en) eu) n Nr. 19. Gießen, Sonntag, den 7. Mai 1899. 5. Jahrg. Redaktion: Kirchenplatz 11. Schloßgasse. Mitteldeutsche tags⸗ kit Redaktiousschluß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. — Abonuementspreis: Bestelluugen Ju serate Die„Mitteldeutsche Sonntags-Zeitung“ kostet durch unsere] nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der„M. S.⸗Ztg“ weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt Austräger frei ius Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Expedition tn Gießen, Sonnenstraße 25, die[Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Direkt durch] Druckerei, Schloßg. 13, sow'e jede Postanstalt und 4mal. Bestellung gewähren wir 25%, bei 6 mal. Bestellung jeder Landbriefträger entgegen.(Post⸗Z.⸗Kat. 43 12a.) 33 ¼% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Durch die Post bezogen vierteljährlich 90 Pfg. die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Unterm Zuchthauskurs. Zur Zerschmetterung der Arbeiter⸗Organi⸗ sationen wird ein Bund der„Möbelfabrikanten und Tischler⸗Innungen Deutschlands“ geplant. Ein günstiger Aprilwind hat das köstliche Schriftstück, das unter dem Siegel der aller⸗ tiefsten Verschwiegenheit diesen menschenfreund⸗ lichen Plan in alle Winde hinausposaunt, auf den Redaktionstisch unseres Nürnberger Partei⸗ blattes geweht. Der saubere Plan paßt so trefflich in die Zeit des Zuchthauskurses hinein, er trägt so deutlich den Stempel des unver⸗ frorensten Stümmlingstumes an der Stirn, daß wir ihn in der Haupsache zum Abdruck bringen wollen: Aufruf an die Herren Möbelfabrikanten und die Tischler⸗Innungen Deutschlands. Ist eine Vereinigung der Möbelfabrikanten und Tischlermeister möglich und für dieselben von Vorteil? Der fortwährende Druck, welchen die organisierte Arbeiterschaft auf den Arbeitgeber ausübt, um ihren immer größer werdenden und teilweise frivolen Forderungen Geltung zu verschaffen, indem sie über einzelne Betriebe direkte Sperre verhängt, hat in den Kreisen der Arbeitgeber zu einer Erörterung der Mittel und Wege geführt, die eingeschlagen werden könnten, um den sich immer ungesunder gestaltenden Verhältnissen wirksam entg, genzutreten. Die Forderungen der Arbeiter haben nachgerade eine derartige Höhe erreicht, daß die Bewilligung derselben eine schwere Schädigung der deut⸗ schen Industrie bedeutet. Ungesund sind die Verhältnisse hauptsächlich des⸗ halb, weil hinter der Arbeiterschaft die Führer der Sozialdemokratie stehen, welche in erster Linie Nutzen aus der Kraftprobe der Arbeiter für ihre Sonderbestrebungen zu ziehen suchen, die sich gegen das Kapital und die Gesellschaftsordnung Achte: Ist es unter solchen Verhältnissen nicht Pflicht der Fabrikanten und Meister, ihrerseits eben⸗ falls eine Vereinigung zu bilden, die in der Lage ist, den Kraftproben der Arbeiterschaft wirksam ent⸗ gegenzutreten? Es ist dies um so mehr Pflicht eines jeden, weil bei anderen Industriezweigen derartige Schutz⸗ verbände längst bestehen und wie die Erfahrung lehrt, zu vollstem Nutzen ihrer Mitglieder arbeiten. In Fabrikantenkreisen wird beabsichtigt, sobald eine genügende Anzahl Firmen ihren Beitritt auf grund nachstehender Bedingungen in Aussicht gestellt hat, an einem im Mittelpunkte Deutschlands gelegenen Orte zu geeigneter Zeit einen Kongreß deutscher Möbelfabrikanten einzuberufen, worüber einem jeden vom Sekretariat rechtzeitig Mitteilung zugeht. Auf diesem Kongreß soll über die Grundzüge be⸗ raten werden, unter welchen eine Vereinigung zum Schutze gegen die Organisation der Arbeiterschaft ge⸗ bildet werden kann. Angesichts der großen, die vitalsten Interessen jedes Arbeitgebers berührenden Wichtigkeit des Gegen⸗ standes ist die Beitrittserklärung, sowie das Erscheinen jedes Fabrikanten und Meisters oder eines Deputierten der verschiedenen Tischlerinnungen dringend erwünscht. Eventuell wird um gefl. Mitteilung gebeten, ob Sie der Sache im Prinzip zustimmen und sich den in der Versammlung gefaßten Beschlüssen anschließen werden.“ Nachdem dann die vorläufige Tagesordnung angegeben ist, heißt es weiter: „Möglich erscheint die Bildung einer Vereinigung unter folgenden Grundbedingungen: Die Fabrikanten und Meister verpflichten sich durch Hinterlegung eines Sichtwechsels, dessen Höhe sich je nach der Zahl der im Betriebe beschäftigten Arbeiter zwischen 300 bis 1500 Mark bewegt, zur Innehaltung der folgenden Bestimmungen: Bricht im Betriebe eines Verbandsmitgliedes ein vom Zaune gebrochener(11!) Streik aus, resp. wird von seiten der Arbeiter eine Sperre über den Betrieb eines Mitgliedes verhängt, so habeu die Vertrauens⸗ männer der betr. Provinz resp. deren Stellvertreter nach erhaltener Anzeige in eine Prüfung der Ver⸗ hältnisse an Ort und Stelle einzutreten und nach Möglichkeit eine gütliche Beilegung herbeizuführen. Ist dies nicht zu erreichen und gelangen die Ver⸗ trauensmänner zu der Ueberzeugung, daß ein Eintreten des Verbandes im Interesse aller Mitglieder notwendig erscheint, so haben die Vertrauensmänner die Pflicht, sich sofort mit dem Stuttgarter Zentralverband der Arbeiter in Verbindung zu setzen. Sie haben dem Verbande Mitteilung zu machen, daß, wenn die Sache nicht innerhalb einer gewissen Frist— längstens aber nach acht Tagen vom Ausbruch des Streiks oder der Verhängung der Sperre an gerechnet— geregelt ist, sämtliche Fabrikanten, welche dem Verbande angehören, solidarisch ihren vollständigen Betrieb so lange einstellen, bis die Arbeit in dem be⸗ treffenden Betrieb wieder aufgenommen ist. An⸗ genommen, es beteiligten sich vorläufig nur 200 Fabrikanten mit durchschnittlich je 50 Ar⸗ beitern an dem Verband, so wird, falls bei einem Mitglied Streik ausgebrochen ist, welcher nicht bei⸗ gelegt werden kann, durch das solidarische Vorgehen der Verbandsmitglieder eine Arbeiterzahl von 10 000 Mann außer Thätigkeit gesetzt. Die Zentralverbandskasse hätte dann, wenn auch nur 1,50 Mk. von ihr pro Mann und Tag vergütet werden, täglich nicht weniger als 15 000 Mk. sogenannte Streikgelder zu zahlen. Es liegt für jeden Arbeitgeber auf der Hand, daß die Kasse des Zentralverbandes nicht lange diese Opfer bringen kann und schon bald gesprengt sein dürfte. Eine einmalige derartige solidarische und mit der nötigen Energie durchgeführte Stellungnahme der Arbeitgeber dürfte weiteren Kraftproben und frivolen Ansprüchen der Arbeiter wohl eine Grenze setzen. Es soll, wie ausdrücklich betont wird, die Ver⸗ einigung keineswegs zu dem Zwecke geschaffen werden, um einen Druck auf die Arbeiterschaft auszuüben oder den Sonderinteressen des einen oder anderen Fabrikanten zu dienen. Grundsatz soll sein, daß Einer für Alle und Alle für Einen einstehen, um unberechtigten und ohne schwere Schädigung der natürlichen Interessen nicht erfüllbaren Forderungen der Arbeiter den nötigen Widerstand zu leisten. Als solche unberechtigte Forderungen wären bei⸗ spielsweise zu erwähnen: 1. Garantie des Wochen⸗ lohnes bei Akkordarbeiten, 2. acht⸗ oder neunstündige Arbeitszeit, durch welche der Arbeiterbedarf um 10 bis 15 Prozent steigt und weitere Lohnerhöhungen erzwungen werden, 3. die Zulassung von Arbeiter⸗ kommissionen zur Prüfung von Streitigkeiten im Be⸗ triebe, wodurch der Arbeitgeber nicht mehr Herr im eigenen Hause sein würde, 4. frivole und übermäßige Lohnerhöhungs⸗Forderungen u. a. m. Um im Falle der Notwendigkeit einheitlich handeln zu können, erscheint es zweckmäßig, daß die Verbands⸗ mitglieder möglichst gleichlautende Arbeitsordnungen in ihrem Betriebe einführen. Hierfür zu wirken und nach dieser Richtung mit praktischen Vorschlägen zur Hand zu gehen, soll eben⸗ falls Aufgabe des Verbandes sein 15 Deutlicher und krasser als in diesem Zirkular ist der Stummsche Geist der Arbeiterunter⸗ drückung kaum jemals offenbart worden. In dieser Zeit des Zuchthauskurses, während alle Welt mit gespanntester Aufmerksamkeit der Bei mindestens Zuchthausvorlage oder, wie sie offiziell heißt: der Regierungsvorlage zum„Schutze der Arbeits⸗ willigen gegen den Terrorismus streikender Ar⸗ beiter“ entgegensieht, vereinigen sich die Unter⸗ nehmer zu einem Attentate gegen die ärmlichen Rechte der Arbeiter. Ohne im mindesten von des sozialpolitischen Gedankens Blässe oder von der üblichen Bescheidenheit angekränkelt zu sein, wollen sie, um den Profit zu sichern, die mühe⸗ volle und segensreiche Kulturarbeit der Arbeiter brutal vernichten. Es giebt keine berechtigten Arbeiterforderungen in den Augen dieser Kapi⸗ talisten, es giebt nur ein„natürliches“ Inter⸗ esse, das des Unternehmers. Wenn die Arbeiter bei der Akkord⸗Mord⸗ arbeit den gewöhnlichen, oft jämmerlich niedrigen Wochenlohn garantiert wissen wollen, so ist das ein„frivoles Verlangen“, aber die Unternehmer dürfen, so meinen es die Herren, die gesetzlichen Rechte der Arbeiter mit Füßen treten und ver⸗ nichten— das ist„berechtigte Vertretung natür⸗ licher Interessen“! Der Unternehmer soll„Herr im Hause“ sein, so lautet die Phrase, mit der sie ihre Paschagelüste bemänteln, er allein oder seine Klassengenossen und Geschäftskollegen sollen Streitigkeiten„untersuchen und regeln“, er allein urteilt darüber, was„frivole und übermäßige Lohnerhöhungs⸗Forderungen“ sind. ö Die Zulassung von Arbeiterkommissionen zur Prüfung von Streitigkeiten ist eine an⸗ berechtigte Forderung. Einer nur ist der Herr im Lande, und das ist der Unternehmer. Unberechtigte Forderungen sind solche, die Arbeiter stellen. Natürliche Interessen sind jene, die der Unternehmer zu haben geruht! Zweierlei Recht, zweierlei Menschen, zweierlei Vernunft, zweierlei Sittlich⸗ keit— wer schürt den Klassenkampf? Aber das terroristische Meisterstück ist doch der saubere Plan, bei einem Konflikt den Deutschen Holzarbeiter⸗Verband in die Luft zu sprengen. Bei einem Konflikt? Man wird lesen dürfen: durch einen Konflikt, den man leicht schaffen kann. Ganz lüstern wird das Attentat ausgeklügelt, den biederen Meistern da draußen wird zahlenmäßig bewiesen, wie leicht die Vergewaltigung der Organisation ist. Was ist denn dabei? Nur 10000 Arbeiter dürfen auf ein paar Wochen dem Hunger überliefert werden, dann verblutet der Verband an den Unterstützungen. Nur 10 000 Fa⸗ milien dem Elend überantwortet, der Verzweiflung! Niederträchtiger ist wohl selten mit Menschenglück gewuchert und ge⸗ schachert worden. Aber dieses„Nur Zehn⸗ tausend“ wird den Unternehmern noch gellend in die Ohren tönen, die da meinen, durch die Qualen des Hungers die aufstrebende Arbeiter⸗ schaft ins Sklavenjoch zurücktreiben zu können. Es wird den Stümmlingen noch Kopfschmerzen machen— dieses Dokument Stummschen Geistes! Politische Rundschau. Gießen, den 5. Mai. Das Maifest der Arbeit. Die Feier des 1. Mai ist im In- und Aus⸗ lande in imposanter Weise begangen worden. Alle Nachrichten lauten übereinstimmend dahin, daß die Zahl der Teilnehmer nie so groß war, waren. Feier geregelt hatten. b haus, Seite 2. Mitteldeutsche Sonutags⸗Zeitung. N Nr. 19. als in diesem Jahr. In zahlreichen Städten haben wieder Tausende die Arbeit am 1. Mai ruhen lassen. In den deutschen Großstädten waren die Vormittagsversammlungen durchweg überfüllt. Dort, wo Festzüge stattfanden, war die Teilnehmerzahl eine unerwartet große. Im Hamburger Demonstrationszug, der vormittags stattfand, wurden mehr als 40 Fahnen getragen. Die Teilnehmerzahl belief sich auf mehr als 10000. Im„Horner Park“, wo Gen. Singer die Festrede hielt, waren vormittags 10 Uhr 15000 Menschen versammelt. Abends fanden 18 Volksversammlungen statt, die alle überfüllt In Wien sprach Gen. Liebknecht vor riesigen Volksmassen. Die Berichte aus der Schweiz, Dänemark, Norwegen, Belgien, Eng⸗ land melden großartigen Verlauf der getroffenen Veranstaltungen. In Frankreich hat die Feier sich besonders imposant gestaltet dadurch, daß sämtliche von Sozialisten verwaltete Gemeinden — und unter diesen Gemeinden sind, außer Paris, die meisten der größeren Städte Frank⸗ reichs— nach gemeinsamem Programm die Alle für die Gemeinde (Kommune) arbeitenden Beamten und Arbeiter hatten frei, den Armen und Invaliden wurde außerordentliche Unterstützung und ein festliches Mahl verabreicht,— Schul⸗ und Kinderfeste, Umzüge, Versammlungen mit Ansprachen, Em⸗ pfang der Arbeiterdelegierten auf dem Stadt⸗ öffentliche Spiele, freies Theater, Fackel⸗ Illumination, Ball— das war das Programm, in welches je nach den örtlichen Verhältnissen Abwechslung gebracht ward. Aehnliche Feiern, die sich auf Sonntag und Montag erstreckten, fanden in den sozialistischen Gemeinden Englands statt. Von keinem Mißklang gestört, hat die inter⸗ nationale Heerschau des Proletariats wieder die Einigkeit der Arbeiter aller Länder gezeigt, und den Arbeitern hat er ihre Macht gezeigt und die Sicherheit des Sieges. So rüsten sie ab! Als Einleitung zur Friedenskonferenz ver⸗ zeichnen wir ohne jeden Kommentar folgende beiden Meldungen: 1. Die Türkei hat bei der Firma Krupp in Essen für vierzig bis fünfzig Millionen Mark neue Kanonen bestellt. 2. Der schwedische Reichstag genehmigte in gemeinsamer Abstimmung der beiden Kammern einen außerordentlichen Betrag von 13 200 000 Kronen zu Schiffneubauten. Im ganzen wurden für die Flotte 16 700 000 Kronen be⸗ willigt. „Ganz unsere Meinung.“ Die Scharfmacherorgane sind in heftigster Weise über den Freiherrn v. Heyl hergefallen, weil er im Reichstag von ihm gestellte sozial⸗ politische Anträge verteidigte, die für einen großkapitalistischen Lederkönig immerhin recht radikal erschtienen. Das Organ der Groß⸗ industriellen Stumm' scher Richtung, die„Ber⸗ liner Neuest. Nachr.“, behandeln den Wormser Standesgenossen des Königs von Saarabien verächtlich als„sozialpolitischen Projekten⸗ macher“, der„thatsächliche Vorgänge ignoriere und sich nicht einmal über die von ihm be⸗ handelten Gegenstände informiere“, eine Be⸗ handlung der wichtigsten politischen Fragen, die man treffend mit dem Ausdruck Dilettantismus bezeichne. Daß das Organ der Sozialpolitiker vom Schlage Stumm Jeden, der nicht auf seinem Standpunkt steht, im besten Falle als Nichtswisser u. dgl. bezeichnet, ist begreiflich, es hat diese Kampfesweise seinem Herrn und Meister mehr oder minder glücklich abgeguckt. Aber daß auch das Parteiorgan der Freisinnigen Volkspartei diese Auslassungen der„Neuest. Nachr.“ zustimmen d mit den Worten„ganz unsere Meinung“ abstempelt, sei hier aus⸗ drücklich festgenagelt. Mann über Vord. Im national⸗sozialen Verein, dieser Partei der Zukunft, die auf dem Wasser liegt, ist ein Maun über Bord gesprungen. Der frühere Pastor Göhre ist ausgeschieden.„Er will“, so klagt die„Hilfe“,„seine eigenen Wege gehen und niemand hat das Recht und die zug, Macht, einen solchen Willen zu hindern.“ Der Verlust ist um so schmerzlicher, als der Verein, der im wesentlichen nur aus„Vorstand“ besteht, von seinen Führern nicht allzu viel verlieren darf, wenn er mehr als eine Skatpartie be⸗ deuten soll. Wohin Herr Göhre gegangen ist, wird nicht gesagt. Nach rechts hat er aber sicher nicht geschwenkt. War er es doch, der die Rechtsschwenkung der nationalsozialen Poli⸗ tikergruppe bei den letzten Reichstagswahlen be⸗ kämpfte und mit Professor Sohm und anderen Wasserpolikikern und Salonsozialisten in Fehde geriet. Ein Pfarrer, der sozialdemokratisch wählt Pfarrer Hoffet in Straßburg veröffentlicht in seinem Blatte„Heimat“ eine interessante Begründung dafür, weshalb er bei den letzten Straßburger Klassenwahlen sozialdemokratisch stimmte. Er schreibt:„Die Orts⸗Krankenkasse Straßburg wurde bisher von Sozialdemo⸗ kraten verwaltet. Wenn diese Kasse unter dieser Verwaltung notgelitten hätte, wenn in derselben Unregelmäßigkeiten und Geldver⸗ schwendungen vorgekommen wären, so hätten wir als die ersten eine Aenderung der Leitung angestrebt. Nun aber ist thatsächlich die Leitung der Orts⸗Krankenkasse eine musterhafte. Die Herren, die an deren Spitze stehen und die wir teilweise persönlich kennen, verdienen in jeder Weise den Dank und die Achtung der Kasseninteressenten für ihre selbstlose Arbeit. Unter solchen Umständen wäre ein„Schlagen“ oder sagen wir besser ein„Hinauswerfen“ der Sozialdemokraten eine Ungerechtigkeit und Ge⸗ fühllosigkeit. Da machen wir nicht mit! Aber noch ein anderer Grund bewog uns, die Liste der Sozialdemokraten und nicht diejenige der „Ordnungspartei“ einzulegen. Wir sind zwar sicher, daß die auf der zweiten Liste angeführten Persönlichkeiten ihres Amtes treu gewaltet hätten, aber wir halten dafür, daß in Anstalten, wie die Orts⸗Krankenkasse, die vor allem der Arbeiterschaft zu dienen haben, die Arbeiterschaft besser in der Lage ist, die Wahl zu treffen, die ihr frommt, als solche Vereinigungen, wie die sog.„Ordnungspartei“, wo alle möglichen, nicht immer sehr lauteren Interessen mitspielen. Zudem halten wir es für einen Vorteil, wenn sich die Sozialdemokratie an bestehenden Ein⸗ richtungen unseres Staats- und Kommunal⸗ wesens beteiligt... Die Mitarbeit an der Verwaltung, wie sie sich in Austalten, wie die Kassen und auch in Körperschaften, wie die Ge⸗ meindevertretungen, durchführen läßt, ist eine so gesunde Schule für die Sozialdemokratie, daß die„staatserhaltenden“ Parteien geradezu eine solche anbahnen und fördern sollten.“ Nun wird Pfarrer Hoffet wohl mit allem Komfort des Mittelalters gebraten werden! Antisemitische Blechschmiede. Die antisemitischen Dallesblätter fabeln wieder von einer Allianz zwischen Sozialdemokratie und Großfinanz. Als„Beweis“ wird angeführt die schreckliche Thatsache, daß sich ein Sohn unseres Genossen Liebknecht mit der Tochter eines jüdischen Bankiers verlobt hat. Schauder⸗ bar, fürwahr! Wer nun immer noch nicht glaubt, daß die Sozialdemokratie eine von der Großfinanz abhängige Judenschutztruppe ist, dem ist überhaupt nicht zu helfen. Weiter wird der Sozialdemokratie zur Last gelegt, daß sie gegen die Verstaatlichung der Reichsbank gestimmt hat, für die im Reichstag nur die Konser⸗ vativen und die Antisemiten eintraten. Schon der Umstand, daß nur die beiden letzt⸗ genannten Brodwucherparteien für die Ver⸗ staatlichung eintraten, ist Beweis genug für die Richtigkeit des Verhalten unserer Genossen in diesem besonderem Falle. Da wir gerade von den großmäuligen Anti⸗ semiten reden, sei gleich eine treffliche Kenn⸗ zeichnung jener Gesellschaft angefügt, die aus der„Korrespoudenz für Zentrumblätter“ stammt. Es wird dort unter Bezugnahme auf das Ver⸗ halten der Antisemiten bei der Debatte über das Bankgesetz gesagt:„Ueber die antisemitische Reichstags⸗Fraktion ging am Freitag ein kleiner Sturzregen nieder. In nicht mehr ungewöhn— treter ihre Wortführer bei der dritten Beratung des VBankgesetzes eine prahlhansige Rede zum Fenster hinaushalten, wodurch diejenigen Abge⸗ ordneten und Parteien, die mit Fleiß und Selbstverleugnung an der bestmöglichen Lösung der Bankfrage gearbeitet hatten, als Schafsköpfe oder„großkapitalistische“ Schurken, dagegen die antisemitischen Abgeordneten, die in der Kom⸗ misstion gar nichts gethan, als die einzig wahren Volksfreunde hingestellt wurden. Einen riesig großen Mund haben die antisemitischen Volksvertreter, wenn es sich um den Vortrag von wohl vorbereiteten phrasenhaften Reden handelt; aber wenn es in der Kommission ar⸗ beiten heißt, die geschwollenen Redensarten in passende Anträge umgeformt, diese Anträge sachlich verteidigt und die Gegenanträge mit Sachkenntnis kritisiert werden müssen, dann sind diese Herren nicht zu haben. Müssen sie Anstands halber mal am Kommissionstische mit sitzen, so ergiebt sich die sonst so üppige Zunge einem bescheidenen Stillleben; in der Kommission ist aber mit Phrasen nichts zu machen, sondern nur mit Kenntnis und Geschick, und da man an diesem Artikel Mangel hat, so hält man lieber den Mund und richtet sich bei der Abstimmung einfach nach den konser⸗ vativen„Freunden“. Als mildernden Umstand muß man freilich gelten lassen, daß die Anti⸗ semiten bei einzelnen Versuchen zur praktischen Mitarbeit sich etwas arg blamiert haben und also wie gebrannte Kinder das Feuer scheuen. Andererseits muß man beachten, daß ste in ihren Wahlreden die Bankfrage als die aller⸗ wichtigste Angelegenheit in den Vordergrund gestellt hatten und nun doch gerade bei diesem Haupt und Kernpunkte sich als ganz arbeits⸗ unfähig entpuppten. Aehnliche„Lorbeern“ haben sie bekanntlich gesammelt beim Börsen⸗ gesetz und beim großen Werk des Bürgerlichen Gesetzbuches. Herr Vielhaben, der als Rechts⸗ gelehrter zu den geistigen Leuchten der Partei gehört, hat s. Zt. durch den Antrag, der die sogen.„Kahlpfändung“, d. h. die Pfändung der notwendigsten Sachen, ermöglichen sollte, sich so unfähig erwiesen, daß sogar seine Fraktions⸗ genossen ihn nachträglich Schanden halber in diesem Punkte verleugnen müssen.“ Wenig schmeichelhaft für die Konfessionsrats⸗ partei, aber— wahr. Beanstandete Wahl. Die Wahlprüfungskommission des Reichstags schlägt vor, die Wahl des konservativen Abg. v. Löbell für Brandenburg zu bean⸗ standen. Nach dem Bericht der Kommission beträgt die Mehrheit für diesen nur 159 Stimmen. gereichten-Protestes hat die Kommission be⸗ schlossen, Beweis zu erheben über 15 Punkte. Gegenkandidat Löbells war Genosse Peus, der den Wahlkreis Brandenburg zuletzt im Reichstag vertreten hat. Bei einer Nachwahl wird hoffentlich der infolge allerlei Wahlbeein⸗ flussungen verloren gegangene Partei zurückerobert werden. Rechtsprechung in Sachsen. Von aufmerksamen Beobachtern— so meint die bürgerliche Frankf. Ztg.— war schon längst darauf hingewiesen worden, daß die Recht⸗ sprechung im Königreich Sachsen in politischer Beziehung einen anderen Charakter trage, als sonst im deutschen Reiche. Jetzt hatte sich aus Anlaß eines Preßprozesses gegen den „Vorwärts“ das Landgericht 1 mit der Frage zu beschäftigen, inwieweit eine solche Ansicht erweisbar ist. Während sonst im deutschen Reiche über ungerechte Urteile gegen Sozial⸗ demokraten vereinzelt geklagt wird, wird der Rechtsprechung in Sachsen zum Vorwurf ge⸗ macht, daß sie im Allgemeinen den Charakter trage, als ob die Sozialdemokratie unter Aus- nahmegesetzen stände. Ihre Spitze hat diese sächsische Rechtsprechung im Strafsenat des Oberlanobesgericht Dresden. Auf die Spruch praxis dieses Gerichts hatte der„Vorwärts“ in einem Artikel über das Löbtauer Ge⸗ schworenen-Urteil hingewiesen und be⸗ hauptet, daß der höchste sächsische Gerichtshof oft ohne Umschweife„die Angehörigen der Auf Grund des von der Sozialdemokratie ein⸗ Kreis für unsere licher Weise ließen diese sonderbaren Volksver⸗ ö eulliches lrteil aus, Oberlan ei sanmlü Gelchmigl abet um fratische Partei fl Regierung: nien nung bil Geldsamm chte A valches p bot, it Dresden bum Jahr Auweisunt Heine Ret könne, ein se zu soi fihrlichen quenzen zeigt sich einer Del fängnis k Hier wir „die frei Sozial Trotz dee beschloß Weises di in Ulrsch Prozeß ihm her keiner S zur Char 1 Jahre Unsere Heten All burger S Mafestäts Migliede worden. Magdebu „Volkssti kurstehenk füngnis 9 der inktin berkits. 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In einem Urteil aus dem Jahre 1892 erkennt danach das Oberlan esgericht Dresden an, daß Gel d— sammlungen in Sachsen von polizeilicher Genehmigung nicht abhängig sind; da es sich aber um eine Sammlung zu sozialdemo⸗ kratischen Paxteizwecken handelt, da diese Partei auf Untergrabung der monarchischen Regierungsform gerichtet sei, und diese einen wesentlichen Bestandteil der öffentlichen Or d— nung bilde, so fänden auf sozialdemokratische Geldsammlungen die ordnungs polizeilichen Rechte Anwendung. Das Sozialistengesetz, welches sozialdemokratische Geldsammlungen ver— bot, ist aufgehoben. Das Oberlandesgericht Dresden aber meint in einem anderen Urteil vom Jahr 1891, daß damit nur die bindende Anweisung weggefallen sei, aber auf das allge⸗ meine Recht der Polizei zurückgegriffen werden könne, eine Geldsammlung zu verbieten, weil sie zu sozialdemokratischen und also gemeinge— fährlichen Zwecken erfolgt. Wie weit die Konse— quenzen einer solchen Rechtsprechung reichen, zeigt sich in einem Urteil gegen Teilnehmer einer Demonstration für einen aus dem Ge⸗ fängnis kommenden freisinnigen Redakteur. Hier wird hervorgehoben, daß der Redakteur „die freisinnige Partei vertritt und der Sozialdemokratie sehr nahe steht“. Trotz des staatsanwaltschaftlichen Widerspruchs beschloß der Gerichtshof, zum Zwecke des Be⸗ weises die Urteile vom Oberlandesgericht Dresden in Urschrift einzufordern. Wie immer der Prozeß auch enden möge, eins wird sicher aus ihm hervorgehen: eine authentische und von keiner Seite mehr anzuzweifelnde Sammlung zur Charakteristik der sächsischen Rechtsprechung. 4 Jahre wegen Majestätsbeleidigung. Unserem Parteigenossen Reichstagsabgeord— neten Albert Schmidt ist jetzt von der Magde⸗ burger Staatsanwaltschaft die Anklage wegen Majestätsbeleidigung und Beleidigung eines Mitgliedes des landesherrlichen Hauses zugestellt worden. Bekanntlich hat das Landgericht Magdeburg den früheren Redakteur der dortigen „Volksstimme“, Genossen Müller, wegen des vorstehenden Vergehens zu vier Jahren Ge— fängnis verurteilt. Müller hatte zur Zeit, als der inkriminierte Artikel erschien, seine Redaktion bereits niedergelegt und war sein Name nur aus Versehen auf dem Blatte stehen ge⸗ blieben. Unser Genosse Schmidt hat nun, wie bekannt, sich freiwillig dem Gericht als der wirkliche Thäter gestellt, indem er der Wahrheit gemäß zur Anzeige brachte, daß er aus Versehen die betreffende Notiz mit anderem Manuskript zum Drucker gegeben habe. Jetzt liegt die Anklage vor. Wie anzunehmen, will der Staatsanwalt die Angaben Schmidts nicht gelten lassen, insofern dadurch der verurteilte Müller entlastet wird, wohl aber klagt er Schmidt der Mitthäterschaft an. Es fragt sich, ob sich die Richter der Anschauung verschließen können, daß infolge der mit so hohen Opfern verknüpften Selbstbezichtigung Schmidts und der von Schmidt gegebenen Darstellung der Sachlage die Unschuld des zu vier Jahren ver⸗ urteilten Genossen Müller klar zutage tritt. Jedenfalls beansprucht dieser Magdeburger Majestätsbeleidigungsprozeß, der im Laufe der nächsten Woche stattfinden wird, allgemeines Interesse weit über unsere Parteikreise hinaus. Unternehmer als Lockspitzel. Das Königreich Sachsen bewahrt sich seinen feinen Ruhm, die Probierstube abzugeben für die kapitalistischen Heilmittel zur Bekämpfung der Arbeiterbewegung. Der Generalissimus der deutschen Unternehmerscharen, tront zwar auf dem Halberge, aber seine pfiffigsten Handlanger treiben doch in Sachsen ihr Wesen. Die „Sächs. Arbeiterztg.“ liefert einen neuen Beleg dafür: Die Tischler der Ortes Wilsdruff bei Dresden wollten streiken. Da wäre es natür- lich im Sinne Stummscher Staatsretterei höchst erwünscht gewesen, wenn man einige Streiker bei der Störung„Arbeitswilliger“ hätte er⸗ wischen können. Vielleicht hätte dann auch Wils⸗ druff es erlebt, daß eine sehr harte Strafe auf das Haupt einiger Wilsdruffer Arbeiter niedergesaust wäre. Da sind denn einige ord— nungsbeflissene Tischermeister aus Dresden auf den genialen Gedanken verfallen, die bis⸗ her nur von den Nichtgentlemen im Staatssolde praktzierte Lockspietzelei auf das gewerkschaftliche Gebiet zu übertragen. Es zogen ihrer mehrere, als zureisende Handwerks- burschen vermummt, in das Städtchen Wilsdruff, trieben sich auffällig um die Arbeitsstätte herum und harrten sehn— süchtig einer Tracht Prügel. Aber ver- geblich! Es geschah ihnen nichts, und betrübt mußten sie wieder von dannen ziehen. Wird ihr Vorgehen nachgeahmt werden? Die Polizei im Unteruehmerdienst. Ueber eine Schreinerversammlung in Rem⸗ scheid vom 15. April d. J., die sich mit dem Plan einer Lohnbewegung befaßte, ist den dorti— gen Unternehmern der Holzbranche von der Polizei folgender schriftlicher Bericht zuge— gangen: „Auszug aus dem Bericht über die Versammlung der Holzarbeiter am 15. 4. 1899. Koch führt aus, im Sommer dieses Jahres würden die Holzarbeiter wahrscheinlich in eine Lohnbewegung eintreten, er glaubte, der Verein sei jetzt stark genug, um losschlagen zu können. Die Schreiner ständen hinter den Fabrikarbeitern weit zurück. Es wäre die höchste Zeit, daß man etwas unternehme, es sollen in jeder Werkstelle Fragebogen ausgegeben werden. Die Gesellen seien verpflichtet, darin über den Zustand in ihrer Werk⸗ stelle wahrheitsgetreue Angaben zu machen. Redner ist dafür, über diese Angelegenheit schon heute zu beschließen, es wurde dann auch nach vorheriger Abstimmung ein diesbezüglicher Beschluß gefaßt. Zu diesem Zweck wird eine Kommission, bestehend aus 7 Mann, und zwar so gewählt, daß in jeder Werkstelle einer ist. Bei Sassen⸗ hausen wird Sorau, bei Riegel Mahel, bei Momberg Lange, bei Schmidt Liesker, bei Sander Henning, bei Brünning Herz, bei Roth Engels gewählt. Die Werk⸗ stelle von de Werth und Tückhardt soll ganz besonders iu Auge behalten werden. Polizei⸗Verwaltung J.⸗No. 3908 I Vorstehendes ist kurzer Hand dem Herrn Hier zur Kenntnisnahme zu übersenden. J. A.: Dr. Weiße, Polizei⸗Inspektor.“ Das dürfte wohl das stärkste sein, was auf diesem Gebiete seither vorgekommen ist. Arbeiterschutz. Ueber die Arbeitszeit in Gerteidemühlen bestimmt eine neue Bundesratsverordnung, daß in Getreidemühlen den Gehilfen und Lehrlingen innerhalb der auf den Beginn ihrer Arbeit folgenden vierundzwanzig Stunden eine ununter⸗ brochene Ruhezeit von mindestens acht Stunden zu gewähren ist. Werden die Getreidemühlen Remscheid, 21. 4. 1899. ausschließlich oder vorwiegend mit Dampfkraft betrieben, so hat die ununterbrochene Ruhezeit mindestens zehn Stunden zu betragen. Die Verordnung tritt am 1. Juli in Kraft. Diese Bestimmung zum Schutze der Arbeiter ist außer⸗ ordentlich winzig. Sie läßt eine 14—16 stündige Arbeitszeit zu. Kanalpolitik und Marinetollheit. In den Preuß. Jahrbüchern wird jetzt, wie die„Kreuzztg.“ triumphierend berichtet, versucht, gegen die Kanalvorlage(die eine Wasserstraße vom Rhein bis zur Elbe quer durch Deutsch— land verlangt, also ein hervorragendes Kulturwerk ist) die NMarineinteressen aus⸗ zuspielen. Mit der Annahme der Kanalvorlage gerate man auf eine abschüssige finanzielle Bahn, welche in einem verhängnisvollen Gegensatz stehe zur Marine⸗ und Kolonialpolitik. Die Durch⸗ führung der Weltpolitik, der weitere Aus⸗ bau der Kriegsflotte gestatte nicht die umfassen⸗ den Kanalpläne, von denen die jetzige Vorlage nur den Anfang darstelle. Die Ausführung solcher Kanalpläne würde nur mit Summen möglich sein, die wahrscheinlich hinreichen wür⸗ den, Deutschland in die erste Seemacht der Welt zu verwandeln. Man sieht hieraus, der Marineenthusiasmus steigert sich allmählich bis zu einer an Tollheit grenzenden Siedehitze: Die Verkehrsentwickelung im In⸗ nern soll gehemmt werden, um draußen den wilden und halbwilden Völkerschaften mit desto mehr Kriegsschiffen und Kriegskanonen impunieren zu können. Für das Evangelium der gepanzerten Faust, der Staatsbankrott! Diese unverantwortlichen Weltpolitiker gehören in die Gummizelle. Unentgeltliche Beerdigung. Das jüngst im Kanton Thurgau(Schweiz) vom Volke beschlossene Gesetz über die unent⸗ geltliche Beerdigung enthält nur 8 Paragraphen. Das Gesetz gestattet die Feuerbestattung, jedoch nur auf Kosten der Angehörigen. Die Kosten der Beerdigung tragen die Gemeinde und der Staat zu gleichen Teilen, wobei die Leichen⸗ schau, die Bekanntmachung der Bestattung, die Lieferung des Sarges und die Einsargung der Leiche, deren Verbringung auf den Friedhof, das Glockengeläute, das Offnen und Zudecken des Grabes und die Bezeichnung des Grabes inbegriffen sind. Das Gesetz tritt mit dem 1. Januar 1900 in Kraft. Die Kosten der unentgeltlichen Beerdigung per Jahr weiden für den Kanton Thurgau auf 60 000 70000 Fr. geschätzt, der Staatsbeitrag also auf 30000— 35000 Fr. Die Anregung zu dem neuen sozialpolitischen Gesetze ging von den thur⸗ gauischen(sozialdemokratischen) Grütlivereinen aus. Neben Zürich und Glarus ist nun der Thurgau der dritte Kanton mit der Einrichtung der unentgeltlichen Beerdigung. Aus dem Reichstag. Am Mittwoch wurde die erste Lesung der sozi al⸗ politischen Anträge Hitze, Frhr. v. Heyl⸗Basser⸗ mann, Pachnicke⸗Rösicke fortgesetzt. Abg. v. Kar dorff (Reichsp.) sprach sich gegen alle vorliegenden Anträge aus, die nur der Sozialdemokratie zu gute kommen würden. Schließlich gab Herr v. Kardorff seinem Ver⸗ langen nach Erneuerung des Sozial istengesetzes Ausdruck und machte zunächst den Vorschlag, jedem, der sich an der sozialdemokratischen Agitation beteilige, solle zur Strafe auf fünf Jahre das aktive und passive Wahl⸗ recht entzogen werden. Der Zwiespalt in den sozial⸗ politischen Ansichten der Nationalliberalen trat offen zu Tage durch eine kurze Erklärung des Abg. Büssing, wonach er und ein großer Teil der Fraktion mit dem Antrag Frhr. zu Heyl⸗Bassermann nicht einverstanden sei. Abg. Dr. Wiemer legte eingehend die Stellung der Freisinnigen Volkspartei zu den Anträgen dar. Der Antrag des Frhr. Heyl zu Herrnsheim sei zwar gut gemeint, aber praktisch undurchführbar, da die Gewerbegerichte nicht die geeigneten Organisationen zur Durchführung sozialpolitischer Maßnahmen seien.(Echt freisinnige Schaukelpolttik. Siehe unsere heutige Notiz: „Ganz unsere Meinung.“) Wie der freisinnige Wiemer, so empfiehlt auch der Konservative Dr. Kropatschek Kommissionsberatung. Sie hoffen wohl, die Anträge dort begraben zu können. Gen. Molkenbuhr: Herr Hitze glaubt, mit der Annahme dieser Anträge die Sozialdemokratie aus den Angeln heben zu können. Genau dieselben Anträge brachten wir 1885 ein, haben wir etwa damals einen Selbstmord begangen? Den Gegensatz zwischen Arbeit⸗ nehmern und Arbeitgebern haben wir nicht geschaffen. Unser Ziel ist, die Arbeiter gleichberechtigt zu machen und ihre soziale Lage zu verbessern. So billig, wie zu Lassalles Zeiten, wo man nur das allgemeine, gleiche Wahlrecht und Produktivassoziationen mit Staatshilfe forderte, thut es allerdings heute kein Sozialdemokrat mehr. Der Sozialismus ist kein Glaube, sondern eine Wissenschaft, und wir stehen nicht an, imaginäre Lehr⸗ sätze, wie das„ehrene Lohngesetz“ über Bord zu werfen, wenn man uns eines Bessern belehrt. Redner geht auf die Anträge im einzelnen ein und erklärt, in der Er⸗ richtung von Arbeitskammern einen Fortschritt zu er⸗ blicken. Der Gedanke einer friedlichen Beilegung von Streitigkeiten zwischen Arbeitern und Arbeitgebern hat sich ja allerdings immer mehr Bahn gebrochen, scheitert aber leider oft daran, daß die Unternehmer aus allem eine Machtfrage machen. Gewöhnen Sie sich endlich daran, den Arbeiter als Menschen zu betrachten und ihm eine angemessene Existenz zu gewähren. Nur dann wird die deutsche Industrie einst im Stande sein, den ihr aufgezwungenen Konkurrenzkampf durchzufechten. Nach weiteren Ausführungen des Abg. Stöcker und des Frhrn. v. Stumm wurde die Beratung auf Donnerstag vertagt. — w K—ůĩ— 3 — Seite 4. Mitteldeutsche Sonn tags⸗Zeitung. Nr. 19. von Nah und Fern. Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind. jederzeit willkommen. Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissen⸗ haftigkeit bei Uebermittelung von. Nachrichten.— Wir bitten alle um Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben. Die Feier des 1. Mai. * Würdig, wie im Reich und dem Ausland, ist auch die Feier des 1. Mai in unserem engeren Vaterland und den preußischen Nachbar⸗ städten verlaufen. In Darmstadt war die Versammlung, der eine zwanglose Unterhaltung folgte, überfüllt. Genosse Cramer hielt die Festrede. In Mainz sprach Gen. Dr. David in der Stadthalle vor mehr als 6000 Personen über den bedeutungsvollen Tag. In Offen⸗ bach waren die Versammlungen vorzüglich be⸗ sucht, in denen die Gen. Ulrich und Quessel sprachen. Am Festzug, der nachmittags statt⸗ fand, beteiligten sich annähernd 5000 Personen. In Frankfurt fanden vormittags und abends je fünf Volksversammlungen statt, die sämtlich überfüllt waren. Referenten waren die Gen. W. Schmidt, M. Fischer, R. Göller, Vetters und Scheidemann. Letzterer sprach anstelle des schwer erkrankten Reichstagsabg. Antrick in der Concordia, die schon gegen 9 Uhr polizeilich gesperrt wurde. In sämtlichen Versammlungen gelangte einstimmig eine Resolution zur An⸗ nahme, in der die Versammelten geloben, mit allen Kräften für die Idee des Sozialismus und zunächst für die Durchführung der auf dem internationalen Arbeiter-Kongreß in Paris im Jahre 1889 beschlossenen Forderungen zu wirken. Insbesondere verurteilen sie die neuerlichen Be⸗ strebungen der Reaktion, die wenigen Rechte und Freiheiten, die das Volk noch besitzt, zu schmälern. Aufs schärfste protestieren sie gegen die angekündigte sogenannte Zuchthausvorlage, durch welche das Koalitionsrecht verkümmert werden soll. Aehnlich lautende Resolutionen wurden in allen Versammlungen angenommen, über die wir hier weiter berichten: Aus Gießen. Das Versammlungslokal war dicht besetzt. Die Ausführungen des Gen. Orbig fanden lebhafte Zustimmung. Aus Wieseck. Die Wackerschen Lokali⸗ täten waren am Sonntag sämtlich überfüllt. Gen Vetters ⸗Frankfurt referierte, erntete den lebhaftesten Beifall der Versammelten und den Unwillen einer der beiden anwesenden Gen— darmen, der den Redner aufforderte, die„Be⸗ hörden nicht anzugreifen“. Selbstverständlich kehrte sich Genosse Vetters nicht an die wohl⸗ gemeinten Ratschläge des vorsichtigen Gen⸗ darmen, sagte vielmehr unter unbeschreiblichem Beifall das, was am 1. Mai gesagt werden muß. Aus Heuchelheim. In großer Zahl hatten sich die Genossen und Genossinnen von Heuchelheim in Kinzenbach im Gasthaus„Zum Schwanen“ eingefunden, um das Fest der Arbeit zu feiern. Den Glanzpunkt des Tages bildete die treffliche, etwa 1½ stündige Rede des Gen. Orbig aus Giezen über die Bedeutung des 1. Mai. In eingehender Weise schilderte Redner, wie notwendig die Erfüllung der Maiforderungen ist. Ganz besonders verdienen die klaren Aus⸗ führungen, die Redner in Bezug auf die kleinen Landwirte machte, hervorgehoben zu werden. Wohl verdienter, stürmischer Beifall lohnte den Redner für seine belehrenden Ausführungen. Eine von dem Referenten eingebrachte Resolution wurde einstimmig angenommen. Aus Trohe. Fur die beiden Nachbarorte Trohe und Rödgen fand die gemeinsame Ver⸗ sammlung bei Gastwirt Volk in Throhe statt. Auch aus Großen⸗Buseck hatten sich Teilnehmer eingefunden. Gen. Scheidemann sprach in fast zweistündiger Rede über die Bedeutung des 1. Mai. Der Versammlung wohnten zweit Gendarmen bei, die sich nicht wenig gewundert haben werden, als nach Beendigung der Rede die versammelten Männer und Frauen kräftig die Marseillaise austimmten und später den Sozialistenmarsch folgen ließen. Als schönstes Ergebnis der Versammlung ist die Wieder⸗ erweckung des Arbeitervereins zu betrachten, der seit einiger Zeit eingeschlafen war. Aus Daubringen. Unter zahlreicher Beteiligung verlief unsere Maifeier in schöuster Weise, trotzdem der Bürgermeister aus ganz unbegreiflichen Gründen abermals die Tanz⸗ erlaubnis verweigert hatte. Die vortreffliche Rede des Genossen Beckmann wurde begeistert aufgenommen.(Wegen der wiederholt versagten Tanzerlaubnis sollten die Daubringer Genossen energisch Beschwerde führen gegen den Bürger⸗ meister. Instanzenweg: Kreisamt, Ministerium des Innern, sozialdemokratischegandtagsfraktion.) Aus Alten-Buseck. Entsprechend der ausgezeichneten Organisation unserer Genossen verlief auch unsere Maifeier. Die Zahl der teilnehmenden Genossen und Genossinnen war größer als in einem der vorausgegangenen Jahre. Die Festrede des Gen. Vetters fand den größten Beifall. Aus Vilbel. Die am Sonntag statt⸗ gehab te Maifeier nahm einen glänzenden Verlauf. Hunderte Männer und Frauen füllten den ge⸗ räumigen Gartensaal der„Lilie“ und lauschten den Klängen des„Vilbeler Musikvereins“ und des Gesangvereins„Germania“. Die Festrede hielt Genosse Krumm⸗Gießen. Unter jubeln⸗ dem Beifall forderte er die Arbeiter auf, einig zu sein, sich an den Unternehmern ein Beispiel zu nehmen und nicht zu rasten, bis auch der letzte Arbeiter in der politischen und gewerk⸗ schaftlichen Organisation sei, das sei die richtige Antwort für die Stumm, Posadowsky und sonstige Scharfmacher. Aus Marburg. Unsere Versammlung verlief in bester Weise. Das Lokal war über⸗ voll. Die Rede des Genossen Dejung aus Frankfurt a. M. fand stürmischen Beifall. Gießener Lokalnachrichten. * Zum Besten eines Theatersaalbaues hatte der hiesige Theaterverein am Mittwoch und Donnerstag Abend je eine Dilettantenvorstellung arrangiert. Zur Aufführung kamen die ein⸗ aktige komische Oper„Bastien und Bastienne“ von Mozart, die einaktige Komödie„Vom land⸗ wirtschaftlichen Fest“, von Emil Pohl, und das Genrebild„Elzevier“ von Wilken und Bial. Die mitwirkenden Damen und Herren machten ihre Sache ganz überraschend gut. Einige junge Offiziere und ein hiesiger Professor scheinen geradezu ihren Beruf verfehlt zu haben. Am trefflichsten gelang zweifellos die kleine Mozart⸗ sche Oper, ein köstliches Kabinettstückchen, das von dem Kapellmeister Polster einstudiert war. Wenn der finanzielle Erfolg für den Theater⸗ verein ebenso gut war, wie der künstlerische, dann dürfte der beabsichtigte Zweck vollständig erreicht sein. Freigebige Stadtväter. E. K. Zu der unter vorstehender Spitzmarke in voriger Nummer veröffentlichten Notiz wird uns mitgeteilt,„daß die Berufung des Herrn Oberbürgermeisters nach Stuttgart bei der Ge⸗ haltsbemessung gar nicht in Betracht kam. So naiv sei kein Gießener Stadtverordneter, zu glauben, in der Honorierung des Bürgermeisters mit einer Großstadt wie Stuttgart wetteifern zu können. Die Gehaltserhöhung sei lediglich als eine Anerkennung der seitherigen Thätigkeit des Oberbürgermeisters zu betrachten, und wer die Entwickelung unserer Stadt in den letzten Jahren verfolgt habe, werde es als weise Spar⸗ samkeit betrachten, einen solchen hervorragenden Verwaltungsbeamten auch durch angemessene Honorierung vor der Versuchung zu bewahren, Gießen zu verlassen. Die Bürger, die die Thätigkeit des Herrn Gnauth kennen, sind sicher mit dem einstimmig gefaßten Beschluß der Stadtverordneten einverstanden.“ Ein Schulskandal. Dr. David und Genossen haben in der Zweiten Kammer an das Ministerium nachstehende Anfrage ge⸗ richtet:„Seit einiger Zeit beschäftigt sich die öffentliche Meinung lebhaft mit Vorkommnissen am Ludwig⸗Georg⸗ Gymnasium zu Darmstadt, die— sofern sie der Wahrheit eutsprechen— höchst bedenklich erscheinen. Die Unterzeichner fragen deshalb die Regierung, ob sie Kenutnis von den Vorgängen hat und was sie zus thun gedenkt, um die üblen Folgen derselben zu heben uud einer Wiederholung solcher Vorkommnisse vorzubeugen.“— U sache zu der Interpellation gab, wie unser Mainzer Bruderblatt, die„Volkszeitung“, mitteilt, die Wahr⸗ nehmung, daß der Gymnastallehrer Dr. Ablheim in unerlaubter Weise den Sohn des Oberschulrathes Dettweiler bei seinen Schularbeiten unterstützte, indem er dem Sohn vor jeder griechischen Klassenarbeit einen Zettel mit der Erklärung der schwersten vorkommenden Formen übersandte. Letzterer soll die Mittheilungen für Geld auch anderen Schülern überlassen haben. Tages kam die Benachrichtigung zufällig zu spät, und der junge Dettweiler schrieb eine ungenügende Arbeit. Daraufhin füblte sich Dr. Ahlheim verpflichtet, ein auf⸗ klärendes Entschuldigungsschreiben an Herru Dettweiler zu richten. Dieses Schreiben geriet dem jungen Dett⸗ weiler in die Hände, der nichts Eiligeres zu thun hatte, als es seinen Klassengenossen vorzulesen. Der Vorfall sprach sich herum und führte in seinen Konsequenzen zur Versetzung Dr. Ahlbeims nach Gießen. Inter⸗ essant ist übrigens die Thatsache, daß Herr Dettweiler bei der Uebernahme des Direktorats jener Anstalt seiner⸗ zeit Herrn Dr. Ahlheim aus Bensheim mit nach Darmstadt brachte und zum Klassenführer der Klasse seines Sohnes machte, wonach Dr. Ahlheim mit dem Dettweiler jun, bis zur Oberprima aufstieg. Auf zum Waldfest! * Sonntag Nachmittag findet die Maifeier der Arbeiter von Gießen im Stadtwald statt. Das Nähere ist aus dem Inserat in heutiger Nummer zu ersehen. Es wird erwartet, daß sich die Genossen und Genossinnen nicht nur aus Gießen, sondern auch aus dem ganzen Kreis recht zahlreich am Waldfest beteiligen. Flottenapostolisches. * Die„Hess. Ldsztg.“ in Marburg kann oder will unsere Ausführungen über die politische Vielseitigkeit ihres Gießener Agenten nicht kapieren. Sie meint, unser Artikel sei die Folge „großer, nicht ungerechtfertigter Befürchtungen vor einer starken Verbreitung der„H. L.“ in Gießen“. Haben die eine große Meinung von sich! Aus Alsfeld. W. Die Genossen von Alsfeld und Umgegend werden hiermit nochmals auf die Sonntag, den 7. Mai, in Lauterbach stattfindende Maifeier aufmerksam gemacht. Indem den Genossen einige sehr vergnügte Stunden in Aussicht ge⸗ stellt werden, wird um zahlreichen Besuch ge⸗ beten. Abfahrt von Alsfeld mit dem 1.51 Uhr hier abgehenden Zug. — Auch hier versucht man, durch einen Aufruf im Kreisblatt Mitglieder für den deut⸗ schen Flottenverein zu werben. Obwohl der⸗ selbe von einem Laudtagsabgeordneten, einem Realschul⸗Direktor, einem Pfarrer, einem Bankier und einem Kreisrat unterzeichnet ist, werden aus der arbeitenden Bevölkerung nicht viele auf die Flottenplane hineinfallen. Unschuldig verurteilt. Der Bergarbeiter Johann Heinrich Noll aus Wickenrode war von der Strafkammer in Kassel im Sommer vorigen Jahres wegen vorsätzlicher schwerer Körperverletzung zu einer Gefängnis⸗ strafe von sechs Monaten und zur Tragung der sämtlichen Kosten verurteilt worden. Der An⸗ geklagte hatte das ihm zur Last gelegte Ver⸗ gehen entschieden in Abrede gestellt, war jedoch aufgrund der Beweisaufnahme für genügend überführt angesehen worden, im vorigen Sommer den Arbeiter S. angefallen und durch Messer⸗ stiche verletzt zu haben. Er hatte bereits vier Monate abgesessen, als es seinem Verteidiger gelang, zwei zuverlässige Entlastungszeugen zu ermitteln. Im Wiederaufnahmeverfahren wurde das frühere Urteil aufgehoben und auf kostenlose Freisprechung erkannt, auch der Staatskasse nicht nur die gesamten Kosten auferlegt, sondern dem unschuldig Verurteilten für die unschuldig verbüßte Gefängnisst afe von vier Monaten ein entsprechender Entschädigungs⸗ anspruch zuerkannt. „Schwester“ Karola. Ju Potsdam ist jüngst über die schamlose, brutale Züchtigung eines Waisenknaben im katholischen St. Josephs⸗Waisenhause zu Potsdam vor Gericht verhandelt worden. Die „Schwester“ Karola hatte das Kind, das zu seiner alten Pflegemutter in Berlin, wo es gut behandelt worden war, zurückgeflüchtet war, binden und barbarisch durchprügelu lassen. Und der schneidige Chirurg Prof. Dr. v. Bergmann hatte ein Gutachten abgegeben, das diese Prügelei, bei der die Schwester Karola dem angebundenen Knaben die Hände hielt und dem Peiniger zu⸗ rief:„Es ist noch nicht genug!“ als harmlos und dem gutartigen Knaben nach seiner Schädelbildung einen„Verbrechertyppus“ Er sagte:„Ich halte dafür, daß der Knabe Prügel, tüchtige Prügel verdient hat. hinstellte andichtete. Ich will nicht so weit gehen, wie Lombroso, Eines U 1 1 Eudtoaor che der Pedingu auel, 0 Am 17. hundert, Burginn Thüngen, neh als bochtiustan fun 15 tgl. 5 10 un i feen Prozesses machen. nächten Odlen v. chen den die Bauer Infol, nehmer genommet aus Verl deren S streik da 15000 8 0 Beg. Gg it Gallerien s die hesssche sich zwei di Muigkeit, mir stehen! leich mit d mal ansehe gemacht he fügt er dieser, wer u Motion iert wä ät met g Duda eim bloe! Gbatt ag Nan seh Ach ga hält sich! aul huh „o brau du öl Aeuglerg, uh eaß dub r Aick laat he b dc gan halwer p of ean 0 kann, cal kan raus, fr hut „Aweil 5 emol hie, U aug Ehrnet! darme Dolr b 1 e aß g doe 90 wander ihr eordr . 6 N. — Eins libel, af, weiler Dett⸗ galt nach Klusfe dem feier statt tiger 0 daß Hür igen. kann liche nicht Folge ingen 9 in ung egend den feier en lossen t ge⸗ 1 einen deut⸗ der⸗ einem ankier erden e auf l aus Kassel thlichet ignis⸗ ug der 1 An⸗ Vet- jedoch ügend bumer Nessee⸗ 5 Viel eidigel gen zu wurde und auch Keostel teilte fe bol gung amlose, Itnabel e zu .„ 1 Nr. 19. r Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 5. aber daß der Junge sich auf dem Wege der Verbrecherlaufbahn befindet, läßt die Schädel⸗ bildung des Knaben deutlich erkennen.(Allge⸗ meine Unruhe und Zurufe der Entrüstung im Zuhörerraum.) Schwester Karola wurde dank diesem famosen Gutachten des Herrn v. Berg⸗ mann samt dem Prügelwärter freigesprochen! In der Berliner Stadtverordneten⸗Versammlung brandmarkte Genosse Singer die himmelschreiende Barbarei der Züchtigung und erhob gegen das Bergmannsche Gutachten scharfen Protest. Die Stadtverordneten⸗Versammlung beschloß, dem katholischen St. Josephs⸗Waisenhause nur unter der Bedingung fernerhin Waisenkinder anzuver⸗ trauen, daß die„liebevolle“ Schwester Karola aus dem Waisenhause entfernt wird. Bauer und Edelmann. Am 17. April hätte in dem großen, drei⸗ hundert Jahre alten Prozeß der Gemeinde Burgsinn(Unterfranken) gegen die Herren v. Thüngen, bei dem es sich um einen Wald von mehr als achttausend Tagwerk handelt, die höchstinstanzielle Verhandlung in München statt⸗ finden sollen. Sie wurde wiederum ver⸗ tagt. Die Gemeindeversammlung Burgsinn hat am 12. April einstimmig beschlossen, ihrem Rechtsanwalt nach siegreichem Ausgang des Prozesses ein Geschenk von 25000 Mk. zu machen.— Vielleicht gelangt die Sache im nächsten Jahrhundert zum Austrag, damit die Edlen v. Thüngen noch einige 50 oder 80 Jähr⸗ chen den Nutzen aus dem Walde ziehen und die Bauern weiter hoffen und harren können. Arbeiterbewegung. Infolge der Maifeier haben zahlreicke Unter⸗ nehmer Maßregelungen der Arbeiter vor⸗ genommen. Aussperrungen werden gemeldet aus Berlin, Leipzig, Dresden, Lübeck und an⸗ deren Städten.— Der Frankfurter Brauer⸗ streik dauert noch fort.— In Brünn stehen 15 000 Textilarbeiter aus. Hessischer Landtag. Begräbnis der Weinsteuervorlage. 8. Darmstadt, Dienstag, 2. Mai. Es ist kaum halb zehn Uhr und doch sind die Gallerien schon dicht besetzt. Unten im Saale spazieren die hessischen Volksvertreter hin und her. Hier drücken sich zwei die Hände, dort erzählt einer eine brühwarme Neuigkeit, die lebhafte Heiterkeit hervoruft. Ein neben mir stehender Oberhesse, der sich den hessischen Karpfen⸗ teich mit den fünf sozialdemokratischen Hechten auch ein⸗ mal ansehen wollte und deshalb extra die„weite“ Reise gemacht hatte, konnte sich gar nicht satt sehen. Bald frägt er diesen, bald jenen Galleriebesucher: wer ist dieser, wer ist jener?„Der Dick' do, doas eaß g'weaß in Noationoalliweroale, gealle? Der huott juo e Hinner⸗ piert'l wäi in Oachtzigdoahl'rschgaul. Der ioß aach näit met Koatoff'n ean Decke Melch z'fräire, wanne sei Owedsopp eßt.“—„Oach Gewitter, ean der do, met seim bloe Brell, der laaft juo hih ean her, als wannes Goatt waaß wäi b'zoahlt gritt Woas moak da deam Mann fehl'? He huott dei zwu Henn im Hosesack. Aich glawe als, he huot die Hoseträger v'rgeasse ean hält säch die Hos' fest.“—„Gewitter, Donnerwearrer, aweil huh aich'n oawwer g'seh!“— Wen denn?— „Do brauchese noach see freje? Ei ins'n Oabgdoadnete, d'n Köhlersch Filipp vo Langsdorf. Aich sei doach neugierig, wäie sei Sach hau macht. Ei Schwiernuth, wuh eaß he da nortz hieh? Aha, etzt kimmte wearrer aus'r Aick raus— na, woas huott da der fihr, etzt laaft he juo schohd wearrer zon'm aaner Loach naus!— Aich glaawe als, der sichchd ahner, viellächt d's Hirschelche, dawwer prowirte die Dihr'n, oab däi noach all' richdig off ean zou gieh. He laaft waaß Goatt zou eam Loach reann, eann zoum ahner wearre raus. Alls zous reann ean raus, alls zous reann can raus. Woas he nortz fihr huott, d'r Filipp, doas v'rstihn' aich näit“— „Aweil v'rreack aich oawer,— do gucke Säi doach nortz emol hie, do raacht juo waaß Goatt aaner mearrem Ohr aus sei'r laange Peis. Kreizschwiernuth, woaß e Ehrwet,“ aich sah naut mieh; woahrscheinlich huotts d'r darme Deuwil eam Hals ean huott's Raache vom Dokt'r v'rbohre gräit, deswege raachte merr'm Ohr— ' eaß zoum V'rreacke.— Oawwer'n Schlaukoapp eaß's doach.“— Ich war gerade dabei, meinem Landsmann aus⸗ einanderzusetzen, daß die angebliche lange Pfeife ein dessen sich der schwerhörige Friedberger öhrrohr sei, ed 855 als die Glocke des Präsidenten Abgeordnete bedient, —— *Ehrwet-⸗Arbeit. ertönt. Die Abgeordneten nehmen ihre Plätze ein und die Verhandlungen beginnen. Das Wort erhält der Abg. Jöckel⸗Friedberg(natl.). Er legt sich feurig für die Weinsteuer ins Zeug und beschwert sich über die heftige Agitation, die gegen die Steuer ins Leben gerufen sei. Er liest einen Artikel vor aus dem„Binger Anzeiger“ und einen solchen der Oppenheimer„Lands⸗ krone“, dabei bemerkend, daß namentlich in der letzteren ein Artikel enthalten sei, der einem Revolverblatte Ehre mache.(Mehrere Abgeordnete rufen: Das ist ein nationalliberales Blatt!) Da Herr Jöckel das offenbar nicht verstanden hat, liest er weiter vor, bis der Genosse Ulrich zu ihm geht und ihm— auf die Zeitung deutend— ins Ohr ruft: Ein national⸗ liberales Blatt! Unter stürmischer Heiterkeit des Hauses wirft Herr Jöckel das Blatt auf seinen Tisch mit den Worten: Das glaub ich nicht! Er verzichtet aber auf weiteres Vorlesen und erklärt schließlich, von Anfang an ein Freund der Steuerreform gewesen zu sein. Ohne die Besteuerung des Weines halte er aber die Reform nicht für durchführbar. Genosse Dr. David: Die Steuerreform kann ohne Weinsteuer durchgeführt werden, wenn die Regie⸗ rung will. Ersatzvorschläge sind verschiedene gemacht, Herr Jöckel ist nicht darauf eingegangen, weil er meinte, eine Steuerreform sei gleichbedeutend mit einem Steuer⸗ erlaß, ihm will es nicht in den Kopf, daß eine Steuerreform ohne neue Steuern möglich sei. Ein Steuererlaß von 2 Millionen Mark trifft alle Klassen gleichmäßig; es werden Leute entlastet, die es nicht verdienen, deshalb wollen wir nicht nach neuen Steuern suchen, sondern diejenigen Steuerträger, die es ver⸗ tragen können, mehr belasten, damit die Arbeiter, kleinen Handwerker und Landwirte, entlastet werden. Interessant war die Aeußerung des Obersteuerrats Bittel, die direkten Steuern könnten nicht gut erhöht werden, weil sonst die ohnehin häufige Hinterziehung an Steuern noch vermehrt wird. Unsere Anträge, soweit sie von Ersatz handeln, fordern eine Progression bis zu 6 Proz.; der Antrag Schmitt⸗Schröder geht ja schon auf 5 Proz. bei 150 000 Mk. Einkommen, da macht derselbe aber Halt, und was mehr Einkommen ist, wird nicht höher besteuert; warum also dem, der ½ Million Mark Einkommen hat, nicht 57¼ Proz., wer 1 Million Mark Einkommen hat, 6 Proz. Progression auferlegen? Wenn die Steuerreform scheitert, so ist einzig und allein die Regierung der schuldige Teil. Die Reform kann durchgeführt werden auch ohne Weinsteuer. Geh. Staatsrat v. Krug sucht den tiefen Eindruck, welchen die vortreffliche einstündige Rede des Abg. Dr. David bewirkt hat, zu verwischen und will nicht zugeben, daß die indirekten Steuern nur Nachteile haben, sie hätten auch ihre Vorteile. Die Regierung beharre auch heute noch auf der Weinsteuer, wenn ein annehmbares Ersatzmittel nicht vorgeschlagen werde, weil ohne dieselbe eine Steuerreform nicht durchführbar sei. Für die Weinsteuer spricht noch Erk, und gegen dieselbe Pitthan, beide Nationalliberale. Nach Schluß der Generaldebatte beantragte Genosse Ulrich, sofort die Weinsteuer zu erledigen in der Spezial⸗ debatte. Geh. Staatsrat v. Krug wünscht, daß nach der Generaldebatte eine Pause stattfinde, bevor in die Spezialdebatte getreten werde, damit die Regierung Zeit habe, genaue Erwägungen anzustellen. Abg. Köhler⸗Langsdorf(Antis.): Ich bin gegen den Antrag Ulrich, denn ich war zwar im Ausschuß gegen die Weinsteuer, jetzt bin ich aber dafür. Der Antrag Ulrich stellt sich als eine Ueberrumpelung dar. — Nachdem der Präsident Haas den letzten Ausdruck als unschicklich zurückgewiesen, erhält das Wort wieder Genosse ulrich: Den Umfall des Abg. Köhler will ich denn doch festnageln; heute fällt er auf die Butterseite, morgen auf die Schmalzseite, und übermorgen, wenn er noch eine Fettseite hat, auf diese. Der Abg. Köhler ist ein prinzipieller Umfaller.— Hierauf wurde der Antrag Ulrich mit 28 gegen 15 Stimmen angenommen. Die Spezialdiskussion über die Weinsteuer wird eröffnet, niemand meldet sich zum Wort. Es kommt zur Abstimmung. Die Spannung auf den Gallerien hat den Höhepunkt erreicht. Die Befürworter der Weinsteuer laufen hinaus, natürlich auch der Abg. Köhler. Sie hoffen wahrscheinlich, die Kammer beschluß⸗ unfähig zu machen. Das gelingt jedoch nicht. Mit 28 gegen 2 Stimmen wurde die Weinsteuervorlage abgelehnt. Da die Kammer aus 50 Abgeordneten besteht, haben also 20 Mitglieder an der Abstimmung nicht teilgenommen. Zum Schlusse gab Präsident Haas dem Hause einen Antrag des Abg. Osann bekannt. Derselbe ging dahin: Die Verhandlung über die Steuervorlagen vorerst zu vertagen und die Regierung zu ersuchen, die Frage des Ersatzes der Weinsteuer in geeignete weitere Erwägung zu ziehen und deren Ergebnis in Form von neuen Ge⸗ setzesvorschlägen noch an diesen Landtag gelangen zu lassen. Diesem Antrage trat die Kammer ohne weitere De⸗ batte gegen die Stimme des Präsidenten Haas bei. ——— Briefkasten der Redaktion. Einsenderin aus Marburg. Wir müssen auch bei Einsenderinnen darauf bestehen, uns gegenüber den Schleier der Anonymität zu lüften. Uebrigens eignet sich Ihre Zuschrift nicht zur Veröffentlichung. Unsere Leser können doch gewiß nichts dafür, daß Sie sich ge⸗ ärgert haben. Beruhen Ihre Schilderungen auf Wahr⸗ heit, so wäre es am besten gewesen, wenn Sie die be⸗ treffenden Süfflinge gleich auf das Ungehörige ihres Benehmens aufmerksam gemacht hätten. Vielleicht können Sie das noch nachholen. W. hier. Wir teilen Ihren Standpunkt nicht. Die Sozialdemokraten bekommen im„liberalen“ Gießen keinen Saal, warum sollten wir also die Gelegenheit, für die Freiheit und gegen das Zuchthaus demonstrieren zu können, nicht wahrnehmen? Die Befolgung Ihres Vor⸗ schlags würde allerdings die Bedeutungslosigkeit jener Einspänner⸗Partei in Gießen klärlich beweisen. Aber darauf darf es weniger ankommen. Eine kraftvolle Demonstration gegen den Zuchthauskurs erscheint uns weit wichtiger. Briefkasten der Expedition. Quittungen. H. Kchn. 8.80. Sch. Schmk. 30.—. Krgr. G. 41.40. Kpfr. Rtbg. 15.60. Mdlr. Kbch. 6.60. Llr. B. 32.40. Lllr. Ins. 6.—. M. G. 9.—. Slg. Weck. 27.20. D. Abck. 9.20. Wch. Bst. 2.40. Th. R. 2.10. Hbr. Dbgn. 9.—. Ggl. Hobgn. 8.20. Stm. Hchh. 6.—. Cflr. Frbg. 26.20. Orbg. G. 2.80, Schb. H. 7.—. P. Lllr. 3.40. Wbch. Rdgn. 4.—. Pf. G. 3.35. Lchl. Gh. 4.80. Hch. G. 7.—. Pf. Od. 7.35. Ehg. Dth. 5.—. Hfm. Gr. L. 2.—. M. Eckh. 2.40. Hp. Rdh. 9.40. Stbg. Sch. 13.—. Sch. Bech. 1.10. Wekr. Weck. 3.50. Grünberg, im Mai. Am Markttage, 1. Mai, wurden auf dem hiesigeun Frucht markte folgende Frucht⸗ arten ꝛc. zu den beigesetzten Durchnittspreisen verkauft: 9 Doppel⸗Zentner(à 100 kg) Weizen zu 16,00 M., 6 D.⸗Z. Korn zu 14,58 Mark, 13 D.⸗Z Gerste zu 15,44 Mark, 26 D. ⸗Z. Hafer zu 14,70 Mark, 2 D.⸗Z. Erbsen zu 19,74 Mark, 0 D.⸗Z. Linsen zu 00,00 Mark, 0 D. Z. Samen zu 00.00 Mark, 336 D.⸗Z. Kartoffeln zu 5,74 Mark. Letzte Nachrichten. In Berlin ist der ehemalige Reichstags⸗ präsident Dr. von Simson gestorben.— In Darmstadt verstarb der bekannte Arzt Dr. Ludwig Büchner, Verfasser des Werkes „Kraft und Stoff“. ; 2 ee 2 0 De LI eee eee Unterhaltungs⸗CTeil. ö 7 vom stamm gerissen. Roman von E. Langer. Nachdruck verboten. Valeska, die trotz der wiederholten Ohn⸗ machtsanfälle in der Nacht nach Empfang jenes Telegramms gepackt hatte und in der Frühe des nächsten Morgens abgereist war, war gerade noch zeitig genug angekommen, um die Mutter in ihren Armen sterben zu sehen. Sie hatte ihrer ganzen Willenskraft bedurft, um sich unter all den Schmerzen, Leiden und Sorgen, die auf sie einstürmten, bis heute aufrecht zu er⸗ halten. Als man vom Kirchhof zurückkehrte, brach sie zusammen. Tussy und die alte treue Regine, die schon während der Krankheit der Mutter unaufge⸗ fordert und o hne nach dem Lohn zu fragen, sich in der Familie wieder eingefunden, hatten Valeska entkleidet und in der Wohnstube, wo es luftiger als in dem engen Schlafstübchen der Schwestern war, auf das Sopha gebettet, auf dem sie nun bereits seit mehreren Stunden in einem völlig apathischen Zustande lag. Der herbeigeholte Arzt hatte die äußerste Ruhe an⸗ empfohlen. Die Nachricht von der abermaligen Verhaf⸗ tung ihres Verlobten, welche Valeska so un⸗ erwartet wie ein Blitz aus heiterem Himmel getroffen, hatte sie bereits in der Morgenzeitung, die sie vor ihrer Abreise auf dem Bahnhof zu M. gekauft, bestätigt gefunden. Ein neuer Verhaftbefehl war auf Requisition der Königs⸗ berger Polizei gegen ihn erlassen, er selbst bereits am Abend vorher unter polizeilicher 1 nach seinem Heimatsort abgeführt worden. 181 e——— —— ͤ——— — Seite 6. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 19. Der Hergang der Sache war folgender: Sobald die Personalverhältnisse Oettingers Bigekege waren, hatte das Direktorium des ezirksgerichts zu M. einen Bericht über das Geschehnis, dessen Held unser Freund war, an das Königsberger Polizeipräsidium eingereicht und um ein Leumundszeugnis des Inkulpaten ebeten. Oettinger war bei der Polizeibehörde einer Vaterstadt schlecht angeschrieben. Seine Reden in Volksversammlungen, seine Thätigkeit zur Gründung eines Arbeitervercins, dessen Vorsitzender und Leiter er bis zur Stunde war, die Flugblätter, die er teils verfaßt, teils zu verbreiten geholfen hatte, waren der hohen Be⸗ örde ein Dorn im Auge gewesen. Man hatte jedoch nie eine schickliche Veranlassung zum Einschreiten gefunden, so sehr man Oettinger auch auf die Finger sah. Trotz seiner Jugend und seines feurigen Temperaments, das ihn oft genug mit sich fortriß, hatte er jeden Konflikt mit dem Strafgesetz zu vermeiden gewußt. So kam denn der Vorfall auf dem Gute des Herrn von Kries und Oettingers Inhaftie⸗ rung in M. der Königsberger Polizei sehr ge⸗ legen. Sie ordnete sofort eine Haussuchung bei ihm an und legte Beschlag auf alle seine Papiere und Briefschaften. So vorsichtig Oettinger stets gewesen, so hatte er es doch darin versehen, daß er, als er sich von Königsberg entfernte, seine Papiere in 1 8 Wohnung zurückgelassen hatte. Es war er beste Beweis, daß er nicht glaubte, es könne sich etwas Straffälliges darunter befinden, allein er hatte nicht an die Interpretationskunst eifriger Ankläger gedacht. Briefe, die er empfangen, Entwürfe eines Parteiprogramms, angefangene Artikel für die Zeitung, die bei seiner Rückkehr ins Leben treten sollte, Broschüren, Wahlreden und dergleichen mehr, alles konnte dazu dienen, eine Anklage auf Vorbereitung zum Hochverrat gegen ihn zu erheben. Er war im sogenannten In quisitionsgebäude, dem städtischen Gefängnis, interniert, die Unter⸗ suchung gegen ihn in vollem Gange. Kein Wunder, daß Valeskas Kraft allen diesen Stürmen nicht Stand zu halten ver⸗ mochte. Herr Stern schlich auf den Zehen in das Zimmer, in welchem sie noch immer halb be⸗ wußtlos lag. Er glaubte sehr leise zu sein, allein er gehörte zu den animalisch ungeschickten Menschen, die trotz des besten Willens stets Geräusch verursachen mußten. Valeska schlug die Augen aut und streckfe ihm matt die Hand entgegen. „Du bist es, Vater! Komm, setze Dich zu uns. Wir müssen jetzt näher zusas menrücken!“ sagte sie mit einem traurigen Lächeln. Es war das Gefühl der Vereinsamung, welches Herrn Stern zu den Töchtern getrieben hatte. Nicht, daß er um die Verstorbene tiefe Trauer empfand. Es war sehr lange her, daß sie seinem Herzen nahe gestanden, so lange, daß er sich kaum mehr darauf besinnen konnte. Die Katastrophe selbst hatte ihn zwar erschüttert, allein sobald die unheimlichen Prozeduren des Begräbnisses vorüber waren, hate er seinen Witwerstand sogar als eine Art Befreiung ge⸗ fühlt. Wie despotisch er sich auch der Familie gegenüber geberdete, das geistige Haupt derselben war doch seine Frau gewesen, und gerade weil er dies beständig gefühlt, hatte er sein Haus⸗ herrenrecht bei jeder Gelegenheit gewaltsam geltend zu machen gesucht. Da war nun seine Valeska wieder:„Komm, setze Dich zu uns— wir müssen zusammen⸗ rücken!“ Ja, so lieb hatte die Mutter nie zu ihm geredet, und Tussy, dieses junge, ernste Ding kam ihm auch nie einen Schritt entgegen. Ach, wenn nur Valeska nicht ernstlich krank würde— ihr verändertes Aussehen, als er sie auf dem Bahnhof empfing, haue ihn erschreckt genug und ihr heutiger Anfall bei der Rückkehr rom Begräbnis mit namenloser Angst erfüllt. Aber es konnte doch vielleicht vorübergehen und sie sich wieder erholen. Seine optimistische Natur ließ ihn bereits alles im rosigsten Lichte sehen. Ueber das Verhältnis zu Oettinger, dessen abermalige Verhaftung mittlerweile stadt⸗ bekannt war, wollte er sich schon mit seiner Tochter verständigen. Die Sachen stünden ja auch jetzt ganz anders, redete er sich ein; der Mann wurde offenbar von der Regierung ver⸗ folgt— er war ihr also gefährlich, ein Mann von Bedeutung und als solcher seiner Tochter würdig. An ihm, an Herrn Stern, war es nun, zu zeigen, daß er sich gegen die Regierung des Verfolgten annahm, das verlangte seine Ehre als Demokrat und quasi Schwiegervater von ihm. Er sah sich schon eine Rolle in dem Prozesse spielen. In diesem versöhnlichen Sinne begann er denn auch jetzt von der Angelegenheit zu sprechen, nicht gerade zur übermäßigen Ueberraschung seiner Töchter, die an einen solchen plötzlichen Umschlag seiner Gesinnungen vollauf gewöhnt waren. Wenn der pedantische Grünschnabel, wie Herr Stern seine jüngste Tochter nannte, es nur erlaubt hätte, er würde den ganzen Abend von nichts anderem gesprochen haben. Tussy aber sah, wie das Gespräch die Schwester aufregte, wie ihre Augen fieberhaft glänzten, auf ihren Wangen sich rote Flecken zeigten, der Mund in trockener Hitze brannte. So drängte sie den Vater zu gehen, der endlich mit dem Versprechen, gleich folgenden Tags um eine Unterredung mit Kurt einzukommen und ihr Nachricht von ihm zu bringen, die hochgradig Erregte verließ, die eine sehr schlechte Nacht verbrachte und am andern Tage das Bett nicht verlassen konnte. Mittlerweile nahm die Voruntersuchung gegen Oettinger ihren Verlauf. Man schleppte aus allen Ecken und Enden Belastungsmaterial zusammen. Da das bei Oettinger gefundene nicht ausreichte, um die Anklage auf Vor⸗ bereitung zum Hochverrat begründen zu können, so wurden auch bei seinen Freunden und Partei⸗ genossen Haussuchungen gehalten und eine An⸗ zahl Briefe, Zeitungen, Broschüren, Protokolle von Kongressen, die vor drei, vier Jahren statt⸗ gefunden und denen Oettinger gar nicht einmal beigewohnt hatte, mit Beschlag belegt, um als ebensoviel staatsgefährliche corpora delicti zu figurieren, und die Steine zu einem Bau von mächtigen Dimensionen zu liefern. Nur schade, daß sie aus der Luftsteinfabrik stammten, von der in Immermanns Münchhausen zu lesen ist. Oettinger hatte nichts Strafbares begangen. Die Kritik, welche er an bestehenden, der Ver⸗ besserung bedürftigen Zuständen geübt, war sein Recht, das Streben, durch Aufklärung und Be⸗ lehrung der Massen es dahin zu bringen, daß eine solche Besserung möglich werden konnte, kein strafbares Unterfangen. Nur hierin be⸗ bestanden seine sogenannten Vergehen. Der Prozeß machte ungeheures Aufsehen, nicht nur in der Vaterstadt Oettingers, sondern in ganz Deutschland. Der Angeklagte war mit einem Schlage eine berühmte Persönlichkeit geworden, so recht nach dem Herzen des Herrn Stern. Dieser hatte sein Versprechen wahr gemacht und zu Oettinger zu dringen versucht, allein vergebens. Es wurde ihm nicht gestattet, den Gefangenen zu sehen. Die schriftlichen Nach⸗ richten, welche die Liebenden einander zugehen lassen konnten, wurden natürlich der amtlichen Kontrolle unterworfen, und so konnten sie sich nur gegenseitig Mut zusprechen und gefaßt des Ausganges harren. Daß Valeskas Zustand sich von Tag zu Tag verschlimmerte, erfuhr Oettinger nicht. Weshalb sollte man den schwer Bedrückten noch durch diese traurige Botschaft entmutigen und beunruhigen? So 1 7 endlich die Schwurgerichtsperiode heran, in der Oettingers Prozeß zur Verhand⸗ lung kommen sollte. Während der achttägigen Gerichtssitzungen, in denen eine Unmasse von Zeugen für und wider vernommen wurden, steigerte sich die Spannung des Publikums, von dem Saal und Gallerien überfüllt waren. Die Persönlichkeit des Angeklagten rief bei allen Parteien den günstigsten Eindruck hervor. Bestach er die Einen und zumal den weiblichen Teil des Auditoriums, der sich in großer Zahl herbeigedrängt hatte, durch die edle schöne Männlichkeit seiner Erscheinung, so riß er die Andern durch die Offenheit und Kühnheit seiner Sprache und durch die ruhige, von jeder Osten⸗ tation freie Haltung hin. Nur zu Anfang jeder Sitzung irrte sein Blick wie suchend über die Menge, owbei sich eine gewisse Erregtheit in seinen Mienen kundgab, der etwas wie Nieder⸗ 1 geschlagenheit folgte. gefunden, was er suchte. Nur beim Beginn der Schlußverhandlung, die naturgemäß den Kulminationspunkt des Interesses bildete, zuckte, als er die Menge überschaute, ein Freudenstrahl in seinen Augen auf, mit denen er jemand zu grüßen schien. Neben dem grotesken, von Stolz und Siegesgewißheit strahlenden Gesicht des Herrn Stern, der den Verhandlungen jeden Tag von Anfang bis Ende gefolgt war, saß eine tief verschleierte Dame und neben ihr Tussy, deren blasses Gesicht bei Oettingers Gruß tief errötete. Man flüsterte sich im Publikum zu, daß die verschleierte Dame Oettingers Braut, das schöne Fräulein Stern sei, welche eigentlich die Veranlassung zu dem ganzen Prozeß gegeben habe. Es sei irgend eine Eifersucht im Spiele. In einem Duell habe Oettinger seinen Gegner, einen einflußreichen, vornehmen Herrn, schwer verwundet und zur Strafe habe man ihm diesen Prozeß an den Hals gehängt. Das war eine der vielen Versionen, welche im Saale über das unselige Renkontre auf Triberg umliefen, und die zu dem Interesse für das Schicksal des Angeklagten noch den Reiz eines von ihm ruhm⸗ reich bestandenen Abenteuers fügten. Man war überzeugt, kein gedichtetes, sondern ein wirkliches Drama vor sich zu haben, was doch noch ein ganz anderer Nervenkitzel war. (Fortsetzung folgt.) Aus unserer Sammelmappe. So verhält sich's mit uns und mit ihnen: Sie wollen herrschen, wir sollen dienen; Sie sind die Herren und haben Rechte, Wir haben Pflichten und sind die Knechte; Sie wollen genießen und können rasten, Wir sollen schaffen und mögen fasten; Sie wollen besitzen, wir sollen erwerben, Sie wollen leben, wir mögen sterben. Wir meinen, es müsse sich umgestalten, Sie wissen es besser: Es bleibt beim Alten! Hoffmann v. Fallersleben. * Wenn die Geistesbildung und die daraus entstandenen Sitten und Bedürfnisse eines Volkes nicht mehr im Ein⸗ klange sind mit den alten Staatseinrichtungen, so treten sie mit diesen in einen Notkampf, der die Umgestaltung derselben zur Folge hat und eine Revolution genannt wird. Heinrich Heine. 9———— Humoristisches. Der neueste Beckumer. In einer Schöffen⸗ gerichtssitzung in Beckum richtete kürzlich der Vorsitzende bei der Personalfeststellung an einen Geladenen die Frage, ob er selbständig sei.„Nein“, antwortete der Ge⸗ fragte,„meine Frau lebt noch.“ * Schlau. Aufseher:„Wem gehören denn die hübschen Kinder, die da auf dem Rasen spielen?“ Frau(geschmeichelt):„Mir!“ Aufseher:„So, dann will ich mir mal gleich Ihren Namen notieren...„ das Betreten des Rasens ist nämlich bei Strafe verboten!“ — Neu eingelaufene Schrifien. Besprechung wichtigerer Erscheinung behalten wir uns vor. Prächtige Maifest⸗ Nummern haben die beiden sozialdemokratischen Witz⸗ und Unterhaltungs⸗ blätter:„Süddeutscher Postillon“ und„Wahrer Jakob“ herausgegeben. Der textliche Inhalt beider Blätter ist außerordentlich reichhaltig und die farbigen Bilder sind vorzüglich gelungen.— Einzelnummern à 10 Pfg. find in der Buchhandlung, Sonnenstraße 25, zu haben. Abonnements nimmt jede Buchhandlung und jede Postanstalt entgegen. Der„Südd. Postillon“ er⸗ scheint bei M. Ernst in München, der, Wahre Jakob“ bei J. H. W. Dietz Nachf. in Stuttgart. Arbeitsmarkt und Arbeitsnachweis. So⸗ eben ist im Verlag v. J. H. W. Dietz Nachf. in Stuttgart erschienen: Arbeitsmarkt und Arbeitsnachweis Von Richard Calwer. 68 Seiten. Preis broschiert 30 Pfg.— Aus dem Inhalt teilen wir mit: Einleitung. — Die Publizität des Arbeitsmarkts.— Die Neu⸗ tralität des Arbeitsnachweises.— Geschichte und Ein⸗ richtung der öffentlichen Arbeitsnachweise.— Die ge⸗ werkschastliche Arbeitsvermittlung.— Schlußfolgerungen: Arbeitsbörsen.— Anhang: Drucksachen des Städtischen Arbeitsamts München. 1. Statut. 2. Geschäftsorduung. Bestellungen nehmen alle Buchhandlungen entgegen. Er hatte offenbar nicht ben. ndenen n Ein treten taltung genannt eine. chböffen⸗ sthende Frage, er Ge⸗ n die 0 Ihren ens it Mitteldeutsche Sonntags- Zeitung. Seite 7 Giessener Lesehtalle- Verein. Die im vorigen Jabre gegründete öffentliche Bücher⸗ und Lesehalle hat sich als eine für unsere Stadt notwendige Austalt beraus⸗ gestellt. Nach Aus weis der Benutzungsstatistik wurden in den Winter⸗ monaten mehr als 4000 Bände verliehen. Bei einem solchen Zuspruche reichen die geringen Mittel des Vereins in keiner Weise zur Beschaffung des in stets wachsendem Maße geforderten Lesestoff's aus. Soll daher der Fortbestand dieser segeus reichen Einrichtung gesichert werden, so ist die Flüssigmachung weiterer Mittel die erste und uuerläßlichsse Bedingung. Zur Erfüllung derselben bleibt uns gegenwärtig nor ein nochmaliger Anruf an den so oft bewährten Gemeinsinn unserer Mitbürger, denen wir die Bitte dringend ans Herz legen, uns durch Zuwendung weiterer Gaben— sei es durch Erhöhung der Mitgliederbeiträge, sei es durch Gewährung eines einmaligen Bei⸗ trags— unterstützeu zu wollen. Wir werden uns demnächst erlauben, eine Liste zum Einzeichnen herumgehen zu lassen, und bitten, dieselbe nicht zurück zu weisen. Jede, auch die kleinste Gabe ist willkommen. Ebenso erneuern wir unsere Bitte um Zuweisung älterer Jahrgänge illustrierter Zeitschriften und von Büchern. Der Vorstand des Gießener Lesehalle⸗Vereins. J. V.: Dr. Frank. * 2 2 Für Magenbeidende! 2 g Allen denen, die sich durch Erkältung oder Ueberladung des Magens, durch Genuß mangelhafter, schwer verdaulicher, zu heißer oder zu kalter Speisen, oder durch unregelmäßige Lebens⸗ weise ein Magenleiden, wie: Magenkatarrh, Magenkrampf, Magen- 5 schmerzen, schwere Verdauung oder Ver⸗ i schleimung 5 zugezogen haben, sei hiermit ein gutes Hausmittel empfohlen dessen vorzügliche heilsame Wirkungen schon seit vielen Jahren erprobt sind. Es ist dies das bekannte Verdauungs⸗ und Blutreinigungsmittel, der 5 Huber! Ullrich“sche Kräutet-Wein. Dieser Bräuter⸗ Wein ist aus vorzüglichen, heilkrästig bvesundenen Bräutern mit gutem Mein bereitet, und stärkt und belebl den ganzen Verdauungsorg anismus 8 des Menschen, ohne ein Absührungsmittel zu sein. 883 Bräuter⸗Wein beseitigt alle Störungen in den Blut⸗ gefäßen, reinigt das Zlut von allen verdorbenen, krankmachenden Stoffen und wirkt fördernd auf die 75 Neubildung gefunden blutes. Durch rechtzeitigen Gebrauch des Kräuter⸗Weines werden Magen, übel meist schon im Keime erstickt. Man sollte also nicht säumen seine Anwendung allen anderen scharfen, ätzenden, Gesundheit zer⸗ störenden Mitteln vorzuziehen. Alle Symptome, wie: Kopf- schmerzen, Aufstossen, Sodbrennen, Blähungen, Uebelkeit mit Erbrechen, die bei chronischen(veralteten) Magenleiden um so heftiger auftreten, werden oft nach einigen Mal Trinken beseitigt. 8 und deren unangenehme Folgen S tuhlverstopfung wie: Beklemmung, Kolikschmerzen, nerazklopfen, Schlaflosigkeit, sowie Blutanstauungen, in Leber, Milz und Pfortadersystem 5(hHamorrhoidalleiden) werden durch FKräuter⸗Wein rasch und gellnd beseitigt. Kräuter⸗Wein behebt iedw de Unverdaulichkeit, verleiht dem Verdauun ssystem einen Aufschwung und entfernt durch einen leichten Stuhl alle untaug⸗ lichen Stoffe aus dem Magen und Gedärmen. Hgageres, bleich. Aussehen, Blutmangel, 8— sind meist die Folge schlechter Verdauung, 650 78 Entkräftung mangelhafter Mutbildung und eines krank⸗ haften Zustandes der Leber. Bai gänzlicher Appotitlosigkelt, unter nervöser Abspannung und demüthsverstimmung, sowie häufigen Kopfschmerzen, schlaflosen Mächten, siechen oft solche Kranke langsam dahin. 2 Kräuter⸗Wein giebt der geschwächten Lebenskraft einen frischen Impuls. 2 Kräuter⸗Wein steigert den Appetit, befördert Verdauung und Ernährung, regt den (Stoffwechsel kräftig an, beschleunigt und verbesserk die Blut⸗ bildung, beruhigt die erregten Nerven und schafft dem Kranken neue Kräfte und neues Leben. Zahlreiche Anerkennungen und Diankschreiben beweisen dies.. 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Mai, findet im Lokal des Herrn Gastwirt Kaut die diesjährige 2 Maifeier für den dritten Oberhessischen Wahlkreis Alsfeld⸗Lauterbach⸗ Schotten statt. Festrede, Garten⸗Konzert.— Anfang 3 Uhr. Um zahlreichen Besuch ersucht Das Komitee. Oeffentl. Arbeiterversammlung Montag, den 8. Mai, Abends 9 Uhr, im Lokale des Herrn Orbig. Tagesordnung: Welche Stellung haben die Arbeiter zu der heutigen Produktionsweise einzunehmen? Ref.: Herr Holzhäußer, Vorsitzender des Deutschen Schneider⸗Verbandes aus Stuttgart. Alle Arbeiter und Arbeiterinnen haben freien Zutritt. Der Einberufer. Sonntag, den 7. Mal, Nachm. pünktlich 3 Uhr: Versammlung der Arbeiter der Gail'schen Dampfziegelel und Thonwaarenfabrik bei Gastwirth Heuser im Schiffenberger Thal. Es wird ein Vertreter des Gewerkschafts-Kartells anwesend sein. Für Arbeiter und Landleute empfehle mein reichhaltiges Schubwearenlager. ꝑKounfirmandenstiesel in jeder Preislage und reicher Auswahl, Arbeitsschuhe und Stiefel. 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