2725 r — 2 9. le 5 e 2 5 one“. agel. 1 I dau altige haben, abgelehnt. Nr. 36. Gießen, Sonntag, den 3. September 1899. 5. Jahrg. Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Sonnt Mitteldeutsche Redaktionsschluß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. — ä Ugs⸗Zeitung. Abounementspreis: Bestellungen Juserate Die„Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung“ kostet durch unsere] nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die] finden in der„M. S.⸗Ztg“ weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig.] Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindestens Durch die Post bezogen vierteljährlich 90 Pfg. Direkt durch] Druckerei, Schloßg. 13, sowie jede Postanstalt und 4 mal. Bestellung gewähren wir 25%, bei 6 mal. Bestellung die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Auf die Schanzen! n. Zu denjenigen Kreisen, die an den be— vorstehenden Landtagswahlen beteiligt sind, ge— hört auch der 5. oberhessische: Gießen-Land. In den letzten 6 Jahren wurde dieser Kreis von dem Antisemiten Baer vertreten, oder besser gesagt: nicht vertreten. Wer hat jemals etwas von Herrn Baer gehört? Wer und was ist Herr Baer? Was hat er je im Landtag für seine Wähler gethan? „Keiner weiß von Nix!“ Der Kreis Gießen-Land mit seiner fast aus⸗ schließlich kleinbäuerlichen und Industriearbeiter— Bevölkerung war eben 6 Jahre lang un⸗ vertreten im Landtag. Herr Baer ist er⸗ freulicher weise einsichtsvoller, als man erwarten durste; er hat eine abermalige Kandidatur, die ihm die Antisemiten um Köhler angeboten Das ist brav von ihm; er ist wohl nicht nur zu der Ueberzeugung ge⸗ kommen, daß diesmal die Trauben sehr hoch hängen, sondern auch, daß er nicht der richtige Mann für unsern Kreis istzer geht klüglich von selbst. Weniger einsichtsvoll als Baer ist sein Parteigenosse Hirschel— übrigens ein noch ver⸗ dächtigerer Name als„Baer“ für einen Anti⸗ semiten. Man sollte Herrn Ahlwardt beauf⸗ tragen, einmal Herrn Hirschel auf seine Rassen⸗ reinheit zu untersuchen. Wir vermuten semitisches Blut in den Adern derer von Hirschel. Herr Hirschel, jetzt Redakteur des von uns wegen seiner jeden Witzes baren wüsten Schimpferei oft beleuchteten Arizona⸗Kickers in Offenbach, hat die Kandidatur für die Anti⸗ semiten, resp. für die neueste Firma derselben: „Hessischer Bauernbund“ angenommen. Er, der glühende Hasser der Arbeiterbewegung, der Schwärmer für den Kanitz'schen Brodwucher⸗ antrag, er, der vom junkerlichen Bund der Landwirte mit einem Anerkennungsschreiben diplomierte einseitigste Interessenvertreter der Manschettenbauern, er hält sich für den ge⸗ eigneten Mann, den Kreis Gießen-Land im hessischen Landtag zu vertreten. Herr Hirschel, das Werkzeug des Abg. Köhler, der den Dienstboten die Vorteile der Gewerbeordnung mißgönnt, der sie unter der strammen Gesinde⸗ ordnungs⸗Fuchtel belassen will, derselbe Herr Hirschel, der in seinem Blatt den wütenden Artikel gegen die billigen Arbeiterbillets auf den Eisenbahnen publizierte, einen Artikel, der dem rückständigsten ostelbischen Junker alle Ehre gemacht hälte, eben dieser selbe Herr hirschel in Offenbach bewirbt sich um das Nandat für Gießen⸗Land! Derselbe Herr hirschel, den die Odenwälder Bauern 1893 hertrauensvoll in den Reichstag schickten, ihm aber 1898 enttäuscht den Laufpaß gaben, tben dieser selbe Rückwärtspolitiker, den sie im Ddenwald nicht gebrauchen konnten, hält sich für den richtigen Mann, den Land⸗Kreis Gießen u„vertreten“. Und er hat versprochen, mit valler Kraft“ zu arbeiten, um das Mandat für die antisemitische Partei zu erhulten. Mit den „cträften“ des Herrn Hirschel ist es nun aller⸗ hings nicht weit her. Wir sind überzeugt, daß e von seinen„Kräften“ auch nicht allzuviel in der Oeffentlichkeit zur Schau stellen wird. Die h der antisemitischen Versammlung, die ihn zu rem Kandidaten proklamierte, erfolgten Aus⸗ emandersetzungen über die bei der Wahl„ein⸗ zuschlagende Taktik“ wurden in dem Blatt des Herrn Hirschel in Offenbach fein säuberlich verschwiegen. Wahrscheinlich in der richtigen Voraussetzung, daß über die bei den Antisemiten gebräuchlichen unübertrefflich schäbigen Mittel ohnehin kein Mensch im Zweifel ist. Wer eri nerte sich nicht, wie bei der letzten Reichstagswahl die Antisemiten noch kurz vor Thoresschluß mit Flugblättern heranrückten, welche alle die Verleumdungen und Lügen, die schon wochenlang vorher in unserer ge— samten Parteipresse als solche gekennzeichnet waren, noch einmal auskramten! Auf weit Schlimmeres müssen wir bei der Landtagswahl gefaßt sein. Das indirekte Wahlsystem erleichtert den Antisemiten die Anwendung schäbiger Agitations⸗ mittel. Es gilt deshalb schon jetzt, die Wähler im Gießener Landkreis zur Vorsicht zu ermahnen.— Die Parteiverhältnisse im 5. Kreise liegen derart, daß bei direkten Wahlen das Mandat dem sozialdemokratischen Kanditen absolut sicher wäre. Denn es wurden bei den letzten Reichstagswahlen in den 20 Gemarkungen, die den Wahlkreis bilden, für die sozialdemo⸗ kratische Partei rund 400 Stimmen mehr abgegeben, wie für die gegnerischen Par⸗ teien zusammen. Jede gegnerische Kan⸗ didatur wäre also aussichtslos bei direkter Wahl. Auf das indirekte Wahlverfahren und die dadurch erleichterte Anwendung„anti⸗ semitischer“ Wahlkniffe setzen deshalb die um Köhler und Hirschel ihre Hoffnungen. Diese antisemitischen Hoffnungen zu Schan⸗ den zu machen und den Kreis Gießen-Land für die Sozialdemokratie zu erobern, das ist die ehrenvolle Aufgabe der arbei⸗ tenden Bevölkerung im 5. Kreis. Wir lassen hier eine Tabelle folgen, die jedem Wähler ein klares Bild von den Partei⸗ verhältnissen im Kreis Gießen⸗Land giebt. 5 Abgegebene Stimmen bei der 2 Wahlbezirke Weicgtagzwahl 1898. 8 des auptwahl Stichwahl S 5. oberhessischen f— Landtags⸗ 8 EE 23 2 3 8 Wahlkreises. 3 Gießen⸗Land. 8 8 88 3 E 322 S 8 S S2 8 Allendorf a. Lahn. 27 42 69] 27 780 300 1 Alten⸗Buseck. 22— 22 1710 11 1772 Annerod. 0 37 43 8 56 16 1 Daubringen 34 8 42 69] 380 74/1 Garbenteich 5 12 35 47] 510( 580 5601 Großen⸗Buseck 42 49 91 1100 84 1243 Großen⸗Linden 43 82 125 95 120 102, 3 i 23 10 33 42 29 400 1 Heuchelheim 67 21 88 268] 73 281 3 Klein⸗Linden 26 40 69 880 95/ 87 2 Langgöns 25208 2330 12 284 9 2 Leihgestern. 878 86] 84 105 114 2 Lollar. 81 45/126 132 111 130,2 Mainzlar., Oppen rod. 4 20 300 6] 430 30 1 Rödgen und Trohe. 22 12 34] 94] 46] 95s 1 Ruttershausen⸗Kirchbg. 6 38 44] 17] 54 180 1 Staufenbg. m. Friedelh“ 9 12 21 35 39 391 Watzenborn⸗Steinberg 17 83 106 1688 99 174] 3 Wieseck. 65 1 66 339] 31 3620 5 20 Wahlbezirfe 548 900/14 78f1827153 60103437 jeder Landbriefträger entgegen.(Post⸗Z.⸗Kat. 43 12a.) 33¼% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt Diese Tabelle zeigt untrüglich, in welchen Wahlbezirken wir stark und in welchen 05 noch schwach sind. Die Genossen in den erstgenannten Orten dürfen sich nicht in Sicherheit wiegen und die Genossen in den noch schwach sozialdemo⸗ kratischen Orten müssen ihre ganze Kraft ein⸗ setzen, um immer neue Anhänger zu werben, auf daß auch ihre Wahlbezirke ehrenvoll im bevorstehenden Wahlkampf bestehen. Auf die Gleichgültigkeit, auf die Wahlfaulheit der Arbeiter bauen die Antisemiten ihre Hoffnung. Die Arbeiter, die in Gießen schaffen, werden nicht zur Wahl heimfahren, weil sie unter Um⸗ ständen einen halben Tagelohn einbüßen müssen — so kalkulieren die Antisemiten. Darauf bauen sie ihre Hoffnungen. Die Arbeiter werden den Beweis erbringen, daß sich die Junker⸗ trabanten verrechnet haben. Der Arbeiter bringt für seine Ueberzeugung gern ein Opfer. Um sein Wahlrecht ausüben zu können, um einem seiner Gesinnungsgeuossen zum Siege zu ver⸗ helfen, scheut er nicht davor zurück, auch einmal einen viertel oder einen halben Tag zu opfern. „In wenigen Wochen müssen die Wahl⸗ männerwahlen stattfinden. Sorgt dafür, ihr Arbeiter in Schacht und Feld, in den Fabriken und Werkstätten, daß sie uns den Sieg bringen. Zwei Männer stehen sich diesmal bei der Wahl gegenüber, die euch eine Entscheidung leichter denn je machen. Auf der einen Seite der Ver⸗ treter der Manschettenbauern, der ehemalige Architekt Otto Hirschel in Offenbach, den keiner von euch kennt, von dem nur allgemein be⸗ kannt ist, daß ihn die Odenwälder heimgeschickt haben, daß er in seinem Blatt sowohl, wie auch in Versammlungen, die Sozialdemokratie auf das schmachvollste verunglimpfte, kurz: ein wütender Arbeiterfeind— und auf der anderen Seite steht unser Genosse Philipp Scheidemann in Gießen. Wer ist unter euch, der ihn nicht kennt? Kein Dorf des Landtagswahlkreises, in dem euer Kandidat Scheidemann nicht zu euch ge— sprochen hätte! Kein Dorf im Kreis, aus dem nicht schon Leute bei ihm sich Rat geholt hätten! Mitten im Wahlkreis wohnend, jedes Dorf kennend, von fast allen Wahlberechtigten mindestens von den Volksversammlungen her persönlich gekannt, hat er seit Jahren schon vielen Hunderten mit Rat und That zur Seite gestanden. Zu wem geht der Arbeiter, wenn er in gewerbliche Streitigkeiten verwickelt wird? Zu wem gehen die städtischen und ländlichen Dienstbeten, Knechte und Mägde, wenn sie in Konflikte mit ihren„Herr⸗ schaften“ kommen? Wo holen sich all die vielen Bedauernswerten, denen die Berufs⸗ genossenschaften wegen Unfallangelegen⸗ heiten die unglaublichsten Scherereien machen, Rat? Wo sucht ihr Aufklärung, wenn es sich um strittige Fragen in der Kranken-, in der Alters- und Invaliditätsversicherung handelt? Wer hat Hunderten zur Seite ge— standen, die mit Behörden und Gerichten zu thun hatte? Wer hat viele vor zweifelhaften Prozessen bewahrt? Wohin geht ihr, wenn gegen euch angethanes Unrecht in der Zeitung öffentlich Protest erhoben werden soll? auf dem Spiel steht. Seite 2. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 36. Wohl kein Dorf im 5. oberhessischen Land⸗ tagswahlkreis, in dem es unbekannt ist, daß unser Landtagskandidat Ph. Scheidemann in Gießen jedermann allezeit gern mit Rat und That zur Seite gestanden hat, wenn er deshalb angegangen wurde. Die Manschettenbauern werden trotzdem den Wahlmännern des Herrn Hirschel in Offenbach ihre Stimme geben. Die kleinen Bauers⸗ leute aber und die Arbeiter werden ihre ganze Krast einsetzen, um ihrem Kandidaten zum Siege zu verhelfen, dem Redakteur Ph. Scheidemann, von dem ste wissen, daß er Herz und Mund am richtigen Fleck hat, von dem sie wissen, daß er die Interessen des Wahlkreises im Landtag energisch vertreten würde. Nun Hand an's Werk ihr Kleinen, die ihr nichts von Konfusionspolitik wissen wollt. Hand an's Werk, all ihr Arbeitsbienen, die ihr in Fabriken oder hinterm Pflug für den Kapi⸗ talismus frohnden müßt! Trefft die Wahl⸗ vorbereitungen, stellt die Wahlmänner auf— organ isiert den Wahlkampf. Klärt die Gleichgültigen auf, sagt ihnen, was Ueberzeugt jeden ein⸗ zelnen davon, daß es in jedem Dorf auf eine Stimme ankommen kann, daß es deshalb un—⸗ umgänglich notwendig ist, daß jeder wählt. Auf die Schanzen, Genossen! Politische Rundschau. Gießen, den 1. September. Geschlossen! Am Dienstag wurde das preußische Herren— haus und das Abgeordnetenhaus geschlossen. Fürst Hohenlohe verlas die Thronrede. Zum Schluß heißt es in derselben: Aufs Tiefste muß die Regierung es bedauern, daß das große Kanalunternehmen zur Verbindung von Rhein, Weser und Elbe, welches einem dringenden Ver⸗ kehrsbedürfnis entspricht und den Osten und den Westen der Monarchie wirtschaftlich noch inner vereinigen soll, die Zustimmung des Hauses der Abgeordneten nicht ge⸗ funden hat. Sie hält im allgemeinen Interesse der Landes wohlfahrt an diesem großen Werke un verbrüch⸗ lich fest und gibt sich der sicheren Erwartung hin, daß die Ueberzeugung von dessen Notwendigkeit und Bedeutung im Volke immer mehr Boden fassen, und daß es bereits in der nächsten Session gelingen wird, eine Verständigung darüber mit dem Landtage der Monarchie herbeizuführen. Wie wohlthuend sanft und friedlich, dieser Schluß. Was werden die Junker geschmunzelt haben. Große Worte, aber keine Thaten, das war die Signatur des preußischen Mini⸗ steriums gegenüber der Kanalfronde. Es ist nützlich, die großen Worte aus den letzten Ministererklärungen im preußischen Abgeord— netenhause zu wiederholen. Der Reichskanzler Fürst Hohenlohe verlas vor Beginn der zweiten Beratung der Kanalvorlage am 15. Juni eine Erklärung im Namen der Staatsregierung, an deren Schluß es heißt: „Die Staatsregierung muß aber entscheidenden Wert darauf legen, daß die Vorlage noch in dieser Tagung des Landtags zur Erledigung gelangt.“ Vor Schluß der zweiten Beratung am 17. August 1899 erklärte Minister v. Miquel: „Die Staatsregierung sieht die Sache als eine hochwichtige und die Entscheidung dieses Hauses als eine sehr ernsthafte an. Ich bitte also, von diesem Standpunkt aus bei der schließlichen Abstimmung die Frage sich noch einmal vorzulegen, auf welche Seite sich der Vaterlandsfreund stellen muß.“ Minister v. Miquel schloß eine Rede in der dritten Beratung am Sonnabend mit den Worten: „Ich habe die Ueberzeugunz und muß es mit Be⸗ dauern sagen, daß der Widerstand der konservativen Partet ohne irgend welche Rücksicht auf die Gesamtlage des Landes in politischer und wirtschaftlicher Beziehung sowohl in erster als in zweiter Richtung unheilvolle Folgen haben wird.“ Vor Schluß der dritten Beratung am Sonnabend erklärte der Reichskanzler Fürst Hohenlohe: „Die Frage des Mittellandkanals kann nicht allein und für sich behandelt werden, denn sie wird weit⸗ tragende Folgen in Bezug auf das bisherige Verhältnis der konservativen Partei zur Regierung haben.“ Mit diesen großen Worten vergleiche man die sanften Töne des Reichskanzlers bei dem Landtagsschluß. Die Abstrafung der Beamten, die im preußischen Abgeordnetenhause gegen die Kanalvorlage gestimmt haben, wird von verschiedenen Seiten als unmittelbar be⸗ vorstehend angekündigt. Diese Maßregel wäre nicht nur kleinlich, sondern widerspricht auch dem Artikel 84 der Verfassung, daß die Abge⸗ ordneten„für die Abstimmungen in der Kammer niemals, für ihre darin ausgesprochen Meinungen nur innerhalb der Kammer auf Grund der Geschäftsordnung zur Rechenschaft gezogen wer⸗ den können.“ Politisch abhängige Beamte gehören frei⸗ lich nicht in ein Parlament, sind sie aber einmal darin, so haben sie die Pflicht, ihrer Ueber⸗ zeugung zu folgen und dem Willen ihrer Wähler. Die Zahl der Landräte, welche am 17. und 19. August in allen vier Abstimmungen gegen den Kanal gestimmt haben, beträgt 18. Dazu kommen 2 Regierungspräsidenten. Außerdem haben in allen 4 Abstimmungen gegen den Kanal gestimmt neben einem bereits gemaßregelten Prof. Irmer zwei Regierungsräte und ein Konsistorialrat. Die Regierung vergrößert zwar mit solchen Maßnahmen die Schwere und Kläglichkeit ihrer Niederlage, aber sie zeigt doch in dieser Frage eine gewisse Konsequenz. Wenn Herr Podbielski es nicht duldet, daß die Post⸗Unterbeamten sich organisieren, wenn ein socialdemokratischer Physiker nicht an der Universität lehren darf, dann ist auch schließlich die Forderung zu ver⸗ stehen, daß Beamte in solchen Fällen Ordre zu parieren haben und sich allen Wünschen der vorgesetzten Behörde zu unterwerfen haben. Wenn der Staat über ein Heer charakter⸗ loser, knetbarer und biegsamer Knechte herrschen will, uns kann's recht sein. Elne Majestätsbeleidigung! Der Vorwärts wurde kürzlich wegen einer angeblichen Majestätsbeleidigung beschlagnahmt. Selbst mit den besten Vergrößerungsgläsern war aber keine einzige Notiz in der betreffenden Nummer zu finden, die auch nur entfernt hätte ahnen lassen, worin die Beleidigung erblickt werden könnte. Die gesamte Presse, bis auf den Gießener Anzeiger, mißbilligt das Vor⸗ gehen gegen den Vorwärts und das will schon was heißen. Hören wir das Gießener Amts⸗ blatt über die Sache: „Wir erwähnten bereits die Beschlagnahme einer Beilage des„Vorwärts“, in der von einer Denunziation wegen Majestätsbeleidigung berichtet worden war und zwar unter der Ueberschrift:„Der größte Schuft im ganzen Land“Allerdings konnte wohl die Ergänzung des angedeuteten Verses von Hoffmann v. Fallersleben:„Das ist und bleibt der Denunziant“ als bekannt vorausgesetzt werden, sodaß über den Sinn der Ueberschrift wohl kein Zweifel bestehen konnte. Am Samstag ist nun der verantwortliche Redakteur des„Vor⸗ wärts“ von dem Untersuchungsrichter vernommen worden, wobei ihm eröffnet wurde, daß gegen ihn die Untersuchung wegen Majestäts-Beleidi⸗ gung eingeleitet sei, weil die Ueberschrift jenes Artikels auf den Kaiser() bezogen worden sei.„Wenn die Notiz in der„National⸗Zeitung“ gestanden hätte, so würde man sie, meinte der Herr Untersuchungsrichter, für un⸗ bedenklich halten. Aber da sie im„Vorwärts“ zu lesen war, so könne man sich einer derartigen bösen Absicht wohl versehen.“ Der„Vorwärts“ meint weiter dazu: „Bisher haben wir geglaubt, es gehöre zu einem gericht⸗ lichen Einschreiten eine strafb re Handlung. Jetzt hören wir, daß die Voraussetzung einer bösen Gesinnung ge⸗ nügt, um in jede, noch so harmlose und untadlige Hal⸗ tung ein Delikt hinein zu interpretieren.“ Darin hat das Blatt leider nicht unrecht. In der That dient hier nur die Voraussetzung einer bösen Gefinnung dazu, um einem vollkommen verständlichen und in keiner Weise strafbaren Ausdruck gewaltsam einen Sinn unter⸗ zulegen, den ihm bei einiger Ueberlegung kein vernünf⸗ tiger Mensch unterlegen kann. Eine solche Verdrehung eines einfachen Thatbestandes nur auf der Grundlage, daß dem Beschuldigten das in Rede stehende Verbrechen zuzutrauen ist, zeigt unsere Staatsanwaltschaft auf einem bedenklichen Abwege, die ihr Ansehen um so mehr untergraben muß, als von einer Verurteilung doch unmöglich die Rede sein kann.“ Schade, daß in den Amtsblättern derartig vernünftige Aeußerungen gar zu selten zu finden sind. Schade, aber erklärlich! Zur Zuchthaus ⸗ Vorlage. Nur aus Müdigkeit haben die National⸗ liberalen sich in der ersten Lesung gegen die Zuchthausvorlage erklärt, so erklärt der„Hann. Courier“, eines der einflußreichsten national⸗ liberalen Blätter. Er versichert, „daß ein großer Teil der Partei von der Notwendigkeit eines verstärkten Schutzes der Arbeitswilligen überzeugt und daher bereit ist, am Ausbau des§ 153 der Ge⸗ werbe-Ordnung im Sinne des ersten Para⸗ graphen des gegenwärtigen Gesetzentwurfs positiv mitzuwirken. Das ist aber weder etwas Neues, noch wird es etwas Verwunder⸗ liches haben, wenn diese Bereitwilligkeit in der Herbsttagung des Reichstages mit größerem Nachdruck ausgesprochen wird, als es am Schlusse einer übermüdeten Session der Fall war.“ Gewiß, das ist weder neu noch verwunder⸗ lich. Und darum verdienen die Nationalliberalen auch die Blamage, die sie fortgesetzt erleiden.— Einen neuen Beitrag zu dem Kapitel: „Ift eine Zuchthausvorlage nötig?“ liefert eine Verhandlung, die soeben vor dem Landgericht in Stendal stattgefunden hat und mit der Verurteilung des Vorarbeiters Friedrich Habermann wegen Erpressung(ö) zu neun Monaten Gefängnis endete. Habermann hatte im Namen und Auf⸗ trage seiner Arbeitsgenossen auf dem Ritter⸗ gute Neuermark in der Altmark eines Abends im Juli erklärt, sie würden für den bisherigen Lohn nicht weiter arbeiten; für den Morgen Raps zu mähen verlangten sie drei Mark. Als diese Forderung nicht bewilligt wurde, gaben am nächsten Morgen die Arbeiter, an ihrer Spitze Habermann, die Erklärung ab, sie würden die Arbeit niederlegen, wenn sie nicht einen Tagtlohn von 2,50 Mark erhielten. Sämtliche Arbeiter, mit Ausnahme von zweien, stellten thatsächlich sofort die Arbeit ein, als auch diese Forderung abgeschlagen wurde. An⸗ geklagt wurde nur der Vorarbeiter Habermann. Obwohl er ausführte, daß er lediglich die Wünsche seiner Mitarbeiter vorgebracht habe, wurde er der Erpressung für überführt erachtet.— Arbeiter, haltet zusammen! So'n Spaß! Im preußischen Herrenhaus hat am Frei⸗ tag die Berathung eines Kommissionsantrags, der sich für die Genehmigung der strafrecht⸗ lichen Verfolgung des„Vorwärts“, wegen Herrenhaus⸗Beleidigung ausspricht, zu einer nicht uninteressanten Erörterung geführt. Graf v. Hutten⸗Czapski sprach seine Verwunderung über den Strafverfolgungs⸗ Antrag des Justiz⸗ ministers aus, da das Staatsministerium selbst „angesehene Zeitungen“ nicht verfolgt habe, die nach Form und Inhalt das Staats ministerium beleidigende Artikel gebracht hätten. Viel schlimmer als Beleidigungen des Herrnhauses in der Presse sei. daß die amtliche„Berliner Korrespondenz“ über die Sitzung des Herren⸗ hauses betreffs der Zuchthausvorlage einen Ar⸗ tikel gebracht habe, der an Ungenauigkeit nichts zu wünschen übrig lasse. In echt junker⸗ lichem Tone behandelte Graf Klinckowström die Angelegenheit. Wenn die Strafe auch nicht sehr hoch sei— führt er nach dem Bericht der „Freis. Ztg.“ aus— so werde es dem„Vor⸗ wärts“ doch eine Menge Geld kosten. Durch Geldstrafen könne man die Sozialdemokratie schwer treffen.„Son Spaß“, so äußerte Graf Klinckowström wörtlich,„kostet immer über tausend Mark“. Die Sozialdemokratie sei auf den Wert des Geldes ungemein versessen. Oberbürgermeister Becker-Köln wandte sich gegen den Antrag auf Strafverfolgung, ebenso Herr v. Levetzow. Das„hohe Haus“ nahm den An⸗ trag auf Genehmigung der Strafverfolgung mit einer Mehrheit von einer Stimme an, das Gerichtsverfahren wird also stattfinden. — mäf getrit falle stimn febst durch entle wied it,! Alf die„ü sch de Gefäng Da ist Bauer gebung Verkül deren tritt. Muste Aufhe Ei llebert tägig drei T fängni Was Hamk! folgen! „Di ber Be bießges Atzt rauf fol ich wegen 5 ech gr ewesen Wor Bulor, duch da angerede 1 7 t Du 5 über. das lar die Spr Ao m fei vn Sgußtz daher der g. 1 Patz Utwurß E weder Wunder t in der eren es an son du wunder iberalg lden.— api, ötig“ bor den hat und beiter ung endete ) Auf. Rittel⸗ Abendz herigen Morgen k. Ag „gaben in ihrer Würden e licht hielten, zweien, in, als de. Al, ermanl. lich de t hab' rfühtt im Fre Antrag, frecht „ele 1 eile „ Gulf derung Justt⸗ m fal be, Ne isteriul Nl haue Berlingen Hertel, fen M igel june röm dl fich icht den 1. Sau Hklall 10 übel ate ecsesel, Nr. 36. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 3. Der Vorwärts stellt in Aussicht, er werde in der Gerichtsverhandlung eine Blüthenlese der Liebenswürdigkeiten präsentiren, mit welchen die Sozialdemokratie im Herrenhause bedacht worden sei. Auch ein Bauernpolitiker. Wie der Landwirtschaft geholfen werden kann, erzählt klipp und klar ein angeblicher Bauer namens Pockholz aus Rospitz in Westpreußen in einem Eingesandt an die in Marienwerder erscheinenden„Neuen Westpreußischen Mittei— lungen“. Erst bringt der gute Mann den Abgeordneten, die die Kanalvorlage zu Fall ge⸗ bracht haben, ein Hoch aus und kramt dann weiter u. a. folgende Weisheit aus: „Unsere Wirtschaftspolitik leidet noch an einem großen Krebsschaden, der wohl zu be— seitigen wäre und zwar an der Verrohung unserer Arbeiter die infolge der über⸗ mäßig hohen Löhne zur Trunksucht getrieben und dann dem Gefängniß ver⸗ fallen. Diesem Uebelstand wäre damit be⸗ stimmt abzuhelfen, daß kürzere Freiheits- nebst Prügelstrafe eingeführt würde, da⸗ durch würden die Gefängnisse in Kürze entleert, die Arbeiter der Land wirtschaft wieder zugeführt, und, was die Hauptsache ist, die Strafe würde nachhaltiger wirken.“ Also dadurch, daß die Landarbeiter durch die„übermäßig hohen Löhne“ verführt, sich dem Trunke ergeben und schließlich dem Gefängniß verfallen, ist die Leutenot entstanden. Da ist es ja noh recht arbeiterfreundlich vom Bauer Pockholz, daß er nicht für die Herab⸗ setzung der„hohen“ Löhne, sondern nur für Verkürzung der Freiheitsstrafe und zur beson⸗ deren Würze derselben für die Prügelstrafe ein⸗ tritt. Natürlich verlangt dieser agrarische Mustermensch in seinem Eingesandt auch die Aufhebung der Freizügigkeit. Aus einem Gefängnis. Eine Frau Zietz in Hamburg hatte wegen Uebertretung des Preßgesetzes eine drei⸗ tägige Haftstrafe zu verbüßen. Wegen dieser drei Tage wurde sie bei der Aufnahme ins Ge⸗ fängnis auch dem Gefängnis arzte zugeführt. Was sie mit diesem, dem Dr. med. Rösing in Hamburg, erlebte, das schildert Frau Zietz folgendermaßen: „Die erste Frage des Arztes war nach der Ursache der Bestrafung. Antwort: Wegen Uebertretung des Preßgesetzes. Arzt: So, was hast Du denn gemacht? Nachdem hierauf die Antwort erfolgt, der Arzt: Also deswegen soll ich mir Mühe machen, Dich zu untersuchen? Na, wegen der drei Tage wirst Du Dich wohl nicht allzu sehr grämen, Du bist doch jedenfalls schon öfter hier gewesen und bist es schon gewohnt. Worauf ich dem Herrn anwortete: Allerdings, Herr Doktor, ist es das erste Mal, daß ich bestraft, aber auch das erste Mal, daß ich von einem Arzte mit Du angeredet werde. Der Arzt: Also das kränkt Dich so sehr? Darüber fühlst Du Dich beleidigt? Ja, weist Du, das haft Du auch gar nicht nötig, Dir gefallen zu lassen, da⸗ rüber kannst Du Dich beschweren. Aber weist Dn das kann Dir auch pasfleren, wenn Du bei mir in die Sprechstunde kommst, mit Du angeredet zu werden. Also mit Sie wünschen Sie angeredet zu werden? Na, dann gehen Sie mal da hinauf, aber schnell! Fix, fix! Wir haben nicht lange Zeit.— Als ich hinaufgeklettert war auf das Gestell, das zum Zwecke der Untersuchung aufgestellt ist, besann der Herr Doktor sich eines Andern und äußerte zur Wär⸗ terin, es sei schon gut, es sei nicht nötig, worauf diese mich wieder heruntersteigen hieß. Ob das dem Herrn Doktor vielleicht nicht schnell genug ging, oder ob er mich seine Autorität fühlen lassen wollte, weiß ich nicht, als er mit dem Aufgebot seiner ganzen Lungenkraft mich anschrie: Nu aber raus! Fix! Marsch!“ So wird mit anständigen Frauen umge⸗ gangen! Parteitag der Antisemiten. Der fünfte 1 der deutsch⸗ sozialen Reformpartei findet in der Zeit vom 9. bis 11. September in Hamburg statt. Auf der Tages⸗ ordnung steht unter anderem ein Antrag Reichelt⸗ Werner, der wörtlich lautet:„Der Parteitag wolle beschließen: Mit Rücksicht darauf, daß unsere Partei wegen des in ihrem Namen vor⸗ kommenden Wortes„sozial“ sehr häufig, ins⸗ besondere auch von der Landbevölkerung, mit der sozialdemokratischen Partei verwechsels und daß dadurch die Verbreitung unserer Be⸗ wegung gehemmt und erschwert wird, führt die Partei fortan den Namen„Deutsche Reform⸗ partei“. Nur ein vollkommener Dummkopf kann wegen des Wörtchens„sozial“ die Antisemiten mit der Sozialdemokratie verwechseln. Daß die Anti⸗ semiten dieser Dummköpfe halber ihre Firma abermals ändern wollen, zeigt wieder einmal, daß der Antisemitismus in erster Reihe auf die Dummen spekuliert. Wofür zablt man Miete? Diese Frage wird sich, so schreibt der Ber⸗ liner„Volksztg.“ ein Mieter, jeder Mieter Attwillkürlich vorlegen, der den S 4 des vom „Zentralverband der städtischen Haus⸗ und Grundbesitzervereine Deutschlands“ jüngst auf dem Hausbesitzer⸗Verbandstage festgesetzten„einheit- lichen Mietsvertrages“ liest. Derselbe lautet nämlich: „Der Mieter übernimmt die Mieträume in gebräuchlichem Zustande und hat selbe in solchem während der Mietsdauer zu erhalten und nach Auflösung der Miete in diesem Zu⸗ ftande zurückzugeben.“ Diese Bestimmung stellt den§ 536 des Bürgerlichen Gesetzbuches vollständig auf den Kopf; denn dieser schreibt vor: Der Ver mieter hat die vermietete Sache in einem zu dem vertragsmäßigen Gebrauche geeigneten Zustande zu überlassen und sie während der Mietszeit in diesem Zustande zu erhalten.“ Es gehört daher eine ziemlich kühne Phan⸗ tasie dazu, diesen einheitlichen Mietsvertrag einen„vollständig den Bestimmungen des Bür⸗ gerlichen Gesetzbuches umgearbeiteten“ zu nennen! Schon das allgemeine preußische Landrecht be⸗ stimmte in§ 291, J. 21: „Bei Mietungen ist der Ver mieter, im Mangel besonderer Verabredungen schuldig, die Sache während der kontraktmäßigen Zeit in brauchbarem Zustande zu erhalten, und also auch die nötigen Reparaturen, welche durch den erlaubten Gebrauch oder durch Zufall entstanden sind, zu übernehmen.“ Der neue§ 4 wird im kommenden Jahr⸗ hundert die Hauptquelle für Chikanen der Mieter werden, die den„einheitlichen“ Miets⸗ vertrag unterschreiben.— Die Unverschämtheit vieler Hausbesitzer, die man nicht mit Unrecht Hausagrarier neunt, wird die Gründung von Mietervereinen zur unumgänglichen Notwen⸗ digkeit machen. Ausländisches. Schweiz. Im Kanton Solothurn besteht noch der Impfzwang, der jedoch bereits viele Gegner hat. Nun haben unsere Ge⸗ nossen sich der Sache bemächtigt, ein Initiativ⸗ begehren für dessen Abschaffung aufgestellt und dafür in kurzer Zeit 2132 statt der erforder⸗ lichen 2000 Unterschriften aufgebracht. Es wird also zur Volksabstimmung kommen. Belgien. In Brüssel hatten sich am Montag die Delegierten der belgischen Sozial⸗ demokratie versammelt, um über die Mittel und Wege zu beraten, durch welche die Regterung verhindert werden könnte, das neue Propor⸗ tional⸗Wahlgesetz in der Kammer durchzusetzen, ohne gleichzeitig das gleiche Stimmrecht ein⸗ zuführen. Es wird folgende Resolution be⸗ kannt gegeben:„Der Kongreß billigt die Hal⸗ tung der sozialistischen Deputierten, die ein⸗ stimmig entschlossen seien, die auf dem Pluralvotum beruhenden Proportionalwahlen zu bekämpfen. Die Agitation für das allgemeine Wahlrecht müsse mit allen erreichbaren Mitteln verstärkt werden. Dem Generalrat wird der Auftrag gegeben, alle Maßnahmen, und zwar so energisch wie möglich, zu treffen und die Agitation zu organisieren und den Sieg im allgemeinen zu beschleunigen.“— Das Pluralvotum ist ein miserables Verfahren. Danach kann nämlich ein armer Teufel nur eine Stimme abgeben. Das Recht, zwei, drei und mehr Stimmzettel abzugeben, steigt mit der Größe des Reichtums. Was bleibt da für die große Masse, die nun einmal aus kleinen Bauersleuten und Arbeitern besteht, dann vom Stimmrecht übrig? Frankreich. Der antisemitische Hanswurst Guérin in der Rue Chabrol zu Paris ver⸗ barrikadiert sich immer noch. Wenn die Re⸗ gierung nun nicht der Komödie bald ein Ende bereitet, macht sie sich mit lächerlich. Sie hat dem Guérin, von dem übrigens jetzt feststeht, daß er ein gewöhnlicher Lumpaci ist, die Zu— fuhr von Lebensmitteln abgeschnitten, sowie das Wasser und die Kanalisation gesperrt. Sie will ihn also aushungern resp. ausstänkern. Prozeß Dreyfus. Das grausame Spiel währt nun 4 Wochen in Rennes und ein Ende ist noch immer nicht abzusehen. Es sind wieder zwei Generäle als Lügner entlarvt worden, die im Kriegsgericht von 1894 gesessen haben, das Dreyfus verur⸗ teilte. Bis jetzt ist auch nicht eine Spur von Beweis für die Schuld Dreyfus erbracht worden. eee eee Für Monat September nehmen alle Postanstalten und Brief⸗ träger Abonnements auf die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung zu 30 Pfg. entgegen. Freunde und Parteigenossen! Sorgt weiter für die Verbreitung Eures Blattes. Die Mitteld. Sonnt.⸗Ztg. sollte in keiner Familie fehlen! pon Nah und Lern. Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind jederzeit willkommen Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich streugste Gewissen⸗ haftigkeit bei Uebermittelung von Nachrichten.— Wir bitten alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben. Ferdinand Lassalle. * Am Donnerstag, den 31. August, waren 35 Jahre verflossen, seitdem Ferdinand Lassalle von der Kugel des Wallachen Rackowitz nieder⸗ gestreckt wurde. Die Fahnen der deutschen Sozialdemokratie senkten sich an diesem Tage trauernd vor den Manen ihres großen Vor⸗ kämpfers, der gestorben ist, um dauernd in der Erinnerung des Proletariats zu leben. Und wo immer in diesen Tagen Sozialdemokraten zusammenkommen, erneuern sie den Schwur, das ihrige bis zur Erschöpfung zu thun, um das angestrebte Werk Ferdinand Lassalles zur Vollendung zu bringen. Im Gießener Wahl⸗ verein wird an diesem Samstag Gen. Orbig über Ferdinand Lassalle sprechen. Goethefeier. * Aus zahlreichen Städten wird über die Feier des 150. Geburtstages Goethes berichtet. Am pompösesten ging es in Frankfurt a. M., der Geburtsstadt des Ge⸗ feierten, her. Die Feier begann dort mit einem Hul⸗ digungsakt vor dem Goethedenkmale. Am Sonntag Abend wurde bei prächtigem Wetter ein Fackelzug veranstaltet, an dem die Gesang⸗, Krieger⸗, Turner⸗, Sportvereine usw., die Ge w erkschaften und Schulen sich beteiligten. Der großartige Zug bewegte sich mit zwölf Musikkorps in 140 Abteilungen von dem Goethe⸗ gymnasium durch die innere Stadt an dem Denkmal Goethes vorbei und dann über die Zeil zum Schau⸗ Mainqual, wo der Zug sich auflöste und die Fackeln zusammengeworfen wurden. Auf den Straßen und Plätzen bewegte sich eine gewaltige Menschenmenge. Die Festbeleuchtung der Stadt besonders die des Goethe⸗ platzes mit dem Kuppelbau über dem Goethedenkmale, der in Tausenden von Glühlämpchen erstrahlte, war großartig. — Die organisierte Arbeiterschaft hielt am Abend eine imposante Festversammlung ab, in der Wilhelm Bölsche⸗ Frankfurt über Goethe sprach. Er schloß seine Rede mit Ausführungen, die wir als sehr beherzigenswert wiedergeben wollen.„Als Arbeiter ist Goethe“, führte Bölsche aus,„auch heute noch vorbildlich, kein historischer Mensch hat so intensiv nach allen Richtungen gearbeitet wie Goethe. Seine so vieldeutige Gestalt aber sollen wir nicht durch Denkmäler feiern. Im Volk besitzt er noch nicht das ihm gebührende Denkmal. Für eine richtige Volksausgabe seiner Werke mit dem nötigen Kommentar für den schlichten Mann sollte man die Summen ausgeben, die heute für Denkmäler ausgegeben werden— sie allein wäre das rechte Denkmal. Seile 4. Waitieldeuische Sonntags⸗Zeitung Nr. 36. Auch in Wetzlar wurde am Goethebrunnen ein be⸗ scheidener Huldigungsakt abgehalten. In Gießen wurde am Eckhaus Neuenbäue⸗Sonnen⸗ straße am Montag eine Gedenktafel, die folgende In⸗ schrift zeigt, enthüllt: In diesem Hause wohnte Goethes Freund LEudw. Tüll, Fries dr, Höpfner, Professor der Rechte. Geb. 1743, gest. 1797. Volksversammlung. * Nach längerer Pause wird am kommenden Montag, den 4. September, in Gießen eine öffentliche Volksversammlung stattfinden und zwar im großen Saale von Lonys Bierkeller. Der bekannte württembergische Landtags- und Reichstagsabgeordnete Stadtrat Karl Kloß wird referieren. Es ist wohl selbstverständlich, daß die Versammlung gut besucht wird. Zwei ehemalige Freunde. * Im Offenbacher Arizona-Kicker des von den Odenwälder Bauern zum Teufel gejagten Antisemiten Hirschel wird 1 über die Aus⸗ einandersetzungen berichtet, die die„M. S.⸗Z.“ mit der nationalsozialen„H. L.⸗Z.“ in Mar⸗ burg, resp. deren Redakteur Erdmannsdörffer hatte. Natürlich geschieht das in der dem Organ der geistig Armen eigenen Weise: feig⸗ hinterlistig⸗verdächtigend und witzlos. Wir über⸗ gehen das dröhnende Blech und stellen nur fest, daß das Hirschelblatt zugestehen muß, daß Scheidemann, dessen Name übrigens ängstlich verschwiegen wird, den ehemaligen Partei⸗ freund Hirschels, Herrn Erdmannsdörffer, heimgeschickt hat. Mit einem gewissen Be⸗ hagen sogar stellt das der Arizona⸗Kicker fest; kein Wunder übrigens, hat doch der ehemalige Architekt Hirschel Wut in der antisemitischen Heldenbrust, weil ihm Erdmannsdörffer vor Jahr und Tag den Vorwurf gemacht hat, er— der Judentöter Hirschel— habe an jüdische Berichterstatter Nachrichten verkauft und hat doch Erdmannsdörffer diesen Vorwurf kürzlich erst wiederholt, trotzdem Hirschel das un⸗ koschere Schachergeschäft in Abrede gestellt hat. Und die beiden wollten sich an uns reiben— die ehemaligen Parteifreunde Erdmanns⸗ dörffer und Hirschel. Gott, wie haißt! Aus dem Reptilien reich. »Die Kapitalisten⸗ und Amtsblätter finden Vergnügen daran, zu behaupten, daß in Solingen ein„sozialdemokratischer“ Stadtverordneter, den ste einen„königstreuen Genossen“ nennen, an der Begrüßung des Kaisers teilgenommen habe. Jene Blätter, die die Sozialdemokratie fort⸗ gesetzt ankläffen, weil sie zu dumm sind, sie sachlich zu bekämpfen, ergehen sich in Anknüpf⸗ ung an ihre Bemerkung in witzig sein sollenden Bemerkungen über den„unbotmäßigen Ge⸗ nossen“, der nun wohl„hinausfliegen“ werde usw.— Ein kindliches Vergnügen, das aber nur auf der kindischen Unterdrückung der be— kannten Thatsache basiert, daß der gemeinte Stadtverordnete, Herr Langenberg in Solingen, schon vor Jahr und Tag aus der sozial⸗ 18 Partei ausgeschlossen wor⸗ en ist. Der klingende Lohn der Handwerker. Die amtliche Presse durchläuft gegenwärtig ein Artikel, in dem über das Handwerk— fabuliert wird. Es wird beklagt, daß keine Lehrlinge mehr für das Handwerk zu haben wären und heißt dann weiter:„Das Ver- trauen auf den goldenen Boden des Hand— werks ist in den Kreisen, aus denen früher seine Angehörigen hervorgegangen sind, leider ver— schwunden, obwohl gerade bei dem großen Mangel an Nachwuchs junge strebsame Hand— werker die allerbeste Aussicht auf eine gute Zukunft haben.... Das Handwerk lebt noch recht kräftig und wird niemals durch die Großin dustrie beseitigt oder ersetzt werden können, wohl aber sind die geisttigen und künstlerischen Anforderungen, welche an ein Handwerk gestellt werden, ge— wachsen, und ein Tischler oder Schlosser, der die Fortbildungsschule nicht mit Erfolg besucht hat, wird nur geringe Aussicht haben, weiter zu komwer. Das steht fest, ein Handwerker, der sein Geschäft versteht und den Anfor⸗ derungen entspricht, welche die fortgeschrittene allgemeine Wohlhabenheit(19) und der ausgebildetere Kunstgeschmack stellen, wird stets in allgemeiner Achtung stehen und der klingende Lohn wird ihm nie fehlen...“ Für unsere Leser ist jede Erläuterung obiger Dummheiten überflüssig. Die vielen tüchtigen Handwerker aber, die trotz rastloser Thätigkeit kaum so viel verdienen, um sich und ihre Familien einigermaßen anständig über Wasser halten zu können, mögen sich noch einmal in den Redak⸗ tionen der Reptilienblätter auf ihre Tüchtigkeit und ihren Fleiß nachprüfen lassen. Denn wie hieß es doch oben: ein Handwerker, der sein Geschäft versteht, bekommt auch den klingenden Lohn! Demnach müßt ihr Schuster-, Schneider⸗, Schlosser⸗, Tischlermeister u. s. w., die hr jahraus jahrein von der Hand in den Mund lebt und froh sein müßt, wenn ihr keine Schulden zu machen braucht, wahrscheinlich alle Faulpelze sein oder ihr versteht nichts von eurem Geschäft! Nationalliberales. K. Der Darmstädter Tägliche Anzeiger— im Volksmund richtig„Kläglicher Anzeiger“ ge⸗ nannt— sprach am diesjährigen Ludwigstage von einem„goldenen Jubiläum“, welches heute noch alle wirklich liberalen Hessen mit Bedauern erfüllen muß. Vor 50 Jahren habe der Großherzog Ludwig vog Hessen den hessischen Soldaten seinen Dank dafür ausge⸗ sprochen, daß sie sich bei der Niederwerfung der badischen Revolution, unter Führung des Prinzen von Preußen(nachmaligen Kaiser Wil⸗ helm J.) besonders hervorgethan hatten. 72 Orden waren verteilt worden. Dies Jubiläum nennt das liberale Blatt einen ganz beson⸗ deren Ehrentag der hessischen Armee und die Dienste der Armee um das Vaterland her⸗ vorragend. Also daß man die damaligen Liberalen nach allen Regeln der Kunst niederkartätschte, nennt ein liberales Blatt heute ein besonderes Ver dienst. — Erfreulich ist, daß dieser Schein-Liberalis⸗ mus an chronischer Schwindsucht unheilbar krankt; wer die eigenen Väter, die damals für die Einheit und Freiheit Deutschlands kämpften, in dieser Art beschimpft, verdient, daß sich alle wirklich liberalen Männer entrüstet von ihm abwenden. Genossenschaftsbrauerei in Frankfurt. * In Frankfurt soll eine Genossenschafts⸗ brauerei gegründet werden. Anteil⸗ Scheine à 50 Mk. werden ausgegeben. Weil an dem Projekt auch einige bekannte Sozialdemokraten beteiligt sind, wird in der bürgerlichen Presse von einer„sozialdemokratischen“ Gründung ge— sprochen. Das ist natürlich Unsinn. Die Sozialdemokratie läßt klugerweise ihre Finger von derartigen Gründungen. In der Bier- brauerei wird heutzutage mit solchen Riesen⸗ kapitalien gearbeitet, und die meisten Wirte befinden sich in einer so großen Abhäugigkeit von den Brauereien, daß uns die Gründung einer Bierbrauerei auf genossenschaftlicher Grund— lage als ein ziemlich kühnes Unternehmen erscheint. Aus Alsfeld. b. Die am vergangenen Sonntag hier statt⸗ gefundene Konferenz des 3. oberhessischen Wahlkreises war trotz der wichtigen Tages⸗ ordnung sehr schlecht besucht. Vertreten waren nur die Genossen aus Lauterbach und Alsfeld. Die Versammlung stimmte für Beschickung der Landes-Konferenz. Delegiert wurde Genosse Leußler aus Lauterbach. Das Mandat für den Parteitag in Hannover soll dem Delegirten eines benachbarten Wahlkreises übertragen werden. Es ist dringend zu wünschen, daß sich die Genossen unseres Wahlkreises in Zu⸗ kunft an den Parteiarbeiten reger beteiligen und eifriger mitwirken zur Aufklä u ung jener Leute, die uns noch gleichgültig gegenüberstehen. Aus Marburg. o Vor der Ferienstrafkammer des hiesigen Landgerichts wurde am Dienstag ein Fall ver⸗ handelt, der von weiterem Interesse ist, weil hier eine Dienstbotenmißhandlung ein⸗ mal etwas strenger geahndet wurde, als es sonst üblich ist. Angeklagt waren der Bau⸗ unternehmer Karl Münscher und dessen Sohn, der Lehrling Albert Münscher, wegen Körperverletzung, Freiheitsberaubung und ver⸗ suchter Nötigung, begangen an dem Dienst⸗ mädchen Müller. Der Thatbestand war kurz folgender: Das Dienstmädchen hatte von ihrer Herrschaft, welche nach Berlin verzogen war, den Auftrag erhalteu, die von letzterer inne⸗ ehabte Wohnung zu reinigen. Nach der einung des Angeklagten Albert M. hätte sie dies jedoch nicht in genügender Weise besorgt und schloß er sie in die Wohnung ein mit der Drohung, sie nicht früher wieder herauszulassen, bis die Wohnung gründlich gesäubert sei. Später hat denn Carl M. das Mädchen ge⸗ ohrfeigt und trotzdem sie sich in„anderen“ Um⸗ ständen befand, vor den Unterleib getreten. Der Angeklagte, welcher die erwähnten Strafthaten bestritt, wurde zu einer Gefängnisstrafe von drei Wochen verurteilt, sein Sohn, der Zimmerlehrling Albert Münscher, welcher ihm bei seinen Handlungen geholfen hatte, erhielt 2 Tage Gefängnis. Beantragt waren für Carl Münschen eine Woche, für Albert Münscher zwei Tage.— Diese Strafen erscheinen noch in recht mildem Lichte, wenn man berücksichtigt, daß das mißhandelte Mädchen wochenlang schwer krank war, furchtbar leiden mußte und eine Fehlgeburt erlitt. Aus dem Kreis Wetzlar. h. In einer Volksversammlung, die am 30. Juli in Krofdorf stattfand, führte Genosse Fauth⸗Wetzlar den Vorsitz und ließ über einen aus der Mitte der Versammlung gestellten An⸗ trag abstimmen, der dahin lautete, eine frei⸗ willige Tellersammlung zur Deckung der Kosten vorzunehmen. Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen und dann auch die Sammlung vorgenommen. Dieser Tage ist nun dem Gen. Fauth ein amtsgerichtlicher Strafbefehl über 30 Mark wegen„einer ohne Erlaubnis veran⸗ stalteten Kollekte“ zugegangen. Der so Be⸗ glückte hat richterliche Entscheidung beantragt. Für Ordnung, Religion und Sitte. Bordelle für die Edelsten und Besten dürfen ohne Gefahr ganz offen ihre Reklamen verbreiten. Beispielsweise erläßt ein„Balletetablissement“ in Berlin folgende Einladung: Die unterzeich⸗ nete Jagd⸗Saal⸗Verwaltung, deren Direk- tion Sie, hochgeehrter Herr, als passionirter Jäger empfohlen worden, giebt sich die hohe Ehre, Ew. Hochwohlgeboren auf ein neuer⸗ schlossenes, herrliches Ja 5 terrain mit reichem, vorzüglichem Wild stan d aufmerksam zu machen und zur ersten Edel wild Jagd am 26. August a. c. in den Jagd⸗Sälen höflichst einzuladen. Ein besonderer Umstand läßt unser neues Forst⸗ revier in hervorragender Weise angenehm und bequem erscheinen: Die Jagdgründe befinden sich im Mittelpunkt der Residenz, das Wild ist keinerlei Schonung unterworfen.“ Ohue Zweifel werden die ordnungestützenden Ballgäste, deren sittliche Qualitäten in der originellen Form der Einladung richtig einge⸗ schätzt sein mögen, auf dem nächtlichen Ver⸗ nügen von Neuem die Gelegenheit wahrnehmen, ich zum Kampf für Ordnung, Religion und Sitte wider die Parteien des Umsturzes ge⸗ hörig zu präpariren. Kleine Mitteilungen. * Gießen. Ein furchtbares Unwetter hat am Montag Nachmittag in beiden Hessen ge⸗ wütet. Der Kreis Gießen kam noch ziemlich glimpflich davon, in Marburg ging es schon ärger her. Dort hat namentlich auch der Hagel großen Schaden angerichtet. Auch in Cassel wurde großer Schaden angerichtet. M. K. e eee een Am Sonntag fand im Restauraut zur„Stadt Cassel“ in Gießen die zweite diesjährige Versammlung des Bezirks Gießen des Verbandes d. d. Buch⸗ drucker statt. Von den zum Bezirk gehörigen Orten war leider nur Fulda durch 2 Mitglieder vertreten. Der Vorstand hatte für die aus⸗ gesperrten Dänen in 2 Raten aus der Bezirks⸗ kasse 35 Mk. bewilligt; er wurde entlastet und als 3. Rate 35 Mk. bewilligt, außerdem dem erleg 2 elmer bol. Verht Zuch Urteil ert J chen 0 en“, e. De afthatg rase van hu, U cher ihn „ erhial für Cal lünschn noch i ksichig, Henlang ite und die u Genose er eine lten ene fre⸗ et Ro stimmig mmlung em Geh. hl über 5 beras⸗ so M. antrag. Bitte. dürfen breiten, ssement' iterzeih Duel n irtel die hohe neue treichel, u mache j. Aug tzulades es Fol hm u befüdel 15 Wil) orfel. tütendel in del i einge 0 Ml rehm Nr. 36. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 3. Vorstand die Befugnis erteilt, im Notfalle eine weitere Summe bis zu 30 Mk. an die Sammel⸗ stelle der Buchdrucker abzusenden. — Ein gesegnetes Jahr. In dem ab— gelaufenen Jahre sind in dem Großh. Hessen 35,301 Geburten und 21,710 Todesfälle vor⸗ gekommen, mithin übersteigt die Zahl der Geburten die Todesfälle um 13,591. Butzbach. Hier ist ein Konflikt zwischen dem freisinnig⸗antisemitischen Bürgermeister Joutz und den Gemeinderäten Dr. Jäger, Dr. Kopf und Heil ausgebrochen. In der letzten Ge— meinderatssitzung bemerkte Gemeinderat Grauer im Auftrage des Bürgermeisters, daß dieser keine Gemeinderatssitzung abhalten werde, so lange die Gemeinderäte Dr. Vogt und Heil nicht ausgeschieden seien und daß er andernfalls die Sache bis auf die Spitze treiben werde. Dr. Vogt erwiderte hierauf, daß es ihnen ganz recht sef, wenn der Bürgermeister die Angelegen⸗ heit weiter verfolge, denn dadurch würde man erfahren, auf welcher Seite das Recht und auf welcher das Unrecht sei. f Offenbach. Hier ist am Samstag voriger Woche die Maschinen- und Schmirgelfabrik von Fr. Schmaltz am Mühlweg abgebrannt. Es beziffert sich der Verlust an vernichteten Ma⸗ schinen auf ca. 150000 Mk., an verbranntem Werkzeug auf ca. 30000 Mark und der Ge⸗ bäudeschaden selbst auf ca. 80 000 Mk., sodaß der Gesamtschaden ca. 260 000 Mk. betragen dürfte. Die Maschinenfabrik ist vollständig zer⸗ stört worden, während die Schmirgelfabrikation in anderen Räumen weitergeführt wird. Hitzmärsche. Der Straßburger Bürger- zeitung zufolge wurden bei einem Marsche, den das württembergische Inf.⸗ Regiment Nr. 126 am Mittwoch vor Hagenau nach Straßburg ausführte, in Folge übergroßer Anstrengung 44 215 nunschlapp. Ein Mann ist seinen Strapazen erlegen. Wolfenbüttel. Der 73 jährige Pastor emer. Dr. Quentin aus Wolfenbüttel wurde von der Braunschweiger Strafkammer wegen Verbrechen gegen die Sittlichkeit zu zwei Jahren Aae und drei Jahren Ehrverlust ver— urteilt. Arbeiterbewegung. * Gießen. Am Montag kam es zwischen dem Personal und dem Eigentümer der hier er— scheinenden Gieß. Neuesten Nachr. zu einem Konflikt, der zur sofortigen Arbeitsniederlegung führte. Am Montag konnten deshalb die G. N. N. nicht erscheinen. Am Dienstag wurde 107 Konflikt zu beiderseitiger Zufriedenheit er— ledigt. Offenbach. Mit Beginn dieser Woche sind die Maurer von Offenbach und Umgegend in den Ausstand getreten. Die Forderungen der Sireikenden haben folgenden Wortlaut: J) An Stelle der bisher üblichen 11 stündigen Arbeitszeit eine solche von 10 Stunden, von 6 Uhr früh bis 6 Uhr Abends einschließlich einer halben Stunde Frühstücks⸗, einer Stunde Mit⸗ tags⸗ und einer halben Stunde Vesperpause. 2) Ein Mindestlohn von 45 Pfennigen für Maurer vom 19. Lebensjahre an, 40 Pfg. für solche unter 19 Jahren. 3) Abschaffung jeglicher Ueberstunden-, Nacht⸗ und Sonntags- arbeit, mit Ausnahme ganz dringender Fälle. 4) Für Ueberstunden in dringenden Fällen einen Lohnaufschlag von 10 Pfennigen, für Nacht— und Sonntagsarbeit nach Uebereinkunft. 5) Ab⸗ schaffung der Akkordarbeit. 6) Handhabung der bestehenden Bau-Polizeiverordnungen. 7) An Stelle der 14tägigen die wöchentliche Lohn⸗ zahlung und Auszahlung des Lohnes auf der Baustelle vor Feierabend. 8) An Samstagen um 5 Uhr nachmittags und an den Tage- vor Ostern, Pfingsten und Weihnachten um 12 Uhr mittags Feierabeud. 9) Vollständige Ausschließ⸗ ung der Kündigung. 10) Keine Maßregelung wegen Zugehörigkeit zur Organisation.— In den Ausstand eingetreten sind 524 Maurer, von denen 64 abreisten. Nichts für die Zuchthausvorlage. Die Ausnützung der Krawalle in Herne für die Zuchthausvorlage dürfte auch Schiffbruch leiden. Es steht fest, daß von den bisher Ver⸗ urteilten nicht ein einziger dem Verbande der deutschen Berg⸗ und Hüttenarbeiter ange⸗ hört hat. Zum Ueberfluß ist auch noch das einzige Verbandsmitglied, das wegen Beteiligung an den Unruhen angeklagt war, Stanislaus Muranti, freigesprochen worden. Es will den Rückwärtsern nun einmal mit der Be⸗ gründung der Zuchthausvorlage nicht klappen. Daß auch organisierte Arbeiter so gewissen⸗ haft gesetzlich vorgehen! Partei⸗Nachrichten. Versammlungs⸗Kalender. Samstag, den 2. September: Gießener Wahlverein bei Orbig, Abends 9 Uhr. Tagesodnung: Ferdinand Lassalle. Redner: Stadtverordneter Orbig. Sonntag, den 3. September, pünktlich 1 uhr Mittags: im großen Wein rich'schen Saale in Lollar Kreis- Konferenz für den Wahlkreis Giesten⸗ Grünberg ⸗Nidda. Sonntag, den 10. September: Landes- Konfereuz in Mainz. Restauration„Zur Wanz.“ Wahlkreis Friedberg⸗Büdingen. Kreis⸗ konferenz. Sonntag, den 3. September, Nachmittags 3 Uhr, findet in Friedberg in der Stadt New⸗York eine Kreiskonferenz statt. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist das Erscheinen aller Vertrauensmänner dringend erwünscht. Berlin, 30. Aug. Der verantwortliche Redakteur des„Vorwärts“, Genosse August Jacobey, gegen den neulich das Herrenhaus die Klage wegen Beleidigung beschloß(siehe noch heutige Notiz: So'n Spaß!) ist heute früh, als er, vom Urlaub zurückkehrend, aus der Eisen⸗ bahn stieg, vom Herzschlag getroffen plötzlich ge⸗ storben.— Der Vorwärts widmet dem Genossen Jacobey einen warm empfundenen und wohlverdienten Nachruf. Ein gutes Andenken ist dem so plötzlich Da⸗ hingeschiedenen gesichert. Briefkasten der Redaktion. dl.-H. Besten Dank und herzl. Grüße. 1b.-M. Konnte unmöglich nach M. fahren. Brief in n. Tagen. Grüße. Stammtisch. Als Wahlmann für die Landtags⸗ wahl kann nur gewählt werden, wer„an direkten Steuern mindestens den einem Normalsteuerkapital von 90 Mk. entsprechenden Betrag“ entrichtet. Allo Grund⸗, Gewerbe⸗, Kapitalrenten⸗ und Einkommensteuer müssen zusammen mindestens 90 Mk. Steuerkapital darstellen. Der geringste Steuerbetrag, der bezahlt werden muß, beträgt also pro Ziel 2 Mk. 10 Pfg. Außerdem muß der Wahlmann mindestens 25 Jahre alt und Hesse sein. Briefkasten der Expedition. Quittungen. M. Eckl. 3.—. Gge. Hoͤbgn. 8.40. Dbg. Alsf. 16.—. R. S. 30.—. H. E. 10.—. Wzl. Lgdf. 1.60. Sg. Hch. 2.20. Hzl. Ob.—.70. Schub. H. 10.80. Wlm. Sch. 6.80. Schmdt. G. 2.40. N. Fr. 1.80. Dth. CLgst. 4.20. Kch. Kfd. 9.20. L. Wek. 24.40. M. Ob. 4—. Schm. Hchlm. 5.—. M. G. 16.40. B. Dbg. 3.60. Kch. Nfl. 12.40. Rch. Ob. 1.00. F. Dbgn. 10.—. Grßbck. 3.—. H. Lbch.—. 20. Opf. Obg. 4.—. Gew. Ka. G. 4.—. Lg. Schtz. 6.40. Wgnr. Nhm. 4.50. Schf. Al: 2.—. M. G. 56.60. Ins. Egst. 1.—. Ins. P. G. 5.50. Hfm. Grßl. 1.—. Hzb. Verb. 2.—. Sch. Woh. 1.40. Fch. Gbg. 3.—. Letzte Nachrichten. Berlin, 31. August. Der Reichskanzler veröffentlicht einen Erlaß, in dem den politischen Beamten, die gegen die Kanalvorlage stimmten, mitgeteilt wird, daß man noch einmal Gnade für Recht ergehen lassen und die Beamten nicht maßregeln will. Aber in Zukunft u. s. w. Auch diese sanften Ermahnungen werden auf die konservativen Landräte wenig Eindruck machen. 0. . Unterhaltungs⸗Teil. * e Gretchen am Spinnrad. (Aus Goethes„Faust“.) Meine Ruh ist hin, Sein hoher Gang, Mein Herz ist schwer; Sein' edle Gestalt, Ich finde sie nimmer Seines Mundes Cächeln, Und nimmermehr. Seiner Augen Gewalt. Wo ich ihn nicht hab' Und seiner Rede Ist mir das Grab, Sauberfluß, Die ganze Welt Sein Händedruck, Ist mir vergällt. Und ach, sein Kuß! Meine Ruh' ist hin, Mein Herz ist schwer; Ich finde sie nimmer Und nimmermehr. Mein armer Kopf Ist mir verrückt, Mein armer Sinn Ist mir zerstückt. Meine Ruh' ist hin, Mein Herz ist schwer; Ich finde sie nimmer Und nimmermehr. Nach ihm nur schau' ich Zum Fenster hinaus, Nach ihm nur geh' ich Aus dem Haus. Mein Busen drängt Sich nach ihm hin, Ach dürft' ich fassen Und halten ihn! Und küssen ihn So wie ich wollt', An seinen Küssen Vergehen sollt'! Goethe. Zur 150. Wiederkehr seines Geburtstages. Von Eleutherophilos. (Fortsetzung). Lieder find es vor allem, frische, volks⸗ tümliche, sangbare Lieder, in denen Goethe, wie keiner vor und nach ihm, alles, was ihn be⸗ wegte, was er erlebte in Freud und Leid, aus⸗ strömen läßt. Während seines Aufenthaltes im Elsaß klingt ihm das anspruchslose und doch so innige Volkslied entgegen, und dem Schatze der Volkspoesie entnimmt er das vielgesungene Haideröslein:„Sah ein Knab' ein Röslein stehn“. In den Schweizer Bergen erlauscht er daß herzige Verschen:„Uf'm Bergli bin ich gesässe, ha de Vögle zugeschaut. Hänt gesunge, hänt gesprunge, hänt's Nästli gebaut“ u. s. w. Wunderbar stimmungsvolle Liebeslieder ent⸗ springen seiuen zahlreichen warmen Beziehungen zu anmutigen Mädchen⸗ und Frauengestalten („Herz, mein Herz, was soll das geben?“, „Wie herrlich leuchtet mir die Natur!“,„Tage der Wonne, kommt ihr so bald?“,„Wie kommt's, daß du so traurig bist, da Alles froh erscheint?“, „Da droben auf jenem Berge, da steh' ich tausendmal“,„Nur wer die Sehnsucht kennt, weiß, was ich leide!“ u. a.) und der ächt menschlich und unbefangen gesuchte und gewährte Liebesgenuß, den der Vierzigjährige in den Armen der frischen und anmutigen Christiane Vulpius, seiner späteren Frau, fand— „Ich ging im Walde so für mich hin, Und nichts zu suchen, das war mein Sinn. Im Schatten sah ich ein Blümchen stehn, Wie Sterne leuchtend, wie Aeuglein schön. Ich wollt' es brechen, da sagt' es fein: Soll ich zum Welken gebrochen sein? Ich grub's mit allen den Würzlein aus, Zum Garten trug ich's am hübschen Haus. Und pflanzt' es wieder am stillen Ort; Nun zweigt es immer und blüht so fort.“ — begeistert ihn zu den„Römischen Elegien“, glühenden Dichtungen, die sich in der Form der altrömischen Liebespoesie anschließen. Heiter und tief genießt er das Leben beim Weine, unter frohen Genossen singt er:„Hier sind wir ver⸗ sammelt zu löblichem Thun“,„In allen guten Stunden, erhöht von Lieb und Wein“,„Mich ergreift, ich weiß nicht wie, himmlisches Be⸗ hagen“,„Ich hab' mein Sach auf Nichts ge⸗ stellt, Juchhe!“ Die Mondnacht hat es ihm an⸗ gethan: In jungen Jahren läßt er sein über⸗ seliges Herz hinfließen in himmlischen Tönen: „Füllest wieder Busch und Thal still mit Nebel⸗ Seite 6. Mitteldeutsche SonntagsZeitung. Nr. 36. glanz, Lösest endlich auch einmal meine Seele ganz“, und der Achtzigjährige widmet tief⸗ empfundene Verse„dem aufgehenden Vollmonde.“ In der Einsamkeit des Thüringer Waldes schreibt er auf dem Höhepunkte seines Lebens an die Wand des Vorkenhäuschens die tief empfundenen Worte: „Ueber allen Gipfeln Ist Ruh, In allen Wipfeln Spürest du Kaum einen Hauch; Die Vögelein schweigen im Walde. Warte nur, balde Ruhest du auch.“ Wer die Schauer der Sturmesnacht und des Waldesspukes, wer die schmeichelnde Lockung des strömenden Wassers empfinden will, der lese den Erlkönig:„Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?“ und den Fischer:„Das Wasser rauscht, das Wasser schwoll“, oder besser er höre sie singen! Denn so viele der Goethe⸗ 17. Lieder haben ihre Melodien gefunden, ie besten Komponisten: Beethoven, Schumann, Schubert haben sich beeilt, ihren Zauber mit den Tönen der Musik zu erhöhen. Tiefe sittliche Gedanken liegen Goethes groß⸗ artigen Balladen:„Der Gott und die Bajadere“ und„Die Braut von Korinth“ zu Grunde. In der ersteren läßt er durch die Unsterblichen selbst„ein verlorenes schönes Kind“, durch wahre Liebe von den Schlacken seines sündigen Lebens gereinigt,„zum Himmel emporheben“: „Es freut sich die Gottheit der reuigen Sünder“. In letzterem stellt er an dem dämonischen Schicksal eines jungen, durch das„falsche Ge⸗ lübde“ seiner Mutter der Lebensfreuden be⸗ raubten und in klosterliche Entsagung gebannten Mädchens ergreifend den Uebergang der alten griechisch⸗römischen, auf heiteren Lebensgenuß ruhenden Kultur zu den stren gen, düsteren An⸗ schauungen des Christentums dar:„Keimt ein Glaube neu, wird oft Lieb und Treu, wie ein böses Unkraut ausgerauft.“ In Schauspielen hat zweifellos Schiller Größeres und Kraftvolleres geleistet als Goethe; der letztere war eine zu weiche, zu subjektive d. h. dem eigenen Ich, seinen Forderungen und seinen Fragen zugekehrte Natur, als daß ihm das große historische Schauspiel mit seinem straffen Aufbau und seiner tragischen Wucht in demselben Maße wie dem hochfliegenden Genie Schillers hatte gelingen können. Aber trotzdem stammen von Goethe Dichtungen in dramatischer Form, die als höchste Leistungen zu betrachten sind. Zunächst sein Jugend⸗ drama:„Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand.“ Hierin giebt er das muster⸗ hafle Gemälde eines ganzen Zeitalters, das Absterben der alten Kaiserherrlichkeit am Aus⸗ gange des Mittelalters; den Stoff nimmt er teils aus einer Selbstbiographie des genannten Ritters( 1562), ieils aus den eigenen An⸗ schauungen seiner Zeit, insbesondere des kläg⸗ lichen Zustandes des Reichskammergerichts, an dem er selbst in Wetzlar gearbeitet hatte. Schon in diesem seinem ersten Hauptwerke, seinem durchaus volkstümlichen Schauspiele, zeigt Goethe seine hohe Meisterschaft in der Zeich⸗ nung der Charaktere, die durch die Wirkung des Gegensatzes ins rechte Licht gestellt wurden: auf der einen Seite der biedere, treuherzige Gotz, der letzte, edle Reichsritter, sowie seine treue, schlichte Hausfrau Elisabeth, auf der anderen der eitle, schwache Weislingen und die rankevolle, sittenlose Weltdame Adelheid. Der„Egmont“ führt uns in die Nieder⸗ lande, in die Zeit, wo sich der große Be⸗ freiungskampf des Volkes und des zu ihm hehenden einheimischen Adels gegen die spanische Gewaltherrschaft vorbereitet. Meisterhaft sind die lebendigen Volksscenen in Brüssel. Dem finsteren, gewaltthätigen Statthalter des spani⸗ schen Königs, Herzog von Alba, tritt arglos und unbesorgt der edle Graf Egmont, innerlich gehoben und gestützt durch die reine Liebe eines einfachen Madchens aus dem Volke, als freimütiger Verteidiger der Rechte und Freiheitien seines Volkes entgegen. Verhaftet und zum Tode verurteilt, sieht er im Traume die Göttin Freiheit in Klärchens Gestalt, die ihm andeutet, daß sein Tod den Provinzen die Unabhängigkeit verschaffen wird. „Iphigenie“, des Dichters reifstes Schau⸗ spiel, was Trefflichkeit der Anlage, Einfachheit der Handlung, scharfe Durchführung der Charak⸗ tere und Hoheit der Sprache anlangt, ist dem Kreise der altgriechischen Sagen entnommen. Der„Faust“ ist das tiefsinnigste und der Anlage nach großartigste Gedicht(in dramatischer Form) nicht nur der deutschen, sondern der ge⸗ sammten neueren Litteratur. Schon in feiner frühesten Jugend(1774) beschäftigt sich Goethe mit ihm, und der zweite, geheimnißvollere, mehr reflektirende, und dann auch dichterisch schwächere Theil wurde erst 1831 abgeschlossen. Der Dichter vereinigt in ihm den großen Reichtum seiner gesammten Lebensanschauungen. Er läßt zunächst seinen Helden, den Schwarzkünstler der deutschen Sage, der sich, um mehr Wissen und Genuß zu erlangen, dem Teufel verschreibt, aus ungestilltem Wissensdrang nach einem vorübergehenden Ver⸗ suche des Selbstmordes in seiner Verzweiflung einen Vertrag mit dem Teufel eingehen. Des Teufels Füinstaer Geist Mephistopheles, führt ihn zuerst auf die Bahn sinnlichen Genusses, der ihm aber nur für kurze Zeit Befriedigung verschafft, ihn vielmehr nach dem von ihm ver⸗ schuldeten Untergange Gretchens, das er verführt hat, mit Gewissensqualen erfüllt. Der zweite Theil gipfelt darin, daß Faust nunmehr in der Thätigkeit und zum Schlusse vor allem in dem praktischen Wirken für das Wohl der Mensch⸗ heit ein höheres Lebensziel sieht und findet, das ihn die Unzulänglichkeit des menschlichen Denkens gegenüber den großen Welträtseln verschmerzen und die Gefahren des menschlichen Genießens bezüglich der überwältigenden Leidenschasten vermeiden läßt. Die Hauptidee des Ganzen ist die, daß der edle Mensch in seinem idealen Ringen nach Wahrheit nicht verloren gehen könne, da er nach allen Verirrungen stets doch wieder auf den rechten Weg zurückkehre, und daß auch das Böse den Zwecken der göttlichen Weltordnung dienen müsse, indem es den Menschen durch den beständigen Kampf gegen dasselbe vor Erschlaffung bewahre.— Dieses großartige Gedicht hat nach mehreren Seiten hin eine dauernde Bedeutung für jeden höherstrebenden Menschen. Einmal erfreuen uns seine wunderbaren poetischen Schön⸗ heiten; der Zauber z. B., der auf der reizenden Gestalt des glücklich⸗ unglücklichen Bürgermäd⸗ chens— Gretchen— ruht, ist unvergleichlich und unvergänglich. Sodann bildet die Summe hoher Lebensweisheit, die sich namentlich in zahlreichen einzelnen tiefsinnigen Sprüchen offen⸗ bart, einen lebendigen Quell, aus dem denkende Menschen noch lange schöpfen werden. Endlich findet sich in jedem tieferen Menschen ein Stück Faustnatur wieder. Wer also je in seinen Ge⸗ danken an die„Grenzen der Menschheit“ stößt oder in seinen Leidenschaften den ewigen Wider⸗ spruch zwischen Begierde und Genuß fühlt, kurz, wer bei der Unzulänglichkeit der menschlichen Natur die Bitterlichkeit innerer Lebensnot kennen lernt, der wird sich gern zu„Faust“ flüchten und aus„Faust“ drei goldene Lebensregeln schöpfen, Verzichtleisten, Maßhalten und— Ar⸗ beiten. Denn die Arbeit, die soziale Thätigkeit des Goethe'schen Helden ist es zu allerletzt am aller meisten, die ihn zu einem Träger moderner Ideen stempelt, und die klare Erkenntniß, daß nur treues, stätes Wirken für das Wohl der Gesellschaft, dem Einzelnen wirkliche Befriedigung gewährt, verleit der Dichtung den geradezu prophetischen Charakter eines bedeutsamen Zu⸗ kunftsausblickes.(Schluß folgt.) Michael Kohlhaas. Historische Erzählung von H. von Kleist. (7. Fortsetzung.) Der Kämmerer Herr Kunz, der inzwischen den Vorstellungen mehrerer Freunde, die sich um ihn eingefunden hatten zum Trotz, seinen Platz dem Abdecker von Döbel gegenüber unter dem Volke behauptet hatte, trat, sobald der Freiherr mit dem Roßhändler erschien, an letzteren heran und fragte ihn, indem er sein Schwert mit Stolz und Ansehen unter dem Arm hielt: ob die Pferde, die hinter dem Wagen stünden, die seinigen wären? Der Roßhändler, nachdem er mit einer bescheidenen Wendung gegen den die Frage an ihn richtenden Herrn, den er nicht kannte, den Hut gerückt hatte, trat ohne ihm zu antworten im Gefolge sämmtlicher Ritter an den Schinderkarren heran; und die Thiere, die auf wankenden Beinen die Häupter zur Erde gebeugt dastanden, und von dem Heu, das ihnen der Abdecker vorgelegt hatte, nicht fraßen, flüchtig aus einer Ferne von zwölf Schritt, in welcher er stehen blieb betrachtend: gnädigster Herr! wandte er sich wieder zu dem Kämmerer zurück, der Abdecker hat ganz recht; die Pferde, die an seinen Karren gebunden sind, gehören mir! Und damit, indem er sich in dem ganzen Kreise der Herren umsah, rückte er den Hut noch einmal und begab sich von seiner Wache begleitet, wie⸗ der von dem Platz hinweg. Bei diesen Worten trat der Kämmerer mit einem raschen seinen Helmbusch erschütternden Schritt zu dem Abdecker heran, und warf ihm einen Beutel mit Geld zu; und während dieser sich, den Beutel in der Hand, mit einem bleiernen Kamm die Haare über die Stirn zurück kämmte und das Geld betrachtete, befahl er einem Knecht die Pferde abzulösen und nach Hause zu führen! Der Knecht der auf den Ruf des Herrn einen Kreis von Freunden und Verwandten unter dem Volke verlassen hatte, trat auch in der That ein wenig rot im Gesicht über eine große Mistpfütze, die sich zu ihren Füßen gebildet hatte, zu den Pferden heran; doch kaum hatte er ihre Halfter erfaßt um sie loszubinden, als ihn Meister Him⸗ boldt, sein Vetter, schon beim Arm ergriff und mit den Worten: du rührst die Schindmähren nicht an! von dem Karren hinwegschleuderte. Er setzte, indem er sich mit ungewissen Schritten über die Mistpfütze wieder zu dem Kämmerer, der über diesen Vorfall sprachlos dastand, zurück⸗ wandte, hinzu: daß er sich einen Schinderknecht anschaffen müsse, um ihm einen solchen Dienst zu leisten. Der Kämmerer, der vor Wuth schäumend den Meister auf einen Augenblick betrachtet halte, kehrte sich um, und rief über die Häupter der Ritter die ihn umringten hin⸗ weg nach der Wache; und sobald auf die Be⸗ stellung des Freiherrn von Wenk ein Officier mit einigen kurfürstlichen Trabanten aus dem Schloß erschienen war, forderte er denselben unter einer kurzen Darstellung der schändlichen Aufhetzerei, die sich die Bürger der Stadt er⸗ laubten auf, den Rädelsführer Meister Himboldt in Verhaft zu nehmen. Er verklagte den Meister, indem er ihn bei der Brust faßte: daß er seinen, die Rappen auf seinen Befehl losbindenden Knecht von dem Karren hinweggeschleudert und miß⸗ handelt hätte. Der Meister, indem er den Kämmerer mit einer geschickten Wendung die ihn befreite zurückwies, sagte: gnädigster Herr! einem Burschen von zwanzig Jahren bedeuten was er zu thun hat, heißt nicht ihn aufhetzen! Befragt ihn, ob er sich gegen Herkommen und Schicklichkeit mit den Pferden, die an den Karren gebunden sind befassen will; will er es nach dem was ich gesagt thun: sei's! Meinetwegen mag er sie jetzt abludern und häuten. Bei diesen Worten wandte sich der Kämmerer zu dem Knecht herum und fragte ihn: ob er irgend Anstand nähme, seinen Befehl zu erfüllen, und die Pferde, die dem Kohlhaas gehörten, loszubinden und nach Hause zu führen? Und da dieser schüchtern, indem er sich unter die Bürger mischte, er⸗ widerte: die Pferde müßten erst ehrlich gemacht werden, bevor man ihm das zumuthe, so folgte ihm der Kämmerer von hinten, riß ihm den Hut ab, der mit seinem Hauszeichen geschmückt war, zog, nachdem er den Hut mit Füßen getreten, von Leder und jagte den Knecht mit wüthenden Hieben der Klinge augenblicklich vom Platz weg und aus seinen Diensten. Meister Himboldt rief: schmeißt den Mordwüthrich doch gleich zu Boden! und während die Bürger von diesem Auftritt empört, zusammentraten und die Wache hinwegdrängten, warf er den Kämmerer von hinten nieder, riß ihm Mantel, Kragen und Helm ab, wand ihm das Schwert aus der Hand, und schleuderte es in einem grimmigen Wurf .„ garkll e gal un Koh de Er llechte, f die der 5 gener fünmet suser 90 bäh dem Ge dude Fämmere lach Hal der wohl dem Rof I züge Abdecket par, der 0 sih de n einen ber, oh ein Spo fahrn ler Pf gunehme den Abd auf wei der Sta Dies in der 2 auch bei Ausgar Stimm niß de und in erhob Offenbe ganze ig in einer seines! Zum bi Uußte! gectlid Haß g dee St 0s war die der mals w Saul zu gesellt lurch K wesen n fehender 5 Ju aatsbü N erst Hger Bohl al Juf K. feine Kr Auge helselhe Worin veun e Hund f bat el, vort,. sch 10 er ihm Nr. 36. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 7. weit über den Platz hinweg. Vergebens rief der Junker Wenzel, indem er sich aus dem Tumult rettete, den Rittern zu, seinem Vetter beizuspringen; ehe sie noch einen Schritt dazu gethan hatten, waren sie schon von dem Andrang des Volks zerstreut, dergestalt, daß der Kämmerer, der sich den Kopf beim Fallen verletzt hatte, der ganzen Wut der Menge preisgegeben war. Nichts als die Erscheinung eines Trupps berittener Lands— knechte, die zufällig über den Platz zogen, und die der Officier der kurfürstlichen Trabanten zu seiner Unterstützung herbeirief, konnte den Kämmerer retten. Der Officier, nachdem er den Haufen verjagt, ergriff den wüthenden Meister und während derselbe durch einige Reiter nach dem Gefängniß gebracht ward, hoben zwei Freunde den unglücklichen mit Blut bedeckten Kämmerer vom Boden auf und führten ihn nach Hause. Einen so heillosen Ausgang nahm der wohlgemeinte und redliche Versuch, machte dem Roßhändler wegen des Unrechts, das man ihm zugefügt, Genugthuung zu verschaffen. Der Abdecker von Döbel, dessen Geschäft abgemacht war, der sich nicht länger aufhalten wollte, band, des nächstfolgenden Tages den Kämmerer krank wie er an seinen Wunden darniederlag, in seinem Zimmer besucht hatte. Der Kämmerer, mit einer durch seinen Zustand schwachen und rührenden Stimme fragte ihn, ob er, nachdem er sein Leben daran gesetzt, um diese Sache seinen Wünschen gemäß beizulegen, auch noch seine Ehre dem Tadel der Welt aussetzen, und mit einer Bitte um Vergleich und Nachgiebig⸗ keit vor einem Manne erscheinen solle, der alle nur erdenkliche Schmach und Schande über ihn und seine Familie gebracht habe. Der Kurfürst, nachdem er den Brief gelesen hatte, fragte den Grafen Kallheim verlegen: ob das Tribunal nicht befugt sei ohne weitere Rücksprache mit dem Kohlhaas auf den Umstand, daß die Pferde nicht wieder herzustellen wären, zu fußen, und demgemäß das Urtheil, gleich als ob sie todt wären, auf bloße Vergütigung derselben in Geld abzufassen? Der Graf antwortete:„gnädigster Herr, sie sind todt: sind in staatsrechtlicher Be⸗ deutung todt, weil sie keinen Werth haben, und werden es physisch sein, bevor man sie aus der Abdeckerei in die Ställe der Ritter gebracht Eigensinn gemäß durchzusetzen und zu beschleu⸗ nigen. Ja, der Mundschenk, Herr Hinz, ging so weit einigen Jagdjunkern und Hofherren, die sich nach der Tafel im Vorzimmer des Kurfürsten um ihn versammelt hatten, die Auf⸗ lösung des Räuberhaufens in Lützen als eine verwünschte Spiegelfechterei darzustellen; und indem er sich über die Gerechtigkeitsliebe des Großkanzlers sehr lustig machte, erwies er aus mehreren witzig zusammengestellten Umständen, daß der Hunter nach wie vor noch in den Wäldern des Kurfürstentums vorhanden set, und nur auf den Wink des Roßhändlers warte, um daraus von neuem mit Feuer und Schwert hervorzubrechen.(Fortsetzung folgt). ——— Sprüche zur Lebens weisheit. Von Wolfgang Goethe. Du mußt herrschen und gewinnen, Oder dienen und verlieren, Leiden oder triumphieren, Hammer oder Ambos sein. *. ar n da sich das Volk zu zerstreuen anfing, die Pferde] hat;“ worauf der Kurfürst, indem er den Brief daun an einen Laternenpfahl, wo sie den ganzen Tag einsteckte, sagte, daß er mit dem Großkanzler 21 515 157 eic be künm über, ohne daß sich jemand um sie bekümmerte, selbst darüber sprechen wolle, den Kämmerer, Kopf und Arm mit heitern Kräften 1 ein Spott der Straßenjungen und Tagediebe der sich halb aufrichtete und seine Hand dank⸗ Ueberall sind sie zu Haus; finn stehen blieben; dergestalt, daß in Ermangelung bar ergriff, beruhigte, und nachdem er ihm noch Wo wir uns der Sonne freuen f a aller Pflege und Wartung die Polizei sich ihrer[empfohlen hatte für seine Gesundheit Sorge zu Sind wir jeder Sorge los; 5 enn annehmen mußte, und gegen Einbruch der Nacht tragen, mit vieler Huld sich von seinem Sessel Daß wir uns in ihr zerstreuen, lter ben den Abdecker von Dresden herbeirief, um sie bis] erhob, und das Zimmer verließ. Darum ist die Welt so groß. hen auf weitere Verfügung auf der Schinderei vor. i 2 istpfüz, der Stadt zu besorgen. So standen die Sachen in Dresden, als J 1 zu den f g sich über den armen Kohlhaas noch ein anderes, Das einfach Schöne soll der Kenner schätzen; Halfte Dieser Vorfall, so wenig der Roßhändler ihn bedeutenderes Gewitter von Lützen her zusammen⸗ Verziertes aber spricht der Menge zu. er hin, in der That verschuldet hatte, erweckte gleichwohl zog, dessen Strahl die arglistigen Ritter ge⸗ 8 f fend auch bei den Gemäßigtern und Bessern, eine dem schickt genug waren auf das unglückliche Haupt Frei will ich sein im Denken und im Dichten; dib Ausgang seiner Streitsa he höchst gefährliche] desselben herabzuleiten. Johann Nagelschmidt Im Handeln schränkt die Welt genug uns ein. leudert. Stimmung im Lande. Man fand das Verhält⸗ nämlich, Einer von den durch den Roßhändler* Schr niß desselben zum Staat ganz unerträglich, zusammengebrachten, und nach Erscheinung der Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, mere. und in Privathäusern und auf öffentlichen Plätzen kurfürstlichen Amnestie wieder abgedankten Was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt. „zit, erhob sich die Meinung, daß es besser sei ein Knechten, hatte für gut befunden wenige Wochen 4 delle offenbares Unrecht an ihm zu verüben und die nachher an der böhmischen Grenze einen Teil Falchibb l eng n Denn ganze Sache von Neuem niederzuschlagen, als dieses zu allen Schandthaten aufgelegten Gesindels. ene Mud ihm Gerechtigkeit durch Gewaltthaten ertrotzt, von neuem zusammenzuraffen, und das Gewerbe, 55 bl“ in einer so nichtigen Sache zur bloßen Befriedigung auf dessen Spur ihn Kohlhaas geführt hatte, Willst du genau erfahren, was sich ziemt, ebe feines rasenden Starrsinns zukommen zu lassen. auf seine eigene Hand fortzusetzen. Dieser So frage nur bei edlen Frauen an. ben h Zum völligen Verderben des arwen Kohlhaas nichtsnutzige Kerl nannte sich, teils um den* die V mußte der Großkanzler selbst, aus übergroßer][Häschern von den er verfolgt ward, Furcht ein⸗ Der Feige droht nur, wo er sicher ist. Of, Aechtlichkeit und einem dabon herrührenden zuflößen, teils um das Landvolk auf die ge⸗ 1 15 den Haß gegen die Familie von Tronka beitragen] wohnte Weise zur Teilnahme an seinen Spitz⸗ 3„„ 1 be diese Stimmung zu befestigen und zu verbreiten. bübereien zu verleiten, einen Statthalter des ein kluger Streiter hält den Feind gering. lich Es war höchst unwahrscheinlich, daß die Pferde, Kohlhaas; sprengte mit einer seinen Herrn ab⸗ f 8 ö dt l die der Abdecker von Dresden jetzt besorgte, je⸗ gelernten Klugheit aus, daß die Amnestie Nur die Lumpe sind bescheiden, imb mals wieder in den Stand, wie sie aus dem mehreren in ihre Heimat ruhig zurückgekehrten Brave freuen sich der That. 1 f Stall zu Kohlhaasenbrück gekommen waren, her⸗] Knechten nicht gehalten, ja der Kohlhaas selbst* Ml 10 gestellt werden können; doch gesetzt, daß es mit himmelschreiender Wortbrüchtigkeit bei seiner Edel sei der Mensch, 1 15 durch Kunst und anhaltende Pflege möglich ge-] Ankunft in Dresden eingesteckt, und einer Wache Hilfreich und gut. an, wesen wäre: die Schmach, die zu Folge der be⸗ übergeben worden sei; dergestalt, daß in Plakaten, 4 5 1 stehenden Umstände dadurch auf die Familie die den Kohlhaasischen ganz ähnlich waren, sein Auch die Gerechtigkeit trägt eine Binde el* des Junkers fiel, war so groß, daß bei dem Mordbennerhaufen als ein zur bloßen Ehre Und schließt die Augen jedem Bleudwerk zu. dung 0 staatsbürgerlichen Gewicht, welches sie als eine[Gottes aufgestandener Kriegshaufen erschien, be⸗ 4 r Han der ersten und edelsten im Lande hatte, nichts stimmt über die Befolgung der ihnen von dem Ich kann mich nicht bereden lassen bebe billiger und zweckmäßiger schien, als eine Ver⸗ Kurfürsten angelobten Amnestie zu wachen; Alles, Macht mir den Teufel nur nicht klein: hebe gütigung der Pferde in Geld einzuleiten. Gleich⸗ wie schon gesagt, keinesweges zur Ehre Gottes, Ein Kerl, den alle Menschen hassen, nen n wohl auf einen Brief, in welchem der Präsident noch aus Anhänglichkeit an den Kohlhaas, Der muß was sein. 11 an 1 des een er den dessen Schicksal 175 u cn 1 nach Ui, eine Krankheit abhielt, dem Großkanzler einige sondern um unter dem Schutz solcher Vor⸗ gen lt Tage darauf diesen Vorschlag machte, erließ spiegelungen desto ungestrafter und bequemer met A eee een ei die derselbe zwar ein Schreiben an den Kohlhaas za sengen und zu plündern. Die Ritter, sobald Das Stenogramm des Dreyfus Prozesses e worin er ihn ermahnte einen solchen Antrag, die ersten Nachrichten davon nach Dresden kamen, das vom Verlage der„Sächs. Arb. ⸗ 31g.“ herausgegeben Aufl wenn er an ihn ergehen sollte nicht von der konnten ihre Freude über diesen dem ganzen wird, erscheint in acht Lieferungen zu vier Bogen, zum ) Hand zu weisen; den Präsidenten selbst aber[Handel eine andere Gestalt gebenden Vorfall[ Preise von 20 Pf. die Lieferung. Die erste Lieferung den 10 bat er, in einer kurzen wenig verbindlichen Ant⸗ nicht unterdrücken. Sie erinnerten mit weisen ist bereits erschienen. Der Preis des Ganzen beträgt Hüchel wort, ihn mit Privataufträgen in dieser Sache] und mißvergnügten Seitenblicken an den Miß⸗ demnach 1,60 M. Sollte die angenommene Bogenzahl ch, 110 zu verschonen, und forderte den Kämmerer auf, griff, den man begangen, indem man dem Kohl⸗ nicht ausreichen, so wird das Ueberschießende den 1 sich an den Roßhändler selbst zu wenden, den haas, ihren dringenden und wiederholten War- Abonnenten des Werkes gratis nachgeliefert. Bestellungen N 0 uh er ihm als einen sehr billigen und bescheidenen] nungen zum Trotz, Amnestie ertheilt gleichsam nimmt jede Buchhandlung entgegen. bell Mann schilderte. Der Roßhändler, dessen Wille[als hätte man die Absicht gehabt Bösewichtern l. it u, durch den Vorfall der sich auf dem Markt zu- aller Art dadurch zur Nachfolge auf seinem get getragen in der That gebrochen war, wartete Wege das Signal zu geben; und nicht zufrieden Beschwerden wegen unregel⸗ hebe auch nur, dem Rat des Großkanzlers gemäß,[mit dem Vorgeben des Nagelschmidt, zur bloßen 8. mäßiger Zu⸗ pia auf eine Eröffnung von Seiten des Junkers Aufrechthaltung und Sicherheit seines unter⸗ stellung der„M. S. ⸗Ztg.“ bitten wir an die 1 oder seiner Angehörigen, um ihnen mit völliger[drückten Herrn die Waffen ergriffen zu haben, Expedition, Sonnenstraße 25, Buchhandlung) 90 Glauben zu schenken, äußerten sie sogar die be⸗ zu richten. In Gießen muß die„M. S.⸗Ztg.“ 10% Bereitwilligkeit und Vergebung alles Geschehenen 0 entgegenzukommen; doch eben diese Eröffnung zu thun war den stolzen Rittern zu empfindlich; 1. und schwer erbittert über die Antwort, die sie bis spätestens Samstag Abend in den Händen unserer Abonnenten sein, da die Drucklegung und Ausgabe an unsere Austräger bereits Freitag stimmte Meinung, daß die ganze Erscheinung desselben nichts, als ein von dem Kohlhaas angezetteltes Unternehmen sei, um die Regierung 00 110 von dem Großkanzler empfangen hatten, zeigten in Furcht zu setzen, und den Fall des Rechts- Nachmittag erfolgt. 150 sie dieselbe dem Kurfürsten, der am Morgen spruchs Punkt vor Punkt seinem rasenden N en Seite 8. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. f Nr. 26. Wablceeis biessen-bfünbeg-Ndda, Sonntag, den 3. September, pünktlich 1 Ahr Mittags zu Lollar im großen Weinrich'schen Saale: Kreis- Konferenz. Tages⸗Ordnung: 1) Kassen⸗ u. Geschäftsbericht des Kreis⸗Vertrauensmanns. 2) Neuwahl des Vorstandes für den Kreis Wahl⸗Verein. Oeffentlich Montag, 4. Sept., abends 9g Uhr in Lony's Bierkeller zu Giessen: * E Arbeiter versammlung. Referent: Reichs⸗ und Landtagsabgeordneter Karl Kloß aus Stuttgart. Alle Arbeiter und Arbeiterinnen sind freundlichst eingeladen.— Zur Deckung der Tageskosten wird ein freiwilliges Entré erhoben. Der Einberufer. 3) Die Thätigkeit des hessischen Landtags und die bevorstehende Neuwahl im Gießener Landkreis. Referent: Gen. Scheide⸗ mann. 4) Der deutsche Parteitag in Hannover. Referent: Gen. Krumm. Wir fordern hiermit die Parteigenossen im 1. hessischen Reichs⸗ tagswahlkreis auf, Stellung zur Kreiskonferenz zu nehmen und Delegierte zu wählen. Angesichts der bevorstehenden Land⸗ agswahl ist es dringend erforderlich, daß die Kreiskonferenz gut: besucht wird. Der Kreis⸗ Vertrauensmann: Der Vorsitzende des Kr.⸗W.⸗V. A. Bock. Ph. Scheidemann. Wahleis Ffiedbemg- Büdingen Sonntag, den 3. Sept., nachm. 3 Uhr in Friedberg,„Stadt New⸗York“, Haagstr. 11 Kreis konferenz. Tagesordnung: 1. Die bevorstehende Landeskonferenz. 2. Der Parteitag in Hannover; Anträge zu demselben ev. Wahl eines Dele⸗ gierten. 3. Verschiedenes.(Die Landtagswahl im Bezirk Vilbel.) Die Parteigenossen werden ersucht, alsbald die Wahl von Dele⸗ vierten vorzunehmen. Etwaige Anträge bitte ich womöglich schon vorher an mich gelangen zu lassen. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist das Erscheinen aller Vertrauensmänner dringend erwünscht. Der Kreisvertrauensmann Heinr. Busold. 8 — * 0 8 Geschäfts- Uebernahme. Dem geehrten Publikum von Gießen und Umgegend, sowie Sonntag, 10. Sept., nachm. 3 Uhr Weißbinderversammlung bei H. Größer, Großen⸗-Buseck. Das Erscheinen der Mitglieder ist dringend meiner werten Nachbarschaft zur gefl. Nachricht, daß ich das Colom ia ltwaren- Geschäft des Herrn Georg Herbordt vorm. Karl Petri Marktplatz Nr. 18 übernommen habe.— Gleichzeitig bringe ich zur Kenntnis, daß ich mein Spezial⸗Seifen⸗ und Parfümerie⸗Geschäft a in unveränderter Weise in meinem neuen Geschäft weiterführen werde. notwendig. Es wird mein Bestreben sein, meine werten Abnehmer durch nur gute Waren in jeder Weise zufriedenzustellen. Indem ich um geneigten Frankfurter Gie Mäusburg 12 braunen Herren⸗, . — 9 ——— — — Schuhlager Ssen. Mäusburg 12. Ausverkauf sämtlicher Schuhe und Stiefel für Damen und Kinder zu bedeutend herabgesetzten Preisen. Amtausch gestaltet. Der Fo- SsHunued. Zuspruch bitte, zeichne Hochachtungsvoll Emil Bender. Geschäftsverlegung. ne 1 U Einem geehrten Publilu. Kenntnis 5 chweihfe f U daß ich jetzt n 1 Wb e 0 N 2 l 16 Grünbergerstrasse 16 wozu ergebenst einladet wohne. Gleichzeitig bemerke ich, daß ich in circa 8 Tagen . d FFF Sonntag., 3. u. Montag. 4. Sept. 5 abegs Wirt zum„schwarzen Walfisch mein Geschäft ebenfalls dorthin verlegen werde. i Um die Umzugskosten möglichst zu reduzieren, lasse 8 eee ch bis zu diesem Tage auf meine sämtlichen Artikel eine For halld deutscher Tapezierer I. Perw. Berufsgenossel. — bedeutende Preisermäßigung Filiale Giessen. Der Vorstand erlaubt sich hiermit zu dem am Samstag, t 0 eintreten 8 Hochachtend 5 2. Sept. 1899 im Restaurant Busch, Grünbergerstraße statt⸗ Emil Kal bfle is. ch,—— Fumilien abend Bildhauer. ˖ ften hö i Gießen, den 17. August 1899.— Soeben erschien:..———— Stimmen der Freiheit. Blütenlese der hervorragendsten Schöpfungen unserer Arbeiter- und Volksdichter. D. Kaminka Giessen, Marktplatz 18 empfiehlt sein reichhaltiges F riedberg. Freunden und Parteigenossen bringe ich meine Wirtschcfft 2 8 8 e In. 5 0 5 1 02 mili„Lux Stadt Neu- ok“ 1 . ilie sollte das hochfeine, mit vielenst ee 33 1 h Ten, G 0 1 d 1 Porträts ausgestattete Werk 1 795 5 e Erinnerung. und fehlen..Steinhäuser Bier. g Man abonniert bei allen Spe-„Gute bürgerliche Küche. Silberwaren diteuren unserer Zeitung, sowie Aufmerksame Bedienung. zu billigsten Preisen. direkt bei der Erpedition Sonnen⸗ Achtungsvoll 5. 8 25, Buchhandlung Gustav Kühn. Eigene Reparaturwerkstätte. chneider. FFC H. Posern Marburg Aulgasse 4 Aulgasse 4 ist die beste und billigste Bezugsquelle für Schuhwaren. — Anfertigung nach Maaß.— Bürgerliches Gesetzbuch eleg. gebunden Mk. 1.— Zu beziehen durch Buchhandlung Schneider, Gießen, Sonnenstraße 25. Sc acd Peter Leppla Neustadt 79 Neustadt 79 offeriert rein wollenen Cheviot Restkoupons, passend zu kompl. An⸗ zügen zu bekannt billigen Preisen. Große Auswahl in losen u. fertig gerahmten Bildern u. Haussegen, aller Art bei H. 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