ahl, 1 igen sen. gent allen N, erung. 1 — — 2 igen, aut. in Berlin tagte, ist des Lehrreichen in Fülle ler Nr. 23. Gießen, Sonntag, den 4. Juni 1899. 5. Jahrg. Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Mitteldeuts che 45 3 8 Redaktionsschluß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. Abounementspreis: Die„Mitteldeutsche Sonntags-Ziitung“ Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Durch die Post bezogen vierteljährlich 90 Pfg. Von der Proletarierkrankheit. * Auf dem Kongreß zur Bekämpfung der Tuberkulose, der in der Woche nach Pfingsten geboten worden. Es waren ausnahmslos her⸗ vorragende Vertreter der medizinischen Wissen⸗ schaft, die die Ergebnisse ihrer Forschungen vortrugen und auf Grund ihrer Erfahrungen Vorschläge machten, wie der schrecklichen Krank⸗ heit am besten zu begegnen sei. Die Ausführungen einzelner Gelehrten, die sich über die meist umstrittenen Fragen äußerten, wollen wir in gedrängter Form hier wieder⸗ geben. Schon aus diesem Wenigen werden unsere Leser erkennen, wie erfolgreich der Prole⸗ tarierkrankheit entgegengetreten werden könnte, wenn— die kapitalistische Mißwirtschaft abge⸗ löst würde durch den Sozialismus, der aller wirtschaftlichen Not ein Ende machen und allen Menschen erst Gelegenheit geben würde, wahr⸗ haft menschenwürdig zu leben. So lange Mil⸗ lionen in tiefstem Elend leben, sich ungenügend nähren können, übermäßig lange arbeiten und in ungesunden, des Lichts und der Luft er⸗ mangelnden Wohnungen hausen müssen, so lange wird die Tuberkulose furchtbare Opfer heischen. Freilich kann auch heute schon manches gegen die Tuberkulose gethan werden. Das geht deut⸗ lich aus den Referaten der Sachverständigen hervor. Und so weit die Arbeiterschaft inbe⸗ tracht kommt, wird sie stets und gern bereit sein, mitzuhelfen. Das haben speziell die Ver⸗ treter des arbeitenden Volkes im hessischen Land⸗ tag bewiesen, als sie schon vor Jahr und Tag den Autrag stellten, Lungenheilstätten zu errichten. Das haben unsere Genossen im Reichstag von jeher gethan, indem sie einen wirk⸗ samen Arbeiterschutz und den gesetzlich fest⸗ gelegten Achtstunden-Arbeitstag ver⸗ langten. Die Gewährung der letztgenannten Forderung würde gegen die Schwindsucht mehr helfen, als alle Tuberkulin⸗Einspritzungen und Medizin⸗ Verabreichungen zusammengenommen. 5* * Die Schwindsucht als Volkskrankheit. Der Direktor des Kaiserl. Gesundheitsamts, Dr. Köhler, führte u. a. aus: Die Sterblichkeit an Tuberkulose ist im allgemeinen unter dem männlichen Geschlecht größer als unter dem weiblichen. Die größte Zahl der Todes⸗ fälle im Alter von 20—30 Jahren wird ver⸗ hältnismäßig durch die Lungenschwindsucht ver⸗ ursacht. Nach dem Durchschnitt der vier Jahre 1894 bis 1897 starben in Deutschland jährlich 87600 Menschen im Alter von 15— 60 Jahren an Lungentuberkulose, ein gewaltiger Verlust an werbendem Volkskapital. Die Tuberkulose tritt in den Industrie⸗ bezirken weit stärker auf, als auf dem Lande. Von 10000 Lebenden starben im ländlichen Ost⸗ preußen 15 an der Tuberkulose, in der indu⸗ striellen Rheinprovinz 29, in der hauptsächlich Ackerbau treibenden Provinz Sachsen 19, im industriellen Westfalen 31. Dasselbe ergiebt ein Blick auf die Zahlung von Invalidenrente an Tuberkulöse. Im Königreich Sachsen er⸗ kostet durch unseref nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Pfennig.] Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die Direkt durch die Expeditien unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Bestellungen Druckeret, Schloßg. 13, sowie j de Postanstalt und jeder Land briefträger entgegen.(Post⸗Z.⸗Kat. 43 12a.) fü Invalidenrente wegen Lungenschwind— ucht!—— Der Direktor der Hanseatischen Versicherungs— austalt für Invaliditäts- und Altersversicherung, Gebhardt aus Lübeck, trug folgendes vor: Die Tuberkulose steht allen anderen Invalidi⸗ täts⸗Ursachen voran. Von allen männlichen Arbeitern, die bis zum 30. Lebensjahre invalid werden, leidet mehr als die Hälfte, in manchen Bezirken 60—70 Prozent an der Tuberkulose. Mannigfache statistische Untersuchungen bestätigen, daß, je niedriger das durchschnittliche Ein⸗ kommen, desto höher die Sterblichkeit an Tuberkulose ist. Die Lungenschwindsucht scheut zwar auch vor dem Hause des Reichen nicht zurück, aber dies Haus gleicht einer Burg, die mit allen Mitteln verteidigt wird. Die minder bemittelten Volksschichten sind am ungünstigsten daran. Jede Verbesserung der Lebenslage des arbeitenden Volkes bedeutet eine Ein⸗ schränkung der Lungentuberkulose! Da die Tuberkulose in so weitem Umfang die Ursache der Invalidität bildet, erwächst den Versiche⸗ rungsanstalten die Aufgabe, in der Bekämpfung 11 schwersten aller Volksseuchen voranzu⸗ gehen.—— Ueber die Ansteckung von Person zu Person sprach Professor Fränkel⸗ Halle: Fest stehe, daß nur in menschlichen und tierischen Körpern die Tuberkelbacillen gedeihen und jeder, in dessen Ausscheidungen Bacillen vorhanden seien, zur Verbreitung Anlaß gebe. Trotzdem seien übertriebene Befürchtungen und mutlose Verzagtheit nicht am Platze. Nicht jede Art der Tuberkulose, so die Bauchfell-Tuber⸗ kulose, sei für die Uebertragung geeignet. Es müssen äußerliche Ausscheidungen hinzukommen. Aber selbst der ruhig erfolgte Auswurf Lungenkranker sei tuberkelfrei, nur der mittels Husten aus den Tuberkelhöhlen her— vorgestoßene Stoff trage die Fähigkeit der An⸗ steckung in sich. Von den Tuberkelbacillen sei unzweifelhaft erwiesen, daß das Licht sie leicht tötet, Sonnenstrahlen besonders leicht, aber auch schon intensiveres Tageslicht. Die Uebertragung kann auf die verschtedensten und merkwürdigsten Arten geschehen. Besondere Bedeutung hat der Staub und die in ihm liegende Ansteckungs— gefahr für Kinder, welche auf dem Boden herum⸗ rutschen oder spielen. Aus solchen Ursachen resultiert häufig die Kinderskrophulose, welche in den meisten Fällen tuberkulösen Charakter hat. Während andere Bazillen durch die Säure des Magens getötet werden, sind die Tuberkel⸗ bazillen widerstandsfähiger, sie trotzen der Magensäure und gelangen durch den Magen hindurch in die Därme des menschlichen Körpers. Die Darmtuberkulose entsteht bei Kranken durch verschluckten Auswurf, bei Gesunden durch den Genuß von tuberkulösem Fleisch und tuber⸗ kulöser Milch. Der Vortragende wandte sich hier in überzeugenden Ausführungen gegen den Genuß von rohem Fleisch und roher Milch.. Ueber die Verhütung der Tuberkulose in Bezug auf Nahrungsmittel sprach Professor Ru d. Virchow: Es sei nicht wahr, daß ein Ochse, bei dem sich Tuberkeln alten von 1000 Versicherten der Landwirt⸗ chaft 77, von 1000 Versicherten der Industrie 245 sHHierzu eine Beilage, finden, nun ganz und gar mit Bacillen durch⸗ Inserate finden in der„M. S.⸗Ztg“ weiteste Verbreitung. Die ögespelt Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg Amal. Beßellung gewätzren wir 258, bei 6 mal. Bestellung 33¼ůJ% und bei mindestens 12 mel. Aufgabe 50% Rabatt. Bei mindestens setzt sei. Die Bacillen blieben auf Lungen und gewisse Regionen beschränkt und das Fleisch sei nach Ausmerzung der kranken Teile deshalb durchaus genießbar. Anders wie beim Fleisch stehe es mit der Milch, hier könne eine ei n⸗ zige Kuh mit ihrer Milch ganze Dorf⸗ schaften verseuchen. Die Radikalkur wäre in solchen Fällen die Tötung des Tieres. Alles andere seien nur Palliativmittel. Selbst die gewiß sehr nützliche Sterilisierung der Milch gewähre keinen absoluten Schutz. Er blicke trotzdem nicht pessimistisch in die Zukunst. Wie der Kampf gegen die Trichine siegreich durchgeführt sei, so werde auch der Kampf gegen die Tuberkulose mit einem Siege zum Heile der Menschheit enden. Die Gesetzgebung müsse natürlich helfend eingreifen. Virchow trat für strenge Fleischschau, auch bei Privatschlachtungen ein.—— Erblichkeit und Aulage lautete das Thema, über welches Geh. Rat Prof. Löffler ⸗Greifswald sprach. Ange⸗ boren— so führte der Referent aus— kommt die Schwindsucht fast gar nicht vor; auch für das Vorhandensein einer angeborenen oder er⸗ erbten Anlage zur Tuberkulose haben sich bis⸗ her keine sicheren Anhaltspunkte erbringen lassen, dagegen können Krankheiten der Atmungs⸗ und Verdauungswege, sowie Ernährungs- störungen eine Ansteckung begünstigen. Wirklich unempfanglich(immun) ist nach den bisherigen Untersuchungen niemand.— Ueber Verhütung der Tuberkulose sprach Professor Rubner-Berlin. Hier einige der wichtigsten Ausführungen des berühmten Hygienikers: Die Tuberkulose ist eine Krankheit der Minderbemittelten, schiebt aber ihre Fortsätze auch in die bemittelte Klasse hinein. Sie ist im eigentlichen Sinne des Wortes eine Stubenkrankheit. Besonders ist die Ueberfüllung der Wohnräume für ihre Ausbreitung günstig. Die Mehrheit des Volkes lebt in den ungesun⸗ desten Wohnungen. Solche Zustände müssen die Verbreirung der Tubeckulose rie sig fördern. Ein Woh nungsgesetz sei dringendes Er— fordernis. Seit dreißig J hren ist von einer Wohnungsreform die Rede, aber sie rückt nur auf dem Papier weiter. Vor allem muß gesorgt werden, daß gute Wohnungen auch für die Minderbemittelten bezahlbar sind! Hier müssen Gemeinde und Staat eingreifen. Es ist widersianig, daß ein Teil der Bevöl⸗ kerung noch in solchem Notstande lebt, daß der Einzelne nicht einmal eine eigene Lagerstatte hat! Die Arbeitsräume der Hausindustrie und des Kleingewerbes müßten bestimmten gesetzlichen Anforderungen genügen. In den Fabriken müßten die Schutzgesetze strenger durchgeführt werden. In den Arbeitsordnungen sollte ein Verbot, auf den Boden zu spucken, Platz finden. Generalbedingung sei eine gründliche Woh⸗ nungsreform, wenn die Tuberkulose auf der ganzen Linie bekämpft werden solle. ** * Mehrere Redner traten dann für die Er⸗ richtung von Lungenheilstätten ein; mit den bereits bestehenden wären recht gute Erfahrungen gemacht.—— enthaltend einen Artikel über die Zuchthaus vorlage. 2 —— Seite 2. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 23. Aus all den vorstehenden Ausführungen werden unsere Leser mit uns ersehen haben, daß die Menschheit der Schwindsucht gegenüber gar nicht so machtlos dasteht, wie vielfach ge⸗ glaubt wird. Die Schwindsucht könnte auf der ganzen Linie besiegt werden, wenn die Grund⸗ ursache beseitigt würde, das Elend. Dazu ist aber die heutige kapitalistische Ge⸗ sellschaft unfähig. Das ist die Aufgabe der Sozialdemokratie. Politische Rundschau. Kongreß der Krankenkassen Deutsch⸗ lauds. Im Anschluß an den Tuberkulose-Kongreß hat in Berlin ein Kongreß von Vertretern der deutschen Krankenkassen stattgefunden. Zweck des⸗ selben war, eine Einigung aller Krankenkassen zu erzielen, um für die Kassen möglichst große Ersparnisse machen zu können. Es waren ca. 300 Krankenkassen durch ebenso viel Delegierte vertreten. Gegen etwa fünf Stimmen wurde beschlossen: Die Delegierten verpflichen sich, dahin zu wirken: „Die Krankenkassen Deutschlands vereinigen sich zu einem losen, im wesentlichen agitatori⸗ schen Zwecken dienenden, namentlich für die Beeinflussung der Gesetzgebung stets bereit zu haltenden Verbande. Die Aufgabe, die jede Kasse resp. jeder Kassenverband seiner besonderen Struktur nach hat, sollen dadurch in keiner Weise beeinträchtigt werden.“ Schlaft weiter! Die Evangelischen Arbeiter⸗Vereine(E. A. V.) haben vorige Woche in Altona ihre Generalver— sammlung abgehalten. Schon der erste Tag zeigte allerlei Differenzen, die darauf beruhen, daß die größere Zahl der Vereinsleiter— meistens Pastoren— die Vereine böllig im Schlepptau der konservativen oder national⸗ liberalen Partei und als Waffe gegen die Sozialdemokratie halten wollen, wogegen sich einige Mitglieder denn doch sträuben, so besonders Pfarrer Naumann. Eine dieser kleinen, aber charakteristischen Plänkeleien bezog sich auf das allgemeine, gleiche Wahlrecht. Pfarrer Naumann führte aus: Das Organ des Gesamtverbandes, der„Evangelische Arbeiterbote“, sei für Aende⸗ rung des allgemeinen Wahlrechts eingetreten. Er stelle daher den Antrag:„Die Generalver— sammlung erklärt: Der Gesamtverband der evangelischen Arbeitervereine Deutschlands hält an dem allgemeinen, gleichen, direkten und ge⸗ heimen Wahlrecht fest.“ Pfarrer Thimm⸗Stettin: Er ersuche, diesen Antrag zurückzuziehen, denn er müsse bemerken, daß er das jetzige Wahlrecht einer Aenderung für dringend benötigt halte. Graveur Haag-Frankfurt a. M.: Diese Be⸗ merkung des Herrn Vorredners mache es er— forderlich, den Antrag des Herrn Pfarrers Naumann erst recht aufrecht zu erhalten. Pfarrer Weber: Er müsse doch den Pfarrer Naumann ersuchen, den Antrag zurückzuziehen, da doch der„Evangelische Arbeiterbote“ nur Anzeigeblatt der evangelischen Arbeitervereine sei. Pfarrer Naumann: Wenn erklärt wird: Der Gesamt⸗ verband übernimmt für den politischen Teil des „Evang. Arbeiterboten“ keine Verantwortung, dann wolle er seinen Antrag zurückziehen. Die Versammlung stimmte einer derartigen, von Pfarrer Weber beantragten Erklärung zu, da⸗ nach erklärt, Pfarrer Naumann, daß er seinen Antrag zurückziehe. Das Organ des Verbandes darf also ruhig weiter Seite an Seite mit den Stumm und Kardorff gegen das Reichstags⸗ Wahlrecht wühlen. Aehnlich legte ein Aus⸗ spruch des Redakteurs des„Rheinisch-Wests. Tagebl.“, Herrn Quandel, Zeugnis von der Art dieser Arbeitervereine ab; er sagte in einer Polemik gegen die„Hilfe“:„Auch er wolle die soziale Frage behandelt wissen, aber nicht in einer Weise, daß die Arbeitervereine wach werden und in das sozialdemokratische Lager abschwenken.“ Wie man aus diesen Worten ersehen kann, sind die evangelischen und katholischen Frommen in gleicher Weise die Schildträger der Reaktion. Als gute evangelische Christen sollten die Schlafpulverfabrikanten doch der Wahrheit die Ehre geben und die„Evang. Arbeiter⸗Vereine“ Schlafmützen-Gesell⸗ schaft nennen. Köller' sche Staatsretterei. Die Ausweisungspraxis in Schleswig zei⸗ tigt doch auch einmal ein lustiges Stückchen. Kürzlich war ein dänisches Dienstmädchen über die Grenze gebracht worden, weil sein Dienstherr, ein preußischer Staatsbürger, eine dänische Ver⸗ sammlung besucht hatte. Der Aufenthalt in „Feindesland“ sollte nicht lange dauern. Das Mädchen war die Braut eines preußischen Tischler⸗ gesellen, der sich dieser Tage in den dänischen Grenzort Sem begab und sich in der dortigen Kirche mit dem Mädchen trauen ließ. Selbander überschritten sie danach die Grenze und begaben sich nach Spandet, dem Wohnort des Tischlers. Am Tage danach erhielt der Gendarm Meldung, daß die 1 sich wieder im meerum⸗ schlungenen Lande aufhalte. Er erschien, um das Mädchen, von dessen Verheiratung er noch nichts erfahren hatte, aufs neue über die Grenze zu spedieren. Dieses Bemühen war jedoch ver⸗ geblich, denn jetzt war die ausgewiesene Person durch ihre Verheiratung preußische Unterthauin geworden. Sie wird nun fortan den preußischen Staat ebenso mit starkem Arm stützen, wie sie ihn vor ihrer Vermählung gefährdet hatte. Das Deutschtum ist unter allen Umständen gerettet.— Herr v. Stumm, der Patriarch. In Neunkirchen fand kürzlich eine Bau⸗ handwerkerversammlung zwecks Gründung einer Zahlstelle des Verbandes statt. Das wurde Herr von Stumm, der große Arbeiterfreund, gewahr und am anderen Tage ließ er an sein Neunkirchener Eisenwerk folgenden Thoranschlag anbringen: „Bei dem Wirt Johann Herrmann am oberen Marktplatz hat eine sozialdemokratische Versammlung stattgefunden. Wir machen infolgedessen darauf aufmerksam, daß auf Grund des Werkanschlages vom 4. April 1893 jeder Arbeiter die Kündigung zu ge⸗ wärtigen hat, welcher das Herrmannsche Lokal besucht. So was darf sich der König von Saarabien erlauben. Er bedroht seine Arbeiter mit der Hungerpeitsche und erklärt den Wirt Herrmann in Verruf. Onkel Chlodwig. Ueber des Reiches höchsten Beamten werden die despektierlichsten Sachen erzählt. So wird z. B. der„Frankf. Ztg.“ aus Berlin geschrieben: „Es wird niemand im Ernst erwarten, daß der alte Staatsmann, der jetzt Reichskanzler und Ministerpräsident ist, dem beamteten und unbeamteten Junkertum imponiert und ein— schüchternd auf die Konservativen wirkt. Der gilt längst für politisch tot und es war der parlamentarische Träger eines historischen Namens, der kürzlich auf die Frage, wie er über den Reichskanzler denke, witzig antwortete: „Der hat ja schon vor sechs Wochen seine Entlassung genommen; man sagt's ihm nur nicht, damit sich der alte Herr nicht aufregt.“— Onkel Clodwig versteht Spaß. Der„große“ Bismark ist wegen viel unschuldigeren Witzen zum Richter gelaufen und hat sogar Dienst⸗ mädchen verklagt. Ein liebenswürdiger Staatsanwalt. „Der Reichstagskandidat der Halleschen ver⸗ einigten konservativen und nationalliberalen Partei bei der letzten Reichstagswahl, Geh. Reg. Rat Paul Dugend, ist in Berlin im Alter von 43 Jahren gestorben. Im Wahlkampfe that sich Dugend dadurch besonders hervor, daß er mit den ausgesscht raffiniertesten und kleinlichsten Mitteln unsere Partei zu bekämpfen suchte, dabei aber wenig Geschick entwickelte und durch die Plumpheit dieser Angriffe uns mehr nützte als schadete. Unvergessen ist auch sein Ausspruch in einer Wählerversammlung in Leistners Wald— haus, der dem Sinne nach lautete: Als ich (Dugend) noch Staatsanwalt war, gewährte es mir besonderes Vergnügen, wenn ich auf der Anklagebank sitzende Sozialdemo— kraten tüchtig hineinlegen konnte! Die Niedertracht und Bosheit, die sich in diesem Ausspruche widerspiegelt, hat den Reaktionären damals manche Stimme 1 Sie bildet aber auch einen recht klassischen Beweis für das Märchen von den unparteiischen Richtern. Dr. Brehmer Sozialdemokrat. Bei der Eröffnungsfeier des Kongresses zur Bekämpfung der Tuberkulose wurde rühmend zuf Dr. Brehmer⸗Görbersdorf hingewiesen, der die erste Lungenheilanstalt großen Stils er⸗ öffnete und schöne Erfolge damit erzielte. Heute, wo Dr. Brehmer tot ist und auch sein einziger Sohn ihm schon im Tode folgte, kann es ruhig gesagt werden, daß Dr. Brehmer ein stiller Anhänger unserer Partei war. Als in den ersten Jahren unter dem Sozialistengesetz die materiellen Anforderungen für die vielen Hilfsbedürftigen sehr große, die Mittel aber kleine waren, hat Dr. Brehmer, wie der„Vorw.“ berichtet, so oft er darum angegangen wurde, und das geschah nicht selten, sich mit namhaften Beiträgen beteiligt. Nie gab er unter 300, öfter 500 und 600 Mark. Auch hat er mehr⸗ fach unbemittelte lungenkranke Parteigenossen unter den günstigsten Bedingungen in seine Anstalt aufgenommen. Ein sozialdemokratischer Obermeister. Aus Flensburg wird berichtet: Hier konsti⸗ tujerte sich unter dem Vorsitz des ersten Bürger⸗ meisters eine Zwangsinnung für das Schneider⸗ gewerbe. In den Vorstand wurden durchweg Gegner der Zwangsinnung und als Ober⸗ meister unser in schleswig⸗holsteinischen Partei⸗ kreisen wohlbekannter Genosse Heinrich Mahlke, der schon zwei Mal im hiesigen Kreise als Reichstagskandidat aufgestellt war, gewählt. Mahlke war bis Anfang dieses Jahres Haupt⸗ kassierer des Centralverbandes der deutschen Schneider und ist gegenwärtig noch Bevoll⸗ mächtigter der hiesigen Zahlstelle des Verbandes. Man sieht, die Leitung der neuen Zwangsinnung ist in den besten Händen! Geborstene Ordnungsstütze. Aus Dresden wird gemeldet, daß der Kommerzienrat Hopfe, der jüngst eine Unterschlagung beim Albertverein begangen hat, eine sehr illustre Persönlichkeit war. Seine Brust ist geschmückt mit dem Albrechtsorden 1. Klasse und anderen Orden. Erst kürzlich wurde er vom Kaiser mit der Medaille vom Roten Kreuz ausgezeichnet. Die Unterschag⸗ ungen sollen teilweise in deu interessierten Kreisen schon längst bekannt sein. Man suchte die Sache aber zu vertuschen, um den nunmehr unausbleiblichen Skandal zu vermeiden, und weil man glaubte, H. werde Deckung leisten, daran ist aber, wie einem Dresdener Blatte mit⸗ geteilt wird, wahrscheinlich gar nicht zu denken, umsoweniger, als die unterschlagene Summe viel höher sein dürfte, als jetzt angegeben. Hopfe wurde verhaftet. Junkerkniffe. Die„Tilsiter Allg. Ztg.“ erzählt ein artiges Stückchen vom Bunde der Landwirte. Diese edle Körperschaft hat bekanntlich auch eine „Preßabteilung“, die den Zeitungen Artikel zu⸗ schickt, um für volksausbeuterische Bestrebungen des Bundes Reklame zu machen. Ein solcher Artikel ging auch dem genannten Blatte zu und zwar mit dem folgenden Anschreiben: „Einer verehrlichen Redaktion sehr ergebenst übersandt mit der Bitte um geneigte Gratis⸗ aufnahme im redaktionellen Teile. Belagsexemplar freundlichst erbeten; hierzu bitten wir des beiltegende frankierte Streifband zu benutzen. Im Interesse einer besseren Wirksamkeit bitten wir bei Berücksichtigung unseres Wunsches Quellenangabe zu unter lassen. Hochachtungsvoll Bund der Landwirte, Berlin. Abteilung: Presse.“ Das beweist allerdings ein sehr geringes Maß von Selbstbewußtsein, wenn der agrarische Bund schon vorher weiß, daß die unter seiner eigenen Flagge segeluden Artikel beim Publi⸗ kum keine Wirkung haben, vielleicht sogar als Schund und Spiegelfechterei betrachtet werden. Eine neue Kolonie. Während sich Deutschland seither darauf be⸗ schränkte, afrikanische Sandwüsten zu kolonie⸗ sieren, in denen das tötliche Fieber unter den Weißen, die Zivilisatoren Peters, Wehlan und ähnliche Uebermenschen unter den Schwarzen belufen wur die bekannt wie er ber sei er dann Offizier n. dufg in; Drehfus f immer Bel Nullage, d zu zeigen, weiestückf Brief sei. Offizier u. alles sage schließlich dann eine Tages“, t ich Elsässer konne. M gerade dad berbergen! mir der d „Man ist es stehen haftung wi nich entle ie ixrsint Lein Bett Jg sagte Welt glau daß ich le keuern zu feichnung! eine Verh. belständig eines Schu ganzen De gesagt, da ketten köy Nierungsk. geiicht ver 10 0 kllen Au Belafung gesehen. eure 10 begangen dichten, mie 9 1 ie e an f. Cowohl Bohpree „N19 1 schuld ich i a bon 7 so w ken Maite Sri . — lot i das f n del eine hat, Seine rden glich bon schag⸗ jekten, suchte imeht Und eisten, e nit⸗ enken, umme geben, ungen solcht U 50 Gral 1 8 ent lege e einn üigush assen feilung rügt arc ine 0 hub 1 5 0 N„aufräumten“, soll es jetzt, wenn nicht alle An⸗ zeichen trügen, wie irrsinnig, in einem Fieberanfall nahm ich Nr. 23. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 3. einmal im nördlichen Eismeer mit einer Kolonie versucht werden. Dort liegt nämlich ein herrenloses Eiland, die Bären⸗ infel. Von dieser aus soll sich der Fischfang sehr gut ausüben lassen. Der Hochseefischerei⸗ verein hat bereits eine Expedition nach der Bäreninsel geschickt, die sich die„herrenlose“ Insel des Näheren betrachten soll. Wenn der Fischereiverein die Erwerbung und Unterhaltung aus seiner Tasche bezahlt, wäre nichts da⸗ gegen zu sagen. Andernfalls sind wir mit der Erwerbung nicht einverstandeu, da dann wohl die Reichsregierung zunächst wieder auf den Nickelfang bei den deutschen Steuerzahlern ausziehen würde. Wenn der Fischereiver⸗ ein diese Eismeer⸗Insel erwirbt, könnte man vielleicht ein Abkommen mit demselben treffen, dahingehend, auf der Bäreninsel eine Abkühlungs⸗ station für flottentolle Weltmachtspolitiker zu errichten. Ein Tagebuch des Kapitäns Dreyfus. Der„Figaro“ veröffentlicht Aufzeichnungen von Dreyfus, die dieser im Gefängnis, während seiner Untersuchungshaft im November und Dezember 1894 geschrieben hat. Dreyfus erzählte darin, wie er nach dem Kriegsministerium berufen wurde, wie du Paty de Clam ihn durch die bekannten Diktate zu überführen suchte und wie er verhaftet wurde. Nach der Verhaftung sei er dann von dem die Untersuchung führenden Offizier mehrfach verhört worden, der sich häufig in Beleidigungen gegen ihn ergangen. Dreyfus schreibt wörtlich:„Ich verlangte immer Beweise für die gegen mich erhobene Anklage, doch weigerte man sich stets, mir sie zu zeigen, indem man behauptete, daß das Be⸗ weisstück für mein angebliches Verbrechen ein Brief sei. Der die Untersuchung führende Offizier und der Gerichtsschreiber ließen mich alles sagen, was sie wollten, ich erkannte mich schließlich selbst nicht mehr.“ Dreyfus erzählt dann eine Reihe von Einzelheiten.„Eines Tages“, so schreibt er,„machte ich geltend, daß ich Elsässer sei und deshalb kein Verräter sein könne. Man antwortete mir hierauf, daß ich gerade dadurch mein angebliches Spiel besser verbergen könne. An einem anderen Tage sagte mir der die Untersuchung führende Offizier: „Man ist Ihren Mitschuldigen auf der Spur, es stehen weitere Verhaftungen bevor, Ihre Ver⸗ haftung wird geheim gehalten!“—„Ich wollte mich entleiben, schreibt Dreyfus weiter, ich war mein Betttuch, um mich am Fenster zu erhängen. Ich sagte mir jedoch, daß, wenn ich sterbe, alle Welt glauben würde, daß ich schuldig sei, und daß ich leben müsse, um meine Unschuld be⸗ teuern zu können.“ In einer anderen Auf⸗ zeichnung bekundet Dreyfus sein Erstaunen über seine Verhaftung und Entehrung, weil ein Sach⸗ verständiger erklärte, daß seine Schrift mit der eines Schurken Aehnlichkeit habe. Während der ganzen Dauer der Untersuchung habe man ihm gesagt, daß er verloren sei und daß nichts ihn retten könne. Schließlich teilte ihm der Re⸗ gierungskommissar mit, daß er vor das Kriegs⸗ gericht verwiesen worden, da der Verdacht ge⸗ nügend begründet sei. Dreyfus bemerkt in seinen Aufzeichnungen weiter, er habe in den Belastungsmomenten nichts als Vermutungen gesehen. Man habe ihm gegenüber eine unge⸗ heure Infamie und unsagbare Feigheit begangen; er habe es nicht mit Untersuchungs⸗ richtern, sondern mit Henkern zu thun gehabt. Im Prozeß Dreyfus dürfte die Entscheidung gefallen sein, wenn unsere Leser diese Nummer unserer Zeitung in die Hände bekommen. Seit vorigem Montag schon währt die Sitzung des Kassationshofes. Sowohl der Berichterstatter Beaupré(sprich Bohpree) wie auch der Staatsanwalt Manau (sprich Manoh) sind überzeugt von der Un⸗ schuld des Dreyfus. Aus den Reden beider geht unzweifelhaft hervor, daß Oberst Henry, der von den Antisemiten— auch den hessischen — so warm in Schutz genommene Fälscher, eine überaus verhängnisvolle Rolle in der ganzen Affaire gespielt, Esterhazy aber zweifellos die zur Last legte und auf die hin er verurteilt wurde. 9 der sich ins Ausland ge⸗ flüchtet hat, ist für die Gerichte unfaßbar ge⸗ worden, da er bereits einmal in derselben Sache angeklagt war, aber freigesprochen wurde. Die französischen Gesetze lassen es nicht zu, den Lump noch einmal vor Gericht zu stellen, ob⸗ wohl jetzt Ueberführungsmaterial genug vor⸗ handen ist.— Der weißhaarige Staatsanwalt Manau schloß seine Rede mit folgenden Worten: „Die Stunde ist feierlich, das Urteil, das Sie fällen sollen, wird einen weiten Widerhall finden. Frankreich erwartet Ihren Spruch, die ganze Welt wird ihn begrüßen und die Geschichte wird ihn in ihre Tafeln eintragen. Das sind die drei Gerichte, die über unser Werk richten werden! Ich für meine Person übernehme die un be⸗ dingte Verantwortung für meine Anträge vor diesen letzten Instanzen. Meine Anträge lauten: Sprechen Sie aus, daß eine Anzahl neuer Thatsachen vorliegt, die die Unschuld Dreyfus darthun, und verweisen Sie Dreyfus vor ein neues Kriegsgericht, dem es zukommt, das letzte Wort zu sprechen.“ Es besteht kein Zweifel mehr, daß Dreyfus vor ein neues Kriegsgericht gestellt und dann freigesprochen wird. Ende der Woche dürfte er telegraphisch zurückberufen werden. r Die hess. Gewerbe-Inspektion. II 8. Von den 1777 erwachsenen Arbeiterinnen der in Oberhessen belegenen Cigarrenfabriken sind 653 ver⸗ heiratet. Es ist klar, daß all diese Frauen von einem wirklichen Familienleben so gut wie ausgeschlossen sind. Wie kann man von einem Familienleben reden, wenn Mann und Frau den ganzen Tag in Fabriken thätig sind und die Kinder entweder sich selbst überlassen bleiben oder fremden Leuten zur Beaufsichtigung über⸗ geben werden? Der erbärmliche Lohn, welcher den Männern gezahlt wird, reicht nicht hin, die Familie zu ernähren, die Frau muß mitarbeiten. Die Folgen dieser Fabrikarbeit der Frauen sind keineswegs gute. Der Gewerbeinspektor Engeln spricht sich darüber folgendermaßen aus: „So erfreulich es ist, daß die Industrie von Jahr zu Jahr mehr aufblüht und mehr Personen ernährt, so ist es auf der anderen Seite bedauerlich, daß Mütter eines geringen Mehrverdienstes wegen ihre Kinder nicht selbst erziehen. Verheiratete Arbeiterinnen mögen in Cigarrenfabriken im Durchschnitt pro Woche 8—9 Mk. verdienen. Haben sie kleine Kinder, so müssen sie dieselben tagsüber in Pflege geben, so daß ihnen von dem Verdienste nur etwa die Hälfte verbleibt. Größere Kinder dagegen sind sich selbst überlassen. Die sitzende Lebensweise in der Fabrik wirkt nicht nur ungünstig auf die Gesundheit der Arbeiterin, sondern es fehlt auch den Kindern durch Abwesenheit der Mutter eine sorgsame und liebevolle Erziehung.“ Das heißt nichts anderes als: Das Familien⸗ leben der zur Fabrikarbeit gezwungenen verheirateten Arbeiterinnen ist zerstört! Und der Sozialdemokratie, die das kapitalistische System bekämpft, welches die Frauen als Lohndrücker in die Fabriken zwingt, wird von den Vertretern der kapitalistischen Mißwirtschaft der Vorwurf, gemachi, sie wolle das Familienleben zerstören. Diese erbärm⸗ lichen Gesellen! Umgekehrt wird ein Schuh daraus. Jene haben das Familienleben zerstört und wir wollen ihnen das profitliche Handwerk legen, auf daß auch die Proletarier das Glück eines innigen Familien⸗ lebens genießen können.— Ueber die Ernährungsweise der in Gießen thätigen Arbeiter von auswärts, die Herr Engeln auf 1200 schätzt, sagt er: „Viele von diesen Arbeitern haben Gelegenheit, die Speiseräume ihrer Fabrik zu Mittag aufzusuchen, in welchen sie sich mitgebrachte Speisen wärmen können. Einem großen Teil geht jedoch diese Ver⸗ günstigung(1) ab.“) Die Männer gehen, um sitzen zu können, zur Mittagszeit in das Wirtshaus, die Arbeiterinnen gehen bei schönem Wetter auf der Promenade auf und ab. Beide verbringen jedoch die Mittagszeit bei kärglichem Imbiß, da sie nicht piel Geld dafür ausgeben können. Kaffee und etwas Butterbrod, bei den Männern Bier mit Wur st und Brod bilden das gewöhnliche Mittagessen. Erst Abends, wenn die Leute heim kommen, wird warm gegessen. Bei schwerer, beziehun gsweise an⸗ dauernder Arbeit ist es entschieden ungesund, mittags kalt zu essen. Unter diesen Umständen dürfte in Er⸗ oder einige Wärmehallen in der Stadt Gießen sehr am Platze wären....“ Herr Engeln meint es mit seinem Vorschlage, Wärme⸗, und Speisehallen zu errichten, gewiß recht gut. Wir versprechen uns davon nicht viel. Weit durchgreifender und mehr im Interesse der Arbeiter liegend wäre jeden⸗ falls die Einführung der achtstündigen Arbeits⸗ zeit für alle Industriearbeiter. Bei englischer(durch- gehender) Arbeitsweise kämen dann die auswärts wohnenden Arbeiter und Arbeiterinnen mindestens drei Stunden früher heim als jetzt, da nicht nur die effektive (10stündige) Arbeitszeit um zwei Stunden verkürzt würde, sondern auch wenigstens eine weitere Stunde gewonnen würde durch Fortfall resp. Verkürzung der jetzigen Eß⸗ pausen. Da außerdem verkürzte Arbeitszeit Hand in Hand geht mit steigenden Lohnsätzen, so wäre den Arbeitern und Arbeiterinnen jedenfalls der Achtstunden⸗ tag lieber als Wärme- und Speisehallen. Freilich, der Achtstundentag kommt nicht von selbst, er muß erkämpft werden. Deshalb hinein in die poli⸗ tischen und gewerkschaftlichen Organisationen! * * * Ueber die Verhältnisse in den Feldziegeleien be⸗ richtet Herr Engeln nichts gutes. In einem Betrieb fand er zwei Kinder von 9—11 Jahren mit thätig. Die gesetzlich erlaubte Beschäftigungszeit für jugendliche Arbeiter wird häufig überschritten. Es heißt dann wörtlich weiter: „Es wurde bei strengen Ermahnungen belassen und von Anzeigen nur aus dem Grunde abgesehen, weil durch den sehr regnerischen Sommer der Verdienst der Ziegelarbeiter teilweise ein sehr geringer war. Wenn es möglich wäre, den Ziegelarbeitern angemessenen Tagelohn zu sichern und erwirkt werden könnte, daß der Unternehmer, nicht aber der mittellose Arbeiter das Risiko der von dem Wetter abhängen⸗ den Fabrikation zu tragen hätte, dann kämen viel weniger Uebertretungen vor. Auch Feldziegeleien müßten Trockenschuppen besitzen, welche transportabel und bequem aufstellbar, beziehungsweise zerlegbar sein könnten und gleichzeitig zur Aufnahme der Formtische dienten. Nur die Sicherung der vollen Arbeitsgelegen⸗ heit an jedem Werktage kann die Durchführung gesetzlicher Bestimmungen bewirken, nicht aber Bestra⸗ fungen.“ Mit diesen vernünftigen Ansichten wird sich der Gießener Gewerbeinspektor kaum die Zuneigung des Unternehmertums erwerben. Jedenfalls ist sein Vor⸗ schlag, auf Grund des§ 120 e der R.⸗Gewerbe⸗O. für Feldziegeleien bewegliche Hallen vorzuschreiben, die dem Arbeiter Schutz gegen die Witterung gewähren, recht beachtenswert. Angaben der Unternehmer bis zu 15 Stunden. Diese unmenschliche Leistung wurde nur noch übertroffen durch die Beschäftigungsdauer in Mühlen, die bis zu 18 Stunden von den Besitzern selbst angegeben worden ist! Die„Saison“ für Feldziegeleien beschränkt sich auf fünf Monate. Erwachsene Arbeiter verdienen in dieser Zeit etwa 320 bis 400 Mk., jugendliche Arbeiter und Mädchen 165 bis 180 Mk. Ein elender Hungerlohn für schwerste Arbeit unter den ungünstigsten Umständen! Viele der Ziegeleiarbeiter wohnen auch am Arbeits⸗ platz.„Die Aufenthaltsräume sin d trotz aller Polizei⸗ verordnungen noch immer teilweise nicht menschen⸗ würdig.... Es müßte verboten sein, Akkorde auf die jetzt übliche Weise abzuschließen. Wenn die Arbeiter angemessenen Stundenlohn erhielten, wäre es viel leichter, die Ziegeleiverordnung durchzuführen, dann wäre auch der Brenner(ietziger Aktordant) nicht so erpicht auf 14—1ö6stündige Arbeitszeit.“ (Ein dritter Artilel folgt.) *) In der Fabrik eines besenders wegen seiner christ⸗ lichen Gesinnung bekannten Fabrikanten wurde der Ofen mit einer Kette verschlossen, damit die A' beiter und Arbeiterinnen, die bei bitterer Kälte schon stundenlang marschiert waren, sich die mitgebrachten Speisen nicht wärmen konnten. Als Ersatz für die warmen Speisen ist dann in derselben Fabrik den Lezten das Muckerblatt: „Der Arbeiterfreund“ von Pastor Hülle aufgezwungen worden. Wahrscheinlich soll en sie sich au den darin ent⸗ haltenen Lügen und Verleumdungen erwärmen. 5 kostet ein Probe-Abonnement auf die„Mittel⸗ deutsche Sonntags⸗Zeitung' pro Monat“ wägung zu ziehen sein, ob nicht eine Speiseanstalt Schriftstücke angefertigt hat, die man Dreyfus 1 Juni. Die Arbeitszeit in den Ziegeleien währte nach den — Seite 4. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 23.* Pon Nah und Lern. Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind jederzeit willkommen. Die Ehre unserer Sache gebietet natürli 1 Gewissen⸗ haftigkeit bei Uebermittelung von Nachrichten.— Wir bitten alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben. Auf zum Waldfest! * Am morgigen Sonntag giebt sich die ar— beitende Bevölkerung von Gießen und Umgegend Rendez-vous im Stadtwald an der Licher Straße. Nirgends ist jetzt der Aufenthalt schöner als im duftigen Wald, der im herrlichsten Grün prangt. Da auch die Vorbereitungen zum Fest vom Comitee mit Sachkunde getroffen sind, so dürfte jeder Teil— nehmer vollauf befriedigt werden. Für die Kinder sind allerlei Spiele vorgesehen, auch Caroussell ꝛc. Für die Erwachsenen giebts Preisschießen, Tanz u. s. w. Gesangs Vorträge der Eintracht, sowie gemeinsame Massengesänge werden dazu beitragen, das Fest zu einem recht würdigen zu machen. Der Abmarsch zum Stadtwald findet pünktlich um 2 Uhr von der Licher Straße aus statt. Es ist dringend zu wünscheu, daß sich zahlreiche Genossen und Genossinnen zum gemeinsamen Abmarsch zu— sammenfinden. Auf zum Waldfest! Es sei noch ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß auf dem Waldfest für Speisen und Getränke bestens gesorgt wird. Zum Ausschank kommt vorzügliches Bler à Glas 15 Pfg. und — für die kleine Welt— Milch in Gläsern à 10 Pfg. Sturm auf die Steuerkassen. * Daß vor Jahrzehnten Erstürmungen von Zeughäusern, Spar- und Steuerkassen vorge⸗ kommen sind, weiß heutzutage jedes Kind. Aber daß heutzutage Sturm gelaufen wird auf die Steuerkassen klingt doch ziemlich un⸗ glaublich. Und doch ist das buchstäblich wahr, soweit die Provinzialhauptstadt Gießen in Be⸗ tracht kommt. Allerdings hatten die früheren Erstürmungen den Zweck, die Kassen zu plün⸗ dern, während heutzutage die Leute Sturm auf die Steuerkassen laufen, um— ihr Geld los u werden. Bis auf die Straße standen in er letzten Woche die Steuerpflichtigen vor den Gießener Steuerkassenlokalen. Die Steuerzettel waren wieder so spät zur Verausgabung ge⸗ kommen, daß sich jederman beeilen mußte, zu zahlen, wenn er nicht zu den so schon in die Höhe geschraubten Steuerzetteln auch noch Mahn⸗ gebühren zahlen wollte. Wir sind der Ansicht, daß die Steuerbehörden, wenn durch ihr Ver— schulden die Zettel erst zu spät zur Aus⸗ gabe gelangen, auch den Steuerzahlern eine gebührende längere Frist einräumen müßten, um ihren Zahlungsverpflichtungen nachkommen zu können. Das ist um so mehr am Platze in solchen Städten, wo die Kassenlokale auch nicht den allerbescheidensten Ansprüchen ge— nügen. Ueber die Marx' sche Theorie sprach am Samstag Abend Gen. Ed. Krumm im Gießener Wahlverein. Redner behandelte das Thema in so ausführlicher Weise, daß der weiter vorgesehene Vortrag über„Bernsteins Kritik“, den Gen. Scheidemann halten sollte, für die nächste Versammlung vertagt werden mußte. Es wurde allseiteig der Wunsch aus— gesprochen, daß die nächste Versammlung wieder so zahlreich, möglichst noch besser besucht sein möge, wie diejenige vom letzten Samstag. In der am Samstag, den 10. Juni stattfindenden Wahlvereinsversammlung wird die Diskussion über die beiden Referate der Genossen Krumm und Scheidemann eröffnet werden. Zum Fall Küchler. „Die Affäre Küchler wächst sich immer schöner aus. Die„Frankf. Ztg.“ hatte, wie wir in unserer vorigen Nummer bereits er⸗ wähnten, in scharfer Weise die Geschäfte des Landgerichtsdirektors Küchler in Darmstadt be⸗ sprochen. Darauf erhielt sie dann nicht nur eine Berichtigung, sondern der verantwortliche Redakteur Giesen wurde vor den Untersuchungs⸗ richter nach Darmstadt geladen, um über den Verfasser des betr. Artikels auszusagen. Giesen bestritt zunächst die Zuständigkeit des Darm⸗ städter Gerichts, da sem Wohnsitz in Frankfurt set und verweigerte jede Auskunft. Daraufhin wurde er in Haft genommen, da angeblich zu befürchten sei, Giesen könne Beweismaterialien beiseite schaffen. Nun ist bei einem Zeitungs⸗ artikel das einzige Beweismaterial doch wohl das geschriebene Manuskript, dieses aber war, wie das in jeder Redaktion, die nicht nur den Be⸗ hörden Angenehmes veröffentlicht, üblich ist, längst verbrannt. Außerdem erklärte Giesen bestimmt, daß er den Verfasser des Artikels unter keinen Umständen nennen würde, vielmehr selbst die Verantwortung für denselben übernähme. Rechts⸗ anwalt Dr. Fuld in Darmstadt, den das Ge⸗ richt für den Verfasser gehalten und deshalb vernemmen hatte, bestritt entschieden die Thäter⸗ schaft. Unter diesen Umständen war die Inhaft⸗ nahme des Redakteurs geradezu unbegreiflich. Und auf erhobene Beschwerde hin hat denn auch das Landgericht beschlossen, daß die Haft auf⸗ zuheben sei, sodaß Giesen nach etwa 48stündiger Haft wieder auf freiem Fuß war.— Am Montag Vormittag wurden die Nummern des klerikalen „Mainzer Journals“ und der„Mainzer Neuesten Nachrichten“, in welchen der Artikel der„Frank⸗ furter Zeitung“ vom 21. d. M.„Neues zum Fall Küchler“ abgedruckt war, beschlagnahmt. Gegen die verantwortlichen Redakteure beider Blätter wurde, wie das„Mainzer Journal“ meldet, das Strafverfahren eingeleitet. Wir meinen, in diesem Fall sei etwas weniger Eifer weit mehr angebracht. Je schneidiger jetzt das Verhalten der Behörden, um so schneidiger später auch die Abrechnung in— der hessischen Kammer, wo bekanntlich Redefreiheit herrscht. Unsere Ge⸗ nossen werden von dieser Freiheit den besten Gebrauch machen und der Regierung sagen, was nach den Fällen Dettweiler-Soldan⸗Ahlheim und Küchler unverblümt gesagt werden muß. Im Anschluß an vorstehehende Zeilen teilen wir noch folgende neueren Meld ungen mit. „Der Oberstaatsanwalt Dr. Schmidt hat der Redaktion des„Mainzer Journals“ die Mitteilung zugehen lassen, daß das Dis⸗ ziplinarverfahren gegen den Landgerichtsdirektor Küchler wieder aufgenommen worden sei.“ Frankf. Ztg. „Dem Justizministerium ist im Fall Küchler behufs geeigneter Durchführung des neu eröff⸗ neten Disziplinarverfahrens aus f üherer Zeit datierendes, umfangreiches Belastungs material unter Angabe der Beweismittel übermittelt worden.“ Kleine Pr. „Gegen den verantwortlichen Redakteur der Wormser Volksztg., Willy Ruppel, ist wegen Veröffentlichung zweier Aktenstücke bei dem Fall Fall Küchler⸗Rapp ein Ermittelungsverfahren eingeleitet worden.“ Kleine Pr. Zum Fall Dettweller. * Wir teilten in voriger Nummer unsern Lesern eine der Berliner„Volksztg.“ zugegangene Zu— schrift aus Hessen mit, in der das Verhalten der freisinnigen Landtagsabgeordneten gelegentlich des Dettweiler-Ahlheim-Skandals in der hessischen Kammer recht abfällig kritisiert wurde. Nament— lich wurde streng verurteilt, daß es gerade ein freisinniger Abgeordneter, Rechtsanwalt Metz— Gießen, fertig gebracht habe, für Dettweiler eine Lanze zu brechen. Daraufhin erschien einige Tage sräter in der Freis. Ztg. ein Artikel, der das Verhalten des Herrn Metz zu rechtfertigen ver— sucht. Der Abg. Metz habe nicht entschuldigen wollen, sondern bis zu einem gewissen Grade menschlich zu erklären versucht. Es babe wohl Niemand das Gefühl gehabt, daß der Abg. Ulrich, den Abg. Metz in den Sand gestreckt habe. Diesen Eindruck haben doch wohl recht vie le Leute ge— habt, als sie die Kammerberichte gelesen haben. Herr Metz soll doch das unkorrigierte Steno— gramm seiner Rede veröffentlichen, dann wird die Rolle, welche er in jener denkwürdigen Kammer— sitzung spielte, aller Welt offenkundig. Reichstagsnachwahl. Bei der Nachwahl in Straubing hat der Centrumskandidat Eschinger mit 13 Stimmen Mehrheit über den Candidaten des bayr. Bauern— bundes gesiegt. Bei der Hauptwahl im Juni v. J. siegte der Bauernbündler mit 5000 Stimmen Mehrheit über den Centrumskandidaten. Die ewigen Reibereien der Bauern führer“ miteinander sind an der Niederlage schuld. Aus Marburg. * Am Montag Abend sprach in einer bffent⸗ lichen Holzarbeiterversammlung, die leider nun schwach besucht war, Redakteur Scheidemann⸗ Gießen über„Unternehmer- und Arbeiterorganisa- Das Versammlungsbureau wurde be⸗ auftragt, geeignete Collegen zu ermitteln, die in den Gesellenausschuß zu wählen sind, sobald die Wahl seitens der Zwangsinnung ausgeschrieben Aus der Diskussion ging hervor, daß die tionen“. wird. Verhältnisse im Tischlergewerbe zu Marburg ge⸗ radezu skandalöse find. nichts seltenes. Organisation beizutreten, ist wenig Hoffunng vor⸗ handen, bessere Löhne zu erringen. Aus Witzenhausen. Ein blutiger Kampf zwischen Förstern und Wilderern hat in der Nacht zum Diens⸗ tag voriger Woche bei Witzenhaufen statt⸗ gefunden. Förster Fest von Kleinalmerode und Forstsekretär Kreß von Witzenhausen stießen auf einem Patrouillengange auf mehrere Männer, die Gewehre führten. Auf das:„Halt, die Waffen nieder!“ seitens der Beamten riß der vorderste Wildschütz die Flinte an die Backe und feuerte. Im gleichen Moment schossen aber auch die Förster. Sämtliche dre Schüsse trafen. Die Kugel des Wilderers durchbohrte Kreß den Fuß, der Wilderer selbst brach, von zwei Schrotladungen getroffen, zusammen, raffte sich aber sogleich wieder auf und eilte blutend seinen zurückgebliebeuen Gefährten nach. Förster Fest mußte von einer Verfolgung vorerst ab⸗ sehen, da sein verwundeter Kollege des Beistands bedurfte. Tags daraufs ermittelten Gendarmen und Forstbeamte, daß die Wildschützen ange⸗ sehene Rostbacher Einwohner sind. Die gebildete Jugend. In Jena haben einzelne Studenten, die sich in ein Hotel einquartiert hatten, wie die Wilde gehaust. Sie demolierten in ihren Zimmern für 1800 Mk. Mobiliar, das sie zum großen Teil auf die Straße unter die dort versammelte Menge warfen und dadurch verschiedene Per⸗ sonen verletzten.— In Meißen waren ca. 400 Studenten versammelt zum Verbandstag der akademischen Turnvereine. Selbst die kon⸗ servative Presse klagt über unerklärte Rüpeleien der jungen Herren. Sachbeschädigungen selbst an den Denkmälern sind vorgekommen. Aus welcher Universitätsstadt könnte übrigens nichts über studentische Rohheiten berichtet werden? Und diese buntbemützten Herrchen sind der Stolz und die Blüte der bürgerlichen Gesellschaft dazu berufen, durch ihre Bildung dereinst die Führung der Gesellschaft zu übernehmen. Und wie manch einer von diesen Zukunftsstützen wird einmal später sich nicht genug thun können in Entrüstung über die Verrohung und Unbildung der Arbeiter. Die Heiligkeit der Ehe. Folgende Annonce bringt der national⸗ liberale„Hannoversche Kurier“: Die Frau eines höheren pens. Offiziers, Mitte der Vierziger, von 90 0 Aeußern mit Baar⸗ vermögen von 90000 Mk. wünscht, da ihr jetziges Leben seit langem unerträglich, die Bekanntschaft eines höheren Offiziers oder hohen Beamten(Junggesellen) mit gleichem Vermögen, bez. Gehalt als Freund und Ratgeber behufs später Verheiratung. Nur Offerten mit Wohnort und voller Namens- unterschrift werden berücksichtigt. Diskretion unbedingt sicher.“ Jedes erklärende Wort zu d'esem Inserat, das in einem nationalliberalen Blatt Aufnahme gefunden hat, ist überflüßig. Schnell befördert. Zu den glänzendsten Erscheinungen am Ber⸗ liner Hofe gehört auch— so berichtet die „Woche“— Fürstin Alfred zu Salm⸗Dyck, ein Ideal stolzester und doch reizendster Weiblichkeit. Der Zauber ihrer Persönlich⸗ keit vermag durchzusetzen, was sonst nicht so leicht am Berliner Hofe erreicht wird. Als die Fürstin dem Kaiser auf einem Kostümfeste be⸗ merkte, daß ihr Gemahl wohl der Einzige sei, Lohne von 12 Mark bei elf⸗ und sogar zwölfsftündiger Arbeitszeit sind gar Infolge der Gleichgültigkeit zahl⸗ reicher Collegen, die es nicht für nötig halten, der lt surt a. A Aleerheilige don zuei waren, üb Nägeln m Beide Ve Der Ehen die Verb befreite se Thätern nachricht hat sich a Sie hat f aufgespiest hatte, sie! dieses ihr, genommen Ein LAtägige wurden Abf. cha Meistesrn Lostindi nungen st au die! Erfolg n Ju 4 stand ge denen die earbeite öfen, r nun ang, gunisg de he, die ih 0 h riebgn aß die ig ge. k de d gar, zahl u, der 9 bor stande Armeh ange die sch Wilde men Jroßen melt Per: g. 400 0 del e kol. peleie selhf. Anz nicht erden! Stoß t dafl ührun manch einmal wüstun beitel, o nab Fra lte d. N da i igll fie ) 10 rell Tatuss, amel rell Inseral Iuseill ah Nr. 23. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 5. der keinem Truppenteil angehöre und deshalb in Zivil kommen müsse, versetzte der Kaiser lächelnd:„Wer könnte den Wunsch einer so schönen Frau nicht erfüllen“ und stellte den Fürsten sogleich als Rittmeister à la suite seiner Gardekürassiere.“ Kleine Mitteilungen. — Antisemitisches. Das Magdburger Blatt der Antisemiten,„Die Sachsenschau“, erscheint wegen finanzieller Schwierigkeiten fortan nur wöchentlich. Andere antisemitische Blätter lassen es jedem Fachmann rätselhaft erscheinen, durch welche Mittel sie sich noch künstlich über Wasser halten.— Das Dresdener Anti⸗ semitenblatt Zimmermanns kämpft schon lange den Todes⸗ kampf. — In dem kaum sechs Stunden von Gießen gelegenen prächtigen Bad Nauheim sind in dieser Saison bereits über 40 000 Badegäste eingetroffen. — Mit Vierlingen weiblichen Geschlechtes beschenkte am Freitag die Frau des Werkführers Eismann in Kreuznach ihren Gatten. Eines der Vier kam tot zur Welt, während die drei andern lebensfähig sind. — Todesstrafe für Hausbettelei. Aus Trier wird berichtet: Der Polizeidiener Müller in Waldrach hatte zwei Handwerksburschen wegen Bettelns verhaftet. Am Bahnhofe Kassel versuchte ein Arrestant zu entfliehen; als er dem Haltrufe des Polizisten nicht Folge leistete, schoß dieser nach ihm. Die Schrotladung traf den Kopf des Unglücklichen und führte seinen sofortigen Tod herbei. — Unthat zweier Einbrecher.„In Frank⸗ furt a. M. wurde Montag Abend in einem Hause der Allerheiligenstraße eine im Paterre wohnende Frau von zwei Leuten, die in die Wohnung eingedrungen waren, überfallen, gefesselt und mit zwei großen Nägeln mit einer Hand an den Fußboden angenagelt. Beide Verbrecher räumten sodann die Wohnung aus. Der Ehemann der Frau, der einige Minuten, nachdem die Verbrecher den Thatort verlassen hatten, zurückkehrte, befreite seine Frau aus ihrer qualvollen Lage. Von den Thätern fehlt bis jetzt noch jede Spur.“ Diese Schauer: nachricht machte die Runde durch die ganze Presse. Es hat sich aber herausgestellt, daß die Frau gelogen hat. Sie hat sich selbst gesesselt und mit einer Stopfnadel aufgespiest, um ihrem Bräutigam, dem sie aufgebunden hatte, sie besäße so und so viel Geld, glauben zu machen, dieses ihr Geld sei jetzt von den beiden Räubern mit⸗ genommen. 33 Arbeiterbewegung. Ein Tischlerstreik in Eschwege ist nach 14tägiger Dauer erfolgreich beendet. Bewilligt wurden außer verschiedenen anderen Punkten die Abschaffung von Kost und Logis bei den Meistern. Statt der bisher 11stündigen ist eine 10stündige Arbeitszeit eingeführt. Beide Forder— nugen sind auch von den Gießener Schreiner an die Unternehmer gestellt worden. Ueber den Erfolg werden in nächster Nummer berichten. In Dresden sind 2500 Maurer in Aus— stand getreten. Nur auf wenigen Bauten, auf denen die Forderungen bewilligt wurden, wird noch gearbeitet. r Hessischer Landtag. * Die Zweite Kammer hat am Dienstag ihre Sitz⸗ ungen wieder aufgenommen. Gen. Ulrich richtete an den Justizminister die Anfrage, wie es komme, daß dem Ortsgericht Offenbach die Gebühren erhöht worden sind. Das sehe einer Strafe wegen des Verhaltens der Offen⸗ bacher Stadtverordneten in Sachen des Beigeordneten Wolff und des Ortsgerichtsdirektors Kost sehr ähnlich. Auch der Zentrumsabg. v. Brentano wundert sich über die Gebührenerhöhung. Der Justizminister Dittmar sucht die Gebührener⸗ höhung zu rechtfertigen, dieselbe sei notwendig gewesen, nachdem die Stadt Offenbach den Zuschuß für das Orts⸗ gericht verweigert habe. Im Uebrigen verbitte er sich vom Abg. Ulrich jeden Angriff auf eine richterliche Entscheidung, von deren Richtigkeit er(der Minister) überzeugt sei. Abg. Ulrich ruft: Sie haben sich gar nichts zu verbitten! Das ist Sache der Präsidenten. Der Justiz⸗ minister fortfahrend: der juristische Standpunkt des Abg. v. Brentano sei unrichtig. Abg. v. Brentano hält dem Minister gegenüber seine Auffassung von der juristischen Unzulässigkeit der 0 Gebührenerhöhung für Offenbach aufrecht. 0 Abg. Ulrich(Soz.): Er halte es für das Recht zund die Pflicht eines Abgeordneten, auch richterlich Handlungen zu besprechen und er werde auch den Fall Küchler sobald er es für an der Zeit halte, zum Gegenstand einer Anfrage machen, selbst wenn der Justiz⸗ minister sich dergleichen verbitte. Darum kümmere er sich nicht im mindesten. Damit ist für die Kammer diese Angelegenheit vor⸗ läufig erledigt.— Es folgt die Besprechung der neuen Steuervorschläge der Regierung. Geh. Staatsrat Krug erklärt im Namen der Re⸗ gierung, daß sie, um die Steuerreform zu retten, auf Grund der Ablehnung des Weinsteuergesetzentwurfs und des Antrages Osann neue Ersatzvorschläge machen werde. Erstens werde eine Stempel⸗Steuererhöhung von etwa 34000 Mk. vorgeschlagen werden, zweitens soll die Erbschaftssteuer für entfernte Verwandte und Nicht⸗ verwandte bis zu 10 pCt. gesteigert werden, was eine Mehreinnahme von etwa 80000 Mk. ergibt. Drittens soll im Einkommen-⸗Steuergesetzentwurf eine Er⸗ höhung des Tarifes für die höheren Klassen ein⸗ treten, was ebenfalls einen Mehrbetrag von etwa 80 000 Mk. bedeutet. Er hoffe, daß auf der Grundlage dieser Vorschläge, die in aller Kürze dem Hause vorgelegt werden würden, eine Durchführung des Reformwerkes mit allgemeiner Unterstützung erzielt werde.(Bravo!) Genosse Dr. David will erst die Vorlage ab⸗ warten, bevor er fich dazu äußere. Die Erhöhung der Stempelsteuer in dem gegebenen Umfang sei ihm nicht sympatisch. Mehrere Abgeordnete sprechen sich ähnlich aus. Der Artikel 1—5 des Einkommensteuer⸗Gesetzent⸗ wurfs wird darauf angenommen. Zu Artitel 6 Absatz 1: Befreiung von der Einkommenst euer beantragt der nationalliberale Abg. Osann, nur den Großherzog und seine Gemahlin von der Einkommensteuer zu befreien. Davon will unser Gen. Ulrich nichts wissen. Er will auch den Großherzog nicht von der Steuer befreit wissen.— Der Antrag Ulrich wird abgelehnt, der Antrag Osann gegen 11 Stimmen angenommen. Der Großherzog und seine Gemahlin bleiben also steuerfrei. Mittwochssitzung. Abg. Dr. David beantragt, die Regierung um Vorlegung des Gutachtens des Geheimen Oberschulrats Professor Dr. Schiller in Gießen, auf das Ministerial⸗ rat Soldan seine Ausführungen über„moderne Päda⸗ gogik“ stützte, im Druck an den Landtag zu ersuchen. Arbeiter! Parteigenossen! Der dänische Kapitalistenring hat einen Gewaltstreich begangen und am 24. Mai 30 000 Arbeiter aus⸗ gesperrt, um so 100 000 Männer, Frauen und Kinder dem Hunger zu überantworten. Die dänische Arbeiterschaft, unsere dänischen Parteigenossen stehen in einem schweren Kampfe gegen kapitalistischen Uebermut und kapitalistische Uebermacht. Zeigt Euere stets be⸗ währte Opferwilligkeit und unterstützt die dänischen Ar⸗ beitsbrüder nach besten Kräften, damit sie dem frivolen Angriff der Kapitalprotzen Stand halten können. Schnelle Hülfe ist doppelte Hülfe. Geldsendungen werden erbeten an den Hauptkassierer der zentr alisterten Gewerkschafts verbände Dänemarks, E. Svendsen, Kopenhagen K, Römersgade 22, I. Etage. Auf alle Anfragen giebt Bescheid das Hauptkomptoir der Gewerkschaftsverbände, Adresse: J. Jensen, Kopen⸗ hagen K, Broläggersträde 11, I. Etage. Auch die„M. S.⸗Ztg.“ ist natürlich gerne bereit, Beiträge entgegenzunehmen. Partei Nachrichten. Versammlungs⸗Kalender. Verband der Fabrikarbeiter. Die für Sonntag den 4. Juni geplant gewesene Versammlung findet des Waldfestes wegen erst Sonntag, den 18. Juni statt. Die Mitglieder werden ersucht, sich am heutigen Sonntag recht zahlreich am Waldfest zu be⸗ teiligen. Der Bevollmächtigte Lindenstruth. Samstag, den 3. Juni. A.⸗B.⸗V. Heuchelheim. 9½ Uhr. Mitglieder⸗ Versammlung bei Ludwig Kröck. Samstag, den 10. Juni: A.⸗B.⸗V. Wieseck bei Emil Schäfer. wichtige Tagesordnung. Gießener Wahlverein abends pünktlich 9 Uhr bei Orbig. Sehr Tagesordnung: 1. Vortrag des Gen. Ph Scheidemann über: Ed. Vernsteins Kritik des Marxismus. 2. Diskussion.— Die Parteigenossen werden dringend ersucht, pünkt⸗ lich und zahlreich zu erscheinen. Wahlkreis Eschwege⸗Witzenhausen⸗ Schmalkalden. Parteigenossen! Unsere Wahlkreis⸗Konferenz findet Sonntag, den 11. Juni, von nachmittags 3 Uhr ab im Lokale des Herrn Gastwirt Wilhelm zu Steinbach-Hallenberg im Kreise Schmalkalden statt. Tagesordnung: 1. Bericht über die Agitation und Organisation im Wahlkreise. 2. Unsere Presse. Referent Genosse Thiel, Cassel. 3. Die Evangelischen Arbeitervereine und die Sozialdemokratie. Referent Genosse W. Hugo Eschwege. 4. Stellungnahme zum Parteitag in Hannover. Die Genossen der einzelnen Orte resp. Kreise werden ersucht, sofort Stellung dazu zu nehmen und dem Unter⸗ zeichneten möglichst bald Mitteilung zugehen zu lassen, ob sie die Konferenz beschicken und durch wieviel Delegierte. Eschwege. Der Vertauensmann: W. Hugo. Unterm neuesten Kurs wurde im Monat April gegen Parteigenossen erkannt auf 3 Jahre 1 Monat 5 Wochen Gefängnis und 2144 Mark Geldstrafe. Internationaler Arbeiterkongreß 1900. Die vorbereitende Konferenz in Brüssel war besucht von Belgien, Dänemark, England, Deutschland, Holland, Frankreich, Oesterreich, Rußland, Polen, Amerikä. Das Londoner Kongreßbureau übergiebt das Mandat für die Organisation des Kongresses an das Pariser Kommitee, vorbehältlich dessen Zustimmung zu der hier festgesetz ten Einladungsform. Nach dem Londoner Kongreßbeschluß sind als Tagesordnung vorgeschlagen 11 Punkte; als Zeitpunkt für die Tagung ist Juni oder September vor⸗ gesehen.— Es wurde eine Resolution angenommen, worin die Friedenskonferenz in Haag eine„heuchlerische Komödie“ genannt wird. Nur die Abschaffung der Klassenherrschaft und der Sturz des russischen Absolutis⸗ mus könne die internationale Friedensfrage lösen. Am 28. Mai wurde abends im Brüsseler Volkshause ein internationales sozialistisches Meeting veranstalt, dem Vandervelde präfidierte. Es sprachen die holländischen Kammerabeordneten Troelstra und van Kol, die Franzosen Alemanne und Vaillant, die deutschen Singer und Liebknecht, die Engländer Brocklehurst und Hyndman, der Däne Knudsen, der Italiener Rondani, der Russe Plechanoff und der Oesterreicher Viktor Adler. Lieb⸗ knecht und Singer beglückwünschten die französischen Ge⸗ nossen zu ihrer Einigung. Die zahlreich besuchte Ver⸗ sammlung nahm einen glänzenden Verlauf. Marktbericht. Gießen, 27. Mai.(Marktbericht). Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter p. Pfd. 0.95 bis 1.10 Mk., Hühnereier p. St. 0—0, 2 St. 9—11 Pfg., Enteneier 2 St. 11— 12 Pfg., Gänseeier p. St. 10 bis 11 Pfg., Käse 1 St. 5—8 Pfg., Käsematte per St. 3 Pfg., Erbsen p. Ltr. 22 Pfg., Linsen p. Ltr. 32 Pfg., Tauben per Paar Mk. 0.80— 1.00, Hühner per Stück Mk. 1.10— 1.40, Hahnen per Stück Mk. 1.50— 2.00, Enten per Stück Mk. 2.00— 2.50, Gänse per Pfund Mk. 0.00— 0.00, Ochsenfleisch per Pfund 68— 74 Pfg., Kuh⸗ und Rindfleisch per Pfd. 62— 64 Pfg., Schweine⸗ fleisch per Pfd. 60—72 Pfg., Schweinefleisch, ge⸗ salzen, per Pfd. 76 Pfg., Kalbfleisch per Pfd. 60 bis 66 Pfg., Hammelfleisch ver Pfd. 50— 70 Pfg., Kartoffeln per 100 Kilo Mk. 5.00 6.50, Weißkraut per St. 00—00, Zwiebeln per Ctr. Mk. 8.50— 00.00, Milch per Liter 16 Pfg. Grünberg, im Mai. Am Markttage, 27. Mat, wurden auf dem hiesigen Fruchtmarkte folgende Frucht⸗ arten ꝛc. zu den beigesetzten Durchnittspreisen verkauft: 9 Doppel⸗Zentner(à 100 kg) Weizen zu 16,30 M., 8 D.⸗Z. Korn zu 15,16 Mark, 1 D.⸗Z Gerste zu 14,00 Mark, 30 D.⸗Z. Hafer zu 14,80 Mark, 7 D.-Z. Erbsen zu 18,00 Mark, 0 D.⸗Z. Linsen zu 00,00 Mark, 0 D.⸗Z. Samen zu 00.00 Mark, 124 D.⸗Z. Kartoffeln zu 4,60 Mark. Briefkasten der Redaktion. G. L.⸗Kbach. Der Errichtung jener Kasse steht gar nichts im Weg. Sie dürfen im Statut nur nicht sagen:„Es wird eine Unterstützung ꝛc. gewährt“, son⸗ dern:„Es kann allen ordentlichen Mitgliedern ꝛc. gewährt werden.“ Durch die letztere Fassung umgehen Sie die kaum erfüllbaren Bestimmungen über die„Ver⸗ sicherungsgesellschaften“ und umschiffen gleichzeitig die Ehrenmitgliederklippe. Wenn Sie noch im Unklaren sind, sprechen Sie doch bei mir vor. Sch. — ————̃—— Seite 6. Nitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. 72 Nr. 23. 2— 2 D Anterhaltungs⸗Ceil. * Vor einem Erker. Bei einem Antiquare hing Der Kurfürst wohlgeraten, Und Jeder, der vorüberging, Blieb stehen vor dem Laden. Und ein Gewoge gab es bald, Ein Drängen vor dem Erker, Und stündlich ward von Jung und Alt Der Andrang immer stärker. Früh Morgens bis zum Ladenschluß Ein Kommen war's und Gehen, Es hat's mit heimlichem Verdruß Der Antiquar gesehen. Und wie sie wieder gaffend steh'n Da schrie er in den Haufen: „Ja, hängen will ihn Jeder sehn, Doch Keiner will ihn kaufen.“ Friedrich Stoltze. Das Zeitungswesen in Tennessee. Von Mark Twain. Der Arzt riet mir, zur Stärkung meiner Gesundheit ein südliches Klima aufzusuchen, und so ging ich nach Tennessee hinunter und erhielt eine Stelle als Mitherausgeber der Zeitung „Morgenglanz und Kriegsgeschrei der Provinz Fohnson“. Als ich ins Büreau kam, fand ich den Chefredakteur in einen dreibeinigen Stuhl hingeräkelt, die Füße hatte er auf einem Tisch von Fichtenholz. Es war noch ein Fichtenholz⸗ tisch und noch ein invalider Stuhl im Zimmer, beide waren halb begraben unter Zeitungen, Papieren und Manuskriptbogen. Außerdem sah ich einen hölzernen Spucknapf, auf dem Zigar⸗ renstummel lagen und einen Ofen, dessen Thür nur noch an der oberen Angel hing. Der Chef⸗ redakteur hatte einen schwarzen Tuchfrack mit langen Schößen und weiße Leinwandbeinkleider an. Seine Stiefel waren zierlich und gut ge⸗ wichst. Er trug ein gefälteltes Hemd, einen großen Siegelring, einen Stehkragen von alt⸗ modischem Schnitt und ein gewürfeltes Halstuch mit herabhängenden Enden. Kostüm ungefähr aus dem Jahr 1848. Er rauchte eine Zigarre, wobei er über ein Wort nachdachte, und hatte seine Locken durch fortwährendes Hineinfahren arg zerdrückt. Nach seiner fürchterlich düstern Miene zu urteilen, war er eben damit beschäftigt, einen besonders schwierigen Leitartikel für sein Blatt zusammenzubrauen. Er hieß mich ver⸗ schiedene Zeitungen nehmen und überlesen und dann einen Artikel über den„Geist der Presse in Tennessee“ schreiben, in welchem alles, was ich Interessantes fände zusammengefaßt werden sollte. Ich schrieb wie folgt: Der Geist der Presse in Tennessee. „Die Herausgeber des„Halbwöchentlichen Erdbebens“ stehen sichtlich unter einem Mißver⸗ ständnis betreffs der Ballyhack-Eisenbahn. Es ist nicht die Absicht der Gesellschaft, Buzzardville links liegen zu lassen. Im Gegenteil, sie betrach— ten es als einen der wichtigsten Punkte der Linie und können folglich nicht den Wunsch haben, es geringschätzig zu behandeln. Die Herren vom „Erdbeben“ werden natürlich gern die Sache be— richtigen. „John W. Blossom, Esquire, der befähigte Redakteur des„Donnerkeil und Schlachtruf der Freiheit“ in Higginsville, kam gestern in der Stadt an. Er hat in van Burens Haus Woh⸗ nung genommen. „Wir endecken, daß unser Kollege, der Re⸗ dakteur des„Morgengeheul“ in Mud Springs, irrtümlich vermutet die Wahl des van Werter sei noch nicht festgestellt, aber er wird ohne Zweifel sein Versehen bemerken noch ehe diese Mahnung an ihn gelangt. Er war zweifellos durch unvollständige Wahlberichte irregeleitet. „Man hat mit Freuden davon Kenntnis ge⸗ nommen, daß die Stadt Blathersville sich be⸗ müht, mit einigen New⸗Yorker Herren einen Kontrakt abzuschließen behufs Pflasterung ihrer fast unwegsamen Straßen mit dem Nicholson⸗ pflaster. Das„Tägliche Hurra“ befürwortete diese Maßregel äußerst geschickt und vertraut auf schließlichen Erfolg.“— Ich überreichte dem Chefredakteur mein Manuskript zur Annahme, Abänderung oder Vernichtung. Er sah es an, und seine Stirn umwölkte sich. Seine Augen überflogen die Sei⸗ ten, und seine Miene wurde unhelbro hen Ich konnte leicht sehen, daß etwas nicht in Ordnung war. Plötzlich sprang er auf und rief:„Himmeldonnerwetter! Denken sie denn, daß ich so von diesem Viehzeug rede? Denken Sie, meinen Abonnenten schmeckt solche Wasser⸗ suppe? Geben Sie die Feder her!“— Nie sah ich eine Feder so boshaft ihren Weg scharren und kratzen oder jemandes Zeit⸗ und Eigenschaftswörter so unbarmherzig durchstreichen. Als er in der Arbeit mitten drin war, schoß jemand durch daß offene Fenster auf ihn und unterbrach das gleichförmige Geräusch. „Ah“, sagte er,„das ist dieser Schurke Smith vom„Moralischen Vulkan“— er hatte gestern Zahlungstermin.“ Damit riß er einen Schiffs⸗ revolver aus seinem Gurt und feuerte. Smith fiel, am Scheukel getroffen. Dadurch verfehlte er natürlich das Ziel, auf das er eben zum zweitenmal angelegt hatte, und seine Kugel machte einen Fremden zum Krüppel; das war ich. Bloß ein Finger wurde mir abgeschossen. Dar⸗ auf fuhr der Chefredakteur fort mit Ausstreichen und Einschalten. Als er eben fertig war, kam eine Handgranate das Ofenrohr herunter und zerttrümmerte beim Exblodieren den Ofen in tausend Stücke. Weiter that sie jedoch keinen Schaden, außer daß ein umherfliegendes Stück mir ein paar Zähne einschlug. „Der Ofen ist völlig ruiniert“, sagte der Chefredakteur. Ich sagte, daß es mir auch so vorkäme. „Ach, thut gar nichts— brauch, ihn ja nicht bei dem Wetter. Ich weiß wohl, wer's that. Will ihn schon kriegen. Sehen Sie so muß der Artikel geschrieben werden.“ Ich nahm das Manuskript. Es war so mit Strichnarben bedeckt, daß seine eigne Mutter es nicht gekannt haben würde, wenn es eine gehabt hätte. Es lautete jetzt so: Der Geist der Presse in Tennessee. „Die eingefleischten Lügner vom, Halbwöchent⸗ lichen Erdbeben' sind augenscheinlich bemüht, einem edlen und ritterlichen Volke eine andere ihrer gemeinen und rohen Lügen aufzudrängen hinsichtlich der ruhmvollsten Einrichtung des 19. Jahrhunderts, der Ballyhack-Eisenbahn. Die Idee, daß Buzzardville links liegen gelassen weden sollte, entstand in ihren eignen ekelhaften Gehirnen— oder besser, in der hefenartigen Substanz, die sie als Gehirn bezeichnen. Sie mögen nur ja diese Lüge wieder hinunterschlucken, wenn sie ihren verworfenen, scheußlichen Leich⸗ namen die Prügel ersparen wollen, die sie reich— lich verdienen.. „Dieser Esel Blossow vom„Donnerkeil und Schlachtruf der Freiheit“ in Higginsville schma— rotzt wieder einmal hier in van Burens Haus. „Wir bemerken, daß der blödsinnige Lum⸗ penhund vom ‚Morgengeheul' in Mut Springs mit seiner gewohnten Neigung zum Lügen be⸗ hauptet, van Werter sei nicht gewählt. Der himmlische Beruf der Journalistik ist es, Wahr⸗ heit auszustreuen, den Irrtum auszurotten, den Ton der öffentlichen Sitten und Manieren zu erziehen, alle Menschen sanfter, tugendhafter, mild⸗ thätiger, in jeder Beziehung besser und heiliger und glücklicher zu machen; und doch entweiht dieser verworfene Schurke seinen großen Beruf beharrlich durch Ausstreuen von Falschheit, Ver⸗ leumdung, Tadel und Gemeinheit. „Blathersville wünscht Nicholsonpflaster— ein Gefängnis und ein Armenhaus wären besser angebracht. An Pflasterung zu denken in einem jämmerlichen Neste, das aus zwei Schnaps⸗ brennereien, einer Schmiede und dem Senfpflaster von Zeitung, dem„Täglicheu Hurra,, besteht! Der alte Esel, der Buckner, welcher das„Hurra“, redigiert, haht um diese Sache mit seiner ge⸗ wohnteu Dämlichkeit und denkt dabei, er spricht Verstand.“—. „Sehen Sie, so muß man sschreiben— ge⸗ pfeffert und zugespitzt. Euer Waschlappen⸗ journalismus verursachtz mir das Delirium tremens.“ Jetzt kam ein Ziegelsteinz mit fürchterlichem Getöse durch das Fenster geflogen und gab mir einen tüchtigen Stoß in den Rücken. Ich begab mich außer Schußweite— ich fing an, mich im Wege zu fühlen. Der Chef sagte:„Das ist wahrscheinlich der Oberst. Ich erwarte ihn schon seit zwei Tagen. Er wird gleich erscheinen.“ Das war richtig. Der Oberst trat einen Augenblick später zur Thür herein, einen Dra⸗ gonerrevolver in der Hand. „Mein Herr“, sagte er,„habe ich die Ehre, mit der Memme zu reden, die dieses räudige Blatt herausgiebt?“ Die haben Sie. Setzen Sie sich, mein Herr. Nehmen Sie sich mit dem Stuhl in acht, er hat bloß drei Beine. Ich glaube, ich habe die Ehre, den verfaulten Lügner Oberst Blatherskite Tecumseh bei mir zu sehen?“ „Ganz recht, mein Herr. Ich habe ein kleines Hühnchen mit Ihnen zu rupfen. Wenn Sie Zeit haben, wollen wir anfangen.“ „Ich habe zwar einen Artikel über den Er⸗ mutigenden Fortschritt der moralischen und in⸗ tellektuellen Entwickelung in Amerika“ fertig zu machen, aber das eilt nicht. Fangen Sie an.“ Beide Pistolen gingen im selben Augenblick los. Der Chef verlor eine Haarlocke, und des Obersten Kugel endete ihre Laufbahn in dem fleischigen Teil eines Schenkels. Des Obersten linke Schulter war etwas verletzt. Sie feuerten wieder. Diesmal verfehlten beide das Ziel, aber ich bekam mein Teil, einen Schuß in den Arm. Beim drittenmal Feuern wurden beide Herren leicht verwundet, und mir wurde ein Knöchel abgesprengt. Darauf sagte ich, ich glaubte, es wäre besser, wenn ich ein wenig spazieren ginge, da das eine Privatsache wäre und mein Zart⸗ gefühl mir nicht erlaubten, länger zu bleiben. Aber beide Herren baten mich, sitzen zu bleiben und versicherten mich, daß ich nicht im Wege sei. Während sie dann wieder luden, sprachen sie über Wahlen und Ernten, und ich fing an, meine Wunden zu verbinden. Aber plötzlich eröffneten sie neubelebt das Feuer wieder, und jeder Schuß traf— aber ich muß hier bemerken, daß fünf Sechstel auf meinen Teil kamen. Der sechste Schuß verwundete den Obersten tödlich; dieser bemerkte mit feinem Humor, daß er nun wohl guten Morgen sagen müsse, da er in der Stadt Geschäfte habe. Dann fragte er, wo der Leichenbesorger wohne und ging. 172 Der Ches wendete sich darauf zu mir und sagte:„Ich erwarte Gesellschaft zum Mittags⸗ essen und muß mich fertig machen. Ich würde Ihnen dankbar sein, wenn Sie die Korrektur⸗ bogen lesen und die Kunden bedienen wollten.“ Mir graute ein wenig bei dem Gedanken, die Kunden zu bedienen, aber ich war noch zu sehr durch das Pistolenschießen, das ich noch in den Ohren hörte, verwirrt, als daß ich an irgend eine Erwiderung hätte denken können. Er fuhr fort:„Jones wird um 3 Uhr hier sein— bläuen Sie ihn durch! Gillespie wird vielleicht früher kommen— den werfen Sie zum Fenster hinaus! Ferguson will ungefähr um 4 Uhr kommen töten Sie ihn! Das genügt für heute, glaube ich. Wenn Sie irgend überflüssige Zeit haben, können Sie einen Blasen ziehenden Artikel gegen die Polizei schreiben— schimpfen Sie tüchnig auf den Oberinspektor. Die Knüttel zum Durch⸗ prügeln liegen unter dem Tisch— Waffen im Tischkasten— Schießbedarf ist dort in der Gcke — Scharpie und Verbandzeug dort oben in dien kleinen Behältern. Im Fall etwas passieht, gehen Sie hinunter zu Herrn Lancet, dem Wun d⸗ arzt. Der inseriert bei uns— helfen uns gegezn⸗ seitig, verstehen Sie!“— Und fort war ef. Mir schauderte. Nach Verlauf der nächstenn drei Stunden hatte ich so furchtbare Gefahreln durchlebt, daß aller Seelenfriede und alle Heitser⸗ keit des Geistes von mir gewichen waren. Gillespie hatte vorgesprochen und hatte m uch zum Fenster hinausgeworfen. Jones kam pünktlich an, und als ich ihn durchpriß geln wollte, nahm er mir das Geschäft ab. Ju einer 145 ell 9 —— f. 25. U Se 0 J llobes 1 i Nögehett, tust daran 9 Darauf pohl entschl fach einige babon bin i elt einige l. oben würd Ddese Art 6 beguemlicht vie Sie Ja ohne Zwef aber, sehen Aufmerksar Ich kann! so oft unt 1 Lcherst Grabk sowie Gra Repar —— N Fr. beg: hierm L Mee. i empfehlen iu Gold. k Seng te kigene ge Wes I n Markist tupfehlt . dr. digt * en, um 9 ö blick des dem Isten erten aber Arm. erren löchel e, es inge, alk iben, eiben Wege chen j al, tlic Nr. 23. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 7. Begegnung mit einem Fremden, der nicht auf Stelle gefällt mir ganz gut, aber ich mag die N dem Programm stand, war ich meiner Kunden nicht bedienen. Die Erfahrungen sind V Kopfhaut verlustig gegangen. Ein anderer Fremder, Namens Thompson, ließ mich als bloßes Wrack und als Haufen verworrener Lumpen zurück. Abgehetzt in der Ecke stehend, bedrängt von einem wütenden Troß von Redakteuren, Schwindlern, Politikern und verkommenen Sub⸗ jekten, welche rasten, fluchten und ihre Waffen über meinem Haupte schwangen, bis die Luft von blinkenden Stahlspitzen erglänzte, war ich schließlich im Begriff, meine Stelle bei dem Blatt aufzugeben, als der Chef erschien und mit ihm ein pöbelhafter Haufe fanatischer, begeisterter Freunde. Darauf erfolgte eine Szene des Auf⸗ ruhrs und Blutvergießens, wie sie keine mensch⸗ liche Feder, geschweige denn eine stählerne, be⸗ schreiben könnte. Einige wurden erschossen, andre ausgeplündert, verstümmelt, in die Luft esprengt, aus dem Fenster geworfen. Es erhob sch ein kurzer Sturm düsterer Lästerungen, ein verwirrter, wahnsinniger Kriegstanz schimmerte durch, und dann war alles vorbei. In fünf Minuten herrschte Stillschweigen, und der von Blut starrende Chef und ich saßen allein und überschauten die blutigen Trümmer, die auf dem Boden umherlagen. Der Chef sagte:„Sie werden diesen Ort lieb gewinnen, wenn Sie sich erst daran gewöhnt haben!“ Darauf erwiderte ich:„Sie werden mich wohl entschuldigen müssen; vielleicht könnte ich nach einiger Zeit zu ihrer Zufriedenheit schreiben, davon bin ich sogar überzeugt, wenn ich nur erst einige Uebung gehabt und die Sprache erlernt haben würde. Aber die Wahrheit zu gestehen, diese Art Energie im Ausdruck hat ihre Uuẽ⸗ bequemlichkeiten, und man wird oft unterbrochen, wie Sie ja selbst sehen. Kräftiges Schreiben ist ohne Zweifel geeignet, das Publikum zu erheben, aber, sehen Sie, ich errege nicht gern so viel Aufmerksamkeit wie dadurch hervorgerufen wird. Ich kann nicht mit Genuß schreiben, wenn ich so oft unterbrochen werde wie heute. Diese möchte. — neu, das gebe ich zu, auch gewissermassen unter⸗ haltend, aber sie sind nicht gerecht verteilt. Eln Herr schießt nach Ihnen durch das Fenster und macht mich zum Krüppel; eine Granate kommt das Ofenrohr herunter, um Sie zu amüsieren, und schickt die Ofenthür meine Kehle hinunter; ein Freund erscheint, um Komplimente mit Ihnen auszutauschen, und seine Kugeln durchlöchern meine Haut, bis meine Prinzipien alle durchsickern; Sie gehen zum Mittagessen, und Jones kommt mit seinen Knütteln, Gillespie wirft mich zum Fenster hinaus, Thompson reißt mir alle Kleider vom Leibe, und ein Fremder beraubt mich meiner Kopfhaut mit der Frei⸗ mütigkeit eines alten Bekannten; und in weni⸗ ger als fünf Minuten kommen alle Lumpenhunde des Landes im Kriegsschmuck und erschrecken, was von mir übriggeblieben ist, mit ihren Tom ahawks zu Tode. „Alles in allem hatte ich nie in meinem Leben solch angeregte Stunden wie heute. Ge⸗ wiß, ich habe Sie lieb, und mir gefällt Ihre ruhige, stille Art, die Kunden zu bedienen, aber Ste sehen, ich bin nicht daran gewöhnt, das südliche Herz ist zu feurig; südliche Gastfreund⸗ schaft ist zu freigebig gegen den Fremden. Die Zeilen, die ich heute geschrieben habe, und in deren kalte Sätze Ihre Meisterhand die heißen Gefühle Tennesseeschen Zeitungsgeistes gegossen hat, werden ein andres Hornissennest aufwühlen. Der ganze Haufe der Redakteure wird kommen L und hungrig kommen und jemand zum Früh⸗ stück verzehren. Ich muß Ihnen lebewohl sagen, da ich diesen Festlichkeiten nicht beiwohnen „Ich bin meiner Gesundheit wegen nach dem Süden gekommen und werde aus demselben Grunde wieder zurückkehren und zwar sofort. Das Zeitungswesen in Tennessee ist für mich zu nervenerregend.“ Darauf trennten wir uns unter Ausdrücken gegenseitigen Bedauerns, und ich mietete mich im Hospital ein. Da donnern sie Sanftmut und Duldung aus ihren Wolken und bringen dem Gott der Liebe Menschenopfer wie einem feuerarmigen Moloch,— predigen Liebe des Nächsten und fluchen den achtzigjährigen Blinden von ihren Thüren hinweg; eifern wider den Geiz und haben Peru um goldner Spangen willen entvölkert und die Heiden wie Zugvieh vor ihren Wagen gespannt. Schiller:„Räuber.“ * Kann ich dafür, wenn eine knechtische Erzie⸗ hung schon in meinem jungen Herzen der Liebe zarten Keim zertrat? Schiller:„Don Karlos.“ * Was ist mir Blutsverwandtschaft, Völkerrecht? Die Kirche trennet aller Pflichten Band, Den Treubruch heiligt sie, den Königsmord, Ich übe nur was ihre Priester lehren. Schiller:„Maria Stuart.“ * Was liegt dem guten Menschen näher als die Seinen? Giebt's schön're Pflichten für ein Herz, Als ein Verteidiger der Unschuld sein, Das Recht des Unterdrückten zu beschirmen? Schiller:„Wilhelm Tell.“ Humoristisches. Abgekürzter Briefstiel.. Dein sich in Sehnsucht nach Dir und eine gute Wurscht verzehrender Kniepke, Gefreiter. * Ein verkapptes Genie. Schutzmann:„Fleppen⸗ Fritze, wenn Sie man blos wollten! Sie könnten den scheensten Tausch von der Welt machen!'n Mann von Ihre Jaben: Wat kennte der nich für ne Stellung in de polit'sche Polizei einnehmen!“ * Gespräch in einem Trauergeleite.„Lieber Schmidt, wissen Sie eigentlich, woran unser Freund ge⸗ storben ist?“—„Darüber konnten mir selbst die Aerzte keine Aufklärung geben.“—„Ja, ja, er war immer ein Geheimniskrämer.“(„Jugend.“) Emil Kalbfleisch Vildhauer Licherstraße 1 IES SEN icherstraße 1 empfiehlt sich zum Anfertigen von Grabkreuzen, Schrift-Taseln und Grnbeinfassumgen sowie zu allen in dieses Fach einschlagenden Arbeiten in allen Steinarten Grabdenkmäler, Monumente. Meparaturen werden schnell und billig besorgt. Großes %s Fr. Schupp, Uhrmacher LOLLARN. bringe hiermit sein reichhaltiges Lager in Negeluleumen, Num-, Necher- und Tuschen Lien, in empfehlende Erinnerung, sowie Große Auswahl Zu zahlreicher lichst ein Sonntag, den 4. Juni Wald⸗Fest der Gewerkschaften im Gießener Stadtwald, Licherstraße, erste Schneise rechts. Abmarsch punkt 2 Uhr von der Licher Straße aus. Teilnahme ladet freund— in Gold⸗ und Silberwaren, Ohrringen, Ringen, Hals⸗ ketten, Halsuhrketten, Broschen u. s. w. Streng reelle Bedienung. Billigste Preise. Eigene Reparatur werkstätte. versandt nach auswärts. Umtausch gestattet. P 2. J. Benner, Schuhmacher meister, Marktstraße 34 Giessen, Marktstraße 34 empfiehlt sein reichhaltiges Schuhwaaren⸗Lager in gediegenen soliden Qualitäten zu billigsten Preisen. Specialität: Arbeiter⸗Schuhe u. Stiefel. Anfertigung nach Maaß, sowie Reparaturen werden in eigener Werkstätte rasch, gut und billigst ausgeführt. Entree 20 Pfg. — Peter Lepplaa Neustadt 79 Neustadt 79 offeriert rein wollenen Chevioet Restkoupons, passend zr kompl. An zügen zu bekannt billigen Preisen Carl Freudenstein Nachfolger, Marburg, Ritterstraße, Weidenhäuserstraße, empfiehlt nachstehend verzeichnete Kolonialwaren zu billigsten Preisen in anerkannt vorzüglicher Qualität: Kaffee roh, 60, 70, 80, 90 ꝛc. Pf. do. gebr. 80, 90, 100, 120, 140 ꝛc. Pf. Das Komitee. Gries 20, 25 Pf. Nudeln 25, 30 Pf. Hago 28, 30 Pf. Arbsen 10, 12, 15 Pf. do. gesch. 16, 20 Pf. do. gespaltene 12 Pf. Bohnen 12, 16 Pf. Linsen 16. 20, 24 Pf. Ia. Kernseife weiß 22, 25 Pf. do. gelb 20, 22 Pf. do. marm. 15 8 Pf. Ia. mierseife weiß 24 Pf. 5 9 gelb 20 Pf Hoda per Pfund 5 Pf. Heifenpulper 10, 12, 15 Pf. p. Pck. Stärke 28, 30 Pf. per Pfund. Borrax 40 Pf. per Pfund. eigseife 15 Pf. p. Pfund. acao 1.50, 1.80, 2.00 Mk. Chocolade 85, 100 Pf. Calles per Pfund v. 40 Pf. an Neis 15, 20, 25, 30 Pf. Oraupen 12, 15, 30 Pf. kein Abfall. Lehrling unter günstigen Bedingungen sucht Trautmann, Kupferschmied, Tiefenweg 16. Bürgerliches Gesetzbuch eleg. gebunden Mk. 1.— Zu beziehen durch Buchhandlung Schneider, Gießen, Sonnenstraße 25. D Nansen „In Uacht u. Cis“ neueste Aufl., kompl., billig abzug. Bei Mehrabnahme billiger. Buchh. Schneider, Sonnenstr⸗ Seite 8. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Face assess Ka ufhaus 7 7 5 Geset 4 arge 5 1 al be 5— 5 8 1711 Marktstr 17, Ecke Rittergasse Giessen Marktstr. 1 2 0 ee 2 N— ee i A 15 Achtung Hausfrauen! 8 5 Wir hatten Gelegenheit, vereint mit unsern vielen großen Kauf⸗ J 4 5 lichen E häusern, aus den kiiton wiertesten Fabriken Deutschlands große Posten Leinen⸗ U. Baumwollenwaren 5 Verl nur beste Qualitäten, ganz hervorragend billig einzukaufen, und stellen wir dieselben, um unseren werten Kunden; zur etwas außergewöhnliches zu bieten, zu noch nie dagewesenen billigen Preisen zum Verkauf. Es dürften diese Gelegenheits-⸗ kedur posten einen großen Anziehungspunkt unseres Geschäfts bilden. 70 oder . 1 8 5 20. gung Große Posten— Bettzeuge Wischtücher al Bettkattune und Bettsatins bekannt gute Qualitäten blau⸗ und rot⸗carriert, 1 Meter 45, 36, 33, 25, 20 Pfg. Meter 54, 50, 42, 36, 30, 25, 20 Pfg 25, 20, 18, 12, 10, 3 Pfg. ale 2 Bettdamaste if 2 aud LI 21 D 1 E LLL E LL F—— Han Aue he Unte . 130 em breit 68 Pfg. weiß, in größter Auswahl, Che anerkannt solide Qualitäten Meter 55, 48, 40, 36, 27 20 Pfg. Her Meter 60, 54, 45, 36, 30, 22 Pfg · Bettdamaste e e 1 rr.. 22 0 0 1 d Ibl f in enormer Musterwahl, hervor⸗ Tischtücher nal elttu ha einen ragende Gelegenheit, 130 em breit— mn zu g 4 8 5 in allen Größen, Halbleinen, Leinen f volle Breite, nur gute Qualitäten Meter 90 Pfg. und Damast, 1 qpeter 12. 5 Diese Qualität steht an reiswürdig⸗ 5 j 0 Meter 130, 120, 95, 85, 65, 45 Pfg 125 1 ürdig 550, 480, 350, 275 bis 40 Pfg. f Hemdentuche Handtücher Servietten 8 .—————— engagiertes gn 1 grau, für Küche, in unübertroffener Auswahl, dab elegenhe 8 9 Stü 5 5 4 Mtr. 45, 38.33, 20, 28,23, 18.12 Pfg. Meter 36, 28, 2,18, 12 3 Pfg. Stic 75, 60, 50, 40, 28, 20 15 Pfg 9 2 Ur 2 leider Di 0 0 bel Petlbarchende Aud Dauuenkfgat Schürzen⸗ und Kleider⸗Siamosen Waffelbettdecken N denkbar größte Auswahl zu uner⸗ 90, 120 und 110 em prest, für ein⸗ und zweischläsige Betten, 1 reicht billigen Preisen. Meter 75, 60, 45, 40, 30 25 Pfg. 440, 360, 270, 220, 150, 95 Pfg. 91 Günstigste Gelegenheit z. Anschaffung von Braut-Ausstattungen u. Hotel-Einrichtungen 15 . 275 8 3 5 in ztoffe für Kleider und Blousen. 2 Ar Wir bringen eine hervorragende Auswahl sämtlicher Neuheiten in Waschstoffen für Kleider und Blousen zu 8 Preisen, die unerreicht sind. Batti a 65 Kattune, Battiste, Zephirs ꝛc. ꝛc. 4 Meter von 20 Pfg. an bis zu den elegantesten. 5 aachnert n 1 1 f l duständ 89* ber u 0 88 8* i dae den a des 5 8 ae N n gl 65 1 d p,, 1 5 7 7 7* 1* 0 2 des 5* Wir bitten um Besichtigung unserer sämtlichen Schaufenster. 2 255 0 Nen S Sees sss .— nan! Verlag der Mitteld. Sonntags⸗Zeitung TF. Krumm), Gießen. Verantwortl. Redakteur Ph. Scheidemann, Gießen. Druck von Sell X Heppeler in Gießen. Oeilage zur Kitteld. Sonntags⸗-Zeitung. Nr. 23. Sonntag, den 4. Juni. 6. Jahrgang. Die Zuchthausvorlage ist dem Reichstag zugegangen! *Das vom Kaiser in Oeynhausen angekündigte Gesetz, in dem Zuchthausstrafe für diejenigen angekündigt wurde, welche einen Arbeitswilligen an der Arbeit zu verhindern suchen, die Zucht— haus⸗Vorlage, ist am Donnerstag, den 1. Juni, dem Reichstag zugegangen. Die Vorlage führte den Titel:„Gesetz⸗ entwurf zum Schutze des gewerblichen Arbeitsverhältnisses“ und hat folgenden Wortlaut: § 1. Wer es unternimmt, durch körper— lichen Zwang, Drohung, Ehrverletzung oder Verrufserklärung Arbeitgeber oder Arbeitnehmer zur Teilnahme an Vereinigungen und Verab⸗ redungen, die eine Einwirkung auf die Arbeits oder Lohnverhältnisse bezwecken, zu bestimmen oder von der Teilnahme an solchen Vereini— gungen oder Verabredungen abzuhalten, wird mit Gefängnis bis zu einem Jahre be⸗ straft. Sind mildernde Umstände vorhanden, so ist auf eine Geldstrafe bis 1000 Mk. zu erkennen. § 2. Die Strafvorschriften des§ 1 finden auch auf Denjenigen Anwendung, welcher es unternimmt, durch körperlichen Zwang, Drohung, Eheverletzung oder Verrufserklärung erstens zur Herbeiführung oder Forderung einer Arbeiter⸗ aussperrung Arbeitgeber zur Entlassung von Arbeitnehmern zu bestimmen oder an der An⸗ nahme oder Heranziehung solcher zu hindern, zweitens zur Herbeiführung oder Forderung eines Arbeiteraus standes Arbeitnehmer zur Niederlegung der Arbeit zu bestimmen oder an der Annahme oder Aufsuchung von Arbeit zu hindern, drittens bei einer Arbeiteraussperrung oder einem Arbeiterausstande die Arbeitgeber oder Arbeitnehmer zur Nachgiebigkeit gegen die dabei vertretenen Forderungen zu bestimmen. § 3. Wer es sich zum Geschäft macht, Handlungen der in§ 1, 2, bezeichneten Art zu begehen, wird mit Gefängnis nicht unter 3 Monaten bestraft. § 4. Dem körperlichen Zwange im Sinne der 88 1—3 wird die Beschädigung oder Vorenthaltung von Arbeitsgeräth, Arbeitsmaterial, Arbeitserzeugnissen oder Klei⸗ dungsstücken gleichgeachtet. Der Drohung im Sinne der§s eins bis drei wird die plan mäßige Ueberwachung von Arbeitgebern, Arbeitnehmern, Arbeits stätten, Wegen, Straßen, Plätzen, Bahnhöfen, Wasser— straßen, Häfen oder sonstigen Verkehrsanlagen gleichgeachtet. Eine Verrufserklärung oder Drohung im Sinne der Fs eins bis drei liegt nicht vor, wenn der Thäter eine Handlung vor⸗ nimmt, zu der er berechtigt ist, insbesondere wenn er befugter Weise ein Arbeits- oder Dienst⸗ verhältnis ablehnt, beendigt oder kündigt, die Arbeit einstellt, eine Arbeitseinstellung oder Aussperrung fortsetzt, oder wenn er die Vor⸗ nahme einer solchen Handlung in Aussicht stellt. § 5. Wird gegen Personen, die an einem Arbeiterausstand oder einer Arbeiteraussperrung nicht oder nicht dauernd teilnehmen oder teilge⸗ nommen haben, aus Anlaß dieser Richtbe teiligung eine Beleidigung mittels Thätlich⸗ keit, eine vorsätzlich Körperverletzung oder eine vorsätzliche Sachbeschädigung begangen, so be— darf es zur Verfolgung keines Antrags. § 6. Wer Personen, die an einem Arbeiter⸗ ausstande oder einer Arbeiteraussperrung nicht oder nicht dauernd teilnehmen oder teilgenommen haben, aus Anlaß dieser Nichtbeteiligung be⸗ droht oder in Verruf erklärt, wird mit Gefängnis bis zu einem Jahre bestraft — sind mildernde Umstände vorhanden, so ist auf Geldstrafe bis eintausend Mark zu erkennen. § 7. Wer an einer öffentlichen Zusammen⸗ rottung, bei der eine Handlung der in den Paragraphen 1 bis 6 bezeichneten Art mit ver⸗ einten Kräften begangen wird, teilnimmt, wird mit Gefängnis bestraft, die Rädelsführer sind mit Gefängnis nicht unter drei Monaten zu bestrafen. § 8. Soll in den Fällen der§§ 1, 2, 4 ein Arbeiteraus stand oder eine Arbeiteraus⸗ sperrung herbeigeführt oder gefördert werden, und ist der A usstand oder die Aussperrung mit Rücksicht auf die Natur oder die Bestimmung des Betriebes geeignet, die Sicherheit des Reichs oder eines Bundesstaates zu ge⸗ fährden, oder eine gemeine Gefahr für Menschen⸗ leben oder für das Eigentum herbeizuführen, so tritt Gefängnisstrafe nicht unter 6 Monaten ein. Ist infolge des Arbeiterausstandes oder der Arbeiteraussperrung eine Gefährdung der Sicherheit des Reichs oder eines Bundesstaates eingetreten oder eine gemeine Gefahr für Menschenleben oder das Eigentum herbeigeführt worden, so ist auf Zuchthaus bis zu drei Jahren, gegen die Rädelsführer auf Zucht⸗ haus bis zu fünf Jahren zu erkennen. Sind in Fällen des Absatzes zwei mildernde Umstände vorhanden, so tritt Gefängnis— 5. Jahrg. Redaktionsschluß: stag Nachmittag 4 Uhr. n g. erate iteste Verbreitung. Die 5 gespalt kostet 10 Pfg Bei mindestens ir 25%, bei 6mal. Bestellung 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. — 2—— eiter! Schwere Kämpfe Und jetzt heißt's treu zu⸗ Recht auf's Zuchthaus soll aldemokraten, sondern für tüberhaupt proklamiert sollt an's Messer geliefert Einigkeit und treue aft im Kampf gegen das hie Losung unserer Feinde aus! Unsere Losung heißt Freiheit! grarfrage. Revolution und die er Grundbesitzer.“ ichlägen zum Schutze der der Landwirtschaft, wie gehenden Artikeln dargelegt autsky nicht, ein Agrar⸗ Agrarprogramme für be⸗ 1 und Gegenden hält er eien aber von Theoretikern kern auszuarbeiten, eine vertreten haben. Kautsky n, den Nachweis zu liefern, ratie auf der Grundlage ehr wohl in der Lage sei, id bevölkerung, des länd⸗ ud der Land wirtschaft eine Th etigkett zu entfalten. Jozialdemokratie gegen den gegen die Uebergriffe der er Großgrundbesitzer be⸗ mit sympathischen Augen. der Gedanke au die Ent⸗ esitzer, die der Sieg der t sich bringen soll. Er on Haus und Hof ver⸗ ztum werde ein Raub der e, welche sich unter den nicht behaupten können, reuden nach den Vorteilen sozialistische Großbetrieb ristenz würde sich dadurch handlung sprechen zu wollen. Für das Unter⸗ nehmertum ist die Zuchthausvorlage doch nicht bestimmt. Und wenn in der Vorlage davon die Rede ist, daß Uebergriffe bei„Arbeiter⸗ ausständen“ sowohl wie bei„Arbeiter aus- sperrungen“ mit denselben Strafen belegt werden sollen, so wissen die deutschen Arbeiter, daß diese Bestimmungen gleich vielen anderen eben auf dem Papier stehen, für die Praxis aber keine Bedeutung haben würden. Die Arbeiterschaft ist sich über den Charakter des Klassenstaates längst im Klaren. Und seit⸗ dem ein preußischer Justizminister vor den versammelten Vertretern des Volkes den Grund⸗ satz proklamierte:„Wenn zwei dasselbe thun, so ist das nicht dasselbe“ seit diesem Augenblick wissen auch die Arbeiter, die es bis dahin noch nicht wußten, woran sie sind. And deshalb glaubt kein vernünftiger Mensch an die in der Zuchthausvorlage ausgesprochene Gleichheit der Unternehmer und Arbeiter. Wenn es den Unternehmern an den Kragen gehen sollte, so fragen wir: Warum hat man denn seither die Unternehmer nicht 1 Soldaten, der in der Schlacht zum Feind überläuft? Sie nennen ihn mit Recht einen elenden Schurken, der seine Kameraden und sein Vaterland verrät! Was aber ist in den Augen derselben Ge⸗ heimräte ein Arbeiter, der seinen Kameraden in den Rücken fällt und dadurch seine Klasse verrät? „Ein ruhiges, für den Staat beson⸗ ders nützliches Element!“ Also auch hier gilt für die, die das Heft in der Hand haben, der Grundsatz: Wenn zwei dasselbe thun, so ist das nicht dasselbe. Für uns bleiben beide, der Soldat wie der Ar— beiter Verräter, wenn sie ihren Kameraden nicht die Treue halten. Aber weil man uns bestraft, wenn wir den Schuft einen Schuft und den Streikbrecher einen Streikbrecher nennen, so acceptiren wir die neue Bezeichnung und werden in Zukunft verräterische Streikbrecher nennen: Ruhige, staatserhaltende Elemente! Damit ist dann auch gleichzeitig der heutige Staat treffend charakterisiert!—— wesentlich heben. Die bäuerlichen Kleinbetriebe, welche noch wichtige ökonomische Funktionen er⸗ füllen, werden Glieder der gesellschaftlichen Pro— duktion werden. Der Staat wird den Bauern nicht nur nichts nehmen, sondern viel geben. Bauern und Landarbeiter müssen bei dem Uebergang von der kapitalisti⸗ schen zur sozialistischen Gesellschaft besonders geschätzte Arbeitskräfte werden. Die Ausdehnung der Industrie für den Weltmarkt und die gleichzeitige Ueber schwemmung des Marktes mit auswärtigem Getreide treiben die Landbevölkerung in die Städte. Sobald aber der innere Markt wieder in den Vordergrund der nationalen Oekonomie tritt, wächst die Bedeutung der Land wirtschaft. Der steigende Konsum der Massen verlangt einen rationellen landwirtschaftlichen Betrieb. Land⸗ arbeiter und Kleinbauern, heute stiefmütterlich behandelt, werden dann sehr begehrt sein. Und da soll man annehmen, der Sozialismus werde die Bauern von ihren Feldern vertreiben? Gerade das Gegenteil wird eintreten. Man * Siehe Nr. 8, 11, 14 17 und 20 der M. S.⸗Ztg. — — . i Marktstr Achtun; 2 Wir hatten E häusern, aus den nur beste Qua etwas außergewö posten einen groß Bettkattune u Meter 45, 36, 33 Halbl anerkannt soli Meter 60, 54, 45, Betttuchh volle Breite, nut Meter 130, 120, 95, Hemm de engagiertes Fabri 99 Geleg Mtr. 45, 38, 33, 29,2 Dettbarchende! denkbar größte 2 reicht billie Günstigste E 8 Große Wir b. Preisen, die uner 5 2 Wir bitt 2 e Verlag der Mitteld. Sonntags⸗Zeitung(E. Krumm), Gießen. strafe nicht unter 6 Monaten, für die Rädels⸗ führer Gefängnisstrafe nicht unter einem Jahr ein. . Soweit nach diesem Gesetz eine gegen einen Arbeitgeber gerichtete Handlung mit Strafe bedroht ist, findet die Strafvorschrift auch dann Anwendung, wenn die Handlung gegen einen Vertreter des Arbeitgebers gerichtet ist. § 10. Die Vorschriften dieses Gesetzes finden Anwendung 1. auf Arbeits- oder Dienstver⸗ hältnisse, die unter den§ 152 der Gewerbe⸗ ordnung fallen, 2. auf alle Arbeits- oder Dienst⸗ verhältnisse in solchen Reichs-, Staats⸗ oder Kommunalbetrieben, die der Landes verteidigung der öffentlichen Sicherheit, dem öffentlichen Ver⸗ kehr oder der öffentlichen Gesundheitspflege dienen, auf alle Arbeits- oder Dienstverhältnisse in Eisenbahnunternehmungen. § 11. Der§ 153 der Gewerbeordnung wird aufgehoben. Das ist ein neues Ausnahmegesetz für Deutschlands Arbeiterschaft. Das dem Arbeiter gesetzlich garantierte Koalitionsrecht würde durch die Annahme dieser Vorlage so gut wie be⸗ seitigt. Denn was besagt diese Zuchthaus⸗ Vorlage denn anders, als: Das Koalitionsrecht sollt ihr behalten, aber wenn ihr dieses Recht ausübt, werdet ihr in's Gefängnis, wenn nicht in's Zuchthaus gesperrt. Nichts, aber auch gar nichts ist auf Seite der Arbeiter geschehen, was Anlaß zu diesem Gesetzentwurf hätte geben können. Dem Freiherrn von Stumm wird das Herz im Leibe lachen. Aber Mil⸗ lionen Arbeiterherzen werden in Zorn erglühen. Und Tausende, die seither der Sozialdemokratie feindlich oder gleichgültig gegen⸗ über standen, werden jetzt einsehen, wo ihr Platz ist. Diese Vorlage liefert die deutsche Arbeiter⸗ schaft dem kapitalistischen Unternehmertum auf Gnade und Ungnade aus. Wer könnte es noch wagen, zum letzten Mittel der drangsalierten Arbeiter, zur Arbeitseinstellung, aufzufordern, wenn diese Vorlage Gesetz geworden wäre? Ein Wunder wär's, wenn bei einem Streik zur Er⸗ ringung besserer Löhne, kürzerer Arbeitszeit, oder menschlicher Behandlung sich ein Teilnehmer nicht in den Maschen jener elf Kautschuck⸗ paragraphen verfangen würde! Die Vorlage ist ein Peitschenhieb in das Gesicht der deutschen Arbeiterschaft. Wie ein Schrei muß und wird es aus vielen Millionen deutscher Proletarierkehlen heraus⸗ klingen: Fort mit dieser Mißgeburt! Und nun sofort an's Werk, ihr Proletarier in Stadt und Land. Bereitet Versammlungen vor. Jetzt heißt's protestieren! Noch haben wir das Versammlungsrecht. Nutzt dasselbe aus, bevor es zu spät ist. Am Wahlrecht nagen die Rückwärtser hat man uns in Hessen auch schon durch die Polizeistunde beschnitten. Und jetzt soll's 1 Ganze gehen: auf unser Vereinigungsrecht! Handelt, wie es Männern geziemt! . e Beweist gerade letzt durch euer Verhalten, wie überflüssig j Bange 1 überflüssig jene An's Werk, Parteigenossen! Zeigt, wie si Sozialdemokraten ihrer Haut weht Ente schlossen und zielbewußt. Hoch die internationale Sozial⸗ demokratie! ** * Zur Zeit liegt uns nur ein Blatt vor, in dem die Zuchthausvorlage schon besprochen ist, die„Frankf. Ztg.“ Wir lesen dort: „„ Der Entwurf ist nun da und so, wie er vorliegt, bedeutet er eine schwere Gefährdung des bischen Koalitionsrechtes, das die deutschen Arbeiter noch haben, und damit eine Gefahr für unsere gesamte soziale Entwicklung, die nicht hoch genug veranschlagt werden kann. Die schlimmen Befürchtungen, die man hegte, haben sich durch die Vorlage erfüllt. Vielleicht nicht bis auf das letzte Tüpfelchen, aber wahrlich in einem Maße, das erschreckend ist. Gibt man die Straf⸗Möglichkeiten, die der Entwurf enthält, dann braucht nicht erst aus⸗ drücklich statuiert zu f werden, daß der, der zum Streik„anreizt“, ein Zuchthäusler ist, denn auch ohnedies ist dann die ganze deutsche Ar⸗ beiterbewegung, wenn sie auf legalem Boden bleiben will, lahmgelegt. Darum kann man heute schon sagen: Wenn der deutsche Reichs⸗ tag es ehrlich meint mit der Koalitionsfreiheit, dann darf er nicht„erwägen“ und„verhandeln“, sondern er muß den ganzen Entwurf so⸗ fort ablehnen. Denn nicht eine Ver⸗ schlechterung, eine Verbesserung des Koa⸗ litionsrechtes brauchen wir!“ Unser Waldfest muß durch äußerst zahlreichen Besuch sich zu einem flammenden Protest gegen die Zuchthausvorlage gestalten. Verlag der Mitteld. Sonntags⸗Zetung(E. Krumm), Verantwortl. Redakteur Ph. Scheidemann, schon lange. Das Versammlungsrecht en um Besichtigung unserer sämtlichen Schaufenster. Derantwortl. Nedatteur Ph. Scheidemann, Gießen. Druck von Sell& Heppeler, sämtl. in Gießen. NüulTl nr, Sanne A 2 328 Meter von 20 Pfg. an bis zu den elegantesten. 11 Druck don Sell T Heppeler in Gießen. — Das lie r In eine Leser aufben ur act Tag. her Reichsregt felt deh der ngungerech ber Seele ber den deutscher Zuchthaus Die ungeh full unter en damit die ka füt als f seißes genieß In der! wecken versu nehmer glei Strasbestimr wendung ko die Auger sich darin bürgerlich“ Hlättern zut Horresponder übrigen hat das Gesetz u gleich) ersche aber natürl viel meht letztere hab 0 finn 0 aulassung, chwalehn gerichtlich gleifen...“ de„üölnis inzipiell ii der Vorle de Sache si Amit den du Abeiltg Abeiter vg dati steht Aurherein z 63 klän ger beabst udlung p uihmertu dicht bestt dun die R süsstände berden sol 1 dai dest een auf 555 al ie Ar — bal