——ũ— nir en. keit * 1 E 28212.—EAEA * ————ů —— a 2 8 See eres urea g* —„ 9 ee ä Nr. 30. Gießen, den 29. Juli 1906. 13. Jahrgang. Redaktion: Mirchenplatz 11, Schloßgasse. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitu Nebaktionsschluß: Dounenztag Nachmittag 4 Uh. 15 Abonnementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Aus träger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch[ Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Postanstalt und die Expedition unter Kreuzbaud vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 5107) Bestellungen Juserate finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5gespalt. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung 33/% und bei mindestens 22 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Bei mindesteng Parteigenossen! Laut Beschluß des letzten Parteitages findet der diesjährige in Mannheim statt. Auf Grund der Bestimmungen der Parteiorganisation beruft die Partei⸗ leitung den diesjährigen Parteitag auf Sonntag, den 23. September, abends 7 Uhr, nach Mannheim in das Lokal„Apollo⸗ theater“, G. 6, 8 ein. Als provisorische Tagesordnung itt festgesetzt: Sonntag, den 23. September, abends 7 Uhr: Vorversammlung. Konstituierung des Parteitages. Fest⸗ setzung der Geschäfts⸗ und Tagesordnung. Wahl der Mandatsprüfungs⸗Kommission. Montag, den 24. September und die folgenden Tage: 1. Geschäftsbericht des Vorstandes. Berichterstatter: W. Pfannkuch und A. Gerisch. 2. Bericht der Kontrollkommisston. Berichterstatter: A. Kaden. 3. Parlamentarischer Bericht. Berichterstatter: G. Schöpflin. 4. Maifeier. Berichterstatter: R. Fisch er. 5. Der politische Massenstreik. Berichterstatter: A. Bebel. .Der internationale Kongreß 1907. Berichterstatter: P. Singer. 7. Sozialdemokratie und Volkserziehung. Berichterstatter: C. Zetkin und H. Schulz. 8. Strafrecht, Strafprozeß und Strafvollzug. Berichterstatter: H. Haase. 9. Sonstige Anträge. 10. Wahl des Vorstandes, der Kontrollkommisstion und des Ortes, an dem der nächste Parteitag stattfinden soll. Parteigenossen! Der Parteivorstand richtet an euch die Aufforderung, die Vorarbeiten für den Parteitag— also die Wahl von Delegierten wie die Stellung von Anträgen rechtzeitig zu bewirken. Die Anträge müssen spätestens am 27. August im Besitze des Vorstandes, Adresse: J. Auer, Berlin SW. 68, Lindenstr. 69, sein, wenn ste entsprechend den Bestimmungen des§ 14, Absatz 2 der Parteiorganisation im„Vorwärts“ ver⸗ öffentlicht und in die gedruckte Vorlage Aufnahme finden sollen. Berlin, den 28. Juli 1906. Mit sozialdemokratischem Gruß Der Parteivorstand. D Zaristischer Staatsstreich. Die russische Hof⸗ und Beamtenklique, die sich leider jetzt noch im Besitze der Macht befindet, hat einen Schlag gegen das Volk und die Revolution geführt. Sie brachte den schwäch⸗ lichen und willenlosen Selbstherrscher dazu, die Duma aufzulösen. Damit glaubt die herrschende Verbrechergesellschaft ihre Situation zu verbessern und ihre Macht aufs neue zu befestigen. Sie wird sich täuschen; der Stein ist im Rollen, die Tage der russischen Willkür⸗ herrschaft sind gezählt, das Volk wird nicht ruhen, bis es die Blut⸗ und Gewaltherrschaft abgeschüttelt und die verworfene und verlotterte Sippe der Zarenkreaturen davon gejagt hat. So wenig wie es vor hundert Jahren dem französischen Königtum gelang, durch Gewalt⸗ mittel die Befreiungsbewegung des Volkes auf. zuhalten, so wenig wird es Nikolaus mit seinen Kumpanen und Kosaken möglich sein, das poltttsch erwachte russische Volk auf die Dauer zu knebeln. 5 Revolution wird jetzt in ein neues Stadium reten. Der Erlaß, welcher die Auflösung der Duma verfügt, erschien am Sonntag spät in der Nacht. Er führt eine ziemlich unverschämte Sprache, spricht von Ungesetzlichkeiten und„Ungehorsam“ der Duma und davon, daß die Gesetze nur durch„unsern kaiserlichen Willen“ geändert werden könnten. Schließlich wird— es ist der reine Hohn!— eine neue Duma auf den 5. März 1907 einberufen! Bei dem jetzigen Verhalten des Zaren und seiner Einbläser möchten wir nicht dafür garantieren, daß Nikolaus diesen Termin noch erlebt! Nach Petersburg und anderen größeren Städten waren ungeheuere Truppenmassen zusammen⸗ gezogen worden und es ist klar, daß der Staats⸗ streich von langer Hand vorbereitet war, und er wurde längst erwartet. Die Auflösung des Parlamentes, das nur zwei Monate lebte, dürfte einen Wendepunkt in der revolutionären Bewegung bedeuten. Beide Teile, das Zarentum auf der einen, das nach Freiheit dürstende Volk auf der andern Seite, werden jetzt auf's Ganze gehen müssen. Zarenherrschaft oder Republik ist jetzt die Frage. Nikolaus hat den Beweis erbracht, daß auch in Rußland das monarchische Prinzip unsinnig ist. Schließlich werden selbst alle Monarchisten Rußlands, wenn sie ehrlich sind, erkennen, daß es der Würde eines mündigen Volkes nicht entspricht, das Amt eines Staats⸗ oberhauptes, das immer mit einer Fülle von Machtmitteln verbunden ist, in einer Familie erblich sein zu lassen, auf die Gefahr hin, daß Dummköpfe oder Schurken an das Regiment kommen. Die feierlichen Versprechungen des Zaren in seinem Oktober⸗Manifest sind einfach gebrochen worden, ganz nach dem Beisplel anderer Fürsten, die den Wortbruch sozusagen zum monarchischen Handwerksgebrauch machten. Der Hof wird es mit Blut und Eisen versuchen, wenn ihm das Eisen, die Armee, noch zur Verfügung steht. Er wird die Freiheit im Blut zu ersticken trachten. Der Zarismus setzt alles auf eine Karte, die letzte Karte. Die russische Volksvertretung hat mehr ge⸗ leistet, als man zuerst von ihr erwarten konnte. Sie hat monatelang die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf sich gezogen, ste hat entschieden Klärung gebracht und dadurch die Revolution gewaltig gefördert. Es ist zu hoffen, daß der nunmehr neu entbrannte Kampf mit sicherem Zielbewußtsein geführt und nicht mehr durch lügenhafte Versprechungen zum Stillstand ge⸗ bracht werden wird. * Der größte Teil der Dumamitglieder trat in Wyborg(die Stadt liegt in Finnland, wo größere Bewegungsfreiheit herrscht und die russische Regierung wenig Einfluß besitzt) zu⸗ sammen, um über die Lage zu beraten. Dort wurde folgendes Manifest an das Volk beschlossen: „Bürger des gesamten Rußland! Durch Ukas vom 8. 7.(alten Stils) ist die Reichs duma aufgelöst worden. Ihr habt uns zu Euren Vertretern gewählt und uns beauftragt, Land und Freiheit zu erkämpfen. In Wahrung Eures Auftrags und unser Pflicht verfaßten wir Gesetze, um dem Volk die Freiheit zu sichern. Wir forderten die Entfernung der der Verantwort⸗ lichkeit baren Minister, die, indem ste ungestraft die Gesetze verletzten, die Freiheit unterdrückten. Zu allererst jedoch wollten wir ein Gesetz er⸗ lassen betr. Verteilung von Land an die arbeitenden Bauern, nach welchem zu diesem Zweck Ländereien, die der Krone, der Apanagen verwaltung, den Klöstern und den Kirchen gehörten, diesen angewiesen werden, und die Zwangsenteignung von in Privatbestitz befindlichen Ländereien vorgenommen werden sollte. Die Regierung fand, daß ein solches Gesetz unzulässig sei, und als die Duma noch⸗ mals dringend ihren Beschluß betr. die Zwangs⸗ enteignung betonte, erfolgte die Dumaauflösung. Die Regierung verspricht, eine neue Duma nach sieben Monaten einzuberufen. Ganze sieben Monate muß Rußland ohne Volksvertretung bleiben, um eine Zeit, wo das Volk am Rande seines Ruins steht, wo Industrie und Handel untergraben sind, wo das ganze Land von Un⸗ ruhen erfaßt ist, das Ministerfum endgültig seine Unfähigkeit bewiesen hat, den Bedürfnissen des Volkes gerecht zu werden. Sieben Monate wird die Regierung voll Willkür handeln und gegen die Volksbewegung ankämpfen, um eine fügsame und dienstbeflissene Duma zu bekommen. Wenn es der Regierung jedoch gelingen sollte, die Volksbewegung vollständig zu unterdrücken, wird ste gar keine Duma einberufen. Bürger! Tretet für die mit Füßen getretenen Rechte der Volksver⸗ tretung und für die Reichsdum a ein. Nicht einen Tag darf Rußland ohne eine Volksvertretung bleiben. Ihr besitzt die Mittel, um diese zu erlangen. Die Regierung ist nicht berechtigt, ohne Einverständnis mit der Volksvertretung vom Volke Steuern zu erheben und das Volk zu Militärdienst einzuberufen. Daher seid Ihr jetzt, wo die Regierung die Duma aufgelöst hat, berechtigt, weder Geld noch Soldaten zu geben Gebt also bis zur Berufung der Volksvertretung keine Kopeke der Krone und keinen Soldaten der Armee. Seid standhaft in Eurer Weigerung! Bürger! In diesem erzwungenen, doch un⸗ umgänglichen Kampfe werden Eure Vertreter mit Euch sein!“ Zugleich mit der Auflösung der Duma wurde die Entlassung des bisherigen Minister⸗ präsidenten Goremykin und seine Ersetzung durch den Minister des Junern Stolypin veröffentlicht. Dieser ist natürlich aus keinem besseren Holze geschnitzt als seine ehrenwerten Vorgänger. Er wird so wenig wie diese in der Lage sein, den politischen und finanziellen Bankrott des Zarentums aufzuhalten. Möge das Volk recht bald zum Siege gelangen! Grundbegriffe der Politik“). (Fortsetzung.) Ein Stand ist eine Bevölkerungsgruppe, die im Staate politische Sonderrechte und Sonderpflichten besitzt. Der Ständestaat glie⸗ dert seine Angehörigen nach ihrer Herkunft und ihrem Beruf, in verschtedene Schichten(Adel, Geistlichkeit, Bürgertum, Bauernschaft), für deren jede besondere Vorschriften gelten. ) Siehe die beiden Artikel in Nr. 28 und 29, ———— ˙— e ee Seite 2. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Ar. 30. a Die Klasse hingegen ist eine Bevölkerungs⸗ gruppe, die in der Gesellschaft, und vor allem im wirtschaftlichen Leben der Ge⸗ sellschaft, im Produktions prozeß, eine be⸗ sondere Stellung einnimmt. Der herrschende Stand beherrscht kraft geschriebenen Rechts, die herrschende Klasse kraft ihrer tatsächlichen ge⸗ sellschaftlichen Machtstellung. Die Demokratte räumt jedem Staatsbürger das gleiche Recht ein, auf den Gang der Staatsgeschäfte tätigen Einfluß zu üben. Aber politische Tätigkeit kann nicht, oder nur unvollkommen ausgeübt werden ohne Wissen, ohne Muße, ohne wirtschaftliche Unabhängigkeit. Der freie„Bürger des freien Staates“, der keine oder nur geringe und schlechte Schulbildung erhalten hat, dem die Notwendig⸗ keit des Erwerbs jede Möglichkeit nimmt, poli⸗ tische Fähigkeiten zu erwerben und auszuüben, und der sich am Ende bei den ersten ungefügen Versuchen, freien Gebrauch von seinen politischen Rechten zu machen, vom Hungertode bedroht findet, ist, da er wirtschaftlich unterdrückt ist, in Wirklichkeit auch politisch beherrscht. Hingegen ist eine Gruppe von Staatsbürgern, denen der Wortlaut der demokratischen Ver⸗ fassung nicht die mindesten Vorrechte einräumt, die aber ihr Wissen, ihre freie Zeit, ihre wirt⸗ schaftliche Machtstellung dazu benützen, ihre An⸗ sichten im Staate zu der herrschenden zu machen, in Wirklichkeit auch eine herrschende Klasse. Ein Staat, in dem eine Klasse durch gesell⸗ schaftliche Macht herrscht, ist ein Klassenstaat. Darum kann man die„bürgerliche Demokratie“ (ohne darum etwas zu ihrem Nachteil zu sagen) die reinste Form des Klassenstaats nennen, weil hier die Klasse gar nicht mehr als Stand, sondern nur noch als Klasse herrscht. Im übrigen wird der Ausdruck:„bürgerliche Demokratie“ nur mit Vorsicht zu gebrauchen sein; denn wir wissen jetzt, daß er keine be⸗ sondere Staatsform bezeichnet(im Sinne der Staatsform gibt es keinen Unterschied zwischen z bürgerlicher“ und„proletarischer“ Demokratie), sondern einen Gesellschaftszustand, innerhalb welcher die bürgerliche Klasse von der demo— kratischen Staatsform zu Zwecken ihrer Herr⸗ schaft Gebrauch macht. Es ist damit natürlich nicht gesagt, daß andere Staaten, monarchische, oligarchische, nicht ebensogut oder noch besser „Klassenstaaten“, Instrumente der Klassenherr⸗ schaft sein könnten. Dann erscheint die beherrschte Klasse nicht nur wirtschaftlich unterdrückt, sondern auch politisch ganz und gar unfret, es fehlt ihr hier sogar jene formale Gleichberech⸗ tigung, aus der sie im Klassenkampfe ihre wirkliche Gleichberechtigung entwickeln kann. Der Klassenkampf entsteht dadurch, daß die beherrschte Klasse die politische und gesellschaft⸗ liche Freiheit zu erringen trachtet, während die herrschende Klasse ihre Herrschaft verteidigt. Die Gegner der Sozialdemokratie verbinden mit dem Begriff des Klassenkampfes, den ste als verwerflich hinzustellen trachten, die falschesten und abenteuerlichsten Vorstellungen. Nichts ist natürlicher, nichts selbstverständlicher, als daß eine unterdrückte Klasse das System der Unter- drückung, unter dem sie leidet, bekämpft. Wer also dem Klassenkampf verwerfen will, dem liegt der Bewets ob, daß es innerhalb der heute bestehenden Gesellschaftsordnung keine herrschende und keine beherrschende Klasse gibt. Da jeder Versuch, diesen Beweis zu führen, an den Tat⸗ sachen scheitert, kann die Erklärung einer Partei, daß ste„über dem Klassenkampfe“ stehe und den Klassenkampf verwerfe, nur so viel bedeuten, daß sie der beherrschten Klasse das Recht be⸗ streitet, den Kampf gegen die herrschende Klasse zu führen. Den Klassenkampf verwerfen, heißt ihn— bewußt oder unbewußt— führen auf Seiten der herrschen den Klasse! Jede Bemühung der beherrschten Klasse, eine Machtstellung im Staate und in der Gesellschaft zu erwerben und die erworbene zu erhöhen, ist eine Aeußerung des Klassenkampfes. Der Ar⸗ beiter, der für gleiches Wahlrecht oder für besseren Lohn, für bessere und freiere Volks⸗ bildung oder für verkürzte Arbeitszeit, für poli⸗ tische oder wirtschaftliche Forderungen eintritt, ist— bewußt oder unbewußt— ein Klassen⸗ kämpfer. So wird der Klassenkampf vielfach praktisch von Elementen geführt, die ihn theoretisch — weil ste ihn falsch verstehen— nicht aner⸗ kennen. Man kann den Klassenkampf nicht abschaffen, wenn man die Lehre vom Klassen⸗ kampfe„widerlegt“. Die Angehörigen der unterdrückten Klasse führen aber den praktischen Klassenkampf, den sie im Interesse der Selbst⸗ erhaltung führen müssen, besser und erfolgreicher, wenn ste Einblick in die Zusammenhänge des Staates und der Gesellschaft gewinnen, wenn sie ihre Klassenzugehörigkeit erkennen, wenn sie klassenbewußt sind! f Die Sozialdemokratie ist die Partei jener Klasse, die innerhalb der bestehenden Gesellschafts⸗ ordnung die beherrschte ist. Sie will keine neue dauernde Klassenherrschaft errichten, sondern jede Form der Klassenherrschaft beseitigen. Die Klassenherrschaft hat aber ihren Ursprung nicht in irgend einer Staatsform, sondern in der bestehenden Gesellschaftsordnung; gegen diese richtet sich also der Kampf der unterdrückten Klasse. Mit der Erringung der Demokratie hat der Klassenkampf noch kein Ende, aber die Demokratie ist die Staatsform, innerhalb welcher die unterdrückte Klasse ihren Befreiungskampf am besten führen kann; denn in der Demokratie kann ste kämpfen, durch den richtigen klassen⸗ bewußten Gebrauch staatsbürgerlicher Rechte, die ste in undemokratischen Staaten erst er⸗ obern muß. In der Demokratie ist der Wille des Volkes Gesetz; gelingt es hier der soztal⸗ demokrattschen Partei, trotz aller gesellschaftlicher Widerstände den Volkswillen durch die friedliche Kunst der Ueberredung in die Richtung ihrer Ziele zu drängen, so ist damit der Sieg der unterdrückten Klasse entschieden. Der monachische oder oligarchische Staat aber erkennt das Be⸗ fehlsrecht der Volksmehrheit nicht an, sondern stellt dem Volkswillen die Gewalt seiner Or⸗ ganisation entgegen— die friedliche Ueber⸗ redungskunst reicht hier allein nicht aus, son⸗ dern Gewalt steht gegen Gewalt. Die Gefahr, daß der Klassenkampf zu gewalt⸗ samen Zusammenstößen führt, ist also hier viel größer als in der Demokratie; ste kann nur dadurch vermieden werden, daß der Staat im entscheidenden Augenblick das Befehlsrecht der Volksmehrheit anerkennt, sich also dem Recht der Demokratie unterwirft. Denn gegen den entschlossenen und beharrlichen Willen einer großen Volksmehrheit ist jede Staatsgewalt ohnmächtig! Klassenkampf ist nicht gewaltsamer Umsturz und blutiger Bürgerkrieg. Inner⸗ halb der Demokratie können die gewalligsten Umwälzungen der Gesellschaftsordnung friedlich vollzogen werden; denn hier besteht keine Ge⸗ fahr eines Konfliktes der Volksmehrheit mit der organisterten Staatsgewalt. Minderheiten aber, die sich gewaltsam dem Volkswillen wider⸗ setzen, können unter Umständen auch gewaltsam gestürzt, die ihnen günstigen Staatsformen können gewaltsam gesprengt werden, wie das zurzeit in Rußland geschieht. Durch gewalt⸗ samen Umsturz können nur Staatsformen, nicht Gesellschaftsordnungen geändert werden! Alle bisherigen Revolutionen haben die Aenderung der Staatsform, nicht der Ge⸗ sellschaftsordnung zum Ziel gehabt. Es ist also unwahr, daß die Soztaldemokratie das Ziel ihres Klassenkampfes durch gewaltsamen Umsturz zu erreichen sucht. (Fortsetzung folgt.) UPA Politische Rundschau. Gießen, den 26. Juli 1906. Christliche Barbarei in Afrika. Wie von Seiten der deutschen„Kulturträger“ gegen die Eingeborenen gehaust wird, davon gibt eine kürzlich in der junkerlichen Kreuzzeitung nach dem Generalstabswerke über den Krieg in Südwestafrika gegebene Schilderung ein Bild. Nach der Darstellung des Generalstabs betrug die Zahl der am Waterberg konzentrierten Hereros 50 bis 60000 Köpfe, darunter 6000 mit modernen Gewehren Bewaffnete. Diese Massen wurden, trotzdem ihnen n nur 1500 Munn mit 30 Geschützen und 12 Maschinengewehren gegenüberstanden, geworfen und zur Flucht in die wasserlose Sandwüste der Omaheke abge⸗ drängt. Die deutschen Verluste betrugen 26 Tote und 60 Verwundete. Ueber die Verluste der Herero berichtet die„Kreuz⸗Ztg.“: 5 „Die Widerstandskraft der Hereros war völlig ge⸗ brochen, wie die am 13. beginnende Verfolgung zeigte. Die Szenen, die sich hierbei den verfolgenden Truppen boten, spotteten jeder Beschreibung. Das Straf⸗ gericht, das über die Hereros verhängt war, hatte seinen Anfang genommen und sollte in den Sandwüsten der Omaheke, wohin sich ihre Flucht wandte, sein Ende finden. Eine monatelange eiserne Abfperrung vollendete es. Die Berichte der deutschen Patrouillen⸗ führer geben erschütternde Bilder davon. So berichtet Oberleutnant Graf Schweinitz von seinem Ritte: „Von Ondown ab bezeichnete eine im Omuramba ausgetretene Fußspur, neben welcher Menschenschädel und Gerippe und Tausende gefallenen Viehes, besonders Groß⸗ viehes, lagen, den Weg, den anscheinend die nach Nord⸗ osten entwichenen Hereros genommen haben. Besonders in den dichten Gebüschen am Wege, wo die verdurstenden Tiere wohl Schutz vor den versengenden Strahlen der Sonne gesucht hatten, lagen die Kadaver zu Hun⸗ derten dicht neben⸗ und übereinander. An vielen Stellen war in 15 bis 20 m tiefen, aufgewühlten Löchern vergeblich nach Wasser gegraben... Alles läßt darauf schließen, daß der Rückzug ein Zug des Todes war.“ 5 In dem Berichte eines anderen Mitkämpfers heißt es darüber:„Das Drama spielte sich auf der dunklen Bühne des Sandfeldes ab. Aher als die Regenzeit kam, als sich die Bühne allmählich erhellte, und unsere Patrouillen bis zur Grenze des Betschuanalandes vorstießen, da enthüllte stch ihrem Auge das grauenhafte Bild verdursteter Heeres⸗ züge. Das Röcheln der Sterbendeg und das Wutgeschrei des Wahnsinnes... sie verhallten in der erhabenen Stille der Unend⸗ lichkeit.“.... Die Hereros hatten aufgehört, ein selbstständiger Volksstamm zu sein.“ Mindestens 40 000, vier zigtausend Menschen haben damals im Fieberwahnsinn des Verdurstens ihr Leben in der Omaheke ausgehaucht! Sie konnten nicht zurück infolge der monatelang durchgeführten etsernen Um⸗ klammerung. Trotha, der„große General“, hatte ja den Befehl gegeben, jeden Herero, ob bewaffnet oder unbewaffnet, niederzuschießen auch Frauen und Kluder sollten durch Flinten⸗ schüsse über die Köpfe weg wieder in den Tod des Verschmachtens zurückgetrieben werden! Und die Rassenvertilgung geschah! Vierzigtausend, darunter wohl dreißigtausend Frauen, Greise und Kinder, gingen im Delirium des Hungers und des Durstes zugrunde! f Und diese„christliche“ Kolonialpolitik erhielt den Segen der geschettelten und tonsu rierten Pfaffen! Sind diese furchtbaren Menschen⸗ schlächtereien nicht der blutigste Hohn auf das Christentum und die europäische„Kultur“? Zwei Reichstagsersatzwahlen. Vorige Woche haben kurz nacheinander zwei Ersatzwahlen für verstorbene Reichstagsabge⸗ ordnete stattgefunden. Durch den Tod des Freisinnigen Richter war der Wahlkreis Hagen⸗ Schwelm verwaist und Hofgeismar⸗Rintelu hatte für den Antisemiten Reventlow Ersatz zu wählen. In beiden Kreisen war unsere Partei 1903 in der Stichwahl gewesen, doch konnten wir den. endgiltigen Sieg nicht erringen und ein solcher ist auch jetzt kaum zu erwarten. Doch haben wir in beiden Kreisen recht günstige Resultate zu verzeichnen. In Hagen erhielt am Donners⸗ tag unser Genosse König 16 298, Cuno(freis.) 11189, Becker(Zentr.) 5086, Moldenhauer(natl.) 4545, Mumm(Christlich⸗soztal.) 2158 und Coh⸗ zewskt(Pole) 149 Stimmen.— Im Jahre 1903 erzielte der Sozialdemokrat 13 870, Richter 10 572, der Nationalliberale 5786, das Zentrum 4526 und die Christlichsozialen 1855 Stimmen. In der Stichwahl stegte Richter mit 20 987 gegen 15018 Stimmen. Die Sozialdemokratie hat 2400 Stimmen gewonnen, während die gesamten Gegner noch keine 200 Stimmen mehr als 1903 aufbrachten. Für die Nationalliberalen, die über 1200 Stimmen verloren haben, bedeutet auch diese Wahl ein Zeichen des un⸗ aufhaltsamen Niedergangs. Die Stichwahl dude ung llen⸗ chttt bg und toß⸗ ord⸗ der den der un⸗ len läßt des rs wei ge⸗ de el ate el. in kl 1 t b 1 I. Nr. 30. Mitteldentsche Sonutags⸗Zeitung. Seite 3. sst bereits auf Freitag, den 27. Juli, angesetzt. Ob ste für uns günstig ausfallen wird, ist natürlich sehr fraglich, zumal schon alle aus⸗ gefallenen Parteien Unterstützung des Freisinns beschlossen haben. Möglich, daß vielleicht einige hundert Zentrumsleute entgegen der ausge⸗ gebenen Parole für unsern Kandidaten stimmen, ausreichen wird es aber kaum, höchstens, wenn sich die übrigen Zentrumswähler sämtlich der Wahl enthalten würden, was jedoch nicht an⸗ zunehmen ist. Wie aber die Stichwahl immer ausfallen mag, die Sozialdemokratie wird diesen Wahlkreis in nicht zu ferner Zeit aus eigener Kraft erobern! In Rinteln⸗ Hofgeismar haben wir ebenfalls ein recht günstiges Resultat zu ver⸗ zeichnen: über 500 Stimmen Zunahme. Die Stimmenzahl der Gegner steigerte sich um 400. Das Stimmenverhältnis ist folgendes: Herzog (Antisemit) 6318; Vetterlein(Soz.) 3995; Rocke(natl.) 1189; Helmerich(reformparteilicher Antisemit) 1882; Röhrig(freis.) 935 Stimmen. Auch hier haben die Nationalliberalen wieder einen ganz bedeutenden Verlust, sie büßten fast die Hälfte ihrer Stimmen ein! Dle Stichwahl wird hier jedenfalls zu dem Siege des antise⸗ mitischen Bündlers führen.— Beide Wahlen aber beweisen wiederum, daß die Soztaldemo⸗ kratie unaufhaltsam im Vormarsch begriffen ist. — In diesem Wahlkampfe gings im Uebrigen recht heiter und urwüchsig zu. Die antise⸗ mitischen Brüder— die Liebermänner und Zimmermänner— prügelten sich unter⸗ einander und ein Berliner Freisinniger namens Höpeler wurde vom Landrat v. Buttlar in einer öffentlichen Wirtschaft mit Ohrfeigen bedroht und dann in Gegenwart des Land⸗ rats vom Landratsboten mißhandelt! Ge⸗ bildete Leute! „Rückgang“ der Sozlaldemokratie. Als wir nach unserm Dreimillionen⸗Siege von 1903 bei einer Anzahl Ersatzwahlen Stimmenverluste zu verzeichnen hatten, wurde die bürgerliche Presse nicht müde, vom Rückgang der Sozialdemokratie zu schreiben und besonders taten sich die Nationalliberalen und die um Naumann darin hervor. Jetzt, nach den letzten Wahlen lautet das Urteil wieder anders. So schreibt die agrarische„Volksw. Korrespondenz“: „Ein verhäugnisvoller Irrtum, vor dem nicht genug gewarnt werden kann, wäre es, anzu⸗ nehmen, die Sozialdemokratie habe ihren Er⸗ oberungszug bereits volleudet. Schon bei den Hauptwahlen von 1903 verfügte die Partei in zahlreichen Wahlkreisen über so starke Minder⸗ heiten, daß es gewissermaßen nur als Sache des Zufalls angesehen werden mußte, wenn nicht 20 bis 30 Genossen mehr in den Reichstag gelangten... Wenn nicht alle Anzeichen trügen, dürfte die Partei ihre bisherigen Mandate bei künftigen Wahlen mit ganz geringfügigen Aus⸗ nahmen behaupten und noch eine ganze Reihe dazu erobern. Das ist der Erfolg der Orgaui⸗ sation und Agitation, denen die bürgerlichen Parteien nichts Gleichwertiges an die Seite zu stellen vermögen.“ Und ähnlich spricht sich die Norddeutsche Allgemeine Zeitung aus. Nun, bet unserer Orgauisation fehlt es noch immer hier und da, das Lob ist also nicht im ganzen Umfange verdient. Aber die beste Organisation nützt nichts ohne die werbende Kraft unserer Sache! Und es zeigt sich, daß trotz aller nur denkbaren Verfolgung und Verleumdung der Sozialdemokratie, sich die Wahrheit doch durch⸗ bohrt und die Erkenntnis von der Richtigkeit unserer Grundsätze und der Notwendigkeit des Sozialismus immer weiteren Kreisen aufdrängt. Daran ändern auch vorüberge ende Stimmen⸗ verluste nichts, ebensowenig wird der vielge⸗ predigte Zusammenschluß der bürgerlichen Par⸗ teien im Stande sein, den Vormarsch der völker⸗ befreienden Sozialdemokratie aufzuhalten. Das Parteitagslokal verweigert Für den Parteitag hatten unsere Mann⸗ heimer Parteigenossen den„Rosengarten“, den 925 großen Festsaal, gemietet. Nun hat der Stadtrat die Zusage, das Lokal zum 23. September herzugeben, zurückgezogen. Warum? Weil im September der Großherzog Mannheim besuchen will und weil der Besuch des Hofes und der sozialdemokratische Partestag zeitlich zu nahe an einander zu liegen kämen! — Doch der Parteitag wird deshalb nicht ob⸗ dachlos sein. Er wird zur bestimmten Zeit am 23. September stattfinden und zwar in dem großen Apollosaale des mitten in der Stadt gelegenen Badischen Hofes. Dieser Saal eignet sich vortrefflich dazu und war vorher bereits dafür ins Auge gefaßt.— Zu all' dem stellte der„liberale“ Herr Bassermann, der im Mannheimer Stadtrat sttzt, dort den Antrag, der Stadtrat solle gegen die„Volksstimme“ wegen des Vorwurfs des Wortbruches Straf⸗ antrag stellen. In der Abstimmung darüber, an der sich die vier sozialdemokratischen Stadt⸗ räte nicht beteiligten, stimmten die nattonal⸗ liberalen Mannen sämtlich mit Bassermann; der Antrag wurde aber doch durch die übrigen Stadträte und die vier Bürgermeister nieder⸗ gestimmt, so daß dem Mannheimer Stadtrat die Schande erspart bleibt, sich den Wortbruch gerichtlich bestätigen zu lassen. Kapitalisten⸗Interessen in der Gemeindevertretung. In der Frankfurter Stadtverordneten⸗ Versammlung gab es kürzlich gewaltigen Lärm. Die biederen bürgerlichen Stadtväter warfen unserm Genossen, Stadtverordneten Zielowski, vor, daß er ste, die Stadtväter, schwer beleidigt habe und schließlich beschlossen ste noch, den sozialdemokratischen Sünder beim Kadi zu ver⸗ klagen. Um was es sich bei der Sache dreht, ist kurz das Folgende: Im Mat brachte der Magistrat an die Stadtverordnetenversammlung eine Vorlage, welche die Aufhebung einer städti⸗ schen Straße und deren Verkauf an die Adler⸗ fahrradwerke befürwortete. Die Straße führt durch die Fabrik der Adlerfahrradwerke und verbindet auf eine beträchtliche Strecke als einzige Querstraße zwei miteinander parallel laufende Verkehrsstraßen. Stadt. Zielowskt wandte sich gegen den Verkauf, einmal aus prinzipiellen Gründen, dann aber auch, weil der Preis, den der Magistrat von der Aktiengesellschaft forderte, viel zu niedrig war. Der Magistrat hielt 35 Mk. für den Quadratmeter Straße für einen angemessenen Preis. Der Tiefbauausschuß, an den die Vorlage zur Prüfung überwiesen wurde, fand die Bedenken Zielowskis, soweit die Preis⸗ festsetzung in Betracht kam, gerechtfertigt und erhöhte den Preis auf 55 Mk. per Quadrat⸗ meter. Nun geschah das merkwürdige: als der Tiefbauausschuß berichten wollte, erhob sich der zweite Bürgermeister und erklärte, der Magistrat ziehe die Vorlage zurück. Damit glaubte man die Sache für erledigt. Um so größer war das Erstaunen, als nach einigen Wochen dieselbe Vorlage wieder an die Stadtverordnetenversamm⸗ lung kam und nun vom Magistrat ein Preis von 42 Mk. per Quadratmeter festgesetzt war. Der Tiefbauausschuß prüfte wleder und fand merkwürdigerweise nun auch, daß ein Preis von 42 Mk. per Quadratmeter angemessen sei. Zielowskt protestierte wieder gegen diesen Ver⸗ kauf und sagte dabei u. a.:„Er könne sich des Gedankens nicht erwehren, daß bei diesem Handel geheime kapitalistische Kräfte im Spiele seien.“ Darüber gab's großen Lärm, worauf Zielowski bemerkte:„Na, meine Herren, es ist doch ein offenes Geheimnis, daß einzelne Herren hier offen und versteckt Grundstückspekulation treiben.“ Nun folgte ein großer Entrüstungsrummel und man beauftragte schließlich den Sentoren-Konvent mit Untersuchung der Zielowski'schen Beschuldi⸗ gungen. Bei dieser Untersuchung suchte man das Getechtsfeld insofern zu verschieben, als man von Zielowski verlangte, er möge die Namen derjenigen Stadtverordneten neunen, welche zum Nachteil der Stadt gehandelt hätten, sowie die Tatsachen mitteilen, wodurch dies geschehen sei. Eine solche Behauptung hatte Z. aber gar nicht aufgestellt. Infolgedessen erklärte er, hierzu keine Namen nennen zu können, wohl aber nannte er den Namen eines Stadtverordneten, der nicht ganz einwandfreie Hypothekengeschäfte gemacht hatte. Der Senioren- Konvent hat sich von dem Herrn die Verträge vorlegen lassen und diese für einwandfrei erklärt. Nunmehr kam die Sache in der öffentlichen Sitzung zur Verhandlung. In dem Bericht des Untersuchungs⸗Ausschusses waren die von Zielowski angeführten Tatsacken als belanglos hingestellt, die Mehrheit konnte nichts Schlimmes entdecken. Genosse Dr. Quark erstattete einen Minderheitsbericht, in dem er eingehend Hartat, daß selbst vom bürgerlichen Standpunkt aus das Ergebnis der Untersuchung ande ns zu würdigen sei, wie es geschehen war. Aber da⸗ mit predigte er tauben Ohren. Die bürgerliche („freisinnige“!) Mehrheit wollte ein„Exempel statuieren“. Und so sagte einer nach dem andern sein Entrüstungssprüchlein herunter. Und schließ⸗ lich hielt der Freisinnsheld Dr. Helff eine große Pauke gegen Zielowskt, verlangte, diesem die schärfste Mißbilligung auszusprechen und im Uebrigen die Sache zur weiteren Verfolgung an den Staatsanwalt zu überweisen. Und so geschah es. Die„freisinnige“ Frankfurter Stadt⸗ väter⸗Mehrheit zitiert den unbequemen Kritiker vor den Kadi und blamiert sich damit vor aller Welt. Schöne Gemeindevertreter, die sich unter den Schutz des Staatsanwalts flüchten! Und das will noch frei 100 und demokratisch sein, will die Bürger⸗Freiheit und ⸗Selbständigkeit hochhalten! Zielowski erklärte, daß er der Klage mit Ruhe entgegensehe und es wird sich ja zeigen, wer bei der Affaire am schlechtesten abschneidet. Eine interparlamentarische sozialistische Konferenz wurde vorige Woche in London abgehalten. Vertreten waren die sozialdemokratischen Parteien von England, Deutschland, Oesterreich, Rußland, Frankreich, Holland und Belgien. Beschlossen wurde zunächst, auch die russischen parlamenta⸗ rischen„Gruppen der Arbeit“ zur Konferenz mit zuzulassen. Nach einer längeren Diskusston über die Kompetenzen der interparlamentarischen Kommission wurde beschlossen, diese Frage ge⸗ legentlich des internationalen Kongresses zu Stuttgart zu verhandeln. Auf Antrag Vaillant (Frankreich) wird beschlossen, die interparla⸗ mentarische Konferenz zu einer außerordentlichen Sitzung im November ds. Is. nach Brüssel zu berufen und gleichzeitig mit dem Internationalen, Sozialistischen Bureau, das ebenfalls im No⸗ vember zusammentritt, über die Frage zu ver⸗ handeln, welche Mittel in Anwendung gebracht werden können, um den Frieden in Europa zu sichern. Kleine politische Nachrichten. Der einzige Däne im deutschen Reichstage, Jessen, ist am Sonntag in Kopenhagen gestorben. Er vertrat den schleswig⸗holsteinschen Wahlkreis Haders⸗ leben⸗Sonderburg, der den Dänen sicher ist. Wahlrechtsdemonstration in Serbien. Am Sonntag fand in Belgrad auf einem weiten Platze hinter dem königlichen Palaste eine große Versammlung zu Eunsten des allgemeinen Wahlrechts statt, an der auch drei ungarische Genossen teilnahmen. Nach einem demonstrativen Umzug durch die ganze Stadt gingen die Manifestanten in bester Ordnung auseinander. 5—— Bon Nah und Lern. Hessisches. —„Falsche Wage ist dem Herrn ein Greuel“— dieses Bibelwort soll für die sonst doch so bibelgläubigen Bauern keine Geltung haben. Das Bündler⸗Organ verkündete neulich mit freudiger Genugtuung ein Erkenntnis des hessischen Oberlandesgerichts, das den Land⸗ wirten gewissermaßen die Erlaubnis gibt, falsches Maß und Gewicht zu führen. Der Sachverhalt ist folgender: In Vilbel wurde bei dem Landwirt Gg. Kalbhenn ein Milchmaß und bei dem Landwirt Jam in eine Wage durch den Eichmeister beschlagnahmt, und die beiden mit 2 Mk. Geldstrafe belegt, weil Wage wie Maß den gesetzlichen Anforderungen nicht entsprachen. Die Gießener Strafkammer bestätigte auf die erhobene Beschwerde die Strafe, das Oberlandes⸗ 1 hat jedoch als Revisions⸗Instanz die eiden Landwirte freigesprochen. Das Gießener Gericht hatte sestgestellt, daß Landwirt Bernhard Jamin außer Gastwirtschaft und Backsteinbrenneret auch umfangreiche Land⸗ Seite 4. Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung Rr. 30.4 wirtschaft betreibe, 70 bis 80 Morgen Feld bestelle, alljährlich 5060 Doppelzentner, in schlechten Jahren auch wohl nur 20 Doppel⸗ zentner Kartoffeln nicht an Zwischenhändler, soudern direkt an die Konsumenten in einzelnen kleinen Quantitäten zu jeder Zeit abgebe, je nachdem Vorrat und Nachfrage danach vorhanden sei. Die Revistonskommission habe am 9. November 1905 im Keller bet den Kartoffeln eine Wage vorgefunden und beschlag⸗ nahmt, die den gesetzlichen Vorschriften nicht entspreche. Die Konstruktion der Wage sei un⸗ statthafl, die Wage sei nicht gestempelt und er⸗ gebe beim ersten Wiegen einen Wiegefehler von 1200 Gram m, der die zulässige Fehler⸗ grenze von 200 Gramm um das sechsfache übersteige; des Nachweises, daß diese Wage zum Wiegen der verkauften Kartoffeln verwendet worden sei, bedürfe es nicht, die Tatsache des Besitzes genüge. Nun hatte aber ein findiger Rechtsanwalt ausgeklügelt, daß das Gesetz nur den gewerbs⸗ mäßig Verkaufenden mit Strafe bedrohe und zum Gewerbe werde die Landwirtschaft nicht gerechnet. Wirklich schlug dieser Einwand trotz der entgegenstehenden Auffassung des Ge⸗ neralstaatsanwalts durch, das Gericht sprach die Angeklagten frei mit der Begründung: § 369,2 R. St. G. B. kann auf Landwirte, bezw. auf alle Personen, welche in regelmäßiger Wiederkehr und in der Absicht, unmittelbaren Gewinn zu erzielen, Produkte ihrer eigenen Viehzucht, ihres Garten⸗ oder Feldbaues nach Maß oder Gewicht verkaufen, nicht angewendet werden. Damit ist ausgesprochen, daß die Landwirte ein Vorrecht genteßen, das das bei ihnen kaufende Publikum zur Vorsicht mahnen muß. Und wenn das Bündlerblatt glaubte, durch die Be⸗ kanntgabe dieser Entsch idung den Landwirten einen Dienst zu erweisen, so kann sich das noch als ein recht schlechter Dienst erweisen, denn es können ihnen Unannehmlichkeiten aller Art daraus erwachsen. Gießener Angelegenheiten. — Lokalabtreiberei. Ueber die Wirt⸗ schaft„Lonys Bierkeller“ ist vor einiger Zeit das Militärverbot verhängt worden, weil in diesem Saale Partei⸗ und Gewerkschafts⸗ versammlungen abgehalten wurden, wie der Regimentskommandeur dem Wirte auf seine Beschwerde erklärt haben soll. Man wendet danach hier wieder den Militärboykott gegen die Arbeiterbewegung an; die Militärbehörde glaubt jedenfalls, sich mit diesem Mittel ebenfalls am Kampfe gegen die Arbeiterbewegung beteiligen zu sollen, ste dürfte sich aber läuschen, wenn sie glaubt damit Erfolge zu erzielen. Das Mittel wird schließlich ebenso versagen wie in Sachsen. Dort sahen sich endlich die Wirte im Interesse ihrer Existenz genötigt, sich gegen die militärische Bevormundung zu wehren und sie hatten vollen Erfolg. Hier besteht zwar ein Wirteverein, der scheint es aber nicht für seine Aufgabe zu halten, Matznahmen gegen die Schädigung des Gewerbes durch die Militärbehörde zu ergreifen. Für größere Versammlungen steht uns gegen⸗ wärtig kein Lokal zur Verfügung. Unsere Ge⸗ nossen werden sich aber zu helfen wissen. Sie werden Mittel zur Beseitigung des Mißstandes finden und sie anwenden, auch wenn sie den Wirten dann weniger angenehm sind. Vor allem muß jetzt jeder Parteiangehörige die uns zu Versammlungen ver wei⸗ gerten Lokale unbedingt meiden, selbst⸗ berständlich auch Festlichkeiten, die dor abge⸗ halten werden. Vorläufig kommen dabei nur Café Leib und Lonh's Bierkeller in Betracht. Es muß ein jeder für seine uner⸗ läßliche Pflicht halten, die im Interesse unserer Sache gebotenen Maßnahmen zu unterstützen; zeigen wir, daß wir die richtige Antwort auf die uns widerfahrene Behandlung zu geben wissen! — Mit einer Erweiterung des Schlachthofes beschäftigten sich die Stadt⸗ verordneten am vorigen Donnerstag. Nach den Vorschlägen der Bürger meisterei soll diese Ver⸗ größerung sich auf alle Anlagen des jetztigen Schlachthauses in der Weise erfolgen, daß dieses für den Betrieb ausreicht, wenn sich die Ein⸗ wohnerzahl Gießens aufs 50 000 erhöht. Man war sogar so vorsorglich, eine Vergrößerung vorzusehen, die für eine Stadt von 100 000 Einwohnern genügen würde! Der Kostenauf⸗ wand beläuft sich auf 435 000 Mk. Kru m m wünschte dabei, daß man auch Kühlzellen vor⸗ sehen solle, die andere Geschäftsleute, Geflügel⸗ händler ꝛc. benutzen könnten; der Oberbürger⸗ meister entgegnete, daß die Metzger sich dagegen ausgesprochen hätten, weil das Fleisch den Ge⸗ ruch von andern Sachen annehme. Schließlich wird dem Plane im allgemeinen zugestimmt. — Das Jugendfest am Donnerstag nahm bei herrlichem Wetter den besten Verlauf. Eine überaus große Menschenmenge hatte sich im Philosophenwald eingefunden, wo der Aufent⸗ halt diesmal weit angenehmer war als beim Feste vor zwei Jahren; damals herrschte be⸗ kanntlich ein unerträglicher Staub. Den Kindern macht das Fest viele Freude und wir meinen, daß es auch sonst keine Nachteile bringt. Warum es die Mehrheit unserer Stadtväter beseitigen will, ist eigentlich ganz unverständlich. Dies⸗ mal war es noch dem geschickten Eingreifen unseres Genossen Krumm zu verdanken, daß ein Jugendfest beschlossen wurde. — Vom„sozialdemokratischen Briefdieb⸗ stahl“ faselte das Amtsblatt dieser Tage, weil der „Vorwärts“ einige Briefe aus dem Reichsverband der Sozialistenvernichter veröffentlichte, die wieder einen kleinen Einblick in die schmutzige Kampfesweise dieser Gesellschaft gewähren. Diese Schriftstücke sind dem Abg. Fischer von einem Angestellten des Reichsverbandes in's Haus gebracht worden, von einem„Diebstahl“ ist also keine Rede. Wenn aber mal vertrauliche Briefe aus der sozialdemokratischen Partei veröffentlicht würden, mit welcher Wollust würde sie der Anzeiger abdrucken und ausbeuten, auch wenn sie gestohlen wären!— Charak⸗ teristisch ist aber eine Bemerkung des Anzeigers dazu. Er sagt:„... Man(die Sozialdemokraten) war so liebenswürdig, uns den Genossen Fichtner als Ersatzmann anzubieten.“ Ist der Anzeiger eine Filiale des Reichsverbands? Fast scheint es so! — Bauarbeiterschutz. Die vor einiger Zeit in Gießen errichtete Bauarbeiterschutz⸗ Kommission nahm am 11. April ds. 35. eine Baukontrolle vor, deren Ergebnisse jetzt vorliegen. Danach wurden 33 Bauten kon⸗ trolliert(darunter 1 Staatsbau und 2 städtische Bauten), an denen zusammen 438 Arbeiter be⸗ schäftigt waren.— Die Unfallverhütungsvor⸗ schriften fehlten an 6 Baustellen, die städtischen Bestimmungen an 31. Gerüste waren nur an 8 Bauten vorschriftsmäßig; mangelhaft an 7 und an 4 waren überhaupt keine vorhanden. Baubuden waren in 8 Fällen vorschrifts⸗ mäßig, bei 21 Bauten mangelhaft, bei 4 fehlten sie überhanpt. Aborte fehlten ebenfalls auf 4 Baustellen, auf 11 befanden sie sich in gutem, auf 18 in schlechtem Zustande. Ferner war an 12 Neubauten die Balkenlage vorschriftsmäßig abgedeckt, an 7 dagegen ungenügend oder gar nicht. Kästen mit Verbandsmaterial war nur an zwei Baustellen vorhanden.— Man steht hieraus, wie mangelhaft es mit dem Bauarbeiter schutz bestellt ist, wie viel noch in dieser Beziehung au dem absolut Notwendigen fehlt. Hier muß deshalb jeder Bauarbeiter im Interesse seiner gesunden Glieder auf Besserung dringen! — Der Werkmeister. Wenn mal ein Arbeiter eine etwas„höhere Staffel“ erklommen hat und Werkführer oder Parlier geworden ist, geht mit ihm in den meisten Fällen eine Gesinnungsänderung vor. Leute, die vorher Schulter an Schulter mit ihren Kollegen den politischen und wirtschaftlichen Kampf führten, ziehen sich zurück, glauben nicht mehr mit den Arbeitern verkehren zu können, wenn ste Werk⸗ führer geworden sind und halten sich schließlich für verpflichtet, das nackte kapitalistische Interesse des Unternehmers vertreten zu müssen, und nehmen gegen die Arbeiter und ihre Bestrebungen Stellung, obgleich sie selber Arbeiter sind. Das beweist der Brief eines Gießener Werkführers, den die Tabakarbeiter⸗Zeitung veröffentlichte und den dieser an einen Freund in Hadersleben richtete. Er lautet: Gießen, 26. Juni 1906, Mein lieber Freund! Wie geht es Dir und Deiner Familie? Hoffentlich gut. Auch mir geht es sowelt gut, nur daß man bis über die Ohren in der Arbeit steckt. Du wirst wohl gehört haben, ein Streik ausgebrochen war, 10 55 a a nennen, als frivol, um einer Bagatelle wegen einen Streik vom Zaun zu brechen, welcher zum Nachteil der Arbeiter verlaufen ist, indem fast sämtliche ausständigen Spinner bis auf einen in die Fremde gezogen sind. Ich möchte nun bei Dir mal anfragen, wie es mit Dir steht, ob Du vielleicht Lust hast, hier anzufangen, Du könntest hier sehr gut bei 9 stündiger Arbeitszeit Deine 27-33 Mark pro Woche verdienen, mein erster Spinner bringt es auf 35 Mark. Vielleicht weißt Du sonst noch zwei tüchtige, solide Spinner, welche Lust haben nach hier, ich wäre Dir zu Dank verpflichtet. 929 usw. Dein Freund Fr. W..., Steinstr. us dem Abdruck seines Briefes ersieht Meister W..., meint die Tabatarbeller. Zehn dazu, wie sein„lieber Freund“ die„Freundschaft“ zu würdigen weiß, die ihn verleiten will, seinen kämpfenden Brüdern in den Rücken zu fallen. Für solche„Freundschaft“ dankt jeder Arbeiter, der auf seine Ehre achtet und die Interessen seiner Mitarbeiter, die auch die seinigen sind, nicht verrät. Außerdem wird aber die Wahr⸗ heit in dem Briefe ganz gewaltig mißhandelt. Bekanntlich sind die Gail'schen Tabakspinner nicht in den Streik getreten, sondern sie wurden ausgesperrt um einer Bagatelle willen, wie Herr W. ganz richtig sagt. Wenn die Forderung der Arbeiter nur eine Bagatelle war, so ist es um so bezeichnender für den Unternehmer, daß er die„Bagatelle“ nicht bewilligt, sondern es auf einen Streik ankommen läßt. Und für den Werkmeister mußte es eine Kleinigkeit sein, hier die Vermittelung zwischen Arbeiter und Unter⸗ nehmer zu übernehmen, die Bagatelle im Hand⸗ umdrehen zu erledigen. Damit hätte er besser getan, als Streikbrecher zu werben, denn das st doch keine lobenswerte Beschäftigung. Die Angaben über Löhne und Arbeitszeit entsprechen ebenfalls den Tatsachen nicht, wie ja allgemein bekannt ist. Die Herren Werkführer würden auch in ihrem eigenen Interesse bedeutend klüger handeln, wenn sie mehr zu ihren Klassengenossen, den Arbeitern, als zu den Unternehmern hielten, denn sie haben ihre Stellungen doch auch nicht auf Lebenszeit, sie können bet Gelegenheit mit derselben Leichtigkeit auf die Straße gesetzt werden, wie es dem Arbeiter passtert. — Ueber denpolitischen Massen⸗ streik spricht diesen Samstag Abend Genosse Dr. Michel s⸗Marburg in der Versammlung des Wahlbereins, die wie immer bei Orbig stattfindet. Die Parteigenossen wollen sich dazu recht zahlreich und pünktlich einfinden. — Abg. Dr. David spricht am Mon⸗ tag(30.) Abend in öffentlicher Volksversamm⸗ lung im„Wiener Hof“ über„Fragen der Reichs⸗ politik.“ Die Versammlung wird im Lokale und Garten abgehalten und es wird recht zahl⸗ reicher Besuch erwartet. — Feste. Wir machen nochmals auf das Fest der Freien Turnerschaft auf der Pulver⸗ mühle und der Tabakarbeiter in Heuchelheim aufmerksam, die beide am Sonntag stattftinden. Siehe Inserate. Aus dem Rreise gießen. — Wieseck. Die Gründung einer Freien Turnerschaft ist hier in die Wege geleitet und es haben bereits 55—60 Mann ihren Bei⸗ tritt erklärt. Die Einzeichnungsliste liegt bei Wacker aus, wo sich noch zeder einzeichnen kann, der Lust und Liebe zur Sache hat. Samstag, den 4. August soll eine Versammlung über das Weitere beschließen. 5 — In Groß enlinden spricht Genosse Dr. David diesen Samgtag in öffentl. Volks⸗ versammlung im Saale des Herrn Weigandt. Unsere Parteifreunde wollen für recht guten Besuch sorgen. r. Bezirkskonferenz in Trohe. Wie in den Vorjahren wollen auch diesmal die Partei⸗ genossen in Altenbuseck, Rödgen, Trohe und Wieseck über die Beschickung der Landeskonferenz und andere Parteifragen gemeinsam beraten und zu diesem Zwecke ist eine Bezirkskonferenz auf den 5. August nach Trohe einberufen worden, deren nähere Tagesordnung unter Parteinach⸗ richten nachzulesen ist. Die genannten Orte werden darauf aufmerksam gemacht, daß je drei Delegierte von jedem Orte stimmberechtigt sind, — Nr. 30. Mitteldeu ische Souutags⸗Zeitung. Seite 5. selbstverständlich hat aber jeder Genosse Zutritt, und es wird zahlreicher Besuch erwartet. — Versammlungen hielt Dr. David am Samstag und Sonntag in Gedern und Kohden bei Nidda ab. Obwohl diese nicht fehr stark besucht waren, weil jetzt auf dem Lande nicht die geeignete Zeit ist, sind doch gute agttatorische Erfolge dabei erzielt worden. Aus dem Rreise griedberg⸗Büdingen. h. Die Religion muß dem Volke erhalten werden. In Vilbel nehmen die evangelischen Pastoren Sonntags in der Gewerbeschule Religions⸗ übungen vor. meist Söhne von Bauhandwerkern und sonstigen Ar⸗ beitern, der Gottesfurcht und frommen Sitte erhalten bleiben, kommt der Pfarrer allsonntäglich zur Schule, um eine halbe Stunde, unter Umständen noch länger, mit den Schülern zu beten. Unseres Erachtens ist die Zeit, die den Schulbesuchenden an Sonntagen zur Ver⸗ fügung steht, viel zu kostspielig, um sie teilweise mit solch unnützen Verrichtungen auszufüllen. Es wäre sehr wünschenswert, zumal in sehr vielen hessischen Orten, wo Gewerbeschulen bestehen, dieses System geübt wird, wenn einmal die Allgemeinheit ihr Augenmerk hierauf richten würde. — en Langenbergheim fand am Sonntag eine von etwa 200 Personen— für dortige Verhältnisse sehr große Zahl— besuchte Volksversammlung statt, in der Kremser⸗Frankfurt über„300 Jahre Kampf um Bret und Recht“ sprach. Redner schilderte ein⸗ leitend das Aufkommen des Privateigentums an Grund und Boden, das Bauernlegen im Mittelalter, die Leib⸗ eigenschaft und die Rechtlosigkeit des Volkes. Ferner gab er in knappen Umrissen ein Bild vom Kampfe der Handwerk zgesellen mit ihren Meistern und dem Ein⸗ greifen der Behörden, zur Illustration eine Anzahl von Gesetzesparagraphen und Verordnungen aus jener Zeit mitteilend. Der Referent besprach dann reichhaltiges Material über die gewaltig gesteigerten Einnahmen und Kapitalgetoinne einer Minderheit von Menschen und die Not und Entbehrungen breiter Volksschichten. Zum Schlusse wurde das System der Rechtlosmachung des arbei⸗ tenden Volkes und das der indirekten Steuer einer herben Kritik unterzogen und die Auwesenden aufgefordert, nun ihrerseits auf der Kampfplatz zu treten. Organisation und Presse müssen die Waffen sein im Kampfe um Recht und Gerechtigkeit, bis das Dichterwort erfüllt sei:„Ver⸗ schlemmen foll nicht der faule Bauch, was fleißige Hände erwarben.“ Stürmischer Beifall lohnte den Redner und allenthalben wurde der Wunsch laut, es möchten öfter solche Versammlungen abgehalten werden. Es kann den hiesigen Genossen nur geraten werden, nun recht emfig zu arbeiten und die Zahl der Parteigenossen zu verdoppeln, ja zu verdreifachen, und das kann nicht schwer sein. Erfreulich war, daß eine erhebliche Anzahl kleiner Land⸗ wirte anwesend war, die voll und ganz dem Referenten zustimmten. Aus dem Rreise Alsfeld⸗Cauterbach. g. Das Fest der Alsfelder Freien Turner⸗ schaft, das am Sonntag in dem geräumigen Garten des„Stadtpark“ in Szene ging, nahm einen in jeder Beziehung prächtigen Verlauf. An dem Festzuge durch die Stadt beteiligten sich fast sämtliche Mitglieder und das Bürgertum war zahlreich auf dem Platze, um den stattlichen Zug zu betrachten und zu sehen, wie die Arbeiterturner repräsentteren. Und viele äußerten ihre Anerkennung. Die turnerischen Leistungen waren eben⸗ falls als recht gute zu bezeichnen. Besonders fand am Abend die Pyramiden⸗Aufstellung bei farbiger Beleuchtung Anerkennung auch derjenigen, die uns sonst nicht be⸗ sonders grün sind. Zeigte der Himmel auch nicht das heiterste Gesicht, so war doch der schön geschmückte Garten bis auf den letzten Platz besetzt. Besonderes Leben herrschte am Schießstand, wo jeder einen der gestifteten Preise zu gewinnen trachtete,.— Den Gießener Turn⸗ genossen sagen wir unsern verbindlichsten Dank für den Besuch unseres Festes. Frei Heil! Aus dem Rreise Wetzlar. h. Die Bürgerliste liegt nur noch Montag aus! Sehe sie jeder wahlberechtigte Parteigenosse nach! h. Die Stöckerianer entfalten in letzter Zeit wieder eine rührige Agitation und machen namentlich auf gewerkschaftlichem Gebiete gewaltige Anstrengungen. Da mag es ihnen hier und da noch gelingen, einige von denen zu sinden, die nicht alle werden; einen halb⸗ wegs verständigen Arbeiter werden sie nicht dauernd an ihre Fahne fesseln können. Nebenbei zeigt das auch die Wahl von Altena⸗Iserlohn, wo sie das Mandat bereits in der Tasche zu haben glaubten, trotz riesigster Agita⸗ tion aber nur eine lächerlich geringfügige Stimmenzahl aufbrachten und ebenso schlecht schnitten sie in Hagen ab. Franz Behrens nimmt jede Gelegenheit wahr, im Wetzlarer Kreise sich in empfehlende Erinnerung zu Damit die Schüler dieser Anstalt, bringen. So suchte er das am Sonntag vor 8 Tagen in Ehringshausen abgehaltene sogenannte Bergarbeiterfest für seine Zwecke zu nützen. Dieses„Arbeiter“ fest war offenbar von anderen Leuten als Arbeitern arrangiert; der Prinz von Braunfels, der Fürst von Lich, sowie der Reichstagsabgeordneter Krämer hatten„hochherzige Spenden“ dazu gegeben.(Jedenfalls sind die Herren darum angeschnorrt worden.) Als Festredner trat bei »diesem Arbeiterfeste der Landwirt und Bündler⸗Agi⸗ tator Friedrich Wilhelm Keiner auf, der zunächst eine tiefe Verbeugung vor den hochherzigen Spendern machte, dann von dem schönen Einvernehmen unserer Bergleute und weiter davon sprach, daß dem Kaiser der Bergarbeiterstand besonders am Herzen liege. Auf Grund welcher Tatsachen Herr Keiner das letztere annimmt, hat er nicht verraten. Das„schöne Einvernehmen“ dürfte auch nur sso lange dauern, bis die Bergleute einmal Lohnforderungen stellen. Aber das tun die braven Leute nicht. Sie halten es für eine unab⸗ änderliche Einrichtung, daß die„Bergherren“ Millionen aufhäufen, während der Bergmann mit wenigen Pfennigen abgespeist wird und dafür noch täglich sein Leben in die Schanze schlägt. Am Montag, dem zweiten Festtage, tauchte beim Frühschoppen plötzlich der frühere Gärtner und jetzige christliche Bergarbeiter„General⸗ Sekretär“ aus der Versenkung auf, um ebenfalls eine Pauke zu halten. Natürlich kommt Franz Behrens nicht von Essen her zum Frühschoppen nach Ehringshausen, um etwa für Herrn Krämer eine Wahlrede zu halten. Im Gegenteil. Mit der Frühschoppenrede verfolgte Franz Behrens offenbar den Zweck, für die kommende Reichs⸗ tagswahl für seine Kandidatur vorzuarbeiten. Er setzte sich gewissermaßen wie eine Laus in den Pelz des Herrn Krämer! Fraglich allerdings, ob's ihm gelang, mit seiner Rede den Eindruck der Krämer'schen Spende abzuschwächen. * Ja, wenn... Der Wetzlarer Anzeiger teilte neulich mit, daß zu der Ersatzwahl für unsern verstorbenen Genossen Grünberg im Döbelner Reichstagswahlkreise der Prof. Hasse⸗Leipzig aufgestellt werden sollte und bemerkte dazu:„Wenn alle bürgerlichen Parteien für diesen hervorragenden Kandidaten schon in der Haupt- wahl eintreten, so ist schon in dieser die Niederlage des Sozialdemokraten besiegelt.“ Bei der letzten Wahl hatten wir in diesem Kreise 13 162 Stimmen, die Gegner insgesamt 11003. Letztere müssen unter diesen Umständen schon ziemlich„eintreten“, wenn ste uns den Kreis entreißen wollen. Unsere Freunde werden aber auch„eintreten“ und hoffentlich dermaßen, daß der Flottenprofessor im weiten Bogen aus der Moschee fliegt. y. Schwer verbrannt ist vor einigen Wochen In der Druckerei des Wetzlarer Anzeigers ein dort be⸗ schäftigter Lehrling. Dieser war am Stereotypierofen beschäftigt, als die Flamme herausschlug und den ölge⸗ tränkten Arbeitskittel des Unglücklichen sofort in Brand setzte. Noch jetzt befindet sich der Schwerverletzte im Krankenhause und voraussichtlich muß eine Hautoperation vorgenommen werden. Warum stand wohl im Anzeiger gar nichts von dem Vorfalle? Aus dem Rreise Marburg⸗Nirchhain. Ueber Familie und Sozialdemokratie spricht am Samstag Frau Dr. Michels im Wahl⸗ verein. Die Parteigenossen wollen zu dem Vortrag recht zahlreich erscheinen und auch ihre Frauen mitbringen. Daß für letztere die politische Aufklärung besonders not⸗ tut, braucht nicht hervorgehoben zu werden und da sie wenig Gelegenheit haben, derartige Vorträge zu hören, so sollten sie die hier gebotene sich nicht entgehen lassen. Ein Gewerkschaftsfest sollte demnächst ab⸗ gehalten werden, wie kürzlich angekündigt wurde. Um⸗ stände halber muß jedoch von einem solchen abgesehen werden; Ersatz dafür soll das am 19. August im Garten⸗ restaurant Hildemann stattfindende Fest der Freien Turner⸗ schaft bieten, auf das hiermit hingewiesen sei und an dem sich unsere Parteifreunde und die Gewerkschafts⸗ mitglieder recht zahlreich beteiligen wollen. Ausgebrochene Irre. Aus der Landes⸗ heilanstalt zu Kloster Haina sind drei gemeingefährliche Men⸗ schen, namens Julius Heinrich Holzmann aus Wasungen, Ludwig Jung aus Niederweimar und Adolf Warnke aus Hersfeld entflohen. Die Kleidung der Flüchtlinge trägt den Anstaltsstempel. Hundefutter fürs Dienstmädchen. In München kam neulich eine„Gnädige“ in einen Metzgerladen und verlangte für 5 Pfg. Aufschnitt.„Ste meinen wohl für 50 Pfg., Gnädige?“ frug verwundert die Ladnerin. „Nein“, erfolgte darauf die Antwort,„ich meine für 5 Pfg. Wurstreste fürs Dienstmädchen.“ „Bedauere, Gnädige,“ antwortete darauf die Ladnerin,„damit kann ich leider nicht dienen.“ Einige Kunden äußerten sich entrüstet zu der Sache, worauf die Gnädige schleunigst den Laden verließ. Wie sehr die Organisation der! Dienstmädchen von nöten ist, kann auch dieser Vorfall wieder beweisen. *— So ziales. Lohnkämpfe. In Weilburg streiken die Maurer wegen Lohndifferenzen. Am Mittwoch sollen Streikposten verhaftet worden sein— Die Buchbinder⸗Aussperrung dauert noch fort. Wiederholte Einigungsver⸗ handlungen in Leipzig und Berlin scheiterten. Ist„Streikbrecher“ eine Beleidi⸗ ung? Diese Frage hat schon deutsche Gerichte eschäftigt und selbstverständlich haben diese ge⸗ wöhnlich mit ja geantwortet. Eigentlich ist das ja unlogisch. Wenn die Bezeichnung Streik⸗ brecher eine Beleidigung ist, dann muß die Tätigkeit ehrlos sein; eine Konsequenz, die zu ziehen deutsche Richter sich aber sträuben werden. In der Schweiz war dieser Tage ein Gericht auch vor die Frage gestellt worden, ob Streik⸗ brecher ein Beleidigung sei. Und dieses Gericht urteilte anders wie die deutschen Richter. Es erkannte— der Fall spielte in Schaffhausen—, es sei allgemein Brauch, daß Arbeiter, welche entgegen einem allgemeinen Beschluß der Ar⸗ beiter, die Arbeit niederzulegen, weiterarbeiten, als Streikbrecher bezeichnet werden und set deshalb Kläger mit seiner Klage abzuweisen und habe sämtliche Gerichtskosten zu zahlen. Eine Minderheit des Gerichts war allerdings der Anstcht, daß bei Arbeitern, welche keinem Verein angehören, die Sache anders sei und ein solcher dann machen könne, was er wolle. Die Mehrheit konnte sich dieser Auffassung indessen nicht anschließen und blieb dabei, daß ein Arbeiter, der Streikarbeit mache, sich auch gefallen lassen müsse, als Streik⸗ brecher an den Pranger gestellt zu werden. Ganz unsere Meinung.— Ein Unternehmer⸗Streikschutzverband ist in Berlin unter der Leitung und Geschäfts⸗ führung der Hauptstelle deutscher Arbeitgeber⸗ verbände als Schutzverband gegen Streikschäden begründet worden. Dieser Schutzverband zählt zu seinen Mitgliedern diejenigen Arbeitgeberver⸗ bände, die im Falle von Streiks ihren Mit⸗ gliedern bestimmte Streikentschädigungen aus⸗ zahlen, und er will die finanzielle Wirksamkeit dieser Verbände dadurch erhöhen, daß er unter bestimmten Voraussetzungen die Weiterbezahlung dieser Streikentschädigungen übernemmt. Dem neuen Verbande traten 53 Bezirks- und Orts⸗ verbände, deren Mitglieder in ihren Betrieben etwa 285,000 Arbeiter beschäftigen, bei. 2— Partei-Machrichten. Zur Landeskonferenz. Das Landeskomitee gibt bekannt, daß die Landeskonferenz Samstag, den 25. August, abends 8 Uhr, im Saale„Zur schönen Aussicht“, Mainstraße, in Mühlheim a. M. eröffnet wird.— Wegen der Quartiere wollen sich die Dele⸗ gierten an den Genossen J. Klug, Herrnstraße 1, Mühl⸗ heim a. M. wenden. An die Parteigenossen der Orte Wieseck, Trohe, Rödgen und Alten⸗Buseck! Auf Grund des Beschlusses der vorjährigen Konferenz berufen wir die diesjährige Bezirkskonferenz auf Sonntag, den 5. August, nachmittags 2 Uhr, in das Lokal Seipp in Trohe ein. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zur Landeskonferenz in Mühlheim und eventl. Wahl von Delegierten. 2. Anträge zur Landeskonferenz. 3. Verschiedenes. Um zahlreichen Besuch ersucht die Bezirksleitung. Versammlungskalender. Samstag, den 28. Juli. Gießen. Wahlverein. Abends 9 Uhr Ver⸗ sammlung bei Orbig. Vortrag: Der politische Massenstreik von Dr. Michels. Garbenteich. Arbeiter-Bildungs⸗Verein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Kur. Klingelhöfer. Wieseck. Tabakarbeiter⸗Verband. Abends ½9 Uhr Mitglieder Versammlung bei Wacker. Briefkasten. Tr.⸗Merlau. Die Hefte der Freien Stunden können Sie nachgeliefert bekommen, doch erst mit der nächsten Rummer.— Alsfeld, Wetzlar. Uebriges zurückgestellt.— Btzbch. Erscheint nächste Nummer. Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung. Von Nah und Lern. Der Schulden major. In Breslau ist am 15. Juli nach vier⸗ wöchiger Dauer der Prozeß gegen den Major v. Zander nebst Frau und den Gutsbesttzer Lüttig zu Ende gegangen. Der Major a. D. v. Zander und seine Ehefrau standen unter der Anklage des wissentlichen Meineibs, des betrüge⸗ rischen Bankrotts, des Betrugs und der Beiseite⸗ schaffung von Gegenständen. v. Zander kam infolge der Verschwendungssucht seiner Frau von Anfang seiner Ehe an in Schulden. Wo immer Aussicht auf Anlegung eines Pumpes war, griff v. Zander zu. So borgte er seinen Feldwebel in Magdeburg an und auch den Kantinenwirt, ja selbst der Gerichtsvollzieher, der ständiger Gast bei ihm war, blieb nicht ungeschoren. Daß der Herr Major sogar seine Orden versetzte und sich in Berliner Kneipen von anrüchigen Personen frei halten ließ, gehört zum Bilde. Den Geschworenen wurden 350 Schuldfragen vorgelegt, doch erkannten sie nur in einem Betrugsfalle auf Schuldig. Der Major erhielt nur 300 Mk. Geldstrafe, seine Frau und der Mitangeklagte Lüttig wurden freigesprochen.— Gegen das Urteil ist sowohl vom Angeklagten Zander wie auch vom Staats⸗ anwalt Revision eingelegt worden. Ein„nützliches“ Element. Der Arbeitswillige Rongen, der in der Leder⸗ fabrik von Schleifenbaum in Neuß den Streik⸗ brcher macht, wurde wegen Verbrechens gegen § 173 des Strafgesetzbuches(Blutschande) ver⸗ haftet. Rongen, obschon verheiratet, unterhielt mit seiner Schwester ein Verhältnis, das nicht ohne Folgen blieb. Noch kürzlich fungierte der Mustermensch in einem Prozeß gegen unseren Genossen Rinle an der Düsseldorfer Strafkammer als Zeuge. Unser Genosse sollte ihn in seiner Arbeitswilligenehre gekräukt haben und wurde auch deshalb bestraft. Der Staatsanwalt in Düsseldorf, der mit solchem Feuer den Schutz dieses Ehrenmannes verlangte, muß jetzt für die Bestrafung desselben eintreten. e Vierzig Jahre Preußenherrschast. II Als Erbschaft der Revolution und des Frank⸗ furter Parlaments hatte Bismarck die Forderung des allgemeinen, gleichen und direkten Sti m m⸗ rechts übernommen. Am 9. April 1866, weniger als drei Monate vor Königgrätz, hatte Preußen beim Bunde den Antrag gestellt, behufs Reform der Bundesverfassung ein Parlament aus„allgemeinen Wahlen und direktem Stimm⸗ recht“ einzuberufen, und begründete diesen Antrag mit dem„Willen der ganzen Nation“. So stark war— namentlich seit seiner Wiedererweckung durch die Agitation Ferdinand Lassalles— der Gedanke des demokratischen Wahlrechts ge⸗ worden, daß sogar das Hohenzollerntum, um siegen zu können, seine Bundesgenossenschaft anrufen mußte. Der Sieg von Königgrätz war ein Sieg der preußischen Militär⸗ reaktion. Er schloß eine alte Leidensperiode des deutschen Volkes ab, aber er eröffaete eine neue. Preußen liebte den Hochverrat, aber es liebte ihn nicht zu Hause. Es machte Revolution, duldete aber nicht, daß ein anderer sie auf eigene Faust trieb. Es beförderte den Umsturz, um seine eigenen reaktionären Einrichtungen zu befestigen und ihren Einfluß allmählich auf ganz Deutschland auszudehnen. Der Sieg von Königgrätz brach der bürgerlichen Opposition den Rücken, und trieb den nationalliberal ge⸗ häuteten Fortschritt in das Lager des Verfas⸗ sungsbrechers und Staatsstreichsmannes. Jetzt war der Einfluß der dynastischen Interessen nicht mehr„entnervend“, sondern heilsam und löblich, denn es waren ja die alleinberechtigten Interessen der borussischen Dynastie, die jetzt in Deutschland vorherrschend geworden waren. Das Bürgertum war gesättigt— bald leitete der Gründungsschwindel die neue goldene Aera ein, und der preußische Landtag, dessen Wogen vordem die Stufen des Thrones umbrandeten, ward zum ruhigen, faulenden Gewässer, das kein Luftzug mehr bewegt. Die Fäulnis eines Verfallszeitalters breitete sich rasch über alle deutschen Lande aus. Das Wort„Preußen in Deutschland voran“, einst das begeisterte Losungswort von Millionen, ist läugst zum Spott und Hohnwort geworden. Heute geht Preußen in Deutschland nur mehr voran durch die Erbärmlichkeit seines Wahlrechts, durch den Klassencharakter seiner Justiz, durch die korrumpierende Allgewalkseines Polizeiwesens, durch den barbarischen Geist der Militär⸗ diktatur, Verpfaffung seines Schul⸗ wesens. Man hat den preußischen Schulmeister als den eigentlichen Sieger von Königgrätz bezeichnet, mit starker Uebertreibung, wie hin⸗ zugefügt werden muß, denn das Schulwesen Preußens war vor vierzig Jahren von idealer Ausgestaltung mindestens ebensoweit entfernt als heutzutage. Aber die allgemeine Wahrheit, die in jenem Worte liegt, die Wahrheit näm⸗ lich, daß nur ein gebildetes und aufgeklärtes Volk Schritt zu halten vermag mit dem Fort⸗ schritt der Kulturnationen, daß der, der dem deutschen Volke die Bildungsmittel beschneidet, die Axt an die Wurzel der Volkskraft legt,— diese Wahrheit rebelltert wider die neue preußische Schulverfassung und brandmarkt ihre Schöpfer zu wahren Landes- und Hochverrätern. Vor vierzig Jahren wuchs Preußen zur deutschen Vormacht empor, weil es sich von der Gewalt der allgemeinen Entwickelung empor⸗ heben ließ. Heute ist Preußen der einzige Staat der Welt, der noch von dem Glauben regiert ist, die Notwendigkeiten der allgemeinen Entwickelung, des geistigen und politischen Fort- schritts, der auf den Veränderungen des Wirt⸗ schaftslebens bastert, ließen sich hemmen, ja hindern durch das starre Festhalten an veralteten Formen, durch das Aufgebot der brutalen Ge⸗ walt, durch die Flinte, die schießt, und den Säbel, der haut. Das ist die Tragik des Siegers, ist das Unglück der Siegs! Die Bourgeoiste hat unter der Herrschaft des Preußentums gedeckte Tische und volle Schüsseln gefunden. Das Proletariat aber ist nicht satt geworden von den Segnungen des sozialen Königtums, und wäre es satt, so dürstete ihm doch nach Fretheit. Denn der„deutsche Idealismus“ findet heute nur mehr dort eine Zufluchtsstätte, wo der Pfaffe den Teufel des Materfalismus wittert und das Kreuz schlägt. Aus den Tiefen steigt die Kraft, und längst scheint der Stern Hohenzollerns nicht mehr als der hellste am Himmel! 1 Wanderlied. Von den Bergen zu den Hügeln, Niederab das Tal entlang, Da erklingt es, wie von Flügeln, Da bewegt fich's, wie Gesang; Und dem unbedingten Triebe Folget Freude, folget Rat; And dein Streben, sei's in Liebe, Und dein Leben sei die Tat. Denn die Bande sind zerrissen, Das Vertrauen ist verletzt; Kann ich sagen, kann ich wissen, Welchem Sufall ausgesetzt, Ich nun scheiden, ich nun wandern, Wie die Witwe, trauervoll, Statt dem einen, mit dem andern Fort und fort mich wenden soll. Bleibe nicht am Boden heften! Frisch gewagt und frisch hinaus! Kopf und Arm mit heitern Kräften, Ueberall sind sie zu Raus; Wo wir uns der Sonne freuen, Sind wir jede Sorge los; Daß wir uns in ihr zerstreuen, Darum ist die Welt so groß. Goethe. Der Heimweg. Langsam, mit schweren, schleppenden Schritten ging sie durch den Straßentrubel. Es war draußen im Westen, da, wo das Leben in vollen Strömen wogt, wo Reichtum und Luxus ihre Strahlen hinauswerfen bis auf das Straßen⸗ pflaster. Die Häuser alle Paläste, in den hohen Schaufenstern ein Meer von Licht. Sie sah in den schimmernden Glanz und sie schauerte zusammen. Der grelle Schein tat ihr weh. Ste war so müde— so müde, am liebsten hätte sie sich auf der Stelle hingelegt und die s zugemacht, und dabei war ihr Weg noch o weit. Da unten, das war erst der Marktplatz, nun noch die ganze Langestraße hinunter und dann war die Krautstraße noch lange nicht er⸗ reicht.„Ach ja!“ Sie blieb einen Augenblick stehen und rang nach Atem. Elgentlich hätte sie doch warten sollen. Vielleicht wäre der Besuch noch gegangen, und die gnädige Frau hätte ihr den Tagelohn aus⸗ gezahlt; aber freilich, die gnädige Frau hatte ausdrücklich gesagt:„Ste können dann gehen, Frau Bender, wir rechnen morgen ab.“ Die gnädige Frau wußte sicher nicht, daß sie keinen Groschen mehr besaß, nicht mal mehr genug zum Kaffeebrot morgen früh. Aber satt gegessen hatte sie sich wenigstens heut, und der Belag vom Abendbcot reichte sogar noch für ihren Mann, bekam der auch mal ein Schinkenbrot, würde er sich freuen! Ihr hageres, vergrämtes Gesicht strahlte ordent⸗ lich bei dem Gedanken. Sie hatte inzwischen den Marktplatz erreicht. Mühsam wand sie sich durch das Gewirr von Wagen und Menschen. Als ste die andere Straßenseite endlich erreicht hatte, schlug ihr Herz als wollte es springen. Und dabei die Schmerzen im Rücken und in der Brust, diese entsetzlichen Schmerzen! Es war doch zuvlel gewesen heute. Erst die großen Fenster putzen und dann noch die Stube bohnen und die Möbel polieren. Die gnädige Frau hatte doch recht gehabt, sie durfte eigentlich gar nicht mehr arbeiten, sie war schon viel zu elend dazu, sie konnte sich womöglich noch Schaden tun, sich— und dem Kind. Sie raffte sich auf und ging weiter. Der Wind, der in vollen Stößen über den Platz kam und rauh und schneidend durch ihre dünnen Röcke fuhr, trieb sie fort. Das Kind, das Kind, was da werden sollte, wenn das Kind erst da war, das mochte auch der Himmel wissen. Von den fünfzehn Mark, die ihr Mann alle Woche nach Hause brachte, wurden sie beide selbst kaum satt. Und dabei nicht mehr arbeiten? Sie lachte hart auf. Ja, die gnädige Frau hatte klug reden, was die schon davon verstand!— Nicht mehr arbeiten, wenn man auf jeden Groschen wartet, wenn man schon vor der Stunde zittert, wo man erst nicht mehr arbeiten kann. Ach nein, nicht nachdenken! Sie fuhr mit der Hand über die Stirn, als könnte sie damit das Grauen fortscheuchen, das langsam in ihrer Seele emporkroch. Wenigsteus bekam ste morgen drei Mark, und, wenn sie nächste Woche bei Pastors half, gab es auch wieder einen halben Taler. Hauptsache war, daß sie noch helfen konnte, und sie mußte können— mußte, es war ja für das Kind.— Das Kind, ach ja, das Kind! Ste krampfte die Hände zusammen. Am besten, es würde gar nicht geboren. Wozu sollte es geboren werden? Um wieder zu sterben, um zu ver⸗ kommen an schlechter Luft und elender Nahrung und mangelnder Pflege, zu vergehen, wie die beiden andern vergangen waren. Sie preßte die Hand vor die Augen und griff nach einem Halt. Es sauste ihr vor den Ohren. Der Lärm und all' das Menschen⸗ Ane hier herum, das schnitt ihr wie mit Messern ins Gehirn, halb ohnmächtig sank ste Meal eine Häuserwand. Da stand sie eine ganze eile. f „Die entzückenden Häubchen,“ sagte eine Stimme neben ihr. 1 „Und das Steckkissen mit den rosa Schleifen, ist das nicht einfach süß?“ 1 „Solche Splitzenjäckchen muß Baby haben. le — Eb e e e eee eZ eze Nr. 30. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Se ite 7. Ach, und die Tragkleidchen aus Mull, die sind Einkommen Die Reform der Strafprozeß⸗Ordnung. Von Rechtsanwalt ja einzig! Wir wollen welche kaufen, komm des Fürsten Eln⸗ Pro Kopf Hugo Heinemann.— Seuchengefahr und Seuchenver⸗ hinein, Mama, komm!“ in Mark wohner Mark hütung. Von Dr. J. Zadek(mit Illustrationen).. Sie fuhr empor, als fühlte sie einen Ruten⸗ Spanien 8000000 18119500 0,43 Zwei Lieder im Volkston. Von Leo Heller.— Ein 1 Belgien 3600000 6669732 0,54 Maifesttag. Nach dem Leben erzählt von Minna Kautsky schlag mit großen entseßten Augen starrte sie Portugal 2367000 5049729 0%(mit Illußtrattonen).— Wenn wir nicht mehr gütig auf die beiden Damen die sich über die zart⸗ Foelaud 2100000 5074632 0,41 find. Gedicht von E. Praczang.— Der Kampf um das duftigen Schätze des Schaufensters beugten. e 5 5. 5 f 5 1 Schweden⸗Norwegen 2017650 7174418 0,26 Mittelmeer der Zukunft. Von Heinrich Cunow(mit Die junge Frau jubelte von neuem: Dänemark 1380008 2299564 0,60 Illustration).— Die Karrikatur und ihre Bedeutung. „Und diese süßen Mützchen, sieh nur, Mama, Griechenland 10600 1433806 0,44 Von Eduard Fuchs(mit Illustrationen).— Wir sind die mit dem Schwanenpelz, so eins nehmen wir Serbien 960000 2413694 0,40 der Sieg. Gedicht von Ludwig Lessen.— Moderne auch. Ach, wenn da Babys Köpfchen erst J Montenegro. 200000 227841 0,88 Kraftwagen. Von A. G.(mit Illustrationen).— So⸗ drinsteckt!“ Luxemburg 160000 217583 0,74 zialistische Frauenagitation. Von Ottilie Baader.— „Einen Kinderwagen könnten wir auch gleich Japan 109000 0 46026406 0,25 Lied der Bergleute. Von W. L.— Die Kultur des bestellen!“ sagte die Mutter. Aegypten 5500000 19755295 0,29 Tabaks. Von A. G. Grant(mit Illustrationen).— „Ja, solch einen weißlacklerten mit rotseidenen Gardinen!“ Die junge Frau stand schon an der Ladentür, mit innigem Druck faßte sie der Mutter Arm:„Ach, Mama— solch ein Glück, solch ein Glück! Gibt es ein größeres Glück, als ein Kind?“ Sie sah den beiden nach, bis die Tür hinter ihnen zuftel, dann raffte sie sich auf und bog in eine Nebenstraße ein. Da war es still und dunkel, da ging ste weiter. 9 155 Kopf ttef gesenkt, ging ste langsam nach ause.— Allerlei. Was die Fürsten den Völkern kosten. Recht lehrreiche Zahlen sind es, die schon vor längerer Zeit einmal in der Neuen illu⸗ strierten Wochen⸗Zeitung über die jährlichen Zivillisten der Monarchen deutscher und ausländischer Staaten veröffentlicht wurden. Die für Deutschland angegebenen Einwohner⸗ zahlen sind die bei der Volkszählung 1900 fest⸗ gestellten. Es ergibt sich danach folgendes Bild: Einkommen des Fürsten Ein⸗ Pro Kopf in Mark wohner Mark Preußen 15719296 31855123 0,50 Bayern 5403106 5818544 0,93 Württemberg 2108441 2081151 1,01 Sachsen 3754383 3787688 0,99 Baden 1876269 1725464 1,09 Hessen 1331857 1039020 1,28 Braunschweig 1125323 434213 2,59 Oldenburg 510000 37879 187 Sachsen⸗Weimar 960000 339217 2.88 Schwarzb.⸗Rudolstadt 304932 88685 3,44 Schwarzb.⸗Sondersh. 500000 78074 6,41 Sachsen⸗Coburg⸗Gotha 844000 216603 3,91 Sachsen⸗Meiningen 822226 234005 3,51 Sachsen⸗Altenburg. 600000 180313 3,33 halt 1050000 293298 3,58 Mecklenburg⸗Schwerin 1200000(2) 597436 2,01(2) Mecklenburg⸗Strelitz 400000 101540 3,96 17 Staaten zusammen 38509833 49244113 2,15 Im Ausland ergeben sich folgende Zahlen: Oesterreich⸗Ungarn. 15810000 46335687 0,34 ieee 13000000 31856675 0,42 Großbritannien 14000000 40707796 0,34 Rußland 35000000 130911691 0,27 Frankreich 1500000 38517975 0,04 Türkei 40000000 24515500 1,64 geLeZ OLD erer 8— 7 60 kaufen wir unsere— 7lleiurich Leug * A4 in Wetzlar? 27 Lahnstraße 27 3 rappen, als der Ausländer. 5 2 0 1. jesenweg 5 Arbeiterschuhe Lee 1 0 1 Turner⸗ Schuhwarenhaus Heinr. Senders Df enligie⁰, ν,Eiuacu Huus AAeparaturen prompt und billig. 4 ZZZ eDbe Gee Zen Wie man sieht, hat der gute deutsche Staats- bürger für seine Landes väter viel mehr zu be⸗ In Deutschland entfällt auf eine 5 köpfige Familie durchschnitt⸗ lich 12.25, während in Frankreich die gleich⸗ starke Familie für den Prästdenten nur zwanzig Pfeunige aufzubringen hat. Die Republik ist also bedeutend billiger als die Monarchie. Splitter. Was nicht ist, das kann noch werden; Kurz und rasch ist Heldenbrauch; Was ein andrer kann auf Erden, Ei, bei Gott, das kann ich auch. 5 Grillparzer. * In jedes Menschen Gesichte Steht seine Geschichte, Sein Hassen und Lieben Deutlich geschrieben. Sein innerstes Wesen Es tritt hier ans Licht, Doch nicht jeder kann's lesen, Verstehn jeder nicht. Bodenstedt. Die Firma D. Kaminka, Marktplatz 11, am Kriegerdenkmal, hält sich als anerkannt reelles und leistungsfähiges Geschäft am Platze, zum Bezuge von Uhren⸗ Gold⸗ und Silberwaren auf das Angelegent⸗ lichste empfohlen. Reparaturen und Gravierungen prompt und preiswert. Humoristisches Trübe Ahnung.„Du, dein Bräutigam hat das große Loos gewonnen, hier in der Zeitung steht es.“— Braut:„Dann schau doch gleich einmal nach, 15 die Auflösung unserer Verlobung auch schon drin steht.“ Sein Beileid. Bel Serenissimo war plötzlich ein Stallbursche gestorben. Teilnehmend erkundigte sich Hoheit nach der Todesursache.„Darmberschlingung“, berichtete der Oberstallmeister. Serenissimus stand starr. „Aber, aber,“ sagte er endlich kopfschüttelnd,„wie konnte der Mann auch so etwas verschlingen!“ eee. Literarisches Der Neue Welt⸗Kalender für 1907 ist er⸗ schienen. Es ist der 31. Jahrgang des beliebten Kalenders und er enthält: Kalendarium.— Postwesen.— Be⸗ achtenswerte Adressen.— Statistisches.— Rückblick.— Messen und Märkte.— Im Kreislauf des Jahres.— Schneidermeister Spaten (Herren- u. Knabenanzüge — Kragen, Manschetten, Hemden Drahtgeflecht Wasch- u. Wrin gmaschinen Stachelzaundraht, Mangen, Vogelkäfige Rasenmäher Waagen und Gewichte Stehleitern Französische Gesellenorganisation im 18. und 19. Jahr⸗ hundert. Von Adolf Braun.— Nachtarbeit. Gedicht von Gust. Weber.— Szenen aus der russischen Revo⸗ lution. Von J. H.(mit Illustratsonen).— Unsere Toten (mit Portraits).— Heilige Familie. Gedicht von Ernst Kreowski.— Fliegende Blätter.— Das Armband. Satirische Skizze von Michel Thivars. Autorisierte Ueb ersetzung(mit Illustrationen).— Trächtigkeits⸗ und Brütekalender.— Außerdem drei Bilder: Der Bergmann — Die Auswanderer— Proletarierin.— Zwei Drei⸗ farbendrucke auf Kunstdruckpapier: Der Steinklopfer— Häher am Amselnest.— Ein Wandkalender. Unfallverletzte In den Verhandlungen des Landtags wurden von dem Unterzeichneten Klagen Unfallverletzter über ihnen zugefügte Nachteile durch an Berufs⸗ genossenschaften erstattete Gutachten Großherzogl. Hessischer Kreisärzte zur Sprache gebracht. Es gilt nun, im Einzelnen festzustellen, wie das geschehen ist, um gegen die Verwendung Großh. Hessischer Kreisärzte bezw. Kreisassistenz⸗ ärzte als„Vertraueusärzte“ der Unfallberufs⸗ genossenschaften Stellung zu nehmen. Ich er⸗ suche deshalb alle Unfallrentner und Rentnerinnen, welche in den letzten Jahren durch Gutachten erwähnter Aerzte benachteiligt wurden, mir Mitteilung davon zu machen und mir, wo irgend möglich, Gutachten der erwähnten Art und Urteile, die sich auf diese Gutachten stützen, zuzusenden. Ebenso wäre es von Interesse zu erfahren, in welchen Fällen derartige Gutachten bei An⸗ trägen für die Invaliden⸗Versicherung maß⸗ gebend waren. Offenbach. C. Ulrich, Große Marktstraße 23. An unsere Leser! Wiederholt sind bei uns Beschwerden wegen unpünktlicher Bestellun eingelaufen. Es wurde darüber geklagt, da die Zeitung verfpätet oder gar nicht in die Hände der Abonnenten gelauge. Wir bitten, die Re⸗ klamationen zunächst bei dem Austräger oder bei der Expedition anzubringen; unter Um⸗ ständen Ersatznuummern zu verlangen. Vielfach wird auch die Zeitung richtig bestellt, auf Treppen oder Vorplätzen niedergelegt, aber daun von Unbefugten weggenommen. Dem kann man leicht damit begegnen, daß man am Hauseingang Briefkästen mit deutlicher Namensaufschrift anbringt. Schließlich richten wir die Bitte an unsere Abonnenten, den Abonnementsbetrag regelmäßig zu Beginn des Monats oder Ouartals zu entrichten. Edgar Borrmann: Giessen Telephon 228 Eisenhandlung, Stahlwaren, Wersizeuge Haus- und Küchengeräte-Handlung. Neustadt 11 Landwirtschaftl. Geräte Herde und Oefen Petroleum⸗ u. Gaskocher Fleischhack- u. Reibemasch Dr. KleinsFleischsaftpresse Messerputzmaschinen Pferdeschoner Munition ete. und Kravatten. Hosen und ⸗Tricots. 45 9 grosse Auswahl Rudolf Riehter Marktstraße 26. Wilhelm Peppi r, unrmacher Regulatoren, Wand-, Weck, und Taschenuhren 5 Wieseck, Gießener Straße 5 5 Empfiehlt sein reichhaltiges Lager in 5 5 sowie Gold- und Silberwaren Wacker von 2.50 Mk. an Taschenuhren von 5 Mk. an 0 — Seite 8. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 29. Freie Turnerschaft Gießen. Sonntag., den 29. Juli 1906 nachmittags 3 Uhr beginnend Großes Sommer ⸗-⸗Fest auf der Pulvermühle, Rodheimerstraße General⸗Oersammlung des Kreiswahlvereins(Kreiskonferenz) Sonntag, den 5. August, vormittags 10 Uhr, 1 1 im Lokale„Zum weißen Roß“(Adam Schmidt) in Assenheim statt. Die Tagesordnung ist folgende: 1. Jahres- und Kassen⸗ bericht des Vorstandes. 2. Bericht der Bezirksleiter. bestehend in * t 3. Neuwahl des Vorstandes. 4. Die stattgehabten 3 Gesaugs- und trnerischen Darbietungen 5 3* Wahlkreis Friedberg⸗Büdingen. 3 dtagswahlen. 5 Nominierung des Reichstagskandi⸗ N 5 rain(u. A. Aufführungen der Damenriege) daten. 6. Presse. 7. Die diesjährige Landeskonferenz. 8. Der diesjährige Parteitag und eventuell Wahl eines Preisschießen, Maulaffwerfen, Kinderspielen mit Preisverteilung usw. Delegierten. 9. Anträge und Verschtedenes. Die Filialen werden ersucht, umgehend zur General⸗ Anzahlung ermöglicht Bei Eintritt der Dunkelheit: versammlung Stellung zu nehmen und die Delegierten⸗ es jedermann seinen 5 wahl nach§ 13 des Statuts vorzunehmen. Etwaige eg Italienische Nacht g Lumpionpolonäse Anträge sind bis spätestens den 1. August schriftlich e 3 ee Urnen dem Kreisvorstande einzureichen. Die noch ausstehenden erren-, hamen- 5 9 1 5 9 l er frei. Abrechnungen sind unverzüglich an den Kreiskassierer ein⸗ 1 Zu zahlreicher Beteiligung ladet ein zusenden. Vilbel, 13. Juli 1906. und Kinder- Der Vorstand. Der Vorstand des Kreiswahlvereins——— a garderobe Wäsche, Stiefel einzelne Stücke, sowie ganze Ausstattungen auf bequeme Teilzahlung bei mir zu deoken. — l. Sliftungsfest ö J t Montag, den 30. Juli 1906, abends 9 Uhr im Wiener Hof: Gffentliehe Golks⸗Gersammlung Tages-Orduung: Wiehtige Fragen unserer Keichspolitik. 8 Karl Armbrust, Vorsitzender, Feststraße. er Deutscher Tabakarbeiter-Ferband. neten, Sonntag, den 29. Juli zu Beuchelheim auf dem Festplatze am Bieberthalbahuhof: Seosgssssesss Ses 5 Referent: Reichskagsabgeordneter Dr. David, Mainz. 8 2 Zu zahlreichem Besuche ladet ein aller in den Kreisen Gießen und Wetzlar 2 Der Vorstand liegenden Zahlstellen. 8 des sezialdemokr. Wahlvereins. Fest-Programm inen e i. —————— ulantestes Möbel- und ö 75 8 f Vormittags von 11—12 Uhr an Empfang der auswärtigen Waren-Hredit-Haus. 2 5 Julius Philipp 2 Giessen 8 Gäste. Giessen 8 Uhrmacher Bahnhofstraße 50 Goldarbester S Mittags 1 Uhr Aufstellung des Festzuges auf dem Festplatze. d Plockst 14.16— See ee ee 5 1 0 3. 8 Von dort Umzug durch die Hauptstraßen des Ortes nach dem Fest⸗ OCK Strasse 14. S Miederlase der Unzon Horlogère Biel, Glasshütte j. S., Genf platze. Daselbst Begrüßung der Festteilnehmer durch den J. Bevoll⸗ S ca. 1000 Vertreter im In- u. Auslande. Gemeinsame? mächtigten. Festrede, gehalten von Gauleiter Schnell-Gießen S οοοe 2 Garantieübernahme f. verkaufte Uhren durch alle Vertret. 35 Von 4 Uhr ab Gesaugsvorträge und Tanz. 8 2. Reichhaltiges Lager in 2 Abends elektrische Beleuchtung auf dem Festplatze. 85 Uhren, Gold„ 5 E 2 74— Freunde des Vereins werden gebeten, ihre Häuser zu schmücken. 8 E Optische 1 8 1 e 8 ten 3 Brillen und Zwicker nach ärztlicher Vorschrtt. 8 Es ladet ergebenst ein Reelle Bedienung Billige Preise Der Fest⸗Ausschuß. 11985 eee 1 3 Eintritt pro Person 10 Pfennig. e 3 — 5„ 8 4* ee e eee, besehen, Renger eden f N Gastbot„Sum pfau“ Fhristian Beil::; d ene, 8 f 4(orm. Bramm) Gießen Heustadt ss 5 wer bisher vergeblich boffte EI 5 4 EF Ff jere 5 11 f i geheilt zu werden, mache noch einen 17 . Biere Gute Küche Reine Weine 4 Versuch mit der bestens bewährten f Schattiger Garten. Gesellschaftszimmer mit Piano für Gesell⸗* O- SAL EE 0 Giessen, Plockstrasse 12 4 schaften und Vereine ete. b azzen ig u Saure, Pose bfu..: 1 empfiehlt sein reichhaltiges Lager in: ———— Erstklassige Kegelbahn.— Dankschreiben gehen täglich ein. ö 9 3 örb 4 Stallung für 18 Pferde. 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