommt zur Untersuchung, weil das linke Trommelfell kaput ist. Es grüßt Dein tieftrauernder Sohn Emil— Die schlichten Ausführungen dieses Briefes lprechen für sich selbst. Auch dieser Fall zeigt wieder, daß mit bekannten Erlaß des Prinzen Georg von Sachsen nicht. allenthalben nach⸗ gegangen wird. Volksschule im Kasernenstaat. Eine soeben bekannt gewordene Verfügung über Lehrermangel aus militärischen Gründen erläßt die Regierung zu Liegnitz. Sie lautet: „Es ist in diesem Jahre wieder eine so überaus große Zahl vou Lehrern zu militäri⸗ scheu Uebungen einberufen worden, daß wir, besonders da auch viele der uns zur Verfügung stehenden Schulamtskandidaten Gestellungs⸗ befehl erhalten haben, völlig außer Stande sind, allen Anträgen auf Ueberweisung eines beson⸗ deren Vertreters zu entsprechen und nur in wenigen, ganz besonders dringlichen Fällen Aus⸗ hilfe gewähren können. Wir bringen dies zur allgemeinen Kenntnis, um die in den einzelnen Fällen zur Milderung des zeitweiligen Not- standes getroffenen Anordnungen erklärlich zu machen.“ ue scnend Das 0 cl egal) Auerberg sagelde. ai den! geche Oht also der Mt we Aubeiter schäze d der Ma alt lber au b im! lulter Dee Lan Ne kapit s ple emal egal; ecalab Junkern lasen, hu erh Achektie * Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 3. Das ist ein treffendes Kennzeichen von der N Uebermacht des Militarismus gegenüber den 0 0 obersten Staatsbehörden, welche die wahren 1. Kultur⸗Interessen zu wahren haben. Drastischer being kann wohl kaum die völlige Ohnmacht der be⸗ ˖ dn ßhürdlichen Kulturfaktoren illustriert werden als Aut durch obige Urkunde der Liegnitzer Regierung. fel Kasernentum und Zuchthauskurs— al das sind die deutsch- nationalen„Exrungen— 0 wohl 0 schaften“ an der Wende des zwanzigsten Jahr- N10 hunderts! „ din Ein herzogliches Taschengeld. lͤdestez Der Herzog von Arenberg, ehemals„reichs⸗ le b. unmittelbarer“ Herr in der„Veste“ Reckling⸗ heit“, hauseg, hat durch die Gunst der die Junker hen Ie. schonend behandelnden Gesetzgebung in Preußen finde. das„Recht“ behalten, von den in dem Kreise hen G. Recklinghausen belegenen Zechen Abgaben als e.(Regal) zu erheben. Was auf diese Weise dem Alattt, Arenberger mühelos in den Schoß fällt, ergiebt — meint folgende Uebersicht. Im letzten Jahre zahlten gelen an den Arenberger: f Zeche Prosper 1 24 241,21 M. band. f„ Prosper 2 65 971,86„ r„ Ewald 1 und 2 50 398,78„ „ Ewald 3 und 4 3 015,96„ Beitrag„ General Blumenthal 38 003,83„ r Bel.„ Graf Bismarck 1 9 183,56„ Jwickal.„ Graf Bismarck 2 41 210,86„ em bein. 5 Graf Bismarck 3 19 655,17„ in N. 5 Graf Moltke e e, ich zu„ Asterfeld 31.604,07„ Fun„ Recklinghausen 1 18 289,58„ rabhssg„ Recklinghausen 2 22 203,03„ Schöh⸗„ Hugo 1 20 346,19„ olan„ Hugo 2 15 727,36„ eitigen„ Hugo 3 12 195,57„ tbehand⸗„ Schlägel und Eisen 30 413,98„ kommen„ König Ludwig 34 876,08„ den it„ Mathias Stinnes 703,22%% i Nordstern 40 063,55„ krankten 1 5 ö„ Unser Fritz 2 508 i Sch Summa 522 966,54 M. nacht fie, Ohne dafür einen Finger zu krümmen, sackt geichten also der Herzog über eine halbe Million ein. Meilen Mit welchem Recht? fragt die„Rhein.-Westf. önne, du Arbeiter⸗Zeitung“. Ehedem gehörten die Erd— schätze den kommunistischen Gemeinwesen lt kale, der Markgenossen. Durch das Recht der Ge— 0 mee walt ging das Eigentum an den Fossilien 0 über an den deutschen Kaiser; diesem zwangen 1„ es im 14. Jahrhundert die Landesfürsten, da⸗ 10 fkunter auch die Vorfahren des Arenbergers, ab. e ul. Die Landesfürsten wurden wieder enteignet durch zoll!! die kapitalkräftige Baurgeoisie, aber 1865 machte L ge das preußische Berggesetz eine Ausnahme: Den ic ve ehemaligen„Reichunmittelbaren“ beließ man das f Regal; ja 1892, als der Fiskus auf die mittelten, Regalabgabe verzichtete, wurde dennoch den 65 vil Junkern ihr„altes wohlerworbenes Recht“ ge— sroffgl lassen. Sie dürfen weiter Abgaben vom Berg⸗ hatte 9g bau erheben. Das Junkerrecht wurde also ic kun respektiert, wie sah es jedoch aus mit dem de. Jh, Bergarbeiterrecht? Die Bergleute hatten auch d früher viele Vorrechte, Steuer- und Militär⸗ . 1 freiheit, Volks⸗ und Weiderecht, den Auspruch u lin auf ständige Arbeit, staatlich geregelte Schicht- l zeit und sogar amtlich normierten Arbeitslohn. l Alles hat man den Arbeitern genommen, kein 1 altes Recht haben sie behalten. Den nichts⸗ al zan thuenden Junkern beließ man das volkswirt⸗ din schaftlich unberechtigte Regal, dem schwer 1 0% schuftenden Bergarbeiter nahm man alle Vor⸗ rechte. So geschehen im Lande des„gleichen . Rechts für alle Staatsbürger.“ WN Kartell⸗Terrorismus. rishel Zu diesem Kapitel bekommt die„Frankf. lib, Ztg.“ Kenntnis von folgendem Rundschreiben: (ine o Delbrück Leo u. Co. mit Verkaufsstelle des Verbandes deutscher Drahtstift⸗ 5 vil, Fabrikanten. ügulh Berlin, den 1. August 1899. 0 An sämtliche Mitglieder! 700 Der Uebersicht halber geben wir Ihnen nach⸗ a stehend ein Gesamtverzeichnis derjenigen Werke, 1 welche Drahtstifte herstellen, ohne unserem Ver⸗ % bande als Mitglieder anzugehören und demnach de g als renitente Werke zu betrachten sind, denen ; 1 Nok fl 9 slic 1 weder Draht noch Drahtstifte offeriert, verkauft oder geliefert werden dürfen. Hochachtungsvoll Verkaussstelle des Verbandes deutscher Drahtstift⸗ Fabrikanten: i. V.: W. Furthmann. (Folgt die Aufzählung von 22 Firmen.) Ueber solchen Terrorismus regt die Ord— nungspolitik sich nicht auf; er gehört ja zum System, das seine Herrschaft auf den Geldsack gründet! Aus Belgien. Bei überfüllten Tribünen erschien das neue Ministerium am Dienstag zum ersten Mal vor der Kammer. Der Ministerpräsident Smet de Nayer verliest die Erklärung, daß das Mini⸗ sterium dem Wunsche des Landes solgend sofort die Proportionalwahlen durchzuführen be⸗ absichtige. Die Regierung werde nach den gleichen Grundsätzen handeln, die die b'sherigen Regier⸗ ungen der Rechten leiteten. Der langjährige Ministerpräsident Vanden peereboom, der durch das Drängen des Volkes kürzlich zum Rücktritt gezwungen wurde, drückte unter schallen⸗ der Heiterkeit der Linken im Namen der Ma⸗ jorität des Landes dem neuen Ministecium volles Vertrauen aus. Der Sozialdemokrat Vander⸗ velde konstatiert in einer großen glänzenden Rede, daß an die Stelle eines rein klerikalen Ministeriums ein großkapitalistisches ge⸗ treten sei. Es steht sest, daß die Sozialdemo⸗ kraten geschlossen gegen das neue Wahlgesetz stimmen werden, zumal Smet de Naeyer nach dessen Annahme nicht für sofort Neuwahlen in Aussicht stellt. Der neue Dreyfus⸗Prozeß. Am Montag haben in Rennes die Ver⸗ handlungen vor dem Kriegsgericht ihren Anfang genommen. Der letzte Akt des Dreyfusdramas hat begonnen; das Kriegsgericht wird bald den entscheidenden Spruch fällen, nachdem am 3. Juli d. J. das Urteil des Kassationshofes die Möglichkeit, das begangene Verbrechen zu sühnen, gegeben hat. Niemand zweifelt mehr daran, daß die Uuschuld des Hauptmanns Dreyfus klar zu Tage liegt, und die Erwartung, daß das Gericht zu einem glatten Freispruch kommt, ist allgemein. Soweit also der Prozeß die Person Dreyfus' angeht, werden jedenfalls die Verhandlungen in Rennes abschließend sein. Eine denkwürdige Affaire wird ihren Abschluß finden. Welche Fülle von Ereignissen seit jenem 15. Oktober 1894, da Dreyfus verhaftet wurde! Lang hatte es gedauert, bis die jenigen, die von der Unschuld Dreyfus' überzeugt waren und für den unschuldig Verurteilten eintraten, Gehör fanden. Als im Jahre 1896 Bernard Lazare den Nachweis führte, daß Dreyfus das Bordexeau nicht geschrieben habe, kümmerte sich kaum jemand um die An⸗ gelegenheit, und als der Fall Dreyfus zu einer Affaire geworden war, dauerte es lange, bis die öffentliche Meinung auf die Seite der Ver⸗ teidiger Dreyfus' trat. Es hat unermüdlicher und unerschrockener Arbeit im Dienste der Ge⸗ rechtigkeit bedurft, um die Sache so weit zu bringen, daß der Person des Hauptmanns Dreyfus Gerechtigkeit widerfahren, daß das an ihm begangene Verbrechen gesühnt werden kann. Aber es handelt sich ja nicht bloß um die persönliche Angelegenheit des unschuldig Verur⸗ teilten. Was die Sache des Hauptmanns Dreyfus zur„Affaire“ machte, die in ganz Europa mit Spannung verfolgt wurde, das war die Korruption imfranzösischen Staats⸗ wesen, die im Verlauf des Kampfes um Dreyfus enthüllt wurde. Die einfache Rechts⸗ frage wurde zu einer Haupt⸗ und Staatsaktion, bei der das Schicksal der Republik auf dem Spiele stand. Der Kampf gegen die Fälscherbande, die den Lauf der Gerechtigkeit hemmte, war zugleich ein Kampf um den Bestaud der Republik. Gewiß werden die Generalstäbler und ihre Gefolgschaft die schwerste Niederlage erleiden, wenn die Rechtsfrage in Rennes erledigt wird. Aber mit der Rehabilitierung des Hauptmanns Dreyfus ist die Affaire nicht erledigt, so weit sie das ganze französische Staatswesen betrifft. Es gilt dann noch, das ganze Fälschernest aus⸗ zuheben, und unnachsichtlich die Schuldigen zu treffen, volle Klarheit in die verbrecherischen Machenschaften der Generalstabsclique zu bringen. Mit den Tagen von Rennes wird daher die „Affaire“ noch nicht erledigt sein dürfen, wenn die gegenwärtigen Staatsleiter in Frankreich das Uebel an der Wurzel greifen wollen— vorausgesetzt, daß sie die Kraft und die Energie besitzen, den letzten Schleier zu lüften, und vor keinem Kampfe mit dem Fälscherbunde zurück— schrecken. Renten für die Kriegs- teilnehmer. In den Kreisen der Kriegsteilnehmer ist man viel⸗ fach der irrigen Ansicht, daß durch ein neues Gesetz für die Militärinvaliden eine höhere Reute bewilligt worden sei. Dem ist aber nicht so. Der Sachverhalt ist viel⸗ mehr folgender: Zu den Petitionen, die am regelmäßigsten beim Reichs⸗ tag eingehen gehören die der Kriegsinvaliden. Dent Drängen aller Parteien wurde im Jahre 1893 soweit nachgegeben, daß die Kriegszulage von monatlich 6 Mk. auf 9 Mark, also pro Tag um knapp 10 Pfg. erhöht wurde. Viele tausende bedürftiger Invaliden petittonierten beim Reichstag um Besserung ihrer Lage. Ihre! Petitionen trat der Reichstag bei. Die Regierungen stellten sich jedoch auf den Standpunkt, daß au eine allgemeine Erhöhung der unzureichenden Sätze nicht zu denken sei. Noch schlimmer als die eigentlichen In⸗ validen waren viele tausende von ehemaligen Soldaten daran, die zwar unverletzt aus den Feldzü zen heim⸗ gekehrt, aber infolge der erlittenen Strapazen vor⸗ zeitig siech und erwerbsunfähig geworden waren. Ihre Bitten um Führsorge hatte der Reichstag wieder— holt für berechtigt erklärt. Nicht so die Regierungen. Im sogenannten Jubiläumsjahre 1895 konnte nicht mehr gut über diese Anträge hinweggegangen werden. Selbst die Regierung, die für neue Rüstungen, Schiffe u. dgl. hunderte von Millionen fordert, mußte auerkennen, daß wenigstens im Fall und für die Dauer der Bedürftigkeit den ehemaligen Kriegsteilnehmern Bei⸗ hilfen gewährt werden sollten. Durch Gesetz vom 22. Mai 1895 wurden deshalb Beihilfen für solche vorge— schlagen, die an einem der Kriege ehrenvoll teilgenommen und sich wegen dauernder gänzlicher Erwerbsunfähigkeit in unterstützungsbedürftiger Lage besinden. Ausgeschlossen von dem Empfang solcher Beihilfen sind nach dem Ge⸗ setz Persongen, welche aus Reichsmitteln gesetzliche Inva⸗ lidenpensionen oder entsprechende sonstige Zuwendungen erhalten, ferner solche, welche nach ihrer Lebensführung der beabsichtigten Fürsorge als unwürdig anzusehen sind und endlich Personen, welche nicht Deulsche sind. Dasselbe Gesetz läßt auch vom 1. April 1899 ab die Zuwendung von Zuschüssen an Witwen und Kinder der im Kriege gefallenen oder infolge des Krieges gestorbenen Militärpersonen zu, sofern und so lange der Fall eines„Bedürfnisses“ vorliegt. Der Höchst⸗ betrag dieses jährlichen Zuschusses beträgt 120 Mark. Die nach den Bestimmungen des Militär⸗Pensionsgesetzes vom 21. Juni 1871 den Hinterbliebenen zu zahlen den gesetzlichen Bezüge, zu denen jetzt der Zuschuß in Höhe bis 120 Mk. tritt, beträgt: 1. für die Angehörigen von Offizieren: für die Witwen der Generale 1500 Mk., der Stabsoffiziere 1200 Mk., der übrigen Offtziere 900 Mk., für jedes Kind eines Offiziers bis zum vollendeten 17. Lebensjahre 150 Mk., für Doppelwaisen 225 Mk, 2. für die Angehörigen von Nicht⸗Offizieren: für die Witwen der Feldwebel 324, der Unteroffiztere 252, der Gemeinen 180 Mk., jedes Kind eines Angehörigen der Nicht⸗Offiziersklasse bis zum vollendeten 15. Lebens⸗ jahre 126, Doppelwaisen 180 Mark. Nach der im„Reichs⸗Anzeiger“ vom Freitag den 28. Juli veröffentlichten Bekanntmachung des Kriegsministers sind die Anträge der Witwen auf Zuschußgewährung an die Polizeiverwaltung oder an das Landrats⸗, Be⸗ zirks⸗ oder Kreisamt ihres Wohnorts zu richten. Von den Behörden sind die Anträge in Bezug auf die Prüfung der Unterstützungsbedürftigkeit zu begründen und an die Generalkommandos zu senden. Auch früher bereits wegen Mangel an Mitteln abge⸗ lehnte Anträge von Kriegsinvaliden, deren Wittwen und Hinterbliebenen können, da jetzt Mittel bewilligt sind, von neuem gestellt werden. Dies Gesetz hat zwei erhebliche Fehler, auf deren Abstellung die soclaldemokratischen Abge⸗ ordneten im Jahre 1895 vergeblich drangen. Der eine dieser Fehler besteht in der almosenartigen Niedrig⸗ keit der Beihilfen. Die Beihilfe beträgt nämlich nur 120 Mk. jährlich. Die Socialdemokraten hoben zur Be⸗ gründung ihres Antrags, den Sold auf 360 Mark jährlich zu erhöhen, hervor, daß für einen völlig er⸗ werbsunfähigen Meuschen doch wohl e Mark das mindeste sei, dessen er zur Lebensfristung benötige. Ihnen Seite 4. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. K Nr. 33. traten die Konservativen unter Führung des Abg. v. Leipziger, das Centrum unter Führung des Abg. Dr. Bachem, die Stumm⸗Krupp⸗Partei durch den Abg. v. Kardorff die antisemitische durch den Abg. Dr. Förster, die Regierungen durch den Staatssekretär Grafen v. Posadowsky lebhaft entgegen. Den vollen Beifall der Konservativen errang die Ausführung des Grafen Posadowely, daß mit 120 Mark jährlich vollkommen arbeitsunfähige Kriesteilnehmer„auf dem Lande ein wenn auch sehr bescheidenes, sehr dürftiges, doch von der öffentlichen Wohlthätigkeit unabhängiges Leben führen“ könnten. Es blieb bei den 120 Mark. Und auch eine in diesem Jahre socialdemokratischerseits gegebene Anregung, diesen Betrag zu erhöhen, wurde von den in patriotischen Phrasendrescherein so gern sich ergehenden„Ordnungsparteien“ abgelehnt. Dieselben Parteien hatten einige Jahre zuvor das Einkommen des Reichskanzlers auf 100 000 M. jährlich festgesetz, das der Staatssekretäre von 24 auf 30000 M. erhöht. Ein zweiter erheblicher Fehler des Gesetzes vom 22. Mal 1895 bestand darin, daß durch dies Gesetz zu wenig Mittel bereit gestellt waren, um auch nur die Bei⸗ hilfe von 120 M. jährlich allen bedürftigen Kriegs⸗ teilnehmern zuwenden zu können. Die Abhilfe dieses Fehlers wurde in diesem Jahre einstimmig vom Reicks⸗ tag verlangt. Die Regierung kam diesem Verlangen durch Vorlegung eines Gesetzentwurf entgegen, der eine — allerdings wohl abermals nicht ausreichende— Er⸗ höhung der Mittel für Beschaffung von Beihilfen vor⸗ sieht. Dieser Entwurf ist am 1 Juli d. J. Gesetz ge⸗ worden und am 10. Juli veröffentlicht. —— Von Uah und Fern. Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind jederzeit willkommen Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissen⸗ haftigkeit bei Uebermittelung von Nachrichten.— Wir bitten alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben. Zur Landtagswahl in Hessen. *Die erste offizielle Bekanntmachung des Kreisamts in Gießen betreffend die bevorstehende Landtagswahl ist nunmehr erfolgt. Die Bürger— meister der in Betracht kommenden Wahlorte werden aufgefordert, bis zum 1. September die Urwählerlisten aufzustellen. Demnach können die Wahlen frühestens im zweiten Drittel des September stattfinden. Gießener Wahlverein. * Am vergangenen Samstag hat der Gießener Wahlverein eine Generalversammlung abgehalten. Leider war dieselbe nur mäßig besucht. Ein⸗ stimmig wurden wiedergewählt der Vorsitzende Beckmann und der Kassirer Petersen. Die Kassenführung des letzteren war von den Revi— soren in bester Ordnung befunden worden. Als Delegierte zur Kreis konferenz in Lollar wurden Beckmann, Dahmer und Lotz, für die Landeskonferenz in Mainz Scheidemann gewählt. Angenommen wurde folgender An— trag an das Landeskomité:„Die Generalver— sammlung des Wahlvereins Gießen beantragt, daß die Landeskonferenz Stellung nehmen möge zu den die Partei beschäftigenden faktischen Streilfragen. Es dürfte sich empfehlen, einen besonderen Referenten für diesen Punkt zu er⸗ nennen.“— Es wäre sehr erwünscht, wenn sich dem Gießener Wahlverein immer mehr neue Mitglieder anschließen würden. Wer das 18. Lebensjahr vollendet hat, kann Mitglied werdeu. Der monatliche Beitrag beträgt 20 Pfg. Derselbe kann in den regelmäßigen Versamm— lungen entrichtet werden, wird aber auch auf Wunsch in der Wohnung abgeholt. Anmel⸗ dungen nimmt jedes Mitglied des Wahlvereins, sowie Expedition, Redaktion und sämtliche Aus⸗ träger der M. S.⸗Ztg. entgegen. Gewerkschaftsfest in Gießen. n. Zu Gunsten der ausgesperrten Arbeiter in Dänemark findet diesen Sonntag ein Gewerk⸗ schaftsfest im Cafe Leib statt. Neben dem löb— lichen Zweck des Festes ist der Besuch auch des⸗ halb sehr zu enpfehlen, weil der große Saal und der schattige Garten des Café Leib in jetziger Zeit treffliche Aufenhaltsorte sind. Mögen sich nicht nur die Arbeiter und deren Familien aus Gießen zahlreich einfinden, sondern auch die benachbarten Orte recht gut vertreten sein. Zur Affaire Schiller. Prof. Schiller hat Gießen verlassen. Wer noch im Zweifel war über die Persönlichkeit des Gemaßregelten, der lese das Organ des Abge— ordneten Köhler, in dem es heißt: „Se. Großmäuligkeit, Herr Professor Doktor Paraphrasius Aureolus Bombastus Hermann Schiller, zu Zeit— aber Gott sei Dank bald„weiland“— in Gießen“ u. s. w. Prof. Schiller war uns persönlich gänz⸗ lich unbekannt. Da er von dem Köhlerblatt in oben wiedergegebener Weise angeflegelt wird, sind wir überzeugt, daß Schiller, dessen Ruf als Gelehrter fest begründet ist, auch ein hochachtbarer Charakter ist. Krieg im Frieden. * Das Infanterie-Regiment Nr. 116 hält am 14., 15. und 16. August Schießübungen in oberhessischen und Wetzlarer Gemarkungen ab. Wem sein Leben lieb ist, der bleibt den ge— fährdeten Gegenden fern. Ein kriegsmäßiger Distanzritt, wie er in der geplanten Ausdehnung bei der deutschen Armee zu Friedenszeiten noch niemals vor⸗ genommen wurde, wird in vierzehn Tagen von Gießen aus seinen Anfang nehmen und durch etn ganzes Kavallexieregimet zur Ausführung gebracht werden. In Aussicht genommen ist das Königsulanenregiment(Nr. 13) in Hannover. Es begibt sich in fünf Sonderzüge nach Gießen. Nachdem es dort zusammengezogen ist, erfolgt der Ritt zunächst über Butzbach, Nauheim, Fried⸗ berg, Vilbel. In der Nähe von Frankfurt wird dann die erste größere Rast gemacht. Von hier aus wird der Marsch über Darmstadt bis nach Straßburg fortgesetzt. Versicherungsschwindel. Den Versicherungsagenten Ferdinand Sch. aus Winkels im Oberlahnkreise hat eine Anklage wegen versuchten Betrug und Untreue, begangen in 16 bezw. 6 Fällen, vor die Schranken der Strafkammer geführt. Angeklagter war seit dem 1. August 1897 in dem Dienste der Ver⸗ sicherungsgesellschaft„Victoria“ in Berlin als Agent angestellt und zwar gegen eine feste Be⸗ zahlung. Da nun Sch. schlechte Geschäfte machte, so kündigte ihm die Gesellschaft unter der Be⸗ willigung des Zugeständnisses, daß die Kündigung als nicht geschehen angesehen werden solle, wenn es Sch. gelinge, bis zu einem bestimmten Zeit⸗ punkt fur 10/00 Mark Versicherungen abzu— schließen. Um diese Summe zu erreichen hat der Angeklagte eine Reihe gefälschter Ver⸗ sicheruagsabschlüsse angefertigt und die auf Grund derselben zu erhebenden Prämien ꝛc. in Ab⸗ wesenheit der Männer bei deren Frauen zu er⸗ heben versucht. Der Angekla te, ist geständig. Das Urtheil lautet auf 1 Jahr Gefängniß. Elend auf dem Lande. Wie den Vorschriften des Gesetzes über den Unterstützungswohnsitz von den Armenverbänden entgegengehandelt wird, zeigt folgender Fall: Auf dem Bahnhof in Osterode(Kreis Osterode) traf dieser Tage eine schwer erkrankte Frau ein, die außer stande war zu gehen und die nach dem Wartesaal geführt werden mußte. Auf polizeiliche Veranlassung wurde sie in Privat- pflege untergebracht. Als die Frau vernommen wurde, gab sie an, mit einem 72 jährigen Ar- beiter verheiratet und in einem einige Meilen entfernten Dorfe wohnhaft zu sein. Als sie vor Wochen schwer erkrante, stellte ihr Mann, der mittellos und außer stande war, ihr die nötige Pflege angedeihen zu lassen, bei dem Ge⸗ meindevorstand wiederholt den Antrag, die Auf— nahme der Frau ins Krankenhaus zu Osterode zu veranlassen. Der Gemeindevorstand weigerte sich, dem Antrage stattzugeben unter Hinweis auf die der Gemeinde entstehenden Kosten. Die Frau hatte infolge des schlechten Lagers, der ungenügenden Pflege und der Hitze in der kleinen Wohnung entsetzliche Qualen auszustehen. Schließlich konnte sie dieselben nicht mehr er— ertragen. Sie verkaufte für 50 Pfg. ihr ein⸗ ziges Paar Schuhe; ein Besitzer fuhr sie zur nächsten Bahustation, nachdem sie ihm versprochen, nach ihrer Genesung dafür ein paar Tage zu arbeiten. Für die gelösten 50 Pfg. konnte die Frau sich die Fahrkarte bis Osterode kaufen, wo sie halbtot ankam. Dem Besitzer bleibt sie die Arbeit schuldig, da sie im Kreislazarett, wohin sie gebracht werden mußte, bald nach ihrer Einlieferung starb. Bei genügender Pflege und rechtzeitiger ärztlicher Behandlung wäre die erst 50 Jahre alte Frau aller Wahr⸗ scheinlichkeit nach am Leben geblieben. Der alte, erwerbsunfähige Ehemann und ein sieben Jahre alter Sohn haben nun eine recht trübe Zukunft vor sich. Die Petroleumskanue. * Der unsinnigen Sitte, Petrole um auf das glimmende Feuer zu schütten, ist wiederum ein blühendes Menschenleben zum Opfer gefallen. Die Bewohner des Hauses Rohrstraße 3 in Offenbach hörten am Samstag gellende Hilf— rufe aus einer Wohnung dringen. Als die beiden Frauen, die allein im Hause anwesend waren, die Thür der Wohnung öffneteu, aus der das Schmerzengeschrei drang, bot sich ihnen ein Entsetzen erregendes Bild. Die Hausfrau stand wie eine große Feuersäule vor ihnen und hielt mit der Hand krampfhaft die Petroleumkanne umklammert. Die Frauen waren von dem schrecklichen Anblick wie versteinert und flüchteten in ihre Wohnung zurück, von wo sie laut um Hilfe riefen. Als die Hilfe anlangte, war es bereits zu spät. Nachdem der Beklagenswerthen die noch brennenden Kleider vom Leibe gerissen worden, mußte man konstatiren, daß an einzelnen Körperteilen das Fleisch bis auf die Knochen verkohlt war, so daß man an die Erhaltung ihres Lebens nicht mehr denken konute. Die Verunglückte wurde nach dem Krankenhause verbracht, wo sie durch den Tod von ihren Qualen erlöst wurde. Das Unglück ist dadurch entstanden, daß beim Gießen von Petroleum auf's glimmende Feuer die Petroleumkanne Feuer fing und explodirte, wodurch der Boden der Kanne herausgerissen wurde und das bren⸗ nende Petroleum sich über die Frau ergoß.— Wieviel Meuschen werden noch diesen Marter⸗ tod erleiden müssen, bis die Frauen den unver⸗ antwortlich leichtsinnigen Petroleummißbrauch am Herde unterlassen? Ein großes Brandunglück hat kürzlich Marienburg heimgesucht. Dabei hat auch der auf der Nordlaudreise befindliche Kaiser seine bes andere Teilnahme telegraphisch kundgegeben. Landgraf von Glasenapp in Marien⸗ burg empfing nach der„Danziger Zeitung“ aus Nordjordeidet in Norwegen folgendes Tele⸗ gramm: „Erfahre Brand Marienburgs. Sofort telegrapischen Bericht. Schloß vor allem schützen. Wilhelm.“ Die Gesammtzahl der abgebrannten Gebäude beziffert sich auf 49, davon sind 17 Wohnhäuser und 32 Hintergebäude bezw. Lagerhäuser. Ob⸗ dachlos geworden sind im Ganzen etwa 200 Personen, für deren Unterkunft jedoch schon hinreichend gesorgt ist. Das Schloß kam nicht in Gefahr. Billige Kleider. Ein Gewebe, zart und duftig wie Battist und aus Kiefernholz hergestellt, zeigte gelegent⸗ lich des Ausfluges der Teilnehmer an der Jahres ⸗ versammlung des oberschlesischen Städtetages nach Schloß Neudeck Graf Henckel von Donnersmarck auf Neudeck seinen Gästen. Es ist dies ein nach patentirtem Verfahren her⸗ gestellter Stoff aus Celluloid, welcher be⸗ stimmt scheint, in die Mannfaktur⸗ und Schnitt⸗ warenbranche einschneidende Veränderungen zu bringen. Graf Henckel hat in England das Patent zur Herstellung dieses Stoffes für 100 000 Mk. erworben neben zwei anderen Patenten für die Celluloid⸗Fabrikation und wird demnächst in seiner Holzstofffabrik Stahl- hammer mit der Herstellung dieses neuen Stoffes beginnen. Das vorgelegte Muster stellte einen Kleiderstoff dar, welcher vortrefflich waschbar und ebenso haltbar ist, wie Nessel⸗ oder sonstiges Gewebe und pro Meter nur 2 Pf. kostet. Für China werden schon jetzt in Eng- land zahlreiche derartige Stoffe gefertigt, von denen Anzüge hergestellt werden, die sich auf 17 Pf. stellen. Kleine Mitteilungen. * Gießen. Ein auswärtiger Kolporteur, der hier für ein„Weltmachts“ blatt Abonnenten sammelte, wurde wegen Sittlichkeitsverbrechen verhaftet.— Gleichfalls eingesperrt wurde eine Anzahl armer Frauen, die sich des Kohlen⸗ cage hitgen, dalerlic 0 lte R fich sch komt 31 id Ga butde e But . Bala ih un Ind kel Temper. Mann! 1 olg wurde We löhner Tages! augehal daß Ol dieses machte Lust. feine fängni De gabe de. Großh hat da lasen! klhalte Wie die erhält Nelrleh chenso. 32 Heschrie bon Ho dem al Giord St Hohe Tagen boscäf de d surdert fun li Mal Jauer Di Arbe wollen kuh en h . — — — . krolkun um kanne Boden as breu⸗ goß.— Murter, f unber⸗ ibrauh ö Dabei findlice aphss Marien- 9“ us „Tele- Sofort r alen Gchälle hnhäuse ser. Ol wa 200 ch schhn am nich Ball gelegelk Jahre, idtetag el bf Göstel. ren 10 lcher l“ 115 igen il 0 2 —— a 17 rell, w aubtehe 0 1 vulde Kol, Mitteldeutsche Sonutags⸗Zeitung. Seite 8. diebstahls schuldig gemacht haben sollen.— Botanischer Garten. Wir werden darauf aufmerksam gemacht, daß die Direktion des botanischen Gartens, einer Anregung der städti⸗ schen Vertretung entsprechend, in dankenswerter Weise den Garten an Sonn⸗ und Feiertagen von vormittags 9—12 Uhr(statt bisher nur bis 11 Uhr) dem allgemeinen Besuch geöffnet hat. — Ueber einen Akt der Roheit schreibt man uns: Am Montag war der Maurer Ph. Jung von Hochelheim mit dem Polier W. Steinmüller von Rödgen, beide bei Birkenstock und Schneider beschäftigt, wegen einer Kleinigkeit in Wortwechsel geraten. Dabei geriet der Steinmüller dermaßen in Wut, daß er dem Jung mit einer schweren Wasserwaage einen solchen Schlag über den Kopf versetzte, daß der Jung sofort blutüberströmt bewußtlos zusammenbrach. Der Verletzte wurde später in die Klinik geschafft. Es ist gegen den gewalt⸗ thätigen Polier Anzeige erhoben.— Es ist be⸗ dauerlich, daß auch unter Arbeitern noch der⸗ artige Rüpeleien vorkommen. Das sollte man füglich der„gebildeten“ Jugend überlassen, die sich kommentmäßig die Köpfe vermöbelt. In Wieseck hat am Montag ein Blitz ein⸗ geschlagen und die Scheune des Gemeinderats und Gastwirts Weller entzündet. Die Scheune wurde ein Raub der Flammen. Butzbach. Das hier in Garnison stehende 2. Bataillon des Reg. 168 rückte am 2. August früh um 6 Uhr zu einem Uebungsmarsche aus und kehrte um 1 Uhr bei einer tropischen Temperatur zurück. Beim Einrücken brach ein Mann vor dem Haus des Kaufmann Wießler in Folge eines Hitzschlages zusammen und wurde in die Wießler'sche Wohnung gebracht. Wetzlar. Harte Strafe. Der Tag⸗ löhner Daniel Qu. von Hohensolms war eines Tages von dem Fürstl. Revierförster R. daselbst angehalten worden, weil R. den Verdacht hatte, daß Qu. Holz gefrevelt habe. Qu. war über dieses Vorgehen des Beamten sehr erbost und machte seinem Ingrimm durch beleidigende Worte Luft. Angeklagt, wurde Qu. mit Rücksicht auf seine Vorstrafen verurteilt zu 6 Monaten Ge— fängnis. Darmstadt. In Erwiderung einer Ein— gabe der vereinigten Ortskrankenkassen des Großherzogthums Hessen an das Ministerium hat dasselbe entschieden, daß Innungskranken⸗ kassen nur dann de Genehmigung der Regierung erhalten sollen, wenn dieselben gleiche Leistungen wie die Ortskrankenkassen bieten. Hoffentlich verhält sich die Regierung Neugründungen von 1055 und Fabrikskrankenkassen gegenüber ebenso. Arbeiterbewegung. * Aus Ortenberg(Oberhessen) wird uns geschrieben, daß in der Bau- und Möbelschreinerei von Hoffmann ein Streik ausgebrochen ist, an dem alle Arbeiter der betr. Firma beteiligt sind. Gefordert wird die zehnstündige Arbeitszeit. Streikende Schnitterinnen. Aus Hohensolms wird gemeldet: Vor einigen Tagen strikten die auf dem hiesigen Gutshofe beschäftigten Schnitterinnen. Sie weigerten sich, die Arbeit aufzunehmen, bis eine von ihnen ge⸗ forderte Lohnerhöhung bewilligt sein würde. Nachdem ihnen eine Erhöhung um 20 Pfennig täglich zugestanden war, gingen sie wieder an's Werk. Alle Achtung vor der Energie dieser Frauen. Die Aussperrung der dänischen Arbeiter dauert fort. Die Unternehmer wollen keinen Frieden. Sie wollen die Arbeiter aushungern. Das muß vereitelt werden. Helft den braven Dänen! Partei⸗ Nachrichten. Versammlungs⸗Kalender. Samstag, den 12. Au gust. Arb.⸗Bild.⸗Verein Heuchelheim bei Wirt Georg Volkmann. Wieseck. Arb.⸗Bild.⸗Verein bei Ad. Ziegler. Sonntag, den 3. September, im großen Weinrich'schen Saale in Lollar Kreis- Konferenz für den Wahlkreis Gießen ⸗ Grünberg ⸗ Nidda. Tages⸗Ordnung: 1) Kassen⸗ u. Geschäftsbericht des Kreis⸗Vertrauens⸗ manns. 2) Neuwahl des Vorstandes für den Kreis⸗Wahl⸗ Verein. 3) Die Thätigkeit des hessischen Landtags und die bevorstehende Neuwahl im Gießener Landkreis. Referent: Gen. Scheidemann. 4) Der deutsche Parteitag in Hannover. Referent: Gen. Krumm. Wir fordern hiermit die Parteigenossen im 1. hessi⸗ schen Reichstagswahlkreis auf, Stellung zur Kreis⸗ konferenz zu nehmen und Delegierte zu wählen. Angesichts der bevorstehenden Landtagswahl ist es dringend erforderlich, daß die Kreiskonferenz gut be⸗ sucht wird. 5 Der Der Kreis⸗ Vertrauensmann: Vorsitzende des Kr.⸗W.⸗V.: A. Bock. Ph. Scheidemann. Auf Beschluß des Landes-Komitees findet die dies ⸗ jährige Landes⸗Konferenz der Sozialdemokraten des Großherzogtums Hessen in Mainz Sonntag, den 10. September, Vorm. 10 Uhr, im Saale der„Restauration zur Wanz““ statt. Die Tagesordnung lautet: 1. Geschäftsbericht des Landes⸗Komitees. Referent Genosse Ulrich- Offenbach. 2. Rechnungsablage. Referent Genosse Orb-Offenbach. 3. Bericht der Landtagsfraktion. Referent Genosse Haas⸗-Mainz. 4. Die bevorstehende Landtagswahl. Referent Genosse Cramer-Darmstadt. 5. Einlaufende Anträge. 6. Wahl des Landes⸗Komitees. Parteigenossen! Sorgt allerorts dafür, daß die Landes⸗ Konferenz zahlreich besucht wird. Dis⸗ kutiert die Tagesordnung und sendet die nötigen Anträge rechtzeitig an den mitunterzeichneten Genossen Ulrich ein! Offenbach a. M., den 5. August 1899. Das Landes⸗Komitee. C. Ulrich, Vorsitzender J. Orb, Kassirer Gr. Marktstr. 25. Groß-Hasenbachstr. 12. Eingesandt. Viele Wirte und sonstige Geschäftsleute, die fast ausschließlich auf die Arbeiterkundschaft an gewiesen sind, können sich doch aus lauter Angstmeierei nicht dazu verstehen, die M. S.⸗Ztg. auszulegen oder— wenn es sich um Kaufleute u. s. w. handelt— in derselben zu annoncieren. Dieser Wirt meint, wenn er die M. S.⸗Z. auflegt, nehme es ihm vielleicht dieser oder jener sich als Staatsstütze fühlende Spießbürger übel, der alle vier Wochen für 10 Pfg. Bier bei ihm trinkt. Und jener Geschäftsmann fürchtet, daß am Ende ein Beamter, der fast alle seine Bedarfsartikel aus Special⸗ geschäften am Orte oder von auswärtigen Versandt⸗ häusern bezieht, sein Schächtelchen Wichse nicht mehr bei ihm kaufen würde, wenn er in der M. S.⸗Ztg. annonciert. Auf einzelne Leute aus sogenannten„besseren Kreisen“ nehmen die Wirte un) Geschäftsleute die größte Rücksicht. Die große Masse ihrer Kunden, die Arbeiter, durch deren ständigen Besuch und Ein⸗ kauf viele Geschäftsleute überhaupt erst existenzfähig sind, wird aber auf das rücksichtsloseste behandelt. Laßt euch das nicht gefallen, ihr Arbeiter in Stadt und Land. Verkehrt nur bei solchen Wirten, die die M. S.⸗Ztg. aufliegen haben und berücksichtigt bei euren Einkäufen in erster Linie solche Geschäfte, die auch in der M. S.⸗Ztg. annoncieren. Von denjenigen Ge⸗ schäftsleuten, die nur in gegnerischen Blättern in⸗ serieren, müßt ihr annehmen, daß ihnen an Arbeiter⸗ kundschaft nichts gelegen ist. Solche Geschäftsleute dürft ihr also durch eure Kundschaft nicht belästigen. Wenn sich die Arbeiter und besonders auch die Ar⸗ beiterfraueu nach dem Gesagten richten, werden gar manchem Geschäftsmann bald genug die Augen aufgehen. Gießen, 8. August 1899. Franz F. Anfrage aus Lollar. Wann werden wohl die Diäten ausgezahlt für die Feuerlöschmannschaften, die vor langer Zeit die Pflicht nach Staufenberg rief? Da in Lollar im Uebrigen bei der Feuerwehr alles tadellos funktioniert, so ist es sehr verwunderlich, daß in dem angefragten Fall eine so große Verzögerung zu verzeichnen ist. Lollar, 10. August 1899. Einer für Viele. Briefkasten der Redaktion. Nach Marburg. Die Schilderung dieser neuen Affäre Scheibe veröffentlichen Sie wohl besser im Fach⸗ blatt. Wenn Herr Scheibe ruhig duldete, daß ein Un⸗ schuldiger für etwas von ihm(Scheibe) Begangenes gekündigt wurde, also vielleicht langdauernder Arbeits⸗ losigkeit überliefert wird, so wäre es u. E. Pflicht sämtlicher Kollegen der Hamel'schen Dru kerei gewesen, wie ein Mann für den Gemaßregelten einzutreten. Es hätte sich ja dann auch herausgestellt, ob der Buch⸗ druckereibesitzer Hamel, wie es nach den Aeußerungen Scheibes der Fall zu sein scheint, nur mit Genehmigung der Redaktion der„H. L.“ Setzerpersonal entlassen kann.— Ich habe das Material den Scheibe-Akten einverleibt. M. B. 100. Möblierte Zimmer werden in Mar⸗ burg ortsüblich monatlich bezahlt; lediglich Studenten zahlen— resp. bleiben schuldig— semester weise. Wie die Zahltermine, so die Kündigungsdauer. Wenn der Vermiether Ihre Kündigung Anfang Angust an⸗ nahm und keinerlei Einwendungen machte, so hat er dadurch bekundet, daß er einverstanden mit Ihrem Zimmerverzicht war. Marktbericht. Gießen, 5. August.(Marktbericht). Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter p. Pfd. 1.10 bis 1.25 Mk., Hühnereier p. St. 7—0, 2 St. 13—41 Pfg., Enteneier 1 St. 7—8 Pfg., Gänseeier p. St. 10 bis 11 Pfg., Käse 2 St. 5—6 Pfg., Käsematte per St. 3 Pfg., Erbsen p. tr. 20 Pfg., Linsen p. Ltr. 32 Pfg., Tauben per Paar Mk. 0.75— 0.90, Hühner per Stück Mk. 1.00— 1.20, Hahnen per Stück Mk. 0.60— 1.00, Enten per Stück Mk. 1.90— 2.40, Gänse per Pfund Mk. 0.00— 0.00, Ochsenfleisch per Pfund 68— 74 Pfg., Kuh⸗ und Rindfleisch per Pfd. 62— 64 Pfg., Schweine⸗ fleisch per Pfd. 60—72 Pfg., Schweinefleisch, ge⸗ salzen, per Pfd. 76 Pfg., Kalbfleisch per Pfd. 60 bis 66 Pfg., Hammelfleisch per Pfd. 50—70 Pfg., Kartoffeln per 100 Kilo Mk. 6.50— 8.50, Weißkraut per St. 00—00, Zwiebeln per Ctr. Mk. 7.00— 8.00, Milch per Liter 16 Pfg., Kirschen per Pfd. 00—00 Pfg. Grünberg, 5. Aug. Am Markttage, 5. August wurden auf dem hiesigen Frucht markte folgende Frucht⸗ arten ꝛc. zu den beigesetzten Durchnittspreisen verkauft: 00 Doppel⸗Zentner(à 100 kg) Weizen zu 00,00 M., 2 D.⸗Z. Korn zu 15,24 Mark, 0 D.⸗Z Gerste zu 00,00 Mark, 10 D.⸗Z. Hafer zu 15,06 Mark, 0 D.⸗Z. Erbsen zu 00,00 Mark, 0 D.⸗Z. Linsen zu 00,00 Mark, 25 D.⸗ Samen zu 22.12 Mark, 9 D.⸗Z. Kartoffeln zu 6 00 Mark. Treue um Treue! Unterm Zuchtbauskuss ist es doppelt Pflicht der Arbeiter und Arbeiterinnen für die Parteipresse zu wirken. Sie ist der zuverlässigste Führer und Kämpfer für das arbeitende Volk in Stadt und Land. Die„M S..“ wird ihren Grundsätzen treu bleiben und unerschrocken für Recht und Wohlfahrt der Kleinen in Dorf und Stadt weiter kämpfen. Diejenigen Leser, denen die„M. S.⸗Z.“ seit Jahren ein lieber Freund, werden ihe nicht nur die Treue be- wahren, sondern als ziel- und pflichtbewußte Proletarier ihrem Parteiblatt wieder neue Abonnenten zuführen.— Was die„M. S.⸗Z“ ihren Lesern bietet, zeigt sich am besten bei einem Vergleich mit anderen Blättern!— Die Bezugsbedingungen der„M. S.⸗Z.“ sind am Titel der vorliegenden Nummer angegeben. In Orten, wo wir noch keine Austräger haben, werden solche von uns jederzeit angenommen. —— ————— —— Seite 6. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Ar. 33. 8 0 e ee eee 0 — 1 eee 3 4 Deere 7 Unterhaltungs⸗CTeil. 0 * Die Nämpfer. Gedicht aus den vierziger Jahren. Die ehr' ich, die mit Ehren fechten, Denn jeder Kämpfer hat sein Recht; Doch nicht die Schaar von feilen Unechten, Der Heuchler niedriges Geschlecht, Die in der Selbstsucht Licht nicht fühlen, Wo es das Wohl der Menschheit gilt, Die mit dem Beiligen nur spielen, Heut dieses, morgen jenes Schild. Die sich der Fürstenmacht verkaufen, Von Volkeslieb' und Treue baar; Die nur nach Gold und Ehren laufen, Sich selbst nur dienen am Altar; Die nur mit Diplomatenlisten Jetzt, wo das Leben Wahrheit heißt, Der Lüge noch das Leben fristen, Die uns so lange schon getäuscht. Sie stehen nicht mit Mannesehre Im Riesenkampf der großen Seit, Nein Rämpfer sucht sie mit dem Speere, Sie sind der Schande nur geweiht. Den Baben werden sie zur Beute, Sie, die kein ehrlicher begräbt; Sie sterben morgen oder heute, Genug, sie haben nie gelebt. Siehst du die Fünengräber ragen, Dort wo des Nordens Woge rollt d Nicht nach dem Namen darfst du fragen, Da ist kein Marmor und kein Gold: Die Kämpfer schlafen doch in Ehren, Die Woge singt von Beldenruhm, Und jeder Cenz, wer mag es wehren, Legt Kränze auf ihr Heiligtum. So ragt dereinst aus unsern Tagen Ein Beldengrab in künft'ge Seit, Und wenn die Wandrer stehn und fragen, „Buhmvollen Nämpfern ist's geweiht.“ Bier ruhen die mit Ehren starben, Vereint zu Odins Göttersaal; Shrlose Kämpfer nur erwarben Rein Grab sich und kein Todtenmal. Fr. Baltzer. Michael Kohlhaas. Historische Erzählung von H. von Kleist. (H. Fortsetzung.) Der Landvoigt, der wohl einsah, daß eine Resolution dieser Art keinesweges beruhigen konnte; denn nicht nur, daß mehrere kleine Vor⸗ teile, die der Roßhändler an verschiedenen Punk⸗ ten vor der Stadt erfochten, über die Stärke zu der er herangewachsen, äußerst unangenehme Gerüchte verbreiteten: der Krieg den er in der Finsternis der Nacht durch verkleidetes Gesindel, mit Pech, Stroh und Schwefel führte, hätte, unerhört und beispiellos wie er war, selbst einen größeren Schutz als mit welchem der Prinz von Meißen heranrückte, unwirksam machen können. Der Landvoigt, nach einer kurzen Ueber legung, eutschloß sich daher, die empfangene Resolution ganz und gar zu unterdrücken. Er plackte bloß einen Brief, in welchem ihm der Prinz von Meißen seine Ankunft meldete, an die Ecken der Stadt an; ein verdeckter Wagen, der beim Ausbruch des Tages aus dem Hofe des Herrenzwingers kam, fuhr von vier schwer bewaffneten Reitern begleitet auf die Straße nach Leibzig hinaus, wobei die Reiter auf eine unbestimmte Art verlauten ließen, daß es nach der Pleißenburg gehe; und da das Volk über den heillosen Junker, au dessen Dasein Feuer und Schwert gebunden, dergestalt beschwichtigt war, brach er selbst mit einem Haufen von dreihnudert Manu auf, um sich mit dem Prin⸗ zen Friedrich von Meißen zu vereinigen. In⸗ zwischen war Kohlhaas in der That durch son⸗ derbare Stellung, die in der Welt einnahm, auf hundert und neun Köpfe heraugewachsen: und * da er auch in Jessen einen Vorrat an Waffen 1 aufgetrieben, und seine Schaar auf das Voll⸗ ständigste damit ausgerüstet hatte; so faßte er, von dem doppelten Ungewitter das auf ihn heran⸗ zog, benachrigtigt, den Entschluß, demselben mit der Schnelligkeit des Sturmwinds, ehe es über ihn zusammenschlüge, zu begegnen. Demnach griff er schon Tags darauf den Prinzen von Meißen in einem nächtlichen Ueberfall bei Mühl⸗ berg an, bei welchem Gefechte er zwar zu seinem großen Leidwesen den Herse einbüßte, der gleich durch die ersten Schüsse an seiner Seite zusammen⸗ stürzte: durch diesen Verlust erbittert aber, in einem drei Stunden langen Kampfe, den Prin⸗ zen, unfähig sich in dem Flecken zu sammeln, so zurichteie, daß er bei Anbruch des Tages mehrere eignen Wunden, und einer gänzlichen Unordnung seines Haufens wegen, genötigt war den Rückweg nach Dresden einzuschlagen. Durch diesen Vorteil tollkühn gemacht, wandte er sich ehe dersele noch davon unterrichtet sein konnte, zu dem Landvoigt zurück, fiel ihn bei dem Dorfe Damerow am hellen Mittag auf freiem Felde an, und schlug sich, unter mörderischem Verlust zwar, aber mit gleichen Vorteilen, bis in die sinkende Nacht mit ihm herum. Ja, er würde den Landvoigt, der sich in den Kirchhof geworfen hatte am andern Morgen unfehlbar mit dem Rest seines Haufens wieder angegriffen haben, wenn derselbe nicht durch Kundschafter von der Niederlage, die der Prinz bei Mühlberg erlitten, benachrichtigt worden wäre und somit für ratsamer gehalten hätte, gleichfalls bis auf einen bessern Zeitpunkt nach Wittenberg zurück— zukehren. Fünf Tage nach Zersprengung dieser beiden Haufen stand er vor Leipzig, und steckte die Stadt an drei Seiten in Brand.— Er naunte sich in dem Mandat, das er bei dieser Gelegenheit ausstreute,„einen Stadthalter Michaels, des Erzengels, der gekommen sei an Allen, die in dieser Sreitsache des Junkers Partei ergreifen würden, mit Feuer und Schwert die Arglist, in welche die ganze Welt versunken sei, zu bestrafen.“ Dabei rief er von dem Lützner Schloß aus, das er überumpelt, und worin er sich sestgesetzt hatte, das Volk auf, sich zur Errichtung einer besseren Ordnung der Dinge, an ihn anzuschließen; und das Mandat war mit einer Art von Verrückung unterzeichnet:„Gegeben auf dem Sitz unserer provisorischen Weltregierung, dem Erzschlosse zu Lützen.“ Das Glück der Einwohner von Leipzig wollte, daß das Feuer wegen eines anhaltenden Regens der vom Himmel fiel nicht um sich griff, dergestalt, daß bei der Schnellig— keit der bestehenden Löschanstalten nur einige Kramläden, die um die Pleißenburg lagen, in Flammen aufloderten. Gleichwohl war die Be⸗ stürzung in der Stadt über das Dasein des rasenden Mordbrenners, und den Wahn in welchem derselbe stand, daß der Junker in Leip— zig sei, unaussprechlich; und da ein Haufen von hundert achtzig Reisigen, den man gegen ihn ausschickte, zersprengt in die Stadt zurückkam: so bieb dem Magistrat, der den Reichtum der Stadt nicht aussetzen wollte, nichts anders üb— rig, als die Thore gänzlich zu sperren, und die Buürgerschaft Tag und Nacht außerhalb der Mauern wachen zu lassen. Vergebens ließ der Magistrat auf den Dörfern der umliegenden Gegend Declarationen anhesten, mit der bestimm— ten Versicherung, daß der Junker nicht in der Pleißenburg sei; der Roßkamm, in ähnlichen Blättern, bestand darauf, daß er in der Pleißen⸗ burg wäre, und erklärte, daß wenn derselbe nicht darin befindlich, er mindestens verfahren würde, als ob er darin wäre, bis man ihm den Ort mit Namen genannt, werde angezeigt haben, worin er befindlich sei. Der Kurfürst, durch einen Eilboten von der Not, in welcher sich die Stadt Leipzig befand, benachrichtigt, erklärte, daß er bereits einen Heerhaufen von zweitausend Menn zusammenzöge, und sich selbst an dessen Spitze setzen würde, um den Kohlhaas zu fan⸗ gen. Er erteilte dem Herrn Otto von Gorgas einen schweren Verweis, wegen der zweideutigen und unüberlegten List die er angewendet, um des Mordbrenners aus der Gegend von Witten⸗ berg loszuwerden; und niemand beschreibt die Verwirrung, die ganz Sachsen und iusbesondere die Residenz ergriff, als man daselbst erfuhr, daß auf den Dörfern bei Leipzig, man wußte nicht von wem, eine Declaration an den Kohl⸗ haas angeschlagen worden sei, des Inhalts: „Wenzel, der Junker, befinde sich bei seinen Vettern Hinz und Kunz in Dresden.“ Unter diesen Umständen übernahm der Dottor Martin Luther das Geschäft den Kohlhaas durch die Kraft beschwichtigender Worte, von dem Ansehn, das ihm seine Stellung in der Welt gab, unterstützt, in den Damm der mensch⸗ lichen Ordnung zurückzudrücken, und auf ein tüchtiges Element in der Brust des Mordbren⸗ ners bauend, erließ er ein Plakat folgenden Inhalts an ihn, das in allen Städten und Flecken des Kurfürstentums angeschlagen ward: „Kohlhaas der du dich gesandt zu sein vor⸗ „gibst, das Schwert der Gerechtigkeit zu hand⸗ „haben, was unterfängst du dich, Vermessener, „im Wahnsinn stockblinder Leidenschaft, du, den „Ungerechtigkeit selbst vom Wirbel bis zur Sohle „erfüllt? Weil der Landesherr dir, dem du „unterthan bist dein Recht verweigert hat, dein „Recht in dem Streit um ein nichtes Gut, er⸗ „hebst du dich, Heilloser mit Feuer und Schwert, „und brichst wie der Wolf der Wüste in die „friedliche Gemeinheit, die er beschirmt. Du, „der die Menschen mit dieser Angabe voll Un⸗ „wahrhaftigkeit und Arglist verführst: meinst „du, Sünder, vor Gott dereinst, an dem Tage, „der in die Falten aller Herzen scheinen wird, „damit auszukommen? Wie kannst du sagen, „daß dir dein Recht verweigert worden ist, du, „dessen grimmige Brust vom Kitzel schnöder „Selbstrache gereizt nach den ersteu, leichfertigen „Versuchen, die dir gescheitert, die Bemühun „gänzlich aufgegeben hat, es dir zu verschaffen „Ist eine Bank voll Gerichtsdienern und Scher⸗— „gen, die einen Brief, der gebracht wird, unter⸗ „schlagen oder ein Erkenntniß, das sie abliefern „sollen, zurückhalten, deine Obrigkeit? Und muß „ich dir sagen, Gottvergessener, daß deine Obrig⸗ „keit von deiner Sache nichts weiß— was sag „ich? daß der Landesherr, gegen den du dich „auflehnst, auch deinen Namen nicht kennt, der⸗ „gestalt, daß wenn dereinst du vor Gottes „Thron trittst, in der Meinung ihn anzuklagen, „er heiteren Antlitzes, wird sprechen können: „diesem Mann, Herr, that ich kein Unrecht, denn „sein Dasein ist meiner Seele fremd. Das „Schwert, wisse, das du führst, ist das Schwert „des Raubes und der Mordlust, ein Rebell bist „du und kein Krieger des gerechten Gottes, und „dein Ziel auf Erden ist Rad und Galgen, „und jenseits die Verdammniß, die über die „Missethat und die Gottlosigkeit verhängt ist. „Wittenberg, u. s. w. s Martin Luther.“ Kohlhaas wälzte eben auf dem Schlosse zu Lützen einen neuen Plau Leipzig einzuäschern in seiner zerissenen Brust herum:— denn auf die in den Dörfen angeschlagene Nachricht, daß der Junker Wenzel in Dresden sei, gab er nichts weil sie von Niemand, geschweige denn vom Magistrat, wie er verlangt hatte unter⸗ schrieben war;— als Sterbald und Waldmann das Plakat, das zur Nachtzeit an den Thorweg des Schlosses angeschlagen worden war, zu ihrer großen Bestürzung bemerkten. Vergebens hofften sie durch mehrere Tage, daß Kohlhaas, den sie nicht gern deshalb antreten wollten, es erblicken würde; finster und in sich gekehrt, in der Abend⸗ stunde erschien er zwar, aber bloß um seine kurzen Befehle zu geben, und sah nichts: dergestalt, daß sie an einem Morgen, da er ein. Paar Knechte, die in der Gegend wider seinen Willen geplündert hatten, aufknüpfen lassen woll⸗ te, den Entschluß faßten ihn darauf aufmerksam zu machen. Eben kam er, während das Volk von beiden Seiten schlüchtern auswich, in dem Aufzuge, der ihm seit seinem letzten Mandat gewöhnlich war, von dem Richtplatz zurück: ein großes Cherubsschwert auf einem rotledernen Kissen, mit Quasten von Gold verziert, ward ihm vorangetragen, und zwölf Knechte, mit brennenden Fackeln folgten ihm: da traten die beiden Männer, ihre Schwerter unter dem Arm, so daß es ihn befremden wußte um den Pfeiler, an welchem das Plakat angeheftet war, herum. Kohlhaas, als er mit auf dem Rücken zu⸗ sammengelegten Händen in Gedanken vertieft, uin Pf t ius eser w. il der 9 fl Hadung Seernba Uachtigk ergab schlicht sulück b. Lacher vachtr. zuück se Er! Mirtshe brochen Paar P burg 9 tat. an sein deren berrieg er wol Abietig mit del dan er Mael Luther iubem e ele, hi Nähe N wol P. Hochwü tan! 5 1 — — —j5 5 r meint n Tage, 1 wi, agen, it du, schnöder sertigen migung chaffen d Scheu „unte; ibliefern ind muß Obtig⸗ was sag du dich Ut, der⸗ Gotles klagen, können: ht, denn .Das Schwei bell bi te, und Galgen, iber de ingt ii Luther. losse zl näscherl enn ail ht, daß gab el untl aldmamt Thors zu iht 5 hoffte „den erblik 1 Abend — = S= — — — — —— 2 — Nr. 33. Mitteldeutsche Sonntags ⸗Zeitung. Seite 7. unter das Portal kam, schlug die Augen auf und stutzte und da die Knechte bei seinem Anblick ehrerbietig auswichen, so trat er, indem er sie zerstreut ansah, mit einigen raschen Schritten an den Pfeiler heran. Aber wer beschreibt, was in seiner Seele vorging, als er das Blatt, dessen Inhalt in der Ungerechtigkeit zieh, daran erblickte, unterzeichnet von dem teuersten und verehrungswürdigen Namen, den er kannte, von dem Namen Martin Luthers! Eine dunkle Röte stieg in sein Antlitz empor; er durchlas es, indem er den Helm abnahm, zweimal von An⸗ fang bis zu Ende, wandte sich dann mit un⸗ gewissen Blicken mitten unter die Knechte zurück, als ob er etwas sagen wollte, und sagte nichts; er löste das Blatt von der Wand, durchlas es noch einmal, und rief: Waldmann laß mir mein Pferd satteln! sodann: Sternbald! folge mir ins Schloß! und verschwand. Mehr als dieser wenigen Worte bedurfte es nicht, um ihn in der ganzen Verderblichkeit in der er dastand, plötzlich zu entwaffen. Er warf sich in die Ver⸗ kleidung eines thüringischen Landpächters, sagte Sternbald, daß ein Geschäft von bedeutender Wichtigkeit ihn nach Wittenberg zu reisen nölige; übergab ihm in Gegenwart einiger der vor— züglichsten Knechte die Anführung des in Lützen zurück bleibenden Haufens, und zog unter der Versicherung, daß er in diei Tagen, binnen welcher Zeit kein Angriff zu fürchten sei wieder zurück sein werde, nach Wittenberg ab. Er kehrte unter einem fremden Namen in ein Wirtshaus ein, wo er, sobald die Nacht ange— brochen war, in seinem Mantel und mit einem Paar Pistolen versehen, die er in der Tronken— burg gebeutet hatte, zu Luther in's Zimmer trat. Luther, der unter Schriften und Büchern an seinem Pulte saß, und den fremden, beson— dereu Mann die Thür öffnen und hinter sich verriegeln sah, fragte ihn wer er sei? und was er wolle? und der Mann, der seinen Hut ehr— erbietig in der Hand hielt, hatte nicht sobald mit dem schüchteruen Vorgefühl des Schreckens den er vernrsachen würde, erwiderte: daß er Michael Kohlhaas, der Roßhändler sei; als Luther schon: weiche fern hinweg! ausrief, und indem er vom Pult erstehend nach einer Klingel eilte, hinzusetzte: dein Odem ist Pest und deine Nähe Verderben! Kohlhaas, indem er ohue sich vom Platz zu regen sein Pistol zog, sagte: Hochwürdiger Herr, dies Pistol, wenn ihr die Klingel rührt, streckt mich leblos zu cu en Füßen nieder! Setzt euch, und hört mich an; unter den Engeln, deren Psalmen ihr aufschreibt, seid ihr nicht sicherer, als bei mir. Luther, indem er sich niedersetzte, fragte: was willst du? Kohlhaas erwiderte: eure Meinung von mir, daß ich ein ungerechter Mann sei, wider⸗ legen! Ihr habt mir in eurem Plakat gesagt, daß meine Obrigkeit von meiner Sache nichts weiß! wohlan verschafft mir freies Geleit, so gehe ich nach Dresden, und lege sie ihr vor. „Heilloser und entsetzlicher Mann!“ rief Luther, durch diese Worte verwirrt zugleich und beruhigt! „wer gab dir das Recht, den Junker von Tronka, in Verfolg eigenmächtiger Rechtsschlüsse, überfallen, und da du ihn auf seiner Burg nicht fandst, mit Feuer und Schwert die ganze Ge⸗ meinschaft heimzusuchen, die ihn beschirmt?“ Kohlhaas erwiderte: hochwürdiger Herr, niemand fortan! Eine Nachricht, die ich aus Dresden erhielt, zu hat mich getäuscht, mich verführt! Der Krieg, den ich mit der Gemeinheit der Menschen führe, ist eine Missethat, sobald ich aus ihr nicht, wie ihr mir die Besicherung gegeben habt, verstoßen war! Verstoßen! rief Luther, indem er ihn an⸗ sah. Welch eine Raserei der Gedanken ergriff dich? Wer hätte dich aus der Gemeinschaft des Staats in welchem du lebtest verstoßen? Ja, wo ist, so lange Staaten bestehen, ein Fall, daß jemand, wer es auch sei, daraus berstoßen worden wäre?— Verstoßen, antwortete Kohl⸗ haas, indem er die Hand zusammendrückte, nenne ich den, dem der Schutz der Gesetze ver⸗ sagt ist! Denn dieses Schutzes zum Gedeihen meines friedlichen Gewerbs bedarrf ich; ja, er ist es, dessenhalb ich mich mit dem Kreis dessen was ich erworben, in diese Gemeinschaft flüchte; urd wer mir ihn versagt, der stößt mich zu den Wilden der Einöde hinaus; er gibt mir, wie wollt ihr das läugnen, die Keule, die mich selbst schützt, in die Hand.— Wer hat dir den Schutz der Gesetze versagt? rief Luther. Schrieb ich dir nicht, daß die Klabe, die du eingereicht, dem Landesherrn, dem du sie eingereicht, fremd ist? Wenn Staats⸗ diener hinter seinem Rücken Prozesse unter⸗ schlagen, oder sonst seines geheiligten Namens in seiner Unwissenheit spotten, wer anders als Gott darf ihn wegen der Wahl solcher Diener zur Rechenschaft ziehen, und bist du, gottver⸗ dammter und entfetzlicher Mensch, befugt, ihn deshalb zu richten?— Wohlan, versetzte Kohl⸗ haas, wenn mich der Landesherr nicht verstößt, so kehr ich wieder in die Gemeinschaft, die er beschirmt, zurück. Verschafft mir ich wiederhol' es, freies Geleit nach Dresden: so lasse ich den Haufen, den ich im Schloß zu Lützen versam— melt, auseinander gehen, und bringe die Klage mit der ich abgewiesen bin, noch einmal bei dem Tribunal des Landes vor.—(Forts. folgt.) Grabschriften. Oesterreich ist neben Bayern das Land, aus dem die merkwür l igsten Grabschriften gemeldet werden. So steht auf einem Grabstein im alten Wiener Friedhof: Wanderer, zieh' Deine Mütze, g Es liegt ein Komiker und schlechter Schütze In diesem feuchten Loch, Die Witze, die er sagte, Die Hasen, die er jagte, Sie leben alle noch. In Percha im Pusterthal: Hier ruht Herr Tobias Maier, Bürgerlicher Metzger meister, und seine noch lebende Gattin. In Krapfeld! Hier ruht Peter Funder, Der Krapfelder größtes Wunder, G'redt hat er viel, g'logen noch mehr, Es schenk' ihm die ewige Ruhe der Herr. In Feldkirch in Voralberg: Hler ruht Franz Joseph Matt, Der sich zu Tod gesoffen hat. Herr, gieb ihm die ewige Ruh' Und a Gläsle Schnaps dazu. Im Ober⸗-Innthal: Des Rechnens müd' lieg ich im Grabe Und muß nun in die Brüche geh'n; Wenn ich mich nicht verrechnet habe, So werd ich wieder aufersteh'n. In Salzburg: 5 Mein guter Mann verschied in Frieden, Sanst möge seine Asche ruh'n, Mit Leder handelt' er hienieden, Wie er, werd' ich es später thun. Aus unserer Sammelmappe. „Eine unmittelbare Ableitung etwa der „königlichen Majestät“ von Gott anzu⸗ nehmen, wie sich manche das vorstellen, wider⸗ streitet der Vernunft. Unzweifelhaft müßte das ebenso gut von der Majestät des Senats in der Aristokratie und des Volkes in der Demokratie gelten, wie von der des Monarchen. Ein grasser Aberglauben aber ist es, zu wähnen, daß der von den Menschen zum König freigewählte Mensch nach der Wahl auf einmal von einem göttlichen Geist erfüllt werde, und Gott nun ein ganz besonderes Interesse nehme, das er für andere Menschen oder für die Völker nicht habe.“ Aus Samuel Pufendorf: Acht Bücher über das Natur- und Völkerrecht) 1672, VII, 3. Humoristisches. Verfehlt. Der Referendar Sausemiel kehrt nachts um zwei Uhr von einem schweren Gelage nach Hause zurück. Er endeckt, daß er den Hausschlüssel vergessen hat, und muß infolgedessen den Portier herausklingeln. Portier: Nanu, zu wem wünschen Sie denn hier mitten in der Nacht? Referendar: Fragen sie nicht so dämlich! Erst lassen Sie mich hier eine Viertelstunde auf der Sraße warten und dann machen Sie mir noch Umstände! In meine Wohnung will ich natürlich. Portier: Herr, Sie wohnen doch gar nicht hier, ich kenne Sie gar nicht! Referendar: Na, zum Donnerwetter, hier ist doch Nr. 1521 Portier: Nein, hier ist Nummer 153. Referendar: Was? 153? Aber Sie Esel, da haben Sie mir ja ein gauz fal sches Haus aufgeschlossen!! (Lust. Bl.) —2ꝗ—ꝗèL(— Neu eingelaufene Schriften. Besprechung wichtigerer Erscheinung behalten wir uns vor. Die neue Zeit. Revue des geistigen und öffent⸗ lichen Lebens. Stuttgart. Verlag von J. H. W. Dietz Nachf.— No. 47. Durch die Post bezogen vierteljähr⸗ lich 3.25 Mk. Einzelne Nummer, durch jede Buchhand⸗ lung erhältlich, 25 Pfg.— Sehr empfehlenswerte Wochenschrift. Erscheint unter ständiger Mitarbeiterschaft von Bebel, Liebknecht, Auer, Kautsky, Dr. Mehring, Bernstein, Lafargue und vielen anderen. Goethe⸗Nummer des Süddeutschen Postillon. Wie uns der Verlag M. Ernst, München, mittheilt, erscheint die Nummer 17 des„Süddeutschen Postillon“ als Goethe-Nummer. Dieselbe wird an illustrativem Schmuck u. a. eine künstlerisch hervoragende doppelseitige Allegorie zu Goethe's Promentheus ent⸗ halten. Aus dem Texte wird hervorgehoben eine interessante Abhandlung Goethe in der Karikatur(mit Illustration) von Ed. Fuchs. Die Nummer dürfte nach alledem be⸗ deutsam werden. Die Knebelung der Arbeiterklasse durch das Junkerparlament. Von Paul Hirsch. Preis 20 Pf. Porto 3 Pf.— Die Broschüre ist als erstes Heft einer Serie gedacht, in welcher Zwecks wirksamer Ausnützung bei der praktischen Agitation alle die Materlen behandelt werden(3. B. Schulwesen, Steuergesetzgebung, Vereiuswesen, Justizpflege, Eisenbahn und Verkehrswesen, Liebesgabenpolitik, welche der Lan de sgesetzgebung und dem preußischen Dreiklassen⸗Landtag vorbehalten sind, deren Verhandlungen aber nicht in dem Maße für die Agitation ausgenützt werden können, wie sie es, in An⸗ betracht des wirksamen und„aufreizenden“ Materials, eigentlich verdienen. Dies hiermit möglichst nachzuholen, ist der Zweck dieser Broschüre. D-tnm⁰,ẽE ̃ lenfeleiren per/ Flasche 28 Pfg.(incl. Flasche), Aepfelwein- Sekt per/ Flasche Mk. 1.45, per ½ Flasche 80 Pfg. In Gebinden billiger. Kölner Konsum- Anstalt Lindenplatz 12. Bahnhofstraße 27. C. F. Hackenberg. H. Posern Marburg Aulgasse 4 Aulgasse ist die beste und billigste Bezugsquelle für Schuhwaren. — Anfertigung nach Maaß.— Spottbilligl! Prima fetter und goldgelber Limburger Käse ca. 1½ Pfund schwer, per Stück 40 Pfg. Kölner Konsum⸗Anstalt Bahn hofstraße 27. C. F. Hackenberg, Lindenplatz 12. eb Limbuuger FRIED BERG. Am Bahnhof. 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Wahl eines Dele⸗ gierten. 3. Verschledenes.(Die Landtagswahl im Bezirk Vilbel.) Die Parteigenossen werden ersucht, alsbald die Wahl von Dele⸗ Etwaige Anträge bitte ich womöglich schon vorher an mich gelangen zu lassen. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist das Erscheinen aller Vertrauensmänner dringend N erwünscht. Der Kreisvertrauensmann Heiur. Busold. Grosses Gewerkschaftssest im Cafè Leib am Sonntag, den 18. August, Anfang nachmittags 3 Uhr, bestehend in Konzert und Tanz. Alrkbeiter und Arbeiterinnen von Gießen und Umgegend sind freundlichst Eintritt 20 Pfg. eingeladen. Eintritt 20 Pfg. Der Ueberschuß wird zu Gunsten der Ausgesperrten in Das Komitee. GDänemark verwendet. Bier im Glas. i E. Kegblch lt le esel. S Sonntag, den 13. d. Mts. Grosses LVeishegeln bei Gastwirt Heinrich Keller. Aufaug des 13 2 Uhr. Preisverteilung r. Alle Freunde des betreffenden Sports sind freundlichst eingeladen. Eintritt frei. Der Vorstand. 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