e e Gießen, den 29. April 1906. 13. Jahrgang. Redaktion: Klochenplatz 11, Schloßgasse. Sonnt Nedaktiensschluß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr Mitteldeutsche ugs⸗Zeitung f 4 0 1 4 jur stalten. Abounementspreis: Die Mitteldeutsche Bestellungen Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4 mal. Bestellung gewähren wir 25* Juserate 2 Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die fünden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt. Aus träger frei ins Hauz geliefert monatlich 25 Pfennig. Erpedition in Gießen, Rittergasse 17, die Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch. Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Postanstalt und die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(B.⸗Z.⸗K. 5107 8%% Bei mindestens o bei 6 mal. Bestellung und bei mindestens 2 mal. Aufgabe 50% Rabatt. as wir wollen?— Wir wollen lernen denken, Wie es dem freien ilenschengeist gebührt, Der nie sich bon der Undernunft läßt lenken, Dem Jugtier gleich, das an den pflug geschnürt. Wir wollen suchen, forschen und erkennen lit freiem Geist der Menschheit heilig Recht, Wir wollen von betörenden Sirenen Befrei'n das ganze menschliche Geschlecht. Was wir wollen?— Wir wollen lernen liebe n, Was nicht der Wahrheit und des Rechts entbehrt, Wir wollen lernen Brudertreue üben n jedem, dessen Herze ist beschwert. Wir wollen jedes Ilenschen Brust durchdringen Hit Flammen einer heil'gen Ciebesglut, Ruf daß den Haß wir siegreich niederzwingen, Huf daß der Neid, die Mliffgunst ewig ruht. Zumsfllaientag derfirheit⸗ bernehmen mag es eines jeden Ohr, Den leiten falschen Wahn soll es zerstören, Geöffnet sei der Wahrheit Tür und Tor! Wir wissen, was wir wollen, was wir müssen, lind was wir konnen in vereinten Reih'n, Das spendet uns den eh'rnen, sieg'sgewissen Mut, die Stärke, dem Kampfe uns zu weih'n! Das Weltfest der Arbeit. Wieder ist der erste Mai herangekommen, den sich die internationale Arbeiterschaft als ihren Feiertag eingesetzt hat. Er wird in diesem Jahre begangen inmitten heftiger wirtschaftlicher Kämpfe, die wir besonders in Deutschland sich abspielen sehen. Und gerade diese Kämpfe be⸗ weisen uns die Richtigkeit dessen, für was wir alljährlich die Kundgebung am 1. Mai veran⸗ Die zahllosen Aussperrungen zeigen uns den klaffenden Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit. Wir sehen aber auch diesen Gegen⸗ 1 1 0 satz sich täglich verschärfen, immer schroffer stehen sich die Klasse der Besitzenden und die arbeitende, Aber besitzlose Masse einander gegenüber. Nicht hloß in wirtschaftlicher, sondern auch in poli- lischer und geistiger Beziehung. Die Menschen sind sich einander fremd geworden, sie ver stehen sich nicht mehr, das Denken, Fühlen, Streben der Arbeitenden und Armen ist ein dle anderes als das der Reichen. Dabei sind ie letzteren im Besitze der politischen Macht und ste benützen diese in ausgiebigster Weise Unterdrückung der minderbemittelten und besitzlosen Bevölkerung, deren Rechte in eder Weise beschnitten werden und deren Ein⸗ uß auf die staatlichen und öffentlichen Dinge duf den Nullpunkt herabgedrückt wird. Für 4 Was wollen wir?— Wir wollen lernen hassen Die Lüg', die hinterlist und den berrat, Wir wollen stets mit starker Faust erfassen Den argen Freoler auf der frischen Tat. Wir wollen jeglicher Dersöhnung fluchen, lit der heimtückische Derrãter nah'n, Um mit der Hrglist Schwerte Zu bersuchen, uns zu behindern auf der Kampfesbahn. Was wollen wir?— Wir wollen heil und Glũcke Für jeden auf dem weiten Erdenkreis, Wir wollen, daß als höchste Zierde schmücke jedweden slann der Hrbeit Corbeerreis; Wir woll'n die firbeit triumphieren sehen Im Staate, oon dem Dolke selbst regiert, Wo überall der Freiheit Banner wehen, Die Liebe und bernunft das Zepter führt. Das wollen wir!— wer's wissen will, mag's hören, 5 5 — ͤ Ü— die Arbeltsbienen wird die Lage daher immer unerträglicher, und sie kann dauernd nur ge⸗ bessert werden durch Befreiung vom kapitalisti⸗ schen Druck, durch Besettigung des Kapi⸗ talismus und damit der Klassenherr⸗ schaft! Und dies liegt im Interesse der ganzen Menschheit! Darum liegt in der Maifeier der großartigste Kulturgedanke. In der Tat hat es im ganzen Verlauf der Geschichte noch niemals ein Fest gegeben, dessen ideelle und kulturelle Bedeutung mit der verglichen werden könnte, die diese Feier charakteristert. Ursprünglich handelte es sich nur um eine Kund⸗ gebung für eine große soziale Reform, für den internationalen gesetzlichen Arbeiterschutz und den Achtstundentag. Damit aber war leichwohl die Parole gegeben, dempolitischen Klassen kampf des Proletariats einen demon⸗ strativen Ausdruck zu geben, und zwar ent⸗ sprechend all den hohen und schönen Idealen, die diesen Kampf bestimmen und ihm seine feste, sichere Richtung geben. Schon das erste Maifest im Jahre 1890 ging weit hinaus über seine vorgesehenen Ziele und Zwecke; es verband sich ihm ganz logisch die Manifestatton der Idee des Völkerfriedens und der Völkersoli⸗ darttät, deren Verwirklichung nur durch die Beseitigung der Klassengegensätze und der Klassen⸗ herrschaft erreicht werben kann, und die alles das in sich faßt, was jedes Kulturvolk für stch nach Maßgabe seines unverjährbaren Selbst⸗ bestimmungsrechtes an politischer Freiheit, sowie an wirtschaftlicher Neuordnung und so zi⸗ aler Wohlfahrt zu erstreben hat. So hat die Maifeier einen großen und er⸗ hebenden Inhalt gewonnen und bedeutet mehr als die Feste der Kirche. Diese gelten der Verherrlichung religiöser Vorstellungen, welche von der Vernunft längst abgetan sind. Der Glaube an sie, das Vertrauen zu ihrer Heil⸗ kraft ist geschwunden; die Massen erwarten nichts mehr vom Himmel, nichts mehr von der vausgleichenden christlichen Gerechtigkeit“; sie haben erkannt, daß sie den rein menschlichen Heilswahrheiten folgen müssen, wenn sie zum wirklichen Heil gelangen wollen, daß alle Erlösung vom Uebel nur die Frucht echter humanitärer Erkenntnis und eines dieser Er⸗ kenntnis genügenden selbstbewußten und selbst⸗ ständigen Handelns, des solidarischen Wirkens auf der Grundlage politischer und gewerkschaftlicher Organisation sein kann. Allerdings steht für die kämpfende Arbeiter- schaft die Forderungen nach Arbeit, Lohn und Brot; nach Schutz gegen die Lebensgesundheit zerstörende kapitalistische Wirtschaft; nach Siche⸗ rung und Hebung ihrer wirtschaftlichen und sozialen Existenz im Vordergrunde. Aber wer n — — —— * — .— ———ů— 2* 2 — Seite 2. Mitteldeutsche Senntags⸗Zeitung. Nr. 17. da glaubt, daß mit Lösung dieser„Fragen“, die ja gewissen Teiles möglich ist, ohne daß die Grundlagen der bestehenden Ordnung an⸗ getastet werden, die große soziale Frage unserer Zeit, die Arbeiterfrage, im weitesten Sinne des Wortes überhaupt gelöst sein würde, der irrt gewaltig. Der Inhalt dieser Frage be⸗ schränkt sich nicht darauf, wie den arbeitenden Massen des Leibes Notdurft und einiger Schutz egen die schlimmsten Konsequenzen des kapita⸗ istischen Ausbeutungssystems zu gewähren ist. O nein, ste ist die Frage der Neugeburt der Menschheit. Der heutige Arbeiter hat die Ueberzeugung gewonnen, daß auf dem Boden der herrschenden Ordnung die Arbeitenden nie zu der ihnen gebührenden Stellung kommen werden; daß für die fernere Entwicklung des gesellschaftlichen Lebens neue Grundlagen geschaffen werden müssen, damit neben der rechtlichen und polktischen Freiheit und Gleichheit auch die wirtschaftliche Freiheit und Gleichheit zur Verwirklichung gelangen könne. Und überall steht uns als letztes Ziel vor Augen: die Ueber⸗ führung der Produktions mittel, die im Arbeitsprozesse heutzutage ausschließlich auf Rechnung und zum Vorteil der einzelnen Besitzer derselben angewendet werden, in den Besitz der Gemeinschaft. N Diese Bestrebungen der Arbeiterschaft bilden den Inhalt der heutigen Arbeiterfrage und sie steuern auf ein hohes, ideales Ziel hin⸗ aus— auf die Gesundung, die Neugeburt der ganzen Gesellschaft mittels Schaffung neuer Grundlagen für dieselbe. Jeder ist berufen, an der Verwirklichung dieses hohen Menschheitsideals nach bestem Können mitzuarbeiten. Ob ländlicher oder industrieller Arbeiter, Kleinbauer oder Klein⸗ handwerker— er gehört zu der großen Masse der Besitzlosen, in deren Interesse vornehmlich die Befreiung der Arbeit liegt. Zum Kampfe für dieses Ziel, für Herbeiführung einer ver⸗ nünftigen, auf gleiche Pflichten und gleiche Hechte gegründeten Gesellschaftsordnung muß sich die Arbeiterschaft aller Länder fest zusam⸗ menschließen, sich solidarisch verbünden. Ueber die nationalen Schranken hinweg müssen sich die Arbeiter die Bruderhände reichen zum ein⸗ heitlichen Befreiungskampf. Trotz Hohn und Spott der Gegner ist unser Weltfeiertag Gemeingut der internationalen Arbesterschaft geworden und hat immer mehr Bedeutung erlangt. Unsere diesjährige Demon⸗ stration gewinnt durch die Wahlrechtskämpfe in Deutschland und Oesterreich und durch den blutigen Freiheitskampf in Rußland noch er⸗ höhte Bedeutung. Darum wird die deutsche Arbeiterschaft auch diesmal wieder eine macht⸗ und eindrucksvolle Matkundgebung veranstalten, um neben Darlegung ihrer Ziele ihre Forde⸗ rungen an den heutigen Staat erneut und nach- drücklich zu betonen. Unser Malfest mahnt uns aber auch zu eifriger unentwegter Aufklärungs⸗ und Organtsationsarbett. Unablässiges Werben für gewerkschaftliche und politische Organisationen, emstges Wirken für die Ver⸗ breitung der Arbeiterpresse, in der Erkenntnis, daß der Arbeiter für sich und seine Klasse tut was er für seine Presse tut— wer vom Weltfest der Arbeit sich hterzu anspornen läßt, hat es würdig gefeiert. Politische Rundschau. Gießen, den 26. April 1906. Der Reichstag ist am Dienstag nach beendeten Osterferien wieder zusammengetreten. Der Prästdent er⸗ öffnete die Sitzung mit einem Hinweis auf die Vesuvkatastrophe und das Erdbeben in San Francisco. Den durch diese elementaren Er⸗ eignisse heimgesuchten, der deutschen Nation be⸗ freundeten Völkern spricht er innigste Teilnahme aus und der Reichstag gibt sein Einverständnis damit durch Erheben von den Sitzen zu erkennen. Darauf trat man, in die Tagesordnung ein und es wurden die Gesetzentwürfe über die Entlastung des Reichsinvalidenfonds und über die Erhöhung des Wohnungsgeldes für Unter⸗ beamte in dritter Lesung ohne Debatte ange⸗ nommen. Im Weiteren kamen Petitionen zur Beratung. Am Mittwoch beschäftigte sich das Haus wieder mit kolonialen Dingen: den Ueber⸗ schreitungen der Kolontaletats, die ganz unge⸗ heuerlich sind. Der Zeutrumsmann Erz⸗ berger kritisterte die maßlosen Verschwen⸗ dungen, die in Kamerun getrieben werden.— Dann kam eine Novelle zu§ 833 des Bürger⸗ lichen Gesetzbuchs zur Beratung, der von der Haftung des Tierhalters für den von seinen Tieren angerichteten Schaden handelt. Den Agrariern paßt dies nicht und flugs kommt die Regierung den agrarischen Wünschen entgegen. Unsere Genofsen Molkenbuhr und Stolle bekämpfen den Entwurf, wetl er in seiner Wir⸗ kung für die Bevölkerung schädlich sei. Diäten für die Kerls! Nunmehr ist endlich dem Reichstage eine Vorlage zugegangen, welche die Gewährung von Diäten an Reichstagsmitglieder ausspricht. Seit etlichen 30 Jahren wurden solche gefordert! Was in allen andern Kulturländern als selbst⸗ verständlich gilt, darüber muß in Deutschland jahrzehntelanger Kampf geführt werden. Da⸗ bei stellt sich aber noch heraus, daß der Wunsch, der vom Reichstag seit dreißig Jahren in Form zahllos wiederholter Beschlüsse ausgesprochen worden ist, in einer Weise Erfüllung gefunden hat, die dem Reichstag, soferne er auf seine Reputation hält, keine andere Antwort offen läßt als die einer mehr oder weniger unhöflichen Ablehnung. Die Vorlage hat sich nämlich nicht bloß darauf beschränkt, jenen Artikel der Verfassung abzuändern, nach welchem die Abge⸗ ordneten keine Entschädigung beziehen dürfen, sondern sie hat mit dieser notwendigen Ver⸗ fassungsänderung noch eine zweite zusammen⸗ gekoppelt, wonach Beschlußfassungen über den Geschäftsgang des Reichstags von der Anwesen⸗ heit einer bestimmten Mitgliederzahl nicht ab⸗ hängig sein sollen. Das heißt mit andern Worten: den Reichstagsabgeordneten sollen nur dann Diäten gezahlt werden, wenn dafür gesorgt wird, daß die Sozialdemokraten in Zukunft so wenig wie möglich zu Wort kommen. Die bürgerlichen Parteien brauchen dann in Zukunft immer nur dafür zu sorgen, daß sie gerade einen Mann mehr auf ihren Bänken sttzen haben als die sozialdemokratische Fraktion auf den ihren; dann kann jede Debatte, die der Regie⸗ rung unbequem ist, ohne jede Rücksicht auf die Beschlußfähigkeit gewaltsam abgeschnitten werden.— Es soll auch hierbei wieder Kuh- handel getrieben werden, der Reichstag soll für Bezahlung der Regierung einen bestimmten Wunsch erfüllen. Keine auf Reinlichkeit haltende Partei wird sich in dieser Weise kaufen lassen.— Im Uebrigen sollen die Abgeordneten 3000 Mk. jährlich erhalten, für jeden versaͤumten Sitzungstag sollen jedoch 30 Mk. in Abzug gebracht werden. Auch diese letztere Bestimmung kann, wenn ste Gesetz würde, zur Vergewalti⸗ gung der Minderheit benutzt werden. So, wie jetzt die Vorlage lautet, wird die sozialdemo⸗ kratische Fraktion ste ablehnen. Eine noch nicht dagewesene Justizaktion wurde gegen unser Dresdner Parteiblatt, die „Sächsische Arbeiterzeitung“, in Szene gesetzt. Das Blatt soll sich nämlich einer„Aufforde⸗ rung zum Massenbetrug“ schuldig gemacht haben. Die Metallindustriellen hatten nämlich, um sich zu vergewissern, mit wieviel Unorganisterten sie eventuell bei ihren Ar⸗ beitern zu rechnen hätten, Reverse vorgelegt, in denen die Unterzeichneten versicherten, einer Ge⸗ werkschaft nicht anzugehören. Es wurde ihnen darin für die Zeit der Aussperrung Unterstützung von der Firma zugesichert. Die Sächsische Arbeiterzeltung hatte nun eine Aufforderung des Bezirksleiters des Metallarbeiterverbands veröffentlicht, die Reverse zu unterschrei⸗ ben. Darin soll die strafbare Tat liegen! Es ist nach Lage der Sache natürlich ausge⸗ schlossen, daß eine Verurteilung erfolgen kann. Denn es müßte nachgewiesen werden, daß die Leitung des Metallarbeiterverbandes beabsichtigt hätte, sich auf Kosten eines dritten einen rechts⸗ widrigen Bermögensvorteil zu verschaffen. Aber die Sache bleibt doppelt interessant deshalb, weil der Revers rechtlich unwirksam ist, da er einen Verstoß gegen die guten Sitten darstellt. Er ist nur von dem Unternehmertum benutzt worden, um die Organisterten allein aussperren zu können. Es war ein sozialer Massenmord der Unternehmer beabsichtigt— und jetzt, da er mißglückt ist, will die sächsische Polizei soztal⸗ demokratischen Massenbetrug daraus machen. Man könnte diese neueste Tat der sächsischen Justiz beinahe für einen Witz halten. Es ist aber wieder ein neuer Beweis dafür, wie die „Gerechtigkeit“ jederzeit bereit ist, im Interesse der Unternehmer gegen die Arbeiter mit allen 1 und sogar unmöglichen Mitteln vor⸗ zugehen. Gegen die Leipziger Volkszeitung gehen die Gerichte in einer Weise vor, daß es fast den Anschein gewinnt, als sollte sich auf die Häupter der Redakteure der ganze Haß der Reaktion gegen das genannte Parteiblatt ent⸗ laden. Noch ist das Bluturteil gegen den Ge⸗ nossen Heinig in frischer Erinnerung, dem als verantworklichen Redakteur der Leipziger Volkszeitung wegen mehrerer Artikel 1 Jahre Gefängnis aufdiktlert wurden. Kurz darauf erhielt Kressin wegen„Majestätsbeleidigung“ 6 Monate Gefängnis. Am 18. April stand Kressin wieder vor dem Schöffengericht und zwar wegen Beleidigung eines Dr. Paul Liman, des Hauptwachers der„Leipziger Neueste Nachrichten“, eines Scharfmacherblattes gemeinsten Schlages. Dem Liman hatte die Leipz. Volksztg. einige Wahrheiten gesagt. Dieser Mensch hat schon den verschiedensten Parteien gedient. Er war früher Redakteur der„Dresdener Nachrichten“, wo er Artikel hochkonservativer Färbung schrieb, in denen Sozialdemokraten, Antisemiten und Liberale vernichtet wurden. Als dann die„Deutsche Wacht“ in Dresden gegründet wurde, spielte Liman auf einmal den Judenfresser und wurde Redakteur dieses Blattes. Schließlich entdeckte man im antisemitischen Lager, daß derselbe Liman, der erst in den„Dresdener Nachrichten“ die Reformer bekämpft und später wütender Antisemit und Chefredakteur der „Deutschen Wacht“ geworden war, setner Ab⸗ stammung nach Jude sei. Die Folge war, daß er aus der Redaktion des Dresdener Antisemitenblattes hinausgetan wurde. Später landete dieser Soldschreiber in den natitonal⸗ liberalen„Leipziger Neueste Nachrichten.“ In diesem Blatte hatte er im Dezember und Januar in noch rüpelhafterer und gehässtgerer Art als schon vorher, führende Sozialdemokraten und Sozialdemokratinnen mit Kot beworfen. Genosse Ledebour wurde als„dieser Bursche“ bezeichnet, es wurde von einem„intimen Verhältnis“ zwischen Rosa Luxemburg und Stadt⸗ hagen gesprochen, die Nachricht von der be fürchteten Erblindung Klara Zetkins gab dem Liman Anlaß, unsere opferfreudige Kämpfe rin zu schmähen. Und als am 22. Januar ein Artikel erschien, worin von dem Priester Gapon gesagt wurde, daß er. mit Dirnen in Monte Ca- lo Revolutionsgelder ver jubele und daran die Bemerkung anschloß, Genosse Singer sel „der Schutzheilige dieser Sorte“, da brachte be Leipziger Volkszeitung einen allerdings gepfef⸗ ferten Artikel gegen Liman. Der Gerichtahof lehnte die Anträge des Verteidigers Dr. Hübler auf Verlesung der Schmähartikel Oimans und die Vernehmung des Professors Dr. Delbrück als journalistischen Sachverständigen mit der Begründung ab, daß es gerichtsnotorisch fe, daß die Lespziger Volkszeitung ihre politischen Gegner politisch beleidige. Man griff einzelne gegen Liman gerichtete kräftige Ausdrücke her, aus und verurteilte Kressin zu einem Mong Gefängnis. Zur Begründung des harten le⸗ teils wies das Gericht auf den Ton gin. Daran klammert man sich in der letzten mit Vorliebe. Gegen Leute, die das Verleumden der Sozialdemokratie gewerbsmäßig betreiben, ist eine kräftige Kennzeichnung durchaus ange⸗ nutz erte mot „ d al cen. schg 9 f e die ereft allen bol, 1 0 60 au 5 der ent Ge. den, Niger Jahn rauf ung stald un Bau dige latte e d esag, kate akte Irie denen rale usch pelt UD cli daß denk big f 1 I „al, delt 4 fon 1 9 au t il 1 eu c 1 tal 1 9 10 i 1a i einer Reihe Städte verboten. Mr. 17. Mitteldentsche Sounags⸗ Zeitung. Seite 3. bracht. Selbstverständlich hat Kressin gegen dieses Urteil Berufung eingelegt. Wegen eines am 22. Januar veröffentlichten Artikels, welcher die polizeilichen Maßnahmen gegen etwaige Straßenkravalle kritisterte, haben ferner die sächstschen Minister des Krieges und des Innern Strafantrag gestellt und zwar nicht kur gegen den verantwortlichen Redakteur Kressin, sondern auch gegen die politischen Redakteure Mehring, Lensch und Hänuisch. Sollte das Leipziger Gericht die letzteren wirklich zur Ver⸗ antwortung ziehen, so wäre das einfach unge⸗ setzlich, denn nur der als„Verantwortlicher“ bezeichnete Redakteur kann für den Inhalt einer Zeitung strafrechtlich verantwortlich gemacht werden. All' das zeigt aber, mit welchen Mitteln man gegen die einzige ehrliche Volkspartei kämpft. Nätzen wird es freilich nichts. Verdrossene Patrioten scheinen in der konservativen„Schlesischen Zeitung“ in Breslau zu sttzen. Dieses Blatt wandte sich nämlich in seinem Osterartikel recht deutlich gegen gewisse„höhere Regionen“ und gegen Reden, die von dort ausgehen. Das Blatt bezeichnete allerdings die Stellen nicht, die es meinte. Es klagte: „Die Minderwertigkeit der nationalen Leist⸗ ungen fürs Reich tritt umso schärfer hervor, als sie mit einer in weiten Kreisen verbreiteten Neigung zu rhetorischem Bombast verbunden ist. Schlagworte, die von der „gepanzerten Faust“ und vom„Drei⸗ zack in unserer Hand“, würden als Uebertrelbung gar nicht so bedenklich wirken, wenn nicht der Gesamtton des in Vereins⸗ und Festreden sich vordrängenden Patriotismus auf ste abgestimmt wäre und ihnen Reso⸗ nanz gäbe“. Ei, ei! Das sind ja Stellen aus Reden, die Wilh. II. gehalten hat! Ob das Blatt seine monarchische Gesinnung revidieren will? Militärisches Schreckensurteil. Auf Berufung des Gerichtsherrn verurteilte das Oberkriegsgericht der aktiven Schlachtflotte in Kiel die Heizer Buchholz, Reinhardt, Lönz, Beuthner und Deutschmann zu je fünf Jahren e wegen militärischen Aufruhrs. te hatten gemeinsam einen Unteroffizier ge⸗ schlagen. In der ersten Instanz erhielten nur zwei der Verurteilten Zuchthausstrafen. Kleine politische Nachrichten. Zur Ersatzwahl in Hannover für den verstorbenen Abgeordneten Meister stellen unsere Partei⸗ genossen den Redakteur Brey auf, der in der dortigen Parteibewegung schon seit langem tätig ist und seither im Wahlkreise Hameln kandidierte. Die Wahl soll am 22. Juni stattfinden. Preßsünder. Genosse Fleiß ner, Redakteur in Dresden, wurde schon wieder wegen angeblicher Be⸗ amtenbeleidigung durch die Sächsische Arbeiter⸗Zeitung von der 2. Dresdener Strafkammer unter Vorsitz Dr. Beckers zu 300 Mark Geldstrafe verurteilt. Bei den Stadtverordneten wahlen in vier Kasseler Vororten eroberten unsere Genossen zwei Sitze. Sie besitzen nunmehr vier Vertreter in der Stadtverordneten⸗Versammlung. Malumzüge wurden in diesem Jahre wiederum In Dresden jedoch, wo in früheren Jahren viele Genossen bestraft wurden, weil sie am 1. Mai spazieren gegangen waren, ist ein geschlossener Umzug genehmigt. ee F Revolution in Rußland. Der Priester Gapon ist vor Kurzem, wie aus Petersburg berichtet wurde, auf rätsel⸗ hafte Weise verschwunden, als er im Be⸗ griffe war, eine politische Versammlung zu be⸗ suchen. Seine Angehörigen und Anhänger wären voll dunkler Vermutungen und um sein Schick⸗ sal besorgt. Eine weitere Meldung besagt, daß Gapon von vier revolutionären Arbeitern er⸗ hängt worden sei, weil er einem früheren Vertrauten mitgeteilt habe, daß er Spion der Regterung geworden sei. Dieser Freund habe dann den vier Arbeitern Gelegenheit gegeben, versteckt in einem Nebenzimmer das Geständnis Gapons ebenfalls; mitanzuhören. Von den russtschen Revolutionären in London wird diese Nachricht indessen als Schwindel bezeichnet. Befreiung politischer Gefangener. In Warschau erschienen am Sonntag nachts Revolutionäre, als Polizisten und Gendarmen verkleidet, im Untersuchungsgefängnis, einen Be⸗ fehl vorzeigend. Sie entführten im Ge⸗ fängniswagen zehn wichtige politische Häftlinge. Unterwegs betäubten sie den Kutscher, fuhren aus der Stadt heraus, ließen dann den Wagen stehen und verschwanden samt den Befreiten. e Karl Marx. Ein Vortrag von Karl Kautsky. 5(Fortsetzung). Die Niederlage, die Auflösung, die Zer⸗ schmetterung bestegelten den Niedergang der Revolution. Zehn Jahre lang war Ruhe in der Arbeiterbewegung. Die ökonomische Ent⸗ wicklung ging rapide vor sich. Der Kapitalismus entwickelte sich, aber das Proletariat muckste nicht und konnte sich nicht rühren. Marx und Engels mußten trachten, sich eine bürgerliche Existenz zu erwerben. Das bißchen Geld von Marx und seiner Frau war in den revolutio⸗ nären Kämpfen längst verpulvert. Sie waren in größtem Elend. Engels hatte einen reichen Vater, aber der gab seinem Sohne nichts, so lange er in der revolutionären Propaganda war. So entschloß sich Engels, in die Fabrik seines Vaters einzutreten, und das war ein Vorteil, daß nicht nur er, sondern auch Marx davon leben konnten. Und wenn Marx sich der wissent⸗ schaftlichen Tätigkeit und der revolutionären Tätigkeit widmen konnte, so verdankte er das seinem Freunde Friedrich Engels. Zunächst aber besaß Engels selbst nichts. Marx schrieb Zeitungskorrespondenzen, wissentschaftliche Ar⸗ beiten für deutsche Blätter. Aber nun äußerte sich der Boykott der bürgerlichen Demokratie über Marx. Erst kürzlich hat die bürgerliche Presse Krokodilstränen vergossen über die In⸗ toleranz der Sozialdemokratie, weil die Berliner Arbeiter die Vertrauensposten in der Redaktion ihres Blattes nach ihrem Willen besetzen wollten. Marx gegenüber war sie anders gestnnt, trotz- dem damals noch keine sozialdemokratische Partei existierte, trotzdem Marx nominell zur Partei gehörte, trotzdem er nur wissenschaftliche Ar⸗ beiten in den demokratischen Blättern veröffent⸗ lichen wollte— trotzdem wurden diese nicht angenommen, und wenn es auf die deutsche Demokratie angekommen wäre, wäre er ver⸗ hungert. Es war die„New⸗York Tribune“, die damals ihm eine Existenz verschaffte. Ihr Herausgeber wandte sich an Freiligrath mit der Bitte, für ihn zu arbeiten. Freiligrath lehnte ab, empfahl aber Marx, und Marx schrieb eine Reihe der wichtigsten Korrespondenzen, bis 1861; ein Teil davon ist unter dem Titel„Rev o⸗ lution und Gegen revolution in Deutschland“ erschienen. Ein anderer Teil ist englisch erschienen, aber eine Reihe sehr wich⸗ tiger Sachen ist noch nicht erschienen, über das französische Kaiserreich. Andre, über ökonomische Fragen, verarbeitete er später in seinem großen Werke„Das Kapital“. seine große Lebensarbeit. Er studierte im Britlsh Museum, studierte die nationalökonomische Lite⸗ ratur, wie es vor ihm nicht geschehen ist und wohl auch nach ihm nicht leicht geschehen wird, und die Frucht war„Das Kapital“, das 1867 das Licht der Welt erblickte. Ebensowenig wie über das Kommunistische Manifest, kann ich über„Das Kapital“ hier ausführlich berichten. Es ist ja auch nicht notwendig, denn, wie ge⸗ sagt, die Grundzüge dieser Arbeit können Ste in der Broschüre„Lohnarbeit und Kapttal“ nachlesen. Nur eins will ich hier bemerken. In diesem Buche, in welchem Marx den ganzen Vorgang des kapttalistischen Produzierens und Austauschens in einer Weise darlegte, die ganz neu und unerhört war, daß sie anfangs gar nicht begriffen wurde; in diesem Buche hat er uns wiffenschaftliche Waffen geliefert, die bis⸗ her noch nie und nirgends und in keiner Welse versagt haben. Wenn man vom Kommunsstischen Manifest noch sagen kann, daß manche Partien veraltet seien, gilt das nicht vom„Kapital“. Dieses Buch war Das„Kapital“ ist heute noch ebenso frisch wie damals, und vielleicht noch lebens⸗ wahrer, weil die Dinge stch so entwickelt haben, wie Marx voraussah, und die ganze Entwick⸗ lung bestätigt dies. Zunächst wurde„Das Kapital“ von der bürgerlichen Wissenschaft gänzlich totgeschwiegen, denn ihr war es so unangenehm wie möglich. Aber auch das Prole⸗ tartat konnte sich nicht hineinfinden, das war eine so schwierige Lektüre. Nur wenige begriffen es. Nur langsam geschah es, daß die Kenntnis des Buches in weitere Parteikreise sich verbrei⸗ tetete. Selbst intelligente Arbeiter konnten sich kaum hineinfinden. Ich erinnere mich noch, was Marx mir auseinandersetzte, welchen Schreck er bekam, als ihm von Leipzig die Korrektur⸗ bogen der Mostschen Broschüre zugeschickt wurden, wo das Werk popularistert wurde. Er mußte das meiste umschreiben und dennoch viel Falsches stehen lassen, und Most war ein sehr intelligenter und scharfsichtiger Arbeiter. Aber„Das Kapital“ war so neu und erfor⸗ derte eine so philosophische Schulung, daß sich nur wenige Arbeiter hineinfinden konnten. Erst langsam erwuchsen Popularisatoren, die die Arbeiter damit vertraut machten und unseren Journalisten die Waffen schufen, womit sie den Ansturm der bürgerlichen Journalisten abschlagen konnten. Demgegenüber konnte die alte Taktik nicht mehr befolgt werden. Nun fiel die bürger⸗ liche Wissenschaft über„Das Kapital“ her. Es gibt kaum einen bürgerlichen Oekonomen, der nicht den wissenschaftlichen Befähigungsnach⸗ weis dadurch erbrachte, daß er gegen Karl Marx schrieb. Ganze Bibliotheken sind über ihn geschrieben worden. Unzählige Male ist er totgeschlagen worden, und je mehr er totge⸗ schlagen wird, desto mehr lebt er unter uns. Aber diese bürgerliche Wissenschaft war dennoch unehrlich genug, von ihm zu lernen, ohne es ihn wissen zu lassen. Sie nahm, was sich nicht widerlegen ließ, und benutzte es wieder gegen die Partei, indem ste es verfälschte. Wenn die bürgerliche nationalökogomische Wissenschaft überhaupt heute eine Bedeutung hat, dann ver⸗ dankt ste es dem, daß sie Marx gefälscht, ge⸗ plündert und angebellt hat. Das ist die Funktion der heutigen bürgerlichen Wissenschaft gegenüber Marx. Den Anfang in diesen wissenschaftlichen Angriffen gegen Marx machte Lujo Brentano. Er stellte 1872 in gröblichster Weise Marx als Lügner und Fälscher dar. Er wählte dazu die Inauguraladresse der Internattonalen. Das war damals jene Institution, die den bürger⸗ lichen Klassen mehr im Magen lag, als„Das Kapital“. Sie wurde am lebhaftesten, giftig⸗ sten und entschiedensten bekämpft. Und damit stehen wir bet dem letzten großen Werk Marx: der Internationalen Arbeiterasso⸗ ztation. Ich verstehe sie als sein Werk, nicht als ob Marx sie gegründet hätte. Ste ist mit Raturnotwendigkeit aus den Verhältnissen her⸗ aus entstanden, und es waren namentlich die Bedürfnisse des gewerkschaftlichen Kampfes, die die Internationale geschaffen haben. (Fortsetzung folgt.) Bon Nah und ern. Hessisches. — Nationalliberale Prügeltaktik. In dem Wahlkampfe im Kreise Darmstadt haben die nattonalliberalen Ordnungsleute ihren politischen Anstand im schöasten Lichte gezeigt. Wiederholt haben sie ihre Gegner tätlich an⸗ gegriffen. Wie es einem solchen, den Frei⸗ sinnigen Haupt in der nationalliberalen Ver⸗ sammlung in Darmstadt erging, schilderte dieser in der Frkftr. Ztg. Herr Haupt hatte sich zum Wort gemeldet, war aber von dem Vor⸗ sitzenden angefahren worden. Er erzählt dann weiter:„Als die Absicht des Vorsitzenden, die Versammlung zu schließen, klar wurde, rief ich vom Platze aus:„Zur Geschäftsordnung!“ und ging nach dem Vorstandstisch, um dort meine Visitenkarte vorzulegen. Nachdem ich schon vom Podium herabgestiegen war, sprang ein rechts neben dem Vorstandstisch stitzender Herr auf mich zu und rief:„Was wollen Sie hier, machen Sie, daß Sie wegkommen!“ Ich ant⸗ kamen hinzu, Seite 4. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 17. wortete:„Mit Ihnen habe ich garnichts zu tun, nur mit dem Vorsitzenden.“ Andere Herren man packte mich bei den Schultern, ich erhielt einen heftigen Stoß, der mich seitwärts rücklings zwischen zwei Tische hineinschleuderte, wobet ich über einen Stuhl hinweg zu Boden stürzte. Ich erhob mich, und während das Lied„Deutsch⸗ land über Alles“ erklang, drängte mich eine ganze Gruppe meist älterer Herren nach der Tür. Hier sprangen andere Herren, wohl meist Arbeiter, hinzu, um mich zu schützen, riefen: „Der Mann hat ja garnichts getan und sich am ganzen Abend ruhig verhalten.“ Ein Herr lief mir im Gedränge nach, um sich namens des Vorstandes zu entschuldigen, ich drehte ihm den Rücken und rief dann dem Herrn zu: „Das ist die Einigung des Liberalismus, die Sie heute Abend gepredigt haben! Pfui, schämen Sie sich!“ Als man sich wiederholt bei mir entschuldigen wollte, drehte ich dem betreffenden Herrn nochmals den Rücken zu mit den Worten: „Mit den Herren habe ich nichts mehr zu reden.“ Und solches geschah unter den Augen des nationalliberalen Kandidaten und anderer Führer dieser Partei, z. B. des berühmten Herrn Dr. Becker aus Sprendlingen! Diese Leute aber werden nicht müde in ihren Versammlungen und ihrer Presse täglich von„sozialdemokrati⸗ schen Terrorismus“ zu fabeln! Diese„gebildete“ Gesellschaft sollte erst mal bei den Arbeitern Disziplin und politischen Anstand lernen. Jeden⸗ falls haben sich die Darmstädter Nationalltbe⸗ ralen den feinen Herrn Mahr, der im Eisen⸗ bahnwagen friedliche Reisende anpöbelte, zum Anstandslehrer bestellt! — Die Därmstädter Ersatzwahl hat leider nicht, wie wir hofften, mit unserm Siege im ersten Wahlgange geendet, sondern es hat Stichwahl zwischen unserm Genossen Berthold und dem nationalliberalen⸗bünd⸗ lerischen Kandidaten Dr. Stein stattzufinden. Unsere Stimmenzahl ist fast dieselbe wie 1903, für Berthold wurden 13855 abgegeben, immer⸗ hin 300 weniger als Cramer erhielt. Die andern Kandidaten erhielten: Stein 10320, Korell(freis.) 5828. Am 16. Juni 1903 wurden für Nationalliberale, Bündler und Zentrum, die diesmal zusammengingen, 11187 Stimmen abgegeben. Eine bedeutende Zunahme haben die Freisinnigen zu verzeichnen. Ihr Kandidat brachte vor 3 Jahren nur 1900 Stimmen auf, ste erzielten also fast 4000 mehr. Es kann sein, daß sich ein paar Hundert unserer „Mitläufer“ diesmal zu dem Freisinn schlugen; nachkontrollteren läßt sich das natürlich nicht. Der„entschiedene“ Liberaltsmus wird über dieses Wahlergebnis unbändig jubeln und von einer liberalen Morgenröte träumen. Darin dürfte er sich indessen täuschen. Wir halten den Erfolg des Freisinns für eine vorüber⸗ gehende Erscheinung.— Für unsere Genossen heißt's nun, den Stichwahlkampf mit allen ge aufzunehmen, damit der Sieg unser werde. Gießener Angelegenheiten. — Zur Maffeier. Wie alljährlich, begeht auch die Gießener Arbeiterschaft den Weltfeiertag der Arbeit durch entsprechende Veranstaltungen, deren Einzelheiten aus dem Inserat in der Beilage ersichtlich sind. Es darf wohl erwartet werden, daß die Beteiligung hieran die der früheren Jahre übertrifft, denn unsere Bewegung hat ja auch in Gießen und der Umgebung ganz gute Fortschritte gemacht. Es kommen doch immer mehr diejenigen zur Erkenntnis, die in der von den Reichen und Satten als göttlich gepriesenen Weltordnung die Rolle der Lastträger sptelen müssen. Sie erheben auch nach und nach die Frage, warum einige wenige ein herrliches Leben führen, wäh⸗ rend es dem Arbeitenden am Nötigsten gebricht. Sie wissen auch die Frage zu beantworten und erkennen trotz aller Verhetzung der Gegner die Richtigkeit der sozialdemokratischen Forderungen. Mit Freuden vernehmen sie daher die Maibot⸗ schaft und strömen herzu zur wahren Frühlings⸗ feier! Das sollte allerdings nicht nur des Sonntags geschehen, es müßte endlich auch ein⸗ mal an die Arbeitsruhe am 1. Mat ge⸗ dacht werden! r Die Wahlvereinsversammlung am Samstag war gut besucht. Es wurde zu⸗ erst der Kartellbericht entgegengenommen. Be⸗ merkenswert war hierbei, zu hören, daß das Kartell es abgelehnt hatte, einen kleinen Beitrag dem Ausschuß für Volksvorlesungen zu bewilli⸗ gen. In der hieran sich anschließenden Debatte wurde von sämtlichen Rednern das Verhalten des Kartells getadelt und zum Schlusse ein Antrag Beckmann angenommen, der den Dele⸗ legterten aufgibt, bei der ersten Gelegenheit die Bewilligung des Betrages zu beantragen. Gen. Krumm teilt hierauf der Versammlung einige statistische Zahlen über die Wirkung der Zoll⸗ politik des deutschen Reiches mit. Aus den⸗ selben konnte man klar entnehmen, daß das deutsche Volk durch diese Politik zu gunsten einer Handvoll Agrarter auf das schamloseste aus geplündert wird. Die Versammlung ersuchte den Gen. Krumm, das Vorgetragene in der „M. S.-Z.“ welteren Kreisen bekannt zu geben, da in dieser Beziehung immer noch viel Un⸗ 15 0 herrsche. Krumm erklärte sich hierzu ereit. — Tabakarbeiter⸗Aussperrung! In Gießen haben sich ja auch schon gewerkschaft⸗ liche Kämpfe abgespielt, von denen einige immer⸗ hin von Bedeutung waren. Bei allen trat aber unseres Wissens nicht eine derartige Schroffheit hervor, wie das anderwärts der Fall ist. Was aber Herr Tabakfabrikant Gail am Dienstag vollbrachte, das reiht sich wirklich den schlimm⸗ sten Scharfmacher⸗Praktiken an und steht in Gießen vereinzelt da. 8 Tabakspinner wurden plötzlich entlassen. Warum? In letzter Zeit erfolgten immerwährend Abzüge an den Akkordlöhnen, die für den einzelnen Arbeiter 50— 60 Pfg. die Woche ausmachten. Die Abzüge wurden in Form von Strafen für zu reichlichen Materialverbrauch gemacht. Die Spinner waren nun dahin vorstellig geworden, diese Abzüge einzustellen und hatten, falls das nicht geschehe, ihre Kündigung in Aussicht ge⸗ stellt. Daraufhin erfolgte die Entlassung der 8 Spinner. Die übrigen etwa 45 Kautabak⸗ arbeiter, fast ausnahmslos Frauen und Mäd⸗ chen, legten nach Aussperrung der Spinner nun ihrersetts die Arbeit nieder und gaben damit ein schönes Beispiel kollegialer Solidarität. Es haben bereits Verhandlungen über die Differenz⸗ punkte stattgefunden, die aber resultatlos ver⸗ liefen. Dabei zeigte sich übrigens, daß die erwähnten Abzüge und damit der ganze Streit selbst mehe auf einen Geschäftsführer des Hrn. Gail als auf diesen selbst zurückzufüsren ist.— Die Firma verschickt ein Zirkular an ihre Kund⸗ schaft, in welchem um Nachsicht bet langsamerer Lieferung gebeten wird. Darin wird auch von einer von„langer Hand vorbereiteten Bewe⸗ gung“ gesprochen, daß es sich um eine Macht⸗ frage handle, daß die Arbeiter Forderungen gestellt hätten, die„grundsätzlich nicht gewährt“ werden könnten usw. Diese Darstellung ist völlig unricktig; die Arbeiter forderten nichts weiter, als Einstellung der Abzüge. Die bis⸗ herigen Verhandlungen scheiterten an der Wei⸗ gerung der Firma, 2 Spinner, die sich um die Gewerkschaft verdient gemacht haben aber sonst sehr tüchtige Arbeiter sind, wieder einzustellen. Selbstverständlich konnte nicht darauf einge⸗ gangen werden. Wäre auch noch schöner, wenn die Arbeiter diejenigen preisgeben wollten, die ihre Interessen vertraten. Hoffentlich bestunt sich die Firma bald eines besseren. Auf ste fällt die Verantwortung, wenn sich hieraus aus noch weitere, umfangreichere, die Gesamt⸗ heit schädigende Kämpfe entwickeln sollten. — Schweinburg⸗ Produkte. Der Gießener Anzeiger hält es mit seinem zeitweise an den Tag gelegten„Liberalismus“ vereinbar, bodenlos schmutzige Angriffe gegen unsere Partei, die aus dem bekannten Schweinburg'schen Futter⸗ trog stammen, mit Behagen breitzutreten. In der Samstags⸗Nummer druckte er einen der⸗ artigen Anwurf aus der„klonservativen Korre⸗ spondenz“ ab, in dem von der gewerkschaftlichen Organtisation unter den Landarbeitern die Rede ist. Es wurde nämlich in einer an Ostern stattgefundenen Konferenz des Fabrik⸗ und Landarbeiter⸗Verbandes für Brandenburg und Westpreußen beschlossen, unter den Lan darbeitern eine rege gewerkschaftliche Agitation für den Verband zu entfalten. in echt kosakisch⸗junkerlicher Weise glosstert. Zum Schluß heißt es:„Für die Landarbeiter aber, die mit jedem Pfennig rechnen müssen, ist diese Geldausgabe von 5,20 Mk. oder 2,60 Mk. auf das Jahr noch viel zu hoch; denn von den sogen. Gegenleistungen können ste keinen Gebrauch machen. Außerdem ist die Zumutung für sie, sich den roten Gewerkschaften als revolutionäres Kanonenfutter zu verschreiben, zu stark. Sie werden also wohl von der Re⸗ klametrommel des Gewerkschaftsverbandes sich nicht locken lassen. Ob die„Genossen“ auf das platte Land gewerkschaftlich oder sozial⸗ demokratisch kommen, macht keinen Unterschied. Ihr Zweck ist Verhetzung, und dem wird man nach wie vor entgegenzutreten wissen. Und umso erfolgreicher wird dies geschehen können, je sorgsamer die Wohlfahrtspflege auf dem Lande getrieben wird.“ In diesen Sätzen zeigt sich so recht unverhüllt arbeiterfeindliche Gehässigkeit und Borniertheit zugleich. Wohl⸗ fahrtspflege auf dem Lande! Und in Ostelblen! Hat das Amtsblatt noch nichts von den elenden Wohnungen, der miserablen Behandlung der Arbeiter auf den dortigen Gutshöfen gehört? Der Kaiser selbst bezeichnete die Arbeiterwoh⸗ nungen auf Cadinen in drasttscher Weise als Schweineställe! Und wie traurig müssen die Löhne sein, wenn 10 oder gar 5 Pfg. Wochen⸗ beitrag nicht geleistet werden können! Aber das Gießener Amtsblatt wird nebst der von ihm gehätschelten Junkerstppe noch den Schmerz erleben, daß auch die Landarbeiter ihre Lage erkennen und sich der sozialdemokratischen Ar⸗ beiterbewegung anschließen werden. — In der Lohnbewegung der Stein⸗ arbeiter Gießens ist in allen Betrieben eine Einigung erzielt worden, der von den Arbeitern vorgelegte Tarif fand bei den Unternehmern in allen wesertlichen Punkten Zustimmung. Auch die Beseitigung der Akkordarbeit wurde erreicht. So haben die Arbeiter wenigstens eine kleine Verbesserung der Arbeitsbedingungen durchgesetzt. Damit das Erreichte nicht wieder verloren geht, sollten sie für die Kräftigung ihres Verbandes sorgen, denn ohne einigen Zusammenschluß kommt man nicht vorwärts! Das gilt auch auf politischem Gebiete, weshalb jeder denkende Arbeiter sich der sozialdemokratischen Partei anschließen muß. Aus dem Rreise gießen. f Auf den Buderuswerken in Lol⸗ lar greift das Maßregelungsfieber immer mehr um sich. Ende voriger Woche wurde wieder ein lange Jahre im Betriebe beschäftigter Ar⸗ beiter vom Betriebsleiter Allgaier entlassen, weil er vor 8 Wochen einen Kollegen gefragt hatte, ob er nicht dem Verbande beitreten wollte. Und Diese Tatsache wird hier handelt es sich um einen Familienvater* mit 4 Kindern. Weitere Kündigungen sind anfangs voriger Woche erfolgt und es werden hiervon 3 oder 4 Mann betroffen. Die Zu⸗ stände haben sich in einer Weise zugespitzt, daß die Arbeiterschaft in einer Freitag(27.) statt⸗ findenden großen öffentlichen Versammlung Stel⸗ lung nehmen wird. Es scheint, als wolle man die Arbeiterschaft mit diesem Vorgehen provo⸗ zieren; vielleicht geschieht dies auf Anweisung der Metallindustriellen in Frankfurt, Dresden, Hannover usw., wo Zehntausende von Formerrn ausgesperrt wurden.— Nebenbet lassen die sonstigen Verhältnisse im Betrieb sehr viel zu wünschen übrig. Wie oft passiert es dem Former, daß infolge mangelhafter Betriebs⸗ einrichtung seine ganze Tagesarbeit verloren ist. Entschädigung gibts für Fehlguß nur in den seltensten Fällen. In der Gußputzeret herrscht fürchterlicher, für die dort Beschäftigten unerträglicher Staub. Eine Kontrolle durch die Gewerbeinspektion wäre sehr zweckdienlich! Für die Arbeiter heißts aber: Laßt euch nicht verblüffen, schützt euch durch Zusammenschluß! Wieseck. Auf unsere am Sonntag bei Wacker stattfindende Malfeter machen el l⸗ fl l., 0 l 0 b f — —— e N en ee e Nr. 17. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 5. wir nochmals aufmerksam und erwarten eine zahlreiche Beteiligung der Genossen von Wieseck. Auch die Gießener Parteifreunde sind freund⸗ lichst dazu eingeladen. Frau Dr. Michels⸗ Marburg wird das Referat halten.(Siehe Inserat in der Beilage.). — In Alten⸗Buseck halten die Ge⸗ nossen ihre Maifeier⸗Versammlung Dienstag, den 1. Mai, abends 9 Uhr bei Wirt Becker ab. Genosse Vetters⸗Gießen wird über die Bedeutung des Weltfeiertags reden. Es wird zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet. Die Mitglieder des Wahl⸗ vereins wollen die Liederbücher mitbringen. — Trohe. Mit der Maifeier, die diesen Sonntag von 3 Uhr ab bei Wirt W. Seipp abgehalten wird, ist zugleich das Frühlingsfest mit Tanzbelustigung des Gesangvereins ver⸗ bunden. Unsere Parteifreunde werden noch⸗ mals zu recht zahlreicher Beteiligung eingeladen. Rödgen. Zur Beteiligung an der Malfeter versammeln sich die Genossen Sonntag (29. April) Nachmittag bei Wirt Balser zum Abmarsch nach Trohe. Es wird um recht zahl⸗ reiches und pünktliches Erscheinen ersucht. 3 ur r. Watzenborn⸗Steinberg. Nach Beschluß des Wahlvereins Matfeter. findet am Abend des 1. Mai im Lokale„Zum grünen Baum“ in Steinberg eine öffentliche Bersammlung statt. In derselben wird ein Referat über:„Die Bedeutung des ersten Mai“ gehalten. Für alle Genossen und denkenden Arbeiter ist es eine Ehrenpflicht, für einen Massenbesuch dieser Versammlung zu sorgen. Die diesjährige Maifeier muß sich zu einer machtvollen Kundgebung zur Erringung polt⸗ tischer Rechte und Freiheiten und zu einem Ausdruck des Willens, der Abwerfung der Ketten, welcke den Proletarier in politischer und wirtschaftlicher Beziehung umschlingen, dokumentieren. Also sorgt für einen Massen⸗ besuch der Versammlung. Alles Nähere wird noch durch Plakate bekaunt gemacht. Die Maifeier am ersten Sonntag im Mai begehen die hiesigen Genossen mit der organisterten Arbeiterschaft in Gießen. Auch hierbei sei schon ausmerksam gemacht, das sich die Genossen so einrichten, daß ste am Festzuge in Gießen teil⸗ nehmen können. Näheres siehe im Inserat des Gewerkschaftskartells. e In Ruttershausen findet Sonntag, den 29. April, nachm. 3 Uhr, im Lokale des Herrn Geißler an der Brücke eine öffentliche Turnerversammlung statt. Im An⸗ schluß hieran soll die Gründung eines Arbeiter⸗ Turnvereins erfolgen. Alle Arbeiter und Partei⸗ genossen von Ruttershausen und Umgegend sind zu dieser Versammlung freundlichst eingeladen. — In Leidhecken fand am Sonntag eine gut besuchte Versammlung des Wahlvereins statt, in welcher Genosse Beckmann ⸗Gießen sprach. Der vor Kurzem gegründete Wahlverein entwickelt sich gut; unsere dor⸗ tigen Parteifreunde sorgen hoffentlich dafür, daß er mehr und mehr erstarkt, damit wir auch dort den kom⸗ menden Kämpfen gerüstet gegenüber stehen. Jeder ein⸗ zelne unter uns muß dabei mithelfen und seine Partei⸗ pflicht voll und ganz erfüllen, so viel in seinen Kräften steht, für unsere Sache agitieren und ihr immer neue Anhänger werben. Aus dem Nreise Alssesd⸗Cauterbach. Aus Alsfeld schreibt eine Genossin: „An die Alsfelder Genossen und Genossinnen er⸗ geht die Bitte, sich recht zahlreich Sonntag, 29. April im hiesigen Stadtpark einzufinden. Es ist hohe Zeit, daß man die Erinnerung vom zweiten Ostertage ver⸗ scheucht. Rückt doch jetzt der 1. Mat heran, unser hoͤchster Feiertag. Im Gedanken an die Malfeier schlägt doch jedem denkenden Arbeiter das Herz höher; früher scheuten wir auch keinen weiten Weg zur Feier. Soll das jetzt in Alsfeld einschlafen, wo wir im Stadt⸗ park ein bequemes und freundliches Lokal zur Verfügung haben? Eine schöne Gartenwirtschaft und die inneren Räume sind auch ausreichend, falls es regnen sollte. Der Wirt verdient ebenfalls unsere Unterstützung, er ist uns jederzeit freundlich entgegengekommen. Darum be⸗ telligt euch zahlreich an der Malfeler!“ Aus dem RNreise Wetzlar. An die Arbeiter von Wetzlar und um⸗ gegend! Während die Gewerkschafts⸗ und politische Arbeiterbewegung überall im deutschen Reiche, wo Ar⸗ beiter in größerer Zahl vorhanden sind, erfreuliche Fortschritte aufweist, stehen die Arbelter unserer Gegend in dieser Beziehung noch weit zurück. Und doch leiden ste unter ebenso drückenden Verhältnissen, wie ihre Klassengenossen anderwärts. Die Lebensmittelteurung, die fast unerschwinglichen Fleischpreise, die sonstigen An⸗ sprüche, die an den Arbeiter gestellt werden, gestaltet die Lage der hiesigen Arbeiter immer prekärer. Man sollte meinen, dies müßte sie veranlassen, gemeinsam Besserung zu erstreben. Die meisten aber— und be⸗ sonders die Berg⸗ und Hüttenarbeiter— bekümmern sich um nichts und lassen alles gehen, wie es mag. Gerade die Lohn⸗ und Arbeitsverhältnisse der Berg⸗ arbeiter bedürften einer Besserung am allerdringendsten. Wollen sie warten, bis die Grubenfürsten mal Mitleid mit ihnen bekommen? Da können sie bis zum jüngsten Tage warten! Der Arbeiter muß vielmehr sel bst seine Klassenlage erkennen! Millionen haben sich bereits zu⸗ sammengeschlossen, Millionen sind noch zu gewinnen für den Befreiungskampf der Arbeit. Wir mülsen eine nachdrücklichere Agitation für unsere Sache entfalten! Dazu müssen wir die Frühlingsmonate benutzen; an schönen Sonntagen müssen bei Ausflügen die Arbeits⸗ brüder auf dem Lande aufgesucht und aufgeklärt werden. Natürlich soll man dabei nur diese Lokale besuchen, die uns zu Versammlungen zur Verfügung stehen, oder deren Juhaber den Arbeiter auch als Menschen achten. Vor allen ist es nötig, daß der Arbeiter von allem unter⸗ richtet wird, was sich unter seinen Klassengenossen in der Arbeiterbewegung abspielt. Dazu brauchen wir die Arbeiterpresse! Die bürperliche Presse hat bis jetzt ihr Teil dazu beigetragen, die Arbeiter gegenseitig zu entfremden. Mit keinem Wort der Entrüstung ist der Wetzlarer Anzeiger dem agrarischen Lebens mittelwucher, den volks verderblichen Steuerplänen und Flottenrüstungen entgegen getreten. Das war und wird auch in Zukunft der sozialdemokratischen Presse vorbehalten bleiben Aus diesem Grunde muß sich der Arbeiter aber auch erkenntlich zeigen und muß die Presse unterstztzen, welche sich seiner annimmt und seine Interessen vertritt. Darum, ihr Arbeiter von Wetzlar und Umgegend, weist die gegnerische Presse aus eurer Wohnung und abonniert auf die„Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung!“ Schließt Euch Euren kämpfenden Brüdern und Klassen⸗ genossen an, werdet Mitglieder eurer Berufsorganisation und auch der politischen Organisation. Laßt allen per⸗ sönlichen Haß und Hader beiseite, zeigt, daß ihr Männer seid! Nur Vorwärts durch Kampf zum Sieg! Mit Gruß Hugo Joachim. h. Zur Maifeier⸗Versammlung in Launsbach wird bestimmt Frau Zietz⸗Hamburg sprechen. Es wird nochmals zu recht zahlreicher Be⸗ telligung, besonders der Frauen und Mädchen, sowie der Parteigenossen aus Wetzlar und den umliegenden Orten aufgefordert. Ab Wetzlar geht der Zug nach⸗ mittags 1535. m. Prügelpädagog. Daß sich nicht alle Lehrer zum Erzieheramt eignen, wurde schon oft festgestellt. Wenn aber ein Lehrer es den ihm unterstellten Kindern fühlen läßt, wenn er auf deren Eltern wegen abweichender polt⸗ tischer oder sonstiger Anschauung nicht gut zu sprechen ist, so muß dies ebenfalls entschieden verurteilt werden. Das tut aber der Kantor in einem Dorfe des Kreises Wetzlar. Das betr. Kind hat bereits 5 Jahre zur vollen Zufrieden⸗ heit seines Lehrers die Schule besucht. Nun wurde es zum Herrn Kantor versetzt, seitdem will es nicht mehr gehen, alles was das Kind tut, ist nicht recht. Offenbar glaubt der Herr Kantor ein Recht zu haben, das Kind dafür strafen zu können, weil der Vater sich erlaubt, eine andere Ansicht zu vertreten als der Herr Kantor. Soweit geht aber doch die Machtbe⸗ fugnts des Kantors nicht, das mag dem Herrn gesagt sein. Was ist das für eine Behandlung und Erziehung, wenn bei jeder Kleinigkeit das Kind geschlagen wird und noch so, wie es vom Gesetz nicht als zulässig erklärt werden dürfte. Vor kurzem hielt nach Ansicht des Lehrers das Kind den Federhalter nicht richtig, sofort schlug ihm der Lehrer so auf die Finger, daß es tage⸗ lang die Hand nicht bewegen konnte. Auch zur Strafarbeit wird es sehr oft herangezogen. Selbst Sonntags bekommt es keine Ruhe, der Kantor bestellt es, damit es die Sprüche her⸗ sagt, die es als Strafe aufbekommen hat, und zwar nur deshalb, weil es etwas aus dem Katechismus nicht ohne Anstoß hergesagt hatte. Hoffentlich bewirkt die öffentliche Beschwerde, daß eine bessere Behandlung des Kindes eintritt. t, Eine rohe Tat wurde kürzlich auf der Straße Gießen⸗Krofdorf ausgeübt, indem eines nacht⸗ 19 Stück junge Obstbäume abgebrochen wurden. Man ist aber den Tätern auf der Spur und es sind, wie berichtet wird, nicht eiwa rohe ungebildete Arbeiter, sondern— Seminaristen aus Wetzlar, die sich in Krof⸗ dorf bezecht hatten und spät abends auf dem Wege nach Gießen ihren Uebermut an den Bäumchen ausließen. Es sollte den Leutchen ein gehöriger Denkzettel verab⸗ folgt werden. Aus dem Rreise Marburg⸗Nirchhain. „ Unser löblicher Magistrat scheint für die Marburger nicht viel Sympa⸗ thien zu hegen. Noch hat sich die Erregung unter den Schreinermeistern wegen Vergebung der Fensterlieferung für den Schulhausneubau kaum gelegt und schon gibt ein ähnlicher Fall den Bürgern Anlaß zur Kritik. Die Stadt⸗ verordnetenversammlung hatte beschlossen, einen Straßenmeister anzustellen und diese Stelle aus⸗ zuschreiben. Es meldeten sich hierzu z wei Lente aus Marburg und einer aus Weimar. Bei der Beschlußfassung über die Anstellung des Straßenmeisters hatte der Oberbürgermeister ganz vergessen(2), daß sich auch zwei Leute aus Marburg gemeldet hatten. Der Bewerber aus Weimar bekam infolgedessen die Stelle, weil er aus Weimar war und unser Oberbürger⸗ meister, wie es scheint für diese Stadt ein ganz besonderes Interesse hat. Wir sind allerdings nicht Lokalpatrioten genug, um darüber in große Aufregung zu geraten. Der Millionenbankrott des Universttätsbuchhändlers Schramm, der hier und in der ganzen Umgegend riesiges Aufsehen erregt hat, übertrifft in der Tat alles, was Marburg bisher in dieser Beziehung zu ver⸗ zeichnen hatte. Ueber 800 Rechnungen sollen bisher eingegangen sein. Schramm hat sich nach Amerika geflüchtet, und laut Stadtgespräch ist seine Köchin mit, die eine qusttierte Rechnung von ihm hatte. Fortsetzung siehe Seite 6. Aus den Gewerkschaften. Eine Gau⸗ konferenz der Dachdecker tagte am Sonn⸗ tag in Gießen im Wiener Hofe. Fast alle zum Bezirk gehörigen Orte waren vertreten. Der vom Gauvorsteher Erhard⸗Mainz erstattete Bericht ergiht eine erfreuliche Weiterentwicklung des Gaues sowohl in dem Auwachsen des Mit⸗ gliederstandes, als auch der Ortsvereine. Trotz der gesteigerten Ansprüche der Agitation schließt das Geschäftsjahr mit einem Bestand von 412,79 Mk. ab. Im großen und ganzen ist die Konferenz mit der Tätigkeit des Gauvor⸗ standes und seines bisherigen Vertreters in Frankfurt einverstanden und beschließt ein⸗ stimmig seine Entlastung.— Bei den Berichten aus den einzelnen Orten war zu entnehmen, daß in bezug auf die Lohnhöhe eine unge⸗ wöhnlich große Verschiedenheit herrscht. Die Löhne schwanken zwischen 2,50 Mk. in Kassel und 6,30 Mk. in Frankfurt! Ferner wurden Klagen bezüglich des Bauarbeiterschutzes vorge⸗ bracht, der nur in Frankfurt, Mainz, Kassel, Darmstadt und Offen bach einigermaßen zufrieden⸗ stellend ist. Ueberall wird geklagt über die rapide Zunahme des Lehrlingswesens. Im weiteren wurde in lebhafter Aussprache über die Frage der zweckmäßigsten Agitation im Dachdeckerberuf beraten.— 300 060 Mitglie- der zählt jetzt der Metallarbetterverband! Das ist ein Fortschritt, den man noch vor einem Jahrzehnt in unseren Reihen nicht zu hoffen wagte. Die Zahl ist eigentlich schon über⸗ schritten, die Metallarbeiterzeitung zählt 307000 Auflage! Die letzte Nummer derselben erschien 16 seitig, ist reichhaltig ausgestattet und ent⸗ hält mehrere interessante Artikel über die Ent⸗ wicklung des Verbandes. eee VBersammlungskalender. Samstag, den 28. April. Gießen. Holzarbeiter. Abends ½7 Uhr Ver⸗ sammlung bei Lö b.— Metallarbeiter abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Gießen. Freie Turnerschaft. Abends 8/ Uhr pünktlich Monatsversammlung bet Mitglied Jakob Müller im Feldschlößchen. Sonntag, den 29. April. Großen⸗Buseck. Wahlverein. Nachmittags 3 Uhr Versammlung bei Wirt Wagner Hausen. Arbeiter⸗Verein. Nachmittags 3 Uhr Mitglieder⸗Versammlung bei Wirt Wallbott. Reißkirchen. Arbeiterverein. Nachmittags 2 Uhr Mitgliederversammlung bei Wirt Wild. Steinberg. Wahl verein. Nachmittags 4 Uhr Versammlung bei Wirt Schwarz, Stadt Gießen Seite 6. Mitteldeulsche Sonntags⸗ Zeitung. Nr. 17. g. Flotten propaganda und g Geschäfts⸗ reklame, Herr Schuh warenfabrikant Euker versendet an die Marburger Einwohnerschaft einen äußerst ele⸗ ganten illustrierten Katalog seines Schuhlagers, dessen Faffeebraunen Umschlagkein großer weißer Schuh“ zlert, und der auf jeder Seite eine der Gelegenheit angepaßte geistreiche Devise wie„ein schöner Stiefel ziert den Fuß“, „nasse Füße sind die größten Feinde unserer Gesundheit“, „eine Wohltat für die Füße sind Eukers ꝛc. 2c.“ Wie erstaunt aber der zukünftige Kunde, wenn er beim Durch⸗ blättern hinter all den zierlichen Schuhchen und Pan⸗ töffelchen plötzlich— ein Panzer ⸗Schlachtschiff in vollster Fahrt entdeckt! Doch bald wird die Lösung des Rätsels offenbar: Herr Euker ist nämlich in seinen stillen Stunden auch noch„Schatzmeister der Ortsgruppe Marburg des deutschen Flottenvereins“, und Jals solcher hat er das Bedürfnis gefühlt, nicht nur für seine Schuhe, sondern auch für„seine“ Schiffe Reklame zu machen! So fügt er seinen Anpreisungen von Ball- und Jagdstiefeln, Putz⸗ ereme und seidenen Damenstrümpfen einen zündenden Artikel über„Deutschlands Seemacht“ an, der uns be⸗ richtet, daß„das Verlangen nach einer deutschen Kriegs⸗ marine so alt sei wie die Sehnsucht der deutschen Stämme nach einem einigen deutschen Reiche“, daß verschiedentlich die„Schwäche“ der Flotte„schmerzlich empfunden“ worden sei, daß aber trotzdem noch große Kreise der Bevölkerung„keine Ahnung davon“ hätten,„wie sehr sie in ihren Daseinsbedingungen von einer„starken deutschen Kriegsflotte abhängig seien, weil sie noch nicht durch einen unglücklichen Seekrieg zahllose Existenzen hätten zusammenbrechen sehen“ ꝛc. ꝛc. und empfiehlt nach berühmtem Muster als sicheres Mittel zur Verhütung eines solchen Seekrieges die Schaffung der Möglichkeit desselben, durch den Bau immer neuer solcher Panzer⸗ kähne, wie er in seinem Schuh warenkataloge abgebildet hat Mit einer dringenden Aufforderung zum Beitritt in den Flottenverein schließt Herr Euker seinen äußerst lehrreichen Aufsatz.— Weiter kann der Patriotismus kaum noch getrieben werden: selbst der Schuhwarenkatalog dient als Propagandamittel für die Flotte! Oder soll die Flotte als Zugmittel für das Schuhwaren geschäft gedacht sein? Geborstene Ordnungsstütze. In Leipzig wurde der 52 Jahre alte Kanzleisekretär am Reichsgericht Chr. Gorn wegen Urkundenfälschuug zu einem Mo⸗ nat Gefängnis verurteilt. Welch' tüchtige Ordnungsstütze Gorn war, geht aus den Aem⸗ tern hervor, die er bekleidete. Er war Armen⸗ Distriktsvorsteher, Kirchenvorstand, Vizeprästdent der Kinderbewahranstalt und Vorsttzender des Hausbesitzervereins im Osten Leipzigs ꝛc. In Leipzig⸗Reudnitz besaß er ein Grundstück im Werte von 140000 Mek. Da hatte er aller⸗ dings notwendig in seiner Eigenschaft als Kassen⸗ verwalter des Vereins für Gemeindepflege, sich an dessen Geldern zu vergreifen und in dem Kassabuch Rasuren vorzunehmen, wie ihm die Anklage zur Last legte. Um seine Unterschleife zu verdecken, ließ er sich von den Geldempfängern Quittungsduplikate ausstellen, womit er die Revisoren dann täuschte. Auffällig ist auch, daß die betrogene Gemeinde keine Anzeige er⸗ stattet hat, sondeen daß es erst einer anonymen Anzeige eines Eingeweihten bedurfte, ehe der Ordnungsmann vor das bürgerliche Gericht ge⸗ stellt werden konnte. Jedenfalls sollte die Sache im Interesse der„Ordnung“ vertuscht werden. Feine„Musterarbeiter“. Das Schwurgericht in Nürnberg verur⸗ teilte den 32 jährigen Eisendreher Bodechtel, den 26 jährigen Buchdrucker Kreutzer und den 31 jährigen Mechaniker Weißkopf, welche die Witwe Bittermann am 13. Januar ermor⸗ deten und beraubten, und zwar Bodechtel und Kreutzer wegen Raubes mit Todesfolge, ersteren zu lebenslänglichem Zuchthaus, letzteren zu fünfzehn Jahren Zuchthaus, Weißkopf wegen Raubmordes zum Tode und wegen Totschlags⸗ versuch zu vier Jahren Zuchthaus. Die beiden erstgenannten sind Streikbrecher, die sich bei dem Streik in den Fränktschen Schuhfabriken zu Nürnberg im Sommer 1904 durch besonders aggresstves Vorgehen gegen die Streikenden auszeichneten und deswegen vom Unternehmer tum als Musterarbetiter gelobt worden sind. Volksbildungsarbeit in Gießen. — Der Gießener Ausschuß für Volks vor⸗ lesungen und verwandte Bestrebungen im Winter 1906. Schon seit längerer Zeit war von Männern, welche den neueren Bildungsbestrebungen ein lebhaftes Interesse entgegenbrachten, der Gedanke erwogen worden, auch in Gießen eine Einricht ung ins Leben zu rufen, welche diesen Zwecken dienen sollte. Aus wieder⸗ holten Besprechungen der Frage ging ein provisorischer Ausschuß hervor, der sich im Dezember 1905 an Ober⸗ bürgermeister und Stadtverordnete wandte, mit der Bitte, die Stadt möge auf ihre Kosten die Turnhalle des Realgymnasiums und der Oberrealschule— welche von der Direktion dieser Schulen bereitwillig zur Verfügung gestellt worden war— heizen, beleuchten und für Vor⸗ lesungszwecke herrichten lassen. Da diese Bitte sofort gewährt wurde, so konnte mit den Vorlesungen begonnen werden. Der Ausschuß, bestehend aus den Herren Ober⸗ lehrer Dr. Albert Klein, Antiquariatsbuchhändler Alex. Kuhr, Lehrer Val. Müller, Redakteur Vetters, Oberlehrer Otto Urstadt, stud, theol. H. Heschler, als Vertreter der akademischen Ortsgruppe des Dürerbundes, trat dem Rhein⸗Mainischen Verbande bei und eröffnete die Vorlesungen am 15. Januar 1906. Sie fanden an jedem Mittwoch statt(mit Ausnahme der beiden letzten Wochen des März) und dauerten bis zum 5. April. Eintrittsgeld wurde nicht erhoben. Es war dabei die Absicht des Ausschusses: an Stelle der zersplitternden Einzelvorträge, die in dieser Woche dieses, in der nächsten jenes bieten und eine systematische, d. h. also wirklich bildende Führung der Hörer fast unmöglich machen, sollten Zyklen von mehreren innerlich zusammenhängenden Vorlesungen treten, die sich auch ihrerseits ergänzten und aufeinander beziehen ließen. Demgemäß wurde in diesem ersten Winter der deutsche Idealtsmus, seine Geschichte und Gegenwart behandelt, und es sprachen: vom 15. Januar bis 7. Februar 1906 Oberlehrer Dr. A. Klein über: Die Entstehung des mo⸗ dernen Deutschlands an vier Abenden; Pfarrer Emil Fuchs, Rüsselsheim a. M., über: Grund⸗ fragen der Sittlichkeit an drei Abenden; am 5. April Oberlehrer Dr. R. Strecker, Bad Nauheim, über: Goethes Leben und Weltanschauung. Zwischen die Vorlesungen von Herrn Lic. Fuchs und Herrn Dr. Strecker schob sich eine geographische Schil⸗ derung von Herrn Oberlehrer U. Kraft aus Büdingen, der an zwei Abenden(am 7. und am 14. März) in höchst anschaulicher und fesselnder Weise von seinen Reisen in Südamerika erzählte. Wenn schon die Durchführung dieses Programms hohe Anforderungen an die Geduld und Willigkeit der Hbrer stellte, so noch mehr die Diskusston, welche an jede Vorlesung des ersten(geschichtlichen) und des zweiten (ethischen) Zyklus sich anschloß. Es war doch ein Wag⸗ nis, einer Zuhörerschaft, die sich zum großem Teil nicht kannte und von des Tages Last und Mühe herkam, zu⸗ zumuten, daß sie sozusagen aus dem Stegreif über die schwierigen Fragen, die behandelt wurden, urteilen und ihr Urteil aussprechen lernen sollte. Wir sagten uns aber, daß die freie Diskussion die einzige, festa usgebildete, moderne Methode ist, um die Selbsttätigkelt und lebendige Teilnahme der Zuhörer zu wecken und wachzuhalten, und der Erfolg hat uns recht gegeben. Sie war be⸗ sonders bei den beiden letzten Vorlesungen des geschicht⸗ lichen und bei denen des ethischen Zyklus sehr rege und zeugte von dem erfreulichen Verständnis aller derer, die sich an ihr beteiligten. Auch der Besuch der Vorlesungen hielt sich auf der Höhe von durchschnittlich 150 Personen, Angehörigen aller Schichten der Bevölkerung, unter denen nur die Arbeiterschaft allzu sch wach vertreten war. Neben den Vorlesungen bot der Ausschuß seinen Freunden auch edle Unterhaltung an zwei Volks unter⸗ haltungsabenden. Am 11. Februar veranstaltete einen solchen der akademische Dürerbund, der seine im ganzen Rhein⸗Main⸗Gebiet bekannten Lichtbilder aus Wilhelm Busch's„Plisch und Plum“ und zwel Fastnachtsspiele von Hans Sachs(der fahrende Schüler in Paradies; der Roßdieb von Fünfing) vorführte, mit einleitenden Vorträgen von Herrn Dr. Strecker, und am 11 März fand ein mustkalischer Volksunterhaltungs⸗ abend statt. Beide Abende waren sehr gut besucht und boten allen Zuhörern reichen Genuß und Anregung. Wir sagen allen Mitwirkenden nochmals unsern auf⸗ richtigen Dank. Der Ausschuß aber entnimmt dem Erfolg, den seine Veranstalungen gefunden hoben, das Recht und die Pflicht, seinen Grundsätzen auch im Winter 1906/7 treu zu bleiben und sie nach Möglichkeit. weiter auszugestalten. Volksunterhaltungsabende und Vorle⸗ sungszyklen werden neben einander hergehen, und zwar wird in diesen letzteren die Naturwissenschaft und dle Kunst stärker berücksichtigt werden. Daneben hoffen wir besondere Fortbildungs⸗ und Lernkurse in Sprachen, Geschichte, Literatur für eine kleine Anzahl besonders interessterter und strebsamer Personen durchführen zu können(nach dem Vorblld von Offenbach a. M). Sollen aber diese und andere Erweiterungen des Programms, die im Igteresse der Teilnehmer noch ge⸗ plant sind, sich verwirklichen, so brauchen wir vor allem größere Geldmittel, die wir durch freiwillige Bei⸗ träge unserer Mitbürger aufzubringen hoffen. Wir bitten darum herzlich, daß sich zu den bisherigen Gebern, denen hierdurch unser aufrichtiger Dank ausgesprochen sei. eine große Zahl opferwilliger Nachfolger gesellen möge. Danken werden wir mit erhöhten Leistungen, die in unser aller Interesse, zu unser aller Ehre und Nutzen geschehen. Die Erdbeben-Ratastrophe von Kalifornien ist eine der furchtbarsten, die sich seit vielen Jahrhunderten ereignet hat und stellt in ihren Folgen den Vesuv⸗Ausbruch in den Schatten. Die große und schöne Stadt San Franctsco, die fast 400 000 Einwohner zählte, ist in einen Trümmerhaufen verwandelt. Außerdem haben noch weitere Städte der Küste, Santa Rosa, San José, Sakramento, Oakland und andere furchtbar gelitten. Wieviel Menschenleben zu grunde gegangen sind, ist noch nicht festgestellt, doch dürften wohl einige tausende von Menschen das Leben eingebüßt haben; eine Meldung sprach von über 5000. In San Francisco hat erst die nach dem Erdbeben ausgebrochene Feuers⸗ brunst das Zerstörungswerk vollendet. Es war wegen Wassermangel, da die Leitung zer⸗ stört gewesen sein soll, nicht möglich, dem Brande Einhalt zu tun, auch nützte es nichts, daß viele Häuserblocks mit Dynamit gesprengt wurden. Die Zahl der Obdachlosen, die unter Hunger und Kälte furchtbar zu leiden haben, beträgt etwa 300 000. Der allgemeine Schrecken wurde noch durch mehrere später erfolgte Erdstöße ge⸗ steigert. Infolge des Schreckens, sowie vor Hunger und Durst sollen viele Personen wahn⸗ stunig geworden sein. Von Seiten der ameri⸗ kanischen Regierung wurden sofort die um⸗ fassendsten Hilfsaktionen eingeleitet und man muß sagen, mit mehr Energie als bei uns in solchen Fällen die Regierungen entwickeln. Präst⸗ dent Roosevelt hat sogar Hilfe von auswärts abgelehnt, weil die Vereinigten Staaten in der Lage seien selbst das nötige zu tun. Mittel genug besitzt Amerika allerdings. San Francisco, die„Hundert Hügelstadt“ oder, wie es andere zu bezeichnen belieben, das „amerikanische Paris“, ist nach dem ziemlich übereinstimmenden Urteile aller Reisenden, welche es besucht haben, eine der schönsten und groß⸗ artigsten Städte der Welt. In einem sowohl an edlen Metallen, wie in landwirtschaftlicher Beziehung reichen Distrikt gelegen, bildet diese „Königin des stillen Ozeans“ nicht nur die Endstation für die Mehrzahl der von Asten und Australien kommenden Postdampfer, sondern auch den Hauptsammelpankt für die Schiffahrt an der ganzen westlichen Küste Amerikas, be⸗ deutet also für die letztere dasselbe, was Kew⸗ Pork für den Osten Amerikas vorstellt, nämlich die Metropole des Handels und den Haupthafen der Küste. Maienangst. Eine Erinnerung. Der Beschluß der internationalen Sozial- demokratie, den 1. Mai als Weltfeiertag zu begehen, hatte eine gewaltige Aufregung im Lager der gesamten Bourgeoisie hervorgerufen. Auch den hohen Regterungen der verschiedenen Vaterländer und Ländchen verursachte er ein gewisses Unbehagen. Was konnten da nicht alles für Gefahren im Hintergrunde lauern! 8 Und nun gar unseren ehrsamen Spießbürgern war der Schrecken in alle Glieder gefahren; die Angst um ihre„helligsten Güter“ ließ sie nicht mehr ruhig schlafen. Mit banger Besorgnis sahen sie dem sonst so sehr herbeigesehnten Wonnemonat entgegen. Sollte denn die verdammte„Teilerei“ wirklich schon losgehen? Nein! Das ging unter keinen Umständen! Die Ordnung mußte aufrecht erhalten werden; eee e ee eee . ̃ K—— N= Nr. 17. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 7. zu was war denn die Polizei da und das Militär 21 Also bestürmte man die maßgebenden Stellen um Sicherheitsmaßregeln, und dem Wunsche ward mit Freuden gewillfahrt. Die Säbel der heiligen Hermandad wurden auf alle Fälle frisch geschliffen, die Truppen in den Kasernen kon⸗ signiert, Umzüge durch die Stadt, Tragen von Fahnen und Abzeichen verboten usw. Man hatte sogar in Erwägung gezogen, über die größeren Plätze für diesen Tag den Belagerungs⸗ zustand zu verhängen, man konnte ja doch nicht wissen, ob nicht„was passteren“ könnte. So war er denn endlich herangekommen, der gefürchtete 1. Mai 1890. Auch in L., einem kleinen Gebirgsstädtchen an der schlestsch⸗böhmischen Grenze, in dem sich einige Fabriken(zwei Flachsgarnspinnereien und eine Glashütte) befanden, hatte man um Militär petitioniert, da man dem Kampfesmut der zwei alten, wackeligen Stadtpoltzisten nicht recht traute; besonders seit dem letzten Sonntag, wo sie bei Gelegenheit einer solennen Tanzboden⸗ keilereti ganz erbärmliche Prügel bekommen hatten und mit Verlust ihrer polizeilichen At- tribute an die frische Luft gesetzt worden waren. Das Gesuch war aber abschlägig beschieden worden, und man mußte sich wohl oder übel mit dem Schutze der erwähnten beiden Helden begnügen; auf alle Fälle wurden aber noch zweit Nachtwächter als Reserve aufgeboten, zu denen noch ein im Nachbardorfe stationterter berittener Gendarm stieß. Auch der Feuerwehr wurde im Vertrauen mitgeteilt, sich bereit zu halten. So viel man wußte, wollte die organisterte Arbeiterschaft des Städtchens die Maifeier in L.... au, einem unten im Walde gelegenen Aus flugsorte, begehen. Die Fabrikanten hatten sich allerdings beraten, was gegen die geplante Demonstration zu machen sei, waren aber, da ihnen die Situation noch zu neu war, zu keinem Entschluß gekommen; auch glaubten sie noch nicht recht an die Aus⸗ führung des geplanten Unternehmens. Vom Bürgermeister und einigen Gemeinde⸗ räten waren sie überdies himmelhoch gebeten worden, die Leute nicht durch Gegenmaßregeln zu erbittern; denn besonders die Glas macher rauchten keinen guten, wenn man sie erst in die Hitze brachte. Das wußten sie aus Erfah⸗ rung. So hatte man sich in das Unvermeidliche ergeben. Die Arbeiter waren wirklich schon am frühen Morgen mit Kind und Kegel, ein schnell impro⸗ vistertes Musikkorps an der Spitze, in ge⸗ schlossenem Trupp in musterhafter Ordnung ausgerückt. Unverhohlene Freude strahlte auf allen Gesichtern. Welche Wonne, einmal durch eigenes Wollen den staubigen Spinnsälen, der erschlaffenden Atmosphäre der Glasöfen zu ent⸗ fliehen und in den herrlichen, sonnigen Mai⸗ morgen hinauswandern zu dürfen. Der Himmel hatte Einsehen gehabt und zeigte den feiernden Proletartern sein schönstes Gestcht, zum Aerger der verstohlen hinter den Gardinen hervorlugenden Spießbürger. Mit gemischten Gefühlen durchwanderten die Fabrikanten ihre öden Räume; was ging ihnen doch heute für ein schönes Stück Geld verloren durch diese verdammte Maifeier. Nun, das ließe sich ja schließlich durch eine kleine Lohn⸗ abzwackeret wieder einholen, aber der moralische Eindruck, den diese demonstrative, selbstherrliche Feier machen mußte, da lag der Hund begraben; wo blieb denn da der Respekt? Nun, das nächste Jahr sollte es nicht ungestraft hingehen; für dieses Jahr war es nun einmal nicht zu ändern. In der Villa des Kommerzieurats Bauer, des Besitzers der Glashütte, wartete man immer noch mit dem Mittagessen. Die Kinder waren noch nicht da von der Schule. Das war doch eigentlich sonderbar; gerade an diesem Tage, wo man auf alle Fälle gut tat, in seinen vier Pfählen zu bleiben. Schon vor einer Stunde waren mehrere Trupps Schulkinder an der Villa vorüberge⸗ gangen. Es verging wieder eine halbe Stunde, als der Kommerzienrat endlich die Geduld ver⸗ lor. Das Dienstmädchen wurde in das Schul⸗ haus beordert, um nachzufragen. Kinder wären nach Schulschluß mit den andern fortgegangen; unterwegs hätte ste erfahren, daß die Kinder mit einigen Kameraden nach dem Festplatz gelaufen seien. Der Herr Kommerzienrat wurde kreideweiß, die Gnädige fiel in Ohnmacht. Um Gottes⸗ willen! in den Rachen des Löwen! Was tun? Die ganze bewaffnete Macht des Städtchens war auf dem Festplatze; selbst der alte Christian, das Hausfaktotum, hatte es sich nicht nehmen lassen und war mit hinausge⸗ humpelt. Das Dienstmädchen weigerte sich ganz entschleden, die Kinder zu holen. Da half nur ein heroischer Entschluß; selbst hinaus und die Lieblinge dem„sicheren Tode“ entreißen. Oder fahren? Das wäre am Ende besser. Madame, die unterdessen wieder zu sich ge⸗ kommen, drohte, als sie den Entschluß des Gatten vernahm, wieder umzusinken. Nein, Männchen, laß mich gehen, an einer wehrlosen Frau, einer Mutter werden ste sich nicht ver⸗ greifen! Nein, nein, um keinen Preis, wehrte der Kommerzienrot ab, ich gehe selbst! Nun, so gehe ich mit dir, wenn es denn sein muß, sterben wir vereint! Das Mittagessen war natürlich mittlerweile kalt geworden; auch pflegt das Gefühl einer so nahe bevorstehenden Todesgefahr den Appetit zu verscheuchen. Es wurde also angespannt, und im scharfen Trab gings dem Festplatze zu. Die Kommerzienrätin schmiegte sich eng an den Gemahl. Ob wohl die Kinder noch am Leben waren? Schon von weitem hörten sie fröhlichen Gesang und Musik; dem Herrn Rat fuhr un⸗ willkürlich der alte Spruch durch den Sinn: „Wo man singt, da laß dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder.“ Aber heute war der 1. Mai und man wußte doch nicht, was alles für Ueberraschungen ge⸗ plant sein konnten. Endlich angelangt, krauten sie kaum ihren Augen; ihre beiden Sprößlinge, ein munterer Bub von neun und ein zierliches Mädchen von zehn Jahren, drehten sich, eine breite, rote Schärpe über der Brust, in munterem Reigen mit den Arbeiterkindern; auch das Töchterchen des Bürgermeisters und die zweit Buben des Amtsdieners gewahrten sie unter den Spielenden. Nun fiel ihnen ein Stein vom Herzen. Als sie zudem sahen, wie die hohe Polizei, die zwei Nächtwächter inbegriffen, mit dem Fest⸗ komitee in der animiertesten Kneiperei begriffen war, getrauten sie sich endlich, den Festplatz zu betreten. Erst allgemeines Stutzen, dann ein hundertstimmiges Hurra! Man war natürlich der Meinung, der Herr Kommerzienrat sei ge⸗ kommen, die Feier mit seiner Anwesenheit zu verschönern, und war selbstverständlich höchst angenehm überrascht. Der Hüttenbesitzer erfaßte die Situation, machte zum bösen Spiel gute Miene und ließ die Leute in dem Glauben. Die Frau Gemahlin, überglücklich, ihre Lieblinge gesund und munter wieder zu haben, hatte nichts dagegen, und so blieb man denn ein paar Stunden in schönster Harmonie beisammen; umsomehr, als sich auch nach einiger Zeit der Herr Bürgermeister in höchst eigener Person einfand, um gleichfalls nach seinem Töchterchen zu recherchieren. Nur, als einige Uebermütige versuchten, die Gäste gleichfalls mit roten Schärpen zu dekorieren, lehnten diese bescheiden ab. Abends erfolgte dann der Einzug in die Stadt, wohl in etwas animierter Stimmung, jedoch in bester Ordnung. Dee Den Frauen! Den Frauen heut ein Früglingsgruß! Euch allen, die in harten Mühen In Schmuz und Schweiß das Dasein schleppt Euch sͤllen Maienrosen blühen! Greift lachend in die rote Pracat: Ein Morgen glüht, den keine Wolke In schwarze Schatten hüllen wird Ein Festungsmorgen allem Volke! Euch Frauen heut ein Festtagsgruß! Denn Ihr vor Allen seid berufen, Daß Ihr die Menschheit beten lehrt Fromm an der Freiheit Altarstufen, Nach einer Weile kam dieses aber atemlos angekeucht, die Daß Ihrk dem beutegierigen Speer Die Spitze brecht mit reinen Händen!: 22 Nicht Euer Kinder rotes Blut,— Der Liebe Rosen sollt Ihr spenden! Den Haß, der die Nationen trennt, Soll Eure Liebe überwinden, Wenn schwesterlich die Hände sich Sum letzten großen Kampfe finden. Des Sturmjahrhunderts Morgenschein Soll Eurer Rechte Sieg verklären:) 2 Srst müßt Ihr freie Menschen ser n. Um freie Menschen zu gebären! Aus märchenblauen Seiten klingt Ein Segenswort: Den Fluch des Bösen, 259 Der auf das Haupt der Menschheit fiel, 5 Wird einst die Hand des Weibes lösen. 2 8 Aus Lügenschlamm und Gassenstaub Wird sie den Schatz der Wahrheit heben Und segnend ihn als Hort des Rechts Den kommenden Geschlechtern geben.“ Den Frauen heut ein Segensgruß! Aus alter Aindermärchen Ularheit acht hell in all den Sonnenglanz Das heilige Angesicht der Wahrheit. Kein Traumglück mehr, kein Sehnsuchtlaut: Es gilt den Kampf! Auch Euch, den Frauen— Und Eure Kinder werdet Ihr a 9 Der Freiheit Maitag feiern schauen! 8 Clara Müller.. Konfirmationsgeschenke duet dane Preislagen und in großer Auswahl in dem Ihren Gold- und Hilberwarengeschäft von P. Kamiufa, Markt⸗ platz 11, am Kriegerdenkmal. Man berl. Rabattmarken. ——— 1————— Der Verlag der„Kommunalen Praxis“ ist am 1. April 1906 an den Genossen Singer⸗Berlin übergegangen. In der Erschelnungsweise der Zeitschrift ändert sich nichts. Dle Herausgabe besorgt nach wie vor Genosse Dr. Südekum⸗Berlin. Im Interesse der kommunalpolitischen Betätigung der Partei liegt eine erheblich größere Verbreitung der„Kommunalen Praxis“, als sie bis jetzt erreicht worden ist. Empfehlenswerte sozialistische Schriften! Von der Expedition der Mitteld. Sonnt.⸗Zeitung Gießen, Rittergasse 17, sind zu beziehen: Sozialdemokratisches Reichstagshandbuch. Von Max Schippel. Ein Füh rer durch die Zeit⸗ und Streitfragen der Reichspolitik. In 37 Lieferungen A 20 Pfg. Gebunden 9 Mk. Die Neue Zeit. Wochenschrift der deutschen Sozialdemokratie. Allwöchentlich ein Heft. Preis 25 Pfg. Generalstreik und Sozialdemokratie. Von Henriette Roland⸗Ho st. Mit Vorwort von Kautsky. Preis 1.20 Mr. Die Agrarfrage. Von Karl Kautsky. Eine Uebersicht über die Tendenzen der modernen Landwirt⸗ schaft und die Agrarpolitik der Sozialdemokratie. Preis brosch. 5 Mk., gebd. in Leinwand 6.50 Mk. Grundsätze und Forderungen der Sozial⸗ demokratie. Von Karl Kautsky und Brun o Schönlank. Preis 10 Pfg. Handelspolitik und Sozialdemokratie. Von Karl Kautsky. Eine populäre Darstellung der handelspolitischen Streitfragen. Preis 30 Pfg. Wider die Pfaffenherrschaft. Kulturbilder aus den Religionskämpfen des 16. und 17. Jahr⸗ hunderts. Reich illustriert, Von Emil Rosenow. In Heften zu 20 Pfg, komplett in 50 Heften. Der Zukunstsstaat der Junker. Man⸗ teuffeleien gegen die Sozialdemokratse im preußischen Herrenhaus. Mit Einleitung und Anmerkungen von Kurt Eisner. Preis 20 Pfg. Die Vollksschule, wie fie sein soll. Rühle. Preis 30 Pfg. 5 Die zehn Gebote und die besitzende Klasse. Von Adolf Hoffmann, Berlin. Preis 30 Pfg. Das Schriftchen ist besonders geeignet, die Arbeiter über die heutigen Zustände und die sittlich⸗ religiöse Heuchelei der herrschenden Klassen aufzuklären, die Schreibweise ist packend und dem Verständnis der Arbeiter angepaßt. Marktbericht. Auf dem Wochenmarkt in Gießen kosteten am 24. April: Butter per Pfund Mk. 1,10— 1,20, Hühnereier 1 St. 6— 7 Pfg., Käse pr St. 6—8 Pfg., Käsematie 2 St. 5—6 Pfg., Erbsen per Liter 22 Pfg., Linsen per Liter 32 Pfg., Kartoffeln per 100 Kilo 0,00 6,00 Mk., Weißkraut pr. Stck. 20— 30 Pfg., Zwiebeln per Ztr. Mk. 6,00— 8,00, Tauben per Paar 0,80 bis 1,00 Mk., Hühner per St. 1,00—1,60 Mk. Hahnen per St. 0,80— 1,80 Mk., Enten per St. 1,80 bis 2,20 Mk., Gänse per Pfd. 00— 00 Pfg. Von Otto S222 ᷣ P ˙—AB 9 ——— ————— ä—— „——T0T7TTbTTTT uf Kalt erhält Jedermann unter den leichtesten Zahlungsbedingungen — E 5 N —— — Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. ———ů— bel E fur kraalt —. und Pocsteswaren erhält Jedermann —— . ͤͤ——v— — 0 unter den leichtesten Zahlungsbedingungen — Laumsbach Lans sbO- Sonntag, den 29. Aprit cr., nachm. 3½ Ahr im Saale des Herrn Gastwirt Komp in Launsbach. Tagesordnung: Klassenkampfe einst und jetzt. Rednerin: Frau Louise Zietz-Hamburg. Saunsbach und Umgebung erwartet Freie Diskussion. Der Einberuser. selten-Anzüge fte eben Damen-. Herren-Paletots 5 f Damen-Umhänge ö Herren-Hosen 0 bande Fichtner 9 Damen-Jaquetts 0 Knaben- und auf Kleiderstoffe ö Burschen-Anzuge Kredit ö Manufakturwaren Grösste Auswahl 0 Große Volks versammlung Offentl 1 Besuch besonders der Frauen und Mädchen aus ö Billigste Preise : Maffeier in Marburg. 2 Dienstag, den 1. Mai, abends 8 Uhr: iche Volksversammlung im Hildemaun'schen Saal, Barfüßertor. Tagesordnung:„Die Bedeutung des 1. Mai.“ Referent: Genosse Dißmann⸗Frankfurt a. M. Sonntag, den 6. Mai. nachmittags 3 Uhr: Familienausflug nach der Schanze. 8 2 3 Bei kühlem Wetter nach Cappel.) 38 8— 1 Für die am 1. Mai feiernden Genossen ist mittags 2 Uhr Treffpunkt bei F— Haesberg, Wehrdaer weg. 2 8 5 5— S Die Genossen werden nochmals aufgefordert, für zahlreiche Beteiligung obiger 4 5 8.— Veranstaltungen Sorge zu tragen. 2 a 5 2— 5 Der Vorstand des soz. Wahlvereins. D 5 5 3 1 5. 2 Konsumverein Trohe und Rödgen. 1 HGSiessen und Umgegend. 2 2 F F* G Klosettbürsten Senntag, den 29. April, nachmittags 3 uhr: 4 2 8— 8 Topfbesen 8 328 Wurzelbürsten 0 7 — 2 83 8 Lampertebürsten 9 2 5 5 Schrubber N er E 2 2 5 Y 9 i 2 357* 9 6 esche ar uschmier 5535 5 138 Schmutzbärsten bei Wirt Wilh. Seipp. 8 E 5 I Kleiderbürsten Zugleich 2 2— 150 Zahnbürsten 8 8. * 5 e 4 R Frühlingsfest des Gesangverein⸗ 2 5 5 Z Aleneinttite beiden Verkaufs“ mit geselliger Anterhaltung und. Tant vn ——— 5 Bahnhofstrasse 31 erfolgen. Zu zahlreicher Beteiligung wird eingeladen. Verlag der Mitteld. Sonntags⸗Zeitung(E. Krumm) Gießen. Verantwortl. Redakteur F. A Vetters Gießen. Druck von Heppeler d Meyer Gießen, —.— 7 ˙ — FFF... ͤ T.. ͤ ͤ ̃— ² é — 1 — e* Beilage zur Mitteldeutschen Sonntugs-Leitung. No. 17. Gießen, Sonntag, den 29. April 1900. 13. Jahrg. 5 Bemüht Parteifreunde! can nach besten Kräften für die immer weitere Verbreitung Eueres Blattes, der Mitteldeutschen Sonntags⸗Zeitung! Hessisches. — Bei Wahlen auf dem Lande geht's oft recht bunt zu. Die nötigen Vorbe⸗ reitungen zum Wahlgeschäft, Aufstellung der Wählerlisten ꝛc. werden vielfach höchst unge⸗ nügend getroffen, so daß viele Wähler nicht zu ihrem Rechte kommen. Merkwürdigerweise sind es fast immer Arbeiter und Angehörige unserer Partet, die dabei die Leidtragenden sind. Solche Unordnung findet man aber nicht bloß in den kleinen Landgemeinden, sondern auch in größeren Orten, wie Bretzenheim bei Mainz, wo die Wählerliste bei der letzten Landtagswahl außerordentlich mangelhaft war. Von sozialdemokratischer Seite erfolgten daher zahlreiche Reklamationen; 130 Wähler mußten nachgetragen werden. Trotz Reklamation und Vorlage der Papiere wurden noch eine Anzahl Wähler nicht in die Liste eingetragen. Diese mangelhafte Arbeit der Bürgermeisterei in Bretzenheim hatte unser Mainzer Parteiblatt gebührend kritistert und war deshalb wegen Beleidigung des Bürgermeisters angeklagt wor⸗ den und am Montag wurde der Genosse Hitzler als verantwortlicher Redakteur der„Mainzer Volkszeitung“ zu 300 Mk. Geldstrafe verurteilt. Und dies, trotzdem festgestellt wurde, daß eine fast unglaubliche Unpünktlichkeit auf der Bürger⸗ meisterei herrschte und sogar Aktenstücke spurlos verschwunden waren! Hierbei zeigt sich wieder, wie notwendig es ist, daß genaue Kontrolle der Wählerlisten geübt wird. n Deutsche Kosaken. In Breslau hat die Polizei am Donners⸗ tag ein schauderhaftes Blutbad unter Arbeitern angerichtet. Gegen eine Anzahl ausgesperrter Arbeiter gingen sie mit Säbel und Revolver in einer Weise vor, wie wir es bisher nur aus Rußland gehört hoben. Merkwürdig und auf⸗ fällig ist, daß die„Ordnungs“presse davon fast nichts zu berichten weiß, jedenfalls soll der Polizeiskandal vertuscht, oder den Arbeitern die Schuld in die Schuhe geschoben werden und tatsächlich haben auch verschiedene Blätter von „bedauerlichen Ausschreitungen ausgesperrter Metallarbeiter“ gesprochen. Ueber den Sach⸗ verhalt Folgendes: Die Former in den Bres⸗ lauer Betrieben waren in eine Lohnbewegung getreten und hatten ihren Arbeitgebern Forde⸗ rungen unterbreitet. Als ste keine Antwort be⸗ kamen, traten sie in den Ausstand und erzielten damit einen Teilerfolg bei einer Reihe von Firmen. Kurz darauf sahen sich aber die Former der Firma Maschinenbau⸗Anstalt in die Not⸗ wendigkeit versetzt, wiederum in den Streik ein⸗ zutreten. Die Metallindustriellen drohten mit einer Aussperrung aller Former und Gtießer, falls die Streikenden die Arbeit nicht bis zum 11. abends aufnehmen würden und sperrten auch 6000 Former aus. Ueber die blutigen Vorgänge am 19. April berichtet nun unser Breslauer Parteiblatt: Am Striegauer Platz hatten sich gegen Feier abend eine große Zahl von Ausgesperrten ein⸗ gefunden, um die aus der Linke schen Waggon⸗ fabrik herauskommenden Arbeits willigen zu erwarten. Ihre Absicht war eine durchaus friedliche und wohlwollende gegenüber diesen Arbeitswilligen. Nun kamen die Arbeitswilligen heraus, in der Mehrzahl ruhig und friedlich. Einige von ihnen schnitten allerdings angesichts den Ausgesperrten höhnende Grimassen und suchten diese zu verspotten. Ein Ausgesperrter warf ihnen ein Stück Brot zu mit den Worten: ö „Hier habt ihr, wenn ihr denkt, ihr würdet verhungern.“ Dies ist der einzige„Zwischen⸗ fall“, der sich dort abspielte. Nun hatten sich auf dem Platze ein Haufen von neugierigen Frauen und Kindern eingefunden; alles staute sich,einige Schuljungen pfiffen und johlten, die Polizei forderte darauf alles zum Weggehen auf, dieser Aufforderung konnte der Menschenknäuel nicht rasch genug Folge leisten. Inzwischen waren bereits Schutzleute aus anderen Revieren telephonisch herbeigerufen worden, die mittels der elektrischen Straßen⸗ bahn anlangten, und als sich etwa 100 Schutz⸗ leute und 10 Berittene eingefunden hatten, er— tönte von einem Polizeileutnant das Kommando: „Marsch! Marsch! Sofort drangen die Schutz⸗ leute in die Menge mit blanken Säbel n ein; die Berittenen ritten mit den Pferden in den Menschenhaufen hinein! Einige Polizisten gebärdeten sich wie rasend. Zahlreiche schwere Verletzungen kamen vor. In der Friedrich Wilhelmstraße war eine 74 Schritte lange, ununterbrochene Blutlache! Mit dem ersten Blutvergießen aber noch nicht genug, machte sich die Polizei nun an die Verfolgung der wehrlosen Menschen! Fast alle Straßen der Nikolai⸗Vor⸗ stadt zeigten Blutspuren! Vielfach verfolgten die Poltzisten die Flie⸗ henden in die Häuser! Im Hausflur Hildebrandstraße 283 wurde einem Maune die Hand durch einen Säbelhieb abgehauen. Die Hand wurde von Flüchtigen aufgehoben. Der Verstümmelte, der Bierfüller Bie wald, ein fleißiger und braver Arbeiter, hatte mit den Ausgesperrten gar nichts zu tun. Ein Schutz⸗ mann verfolgte ihn auf dem Heimwege bis auf die Treppe nach seiner Wohnung, wo er ihm mit scharfem Säbel die Hand abschlug, mit der er sich am Treppengeländer festhielt. Auf der Schweitzerstraße schossen Polizisten mit Revolvern weil die Frauen die Fenster in den Etagen nicht zumachten. Die Kugeln zer⸗ schlugen die Scheiben und drangen in die Decke der Stube. Auch auf der Posenerstraße wurde geschossen und tragen die Häuser die Spuren der Schüsse! Vom Strie⸗ gauer⸗ bis zum Wachtplatz und von der Fried⸗ rich Wilhelmstraße bis zur Kurzegasse wütete das Gemetzel, überall seine blutigen Spuren hinterlassend. 44 Verwundete sind in den Krankenhäusern untergebracht, zwei davon sind tödlich verwundet! In welcher Weise die Poltzisten hausten, dafür führt unser Breslauer Parteiorgan mehrere drastische Beispiele an. Hier nur eines:„Der Müller Reinhold Görlitz wollte bei Sieg⸗ mund Friedrich Wilhelmstraße, Waren abliefern. Von Schutzleuten aufgefordert, weiterzugehen, sah sich G. nach dem mit ihm gehenden 72 jährigen Schwiegervater namens Kauder um, um ihn zu veranlassen, schnell mitzukommen. Der Greis aber konnte nicht schnell gehen, weshalb G. zu den Schutzleuten sagte:„Haben Sie doch mit dem alten Manne ein wenig Geduld! Sie sehen doch, daß er ein alter Mann ist und nicht laufen kann!“ In diesem Augenblick aber sausten bereits die Säbelhitebe auf den Arbeiter herab, derart, daß ihm die linke Schulter total durchgehauen und mit einem Hieb die linke Hand verletzt wurde“. Von bürgerlicher Seite wird das Vorgehen der Polizei scharf verurteilt. Welcher vernünftige Mensch wird denn auch eine solche Polizei⸗Scheußlichkeit nicht verur⸗ tellen? Das ist ja genau wie unter der rus⸗ sischen Kosaken⸗ und Knutenherrschaft! Ange⸗ sichts solcher Bluttaten muß das ganze Volk den energischsten Protest erheben und die Be⸗ strafung der Schuldigen fordern. Natürlich sucht die Polizei alle Blutschuld von sich abzu⸗ waschen und stellt es so dar, als ob ein be— waffnetes Einschreiten erst erfolgt wäre, nach⸗ dem von den ausgesperrten Metallarbeitern Angriffe auf die Arbeitswilligen erfolgt waren. So hat man es immer noch in allen Poltizet⸗ berichten aller Länder gelesen, und wenn man sich auf die Quellen verlassen würde, so müßte man zur Meinung kommen, daß noch niemals — nicht in Frankreich, nicht in Ungarn, nicht in Italien und nicht in Rußland— von den Organen der Staatsgewalt unschuldiges Blut vergossen worden set. Auf der anderen Seite aber, die sich offenbar viel mehr Mühe gibt, ihre Objektivität zu bewahren, gibt man zu, daß in Breslau nicht von Arbeitern, sondern von einigen jungen Burschen geringer Unfug geübt worden sei, man bestreitet aber, daß dieser Unfug in irgend einem gerechten Verhältnis ge⸗ standen habe zu der blutigen Metzelei, die da⸗ raufhin den wehrlosen Arbeitern, Frauen und Kindern von der bewaffneten Macht geliefert worden ist. Und diese Meinung hat nach vor⸗ liegenden Berichten Unpartetischer, aber auch nach aller allgemeinen Erfahrung die weitaus größere Wahrscheinlichkeit für sich. Es ist hin⸗ reichend bekannt, daß, wenn die Schutzmann⸗ schaft mit blankem Säbel gegen eine wehrlose Menge vorgeht, auch gutmütige unter ihnen vergessen, daß ste Menschen sind und von den niedrigsten Schlächterinstinkten ergriffen werden. Wo soll es aber denn hinführen, wenn die Ar⸗ beiter nach solchen Vorgängen ihr Leben so gut wie möglich zu schützen suchen und es für not⸗ wendig halten, sich ebenfalls zu bewaffnen e Könnte man es ihnen verdenken, wenn ste sich nicht widerstandslos wie die Kälber abschlachten lassen wollen? Im Uebrigen zeigt auch die Breslauer Straßenschlacht wieder, wie die be⸗ waffnete Macht nur dazu da ist, die Interessen des Kapitalismus zu schützen. Stimmen über den Achtstundentag. „Es ist eine Beschränkung der täs lichen Arbeitszeit auch des erwachsenen männlichen Arbeiters bei der jetzigen technisch möglichen Produktivität der Arbeit, ohne ein durchgreifendes Bedenken möglich geworden. Wird diese Beschränkung in passendem Umfange erreicht, und die so freiwerdende Zeit vom Ar⸗ beiter richtig ausgenützt, so erfolgt ein kultur⸗ politischer Fortschritt ersten Ranges nicht bloß zum Segen des nächstbetroffenen Arbeiters, sondern der gesamten Kulturwelt.“ Professor Adolf Wag ner⸗Berlin. * „Neben der Regulierung der Frauen⸗ und Kinderarbeit muß als die entsprechendste Maß⸗ regel innerhalb der heutigen kapitalistischen Produktionsweise die Herabsetzung der Arbeitszeit auf acht Stunden ange⸗ sehen werden, wie sie seit längerer Zeit schon in den Staatsfabriken Amerikas und an anderen Orten verwirklicht ist. Außer der Tatsache, daß verringerte Arbeitszeit den Ueberfluß an Produktionskräften herabgesetzt, wodurch herum⸗ ziehende Arbeitslose beschäftigt werden könnten, wirkt die Verkürzung derselben als das durch⸗ schlagendste Mittel einer weiteren Degeneration der Arbeiterbevölkerung entgegen.“ Baronin Bertha von Suttner. Splitter. Der Mensch muß das Gute und Schöne wollen— das übrige hängt vom Schicksal ab. A. v. Humboldt. ** * So lang die Toren nicht aus dieser Welt ver⸗ schwinden, Wird unter ihnen stets sein Brot ein Kluger finden. ** * Jede Arbeit, mag sie hoch oder niedrig, beliebt oder unbeliebt sein, mag ste Kopf oder Hand in Anspruch nehmen, ist als sittliche Pflicht und Vorbedingung wahren Lebensglück aufzu⸗ fassen und in Ehren zu halten. B. Böhmert. ———— —— Seite 10. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 17* Maifeier 1906. Dienste, I. Maui, hende s Lhiin⁰,t0ltuιν⏑,ẽWw n Lon Hier heiler grosse öffentl. Volks- Versammlung Tagesordnung: Die Bedeutung des 1. Mai. Referent: Genosse Fuhrmann. Arbeiter, Parteigenossen von Gießen und Umgegend erscheint massenhaft in dieser Versammlung und bringt auch Euere Frauen mit! * Sonntag, den 6. Mai im Stadtwald(Licherstr., 1 Schneise rechts): e Grosses MWaldfest Hon cer, Gesung, June Zu recht zahlreicher Beteiligung bestehend in 2%. Voll Sbelnsligeeaeg, Hemel shIH,ðln Preis schiessen eie. Aufstellung des Festzuges nachm. Uhr am Oswaldsgarten, Abmarsch 2 Uhr. == hei ungünstiger Witterung findet das Fest 8 Tage später statt. adet ein Das Gewerkschaftskartell. Wieseck Maffeier looo. Sonntag, den 29. April 1006, nachmittags 3 Uhr im Lokale und Garten des Gambrinus(Wacker). Bestehend in Homer Gesang Festrede T——————. 2 Begrüßungslied, Sängerkranz Wieseck. 2. 5 Frau Dr. Michels⸗Marburg. auz und Volksbelustigung. Eintritt 10 Pfg. Alle Arbeiter und Arbeiterinnen sind freundlichst willkommen. Der Vorstand Eintritt 10 Pfg. des sozialdemokr. Wahlvereins. Maifeier in Heuchelheim. Die Partei- und Gewerkschaftsgenossen, überhaupt die Arbeiter⸗ schaft von Heuchelheim, Kinzeubach und Umgegend, laden wir hiermit zu unserem am Sonntag, den 6. Mai in den Lokalitäten von August Rinn stattfindenden S Mai⸗Fest freundlichst ein. ufstellun ebe Festzuge nachmittags 3 Uhr. Na uges: Mede des Stadtverordneten E. Krumm m⸗ „Die Bedeutung des 1. Mai“. Hierauf Gesangs vorträge, turneriscehe Aufführungen und TANZ. 2 Eintritt 20 Pg · Eintritt 20 Pfg · Der Vorstand des Arb.-Vild.⸗Vereins. Neish nchen. Sonntag, den 6. Mai, von 3 Uhr nachmittags ab: Maifeier im Lokale des Herrn Gastwirt Edmund Wild. Rückkehr des ießen über: Festrede von Redakteur Wittrisch-Offenbach. Nach der Festrede: Gesellige Unterhaltung und Tanz. Mai-Vostkarten 100 St. v. Mk. 1.50 an, Malfest- reichen. Muster zur Ansicht franko gegen franko. Rauh& Pohle,— 100. Flechten alss. und trockene Schuppenflecnte, skroph. Ekzema, Hautausschläge, Offene Füsse Beinschäden, Beingeschwüre, Ader- deine, böse Finger, alte Wunden sind oft hartnäckig: wer bisher vergeblich hoffte geheilt zu werden, mache noch einen Versuch mit der bestens bewährten RINO-SALBE frei von Gist u. Saure, Dose Mk. 1.—. Dankschreiben gehen täglich ein. Pache, Naphtalan je 15, Walrat 90, Benzoefett, Venet. Terp., Kampferpflaster, Perubalsam je 6, Eigelb 30, Chrysarebin ,. 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