U len lage Nr. 49. Gießen, Sonntag, den 3. Dezember 1899. 5. Jahrg. Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. 7 9 2 Mitteldeutsche untags⸗Jeitung. Redaktionsschluß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr, n Abounementspreis: Die„Mitteldeutsche SonntagsZeitung“ kostet durch unsere] nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. ö 50 Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Durch die Post bezogen vierteljährlich 90 Pfg. — — Bestellungen Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die Druckerei, Schloßg. 13, sowie jede Postanstalt und Anser Bedarf an Nahrungssto ffen. Die Frage, in welchem Umfang Deutsch⸗ land seinen Bedarf an Nahrungsstoffen aus der einheimischen Erzeugung zu decken vermag, ist schon wiederholt Gegenstand der Erörterung gewesen. Für die Brotstoffe hat vor Jahres- frist der deutsche Landwirtschaftsrat den Nach⸗ weis zu erbringen versucht, daß die deutsche Landwirtschaft die zur Ernährung unserer Be⸗ völkerung nötige Menge zu liefern imstande sei. Mit dieser Behauptung steht aber die Thatsache im Widerspruch, daß die Getreideeinfuhr trotz des Schutzzolles von durchschnittlich 25 Prozent des Wertes andauernd zunimmt. Nach der amtlichen Statistik hat der Gesamtverbrauch von Weizen nnd 5300 während der fünf Jahre 1889—1893 53 Millionen Tonnen, wäh⸗ rend der folgenden fünf Jahre 1894—1898 aber 62 Millionen Tonnen betragen; er hat also um 9 Millionen Tonnen zugenommen. Allerdings ist während dieser Zeit auch der Ertrag der inländischen Ernte von 46 auf 52 Millionen Tonnen gestiegen. Während aber in dem ersten Jahrfünft ein— durch die Ein⸗ fuhr gedecktes— Manko von 7 Mill. Tonnen — 13 Prozent des Verbrauchs sich ergab, ist der Fehlbetrag im zweiten Jahrfünft auf 10 Millionen Tonnen- 16 Proz. des Verbrauchs gestiegen. Für rund 50 Tage im Jarhe ist Deutschland somit auf die ausländische Zufuhr angewiesen. Die Grenzsperre für ausländisches Vieh, welche angeblich im gesundheitlichen Interesse erfolgte, hat die Viehhaltung in Deutschland und damit die Fleischproduktion vermehrt. Im Jahre 1894 bewertete sich die Einfuhr von Rindvieh und Schweinen nach Deutschland auf rund 200 Millionen Mark, 1898 hatte sie nur noch einen Wert von 59 Millionen Mark. Die gleichzeitige Steigerung in der Einfuhr aus⸗ ländischer Fleischwaren vermochte den Ausfall in der Vieheinfuhr nicht zu decken. Im Jahre 1894 betrug die Einfuhr von Vieh und Fleisch 206 Millionen, 1898 nur noch 116 Millionen Mark. Wenn auch der Fleischverbrauch wegen der Teuerung vor einigen Jahren nachgelassen hat, so muß der Ausfall in der ausländischen Zufuhr in einer Steigerung der inländischen Produktion Deckung gefunden haben. Wenn man hieraus nun den Schluß ziehen wollte, daß ein Zweig der Landwirtschaft, die Viehzucht, uns mit der Zeit von der aus⸗ ländischen Zufuhr unabhängig machen werde, so ist das ein großer Irrtum. Der Vermehrung des Viehbestandes ist eine Grenze gezogen durch die zur Verfügung stehende Menge an Vieh⸗ futter. Schon die bisherige Zunahme der Vieh⸗ haltung hatte eine ganz bedeutende Vermehrung der Einfuhr von Futterstoffen zur Folge. Die Minderung der Vieheinfuhr wird, wie statistisch nachweisbar, reichlich aufgewogen durch die ge⸗ steigerte Einfuhr von Mais, Hafer, Kleie, Oel⸗ kuchen, Futtergerste u. s. w. Das muß sogar der Landwirtschaftsrat in seinem Gutachten zugeben. 1 Im Jahre 1894 bezifferte sich die Einfuhr an Mais, Oelkuchen, Kleie und dergleichen auf 1380000 Tonnen im Wert von 106 Millionen Mark, 1898 hingegen auf 2624000 Tonnen im Wert von 224 Millionen Mark. Die Einfuhr 2 Juserate finden in der„M. S.⸗Ztg.“ weiteste Verbreitung. Die 5gespalt Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindestens 4 mal. Bestellung gewähren wir 25%, ber 6 mal. Bestellung jeder Landbriefträger entgegen.(Post⸗Z.⸗Kat. 43 12a.) 33 ¼% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. — von Gerste und Hafer ist gleichzeitig um 44 Millionen Mark gestiegen. Wenn ein großer Teil hiervon auch als Braugerste Verwendung findet, so muß doch ein Drittel des Gesamt⸗ verbrauchs an Gerste durch das Ausland gedeckt werden, und zwar infolge des gesteigerten Be⸗ darfs an Viehfutter. Noch mehr trifft dies zu bei der Einfuhr von Mais, die, was die Menge betrifft, sogar die Weizeneinfuhr überflügelt hat und im letzten Jahr auf 1580 000 Tonnen im belief von mehr als 126 Millionen Mark sich elief. Der Ersatz des ausländischen durch inlän⸗ disches Schlachtvieh hat uns also vom Ausland nicht e gemacht, vielmehr ist die Einfuhr von Viehfutter in höherem Maße ge⸗ stiegen, als die Zufuhr von ausländischem Schlachtvieh abgenommen hat. Von dieser Verschiebung der Einfuhr hat in allererster Linie Amerika den Vorteil gehabt. Von 1894 bis 1898 ist die Einfuhr von Mais, Hafer, Gerste, Kleie, Oelkuchen aus den Vereinigten Staaten von 35 auf 155 Millionen Mark ge⸗ stiegen; insbesondere die Maiseinfuhr aus den Vereinigten Staaten hat sich vervierfacht und 1898 einen Wert von mehr als 97 Millionen Mark erreicht. Die Grenzsperre für Vieh aus Oesterreich, Holland, Dänemark u. s. w. hat ferner die große Zunahme der Einfuhr an amerikanischen Fleischwaren zur Folge gehabt. 1898 wurden für rund 40 Millionen Mark Fleisch und Fleischwaren aus den Vereinigten Staaten nach Deutschland eingeführt gegen 21½ Millionen Mark im Jahre 1897 und 10½% Millionen Mark im Jahre 1896. Die Behauptung der konservativen und anti⸗ semitischen Agrarier, daß Schutzzölle für Ge treide und Vieh der Landwirtschaft helfen und uns vom Auslande unabhängig machen, wird durch die thatsächlichen Verhältnisse schlagend widerlegt. Wirkliches Koalitionsrecht. * In voriger Nummer erwähnten wir bereits den von der sozialdemokratischen Reichstags⸗ fraktion ausgearbeiteten Gesetzentwurf, das Koalitionsrecht betreffend. Heute teilen wir unseren Lesern den Wortlaut des Entwurfs mit: Gesetz, betreffend Abänderung der Gewerbeordnung und des Strafgesetzbuchs. Artikel J. § 152 der Gewerbeordnung erhält folgende Fassung: Personen, welche gegen Vergütung die Leistung von Diensten oder die Herstellung von Werken übernehmen, haben das Recht, Ver⸗ einigungen zu bilden oder Verabredungen zu treffen, die eine Einwirkung auf Gehalts-, Arbeits⸗ oder Lohnverhältnisse, für die Teil⸗ nehmer oder für Dritte, bezwecken. Dies gilt insbesondere für Gewerbetreibende, Beamte, Angestellte und Arbeiter des Reiches, des Staates, der Gemeinden und öffentlich recht— licher Korporationen, sowie der für deren Rechnung geführten wirtschaftlichen Betriebe, Handlungsgehilfen, Gewerbegehilfen, Lehrlinge, Tagelöhner, Heimarbeiter, Hausindustrielle, Gesinde, Hofgänger, Landarbeiter, Forstarbeiter, Instleute, Einlieger, Seeleute und von Ver⸗ einigungen und Verabredungen, welche die Wahrnehmung von Berufsinteressen, die Er⸗ langung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen durch Einstellung der Arbeit oder durch Ent⸗ lassung der Arbeiter, sowie die Unterstützung Arbeitsloser und Hilfsbedürftiger bezwecken. Jedem Teilnehmer steht der Rücktritt von solchen Vereinigungen und Verabredungen frei, und es findet von letzteren weder Klage noch Einrede statt. Alle entgegenstehenden Verbote und Straf⸗ bestimmungen sind aufgehoben. Artikel II. Hinter§ 152 der Gewerbeordnung werden folgende Paragraphen eingeschaltet: § 152. Vereinigungen und Versammlungen der in § 152 genannten Art unterliegen nicht den landesgesetzlichen Bestimmungen über das Ver⸗ sammlungs⸗, Vereins⸗ und Versicherungswesen. Insbesondere dürfen solche Vereinigungen mit anderen in Verbindung treten und Ver⸗ sammlungen veranstalten und in denselben zur Förderung der in§ 152 gedachten Zwecke politische Gegenstände erörtern und auf die Verwaltung und Gesetzgebung einzuwirken suchen. § 152 b. Aufforderungen zur Förderung der in den Paragraphen 152 und 152a aufgeführten Zwecke oder Unternehmungen, Geldsammlungen, welche diesen Zwecken oder Unternehmungen dienen, Mitteilungen und Erkundigungen, welche die⸗ selben betreffen, die Verbreitung oder Verteilung von Drackschriften, welche diesen Zwecken dienen, sind Jedermann gegenüber zulässig und unter⸗ liegen keinen landesgesetzlichen Bestimmungen, dürfen auch nicht als grober Unfug oder als Verletzung der Bestimmungen über Sonntags⸗ ruhe erachtet werden. Der Aufenthalt auf öffentlichen Plätzen, Straßen und an anderen öffentlichen Orten zum Zwecke solcher Aufforderungen, Mitteilungen oder Erkundigungen darf nur untersagt werden, wenn durch den Aufenthalt der Thatbestand der in den§§ 115, 116, 123— 125, 127 des Str.⸗G.⸗B. gedachten Handlungen erfüllt wird. § 152. Das Verlangen, einen Arbeitsvertrag zu schließen, Andere in Arbeit zu nehmen, andere Arbeitsbedingungen, insbesondere höhere Löhne, kürzere Arbeitszeit zu gewähren, oder bestimmte Bedingungen als Voraussetzungen für Fort⸗ setzung oder Aufnahme der Arbeit zu erfüllen, sowie das Verlangen, einer Wohlthätigkeits⸗ anstalt, einer öffentlich rechtlichen Korporation oder einer politischen, gewerblichen oder gemein⸗ nützigen Vereinigung eine Zuwendung zu machen, ist nicht als rechtswidrig im Sinne irgend eines Gesetzes zu erachten. e § 153 Gewerbeordnung wird aufgehoben. Artikel IV. In§ 1544 der Gewerbeordnung wird statt der Worte§ 152 und 153 gesetzt§§ 152, 152 a, 152 b, 1520. Artikel V. In das Strafgesetzbuch für das Deutsche Reich ist als§S 107a einzuschalten: eee eee eee eee eee, 4 15 Seite 2. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung Nr. 49. § 107 a. Ein Arbeitgeber oder Stellvertreter eines solchen, der sich mit einem andern Arbeitgeber oder dessen Stellvertreter verabredet oder ver⸗ einigt, Arbeitern deshalb, weil sie an den in §§ 152 und 152 a der Gewerbeordnung ge⸗ nannten Vereinigungen, Versammlungen Geld⸗ sammlungen, Aufforderungen, Mitteilungen oder Erkundigungen teilgenommen haben, ihr ferneres Fortkommen oder die Arbeitsgelegenheit zu erschweren, sie nicht in Arbeit zu nehmen oder sie aus der Arbeit zu entlassen, wird mit Ge⸗ fängnis bis zu drei Monaten bestraft, sofern nicht nach dem allgemeinen Strafgesetz eine höhere Strafe eintritt. Der Versuch ist strafbar. Urkundlich ꝛc. ** * Dieser Entwurf ist ein vorzüglicher Prüf⸗ stein für alle diejenigen, die in Arbeiterfreund⸗ lichkeit machen, für alle, die angeblich für die Arbeiter ein so„warmes Herz“ haben. Und wie jämmerlich haben bis jetzt alle die Prüfung bestanden! Von Eugen Richter bis Stumm zetern sie über die„Unverschämtheit“ der So⸗ zialdemokratie, die in ihren Forderungen so weit geht—— gleiches Recht für alle zu fordern! Denn nichts anderes will der Gesetzentwurf. Wie jetzt schon für alle Unternehmer das Koalttionsrecht besteht, so soll der neue § 152 auch allen Arbeitern dasselbe Recht garantieren. Wie jetzt schon, entgegen einer be⸗ stehenden Gesetzesbestimmung, deren Beseitigung Fürst Hohenlohe längst versprochen hat, die Organisationen der Unternehmer in Verbin⸗ dung treten und sich mit politischen Fragen beschaftigen, so soll der neue§ 152 auch den Arbeitern dasselbe Recht geben. Bei dem geringsten Verstoß, den sich Arbeiterorgani⸗ sationen seither in diesen Fällen zu Schulden kommen ließen, war schnell die„strafende Ge⸗ rechtigkeit“ zur Stelle. Daß der Bund der Landwirte oder der Zentralverband der deut⸗ schen Industriellen jemals belästigt worden wären, ist nicht bekannt geworden Die weiteren Paragraphen sollen den groben Unfug, der mit dem„Groben⸗Unfugs⸗Para⸗ graphen“ getrieben wurde, wenn es sich um Arbeiterorganisationen handelte, ein Ende machen. Es soll unmöglich gemacht werden, daß Arbeiter wegen„Erpressung“ bestraft werden, die nur unter bestimmten Bedingungen die Arbeit fortsetzen oder aufnehmen wollten. Der§ 153 der Gewerbeordnung soll beseitigt werden, weil in ihm die Fußangeln gelegt sind für diejenigen, die von der Koalitionsfreiheit, die der vorausgegangene§ 152 gewährleistet, Gebrauch machen. Wirkliches Koalitionsrecht für alle — gleiches Recht für alle, für Unter⸗ nehmer wie für Arbeiter; das und nichts anderes verlangt der sozialdemokratische Ge⸗ setzentwurf. Wir sind über das Schicksal der Vorlage nicht im Zweifel. Die Vertreter der kapita⸗ listischen Parteien im Reichstag werden wieder überfließen von„Wohlwollen“ für die Arbeiter, aber sie werden die sozialdemokratischen Vor⸗ chläge ablehnen, weil sie ein gleiches Recht ür alle nicht wollen, weil ihre„Arbeiter⸗ freundlichkeit“ Schwindel ist. Politische Rundschau. Gießen, 1. Dezember. Die Parteien im Reichstag. Nach der im Reichstag soeben ausgegebenen Fraktionsliste zählt das Zentrum 106 Mit⸗ glieder, die Soztaldemokratie 57, die Konservativen 52, die Nationalliberalen 47, die freisinnige Volkspartei 28, die Reichspartei 22, die Polen 14, die freisinnige Vereinigung 13, die beutsch⸗soziale Reformpartei 10, die deutsche Volkspartei 7 Mitglieder. Keiner Fraktion ge⸗ hören 39 Mitglieder an. Erledigt sind zur Zeit die Mandate 7. Magdeburg und 3. Pfalz. Errichtung eines Reichs⸗Arbeitsamtes. Die sozialdemokratische Fraktion hat einen Gesetzentwurf eingebracht, demzufolge ein Reichs⸗ arbeitsamt, Arbeitsämter, Arbeitskammern und Einigungsämter errichtet werden sollen. Das Reichs arbeitsamt, dessen Sitz in Berlin sein soll, hat u. a. als Aufgabe den Erlaß von Vorschriften zum Schutze für Gesundheit und Leben der im gewerblichen Betriebe aller Art einschließlich der Heimarbeit, des Handels und Verkehrs, der Land⸗ und Forst⸗ wirtschaft, der Fischerei und Schifferei, sowie des Bergbaues gegen Entgelt beschäftigten Personen. Parlaments- Auflösungen? Durch nationalliberale Blätter gehen Mah⸗ nungen an die Vertrauensmänner im Lande zur Vervollständigung der Organisation, und es klingt wie ein Ruf zur Mobilmachung im Hinblick auf möglicherweise bevorstehende Neu⸗ wahlen. Mit einer ungefähr gleichzeitigen Auflösung des preußischen Abgeordneten⸗ hauses nach Ablehnung der neuen Kanal⸗ vorlage und des Reichstags nach Ablehnung der Flottenvorlage wird sogar gerechnet. Man kann der gegenwärtigen Regierung im Reiche und in Preußen einen recht erheblichen Mangel an Voraussicht und sonstiger Regierungskunst zutrauen, meint mit Recht die„Frkf. Ztg.“, aber daß sie es gleichzeitig auf eine Auflösung des preußischen Landtages und Reichstages werde ankommen lassen, ist doch sehr unwahr⸗ scheinlich. Doch sei dem, wie ihm will. Unterm Zickzackkurs ist nichts unmöglich. Die sozial⸗ demokratische Partei ist stets bereit, und wenn die Regierung Lust hat, ein Tänzlein zu wagen, uns soll's recht sein. Fort mit der Wasser⸗ politik! das wäre keine üble Parole. Eine freiwillige Flottensteuer. Mit einer freiwilligen Flottensteuer tritt in der„Nordd. Allgem. Zeitung“„ein Mann aus dem Volke“ vor das„besitzende“ patriotische Publikum. Der„Mann aus dem Volke“ klagt darüber, daß sich„die neuen Pläne der Re⸗ gierung in verhältnismäßig enggezogenen Grenzen bewegen“. 5 „Unser patriotischer Sinn verlangt mehr. Opfern wir Besitzende auf dem Altar des Vaterlandes nur einige Bequemlichkeiten oder Annehmlichkeiten und stellen wir unserem erhabenen und weit ausschauenden Kaiser noch extra eine größere Summe freiwillig zur Verfügung, so verhelfen wir unserem Vaterlande zu einer maritimen Weltstellung und hinterlassen unsern Kindern das schönste Ich fordere daher alle national und patriotisch gesinnten Deutschen auf, mitzuthun an dem großen Werk und sogleich, spästens aber bis Ende Januar 1900, eine größere Summe, etwa den hundertsten Teil ihres Gesammtvermögens, sowie 1900, 1901 und 1902, also drei Jahre hintereinander, je etwa 100 Prozent ihrer Einkommensteuer, zahlbar im Oktober jeden Jahres, an zu bildende Sammelstellen abzuführen. Eine Hauptsammelstelle wird später genannt werden.“ Sollte dieser„Mann aus dem Volke“ noch nicht wissen, daß aller Patriotismus und alle Flottenbegeisterung der„Besitzenden“ zum Teufel 859 wenn es heißt zahlen? Vor wenigen ahren wurde ja schon einmal bei den wohl⸗ habenden Flottenaposteln gesammelt. Und was war das Ergebnis? Ganze 10 000 Mark kamen zusammen, wie der„Vorwärts“ bemerkt, gerade genug zur Ausrüstung eines Panzer⸗ schiffes mit— Spucknäpfen! Ja, mit dem Patriotismus von„uns Besitzenden“ ist es eine eigene Sache und wenn mit der Flottenver⸗ größerung gewartet werden sollte, bis die„Be⸗ sitzenden“ in den Geldbeutel greifen, um die Kosten zu decken, dann können die Interessenten Krupp und so weiter mit dem guten Geschäft warten bis zum St. Nimmerleinstag. Hurra schreien wollen die Herren ja gern, aber zahlen — nein, das überlassen sie lieber der breiten Masse des Volkes, die nichts von abenteuer⸗ licher Ueberseepolitik wissen will. Als Flottenagitatoren treten jetzt überall pensionierte Admirale und Kapitäne der Marine auf. Woher kommen auf einmal alle die Herren? so hört man viel⸗ fach fragen. Die Antwort ergiebt sich aus der Tatsache, daß die Flotte in ihrem bisherigen Umfang nach dem Ausweis von 1898 schon 25 pensionierte Admirale, 40 pensionierte Kapi⸗ täne zur See, 52 desgl. Korvettenkapitäne und 48 Kapitän⸗Lieutenants zählte. Die Zahl der aktiven Admirale beträgt dagegen nur 15. Auf 261 aktive Admirale und Kapitäne kommen schon 165 pensionirte. Die Steigerung der Pensionslasten der Marine ist schon jetzt eine rapide. In die Kostenanschläge des neuen Flottenplanes sind Erhöhungen der Pensions⸗ lasten natürlich nicht einbegriffen. Um solche Kleinigkeiten kümmert man sich nicht. Freisinnige Betschwestern. Bekanntlich sind die Berliner Stadtverord⸗ neten vom Oberhofmeister der Kaiserin, Frhrn. v. Mirbach, gerüffelt worden. Angeblich, weil der Wortlaut der Adresse an die Kaiserin zu deren Geburtstagsfeier nicht übereinstimmt mit den Thaten der freisinnigen Mehrheit der Berliner Stadtverordnetenversammluug. Der Wortlaut dieses Schreibens wird jetzt bekannt; es ist der Inbegriff byzantinischer Schweif— wedelei und so muckerisch wie eine ortho⸗ doxe Pastorenkundgebung. Da liest man, nach⸗ dum die Kaiserin als„Förderin des Guten und Edeln“ mit Posaunenklängen gepriesen worden ist: Uns, die Vertreter der Bürgerschaft der Reichs haupt⸗ stadt, muß diese hingebende Arbeit im Dienste der Barm⸗ herzigkeit mit um so größerem Danke erfüllen, als wir das Glück haben, unmittelbare Zeugen dieser auf⸗ opfernden Thätigkeit zu sein und uns an deren Früchten zu erfreuen. Das abgelaufene Jahr ist nicht in allen Beziehungen ein ungetrübtes gewesen. Teilnahmevoll und schmerzerfüllt vernahmen wir die Nachricht von dem Unfall, der Euere kaiserliche und königliche Majestät be⸗ troffen, und uns tröstet nur die Hoffnung, daß der All⸗ mächtige, der die Geschicke der Menschen lenkt, alles zum besten lenken werde. Heute danken wir Gott, daß er Euerer kaiserlichen und königlichen Majestät die Gesundheit wieder gegeben hat; heute bitten wir den Herrn, daß er in dem nenen Lebensjahre seine Hand schützend und behütend über Euerer kaiserlichen und königlichen Majestät und über Allerhöchst deren Familien halten möge. Also psalmodieren die Freisinnspolitiker der Berliner Stadtverordnetenversammlung, die „unentwegten“,„sturmerprobten“ Mannen des „vollen und ganzen“ Liberalismus, sie haben gelernt, nicht nur die Hände zu falten, sondern sie beten auch. Und diese salbungsvollen Bet⸗ schwestern des Freisinus wundern sich dann noch, wenn sie gerüffelt werden. Kleinkalibrige Kultur. Was die neureichsdeutsche Repetirgewehr⸗ kultur für die Wissenschaft übrig hat, zeigt ein Blick in den letzten Reichshaushaltsetat. Es wurden im Rechnungsjahr 1899 bei einer Ge⸗ samtausgabe von 1551709 400 Mk. für die Heeres verwaltung... 642 140 600 Mk. Verwaltung der Marine 144531 500 Mk. das heißt 57 Prozent der Gesamtausgabe verwendet. Es betrugen dagegen die Ausgaben für wissenschafeliche Zwecke— sowohl dauernde als einmalige— für das Rechnungs⸗ jahr 1899 etwa 1 Millionen Mark, das heißt 0,13 Prozent, nicht mehr als ¼ Prozent der Gesamtausgaben. In dem Reiche, wo die Schnellfeuerkanonen, das Gewehr mit kleinem Kaliber und das Linienschiff die Hauptsache der Fung sind, müssen die Kulturaufgaben, die Wissen⸗ schaft und Kunst stellen, stiefmütterlich behandelt werden. Begnadigter Wahlfälscher. Wegen Wahlfälschung zu daa er des konservativen Kandidaten bei der letzten Reichstagswahl war der Gemeindevorsteher Weyland in Technow(Kreis Schivelbein) zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt worden. Diese Strafe ist im Gnadenwege in eine Geld⸗ strafe von 300 Mk. umgewandelt worden. Gegen Wahlfälscher scheint also der preußische Justizminister, der den Weyland zur Begnadigung empfohlen hat, die Anwendung der Abschreckungs⸗ theorie nicht für angebracht zu halten. Die Augsburger Krawalle. Nach achttägiger Dauer hat am Dienstag Abend der Prozeß gegen die des Aufruhrs unge „Kang Da demo Abeit berleit am lie uf de st de Tol Boben Vale raw 0 6 un der Ospr matio aagebe Land keine Lohr Italie keln Neun de d rde A 0 Janz Oeme erf Nati Ind! lich! Nas nd In! A0 lch 2 m gli der 0 eile 0 f nach kn 49. — ichen api. . a ommen ing der ft eine nstonz⸗ ö solche berord. 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Ein Glück ist es noch zu nennen, daß ein Stadtkommissär kaltes Blut bei den Vorkommnissen in Augs⸗ burg behielt. Ohne ihn wäre es in den kriti⸗ schen Tagen zweifellos zu großem Blutver⸗ gießen gekommen.„Wäre“, so lesen wir in der „Frkf. Ztg.“,„die Polizei, ohne den Stadt⸗ kommissär, maßgebend gewesen, sie hätte ganz gewiß schießen lassen. Daran ist kaum mehr ein Zweifel möglich. Der Stadtkommissär erklärte in seiner Vernehmung, er wollte nicht schießen lassen, weil er sich die wahrscheinlichen und möglichen Wirkungen der fliegenden Ge— schosse für Schuldige und Unschuldige vor Augen hielt.„Ich habe mir fest vorgenommen, mich nicht hinreißen zu lassen“, sagte er. Das sind gewiß goldene Worte! Man sollte aller⸗ dings meinen, sie wären selbstverständlich. Aber gerade aus den Ordnungsreihen heraus, sogar aus der Stadtverwaltung heraus, hat man dem Stadtkommissär einen Vorwurf aus seiner Mäßigung gemacht! In den Ord⸗ nungsreihen hätte man gewünscht, daß die „Kanaille“ niedergeknallt würde.“ Das glauben wir gern. Dank der sozial⸗ demokratischen Aufklärungsarbeit lassen sich die Arbeiter immer weniger zu Unbesonnenheiten verleiten— zum Aerger der Scharfmacher, die am liebsten die soziale Frage mit Kleinkalibrigen auf der Straße lösen würden. In Augsburg ist der„gutgesinnte“ Arbeiter zuhause. Die sozialdemokratische Lehre hat dort noch wenig Boden gewonnen. Leider! Denn andernfalls wäre es wahrscheinlich überhaupt nicht zu jenem Krawall gekommen. Ostelbien, das Junkerparadies. Eine Mitteilung im Bulletin des italienischen Ministeriums des Aeußeren rät offtziell von der Auswanderung italienischer Arbeiter nach Ostpreußen ab. Die ausführlichsten Infor⸗ mationen glaubwürdigsterewährsmänner hätten ergeben, daß die italienischen Bauern (Landarbeiter) bei den Gutsbesitzern Ostpreußens keine gute Stellung finden würden, der Lohn wäre jedenfalls geringer, als der in Italien übliche.() Diese bemerkenswerte Mit⸗ teilung richtet sich nicht nur an die Auswan⸗ derungslustigen selbst, sondern auch an Alle, die durch die Presse diese Auswanderung zu fördern suchten. Antisemitische Wahlrechtsräuber. Einen unverschämten Wahlrechtsraub, der ganz zu den sonstigen Praktiken der antisemitischen Gemeindeherrscher paßt, hat man in Wien versucht. Dort findet demnächst im Stadtteil Mariahilf eine Nachwahl zum Landtage statt. Und da sind nicht weniger als 4012 Wähler nicht in die Wählerliste aufgenommen worden. Das ist wirklich eine unverschämte Leistung und mit Recht fordert die Wiener„Arbeiterztg.“ den Minister des Innern auf, dieser offenen Mißachtung der gesetzlichen Bestimmungen end⸗ lich Einhalt zu thun. Der Krieg in Südafrika. Die Nachrichten vom Kriegsschauplatz wider⸗ sprechen sich in der tollsten Weise. Nach einem englischen Telegramm stieß Lord Methuen mit der gesamten Burenmacht am Modder⸗River zusammen und schlug sie gänzlich. Einst⸗ weilen glauben wir das nicht. Allerdings sind wir der Ueberzeugung, daß sich die Buren auf die Dauer nicht gegen die riesige Ueber⸗ macht, die die Engländer ins Feld stellen können, behaupten werden. g Bemerkenswert ist das Zusammenwirken der Deutschen und Franzosen im Buren⸗ heer. Zwischen beiden Nationalitäten herrscht das beste kameradschaftliche Verhältnis, hervor⸗ gerufen durch den gemeinschaftlichen Feind. Es ist der erste Fall, wo Deutsche und Franzosen Schulter an Schulter gegen einen gemeinsamen Feind stehen und im feindlichen Kugelregen die gemeinsame Bluttaufe empfangen. Aus dem Reichstag. Seit voriger Woche wird im Reichstag die Novelle zur Gewerbeordnung beraten. Was dabei herauskommt, ist die Mühe, die sich die sozialdemokratischen Abgeord— neten geben, gar nicht wert. Alle wirklichen Verbesse— rungsvorschläge werden von der Mehrheit des Hauses niedergestimmt. Recht bezeichnend ist das Verhalten der Nationalliberalen. Dieselben hatten s. Z. zu gunsten der Konfektions arbeiterinnen einen großen sozialpolitischen Anlauf genommen. Bei dem Anlauf ist es aber ge⸗ blieben. Freiherr von Heyl gab im Reichstag die Er⸗ klärung ab, daß seine Partei nicht einmal für ihre eigenen Anträge einstehen könnte, weil es die Mehrheit des Hauses nicht für zeitgemäß halte,„in diesem Stadium der Gesetzgebung an eine gründliche Lösung der Fragen zu gehen“. Und so stimmte denn auch die Bassermannsche Gruppe mit den übrigen Parteien gegen die Anträge unserer Partei, die sich in gleicher Linie bewegten, wie die ursprünglichen Anträge der National- liberalen. So sehr die Wortführer des Kapitalismus und der Scharfmacherei gegen jedwede durchgreifende Besserung der Gewerbeordnung sprachen und stimmten, so eifrig waren sie bemüht, fade Witze über den sozialdemokra⸗ tischen Zukunftsstaat, so wie sie ihn sich vorstellen, zu machen. Freiherr v. Heyl ließ sein„Licht“ leuchten, Freiherr v. Stumm witzelte, Graf Oriola gab seinen Senf und der Kaplan Hitze seinen Segen dazu. Hatten sich die drei Edlen der Nation blamiert mit ihren ein⸗ fältigen Bemerkungen über die angeblich abzuschaffende Ehe im Zukunftsstaat, so machte sich das Zentrumskaplänchen Hitze unsterblich lächerlich durch die„geistreiche“ Be⸗ merkung, die Sozialdemokraten wollten in Zukunft auch die— Mutter beseitigen. Genosse Bebel antwortete dem frommen Mann, daß man seine Bemerkung wohl auf den Mangel an Sachkenntnis bei einem katholischen Geistlichen(der bekanntlich ehelos bleiben muß) zurück⸗ führen müsse. Dem Wetterauer Grafen mit dem italienischen Namen Oriola erwiderte Bebel: er sei wohl nicht imstande zu verstehen, was er(Bebel) in seinem Buch„Die Frau“ und in seinen Reden gesagt habe. So versuchten die Konservativen, Nationalliberalen und Zentrumsleute, die in Worten stets so arbeiter⸗ freundlich sind, durch ihre dummen Bemerkungen über sozialdemokratische Grundsätze ihr arbeiterfeindliches Ver⸗ halten zu maskieren. Am Dienstag sah fich der Präsi⸗ dent sogar gezwungen, nach den Reden der Herren v. Heyl und Hitze ernstlich daran zu erinnern, daß die Gewerbrordnungsnovelle und nicht der sozialdemokratische Parteitag zur Beratung stehe. Am Dienstag wurde über den Schutz der kauf⸗ männischen Proletarier, die sich allerdings zu⸗ meist als noch etwas viel besseres wie die Fabrikprole⸗ tarier fühlen und gehaben, beraten. Die Kommission hatte vorgeschlagen, zu bestimmen, daß allen in Schreib⸗ stuben, Kontor⸗, Laden- und Lagerräumen Beschäftigten nach Beendigung der Arbeitszeit eine ununterbrochene Ruhezeit von 10 resp. 11 Stunden, je nach Größe der Gemeinden, gewährt werden müsse. Außerdem müsse eine anderthalbstündige Mittagspause gewährt werden. Dazu lagen mehrere Abänderungsanträge vor. Abg. v. Stumm will den Absatz bezüglich der Mittagspause gänzlich streichen; die Konservativen wollen höchstens 10 Ruhestunden und mittags eine einstündige Pause gewähren. Der Antrag der Sozialdemokraten geht auf allgemeine Festsetzung einer ununterbrochenen Ruhezeit von mindestens 12 Stunden, einer Mittagspause von zwei Stunden, und will die Verpflichtung der Verkaufsstellen⸗ und Kontorinhaber festgesetzt wissen, dem Personal eine Sitzgelegenheit zu gewähren. Die Kommissionsanträge gewähren also eine zwölf⸗ stündige, die sozialdemokratischen Anträge nur eine zehn⸗ stündige Arbeitszeit für alle kaufmännischen Angestellten. Genosse Rosenow, der aus eigener Erfahrung das Leben der Handlungsgehilfen kennt, trat warm für die sozialdemokratischen Anträge ein. Angenommen wurden die Anträge der Kommisfion und die von den Sozialdemokraten geforderte Sitz⸗ gelegenheit, die weitergehenden Anträge der Sozial⸗ demokraten wurden abgelehnt. Am Mittwoch stand der sozialdemokratische Antrag zur Beratung, die verbündeten Regierungen zu ersuchen, dem Reichstag bis zur nächsten Session den Entwurf eines Reichs⸗Berggesetzes vorzulegen. Unser Parteigenosse Sachse, selbst Bergmann, schilderte in ausgezeichneter dreistündiger Rede die Zu⸗ stände im Bergbau und verlangte endliche Ab⸗ schaffung der bestehenden Mißstände. In geradezu elender Verfassung befindet sich die Berginspektion. Es sind Leute 20, auch 30 Jahre in Bergwerken thätig, ohne Aufsichtsbeamten jemals gesehen zu haben. Es muß die Berginspektion durch Leute aus dem Berg⸗ arbeiter stande ergänzt werden, die das Vertrauen der Arbeiter genießen. Von 1396 bis 1398 kamen 53 976 schwere Unfälle vor.(Hört, hört! links); im Jahre 1898 allein 1254 tödliche Unfälle und 43 000 entschädigungspflichtige Unfälle! In anderen Ländern, Belgien, England, Frankreich nehmen nicht wie bei uns diese Unfallzahlen jährlich zu, sondern von Jahr zu Jahr ab, und zwar infolge der besseren Gestaltung der Inspektion. Genosse Sachse schloß mit den Worten:„Es liegt am guten Willen des Reichstages und der Reichsregierung, dem deutschen Bergbau ein segensreiches Gesetz zu geben.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Als sich hierauf der Vizepräsident von Frege, der bekannte sächsische Kammerherr allerneuesten Adels, die Bemerkung erlaubte, Sachse habe drei Stunden zur Begründung des Antrags gebraucht, wurde ihm zu⸗ gerufen: Das geht Sie nichts an! Unver- schämtheit!— Der freisinnige Abg. Beckh sprach für den Antrag. Der nationalliberale Großindnstrielle Hilbck ist bereit, ein allgemeines Berggesetz zu machen, aber mit der Einschränkung, daß die den Landesbehörden durchaus„notwendigen“ Rechte vorbehalten werden. Der Zentrumsmann Hitze ist für die Vorlage eines Berg⸗ gesetzes. Die Weiterberatung wurde vertagt. Pon Nah und Fern. Mitteilungen aus unsexrem Leserkreise sind jederzeit willkommen Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissen⸗ haftigkeit bei Uebermittelung von Nachrichten.— Wir bitten alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben. Orden, Titel und neue Charaktere. * Anläßlich der Geburtstage des Groß— herzogs und der Großherzogin von Hessen sind viele Menschen mit Orden, Titeln und neuen „Charakteren“ bedacht worden. In der„Darmst. Ztg.“ füllen die bezüglichen Bekanntmachungen zwei volle Seiten— sechs Spalten! Es wurden fünfzehn verschiedene Sorten Orden verliehen. Zahlreiche Leute erhielten den Titel Kommerzien⸗ rat, Geheimrat, Rechnungsrat, Oekonomierat, Schulrat, Justizrat u. s. w. Justizrat wurde z. B. auch der frühere Abg. Dr. Gutfleisch in Gießen. Sind uns die Ordens dekorationen in ihren vielen Abstufungen und die Titel⸗ verleihungen schon Bücher mit sieben Siegeln, so stehen wir ratlos gegenüber den Charakter- verleihungen. Einen neuen Charakter ver⸗ leihen? Jawohl, einen neuen Charakter! Da steht zum Beispiel in der„Darmst. Ztg.“: Dem Hausbeschließer Soundso ist der Cha— rakter als Verwalter verliehen. Der Mann ist gewiß recht glücklich, denn ein Ver⸗ waltercharakter muß wohl etwas weit besser sein als ein Hausbeschließercharakter. Bericht vom Parteitag. In öffentlicher Parteiversammlung zu Gießen erstattete am Samstag Abend Genosse Scheidemann Bericht über den Parteitag in Hannover. Seine Ausführungen ergänzte in ausführlicher Weise Gen. Krumm. Nach kurzer Diskussion erklärte die Versammlung einstimmig ihr Einverständnis mit den Be⸗ schlüssen des Parteitags.— Gen. Schneider forderte sodann die Genossen auf, besser, als es in letzter Zeit geschehen, für die„M. S.⸗Ztg.“ zu werben. Namentlich in Gießen selbst müsse viel mehr gethan werden. Jeder einzelne Genosse solle unter seinen Kollegen und Haus⸗ genossen Umschau halten, ob noch einer darunter sei, der die„M. S.⸗Ztg.“ nicht liest. In keinem Arbeiterheim dürfe die„M. S.⸗Ztg.“ fehlen.— Wir wollen noch hier bemerken, daß jederzeit in unserer Expedition, Sonnenstr. 25 (Buchhandlung), beliebig viel Exemplare der „M. S.⸗Ztg.“ an die Genossen zur Werbung neuer Abonnenten gratis abgegeben werden. Arbeiter⸗Bildungs⸗Verein Gießen. * Am vorigen Samstag hat der Arbeiter- Bildungs⸗Verein seine Generalversammlung abgehalten. Dieselbe war sehr gut besucht. Der Vorsitzende Bock erstattete zunächst den Jahresbericht. Aus demselben ging hervor, daß das abgelaufene Jahr ein recht arbeits⸗ * e Seite. A. Mitteldeutsche Sonntags ⸗Zeitung. Nr. 49. reiches war. Gegen die Zuchthaus vorlage wurden im Bereiche des Gießener Gewerkschafts⸗ Kartells(Arb.⸗Bild.⸗Verein) 19000 Flugblätter verbreitet und 25 Prot stversammlungen ab⸗ gehalten. Im übrigen haben die stattgefundenen Gewerbegerichtswahlen ziemlich viel Arbeit ver⸗ ursacht. Etwa 130 Briefe liefen ein und ebenso viel wurden fortgeschickt. Eine neue Institution innerhalb des Kartells wurde im verflossenen Jahre durch die Begründung eines besonderen Streikfonds ins Leben gerufen. Die einzelnen Gewerkschaften leisten zu demselben einen be⸗ stimmten Beitrag, um so immer mehr von dem Ergebnis der Sammellisten unabhängig zu werden.— Der Kassierer Baum erstattete sodann den Kassenbericht. Der Barbestand betrug am 30. Okt. 1899 21,64 Mark, dazu weitere regelmäßige Einnahmen 109,89 Mark. Verausgabt wurden 53,95 Mk. Für Streik⸗ unterstützungen wurden vereinnahmt 301,41 Mark, verausgabt(für die Ausgesperrten in Dänemark, für die Crefelder Weber, die Leder⸗ arbeiter in Wilster u. s. w.) 280,20 Mk. Be⸗ stand: 21,21 Mk. Eine Diskussion des Ge⸗ schäftsberichts wurde nicht beliebt und da die Revisoren alles in Ordnung befunden, wurde dem Kassierer Decharge erteilt.—„Vortrag des Genossen Albert Meyer aus Marburg über das kommunistische Manifest“ lautete der zweite Punkt der Tagesordnung. Infolge seines Uebertritts von den Nationalsozialen zur Sozialdemokratie ist Meyer, der von Haus aus Theologe ist, in letzter Zeit in den Blättern vielfach genannt worden. Diesem Umstande war wohl auch in erster Linie der zahlreiche Versammlungsbesuch zu danken. Meyer erledigte seine Aufgabe in vortrefflicher Weise. Er be⸗ wies durch seinen mustergiltig ausgearbeiteten Vortrag, daß er sich gründlich mit der sozia⸗ listischen Litteratur vertraut gemacht und daß unsere Partei an ihm eine schätzenswerte Kraft gewonnen hat. Ueberaus reicher Beifall lohnte den Redner am Schlusse seines Vortrags.— Der Vorsitzende teilt mit, daß im Laufe des Winters weitere Vorträge gehalten werden sollten und forderte zu gutem Besuche auf. Abgeordnetenwahl in Gießen. * Herr Rechtsanwalt Metz, bisher Ver⸗ treter der Stadt Gießen im hessischen Landtag, seit drei Jahren Vizepräsident der Zweiten Kammer, hat sein Abgeordnetenmandat nieder- gelegt. Die Wahlmänner, die vor drei Jahren in Gießen gewählt wurden, werden nun demnächst zusammenberufen werden, um eine Neuwahl vorzunehmen. Infolge des famosen indirekten Wahlsystems hat das Volk, nämlich die Gießener Wählerschaft, bei dieser Ersatzwahl nichts mitzureden. Außer Herrn Metz fitzt nur noch ein einziger Vertreter des ehemals in Oberhessen so mächtigen Freisinns im Landtag, Sollte neben der Ernennung zum Notar nicht auch die politische Vereinsamung dazu bei⸗ getragen haben, Herrn Metz zur Mandats⸗ niederlegung zu bewegen? Eine Richtigstellung. * Auf Grund des Preßgesetzes ersucht uns Herr W. Klink um Aufnahme folgender Zeilen: „Zur Richtigstellung des Versamm⸗ lungsberichtes aus Wieseck diene folgendes: 1. Ich bin hier nicht als„privatisierender“, hat als thätiger Bürstenmacher wohn⸗ aft. 2. Bin ich nie und nirgends aus der sozialdemokr. Partei ausgeschlossen worden.“ Unser Berichterstatter mag es sich zur Notiz nehmen, daß Herr Klink kein privatisierender, sondern thätiger Bürstenmacher ist. Die Mit⸗ teilung, daß Herr Klink aus der sozialdemo— kratischen Partei ausgeschlossen wurde, erhielten wir aus guter Quelle. Eisenbahner⸗Verein. * Herr Eisenbahndirektor Schoberth, der zu Großherzogs Geburtstag mit einem Orden aus⸗ gezeichnet wurde, hat in Gießen einen Eisen⸗ bahner⸗Verein gegründet. Demselben traten „sofort“ 280 Mitglieder— Beamte, Unter⸗ beamte und Arbeiter— bei. O, mit welch' köstlichen Gefühlen werden die meisten„be. etreten“ sein. Und wie werden sich diese köst⸗ ichen Gefühle steigern, wenn erst Herr Eisen⸗ bahnsekretär Blum die Notwendigkeit der Flottenvergrößerung beweist und die Mitglieder des Etsenbahner⸗Vereins dann auch für den Flottenverein„gewinnt“. Und wie werden sich erst die kleinen Geschäftsleute freuen, wenn sie noch mehr kaltgestellt werden dadurch, daß man den Eisenbahnern durch Begründung eines großen Konsumvereins Gelegenheit giebt, die Groschen, die sie aus„Flottenbegeisterung“ opfern, durch billigeren Einkauf ihrer Nahrungs⸗ mittel, Kleidungsstücke u. s. w. zu ersparen. Ja, so wird auf allen Seiten die Zufriedenheit mit den bestehenden Verhältnissen gefördert. Hessische Lan deslotterle. * Die Ziehung der ersten Klasse findet nunmehr bestimmt im Monat März statt, die übrigen 5 Klassen werden darauf in der Reihen⸗ folge der Monate April, Mai, Juni und Juli gezogen, im August findet keine Ziehung statt, dann findet wieder die Ziehung der ersten Klasse im September statt und der Reihenfolge nach im Oktober, November, Dezember und Januar. Aus Marburg. st. Die am Samstag, 25. November, bei C. Müfller abgehaltene Parteiversammlung hatte sich eines sehr zahlreichen Besuches zu er⸗ freuen. Die Ursache hierzu mochte wohl darin zu finden sein, daß unser neuer Parteigenosse Alb. Meyer, seither in der Redaktion der nat.⸗soz.„Hess. Landesztg.“ dahier thätig, einen Vortrag über das kommunistische Manifest zu⸗ gesagt hatte. Gen. Meyer erklärte, daß es ihn besonders freue, hier in Marburg, wo er Sozialdemokrat geworden sei, zum ersten Mal mit einem Vortrag öffentlich auftreten zu können. In 1½¼ stündiger, fesselnder Rede schilderte Meyer dann die im kommunistischen Manifest von Marx und Engels niedergelegten Grundsätze und er⸗ läuterte im Anschluß hieran das Gothaer und Erfurter Parteiprogramm. Redner faßte das von uns zu Erkämmpfende zusammen in die Worte Fichte's:„Ein wahrhaftes Reich des Rechtes für Freiheit, gegründet auf Gleichheit alles dessen, was Menschenantlitz trägt“. Leb⸗ hafter Beifall der aufmerksamen Zuhörer folgte dem hochinteressanten Vortrag. Unseren Genossen Mayer aber möchten wir auffordern, uns recht bald wieder mit einem Vortrag zu erfreuen. Nach Schluß der Versammlung verweilten die Genossen noch einige Stunden bei den guten Schoppen unseres Conrad. Erwähnen wollen wir noch, daß auch mehrere Genossen aus Cappel den weiten Weg nicht gescheut hatten und bis zum Schlusse aushielten. Das humane Unternehmertum. Nach den Mitteilungen des Frankfurter Armenamts hat der Versuch der„Aktiengesell⸗ schaft für kleine Wohnungen“, die Arbeitgeber für ihre Zwecke zu interessiren, nicht den ge⸗ wünschten Erfolg gehabt. Es haben drei Fa⸗ briken zusammen 47 Aktien zu je 1000 Mark gezeichnet. Ablehnungen erfolgten wesentlich aus dem Grund, weil die Gesellschaft den Arbeitgebern nicht das Recht zugestehen konnte, den Arbeitern bei Auflösung des Ar⸗ beitsverhältnisses die Wohnung zu kündigen. Dir Sozialdemokraten haben von jeher be⸗ hauptet, daß— absehen von vereinzelten Aus⸗ nahmen, die die Regel bestätigen— die Unter⸗ nehmer lediglich eigennützige Zwecke ver⸗ folgen, wenn sie Arbeiterwohnungen erbauen. Jagdglück. Wie die nationalsoziale„Hess. Ldsztg.“ in ihrer letzten Sonntagsnummer an erster Stelle unter„Deutschland“ mitteilt, hat der deutsche Kaiser in England an einem einzigen Vormittag 89 Fasanen, 390 Kaninchen und 2 Nußhäher geschossen. Außerdem hat der Kaiser an demselben Tage, an dem er ein so riesiges Jagdglück hatte, noch Spazierfahrten gemacht und einen Botschafter empfangen. Scherzhafte Bibelzitate. * Bekanntlich hat es die Kaiserin sehr übel vermerkt, daß ein Berliner Stadtverordneter einige scherzhafte Aussprüche im Zusammenhang Sie erinnert an das mit bekannten Bibelstellen gethan hat. An⸗ läßlich des mißbilligenden Schreibens des Ober⸗ hofmeisters der Kaiserin an die Berliner Stadt⸗ verordneten werden jetzt allerlei Bibelzitate ausgegraben. So wird das Wort des Kaisers in Erinnerung gebracht:„Wer auf Gott ver⸗ traut und feste um sich haut, hat nicht auf Sand gebaut.“ Eine ganze Anzahl scherzhafter Bibelzitate gräbt die liberale„Voss. Ztg.“ aus: Zitat:„Mein erst Gefühl sei Preußschkurant“ und erwähnt den Kommers⸗ buchvers:„Sing, bet und geht auf Gottes Wegen, verricht' das Deine nur getreu, kommt Dir ein schönes Kind entgegen, laß es nicht ungeküßt vorbei!“ Die„Volksztg.“ erinnert daran, daß Uhland gegen den Antrag, in der württembergischen Kammer, die Sitzungen mit Gebet zu eröffnen, protestiert habe mit dem Hinweis:„In der Bibel— Matth. Kap. 6 Vers 6— stände:„Wenn Du aber betest, so gehe in Dein Kämmerlein“, nicht aber,„so gehe in die Kñammer.“ Unter stürmischem Beifall wurde der Antrag abgelehnt. Bekannt ist anch die Antwort des württem⸗ bergischen Hofpredigers Osiander, der, als ihn die herzogliche Geliebte bat, sie in das Kirchen⸗ gebet aufzunehmen, ihr erwiderte: Wir beten alle Tage für Sie, indem wir flehen:„Und er⸗ löse uns von dem Uebel.“ Endlich sei daran erinnert, daß außer Herrn Stöcker, der den be⸗ kannten Vers variierte:„Wenn ich dies Wunder fassen will, so steht mein Geist vor Erfurt still“ auch andere preußische Hofprediger ge⸗ legentlich ein Bibelwort zu travestieren liebten. Kürzlich ging eine Sammlung von Anekdoten durch die Zeitungen, in denen der verstorbene Hofprediger Frommel eine Rolle spielte. In einer dieser Anekdoten erzählt Frommel von einem ermüdenden Marsche, den er mit einem Freunde zurückgelegt hatte. Endlich erreichten sie den ersehnten Gasthof, in dessen Hausthür der freundliche Wirt einladend stand. Frommel begrüßte ihn mit den Worten:„Und da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut.“ Stern war nämlich der Name des Wirtes. Kleine Mitteilungen. ** Landtagswahl. Wie seit Wochen feststand, wurde am Montag Bürgermeister Leun von Großen⸗Linden mit 21 Stimmen zum Landtagsabgeordneten für Gießen⸗Land gewählt. Der Landtag wird sicherlich die Heuchelheimer Wahl und infolgedessen das Mandat des Herrn Leun für ungültig erklären. Sind unsere Heuchelheimer Genossen dann auf dem Damm, so gewinnen wir die drei dortigen Wahlmänner und damit die Mehrheit der Wahlmänner überhaupt. Gießen. Zu einer„Staatsstütze“ erster Güte scheint sich der Student Heinrich Jäger aus Winnerod ausbilden zu wollen, der zur Anzeige gebracht wurde, weil er mit einer langen Pfeife in der Goethe⸗ und Ludwigsstraße Keller⸗ fenster einschlug. Er lief natürlich tapfer davon, als ihm Schutzleute auf den Fersen waren, aber seine Pfeife, die am Schauplatz seiner Helden⸗ that zurückblieb, wurde zum Verräter an ihm. * Gießen. Zur Unterstützung einer An⸗ stalt für epileptische Kinder werden gegenwärtig von einem älteren Manne freiwillige Gaben erbeten. So muß für die Aermsten der Armen das Geld pfennigweise zusammengebettelt werden. Für unnütze Mordwerkzeuge werden Millionen flüssig gemacht, zu denen die Aermsten verhält⸗ nismäßig das meiste beitragen müssen. Die verkehrte Welt. * Professor Schiller. Die philosophische Fakultät der Universität Leipzig erteilte dem hessischen Oberschulrat Dr. Schiller die venia legendi(Lehrberechtigung an der Universität) für Pädagogik. Ja, die Sachsen sein„helle“. Die wissen einen Schiller besser zu würdigen, wie gewisse andere Leute. * In Wieseck findet, wie aus dem Ver⸗ sammlungskalender ersichtlich, am heutigen Sonntag eine Tabakarbeiterversammlung statt. Es ist sehr vonnöten, daß dieselbe gut besucht wird. Ein auswärtiger Redner wird an⸗ wesend sein. ** Wetzlar. Wegen Ueberfüllung einzelner Klassen— bis zu 74 Schülern— der hiesigen 12 l Rt. 4 ittube 1 955 18, e 0 fufele Hul N Auwa pbbel f gal Web de Ne olg erüc 2 iffait abobel lle de löhet. 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Die ö hohssche 10 dell e Jell berftah hele Bel⸗ em heullgel 1 statt, ü beugt 1b al lin hesgel 1* dagegen über das Verhalten der englischen das Blut wallen zu machen. — Sicherlich waren aber viele unserer Leute wie Nr. 49. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 8. evangel. Bürgerschule stimmte die Stadtverord⸗ netenversammlung der Anstellung eines neuen, des 18., Lehrers zu. Beklagt wurde sehr, daß die Stadt einen so geringen Einfluß bei der Anstellung ausüben könne. Der Schulvorstand könne zwar der Regierung drei Bewerber zur Auswaßl eines geeigneten Lehrers vorschlagen, aber sie sei nicht an die Vorschläge gebunden. Bisher sei die Erfahrung gemacht, daß es für Wetzlar erheblich besser gewesen wäre, wenn die Regierung den städtischen Wünschen Folge gegeben hätte, anstatt dieselben un— berücksichtigt zu lassen. * Eine folgenschwere Spinnstuben— affaire. Wie das Gießener Amtsblatt mit— teilt, hat der Staatsanwalt in Gießen auf erhobene Anzeige gegen 12 bis 15 Burschen aus der Gemeinde Pfordt wegen eines nicht näher zu bezeichnenden Spinnstuben u nfugs Untersuchung eingeleitet. Die Opfer in der betr. Affaire waren 15⸗ und 18 jährige Mädchen aus Pfordt und dem benachbarten Queck. Die Strafanzeige ging von letzterer Gemeinde aus. Der Spinnstubenskandal ereignete sich in einer Pfordter Wirtschaft.— Das klingt ja ganz gefährlich. Hoffentlich stellt sich die Sache als weniger schwerwiegend heraus, da sonst die Mucker, denen die Spinnstuben längst ein Dorn im Auge sind, wieder ein gewichtiges Argument gegen die landesüblichen Zusammen— künfte in die Hände bekommen würden. Englische Greuel in Südafrika. Ganz unmenschlich haben sich die Engländer egenüber verwundeten und gefangenen Buren enommen. Aus dem Munde von Engländern selbst kommen die Beweise für die Bestialitäten der englischen Soldknechte. Der einzige wirkliche Sieg, den die Eng⸗ läuder im bisherigen Verlaufe des Krieges er— fochten haben, war das Gefecht bei Elauds— laagte, wo etwa 1000 Buren mit 3 Geschützen auf einer Hügelkette aufgestellt, von einer zwei— bis dreimal so starken englischen Uebermacht angegriffen und geworfen wurden. Ein recht⸗ zeitiger Rückzug der exponiert aufgestellten Truppen der Buren wurde nicht angeordnet, weil der alte General de Kock, als der Kampf begonnen hatte, sich in sein Gebetbuch vertiefte, um von dem Herrn der Heerscharen Hilfe zu erflehen und dann die Sache gehen ließ wie sie wollte. So hielten die Buren auf den Hügeln aus bis zuletzt und erlitten schwere Verluste. General de Kock selbst wurde mit der Bibel in der Hand tödlich verwundet. Die Kanoniere wurden bei den Geschützen niedergemacht von den stürmenden Engländern, die über drei Bataillone Infanterie, etwa 500 Reiter und eine Batterie verfügten. Es ist schon empörend, daß den Kanonieren kein Pardon gegeben wurde, aber da läßt sich allenfalls noch einwenden, daß die Engländer nach einem verlustreichen Bajonett⸗ angriff an sie herankamen. Doch was erfahren wir jetzt aus den brieflich eingetroffenen Be— richten? Grauenvolle Dinge erzählt ein Bericht— erstatter des„Daily Chronile“, der den ganzen Kampf mitmachte, also genaueste Kenntnis von den Vorgängen haben muß. Er weiß nichts von den später ausgestreuten Lügen, daß die Buren die weiße Flagge aufgehißt und daun das Feuer wieder eröffnet hätten. Was er Sol dateska mitteilt, ist stark genug, um einem Er sagt, nach der Erstürmung der Höhe sei immer wieder das Signal zum Einstellen des Feuers gegeben worden,„aber“ fährt er dann fort,„das Feuer hörte nicht anf. Ich weiß nicht, woran das lag.“ Vielleicht leisteten die Buren an einigen Stellen noch Widerstand. betrunken vor Erregung.„Tilgt die Majubaschmach“ war ein beständiger Schrei. Die Buren waren aber geflüchtet. Ihre Ueber⸗ reste taumelten in dem Zwielicht über eine felsige Ebene zu unserer Linken. Dort wurden ie von den Gardedragonern abgefangen, die reimal durch sie hindurchritten. Ein Korporal abstürzten, und zwischen die Felsen rollend, den Kopf mit den Armen schützten und um Pardon baten. Sie baten, man möge sie lieber er⸗ schießen, sie baten darum, nur um dem Stich der schrecklichen Lanze durch Rücken und Eingeweide zu entgehen. Aber nur wenige entgingen ihrem Schicksal. Wir gaben ihnen, wie sie so dalagen, eben einen guten Stich ab.“ Das waren die Worte des Korporals. Am nächsten Tage waren die meisten Lanzen blutig.“ Weder der Berichterstatter selbst, noch das Blatt, das die Mitteilung bringt, findet ein Wort des Tadels darüber, daß diese Lanciers wehrlose Leute, die sich ergeben hatten, rücklings niedergestochen haben. Diese Metzelei, wohlgemerkt, geschah nicht in der Hitze des Ge⸗ fechts, denn die Lanzenreiter überfielen uner— wartet die im Rückzug begriffenen Buren. Man muß stch zur Würdigung dieser Barbarei erinnern, daß die Buren wiederholt nach heftigen Kämpfen gegen Scharen englischer Soldaten so— fort Pardon gegeben haben, sobald sie sich er⸗ geben wollten. Pretoria ist voll solcher Ge— fangener. Was sagen aber nun die Leute in England, die sich über türkische Greuel in Bulgarien und Armenien nicht genug ereifern konnten, über diese englischen Greuel in Südafrika? Bisher nichts, kein Wort. Hoffentlich wer— den die englischen Sozialdemokraten ihre Stimme erheben, wie sie ja von Anfang an in diesem scheußlichen Kriege gegen die Kapitalisten— klique, die ihn angezettelt, gegen deren Sold— knechte und für die Buren sich ausgesprochen haben. 9 9 9 9 e* Partei⸗Nachrichten. Versammlungs⸗Kalender. Samstag, 2. Dezember: Heuchelheim. Arb.⸗Bild.⸗Verein abends 8 ¼ Uhr bei J. Pfaff. Büdingen. Zwecks Vereinsgründung sind alle Ge— nossen zu abends 8 Uhr in das Lokal von Heinrich Meuser hiermit eingeladen. Sonntag, 3. Dezember: Wieseck. Tabakarbeiter nachm. 3 Uhr bei Wacker. Wahlkreis Wetzlar⸗Altenkirchen. Nachmittags 3 Uhr Parteiversammlung bei Löb in Gießen, Kaplansgasse. Tagesordnung: Bericht un⸗ seres Delegierten Ed. Krumm über den Partei- tag in Hannover. Dienstag, 5. Dezember: Kartellsitzung abends 9 Uhr bei Orbig. Der Reichs- und Landtagsabgeordnete für Karlsruhe, Genosse A. Geck, soll nach einer Meldung der„Frkf. Ztg.“ und anderer bürgerlicher Blätter beide Mandate niedergelegt haben, weil er in Konflikt mit der badischen Parteileitung gekommen sei. Der„Vorwärts“ bemerkt dazu:„Wir können auf das bestimmteste versichern, daß die Meldung gänzlich unwahr ist.“ Briefkasten der Redaktion. Nach B. Das Bürgerliche Gesetzbuch tritt am 1. Januar 1900, also in vier Wochen, in Kraft. Ohne besondere Genehmigung darf auch ein Krieger⸗ verein keine„Kollekte“ erheben, das heißt von Haus zu Haus betteln gehen. r.....ññ Gießener Stadttheater. Sonntag, den 3. Dezember. Nachm. 4 Uhr: Als ich wieder kam. Abends 8 Uhr: Hofgunst. Mittwoch, 6. Dez.: Siebente Volksvorstellung. Der Campagne. Freitag, den 8. Dez.: Zurück! Der Netto-Ertrag ist für Weihnachtsbescheerung armer Kinder bestimmt. Unserer heutigen Auflage liegt ein Prospekt des Warenhauses Adolf der Gardedragouer, der mit dabei gewesen ist, erzählte mir, daß die Buren von ihren Pferden Unterhaltungs-Cril. Wiegenlied für meinen Jungen. Schlaf, mein Kücken,— Racker, schlafe! Guck: im Spiegel stehn zwei Schafe, Bläkt ein großes, mäkt ein kleines, Und das kleine, das ist meines! Bengel, Bengel, brülle nicht, Du verdammter Strampelwicht. Still, mein süßes Engelsfüllen: Morgen schneet es Suckerpillen, Uebermorgen blanke Dreier, Nächste Woche goldne Eier, Und der liebe Gott, der lacht, Daß der ganze Himmel kracht. Und du kommst und nimmst die Spenden, Säst sie aus mit Sonntagshänden Und die Erde blüht von Farben Und die Menschen thun's in Garben.— Herr, den Bengel kümmert nischt', Was man auch für Lügen drischt. Warte nur, du Satansrachen: Heute Nacht, du kleiner Drachen, Durch den roten Höllenbogen Nommt ein Schmetterling geflogen, Zusch dir auf die Nase, hu. Deckt dir beide Augen zu; Deckt die Flügel sacht zusammen, Daß du träumst von stillen Flammen, Von zwei Flammen, die sich finden, Nölle, Himmel still verbinden.— So, nun schläft er; es gelang; Himmel, Hölle, Gott sei Dank. Rich. Dehmel. Die Gol dprobe. Von K. Pauli. „Und nun sollst Du auch erfahren, warum ich Deinen freundlichen Besuch erbeten habe“, sagte der Baron Edgar von Bogner zu seinem Freunde, dem Artilleriehauptmann Senius, nachdem er ihn durch alle Räume seiner vor 1 zu langer Zeit gekauften Villa geführt atte. „Ich denke“, erwiderte der Angeredete,„Du wolltest mir Dein Besitztum zeigen. „Ja gewiß, das auch, aber eigentlich handelt es sich um was Anderes, ich will eine Gold⸗ probe veranstalten!“ „Dann hättest Du Dich doch besser an einen Chemiker gewendet!“ „Ach, Du verstehst mich nicht!“ rief lachend der Baron,„es handelt sich nicht um kaltes Metall, es handelt sich um viel kostbareres Gold, um das Vertrauen!“ „Wieso?“ „Höre! Du kennst doch meine Frau! Du weißt, daß sie in jeder Weise vollkommen ist, aber sie hat einen kleinen Fehler, sie ist etwas abergläubisch!“ „Das sind die meisten Frauen!“ „Gewiß, aber alles muß seine Grenzen haben, und deshalb will ich meine kleine Frau auf die Probe stellen, ob ihr Vertrauen zu mir oder ihr Aberglaube stärker ist!“ „Ich bin gegen jedes Auf⸗die⸗Probe⸗stellen, was die Frauen anbetrifft!“ sagte mit eigen⸗ tümlichem Lächeln der Hauptmann.„Kannst Du das Experiment nicht allein ausführen?“ „Nein“, entgegnete der Baron,„Dich, gerade Dich brauche ich dazu. Du bist als gewissen⸗ hafter Mensch bekannt, als Tugendspiegel bei⸗ nahe verschrieen, meine Frau hat zu Dir ein unbegrenztes Vertrauen——“ „Und?“ unterbrach ihn der Andere. „„Und dieses Vertrauen soll ihr die Absicht⸗ lichkeit des kleinen Scherzes garantieren, denn, wer kann mit— Du wirst mich schon ver- stehen!“ Damit zog er den Freund fort und ließ ihn nicht eher los, bis sie in dem reizend eingerichteten Boudoir der jungen Frau standen. Dort nahm der Baron ein Kästchen maurischer Arbeit vom Kaminsims, öffnete es und zeigte dem Hauptmann ein kleines Fläschchen, das eine wasserhelle Flüssigkeit enthielt. „Siehst Du dieses Fläschchen?“ fragte er. Baer hier bei, worauf wir hiermit hinweisen. „Da ich nicht t blind bin“, entgegnete der Hauptmann,„muß ich es wohl sehen!“ eee ene 5 r 3 Seite 6. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 49. „Weißt Du auch, was es ist?“ von dem heute Geschehenen nichts sagen, son⸗„Weißt Du“, sagte er,„bis jetzt habe ich „Nein!“ dern sie nur im Hinweis auf meine sonstige immer den Aberglauben verlacht, aber hier stehe „Ein Talisman!“ „Ein Talisman?“ „Jawohl, Elli und ich haben dieses Fläsch⸗ chen auf unserer. gekauft.“ „In Spanien?“ „Ganz recht, in Spanien. In Granada, in den Ruinen der Alhambra wurde es uns von einem alten Zigeunerweib zum Kaufe an⸗ geboten.„Diese Flasche“, sagte die Alte, zeuthält ein Zauberwasser. So lange die Treue in Ihrem Hause wohnt, wird der Inhalt der Flasche hell und klar bleiben, bricht aber eins der Ehegatten dem andern die Treue, wird er schwarz wie Tinte!“ „Und bis jetzt ist er geblieben?“ fragte der Hauptmann. „Natürlich!“ entgegnete der Baron.„Oder zweifelst Du an meiner Gewissenhaftigkeit als Ehemann!“ „Nicht im mindesten! Im übrigen glaubst Du doch nicht an solchen Unsinn?“ „Bewahre! Ich weiß, daß es einfaches Wasser oder höchstens Spiritus ift, womit uns die alte Hexe betrogen hat, aber meine liebe Elli glaubt daran, und deshalb will ich sie eben bon dieser Schwäche kurieren oder mich wenigstens überzeugen, ob ihr Aberglaube stärker ist oder ihr Vertrauen zu mir!“ „Und was soll ich dabei?“ „Du sollst der Zeuge meiner jetzigen Hand⸗ lung sein und sollst mir den Vorgang vor meiner Frau bestätigen!“ „Wie denn?“ „Paß nur auf!“ sagte der Baron, öffnete das Zauberfläschchen und goß seinen Inhalt in die Asche des Kamins. Dann zog er eine Flasche voll Tinte aus der Tasche, füllte das Fläschchen mit der schwarzen Flüssigkeit, legte es wieder in das maurische Kästchen und stellte dieses an seinen alten Platz auf dem Simse des Kamins. „Verstehst Du nun?“ fragte er. „So halb und halb!“ „Morgen nun“, fuhr der Baron fort, ohne den Einwurf des Hauptmanns zu beachten, „kommt meine kleine Elli von ihrer zwei⸗ monatigen Sommerreise zurück, sie wird natür⸗ lich nach ihrem Talisman sehen, findet das Wasser schwarz und hält mich für den schwär⸗ zesten Verräter. Ich werde ihr selbstverständlich DDr 1 Samstag, 2. Dezember: 2 Geschäfts⸗Empfehlung. 2 a 6 Meinen werten Freunden und dem geehrten Publikum 2 von Lollar und Umgegend, zeige ich ergebenst an, daß ich mein 5 3 e biesiges 1 F35F5**VVVÄtn. 6 Mäübel- Luger 2 f N eröffnet habe. Ich empfehle: 1 L 1 0„ Kleiderschräuke Sophas 2 0 8 b 0 9 f a Küchenschräuke Schreibtische 4 Nachtschränke Aus ziehtische in, ½, ½¼ Flaschen 9 9 0 g e 6 5 f 1 9 U R Fete Taunnsoognac-Breuer Stühl Spiegelschränke 4 8. 0 0 3 Fritz. Scheller Söhne, 2 Sämtliche Möbel in Lack⸗ und Polster ausführung. 2 Homburg. Als passende Weihnachtsgschenke AnerkanntseinsteJarke. 9 empfehle ich mein gediegenes Lager in Nr. 1 per Flasche M. 5.— 9 Rohrsesseln.— 7 5 7 7 75 Ich übernehme die Lieserung sämtlicher Ausstattungen J, 4 5 9 2 0 7 und gewähre bequemste Zahlungsweise.„ 5 0„ 1.80 8 Heinrich Frank, Schreiner ee een 00 9 in Lollar. 7 W e. ige Niederlage: * alcdell. Consan Halle * Unserm Kollegen Inh. W. Schmidt F. r,ο,tber g. Ph. Sch. Heuchelheim b. Gießen. Sonntag, 3. Dezember 1889, nachmittags 3 Uhr: Oeffentliche bei wiederhallt. Gastwirt Ihl„zur Stadt Newyork“ vom Parteitag. zu seinem 32. Geburtstage ein dreifach donnerndes E. Hoch! F. OGelksversammlung daß es 8 ch erschallt und beim Rheinländer am runden Tisch Lieber Ph. dieser Spaß kostet Dich ein Faß, aber nicht so klein, denn Berichterstattung wir sind unser neun. ö Deine durstigen Kollegen. Zuverlässigkeit zu beruhigen suchen. Glaubt sie mir nicht, so erscheinst Du, denn ich rechne darauf, daß Du morgen mein Gast zu Tische bist, und erzählst, was heute hier vorgegangen ist, da muß sie sich doch schümen— wie?“ „Ja, das müßte sie wohl eigentlich!“ ent⸗ gegnete der Hauptmann trocken. „Also ich kann auf Dich rechnen?“ „Zu Tische? Gewiß.“ Mit einem kräftigen Händedruck schieden die beiden Freunde.—— Am andern Tag stellte sich der Hauptmann pünktlich zur Tischzeit ein. Nach der offiziellen Begrüßung nahm ihn der Baron bei Seite. „Sie hat noch nichts gesagt“, flüsterte er. „Vielleicht hat sie noch nicht nachgesehen“, gab der Hauptmann zurück. Das Diner verlief in der angenehmsten Weise, die junge Frau war reizend und gab in allerliebster Weise einige kleine Reiseabenteuer zum besten. Nach dem Kaffee konnte es der Baron nicht mehr aushalten, unter dem Vorwande, dem Freunde die Einrichtung der Billa zu zeigen, führte er ihn trotz des Sträubens der jungen Frau in deren Boudoir. „Ah!“ rief er dort, als käme er beim An⸗ blick des maurischen Kästchens plötzlich auf einen Einfall,„sag', Elli, hast Du denn schon Deinen Talisman befragt, ob ich Dir denn auch in der langen Zeit treu gewesen bin?“ „Wie häkte ich das nötig“, lachte die junge Frau,„mein Vertrauen zu Dir ist unbegrenzt 1 Edgar warf dem Hauptmann einen Blick voll glückseligsten Gattenstolzes zu; seiner Frau gegenüber aber legte er sein Gesicht in ernste Falten und erwiderte:„Ueberzeugung ist besser als Vertrauen— überzeuge Dich doch!“ „Wie Du willst!“ entgegnete Frau Elli, nahm das Kästchen herunter und hielt das Fläschchen gegen das Licht. Die beiden Freunde wechselten einen kurzen Blick maßlosen Erstaunens, der Inhalt des Fläschchens war hell und klar wie Krystall. Es trat eine kleine Pause ein, die der Hauptmann benutzte, um sich wegen dienstlicher Angelegenheiten zu empfehlen. Der Baron begleitete seinen Freund bis zur Treppe. ich doch wirklich vor einem Rätsel!“ („Simplicissimus“.) Respekt vor Großen. „Welch ein Held muß jener sein, Thatenreich, fromm und gelehrt!“ Sagt ein Gast im Hundverein, „Daß ihn jeder wedelnd ehrt, Daß sich keiner vor ihm muckt, Vor ihm sich der beste duckt? Thut mir seine Thaten kund!“ „Ach“, sagt' ihm ein andrer Hund, „Dieser Mächtige zerreißt Den, der ihm nicht Ehr' beweist!“ (Aus Abraham Emanuel Fröhlichs Fabeln.) Gemeinnütziges. Zum Fang von Ratten und Mäusen. Ein gutes Mittel, die Mäuse oder Ratten in die aufgestellten Fallen zu locken, ist, den in der Falle sich befindlichen Köder mit einem Tropfen Rosenholzoͤl zu benetzen. Der Geruch dieses Oels, den diese Tiere be⸗ sonders lieben, zieht sie so unwiderstehlich an, daß sie unfehlbar an den gelegten Köder gehen und so gefangen werden können. Das Rosenholzöl erhält man in allen Apotheken.— Zum Bauernfang pflegen sich die Antisemiten meistens eines Pelzes zu bedienen. Die Bauernfänger, die keinen Pelz besitzen, versuchen es, sich einen solchen zu pumpen. Sie tropfen dann aber kein Rosenöl auf den Pelz, sondern stecken sich einen Hundert⸗ markschein in die Brusttasche. Da man Hundertmark⸗ scheine nicht, wie Rosenöl für 10 Pfg. in Apotheken kaufen kann, so pumpen sich die antisemitischen Bauern⸗ fänger zu dem Pelz auch noch den Reichskassenschein. Nähere Auskunft erteilt gewiß gern der konservative Zeitungsverleger Thiele in Halle. Humoristisches. Segenreiches Wirken. Fremder:„Der hiesige Verschönerungsverein thut wohl sehr viel für die Gegend?— Bauer:„O ja, im vergangenen Jahre sind erst wieder Bänke und Wegweiser aufgestellt worden, da haben wir den ganzen Winter Brennholz gehabt!“ 5 Ein Kunststück.„Denken Sie nur, Frau Maier, mein Neffe, der Schreinerlehrling, fiel gestern in einen großen Leimbottich und wäre beinahe drin erstickt.“ —„Was Sie sagen! Und wie hat er sich gerettet?“— „Nun, er ist einfach aus dem Leim gegangen.“ Christbaumlichter und -Schmuch in großer Auswahl .. zu billigsten Preisen liefert Emil Bender Markplatz 18. Bersand nach Auswärts. FD ————— Kegelklub,Gutholz“ Wiesek. PSS eee General- Versammlung. Friedr. Schupp turnacher . LOLL AR empfiehlt sein reichhaltiges Lager in Regulateuren, Wand-, Stand-, Wecker- und paschen-Uhren sowie in Gold- und Silberwaren zu billigsten Preisen. 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Verlag der Mitteld. Sonntags⸗Zettung(E. Krumm), Gietzen. Verantwortl. Redatteur Ph. Schei demann, Gießen.