ing der fl. ultet. dt 70 pig pl. A Preisen * bl in ahnten segen, er, 20. N Nr. 37. Gießen, Sonntag, den 10. September 1899. 5. Jahrg. Redaktion: Kirchenplatz 11. Schloßgasse. Sonnt Mitteldeutsche 5-30 Nedaktionsschluß: Donnerstag Nachmittag 4 Ur N itung. Abonnementspreis: Die„Mitteldeutsche Sonntags-Zeitung“ kostet durch unsere 5 geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 90 Pfg. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Austräger frei ins Haus Zur Lage der Kleinbauern. ely. In cinem Vortrage über die Lage der Landwirtschaft am Ausgang des 18. Jahr⸗ hunderts— also jetzt vor 100 Jahren— hat Professor Dr. Brentano in München auch die Lage der Bauern geschildert und ist zu dem Schlusse gekommen, daß sie in der soge— nannten guten alten Zeit recht elend daran gewesen sind. Was sie hauptsächlich be⸗ drückte, war in erster Linie die Unterthänig⸗ keit unter einen Gerichtsherrn, der die Bauern zu Frohndiensten verpflichtete. Sie mußen Stift und Gilt bezahlen und waren in der Ver— fügungsfreihest über das Bauerngut beschränkt. Der Bauer trug ferner die Hauptsteuerlast und war nicht in der Lage, ein Grundstück von seinem Baue nhof zu veräußern, jede Teilung des Hofes unter die Kinder des Bauern war untersagt, alles mußte in festen Händen bleiben. Die Folge war, daß ein Bauernproletariat ent⸗ stand und das ganze Land von Bettlern schwärmte. Vierundeinhalb Prozent der er— wachsenen männlichen Bevölkerung gehörten damals zu den Bettlern. Infolge der Ge— bundenheit wurden die Höfe bald viel zu groß, um mit dem vorhandenen Kapital und den Arbeitskräften bewirtschaftet zu werden. Die Folge davon waren wieder Verschuldungen. Aber auch der Zehnt drückte die Lage der Bauern. Alle Grundstücke unterlagen ihm; dabei war der Zehnt nicht eine Abgabe vom Reinertrag, sondern vom Ro hertrag, eine Abgabe, die ohne Rücksicht auf die Produktions⸗ kosten erhoben wurde. Hierzu kam noch der Arbeitermangel: Knecht und Magd wanderten damals gerade so wie heute nach der Stadt, und die, die zu Hause blieben, ließen viel zu wünschen übrig. Andere Mißstände waren die zahlreichen Fesertage und die große Unbildung der Bauern; es fehlte jeder Unterricht, sie konnten weder lesen noch schreiben. Wenn man die Kae Lage der Bauern, vornehmlich aber des Kleinbauernstandes, mit der Situation vor hundert Jahren vergleicht, so mag es ja in manchen Beziehungen besser geworden sein. Der Bauer kann heute lesen und schreiben. Er braucht weder Zehnt noch Stift und Gilt zu bezahlen, auch trägt er nicht mehr die Haupt⸗ steuerlast. Meist ist er in der Lage, seinen Be⸗ sitz zu veräußern wie er will und in welchen Teilen er will. Aber alle diese Fortschritte haben doch dem Klein bauernstande keine Besserung gebracht. Anstelle des Grundherrn ist für ihn heutzutage der Gläubiger getreten. Die Schul dknechtschaft, die heute auf dem Kleinbauern lastet, ist vielleicht noch drückender als die Unterthänigkeit unter den Gerichtsherru. Im Landesökonomiekollegium erklärte vor einiger Zeit Professor Sehring⸗Berlin, die Landwirt⸗ 9 5 sei in einem solchen Grade verschuldet, aß zwei Drittel der Grundbesitzer, d. h. der sicherste Teil der alten preußischen Laudwirt⸗ schaft, in 16 Jahren hypothekarisch überschuldet sein würden, wenn es so wie bisher weiter ginge. Dann werde der Grund und Boden nicht mehr den Landwirten, sondern den en Geldleuten gehören. In der theinprovinz kauften die letzteren den Grund⸗ besitz immer mehr aus, daher seien dort viele Bestellungen nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die find Landwirte bereits zu Fabrikarbeitern herab— gesunken. Die großen Geldleute seien schon Herren der Lage. Inwieweit die Behauptungen Sehrings zutreffen, das zeigt ein Blick auf die Verschuldung der Landwirtschaft, namentlich der Kleinbetriebe, in der Rheinprovinz. Dort ist amtlich festgestellt, daß die kleinsten Be⸗ sitzungen die verschuldetsten sind. Die Kleinbauern sind heutzutage zum über— wiegenden Teil nichts anderes als Arbeiter im Dienste ihrer Gläubiger. Sie haben von ihrem Grundstück, das sie bebauen, nur knappe Vergütung für die Arbeit, die sie jahraus jahrein leisten. Was sich für die Rheinprovinz ergiebt, das ist auch für die ländliche Bevöl— kerung des Großherzogtums Baden festgestellt, in welchem Lande sowohl in den achtziger wie in den neunziger Jahren Erhebungen über die Verschuldung der ländlichen Bevölkerung ange— stellt worden sind. Beide Male hat sich er— geben, daß in den rein landwirtschaftlichen Be— trieben die unterste Besitz- bezw. Einkommens⸗ gruppe relativ am höchsten verschuldet ist. Und wie im Rheinland und Baden, so auch in Hessen. Wenn es danach feststeht, daß gerade die Kleinbauern heutzutage in einen drückenden Schuldknechtschaft sich befinden, so daß sie nichts anderes sind als Tagelöhner im Dienste des Kapitals, so dürfte es auch nicht mehr allzu lange dauern, bis den Kleinbauern klar wird, daß ihre Wirtschaftsinteressen wesentlich andere sind, als diejenigen des, großen Besitzes, daß ihre soziale Selbständigkeit nur scheinbar existiert, daß ein wirtschaftliches und politisches Zusammengehen mit den Agrariern ihnen nichts nützen kann, so wenig wie dem Hand- werk ein Zusammengehen mit der Großindustrie. Zwischen Großen und Kleinen giebts keine Interessen-Gemeinschaft. Wenn die Großen in der Landwirtschaft von den gleichen Interessen aller Bauern sprechen, so versuchen sie mit solchen Behauptungen die Kleinen für ihre Zwecke zu ködern, um sie später über den Löffel barbieren zu können. Wer hat den großen Grundbesitzern, die in den deutschen Parlamenten die erste Geige spielen, zu ihren Mandaten verholfen? Die Kleinen! und zwar deshalb, weil sie den Versprechungen und falschen Vorspiegelungen der Großen Glauben ge— schenkt haben. Aber was haben denn die Großen in den Landtagen und im Reichstag je für die Kleinen gethan? Nichts! Für sich selbst haben sie gesorgt. Gerade die viel verdächtigte Sozial demo⸗ kratie ist es überall gewesen, die die Interessen der Kleinen wahrgeuommen hat. Und deshalb auch die Wut der Großen. Sie wissen, daß ihr unheilvoller Einfluß in demselben Maaße schwinden muß, wie die Sozialdemokratie an Einfluß gewinnt. Die Zahl derjenigen Klein⸗ bauern, die die Lügen, Verdächtigungen und Verleumdungen glauben, die über die Sozial— demokratie verbreitet werden, wird immer kleiner. Mehr und mehr sieht auch die Landbevölkerung ein, daß die Sozialdemokratie die einzige wirkliche Volkspartei ist. Die Behaup⸗ tungen, die Sozialdemokratie wollte die„Religion abschaffen“,„teilen“ und was ähnlicher Unsinn Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die] Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Druckerei, Schloßg. 13, sowie jede Postanstalt und] 4 mal. Bestellung gewähren wir 25%, ͤ bei 6 mal. Bestellung jeder Landbriefträger entgegen.(Post⸗Z.⸗Kat. 43 12a.) 33/% und bei 1 Juserate a en in der„M. S.⸗Ztg“ weiteste Verbreitung. Die 5gespalt Bei mindestens mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt aufgestellt, weil sie den gerechten Forderungen der Sozialdemokratie keine sachlichen Gründe entgegensetzen können. Sie lügen und lügen, um vor der Sozialdemokratie graulich zu machen. Lange zieht dieses Mittel nicht mehr, weil selbst die Dümmsten den Schwindel der National- liberalen, Antisemiten, Manschettenbauern— Bündler und sonstiger Quacksalber erkennen und die einzig richtige Lehre daraus ziehen, indem sie selbst Sozialdemokrat werden und sozialdemokratisch wählen. Politische Rundschau. Gießen, den 8. September. Die Aussperrung der Landräte. Was das zweifelhafte Deutsch des Erlasses, den wir in voriger Nummer unter Letzten Nach- richten kurz erwähnten, noch im Dunklen ließ, ist durch eine Extra-Ausgabe der ministeriellen „Berliner Korrespondenz“ klar gestellt: die be— amteten Kanalgegner im preußischeu Ab— geordnetenhause sind doch gemaßregelt worden: 20 Landräte und zwei Regierungspräsidenten. Alle auf Wartegeld! Diese Maßregel der preußi⸗ schen Regierung ist kleinlich und unseres Er— achtens verfassungswidrig. Wenn es auch bedauerlich ist, daß die Kanalvorlage, ein wirk— liches Kulturwerk, zu Fall gebracht wurde, so war es doch das gute Recht auch der beamteten Abgeordneten, nach ihrer Ueberzeugung zu stimmen. Der Vorfall zeigt wieder recht deut⸗ lich, wie verkehrt es ist, von der Regierung abhängige Beamte zu Abgeordneten zu wählen. Nach den Landräten die Minister. Der Staatsanzeiger macht bekannt, das der Ninister Dr. Bosse gemäß seinem An— suchen vom seinem Amte entbunden und der Oberpräsident Studt zum Staatsminister und Kultusminister ernannt worden ist, so— wie daß der Minister Freiherr v. d. Recke gemäß seinem Ansuchen von seinem Amte entbunden und der Regierungspräsident Frei— herr v. Rheinbaben zum Staatsminister und Minister des Innern ernannt worden ist. Warum sind gerade diese beiden preisgegeben worden, die doch an der Kanalangelegenheit unbe⸗ teiligt waren? Das Rätsel scheint unlöslich, ist aber sehr einfach. Bosse und Recke haben den Zorn der Junker da purch erregt, daß sie Vollstrecker der Maßtegelungspolitik waren, die dienstwilligen Exekutoren der Regierung- Drohungen. Bosse hatte den Prof. Irmer, in unterwürfigem Uebereifer, entlassen, und Herr v. d. Recke hatte den famosen Tagesbesehl an die beamteten Abgeordneten verfügt, für den Kanal zu stimmen; auch die Ruhestands-Ver— setzungen der Landräte und Regierungspräsidenten dürften seine Unterschrift tragen. Das hatte beide Minister bei der herrschenden Sippe schon gesellschaftlich unmöglich gemacht. Sie wurden in aller Form boykottiert, sie hatten keine ministerielle Existenzfähigteit mehr; es ist ja erinnerlich, daß die konservative Fraktion be— schlossen hatte, keinen Gesetzentwurfedes Reckeschen Ressorts zur Erledigung kommen zu lassen. Das Ziel der Angriffe der liberalen Presse war Herr Miquel— und Miquel erfreut sich ist, werden lediglich deshalb von den Gegnern noch immer der Ministerherrlichkeit. Die — S ite 2. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 37. agrarisch⸗konservative Presse hetzte gegen Bosse und Recke, und das genügte, um sie vom Schau⸗ platz verschwinden zu lassen. Der Minister⸗ wechsel ist ein weiterer Triumph des Jun⸗ kertums, eine neue Aufklär ung über die Frage, wer bei uns herscht. Damit ist die Bedeutung des Wechsels erschöpft. Wir erwarten von dem Ministerwechsel keinerlei Kurswechsel. Minister kommen und gehen bei uns, das System bleibt das alte. Minister Bosse wird schon dadurch in„gutem“ Gedächtnis bleiben, daß er die Maßregelung des Privatdozenten Dr. Arons mit allen Mit⸗ teln durchzusetzen suchte und Herr v. d. Recke's Namen wird die Arbeiter für alle Zeiten an den Versuch erinnern, in Preußen das Vereins- und Versammlungsrecht zu vernichten. Außer- dem ist v. d. Recke der Vater des famosen Hau⸗ und Schießerlasses. Fort mit Schaden! Die Zahl der inaktiven Staatsminister hat sich dadurch, daß den zurückgetretenen Ressort— ministern Dr. Bosse und Freih. v. d. Recke der Titel und Rang eines Staatsministers belassen ist, auf 21 vermehrt. Die kosten jährlich Hun⸗ derttausende! Der abgelehnte Orden. In der heutigen Zeit der Landrats-Oppo⸗ sition wankt alles in Preußen und selbst die festgestellten Stützen des Staates keiegen rabiate Einfälle. Die„Ostsee⸗Zeitung“ meldet: Dem nach 33jähriger Dienstzeit aus dem Amte ge⸗ schiedenen Gerichtsvollzieher Groth in Köslin wollte der stell vertretende Landgerichtspräsident, Landgerichtsdirektor Hänisch, das verliehene Allgemeine Ehrenzeichen überreichen. Herr Groth lehnte die Annahme dieser Auszeichnung ab.— Schon einmal haben staatstreue Leute das allgemeine Ehrenzeichen dankend abgelehnt. Das war damals, als Puttkammer dem ent⸗ larbten Lockspitzel Ihring-Mahlow durch diese . eine eklatante Genugthuung verschaffen wollte.— Keine Majestätsbeleidigung. Das Verfahren gegen den„Vorwärts“ wegen Majestätsbeleidigung, angeblich begangen durch eine Anwendung des bekannten Denun— ziantenverses ist nun vernünftigerweise doch ein⸗ gestellt und damit, wie die„Frankf. Zeitung“ schreibt, ein unerhörter Mißgriffrektifiziert worden. Als Denkmal deutscher Justiz⸗ Zustände verdient aber der„Beschluß“, durch den die Beschwerde des„Vorwärts“ zuerst zurückgewiesen wurde, im Wortlaut wieder— gegeben zu werden. Man braucht ihm nichts hinzuzufügen: Beschluß! In der Strafsache gegen den Redakteur Robert Schmidt zu Berlin wird die vom Verteidiger des Be⸗ schuldigten, Rechtsanwalt Wolfgang Heine, gegen den Be⸗ schluß des kgl. Amtsgericht 1 Abteilung 126 vom 23. August 99 eingelegte Beschwerde zurückgewiesen. Gründe. Durch den angefochtenen Beschluß ist die polizeiliche Beschlagnahme der Beilage zu Nr 196 des„Vor— wärts“ bestätgt, welcher erfolgte, weil in den Anfangs- worten eines darin enthaltenen Artikels:„Der größte Schuft im ganzen Land“ eine gegen den Kaiser gerichtete Beleidigung zu finden ist. Die Beschwerde erschien unbegründet. Nach Dar⸗ stellung des Beschuldigten bilden die oben wiedergege⸗ benen Worte zwar nur einen Theil des Verses von Hof⸗ mann von Fallersleben: Der größte Schuft im ganzen Land Das ist und bleibt der Denunziant“ und ist somit die Aeußerung nur gegen denjenigen ge⸗ richtet, welcher bei dem in dem Artikel erwähnten Vor— fall eine Anzeige wegen Majestätsbeleidigung erstattet hatte. Dies war aber, wenn überhaupt, nur für denjenigen erkennbar, der obigen Vers schon früher kannte. Wer ihn nicht kannte, mußte, da die fettgedruckten Ein⸗ gangsworte des Artikels eine andere Erklärung in dem Artikel selbst nicht fanden, sie auf die in dem Artikel erwähnte Person des Kaisers beziehen. Danach ist der Inhalt des Artikels mindestens als objektiv strafbar zu erachten. Aber auch der Beschuldigte ist verdächtig, sich be⸗ wußt gewesen zu sein, daß die Anfangsworte des Artikels von Personen, welche den Vers nicht kauuten, auf den Kaiser bezogen werden konnten und wurden. Wenn er gleichwohl die Veröffentlichung zuließ, so besteht der Verdacht, daß er diese Folge und somit die darin liegende Majestätsbeleidigung in seinem Willen aufgenommen hat. Es liegt also sowohl objektiv als subjektiv(sachlich wie persönlich) der Verdacht eines Vergehens gegen § 95 Str.⸗G.⸗B. vor. Die Beilage des„Vorwärts“, welche beschlagnahmt ist, kann für die Untersuchung wegen dieses Vergehens von Bedeutung sein, auch ge⸗ mäß§ 40 des Str.⸗G.⸗B. der Einziehung unterliegen. Mithin war die Beschlagnahme nach§ 94 Strafprozeß⸗ ordnung gerechtfertigt. Berlin. den 29. August 1899. Kgl. Land ericht I. Ferienstrafkammer 3 gez. Heydel. Löwy. Nürnberg. Der Antisemitismus— verjudet. Zum Parteitag der deutsch-sozialen Reform⸗ partei, der am 9.— 11. September in Hamburg stattfindet, hat der Antisemit Carl Leber⸗ mann, Hamburg-St. Pauli, den Antrag ein⸗ gebracht: „Der Parteitag wolle beschließen, in das Parteiprogramm folgende Forderung aufzunehmen:„Lösung der sozialen Frage durch die freien individuellen Produktiv⸗ Assoziationen der Arbeiter vermittels Staats⸗ kredits nach den Prinzipien von Ferd. Lassalle als das unerläßlichste Bedürfnis unserer Zeit und als eisernen Bestand der Initiativ⸗ Anträge im hohen Deutschen Reichstage.“ Die bekannte philosemitische Korrespondenz bemerkt hierzu recht launig:„Daß jetzt der— Jude Lassalle helfen soll, den Antisemsten sozia⸗ politische Einsicht zu verschaffen, ist voller Humor. Was ret et die Welt vor Verjudung, wenn selbst die treuesten Hüter des Teutsch⸗ tums Arm in Arm mit Lassalle das„unerläß— lichste Bedürfnis unser Zeit“ stillen?“ Uebrigens scheint der Herr Lebermann einer der anstän⸗ digeren unter seinen Freunden zu sein. Denn sein Versuch, mit einem Juden anzubandeln, bringt ihm wenigstens kein Geld ein, soll viel⸗ mehr nur dazu dienen, seiner Partei auf die Beine zu helfen. Daß die oberantisemitische Staatsbürger ⸗Zeitung Nummer für Nummer Inserate jüdischer Geschäftsleute bringt, und daß antisemitische Führer mit jüdischen Jour⸗ nalisten Nachrichtenschacher getrieben haben, ent⸗ sprang wohl weniger lauteren Motiven. Der Niedergang des Antisemitismus. „Der Antisemitismus ist der Sozialismus der dummen Leute“— ein wahreres Wort ist kaum je gesprochen worden. Die Verzweiflung der von den Hypothekenlasten erdrückten Bauern, die ohnmächtige Wut der kleinen Kaufleute über die Konkurrenz der Waarenhäuser usw., das langsame Verbiuten der kleinen Handwerker an den überlegenen Waffen der großen Industrie, die Brodlosigkeit innerhalb der gelehrten Berufe — das sind die Wurzeln des Antisemitismus, Die Predigten und Reden weltlicher und geist⸗ licher, gescheitelter und geschorener gelehrter und ungelehrter Demagogen traten hinzu, wie der Keim der Pflanze des Regens und des Sonnen⸗ schein bedarf, um sich zu entfalten. Freilich, die Pflanze war danach. Es ist bezei hnend, daß es den Antisemiten nicht gelungen ist, selbst nur für einige Monate eine geschlossene Partei⸗ organisation herzustellen. Rein negativer Natur, ohne ein einheitliches positives Z'el, mußte die antisemitische Partei, so weit überhaupt von einer solchen die Rede, alsbald wieder in ihre Bestandteile zerfallen. Einige besonders klare Köpfe mochten sich zum Sozialismus fortentwickeln, andere als Eigen⸗ brödler ein Sonderdasein führen: der Rest wird, täuscht uns nicht Alles, über kurz oder lang in der konservativen Partei auf⸗ gehen. Einige antisemitische Provinzorgane, wie die „Hannoversche Post“ deren Redakteur den ver— dächtigen Ramen Rosental führt, haben diese Schwenkung bereits vollzogen. Die Staats⸗ bürger-Zeitung“, einstmals die Trommel— schlagerin für Ahlwardt, ist im besten Zuge, denselben Weg zu gehen. An reaktionärer Gehässigkeit, an byzantinischer Geflissenheit giebt das Blatt keinem Orgaue der äußersten Reaktion etwas nach. Die Blätter Krupps und Stumms haben kaum so brünstig nach der Zuchthausvorlage geschrieen wie die „Staatsbürger⸗Zeitung“, die vor nicht allzu langer Zeit behauptete, zwar antisemitisch, da⸗ neben aber freiheitlich und liberal zu sein.— In klobigen Anpöbelungen der Dienstboten⸗ bewegung steht die edle„Staatsbürgerin“ gleich- falls unerreicht da: die Gesindeordnung ist ihr eine edle Blüte christlich⸗teusch⸗patriar⸗ chalischen Geistes. Dabei versteigt sich das Blatt zu folgender Leistung: Eine Dienstboten⸗ frage für die Dienstboten giebt es nur in jüdischen Häusern, in christlichen Häusern existirt eine solche nur für die Herrschaften! Unnötig zu sagen, daß das antisemitische freiheitliche Organ mit gewohntem Bütteleifer die christlich⸗teutschen Herrschaften beschwört, fleißig die Hunger⸗ peitsche zu schwingen, um die widerspenstigen Dienstboten zur Raison zu bringen. Wenn also ein Teil der Antisemiten sich zu Konservativen entwickelt, so sind auf der andern Seite die Konservativen bemüht, eine gewisse antisemitische Färbung beizuhalten. Das„Kleine Journal“, das man die jüdische„Kreuzzeitung“ nennt und das bestrebt ist, eine Versöhnung zwischen den Junkern und den reichen Kindern Israels herbeizuführen, erhält von den Konser⸗ vativen einen fühlbaren Fußtritt. Sie lasseu parteioffiziell erklären:„Die Konservativen halten am Tivoli-Programm und ihrer dort festgelegten Stellung zur Judenfrage fest.“ Das Fazit: Als Partei dürfte der An⸗ tisemitismus ausgespielt haben; er dient nur noch den Konservativen als Köder für die, „die nicht alle werden.“ Oder sollten sie doch einmal„alle“ werden?“ Nationalliberale Zuchthausagitation. Die„National⸗Zeitung“ zeigt ungebrochenen Eifer im Kampfe gegen das Koalitionsrecht der Arbeiter. Schon setzt sie ihren Ehrgeiz in den Nachweis, daß ihre Partei in der Frage des Zuchthausgesetzes eigentlich gar nicht zurück— stehe hinter den— Konservativen: „Was den Kampf gegen den Umsturz be— trifft, so haben die Konservativen die meisten Bestimmungen des in der vorigen Session im Reichstag eingebrachten Entwurfs ebenso skeptisch aufgenommen, wie wir und unsere Gesinnungsgenossen; sie machen allerdings viel Wesens davon, daß sie die einer sorg⸗ fältigen Prüfung werten Vorschläge zur Aus⸗ gestaltung des§ 153 der Gewerbe-Ordnung einer solchen unterziehen wollten, während ein Teil der Nationalliberalen, im Gegensatz zu der von uns vertretenen Ansicht, dies für überflüssig hielt. Der Unterschied war, im Hinblick auf die ablehnende Haltung des Centrums— mehr taktischer als sach⸗ licher Art, und die von uns nicht gebilligte Taktik beruhte, wie wir alsbald hervorge⸗ hoben, auf ungenügender Würdigung der norddeutschen, insonderheit preußischen Ver⸗ hältnisse seitens einiger nationalliberaler Wort⸗ führer aus den süddeutschen Klcinstaaten. Wir hegen keinen Zweifel, daß die zweite Beratung der Vorlage nach der Wiederaufnahme der Reichstags⸗Verhand⸗ lungen anders verlaufen wird.“ Um neben den Konservativen das freund— liche Auge der Regierung zu haben, ist diesen Nationalliberalen jede Büberei gegen die Ar⸗ beiterklasse willkommen.— Duellmörder. Ueber die Begnadigung eines Duellanten berichtet die„Frankf. Ztg.“ aus Metz: Der Kaiser hat bei seiner letzten Anwesenheit den Leutnant Schlickmann, der den Mühlenpächters⸗ sohn Fillement Anfangs Januar im Duell er⸗ schoß, nach sechsmonatiger Festungs- haft begnadigt.— Der begnadigte Leutnant hat ein Menschenleben auf dem Gewissen, auch nach der Begnadigung. Verleumdungsschriften. Ab und zu erscheinen zur höheren Ehre der Ausbeutersippe sogenaunte„Enthüllungs“⸗ schriften über die Sozialdemokratie. Neuerdings ist wieder eine solche Sudelschrift von einem angeblichen„ehemaligen Sozialdemokraten“ SP— kagbeif digen; wie ih schweig schärfet gegen Flugsd Dis Machn loch! merkt, „schär die G Waffe haben wurde liber demok Vol 1 gewerb 98511 laut schlote Neis, Aube liter Vier 0 Je land, felun dehnt klei! hre etzt, llener Angus Na 20 J. sechn liche 5 e lasen bali er doll st.“ der Al. r di für de, sie doc ation. rochenen recht der in den age dez zurüc⸗ urz be⸗ meisten sion in ebenso ) Unseke lerding er sorg⸗ ur Aue⸗ )rduung vähtend eso dies fie ar, i ig de 5 f billige erborgk⸗ ng l 10 Vel⸗ 1 Woll staalel ß ch hal, 2 fuld 1 diesel die N ale 6 90 el ahn, Al, Aung, 1 ln 1 f 6% del e 1 lde 1 faule eee, eee Nr. 37. Mitteldeutsche Sonntags ⸗Zeitung. Seite 3. Namens Köster in Hörde erschienen, welche sich mit„Streik und Terrorismus der sozial dem o⸗ kratischen Gewerkschaften“ beschäftigt. Dieses „Enthüllungs“- Machwerk ist von national⸗ liberalen Blättern zur Verbreitung in Arbeiterkreisen empfohlen worden, um die Ar— beiter,„die noch selbständig denken“ über das „Treiben“ ihrer Führer„aufzuklären“. Dem⸗ gegenüber schreibt das Organ des Bundes der Landwirte, die„Deutsche Tageszeitung“, bekanntlich eines der schlimmsten Scharf— macher⸗Organe, Folgendes: „Der Verfasser.... erzählt.. mancherlei von ungetreuen Vertrauensmännern, die das ihnen anvertraute Geld in einer Nacht ver⸗ jubeln, ferner von allerhand teils schon be— kannten häßlichen Vorkommnissen im Dort- munder Kreise, endlich auch einiges von den Streiks im Allgemeinen und dem Terrorismus im Besonderen. Der Inhalt der ganzen Flugschrift ist unbedeutend und wert⸗ los. Mit solchen Flugschriften wird unseres Erachtens nichts erreicht. Man sollte auf ihre Empfehlung grundsätzlich ver zichten. Es macht an und für sich keinen guten Eindruck, wenn ein Abtrünniger das Wort ergreift, um die früheren Genossen zu beschul⸗ digen; wenn er aber so wenig zu sagen hat wie in diesem Falle, dann hätte er lieber schweigen sollen. Es giebt wahrhaftig andere, schärfere und einwandfreiere Waffen im Kampfe gegen die Sozialdemokratie. Der Nutzen solcher Flugschristen ist höchst fraglich.“ Dieses Urteil überhebt uns der Mühe, dem Machmerk des„ehemaligen Sozialdemokraten“ noch weitere Ausmerksamkeit zu schenken. Be⸗ merkt sei, daß das Agrarier-Organ unter den „schärferen und einwandfreieren Waffen“ wohl die Gewaltpolitik versteht. Denn geistige Waffen im Kampfe gegen die Sozialdemokratie haben die Gegner ja überhaupt nicht! Wie der Vorwärts inzwischen ermittelt hat, ist der„ehemalige Sozialdemokrat“ ein„ehe⸗ maliger Schutzmann“ und späterer Berg⸗ mann, dem ein gefordertes Darlehn von der Gewerkschaft mit gutem Grund verweigert wurde. Und solche Leute lassen die National⸗ liberalen aufmarschieren gegen die Sozial⸗ demokratie. Die traurige Gesellschaft. Wie die Kleinen ruiniert werden. Im Norddeutschen Brausteuergebiet waren vom 1. April 1897 bis 31. März 1898 6818 ce Brauereien in Betrieb, davon waren 851 obergährige und 2957 untergährige. Ver⸗ braut wurden 7380 322 Doppelcentner ge⸗ schrotenes Gerstenmalz, 93669 Doppelcentner Reis, 31732 Doppelcentner Zucker und 1474 Doppelcentner Syrup, woraus 7775086 Hek⸗ toliter obergähriges und 33 856 086 untergähriges Bier gewonnen wurden. Je mehr der Großbetrieb in Norddeutsch— land, der sich fast ausschließlich mit der Her⸗ stellung untergähriger Biere befaßt, an Aus⸗ dehnung gewinnt, desto mehr geht auch hier der Kleinbetrieb zurück. Auch im Berichts⸗ jahre hat sich dieser Entwickelungsprozeß fort⸗ gesetzt, indem wieder eine nicht geringe Zahl kleinerer Brauereien genötigt war, den Betrieb einzustellen. Wie groß die Zahl dieser eingegangenen Brauereien innerhalb eines Zeitraumes von ca. 20 Jahren war, ergeben folgende Daten: Im Rechnungsjahre 1879/80 waren 10460 gewerb⸗ liche Brauereien in Vetrieb, im Jahre 1897/98 nur noch 6818; es stellten demnach 3642 Brauereien den Betrieb ein. In dem gleichen Zeitraum stieg die Pro duktion des untergährigen Bieres von 12 165 961 Hektoliter auf 38 356 086 Hektoliter, während die Produktion des obergährigen Bieres sich nur unwesentlich — von 7818 692 Hektoliter auf 7775086 Hektoliter— verminderte. Und noch ein Beispiel: Ein neuer Ring ist in Amerika in Bildung begriffen und zwar einer der kräftigsten und mächtigsten, bei dem es sich um eine Vereinigung aller Kolonial⸗ waarenlager von Bedeutung handelt. Das Kapital ist vorläufig auf 50 Mill. Dollars (mehr als 200 Millionen Mark) normirt. Ver⸗ kaufsstellen sollen in jeder Stadt des Staates New⸗Nork und in allen Städten der gesammten Vereinigten Staaten von über 20,000 Einwohner errichtet werden, und die Organisation und die Teilung der Kosten sind dahin berechnet, daß sämmtliche Kolonialwaaren während eines ge— gebenen Zeitraumes bedeutend unter den ge⸗ genwärtigen Detailpreisen von den Lagerräumen des Ringes dem Publikum abgegeben werden. Sobald dann alle übrigen Kolonialwaarenhändler zum Schließen ihrer Geschäfte gezwungen oder an den Bankerott gebracht sind, wird der Trust die Preise so in die Höhe schrauben, wie seine dann fast unbeschränkte Machstelluug es ihm gestatten wird. Ausländisches. Frankreich. Der Ministerrat nahm den Bericht des Untersuchungsrichters Fabre über das Komplot der Antisemiten und Patriotenbündler mit den Royalisten gegen die Sicherheit des Staates entgegen und beschloß die Verweisung der Beschuldigten vor den Senat als oberstes Staatsgericht. Der Senat wird durch ein Dekret des Präsidenten der Republik, das am Mittwoch im„Journal Officiel“ erschien, für Montag den 18. September einberufen. Die Anklage vertritt der General⸗-Staatsauwalt Bertrand, dem zwei Substitute beigegeben sind. Prozeß Dreyfus. Die Generalstäbler greifen, je mehr es dem Ende des Prozesses zugeht, zu den verzweifeltsten Mitteln, um ihr Opfer zu vernichten. Anfang dieser Woche erschien plötzlich ein ehemals ungarischer Offizier, der Dreyfus durch seine Aussagen zu belasten suchte. Der Biedermann nennt sich Cernuschi und ist ein übel beleu⸗ mundetes Subjekt, das wegen Wechselfälschungen und sonstigen Spitzbübereien von Ungarn aus verfolgt wurde und sich deshalb seit Jahren in Frankreich aufhält. Der Verteidiger des Drey— fus, Labori, stellte darauf den Antrag, nun auch seinerseits ausländische Entlastungszeugen laden zu dürfen. Er schlägt als solche vor den ehemaligen deutschen Militärbevollmächtigten Schwartzkoppen und den italienischen Bevoll⸗ mächtigten Panizzardi. Beide haben durch frühere gelegentliche Aeußerungen bereits fest⸗ gestellt, daß sie niemals etwas mit Dreysus zu thun hatten. Würden sie vor dem Gericht in Rennes aussagen können, so müßte Dreyfus unter allen Umständen freigesprochen werden. Das Kriegsgericht hat die Ladung Schwarz⸗ koppens und Panizzardis abgelehnt! Der„Berliner Lokalanzeiger“ hat am Mitt⸗ woch Herrn v. Schwarzkoppen interviewen(aus⸗ fragen) lassen. Auf die Frage, ob er nach Rennes gehen werde, erfolgte ein kurzes und scharfes „Nein“, und auf die Frage, ob der Kaiser ihm gestatten werde, sei es in Rennes, sei es hier, eine Aussage zu machen, erwiderte er: Auch das glaube ich nicht und gab dazu folgende Erklärung: Haben wir denn nicht schon Stellung ge⸗ nommen und Aussagen gemacht? Zweimal so⸗ gar ist das bereits geschehen. Zunächst hat unser Botschafter in Paris erklärt, daß wir mit der Sache nichts, absolut nichts zu thun haben. Sodann hat unser Staatssekretär des Auswärtigen im Reichstage klar und deutlich dasselbe versichert, und welches war der Erfolg? Man verharrte auf seiner Meinung! Was also sollen da erneute Versicherungen, die keinen andern Erfolg haben würden? Was wir in der Sache zu sagen haben, ist eben von uns bereits gesagt! Für den Urteilstag in Rennes, wahrschein⸗ lich den 12. oder 13. September, werden nach dem Berliner Tageblatt folgende Maßregeln vorgesehen: Sobald die Richter sich in das Be⸗ ratungszimmer zurückgezogen haben, wird der Sitzungssaal völlig geräumt. Zur Vorlesung des Urteils, wobei der Angeklagte nicht zugegen sein wird, werden nur die Zeugen, ein Teil der Journalisten und wenig Publikum aus der Straße heraufgeleitet. Sämtliche Personen werden beim Eintritt durchsucht, es werden ihnen die Stöcke, Schirme, Revolver und Messer abgenommen. Zwischen dem Auditorium und dem Gerichtshof nehmen hundert Gendar— men Aufstellung, im Hintergrunde des Saales werden Truppen plaziert sowie eine Anzahl Geheimpolizisten, sowohl um Thätlichkeiten, als ein Attentat auf irgend welchen Richter, Zeugen oder Verteidiger zu verhüten. Hinter den Richtern werden der Renneser Oberstaatsanwalt Grand und Staatsanwalt Martin sitzen. Im Inneren des Gebäudes leiten der Präfekt des Departe— ments, ein Direktor der Pariser Sicherheits- polizei und ein Specialkommissar die Aufsicht. Nach der Urteilsverkündigung müssen sämtliche Personen einzeln zwischen einem doppelten Spalier von Soldaten durchmaschieren. Drey— fus vernimmt das Urteil im Hofe vor ver⸗ sammelter Truppe. Auch im Falle der Frei— sprechung werden Abfahrt und Reiseziel geheim gehalten und strengstens über wacht. Die Pariser Polizeichefs und Mannschasten kehren erst zurück, nachdem Dreyfus Rennes verlassen hat. Kreis⸗ Konferenz für den 1. hess. Wahlkreis: Gießen Grünberg. * Lollar, 3. September 1899. Anwesend sind ca. 100 Genossen. Durch Delegierte sind vertreten folgende Orte des Wahlkreises: Gießen, Großen⸗Buseck, Großen⸗Linden, Heuchelheim, Leihgestern, Lollar, Trohe, Watzenborn⸗Steinberg, Wieseck, Daubringen, Grünberg, Nidda, Ortenberg, Alten-Buseck, Hirzenhain, Hausen und Staufenberg. Genosse Schupp-Lollar eröffnet um ½2 Uhr die Konferenz mit herzlichen Begrüßungsworten; er wüuscht den Verhandlungen besten Verlauf und läßt das Büreau wählen. 1. Vorsitzender wird Bock-Gießen, 2. Schu pp⸗ Lollar, Schriftführer Vol z-Gießen. Letzerer verliest das Protokoll der Konferenz in Hausen. Dasselbe wird ge— nehmigt. Zum 1. Punkt der T.⸗O.: Kassenbericht, nimmt Gen. Bock das Wort. Derselbe specifizierte seine Rechnung. Zusammengefaßt gab dieselbe folgendes Bild: Ein— nahme Mk. 243,33, Ausgabe Mk. 156,20, Kassen⸗ bestand Mk. 87,13. Außerdem sind noch eingegangen zur Landtagswahl bis jetzt Mk. 32.— Die Revisoren haben die Abrechnung geprüft und alles in Ordnung befunden. Genosse Dahmer beantragt Entlastung, die einstimmig erteilt wird.— Es wird dann zur Wahl des Kreis⸗Wahl⸗Vereins-Vorstandes geschritten. Der alte Vorstand wird per Akklamation einstimmig wiedergewählt. 1. Vorsitzender: Ph. Scheidemann, 2. Vorsitzender: C. Orbig, Kassierer: A. Bock, Schriftführer: A. Volz, sämtlich in Gießen. Beisitzer bleiben Schomber⸗ Wieseck, Germer⸗ Heuchelheim, Haas-Steinberg. Ueber die Thätigkeit des hessischen Land⸗ tages und die bevorstehende Landtagswahl refe⸗ rierte sodann in eingehender Weise Gen. Scheide⸗ mann. Er schilderte die emsige Wirksamkeit unserer Vertreter im Landtag und vergleicht damit das Verhalten der Gegner. Da in einer dieser Tage zur Ausgabe gelangenden Flugschrift über dasselbe Thema berichtet wird, gehen wir hier kurz über die diesbezüglichen Aus⸗ führungen des Referenten hinweg. Im wahren Sinne des Wortes— so führte Scheidemann aus— waren unsere Genossen die Hechte im Karpfenteich, ihre unerschrockene und unermüdliche Thätigkeit für die Kleinen in Stadt und Dorf habe auch die Aner- kennung anständiger Gegner gefunden. Gründlich und ein für allemal sei die namentlich von antisemitischer Seite immer wieder benützte Lüge und Verleum⸗ dung widerlegt, daß die Sozialdemakratie bauern⸗ feindlich sei. Unsere Genossen haben im Landtag für die Landwirtschaft 600 000 Mk. bewilligt. Und aus welchen Gründen das geschah, führte unser Genosse David klar und unzweideutig mit folgenden Worten aus: „Wir stehen auf dem Standpunkt, das es im In⸗ teresse unseres gesammten Volkes liegt, wenn wir die Millionen von landwirtschaftlichen Arbeitern, Bauern usw. zu einer menschenwürdigen Lebenshaltung füh ren können, wenn unser Grund und Boden nicht ver⸗ kommt und wenn die landwirtschaftlichen Arbeits⸗ kräfte sich nicht in die Industrie stürzen müssen, um dort die Arbeitslöhne noch mehr herabzudrücken, sondern eine dem Wert ihrer Arbeit entsprechend e Existenz finden.“ Demgemäß haben unsere Vertreter im Landtag gut—⸗ geheißen und ohne Abstrich bewilligt alles, was dem landwirtschaftlichen Fortschritt zu dienen geeignet ist: Aufwendungen für Verbesserung des Bodens(Feld⸗ bereinigung, Regulirung der Bäche, Dränirung ꝛc.), für Hebung des Ackerbaues, des Obst- und Wein⸗ baues, für Förderung der Viehzucht und für die Entwickelung des landwirtschaftlichen Bildungswesens. Scite 4. Witieideutlsche Sonntags⸗Zeitung Nr. 37. Ebenso haben sie die Förderung der landwirtschaftlichen Org an isationen, Genossenschaften usw. mit Freuden begrüßt und sind für Unterstützung des landwirtschaft⸗ lichen Kredit wesens mit Wort und That eingetreten. Die auf dem Gebiete der Seuchenbekämpfung und des Versicherungswesens liegenden Mißstände sind besonders vom Abg. Rau betont worden. Zur Verhinderung der schlimmsten Schädigungen, die den Landwirt beim Verkauf seines Viehes oft treffen, wurde eine staatliche Schlachtviehversicherung von unseren Parteigenossen empfohlen. Unsere Genossen werden auch weiterhin alles thun, um die gesunde Entwicklung der Landwirt- schaft und die Hebung der bäuerlichen Verhältnisse zu fördern. Dabei werden sie aber, wie das die Aabg David und Ulrich in der Kammer klar ausgesprochen haben, ihr Augenmerk darauf richten, daß die bewilligten Summen auch wirklich der Masse der kleinen und kleinsten Landwirte zu Gute kommen. Denn damit ist nichts geholsen, wenn, wie das häufig genug der Fall ist, die bewilligten Mittel in den Taschen der Großgrund⸗ besitzer verschwinden. Alle Anforderungen, die darauf hinauslaufen, die Großen auf Kosten der Kleinen zu bereichern, weisen die Sozialdemokraten schroff ab. Was unsere Vertreter im Landtag auf den Gebieten der Steuerpolitik, des Volksbildungswesens und der Volksgesundheitspflege geleistet und ver⸗ langt haben, ist bekannt. Die verhältnismäßig gute Gewerbeinspektion in Hessen ist der Rührigkeit unserer Genossen zu danken. Die Sozialdemokratie war es, die gegen die Polizeiverordnungen Front gemacht und die Aufhebung der Feierabendstunde verlangt haben, eine Einrichtung, die nicht nur er⸗ wachsener Menschen unwürdig ist, sondern die auch parteiisch gehandhabt wird. Auf schöne Erfolge können unsere Landtagsabgeordneten zurückblicken; wenn sie nicht mehr erreichten, so lag das daran, daß ihrer zu wenig waren: 5 gegen 45 Gegner. Die Parole muß deshalb bei den beworstehenden Wahlen lauten: Mehr Sozialdemokraten in den Landtag! Scheidemann bespricht hierauf die Verhältnisse im Gießener Landkreis. Von Rechts wegen müßte dieser Kreis seit Jahren sozialdemokratisch vertreten sein. Es liege an der Saumseligkeit der Ar⸗ beiter selbst, daß für Gießen⸗Land seither ein rück⸗ ständtger Antisemit im Landtag gesessen und nichts gethan habe. Auch bei den kommenden Wahlen rechnen die Antisemiten wieder auf die Gleichgültig⸗ keit der Arbeiter, von denen sie erwarten, daß sie der Wahlurne fernbleiben und daß es dadurch ermöglicht wird, den von den Odenwälder Bauern abge⸗ schüttelten ehemaligen Architekten Hirschel durchzubringen, von dem man weiß, daß er ein Arbeiterfeind ist. Die Parteiverhältnisse im Kreis Gießen⸗Land liegen so, daß der sozialdemokratischen Partei der Sieg zufallen muß, wenn die Arbeiter ihre Schul⸗ digkeit thun und zur Wahl heim gehen.„Es handelt sich diesmal um dite Ehre unserer Partei im Kreise“, so schloß der Redner, sorgt Ihr dafür, Parteigenossen, daß wir ehrenhaft bestehen. Jeder sei Agitator. Macht von heute ab schon eure Kollegen auf die Wichtigkeit der Wahl auf⸗ merksam. Ihr müßt so viele Tage im Jahre des schlechten Wetters wegen und den Wünschen der Unter⸗ nehmer wegen unfreiwillig feiern, daß jeder auch elnmal jetzt, wo es gilt, einen viertel oder einen halben Tag freiwillig feiern kann. Wir können dies⸗ mal siegen, wenn ihr siegen wollt! Thue jeder seine Pflicht! In der Diskussion beklagt es Rudolf-Daubringen, daß von einigen Genossen aus Gießen und Lollar mit einem Mann in Daubringen Rücksprache wegen der Uebernahme der Wahlmannskandidatur genommen sei, ohne zuvor mit den dortigen Genossen Rücksprache zu nehmen. Man wisse von jenem Manne nicht, ob er wirklich auch für den sozialdemokratischen Kandidaten stimmen würde, wenn ihn die Arbeiter zum Wahlmann gewählt hätten. Schupp-Lollar klärt die Sache auf. Er habe mit dem Genossen Orbig in Daubringen ge⸗ schäftlich zu thun gehabt und bei dieser Gelegenheit sei zufällig die Rede auf die Landtagswahlen gekommen. Es könne keineswegs die Rede davon sein, daß man den Daubringer Genossen habe vorgreifen wollen.— Lindenstrurh-Wieseck und Niebch-Heuchelheim sehen dle Angelegenheit für so unbedeutend an, daß man damit nicht die Zeit auf der Konferenz vergeuden solle. Die Daubringer Genossen hätten ihren Wahlmann auf⸗ gestellt, damit sei man allseitig zufrieden. Sache der Daubringer Genossen wäre es nun, ihrem Wahlmann auch zum Siege zu verhelfen(Bravo!) An der serneren Diskussion über den Vortrag Scheidemann beteiligen sich noch Bolte⸗Lollar, Bock und Krumm⸗Gießen. Letzterer weist namentlich auf die sicher wiederkommenden Ver⸗ leumdungen unserer Partei durch die Gegner hin. Auch er ermahnte noch einmal zu eifriger Arbeit und treuer Pflichterfüllung. In seinem Schlußwort weist Scheide⸗ mann noch auf die Notwendigkeit hin, überall da, wo es noch nicht geschehen, sofort die Wahlmänner aufzustellen und deren Adressen nach Gießen zu be⸗ richten, damit rechtzeitig die Stimmzettel gedruckt werden könnten. Der Vorsitzende, Gen. Bock, faßt das Er⸗ gebnis der Aussprache kurz zusammen und erklärt, daß wenn irgendwo Versammlungen gewünscht würden, solche abgehalten werden könnten, die Genossen sollten sich dieserhalb an ihn oder Scheidemann wenden. Würden von gegnerischer Seite Versamm lungen einberufen, so möge man sofort telegraphieren, damit den Herren Bescheid gesagt werden könne. Damit war dieser Punkt erledigt.— Ueber den Parteitag in Hannover sprach Gen. Krumm. Er wies auf die wichtige Tagesordnung hin und empfahl die Beschickung durch einen Delegierten. Die Konferenz beschließt demgemäß. Genosse Fourier wünscht, daß dem Delegierten ein gebundenes Mandat mitgegeben werde. Derselbe solle nicht für den Aus⸗ schluß Bernsteins und auch nicht für ein etwaiges Tadelsvotum gegen die Bayern stimmen. Beckmann⸗ Gießen, Niebch-Heuchelheim und Scheidemann sprechen gegen ein gebundenes Mandat. Die Konferenz beschließt demgemäß und wählt als Delegierten Gen. Scheidemann. Schupp⸗Lollar regt dann noch an, zu beschließen daß in Zukunft unter allen Umständen der Kreis⸗Vertrauens⸗ mann an den Landeskonferenzen teilnehme. Die Ver⸗ sammlung stimmt einem diesbezüglichen Antrag zu. Die nächste Kreiskonferenz soll in Großen-Buseck stattfinden. Damit war die Tagesordnung erschöpft. Gen. Bock schloß die Konferenz mit einem dreimaligen Hoch auf die sozialdemokratische Partei, in das begeistert einge⸗ stimmt wurde.— Nun ist es Aufgabe der Delegierten zur Kreis⸗ Konferenz, in ihren Orten den Beschlüssen der Konferenz gemäß zu handeln: zu agitieren und zu organisieren. Von nah und Fern. Mitteilungen aus unserem Leserkreise sine jederzeit willkommen Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissen⸗ haftigkeit bei Uebermittelung von Nachrichten.— ir bitten alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben. Die hessischen Landtagswahlen sollen einer Nachricht der„Frkf. Ztg.“ zufolge eist Ende Oktober stattfinden. Uns erscheint diese Nachricht wenig glaubhaft. Da nach den gesetzlichen Bestimmungen die gesamte Landtags- wahl binnen 14 Tagen erledigt sein kann, so thun unsere Genossen gut, wenn ste mit der Möglichkeit rechnen, daß die Wahlen nicht erst Ende Oktober, sondern vielleicht schon Ende September erledigt sein müssen. Seid auf der Hut, Parteigenossen, und agitiert uner⸗ müdlich. Liebknecht in Klein⸗Linden. *Genosse Liebknecht, der sich einige Tage in seiner Vaterstadt Gießen aufhält, wird am Samstag, den 9. September in Klein-Linden in einer Versammlung sprechen. Er hat sich nur durch außerordentliche Umstände bestimmen lassen, unsern Wunsch zu erfüllen. Wir konstatieren das ausdrücklich, damit unserem verehrten Genossen keine unberechtigten Vor⸗ würfe deshalb gemacht werden, weil er in den letzten Wochen wiederholt ablehnen mußte, wenn er um die Abhaltung von Versammlungen ersucht wurde. Von unseren Genossen in Klein⸗ Linden erwarten wir, daß sie am Samstag Mann für Mann zur Stelle sind. Schullasten. * Zu den noch nicht erledigten Sachen des hessischen Landtags gehört auch ein von sozialdemokratischer Seite ausgegangener Gesetzentwurf, betreffend: Uebernahme der Kosten des gesamten Volks⸗ schulwesens auf die Staatskasse. Es ist eine bekannte Thatsache, daß viele Gemeinden kaum in der Lage sind, die drückenden Schullasten tragen zu können. Was aber die kleine Gemeinde nicht kann, ist dem Staat ein leichtes. So lange die Schullasten auf den Schultern schwacher Gemeinden ruhen, wird das Schulwesen viel zu wünschen übrig lassen und an die Lieferung freier Lehrmittel ist wohl kaum zu denken.— Faoür die unentgeltliche Verabfolgung von Lehrmitteln und Schreibmaterialien in sämt⸗ lichen Volksschulen hat die Stadt Zürich im Jahre 1898 die Summe von 90,252 Fr. aus⸗ gegeben, bei 160,000 Einwohnern nicht viel mehr als 50 Cts. per Kopf der Bevölkerung. Aus Lollar. b. Laut einer Mitteilung des Leipziger Streikkomitees sollte in hiesiger Gießerei Streik arbeit geformt werden. Nach genauer Prü⸗ fung ergab sich die Wahrheit der Mitteilung. Durch eine sofortige Besprechung mit dem In⸗ genieur wurde den Arbeitern die Erklärung ge⸗ geben, daß die Arbeit soweit fertig gestellt sei, die Former aber die wenigen noch rückständigen Teile machen möchten, fernere Aufträge würden nicht mehr angenommen. Eine daraufhin am Dienstag abgehaltene Metallarbeiter-Versamm⸗ lung beschloß nach einem Referat des Kollegen Martersteig aus Offenbach über den Leipziger Formerstreik, daß kein Stück Leipziger Arbeit mehr gemacht wird. Folgende Resolution fand einstimmige Annahme:„Die am 5. September in Lollar tagende Mitgliederversammlung des deutschen Metall-Arbeiter-Verbandes erklärt, daß der Streik der Leipziger Former voll⸗ berechtigt ist und daß sich die Lollarer Metall arbeiter nicht weiter gebrauchen lassen werden, Leipziger Modelle zu formen.“ Die Versamm⸗ lung erklärte sich ferner bereit, alles zu thun, um den Formern in Leipzig zum Siege zu verhelfen. Aus Friedberg. K. Am 3. September fand hier eine Kreis⸗ Konferenz statt. Vie Tagesordnung lautete: 1) Landes⸗Konferenz, 2) Parteitag, 3) Verschie⸗ denes. Die Präsenzliste ergab: 17 Delegierte, welche 14 Orte vertraten.— Ueber Punkt 1 entspann sich eine rege Diskussion, wobei klar gestellt wurde, daß eine Kreiskonferenz nicht kompetent sei, Delegierte zur Landeskonferenz zu wählen. Es wurde deshalb von der Wahl abgesehen und dem Delegierten von Friedberg (Busold) der Auftrag erteilt, als Vertreter der Kreiskonferenz zu fungieren und bei nächster Konferenz Bericht zu erstatten.— Bei Punkt 2, Parteitag, begründete Gen. Harries einen Antrag an den Parteitag, eine Broschüre aus⸗ arbeiten zu lassen, welche zur besseren Auf⸗ klärung der einzelnen Genossen auf dem Lande dienen solle, damit diese im Stande wären, die ländliche Bevölkerung besser unterrichten zu köanen. Inzwischen wurde beantragt, erst zu entscheiden, ob der Parteitag beschickt werden sollte. Diese Frage wurde bejaht. Gewählt wurde Genosse Busold. Derselbe stellte nun Namens der Friedberger Genossen einen Antrag zur Diskussion betreffs der Kompromißfrage. Auch hierzu gab es längere Auseinandersetzungen und zog nach kräftigem Eingreifen der Genossen Prinz und Orbig in die Debatten Genosse Harries seinen Antrag zurück. Zum Antrag Busold wurde Schluß der Debatte beschlossen. — Bei Verschiedenem wurde geklagt über die schwache Berücksich igunz seitens des Landes⸗ komitees bei der Agitation für die Landtags- wahl. Gen. Orbig wies das energisch zurück. Dann wurde die nicht rechtzeitige Einberufung der Konferenz in der Volksstimme beaustandet. Gen. Busold rechtfertigte dieses dahin, daß er die Annonce zur rechten Zit aufgegeben habe, aber die Volksstimme hätte die Ve öffentlichung nicht gebracht. Ueberhaupt wurde vielseitig über die stiefmütterliche Behandlung seitens der Volksstimme Klage geführt.— Nach weiterem Meinungsaustausch über verschiedene Fragen wurde um 8 Uhr die Konferenz geschlossen. Aus Wetzlar. * Wie schlecht es mit der von der Sozial⸗ demokratie verlangten größeren Selbständig⸗ keit der Gemeinden heutzutage bestellt ist, geht aus einem Konflikt hervor, der seit Jahren zwischen dem Stadtvorstand Wetzlars und den oberen Regierungsbehörden besteht. Die letzteren haben es durchgesetzt, daß die Stadt Wetzlar noch einen Polizeiwachtmeister anstellen muß, obwohl die Stadtoäter der ehemaligen freien Reichsstadt überzeugt sind, daß diese neue Polizeistelle vollständig überflüssig ist und die dafür auszugebenden 1600 Mark geradezu zum Fenster hinausgeworfen sind. Recht be⸗ zeichnend ist ein Satz in der Begründung des Verlangens des Regierungspräsidenten in Cob⸗ lenz. Er verlangt in erster Linie deshalb einen weiteren Wachtmeister, weil fac, fi Fleise l Arbeite, übrige erell. diese 91 Ole bon W. Veulang qu figen Di Wiener nit Gen soeben e beleucht offenb Schoup bol A. del, 1 sühtt dem B feuers immer duch. el Aus di zeichen seuers die Er wenn Sund wäre seine Del glaubet in der dennod Da Der Vo deutscht orden der Teg fag ein Nach g act Ta lott h ug fi Garde hauses lctz) sch bon een al bot Hebeln Auf dee Aifech Selenl Ar gr 5 alte f 1 fi 0 Bust lle lic 9 bare, 0 aber 9 dt, Hat Cuua fig bn detder luke 1 6 bun Tamm, doldgn tihigher Abel n fa plember ang des elklär, l voll Melal⸗ weiden, rsann- 1 thun, lege zu Klei. lautete: legiert, untt!! bei klar ij nicht ferenz Wahl riedben ter der nächster zunkt?, 9 einen re aus⸗ 1 Auf⸗ Lande en, die en zu erst zu werden Jewählt te fun Antrag ißfrage. Zungen enosse Genosse Aftrag hlossn, ber die andes dtags⸗ zur rufung standel Daß el f habe lic ielseili is del eitereil Frage! sell Sozial indig allt il Zahle 5 Hel bt Well ele allen fen ft ul grade 1 10 f 00 1 Nr. 37. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 3. „bedeutende Arbeitermassen teils in Wetzlar, teils in unmittelbarer Nähe beschäftigt sind, welche vielfach in der Stadt verkehren und in erhöhtem Maaße polizeiliche Ueberwachung und polizeilichen Schutz erforderlich machen.“ Diese gefährlichen Menschen! Wahrscheinlich ist der Regierungspräsident dahinter gekommen, daß im Kreis Wetzlar die Muckerei immer mehr um sich greift. Und jedenfalls erwartet er davon nichts gutes. Denn bis jetzt hat man noch nie etwas davon gehört, daß die im Kreise und in der Stadt Wetzlar beschäftigten Arbeiter polizeiliche Ueberwachung und die übrige Bevölkerung vor den Arbeitern beson— deren polizeilichen Schutz nötig hätten. Doch diese allgemein bekannte Thatsache nur nebenbei. Die Hauptsache ist, daß die Stadtverwaltung von Wetzlar gezwungen werde, sich dem Verlangen der Regierung nach mehr Polizei zu fügen. Eiwas für ganz Dumme. Die Lehre vom Fegfeuer. Die Wiener Wochenschrift„Die Wage“ zeigt als mit Genehmigung des Fürstbischofs von Brixen soeben erschienen an:„Die Lehre vom Fegfeuer, beleuchtet durch Thatsachen und Privat- offenbarungen.“ Von D.(Pater) Fr. X. Schouppe, 8. J[ Jesuit](Brixen 1899, Verlag von A. Wegner.) Um den Hauptgegenstand der Ausführungen Schouppe's zu kennzeichnen, führt das Wiener Blatt folgende Stelle aus dem Buche an:„Wenn die Seelen des Feg— feuers den Lebenden erscheinen, so geschieht es immer in einer Haltung, die Mitleid eregt... auch erscheinen sie oft von Flammen umgeben. Aus diesen eben mitgeteilten verschiedenen An- zeichen wird man die armen Seelen des Feg— feuers erkennen. Aber es gibt einen Fall, wo die Erscheinung für verdächtig gelten muß: wenn nämlich ein großer, ärgerlich lebender Sünder plötzlich vom Tode überrascht worden wäre und nun käme, um die Lebenden für seine Befreiung aus dem Fegfeuer zu bitten. Dem Satan ist sehr viel daran gelegen, glauben zu machen, daß man bis zum Tode in den größten Ausschweifungen leben und dennoch der Hölle entrinnen kann.“— Das liest sich gut in den Göthe-Feiertagen! Der Staat war in großer Gefahr. Vor einem furchtbaren Ereignis ist das deutsche Kriegsheer eben noch glücklich bewahrt worden. Im Wirtshause„Am Brocken“ an der Tegeler Landstraße in Berlin sollte am Sonn— tag eine Lassallefeier abgehalten werden. Nach guter deutscher Sitte wurde daher vor acht Tagen über dies Lokal der Militärboy⸗ kott verhängt. Nun will es das Verhängnis, daß sich am Dienstag die Musikkapelle des Garde⸗Füsilierregiments am Eingang des Wirts⸗ hauses versammelte. Der Kapellmeister tritt, nichts Arges ahnend, an das Büffet und fordert sich von der dort ihres Amtes waltenden Dame N 2 4 7 f 1 1 5 auf des Messers Schneide. einen Magenlikör. Es trat eine Spannung ein, vor der der schönste Lokalanzeiger-Roman bedeutungslos zusammenschrumpft. Alles stand Schon hatte die Büffetdame die Flasche mit dem das preußische Seelenheil tötenden Trank vom Bord genommen. Sie griff mit der linken Hand zum Glase und jetzt— schaudervoll, höchst schaudervoll— senkte sich in der rechten der Hals der Flasche. Da stürz eilends ein Musiker auf den immer noch ahnungslosen Kapellmeister zu:„Herr Musikdirektor, hier wird die Lassalle-Feier ab⸗ ehalten!!!“ Der Angeredete ist einen Augen— bit sprachlos. Dann begreift er das Furcht— bare, das über ihm schwebte, und dumpf zwar, aber gefaßt rollt es von seinen Lippen:„Ich danke, Fräulein, ich trinke hier keinen Schnaps!“ Sprachs und entfernte sich mit Ernst, der der Situarion ang⸗messen war. Seine Jünger aber folgten ihm nach. Hessische Lotterie. Mit 600 Mark Geldstrafe kann fortab der⸗ jenige Bewohner des Großherzogtums bestraft werden, der ein Loos einer außer hessischen Lotterie erwirbt, denn durch die Veröffentlichung des vom Landtage angenommenen Gesetzes über die Einführung einer staatlichen Klassenlotterie im Darmstädter Regierungsblatt, die am vorigen Freitag erfolgte, tritt das betreffende Gesetz in Wirksamkeit. Alle Freunde des Glückspiels werden gut thun, sich diese Aenderung der Rechtsverhältnisse recht gründlich einzuprägen, wenn sie nicht eines schönen Tages mit einem Strafmandat in angegebener Höhe beglückt werden wollen. Die staatliche Klassenlotterie, die durch das Gesetz neu eingeführt wird, trägt den Namen „Großh. hessische Landeslotterie“; jährlich werden 2 Lotterien veranstaltet. Der Gewinn, den diese Lotterie dem Staate bringen soll, ist auf 500,000 Mk. veranschlagt worden. Hundesteuerliches. Nach dem soeben veröffentlichten neuen Ge— setz über die Hundesteuer haben die Besitzer von Hunden im Großherzogtum für jeden Hund alljährlich eine Steuer von 10 4 zur Staats- kasse zu entrichten. Den Gemeinden ist gestattet, das Halten von Hunden innerhalb ihrer Gemarkungen uit einer jährlichen Angabe bis zum Betrage von höchstens 10& für jeden Hund zu Gunsten der Gemeindekasse zu belegen. Von der Entrichtung dieser Steuer sind die⸗ jenigen Personen, die gewerbsmäßig Herden irgend einer Art hüten, für die zur Ausübung dieses Gewerbes gehaltenen und hierzu unentbehrlich notwendigen Hunde befreit. Als unentbehrlich notwendig im Sinne dieses Gesetzes gelten: für das Hüten von Schafherden bis zu 300 Stück zwei Hunde, bis zu 600 Stück drei Hunde und von mehr als 600 Stück vier Hunde, für das Hüten anderer Herden ohne Rücksicht auf deren Stückzahl ein Hund. Von der Steuer sind gleicherweise die Besitzer von Bauerhöfen und Mühlen, die mindestens 500 Meter vom letzten Hause des Ortes entfernt gelegen sind, bezüglich je eines Hundesfrei. Als Be⸗ sizer von Hunden, die von Pesonen gehalten werden, die mit anderen in gemeinschaftlichem Haushalt leben, ist stets der Haushaltungsvor⸗ stand anzusehen. Das Gesetz tritt mit dem 1. Januar 1900 in Kraft. Mit diesem Zeitpunkt sind alle seither in Geltung gewesenen Bestim⸗ mungen über die Hundesteuer aufgehoben. Kleine Mitteilungen. * Gießen.(Arbeiterversammlung.) Am Montag Abend sprach der Reichs. und Landtagsabgeordnete Kloos aus Stuttgart im Lony'schen Bierkeller über die Wirkungen, welche die gewerkschastlichen Organisationen auf die Arbeiterverhältnisse ausüben. Die klaren trefflichen Ausführungen des Redners fanden den lebhaftesten Beifall der Versammlung. — Der langjährige Johann. Der Schützengartenwirt in Wetzlar sucht einen neuen Burschen anstelle seines„langjährigen Johann.“ — Einen fetten Posten schreibt der Bürgermeister Huttel in Hohensolms aus. Er will die Stelle eines Flurhüters der Ge— meinde Blasbach neu besetzen. Jahres-Ein⸗ kommen 100 Mark! Auf nach Hohensolms, I. Gegend, wo anscheinend Milch und Honig fließt. Arbeiterbewegung. Die Tischler in Leipzig haben einen Ausstand nach kurzer Dauer siegreich be— endet. Ein Erfolg, der der guten Organisation zu danken ist. Die Aussperrung der dänischen Arbeiter ist endlich nach viermonatlicher Dauer beendet und zwar auf Grund eines Vergleichs. Es ist den Protzen nicht gelungen, die Arbeiter unterzukriegen, wenn sie ihnen auch furchtbare Wunden beigebracht haben. Man bedenke nur, was es heißt, 40000 Arbeiter auf die Straße werfen! um zu begreifen, wie frivol die Unternehmer gehandelt haben. Nach der„Frkf. Ztg.“ waren mindestens 400 000 Menschen in Mitleidenschaft gezogen. Und das ist in dem kleinen Dänemark mit seinen 2¼ Millionen Einwohnern geradezu ungeheuerlich. Die internationale Solidarität hat sich anläßlich der 1 1 8 Aussperrung im schönsten Lichte gezeigt. Landtagswahl im Gießener Landkreis. Die Parteigenossen im 5. oberhessischen Land⸗ tagswahlkreis(Gießen-Land) werden dringend ersucht, sofort die Wahlmänner aufzu⸗ stellen, soweit das noch nicht geschehen ist: Es ist dabei außer der unbedingten Zuver⸗ lässigkeit des betreffenden Mannes auch zu prüfen, ob er Hesse und 25 Jahre alt ist und ob er pro Ziel mindestens 2,10 Mk. direkte Staatssteuern zahlt. Die Adressen der Wahlmänner, Vor- und Zunamen, mit Angabe ob J., II. u. s. w., und der Beruf der Betreffenden, also ob Bauer, Arbeiter, Gemeinderat u. s. w., bitten wir umgehend an Ph. Scheidemann, Gießen, Kirchenplatz 11, zu senden. Ebenso erbitten wir an dieselbe Adresse so⸗ fortige Benachrichtigung, wenn irgendwo Ver— sammlungen gewünscht werden. Auch wollen die Genossen angeben, wann die Versamm⸗ lungen stattfinden sollen. Zu jeder Auskunft in Sachen der Land⸗ tagswahl sind jederzeit bereit die Gen. Carl Orbig, Rittergasse, und Ph. Scheidemann, Kirchenplatz 11, in Gießen. Partei⸗ Nachrichten. Samstag, den 9. September: Heuchelheim, A.⸗B.⸗V. 8 Uhr bei Carl Steinmüller. Zur Landeskonferenz! Die Delegirten werden ersucht, es bei Ihrer Abfahrt nach Mainz so einrichten zu wollen, daß sie alle mit den Zügen, die in dem Zentralbahnhof Mainz einlaufen, ankommen. Nur an dem Zentralbahnhof werden Parteigenossen, erkennlich an roten Abzeichen, zum Empfang der Dele⸗ girten bereit stehen.— Der Vorstand der sozialdemokr. Partei Meinz. J. V.: Val. Liebmann. Die aus Oberhessen nach Mainz fahren den Delegirten müssen spätestens mit dem Frühzrg fahren der 9 in Frankfurt eintrifft. Von dort aus ist dann nach Mainz 91e Schnellzugverbindung. Ankunft in Mainz 101,6. Quittung. Vom Volksb.⸗V. in Altenbuseck sind Mk. 8.65 für die ausgesperrten dänischen Arbeiter bei der Red. der M. S.⸗Z. eingegangen. Wir haben den Betrag an den Vors. d. Gew.⸗Kartells abgellefert. Wahlkreis Wetzlar⸗Altenkirchen. Sonn⸗ tag den 17. September, 3 Uhr Nachmittags zu Gießen bei Herrn K. Orbig Rittergasse: Kreis-Konferenz. Tagesordnung: 1) Bericht des Kreisvertrauensmanns. 2) Der Parteitag in Hanover. 3) Kreisangelegenheiten. Zahlreiche Beteiligung erwartet der Kreisvertrauensmann Albrecht Fauth. Briefkasten der Redaktion. N. Heuchelheim. Sie sind im Irrtum. Der Landtag hat bei der Errichtung der betreffenden Siechen⸗ häuser nichts mitzureden. Sie haben wohl an den Antrag unserer Genossen im Landtag gedacht, der die Errichtung einer Landes-Lungenheilanstalt verlangt. Letzte Nachrichten. Paris, 8. Sept. Der Regierungskommissar Carriere beantragt die Wiederverurteilung des Kapitäns Dreyfus. Er schloß seine Rede wie folgt: Der gute Glaube der Richter von 1894 konnte nicht beargwohnt werden und eine Rehabilitation(Freisprechung und Wiederein— stellung in seine frühere Ehrenstellen) Dreyfus“ hätte auch Frieden im Lande geschaffen, aber für eine Rehabilitation waren Beweise nötig und ich habe keine gefunden. Ich habe im Gegenteil gesehen, daß das Rehabilitations- ebäude, das Picquart aufgebaut, in seiner asis zusammenbrach und, nachdem ich an dieser Barre so viele und loyale Zeugen gehört, ist kein Zweifel mehr möglich. Ich erkläre Ihnen also, daß Dreyfus schuldig, und verlange gegen ihn die Anwendung des Gesetzes.(Bewegung.) Trotz der Rede Carrières glaubt man nicht an eine abermalige Verurteilung des unglück— lichen Dreyfus. Carrières Ansicht, daß fur die Unschuld Dreyfus' Beweise erbracht werden müßten, erinnert uns an den Prozeß Kosche— mann⸗Berlin. Koschemann wurde auch ver— urteilt, weil er nicht in der Lage war, seine Unschuld zu beweisen. Das einzig Richtige kann aber doch nur sein, daß einem Angeklagten die Schuld nachgewiesen wird. — Seite 6. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 37. . 2 SSS eee gegangene Unterhaltungs⸗Ce il. * Die letzten Worte Fausts. Ein Sumpf zieht am Gebirge hin, Verpestet alles schon Errung'ne; Den faulen Pfuhl auch abzuzieh'n, Das Letzte wär' das Höchsterung'ne. Eröffn' ich Räume vielen Millionen, Nicht sicher zwar, doch thätig⸗frei zu wohnen. Grün das Gefilde, fruchtbar; Mensch und Herde Sogleich behaglich auf der neusten Erde, Gleich angesiedelt an des Hügels Kraft, Den aufgewälzt kühn⸗emsige Völkerschaft. Im Innern hier ein paradiesisch Land, Da rase draußen Flut bis auf zum Rand, Und wie sie nascht, gewaltsam einzuschießen, Gemeindrang eilt, die Cücke zu verschließen. Ja, diesem Sinne bin ich ganz ergeben, Das ist der Weisheit letzter Schluß: Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, Der täglich sie erobern muß. Und so verbringt, umrungen von Gefahr, Hier Kindheit, Mann und Kreis sein tüchtig Jahr. Solch ein Gewimmel moͤcht' ich seh'n, Auf freiem Grund mit freiem Volke steh'n. Sum Augenblicke dürft' ich sagen: Verweile doch, du bist so schön! Es kann die Spur von meinen Erdentagen Nicht in Aeonen untergeh'n.— Im Vorgefühl von solchem hohen Glück Genieß' ich jetzt den höchsten Augenblick. Goethe. 3 Goethe. Zar 150. Wiederkehr seines Geburtstages. Von Eleutherophilos. (Schluß.) Goethe als poetischer und prosaischer Erzähler ist unübertroffen. Von seinen Romanen wollen wir nur sein Jugendwerk: „Die Leiden des jungen Werther“ erwähnen. Die Handlung ist einfach. In Briefform wird uns die unglückliche Liebe Werthers zu Lotte, der Verlobten eines Andern, dargestellt, die bei der großen Empfindungsseligkeit des jungen Mannes mit Selbstmord endet. Hierzu läßt sich nur sagen, was später Goethe selbst be⸗ merkt hat:„Sei ein Mann und folge mir nicht nach!“, wie der Dichter denn auch sich selbst, der sich zu Wetzlar in ähnlicher Lage zu der Braut eines Dritten befand, gerade durch diese „Generalbeichte“ aus seinem krankhaften Ge⸗ mütszustand gerettet hat. Aber was den „Werther“ trotz seiner überspannten, übrigens meisterhaft dargestellten Sentimentalität auch heute noch immer lesenswert und seine Lektüre genußreich macht, sind die Stimmungsfülle, die Wärme und die Naturfrische aller Einzelheiten, sowie die leuchtende Schönheit von Sprache und Darstellung. Auf„Wilhelm Meister“ sei hier nur kurz hingewiesen. Dieser sozusagen päda⸗ gegische Roman behandelt den Entwicklungs— kang eines jungen Menschen zu echt mensch— li er, freier Bildung. Aber wie wenigen ist es vergönnt, eine solche zu erreichen! Wie wenigen demgemäß auch nur, dieses tiefgründige Werk Goethes hinreichend zu verstehen und richtig zu scätzen! Die sich den„Lehrjahren“ anschließen⸗ den„Wanderjahre“ Meisters, dessen Erfahrungen zum großen Teile Goethes eigene idealisierte und mit Erfundenem glücklich gemischte Erleb—⸗ nisse sind, enthalten übrigens eine Fülle sozia⸗ listischer Elemente, namentlich interessante Er⸗ örterungen über wünschenswerte, ideale Staats⸗ und Gesellschaftsein richtungen, die gerade heute wieder manches Interesse wecken könnten. Ein unterhaltendes und zugleich belehrendes, ein ernstes und zugleich sonnig⸗heiteres Buch ist Goethes Selbstbiogra phie,„Aus meinem Leben, Wahrheit und Dich tung“ betitelt. Hierin bat er nicht nur sein Leben bis zur Ueber- siedelung nach Weimar in einer mustergültigen Prosa dargestellt, sondern zugleich ein reiches Gemälde der Kultur und Literatur jener Zeit gegeben. Berühmt ist u. a. die darin enthaltene glänzende Schilderung einer Kaiserkrönung in Frankfurt a. M. Wer sich einen besonderen Genuß durch die plastische Darstellungskraft und die fesselnde Erzählungskunst des Dichters verschaffen will, der lese außerdem auch seine„Italienische Reise“. Hervorgegangen aus Briefen, die er an den Herzog, an sonstige Freunde und nament⸗ lich seine kluge, feingebildete und feinfühlige Freundin, Frau von Stein, von der Reise aus schrieb, belehrt und entzückt uns in gleichem Maße die Schilderung der genußvollen Reise durch den genußfähigen, hochgebildeten Reisenden. Atmet sie doch geradezu den sonnigen Himmel und das südländische Leben des schönen Landes! Unter den poetischen Erzählungen ragt ein kleines Meisterwerk hervor:„Hermann und Dorothea“. Die einfache Erzählung der Verlobung eines Sohnes aus einer wohlhabenden Familie(des Wirtes„Zum goldenen Löwen“) mit einer Ausgewanderten giebt dem Dichter Gelegenheit, das Leben in seinen wichtigsten Verhältnissen und den Menschen in allen be⸗ deutenden Momenten seines Daseins zur An⸗ schauung zu bringen. Dabei fehlen weder die völkerbewegenden Kämpfe als bedeutsamer Hintergrund(die französische Revolution), noch der nationaldeutsche Geist, der sich durch die ganze Handlung zieht. Alle Personen sind trefflich gezeichnet und können wohl als an⸗ ziehende Vertreter deutschen Volkslebens gelten. ** * Das ist der Dichter Goethe. Aber er war mehr! Er war ein ächter, tüchtiger Mensch, und darin ruht sein höchster Ruhm. Das Dichten empfand er als eigentlichsten inneren Beruf, und wie hohes er hierin ge⸗ leistet, glauben wir unsern Lesern in den vorher⸗ gehenden Ausführungen zu einigem Verständnis gebracht zu haben. Er war über seinem Beruf ein Mensch im besten Sinne des Wortes. Was bedeutet das? E Zunächst, daß ihm nichts mensch⸗ liches fremd blieb. Er kannte die mensch⸗ lichen Leidenschaften, die menschlichen Bedürf— nisse, die guten und die bösen Seiten der mensch⸗ lichen Natur; er lebte sich aus als Mensch und gewann doch den Sieg über das Schädliche und Feindliche in dem eigenen Innern. So wurde er ein Lebens weiser, der milde und duld— sam und doch mahnend und warnend seinen Mitmenschen zurief: „Eines schickt sich nicht für Alle! Sehe Jeder wie er's treibe, Sehe Jeder wo er bleibe, Und wer steht, daß er nicht falle!“ Und wie gelang ihm dieser Sieg über sich selbst, in allen Lagen seines reich bewegten Lebens, der ihm dann erst den wahren Genuß des letzteren ermöglichte, der ihn dadurch, daß er ihn lehrte, maßvoll zu genießen, befähigte, bis ans Ende zu genießen? Es war die un⸗ ermüdliche pflichtgetreue Arbeit, die ihn jederzeit als Knaben, als Jüngling, als Mann daran hinderte, der Genußsucht oder der Trägheit zu verfallen, und die ihn zuletzt noch als Greis„allzeit beschäftigt“ machte,„die Kräfte zu benutzen, die ihm noch geblieben waren.“ Neben seiner praktischen Wirksamkeit in weimarischen Staatsstellen, von der bei einer früheren Gelegenheit kurz die Rede war, zeichnete ihn eine umfassende Thätigkeit auf sehr vielen wissenschaftlichen Gebieten: Kunst, Naturkunde in allen ihren Zweigen usw. aus. Als reich und vielseitig begabter Mensch brachte er jenen heiligen Eifer für die Wissenschaft und jene tiefe Achtung vor ihr mit, die den wahrhaft Gebildeten kennzeichnen, und dementsprechend erwies sich auch die gewaltige Vielseitigkeit des universal gebildeten Mannes nach allen Rich⸗ tungen hin befruchtend; ja seine Forschungen auf einzelnen Gebieten der Naturwissenschaft, oft als dilettantenhast verschrieen, eilten vielfach seiner Zeit voraus, und manche Gedichte natur⸗ wissenschaftlichen Inhaltes,„Metamorphose der Pflanze“,„Metamorphose der Tiere“ u. a. lassen Ansichten erkennen, die die moderne Forschung eines Darwin bestätigt und vertritt. Welche Wirkung hatte nun diese ächte Wissenschaftlichkeit auf Goethe?„Wissen⸗ schaft macht frei“. Er gewann durch sie den freien Umblick, der stets nach vorwärts drängt, die umfaffende Erkenntnis der Welt und ihrer Erscheinungen, die sich stets ihrer inneren Natur nach in den Dienst des wirklichen Fortschritts stellt, und den tiefen Widerwillen gegen Still⸗ stand und Unduldsamkeit, der so befruchtend auf alle vordringende Thätigkeit wirkt. So sehen wir ihn in allen Aae trotz seiner Abgeneigtheit gegen Ueberstürzung und Radi⸗ kalismus, ja trotz einer gewissen vornehmen Zurückhaltung gegenüber manchen vorwärts treibenden Bewegungen während seines Alters stets auf der Seite uneingeschränkter Gewissens⸗ freiheit, wahrer Humanität und ununterbrochenen Fortschritts. Von ihm stammt das schöne Wort: „Die Zeit ist in ewigem Fortschreiten begriffen, und die menschlichen Dinge haben alle fünfzig Jahre eine andere Gestalt, sodaß eine Einrich⸗ tung, die im Jahre 1800 eine Vollkommenheit war, schon im Jahre 1850 vielleicht ein Ge⸗ brechen ist“— eine Wahrheit, auf die sich die Berechtigung und die Notwendigkeit aller Kritik des Bestehen den und aller Unzufriedenheit mit Gegenwärtigem gründet. Höchft interessant ist endlich sein Verhältnis zur Religion. Ihm, der von Kindheit auf ein Verehrer der Bibel in historischen und rein menschlichen Beziehungen war und es noch in seinem Alter als„das beste Glück des denkenden Menschen bezeichnete, das Unerforschliche' in Ehrfurcht zu verehren“, der sich, der Tiefe seines Wesens entsprechend, um die Rätselfragen des Daseins, der Frage nach dem Verhältnis zwischen Gottheit und Welt stets ernst und redlich mühte, mußte andererseits jede Orthodoxie, jede unduldsame Betonung allein selig machender Rechtgläubigkeit und auch die ganze spezifisch christlich⸗kirchliche, dem holden Behagen am irdischen Dasein abgeneigte, jenseitige Lebens auffassung innerlich zuwider, ja ein Greuel sein. Er wahrte sich auch sein ganzes Leben hindurch die reine Daseinsfreudigkeit der alten Griechen, deren gesamte künstlerische Kultur ihm so zusagte, da sie seinem eigensten Wesen ent⸗ sprach, und behauptete für sich jederzeit das Recht auf einen heiteren, maßvollen Lebens⸗ genuß.— Frühzeitig war er bei dem edeln Philosophen Spinoza in die Schule gegangen. Dessen Pantheismus, d. h. der Glanbe an die Allbeseeltheit der Natur, an die Allgegenwart des Göttlichen in der Natur in dem Sinne, daß Natur und Gott nicht verschiedene Wesen, das Geschaffene und der Schöpfer, sondern das⸗ selbe und identisch, gleichbedeutend seien, hat bei Goethe oftmals tiefsinnigen Ausdruck gefunden, so in den Worten Faust's„Wer darf ihn nennen? und wer bekennen: Ich glaub' ihn“ und namentlich in dem herrlichen Gedicht: „Was wär' ein Gott, der nur von außen stieße?“ So lief der Zug von Goethe's Humanität in's Allgemeine. Wie die gleiche äch te Men sch⸗ lichkeit sein ganzes privates Leben durch⸗ wärmte, wie sie ihn leitete in seinem Verkehr mit Hoch und Niedrig, wie sie ihn erfüllte mit Anerkennung eines jeden tüchtigen Strebens, wo und wie es ihm auch entgegentrat, wie sie ihn vor allem zu einem mitleidigen und hilf— reichen Menschen machte gegenüber Schwäche und Not, Armut und Elend, soweit er sie in seinem langen Leben in allgemeinen Zuständen und in einzelnen Fällen kennen lernte,— das im besonderen auszuführen, überstiege die Auf⸗ gaben dieser Zeilen. Wir wiederholen: Er ist unser größter Dichter gewesen, aber als Mensch war er noch mehr und Höheres: Er war das, was er seinen Brüdern zurief: Edel sei der Mensch, Hilfreich und gut! Fund —————— à»fn——ͤ—̃̃̃((—(— wach lulu Noßhän halle, bächer aachen, fine der Kle Kindern, fgehal Gedanke peitläuf dee ihn ludishe Und in nachdem slederge auf eine Namen Magelsc Thälern gehmle; Mandat ff, de Rechtfe händler diese s erschral Manne Mühe.! Bahn g duseina gener Aberhay Fortga bon Se Vriefsch dem Pr scheinlic Herz de ö hergleich then Ind an des Ha len; krfürstl Lahält Lags d lu 9 zen lader, 11 0 uur Auf Halsen ein für lle; i Lg 1 9 . nn sige 5 Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 7. Michael Kohlhaas. Historische Erzählung von H. von Kleist. (8. Fortsetzung.) Der Prinz Christiern von Meißen, über diese Wendung der Dinge, die seines Herrn Ruhm auf die empfindlichste Weise zu beflecken drohete, sehr mißvergnügt, begab sich sogleich zu demselben auf's Schloß; und das Interesse der Ritter, den Kohlhaas wenn es möglich wäre auf den Grund neuer Vergehungen zu stürzen, wohl durchschauend, bat er sich von demselben die Er⸗ laubniß aus unverzüglich ein Verhör über den Roßhändler anstellen zu dürfen. Der Roß⸗ händler, nicht ohne Befremden durch einen Häscher in das Gubernium abgeführt zu werden, erschien, den Heinrich und Leopold, seine beiden kleinen Knaben auf dem Arm; denn Sternbald, der Knecht, war Tags zuvor mit seinen fünf Kindern aus dem Meklenburgischen, wo sie sich aufgehalten hatten, bei ihm angekommen, und Gedanken mancherlei Art, die zu entwicklen zu weitläufig sind, bestimmten ihn, die Jungen, die ihn bei seiner Entfernung unter dem Erguß kindischer Thränen darum baten, aufzuheben, und in das Verhör mitzunehmen. Der Prinz nachdem er die Kinder, die Kohlhaas neben sich niedergesetzt hatte, wohlgefällig betrachtet und auf eine freundliche Weise nach ihrem Alter und Namen gefragt hatte, eröffnete ihm, was der Nagelschmidt, sein ehemaliger Knecht, sich in den Thälern des Erzgebirges für Freiheiten heraus⸗ nehme; und indem er ihm die sogenannten Mandate desselben überreichte, forderte er ihn auf, dagegen vorzubringen, was er zu seiner Rechtfertigung vorzubringen wüßte. Der Roß⸗ händler, so schwer er auch in der That über diese schändliche und verrätherischen Papiere erschrak, hatte gleichwohl einem so rechtschaffnen Manne als der Prinz war gegenüber, wenig Mühe die Grundlosigkeit der gegen ihn auf die Bahn gebrachten Beschuldigungen befriedigend auseinander zu legen. Nicht nur, daß zufolge seiner Bemerkung er, so wie die Sachen standen, überhaupt noch zur Entscheidung seines, im besten Fortgang begriffenen Rechtsstreits keiner Hülfe von Seiten eines Dritten bedürfte: aus einigen Briefschaften, die er bei sich trug und die er dem Prinzen vorzeigte, ging sogar eine Unwahr⸗ scheinlichkeit ganz eigener Art hervor, daß das Herz des Nagelschmidts gestimmt sein sollte ihm dergleichen Hülfe zu leisten, indem er den Kerl wegen auf dem platten Lande verübter Notzucht und andere Schelmereien kurz vor Auflösung des Haufens in Lützen hatte hängen lassen wollen; dergestalt, daß nur die Erscheinung der kurfürstlichen Amnestie, indem sie das ganze Verhältniß aufhob, ihn gerettet hatte, und beide Tags darauf als Todfeinde auseinander ge— gangen waren. Kohlhaas, auf seinen von dem Prinzen angenommenen Vorschlag, setzte sich nieder, und erließ ein Sendschreiben an den Nagelschmidt, worin er das Vorgeben desselben, zur Aufrechthaltung der an ihm und seinen Haufen gebrochenen Amnestie aufgestanden zu sein für eine schändliche und ruchlose Erfindung erklärte; ihm sagte, daß er bei seiner Ankunft „ in Dresden weder eingesteckt, noch einer Wacke übergeben, auch seine Rechtssache ganz so, wie er es wünsche, im Fortgange sei; und ihn wegen der nach Publication der Amnestie im Erzge— birge ausgeübten Mordbrennerein zur Warnung des um ihn versammelten Gesindels der ganzen Rache der Gesetze preis gab. Dabei wurden einige Fragmente der Criminalverhandlung, die der Roßhändler auf dem Schlosse zu Lützen in Bezug auf die oben erwähnten Schändlichkeiten über ihn hatte anstellen lassen, zur Belehrung des Volks über diesen nichtsnutzigen, schon da— mals dem Galgen bestimmten, und wie schon Erwähnt nur durch das Patent, das der Kur— fürst erließ, geretteten Kerl, angehängt. Dem gemäß beruhigte der Prinz den Kohl⸗ haas über den Verdacht, den man ihm durch die Un stände notgedrungen in diesem Verhör gabe äußern müssen; versicherte ihn, daß so lange Er in Dresden wäre, die ihm ertheilte Amnestie auf keine Weise gebrochen werde solle, leichte den Knaben noch eimal, indem er sie mit Obst das auf seinem Tische stand beschenkte, Der Großkanzler, der gleichwohl die Gefahr, die über dem Roßhändler schwebte, erkannte, that sein Aeußerstes, um die Sache desselben, be⸗ vor sie durch neue Exeignisse verwickelt und verworren würde, zu Ende zu bringen; das aber wünschten und bezweckten die staatsklugen Ritter eben, und statt wie zuvor mit stillschwei⸗ gendem Eingeständniß der Schuld, ihren Wider⸗ stand auf ein bloß gemildertes Rechtserkenntniß einzuschränken, fingen sie jetzt an in Wendungen arglistiger und rabulistischer Art diese Schuld selbst gänzlich zu läugnen. Bald gaben sie vor, daß die Rappen des Kohlhaas in Folge eines bloß eigenmächtigen Verfahrens des Schloßvoigts und Verwalters, von welchem der Junker nichts oder nur Unvollständiges gewußt, auf der Tronkenburg zurückgehalten worden seien; bald versicherten sie, daß die Thiere schon bei ihrer Ankunft daselbst an einem heftigen und gefähr⸗ lichen Husten krank gewesen wären, und beriefen sich deshalb auf Zeugen, die sie herbeizuschaffen sich anheischig machten; und als sie mit diesen Argumenten nach weitläufigen Untersuchungen und Auseinandersetzungen aus dem Felde ge⸗ schlagen waren, brachten sie gar ein kurfürst⸗ liches Edict bei, worin vor einem Zeitraum von zwölf Jahren einer Viehseuche wegen, die Ein⸗ führung der Pferde aus dem Brandenburgischen in's Sächsische in der That verboten worden war; zum sonnenklaren Beleg nicht nur der Befugniß, sondern sogar der Verpflichtung des Junkers, die von dem Kohlhaas über die Grenze gebrachten Pferde anzuhalten.— Kohlhaas, der inzwischen von dem wackern Amtmann zu Kohlhaasenbrück seine Meierei gegen eine geringe Vergütigung des dabei ge⸗ habten Schadens, käuflich wieder erlangt hatte, wünschte, wie es scheint wegen gerichtlicher Ab— machung dieses Geschäfts, Dresden auf einige Tage zu verlassen, und in diese seine Heimath zu reisen; ein Entschluß, an welchem gleichwohl, wie wir nicht zweifeln, weniger das besagte Ge⸗ schäst so dringend es auch in der That wegen Bestellung der Wintersaat sein mochte, als die Absicht, unter so sonderbaren und bedenklichen Umständen seine Lage zu prüfen, Anteil hatte: zu welchem vielleicht auch noch Gründe anderer Art mitwirkten, die wir jedem, der in seiner Brust Bescheid weiß, zu erraten überlassen wollen. Demnach verfügte er sich unter Zurück— lassung der Wache, die ihm zugeordnet war, zum Großkanzler, und eröffnete ihm, die Briefe des Amtmanns in der Hand: daß er Willens sei, falls man seiner wie es den Anschein habe, bei dem Gericht nicht notwendig bedürfe, die Stadt zu verlassen, und auf einen Zeitraum von acht oder zwölf Tagen, binnen welcher Zeit er wieder zurück zu sein versprach, nach dem Brandenburgischen zu reisen. Der Groß— lanzler, indem er mit einem mißvergnügten und bedenklichen Gesicht zur Erde sah, versetzte: er müsse gestehen, daß seine Anwesenheit gerade jetzt notwendiger sei als jemals, indem das Ge⸗ richt wegen arglistiger und winkelziehender Ein⸗ wendungen der Gegenpart seiner Aussagen und Erörterungen in tausenderlei nicht vorherzu— sehenden Fällen bedürfe; doch da Kohlhaas ihn auf seinen, von dem Rechtsfall wohl unter⸗ richteten Advokaten verwies, und mit beschei— dener Zudringlichkeit, indem er sich auf acht Tage einzuschränken versprach, auf seine Bitte beharrte, so sagte der Großkanzler nach einer Pause kurz, indem er ihn entließ:„er hoffe, daß er sich deshalb Pässe bei dem Prinzen Christiern von Meißen ausbitten würde.“ Kohlhaas, der sich auf das Gesicht des Großkanzlers gar wohl verstand, setzte sich, in seinem Entschluß nur bestärkt, auf der Stelle nieder, und bat ohne irgend einen Grund an⸗ zugeben den Prinzen von Meißen, als Chef des Guberniums, um Pässe auf acht Tage nach Kohlhaasenbrück, und zurück. Auf dieses Schreiben erhielt er eine von dem Schloßhaupt⸗ mann Freitzerrn Siegfried von Wenk unter— zeichnete Gubernial⸗Resolution, des Inhalts: sein Gesuch um Pässe nach Kohlhaasenbrück werde des Kurfürsten Durchlaucht vorgelegt die Hand, grüßte den Kohlhaas und entließ ihn. werden, auf dessen höchster Bewilligung, sobald mcd ge, ihm die Pässe zugeschickt werden ürden.“ Auf die Erkundigung Kohlhaasens bei seinem Advokaten, wie es zuginge, daß die Gubernial⸗ Resolution von einem Freiherrn Siegfried von Wenk, und nicht von einem Prinzen Christiern von Meißen, an den er sich gewendet, unterschrieben sei, erhielt er zur Antwort: daß der Prinz vor drei Tagen auf seine Güter ge⸗ reist, und die Gubernialgeschäfte während seiner Abwesenheit dem Schloßhauptmann Freiherrn Siegfried von Wenk, einem Vetter des oben erwähnten Herrn gleichen Namens, übergeben worden wären. Kohlhaas, dem das Herz unter allen diesen Umständen unruhig zu klopfen anfing, harrte durch mehrere Tage auf die Entscheidung seiner, der Person des Landesherrn mit befremdender Weitläufigkeit vorgelegten Bitte; doch es ver⸗ ging eine Woche, und es verging mehr, ohne daß weder diese Entscheidung einlief, noch auch das Rechtserkenntnis, so bestimmt man es ihm auch verkündigt hatte, bei dem Tribunal Fick ward: dergestalt, daß er am zwölften Tage, fest entschlossen die Gesinnung der Regierung gegen ihn, sie möge sein welche sie wolle, zur Sprache zu bringen, sich niedersetzte, und das Gubernium von neuem in einer dringenden Vorstellung um die erforderten Pässe bat. (Fortsetzung folgt.) —— Sprüche zur Lebensweisheit. Von Wolfgang Goethe. Das Beste. Wenn Dir's in Kopf und Herzen schwirrt, Was willst Du bessres haben! Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt, Der lafsse sich begraben. * Stoßseufzer. Ach, man sparte viel, Seltner wäre verruckt das Ziel, Wär' weniger Dumpfheit, vergebenes Sehnen, Ich könnte viel glücklicher sein— Gäb's nur keinen Wein Und keine Weiberthränen! * Meine Wahl. Ich liebe mir den heitren Mann Am meisten unter meinen Gästen: Wer sich nicht selbst zum besten haben kann, Der ist gewiß nicht von den Besten. * Breit wie lang. Wer bescheiden ist, muß dulden, Und wer frech ist, der muß leiden; Also wirst du gleich verschulden, Ob du frech seist, ob bescheiden. — Neu eingelaufene Schriften. Besprechung wichtigerer Erscheinung behalten wir uns vor. Stimmen der Freiheit. Das Litterarische Bureau Nürnberg(Verlag für Volks- und Arbeiter⸗ litteratur) hat unter dem Titel„Stimmen der Freiheit“ soeben eine illustrirte Sammlung von Dichtungen der hervorragendsten Arbeiter- und Freiheitsdichter des In⸗ und Auslandes erscheinen lassen. Das Werk wird 50 Lieferungen à 10 Pfg. umfassen. Das uns vorliegende erste Heft macht einen guten Eindruck und dürfte mit Recht allseitig Beachtung finden, wie überhaupt das Unternehmen unserer Arbeiterschaft angelegentlichst zu empfehlen sein dürfte. Mit zwei hervorragenden Dichter⸗ größen präsentirt sich das erste Heft. Neben der seelen⸗ vollen und warm empfindenden Ada Negri lernen wir einige der prächtigsten Zeitgedichte des„Sängers der Re⸗ volution“ Ferdinand Freiligrath kennen. Bild und Biographie der Genannten sind den Dichtungen voran⸗ gestellt. Die nächsten Hefte bringen Porträt, Biographie und Dichtungen von Ludwig Pfau, Wilhelm Hasenclever, Georg Herwegh, Béranger, Johannes Wedde, Robert Prutz, Glaßbrenner, Shelley, Karl Henckell, J. H. Mackay, Dr. Bruno Wille, Robert Seidel, Ernst Preczang, Jakob Audorf, Heinrich Heine, Petöfi und vielen Anderen. Die Hefte sind durch alle Buchhaudlungen und Parteikolporteure zu beziehen. Seite 8. Mitteldeutsche Sonntags ⸗Zeitung. — Nr. 37. Geschäfts- Uebernahme. Dem geehrten Publikum von Gießen und Umgegend, sowie meiner werten Nachbarschaft zur gefl. Nachricht, daß ich das Colonia lwaren- Ges chf, des Herrn Georg Herbordt vorm. Karl Petri Marktplatz Nr. 18 übernommen habe.— Gleichzeitig bringe ich zur Kenntnis, daß ich mein Spezial⸗Seifen⸗ und Parfümerie⸗Geschäft in unveränderter Weise in meinem neuen Geschäft weiterführen werde. Es wird mein Bestreben sein, meine werten Abnehmer durch nur gute Waren in jeder Weise zufriedenzust ellen. Indem ich um geneigten Zuspruch bitte, zeichne Hochachtungsvoll Emil Bender. Georg Koch, unrmacher 8 8 D 8 Für jede bei mir gekaufte Uhr 2 Jahre schriftliche Garantie. Gießen, Neuen Däue 5. („Kühlen Grund“) empfiehlt sein reichhaltiges Lager in DTaschenuhren, Negulatenren, Wanduhren, Vechkeruhren, Broschen, Ohrringen, Ilhr⸗ fetten u. s. w. zu wirklich billigen Preisen. Versandt nach Auswärts. Umtausch Beste Oualitäten. gerne gestattet. 5 Streng reelle Bedienung. Bei Einläufen wolle man sich auf die M. S.⸗Ztg. beziehen n egemysten be kgenbelstauf, Ein großer Posten erhalten auch in diesem Jahre wieder ganz besondere 9 9 bh— Ermäßigung beim Einkauf von Cibil-Mleidun ö 1 Annlge. sn lauge der Vorrat reicht, zum Beispiel zu Mark 10 und 12. Bourxkiu⸗Anzug v. M. 10.— an Bourkiu⸗Sack⸗ Rock 1. 5— 7 Bourkiu⸗Hose„„ 3.—„ Bouxkiu⸗Weste„„ 2.—„ dead e.,. ärkus Bauer. U ö Hemden 9. 1 1 1 feiner Filzhut„„ 1.50, 11 Kirchenplatz 11, 2„ 5 gegenüber der Stadtkirche. 0 D„ 7 1. Regenschirm„ 1 66606266606 Winter⸗Paletot in Double und den Cal Freudenstein echtem Futter⸗ u. Sammtkrag.„„12.—„ 1 1 Nachfolger, Pelerine e Schauen Zope, 450, Marburg a. L. dae n Ritterstraße 0 e Aus wah! i pe, Aue Jagd⸗ 150 Filiale: ee 31 8 W n sämtl. Colonialwaren, Cigarren, Oberhell 1 * Hülsenfrüchte, 8 5 Spiritnosen, D 8 1 Delikatessen 4 2 dzar in besten Qualitäten zu billigsten Preisen. Aarburg. Sécsezsesess in allen Sorten Friedberg. Gehrock⸗ und Hochzeits⸗ Freunden und Parteigenossen Anzügen. bringe ich meine Wirtschaft 3 5 7 U 4 Kirchen⸗Röcken.„Lur Stadt Neu-Lork“ Großes Lager von. Maasetrasse 11 Duchen und Bouxkins in empfehlende Erinnerung. sowie Schueider-Zuthaten. ff. Sieinhäuser Bier. g Gute bürgerliche Küche. Anfertigung n. Iflaß Ausmerksame Bedienung. 0 n Achtung svoll in eigener Werkstätte. Gustav Künn. Jeder Anzug wird inner———E roße Auswahl in losen u. fertig gerahmten Bildern u. Haussegen, aller Art bei H. Schneider, halb 12 Stunden fertig⸗ gestellt. Tergaud geg. Nachnahme. r Klein-Linden. Samstag, den 9. September, Abends 8 Uhr, spricht der Reichstagsabgeordnete wilhelm Liebknecht im Hinterlang'schen Saale über die Landtagswahlen in Hessen. Jedermann ist eingeladen.— Vollständige Redefreiheit. Frankfurter Mäusburg 12 —— 85 —— 9 N T——TTT0T0T0T0T0T0T0T0T00T0TT 8 — — 2— —— —— N d 8 Reparaturen prompt und billigst. Schuhlager Giessen. Mäusburg 12, Ausverkauf sämtlicher braunen Schuhe und Stiefel für Herren⸗, Damen und Kinder zu bedeutend herabgesetzten Preisen. Umtausch gestattet. Geschäftsverlegung. Einem geehrten Publikum zur gefl. Kenntnisnahme, daß ich jetzt in meinem neuen Anwesen 16 Grünbergerstrasse 16 wohne. Gleichzeitig bemerke ich, daß ich in circa 8 Tagen mein Geschäft ebenfalls dorthin verlegen werde. Um die Umzugskosten möglichst zu reduzieren, lasse ch bis zu diesem Tage auf meine sämtlichen Artikel eine bedeutende Preisermäßigung- Hochachtend Emil Kalbfleisch, i Bildhauer. Gießen, den 17. August 1899. J. Benner, Schuhmachermeister, Marktstraße 34 Giessen, Markstraße 34, empfiehlt sein reichhaltiges Sehuhwaaren⸗Lager in gediegenen soliden Qualitäten zu billigsten Preisen. Specialität: Arbeiter⸗Schuhe u. Stiefel. Anfertigung nach Maaß, sowie Reparaturen werden in eigener Werkstätte rasch, gut und billigst ausgeführt. eintreten. Sc ccd Peter Leppla Neustadt 79 Neustadt 79 offeriert rein wollenen Cheviot Restkoupons, passend zu kompl. An⸗ zügen zu bekannt billigen Preisen. F eee H. Posern Marburg Aulgasse 4 Aulgasse 4 ist die beste und billigste Bezugsquelle für Schuhwaren. — Aufertigung nach Maaß.— Neu! 1 Neu Photograph. Apparat mit Platten, Papier, Chemi⸗ kalien und Anleitung nur 1.50 Mk. Derselbe giebt haarscharfe Bilder 4& 4 em. Probebild 10 Pfg. Versandt nur gegen Vorein⸗ sendung des Betrages und 20 Pfg. für Porto. Theodor Grotewahl, Cassel. Sonmtag, 10. Sept., nachm. 3 Uhr Weißbinderversammlung bei H. Größer, Großen⸗Buseck. Das Erscheinen der Mitglieder ist dringend :::: ̃.. So nnenstraße 25. notwendig. De Forstau. Linthitskaten .. adnaten liefert die Ell. Ottmann sche Buchüruckerel Schlossgasse 13. Verlag der Mitteld. Sonntags⸗Zeitung(E. Krumm), Gießen. Verantwortl. Redakteur Ph. Scheidemann, Gießen. Deuck von A. Heppeler in Gießen. 9 ( — le + 3 str durch d die El —— Eil f el. über u wenn werde. Inter Veamt Komm New! Juhtet mütig reußt haus dessen wenn gesch 9 Ursac teress in A beiten ertrag lit! wir treten organ Geld Aufm der A werdei Streik De Ohne kung, Famil stark. egen selbst Er b immer Ellbst Treue und K einer dich n feine! um ih „St sihen, 1 echo Fabri it ei