2 Nr. 15. Gießen, Sonntag, den 9. April 1899. 6. Jahrg. Redaktion: 0 Nedaktionsschluß: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Mitteld eutsche Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. untags⸗Zeitung. JJuserate finden in der„M. S.⸗Z.“ weiteste Verbreitung. Die ögespalt Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindestens Amal. Bestellung gewähren wir 25, bei 6mal. Bestellung Abounementspreis: Die„Mitteldeutsche Sonntags-Zeitung“ kostet durch unsere Austräger frei in's Haus geliefert monatlich 25 Pfg. Durch die Post bezogen vierteljährlich 90 Pfg. Direkt durch Bestellungen nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Ex pe⸗ dition in Gießen, Sonnenstraße Nr. 25, die Druckerei, Sonnenstraße 6, sowie jede Postanstalt und sss esse sse, e S die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Demokratie und Ss zial⸗ demokratie. In der Schweiz hat sich ein bedeutsamer Vor⸗ gang vollzogen. Die Grütlivereine des Kantons Zürich hielten in Uester eine Konferenz ab, auf der man beschloß, sich als sozialdemokratische Partei zu konstituieren und es jedem Mitglied eines Grütli⸗ oder Arbeitervereins zur Bedingung zu machen, daß es nur der sozialdemokratischen Partei angehören dürfe. Dieser Beschluß enthält die letzte Konsequenz einer Entwickelung, die seit geraumer Zeit in den schweizerischen Grütlivereinen begann, aber nur langsam und unter mancherlei inneren Kämpfen sich vollzogen hat. Man muß festhalten, daß jene Vereine bis vor wenig Jahren keine be⸗ 0 5 politische Tendenz hatten; daß Politiker er verschiedenen bürgerlichen Parteien denselben angehörten und daß die Vereine von diesen Poli⸗ tikern vielfach als Steigbügel benutzt wurden, um in ein Gemeinde⸗ oder Staatsamt zu ge⸗ langen oder als Volksvertreter gewählt zu werden. Aber die Klassengegensätze, die auch im Muster⸗ lande der Demokratie, wie man die Schweiz mit den es aber seine sozialen Interessen zur Geltung zu bringen sucht und bei Wahlen nur solche Kandidaten berücksichtigt, die bereit sind, seinen Interessen zu dienen. Die Bauern haben sich im Bauernbund zusammengethan und verfolgen hierin ihre besonderen Klasseninteressen, die sie selbstverständlich ebenfalls durch die Wahlen zu fördern suchen Die Arbeiter schwenken ins sozial⸗ demokratische Lager ab, nachdem sie erkannt, daß mit den Schichten, gegen die sie täglich im Interessenstreit stehen und den Kampf um eine 215 Existenz führen, kein Zusammengehen mög⸗ ich ist. So verschwindet die Grundlage, auf der bis⸗ her die Demokratie stand: sie nimmt an Zahl der Anhänger und an Einfluß ab, ihre Haltung in allen entscheidenden Fragen wird unsicher und schwankend und ihre schließliche Auflösung ist nur eine Frage der Zeit— ganz wie bei uns in Deutschland und speziell in Süddeutschland. — 2 Die Scharfmacher in Thätigkeit. V. Die Mitteilung, daß die Zuchthausvorlage, genannt Gesetzentwurf„zum Schutze Arbeits⸗ jeder Briefträger entgegen.(Post⸗Ztgs.⸗Katal. 4312.)[33 ¼0% und bei mindestens 12mal. Aufgabe 50% Rabatt. 2 und dem Schutze vor auswärtiger Gefahr, so handelt es sich jetzt um die Wahrung des inneren Friedens und den Schutz weiter Kreise unserer Bevölkerung gegen Terrorismus. Es ist klar, daß die verbündeten Regierungen, wenn sie die Not⸗ wendigkeit erkennen, durch Verschärfung der Straf⸗ gesetze dem inneren Frieden und der Bewegungsfrei⸗ heit der Bevölkerung einen wirksamen Schutz ange⸗ deihen zu lassen, mit demselben Ernste und mit dem⸗ selben Nachdruck hinter ihrer Vorlage stehen, wie hinter der Militärvorlage, und daß sie für den Fall einer etwaigen Ablehnung ihrer Vorschläge nicht vor den äußersten Konsequenzen zurückschrecken können.“ Die Scharfmacher möchten es auf eine Reichstags-Auflösung ankommen lassen, wofern der Reichstag den Industriebaronen das Zuchthausgesetz nicht bewilligen will. Wir sind in diesem Falle mit den Scharfmachern ein⸗ verstanden. Man unterbreite die Zuchthaus⸗ vorlage dem Urteil der deutschen Wählerschaft. Nichts könnte uns willkommener sein. Dies würde eine klare Situation herbeiführen und alle Handeleien beseitigen, die in neuem Koulissen⸗ spiel zwischen Regierung und bürgerlichen Par⸗ teien angezettelt werden könnten. N vollem Recht nennen darf, sich in dem Maße jsuchender alsbald nach den Osterferjen fertig ge⸗ 5 iti 0 wal, bemerklicher machen, als die kapitalistische Ent⸗ stellt werden solle, hat lebhafte Bewegung in litische Bund chau. alt wickelung zunimmt und alle wirtschaftlichen Ver⸗] das Völkchen der Scharfmacher gebracht. Die Gießen, den 7. April. un hllltnisse sich zersetzen und zuspitzen, sind auch von] Freude über das endliche Nahen des heißersehn⸗ Zur Abrüstungsfrage. den Grütlivereinen, deren Mitglieder in der Mehr⸗ ten Gesetzes ist nur beeinträchtigt durch leise a 58 i al iter ind je] Angst, daß doch noch irgend ein Hindernis den Die Komödie von Haag wird, noch ehe sie 15 ile 5 1 15 cheat. Weg der kapitalistischen e verlegen] begonnen, zur niedrigsten Posse. Im August er⸗ 1.34 er Sozialdemokratie näher gebracht Schließlich könnte. Darum gilt es, zeitig das Messerchen schien das Zarenmanifest; die erste Antwort dar⸗ erfolgte der letzte Schritt in dieser Entwickelung, indem sich die Grütlivereine des ökonomisch am weitest vorgeschrittenen Kantons offiziell zur sozial⸗ demokratischen Partei bekannten und kein Mit⸗ glied anderer Gesinnung mehr unter sich dulden wollen. Die„Neue Züricher Zeitung“, das leitende Organ der Liberalen, begrüßt mit Genugthuung zu schleifen, damit ja das letzte Arbeiterrecht mit scharfem Schnitt zerschnitten werde. Das Blatt des Laurahütten⸗ Gründers, v. Kardorff, die„Berliner Neuesten Nachrichten“, schreiben: „Wir halten nun schlechterdings für aus ge⸗ schlossen, daß die Vorlage im Bundesratsstadium scheitern könnte; eine beträchtliche Mehrheit ist auf war, daß die Regierungen Deutschlands, Frankreichs und Englands zwar die eine Hand zum Schwur feierlichster Friedensbeteuerung hoch emporreckten, mit der anderen aber desto tiefer in die Taschen ihrer Völker hineinfuhren, um schleunigst noch, Hals über Kopf, so viele Mil⸗ lionen wie irgend möglich für den teuren Moloch herauszuholen. Es war wieder eine gewaltige suuße, diesen Schritt der Grütlivereine, der Klarheit in unter allen Umständen für sie vorhanden. Aber Drehung an der Schraube ohne Ende. Und jetzt ieee, die Parteiverhältnisse bringe und einem jahrzehnte⸗ 3 5 1 1 1 11 1285 1 0 55 11 0 i Kunde, daß iber alen langen Bündnis mit der Demokratie, das immer daß das Zentrum, unter Berufung auf das russische Bär daran ist, mit der Tatze, die er n unnatürlicher geworden sei, ein Ende mache. Das überaus reichlich vorhandene sonstige Beratungs- nicht zum Schwingen der Friedenspalme braucht, 1 H. Blatt hat von seinem Standpunkt aus recht. Es material, diese Angelegenheit auf die lange Bank zu von neuem die Schraube in Bewegung zu JJJJVVCCCCCCCCC%C%/% nis durchdrungen, als selbständige politische Partei] wird. Der Zweck dabei würde sein, die Vorlage in] deutschen Militärvorlage hat die russische Re⸗ auf die Dauer nicht mehr bestehen zu können, dieser Sesston überhaupt nicht mehr zur Verhandlung] gierung beschlossen, schleunigst die ganze schließlich ihr bürgerliches Herz entdecken und kommen zu lassen. Dies würde umsomehr erleichtert] Artiklerie mit neuen Schnellfeuer⸗ mit den Liberalen gehen werde. Und was bisher werden, je später die Vorlage an den Reichstag ge⸗ b Ei ösische i j 5; f langt. Es wird sich also darum handeln, daß sie kanonen zu ewaffnen. ine französise bei dem Nied der b lichen Demokratie ang der bürgerte okratie] möglichst bald nach den Osterferien eingebracht Firma hat bereits die entsptechenden Aufträge sich zeigte, giebt der„Neuen Züricher Zeitung und dabei der Reichstag über den Wunsch der Re⸗ erhalten. Das ist köstlich! Und dieselben Re⸗ recht. Die Demokratie geht an ihren inneren gierung nach einer baldigen Inangriffnahme gierungen, die in so wahnsinniger Hast gegen⸗ Widersprüchen zu Grunde Die politische Frei⸗ der Sache nicht im Zweifel gelassen wird. In kleri⸗ 9 5 1 d ch auf den günstigen heit und Gleichheit, wi si im Kanton Zürich kalen Blättern ist schon vor einiger Zeit die Ver⸗] einander rüften un ee auf den g 9 6 1 3 Ahr bun cen it, rut au. worden, es 8 5 Augenblick 1 um 10 beg h 5 5 0 zu a 5 5 7 elbst schließlich nicht unerwünscht sein, wenn der J können, sie werden in ein paar Wochen in Haa 59 1 zum Zweck sein, d. h. die 11 80 280 für eee ene E N Komplimente drechseln und übersließen ratie muß soziale Demoktatie sein orlage in einet Kaiman enge. ncre daran vor Friedensliebe, Freundschaft und Christentum 0 j; j i 5 tens k die Reichsregierung garnicht daran 12 2 n oder sie kann nicht sein. Vor diese Alternative denken, rer Aatvrhat el tenen Stoß Wann endlich werden die Völker diesem 90 gestellt, löst sie sich in ihre sozialen Elemente] versetzen zu lassen. Aber es ist vielleicht doch nicht] wahnsinnigen, durch die Heuchelei nur ekelhafter . auf— sie verschwindet. f überflüssig, bei Zeiten auf die drohenden Manöver] noch gewordenen Treiben ein Ende machen? b, Welches sind nun die sozialen Elemente, aus der„regierenden Partei“ aufmerksam zu machen. f 5 5 welchem die Demokratie im Kanton Zürich be⸗ Und vom Generaloberschleifstein, der Stumm⸗ Eisengepanzerte Fauft⸗Politik. steht? Das Gros der Arbeiter, ein erheblicher schen„Post“, rasselt es also: Es ist schon schlimm für ein z wildes“ Land, Teil der Bauern und das Kleinbürgertum Das„Wie immer die Vorlage gestaltet sein mag, wird] wenn es einem„zivilisierten“ Schutzherrn ver⸗ 2. Kleinbürgertum, von der kapitalistischen Entwicke⸗ man darüber nicht im Zweifel sein können, daß fällt; nun aber gar, wenn drei Panzerfäuste auf lung bedrängt und in immer unbehaglichere Lage Abe feet een potttishe Veißzun picken unter. einmal sich in den Schützling hineinkrallen! 1 versetzt, hat einen Gewerbebund gegründet, der worfen werden wird, als durch die Militärvorlage.] Samoa, eine australische Inselgruppe, erfährt, 2 seiner inneren Natur nach reaktionär ist, durch Galt es dort der Sicherung des äußeren Friedens J wie das thut. Die drei Mächte Deutschland, — —— Seite 2. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 15. — England und die Vereinigten Staaten von Nord⸗ amerika sind aufs eifrigste bemüht, ihre vertrags⸗ mäßig abgegrenzten Interessensphären auf den seit zehn Jahren für unabhängig erklärten Inseln auszudehnen. Daraus entstehen nun fortgesetzt Konflikte, unter denen die in zwei Parteien ge⸗ spaltenen Samoaner in erster Linie zu leiden haben. Führer der Samoaparteien sind die „Könige“ Mataafa mnd Malietoa. Je nachdem es am vorteilhaftesten ist, halten es die ver⸗ schiedenen Mächte abwechselnd bald mit diesem, bald mit jenem. Jetzt ist Mataafa der„Freund“ Deutschlands, das paßte den Engländern und Amerikanern nicht, sie forderten Mataafa auf, sich mit seinen Anhängern binnen drei Stunden aus einem bestimmten Gebiete zu entfernen. Als diesem„Wunsche“, dem natürlich mit eisen⸗ gepanzerter Faust mehr Nachdruck verliehen worden, Mataafa auf Anraten der Deutschen nachgekommen war, provozierten jedoch die Eng⸗ länder den Samoaner in ungehörigster Weise, und als Mataafa Anstalten traf, sich zu ver⸗ teidigen, bombardierten drei Kriegsschiffe die Küste. So wird fortgesetzt mit dem Feuer ge⸗ spielt in fernen Landen. Die arbeitende Be⸗ völkerung zahlt die Kosten und kann auch schließlich seine Knochen zu Markte tragen, wenn durch tropenkollerige Gernegroße ernsthafte Ver⸗ wickelungen zwischen den Mächten entstehen. Geschwindigkeit ist keine Hexerei. Bereits der nächste Etat wird die Forde⸗ rung der jetzt vom Reichstage verweigerten 7000 Mann für die Infanterie enthalten. So liest man in der„Kölnischen Zeitung“. Diese Zahl sei die äußerste Ziffer der Berechnungen gewesen, mit denen der Generalstab sich habe be⸗ friedigt erklären können.— Der Liebersche Eier⸗ tanz und die treffliche Zentrumsresolution waren, das hat unsere Partei sofort betont, nur eine Posse: Das Zentrum wird also schon in der nächsten Session seine berühmten„Erwägungen“ vor dem sicheren Umfall anzustellen in der Lage sein. Und die Steuerzahler bluten. Zur Verjüngung der Armee. Pensioniert wurden in der deutschen Armee seit dem 15. Februar dieses Jahres: 3 Generallieutenants, 5 Generalmajore, 3 Oberste, 4 Oberstlieutenants, 18 Majore, 17 Haupt⸗ leute, 8 Oberlieutenants, 13 Lieutenants, in Summa 71 Offiziere. Kosten pro Jahr 240000 Mark! Außerdem wurden ohne Pension ver⸗ abschiedet 1 Oberlieutenant und 2 Lieutenants, sämtlich in Preußen, wo auch nicht weniger als 22 Lieutenants„ausschieden“. Das letztere scheint eine ganz besondere Spezialität Preußens zu sein, die man z. B. in Bayern nicht kennt. Das Gesamtergebnis der im 1. Quartal 1899 in Deutschland erfolgten Verabschiedungen beträgt: 130 Offiziere mit Pension, 6 ohne eine solche, 48 Lieutenants„ausgeschieden“, somit im ganzen ein Abgang von 184 Offizieren. Und das alles in dem kurzen Zeitraum von drei Monaten! Behördlicher Boykott? Kürzlich wurde der Chefredakteur der„Pos. Ztg.“ Goldbeck wegen Beleidigung des Ober⸗ präsidenten zu zwei Monaten Gefängnis ver⸗ urteilt. Nach einander sind dann, wie ein Extra⸗ blatt der„Pos. Ztg.“ mitteilt, am 19., 24. und 29. März dem Verleger der Zeitung für seine Druckerei von den Eisenbahn⸗ Direktionen in Breslau und Posen, vom Oberlandesgericht und von der Oberstaatsanwaltschaft die Verträge, be⸗ treffend die Lieferung von Drucksachen, gekündigt worden. Da die Druckerei alle ihre geschäft⸗ lichen Verpflichtungen gegen die Behörden in vollem Umfange erfüllt hat und niemals Be⸗ mängelungen erfolgt sind, so erblickt die„Pos. Ztg.“ in der fast gleichzeitigen Kündigung der Verträge, für welche in keinem einzigen Falle ein Grund angegeben ist, den Versuch, auf die Haltung der in demselben Besitz wie die Druckerei befindlichen„Posen. Ztg.“ einen Druck auszuüben. Wegen Majestätsbeleidigung. Aus der Monatsübersicht für März d. J., welche die demokratische„Berliner Volksztg.“ giebt, läßt sich ersehen, daß unter 44 deutschen Prozessen wegen Majestätsbeleidigung, die bekannt wurden, 30 mit Bestrafung sich befinden. Im ersten Vierteljahr 1899 sind, soweit bekannt ge⸗ worden, 129 Majestätsbeleidigungen gerichtlich verhandelt oder anhängig gemacht und zusammen mit mehr als 38 Jahren Gefängnis geahndet worden. Ein Beutezug. Das von den Agraierern längst ge⸗ plante Spiritusmonpol ist perfekt geworden. Eine Produktion von 129 Millionen Liter findet in dem neuen Kartell ihre Vertretung, die noch ausstehenden Brenner produzieren 91 Millionen. Es ist nicht daran zu zweifeln, daß auch von diesen noch die meisten, wenn nicht alle de m ungekündigten rücksichtslosen Terro⸗ rismus der Kartellbrüder unterliegen werden und dann gehts ans Schröpfen der Konsu⸗ menten, d. h. der Arbeiter, Bauern und Hand⸗ werker. Die sonst sich antisemitisch geberdenden Junker ziehen es in diesem Falle vor, mit den verhaßten Kohn und Meyer gemeinschaftlich dem Volke die Millionen heraus zu⸗ pressen. Auch der Erzbischof von Posen gehört zu den Ring⸗Schnapsbrennern, so daß auch der „Segen“ dem ganzen Werke nicht fehlen wird. Konservativer Eiertanz. Der konservativen Partei ist die Offenherzig⸗ keit der Herrenhausreden der Grafen Klinckow⸗ ström und Mirbach auf das Reichstags wahl⸗ recht(siehe voriger Nummer) etwas peinlich. So schreibt die Kreuzzeitung: „Es liegt nicht eine Spur von Berechtigung vor, aus den lediglich in eigener persönlicher Verantwortung gethanen Aeußerungen der genannten Herren eine Bestätigung der Unter⸗ stellung, daß die konservative Partei das Reichs⸗ tagswahlrecht beseitigen wolle, herauszulesen. Graf v. Mirbach hat ebenso wie Graf v. Klinckowström ausdrücklich erklärt, daß die Anregung zu einer Abänderung des Wahl⸗ rechtes niemals von der konservativen Partei ausgehen könne und werde, und damit sollten sich unsere Gegner doch endlich beruhigen.“ Die„Kreuzzeitung“ macht allerdings kein Hehl daraus, daß sie ebenso wie die ostpreu⸗ ßischen Grafen das geheime Wahlrecht ver⸗ werfe. Sie schreibt. „Wir haben uns auch während des Wahl⸗ kampfes nicht„geniert“, unsere wahre Meinung über das geheime Wahlrecht zu bekennen, und wir werden uns auch in Zukunft niemals „genieren“, zu erklären, daß wir dieser, dem deutschen Volscharakter absolut nicht ent⸗ sprechenden Heimlichthuerei keinen Geschmack abgewinnen können. Die konservative Partei hat indessen auch zu Zeiten, wo das Zentrum noch nicht„regierende“ und die Sozialdemo⸗ kratie noch nicht mitregierende Partei war, niemals im entferntesten daran gedacht, An⸗ träge auf Abänderung des Reichstagswahl⸗ rechts einzubringen.“ Die Junkerschaft haßt das Reichstagswahl⸗ recht und wird es zerstören, sobald sie kann. Daran ändert dieses leere Geflunker des Kreuzritterblattes gar nichts. Agrarier und ländliche Arbeiter. In der 14. Kommission des preußischen Ab⸗ geordnetenhauses gelangten bei der Beratung des Antrages Gamp zur Bekämpfung der„Arbeiter⸗ not“ in der Landwirtschaft folgende Vorschläge zur Annahme:„1. Die Beurlaubung von im aktiven Militärdienst stehenden Mannschaften zu dringenden landwirtschaftlichen Arbeiten; 2. die möglichste Berücksichtigung der dringenden land⸗ wirtschaftlichen Arbeiten bei der Wahl des Zeit⸗ punktes der Einziehung von Reservisten und Landwehrleuten zu militärischen Uebungen; 3. die Revision der Dienstvorschriften über Marschgebührnisse für die zur Entlassung kommenden Mannschaften in der Richtung, daß diefrüher der Landwirtschaft angehörenden Mannschaften sich ihrem früheren Beruf und zwar thunlichst in ihrer Heimat wieder zuwenden, sind dringend wünschenswert.“ Dann wurde über die erweiterte Zulassung aus⸗ ländischer Arbeiter zu den landwirtschaft⸗ lichen Betrieben des Ostens diskutiert. Die Kommission einigte sich schließlich auf folgende Forderung:„Erweiterung der Zulassung aus⸗ ländischer Arbeiter, soweit es die nationale Rücksichten irgend gestatten, insbesondere auch zum Gesindedienst, in nicht gemischtsprachigen Bezirken, sowie Vereinfachung der den Behörden abzugebenden Verpflichtungs⸗Erklärungen.“ Mit Soldaten und Pollaken wird sich doch der adelige Landwirtschaftsbetrieb einiger⸗ maßen machen lassen? Fraktion Drehscheibe. Die Uneinigkeit der Nationallibe⸗ ralen in„sozialpolitischer Hinsicht“ ist neuerdings wieder einmal zu Tage getreten. Der sozialpolitische Paradeantrag Heyl⸗Basser⸗ mann, der eine Reihe von Bestimmungen der Gewerbeordnung für Fabrikarbeiter auf den Ge⸗ werbebetrieb in Werkstätten der Hausgewerbe⸗ treibenden überträgt und Bestimmungen über Lohnbücher und Arbeitszettel und eine Minimal⸗ ruhezeit für die in Gastwirtschaften angestellten Personen trifft, ist von 18 Mitgliedern der 3. B. haben Partei nicht unterzeichnet worden. die Unterschrift nicht gegeben die Abgg. Büssing, Endemann, Krämer, Krause und Möller. Die große Reklame, die mit dem sozialpolitischen Antrage getrieben wird, ist nicht viel wert. Wie der Antragsteller Bassermann bei der letzten Reichstagswahl in Mannheim sich frei⸗ händlerisch gebärden und in Jena agra⸗ rische Interessenpolitik vertreten konnte, so sind in der nationalliberalen Partei die Elemente überhaupt so hübsch gemischt, daß in wirtschaft⸗ lichen Fragen die einen in Arbeiterschutz machen und die anderen den krassen Industriefeudalismus vertreten können. „Nationale“ Schlotbarone. Einen wohlthuenden Gegensatz zu den„vater⸗ landslosen Rotten“ bilden bekanntlich die In⸗ dustriemagnaten, die teutsch bis auf die Knochen sind, wenn sie— die Klinke der Gesetzgebung zu eigenem Vorteil handhaben. Baß es aber auch anders, ganz anders geht, zeigt trocken eine Handelskorrespondenz der Frkf. Ztg., der ein Korrespondent vom Niederrhein berichtet:„Nachdem in der Eisenindustrie zahl⸗ reiche Verbände geworden sind, geht man an den Ausbau. Aus dem Halbzeugverbande ist ein Halbzeug⸗ und ein Trägersyndikat entstanden, und das Trägersyndikat hat durch die süddeutsche Verkaufsstelle ein Kartell mit Frankreich über die Behandlung der gemeinschaftlichen Absatzge⸗ biete, insbesondere der Schweiz, abgeschlossen. Die Verbände in der Drahtindustrie verhandeln zur Zeit in London gemeinsam mit Industriellen des Auslandes; die Einladung zu dieser Kon⸗ ferenz ist, wie ich erfahre, von Amerika ausge⸗ gangen. Die Fabrikanten von Emailwaren suchen eine europäische Vereinigung zu schaffen, wo⸗ rüber die Verhandlungen sich im ersten Stadium befinden. Die Schienenvereinigung verständigt sich bekanntlich mit dem Auslande über die Auf⸗ träge auf dem Weltmarkt von Fall zu Fall.“ Deutsche Industriebarone in brüderlicher Ge⸗ meinschaft mit dem„Erbfeinde“ die politisch freie Schweiz in ein wirtschaftliches Joch zwingend — sollte das nicht ein famoses Motiv für Herrn Knackfuß sein? Freisinnige Märchen. O Eugen Richters Märchen von„Abkomman⸗ dierungen“ sozialdemokratischer Wähler im zweiten Berliner Reichstagswahlkreis nimmt seinen Weg durch die ganze gutgesinnte Presse. Der Urheber selbst weiß genau, daß Abkommandierungen der Wähler aus einem Kreis in den andern ganz unmöglich sind. Zur höheren Ehre seines verlrachten Freisinns muß aber Richter solche Märchen erfinden, und der Amtspresse ist natür⸗ lich, sobald es sich gegen unsere Partei richtet, selbst das Blödsinnigste gut genug, um es gegen uns auszuschlachten. Partei⸗Kongresse. Ein schlesisch⸗posenscher Parteitag fand Ostern in Görlitz statt. Aus den gedruckten Vorlagen, den Berichten der Redaktion und des Ver⸗ lages der„Breslauer Volkswacht“ und des Ver⸗ legers des Langenbielauer„Proletarier“ sei als ei bei de in Oberschlesi loch frisch im 3¹ Die Nati slare der Unt de Kassa nutden dopf ahzüge wurd Ueberwachung nulkammer v Kammern d glieder, die rator, der der Minister je ein Exemp ewa zwanzi minister. Und tro druckt det gtößere Abd ab zum gn Genenalstab. geht unzweif berräter, Fäl ktlarvte M. scigt wurde hie, Mitch fiheen Ger kächen. C Sil bald'e Neuer liber O0 cs neuen uses statt, ande N amokratische Heisel 1 beonderz d bertreten. 0 8 Helden! b neren! aul 5 Vullgh degli Aundetnehe le elst in dahrah fl ref liche ber daha, . — ende Aug. Nale uch igen eden wird Iger⸗ ibe⸗ ct“ ten, ser⸗ det Ge⸗ erbe⸗ über imal⸗ alten der ben sng „Die chen Wie etzten Le i 2 gra⸗ sind nente haft achen mus ater⸗ N In⸗ ochen bung geht, Frkf. chein zahl⸗ 1 an de ist nden, Ulsche über atzge⸗ osen. deln lellen Kon⸗ jusge⸗ suchen wwb⸗ adium ündigt ä 11 10 fret agend Herrn Amalie weiten i 11 the EL en der an) ue fac natül“ lichtet gegen Nr. 15. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 3. besonders wichtig folgendes hervorgehoben: In den Jahren 1895 bis 1897 sind 81 Prozesse gegen die„Volkswacht“⸗Redakteure durchgeführt worden; von diesen endeten 46 mit Verurtei⸗ lung, 35 mit Freisprechung. Erkannt wurde bei den Verurteilungen auf insgesamt 1 Jahr 7 Monate und 3 Wochen Gefängnis und 2375 Mk. Geldstrafe. Demgegenüber ist in den Jahren 1897— 1899 eine bedeutende Besserung eingetreten: in diesem Zeitraume wurden aber immerhin noch 33 Preßprozesse gegen die Redakteure der„Volkswacht“ anhängig gemacht, von denen 18 mit Verurteilungen, 12 mit Frei⸗ sprechung endeten, 3 noch nicht erledigt sind. Er⸗ kannt wurde bei den Verurteilungen auf 11 Monat Gefängnis, 4 Wochen Haft und 1500 Mark Geldstrafe. In 4 Jahren 114 Anklagen— das genügt und zeigt deutlicher als alles andere, welchen Kurs wir steuern. Den Verfolgungen entsprechend waren aber auch die Erfolge der Zeitung und der Partei. Beide schlesischen Blätter entwickelten sich vortrefflich und daß die Partei bei den letzten Reichstagswahlen gerade in Oberschlesien enorme Fortschritte machte, ist noch frisch im Gedächtnis. Zur Dreyfus⸗Affaire. Die Nationaldruckerei druckte achtzig Exem⸗ plare der Untersuchungsakten der Kriminalkammer des Kassationshofes. Alle Exemplare wurden doppelt nummeriert. Die Korrektur⸗ abzüge wurden in Gegenwart von drei, zur Ueberwachung ernannten Mitgliedern der Krimi⸗ nalkammer verbrannt. Die Präsidenten der drei Kammern des Kassationshofes, alle seine Mit⸗ glieder, die Generaladvokaten, der Generalproku⸗ rator, der Verteidiger, Kriegsminister Freycinet, der Minister des Auswärtigen Delcassé erhielten je ein Exemplar. Die nicht verteilten Eremplare, etwa zwanzig, sind unter Siegel beim Justiz⸗ minister. Und trotz dieser großen Vorsichtsmaßregeln druckt der Pariser„Figaro“ Tag für Tag größere Abschnitte aus den Untersuchungsakten ab zum großen Entsetzen der Fälscher im Generalstab. Aus dem Untersuchungsergebnis geht unzweifelhaft hervor, daß der als Landes⸗ verräter, Fälscher, Gauner, Zuhälter und Kuppler entlarvte Major Esterhazy vom Generalstab ge⸗ schützt wurde, also Mitschuldige im Generalstab hatte, Mitschuldige, die so oder anders bis zum früheren Generalstabschef de Boisdeffre hinauf⸗ reichen. Es wird Zeit, daß dem grausamen Spiel bald ein Ende gemacht wird. Neues Volkshaus in Brüssel. Ueber Ostern fand in Brüssel die Einweihung des neuen großen Volks⸗, Fest⸗ und Verkaufs⸗ hauses statt, wozu aus allen Provinzen des Landes Tausende von Anhängern der sozial⸗ demokratischen Partei und Korporationen in Brüssel erschienen waren. Auch das Ausland, besonders Frankreich, war durch Deputationen vertreten. Jaurès und Gerault Richard waren die Helden der Festtage. Von hunderten Häusern der inneren Stadt wehen rote Fahnen. Besonders eindrucksvoll war die Feier im großen Saale des Volkshauses unter dem Vorsitz Vanderveldes. Die ausländischen Abgeordneten hielten Ansprachen. Vandervelde entschuldigte Liebknecht und Bebel, die erst im Mai kommen können. Gerault Richard versprach, künftig für die Herstellung der Einigung der französischen Sozialisten zu wirken. Das Gleiche versprach Jaures. Die französischen Sozialisten, sagte er, hätten bisher mehr gelärmt als gearbeitet, sie müßten das belgische Beispiel nachahmen. Jaureès und Vandervelde küßten sich im Namen der Scozialisten beider Länder. Vandervelde sprach gegen die Knechtung der Finländer und forderte alle anwesenden Journa⸗ listen ohne Unterschied der Partei auf, für die Amnestie in Italien zu wirken. Eine große Straßendemonstration verlief gestern in guter Ordnung. . ĩ— kb... jrbeiter in Stadt und Land rüstet zur Malfeier! ueber Vverpflegungsstatienen. Ein Leser unseres Blattes schreibt uns: r. Die von dem bekannten Pfarrer v. Bodel⸗ schwingh- Bielefeld in den achtziger Jahren ins Leben gerufene„humanitäre“ Einrichtung der „Verpflegung mittelloser Handwerksburschen gegen Arbeitsleistung“, welche sich an⸗ fangs nur auf einzelne Orte in der näheren Umgebung des Wirkungskreises genannten Pfarrers erstreckte, ist heute wohl in ziemlich allen Gegen⸗ den Deutschlands eingeführt. Daß das Los der armen Reisenden durch diese Institution gebessert worden ist, wird niemand behaupten, der die Verhältnisse kennt. Während in früheren Zeiten, vor Errichtung dieser Verpflegungsstationen, der Reisende beim Zusprechen leicht einige Pfennige oder ein Stück Brot erhielt, wird er heute ledig⸗ lich an die Stationen gewiesen, ja es ist hier und da sogar behördlich den Leuten, die wirklich gern sonst etwas„steckten“, bei Strafe verboten, Gaben an Handwerksburschen zu verabreichen; sogar die Meister berufen sich vielfach auf die Verpflegungsstationen und drücken sich so um das sonst übliche Reisegeschenk herum, trotzdem gerade sie in erster Linie die Verpflichtung hätten, für die bedauernswerten Opfer der ungezügelten Lehrlingszucht, welche die Landstraßen bevölkern, zu sorgen. Mitte der achtziger Jahre, als Schreiber dieser Zeilen zuerst das„Vergnügen“ hatte, die Landstraßen treten zu müssen, kannte man die Ver⸗ pflegung gegen Arbeitsleistung, wenigstens im Süden Deutschlands, noch nicht. Da gabs in den meisten Orten ein Dorf⸗ oder Stadt⸗ geschenk von einigen Pfennigen oder auch eine Anweisung auf ein Mittag⸗ oder Abendessen mit Nachtlager, und der Handwerksbursche konnte nach dem Genusse desselben ungehindert weiter ziehen und wurde nicht durch Verrichtung einer mehrstündigen Arbeitsleistung an seinem weiteren Fortkommen gehindert. Heute dagegen wird dem Handwerksburschen, der nicht irgend einer ihn auf der Reise unterstützenden Organisationen au⸗ gehört und infolgedessen gezwungen ist, die Verpflegungsstationen in Anspruch zu nehmen, gewissermaßen seine bestimmte Marschroute an⸗ gewiesen; er unterstellt sich dadurch der Kontrolle der Behörden. Auf der ersten Station, welche er berührt, wird ihm ein sogen. Wanderschein ausgestellt, auf welchem die erfolgte Unterstützung durch Eindruck eines„Zinkens“(Stempels) bescheinigt wird und der ihm nunmehr den Leitern der Stationen gegenüber als Legitimation dient. Gewöhnlich liegen die Stationen drei, vier oder auch mehr Stunden auseinander, und der Hand⸗ werksbursche ist verpflichtet, nachdem er einmal den Anfang mit Inanspruchnahme der Ver⸗ pflegung gemacht hat, keine derselben zu über⸗ schlagen, da er sonst in den Verdacht gerät, seinen Unterhalt auf ungesetztiche Weise, also durch Betteln oder Stehlen— beides gleich schlimm— erworben zu haben. Fehlt einmal der Nachweis der in Anspruch genommenen Unterstützung von einem Tage, so wird der Reisende im günstigsten Falle von dem nächsten Stationsbeamten gehörig angeschnauzt— wenn's ihm nicht noch schlimmer ergeht—, sofern er nicht glaubhaft nachweisen kann, woher er das Geld zu seiner Selbstverpflegung genommen hat. Der wirkliche Handwerksbursche— und nur von diesem spreche ich hier, nicht von jenen durch andauernde Arbeitslosigkeit heruntergekommenen und schließlich durch das Elend auch arbeits⸗ unfähig gewordenen„Kommandoschiebern“, welche sich gewöhnlich nur innerhalb eines ge⸗ wissen Bezirks bewegen und sich lediglich durch Betteln ernähren, auch die Verpflegungsstationen aus triftigen Gründen nicht in Anspruch nehmen—, also der wirkliche Handwerksbursche reist natürlich, um sich Arbeit zu suchen, gleichviel ob er gezwungen oder vom Wandertrieb erfaßt auf die Landstraße ging Dieses Arbeitsuchen wird ihm durch die Inanspruchnahme der Verpflegungs⸗ stationen fast unmöglich gemacht, wie ich beweisen werde. Die Stationen liegen stets etwa eine Tagereise auseinander. Hat nun beispielsweise ein wandernder Arbeiter in Marburg Nacht⸗ verpflegung erhalten, so muß er am andern Morgen eine dreistündige Arbeit leisten, welche um 8 Uhr beginnt und um 11 Uhr endigt(im Sommer je eine Stunde früher). Er kann also die Weiterreise erst nach dem Mittags⸗ brot, sagen wir halb 1 Uhr, antreten. Nehmen wir an, er schlüge die Richtung nach Gießen ein. Bis dahin sind es 32 Kilometer, also über 6 Stunden, die er, wenn er ohne Aufenthalt marschiert, bis 7 Uhr„heruntergeholzt“ hat. Von Gießen aus weiter geht es natürlich genau so. Wo bleibt nun dem armen Teufel Zeit, sich nach Arbeit umzuschauen? Dies berück⸗ sichtigt natürlich die Polizei nicht, denn wenn der Handwerksbursche eine längere Reisezeit hinter sich hat, wird ihm eines schönen Tages der Prozeß wegen Landstreicherei gemacht und der „Vagabond“ ist fertig, denn wenn er einmal im„Kittchen“ gesessen und es gelingt ihm nicht, bald Arbeit zu finden, so dauert es nicht lange und er fliegt wieder hinein, und so fort bis zur letzten Etappe, dem Arbeits haus. Und nun zu der Frage: Steht die ge⸗ währte„Unterstützung“ in einem auch nur annähernden Verhältnis zu der geleisteten Arbeit? Ich sage: nein! Die Arbeitsleistung ist nicht überall die gleiche, aber sie dürfte für Nacht⸗ verpflegung nirgends weniger als drei Stunden betragen. Nehmen wir also drei Stunden an und rechnen wir die Stunde Arbeitsverdienst zu nur 25 Pfennig, so sind dies 75 Pfennig. Nun hat das Abendessen, gewöhnlich Pellkartoffeln mit Häring, einen reellen Wert von allerhöchstens 10 Pfennigen, das Nachtlager höchstens 20 Pfg., Morgenkaffee etwa 5 Pfennig,„Mittagessen“ 20 Pfennig, macht zusammen 55 Pfg., die sogenannte„Verpflegungs“⸗Station macht also an jedem armen Handwerksburschen noch einen Profit von ca. 20 Pfennigen. Dafür muß sich allerdings der Handwerksbursche auch von den Stationsleitern(die Verpflegungsstationen befinden sich zum größten Teil in den„Herbergen zur Heimat“) gebührend anschnauzen und mit „dummen Jungen“,„Lausejungen“ und ähnlichen Kosenamen regalieren lassen. Es sind ja nur „Vagabonden“,„Landstreicher“, also vogelfreies Gesindel!!— Wenn man nun wenigstens die gesunden und kräftigen Leute arbeiten ließe und den mit Gebrechen behafteten die Verpflegung ohne Gegenleistung gewährte, so würde man sich dies allenfalls noch gefallen lassen. Aber da wird keine Ausnahme gemacht. Vor einiger Zeit wurde in Marburg ein Handwerksbursche zum Holzsägen angespannt, dem der rechte Arm fehlte! Ist es schon traurig genug, daß ein derartig unglücklicher Mensch sich auf der Landstraße herumdrücken muß, so ist es doch geradezu ein Hohn auf den angeblich humanitären Charakter der v. Bodelschwinghschen Schöpfungen, selbst einen Einarmigen für die ihm gewährte minimale Verpflegung zum Holzsägen oder ähn⸗ lich schwerer Arbeit heranzuziehen. Damit will ich meine Betrachtungen über die Verpflegungsstationen schließen. Aus dem Gesagten aber wird jeder denkende Arbeiter die Lehre ziehen, wie notwendig es für ihn ist, in die bestehenden Fachorganisationen einzutreten und zu deren Stärkung beizutragen, damit diese in die Lage kommen, ihre Mitglieder in allen Lagen auskömmlich zu unterstützen und zu ver⸗ hindern, daß deren Arbeitskraft auch noch unter dem Deckmantel der Wohlthätigkeit in der trau⸗ rigsten Situation— auf der Walze— aus⸗ gebeutet wird. FFEEFEFFFFFFFFFCCCCCCCoooo Zestellungen auf die„Mitteldeutsche Sonntags- Zeitung“ werden jederzeit von unseren Spedi⸗ teuren entgegengenommen. Neu; hinzutretenden Abonnenten liefern wir die Osternummer nach. Rührt Euch, Parteigenossen! Es ist überall möglich, neue Abonnenten zu gewinnen. ——— —̃— 8 Seite 4. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 15. Ton Nah und Fern. Nittetilungen aus unserem Leserkreise find jederzeit willkommen Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissenbaftigke“t bei Uebermittelung von Nachrichten.— Wir bitten, ale zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben. Gautag der Buchdrucker. x. Eine Gauversammlung der Buchdrucker des Gaues Frankfurt⸗Hessen tagte in Gießen an den beiden Ostertagen im Café Cbel. Bum Gau gehören die Bezirke Frankfurt, Offen⸗ bach, Cassel, Gießen und Marburg. Anwesend waren insgesamt 30 Delegierte und der Gau⸗ vorstand. Laut dem Rechenschaftsbericht belief sich die Zahl der Mitglieder am Schluß des Jahres 1898 auf 973, hat gegenwärtig aber die Zahl 1000 überschritten. Die Gesamtorgani⸗ sation, Verband der deutschen Buchdrucker, zählt jetzt über 25000 Mitglieder. An Arbeitslose wurden im Gau während des Jahres 1898 7882 Mk. ausgezahlt; 15 Invaliden erhielten 5175 Mk. Unterstützung. An kranke Mitglieder wurde ein Zuschuß geleistet von 14870 Mk.; 45 Mitglieder die gemaßregelt waren, erhielten für 525 Tage Arbeitslosigkeit zusammen 1104 Mk. In 60 Druckorten haben 200 Firmen den zwischen Arbeitern und Arbeitgebern gemeinsam ausgearbeiteten Lohntarif anerkannt. Davon befinden sich 5 Firmen mit 45 Gehilfen in Gießen, 7 Firmen mit 41 Gehilfen in Marburg, je 1 Firma in Alsfeld, Lauterbach, Nidda, Schotten und Nauheim. Als Delegierter des Gaues zu dem in Frankfurt stattfindenden Ge⸗ werkschastskongreß wurde K. Dominé Frankfurt gewählt. Ein vom Bezirksverein Cassel gestellter Antrag, eine Witwen- und Waisenkasse zu er⸗ richten, wurde mit 20 gegen 10 Stimmen ab⸗ gelehnt. Der nächste Gautag findet Ostern 1902 in Offenbach a. M. statt.— Am Abend des 1. Feiertags hatten die Gießener Buchdrucker, soweit sie dem Verband der deutschen Buchdrucker angehören, zu Ehren der auswärtigen Delegier⸗ ten im Café Leib eine Abendunterhaltung arran⸗ giert, zu der die Vorstands mitglieder aller Gießener Gewerkschaftsorganisationen eingeladen waren und die den schönsten Verlauf nahm. Die prächtigen Liedervorträge des Bauerschen Gesangvereins, der in zuvorkommendster Weise seine Mitwirkung zugesagt hatte, wurden lebhaft applaudiert. Für das Arrangement der schönen Feier dankte im Namen der auswärtigen Gäste Kollege Dorschu⸗Frankfurt, in dessen zum Schluß ausgebrachtes Hoch auf den Buchdrucker verband begeistert eingestimmt wurde. * Die Maler und Weißbinder von Gießen und Umgegend werden am Sonntag, den 16. April im Orbigschen Lokale eine Ver⸗ sammlung abhalten, auf die auch an dieser Stelle mit dem Hinweis aufmerksam gemacht wird, daß es Pflicht aller Angehörigen der genannten Berufe ist, zu erscheinen.(Näheres siehe Inserat.) Diebstahl im Volksbad. * Am vorigen Samstag abend wurden im Gießener Volksbad einem Badenden aus seinem Portemonnaie 25 Mk. gestohlen. Derselbe hatte 5 Portemonnaie in das verschließbare Kästchen er Zelle gelegt und den Schlüssel in seine Westentasche gesteckt, hatte aber beim Verlassen des Bades vergessen, sein Portemonnaie aus dem Kästchen an sich zu nehmen. Als er zurückging, um das Portemonnaie zu holen, fand er das Kästchen verschlossen, auch das Portemonnaie noch in demselben, jedoch fehlten 25 Mk. des Inhalts. Gelegentlich der polizeilichen Untersuchung stellte sich heraus, daß sämtliche verschließbare Kästchen gleiches Schloß und gleiche Schlüssel haben und somit gar keine Sicherheit bieten. Flottenverein für Hessen. Das Großherzogtum Hessen wird demnächst mit einem über das ganze Land sich erstreckenden Flotten⸗ verein beglückt werden. Um einem„dringenden Be⸗ dürfnis“ zu entsprechen, wird natürlich auch Gießen einen Zweigverein bekommen. Wir verdenken es keinem Menschen, wenn er sich aus heller Begeisterung für die Marine und die Kolonialpolitik einem Flottenverein anschließt, weniger schön aber finden wir es, wenn man Mitglieder zu werben sucht in abhängigen Arbeiter⸗ und Unterbeamtenkreisen. Das ist aber schon vor einigen Wochen bei oberhessischen Eisenbahn— bediensteten geschehen. Es ist den Leuten nahe gelegt worden, ihren Beitritt zu dem„patriotischen“ Verein zu erklären, sie könnten das um so leichter, als der jährliche Mindestbetrag nur 50 Pfennig betrage. Welcher Arbeiter oder Unterbeamte wird derartigem Lockruf widerstehen, wenn er von einem„über“ ihm rangierenden Herrn ausgeht? So wie dereinst die Ottopfennige sür Bismarck aus den Kreisen der unteren Beamten herausgeholt wurden, so sollen wahr— scheinlich jetzt für den Wasserpatriotismus die„An— hänger“ aus denselben Kreisen„gewonnen“ werden. Um jedoch auch weitere Kreise für die Flottenvereine resp. die deutsche Marine, von der viele Menschen sich recht merkwürdige Vorstellungen machen, zu begeistern, soll, wie wir zuverlässig vernehmen, demnächst die Schwarzlach eine kleine Torpedoflottille erhalten.— Im nationalliberalen Verein ist auch schon die Frage erörtert, ob nicht die Wieseck schiffbar gemacht und ein Kanal von der Schwarzlach östlich nach der Wieseck, westlich nach der Lahn hergestellt werden könne. Auf diese Art könnten Kriegsdampfer- Rundfahrten eingerichtet werden Schwarzlach— Kanal— Wieseck— Lahn(stromauf)—-Kanal— Schwarzlach. Ein bekannter nationalliberaler„Civis“ in Gießen, der noch nach einigen Posten„strebt“, soll sich bereit erklärt haben, seine ganze freie Zeit der Verwirklichung des patrio— tischen Wasserprojekts zu widmen und später das Amt als Chef der Admiralität der Schwarzlach-Flotte zu übernehmen. Hipp— Hipp Hurra. Ein Anerscher Witz. * Das Gießener Aemterorgan druckt folgende Notiz nach: Ein außerordentlicher Parteitag der sozialdemo⸗ kratischen Partei für Westfalen ist in Hagen abge⸗ halten worden, der sich hauptsächlich mit den Dort⸗ munder Genossen und den bekannten Zwistigkeiten beschäftigte. Eine Resolution, in welcher das Ver— halten der Dortmunder scharf getadelt wird, wurde angenommen. Ueber Dr. Lütgenau äußerte sich Reichstagsabgeordneter Auer in folgender, kennzeich—⸗ nender Weise:„Er(Auer) sei nicht für die Prügel⸗ strafe, aber er würde nichts dagegen haben, wenn einer dem Lütgenau ein Dutzend aufzähle.“ Echt sozialdemokratisch! Wer eine andere Meinung zu haben wagt, als die Parteihäuptlinge, wird— „verhauen“. Wird verhauen! O, diese Spießer, die auch nicht das geringste Verständnis für einen ge⸗ diegenen Witz haben. Jedem Menschen, der sich auch nur oberflächlich mit Politik beschäftigt, ist bekannt, daß Auer einer der witzigsten Reichs⸗ tagsredner ist. Schade, daß Auer schon die „gekränkten Leberwürste“ erfunden hat, sonst müßte er sie jetzt nach dem Entrüstungsartikel des„Gieß. Anz.“ unbedingt erfinden. Wie stehts nun mit dem Hagener Witz Auers? Lütgenau hat bekanntlich s. Z. den dummen Streich gemacht, die Prügelstrafe unter gewissen Umständen für ein zweckmäßiges Strafmittel zu erklären. Nun sind durch die Quertreibereien Lütgenaus allerlei Krakehlereien in Parteikreisen entstanden, zu deren Beilegung Auer nach Hagen fuhr. Dort spricht er mit gar nicht mißzuver⸗ stehender Anspielung auf den Lütgenauschen Prügel⸗ artikel:„Ich bin nicht für die Prügelstrafe, aber u. s. w.“ Ein famoser Witz, der in der ganzen Partei belacht wird, über den aber in der Schulstraße blutige Thränen vergossen werden. Jawohl, blutige Thränen. Und Minz und Maunz die Kleinen, Die sitzen da und weinen; Miau! Mio! Miau! Mio! Und ihre Thränen fließen Wies Bächlein auf den Wiesen. Aus Klein⸗Linden. B. Kurz vor Ostern erschien im„Gießener Anzeiger“ ein Eingesandt, in dem aufgefordert wurde, Klein⸗Linden zu meiden, weil„Spazier⸗ gänger und Wageninsassen“ von der Dorfjugend belästigt worden wären. Steinwürfe, Scheumachen der Pferde ꝛc. wären dort an der Tagesordnung. Angenommen es hätten wirklich einige ungezogene Buben— deren giebt es auch anderswo— mit Steinen geworfen, so blieb doch noch zu unter⸗ suchen, ob nicht die Wageninsassen zuerst sich mit den Buben eingelassen und dieselben, gestützt auf„höhere Bildung“, durch Bemerkungen, wie sie sich„vornehme“ Leute auf den Dörfern gern leisten, zum Steinwerfen gereizt haben. Was sich„gebildete“ Leute, die mit ihrem Besuch die Dörfer„beehren“, häufig erlauben, ist geradezu unglaublich. Es dürfte kaum ein Dorf in der Nähe von Gießen geben, in dem nicht schon die größten Ungezogenheiten seitens„gebildeter“ Städter vorgekommen wären. Wollte man nun z. B. alle Gießener oder doch alle dor⸗ tigen Studenten verurteilen, weil einige „böse Buben“ unter ihnen fich hier und da flegelhaft benommen haben, so würden das die⸗ *—. 2—„— 0 jenigen, die sich frei von Schuld wissen, energisch das zurückweisen. Der„Gieß. Anz.“ aber, amtliche Organ, scheut sich nicht im geringsten, eine Zuschrift zu veröffentlichen, in der verlangt wird, Klein⸗Linden zu meiden, also die dortigen Geschäftsleute auf das schlimmste 3 schädigen. Welchen geringen Einfluß der„Gieß. Anz.“ auf seine Leser hat, ging daraus hervor, daß der Besuch unseres Ortes zu Ostern größer denn je war. Was im„Gieß. Anz.“ nicht als „amtlich“ gekennzeichnet ist, wird nicht ernst genommen seit den berühmten Nachrichten über den Kaiserempfang in Konstantinopel. Aus Alsfeld. a d. Eine Parteiversammlung findet Sonntag, den 16. April, mittags 12 Uhr, in Alsfeld bei Gastwirt Kemmer statt. Aus dem Inserat in heutiger Nummer ist zu ersehen, daß es sich Es wird um wichtige Angelegenheiten handelt. ganz besonders darum ersucht, daß aus den ver⸗ schiedenen Ortschaften die Genossen Vertreter ent⸗ Das gilt namentlich auch für Schotten. In unserem Kreise ist rührige Agitation not⸗ senden. wendig, deshalb ist es Pflicht aller Parteigenossen, nach besten Kräften mitzuhelfen. Alsfeld am 16. April! Der hessische Landtag wird am 18 April wieder zusammentreten. Auf der Tagesordnung stehen unter anderm folgende Punkte: 1. Vorstellung des Militär⸗Kriegs⸗ und Friedens⸗Invaliden⸗ Bezirksverbandes, die Pen⸗ sionsbezüge von Militär- Invaliden betreffend. (Berichterstatter Abg. Christ.) 2. Initiativ⸗Antrag von 12 Abgeordneten, das Beerdigungswesen in Rheinhessen betreffend. (Berichterstatter Abg. Dr. David.) 3. Antrag des Abgeordneten Ulrich, die Errichtung eines Landgerichts in Offenbach be⸗ treffend.(Berichterstatter Dr. Frenay.) 4. Antrag des Abgeordneten Schmitt und Genossen, die Kosten beim Eigentum s⸗ wechsel von Grundstücken betreffend.(Be⸗ richterstatter Abg. Metz.) 5. Vorstellung seitens der Gemeinden Ran⸗ stadt, Dauernheim, Ober⸗ und Nieder⸗Mockstadt, Staden, Stammheim ꝛc., die Erbauung einer Nebenbahn von Ranstadt nach Friedberg betreffend. (Berichterstatter Abg. Köhler⸗Darmstadt.) Eine Submissionsblüte! Bei der Vergebung der Erdarbeiten zum Kasernenbau in Torgau wurde für die Bewegung von 35 000 Kubikmeter Erdreich das Höch st⸗ gebot mit 57 750 Mk. und das Min dest gebot mit 11500 Mk. abgegeben.— Da schweigen alle Flöten! Der raffinierte Zuckergraf. *Die„Leipz. Volkszig.“ hat in ihrer Nummer vom 1. April(ö) folgendes famose Telegramm veröffentlicht: Rom, 1. April. Seine Heiligkeit der Papft hat den nationalliberalen Abgeordneten Paasche wegen der berühmten Reichstags⸗ rede über die alleinseligmachende Kirche zum päpstlichen Grafen ernannt. Er führt fortan den Titel: Conte de Zucchero raffi- nado(auf deutsch: raffinierter Zuckergraf). Unsere zahlreichen Marburger Leser werden dem zuckergräflichen Reitkünstler, der im Neben⸗ amt Professor der Nationalökonomie war, den neuen Titel von Herzen gönnen. Gewerkschaftskongresse. * Auch in der diesjährigen Osterwoche haben wieder zahlreiche Gewerschaften ihre Jahresver⸗ sammlungen abgehalten. Es tagten die Metall⸗ arbeiter und die Berg⸗ und Hüttenarbeiter in Halle, die Lederarbeiter in Halberstadt, die Handels⸗, Transport⸗ und Verkehrsarbeiter in Leipzig, die Pfefferküchler in Apolda und die in Holz⸗ bearbeitungs⸗Fabriken beschäftigten Arbeiter in Hamburg. Der letztgenannte Kongreß faßte den lobenswerten Beschluß, die Sonderorganisation aufzulösen und am 1. Juli 1899 die seitherige Mitglieder dem Holzarbeiterverband anzugliedern. Brandunglück in Stockhausen. * Aus Lauterbach in Oberhessen wird über ein furchtbares Brandunglück, das Stock⸗ Also auf nach onde 12 fegen rterei ul Ne legen 5 t gegen 47 fummen b worden.. gbiude 5 saht I. 0 ind ue unbegreifie eute Ge Küͤchengere fiche d Fweislung um Teil U schuchend Larofinger Wie das nicht festg bedeutende Brand ine Mark gese f Mit Brauerei Mubeitet Auf die! die Arbe und me während 20 Mk. nuß jet i i nützen, die am liebste den. We ihrn ger trinte bis Tropfen Neueste Scündlich asduft u. unden er Zucht Die g Sunnsc Llitter e Auf gende und Pen⸗ fend. leten, fend. „die h be⸗ und ms⸗ (Be⸗ Ran⸗ stabt, einer ffend, zum gung 10 gebot eigen mmer ramm der neten tag zum ortan ff f 8 graf. erden jeben⸗ den haben el ul tet in dels 1 di l 0 in 6 den ao herige dern. vild to Nr. 15. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 5. hausen am Mittwoch vor Ostern heimgesucht hat, berichte: Das Feuer brach gegen 10 Uhr im Hause des Bäcker Kimpel aus und griff bei dem herr schenden Weststurm mit rasender Schnellig⸗ keit um sich Von Haus zu Haus, von Dach zu Dach sprang die Flamme über, im Nu brannte der ganze anstoßende Häuserkomplex, bald war das Anwesen der Frau Meiski, worin sich die Postagentur besindet, erreicht, dann die Ober⸗ försterei und schließlich stand gleichzeitig der ganze diesseits des den Ort durchfließenden Wassers gelegene Teil des Dorfes in Flammen, eine un⸗ geheure Glut erzeugend und mächtige Rauchwolken gegen Himmel sendend. 23 An wesen mit zu⸗ sammen 60 Gebäuden sind vernichtet worden. Kirche, Pfarrhaus und die beiden Schul⸗ gebäude— letztere eine Zeit lang sehr in Ge⸗ fahr—, sowie das Schloß und die Hofgebäude sind unversehrt. Die Brandstätte bot heute ein unbegreiflich trauriges Bild dar: überall zer⸗ streute Gegenstände, Möbel, Kleider, Betten, Küchengeräte ꝛc. in wüstem Durcheinander, da⸗ zwischen die Menschen zum Teil in wilder Ver⸗ zweiflung händeringend sich das Haar raufend zum Teil resigniert oder schmerzlich vor sich hin⸗ schluchzend und in die Flammen starrend. Ein Langfinger wurde von Gendarmen abgeführt. Wie das Feuer entstanden ist, konnte vorläufig nicht festgestellt werden. Der Schaden, der viel bedeutender als der bei dem vorjährigen großen Brand in Salzschlirf ist, wird auf etwa/ Million Mark geschätzt. Bierkrieg in Frankfurt. *Mit den streikenden resp. ausgesperrten Brauereiarbeitern in Frankfurt haben sich die Arbeiter aller Nachbarorte solidarisch erklärt. Auf die Flunkereien der Brauereibesitzer, die für die Arbeiter Durchschnittslöhne von 30 und mehr Mark„herausgerechnet“ hatten, während die Braner nur einen Minimallohn von 26 Mk. verlangen, fällt niemand hinein. Es muß jetzt den Frankfurter Ringbrauern, die wohl für sich das Recht der Vereinigung aus⸗ nützen, die Organisationen„ihrer“ Arbeiter aber am liebsten vernichtet sähen, Mores gelehrt wer⸗ den. Wer die Frankfurter Brauereiarbeiter in ihrem gerechten Kampfe unterstützen will, der trinke bis zur Beilegung des Konflikts keinen Tropfen Frankfurter Ringbier. Ein Schildbürgerstreich. Neuestes Extrablatt! Schauderbare Blutthat!! Schändliche Morithat!!! Ein Arbeitswilliger ersäuft und gerädert!!!! Allerneuestes vom sozialdemokratischen Terrorismus!!!!! Ran mit der Zuchthausvorlage!!!!!! Die agrarische„Deutsche Tageszeitung“, die Stummsche„Post“ und ähnliche geistesgewaltige Blätter entnehmen der„Deutschen Zeitung“ des in Antisemitismus machenden Friedrich Lange in strampelndem Entzücken folgendes schaurig⸗ schöne Material zur Zuchthausvorlage: „Einen unglaublichen Vorfall berichtet das „Liebenw. Kreisbl.“ aus Doms dorf(). Danach unternahmen drei etwa 16 jährige Burschen aus Schilda(1) eine ruchlose That an dem gleichaltrigen K. deshalb, weil dieser ihrem Verlangen, die Arbeit auf Grube „Luise“ zu kündigen, nicht nachkam. Zuerst versuchten sie ihr Opfer im sogen. Fluther(ö) zu ertränken. Als dies nicht gelang, fesselten sie ihm die Hände und Füße und warfen ihn auf die Schienen der Doms⸗ dorf⸗Beutersitzer(1) Grubenbahn. Wäre es dem K. nicht möglich geworden, sich unter furchtbaren Anftrengungen zu befreien, und hätte der Kohlenzug nicht Verspätung gehabt, so wäre der Aermste unrettbar ver⸗ loren gewesen. Man sieht, wie die Lehre der Sozialdemokratie bei den jüngsten ihrer Anhänger Schule macht.“ Der Haß gegen die Sozialdemokratie hat die Scharfmacher blind gemacht. Auf die faulsten Witze fallen sie hinein. Die Meldung über den Arbeiter⸗Terrorismus kommt aus— Doms dorf. Wie dumm! Die 16 jährigen Burschen sind aus — Schilda, der Heimat der weltberühmten Schildbürger. Und in einem Fluther wollten sie den Aermsten ertränken. Ein Fluther ist ein hölzernes Gefäß, in dem keine Maus ertrinken kann. So ist selten eine Zeitung hineingefallen, wie die oben angeführte. Aus den Kriegervereinen. Gegenüber den Bestrebungen der Rückwärtser, freiheitsfeindliche Parteipolitik in die Kriegerver⸗ eine hineinzutragen, ist folgendes Schreiben von Interesse, das ein alter Krieger in Mühlheim a. Rh., dem im Sturm auf St. Privat die rechte Hand zerschossen wurde, in den Zeitungen veröffentlicht. Es heißt darin:„Viele unserer Kriegervereine bestehen ja gar nicht aus Kriegern, oder doch höchstens zu einem Drittel. Junges Strebertum drängt sich in die Kriegervereine, um durch einen gewissen Hurrah⸗ patriotismus bei den Behörden zu Gunst und zu Ansehen zu kommen. Seit der neue Orden — die Zentenar⸗Medaille— in Massen verteilt worden ist, glaubt jeder Reservist und Landwehr⸗ mann, der in dem Schmucke dieses Ordens strahlt und strebt, sich uns Veteranen gleichberechtigt. Junge Bur schen, die eben alt genug sind, um Hurrah zu schreien, führen in den Kriegervereinen das große Wort. Wir wirklichen alten Krieger haben genug an unseren Narben und Wunden. Wir bedürfen des Hurrahschreiens nicht, um unsere Vaterlandsliebe zu bekunden. Uns ekelts, wenn wir, die wir freiheitlich denken und fühlen, von Kriegervereinswegen bei den Wahlen mißbraucht werden, um konservative Wahl:nmache im großen Stile zu treiben. Heimkehr der„Bulgaria“. Die„Bulgaria“ ist am 1. April vormittags halb 10 Uhr in Hamburg angekommen. Die Hamburg⸗Amerika⸗Gesellschaft hat einen wirksamen Begrüßungsakt inszeniert. Eine ganze Reihe fest⸗ lich beflaggter Dampfer zogen dem Schiff bis Blankenese entgegen, stiegen dann auf die„Bul⸗ garia“ über, dort gab es diverse Festreden, dann Verteilung von Orden und Geldgeschenken, unter anderen erhielt Kapitän Schmidt 15000 Mk.; dann erfolgte die Fahrt zur St. Pauli⸗Landungs⸗ brücke, wo sich eine große Volksmenge angesammelt hatte. Um 1 Uhr wurde dann die Bemannung ins Rathaus und in die Börse geführt, um dort die offizielle Begrüßung über sich ergehen zu lassen. Die braven Seeleute wurden mit Recht als Helden gefeiert, sie haben das Aeußerste ge⸗ leistet. Wie aber, wenn es ihnen nicht gelungen wäre, das Schiff zu retten? Wenn sie versunken wären in das Wellengrab, gleich Tausenden ihrer Kollegen? Dann wären die Frauen und Kinder dieser Leute, die man jetzt als Helden feiert, dem Elend preisgegeben gewesen. Denn die Seemanns⸗ witwe wird nicht genügend unterstützt. Hier ein⸗ zusetzen und gründlich Wandel zu schaffen, ist besser als ein einmaliger Festjubel in solchen Fällen wie der vorliegende. Auch vaterlandslose Gesellen? * Eine Handelskorrespondenz der„Frankf. Ztg.“ vom Niederrhein lautet trocken: „Nachdem in der Eisenindustrie zahl⸗ reiche Verbände gebildet worden sind, geht man an den weiteren Ausbau. Aus dem Halbzeug⸗ verbande ist ein Halbzeug⸗ und ein Träger⸗ syndikat entstanden und das Trägersyndikat hat durch die süddeutsche Verkaufsstelle ein Kartell mit Frankreich über die Be⸗ handlung der gemeinschaftlichen Absatzgebiete, insbesondere der Schweiz, abgeschlossen. Die Verbände in der Drahtindustrie ver⸗ handeln zur Zeit in London gemeinsam mit Industriellen des Aulandes; die Ein⸗ ladung zu dieser Konferenz ist, wie ich erfahre, von Amerika ausgegangen. Die Fabrikanten von Emailwaren suchen eine euro⸗ päische Vereinigung zu schaffen, worüber die Verhandlungen sich im ersten Stadium befinden. Die Schienenvereinigung ver⸗ ständigt sich bekanntlich mit dem Auslande über die Aufträge auf dem Weltmarkt von Fall zu Fall.“ So vereinigen sich die Kapitalisten inter⸗ national, um den Konsumenten bequemer und erfolgreicher das Fell über die Ohren ziehen zu können. Trotzdem sind diese Leute natürlich gute Patrioten, die bei jeder Gelegenheit über die vaterlandslose, internationale Sozialdemokratie losdonnern. Kein Mensch zweifelt an dem Pa⸗ triotismus des Herrn Krupp, der seine Mord⸗ werkzeuge an Deutsche und Franzosen, Engländer und Amerikaner, Russen und Italiener, Spanier und Türken, Ungarn und Rumänen, und Gott weiß an wen noch alle verkauft. Aber wenn die Arbeiter, die von dem internationalen Kapital in allen Ländern mit kapitalistischer Produktionsweise gleichermaßen ausgebeutet wer⸗ den, sich nun auch international zu organisieren versuchen, dem internationalen Geldsack die inter⸗ nationale Proletariersolidarität gegenüberstellen wollen, dann wird über vaterlandslose Gesellen geschimpft und nach Ausnahmegesetzen gerufen, Sei's denn. Die Proletarier aller Länder rüsten bereits zur zehnten Maifeier. Unser wird der Sieg sein trotz alledem. Arbeiterbewegung. * Auf der vierten Generalversammlung des Deutschen Metallarbeiterverbandes stimmten bei namentlicher Abstimmung 108 für, 29 gegen die Einführung der Arbeitslosen⸗ unterstützung. Das ist ein sehr erfreulicher Beschluß. Zwar wird der Metallarbeiterverband nunmehr seine Beiträge erhöhen müssen, aber er kann auch seinen Mitgliedern weit mehr bieten als seither. Das sollte sich jeder Metallarbeiter, überhaupt jeder Arbeiter sagen: die Beiträge, die du dem Verband vorenthältst, mußt du doppelt und dreifach an den Unternehmer zahlen. Partei⸗Nachrichten. Versammlungs⸗Kalender. Dienstag, den 11. April: Gewerkschaftskartell abends 9 Uhr bei Orbig. Sonntag, den 16. April: Maler und Weißbinder von Gießen und Umg. nachmittags 1 Uhr bei Orbig. Alsfeld. Eingegangen beim Mk. 4.20(Versteigerung). Zur Feier des 1. Mai. Es ist dringend notwendig, daß sich die Genossen derjenigen Orte im 1. hessischen Wahlkreise, welche eine Maifeier veranstalten wollen und einen Redner bean⸗ spruchen, sofort an Gen. Bock, Gießen, Dammstraße wenden. Vertrauensmann Briefkasten der Expedition. Quittungen. B. Hbch. 4.—. Kl. Rdgn. 8.—. H. Schm. 26.40. Al. Schpf. 2.40. Lcht. Gbg. 11.60. Shs. G. 27.—. P. Bchner. 1.90. B. Dbg. 4.40. B. Btzbg. 4.—. K. H.—.40. H. H. 3.60. B. Ggn. 1.80. K. Nfstd. 6.60. Th. R. 4.—. M. Kbch. 6.80. H. Mbg. 1.—. A. Wmr. 3.—. 3. Sch. 2.40. Sg. Weck. 27.60. Sch. Wmstr. 7.80. Pf. Wbn. 5.60. Bch. Sch. 1.—. St. G.—.75. D. Abck. 9.80. S. Hchhm. 2.—. Sg. Hchst. 2.—. Gge. Hbgn. 8.—. Br. Mbg. 78.40. Th. Rdth. 1.20. Schw. Ggn. 1.80. R. G. 1.20. P. Ab. 14.—. L. Dthfr. 3.40. Wbch. Rdgn. 4.—. Kr. G. 10.—. M. G. 57.50. Kl. Wbg. 2. Rbtz. Eschw. 10.—. Ce ate Nachrichten. Der bayerische Bauernbund dürfte vor dem Zusammenbruch stehen. Der Führer des⸗ selben, Wieland, hat seinen Posten nieder⸗ gelegt. Der bayerische Bauernbund, der sich von der Führung der katholischen Geistlichkeit frei zu machen suchte und gegen das Zentrum heftig an⸗ kämpfte, hatte von Anfang an mit den Eifer⸗ süchteleien unter den Führer zu leiden. Der Parteitag der Sozialdemokraten Sachseus hat mit 58 gegen 21 Stimmen den Beschluß gefaßt, sich an den Landtagswahlen zu beteiligen. Die Abonnentenzahl der sächsischen Parteipresse ist binnen Jahresfrist von 57 000 auf 72 000 gestiegen. Der württembergische Parteitag war von 238 Delegierten besucht. Es wurde be⸗ schlossen, ein Wochenblatt für die ländliche Be⸗ völkerung zu begründen. eee e 2 Wir machen nusere Leser an dieser Stelle auf die unserer heutigen Auflage bei⸗ liegende Preisliste der Kölner Konsum⸗Anstalt (C. F. Hackenberg) besonders aufmerksam. Die Expedition. —— ——— —— —— Seite 6. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 15. 0——— 2 DSS SSS Seeed gene unterhaltungs⸗CTeil. N Der Zukunft Krone. Von Klara Müller“ Dem Mann der Arbeit— und ob er schwingt Die Axt in der nervigen Rechten, Und ob er das Gold aus der Erde ringt, Aus des Bergwerks dämmernden Schächten, Ob er lehrt und schafft und die Feder hält Und den Meißel führt,— ihm gehört die Welt, Ihm gehört der Zukunft Krone! Wir haben gebeugt in Fron und Joch Den trutzigen Nacken lange,— Und heimlich glühte das Herz uns doch Bei des Hammers ehernem Klauge. Der Schweiß, der nieder die Stirn uns rann, Er adelt uns alle, Weib und Mann, Und giebt uns der Zukunft Krone. Wir wollen kein feiges, kein halbes Geschlecht, Kein tröstendes Wort, uns zum Hohne: Wir wollen für jeden sein heiliges Recht, Für jeglichen Arbeit, die lohne— Und Freude, wo brennend die Thräne jetzt fällt, Und Frieden der ganzen, der seuszenden Welt— Und dem Volke der Zukunft Krone! * Aus„Mit roten Kressen“.(Verlag von Baumert und Ronge, Großenhain.) vom Stamm gerissen. 14 Roman von E. Langer. Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) Oettinger wäre spät in der Nacht sehr ver⸗ stört nach dem„Blauen Engel“ zurückgekehrt, den er zu Pferde gegen Abend verlassen, und hätte, indem er seine Rechnung berichtigt, sich bei Röpke, dem Wirt, nach dem Bürgermeister⸗ amt erkundigt, als plötzlich zwei Gendarmen er⸗ schienen wären, die ihn verhaftet und ins Poli⸗ zeigefängnis abgeführt hätten. Dies stimmte genau mit der Wahrheit überein. Heute früh vor den Bürgermeister geführt, welcher der Wichtigkeit der Sache sogar seine Feiertagsruhe geopfert, hatte Oettinger die Er⸗ klärung abgegeben, daß er in der Selbstver⸗ teidigung von seiner Waffe Gebrauch gemacht und in der Absicht nach Neukirch zurückgekehrt sei, den Fall selbst zur Anzeige zu bringen. Das würdige Stadtoberhaupt nahm diese Er⸗ klärung indessen mit sichtlichem Unglauben auf und kündigte Oettinger an, daß er ihn sofort nach dem nächsten Bezirksgericht transportieren lassen müßte. Und so war denn Oettinger noch vor Anfang der Kirche, damit den gottesfürch⸗ tigen Einwohnern das erbauliche Schauspiel nicht verloren ging, wie ein gemeiner Verbrecher mit gefesselten Händen auf einem Leiterwagen und in Begleitung eines Gendarmen durch die ver⸗ blüffte Menge zur Stadt hingefahren. Einige Schreier und Pfeifer wurden von Leuten, die Oettinger reden gehört hatten und respektvoll den Hut vor ihm zogen, zur Ruhe verwiesen. Als nun der Arzt und Valeska vor dem Gasthause hielten, sammelte sich schnell ein Haufen Neugieriger um den Wagen, denn an dem Doktor sah man, woher sie kamen, und das Gerücht munkelte auch etwas von einer Dame, welche hinter der Affaire stecke. Das mußte diese auf alle Fälle sein. Jeder wollte sie sehen, und das Gedränge um den Wagen ward so stark, daß der Doktor mit einem Heiligenkreuzdonnerwetter den in der Thür erscheinenden Wirt aufforderte, Raum zu schaffen. Herr Röpke hatte die Dame schon öfter in Begleitung der Fräulein von Kries gesehen und bahnte ihr dienstfertig mit gehörigen Püffen nach rechts und links den Weg ins Haus. Als Valeska die mit Wein⸗ und Bierdünsten rfüllte und überheizte Gaststube betrat, wäre sie beinahe in Ohnmacht gesunken, aber sie besaß b gewaltige Selbstbeherrschung. über. „Können Sie der Dame eine anständige Stube geben?“ fragte der Arzt, der hinter ihr eingetreten war. „Gewiß, Herr Doktor. Es ist eben eine frei geworden, die beste. Aber die möchte ich doch lieber der Dame nicht geben.“ „Warum nicht?“ „Weil der vermaledeite Sozialdemokrat, der doch heut Nacht das Verbrechen begangen hat, darin logiert hat.“ a „Was faseln Sie da—“ begann der Arzt, aber Valeska fiel ihm ins Wort. „Wo ist der Herr, der dort logiert hat?“ fragte sie in gebieterischem Tone. „Festgenommen und heut Morgen nach M. transportiert.“ „Wie? nicht mehr hier— nicht in Neukirch?“ sie trat einen Schritt auf Röpke zu und es war, als ob ihre Augen aus den Höhlen springen wollten. Röpke wich schüchtern zurück. „Reden Sie, Röpke,“ befahl Doktor Zöllner. „Wie ist das gekommen?“ „Ich weiß nichts, Herr Doktor, als daß der Herr, gleich als er nach Hause kam, verhaftet wurde und daß er vom Bürgermeisteramt aus auf einem Leiterwagen, von einem Gendarmen begleitet und—“ er umspannte abwechselnd sein rechtes und linkes Handgelenk mit einem be⸗ deutungsvollen Blick gegen den Arzt— er wagte nicht weiter zu reden. „Was, was?“ fragte Valeska, welche die Pantomime bemerkt hatte, von höchstem Entsetzen ergriffen.„Soll das heißen, daß man ihn ge⸗ fesselt hat? Mann, reden Sie!“ „Ja,— ja leider, gnädiges Fräulein.“ Valeska schwankte; Totenblässe bedeckte ihr Gesicht, die Augen schlossen sich. Schon hatte der Arzt sie im Arm und befahl Wasser und ein Glas Portwein. Sie erholte sich, noch ehe beides gebracht war. „Gefesselt,“ war ihr erstes Wort, das schmerz⸗ lich klagend über ihre Lippen kam und dem ein krampfhaftes, tränenloses Schluchzen folgte. Doktor Zöllner hatte lange kein so inniges Mitleid empfunden, wie mit diesem, ihm vor wenigen Stunden noch fremden Mädchen. Er zwang ihr etwas Wein auf und tröstete sie, wie er es in dieser Situation vermochte. Es würde sich aufklären, Oettingers Unschuld an den Tag kommen. Man hätte vorschnell gehandelt, aus Parteileidenschaft. Der Bürger⸗ meister wäre ein verbissener Konservativer. Hätte schon die Versammlungen mit scheelen Augen angesehen und wäre jetzt erklärlicherweise ganz außer sich geraten. Valeska starrte mit großen Augen vor sich hin. „Das Zimmer hier brauche ich jetzt nicht mehr,“ fuhr sie plötzlich auf.„Wo ist der Wirt? ich muß sofort einen Wagen haben“ Herr Röpke hatte sich im Hintergrunde ge⸗ halten und trat nun wieder vor. „Einen Wagen, heut am zweiten Feiertag, das wird schwer halten,“ wandte er ein. „Es wird nur mehr kosten,“ sagte Valeska rasch,„darauf kommt es nicht an. Nur schnell. Oder geht eine Post dorthin?“ „Ja wohl, meine Dame, aber erst Nachmittag.“ f„Das kann mir nichts nützen, ich muß gleich ort.“ „Also, Röpke, sehen Sie zu, daß innerhalb einer halben Stunde ein Wagen vor der Thür steht,“ sagte der Arzt in entschiedenem Tone. „Nur nicht viel Redensarten. Die Dame ist die Braut von Herrn Oettinger, der keineswegs ein Verbrecher ist; sie hat die Beweise, und muß zu ihm. Machen Sie rasch.“ Valeska sah den Arzt dankbar an, der sein Taschenbuch hervorzog, ein Blatt herausriß und zu schreiben begann. „Ich will Ihnen nur ein Paar Zeilen an einen mir bekannten Rechtsanwalt mitgeben,“ sagte er.„Sind Sie genügend mit Geld ver⸗ sehen?“ fragte er nach einer Weile, wie bei⸗ läufig. Es ging vor⸗ „Fürs Erste, ja; nachher werde ich das Nötige verdienen.“ „Gut. Lassen Sie sich nach dem„Schwarzen Adler“ fahren. Es ist ein solides, anständiges Hotel,“ fuhr Doktor Zöllner während des Schreibens fort.„So, und nun muß ich Sie leider verlassen. Meine Patienten warten auf mich. Trinken Sie noch einen Schluck Wein, Sie haben heut gewiß noch nichts genossen. Zwingen Sie sich auch, einen Bissen zu essen. Das Schlimmste schaut sich besser an, wenn das Tier im Menschen befriedigt ist. Aha, da sind Sie ja, Röpke. Nun, wie schauts aus?“ „Wird gleich vorfahren, Herr Doktor, ist eine gute Halbchaise auf Federn.“ „Na, sehen Sie. Es geht alles in der Welt und es geht oft weit besser als man glaubt,“ sagte er in ermutigendem Tone, der mehr Valeska als dem Wirt galt.„Nun bringen Sie mal noch schnell etwas kalten Braten und Weißbrot. Auch einen Bogen Papier zum Einwickeln, unterwegs schmeckts vielleicht besser. Und hören Sie, Sie sorgen mir dafür, daß die Dame unbelästigt in den Wagen kommt. Ich muß jetzt gehen. Was bekommen Sie?“ Er bezahlte die Rechnung und reichte dann Valeska beide Hände zum Abschied. Sie legte die ihrigen mit tränenfeuchtem Blick hinein und konnte nur:„Dank, Dank,“ stammeln. Auch des Doktors Augen warden feucht. „Hoffen Sie, armes Kind, und erinnern Sie sich, daß Sie an mir einen Freund haben.“ Er legte die Rechte väterlich auf ihr Haupt, wandte sich kurz und schritt hinaus. Valeska saß unbeweglich wie ein Steinbild da, bis der Wagen angekündigt wurde. Dank der Fürsorge des Doktors, ging das Einsteigen glatt von statten. Wohl geborgen in der Wagenecke sitzend, fuhr sie, ohne auf die tiefen Bücklinge des Wirtes zu achten, auf dem⸗ selben Wege von dannen, den der Geliebte vor wenigen Stunden unter so schmählichen Umständen gefahren war. IX Ueber drei Wochen schwebte das Leben des Herrn von Kries in höchster Gefahr. Dann aber trat in seinem Zustand eine günstige Wen⸗ dung ein. Das heftige Wundfieber, in dem ihn die wildesten Phantasien verfolgt hatten, ließ nach, die Heilung der Wunde schien einen nor⸗ malen Verlauf zu nehmen. Eines Morgens erwachte er mit freiem Kopf. Es war so still um ihn, so feierlich still wie in einer Kirche. Hatte er nur im Traum ein be⸗ ständiges Brausen und Rauschen und Knattern gehört, oder war es nur augenblicklich verstummt? — Jemand schlich heran und sah um die Ecke des Schirmes, der sein Bett umstand. Es war Frau von Kries, der seinen ersten ruhigen Schlummer, von dem sie eine wohlthätige Wirkung erwartet, gehütet hatte. Von Zeit zu Zeit sah sie nach, ob er erwacht sei. „Marie!“ flüsterte der Kranke und machte eine Bewegung, als ob er die Hand ausstrecken wollte. „Hsch, hsch!“ machte seine Gattin, trat näher und beugte sich vor Freude errötend über ihn. „Du erkennst mich?“ Ein inniger Blick antwortete ihr, und sie kniete neben dem Bette nieder und weinte selige Tränen auf seine Hand, während die andere auf ihrem Haupte ruhte. Auch während seines bewußtlosen Zustandes hatte er nur sie um sich haben, höchstens noch Agnes in seiner Nähe dulden wollen, und mit letzterer hatte Frau von Kries sich in die Kranken⸗ pflege geteilt. Fräulein Adele war keine gute Krankenpflegerin. Sie besaß weder Hingebung, noch Langmut, noch Opferfähigkeit, und ihre Liebe zum Bruder entsprang nur geschmeichelter Eitelkeit. Rosa hatte im ganzen den Charakter der Tante, und wiewohl beide beständig aufein⸗ ander stichelten, stimmten ihre Neigungen doch überein. Auch Rosa war nicht zur Samariterin geboren, und alles was sie an Gefühl besaß, verschwendete sie in zärtlichen oder schmollenden Billets an ihrem Bräutigam. (Fortsetzung folgt.) ——— Besche Wund Vesche Er sei S2 — 0 SGG S — 2— le m te 5 See e Or 1 an n⸗ hn 5 r⸗ f be⸗ n I ie lige nit en⸗ jule I ihre tel tet ein⸗ dc il 0 Nr. 15. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 7. * Sprüche zur Lebensweisheit. Prinzip und Charakter. Zwei Güter sollst du als die höchsten schätzen. Nie sollst du sie, nie laß sie dir verletzen: Hoch halte dein politisches Prinzip, Verleug'n es niemals Gold und Gunst zu lieb. Wahr den Charaktermannhaft. Nicht von Massen, Von Großen nicht sollst du ihn beugen lassen. Lebst Du auch dürftig, ungeehrt, in Leiden: Du bist doch reich und 1 durch die beiden. Wer keine 2 85 hat, 155 Humoristisches. Grabschriften aus den österreichischen Alpen ländern. In Axams auf einem Grabe: „Allzufrüh den Seinigen mähte der Herr den Lebensstengel dieses Mannes ab.“ Auf einem Grabstein in Tux: „Zur frommen Erinnerung im Gebete an die ehr⸗ same, 40 Jahre lange Wittwe Anna Kreidl.“ Marterl an einer Mühle im Taufererthal: „Christliches Andenken an.. der ohne mensch⸗ liche Hilfe ums Leben gekommen ist. 4 Herren-Insel auf einem Grabstein: In Zirl im Oberinnthal: „Hier fiel Jakob Hosenknopf Vom Hausdach in die Ewigkeit.“ Auf dem Grabe einer Frau am Brenner: „Thränen können Dich nicht mehr zum Leben zurückrufen, darum weine ich.“ ä—æqà———U———— Neu eingelaufene Schriften. Besprechung wichtigerer Erscheinungen behalten wir uns vor. Die Sozialistischen Monatshefte(Verlag: Berlin W., Gleditsch⸗ Str. 23) haben soeben das dritte Heft ihres 5. Jahrgangs erscheinen lassen. Aus dem reich— haltigen Inhalt heben wir hervor: Alexis Neaow: Plechanow versus Ding an sich.— Gertrud Da vid. Ist keiner Freunde wert. Wer keine Neider hat, Ist selten nur geehrt. * Bescheidenheit!— Ja, wenn sich die Wunderlich erwiese. Bescheiden meint manch großer Zwerg, Er sei ein kleiner Riese. „Hier ruht in Gott F. K., 26 Jahre lebte er als Mensch und 37 Jahre als Ehemann. 2 Marterl im Stubaithal: (Mit dem Bilde eines verunglückten Fuhrmannes.) „Der Weg in die Ewigkeit Ist doch gar nicht weit. Um 7 Uhr fuhr er fort Um 8 Uhr war er dort.“ Die Konsumgenossenschaft und die sozialistische Theorie. Adolf von Elm: Die Hamburger Genossenschaft. Revuen. Der Preis des elegant ausgestatteten Heftes beträgt 50 Pfennig, pro Quartal 1.50 Mk. Zu be⸗ ziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten. Die Neue Zeit. Revue des geistigen und öffent⸗ lichen Lebens, Stuttgart, Dietz' Verlag. Heft 27.— Einzelheft 25 Pfg. Durch die Post oder Buchhandlung bezogen pro Quartal 3.25 Mk. Für jeden Politiker die ist Neue Zeit unentbehrlich. 9008 richteten grossen Geschäftshause, ein 2222232 grosses Sortiments-Geschäft für sämtliche Manufaktur-, Modewaren, Konfektion, Kurz-, Weiss-, Wollwaren, Wäsche, Putz etc. etc. Verkauf zu konkurrenzlosen Preisen. Kaufhaus F. Leitzow& Co., Giessen. SO 9988899998929 2 29225299929 „ Mitte April. eröffnen wir am hiesigen Platze, Marktstrasse No. 17, Ecke Rittergasse, in dem für diesen Zweck eigens er- eee Nonf! Markus Bauer, Anfertigung nach Maß in eigener Konfirmanden Anzüge in Tuch, Buckskin und Kammgarn von 9 bis 25 Mark. ie ßen,; Kirchenplatz JJ. Werkstätte. a Koch, Uhrmacher 2 Gießen, Neuen Bäue 5 ——(„Kühlen Grund“) empfiehlt sein reichhaltiges Lager in Taschenuhren, Begulateure, e Weckeruhren, Broschen, Ohrringe Ahr⸗ ketten u. s. w. zu wirklich billigen Preisen. Umtausch Beste Qualitäten. * gerne gestattet. Streng reelle Bedienung. An Abonnenten dieser Zeitung portofreie Zusendung. Für Arbeiter und Landleute empfehle mein reichhaltiges Schuhwarenlager. Konfirmandenstiefel in jeder Preislage und reicher Auswahl, Arbeitsschuhe und Stiefel. Sonntagsstieiel, sowie alle sonstigen Schuhwaren in den besten Qualitäten zu billigsten Preisen. Aniertigung nach Mass sowie Reparaturen werden in eigener Werkstatt rasch, gut und billig ausgeführt. Markistr. 34 Justus Benner Marktsr. 34. Fur 550 bei mir gekaufte Uhr 2 Jahre schriftliche Garantie. 1 Versandt nach Auswärts. C. Freudenstein Nachf. Marburg Ritterstraße Filiale güde empfiehlt ff. Speck, fett, 60 Pfg., ff. Hpeck durchwachsen 65 Pf. ff. Vorderschinken 55 Pfg., ff. Bollschinken 70 Pfg., ff. Ichweineschmalz 50 Pfg. garantiert rein. Sämtliche Fleischwaren sind nur bester Qualität, gut geräuchert und amtlich unter⸗ sucht. Versandt nach auswärts gegen Nachnahme, Nicht⸗ passendes sofort franko zurück. Bei größerer Abnahme Preis⸗ ermäßigung. Peter Leppla Neustadt 79 Neustadt 79 offeriert rein wollenen Cheviot Restkoupons, passend zu kompl. Anzügen zu bekannt bill. Preisen. e Geräucherten Speck Ia, fett à Pfund 68 Pfg. bei 9 Pfdb. 4„ 65 H. Posern Marburg Aulgasse 4 Aulgasse 4 ist die beste und billigste Bezugsquelle für fert Schuhwaren. 10 dear labne 20 0 b.. Enge! Ia. e Mpen Mein Schneider⸗Geschäft be⸗ indet sich bei 25 Pfd. a„ 5 fin 8 0 K 3 Marburg, Reitgasse, I der Universität gegenüber. Li h. 28 Es wird bei mir nur preis⸗ Ia. 1 Pfund 42 Pfg. würdige, gute und feine bei 9 Pfd. à 9 Arbeit gemacht. 3 Kisten von ca. 25 Pfd. 36 Pfg. Bei größeren Abnahmen Wohlfahrts Jose. billiger; Preise verstehen sich ab Ziehung vom 14.—19. April ir. hier und gegen Nachnahme; Ver⸗Herlin. Hauptgew. Mk. 100 000, packung berechne nicht! 50000, 25000, 15000, 2 à 10000, 4 à 5000 usw. bares Geld. Loft Rudolf Irnemann] Al. 530 Porte und Lifte Marburg a. L. 25 Pfg. mehr, empfiehlt 8 Rich. Buchacker Giessen o Neuen Bäue 11. Seite 8. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 15. Conflr. manden- eider. Wenn Sie einen Sohn zu konfirmieren haben, so fragen Sie Ihren nächsten Nachbar, welcher im verflossenen Jahre dieselbe Freude hatte. Dieser Mann wird Ihnen, wenn er glaubwürdig ist, was man voraussetzt, sagen: In den oberhessischen Aleider-Bazar H. Möller Marburg, da gehe K hin! da wirst Du reell bedient, da kannst Du Dir unter 100 und aber 100 Anzügen, vom billigsten bis zumfeinsten, ebenso einzelne Röcke, Hosen, Westen, Hüte, Stiefel, Kravatten, Hemden, Kragen ꝛc. ꝛc. für Land und Stadt passend aussuchen. Nach Maaß werden die feinsten Anzüge in eigener Werkstätte von bewährten Bräften unter Direktion eines tüchtigen Zuschneiders angefertigt und auf Ver⸗ langen nach 12 Stunden abgeliefert. Rock, Hose u. Weste Mk. 7.— 1 Paar Stiefel„ 5.— 1 feiner Hut 7 150 Die sehr beliebten blauen Diagonal⸗ und Kamm⸗ garn Anzüge sind in Prachtware am Lager. Bei dieser Gelegenheit empfehle mein enormes Lager in: Herren⸗Anzügen, Röcke, Hosen, Westen, Kirchen⸗Röcke und Hochzeits ⸗Anzüge als Spezialität. gommer⸗Loden⸗Joppen für Haus, Kontor, Garten, Jagd. Leichte Joppen aus grünem Jagdleinen, Piqué, Lister ꝛc. ꝛc. Kinder⸗Anzüge in allen Qualitäten. Strohhüte. Touristen⸗ u. Normal⸗ Hemden, Badfahrer⸗Hemden . Versandt nach Aus⸗ wärts per Nachnahme. Emi! Kalbfleisch Bildhauer Licherstraße! G I ESS EN Eicherstraße 1 empfiehlt sich zum Anfertigen von Grabkreuzen, Schrift-Tafeln u. Grabeinfassungen sowie zu allen in dieses Fach inschlagenden Arbeiten in allen Stein arten Grabdenkmäler, Monumente. Reparaturen werden schnell und billig besorgt. FFC 4 Friedberg Friedberg g 3185 am Bahnhofe Haagkstraße 28. 555 Einem geehrten Publikum von Friedberg und Um⸗ 8 255 gegend zur Nachricht, daß ich dahier, Haagkstraße 28, n 5 4 2 — 2 A 8 neben dem Darmstädter Hof ein 85 Hut⸗ u. Kappen⸗Geschäft ur di 358 errichtet habe und bitle die Leser dieses Blat'es um geneigte 5 44** 1 U ützung. 355 8 5 e empfehle ich meine 5, 6 und 7 Pfennig 8755 Prühjahrssaison 2 Cigarren.* 955 Achtungsvoll 5 empfehle 2 ef Julius Friedrich, Bappenmacher. 5 — 8 i Friedberg. Neben Darmst. Hof(Wind). Friedberg. 88 FF 8 5 ie 7 4. 0 1 g. 5 1 8 i Allen denen, die sich durch Erkältung oder Ueberladung des Magens, durch Genuß mangelhafter, schwer verdaulicher, zu heißer oder zu kalter Speisen, oder durch unregelmäßige Lebens⸗ weise ein Magenleiden, wie: Magenkatarrh, Magenkrampf, Magen⸗ schmerzen, schwere Verdauung oder Ver⸗ 5 schleimung zugezogen haben, sei hiermit ein gutes Hausmittel empfohlen dessen vorzügliche heilsame Wirkungen schon seit vielen Jahren erprobt sind. Es ist dies das bekannte Verdauungs⸗ und Blutreinigungsmittel, der! Huber! UIlrich'sche Käuter-Wein. Dieser Zräuter⸗Wein ist aus vorzüglichen, heilkrästig befundenen Fräutern mit gutem Wein bereitet, und stüärkt und belebt den ganzen Verdauungsore anismus des Menschen, ohne ein Absührungsmittel zu sein. Bräufer⸗Wein beseitigt alle Ztörungen in den Blut⸗ 2 gefäßen, reinigt das Zlut von allen verdorbenen, m kkrankmachenden Stoffen und wirkt fördernd auf die 7 Neubildung gesunden Blutes. 5 Durch rechtzeitigen Gebrauch des Kräuter⸗Weines werden Magen, übel meist schon im Keime erstickt. Man sollte also nicht felt ner 1 seine Anwendung allen anderen scharfen, ätzenden, Gesundheit zer⸗ störenden Mitteln vorzuziehen. Alle Symptome, wie: Kopf- schmerzen, Aufstossen, Sodbrennen, Blähungen, Vebelkelt mit Erbrechen, die bei ohronischen(veralteten) Magenleiden um so heftiger auftreten, werden oft nach einigen Mal Trinken beseitigt. 5 und deren unangenehme Folgen 5 Stuhlverstopfung mts: Aaklemmung, Kulla menen, erazklopfen, Schlaflosigkeit, sowie Blutanstauungen, in Leber, Milz und Pfortadersystem(amorrhoidallelden) werden durch Kräuter⸗Wein rasch und gelind beseitigt. Kräuter-Wein behebt jedwede Unverdauliohkeit, verleiht dem Verdauungssystem einen Aufschwung und entfernt durch einen leichten Stuhl alle untaug-⸗ lichen Stoffe aus dem Magen und Gedärmen. 7 2 1 * Hageres, bleich. Aussehen, Blutmangel, Entkräftung sind meist die Folge schlechter Verdauung, mangelhafter Blutbildung und eines krank⸗ haften Zustandes der Leber. Bei gänzlicher Appstitlosigkelt, unter nervöser Abspannung und Gemüthsverstimmung, sowie häufigen Kopfschmerzen, schlaflosen Mächten, siechen oft solche Kranke langsam dahin. 8 Kräuter⸗Wein giebt der geschwächten Lebenskraft einen frischen Impuls. 8 Kräuter⸗Wein steigert den Appetit, befördert Verdauung und Ernährung, regt den Stoffwechsel kräftig an, beschleunigt und verbessert die Blut⸗ bildung, beruhigt die erregten Nerven und schafft dem Kranken neue Kräfte und neues Leben. Zahlreiche Anerkennungen und Dankschreiben beweisen dies. Kräuter⸗Wein ist zu haben in Flaschen a 1.25 1.75 in: Gießen, Großen⸗Linden, Wetzlar, Fron⸗ 8 hausen, Braunfels, Butzbach, Brandoberndorf, Gladen⸗ bach, Weilburg, Groß⸗Buseck, Allendorf, Grünberg, Lich, Hungen, Laubach, Bad⸗Nauheim, Marburg usw. in den Apotheken. Auch versendet die Firma„Hubert Ullrich, Leipzig, West- strasse 8247, 3 und mehr Flaschen Kräuter⸗Wein zu Original⸗ preisen nach allen Orten Deutschlands porto- und kistefrei. Vor Nachahmungen wird gewarnt! 28 Man verlange ausdrücklich Hubert Ullrich schen Kräuter- Wein. Mein Kräuter⸗Wein ist kein Geheimmittel; seine Bestandtheile find: Malagawein 450,0, Weinsprit 100,0, Glycerin 100,0, Roth⸗ wein 240,0, Ebereschensaft 150,0, Kirschsaft 320,0, Fenchel, Anis, Helenenwurzel, amerik. Kraftwurzel, Enzianwurzel, Kalmus⸗ wurzel àà 10,0. ä Sonntag, den 16. April, nachm. 1 Uhr Oeffentliche Versammlung der Maler u. Weissbinder von Gießen und Umgegend bei Wirt Orbig in Gießen, Ritterstraße 17. 1 Hochwichtige Tagesordnung. Als Redner wird erscheinen Wilh. Gerhold⸗Frankfurt. Alsfeld. Sonntag, den 16. April, mittags 12 Uhr bei Gastwirt Kemmer in Alsfeld: Partei- Versammlung für die Genossen des Wahlkreises Alsfeld-Lauterbach-Schotten. Tagesordnung: 1. Agitation. Referent: Ph. Schmidt⸗ Preungesheim. 2. Presse. 3. Die diesjährige Maifeier. Pünktliches und zahlreiches Erscheinen erwartet Der Vorstand. als besonders vorteilhaft einen Herren- Anzug in 5 schönen modernen Farben: Grün, grau, braun, schwarz und blau in garantiert reiner Wolle und vorzüglich im Tragen A Mark 19.50. Dieselbe Qualität für Konffrmandenzu z. 15.25 Es ist Jedermann gern gestattet, sich diese Anzüge auch ohne Kaufzwang anzusehen.— Auf Wunsch versende ich auch Muster. Carl Frensdorf Bahnhofftraße. Gießen. Etke Neustadt. Carl Freudenstein] Heuchelheim. Sämtliche Sorten 96. 9 Nachfolger, Marburg, Fourniersitz- u. Rohrsitz- Ritierstraße, Weideahäuserstraße 7 empfiehlt nachstehend verzeichnete 8 l u H U S Kolonialwaren zu billigsten sowie Preisen in r Kinderstühle Kaffee roh, 60, 70, 80, 90 ꝛc. Pf. empfiehlt do. gebr. 80, 90, 100, 120, Philipp Sack V., 140 ꝛc. Pf Drechsler. Beis 15, 20, 25, 30 Pf. Graupen 12, 15, 30 ꝛc. Pf. Gries 20, 25 Pf. Nudeln 25, 30 Pf. Sago 25, 30 Pf. Erbsen 10, 12, 15 Pf. do. gesch. 16, 20 Pf. do. gespaltene 12 Pf. Bohnen 12, 16 Pf. Linsen 16, 20, 24 Pf. Ia. Fernseife weiß 22, 25 Pf. do. gelb 20, 22 Pf. do. marm. 18, 20 Pf. Ia. Schmierseife weiß 24 Pf., do. gelb 20 Pf. goda per Pfund 5 Pf. Heifenpulver 10, 12, 15 Pf. p. Pck. gtärke 28, 30 Pf. per Pfund, Borrar 40 Pf. per Pfund. Leichseife 15 Pf. p. Pfund. f. Limburger-Käse Delicaten[II Kümmel-Käse pr. Pfd. 25 Pfg. in Kisten von 20-60 Pfd. Delicate Hand-Käse 100 Stek Mk. 3., 500 Mk. 14. Packung u. Umkisten frei, Nachnahme. A. Burggraf, Biedenkopf Soeben wieder eingetroffen: zum Würzen der Suppen,— 150 1 5 95 105 Mk. wer a 0 890 1 ocolade 85, 5 0 achf., Inh.: La Cakes per Pfund v. 40 Pf. an, Neue Bäue.. kein Abfall. Original-Fläschchen werden mit Bei Mehrabnahme billiger. echtem Maggi billig nachgefüllt Verlag der Mitteld. Sonntags⸗Zeitung(E. Krumm), Gießen. Verantwortl. Redakteur: Ph. Scheidemann, Gießen. Druck von Sell& Heppeler, Gießen. De„Mitgbdeuts gusträger N Oucch die Post die Erbe dition. die Feier T Der 8 wenigen Wo tiscen An! gg, die 0 gänzlich au Abgesehen behaglich fühl inter Polizei herscht im Stimme bezüt damit! Gerade u Stimmung lichen Ausfü Abgeordneter Licher wieder Gelegenheiten guch in der auf den Kop Lundbebölker! Uich über sczusagen aus hekaus. Doch höte Du Bitte, anzunehmen, zl fein, aber der Ihnen so doch mit der werden wird, Meden, wenn Jem Einzelr aud Sie zu! Ian Weid Tung für aufgehoben w auh noch f 0 und Abendstund ul dum Alu Dee de fen in der au uhsön kat, ob es Aurher, ob Act. Herr 0 fügermeiste l, der Nl i keden au ö