Nr. 41. Gießen, Sonntag, den 8. Oktober 1899. 6. Jahrg. Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. I Mitteldeutsche ntags⸗Zeitung. Redaktionsschluß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. 2 Abonunementspreis: Die„Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung“ kostet durch unsere Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Durch die Post bezogen vierteljährlich 90 Pfg. Bestellun gen Eifern mit Unverstand. * Die sogenannten frommen Sonntagsblätter verdanken ihre weite Verbreitung vor allen Dingen der Unterstützung seitens der Geistlichkeit. Allerdings hat es auch von jeher einsichtige Pastoren gegeben, die sich gegen die Art und Weise, in der diese angeblich christlichen Blätter in Politik machen, ausgesprochen haben. Neuerdings hat wieder ein Geistlicher im Hess.⸗Nass. Volksboten den„frommen“ Blättern in's Gewissen geredet, zwar in milder Form, aber doch deutlich genug. Hören wir den Herrn Pastor: „Sollen die christlichen Sonntagsblätter in Politik machen? Diese Frage drängt sich unwillkürlich auf, wenn man sieht, wie die Sonntagsblätter dadurch, daß sie auf politischem Gebiet Partei ergreifen, nicht nur bei der bekämpften Partei keinen Eingang finden, sondern auch das Christentum selbst in Mißkredit bringen und dadurch auf das schwerste schädigen. In letzer Zeit ist es wieder mehrfach vorgekommen, daß Erbauungsblätter, wie der„Nachbar“ oder der „Sonntagsbote“ den Schein erweckt haben, als müsse ein jeder brave Christ auf Seiten der Regierung stehen und für die„Zuchthausvorlage“ eintreten. Das Christentum will die Menschen opferwillig und pflichttreu machen; aber es verleiht nicht ohne weiteres politische Einsicht.(1!) Das Christentum schärft dem Menschen das Gewissen und macht ihn hilf⸗ bereit; aber es giebt keine fertigen Rezepte. Wenn mit⸗ hin zwei Parteien sich gegenüberstehen, so unterscheiden sie sich keineswegs immer wie gut und bös; der gute Wille, das Volkswohl zu fördern, kann anf beiden Seiten vorhanden sein, nur in der Wahl und der Be⸗ urteilung der Mittel gehen die Ansichten auseinander. Den Lesern der Sonntagsblätter die doch in erster Linie christliche Erbauung suchen, auch eine bestimmtepoliti sche Meinung aufdrängen wollen, ist an sich schon un⸗ klug und verkehrt; aber die eigene politische Parteimeinung als die allein christliche vertheidigen und darum die gegner ische Meinung als Aus⸗ fluß eines Mangels an christlicher Gefinnung hinstellen, ist zwar recht bequem, aber doch in hohem Grade un⸗ überlegt und voreilig, ja geradezu dem Geist des Ehristentums zuwider. Das Christentum hat es nur mit großen prinzipiellen Gesichtspunkten zu thun; ob aber eine„Zuchthausvorlage“ notwendig ist, darüber gieb es keine Auskunft. Was würde man dazu sagen, wenn einer aus den Urkunden der Offenbarung den Satz ableiten wollte, jeder der seinen Gegner im Duell tödtet, müsse mit dem Tode bestraft werden? So bequem macht es der liebe Gott mit den Menschen nicht. Die Menschen müssen vor allem auch ihre Vernunft zu Rate ziehen. Drum kann man den sämmtlichen Erbau⸗ ungsblättern nur den dringenden Rath geben, das Christen⸗ tum nicht zu sehr in den Streit der Parteien hinein⸗ zuziehen und mit einzelnen Tagesfragen zu verquicken und nicht so zu thun, als ob eine bestimmte einzelne Forderung, wie die„Zuchthaus vorlage“ oder die„Kanol⸗ vorlage“ im Namen des Christentums aufgestellt werden müßte. Das wäre„eifern mit Un verstand.“ So äußert sich ein Geistlicher über die Muckerblätter. Es ist thatsächlich unglaublich, was in diesen frommen Blättern auf politischem Gebiete geleistet wird. Daß sie die Zuchthaus⸗ vorlage und sonstige Gesetze gutheißen, die die Rechte der Arbeiter verkürzen, daß sie für eine Verkürzung des Wahlrechts der Arbeiter ein⸗ treten, das sind alles noch Kleinigkeiten im Ver⸗ gleich zu dem, was sie an Lügen über die Sozialdemokratie, an Verdrehungen und hane⸗ büchenen Verleumdungen leisten. Und daher . kommt es auch, daß diese Blätter nicht nur zur Verdummung derjenigen beitragen, die nichts anderes lesen, sondern daß sie auch dort, wo man sich über die Ursachen der erbärmlichen wirtschaftlichen und politischen Zustände unserer Zeit klar geworden ist, viel zur Verbitterung der Leute beitragen. Uns sind verschiedene Pastoren bekannt, die nicht vor leeren Bänken zu predigen brauchten, wenn sie sich weniger oder am besten gar nicht um die Verbreitung muckerischer Sonntagsblätter kümmerten. Viele Geistliche glauben durch die Verbrei— tung der von geschäfts kundigen„Christen“ herausgegebenen Blätter ein besonders gutes Werk zu thun. Sie ahnen nicht, daß sie vielen ihrer Gemeindemitglieder Woche für Woche in's Gesicht schlagen und sich für immer entfremden. Es mag sein, daß ein Pastor mit festem Ein⸗ kommen an alle die Schlechtigkeiten glaubt, die in den Muckerblättern von der Arbeiterbewegung, der Sozialdemokratie, erzählt werden. Die Arbeitsleute, die sich die ganze Woche ab⸗ schinden müssen für kargen Lohn, die da aus eigener Erfahrung wissen, daß es zu den größten Seltenheiten gehört, wenn ein Unternehmer von selbst ein Paar Pfennige dem Stundenlohn zulegt, die glauben die Erzählungen der christ⸗ lich⸗frommen Sonntagsblätter nicht. Sie wissen, daß die„humanen“ Arbeitgeber, von denen da stets erzählt wird, so selten sind, wie ein wahres Wort über die Sozialdemokratie in einem Antisemitenblatt, aber sie wissen auch, daß die Erzählungen von den streiklustigen und terroristischen Arbeitern, die nichts arbeiten und immer höheren Lohn unter Androhung der schlimmsten Mittel haben wollen, erfunden sind, erfunden sind zu dem Zweck, die Arbeiter— bewegung in Mißkredit zu bringen. Und weil viele Arbeitsleute auf dem Lande sich nicht denken können, daß das was sie wissen, der studierte Herr Pfarrer nicht wissen sollte, so nehmen sie kurzerhand an, daß auch dieser wie das Blatt, das er fördert, im Dienste der Großen steht. Der Geistliche, dessen Aeußerungen wir oben wiedergaben, hätte seine Worte nicht nur an die Sonntagsblätter richten sollen, sondern auch an seine sämtlichen Amtsbrüder, damit auch diese nicht Christentum und Politik ver⸗ quicken, nicht von der Kanzel herab oder am Grabe in Politik machen. Das ist nämlich auch— eifern mit Unverstand. Hinaus aus der Arbeiterfamilie mit der gegnerischen Presse, die liebedienerisch vor dem Kapitalismus kaiet und täglich die Arbeiterinteressen mit Füßen tritt. Hinaus mit den Mackerblättern sowohl, als mit der sogenannten„parteilosen“ Presse, die entweder unter der Larve der„Parteilosigkeit“ das Volk nasführt oder die verkörperte Charakterlosigkeit darstellt. Der Arbeiterfamilie die Arbeiterpresse! Das sollte die Losung aller wirklich zum Denken er⸗ wachten Arbeiter werden, in einer Zeit, da die Reaktion sich bemüht, durch die„Zuchthausvorlage“ das wichtigste Recht der Arbeiter, das Koalitionsrecht, zu vernichten! Die Antwort darauf sei der Znusammenschluß der Ar⸗ beiter in unseren Organisationen und unserer Presse! Vorwärts, Arbeiter, für Eure Presse!— Pc c 3%. 1 Juserate 2 nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der„M. S.⸗Ztg“ weiteste Verbreitung. Die 5gespalt Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Druckerei, Schloßg. 13, sowie jede Postanstalt und] 4 mal. Bestellung gewäbren wir 25%, bei 6 mal. Bestellung jeder Landbriefträger entgegen.(Post⸗Z.⸗Kat. 43 12a.) 332/ Bei mindestens und bei Rabatt mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Politische Rundschau. Gießen, den 6. Oktober. Rechtsprechung. Die Magdeburger Strafkammer hat den Redakteur der„Magdeb. Volksst.“, unsern Ge⸗ nossen Albert Schmidt, Reichstagsabgeord⸗ neter für Calbe-Aschersleben, wegen Majestäts⸗ beleidigung zu drei Jahren Gefängnis verurteilt und ihn außerdem seines Reichstags⸗ mandats verlustig erklärt. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Der Vorsitzende des Gerichts war derselbe Herr Fromme, unter dessen Vorsitz seiner Zeit der Kollege Schmidts in der Redaktion, Genosse Müller, wegen ganz derselben Notiz, wegen der jetzt Schmidt drei Jahre lebendig begraben wird, zu vier Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Beide Urteile sind für unsere Zeit charakteristisch. Die Frage ist jetzt die, ob uberhaupt das Opfer, welches Schmidt brachte, indem er sich selbst als den Schuldigen meldete, um den absolut unschuldigen Müller zu befreien, die Haftentlassung des letzteren zur Folge hat. So selbstverständlich das erscheint, so sehr bezweifeln wir es. Seit Bransewetters Zeiten wundern wir uns über nichts mehr. Hören wir nun einige bürgerliche Blätter über die Magdeburger Urteile. Die„Frankf. Ztg.“ schreibt: „Drei Jahre Gefängniß wegen Aufnahme einer Fabel, aus der erst durch indirekte Schlüsse eine Majestätsbe⸗ leidigung gefolgert werden kann, ist ein drakonisches Ur⸗ teil, das zu dem Vergehen in keinem Verhältniß steht. Daß außerdem noch das Abgeordnetenmaudat aberkannt wird, erhöht das Befremden über diese Urteilsfällung. Vor allem aber wird das Rechtsbewußtsein auf das Empfindlichste dadurch verletzt, daß das Urteil gegen Redakteur Müller aufrecht erhalten bleibt, trotzdem fest⸗ steht, daß dieser an der Aufnahme des beleidigenden Artikels ganz unbeteiligt war. Er war zu dec fraglichen Zeit inUrlaub, konnte also auf die Zusammenstellung des Blattes nicht einwirken. Und trotzdem hat man ihn zu vier Jahren Gefängniß verurteilt, und seine Revision dagegen blieb erfolglos. Jetzt ist der wirkliche Thäler abgeurteilt worden, nachdem er sich selbst gestellt hatte. Wir meinen, ein Wiederausnahmeverfahren zu Gunsten Müllers ist jetzt unerläßlich, und wenn die Rechtspflege nicht an Autorität empfindlich einbüßen soll, muß dies Wieder⸗ aufnahmeverfahren Erfolg haben. Abg. Schmidt aber, dem sein Reichstagsmandat aberkannt worden ist, wird von seiner Partei zweifellos wieder aufgestellt und ebenso sicher wiedergewählt werden. Dafür hat schon das dem Rechtsempfinden des Volkes nicht verständliche strenge Urteile gesorgt.“ Aehnlich äußert sich die„Kölu. Volksztg.“, ein angesehenes Centrumsblatt. Sie kommt zu dem Schluß, daß jetzt, da Schmidt als der wirkliche Thäter abgeurteilt sei,„Müllers Haft ein Ende gemacht“ werden müsse. Die„Berliner Volks⸗Zeitung“ bemerkt sehr treffend: „Drei Jahre Gefängnis für einen geistig regsamen Menschen— was das bedeutet, davon können sich die wenigsten Menschen, auch die wenigsten Richter eine deutliche Vorstellung machen.“ Die„Berliner Zeitung“ spricht von der drakonischen Schärfe des Urteils und fügt hinzu: „Selbst das Reichsgericht hat an der strasrichter— lichen Schärfe der Magdeburger Kammer Kritik geübt re P 2** 2 —— und in einem Falle, wie wir uns erinnern, derart sein Bedauern ausgesprochen, daß keine juristische Handhabe vorläge ein von dieser Kammer gefälltes Urteil aufzu⸗ heben. Hoffen wir, daß im vorliegenden Falle diese Handhabe sich findet und damit die Möglichkeit gegeben wird, das Urteil einer Nachprüfung zu unterwerfen. Schon um der anerkennenswerten Selbstlosigkeit willen, mit der Herr Schmidt für seinen verurteilten Kollegen einge⸗ treten ist, wird man ihm, auch von Seiten seiner politischen Gegner, ein milderes Schicksal wünschen.“— Das arbeitende Volk wird aus dem End⸗ ergebnis dieses Magdeburger Prozesses die richtigen Schlüsse ziehen. 5 Die Majestätsbeleidigungsprozesse sind ge⸗ radezu zu einer Epidemie geworden, die in einem Rechts⸗ und Kulturstaate nicht bestehen dürste; der Byzantin smus ist gut ins Kraut geschossen, die Angeberei steht in Blüte, und das neunzehnte Jahrhundert, das Jahrhundert der„Aufklärung“ schließt ab mit Prozessen, die um einer nichtigen Fabel willen zu jahrelangen Gefängnisstrafen führen. Albert Schmidt wandert auf drei Jahre in den Kerker als Märtyrer des§ 95. Und das heutige Strafrecht ist unseren Reak— tionären noch immer nicht schroff genug. * Im Wahlkreis Calbe-Aschersleben beschloß eine Vertrauensmänner-Versammluug ein⸗ stimmig den des Mandats verlustig erklärten Genossen Albert Schmidt wieder als Reichs⸗ tagskandidaten aufzustellen. Majestätsbeleidigungs-Chronik. In den beiden Monaten August und Sep⸗ tember, also während der Gerichtsferien, sind 28 Fälle von Majestätsbeleidigungs- Anklagen zur Keuntnis der Berl. Volksztg. gekommen; das sind natürlich nicht alle Fälle, die gericht⸗ lich geahndet wurden. In 16 von diesen 28 Fällen kam es zu einem Urteil; es wurde auf insgesamt 139 Monate Gefängnis er⸗ kannt= zirka 11 ¾ Jahre. In sechs Fällen wurde eine Freisprechung beschlossen resp. das Verfahren cingestellt; außerdem waren drei Ver⸗ haftungen, eine Begnadigung(in Mecklenburg) und die Verwerfung einer Revision zu verzeichnen. In den verflossenen neun Monaten dieses Jahres hat die Vlksztg. insgesammt 246 Majestätsbeleidigungen mitgeteilt, wofür zirka 83 Jahre Gefängniß und etliche Festungs⸗ strafen verhängt wurden. ** Wie Duell⸗Totschlag„bestraft“ wird. Zum Hauptmann befördert ist, wie der in Metz erscheinende„Lorrain“ meldet, der Ober— lieutenant Schliecknann im 145. Infanterie⸗ regiment zu Metz, der voriges Jahr im Duell den Sohn des dortigen Mühlenbesitzers Tille⸗ ment erschossen hatte, dafür zu zweijähriger Festungshaft verurtheilt, aber schon nach wenigen Monaten begnadigt und wieder in sein Regiment eingereiht worden war. ** * Mildes Urteil. Wie viel Strafe setzt es, wenn ein Hof⸗ verwalter aus Uebermut ein bischen seinen Arbeiter totschießt? Antwort: Sechs Wochen Gefängnis. Wer es nicht glauben will, lese folgenden Gerichtsbericht aus Eisleben: „Milde Richter fand der Hofverwalter August Kraul aus Helmstedt, der gegen Ende April in Beesenstedt vom Fenster seiner Wohnung aus rein aus llebermut auf den Arbeiter Stößel geschossen hatte, der auf dem Hofe an der Jauchenpumpe beschäftigt war. Kraul wollte den Arbeiter, wie er sagte,„nur durch die Schürze schießen“, traf ihn aber ins Kniegelenk, woran Stößel starb. Kraul wurde vom hiesigen Landgericht zu sechs Wochen Gefängnis ver⸗ urteilt. Wäre Kraul wohl so billig wegge⸗ kommen, wenn er an seinem„gnädigen Herrn“ in gleicher Weise und mit gleichem Erfolge seine Treffsicherheit erprobt hätte?“ ** * Das Löbtauer Urteil. „Da wir einmal an der Rechtsprechung sind, sei auch wieder an das Urteil des Dresdener Schwurgerichts über die unglücklichen 9 Löbtauer Bauhandwerker erinnert. Dieselben wurden verurteilt zu insgesamt f 53 Jahren Zuchthaus, 8 Jahren Gefängnis und 70 Jahren Ehrverlust! Vergeßt das nicht, ihr Arbeiter in Dorf und Stadt. Vergeßt auch nicht, daß die Sozial⸗ demokratie diejenige Partei ist, die verlangt: Rechtsprechung durch vom Volke gewählte Richter! Die glücklichen Autisemiten. Die Antisemiten haben mit ihren Frei⸗ sprechungen Unglück. Erst vor kurzem wurde bekanntlich Graf Pückler vom Reichsgericht deswegen freigesprochen, weil ihm bei seinem hochgradig en Fanatismus und seinen antise⸗ mitischen Wahnvorstellungen das Be⸗ wußtsein von der Strafbarkeit seiner Reden fehle. Jetzt wird aus Krefeld gemeldet, daß auch vor dem dortigen Gericht eine Ver— handlung über eine Dreschflegelrede stattgefunden hat. Das Krefelder Antisemitenblättchen hat die Rede abgedruckt und war deshalb angeklagt worden. Das Gericht erkannte aber auf Frei— sprechung, und zwar aus zwei Gründen: Erstens sei die Auflage der Zeitung so klein, daß durch diese eine Beunruhigung nicht hervor— gerufen werden könne. Zweilens stehe der Redakteur J. Jöcken auf einer so nied⸗ rigen Bildungsstufe, daß er sich der Verantwortung nicht bewußt sei. Das ist bitter. Zur Wahl in Pirna. Die konservative Kreuzzeitung, das Junker⸗ organ, freut sich natürlich, daß es den Sozial⸗ demokraten diesmal noch nicht gelungen ist, den Antisemiten den Kreis zu entreißen. Sie meint: „Offenbar hat man dies erfreuliche Ergebnis der Haltung der sächsischen Freisinnigen zu verdanken, die der von den Verliner demokrati— schen Blättern ausgegebenen Parole nicht gefolgt und in ihrer großen Mehrzahl für den Kandi⸗ daten der staatserhaltenden Parteien eingetreten sind.“ Die„Berliner Volkszeitung“, ein ent⸗ schieden freisinniges Organ, schreibt:„Es unter⸗ liegt leider keinem Zweifel, daß die Frei⸗ sinnigen des Wahlkreises sich, vielleicht mit wenigen Ausnahmen, dazu erniedrigt haben, die Sache der Rasseahetze zu unterstützen... Ein jammervoller Freisinn das, der sos tief fenen Wie antisemitische Wahlsiege zu Stande kommen. N Welch gaunerhafter Mittel sich die für „deutsche Art und Treue“ kämpfenden sächsischen Anutisemiten beim Wahlkampfe im Wahlkreise Pirna⸗Sebnitz bedient haben, wird jetzt durch die Erklärungen der Leitung der freisinnigen Volkspartei des Wahlkreises Pirna-⸗Sebnitz bekannt. Kurz vor der Wahl erschienen Inserate, worin die Freisinnigen direkt aufgefordert wurden, für den Antisemiten Lotze zu stimmen. Unterzeichnet waren die Inserate mit„Die Wahlausschüsse der Freisinnigen Volks⸗ partei für Neustadt⸗ und Langburkersdorf.“ Diese Inserate waren ein ebenso schamloses wie nichtswürdiges Wahlmanöver. Weder Wahlausschüsse der freisinnigen Volkspartei in Neustadt noch in Langburkersdorf noch sonstwo haben den Aufruf veranlaßt. Dieser ist auch ohne jede Namensunterschrift erschienen. Der Aufruf rührt her, wie die Untersuchung ergeben hat, von Neustädter Antisemiten und einem einzigen Wähler aus Langburkers⸗ dorf, der bei der Hauptwahl für Strohbach ge⸗ stimmt halte. Mit solchem infamen Mittel ist der antisemitische„Sieg“ in Pirna zu Stande gekommen. Es ist freilich traurig genug, daß die Freisinnigen sich durch diese Flugblätter haben bestimmen lassen, dem Antisemiten über⸗ haupt ihre Stimme zu geben. Sie hätten dem Flugblatte auch dann nicht folgen müssen, wenn es rechtmäßigerweise zu Stande gekommen wäre seines Herzens folgen zu dürfen. Nationalsozialer Parteitag. nicht nationalsozialen Professors. Brentano gegen die Zuchthausvorlage. Der Parteitag sprach sich einstimmig gegen die Zuchthaus⸗ vorlage aus. Vom Protestautentag. Auf dem 20. deutschen Protestantentag trat Pfarrer Fischer⸗Berlin für eine Ne u⸗ gestaltung der christlichen Lehre ein, in der mit voller Wahrhaftigkeit allen Forderungen echter Wissenschaft Rechnung getragen wird. Professor Reinke⸗Kiel sprach über die Stellung der Naturwissenschaften zur Religion und war der Meinung, daß die Wissenschaft Landgerichtsrat Kuleman n. Braun⸗ schweig, früher ein grimmiger Sozialistenhasser, jetzt ein nicht unbedeutender Sozialpolitiker, erörterte die Stellung des Sozialismus zur Religion. Er fordert, da die Sozialdemokratie in ihrem Kerneinegesunde Arbeiter⸗ bewegung sei, daß man Staat, Kirche und Religion nicht mehr in den Dienst der herrschendenKlassestelle! Der Schweizer Pfarrer Steiger bemerkte, in der Schweiz gebe es in der Thatsozialdemokratische Pfarrer und seit manchen Jahren herrsche unter den Sozialdemokraten eine andere Stimmung der Kirche gegenüber als früher; sie betheiligten sich lebhaft an den kirchlichen Wahlen, und manche besuchten auch fleißig die Kirche. Die sozialdemokratische Bewegung verdiene recht ge⸗ nau studirt und begriffen zu werden, das verlange schon der in ihr zu Tage tretende hohe Idealismus. Goethes Wort:„Ein Komö⸗ diant könnt' einen Pfaffen lehren“ möchte er in Bezug auf den Idealismus, der in den Reihen der Sozialdemokratie herrscht, paraphrasiren: „Ein Sozialdemokratkönnt'einen Pfaffen lehren.“(Heiterkeit) Wir bitten wohl zu beachten, daß das Pastoren und Professoren gesagt haben. Vom Unternehmer⸗Terrorismus. Das„Forster Tageblatt“ enthält folgendes Inserat: Anfrage. Wäre es nicht angebracht, wenn diejenigen Firmen, die ihren Beitritt zum„Arbeitergeber⸗Verbande der Textilindustrie Forst i. L.“ noch nicht angemeldet haben, öffentlich bekannt gemacht würden? a Mehrere Mitglieder. Um diese„Anfrage“ recht zu begreifen als das, was sie ist, nämlich eine versteckte Dr o⸗ hung, muß man wissen, daß der genannte Ver⸗ band erst kürzlich gegründet ist zu dem Zweck, den Forderungen der Arbeiter organisierten Widerstand entgegenzusetzen. Verschiedene Fab⸗ rikanten haben die Absicht, den bescheidenen Forderungen der Arbeiter entgegenzukommen. Nationalliberale Zuchthausfreunde. Was der Abg. Bassermann darf, darf noch nicht ein nationalliberaler Feder⸗ proletarier. Im Hinblick auf das Auf⸗ treten einiger uationalliberaler Führer, wie z. B. Bassermanns und Heyls, gegen die Zucht⸗ hausborlage glaubte der Redakteur der nationalliberalen„Wittener Zeitung,“ Hopp⸗ städter, es auch riskieren zu können, dem Zuge So veran⸗ staltet er dem„Vorwärts“ zufolge, dem wir diese Notiz entnehmen, im Sommer einige Protest⸗ versammlungen gegen die Zuchthausvorlage. Dies Löcken wider den Kapitalismus bekam ihm aber schlecht. Wie jetzt bekannt wird, soll ihm von seinem Verlegerkonsortuum gekündigt worden sein. Sein Kontrakt läuft allerdings noch vier Jahre bei einem jährlichen Gehalt; von 6000 M. Aber um der Zuchthausvorlage wegen kann eine Unternehmerklique schon einige tausend Mark springen lassen.— König Stumm lebt noch! Vom Freiherrn v. Stumm hat man lange nichts gehört. Er hatte sich einen Arm oder keineswegs das Dasein eines Gottes ausschließe. In Göttingen haben die um Naumann ihren Parteitag abgehalten. Es waren 140 Vertreter da. Das beste auf dieser Versammlung der Nationalsozialen war eine vortreffliche Rede des n Gol Han z. Algen Feldzuge . Stun In pal War 100 Ka. Vulkszel aut, so ficht au en wü sulgisch beziehen Herrn enz be N. fehaut, In bo alder Albeit . fachliche prach Voll. Nerhrei N 9 lee i fi benen top berh jffer tren ic er sie 5 wenn Erd Bibel die Ge nehr Men Lag könn her; seitz S0 um er 5 It b fei Alen elle a men, der sldit als b⸗ Ber⸗ heck, 0 it 01 el N N 4 5 — Nr. 41. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 3. ein Bein verrenkt und blieb den ganzen Sommer über der Politik fern. Der Kanalhandel scheint ihn nicht nur geographisch, sondern auch pelitisch von Berlin entfernt zu haben. Stumm ist kein Geg⸗ ner des Kanals und darum ist die bisher sehr einflußreiche Persönlichleit offenbar in Un⸗ gnade gefallen. Zu Ehren des scheidenden Landrats von Saarbrücken, Bake, fand am letzten Sonnabend ein Festessen statt. Freiherr v. Stumm brachte den Toast auf den Kaiser aus, in dem er— nach einem Bericht der„St. Johann⸗Saar⸗ brückener Volkszeitung“— den guten Willen des Kaisers hervorhob,„wenn man sich auch nicht immer mit seinem Thun ein⸗ verstanden erklären könne.“ Selbst Herr v. Stumm giebt also zu, daß man z. B. die Oeynhausener Rede nicht zu billigen braucht. Einst freilich— zur Zeit des Feldzuges gegen die Pastoren— berief sich Frhr. b. Stumm auf das Wort des Kaiser wie auf ein Evangelium. Es ist eben alles wandelbar.— Warum übrigens Herr v. Stumm Gegner des Ka albaues ist, das enthüllt die Kölnische Volkszeitung:„Wird der Mittellandkanal ge— baut, so kann auch der Mosel- und Saarkanal nicht ausbleiben, und die niederrheinischen Hoch— öfen würden dann die lothringischen und luxem— burgischen Erze auf dem Wasserwege so billig beziehen können, daß sie den Werken des Herrn v. Stumm die empfindlichste Konkur— renz bereiten könnten.“ Na also, dann wird der Kanal eben nicht gebaut, weil es Stumm nicht haben will. Goldene Worte eines Geistlichen. In Göppingen(Württemberg) sprach der sozialdemokratische Gemeinderat Thiele über die Arbeit der Frauen in Fabriken. In der seinen sachlichen Ausführungen folgenden Diskussion sprach auch der Pfarrer Blumhardt aus Boll. Seine trefflichen Worte verdienen weiteste Verbreitung. Hier sind sie: Ich erkläre, daß mir als Ideal eine neue menschliche Gesellschaft voranschwebt, ich fühle mich verwandt mit den Leuten, denen man vorwirft, daß sie einer Utopie nachjagen, ich fühle mich mit diesen verbündet und stehe nicht an, dies öffentlich auszusprechen. Ich bin streng religibhs aufgezogen, aber ich erachte eine Religion als wertlos, wenn sie nicht die Gesellschaft um ändert, wenn sie nicht schon das Glück auf Erden verschafft. So habe ich meine Bibel, so meinen Christus verstanden. Möge die Zeit kommen, in der es gelingt, die Gesellschaft anders zu ordnen, wo nicht mehr das Geld, sondern das Leben der Menschen Hauptsache ist. Es muß ein Tag in unseren Herzen leuchten, dann können wir Verbesserungen schaffen, ein Tag der Liebe, der Geist der großen Mensch— heits⸗Idee. So spricht ein Geistlicher, der sein Christen⸗ tum ernst nimmt. Ausländisches. Italien. Die Kom munalwahlen, die seit eintgen Monaten in den verschiedenen Teilen Italiens vor sich gehen, bringen immer neue Siege für die Sozialdemokratie. Im ganzen hat unsere Partei bis jetzt in 156 Ge⸗ meinden 463 Sitze und außerdem 36 Mandate für die Provinzialräte errungen. In Sizilien, wo früher die sozialistische Bewegung sehr weit zurück war, sind 30 Sitze in den Gemeinde⸗ räten unserer Partei zugefallen.— Krieg in Südafrika. Die Haager Friedenskomödie ist kaum zu Ende, da wetzt England schon wieder das Schlachtmesser, um die die Transvaalrepublik bewohnenden Buren zu vergewaltigen. England hat den Buren— der Präͤsident derselben heißt Krüger— eine Reihe Bedingungen gestellt, auf die die Buren nicht eingehen wollen. Die eigent⸗ liche Triebfeder ist auch hier wieder der Kapi⸗ talismus, der Geldhunger. Hirschels Beweise. * Vor wenigen Wochen schrieb der ehemalige Architekt Hirschel in seinem Lügen- und Denunzierblatt, daß die „... Sozialdemokratie, die in dem Freihandel das revolutionäre Prinzip bewundert und mit allen Kräften dauach strebt, durch Unterstützung des Judentums, das ihr auch wacker dafür klingenden Lohn auszahlt, den kleinen Handwerker und Bauer zu vernichten— denn um so näher ist ja der Zukunfts— staat!“ Wir erklärten darauf den Hirschel für einen Lügner und Verleumder, bis er den Beweis der Wahrheit für seine ehrabschneiderische Behauptung erbringe. Daraufhin versucht nun der berühmte Eier-Politiker die Beweisführung. Er fragt erstens, ob es der„Oberbonze Bebel“ jemals geleugnet habe, daß ihm in den 70er Jahren Löb Sonnemann in Frankfurt ein Dar— lehn für seine Thürklinkenfabrik gegeben habe? Und zweitens: Der„jüdische Bankier Höch— berg“ habe die Sozialdemokratie mit großen Geldmitteln unterstützt und bei seinem Tod der Partei 300000 Mark testamentarisch vermacht. Und drittens: Der Braunschweiger Volks— freund habe dortigen Genossen den Vorwurf() gemacht, sie hätten einigen jüdischen Geldprotzen einen Liebesdienst erwiesen, indem sie für eine antisemitische Versammlung agitiert und dort Radau gemacht hätten, anstatt die sozial⸗ demokratische Versammlung zu besuchen. Und endlich: Das in Wien erscheinende „Jüdische Volksblatt“ habe geschrieben: Seien wir vorsichtig, daß die breiten Massen nicht merken, daß die Sozial demokratie eine Juden— schutztruppe ist. Das die Hirschelschen Beweise. Abgesehen davon, daß das Cität aus dem„Jüdischen Volksblatt“ eine antisemitische Fälschung ist, wie soeben im„Hamburger Echo“ festgestellt wird,— was geht es denn uns an, was irgend ein übergeschnappter Jude in seinem Wiener Leiborgan zusammenschmiert? Herr Hirschel wird doch nicht etwa behaupten wollen, daß es nur übergeschnappte Antisemiten giebt. Daß der Braunschweiger Fall gegen Hirschel spricht, merkt der ehemalige Architekt gar nicht. Aber nun kommen die„schweren“ Fälle: Daß Höchberg Bankier gewesen sei, ist zunächst wieder eine antisemitische Un wahrheit. Karl Höchberg war Gelehrter, ein Schüler des Marburger Professors Friedrich Albert Lange. Hochberg war Sozialdemokrat und hat als solcher seine Partei unter der schmachvollen Zeit des Sozialistengesetzes nach Kräften unterstützt. Er selbst wurde 1888 aus Berlin auf Grund des Sozialistengesetzes ausgewiesen. Und aus dem Verhalten dieses trefflichen Menschen, der für seine Partei nach Kräften Opfer brachte, will der Hirschel beweisen, daß„das Judentum der Sozialdemo—⸗ kratie klingenden Lohn auszahlt, damit die kleinen Handwerker und Bauern vernichtet werden.“ Pfui Teufel! Nun der schwerwiegendste Beweis, den der Hirschel an erster Stelle anführt, damit er uns radikal zerschmettere. Der reiche Sonnemann soll unserm Genossen Bebel— nach Hirschel „Oberbonze Bebel“— in den Joer Jahren Geld für sein Geschäft geliehen haben. Wir wissen zwar nicht, ob das wahr ist, wollen aber die Richtigkeit dieser Behauptung annehmen. Wäre das etwas Schlimmes gewesen, wenn Bebel von einem reichen Partei⸗ genossen— Hirschel weiß natürlich nicht, daß auch Löb Sonnemann einmal Sozial⸗ demokrat war— Geld für seinen Ge⸗ schäftsbetrieb geliehen hätte? Der alte Langsdorfer Vorschuß verein würde Bebel wahrscheinlich nichts geliehen haben, obwohl er sein Geld gewiß nicht sicherer hätte anlegen können. Denn davon sind wir fest überzeugt, daß Bebel keinem Menschen auch nur einen Pfennig schuldig geblieben ist. Wie kann überhaupt ein Mann, der Anspruch darauf macht, daß man ihn nicht für blödsinnig oder böswillig hält, die Behauptung aufstellen,„das Judentum“ unterstütze„die Sozialdemo— kratie“, wenn der Drechsler meister Bebel vor rund 30 Jahren bei seinem damaligen Partei— genossen Sonnemann für geschäftliche Zwecke eine Anleihe aufnahm? Ist in den Augen Hirschels Herr Sonnemann„das Judentum“, ist Bebel bei ihm„die Sozialdemokratie“ und war das Bebelsche Thürklinkengeschäft eine In— stitution zur Vernichtung von Handwerkern und Bauern?— Im Kopfe des früheren Architekten Hirschel muß es kunterbunt aussehen. Die krampfhaften Bemühungen des bedauernswerten Mannes, für seine Verleumdungen den Beweis der Wahr— heit zu erbringen, sind kläglich gescheitert. Sie mußten und müssen stets scheitern. Ein Antisemit kann wohl behaupten, die Sozialdemokratie stehe im Judensold; und ein Spaßvogel kann sogar behaupten, Herr Hirschel sei ein nie mit demagogischen Mitteln arbeitender geistreicher Mann. Azer wenn's an's Beweisen geht, werden der Autisemit und der Spaßvogel kläglich verkracheu, weil sie beide gelogen haben. Pon Nah und Lern. Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind jederzeit willkommen Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich streggste Gewissen⸗ haftigkeit bei Uebermittelung von Nachrichten.— Wir bitten alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben. Die Fraktion Drehscheibe! * Die Nationalliberalen erscheinen nun auch auf der Bildfläche. In einem Wahl⸗ aufruf, der in allen Amtsblättern des Groß— herzogtums veröffentlicht wird, verkündigen sie der staunenden Welt, was die Fraktion Dreh— scheibe alles im Landtag gethan hat und wis sie noch zu thun gedenkt. Dabei beruft sich die Partei der grundsätzlichen Charakter— losigkeit sogar auf ihre— Grundsätze! Wer lacht da nicht hell auf?!— Weit besser als der offtzielle Wahlaufruf hat uns ein in derselben Nummer des Gieß. Anz. veröffentlichtes Eingesandt gefallen. Das⸗ selbe ist mit N gezeichnet und lautet: Landtagswahl.(Eingesandt.) End⸗ lich erscheint der Wahlaufruf der nationalliberalen Partei. Sozialdemokratie und Centrum sind ihr in den Wahlvorbereitungen voraus, da sie über viel festere Organisationen verfügen. Eine Kundgebung der freisinnigen Volkspartei ist wohl für die nächsten Tage zu erwarten Ist sie, wie zu erwarten ist, ebenso maßvoll wie der vorliegende nationalliberale Aufruf(vergl. Annonce), so werden hoffentlich überall die bürgerlichen Parteien vereint den sozialdemokratischen Angriff zurück⸗ weisen. Auch im Wahlkreis Gießen-Land muß es durch die Wahl eines tüchtigen Kandidaten gelingen, Herrn Scheidemann dem Landtag fernzuhalten....“ Herr N. ist sich also wenigstens darüber klar, daß die nationalmiserable Partei im Gießener Kreis gänzlich bankerott ist. Er sucht des halb Anschluß bei den Freisinnigen, über die allerdings seit Jahren dank ihrer unvorsichtigen Geschäftsverbindung mit den Nationalmiserablen das Konkurs verfahren verhängt ist. Die einen bankerott, die andern im Konkurs! Und die Firma will den Sozialdemokraten Konkurrenz machen! Dem Herrn N. scheint die Geschichte selber nicht geheuer, er schielt deshalb auch nach den Antisemiten. Warum auch nicht! Herr Hirschel wäre ein würdiger Kandidat für die freisinnig-nationalliberale Firma in Liquidation. Die Arbeiter werden die Schmutzkonkurrenz am 8. November schon in die Brenn Neßlinge setzen. Herr Hirschel kalt gestellt? * Der„Kleinen Presse“ wird aus Gießen geschrieben: „Wie wir aus zuverlässigster Quelle hören, soll als„liberaler“ Kandidat Herr Bürgermeister Leun in Großenlinden aufgestellt werden. Er hat zwar seine Gegnerschaft zu dem Notariatsgesetz im Organ Scite 4. Milieldeutsche Sonntags⸗Zeitung Nr. 41. des Antisemiten Köhler zum Ausdruck gebracht, aber das hätte wohl den Vorteil, daß auch die Antisemiten, die schon mit Herrn Leun in Unterhandlung ge⸗ standen haben sollen, diesen als Kandidaten acceptiren und ihre eigene Kandidatur Hirschel fallen ließen. So erschiene Herr Leun gewissermaßen als freisinnig⸗ antisemitisch-nationalliberaler Kandidat.“ Diese Notiz ergänzt unsere vorstehende Mil- teilung in ganz interessanter Weise. Daß die Kandidatur Hirschel selbst in antisemitischen Kreisen auf Widerspruch stößt, ist uns wiederholt mitgeteilt worden. Es giebt eine ganze Anzahl Leute, die mit Köhler gehen, die aber von Hirschel absolut nichts wissen wollen. Es ist also nicht ausgeschlossen, daß die Anti— semiten ihren Hirschel noch kalt stellen und ge meinsam mit den Nationalliberalen und Frei— sinnigen bei Herrn Bürgermeister Leun in Großen⸗Linden anklopfen. Herr Leung war, wie die„Kl. Pr.“ bemerkt, und wie auch uns bekaunt ist, von den Antisemiten zuerst als Kandidat in Aussicht genommen. Sie ließen ihn aber wieder fallen, weil er kein antisemitisches Glaubensbekenntnis ablegen wollte. Da dem seitherigen Abgeordneten für Gießen-Land, Herrn Bähr, im Gießener Kreis die Trauben zu hoch hingen, lehnte er ab, nahm aber die Kandidatur für Büdingen an. So wurde denn als Lücken⸗ büßer der Hirschel eingeschoben. Na, so wie er eingeschoben wurde, wird er unter Umständen auch wieder abgeschoben. Zur Warnung für Unternehmer. * Die„G. N. N.“ berichten von der Gießener Strafkammer unterm 30. September: „Der Maurermeister Steinbach von Gießen hatte sich gestern vor der Strafkammer wegen Ver— gehens gegen das Krankenkassengesetz und wegen Betrugs vor der Strafkammer zu verantworten. Derselbe ist geständig, in mehreren Fällen Ar⸗ beiter beschäftigt zu haben, welche er nicht zur Ortskrankenkasse angemeldet hat oder welche er als erst später in Arbeit getreten nachträglich meldete. Trotzdem hat er den Leuten die Krankenkassenbeiträge in Abzug gebracht. In der Verhandlung wurde festgestellt, daß im Geschäft des Angeklagten eine große Schloßigkeit in diesen Dingen herrsche, sodaß derselbe zwar bei unter— lassenen Anmeldungen Vorteile, in anderen Fällen durch unterlassene Abmeldungen usw. aber wesentliche Nachteile gehabt hat. Der Ge— richtshof erkannte an, daß der Fall sehr milke liege und verurteilte Steinbach zu einer Geld— strafe von 70 Mark.“ Der Bauernbund in Geldnot? *Die hessischen Antisemiten fechten in der Berliner Staatsbürgerzeitung um Beiträge für die Landtagswahlen. Das Gesuch ist unter— zeichnet von dem„Vorsitzenden des hessischen Bauernbundes, Bürgermeister Köhler-Langs— dorf.“ Ein Leser unseres Blattes, der uns den Zeitungsausschnitt zuschickte, fragt uns, ob denn in der Kasse des Bauernbundes, der doch an— geblich mehrere Tausend Milieder zählt, eine derartige Ebbe sei, daß sogar in der„Wenden— stadt Berlin“ gefochten werden müsse, wenn in Hessen Wahlen stattfinden? Darauf können wir keine absolut sichere Antwort geben. Wenn aber heute noch, wie in früheren Jahren, allein an den Schriftführer des Bauernbundes, den ehemaligen Architekten Hirschel, jähr— lich 2400 Mk. gezahlt werden müssen, so wäre es begreiflich, wenn für Wahlzwecke nicht viel Geld übrig blieb. Nachdem wir vor mehreren Jahren einmal die Abrechnung des Architekt Hirschelschen Bauernbundes beleuchtet haben, wird dieselbe nicht mehr veröffentlicht. Leichenverbreunung in Hessen. Da deer Inbetriebnahme des Offenbacher Crematoriums nach dem 23. September, an welchem Tage das Gesetz über die Feuerbestat— tung in Krast getreten ist, keinerlei Hinder⸗ nisse mehr entgenstehen, hat die Bürgermeisterei in Uebereinstimmung mit dem zuständigen Stadtvperordncten-Ausschuß Bestimmungen aus⸗ gearbeitet, unter denen zukünftige Leichenver⸗ brennungen in Offenbach vorgenommen werden dürfen. Danach sind bis auf Weiteres für die Verbrennung einer Leiche aus Offenbach M. 20 und einer Leiche von auswärts M. 30 zu ent⸗ richten. Davon gelten zwanzig Mark als Er⸗ satz des Aüfwandes für Brennstoff und Be⸗ dienung, die verbleibenden M 10 werden zur Tilgung des Baukapitals benutzt. Auswärtige Leichen dürfen erst dann zur Verbrennung hierhergebracht werden, wenn die polizeiliche Ge⸗ nehmigung der Heimatbehörde vorliegt. Die Ueberführungssärge müssen gut verdichtet, die Särge, in denen die Verbrennung geschieht, aus leichtem Holz gefertigt und höchstens 2,25 Meter lang, 0,75 Meter breit und 0,72 Meter hoch sein. Soweit nichts Anderes bestimmt wird, gelangen die Aschenreste in Blech⸗ büchsen auf dem Offenbacher Friedhof zur Beisetzung. Für einen Beisetzungsplatz von 605470 Centimeter und eine Ruhezeit von 15 Jahren ist eine Gebühr von 15 Mark zu ent⸗ richten. In Darmstadt empfing der Oberbürger— meister eine Abordnung des Darmstädter Vereins zur Förderung der Feuerbestattung, welche be— hufs Erricktang eines Crematoriums in Darm⸗ stadt bei der Stadtbehörde einleitende Schritte thun sollte. Der Oberbürgermeister verhielt sich gegen die Erbauung eines Crematoriums auf dem Darmstädter Fri dhofe durchaus wohlwollend und sagte die Förderung des Projekts zu. Der Verein wird nunmehr eine förmliche Eingabe an die Stadtverwaltung richten. Da von anderer Seite Schwierigkeiten nicht zu erwarten sind, dürste sich auch Darm— stadt in absehbarer Zeit eines Crematoriums erfreuen. Aus Marburg. -st- Mit dem 1. April nächsten Jahres geht die hiesige königl. Polizeiverwaltung in städtische Hände über Die Zahl der Schutzleute, wird von 9 auf 12 erhöht. Die bis jetzt in Dienst gewesenen Nacht⸗ wächter werden durch Nachtschutzleute ersetzt. Hoffentlich hat diese Aenderung für die Be— wohner Marburgs das Angenehme, daß sie fernerhin wen'ger in ihrer Nachtruhe durch randalirende Studenten gestört werden, denn mau darf wohl voraussetzen, daß die Schutz leute die Herren Musensöhne etwas kräftiger anfassen werden, als die bisherigen teilweise halb invaliden Nachtwächter es konnten.— Die nächtlichen Radau-Scenen der Herren Studirenden waren in den letzten Jahren thatsächlich zu einer öffentlichen Kalamität ge— worden, und wird es von der Bevölkerung nur freudig begrüßt werden, wenn in dieser Beziehung in Zukunft engerisch Wandel ge⸗ schafft wird.— Setteus der hiesigen organisirten Arbeiter wurde für die dänis hen Ausge⸗ sperrten durch zweimalige Sammlung die Summe von über 70 Mark aufgebra ht. Ferner bewilligten die Buchdrucker 20 M. u. die Flliale des Holzarbeiter-Verbandes 7.60 Mark, sodaß im ganzen ca. 100 Mark von hier abgegangen sein dürften. Für das kleine Häuflein organisirter Arbeiter am hiesigen Orte eine immerhin ganz annehmbare Summe. Alter schützt vor Thorheit nicht. Ein angejahrter Bauer von Astheim lernte in einer Mainzer Wirtschaft auf dem Graben eine Kellnerin kennen, die er alsbald zu hei⸗ raten beschloß. Er fuhr eiligst nach Offenbach und erhob auf der Sparkasse 3000 Mk. und holte am Sonntag die Kellnerin nach Hause. Am Montag, als der Bauer sort war, stahl die Person die 3000 Mk. und begab sich nach Mainz, um in Gesellschaft eines 19jährigen Schreibers und mehrerer Barbiergehilfen über 300 Mk. zu verjubeln. Am Abend begab sich das Paar nach Wiesbaden und mittlerweile machte der betrogene Bauer auf der Polizei die Anzeige. Die Polizei wartete in der Nacht auf die Heimfahrt der Droschke, diese kam aber erst um 2 Uhr zurück, und der Kutscher theilte mit, daß das saubere Paar von Schierstein nach Köln abgedampft sei. Der Telegraph spielte alsbald und wahrscheinlich wird die Kölner Polizei der Diebien schon habhaft geworden sein. Die Jagdbeute des Kaisers. Das Gießener Amtsblatt berichtet:„Die gesamte Jagdbeute des Kaiser während seines fünftägigen Aufenthaltes in Schweden beträgt 62 Rehböcke, 1 Fuchs und 7 Bussarde. Da⸗ von entfallen 24 Böcke und 1 Fuchs auf Snoge⸗ holm, während die übrigen 38 Böcke und die 7 Raubvögel in dem Jagdgebiet des Grafen Thott⸗Skabersjö erlegt wurden. Die Mehrzahl der erbeuteten Gehörne ist außerordentlich stark und prächtig geperlt. Von den während seines Aufenthalt hergestellten Photographien hat der Kaiser eine ganze Mappe kaufen und mit nach Deutschland nehmen lassen.“— Wir haben dem nichts hinzuzufügen. Ausbeutung weiblicher Arbeitskraft. Unser Münchener Parteiblatt berichtet folgenden bemerkenswerten Fall: Dieser Tage hatte sich vor dem Schöffengericht eine 175 jährige Ladnerin wegen Diebstahls zu verantworten. Das Mädchen war im Korsetten⸗ geschäft von D. Lewandowsy, Marienplatz, mit einem monatlichen„Gehalt“ von sage und schreibe fünfzehn Mark in Stellung und stand unter Anklage, ihrem Chef nach und nach acht Korsetten, einen Damen⸗Unterock, einen Barbetrag von 60 Pfg. und sonstige Kleinig⸗ keiten im Gesamtwerte von 80 Mark entwendet zu haben. Die Mutter mußte wegen Hehlerei neben der Tochter auf der Anklagebank platz⸗ nehmen. Die Tochter war des Diebstahls ge— ständig, die Mutter leugnete die Hehlerei. Der Amtsanwalt Graf Pestalloza meinte in seinem Plaidoyer, daß nach dem Gesetze das Mädchen bestraft werden müsse, obwohl ihm bei einem derartigen Hungerlohn, wenn es seine Sittenreinheit nicht zum Opfer bringen wollte, nichts anderes übrig blieb, als zu stehlen. Das Gericht verurteilte die Ladnerin wegen Diebstahls zu acht Tagen Gefängnis, sprach die Mutter wegen Hehlerei frei. Nach Verkündigung des Urteils bemerkte der Amts⸗ richter, daß jedenfalls die Staatsanwaltschaft Veranlassung nehmen werde, hier eine bedingte Begnadigung eintreten zu lassen!— Drei charakteristssche Peozesse. Der Club der Harmlosen. In Berlin stehen gegenwärtig eine Anzahl Herren aus deu„allerfeinsten“ Familien vor Gericht, um sich wegen gewerbsmäßigem Glücks— spiel zu verantworten. Nan wird den blau⸗ blütigen Herrn nicht viel anhaben können, da die Belastungszeugen„abgereist“ sind. Es kam in den seitherigen Verhandlungen allerlei zur Sprache, aus dem hervorging, wie diese nichts thuenden Herrchen die Zeit und das Geld tot— schlagen. So wurde, um den Aufwand eines Herrn v. Kröcher festzustellen, mitgeteilt, daß dieser junge Mann in einem Zeitraum von/ Jahren für etwa 4000 Mk. Garderobe gebraucht habe. Und das schö ste war, daß ein alter in vieler Herren Diensten erfahrener Kammerdiener vor Gericht diesen Garderobenverbrauch als keineswegs besonders hoch bezeichnete! So wird das Geld verpraßt, das aus dem arbeitenden Volk herausgeschunden wird. Ein Schweinepriester. Der vom niederbayrischen Schwurgericht wegen Sittlichkeitsverbrechen und Meineidsverleitung zu 10 Jahren Zuchthaus verurtheilte 61 jährige katholische Pfarrer Moosauer in Bocking(Niederbayern) hatte, theilweise unter dem Scheine von Kurpfusche ei, an vielen Kindern, an zahlreichen gesunden und kranken, Mädchen und Frauen, selbst au totkranken während der Verichtung seelsorgerischer Hand⸗ lungen, ferner auch an den Mädchen des Jungfrauen bundes(d) in deren Eigen⸗ schaft als Mitglieder des Bundes die un⸗ fläthigsten Dinge begangen. Kommunionunter⸗ richt und Beichte mißbrauchte er zu den übel⸗ sten Reden. Er verfolgte diejenigen, welche ihn in der Bekämpfung lästiger Zeugen nicht. unter⸗ stützen. Sein Uawesen trieb er seit vielen Jahren. Viele Zeugen sagten, wie aus dem Bericht der„Münch. N. Nachr.“ ersichtlich ist, unter dem Drucke der Anschauung aus, sie sollten dem Pfarrer heraushelfen.„Wie aus ausführlichen Berichten zu ersehen ist, hat dieser katholische Cyristenlehrer thatsächlich die un⸗ glaublichsten Schweinereien begangen. Nicht einmal der Beichtstuhl ist ihm heilig gewesen. 1 At. 5 N 50 r 0 füge 1 10 Famil 113 8 bertel Mane Deche ü sie arten 6 Glublo 5 0 fach Ehlach sungbel bhielt, n Löhaft lungte Da8 0 d. 8 len lacht g Uurde Dent agen Würde 550.6 Cin 6 rosa fluch Würde Veise teil icten, Freud gerte d scheine de b Hanf Came fahref Mitt Soil 0 Busch glue eg 9 Tage 9 Wurd Hils Made schlac d ls, Zuec chen ure 1 fand r fr in uf für scheit ber Muß fe bonn bon prall etlich ihren aphien 1 und Wir kraft, richtet Tage e 17. da b mit e und und d Hach keinen leinig⸗ wendet, ehlerei blatz ls ge⸗ „ Der seinem jädchen einem feine ringen ls zu dnerin ignis, Nach Amts⸗ schaft kdingte e. Anzahl n bor glücks⸗ blau- en, da Cs kum lei zur nichts eld tot d eines t, daß bol 0 braut alter erdienel ach als 30 wilb eitendel —— ht regel tung zl alte ol! oosoll ge l vielel. frallel, ttrunkel Halde hell des igel die me u ib 0 1 Untel⸗ Fiel aus den lig 0 1 0 1 l a d 1 U nic geo 0 9 5 1 ee. 41. Mitteldeutsche Tonntags-⸗Zeitung. Seite 5. Die ehrsame Metzgersfrau. In München stand die Metzgersgattin Sauter vor Gericht, eine 44jährige Frau, die mit un⸗ zähligen Mannsleuten Liebesabenteuer hatte und ihren Mann, ihre Kinder, und sonstige Familienangehörige, zusammen 9 Personen, um's Leben bringen wollte, um ihren Liebes— abenteuern besser nachgehen zu können. Ihr Plan wurde entdeckt und die Frau verhaftet.— Die Geschworenen haben die Frau freigesprochen, da sie unter dem unheilvollen Einfluß einer Kartenschlägerin gestanden habe. Kleine Mitteilungen. * Gießen. Um Dreyfus sind im hiesigen Clublokal die Landgerichtsräte Seeger und Kullmann uneinig geworden, so daß dem— nächst vor dem Schöffengericht die Sache zur Sprache kommt. — Die Abendunterhaltung, welche der Ge— sangverein Eintracht am vorigen Samstag abhielt, nahm einen sehr schönen Verlauf. Die zum Vortrag gebrachten Lieder fanden ebenso lebhaften Beifall, wie das zur Aufführung ge— langte Theaterstück:„Um schnöden Mammon.“ Das Fest war außerordentlich gut besucht. a. Gießener Stadttheater. Die Direk⸗ toren Kruse und Helm haben die Saison in recht glücklicher Weise eröffnet. Am Sonntag wurde„Modame Sans Genc“ gespielt, am Dienstag der oberverrückte Schwank„Der Schlaf— wagenkontrolleur“ und am Mittwoch Abend wurde Goethe gehuldigt. Zur Nachfeier seines 150. Geburtstags ging„Egmont“ in Scene. Ein von Alfred Bock, der sich neben seiner prosaischen Beschäftigung als Cigarrenfabrikant auch litterarisch bethätigt, verfaßter Prolog wurde von Frl. Agnes Hammer in vollendeter Weise zu Gehör gebracht. Ein abschließendes Urteil über die Leistungsfähigkeit des neuenga⸗ girten Personals läßt sich noch nicht abgeben. Freudig begrüßt haben wir die wieder enga— gierten Kräfte des Theaters, die Herren Walter und Wilhelmi. Von den neuen Kräften scheinen die Damen Hammer und Haußig die besten Aquisitionen zu sein. Die letztge— nannte Künstlerin war als Klärchen in Goethes Egmont wirklich vorzüglich.— Wie wir er— fahren, findet die erste Volksvorstellung Mittwoch, den 11. Oktober statt. Gespielt wird Schillers„Don Karlos.“ Heuchelheim. Die Cigarrenfabriken von Busch u. Mylius in Heuchelheim und Wald— girmes sind am 1. Oktober in den Besitz der hiesigen Firma Rinn u. Cloos übergegangen. Rödgen. Seit dem 23. September ist der Tagelöhner Höres von hier spurlos verschwunden. Mord. In dem tschechischen Orte Pol na wurde ein heruntergekommener Jude namens Hilsner zum Tode verurteilt, weil er ein Mädchen ermordet haben soll. Die Antisemiten schlachten die scheußliche That des arbeitsscheuen und den schlechtesten Ruf genießenden Hilsner aus, indem sie von einem Mord zu religiösen Zwecken(Ritualmord) reden.(Durch ein Ver⸗ sehen in der Druckerei ist diese Notiz seither zurückgeblieben). Der in Haft befindliche Hilsner hat„ge— stauden“, daß er Mitschuldige gehabt hätte. Er hat dieses„Geständnis“ gemacht in der furchtbarsten Angst, hingerichtet zu werden. Ein Mitgefangener hatte ihm nämlich gesagt, auf dem Gefängnishofe werde schon der Galgen für ihn errichtet. Hilsner beschuldigte, wahr— scheiulich um Zeit zu gewinnen, zwei Juden der Mitschuld. Beide wurden sofort verhaftet, mußten aber wieder frei gelassen werden, da sie ihre Unschuld sofort klipp und klar nachweisen konnten. Es sei hier erwähnt, daß Hilsner von den unter dem Einfluß der erregten und von Antisemiten aufgehetzten Volksmassen stehen⸗ den Geschworenen schuldig gesprochen wurde, ohne daß auch nur ein einziger wirklich zu⸗ verläsffger Beweis erbracht worden wäre. Es liegt die Möglichkeit vor, daß ein anderer die Mordthat beging. So hat z. B. der Pfarrer des Ortes, doch gewiß ein glaub— würdiger Zeuge, bekundet, daß er in der Nähe des Mordplatzes im Walde„einen fremden, wildaussehenden Mann“ zur Zeit des Mordes gesehen hat. Es ist dringend zu wünschen, daß die vollständige Wahrheit an's Licht kommt. Ansteckung im Schwimmbassin. In einer Berliner Badeanstalt haben sich zahlreiche Personen eine gefährliche Augenkrankheit geholt. Dr. Schultz berichtet darüber in der„Berl. Klin. Wochenschrift.“ Es wurde angeordnet, daß Augenkranke nicht mehr in das Schwimm— bassin dürfen.— Ein anderer Arzt macht im „Vorwärts“ darauf aufmerksam, daß es in manchen Bade⸗-Anstalten, ebenso wie in manchen Hotels und Restaurants üblich sei, die Wäsche — dort die Badewäsche, hier die Bettwäsche, Handtücher Servietten ꝛc.—, soweit solche nicht sichtbare Spuren der Verunreinigung durch den Gebrauch aufweisen, nicht vollständig neu zu waschen, sondern einfach zu befeuchten und frich zu rollen. Daß hierbei Ansteckungs⸗ keime, welche z. B. beim Abtrocknen leicht an die Wäsche geraten, nicht sicher entfernt oder vernichtet werden, sei klar. Deshalb sollte die Sanitätspolizei ihr Augenmerk auf diese Dinge richten, und es wäre zu fordern, daß die Wäsche nach jedesmaligem Gebrauch nicht nur gehörig gewaschen, sondern womöglich auch durch Dampfsterilisatoren von allen etwa ihr an— haftenden Ansteckungsstoffen sicher besreit würde. Arbeiterbewegung. Die vereinigten Gewerkschaften in Dä nn e⸗ mark bezeigen den deutschen Arbeitern nach dem errungenen Siege ihren Dank. Der Redak- tion unseres Blattes(und wie wir aus der Parteipresse erfahren, auch den übrigen Patei— blättern) ist in Form einer großen Ansichts⸗ postkarte eine hübsch ausgestatte Photolitographie, darstellend das Kopenhagener„Folkets-Hus“ (Volkshaus) zugegangen. Unter der Abbildung des Versammlungslokales der Arbeiter befinden sich in roter Schrift und in dänischer Sprache folgende Worte: „Kopenhagen im September 1899. Unsern Mitkämpfern im Auslande! Der Friedensschluß ist aufrecht erhalten! Dank für Euere Mitwirkung unter der Aus⸗ sperrung. Für die vereinigten Gewerkschaften in Dänemark: ue; Achtung, Fabrikarbeiterinnen! * Die deutschen Gewerbeinspektoren sind an— gewiesen worden, an die Fabrikanten eine An— zahl Fragen zu richten, die sich auf die in Fabriken beschäftigten verheirateten Arbeiterinnen beziehen. So werden die Fabrikanten gefragt, wieviel verheiratete Arbeiterinnen sie beschäftigen, wie lange die tägliche Arbeitszeit dauert, wieviel die Arbeiterinnen wöchentlich verdienen, warum die Frau, falls der Mann noch lebt, in der Fabrik arbeitet, und ob die Fabrikanten in der Lage sind, ihren Bedarf an Arbeitskräften doch decken zu können, wenn e'wa die Fabrikarbeit für verheiratete Frauen gänzlich verboten oder eingeschränkt würde. Selbstverständlich würden die Antworten sehr einseitig ausfallen, wenn nur die Fabrikanten gefragt werden. Das soll in Hessen nicht ge— schehen. Die hessischen Gewerbeinspektoren wollen nicht nur die Fabrikanten fragen, sondern auch die verheirateten Arbeiterinnen selbst. Den letzteren gehen demnächst Fragebogen zu, um deren gewissenhafte Ausfüllung sie auch von uns dringend gebeten werden. Keine Arbeiterin braucht zu befürchten, daß ihre Angabeu irgendwie nachteilig für sie werden könnten. Die Gewerbe— inspektoren und deren Assüstentinnen sind in jeder Beziehung un abhängige Beamte, deren Auf— gabe darin besteht, streug darauf zu achten, daß die zum Schutze von Gesundheit und Leben der Arbeiter und Arbeiterinnen geschaffenen Bestimm— ungen von den Unternehmern streng beobachtet werden. Im Uebrigen sollen sie die erforderlichen Grundlagen schaffen für neue gesetzliche Be— stimmungen im Interesse der Arbeiter. Dem letzteren Zwecke dient auch die neue Um— frage. Es liegt also im eigensten Interesse der Arbeiterinnen, alle vorgelegten Fragen genau zu beantworten. Besonders möchten wir auf die Frage 7 hinweisen. Dieselbe lautet: Bekommen Sie für gleiche Arbeit den— selben Accordlohn, als wenn ein Mann die Arbeit machen würde? Leider fehlt die weitere Frage, ob für dieselbe Arbeit auch der gleiche Stundenlohn gezahlt wird. Die Arbeiterinnen können diesen Fehler durch ihre Antworten wieder gut machen. Nehmen wir folgende Beispiele an: 1. In der Cigarrenfabrik von Peter Tabakstengel wird nur in Accord gearbeitet; für 100 Wickel giebt es 25 Pfg., einerlei ob die Wickel von einer Frau oder einem Mann gemacht werden. In diesem Falle müßte also die Arbeiterin die Frage 7 mit Ja beautworten. Nehmen wir aber weiter an: 2. In der Ci— garrenfabrik von August Deckblatt wird teilweise in Accord, teilweise in Tagelohn gearbeitet. Die Accordsätze sind für dieselbe Arbeit die gleichen bei Männern und Frauen. Aber im Tagelohn wird den Männern pro Stunde 20 Pfg., den Frauen nur 12 Pfg. gezahlt, obgleich beide dieselben Arbeiten zu verrichten haben und auch darauf gesehen wird, daß die Frauen nicht weniger als die Männer schaffen. In diesem Falle müßte die Frage 7 etwa so beantwortet werden: Jawohl! Accord sätze sind gleich. Aber der Stundenlohn ist bei den Männern höher, obwohl ich dasselbe leisten muß, wie sie. Die männlichen Arbeiter mögen ihren Colle— ginnen bei der Ausfüllung der Fragebogen zur Hand gehen. Es ist nuch für sie vom allergrößten Interesse, daß alle vorgelegten Fragen ge— wissenhaft beantwortet werden. (Wir bemerken noch ausdrücklich, daß zu jedem Fragebogen ein Couvert geliefert wird, das die Arbeiterinnen mit dem beantworteten Bogen unfrankiert in den Briefkasten stecken mögen.) Partei⸗ Nachrichten. Versammlungs⸗Kalender. Samstag, 14. Oktober: Gießener Wahlverein Abends 9 Uhr bei Orbig. T.⸗Ordn.: Politische Monatsschau. Ref.: Gen. Beckmann. Quittungen. Aus Heuchelheim für die Land⸗ tagswahl 10.50, für den Parteitag: Heuchelheim 10 Mk. Liste Nr 21. 4 M., Liste Nr 8 10.20 M. Für die Landtagswahlen von A.⸗G. 2 M. Büdingen. Hier ist der Parteigenosse Peter Meuser gestorben. Er ruhe in Frieden. Briefkasten der Redaktion. Oberschönau. Verjährungsfrist bei Aerzten 2 Jahre,(194 B. G. B. Zur Landtagswahl in Gießen ⸗ Land. Laut amtlicher Bekanntmachung findet die Wahl der Wahlmänner im Gießener Landkreis statt am Mittwoch, den S. November. Die Wahlstunden werden spätestens am Samstag, den 4. November, in jeder Gemeinde ortsüblich— also durch die Schelle oder Anschlag beim Bürgermeister— bekannt gemacht. Die Wählerlisten liegen drei Tage lang zu jedermanns Einsicht auf und zwar Montag, den 23. Dienstag, de! 24. und Mittwoch, den 25. Oktober. Ueberzeuge sich jeder Wähler, ob sein Name in der Liste steht. Be⸗ sonders muß in jedem Ort nachgesehen werden, ob die von uns aufgestellten Wahlmänner in der besonderen Wahlmännerliste vermerkt sind. iessbs Stadttheatef. Sonntag, den 8. Oktober 1899: Der Stabstrompeter. Gesangsposse in 4 Akten von W. Mannstedt. Musik von Gust. Steffens. Mittwoch, den 11. Oktober: 1. Volks vorstellung: Don Karlos. Dramatisches Gedicht von Friedrich Schiller— Sr e s Nr. 41. Seite 6. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. 5 a 5 5 mit prachtvollen Wandgemälden; das Schau. einer mit Klugheit angeordneten Unterredung, 1 SS—— espielhaus, eines der größten Deutschlands; das Freiheit und Leben dafür anzubieten, ja ihm, —ññññññ ͤ—.— LLL Unterhaltungs⸗CTeil. „ Sturmlied. O begeisterungsseliges Grausen, Das des Knaben Busen hob, Wenn des Frühlings Siegesbrausen Jauchzend durch die Wälder schnob! Kühn zu thronen In den Kronen Schwanker Pappeln, Lust! o Lust: Und ein Sturm des Thatendranges Brach auf Wogen des Gesanges Sehnsuchtswild aus meiner Brust: 7 „Beugt sich, Sturm, vor Deinem Grimme Ast zu Ast mit Angstgestöhn, Eines Welterob'rers Stimme Nör' ich in den Wolkenhöh'n. Mit zu fliegen Mit zu siegen, Dunkler Heros, starker Nord, Su unsterblichen Gefechten Mit Tyrannen und mit Anechten Reiß mich auf und trag mich fort!“ Und Du hast mich fortgetragen, And vollendet ist mein Lauf, Bin zerschmettert und zerschlagen;— Aber Dich— was hält Dich auf! Früh gefallen, Hör' ich schallen Ueber meiner Gruft Dein Weh'n: „Der Gedanke, dem Dein Leben Opfernd Du dahingegeben, Siegend wird er weiter geh'n.“ Arthur Fitger. Hannover. el. Hannover, die Hauptstadt der gleich⸗ namigen preußischen Provinz,“ liegt in einer wohlangebauten Ebene an der Leine. Die Stadt besteht aus der Altstadt, der Aegidien⸗ Neustadt auf dem rechten Leineufer, der Kalen⸗ berger Neustadt, den früheren Vorstädten Garten⸗ gemeinde und Glocksee, der Ernst August⸗Stadt und den 1891 eingeschlosseuen früheren Land⸗ gemeinden List, Vahrenwald, Hainholz und Herrenhausen. Jenseits des Flusses Ihme, der sich hier in die Leine ergießt, liegt die Stadt Linden. Die neuen Stadtteile sind regelmäßig gebaut, haben breite Straßen mit prächtigen Gebäuden. Neben den modernen Straßen stehen im Innern der Stadt schmale, mittelalterliche Häuser mit hohen Giebeln und Erkern. An öffentlichen Plätzen sind hervorzuheben: der Ernst August⸗Platz am Bahnhof, mit hübschen Teppich⸗ beeten und dem Reiterstandbild des Königs Ernst August, der Aegidienplatz, der Waterloo⸗ platz mit der 47 Meter hohen Waterloosäule. Von den Baulichkeiten sind zu nennen: das Königliche Schloß(1630— 40 erbaut), jetzt Generalkommando des 10. Armeekorps; das ehemalige Palais des Königs Ernst August mit dessen Privatbibliothek, Kupferstich⸗, Waffen⸗ und Münzsammlungen(jetzt Oberpräsidium); das Königliche Archivgebäude mit der 120 000 Bände zählenden Bibliothek; das neue Gebäude des Landesdirektoriums; das Rathhaus aus dem 15. und 16. Jahrhundert stammend, im Innern * Unser geschätzter el-Mitarbeiter wird uns hier gütigst folgende Ergänzung gestatten: Bis 1866 war Hannover ein selbstständiges Königreich. Georg dem Fünften,„von Gottes Gnaden König von Hannover“, wurde 1866 ebenso wie Friedrich Wilhelm dem Ersten, „von Gottes Gnaden Kurfürst von Hessen“, durch Wilhelm den Ersten,„von Gottes Gnaden König von Preußen“ klar gemacht, was der Unterschied zwischen Großen und Kleinen ist. Aus dem Königreich Hannover und dem Kurfürstentum Hessen wurden 1866 preußische Provinzen, an deren Spitzen von da ab Oberpräsidenten gestellt wurden. Den annektierten Hanno⸗ veranern und Kurhessen wurde so klar gemacht, daß man sich im Notfall auch ohne angestammtes Herrscherhaus pon Gottes Gnaden begnügen und mit einem Verwal⸗ Museum und das neue Justizgebäude. Ganz besonders hervorragend sind der Bahnhof und das Welfenschloß. Der Bahnhof kostete 222 Millionen Mark und gilt als Muster aller Bahn⸗ hofsanlagen; das Welfenschloß ist ein vollendeter Prachtbau; es wurde zur polytechnischen Hoch—⸗ schule umgebaut. Hannover zählt jetzt 175000 Einwohner und hat eine bedeutende Industrie, namentlich Eisengießerei und Maschinenfabrikation, Fabriken für Tabak, Leinenwaaren, Pianos, Wagen, Schokolade, Lampen, Glas, Asphalt, Parfü⸗ merien, Oefen u. s. w. Dem Verkehr dienen zahlreiche Straßenbahnen und Omnibusse. Hannover ist der Geburtsort des berühmten Astronomen Herschel und der beiden Dichter Schlegel. f Die Umgegend ist zwar flach, aber nicht ohne Reiz. Zwei Kilometer im Nordwesten der Stadt liegt das frühere Dorf Herrenhausen. Eine prächtige Lindenallee führt dorthin. Dort liegen die polytechnische Hochschule und das Lustschloß der ehemaligen Könige von Hannover. Der in französischem Geschmack gehalteze Schloß⸗ garten enthält ein Gartentheater, Fontänen, Wasserwerke und eine große Orangerie. Auf der eutgegengesetzten Seite des Schlosses liegt der Berggarten, einer der besteingerichteten bota⸗ nischen Gärten mit Palmen⸗ und Gewächs⸗ häusern. Im Osten der Stadt dehnt sich die Eilenriede, ein schöner mit Buchen, Eichen und Nadelholz bestandener Wald, aus. Dort liegt auch der zoologische Garten. Michael Kohlhaas. Historische Erzählung von H. von Kleist. (12. Fortsetzung.) Der Kurfürst, indem er sich den Schweiß abtrocknete, fragte: ob man nicht unmittelbar zu diesem Zwecke nach Dahme schicken, und den weiteren Transport des Roßhändlers vorläufig, bis man des Blattes, auf welche Weise es sei, habhaft geworden, einstellen könne? Der Kämmerer, der seinen Sinnen nicht traute, ver⸗ setzte: daß leider allen wahrscheinlichen Be⸗ rechnungen zufolge der Roßhändler Dahme be⸗ reits verlassen haben, und sich jenseits der Grenze auf brandenburgischem Grund und Boden be⸗ finden müsse, wo das Unternehmen, die Fort⸗ schaffung desselben zu hemmen, oder wohl gar rückgängig zu machen, die unangenehmsten und weitläufigsten, ja solche Schwierigkeiten, die vielleicht gar nicht zu beseitigen wären, veran⸗ lassen würde. Er fragte ihn, da der Kurfürst sich schweigend mit der Geberde eines ganz Hoffnungslosen auf das Kissen zurücklegte: was denn der Zettel enthalte? und durch welchen Zufall befremdlicher und unerklärlicher Art ihm, daß der Inhalt ihn betreffe, bekannt sei? Hierauf aber, unter zweideutigen Blicken auf den Kämmerer, dessen Willfährigkeit er in diesem Falle mißtraute, antwortete der Kurfürst nicht: starr, mit unruhig klopfendem Herzen lag er da, und sah auf die Spitze des Schnupftuchs nieder, das er gedankenvoll zwischen den Händen hielt; und bat ihn plötzlich, den Jagdjunker vom Stein, einen jungen, rüstigen und gewandten Herrn, dessen er sich öfter schon zu geheimen Geschäften bedient hatte, unter dem Vorwand, daß er ein anderweitiges Geschäft mit ihm ab⸗ zumachen habe in's Zimmer zu rufen. Den Jagdjunker, nachdem er ihm die Sache auseinandergelegt, und von der Wichtigkeit des Zettels, in dessen Besitz der Kohlhaas war, Unterrichtet hatte, fragte er, ob er sich ein ewiges Recht auf seine Freundschaft erwerben, und ihm den Zettel, noch ehe derselbe Berlin erreiche, verschaffen wolle? und da der Junker, sobald er das Verhältnis nur, sonderbar wie es war, einigermaßen überschaute, versicherte, daß er mit allen seinen Kräften zu Diensten stehe: so trug ihm der Kurfürst auf, dem Kohl⸗ haas nachzureiten, und ihm, da demselben mit wenn er darauf bestehe unmittelbar, obschon mit Vorsicht, zur Flucht aus den Händen der brandenburgischen Reiter, die ihn transportirten, mit Pferden, Leuten und Geld an die Hand zu gehen. Der Jagdjunker, nachdem er sich ein Blat von der Hand des Kurfürsten zur Beglaubigung ausgebeten, brach auch sogleich mit einigen Knechten auf, und hatte, da er den Odem der Pferde nicht sparte, das Glück, den Kohlhaas auf einem Grenzdorf zu treffen, wo derselbe mit dem Ritter von Mahlzahn und seinen fünf Kindern ein Mittagsmahl, das im Freien vor der Thüre eines Hauses angerichtet war, zu sich nahm. Der Ritter von Malzahn, dem der Junker sich als einen Fremden, der bei seiner Durchreise den seltsamen Mann, den er mit sich führe in Augenschein zu nehmen wünsche, vor⸗ stellte, nötigte ihn sogleich auf zuvorkommende Art, indem er ihn mit dem Kohlhaas bekannt machte, an der Tafel nieder; und da der Ritter in Geschäften der Abreise ab und zuging, die Reiter aber an einem auf des Hauses andere Seite befindlichen Tisch ihre Mahlzeit hielten: so traf sich die Gelegenheit bald, wo der Junker dem Roßhändler eröffnen konnte, wer er sei, und in welchen besonderen Aufträge er zu ihm komme. Der Roßhändler, der bereits Rang und Namen dessen, der beim Anblick der in Rede stehenden Kapsel in der Meierei zu Dahme in Ohnmacht gefallen war, kannte, und der zur Krönung des Taumels, in welchen ihn diese Entdeckung versetzt hatte, nichts bedurfte, als Einsicht in die Geheimnisse des Zettels, den er um mancherlei Gründe willen, entschlossen war, aus bloßer Neugierde nicht zu eröffnen: der Roßhändler sagte, eingedenk der unedelmütigen und unfürstlichen Behandlung, die er in Dresden bei seiner gänzlichen Bereitwilligkeit, alle nur möglichen Opfer zu bringen, hatte erfahren müssen:„daß er den Zettel behalten wolle.“ Auf die Frage des Jagdjunkers: was ihn zu dieser sonderbaren Weigerung, da man ihm doch nichts Minderes, als Freiheit und Leben dafür anbiete, veranlasse? antwortete Kohlhaas:„Edler Herr! Wenn euer Landesherr käme, und spräche, ich will mich mit dem ganzen Troß derer, die mir das Scepter führen helfen, vernichten— vernichten, versteht ihr, welches allerdings der größte Wunsch ist, den meine Seele hegt: so würde ich ihm doch den Zettel noch, der ihm mehr wert ist, als das Dasein, verweigern und sprechen: du kannst mich auf's Schaffot bringen, ich aber kann dir weh thun und ich will's!“ Und damit, im Antlitz den Tod, rief er einen Reiter herbei, unter der Aufforderung ein gutes Stück Essen, das in der Schüssel übrig geblieben war, zu sich zu nehmen: und für den ganzen Rest der Stunde, die er im Flecken zubrachte, für den Junker der an der Tafel saß wie nicht vorhanden, wandte er sich erst wieder, als er den Wagen bestieg mit einem Blick der ihn abschiedlich grüßte, zu ihm zurück.— Der Zustand des Kurfürsten, als er diese Nachricht bekam, verschlimmerte sich in dem Grade, daß der Arzt während drei verhängniß⸗ voller Tage seines Lebens wegen, das zu gleicher Zeit von so vielen Seiten angegrfffen ward in der größesten Besorgniß war. Gleichwohl stellte er sich durch die Kaft seiner natürlichen Gesund⸗ heit nach dem Krankenlager einiger peinlich zu⸗ ebrachten Wochen wieder her; dergestalt wenig⸗ stens, daß man ihn in einen Wagen bringen, und mit Kissen und Decken wohl versehen nach zurückführen konnte. Sobald er in dieser Stadt von Meißen rufen, und fragte deuselben: wie es mit der Abfertigung des Gerichtsrats Eiben⸗ maier stünde, den man als Anwalt in der Sache des Kohlhaas nach Wien zu schicken ge⸗ sonnen gewesen wäre, um kaiserlicher Majestät daselbst die Beschwerde wegen gebrochenen, kaiser⸗ lichen Landfriedens vorzulegen? Der Prinz antwortete ihm: daß derselbe, dem bei seiner tungs⸗Beamten auskommen muß. Red. d. M. S.⸗Z. Geld wahrscheinlich nicht beizukommen sei, in Dresden zu seinen Regierungsgeschäften wieder an angekommen war, ließ er den Prinzen Christiern Abreise nach Dahme hinterlassenen Befehl ge⸗ mäß, gleich nach Ankunft des Rechtsgelehrten fallgell . 10 fal fene Anrelse N delt Ae 1 fle ö Fate t den I eil 1 Oel dufflrse he er E. n den bol ih l be orden bone keine he lte d geldüng, fe, zu fachde en de li zur derb 1 N Kur kr ab Tat fie aselbe! bier Ci Ulfläte, sahellich i ihn z beer Be en de e, d Ualttät facung! gegan, lage de 7 lt der kustriche thalt s 0 Wen zu *.. 1 — AA un unden dur hn age backen Otkethe 5 ige eh Hand Vlalt gung nigen m der haas erselhe fünf N bor ar, zu m der feiner lit sich 70 bok⸗ mende ekannt Ritter ig, die andere sielten: Junker er sei, zu ihm g und Rede Dahme d der n diese te, als den er War, : der nütigen dresden. lle nur fahren wolle.“ als Anwalt nach Dresden geschickt hätte, um von Tronka der Rappen wegen seiuer Eigenschaft als Ankläger in Wien nicht lichte, der eben heute eingelaufen, reichung der Klage bei der Wiener Staatskanzlei vorgegangen wäre. ihn zu m doch f dafür spröäche, 0 rer, die ten— 105 der ect. Je er ihm ern und bringen, wills!“ eilen in gutes chlber ganzen brachte, sß wi oder, ale der ihn er diese in dent pärgulb 115 ward il ele Gesund⸗ lich zu t wenig bange hen 1. e Eta. dieses Geschäfls gleich nach seiner Wien zur Pflicht gemacht hätte. Händen des Abdeckers, behufs ihre künftigen bember unter Umständen Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 7. uner, den der Kurfüst von Brandenburg die Klage desselben gegen den Junker Wenzel vor Gericht zu hringen, nach Wien abgegangen wäre. Der Kurfürst, indem er errötend an seinen Arbeits- tisch trat, wunderte sich über diese Eilfertigkeit, indem er seines Wissens erklärt hätte, die definitive Abreise des Eibenmaier wegen, vorher not⸗ wendiger Rücksprache mit dem Doctor Luther, der dem Kohlhaas die Amnestie ausgewirkt, einem näheren und bestimmten Befehl vorbe⸗ halten zu wollen. Dabei warf er einige Brief⸗ schaften und Acten, die auf dem Tisch lagen, mit dem Ausdruck zurückgehaltenen Unwillens über einander. Der Prinz, nach einer Pause, in welcher er den Kurfürsten mit großen Augen ansah, versetzte, daß es ihm leid thäte, wenn er seine Zufriedenheit in dieser Sache verfehlt habe; inzwischen könne er ihm den Beschluß des Staatsrats vorzeigen, worin ihm die Abschickung des Rechtanwalts zu dem besagten Zeitpunkt zur Pflicht gemacht worden wäre. Er setzte hinzu, daß im Staats⸗ rat von einer Rücksprache mit dem Doctor Luther auf keine Weise die Rede gewesen wäre; daß es früherhiu vielleicht zweckmäßig gewesen sein möchte diesen geistlichen Herrn wegen der Ver⸗ wendung, die er dem Kohlhaas angedeihen lassen, zu berücksichtigen, nicht aber jetzt mehr, nachdem man demselben die Amnestie vor den Augen der ganzen Welt gebrochen, ihn arretirt, und zur Verurteilung und Hinrichtung an die hrandenburgischen Gerichte ausgeliefert hätte. Der Kurfürst sagte: das Versehen, den Eiben— maier abgeschickt zu haben, wäre auch in der That nicht groß; inzwischen wünsche er, daß derselbe vorläufig bis auf weiteren Befehl in aufträte, und bat den Prinzen, deshalb das Er⸗ forderliche unverzüglich durch einen Expressen an ihn zu erlassen. Der Prinz antwortete: daß dieser Befehl leider um einen Tag zu spät käme, indem der Eibenmaier bereits nach einem Be⸗ in seiner Qualität als Anwalt aufgetreten, und mit Ein⸗ Er setzte auf die betroffene rage des Kurfürsten: wie dies überall in so urzer Zeit möglich sei? hinzu: daß bereits seit der Abteise dieses Mannes drei Wochen verstrichen wären, und daß die Instruktion, die er erhalten, ihm eine ungesäumte Abmachung Ankunft in Eine Ver⸗ zoͤgerung, bemerkte der Prinz, würde in diesem Fall um so unschicklicher gewesen sein, da der brandenburgische Anwalt Zäuner gegen den Junker Wenzel von Tronka mit dem trotzigsten Nachdruck verfahre, und bereits auf eine vor⸗ läufige Zurückziehung der Rappen aus den tragen, und auch aller Einwendungen der Gegenpartei ungeachtet solche durchgesetzt habe. Der Kurfürst, indem er die Klingel zog, sagte: „gleichviel! es hätte nichts zu bedeuten!“ und nachdem er sich mit gleichgültigen Fragen: wie es sonst in Drer den stehe, und was in seiner Abwesenheit vorgefallen sei, zu dem Prinzen zurückgewandt hatte: grüßte er ihn, unfähig seinen innersten Zustand zu verbergen, mit der Hand und entließ ihn. Er forderte ihm noch an demselben Tage schriftlich, unter dem Vorwande, daß er die Sache ihrer politischen Wichtigkeit wegen selbst bearbeiten wolle, die sämmtlichen Kohlhaasischen Acten ab; und da ihm der Gedanke, denjenigen zu verderben, von dem er allein über die Ge⸗ heimnisse des Zettels Auskunft erhalten konnte, unerträglich war: so verfaßte er einen eigen⸗ händigen Brief an den Kaiser, worin er ihn auf herzliche und dringende Weise bat, aus wichtigen Gründen, die er ihm vielleicht in kurzer Zeit bestimmter auseinander legen würde, die Klage, die der Eibenmaier gegen den Kohlhaas eingereicht, vorläufig bis auf einen weiteren Beschluß zurücknehmen zu dürfen. Der Kaiser, in einer durch die Staatskanzlei ausgefertigten Note, antwortete ihm:„daß der Wechsel, der plötzlich in seiner Brust vor⸗ gegangen zu sein scheine, ihn auf's Aeußerste be⸗ fremde; daß der sächsischer Seits an ihn erlassene Bericht, die Sache des Kohlhaas zu einer An⸗ gelegenheit des gesamten heiligen römischen Reichs gemacht hätte; daß demgemäß er, der Kaiser, als Oberhaupt desselben, sich verpflichtet hätte, als Ankläger in dieser Sache bei dem Hause Brandenburg aufzutreten; dergestalt, daß, da bereits der Hof⸗Assessor Franz Müller, in der Eigenschaft als Anwalt nach Berlin gegangen wäre, um den Kohlhaas daselbst wegen Ver⸗ letzung des öffentlichen Landfriedens zur Rechen⸗ schaft zu ziehen, die Beschwerde nunmehr auf keine Weise zurückgenommen werden könne, und die Sache den Gesetzen gemäß ihren weiteren Fortgang nehmen müsse.“ Dieser Brief schlug den Kurfürsten völlig nieder; und da zu seiner äußersten Betrübniß in einiger Zeit Privatschreiben aus Berlin ein— liefen, in welchen die Einleitung des Prozesses bei dem Kammergericht gemeldet, und bemerkt ward, daß der Kohlhaas wahrscheinlich, allen Bemühungen des ihm zugeordneten Advokaten ungeachtet, auf dem Schaffot enden werde: so beschloß dieser unglückliche Herr noch einen Ver⸗ such zu machen, und bat den Kurfürsten von Brandenburg in einer eigenhändigen Zuschrift um des Roßhändlers Leben. Er schützte vor, daß die Amnestie, die man diesem Manne an— gelobt, die Vollstreckung eines Todesurteil an demselben füglicher Weise nicht zulasse; versicherte ihn, daß er trotz der scheinbaren Strenge mit welcher man gegen ihn verfahren, nie seine Ab⸗ sicht gewesen wäre ihn sterben zu lassen; und Wiederherstellung, bei dem Gerichtshof ange— der Schutz, den man vorgegeben hätte, ihm von Berlin aus angedeihen lassen zu wollen, zuletzt in einer unerwarteten Wendung zu seinem größeren Nachteile ausschlüge, als wenn er in Dresden geblieben, und seine Sache nach säch⸗ sigen Gesetzen entschieden worden wäre. (Fortsetzung folgt.) Sprüche zur Lebensweisheit. Wie nichts den Mut so tief niederschlägt, als die Gewißheit, ein verscherztes Gut nie ganz wiedergewinnen zu können, so hebt den⸗ selben nichts mehr, als eine Bahn vor sich zu haben, von der gar nicht abzusehen ist, wie weit und wie hoch sie uns noch führen wird. Strauß. Die Halle der Wissenschaft ist der Tempel der Demokratie. Denn die, welche kommen um zu lernen, legen in gewissem Grade ihre eigene Ueberlegenheit ab, und beginnen zu be⸗ greifen, daß die Größe des Menschen nicht von dem Glanze ihrer Titel oder der Würde ihrer Geburt, sondern von der Macht ihres Geistes und Verstandes, von der Fülle der erworbenen Kenntnisse abhängt. Buckle. Humoristisches. Ideenverbindung. Studiosus Pumpus(bel der Lektüre des„Faust“):„Verzeiht, es ist ein groß Ergötzen, sich in den Geist der Zeiten zu versetzen.“ Donnerwetter, da fällt mir ein, ich habe ja noch zwei Jahrgänge„Zeitgeist“, die ich versetzen kann. * Eine feine Firma. suchenden Kommis): freie Station!“— K — Chef: wollen!“ Chef(zu dem stelle⸗ „Gehalt gebe ich Ihnen nicht; nur ommis:„Und zu Weihnachten?“ „Da können Sie mir schenken, was Sie 3——— Neu eingelaufene Schriften. Besprechung wichtigerer Erscheinung behalten wir uns vor. *Deutscher Buchdrucker⸗Tarif nebst Ko m⸗ mentar. Laut Beschlüssen des Tarif⸗Ausschusses heraus⸗ gegeben vom Tarifamt der Deutschen Buchdrucker.— a Der Verband der deutschen Buchdrucker ist zweifellos die machtvollste deutsche Gewerkschafts⸗Organisation. Wenn es den Buchdruckergehilfen gelungen ist, mit den Unter⸗ nehmern einen einheitlichen Lohntarlf zu Stande zu bringen, so ist das ein Zeichen des großen Einflusses dieses Verbandes. Wir wären ein gutes Stück weiter, wenn alle deutschen Gewerkschafts⸗-Organisationen erst einmal so weit wären, daß das Unternehmertum mit ihnen als gleichberechtigten Faktoren rechnen müßte, wie das bei den Buchdruckern der Fall ist. Damit soll nicht gesagt sein, daß wir die jetzt bestehende Tarif⸗ gemeinschaft der Buchdrucker für eine unübertreffliche halten.— Der vorliegende Kommentar zum Buchdrucker⸗ tarif ist eine ebenso fleißige wie nützliche Arbeit. Viele Streitigkeiten zwischen Arbeitern und Unternehmern wird er von vornherein verhindern, entstandene Differenzen beschrieb ihm, wie trostlos er sein würde, wenn über Löhne und Accordsätze werden mit Zuhilfenahme des Kommentars leicht geschlichtet werden können. Zur Landtagswahl im blessener Landkreis! Dienstag, den 24. und Mittwoch, den 25. zur Einsicht der Wähler auf. Sehe jeder mindestens Die Wahlmännerwahl findet am Mittwoch, den 8. damit die Arbeiter sich schon wochenlan a Am Montag, den 23., meistereien die Wählerlisten Liste eingetragen ist. satt. Sprecht das weiter, einen viertel bleiben. Wenn jeder seine Arbeitet unermüdlich, haben, am 8. November heim. um Landtag wählen zu können, Kein Arbeiter darf am „ 0 er weiß, sbgeordneten wählen will. Pflicht thut, ist uns diesmal der Sieg gewiß. Ihr Arbeiter, zahlt es den Antisemiten, Beweist auch den Nationalliberalen, daß Ihr sehr wohl wißt, 8. November einem anderen daß er den Candidaten der Arbeiterpartei, Ces steht viel für Euch auf dem Spiel, geit einer der Eurigen nützen, und wie Euch ein Gegner schaden kann. oder einen halben Tag zu feiern. Wahlmann seine NMovember D g vorher darauf einrichten können, am 8. No⸗ Keiner darf diesmal der Wahlurne fern die ehrliche Arbeiter Sehlammbeißer genannt die die Arbeiter noch nicht fur reif halten, direkt wer Eure Interessen am besten Philipp Scheidemann in Gießen, zum Landtags⸗ es wird für sechs lange Jahre gewählt. Oktober liegen auf allen Bürger⸗ 25 Jahre alte Hesse nach, ob er in die vertritt. Stimme geben, als demjenigen, Bedenkt, was Euch in dieser DD Seite 8. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 41. — Secssseses e ο,ὐj,L,s eee 3 S Putz⸗Saison= 8 für Herbst und Winter. Damenhüte von 75 Pfennig an Seidene Hutbdnder per Meter von 28 Pfg. an 8 Mädchenhüte„ 48 1 J HReinseidene Hoirebädnder p. Mtr. v. q Pf. an Damenhüte, garniert, von 90 Pf. an Noderue Hügel I. 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