Nr. 7. Gießen, Sonntag, den 12. Februar 1899. 6. Jahrg. 1 Redaktion: 2 RNedaktionsschluß: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. itteld ent e Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. D 2 Bäue.* Uhren 5 8 1 0— werk, dusuahl Abonnementspreis: Bestellungen Juserate eulsche Die„Mitteldeutsche Sonntags-Zeitung“ kostet durch unsere] nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Expe⸗ finden in der„M. S.⸗Z.“ weiteste Verbreitung. Die ögespalt⸗ Austräger frei in's Haus geliefert monatlich 25 Pfg.[dition in Gießen, Kirchenplatz 11, Schloßgasse, die] Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindestenz Durch die Post bezogen vierteljährlich 90 Pfg. Direkt durch Druckerei, Sonnenstraße 6, sowie jede Postanstalt und mal. Bestellung gewähren wir 250%, bei Emal. Bestellung 1 die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Briefträger entgegen.(Post⸗Ztgs.⸗Katal. 4312 a.) 33 ¼%é und bei mindestens 12mal. Aufgabe 50% Rabatt. . 1[Hund tot“. Durch zwei Poliere wurde Klemm Tie 9 Arbeiter Deutschlands! diesen Mißhandlungen entrissen und vom Platze Unterm Suchthauskurs. i Arbeiter Deutschlands! Ein Unerhörtes ist] geführt. Nach einigen Wochen ärztlicher Be⸗* In der denkbar schärfsten Weise bespricht fer, geschehen. Wie Euch bekannt geworden sein handlung war derselbe wieder hergestellt. die bürgerliche„Frkf. Ztg.“ das Dresdener in en wird, hat Freitag, den 3. Februar, der Dresdener Arbeiter Deutschlands! Dies ist in aller Urteil, über das unsere Leser durch den Aufruf at 4 Schwurgerichtshof neun Arbeiter zu insgesamt Kürze i 0 e ue, 11 0 den an 9 5 51 75 0 8 1 i i f 18 wir ni rechtfertigen wollen, sondern ent⸗ werden. as att kann es ni verstehen, 10 81. a e schieden verurteilen. Es war unter den[warum hinter verschlossenen Thüren fällge Of 17 8 155 31g gegebenen Verhältnissen selbstverständlich, daß verhandelt wurde, es begreift nicht, wie den un⸗ mer K. d. Uerurteitt Jahren Ehrverlust die 1 für 91 5 Ausschreitungen bestraft glücklichen mildernde b e f it] wer. Aber wir richten ni versagt werden konnt ibt i ten 75 9 5 bah dre ges Berktellen fich ar gag fenden an Alle, die 110 1 Funken 1 daß 10 eien S 5 chlich 975 versuchten Totschlags schuldig gemacht, objektiver Urteilsfähigkeit besitzen, die Frage: ob[ Geschworenen auch die drei Berufsrichter bis fümtliche Verurteilte an schwerem Landfriedens⸗ die furchtbar harten Strafen, die der zum höchsten Strafmaß griffen, das nach bruch sich beteiligt hätten. f N 1 1 14 10 die en 8 5 5 31lassig ist— zu zehn Jahren 68 Uh Bürgerliche Geschworene sprachen dieses Urteil er nb 1 0 b 117 5 n en ucht haus! f g f 65„ über Angehörige der Arbeiterklasse unter Ver⸗[bperübten ewa h ä 19 115 1 5 Das alles ist dem bürgerlichen Frankfurter „ weigerung mildernder Umstände, und; Vergebens wird man in modernen Zeiten Blatt um so unbegreiflicher, weil die sächsischen bürgerliche Richter gewannen es über sich, die die Annalen deutscher Rechtsprechung durch Gerichte doch sonst auch so milde urteilen 10 p.. schuldig Gesprochenen teilweise mit den schwersten 1 um ein ähnliches Urteil ausfindig zu könnten. Das Blatt erzählt dann folgenden Fall: 2, Strafen zu belegen die das Gesetz kennt. e.„Es handelt sich wieder um das Dres- JJ 1D Pg. hat auch, nach unserer Meinung unter falscher EEE 185 vorigen Jahres nahm der Gutsbesitzer Louis „und unzulässiger Anwendung der bezüglichen ene des Hasses 15 7 0 Lehmann in Eulitz den Arbeiter Hommel auf be semmangen det Srafprozeßordnung über den Herzen zu werden vier Wochen in Arbeit. Angeblich, weil Hommel 22 Pf Ausschluß der Oeffentlichkeit der Ge⸗ Arbeiter Deutschlands! Das Urteil des nicht genügend arbeitete, entließ er ihn eher und 39„ richtsverhandlungen, die Verhandlung hinter Dresdener Schwurgerichtshofs durch Einlegung wollte auch einen Lohnabzug vornehmen. Hommel b. 36 J verschlossenen Thüren geführt und damit der Revision zur Aufhebung zu bringen, dürfte suchte den Lehmann auf, dieser wies ihm jedoch Abrahn der Oeffentlichkeit die Möglichkeit entzogen, den aum gelinge 5 Die e 19 8 in die Thür. Darauf sagte Hommel:„Erst will chen sch! Gang der Verhandlungen zu verfolgen. e f 5 nan, ich meinen verdienten Lohn haben, dann gehe ahne; e Arbeiter Deutschlands! Was haben die Ver⸗ i 1 15 e ich schon ganz allein.“ Das versetzte Lehmann 5 urteilten gethan, das ein solch entsetzliches Urteil 1 19 0 1 d 88h r so in Wut, daß er zunächst mit dem Heugabel⸗ ena rechtfertigen könnte? Hört und urteilt selbst! une sein hr Lus zu erleichtern, steht nicht! stiel Bommel über Auge und Nase schlug, und 4 K Die Verurteilten feierten am 6. Juli vorigen in a Macht 1085 ue en der Verve als dieser nach der Gabel fassen wollte, Jabres auf einem Neubau der Unternehmer urteilten sind Familienväter, und dafür stieß er dieselbe dem Hommel in die un Hampel und Grahl in Löbtau das Richtfest. zu sorgen, daß nicht auch ihre Familien die rechte Schläfe. Hommel blutete stark, lief ud ue Die Unternehmer waren mit einer Bierspende schon so entsetzlich schwer durch die Verurteilung] davon, sank ein paarmal hin und starb dann 1 zal freigebig gewesen, und die Folge war, daß die des Gatten und Vaters etroffen wurden 91 an den Verletzungen zwei Tage darauf. de Buh beteiligten Arbeiter in eine sehr angeregte Stim⸗ ede n t 2 70 ere Aufgabe unsere Bis zum letzten Augenblick war der Mißhandelte 7815 mung gerieten. Gegen 8 Uhr abends hörte der We cen e t 7 0 bei vollem Bewußtsein, und er hat diese An⸗ .— Rest der auf dem Bau noch anwesenden Arbeiter, Möge die deutsche Arbeiterklasse diesen gaben, wie sie die Anklage enthält, verschiedenen, 11 daß auf dem nahe gelegenen Bau des Unter⸗ Aermsten die Ernährer ersetzen! Legen auch amtlichen Personen gegenüber, völlig gleich⸗ beer nehmers Klemm noch gearbeitet werde, obgleich wir Alle unser Scherflein zusammen, damit, lautend gemacht. Lehmann giebt an, daß der 2575 gemäß der erst nach schweren Kämpfen errungenen während die unglücklich Verurteilten in den sinnlos betrunkene Hommel selbst in die Gabel mitelden zehnstündigen Arbeitszeit der Dresdener Bau⸗ Zuchthäusern und Gefängnissen des Klassen⸗ gelaufen sei. Dies wird jedoch durch Zeugen⸗ het eis um 6 Uhr hätte Feierabend staates schmachten, deren Angehörigen materielle aussagen und die Gutachten zweier Sachver⸗ ba eintreten müssen.. Not und Sorge fern bleibt. Zeigen wir, daß ständigen widerlegt. Vor der Verhandlung fee Das war die Veranlassung, daß die Ver⸗ die Männer, die von blinder Leidenschaft zu suchte Lehmann und seine Frau die vorgeladenen Jen“ l urteilten sich nach dem Klemmschen Ban begaben Gewaltthätigkeiten sich hinreißen ließen, und Zeugen auf jede Weise zu verdächtigen. Einen und die dort arbeitenden Kollegen aufforderten, dafür neben den härtesten Strafen die man denunzierten sie wegen Brandstiftung, zwei andere mit der Arbeit aufzuhören. Es kam darüber ihnen zuerkannte, auch für ehrlos erklärt wurden, als Sozialdemokraten u. s. w. Die Geschworenen * zwischen den beiden Parteien zu einem lebhaften unser Mit efühl nicht 1 haben,— daß erkannten gegen Lehmann auf schuldig der Wortwechsel, der dadurch verschärft wurde, daß 1565 wenschlich über Menschliches Bene fahrlässigen, aber nicht vorsätzlichen Tötung, und 1 der hinzugekommene Bauunternehmer Klemm die Arbeiter Deutschlands! Die Unterzeichneten er wurde zu zwei Jahren Gefängnis * fremden Arbeiter mit Schimpfworten wie„Spitz fordern Euch auf 8 Beiträge für die Fa⸗ verurteilt. f 1 4 puben und„Einbrecher belegte und daß, als milien der Opfer des Dresdener Schwurgerichts⸗ Hier der Gutsbesitzer, ein Totschlag hierauf die Erbitterung der so Behandelten sich hofes an den Kassierer der so kalen seni und dafür zwei Jahre Gefängnis, dort ebenfalls in heftigen Worten Luft machte, Klemm Partei: 0 0 Gerisch 199 15 SV.. Arbeiter, einige Wunden und dafür bis nach der Baubude lief, einen Revolver n Edin der zu zehn Jahren Zuchthaus. Ist das WbeWaeasse angal⸗ Mitteldeutschen Sonntags- Zeitung“ zu senden. Aleiches Recht? Spielen da nicht jene Imponde⸗ Obgleich diese Schüsse blind waren, glaubten bei“ Arbeiter, zeigt durch 11 1 1 5 1995 Ihr rabilien mit, die dazu verführen, der Göttin dem herrschenden Lärm, der durch viele Neu- über das A der ein 12 Justitia die Binde vor den Augen zu lockern, gierige verstärkt wurde, die Verurteilten, daß 11 5 damit sie sieht, wen sie vor sich hat?— scharf geschossen und einer ihrer Kameraden, der Berlin, den 6. Februar 1899. Nicht nur die Arbeiter, auch die bürgerlichen am Halse blutete, durch einen Schuß verwundet] Die sozialdemokratische Fraktion des[Kͤreise, die vorurteilsfrei die Sache betrachten, . worden sei. Sie fielen darauf über den Bau⸗ deutschen Reichstags. werden Mitleid empfinden mit jenen hart Be⸗ 1 9 1 her, den sie mit Holzstücken In deren Auftrag: straften. Denn es wäre nicht 15 gabe und einer Flasche niederschlugen und mit Füßen 3 2 2 wenn man es besser verstünde, sich von den traten, wobei die Worte 1 55„schlagt den 1 Re unbewußten Neigungen frei zu halten, die auf ————— P ͤ———.— ä—— —— — Seite 2. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 7. 1 den Gegensätzen der Bevölkerungs-Klassen, auf der Vorliebe für„Arbeitswillige“ und dergleichen beruhen. Aber es wird bedenklich. Geht es so weiter, dann wird man bald wieder dort sein, wo man einst war, bei den„Zwei Nationen“ Disraels, die nichts mehr mit einander gemein haben und sich nicht mehr verstehen, obzwar sie eine Sprache sprechen und eigentlich doch ein Volk sind.“ So urteilt ein gut bürgerliches Blatt, allerdings eine seltene Ausnahme unter der dem Kapitalismus dienenden Presse. Der deutschen Arbeiterschaft erhellt das Dres⸗ dener Urteil wie mit einem Blitzstrahl die ganze Furchtbarkeit der Situation. Braucht es noch schlimmeres, um uns anzuspornen, alle Kraft daran zu setzen zur Verwirklichung unseres Zieles?! Das Proletariat muß und wird dieses Ziel erreichen, das keine Klassengegensätze mehr kennt. Dann wird man unter glücklicheren Verhältnissen einst mit Schaudern zurückdenken an diese Zeit vom Ende des 19. Jahrhunderts; dann wird das Urteil der Nachwelt lauten: Das war die Zeit des Zuchthaus Kurses! Das war die Zeit des heim⸗ lichen Gerichts am grünen Tisch!. Die wahren Staatsfeinde. Die Steuerwilligen sind seltener als die Steuerbewilliger, und der patriotische Opfermut erlischt im feuersicheren Geldschrank. Aus einer vom preußischen Finanzministerium herausge- gebenen Uebersicht geht hervor, daß im Staate Preußen 148 268(unter 456 694 abgegebenen) Steuer⸗Erklärungen beanstandet wurden. Das sind 32,5 Prozent. Mit Erfolg wurden 111225 beanstandet, gleich 75,7 Prozent der Beanstandeten. Das steuerpflichtige Einkommen erhöhte sich dadurch von 678 878 056 Mark auf 863 043 830 Mark und der Steuerbetrag von 18 844 876 auf 25 030 492 Mk. Gewinn für den Fiskus: 6185 616 Mark, gleich 32,8 9 Prozent. Da die Mehrermittelung des zu ver⸗ steuernden Einkommens nur 27,1 Proz. beträgt, so ergiebt sich daraus, daß gerade die Inhaber der größten Einkommen, bei denen der Steuersatz 4 Prozent beträgt, die stärksten„Irrtümer“ zu Ungunsten des Staates begangen haben. Man sieht also, daß gerade die Leute vom Besitz nicht nur nicht das Blut, sondern nicht einmal das Gut, zu dem sie gesetzmäßig ver⸗ pflichtet sind, dem Vaterlande opfern. Hier sind die eigentlichen Vaterlandslosen zu suchen, denen am Staat nichts liegt, sondern die nur ihr Interesse kennen und fördern. Das sind die eigentlichen gefährlichen Staatsfeinde, die den Staat sogar um die paar Pfennige betrügen, die sie von dem den Arbeitern ausgepreßten Mehrwert an den Staat ausliefern sollen. Hätten wir statt des ungerechten, progressiv nach unten drückenden Systems der indirekten Steuern nur direkte nach dem Maße der Leistungsfähigkeit abgestufte Steuern, so würden wir noch mehr Beweise für die„Staatsfreund⸗ lichkeit“ unserer herrschenden Klassen erleben. Dann würde es dort alsbald heißen: Keinen Mann und keinen Groschen für das Heer, fort mit der Flotte; und vor allem: Nieder mit der Steuerdeklaration. Der Staat ist für unsere herrschenden Klassen wahrlich nicht mehr bloß der Nachtwächter; wenigstens ist sein Horn zum Füllhorn geworden, aus dem den Lieblingskindern Schätze in un⸗ er meßlichem Reichtum quellen. An diesen Unterschlagungen sind natürlich in ganz hervorragendem Maße die Junker be⸗ teiligt. Die Jagdgründe unserer Ostelbier sind zugleich die Bezirke der gekennzeichneten Ein⸗ schätzungen. An der Spitze steht der Regierungs⸗ bezirk Marienwerder, in dem nicht weniger als 53 Prozent des Steuerbetrages weniger ein⸗ geschätzt worden ist, als nach der Beanstandung herausgeholt wurde. Auch hier ergiebt der Vergleich des prozentualen Mehrertrages der Steuer mit der prozentualen Mehrschätzung des Einkommens, daß an den Mogeleien zumeist die größten Besitzer beteiligt sind. Nächst Marien⸗ werder kommt Gumbinnen, dessen Agrarier ihren geliebten Staat um 50,4 Prozent des Steuer⸗ betrages zu beschwindeln trachteten. Es folgt Frankfurt mit 50,3 Prozent, Köslin mit 48,1 Prozent, Posen mit 46,6 Prozent, denen ein Zentrum der Großindustrie— Düsseldorf— mit 46,2 Proz. Am niedrigsten ist die Unter⸗ schlagungsquote in Aachen mit 18,2 Prozent. Herr Miquel würde sich sehr verdient machen, wenn er künftig genau nachweisen würde, in welchen Steuerklassen die größten„Staats feinde“ und„Vaterlandslosen“ zu finden sind, wenn er Stadt und Land scheiden und die Gebiete des Latifundienbesitzes, die Zentren der Großindustrie und des Großhandels besonders aufführen würde. Dann besäßen wir ein naturgetreues Konterfei des Patriotismus unserer besitzenden Klassen. Politische Bundschau. * Gießen, den 10. Febrnar. Graf Caprivis Tod! Der zweite Kanzler des deutschen Reiches ist sehr bald dem ersten gefolgt. Der frühere Reichs⸗ kanzler Graf Caprivi ist am Montag Vormittag auf dem Rittergut Skyren bei Crossen an der Oder, wo er seit seiner Entlassung in stiller Zurückgezogenheit seinen Wohnsitz hatte, gestorben. Der Dahingeschiedene, welcher schon früher häufig mit Herzaffektionen zu thun hatte, war bereits längere Zeit leidend und mußte seit drei Tagen das Bett hüten. Sonntag Abend trat ein Lungenodem ein und Montag Vormittag 10 Uhr entschlief Caprivi ganz sanft infolge Herzschlages. Was Caprivi persönlich von seinem Vorgänger Bismarck so vorteilhaft auszeichnete, war die Vornehmheit seines Charakters. Er verschmähte es für seine Person den Schutz des Staatsanwalts in Anspruch zu nehmen und war redlich bemüht, den Augiasstall der bismarckschen Korruption auszukehren, wozu seine Kräfte aller⸗ dings bei weitem nicht ausreichten. Seinen politischen Gegnern gegenüber bewies er sich als Gentleman. Seit seinem Rücktritt vom Amte war Caprivi ein stiller Mann, seinem vornehmen Wesen widerstrebte die kleinliche und gehässige Art eines Bismarck durch alle möglichen Ent⸗ hüllungen sich an denen, die ihn gestürzt, zu rächen. Von der Zuchthausvorlage. Die Berliner Börsenzeitung glaubt versichern zu können, daß die Verzögerung der Vorlage sich aus dem großen Umfange des Materials erkläre, welches zu verarbeiten war; denn es er⸗ streckte sich auch auf die einschlägigen Bestim⸗ mungen des Auslandes. Uebrigens werde sich der Bundesrat„schon sehr bald im Besitze des Gesetzentwurfes befinden, und der Gang der Vorarbeiten dürfte es mit sich bringen, daß die Erledigung dort nur kurze Zeit in Anspruch nimmt.“ Wenn man zum Materialsuchen ins Ausland gegangen ist, so hat man hoffentlich gründlich gesammelt und auch verzeichnet, daß in China auf das Fordern höheren Lohnes— Enthauptung steht! Drei Urteile vom selben Tag. Würzburg, 4. Februar. Premier⸗ lieutenant Eugen Pfeifer vom 5. Cheveaux⸗ leger⸗Regiment in Saargemünd, der am 18. Dez. vorigen Jahres in einem Walde bei München den Major a. D. Ludwig Seitz im Duell erschoß wurde auf Grund des§ 54 des R.⸗Str.⸗G. vom Militär⸗ Bezirksgericht freigesprochen. Gießen, 4. Februar. Zwei hiesige Stu⸗ denten, W. Sartorius und W. Spruck, hatten sich wegen Körperverletzung vor der Straf— kammer zu verantworten. Sie kamen in der Neujahrsnacht in den Wartesaal der Main⸗Weser⸗ Bahn und trafen dort mit einem israelitischen Handelsmann zusammen, den sie ohne weiteres mit den Worten anredeten:„Sind sie auch einer von unsere Leit?“ Ebenso redeten sie einen älteren Lehrer an, bedrohten ihn mit Ohrfeigen u. s. w. Als sich die so Belästigten die Flegelei verbaten, bearbeiteten die Angeklagten mit ihren Stöcken den Handelsmann, so daß derselbe stark blutete. Die Angabe der Angeklagten, sie seien beschimpft worden, wurde von einer Anzahl Zeugen widerlegt. auf je 60 Mk. Geldstrafe. Milderungs⸗ gründe: die Angeklagten waren noch nicht bestraft und hatten sich in stark angetrunkenem Das Gericht Zustande befunden. Dresden, 4. Februar. Neun seither un⸗ bestrafte Bauhandwerker, die in der Trunkenheit einen Baumeister durchprügelten, der sie durch zwei Revolverschüsse ge⸗ reizt hatte, wurden unter Verweigerung mildernder Umstände hinter ver⸗ erkannte schlossener Thüren vom Schwurgericht. f mit insgesamt 53 Jahren Zuchthaus, 8 Jahren Gefängnis und 70 Jahren Ehr ver lust bestraft. Wegen Stimmenkaufs. Bei der letzten Reichstagswahl ist der Vor⸗ werksbesitzer Richard Priebe vom Landgericht in Köslin freigesprochen worden, obwohl nach dem „Reichsbl.“ der Angeklagte zugab, 23 wegen Verkaufs ihrer Wahlstimmen Mitangeklagten bei der letzten Reichstagswahl in Schlawe-Bütow⸗ Rummelsburg nach der Wahl ein Geldgeschenk gereicht zu haben. Priebe war vor der Stich⸗ wahl persönlich zu den übrigen Angeklagten gegangen und hatte sie aufgefordert, bei der Stichwahl den konservativen Amtsrat Kutscher zu wählen. Schaden durch den Ausfall des Ar⸗ beitsverdienstes würde er ihnen vergüten. Nach⸗ dem sämtliche Angeklagte bei der Stichwahl ihre Stimmen abgegeben hatten, begab sich Priebe mit ihnen in ein Hotel, händigte ihnen dort, Geld im Betrage von Mk. 1— 1,50 ein und bewirtete sie mit Bier und Zigarren. Priebe gab den Inhalt der Anklage als richtig zu, will sich aber dabei keiner strafbaren Handlung be⸗ wußt gewesen sein, er habe durch die Geschenke die Leute nur bestimmen wollen, überhaupt zur Stichwahl zu gehen, ein bindendes Versprechen, für Kutscher zu stimmen, habe er von niemandem gefordert noch erhalten. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft beantragte gegen Priebe zwei Monate, gegen 22 Mitangeklagte je sechs Wochen Gefängnis und in einem Falle Freisprechung. Nach einstündiger Beratung erkannte der Gerichts⸗ hof auf Freisprechung sämtlicher Angeklagten. Wenn Priebe allerdings sehr lebhaft für die Kandidatur Kutschers agitierte und versucht habe, bei der Stichwahl möglichst viele Stimmen für ihn zusammenzubringen, und bei den Angeklagten von Haus zu Haus gegangen ist, um sie an die Wahlurne zu schaffen, so sei er bei diesen Be⸗ mühungen doch nicht über die Grenze des Er⸗ laubten hinausgegangen; denn er habe niemals direkt gesagt:„Ihr müßt Kutscher wählen.“ Wenn diese Begründung rechtsbeständig sein soll, dann wird es überhaupt nie gelingen, die Stimmenkäufer zu fassen, denn solche Esel werden sie nicht sein, sich so bestimmt auszudrücken, wenn sie mit etwas Vorsicht am Gefängnis vorbei⸗ schlüpfen können. Von den Schreiern. In das neue Buch des bekannten Sozial⸗ politikers Karl Jentsch:„Die Agrarkrisis“ ist auch ein Artikel des Rittergutspächters Kleinschmidt aus Schlesien aufgenommen worden, der von Interesse ist. Der Artikel war vor drei Jahren an eine landwirtschaftliche Zeitung eingesandt worden, die denselben aber ablehnte. Kleinschwidt wagte es nämlich, das„Schreien“ der Agrarier um Hilfe der All⸗ gemeinheit zu verurteilen, und das um so mehr, als die beliebte Bankerotterklärung vielfach eine„fingierte“ sei. Thatsächlich reiche Leute, die einen großen Grundbesitz ihr eigen nennen, ja Besitzer, die ihre Güter zu guten Preisen verpachtet haben, schreien um diesen beliebten, aber wenig sympathischen Ausdruck zu brauchen, nach Hilfe durch die Allgemeinheit, und wenn Sie wollen, nach Hilfe von Leuten, die viel ärmer sind als die Schreier. In dieser Sucht nach Hilfe von oben oder von der Allgemeinheit, denn diese und niemand anders ist schließlich der zahlende Teil, werden Vorschläg ee gemacht, die aller Logik, allen volks wirtschaftlichen ee 1 n und aller Billigkeit widersprechen. . bon den Sinnen! utden K 1 N 1 voni bela ii ite 1 bbolsand a dchet, daf von Stim dem Dresd Nachwahl den hertsc gelen wit Nach Postgeset für 10 Gramm schon lar ein 10 ⸗ Fra Paris Besatzung über a unterricht Deutung mögliche beitern. Anlaß gegenübe richten,! dusstand dupa Streiks Pigwen 1 E pror hint freich Ju mgebro beim Auch d 5 ver⸗ kgericht aus, ah ren 5 licht in ach dem Wegen ten bei Bütow⸗ geschenk Slich⸗ ellagten bei der Kulscher des Ar⸗ Nach⸗ ahl ihre Priebe en dort in und Priebe zu, will ung be⸗ zeschenke pt zur prechen, mandem tet der be zwei Wochen rechung. zerichte⸗ klagten. für die ht habe, men für eklagten an die sen Be⸗ es Er⸗ niemals en.“ dig sein gen, die werden u, wenn vorbei⸗ Sail its it ichters nommen itel war aftliche 1 aber nämlich, der 0 2 um ui teich hr eige 5 guten 1. diesen brug it 1 oon ils bie. 0 ailse von 1 diet 15 d, U— tl. ͤ—n— . f dieser Richtung führe ich als geradezu typisch die Anträge Kanitz und das projektierte(inzwischen 5 Nr. 7. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 3 ergangene) Zuckersteuergesetz an. Kanitz will aus der Landwirtschaft eine Sinekure(Pfründe) machen, die dem Grundbesitzer ohne Rücksicht auf die Höhe der Produktionskosten und ohne Rück⸗ sicht auf die Kaufkraft der Landeswährung eine bestimmte Rente garantiert. Die bunten Landwirte, die sich nächster Tage im Zirkus Busch zu Berlin zum gemeinsamen Schreien zusammen⸗ finden, werden nicht schlecht über den Landwirt Kleinschmidt herfallen. Neuwahl in Berlin. Die Wahlprüfungskommission des Reichstags ber das Mandat des Abg. Kreitling von er freisinnigen Volkspartei für ungültig erklärt. Kreitling hat daraufhin sofort sein Mandat niedergelegt. Es wird also demnächst in Berlin eine Neuwahl stattfinden, in der hoffentlich Ge⸗ nosse Fischer, der den 2. Kreis von 1893 bis 1898 schon vertrat, siegen wird. Nach den Feststellungen der Kommission des Reichstages war überhaupt Gen. Fischer und nicht der Freisinnige gewählt. Denn Fischer hatte von den zirka 50 000 insgesamt abgegebenen Stimmen 1 über die absolute Mehrheit. Daß trotzdem Kreitling von dem Berliner Wahl⸗ vorstand als gewählt proklamiert wurde, kam daher, daß man unserem Genossen eine Anzahl von Stimmen für ungiltig erklärt hatte. Nach dem Dresdener Zuchthausurteil muß die Berliner Nachwahl zu einem Volksgericht werden, das den herrschenden Klassen furchtbar in den Ohren gellen wird. Das neue Postgesetz. Nach dem neuen, dem Reichtag vorgelegten Postgesetz wird das Gewicht der Briefe, die für 10 Pfg. befördert werden, bis zu zwanzig Gramm zugelassen. Das ist eine erfreuliche, schon lange gedachte Neuerung. Bisher durfte ein 10⸗Pfg. Brief nur 15 Gramm wiegen. Ausländisches. Frankreich. Der„Voss. Ztg.“ wird aus Paris gemeldet: Die Truppen der hiesigen Besatzung werden über ihr Verhalten gegen⸗ über aufrührerischen Volksmengen unterrichtet.„Gaulois“ erklärt angesichts anderer Deutungen, dieser Unterricht beziehe sich auf mögliche Zusammenstöße mit ausständigen Ar⸗ beitern.— Es liegt zur Zeit durchaus keinerlei Anlaß vor, die Truppen über ihr Verhalten gegenüber„ausständigen Arbeitern“ zu unter⸗ richten, denn es ist gegenwärtig kein Arbeiter⸗ ausstand von irgendwelcher Bedeutung in der Hauptstadt. Soweit aber Ruhestörungen bei Streiks in Paris vorgekommen sind, wie bei⸗ spielsweise beim Bauarbeiterstreik im letzten Sommer, war es auch dort die Polizei, die sie provozierte. Eher könnte man an ver⸗ schämte Vorbereitungen zu einem Staats- streich denken.— In Rumänien sind Bauernunruhen ausgebrochen. Die Nachrichten lauten sehr un⸗ bestimmt und die Ursachen sind nicht klar. So zialistische Lehren sollen die Unruhen veranlaßt haben. Man befürchtet, daß dieselben sich über das ganze Land ausdehnen könnten. Auch das Militär sympathisiert mit den Bauern. Die Regierung ist ernstlich besorgt und nur, um die Finanzen nicht zu schädigen, versucht sie die Vorgänge in offiziösen Noten als harmlos hinzustellen.— 5 Aus dem Reichstag. Die Sitzungen am Freitag, Samstag und Montag waren der Beratung des Postetats gewidmet. Herr v. Podbielski hat dabei nicht besonders gut abgeschnitten. Den Mittel⸗ punkt der Verhandlungen bildete die wuchtige Anklagerede unseres Genossen Singer gegen die Postverwaltung, die namentlich zahlreiche Maßregelungen von unbequemen Beamten aus politischen Gründen scharf kritisierte. Besonders trat Singer für die Postunterbeamten ein. Er führte unter anderem aus: Als sich der Herr Staatssekretär dem Reichstag in seinem neuen Amt vorstellte, erfreute er alle durch die Mitteilung, daß er in Bezug auf die Beamten sein Amt zu führen gedenke, ohne Märtyrer zu schaffen. Leider sind aber die schönen Worte sehr bald in Vergessenheit geraten, nament⸗ lich gegenüber den Unterbeamten, von denen er den Verdacht hat, daß sie sozial⸗ demokratische Neigungen haben. Wir sehen, daß sich die zahllose Schar von Postbeamten in einer Situation befindet, daß man sagen kann, die Reichspostverwaltung spielt Fang ball mit diesen Unterbeamten. Der ganze Zorn und der ganze Groll, den der Herr Staatsekretär in sich zu haben scheint, richtet sich gegen die sogenannten Agitatoren, gegen die Sozialdemokratie. Der Herr Staatssekretär vergißt dabei nur ganz, daß es sich in den Bestrebungen, denen er entgegen⸗ tritt, gar nicht um sozialdemokratische Ueber⸗ zeugung handelt. Es wird lediglichlich die Vertretung der wirtschaftlichen Interessen dieser Beamtenklasse verfolgt(Sehr richtig! links) und so gut sich die oberen Beamten das Recht herausnehmen, ihre wirtschaftlichen Inte⸗ ressen zu vertreten, so gut haben auch die Unter⸗ beamten dasselbe Recht, sich zu Ver⸗ bänden zusammenzuschließen und Zeitungsorgane zu gründen. Unter dem Deckmantel, es seien sozialdemokratische Bestrebungen, wird aber jede Thätigkeit, die sich auf Erringung besserer Lohn⸗ und Arbeitsverhältnisse richtet, unter den Postbeamten unmöglich gemacht, und den Leuten, die an den Spitzen solcher Vereine stehen, wird künstlich insinuiert, daß sie Sozial⸗ demokraten seien. Singer führte verschiedene Fälle an, in denen Postunterbeamte gemaßregelt wurden. Der freisinnige Abg. Schmidt, welcher präsidierte, scheint immer nervös zu werden, sobald ein Sozialdemokrat spricht. Er unter⸗ brach wiederholt in ganz ungerechtfertigter Weise die Rede Singers.„Die„große“ Gegenrede Herrn von Podbielskis auf Singers Anklagen wurde charakterisiert— wir folgen hier der bürgerlichen„Berl. Volksztg.“— durch die oratorische Wendung:„Verzeihen die Herren, wenn ich nicht ganz logisch bin.“ Allerdings wollte der Redner später diese Bezeichnung als chronologisch gelten lassen. Der sachliche Kern der ganzen Rede war ein geringfügiger. Der Herr Staats⸗ sekretär betonte fortwährend mit Emphase seine volle Verantwortlichkeit und sein Wohlwollen gegen alle Beamten. Weiter kam eigentlich nichts positives heraus, als die energisch herausgestoßene Versicherung, er werde stets gegen Postbeamte einschreiten, die eine sozialdemokratische Gesinnung hätten. So etwas war noch nie da, und Herr von Kardorff konnte unter zwei⸗ maliger Andeutung mit dem Zaunpfahl Herrn Tirpitz die Wege solcher Scharfmacherpolitik zu wandeln empfehlen. Im übrigen erregte die Rede des Post⸗ gewaltigen durch ihre eigenartige Behand⸗ lung der deutschen Sprache erst die Aufmerksamkeit, dann die Heiterkeit des Hauses. Bilder von der Kühnheit, daß er Beamte nicht ent⸗ lasse, wie man eine Zigarre in die Höhe wirft, waren noch die am wenigsten auffälligen. Aber:„Es sind Gemüter da, die sagen, die Post hat darinne herumgerochen“; die Fachpresse „spritzt nach allen Seiten, quiekt und schreit“ oder die Prachtmeldung:„'s ist ein Paket mit 30 Dingern gekommen“ bilden eine wertvolle Bereicherung des parlamentarischen Humors. Mit einem Worte, es war„amüsabel“, wie Herr von Podbielski sagte. Für die Beamten allerdings weniger, als für den Reichstag.“ Im weiteren Verlaufe der Verhandlungen kam auch Gen. Bebel zum Wort. Er wendete sich namentlich gegen den konservativen Junker Klinckowström, der gesagt hatte, daß die konser⸗ vative Partei zwar klein, aber einflußreich sei. Darauf erwiderte Bebel: Leider ist das wahr. Das deutsche Bürgertum hat es nicht verstanden, mit den Junkertum auf⸗ zuräumen.(Sehr richtig! links.) Aber wir wollen, was das Bürgertum nicht erreicht hat, zur Vollendung bringen, koste es, was es wolle!(Beifall bei den Sozd.) Der Herr Graf hat auch auf ein Entlassungs⸗Urteil hingewiesen, das das Ober⸗Verwaltungsgericht einem Beamten gegenüber gefällt hat, der unserem verstorbenen Parteigenossen Schulze bei einer Gelegenheit die Hand gereicht hat. Die Zu⸗ sammensetzung des Ober-Verwaltungsgerichts be⸗ dingt schon, daß seine Urteile im Sinne der jetzigen Staatsverwaltung ausfallen. Wir sind auch thatsächlich über solch unerhörte Urteile nicht verwundert. Wir haben noch schlimmere Dinge erlebt. Ich erinnere Sie an das fürchter⸗ liche Urteil, das das Dresdener Schwur⸗ gericht gegen meine Parteigenossen gefällt hat. Die Stellung der Sozialdemokratie der heutigen Gesellschaft gegenüber ist genau dieselbe, welche die Christen der ersten Jahrhunderte der römischen Gesellschaft gegenüber eingenommen haben. Wie die römische Gesellschaft am Christen⸗ tum zugrunde ging, so wird auch die bürgerliche Gesellschaft an der Sozialdemokratie zerschellen. (Beifall bei den Sozd.) Mein Freund Singer hat nichts weiter verlangt, als staats⸗ bürgerliche Rechte für die Postbeamten! (Lebh. Bravo! links. Unruhe rechts.) Das ist der denkbar bescheidenste Anspruch, der nur er⸗ hoben werden kann, und es ist Schmach und Schande für die Zustände im Deutschen Reiche, daß man es wagt, Beamte wegen ihrer politischen Gesinnung und weil sie ihr eigenes Organ unter⸗ stützten, zu entlassen.(Lebhafter Beifall links; große Unruhe rechts.) Unsere Partei kann mit dem Verlaufe der Postdebatten sehr zufrieden sein. Am Mittwoch beschäftigte sich der Reichstag mit dem Bankgesetz und vertagte die Weiter⸗ beratung bis zum Freitag, da am Donnerstag die Beerdigung Caprivis stattfindet, an der zahl⸗ reiche Abgeordnete teilnehmen. — Kommunales aus Gießen. I. ps. Der Verwaltungsbericht der großherzogl. Bürgermeisterei Gießen über das Rechnungsjahr 1897/98 ist jetzt im Druck erschienen. Wie in früheren Jahren ist er auch heuer wieder ein Muster an Uebersichtlichkeit und gewährt einen genauen Einblick in das Haushaltsbudget unserer Stadt. Die gesamten Einnahmen beliefen sich au; 5 Mk. 2 660 072,09, die Ausgaben auf„2 165 968,41, verbleibt als Ueberschuß Mk. 494 103,68. An Kommunalsteuer wurden erhoben Mk. 458 931,41, hierzu kommen noch Mk. 66 847,80 Kirchensteuer; an Oktroi gingen ein Wet. 140 528,87, zurückvergütet wurden davon wieder Mk. 38 010,32, sodaß als endgültig er⸗ hoben sich die Summe von Mk. 102 517,55 ergiebt. Für 399 Hunde wurden Mk. 3990 Steuern gezahlt. Aus den städtischen Waldungen wurden Mk. 93 407,44 ver⸗ einnahm. Von der Aufführung der weiteren, nach Dutzenden zählenden Einnahmeposten sehen wir ab. Von den Ausgaben der Stadt erwähnen wir gleichfalls nur einige Posten, von denen wir annehmen, daß sie unsere Leser am meisten inter⸗ essieren. Für Verpflegung Armer wurden Mark 45 374,10 verausgabt. Die Polizei kostete Mk. 48 048,46, die Kirchen 68 919,27 Mk. Die Straßenunterhaltung erforderte Mk. 26 117,34, die Sraßen reinigung und Kehrichtabfuhr Mk. 37851,67. Unter der Rubrik:„Gemeinnützige Zwecke außerhalb der städtischen Verwaltung finden wir unter Ausgabe gebucht Mk. 693,00 als Gaspreisnachlaß für das Theater. Das sind ganze 193 Mk. mehr, als im letzten Vor⸗ anschlag vorgesehen wurden. Schon bei der Besprechung dieses Voranschlags im Februar vorigen Jahres wiesen wir darauf hin, daß diese Unterstützung als eine ungenügende bezeichnet werden müßte. Wir waren damals die ersten, die in der„M. S.⸗Ztg.“ die Veranstaltung von Volksvorstellungen forderten, und schrieben wörtlich: „Die beiden Direktoren Kruse und Helm sind anerkanntermaßen tüchtige Leute in ihrem Fach. Man nehme also die Gelegenheit wahr, die rührige —— r . —— — — Deite 4. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 7. 7— Direktion für unsere Stadt zu erhalten. Man subventioniere das Theater mit 2— 3000 Mark und verpflichte dann die Direktion, jede Woche, einmal vielleicht Sonntag nachmittags, das andere Mal am Abend eines Wochentages, Volksvor⸗ stellungen zu veranstalten. Der Preis müßte für alle Plätze bei diesen Vorstellungen einheitlich sein.... Die Direktion würde auf diesen Plan gewiß ein⸗ gehen, weil unseres Erachtens dann die Existenz⸗ fähigkeit des Theaters gesichert wäre. Gießen behielt das Theater und die arbeitende Bevölkerung könnte sich dann auch durch den Theaterbesuch mit den Geisteshelden aller Länder bekannt machen. Hoffent⸗ lich finden unsere Vorschläge ein geneigtes Ohr bei den Herren Stadtvätern.“ Leider hat unser Wunsch, den wir im Inter⸗ esse der geringen Leute äußerten, keine Berück⸗ sichtigung gefunden. Und das bedauern wir neben anderen Gründen schon deshalb, weil die Stadtverwaltung wegen lumpiger 700 Mk. nicht verlangen kann, bei der Veranstaltung der Volks⸗ vorstellungen, die seit Oktober v. J. alle 14 Tage stattfinden, ein Wörtchen mitzureden. Das wäre aber sehr zu wünschen, denn jetzt scheint die Theaterdirektion gar zu viel auf sogenannte „Eingesandts“ im hiesigen Amtsblatt zu geben, die bald dieses, bald jenes mehr oder weniger wertlose Stück in einer Volksvorstellung auf⸗ geführt haben wollen. Wir bezeichneten vor Jahresfrist das Theater als Bildungsstätte und verlangten deshalb die Einführung von Volks vorstellungen und die Subventio— nierung durch die Stadt. Wir haben es da⸗ mals für ausgeschlossen gehalten, daß Stücke in diesen Volksvorstellungen zur Aufführung kommen könnten, wie der„Raub der Sabinerinnen“, „Der Herr Senator“,„Mein Leopold“,„Pension Schöller“ oder gar„Charleys Tante“, die in Aussicht steht. Wer lediglich des Amüsements wegen ins Theater geht und an den wertlosen Machwerken der Kadelburg und ähnlicher„Dichter“ Gefallen findet, der mag seine Kunstbedürfnisse an einem der gewöhnlichen Spielabende be⸗ friedigen. Für Volks vorstellungen sollte das Beste gerade gut genug sein. An⸗ fänglich hat die Direktion auch in diesem Sinne ihre Auswahl getroffen, indem sie Werke wie „Wilhelm Tell“,„Nathan der Weise“,„Die Ehre“,„Heimat“,„Glück im Winkel“,„Pfarrer von Kirchfeld“,„Talisman“ und„Minna von Barnhelm“ zur Aufführung brachte. Würden die Stadtväter also etwas tiefer in den Säckel greifen, dann könnten sie dafür einem vielleicht besonders zu wählenden Ausschuß, in dem kunstverständige Herren sitzen müßten, einen gewissen Einfluß bei der Auswahl der auf⸗ zuführenden Stücke sichern. Hoffentlich hat die Stadtverordnetenversammlung ein Einsehen und thut in Zukunft etwas mehr für die Kunst. In einem zweiten Artikel werden wir die Aufwendungen der Stadt Gießen für die Schulen besprechen. Von Nah und Fern. Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind jederzeit willkommen Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissenhaftigkein dei Uebermittelung von Nachrichten.— Wir bitten, alle zum Drug bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben. Oeffentliche Lesehalle in Gießen. 5 Im Thorhäuschen an der Ecke Seltersweg⸗ Südanlage befindet sich eine öffentliche Lesehalle. Jedermann kann sich dort in der Zeit von 5—9 Uhr nachmittags an den Wochentagen und von 11—1 Uhr mittags an den Sonntagen im Lesezimmer aufhalten. Es liegen zahlreiche Zeitungen aller Parteien(auch der„Vorwärts“ und die„Mitteldeutsche Sonnt.⸗Ztg.“), Zeitschriften belehrenden und unter— haltenden Inhalts, illustrierte Wochen- und Monats⸗ schriften, Witzblätter usw. usw. zur unentgeltlichen Be⸗ nutzung aus. An Jedermann werden auch Bücher ausgeliehen. Die Bibliothek ist sehr reichhaltig. Wir empfehlen den Arbeitern und Arbeiterinnen die Bibliothek zur fleißigen Benutzung. Es entstehen keinerlei Kosten für die Benutzer. Es braucht sich Niemand zu genieren, im Arbeitsanzug die Bib—⸗ liothek zu besuchen. Nehmt die Gelegenheit war, Ar⸗ beiterinnen und Arbeiter. Bildung macht frei Wissen ist Macht! Aus dem Gießener Stadtparlament! K. 700 Quadratmeter Gelände wurden durch Beschluß der letzten Stadtverordnetenversammlung der katholischen Kirchengemeinde als Geschenk überwiesen. Wie der Herr Ober⸗ bürgermeister erklärte, dürfte der Wert des Objektes 78000 Mark betragen. Nur unsere Parteigenossen Orbig und Krumm stimmten gegen die Schenkung und zwar, wie Genosse Krumm ausführte, weil die Aufwen⸗ dungen für kirchliche Zwecke den An⸗ gehörigen der betr. Kirchengemeinden zu überlassen wären u. weil jetzt weitere Ansprüche der Kirchengemeinden mit Sicherheit zu erwarten seien. Es bleibt bedauerlich, daß auf diesem Ge⸗ biete immer noch die Gutmütigkeit der Stadtver⸗ ordneten Zuwendungen an Korporationen ermög⸗ licht, die in ihrer Gesamtheit über hunderte von Millionen verfügen. Der anonyme St. Georg. * Als komische Figur entpuppt sich der„—g“ des Gießener Aemterorgans. Auf unsere Feststellungen in voriger Nummer weiß er nur mit Kinkerlitzchen zu antworten. Daß wir den hessischen Stumm, den Leder— könig v. Heyl, irrthümlicherweise einmal als frei— konservativ aufmarschieren ließen, genügt ihm, von „nichtsnutziger“ Berichterstattung zu reden. Es entspricht das wohl seiner so prätentiös zur Schau getragenen „klassischen Bildung“. Schon vor acht Tagen sagten wir, daß„—g“ sich hinter das Aemterorgan verkrochen habe, von dem er weiß, daß es dem Angegriffenen seine Spalten zur Verteidigung versagen muß. Wir nannten auch seinen Angriff unehrlich, weil er Singers Rede nicht zitiert habe, in der die Gründe für das ablehnende Verhalten der Sozialdemokraten gegenüber den sogenannten sozialpolitischen Gesetzen angeführt waren. Und darauf ruft der Anonymus hinter der ihn schützenden Bretterwand des Aemterorgans heraus; es habe sich für ihn nur um die Thatsache der Ablehnung, nicht um die Gründe der Ab— lehnung gehandelt. Kann man einen solchen Menschen noch ernst nehmen? Gewiß nicht! Wir kommen nicht in Verlegenheit, wenn wir nach unseren Gründen für die Ablehnung jener Wassersuppen, mit denen weder Arbeiter noch Unternehmer zufrieden sind, gefragt werden. Anders die Partei Drehscheibe, die Stümm⸗ linge und tutti quanti, wenn man sie nach den Gründen fragt, die sie veranlaßten, für jene Wasser⸗ suppen zu stimmen. Sie stimmten sür jene Gesetze, nicht weil sie für die Arbeiter wirklich etwas thun wollten, sondern weil sie glaubten, sie könnten der großen Masse Sand in die Augen streuen, sie der Sozialdemokratie abwendig machen. Man lese doch das in unserer vorigen Nummer er⸗ wähnte„späte Geständnis“ der„Kreuz⸗Ztg.“! Die ganze Sozialreform war, wie wir vorige Woche schrieben, Schaufenster-Reklame, durch die für die bankerotten Politikaster Kunden geködert werden sollten. Die Arbeiter gehen aber nicht mehr auf den Leim der kapitalistischen Parteien. Erwähnt sei noch, daß der neueste Gießener St. Georg, der den„Drachen“ Sozialismus töten will, von Singer behauptet, er habe mit einem gefälschten Bismarckzitat gearbeitet. Ebenso dreist wie„—g“ mit der„nichtsnutzigen Berichterstat⸗ tung“ war, ebenso unverschämt ist er mit dieser Be⸗ hauptung von dem„gefälschten“ Bismarckzitat. Vor versammeltem Reichstag hat Bismarck gesagt: g„Wenn es keine Sozialdemokraten gäbe, und wenn nicht eine Menge sich vor ihnen fürchtete, würden die mäßigen Fortschritte, die wir überhaupt in der Sozialreform bisher gemacht haben, auch noch nicht existieren.“ 0 Wenn der große Politiker„—g“, der nur mit„That⸗ sachen“ rechnet, dieses Zitat nicht kannte, so war das sein persönliches Pech. Daß er aber, gestützt auf die„Thatsache“ dieser Unwissenheit, dem Abg. Singer den Gebrauch eines gefälschten Zitats vorwirft, ist eine nationalliberale Frechheit. So lange der „tapfere“„—g“ nicht den Mut hat, seine Anonymi⸗ tät zu lüften, müssen wir ihn als national— liberalen Angstmeier betrachten. Das Gießener Reptilchen. * Das Reptilchen in der Schulstraße hat endlich einmal sein piepsiges Stimmchen ertönen lassen. Es meint,„Schimpfen bedingt nun einmal das Dasein der M. S.⸗Ztg.“. Als wenn wir geschimpft hätten! Lustig haben wir uns über das Reptilchen gemacht und da, wo es angebracht war, ihm gelegentlich im Vorüber⸗ gehen auf den Schwanz getreten. Und hassen sollen wir das Reptilchen? Haßt man da, wo aufrichtigstes Mitleid am Platze ist? Mitleid nicht nur, weil das Reptilchen keine eigene Meinung haben darf, sondern auch Mitleid, weil es bei dem armen Tierchen offenbar nicht richtig im Oberstübchen ist? Das wäre ein grausamer Mensch, der unter solchen Umständen hassen könnte. Das Rep⸗ tilchen faselt im Fieber von„Ammenmärchen, die geschwätzige Raben der M. S.⸗Ztg. zutragen“ und fährt dann fort:„— wir kennen die Kanäle, durch die der Unrat fließt. Es ist nach Ihrem eigenen geflügelten Wort am Biertisch, geselliger Herr a:„eine Bande; eine Bande sage ich Ihnen“— über die Sie selbstredend sich erhaben fühlen, die Sie indeß nichtsdestoweniger ihren Zwecken dienstbar zu machen in bekannter Takt—ik nicht verschmähen“.— Von diesen Phantasieen verstehen wir nur das eine, daß das Reptilchen heraus gespitzelt hat, daß unser Redakteur aus Gefälligkeit einem Blatt, das dem Reptilchen wohl Kopfschmerzen macht, ab und zu unter dem Zeichen„a“ Theaterkritiken und Besprechungen neuer Theaterstücke geschrieben hat. Wir nehmen es dem Reptilchen nicht übel, daß es unseren Redakteur sogar am Biertisch be⸗ spitzeln läßt, das liegt in der Rep⸗ tiliennatur. Daß unser Redakteur auch als „geselliger Herr“ bezeichnet wird, klingt recht schmeichelhaft. Wenn er eine Schlafmütze wäre, wie sie aus Muckerblättern hervorzugehen pflegen, hätten ihm seine Parteifreunde wohl schon längst: den Laufpaß gegeben. Aber lieber als das Zu⸗ geständnis der Geselligkeit wäre es uns doch, wenn über die Sätze bezüglich der„Bande“ Aufklärung gegeben würde. Da Spitzel recht unzuverlässige Leute zu sein pflegen, so bitten wir hiermit alle diejenigen vielen Tausende Menschen, die jemals mit unserem„geselligen Herrn“ Redakteur am Biertisch saßen, um gefl. Fingerzeige. Derjenige, welcher uns zuerst⸗ Aufklärung über die Fieberphantasieen des Rep⸗ tilchens geben kann, erhält als Belohnung ein vom Wahren Jakob veröffentlichtes Bild des⸗ jenigen Mannes, der das Wort„Reptilienpresse“ geprägt hat. Und sobald wir drei Aufklärungen erhalten haben, die in der Hauptsache überein⸗ stimmend lauten, werden wir dem Schulstraßen⸗ Reptilchen eine pikfeine Zipfelmütze stiften. Reptilchen am Waschfaßz. * Kaum haben wir vorstehende Zeilen in Druck gegeben, da kommt die neueste Nummer des Gießener Reptilchens und thut im Sperr⸗ druck der staunenden Menschheit kund und zu. wissen: „Nachdem schon unsere gestrige Abwehr, her⸗ gebrachte Vorurteile entkräftend, beurkundet, daß— wovon man sich übrigens bei gutem Willen täglich durch den Augenschein überzeugen kann— wir den gemeinen Mann nicht minder zuvorkommend, als den gelehrten Professor zu bedienen wissen, erklären wir hiermit nochmals, daß wir auf künftige hämische Anzapfungen der„Vereinigten lieben Schwestern“ erst dann wieder einmal eingehen werden, wenn so viel Zeug vorhanden ist, daß sich eine gründliche Wäsche verlohnt.“ Der erste Teil dieses Reptilien⸗Muster⸗Schach⸗ tel⸗Satzes wird fast in je der Nummer des a b⸗ hängigen und nur dem nackten Kapitalis⸗ mus dienenden Blattes widerlegt. Ueber die„vereinigten lieben Schwestern“ nur ein Wort. Lediglich um die bürgerliche, aber ehrlich demokratische O. L. Ztg., die auch der Arbeiterbewegung Gerechtigkeit widerfahren läßt, als sozialdemokratisch gegen besseres Wissen zu denunzieren, spricht das Gießener Reptil von den„lieben Schwestern“. Die O. L. Ztg. hat— wohl weil ihr die Denun⸗ ziation gar zu erbärmlich war— dem Blatt, das so tanzen muß, wie oben gepfiffen wird, gar nicht geantwortet. Recht so!— Uns gefallen an der oben abgedruckten Erklärung des Reptils nur die zwei Schlußzeilen, in denen. die Rede von einer„Wäsche“ ist. Merkwürdiger⸗ weise können wir uns eine Wäsche nicht vor⸗ 11155 ohne gleichzeitig an Waschweiber zu enken. Aus Marburg. h. Hier wird wieder eifrig in Muckerei ge⸗ mächt. In letzter Zeit machte sich in Arbeiter⸗ wohnungen ein Kolporteur lästig, der sogenannte fromme Blätter aufzuschwätzen versuchte. Besonders macht er sein Glück bei Frauen und Mädchen. Der Frau eines Genossen riet er eindringlich an, das Blatt heimlich zu lesen und natürlich auch zu— bezahlen. Wir können unseren Genossen und Genossinen nur anraten, jedem, der ihnen die„frommen“ Verleumdungsblätter anbietet, so⸗ fort die Thüre zu weisen. Das wäre noch schöner, wenn in Arbeiterfamilien Blätter Eingang finden sollten, deren ganzer Zweck darin besteht, die Arbeiterbewegung zu verdächtigen. p. Am Samstag v. W. fand hier eine Ver⸗ sammlung statt, in der der nationalsoziale Redakteur Erdmannsdörffer über die sozialen Pflichten der Gebildeten redete. Er kam dabei 5 Ueber U altene 0 die„ fuchden do hulshidene deuten, 21„wohnt beinddr heit iber pale Nix . toas Freude in unse für das ingen W Deikeins hinwies, obersten schen 1 den Vere 88 gelun bietungen Reserve Ztg. un ö 4 gebett! r an, e läden en dringend nie er si Die„St A ö keinhö dann bbrigen Zur Affäre hattege New die seines ochherz war, daß ! die rin gatt ein derantwi eine Dult fi 0 . 0 dul U singniz Gkhossen fue 0 ausende eseligen Im gefl. zuerst 8 Rep⸗ ing ein d des⸗ ppresse“ irungen ͤberein⸗ traßen⸗ . len in. dummer Sperr⸗ und zu he, her⸗ daß— n täglich wir den end, als erklären hämische pwestern“ wenn so ründliche Schach⸗ es a b⸗ tal is⸗ Ueber ur ein „ aber die auch igkeit egen pc estern Denun⸗ ö Blatt, fiffen — Uns ing des n denen ürdiger⸗ t vor⸗ 5. erei ge⸗ rbeiter⸗ enannte sonder 1 ich dl 10 auc genossen r ihnen tet, so⸗ e 15 fin allg 1 eh N fie le sohialen 8 dabei Nr. 7. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 5. auch auf seine ehemaligen Parteigenossen, die Antisemiten, zu reden und sprach sich über diese sehr abfällig aus. Die großherzoglich-hessischen antisemitischen Landtagsabgeordneten z. B. könn⸗ ten nur agitieren. Sollten sie im Landtag einmal mitarbeiten, dann sagten sie: „Das verstehe mer nit, mer könne nur räsonnire“. Wir wissen nicht, ob der natio⸗ nalsoziale Flottenfreund den Nachweis er⸗ bringen kann, das einer der antisemitischen Ab⸗ geordneten das wirklich gesagt hat. Daß ihre einzige Stärke thatsächlich im Räsonniren besteht, bedarf freilich keines besonderen Nachweises mehr. Aus Niederscheld. * Ueber die in Niederscheld(Kreis Wetzlar) abgehaltene Kaisergeburtstagsfeier be⸗ richtet die„Zeitung für das Dillthal“ sehr hübsch. Nachdem das Kaiserhoch ausgebracht war, wurden verschiedene Theaterstücke aufgeführt.„Herr Frank, Leutenantder Reserve“ so heißt es weiter —„wohnte den Aufführungen 3 und 4 auch bei und drückte seine größte Zufrieden⸗ heit über die Leistungen aus. Herr Bergver⸗ walter Nix, welcher Ehrenmitglied unseres Vereins ist, toastete auf Herrn Frank, drückte seine Freude darüber aus, daß ein Offizier in unserer Mitte sei. Herr Frank dankte für das ausgebrachte Hoch und lobte noch in kurzen Worten die große Beteiligung unseres Vereins an dieser Festlichkeit, indem er darauf hinwies, immer fester zu unserem Kaiser und obersten Kriegsherrn und zum Vaterlande zu stehen, und brachte zum Schluß ein Hoch auf den Verein aus. Glückliches Niederscheld, dem es gelungen ist, durch seine künstlerischen Dar⸗ bietungen die Zufriedenheit eines Leutenants der Reserve zu erringen!“— meint dazu die Frkf. Ztg. und wir stimmen ihr bei. „Göttliche Weltordnung.“ In Mainz wurde ein Mann verhaftet, der gebettelt hatte. Bei seiner Vorführung gab er an, erst aus dem Kranken hause in Wies⸗ baden entlassen worden zu sein, und bat recht dringend um eine hohe Gefängnisstrafe, um, wie er sich ausdrückte, sich erholen zu können!— Die„Staatsb. Ztg.“ berichtet: Des Hunger⸗ einer Schonung bei Steinhöfel nahe Fürstenwalde das unverehelichte Dienstmädchen R. Das Mädchen war seit Oktober todes gestorben ist in vorigen Jahres außer Stellung. Das Magdeburger Urteil. Zur Magdeburger Majestätsbeleidigungs⸗ Affäre bringt ein offenbar mit der deutschen Parteigeschichte gut vertrauter Genosse in der New⸗ Yorker Volkzeitung Erinnerungen, die seiner Ansicht nach dafür sprechen,„daß die Hochherzigkeit des Abg. Schmidt schlecht am Platze war, daß sein Opfer umsonst gebracht worden ist“. Zu Anfang der achtziger Jahre, so lauten die Erinnerungen, schrieb Albert Dulk in Stutt⸗ gart ein Flugblatt, das ein anderer Genosse Der Betreffende ward zu einem Jahre Gefängnis verurteilt, worauf Dulk sich selbst dem Gericht als Verfasser stellte. Dulk wurde ebenfalls zu einem Jahr Ge⸗ er dem anderen Genossen eine Erleichterung der Strafe verschafftt hätte. In Dresden wurde zur selben Zeit ein Genosse zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt und zwar wegen angeblicher Verbreitung ver⸗ botener Schriften. Der Verurteilte war unschuldig. Die Dresdener Genossen veranlaßten den wirk⸗ lichen Thäter, sich dem Gerichte zu stellen und ein neues Verfahren in dem Falle zu erwirken. Das neue Verfahren für den zuerst verurteilten wurde abgelehnt und der wirkliche Thäter dann ebenfalls zu sechs Monaten verurteilt. verantwortlich zeichnete. fängnis verurteilt, ohne daß Von Rechts wegen! Es sei sehr zu fürchten, daß es in dem jetzigen Magdeburger Falle gerade so gehen wird. Auf den eigenen Antrag Schmidt hat der Reichstag die Ermächtigung erteilt, den Genossen Schmidt in Anklagezustand zu versetzen, was der Reichs⸗ tag sonst stets ablehnt. Wer war Goethe? Wer bisher der Ansicht war, daß Wolfgang Goethe Deutschlands größter Dichter sei, hat sich bitter getäuscht. Er lasse sich belehren von dem klerikalen„Pfälzer Volksboten“, der in Kaiserslautern erscheint. Dieser kommt nach einer Aufzählung von Goethe's Frauengestalten in einer moralischen Würdigung zu folgendem Schlusse:„Das sind die hervorragenden Etappen des moralischen Lebens dieses angebeteten Littera⸗ turhelden, der ein vollendeter Wüstling und ein sittenloser Schurke, der das Lebensglück vieler anständiger Frauen zertreten und ihre Tugend und Ehre den niederen Instinkten seiner bestialischen Leiden⸗ schaften herzlos opferte.“ Na, nun wissen wir wenigstens, woran wir sind. Arbeiterbewegung. Der nächste Gewerkschaftskongreß findet von Montag, den 8. Mai 1899 ab in Frankfurt a. M. statt. Anträge, welche auf die Tagesordnung kommen sollen oder auf die be⸗ kannt gegebene Tagesordnungspunkte Bezug haben, sind bis zum 25. März 1899 an die General⸗ kommission einzusenden. Sämtliche bis dahin ein⸗ gegange Anträge werden veröffentlicht, damit sie in den Gewerkschaften diskutiert werden können. Der Kongreß wird am 8. Mai morgens 9 Uhr, eröffnet werden und dürfte voraussicht⸗ lich fünf Tage dauern. Ausführlicheres finden die Arbeiter in den verschiedenen Gewerkschafts⸗ blättern. Gewerbe⸗Inspektion. * Arbeiter und Arbeiterinnen, die über ge⸗ sundheits⸗ und gesetzwidrige Zustände an ihren Arbeitsstellen zu klagen haben und deren Gesuche von den Unternehmern nicht berücksichtigt werden, thun am besten, wenn sie dem Herrn Ge wer be⸗ inspektor für Oberhessen Mitteilung machen, damit dieser für Abhilfe sorgen kann. Herr Fabrikinspektor Engeln wohnt in Gießen, Westanlage Nr. 39 und ist bestimmt jeden Montag Nachmittag von 12—8 Uhr zu sprechen. Selbstverständlich beobachtet er strengste Verschwiegenheit in Bezug auf die Personen, welche ihn um Vermittelung ersuchen. Jeder Arbeiter und jede Arbeiterin kann sich vertrauens⸗ voll an den Gewerbeinspektor wenden. Es ist seine Aufgabe, darüber zu wachen, daß die Ge⸗ setze, welche zum Schutze von Leben und Gesund⸗ heit der Arbeiter getroffen wurden, von den Unternehmern auch streng beobachtet werden. — Partei⸗Nachrichten. Areis⸗ Konferenz für den Wahlkreis Gießen ⸗Grünberg⸗Nidda am 26. Februar, nachmittags von 1 Uhr ab im Herbertschen Saale zu Hausen. Tagesordnung: 1. Abrechnung des Kreisvertrauensmanns. 2. Ab⸗ rechnung des Kassterers vom Kreis-Wahl- Vereins. 3. Bericht der Delegierten über den Stand der Bewegung in ihren Orten. 4. Die bevor⸗ stehende Landtagswahl für Gießen⸗Land.(Ref.: Scheidemann.) 5. Ausbau der Organi⸗ sation im Kreise.(Referent: Bock.) 6. Unsere Presse.(Ref. Krumm.) Für jeden Ort sind bis zu drei Delegierte stimm⸗ berechtigt. Mandatsformulare sind bei dem Genossen Orbig-Gießen, Rittergasse, in Empfang zu nehmen oder per Postkarte zu bestellen. Die Genossen werden ersucht, sofort Stellung zur Kreiskonferenz zu nehmen und die Wahl der Delegierten vorzunehmen. Die mit der Abrechnung noch im Rückstande be⸗ findlichen Organisationen in Watzenborn-Stein⸗ berg, Leihgestern, Klein⸗Linden, Daubringen, Hausen, Trohe und Rödgen werden um umgehende Einsendung der fälligen Beträge ersucht, damit der Kassierer bis zur Kreis⸗Konferenz genaue Rechnung legen kann.— Die neuen Beitragsmarken sind durch Genossen H. Baum, Gießen, Bahnhofstraße 13, einzufordern. — Friedberg. Für hier und Umgegend ist ein Ge⸗ werkschaftskartell gegründet worden. Alle Zu⸗ schriften und Anfragen sind zu richten an Gustav Kühn, Haagstrasse 11. Versammlungs⸗Kalender. Sonntag, den 12. Februar: Heuchelheim. A.⸗B.⸗V. bei Wirt L. Germer. Vortrag über den Stand der Zigarrenindustrie im Kreise Gießen. Es wird ein Referent anwesend sein. Ganz besonders sind Nichtmitglieder zu dieser Versammlung eingeladen. Alsfeld. Wahlverein. Nachmittags 3 Uhr Ver⸗ sammlung auf der Pfefferhöhe. Samstag, den 18. Februar: Gießener Wahlverein bei Orbig, abends pünkt⸗ lich 9 Uhr: 5 Partei⸗Versammlung, zu der alle Genossen, auch diejenigen, welche nicht Mitglieder des Vereins sind, ausdrücklich eingeladen werden. Tagesordnung: 1. Miliz oder stehendes Heer? Eine taktische Streitfrage. Referent: Redakteur Scheidemaun. Korreferent: Stadtv. Ed. Krumm. 2. Der Maulkorbzwang im Reichstag. Referent: Chr. Petersen. Diskussion zu jedem Punkt. 3. Wahl der Delegierten für die Kreis-Konferenz in Hausen. Briefkasten der Redaktion. Unsere Leser mögen verzeihen, daß wir uns heute ein wenig mehr, als uns lieb war, mit dem„Gießen. Anzeig.“ beschäftigen mußten. In Zukunft wird das hoffentlich nicht mehr erforderlich sein. Je weniger das Blatt in Arbeiterkreisen gelesen wird, um so weniger Ursache haben wir, das Blatt zu beachten. Marburg. Können Sie durch weitere Zeugen beweisen, daß die Jäger Steine klopfen mußten? Wenn nicht, so lassen wir lieber die Finger davon. M.⸗M. Der„erste Steuermann“ ist Herr Erd⸗ mannsdörffer, der Verfasser der Broschüre: Dem Ab⸗ grund zu. Gruß! Lesen Sie das heutige Gedicht: An viele! Alsfeld. Einsendung mußte wegen Raummangel zurückgestellt werden. Für die Dresdener Opfer des Schwurgerichts eingegangen: Redaktion und Setzer der„M. S.⸗Ztg.“: P. S. 2. r d W I., E c Mk., W. K.—.50 Mk. Briefkasten der Expedition. Kaltennordheim S. Liebknecht Emser Depesche noch nicht eingetroffen. Sobald dieselbe erhalten, werde Ihnen umgehend zusenden. Waldkappel Sch. Sonntags⸗Zeitung kostet (Kreuz-Band) nicht 20 oder 25 Pfg. pro Monat, sondern pro ½ Jahr 1.00 Mark! Quittungen. Sch. Bch. 1.— Ab. Dch. 8.40. R. G.— 20. B. Pttw. 12.20. R. G. e Dbgn. 5.40. Ggn. Rdr. 2.—. Pr. Nll. 2 Dr Ehgstrn. 10.60. Pf. G. 3.85. Stbg. Schfr. 6.60. Mhl. G. 65.—. Kch. Kfd. 8.. Kch. G. 10.—. Eschw. P. 18.60. Eschw. Sp. 3.60. Kchn. Hch. 9.—. G. K. G. 1.50. Sch. H. 25.20. H. Sch. 7.—. Albsh. Rbch. „dd Jestr gg! am Wgur. Nhm. 6.—. G. N. Wmr 1.—. Kbch. Rp. 2.—. B. Gbtch. 1.60. K. b. S.— 80. Sg. Wek. 28.20. Dsch. Bg. 6.80.— Sch. N. Mrl. 3.—. Ob. C. D. H. M. 4.80 Wzl. Lgd. 1.60. F. Wtzlr. 25.—. Hfm. Gr. L. 1.—. Wgnr. Erdl. 10.—. L. P. 4.—. Gge. Holgn. 8.40. Wtzb. 6.80. N. G. 75.—. M. G. 7. W. K. 2.—. Hzl. O.— 80 Sg. Ochst. 1.20. Amtlich ermittelte Preise der gewöhnlichsten Verbrauchsgegenstände. Januar 1899. In Gießen gezahlte Preise: 5 Durchschntte⸗ böchste drigse el. G 1 11 8 Weizen... 100 Kilo. 17.50 17.00 17.25 17.40 Roggen„„ 186.2515.00 15.544 15.14 Gerste.„„ 18.50 13.00 15.75 16.64 Goff:„„ 116.0 15.0015.500 14.70 e„„ 6.50 480 5.65 5.50 Sir„„ 00„ e Kartoffeln.„„ 6.50 6.00 6.31 5.95 Erbsen..„„ 31.00 29.00 30.000 25 88 Bohnen„„ 36.0034.00.35.00 28.27 Linsen„„ 42.00 40.004100 37.55 Weizenmehl.. 1 Kilo 0.44 0.38 0.41 0.37 Roggenmehl...„„ 9360 034 0.35 0.28 Batter 5 2.30 1.80 2.080 2.16 Milch 1˙ Liter 0.16 0.16 0.60 0.17 Ei ns 10 Stück 1.00 0.70 0.85 9.83 Brot, gem... 1 Kilo—.——.— 0.24—.28 Brot, Roggen..„„—.—-LA—= 0.21 0.23 mit ohne mit 115 Beilage Beilage[Beilage Beilage Ochsenfleisch... 1 Kilo 1.40 1.60 1.40 1.66 Kuh- u. Rindfleisch,„ 1.26 1.40128 1.49 Nalbstene„„ 1 nee Hammelfleisch..„„ 1.00 1.20[ 1.21 1.46 e 110100 113 Schweinefleisch.,„ 1.44 1.52[1.35 1.62 ———— — — —. 2 —— — — —— . — — 1 0 1 7 Seite 6. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 7. 2 eee — LL Unterhaltungs⸗CTeil. * An viele. Von Gustav Falke. Ich kann Eure großen Worte nicht leiden, Eure Priestermanieren; Mußt Ihr Euch erst als Propheten kleiden, Werdet darüber das Beste verlieren. Sprecht, wie Euch der Schnabel gewachsen, Frisch weg, damit wir's frisch erfassen. Der rechte Mann wirkt ohne viel Faxen, Die Wahrheit wagt sich nackt auf die Gassen. (Jugend.) vom Stamm gerissen. 61 Roman von E. Langer. Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) Wie taktvoll sich Oettinger aber auch benahm, wie vorsichtig auch die Liebenden waren, es gab doch jemanden in ihrer Umgebung, der mit dem Scharfblick der Eifersucht ihr Verhältnis erriet. Dies war Vetter Rudolf. Nachdem er der alten, damals noch im Hause befindlichen Regine, die hin und wieder Briefe zu Oettinger trug, auf⸗ gelauert und sich so Gewißheit verschafft hatte, ging er stracks in den kleinen Laden an der Wasserseite des Hauses und hinterbrachte dem Onkel, was er ausgekundschaftet hatte. Dieser blieb mitten im Ausmessen eines Stück Zeuges mit offenem Munde, die Elle in der erhobenen Linken, wie eine Salzsäule stehen und starrte den Sprecher an, der alle Mühe hatte, ihn von der Wahrheit des Gehörten zu überzeugen. „Na, da soll doch gleich das Donnerwetter dreinschlagen. Da seh' mir einer die Lumpen⸗ bande!“ schrie er so laut, daß die Vorüber⸗ gehenden stehen blieben und in den Laden hineinschauten.„Den will ich mir doch ab— fangen. Du kannst jetzt gehen“, brummte er den Neffen an.„Hast Deine Schuldigkeit ge⸗ than. Bist ein ordentlicher Mensch. Das Pulver hast Du aber nicht erfunden und darum kannst Du Dir trotzdem den Mund wischen.“ Er schloß diesen Abend seinen Laden früher als gewöhnlich und legte sich in dem finstern Flur auf die Lauer. Indessen wartete er heute und die nächsten Tage vergebens. Rudolf hatte ihm somit falsch berichtet, wenn er behauptet, daß der junge Mann alltäglich die Damen be⸗ suchte und um die Zeit des Ladenschlusses sich fortschliche. In übelster Laune und aus seinen kleinen blitzenden Augen mißtrauische Blicke um sich schießend, verbrachte er die Abende mit den Seinen. Als er das drittemal vergeblich gelauert hatte und Valeska nicht im Wohnzimmer fand, fragte er nach ihr. „Sie ist in unserer Stube und schreibt“, sagte Tussy „Aha, sie schreibt!“ dachte er und begab sich schnurstracks nach dem Zimmer seiner Töchter. Wirklich fand er Valeska schreibend. „An wen schreibst Du da?“ fragte er sie barsch. „Wie Du das fragst! Erst sagt man doch „Guten Abend“, Vater“, und damit reichte sie ihm mit ihrer gewöhnlich neckischen Anmut die Hand hin. „Nur keine Flausen; an wen schreibst Du?“ „An Ella Harbrücker, ich muß ihre nächste Gesangsstunde auf eine andere Zeit verlegen.“ „Warum? Weshalb? Was hast Du vor?“ frug er hastig. „Ich habe mit einer anderen Schülerin ein Duett zu einer Soiree einzuüben.“ Er hätte gern gesagt:„Zeig' mir den Brief“, aber er wagte es nicht, er hatte zu viel Respekt vor seiner Tochter. Durchdringende Blicke bald auf das Blatt, bald auf die Schreiberin heftend, stand er eine Weile da. Valeska sah ihn ver⸗ wundert an, dann reichte sie ihm, ohne ein Wort zu sagen, das Billet. Er sah, daß sie wahr gesprochen hatte und ging brummend hinaus. In der Wohnstube ließ er seinen Aerger an allem aus, was ihm in den Weg kam. Nichts war ihm recht, selbst das Buch, in dem er nach einiger Zeit zu lesen begann, fesselte ihn heute nicht, er warf es weg und stampfte schnaufend auf und ab. Als Valeska später dazu kam, sagte er plötzlich: „Dieser Oettinger läßt sich ja garnicht mehr sehen! Ist doch auffallend, früher kam er sehr oft.“ „Er bereitet sich, wie Du weißt, zum Examen vor, das ist wohl der Grund“, antwortete Valeska ruhig. „So? Zum Examen? Wird ein schönes Examen sein! Er ist ein Bummler wie alle diese Herren Radikalen. Das sitzt in den Kneipen herum und schwätzt. Ich habe mir übrigens gleich gedacht, daß an dem Menschen nicht viel dran ist.“ Valeska wußte genug. Ihr blieb nur ein Weg übrig. „Vater, das ist nicht wahr“, sagte sie, sich von ihrem Sitze erhebend,„ich erlaube Dir nicht, so von Oettinger zu sprechen.“ „Was, was? Du erlaubst mir nicht—“ „Nein, denn ich habe mich mit ihm verlobt. Die Mutter weiß darum.“ Der Alte schritt auf sie zu, bis er ganz dicht vor ihr stand, näherte sein Gesicht dem ihrigen und sah sie mit stechenden Blicken an. „Verlobt!— Die Mutter weiß darum!“ zischte er mit wutunterdrückter Stimme.„Seid Ihr toll, Weiber? Mit einem Studenten verlobt!“ Und dann brach er in ein Lachen aus, daß die Wände dröhnten. Valeska war keinen Schritt zurückgewichen, während Frau Stern bleich und starr in ihrem Lehnstuhl saß und Tussy sich instinktmäßig er⸗ hoben hatte, um der Schwester im Notfalle zu Hilfe zu kommen. „Wir haben es Dir nicht verschwiegen, um Dich zu hintergehen, Vater“, nahm Valeska mit ruhiger Stimme das Wort.„Wir wollten Dich schonen. Wir sahen voraus, daß es Dir nicht angenehm sein würde, nicht angenehm sein konnte. Wir wollten es Dir daher erst sagen, nachdem Oettinger das Examen gemacht und seine Stellung an der Zeitung angetreten haben würde.“ „Und es war ja kein Zweifel, daß Väterchen seinen Segen erteilte und das Bettlerpaar dann gleich Hochzeit machen konnte!“ höhnte Herr Stern seine Tochter, indem er heftig gestikulierend im Zimmer umherlief.„Das schlag' Dir aus dem Sinn, das schlag' Dir aus dem Sinn! So lange ich die Augen offen habe, geschieht das nicht. Und Du“— schritt er dann plötzlich drohend auf seine Frau zu, sodaß beide Mädchen dazwischen sprangen. „Die Mutter hat es auch nur ungern zu⸗ gegeben“, rief Valeska.„Schütte Deinen Zorn über mich aus. Ich will mich jeder Bedingung fügen, glaube aber nicht, Vater, daß ich von Oettinger lassen werde. Ich will mit ihm lieber betteln gehen, als mit einem anderen in Glanz und Reichtum leben.“ Aus der Kehle des Alten kam nur ein gurgelnder Laut, während er mit den Händen wie hilfesuchend in der Luft herumfocht.„Mit einem Studenten und einem politischen Hunger⸗ leider dazu!“ keuchte er wieder und schlug sich wie ein Verzweifelter vor den Kopf. Sein Zorn mußte sich Luft machen. An seiner Tochter wagte er selbst in seiner Leidenschaft nicht sich zu vergreifen, aber da hing ihr Bild, eine Oel⸗ skizze, von einer Freundin gemalt, noch ohne Rahmen. Mit einem Ruck riß er es von der Wand und mit äußerster Kraftanstrengung mitten durch. „Das, das verdienst Du!“ schrie er mit tonloser Stimme, öffnete das Fenster und wollte die Stücke des Bildes hinauswerfen; Tussy fiel ihm jedoch in den Arm. „Genug, Vater!“ rief sie und wollte die Stücke fassen, von denen bei dem kurzen Ringen, welches entstand, eins zum Fenster hinausflog. Aber im Nu war Tussy auf der Straße. Ohne auch nur ein Tuch umzunehmen, stürzte sie in die Kälte hinaus und kam noch zeitig genug, um das Bildfragment aufzuheben. 5 Herr Stern war durch diesen Exzeß in seiner Leidenschaft ein wenig ernüchtert. Ein Gefühl der Scham kam über ihn. Er hatte den Kürzeren gezogen. Valeska erkannte sehr wohl ihren Vorteil, aber sie wollte ihn nicht ausbeuten. Auch sie hatte ein Unrecht gegen den Vater gut zu machen. i Auf ihn zuschreitend, legte sie die Hand be⸗ gütigend auf seinen Arm. „Vater, ich bitte Dich, nimm es ruhig. Ich wiederhole es, ich unterwerfe mich jeder Be⸗ dingung, jeder— wenn ich mein Ziel auch un⸗ verrückt im Auge behalte.“ Herr Stern hatte sie unsicher angeblinzelt. „Sie giebt klein bei. Zeit gewonnen, alles ge⸗ wonnen“, dachte er. Damit schwoll ihm auch wieder der Kamm. „Vor allen Dingen gehst Du aus dem Hause“, sagte er rauh,„als Gouvernante, als Gesell⸗ schafterin, als was Du willst, aber fort mußt Du. Du hast was gelernt, sieh Dich in der Welt um. Laß Dir den Star stechen. Hinter den Bergen wohnen auch noch Leute.“ „Gut, Vater, das soll geschehen. Ich werde noch heute eine Annonce aufsetzen. Aber ich bitte Dich, mache Dir und der Mutter nicht unnütz das Leben schwer. Du siehst, wie sie leidet. Arme Mutter“, streichelte sie dieser die bleiche Stirn, die jene nach der furchtbaren Szene in stummer Resignation an das Polster des Stuhles gelehnt hatte.„Daß solche Szenen sich nicht wiederholen dürfen, wirst Du einsehen, Vater“, wandte sie sich wieder an diesen„Gieb mir also die Hand darauf, daß wir in Friede und Freundschaft leben, so lange ich noch im Hause bin.“ Zögernd mit abgewandtem Gesichte gab er ihr die Hand. „Aber, daß mir der Patron nicht mehr über die Schwelle kommt“, setzte er gallig hinzu. „Wenn Du Herrn Oettinger meinst, so bitte ich Dich, in höflicheren Ausdrücken von ihm zu reden. Dagegen darfst Du überzeugt sein, daß er Deine Schwelle nicht eher betreten wird, als bis er es als mein öffentlich Verlobter thun kann.“ Damit mußte sich Herr Stern zufrieden geben. Der Abend verlief in dumpfem Schweigen. Tussy war nicht in die Stube zurückgekehrt, sondern saß bei Regine in der Küche, von der alten, treuen Magd sorgfällig in ein großes Tuch ge⸗ hüllt, bis die Schwester sie zum Schlafen in ihr gemeinsames Stübchen holte. (Fortsetzung folgt.) Aus der Kulturgeschichte unserer Bauernschaft.“ Von Karl Kautsky. Die Einengung der Dreifelderwirtschaft durch den Großbetrieb der Grundherren. Wir haben gesehen, wie die städtische In⸗ dustrie das Geldbedürfnis des Bauern vermehrte, aber auch das Geldbedürfnis der Mächte, die aus dem Bauern ganz oder zum Teil ihre Lebens⸗ kraft sogen— des Feudaladels und des auf⸗ strebenden modernen Staates. Wir haben auch gesehen, wie dadurch der Bauer gezwungen wurde, Lebensmittel zum Verkauf zu produzieren, für die sich der Markt in den wachsenden Städten aufthat. Schon dadurch aber wurde das Gleich⸗ gewicht der Mark ins Schwanken gebracht, deren ganze Wirtschaftsordnung darauf berechnet war, daß sie sich völlig selbstgenügte, nichts oder so gut wie nichts von außen empfing, aber auch nichts, oder wenigstens nichts von Bedeutung, nach außen abgab. Ursprünglich war es denn auch in fast allen Marken auf das Strengste verboten, Mark⸗ nutzungen irgend einer Art ohne Erlaubnis der * Siehe Nr. 6 der„M. S.⸗Ztg.“ Dorf selbst dalen der 0 1 b shiche der D 5 Edelmann u as Fiahle Vonnweine tgerotenen Ei nußte 6 alen Chroni gehen und denn Käs u voll 10 fu Junker füt 5 den We Unsere Sch chuͤslich ger der bereits Altoholism zutreten ver Die B wurden un die Produ als eine Ausfuhr ir nicht mehr nußte aber machen. Das öl indes noch den Maße, Paten wur auch der Vert hesaf produktion ginn der! Boden nich wie damal macht und püschfß geringen, fabawirts handeln. Kder mum von? ernähren nimm ar, ob! dach en Uechtbosg it, daß k wrlschaft en lster en hen, Bieb iede bitte 1 zu daß als hun ben. dern lten, ö ge⸗ iht er den Iu⸗ 5 cle, 15 ens⸗ auf⸗ auch ide, für idten lich eren wal, 00 tung/ allen fark ber Nr. 7. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 7. 1 Markgenossen aus der Mark auszuführen oder außerhalb der Mark zu veräußern, z. B. Holz, Heu, Stroh, Dünger ꝛc. Auch die in der Mark gezogenen Früchte sollten so viel als möglich in der Mark selbst verarbeitet und verzehrt werden. Dasselbe galt von den in der Dorfmark aufge⸗ zogenen Tieren. In der Mark gemästete Schweine durften nicht außerhalb der Mark verkauft werden. Ebenso war bestimmt, daß die in der Dorfmark gewachsenen Feldfrüchte und Weine in der Mark selbst gemahlen, gebacken, gegessen beziehungsweise gekeltert und vertrunken werden sollten, woraus in vielen Dorfmarken sich Bannrechte entwickelten. Das Bedürfnis, nichts zu exportieren, alles im Dorf selbst konsumieren zu lassen, nahm unter der feudalen Ausbeutung oft kuriose Formen an. G. L. v. Maurer erzählt uns in seiner„Ge⸗ schichte der Dorfverfassung“(J, S. 316) von einem Edelmann im Elsaß, der 1540 seinen Bauern als Frohnarbeit das Austrinken seiner saueren Bannweine auflegte, damit seine Fässer für den gutgeratenen Wein dieses Jahres frei würden. „Sie mußten,“ heißt es nach Maurer in der alten Chronik,„alle Wochen dreimal zum Weine gehen und bezahlten nicht mehr dem Edelmann, denn Käs und Brod. Wenn nun die Bauern voll waren, schlugen sie einander, da büßte sie der Junker für den Frevel und bekam also mehr Geld für den Wein, als wenn er ihn verkauft hätte.“ Unsere Schnapsjunker sollten diesem wackeren christlich⸗germanischen Helden ein Denkmal setzen, der bereits in jenen fernen Zeiten so kräftig für Alkoholismus, Profit und christliche Zucht ein⸗ zutreten verstand. Die Beschränkungen durch die Bannrechte wurden unhaltbar oder nutzlose Chikanen, sobald die Produktion für den Markt sich den Bauern als eine Notwendigkeit aufdrängte. Die stete Ausfuhr in die Stadt von Nahrungsstoffen, die nicht mehr dem Boden zurückgegeben wurden, mußte aber diesen allmälig erschöpfen und ärmer machen. Das ökonomische Gleichgewicht der Mark wurde indes noch in ganz anderer Weise gestört. In dem Maße, in dem die Produkte des Bodens zu Waren wurden, einen Marktwert erhielten, wurde auch der Boden selbst zu einer Ware, die einen Wert besaß. Als die landwirtschaftliche Waren⸗ produktion größere Ausdehnung annahm, im Be⸗ ginn der neueren Zeit, da war der Grund und Boden nicht mehr so sehr im Ueberflusse vorhanden, wie damals, als die Germanen sich ansässig ge⸗ macht und an Stelle der nomadischen Weide⸗ wirtschaft, ergänzt durch ausgedehnte Jagd und geringen, höchst primitiven Feldbau, die Drei⸗ felderwirtschaft gesetzt hatten, von der wir hier handeln. Jeder Produktionsweise entspricht ein Maxi⸗ mum von Volkszahl, die ein bestimmter Landstrich ernähren kann. Ob dies Max mum von den Germanen zur Zeit der Völkerwanderung erreicht war, ob Uebervölkerung sie trieb, ins römische Reich einzubrechen und nicht vielmehr dessen Wehrlosigkeit, darüber kann man streiten. Gewiß ist, daß der Uebergang zu einer höheren land⸗ wirtschaftlichen Betriebsweise, den sie ihrer Be⸗ rührnng mit der römischen Kultur verdankten, den Nahrungsspielraum der germanischen Völker in der Zeit nach der Völkerwanderung enorm er⸗ weiterte. Die geringe Volkszahl genügte nur Nur für Wiederverkäufer! Tze, gen, Neue Aotas, — 22 Fakturen, Südfrüchte: 0 Mitteilungen. Bosinen, Corinthen, Mandeln, Feigen, Pflaumen u. s. w. Toren zu billigsten en⸗gros pretslisten, Preisen. 9 Briefköpfe, Benner& Krumm in Gießen. wenig den Bedürfnissen der neuen Produktions⸗ weise, diese selbst war der Aufziehung einer zahl⸗ reichen Nachkommenschaft sehr günstig. Sobald daher die Stürme der Völkerwanderung und ihrer Ausläufer sich gelegt und einigermaßen Friede und Sicherheit in Europa eingetreten waren, be⸗ gann die Bevölkerung sich rasch zu vermehren. Der Volkszuwachs fand in den ausgedehnten Wildnissen leicht den nötigen Grund und Boden. Wuchs die Volkszahl im Dorfe, dann wurde entweder die Feldflur des Dorfes durch Neu⸗ ordnungen in der unverteilten Feldmark ver⸗ größert, oder es wurde ein Teil der letzteren ausgeschieden und daraus das Territorium einer neuen Markgenossenschaft geschaffen, eines Tochter⸗ dorfes, das neben dem Urdorf entstand. Ander⸗ seits schenkten die Fürsten an Klöster oder adelige Gefolgsleute große, kaum oder gar nicht kultivierte Landstrecken, auf denen die Grundherren gegen geringen Zins Markgenossenschaften einwandernder Kolonisten anlegten. Durch das stete Zurück⸗ drängen der Slaven wurden der germanischen Kolonisation immer wieder neue Gebiete erschlossen. Im Anfang des 15. Jahrhunderts machten die Hussitenkriege in Böhmen und die Nieder⸗ werfung der Macht des deutschen Ordens in Polen dem weiteren Vordringen der deutschen Kolonisation nach Osten ein Ende. Um dieselbe Zeit aber hatte die Bevölkerung Mitteleuropas, wenn auch noch nicht das Maximum erreicht, dessen sie bei der damaligen Wirtschaftsweise fähig war, so doch eine genügend starke Ausdehnung erlangt, so daß ein Mangel an Menschen, an Arbeitskräften, nicht mehr bestand und Grund und Boden aufhörte, in solchem Ueberfluß vor⸗ handen zu sein, daß man seiner nicht mehr achtete. So entstand die Möglichkeit, aber auch der Drang, das wichtigste aller Produktionsmittel zu mono⸗ polisieren. Die hartnäckigsten und erbittertsten Kämpfe darum entspannen sich zwischen den Bauern und dem Feudaladel, die bis in die neuere Zeit hineindauern, eigentlich nie ganz aufhören, deren Entscheidungsschlachten aber in Deutschland schon im 16. Jahrhundert geschlagen werden. Sie fallen faft allenthalben zu gunsten des Feudaladels aus, der sich der aufkommenden Staatsmacht unterwirft und dafür ihre Hilfe gegen die Bauern gewinnt. Der siegreiche Adel fängt an, selbst Waren zu produzieren auf eine Art, die ein seltsames Gemisch von Kapitalismus und Feudalismus darstellt. Er fängt an, in Großbetrieben Mehr⸗ wert zu produzieren, aber in der Regel nicht durch Lohnarbeit, sondern durch feudale Zwangs⸗ arbeit. Seine Forstpolitik ebenso wie seine Weide⸗ und Ackerwirtschaft schmälert das Bauern⸗ land und untergräbt das Gleichgewicht des Dreifeldersystems. Am leichtesten zur feudalkapitalistischen Aus⸗ beutung, zur Warenproduktion im Großbetrieb auf dem Lande, eignete sich die Forstwirtschaft. Sobald das Städtewesen das Holz zu einer ge⸗ suchten Ware machte— und es wurde damals noch nicht durch Steinkohle und Eisen ersetzt und wurde daher als Brenn- und Baumaterial relativ viel mehr gebraucht, als heutzutage— da suchten die Grundherrn sich des Waldes zu bemächtigen, entweder indem sie ihn der Markgenossenschaft nahmen, die ihn eignete, oder, wo er von vorn⸗ herein ihr Eigentum war, indem sie die Nutznugs⸗ 5 rechte der Markgenossen in Bezug auf Holz⸗ und Streubezug und Weidenutzung möglichst be⸗ schränkten. Schon in den zwölf Artikeln der aufständischen Bauern von 1525 lautet ein Artikel(der fünfte): „Zum fünften sind wir auch beschwert der Be⸗ holzung halb, denn unsere Herrschaften haben sich die Hölzer(Wälder) alle allein zugeeignet, und wenn der arme Mann etwas bedarf, muß er's um das doppelte Geld kaufen. Unsere Meinung ist, was für Hölzer Geistliche oder Weltliche, die sie immer haben, nicht erkauft haben, die sollen einer ganzen Gemeinde wieder anheim⸗ fallen, und einem Jeglichen aus der Gemeinde soll ziemlicher Weise frei sein, daraus seine Not- durft ins Haus umsonst zu nehmen, auch zum Zimmern, wenn es von Nöten sein würde, soll er es umsonst nehmen dürfen, doch mit Wissen derer, die von der Gemeinde dazu erwählt werden, wodurch die Ausbeutung des Holzes verhütet werden wird.“ Der Ausschluß der Bauern von der Be⸗ nutzung des Waldes wurde gefördert durch die Eutwickelung des Jagdwesens. (Fortsetzung folgt.) ——— Sprüche zur Lebensweisheit. Eine Hand wäscht die andere. Zuweilen kommt's auch so: Eine Hand wäscht die andere, aber die andere seift die eine nur gründlich ein. Theologen sind Leute, die alles so zu wenden wissen, daß die Lämmer heil bleiben und die Wölfe satt werden. Man sollte nie vergessen, daß dem Menschen zur höchsten Ehre gereiche, im Unglück sich zu fassen und den Schmerz mit Anstand zu ertragen. Goethe. Humoristisches. Wink. Hännschen erhält jedesmal von Groß⸗ mama einen Thaler, wenn er sich hat einen Zahn ziehen lassen ohne zu schreien. Beim letzten Mal sagt er zur Großmama, den Thaler betrachtend:„Großmama, der saß aber viel fester, als die andern!“ * Bürgermeister zum Theaterdirektor:„Dös sog i Dir glei, Liabsgeschicht'n und solchene Sauereien därf'n nöt vorkumma in dem Stück, wos bei uns aufführt's!“ — Schmierendirektor:„Aber liebster Herr Bürger⸗ meister, wenn die Sache anfängt, bedenklich zu werden, bört ja das Theaterstück so wie so immer auf.“— Bürger meister:„Dös woaß i, aber unsere Buab'n und Diandln im Dorf spiel'ns dafür nach a fertil“(Simpl.) —— — 2 Neu eingelaufene Schriften. Besprechung wichtigerer Erscheinungen behalten wir uns vor. Der Süddeutsche Postillon(Nr. 3) Faschings⸗ nummer(Verlag M. Ernst München) ist soeben er⸗ schienen und bringt in jeder Beziehung sehr gelungene Darbietungen. Sowohl textlich, als insbesondere illu⸗ strativ bietet die Faschingsnummer des Süddeutschen Postillon durchweg originelles; herzerfrischender Humor auf jedem Blatt. Von besonderer Wirkung ist das Bollbild auf Seite 5 von A. Fiebiger: Immer lustig, du tolle Zeit(Freund Hain als Harlekin). Ferner die Illustration: Kasperl⸗Theater; klein Postillon als Kasperl schlägt mit seiner Narrenpritsche bekannte politische Figuren herunter vom Staberl“, selbst der gewaltige König Stumm muß„Backzähne spucken“. Kurzum, jeder kaufe sich den Postillon, er wird daran sein Vergnügen haben. Die Nummer kostet 10 Pfg. Wilhelm Kellersche Buchdruckerei Inhaber: Wilhelm Sell Giessen, Sonnenstr. 6. Druckarbeiten aller werden bei pünktlicher und sauberer Ausführung zu billigsten Preisen geliefert. Einladungs⸗, Derlobungs⸗, Glückwunsch⸗, Visit⸗ und Vereins⸗ Karten. 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Aussehen, Blutmangel, Entkräftung sind meist die Folge schlechter Verdauung, mangelhafter Blutbildung und eines krank⸗ haften Zustandes der Leber. Bei gänzlicher Appetitlosigkeit, unter nervöser Abspannung und Gemüthsverstimmung, sowie häufigen Kopfschmerzen, schlaflosen Mächten, siechen oft solche Kranke langsam dahin. 2 Kräuter⸗Wein giebt der geschwächten Lebenskraft einen frischen Impuls. 2 Kräuter⸗Wein steigert den Appetit, befördert Verdauung und Ernährung, regt den Stoffwechsel kräftig an, beschleunigt und verbessert die Blut⸗ bildung, beruhigt die erregten Nerven und schafft dem Kranken neue Kräfte und neues Leben. Zahlreiche Anerkennungen und Dankschreiben beweisen dies. Kräuter⸗Wein ist zu haben in Flaschen à. 1.25 u 1.75 in: Gießen, Großen⸗Linden, Wetzlar, Fron⸗ hausen, Braunfels, Butzbach, Brandoberndorf, Gladen⸗ bach, Weilburg, Groß⸗Buseck, Allendo Grünberg, Lich, Hungen, Laubach, Bad⸗Nauheim, Marburg usw. in den Apotheken. 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