1 Nr. 34. 5 Gießen, den 26. August 1906. 13. Jahrgang. * Medaktion: 2 g.. Nedaktionsschluß . Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Mitteld eutsche Donnerstag Nachmittag 3 1 ——ů— Sonntags⸗Zeitung 5 Abounementspreis: Bestellungen Juserate 5 Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt. Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindesteng Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Postanstalt und 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung 0 0 die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark.] jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.K. 5107) 33¼5% und bei mindestens 2 mal. Aufgabe 50% Rabatt 1 5 0 1 Zur Tätigkeit des Landtags so⸗ schaftsordnung ist„gemacht“ worden, aber nicht Unser Landesparteitag. 25 zu 11 Lan 6 tag 15 ahlen We 1 55 ar wenge e ist bat Er⸗ 9 iesen Samstag kommen die Vertreter der] falls manches zu sagen sein. Mit der Tätigkeit gebnis unzähliger men er Einzelaktionen, 1 hessichen nenen 15 ihrer alljährlichen, unserer Parteigenossen im Landtage— ihren nicht aber das Ergebnis einer einheitlich be⸗ f ratung,„Landeskon⸗ Bericht können wir erst in heutiger Nummer][wußten Gesamtaktion. Wer ein kapita⸗ 8 5 105 Mühlheim d. i nba bringen— können wir zufrieden sein und der listisches Unternehmen begründete, handelte be⸗ Für die Angehörigen der Partei innerhalb der Landesparteitag wird ihnen diese Anerkennung] wußt um seines Vorteils willen; wer, aus dem rot⸗weißen Grenzpfähle ist dieser Landesparteitag nicht versagen. Doch haben sich bei den letzten] selbständigen Handwerk verdrängt, Arbeit beim von nicht zu unterschätzender Bedeutung, wenn Wahlen verschiedentlich Mängel gezeigt, die wir J Kapitalisten suchte, handelte bewußt um seiner auch keine großen allgemeinen Fragen auf zu beseitigen bestrebt sein müssen. Erhaltung willen. Aber die Masse der Einzel⸗ feiner Tagesordnung stehen, sondern nur Partei⸗ Hoffentlich bringt auch unser diesjähriger][wesen, aus deren Verhalten allmählich jene Ge fragen und Angelegenheiten im engeren Sinne Landesparteitag unsere Sache im Hessenlande sellschaftsordnug entstand, die wir heute, da sie . verhandelt werden. Darüber hinaus greifen ein gutes Stück vorwärts und fördert damit ausgereift vor uns steht, die kapitalistische nennen, l. nur die beiden Punkte über den Parteitag und] die deutsche Gesamtpartei und die Sache des hatte weder das Bewußtsein noch die Absicht, 1 die Kommunalwahlen; besonders bei ersterem arbeitenden Volkes. Immer vorwärts! diesen Gesellschaftszustand herbeizuführen. — n N 7 be .. ͤ—d—:.:.:,..— 7 1 di e Differen it zur Erörtern„J sei auch in Hessen unsere Parole; und damit] Wählen wir ein unserer Erfahrung noch 5 „ lungen die in der Parte über einzelne Fragen begrüßen wir herzlicht die Vertreter der hel. näherliegendes Beispel.) Einige dapitalssische f * bestehen. Dazu gehört in erster Linte die Frage sischen Sozialdemokraten, und wünschen ihren Unternehmer, die unter der gegenseitigen Kon⸗ 1 4 des Mafsenstreiks, über die in der letzten Beratungen besten Erfolg! kurrenz schwer leiden, kommen auf den Gedanken, 1. 4 Zeit viel geschrieben wurde. Dabei hat sich ge⸗ 15 6 un l Be 1155 afen fol. 0 5 1 2 en verkaufen soll. 5 0 0 augetnanbergchen und es muß volle Klachet Grundbegriffe der Politik“). iim luberproduktion zu vermemden, besimmen 1 5 geschaffen werden. Mir brauchen vor allen V. 9 1 e da ihnen 1 sol. di W 1 6. 9 saheltlichkeit und ö 5 e on Waren erzeugen soll, die dem bis⸗ 7 10 en keposthenden Kümpfen gersseet an sen, Evolution u eren e Nelorn heulgen Stande seines Umernhmens enthpucht. 9 zu den f pfen gerüstet zu sein, und Revolution. 9 8 f N wir dürfen die Zeit nicht mit inneren Streitig⸗ j 4 Fro duttiunsvermehrungen sollen nur auf geger⸗ N keiten vertrödeln. In diesem Sinne wird wohl Die Geschichte ist die Erzählung mensch⸗ seitiges Uebereinkommen vorgenommen werden. 1 auch die Landeskonferenz ihrer Meinung Aus⸗ licher Taten. Der Mensch, als das einzige So entsteht das Kartell aus rein privatwirt⸗ ö ddr geben. denkende und bewußt haadelnde Wesen der uns schaftlichen Gründen zum Vorteil der Beteiligten. 18 Wichtig und notwendig ist auch eine Aus⸗ bekannten Welt, ist der Gegenstand ihrer Betrach-] Es hat Erfolg, findet Nachahmung, und so 5 1 eee e e den Kommunal- tung. Der jeweilige Zustand der Gesellschaft sehen wir allmählich das Kartellwesen entstehen, 1 8— wahlen. In dieser Beziehung liegt es noch vieler⸗ menschliches Krätze, körstelicher und 1 tif ele 5 onde 1 0 0. b e 0 tiefgreifender Weise verändert. ü ö ber 9. er digen Punkt e nur durch das Fortschreiten jener können Ge⸗ 5015 einem kurtelierten Ugternehnen dane 8 len Aufklärung und Anregung geben de Wg 1 9 1 11 1910 1 1 1 5 ende 1. 5„ wußtsein, die kapitalistisch lschafts 0 Zu den Berichten der Partelleitung und der Entwickelung diefortschrettende Ver⸗ 10 e höhere bie ber Segen Landtagsfraktion, die ja in der Hauptsache be-] änderung gesellschaftlicher Zustände ür! st. reits veröffentlicht sind, wird nicht viel zu sagen unter Ab t b on bew 1 1 0 5 125 79 1 1 7 Mächsliegende ges u. sein. Erfreulicherweise konstatieren sie wiederum J 1 69 zgesehen, fein. Er liche Handlung verstehen, so besteht zu. die Notwendigkeit der wirtschaftlichen Situation eine Steigerung unserer Mitgliederzahl und Er. nächst kein anderer Unterschted zwischen Evolutton] und hat nichts anderes gewollt als seinen Vor⸗ ö starkung unserer Organisatton. Die Freude und Aktion als der, daß die Aktion das Ein- teil. Dennoch ist sein Handeln zur mitwirkenden darüber wird allerdings durch die unerfreuliche] zelne, Besoudere, die Evolution aber das all- Ursache einer gesellschaftlichen Umwälzung ge⸗ 0 Tatsache stark beeinträchtigt, daß in einigen] gemeine ist. Jede Evolution ist das Ergebnis worden. Das ist die Evolution, die Entwicklung 0 Bezirken Hessens es mit unserer Parteibewegung menschlichen Handelns, menschlicher Aktionen. das„Hineinwachsen“.. 5 kekccht trübe aussieht und wenig oder gar keine] Der einzelne Mensch steht den allgemeinen 0 f Fiortschritte zu verzeichnen sind. Hier Besserung menschlichen Zuständen, in die er hineingeboren]. Unter gesellschaftlicher Evolution zu schaffen, gehört mit zu den Aufgaben der ist, vorerst wie einem Naturereignis gegenüber. verstehen wir also die Kette der allmählichen Landes konferenz. 5 Er kann sie weder als Ganzes übersehen, noch Veränderungen, die dadurch entstehen, daß . Nur über die Preßfrage dürften sich] nach seinem Gutdünken verändern, sondern er sich die einzelnen Personen in einer sich all⸗ 1 umfangreichere Debatten entspinnen. Von ver⸗ Jmuß sich mit ihnen abfinden, sich an sie an⸗ mählich veränderten Art und Weise an die be⸗ schiedenen Seiten ist der Vorschlag gemacht passen. Noch heute ist die Masse der lebenden i 2 worden, die hessischen Parteiblätter mit samt Menschen von der klaren Erkenntnis der sie stehenden Zustände anzupassen versuchen— mit dem Frankfurter zu einem„Zentralblatt“ zu] umgebenden Gesellschaft weit entfernt, und ihre] dem schließlichen, zunächst unbewußten und un⸗ verschmelzen. Wir wissen nicht, wie die Antrag: Täligkeit ist zum allergrößten Teile, wenn nicht] gewollten, Erfolge, daß die gesellschaftlichen fsteller sich die Verwirklichung ihres Vorschlags gar ausschließlich, darauf gerichtet, sich in jene] Zustände selbst, als Ganzes genommen, eine denken, wir halten ihn einfach für undurch. Verhältnisse, die sie unmittelbar umgeben, soVeränderun 3 55 flührbar, sogar für undiskutabel. Wie gut als möglich„hineinzufinden“. Dieser Pro⸗ 9 1 0 kürzlich schon bemerkt, handelt es sich hier um zeß der Anpassung, der sich seit Jahrtausenden Hingegen verstehen wir unter Aktton— einen alten Gedanken, der aber schon vor einem milliardeufach vollzteht, bewirkt eine allmähliche, die Aktion als politischer Begriff genommen— g Jahrzehnt als unzweckmäßig verworfen wurde zunächst außerhalb des menschlichen Bewußtseins ein bewußtes plaumätziges Handeln, i und der in seiner Durchführung— wenn man bor sich gehende Veränderung der gesellschaft⸗ das die Veränderung staatlicher oder ssie wirklich versuchen wollte— für unsere lichen Zustände. gesellschaftlicher Zustände zum Ziele Preßverhältnisse einen verheerenden Rückschlag Die bestehende kapitalistische Gesellschaftsord⸗][hat. Die Evolution geht vom vielfach Be⸗ 1 bedeuten würde. Wir halten es für gänzlich nung z. B. ist keineswegs dadurch entstanden, sonderen zum einheitlich Allgemeinen, die Aktion ausgeschlossen, daß die Landeskonferenz darauf daß sich die Menschen etwa gesagt hätten: vom einheitlich Allgemeinen zum vielfach Be⸗ ckeingeht. Viel eher wäre die Frage zu erwägen,„Wir sind der alten Gesellschaftsordnung müde, sonderen. Die Evolution ist eine unendliche ob man nicht, wie das in andern Teilen Deutsch⸗ und wollen nun eine neue, die kapitalistische Kette von Ursachen und Wirkungen, die Aktion lands der 1 85 ist, ein Wochenblatt für] machen.“ Allerdings: die kapitalistische Gesell⸗ Rist zeitlich begrenztes zweckbewußtes Handeln. ——————4ö—⁴————— N das ganze Land schaffen sollte, ein Agitatlons⸗ 2 Die Evolution unterliegt nicht den Urteilen 15 organ, zu dem die Mitteldeutsche Sonntags⸗) Siehe den betr. Artikel in Nr. 28, 29, 30, 31 der Vernunft oder Moral, nicht sie selbst, sondern Zeitung leicht umgestaltet werden könnte. 32 und 33 der M. S.⸗Ztg. nur die Milliarden menschlicher Handlungen, 8.———— 8 1 —. M ˙-— 1— 5 5 1 22 ii A 2 r 5———.——. Seite 2. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 34. aus den ste hervorgeht, könnten solchen Urtetlen unterworfen werden. Sie selbst ist an und für sich so wenig falsch oder richtig, vernünftig oder unvernünftig, sittlich oder unstttlich, wie das Wachstum des Baumes oder das Heranwogen der Flut. Die Aktion aber hat ihren Ursprung in vernünftigen und sittlichen Erwägungen, sie will das„Richtige“, das„Gute“(d. h. was vom Standpunkte jener, die ste unternehmen, als„richtig“ und„gut“ erscheint) und unter⸗ liegt daher auch dem Urteil der Vernunft und der Moral. Die Evolution kann man nur analysieren(zerlegen), studieren wie einen Naturprozeß, die Aktion aber kann man kriti⸗ sieren, sowie man die Handlungen seines Nebenmenschen als klug oder töricht, edel oder verwerflich beurteilen kann. Wie der Staat zur Gesellschaft, die Politik zur Wirtschaft, so verhält sich die Aktion zur Evolution. Die erste ist die Fortsetzung der 55 auf einer höheren Stufe des Bewußt⸗ eins. Aufgabe der sozialdemokratischen Partei ist es, die Aktion des Proletariats zu führen. Die fozialdemokratische Partei pflegt die Kennt⸗ nis der bestehenden Zustände und ihrer Ent⸗ stehung nicht der bloßen Wißbegierde willen, noch weniger zu dem Zwecke, etwa aus dem bisherigen Verlauf der Geschichte eine Entwick⸗ lung zu prophezeten, die unabhängig vom mensch⸗ lichen Willen„mechanisch“ oder„automatisch“ vor sich gehen müßte; sie studtert vielmehr die Evolution der Gesellschaft zum Zwecke und im Interesse der prole⸗ tarischen Aktion. Die Kenntnis der be⸗ stehenden Zustände wäre totes Wissen, die Prophezeiung künftiger leere Spielerei, wären wir uns nicht dessen bewußt, daß wir nicht bloß Zuschauer des großen Schauspiels, sondern auch Mitspieler, denkende und handelnde Per⸗ sonen sind. Der Klassenkampf, den wir führen, ist ein Akt bewußten Willens und ebenso muß die Erreichnung seines Zieles, die Ersetzung der kapitalistischen Gesellschaft durch die sozia⸗ listische ein Akt bewußten Willens, eine Aktion, sein. Im Anfang war die Tat— die Tat steht auch am Eingange des neuen Zeitalters, das mit dem Abschluß der kapitalistischen Aera beginnt. Unermüdlich zu handeln, und ebenso unermüdlich die Erkenntnis revolutionärer Vor⸗ gänge zu lehren, die die Vorbedingung der Aktion ist— das ist die Aufgabe der Partei. Reform ist jede planmäßig und bewußt vorgenommene Aenderung der bestehenden Ord⸗ nung. Sie kann einzelne Teile dieser Ordnung oder ihr eigentliches Wesen erfassen, im letzteren Falle heißt ste eine Revolution. Das Ziel der proletarischen Aktion ist eine völlige Umge⸗ staltung oder Reformierung der bestehenden Gesellschaftsordnung, also eine Revolution. Die Evolution entwickelt die zunächst verborgenen und zerstreuten Kräfte, die sich der bewußte Wille zur revolutionären Aktion weckt und sammelt. Der gewöhnliche Sprachgebrauch be⸗ zeichnet als Revolution allerdings nur jenes letzte Stadium der revolutionären Aktion, in welchem sich alle Kräfte des Angriffs und der Verteidigung zu einem entscheidenden Kampfe anspannen, einem Kampfe, der nicht gewalt⸗ tätig und blutig sein muß, unter Umständen es aber wohl werden kann. Revolution ist, wie wir bereits gesehen haben, keineswegs gleichbedeutend mit gewaltsamem Umsturz. Denn der Zweck des gewaltsamen Umsturzes kann nur die Aenderung der be⸗ stehenden Staatsform sein. Die von der Sozial⸗ demokratie gewollte Staatsform ist aber die reine Demokratie, wo diese besteht, haben die der Revolution feindlichen Kräfte der Reaktion und Kontrerevolution Ursache, einen gewalt⸗ samen Umsturz herbeizuführen, nicht aber die revolutionären Kräfte selbst; diese finden viel⸗ mehr in der Demokratie die Möglichkeit, die geplante Umwälzung mit Hilfe der auf gesetz⸗ lichem Wege eroberten Staatsgewalt durchzu⸗ führen. Die proletarische Revolutionsbewegung verteidigt daher in jeder bestehenden Staatsver⸗ fassung die vorhandenen Elemente der Demo⸗ kratie, sie arbeitet auf die Abänderung, und, wenn es sein muß, auf den Umsturz undemo⸗ kratischer Staatseinrichtungen hin. Ist ste auf dem Boden der Demokratie angelangt, so kämpft ste fortan mit unangefochten gesetzlichen Mitteln für Aenderungen der Rechtsordnung und organi⸗ satorische Maßnahmen des Staates(Reformen), deren Zweck die schließliche Umwandlung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung zu einer sozialistischen, die„soziale Revolution“ ist. So fließen Wort und Tat, Agitation und Aktion ineinander, Erkenntnis spornt zur Tätigkeit an, und in der Tätigkeit gewonnene Erfahrung erweitert die Erkenntnis. Selbst der Kampf um geringe Teilziele wirkt als ein Aufklärungs⸗ gefecht, in dem uns unsere wie unserer Gegner Macht und Stellung sichtbar werden. Sein Getümmel ruft neue Kämpfer unter die Fahne! Das wichtigste Aufklärungs- und Werbemittel der Sozialdemokratie ist und bleibt die Aktton! »——̃̃̃ͤääͤͤͤ KKK Politische Rundschau. Gießen, den 23. August 1906. Ueber die Fahrkartensteuer mehren sich die Klagen des Publikums von Tag zu Tag. Das einzige Mittel, dieser Steuer zu entgehen, ist die Benutzung der vierten Wagenklasse. Aus Hannover wird be⸗ richtet, daß im Bereiche des Eisenbahndirektions⸗ bezirkes Hannover sowie auf allen hannoverschen Bahnen sich seit der Einführung der Fahrkarten⸗ steuer eine bedeutend stärkere Benutzung der vierten Wagenklasse bemerkbar macht. Besonders an den Sonn⸗ und Festtagen sind die von Touristen und Ausflüglern benutzten Züge stets von Passagieren der vierten Wagenklasse über⸗ füllt. Die Zahl der Reisenden vierter Klasse hat sich sett dem 1. August mindestens verdoppelt. Soviel steht fest: Was die Fahrkartensteuer im Direktionsbezirk Hannover in diesem Halbjahr einbringt, das geht doppelt und drei⸗ fach an Personenfahrgeldeinnahmen verloren. Vielleicht macht ein solcher Ausfall die Eisenbahnverwaltungen am ersten geneigt, auf die Beseitigung der Fahrkartensteuer hinzu⸗ arbeiten. Aus Stuttgart wurde übrigens der „Berl. Volksztg.“ geschrieben, daß die Wieder⸗ aufhebung der Fahrkartensteuer nur eine Frage der Zeit sei. Daß sie im Bundesrat erst nach Beschwichtigung ernster Bedenken zur Annahme gelangte, ist bekannt. Hauptsächlich befürchteten die Bundesregierungen eine Schmäle⸗ rung ihrer Eisenbahneinnahmen infolge des Ueberganges vieler Reisenden zu einer niederen Wagenklasse— eine Besorgnis, die sich schon in den ersten Wochen nach Einführung der Steuer als begründet erweist. Was die Regierungen trozdem bewog, den Beschlüssen des Reichstages ihre Zustimmung zu erteilen, war folgende Erwägung: Behufz gründlicher Besserung der Reichsfinanzlage und Bestreitung der für die nächsten Jahre zu erwartenden Mehrausgaben wird eine stärkere steuerliche Heranziehung des Tabaks nicht zu umgehen sein, diese ist aber im Reichstag nur durchzu⸗ setzen, wenn man dafür eine Kompensation ge⸗ währt, die den Abgeordneten die Rechtfertigung einer Höherbesteuerung des Tabaks vor ihren Wählern erleichtert. Eine solche Kompensation soll nun die Aufhebung der Fahrkartensteuer sein. Im Reichsschatzamt dürfte man es daher gar nicht ungern sehen, wenn die Fahrkarten⸗ steuer recht vielem Widerstand begegnet. Das sind etwa die Praktiken eines Briganten, der auf Lösegeld arbeitet. Denn dieser gibt seinen Raub gegen eine unter Umständen mäßige Abfindung wieder heraus. Die Reichssteuer⸗ preußen aber verlangen einen höheren Wert wie den gestohlenen, ehe ste ihre Beute freilassen. In der Pobbielski-⸗Affaire ist es noch nicht zu einer Entscheidung gekommen. Pod ist noch immer Minister, trotz seiner be⸗ denklichen Verbindung mit der Firma Tippels⸗ kirch, mit der ihm in der Presse schon so oft „bor den Bauch gestoßen“ wurde. In jedem andern modernen Staatswesen wäre ein solcher Minister keinen Tag länger geduldet worden; in 1 8 wird aber nachgerade alles möglich. Faule Posten für Offiztere, die dem Dienste entsagt haben oder entsagen mußten, sind, wie die„Köln. Volksztg.“ mit⸗ teilte, in letzter Zeit viele geschaffen worden. Das Blatt behauptet: In der gesamten Armee⸗ intendantur wird zurzeit eine ganze Reihe von Subalternposten mit Offizieren bis zum Obersten aufwärts besetzt, die früher von alten Unteroffizieren, Feldwebeln und Regi⸗ mentsschreibern versehen wurden. Disposittons⸗ offlztere werden Kommandanten von Schießplätzen, die im ganzen Jahre nur wenige Wochen lang beansprucht werden und sehr wohl durch kurze Abkommandierungen verwaltet werden könnten; jetzt sitzen auf einer solchen Stelle ein Oberst, ein Adjudant und ein Militär⸗ kommando vom Feldwebel abwärts und alle haben sie recht wenig zutun. Ein solcher Schießplatz ohne Arbeit ist zum Beispiel der Schießplatz Hammerstein in Westpreußen, der still und ruhig daltegt, aber alle Kompe⸗ tenzen und Kosten eines Regimentskommandeurs, mit allem was drum und dran hängt, ver⸗ schlingt.— Solcher Versorgungspöstchen, die auf Kosten der Steuerzahler unterhalten werden, scheint es übrigens eine große Zahl zu geben. Vielleicht nimmt die Budgetkommission des Reichstags in der nächsten Session einmal eine gründliche Musterung vor, die bei scharfer Nutz⸗ anwendung finanziell gar nicht unbedeutend werden kann. Ein Offiziers ⸗Skandälchen aus einer„kleinen Garnison“ kam am Freitag in Landau(Pfalz) zur Verhandlung. Der Leutnant Kurt Mühe vom bayrischen Che⸗ veauxleger⸗Regiment in Dieuze in Lothringen hatte sich wegen mehrerer Betrugsfälle zu ver⸗ antworten. Es handelt sich um eine Spteler⸗ Affaire, in die neben zahlreichen hohen Adligen auch der erst 18 jährige Sohn des Herzogs Karl Theodor, Herzog Franz Joseph verwickelt ist. Die Oeffentlichkeit wurde auf diese Dinge durch den Selbstmordversuch des bayrtschen Grafen Preysing aufmerksam, den dieser vor einiger Zeit in Florenz unternahm. Preysing, ein leidenschaftlicher Spieler und Trinker, hatte sich, um seine finanziellen Verhältnisse zu ran⸗ gieren, auf industrielle Spekulationen in Italien eingelassen. Er hatte damit kein Glück und die Vorwürfe der Verwandten veranlaßten ihn zum Revolver zu greifen. In Dieuze bestand so eine Art Harmlosenklub. In einer regelrechten Spielhölle sollen sich eine große Anzahl dort in Garnison stehender„Kavaliere“ des Hochadels nicht nur Bayerns, sondern auch Oesterreichs, Preußens und ferner reiche bürger⸗ liche Kauf⸗ und Sportsleute zusammengefunden haben. Es wird auch behauptet, daß sich die Herren nicht nur an den Spielen, sondern auch an„interessanten“ Bällen in dekolletierten Ko⸗ stümen beteiligten und dabei von Wucherern und Künstlerinnen gerupft wurden. Es kommen dafür Offtziere, Kavallere, bekannte und bisher unbekannte Wucherer in München, Metz, Straß⸗ burg, Würzburg usw. in Betracht, und die bis⸗ herige Untersuchung hat ergeben, daß Mühe und Konsorten mit der„Bank“ auch auf Reisen gingen, um in vornehmen Hotels spiellustige Kavaliere um sich zu scharen. Es galten Ein⸗ sätze in bar und Wechsel. Zweimal wurden zwei Künstlerinnen, welche die Geliebten von zwei Kavalieren waren, ausge pielt. Sie gingen damals mit Aufzahlung in andere Hände über. Leutnant Mühe be⸗ zahlte die Gunst einer Künstlerin mit einem Wechsel und schlug gleich die Zinsen zu der Schuld. Die eine Diva war zuerst die 1 eines Konsuls in München. Der Konsul trat. ste an einem Abend, nachdem Graf Preysing an ihr Gefallen gefunden hatte, nach Waßfte Verlusten an den Grafen ab. Dieser za lte der Dame, nachdem er ihrer müde geworden, eine Abfindungssumme. 5 In der Verhandlung erklärte die Schwester des Angeklagten, daß die Mutter ihm a ein im letzten Winter über 30000 Mk. nach Dieuze geschickt habe. Er selbst gab u. a. an, daß er durch eine reiche Heirat seine Schulden zu tilgen hoffte.— Der Vertreter der Anklage beantragte gegen den flottlebigen Leutnant 2 Nr. 34. — CCC ²˙ Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung. Stite 3. Jahre 4 Monate Gefängnts, der Ver⸗ teidiger, Rechtsanwalt Hauck-Landau, Frei⸗ sprechung. Das Urteil lautet auf 15 ganze Tage Gefängnis und Dienstentlassung wegen Betrugs versuchs und Belügen eines Vorgesetzten. Wir haben nichts dagegen, wenn sich Thron⸗ und Altarstützen des Reiches der Gottesfurcht und der frommen Sitte bis auf die Knochen blamieren. Es sind nur neue Bestätigungen der längst bekannten Tatsache, daß der Nieder⸗ gang der herrschenden Klassen unaufhaltsam vorwärts schreitet. Aus der Ferienkolonie. Das Kieler Militärgericht hatte sich mit einigen Stellvertretern Gottes der Marine zu beschäftigen, die des Mißbrauchs der Dienst⸗ gewalt und der schuldhaften Duldung der Rekrutenmißhandlung angeklagt waren. Der Torpeboheizer Roggenbrod hatte wegen seiner Ungeschicklichkeit schwer an Bord zu leiden. Die Vorgesetzten und seine Kʒameraden bereiteten ihm trübe Stunden und miß handelten ihn aufs grausamste. Der Rekrut erkrankte und lag fünf Wochen im Marinelazarett Wilhelmshaven. Das Kriegs⸗ gericht verurteilte den Oberfeuerwerksmaaten Brüning, der selbst den Roggenbrod mißhandelt hatte, und einen Obermaschinistenmaaten zur Degradation und zu 6 bezw. 4 Monaten, einen Maschinistenmaaten zu 43 Tagen Gefängnis. Die schuldigen Kameraden Roggenbrods, zwei Oberheizer und zwei Stammheizer, erhielten wegen Körperverletzung 14 Tage bis 4 Monate Gefängnis. Wieder ein polizeilicher Totschlag. In Berlin wurden am Samstag an der Friedrichstraße zwei Rollkutscher namens Lunau und Veting, die an ihrem Wagen keine Laterne hatten, von dem Schutzmann Krüger sistiert und ohne erstchtliche Ursache mit dem Säbel überfallen. Einem der beiden wurde der Schädel gespalten— er liegt tötlich verwundet im Krankenhaus— während der zweite bei dem vergeblichen Versuch, dem Kameraden das Leben zu retten, zwei Finger der rechten Hand verlor. Die Berichte über diesen Vorfall stimmen darin überein, daß sich die vorerst völlig ruhige Szene — die beiden Kutscher kamen der Aufforderung des Schutzmanns, weiterzufahren, ruhig nach— plötzlich und ohne Schuld der Arbeiter zu einem Handgemenge verwandelte, indem der Schutz⸗ mann wie ein Wütender um sich schlug. Das Publikum nahm daraufhin eine„drohende Haltung“ an; es ist erstaunlich, daß diese Haltung nicht in energische Handlungen über⸗ ging; jedenfalls hing es an einem Haar, daß die belebteste Straße Berlins zum Schauplatz eines Straßenkampfes geworden wäre. Von deutscher Gerechtigkeit. Ein Arbeitswilliger in Bayreuth bedrohte einen anderen Arbeiter mit Erstechen. Er erhielt dafür vom dortigen Schöffengericht zwei Tage Gefängnis.— Ein Streikender sagte einem Arbeitswilligen einige gering⸗ fügige Beleidigungen. Der Streikende wurde vom nämlichen Gericht() zu vierzehn Tagen Gefängnis verurteilt. Ein anderes Stück Streikjustiz wird aus Schweinfurt berichtet. Der Schlosser Wilh. Tröster von dort erhielt einen Strafbefehl, lautend auf 3 Tage Haft, weil er als Streikender in Gemeinschaft mit einem anderen unter dem Schutze eines Regenschirms auf dem Trottoir gegangen ist und dadurch„verkehrsstörend“ gewirkt habe. Das Opfer der Poltzeijustiz er⸗ hob Einspruch und glücklicherweise sprach ihn das Schöffengericht frei.— Es wird immer netter in unserem„Rechtsstaat“ Deutschland! Wegen Beleidigung der Inster⸗ burger Richter wurde auch Genosse Donath, Redakteur vom„Volkswille“ in Hannover, zu 20 Mk. Geldstrafe und in die Nebenstrafen verurteilt. Die Beleidigung wurde gefunden in einer der„Leipz. Volksztg.“ entnommenen Notiz, die die Freisprechung des der fahrlässigen Tötung eines Arbeiters ange⸗ klagten Inspektors Neufang durch die Inster⸗ burger Strafkammer glossterte und wegen der Genosse Seeger von der„Leipz. Volksztg.“ unlängst zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt worden ist. Der Angeklagte sollzdas Insterburger Urteil und damit die Richter verhöhnt haben, indem er die Urteilsgründe abdruckte und an ver⸗ schiedenen Stellen Frage- und Ausrufungszeichen einschaltete. Mordtat eines Streikbrechers. In der Automobilfabrik Unton in Nürn⸗ berg stehen die Schlosser und Dreher seit 11 Wochen im Ausstand. Die Streikenden führen ihren Kampf in völliger Ruhe durch. Am Freitag mittag nun benahmen sich die Streik⸗ brecher derart frech, daß es zwischen ihnen und den Streikposten zu einem kleinen Geplänkel kam. Darauf empfing der Direktor Maurer seine Streikbrecher unter dem Fabriktor mit den Worten:„Ihr habt doch Messer in der Tasche, zeigt ihnen doch, daß ihr euch nicht fürchtet“ usw. Als um 6 Uhr abends die Streikbrecher die Fabrik verließen, warfen sie sofort nach den Posten mit Steinen. Einer zeigte einen Re⸗ volver und rief:„Der erste, der herkommt, den schieße ich nieder!“ Die anderen waren mit zugespitzten Eisenstangen und anderen Mordwerkzeugen versehen und ihre herausfor⸗ dernde Haltung führte bald den wohl erwünschten Zusammenstoß herbei. Die Poltzei schritt nicht ein. Die Angreifer waren nicht die Streikenden, sondern die Arbeitswilligen. Der Fabrikdirektor Maurer kam selĩst mit einem Automobil ange⸗ fahren und schlug mit einer Luftpumpe aus dem Wagen heraus. Nachdem dies einige Minuten gedauert hatte, ging bald darauf die Schlägerei von neuem los. Die Streikbrecher waren ja in der Uebermacht und mit Waffen gut versehen. Außerdem hatten sie von der Polizei nichts zu fürchten. Inzwischen war der Streikleiter herbeigeeilt. Kaum war er am Platze erschienen, da schoß ein Streik⸗ brecher auf ihn, ohne daß er auch nur eine Miene zum Angriff gemacht hatte. Die Kugel drang ihm mitten in die Brust und blieb in der Lunge stecken. Der Streikbrecher feuerte auf den Zurückgehenden noch zwei Schüsse ab, die ebenfalls trafen. Dann ergriff der Mord⸗ bube die Flucht. Nun erst trat die Polizei in Tätigkeit. In einem Automobil fuhr man dem Fliehenden nach und verhaftete ihn. Der schwer verwundete Streikleiter heißt Melchior Fleisch⸗ mann, ist 29 Jahre alt und Vater von vier Kindern. Am Sonntag ist Fleischmann an den erhaltenen Wunden gestor bein. Sollte man es für möglich halten, daß es noch„Arheiter“ von so erbärmlichem Charakter und niedriger Gesinnung gibt, die sich zu solchen Dingen ge⸗ brauchen lassen? Dieses Vorkommnis beweist wieder, welche gewaltige Agitationsarbeit noch zu leisten ist! Kleine politische Nachrichten. In den norwegischen Landtag(Storthing) wurde der erste Sozialdemokrat in Trondhjem gewählt. Dort siegte der Genosse Redakteur Buen mit 688 Stimmen über den Sammlungskandidaten, der 129 Stimmen erhielt. Revolution in Rußland. Parvus und Leo Deutsch. Nachrichten aus Rußland bestätigen, daß die Genossen Parvus und Leo Deutsch nun⸗ mehr tatsächlich verschickt worden sind. Und zwar ist ihnen das kleine, wenig mehr als 200 Einwohner zählende sibirische Dorf Tur u⸗ chan sk am Flusse Jenisset als Aufent- haltsort angewiesen worden. Dieses Turuchansk gilt unter den russischen Revolutionären als ein Platz ganz besonderer Qualen— die Nach⸗ richt aus Rußland bezeichnet den im nördlichsten Sibirien, dicht am Polarkreise liegenden Ver⸗ bannungsort ausdrücklich als„furchtbar“. Je drei Jahre sollen unsere wackeren Mitämpfer dort zubringen! Besonders tragisch ist das Schicksal von Leo Deutsch; er steht seit den stebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts im Vorder⸗ treffen des russischen Befreiungskampfes. Nach⸗ dem er 1877 in die Hände der Zarenschergen gefallen war, gelang es ihm nur unter den größten Schwierigkeiten und Gefahren, aus dem Gefängnis zu entfliehen und die Grenze zu gewinnen. Von der Schweiz aus wurde er dann einer der eifrigsten Organisatoren des Schmuggels revolutionärer Schriften nach Ruß⸗ land. Als er 1884 bei dieser Tätigkeit einmal deutschen Boden betrat, wurde er in Freiburg im Breisgau verhaftet und schließlich auf Be⸗ treiben des Fürsten Bismark, dem aus poli⸗ tischen Gründen gerade damals besonders viel daran lag, dem Zaren„Gefälligkeiten“ solcher Art zu erweisen, an Rußland ausgeliefert. Auf die deutschen folgten die russischen Kerker: die Bastillen von Kiew, Odessa, Petersburg, Mos⸗ kau und andere. So ging es ein Jahr und drei Monate; endlich wurde das Urteil ge⸗ sprochen: Zwangsarbeit in Sibirien. Sech⸗ zehn Jahre hat Leo Deutsch dort zuge⸗ bracht, und die unerhörten seelischen und körper⸗ lichen Oualen, denen er ausgesetzt war, hat er uns, ohne Pathos und ohne Sentimentalität, aber deshalb nur um so greifender geschildert in seinem später bei Dietz in Stuttgart er⸗ schienenen Buche: Sechzehn Jahre in Sibirien. Endlich, im Jahre 1901, gelang es ihm, zu entfliehen und auf allerlei Umwegen Europa wieder zu erreichen. Aber die lange Kerker⸗ haft in Deutschland und Rußland und die sechs⸗ zehn Jahre der Zwangsarbeit hatten den Tapferen nicht zu brechen vermocht: kaum zu⸗ rückgekehrt, stürzte er sich von neuem in den sozialistischen Kampf, und als in seinem Vater⸗ lande die Sturmglocken der Revolution zu läuten begannen, da eilte— gleich Parvus, Rosa Luxemburg und vielen Hunderten anderer Exilierter— auch Leo Deutsch an die Stätte des Kampfes und stürzte sich dort in das Schlacht⸗ getümmel, wo es am heißesten tobte. Bald aber fiel auch Leo Deutsch von neuem den Henkersknechten der russischen Reaktion in die Hände. Die Offiziere laufen davon. Unter den russischen Marineoffizieren ist Mutlosigkeit eingetreten wegen der Unwahrscheinlichkeit, die Ordnung und Manneszucht unter den Matrosen bald wieder herzustellen. Infolgedessen wollen viele den Dienst quittieren. In Kronstadt allein haben 97 Markneofftiziere ihren Abschted einge⸗ reicht, angeblich wegen der großen Lauheit(ö) des Kriegsgerichts gegenüber den Meuterern; in Wirklichkett aber ist der oben angezogene Grund die Ursache dieser Erscheinung. Henkerarbeit. Das Kriegsgericht in Reval hat 17 Matrosen vom„Pamjak Azowa“ und einen Agitator zum Tode ver⸗ urteilt. Das Urteil ist an allen 18 Personen vollstreckt worden. Ferner sind verurteilt: 12 Matrosen zu Zwangsarbeit von 6 bis zu 10 Jahren, 13 zur Versetzung in eine Strafabteilung mit zeitweiliger Haft und 15 zu Disziplinarstrafen. 34 Angeklagte sind frei ⸗ gesprochen und 3 Zivilpersonen den Zivilgerichten übergeben worden.— Das Krtegsgericht in Kronstadt verurteilte 10 Tetlnehmer an dem bewaffneten Aufstand zum Tode und 122 zu Zwangsarbeit; 15 Angeklagte wurden frei⸗ gesprochen. Vom revolutionären Schlachtfelde. Nach offtzieller Bekanntmachung wurden in der letzten Woche in Rußland 72 politische Morde an Amtspersonen verübt, 42 Beamte wurden schwer verwundet. Ferner wurden 120 Bomben gefunden, 12 Geheim⸗ druckereien entdeckt, 13 Kron⸗Schnapsbuden und 18 Staatskassen beraubt, wobei 22 Angestellte getötet und verwundet wurden. Aus politischen Gründen wurden 276 Personen verhaftet.— In Samara wurde der Kommandeur des Borriswoschen Regiments in seiner Wohnung von einem Unbekannten ermordet.— In Sjedletz wurde der Polizeimeister durch eine Bombe getötet. Zahlreiche Polizisten wurden vorige Woche in Warschau und Polen ermordet. Das wird als Antwort auf die Hinrichtung von neun Revolutionären angesehen, die am 9. August in der Warschauer Zitadelle erfolgt ist. — A r Seite 4. Mitteldeutsche Sountags⸗ Zeitung: Ne. 34. Von Nah und Fern. Hessisches. — Das Innungswesen in Hessen eht immer mehr zurück. Nach einer Zu⸗ 1 der Handwerkskammer ist die Zahl der Zwangsinnungen auf 16 zu⸗ sammengeschrumpft. Merkwürdig dabei ist, daß die meisten davon und zwar 14 sich in Rhein⸗ hessen befinden, 8 allein in Mainz. Außerdem gibt es nur noch in Offenbach und Gießen je eine. Sämtliche Zwangsinnungen zusammen zählen nur 1093 Mitglieder. Die außerdem vorhandenen 44 freien Innungen zählen nur 1556 Mitglieder, sodaß das Innungswesen in Hessen überhaupt keine besondere Rolle spielt. Die Ortsgewerbevereine Hessens dagegen zählen rund 11000 Mitglieder. Die vor etwa 10 Jahren mit so großem Getöse von Miquel in Szene gesetzte gesetzgeberische Handwerksrettung ist kläglich gescheitert, wie unsere Genossen im Reichstage dargelegt und vorausgesagt haben. Gießener Angelegenheiten. — Als Folge der Zollpolitik macht sich immer empfindlicher die kolossale Preissteigerung aller Lebensmittel bemerkbar, besonders aber sind in der letzten Zeit die Fleischpreise wieder ganz bedeutend in die Höhe gegangen. Aus allen Teilen des Reiches wird berichtet, daß die Viehpreise während der letzten Märkte um 5—6 Mark gestiegen sind. Speziell in Süddeutschland macht sich, wie die„Deutsche Fleischer⸗Zeitung“ meldet, ein großer Viehmangel bemerkbar, so daß sich Münchener Fleischer⸗Innungen gezwungen sehen, aufs neue bei der Regierung vorstellig zu werden. Die Innung wird daher beschließen, die Fleisch⸗ preise den Viehpreisen entsprechend zu erhöhen. Auch in Berlin und Leipzig sind die Preise um etwa 8 Mk. pro Zentner gestiegen. Bei uns in Gießen sind die Fleischpreise in den letzten Tagen wieder erhöht worden und es wird jetzt für Ochsenfleisch 86 Pfg. und mehr, für Rindfleisch 82— 84 Pfg. verlangt. Schweine⸗ fleisch kostet noch mehr. Der durchschnittliche Fleischverbrauch geht infolgedessen stetig zurück. Im laufenden Jahre ist der Verbrauch pro Kopf der Bevölkerung um rund 4 Pfund niedriger als 1904; das macht, auf eine vierköpfige Familie berechnet, für die Familie eine Einschränkung um 16 Pfund. Bedenkt man nun noch, meint dazu die Jastrow⸗ sche„Arbeitsmarkt⸗Korrespondenz“, daß durch die hohen Fleischpreise die minder bemittelten Schichten stärker als die begüterten zu einer Verringerung der Fleischernährung gezwungen werden, so dürfte danach die Ernährung der großen Massen noch mehr gelitten haben, als aus diesen Ziffern ersichtlich ist.— Jetzt muß die Masse des arbeitenden Volkes empfindlich dafür büßen, daß die Zollmehrheit des Reichs⸗ tags den Junkern die Taschen gefüllt hat! — Die Bierpreise sollten in Gießen nicht erhöht werden, hieß es vor Kurzem und es käme also hier nicht zu einem Bier⸗ kriege, wie in vielen anderen Orten. Wer aber etwa geglaubt hat, daß die Gießener Brauer⸗ kapitalisten anders geartet sind als ihre aus⸗ wärtigen Kollegen, der wird durch eine Er⸗ klärung eines Besseren belehrt, die Rechtsanwalt Müller im„Gieß. Anz.“ im Auftrag der Brauereibesitzer erläßt. Darin heißt es u. a., daß eine definitive Regelung der Bierpreisfrage noch nicht erzielt sei. Die Gefahr eines Bier- kriegs habe nicht bestanden,„da die Wirte so verständig waren, die Gemeinschaftlichkeit ihrer Interessen mit denen der Brauereibesitzer zu würdigen.“ Schließlich wird dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß vom Publikum das Entgegenkommen der Brauer und Wirte er⸗ widert werden möge.— Das heißt mit andern Worten, daß eine Preissteigerung geplant wird. Es fehlte gerade noch, daß zu den Preissteige⸗ rungen des Fleisches, der Butter und anderer Lebensmittel noch das Bier verteuert worden wäre, sodaß der arme Teufel sich auch keinen Schluck Bier mehr leisten kann, womit es bei manchem Arbeiter schon ohnedies seine Schwierig⸗ keiten hat. Uebrigens war das Bier in Gießen bisher schon verhältnismäßig teurer als ander⸗ wärts, ein Preisaufschlag also noch weniger gerechtfertigt.— Wenn übrigens die Wirte wirklich an eine„Gemeinschaftlichkeit“ ihrer Interessen mit denen der reichen Brauereibesitzer glauben sollten, so dürften sie bald zu der Ueber⸗ zeugung kommen, daß dies—— Aberglaube ist.— Gegen eine Bierverteuerung würden sich auch die hiesigen Bierkonsumenten energisch wehren. — Dem Majestätsbeleidigungs⸗ Paragraphen fiel am Dienstag in der Strafkammersitzung wieder ein Angeklagter zum Opfer. Der Maurermeister Jos. Kaiser aus Ober⸗Wöllstadt wurde zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt, weil er dort in der Wirt- schaft, als die Geburt des ersten Kindes des Kronprinzen bekannt wurde, eine unschöne, aber sonst allgemein übliche Redensart gebrauchte, was die beiden Landwirte Schütz und Veith bezeugten.— Was für Unheil durch den Maje⸗ stätsbeleidigungs⸗Paragraphen schon über die Menschheit gebracht worden ist, können seine Macher wahrhaftig nicht verantworten. Jeden Tag wird von irgend woher eine Bestrafung wegen„Majestätsbeleidigung“ gemeldet und meistens handelt es sich um harmlose Bemer⸗ kungen, die irgend ein Schuft der Behörde hinterbringt. Diese bekundet deun auch einen bemerkenswerten Eifer in der Verfolgung solcher Delikte, jedenfalls um dem Volke die nötige „monarchische Gesinnung“ und„Liebe und Treue zum Fürstenhause“ beizubringen. Das Volk hätte es aber auch selbst in der Hand, die Denunziantenseuche einzudämmen: man müßte nur allgemein die Denunzianten behandeln, wie's solchen Menschen gehört, sie in jeder Be⸗ ziehung boykottieren, der allgemeinen Verachtung überliefern, sie wie Aussätztge meiden. Das dürfte erzieherisch wirken. Dabei muß natürlich immer wieder die Beseitigung des§ 95 ange⸗ strebt werden, was die sozialdemokratische Frak⸗ tion im Reichstage wiederholt beantragt hat. — Lassallefeier. Wie bereits in voriger Nummer mitgeteilt wurde, hat der Wahlverein beschlossen, nächsten Sonntag, den 2. September, seine Lassallefeier in Klein⸗ Linden abzuhalten. Diese wird im Lokale Hinterlang stattfinden und in einem Vor⸗ trage über das Wirken und die Bedeutung unseres großen Vorkämpfers bestehen. Hieran sollen sich Gesangsvorträge des Gesangvereins Eintracht, Deklamationen ꝛc. anschließen. Es darf wohl erwartet werden, daß sich die Partei⸗ genossen und Gewerkschaftsmitglieder recht zahl reich beteiligen. — Ausländische Arbeiter sind in Gießen und Umgebung jetzt in ziemlich großer Zahl beschäftigt. Zum größten Teile stammen ste aus den slavischen Ländern der uateren Donau, Kroatien, Slavontien ꝛc. Teilweise sind's sehr wenig vertrauenerweckende Gestalten, die Sonn⸗ tags durch die Straßen schlendern, sehen auch wenig sauber aus. Es kam schon vor, daß durch sie ansteckende Krankheiten eingeschleppt worden. Darach fragen aber unsere patriotischen Unternehmer nicht, ste wollen billige Arbeits- kräfte. Für ausländisches Vieh sind die Grenzen gesperrt, im„Interesse der Volks⸗ gesundheit“ und für Fleisch werden Phantaste⸗ preise verlangt. Das nennt man„volkstümliche“ Politik. — Der Streik auf der Gail'schen Ziegelei dauert noch fort. Aus dem Nreise gießen. t. Alten-Buseck. Sonntag, den 9. September, feiert der hiesige Turnverein(Mitglied des Arbeiter⸗ turnerbundes) sein 5 jähriges Stiftungsfest. Der Verein, der sich jetzt eines starken Zuwachses erfreut, hat Ein⸗ ladungen an die Turnvereine des 3. Bezirks und an die Vereine unseres Ortes ergehen lassen, und es wird zu dem Feste bei guter Witterung zahlreicher Besuch erwartet. Morgens von 7-9/ ũ Uhr findet Preisturnen statt, um 2 Uhr geht ein Festzug durch den Ort. Als⸗ dann beginnt das Schau- und Riegenturnen, wobei die Kapelle Pauli⸗Marburg konzertieren wird, ein darauf folgendes Tanzvergnügen wird den Schluß des Festes bilden. Hoffentlich wird das Fest einen guten Verlauf nehmen und nicht minder zur Entwicklung des Arbeiterturnerbundes beitragen. — Bürgermeisterwahl in Langs dorf. In der Residenz des Vizepräsidenten der Zweiten Kammer und früheren Reichstagsabgeordneten Köhler, in Langs⸗ dorf, tobte vergangene Woche gewaltig der Wahlkampf um den Bürgermeisterposten, den bisher ebenfalls Herr Köhler inne hatte. Gegen ihn hatte sich aber eine starke Opposition erhoben, die mit ihrem Kandidaten Heinrich Schiel an der Spitze, gegen Köhler zu Felde zog. Die Gegner Köhlers warfen ihm in einem Wahlaufrufe vor, daß er infolge seiner politischen Tätigkeit, die er noch zu erweitern gedenke, die Gemeindeverwaltung ver⸗ nachlässige. Durch seine bisherige Verwaltung, die im Gegensatz' zu seinen früheren Versprechungen stehe, habe er das Vertrauen vieler verloren. Ferner habe er der Gemeinde eine große Schuldenlast aufgebürdet und für die Durchsetzung seiner persönlichen Wünsche und Ideen gearbeitet. Darauf antwortet Köhler in dem Friedberger Bündlerblatte mit folgendem, gewiß originellem Wahl⸗ aufrufe: „Rache! Langs dorfer! Vor 9 Jahren habt Ihr mich gewählt—— aus Rache!!! gegen das andere Haus Köhlerll! Heute wollt Ihr mich erschlagen——— aus Rache!!! für die tausendfachen Wohltaten, die ich ö Euch erzeigt habe! Und der gute alte Heinrich Schiel soll Euch das Werkzeug sein! Rache nichts als Rache!!! Loki-Hödur gegen Zaldr! Loki, der haßerfüllte Wühler und Hetzer, Hödur, der blinde König der Nacht, Baldr, der Gott des Lichts, des Frühlings und des Lebens Kennt Ihr die Sage vom Mistelzweig, mit dem auf Lokt's Geheiß, Hödur den Baldr erschlug?! Christliches Langs dorf! Das Du allsonntäglich in Schaaren Deine Kirche 1 Christliche„Brüder“!—— Wie ist doch die heidnische Nache so süß 11! Köhler, Langsdorf.“ Diese Musterleistung verdient wirklich für die Nach⸗ welt erhalten zu bleiben. Wenn in der Gemeindever⸗ waltung ähnliche Konfusion herrscht, wie sie in diesem Aufrufe zu tage tritt, dann haben die Gegner Köhlers allen Grund zu ihren Beschwerden.— Die Wahl findet diesen Samstag statt und es kann leicht möglich sein, daß der„Lichtgott“ gestürzt wird! Aus dem Rreise Jriedberg⸗Büdingen. Bad Nauheim. Der aus den üblichen politischen und religiösen Vorurteilen viel angefeindete„Bildungs⸗ verein“ hat bis Ende August im Restaurant Saalburg (bei der neuen Dankeskirche) eine schöne und reichhaltige Bilderausstellung eröffnet. Wir finden da die Werke der bedeutendsten Maler unserer und alter Zeit, teils als Originale(Künstlersteinzeichnungen), teils in guter Nachbildung. Viele der schönen Bilder sind auch zu so⸗ billigem Preise(25 Pfg.) durch alle Buchhandlungen zu beziehen, daß selbst ein bescheidenes Heim sich mit einigen von ihnen schmücken kann. Als Geschenke bei Geburtstagen, zu Weihnachten usw. sind sie recht geeignet. Sie sind unvergleichlich viel preiswerter als die klecksigen Oeldrucke und Fensterbilder, für die z. B. auf den Messen mehr Geld als recht ist, bezahlt wird. Wir empfehlen unsern Lesern im dortigen Kreise sich die Sammlung einmal anzusehen. Es sind u. a. auch prächtige Arbeiterbilder dabei(Lokomotivwerkstatt, Bet Krupp, Vulkan werft). Wo es angeht, sollten diese billigen Sochen auch für die kleinen Volksschulen angeschafft werden. Bei Besuch durch mehrere Personen übernimmt Herr Dr. Strecker selbst die Führung und ermäßigt sich der Eintrittspreis dann auf 20 Pfennig. Geöffnet ist alle Nachmittage von 3—7 Uhr. Samstag oder Sonn⸗ tag wird wohl auch der eine oder andere unserer Leser 92 8 die gute Gelegenheit benutzen können. a * In die Kasse gegriffen hatte der Stations⸗ vorsteher Meyer in Echzell. Stationskasse heraus. Aus dem Nreise Alsfesd-Cauterbach. J Erbärmliche Löhne zahlt auch die Stadt Alsfeld ihren Arbeitern. Sind hier die Löhne ohnehin kümmerlich genug, so sollte doch die Stadtverwaltung nicht noch schlechter als Privatunternehmer bezahlen: zwei ganze Mark den Tag! Dafür stellt sich selbst hier niemand mehr zur Verfügung, man bekam vor einiger Zeit infolgedessen niemand für die Heuernte auf den städtischen Wiesen. Daher sah sich der Herr Bürger⸗ meister genötigt, im Verein mit zwei Polizisten und zwei Schreibern, selbst Heu aufzuladen. Das war ja Als Reviston ange⸗ 5 kündigt wurde, nahm er den Revolver und erschoß sich. Erst später stellte sich ein bedeutendes Defizit in der r dir Nen erger dal. rl auß 1 f daz 5 dez 1 f.“ Nach; beber⸗ diesem lers findet fein, 9 e r — 2 Nr. 34. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 5. nun so weit ganz gut; wir find die letzten, die dem Bürgermeister einen Vorwurf daraus machen, Arbeit schändet ja nicht; aber wir meinen doch, man solle die Leute wenigstens einigermaßen anständig bezahlen, dann wird man auch Leute bekommen und der Bürgermeister hat nicht nötig, sich Arbeiten zu unterziehen, die er nicht zu machen braucht. Mordspatriotische Hetzerei. Am Sonntag gabs in Alsfeld einen patriotischen Aufzug. Am Kriegerdenkmal hatte der Kriegerverein eine Gedenk⸗ tafel anbringen lassen, die irgend eine nebensächliche Tat⸗ sache der Nachwelt überliefern soll. Diese Tafel wurde mit dem üblichen Drum und Dran eingeweiht, wobei Pfarrer Becker, Kreisamtmann Dr. Michel und Bürger⸗ meister Arnold Reden hielten. Während letzterer im Sinne des Friedens sprach und sich jeder Angriffe ent⸗ hielt, paukte der Prediger christlicher Nächstenliebe, wie auch der Kreisamtmann gegen den„inneren Feind“ los. Daraus macht sich nun der„innere Feind“ weiter nichts, er lebt und kämpft vergnüglich weiter und läßt sich durch solche Redereien nicht irre machen. Denkende Ar⸗ beiter sollten aber besseres zu tun haben, als sich noch um Kriegervereine zu kümmern. Auch der Alsfelder schließt jeden aus, der irgendwie in den Geruch sozial⸗ demokratischer Gesinnung kommt. Ja, hier wurden kürzlich 3 der Freien Turnerschaft angehörige Arbeiter ausgeschlossen und zwar, um den Skandal vollständig zu machen, auf Antrag von Arbeitern! Das zeigt, welche Borniertheit noch unter den hiesigen Arbeitern herrscht. Hier gibt es deren noch, die einen Wochenlohn von 11—12 Mk. verdienen, aber noch den Antisemiten nach⸗ laufen und bet patriotischen Feiern Hurra schreien. Und welche„Kameradschaft“! Bei dem kürzlich in Hopfen⸗ garten stattgefundenen Bezirkskriegerfest sagte ein Veteran zu einem andern: Schämst du dich nicht, daß du dich zu den Arbeitern setzt? Dies Fest endete übrigens sehr kriegerisch, obwohl auch hier Pfarrer Becker gegen die vaterlandslose Sozialdemokratie donnerte, der gegenüber man einig sein müsse. Jedenfalls sahen sich dann die Krieger gegenseitig als„innere Feinde“ an und ver⸗ möbelten sich gehörig die Köpfe, daß nicht wenig Blut floß. Davon wußte aber das Kreisblatt nichts zu er⸗ zählen. Wie prächtig verlief dagegen das Arbeiter⸗ Turnerfest! Vernünftige Arbeiter bekümmern sich um ihre Interessen und die Verbesserung ihrer Lebenslage und halten sich fern von Kriegervereinen. Recht trübe Schulverhältnisse herrschen in Burg⸗ Gemünden. Dort ist seit Wochen der ältere Lehrer nach Homberg a. d. Ohm versetzt worden, wo er übrigens lange keine Wohnung erhalten konnte, weil keine da war. Der einzige Lehrer muß nun die acht Jahrgänge unterrichten, sodaß jedes Kind pro Tag 2—4 Stunden Unterricht erhält.— Das Schulhaus, das jetzt zehn Jahre steht, muß umgebaut werden. Das untere Stockwerk ist massiv, das zweite ist Fachwerk und sind die Balken schon morsch. Die Leute behaupten, das Holz sei krank gewesen, was jeder Laie versteht, denn 10 Jahre ist keine Zeit, in der ein Holz so zer⸗ stört werden kann. Das Schulhaus wurde unter staat⸗ licher Kontrolle aufgeführt und wirft es ein eigen⸗ tümliches Licht auf die Fähigkeit der Beamten. Es wird allerhand gemunkelt, wie es kam, daß solch ein Holz überhaupt verarbeitet werden konnte. Aber die Hauptsache: das ganze obere Stockwerk mit Dach muß abgerissen werden. Natürlich verursacht die Sache der Gemeinde bedeutende Kosten. Aus dem RNreise Wetzlar. n. Mit den Stadtverordnetenwahlen und der Kommunalpolitik im Allgemeinen beschäftigte sich eine Versammlung, die am Mittwoch im Saale„Zur Glocke“ stattfand und sehr gut besucht war. Als Referent war Genosse Stadtverordneter Dr. Quarck⸗Frankfurt er⸗ schienen, der sich in längeren Ausführungen mit den Aufgaben eines städtischen Gemeinwesens befaßte, wobei er besonders auf die Verhältnisse in Wetzlar einging. Quarck wies weiter auf die Jämmerlichkeit des Wahl⸗ rechts zur Gemeindevertretung hin. Obwohl unsere Partei bei der Reichstagswahl in der Stadt Wetzlar fast so viel Stimmen aufbringt, als die gesamten Gegner, hat die Sozialdemokratie doch keinen der ihrigen durch⸗ gebracht!(Dabei muß noch bemerkt werden, daß die Einteilung der Klassen zu Ungunsten der 3. Klasse ver⸗ schoben worden ist, weil eine große Anzahl Bürger, die das Bürgerrechtsgeld nicht bezahlt haben, nicht als Wähler mitgezählt wurden.) In der Diskussion wurde einiges über die Zustände im Schlachthaus vorgebracht. Gegen die Ausführungen Quarcks erhob sich kein Wider⸗ spruch. Diese Versammlung sollte erst in Göths Garten stattfinden, doch verweigerte Herr Dietz seinen Saal, den er erst zugesagt hatte. Würden die Arbeiter Wetzlars energische Schritte gegen diese Behandlung tun und den Saal so lange nicht betreten, als er zu Versammlungen verweigert wird, so würde sich der Saalinhaber wohl bald eines andern besinnen. h. Agrarische Preistreiberei. An den letzten Markttagen kostete das Pfund Butter nicht weniger als Mk. 1,45 bis 1,50 Solch' unerhört hohe Preise sind wirklich noch nicht dagewesen. Es wurde zwar behauptet, daß wegen der Scharfschießerei des Gießener Regiments der Verkehr gehemmt war und die Butterverkäufer nicht auf den Markt kommen konnten, doch dürfte dieser Grund nicht stichhaltig sein. Futter⸗ mangel besteht doch wahrhaftig auch nicht. Die Preise werden durch die Zollpolitik künstlich in die Höhe getrieben und es ist jetzt schon glücklich soweit gekommen, daß sich die Arbeiterfamilie Butter nicht mehr leisten kann. n. Nächtlicher Spuck. Jüngst eines Samstags nachts ereignete sich eine unheimliche Szene, die geeignet war, abergläubische Gemüter in Furcht und Schrecken zu setzen. Ungefähr zu Ende der Mitternachtsstunde zeigte sich am Kornmarkt eine weiße Gestalt, die offenbar übernatürlichen Wesens sein mußte, denn sie schwebte aus einem Fenster hernieder und verschwand darauf lautlos und augenblicklich. Doch für verständige Leute gibts längst keine Gespenster mehr. Und so klärte sich auch dieser Spuck sehr natürlich auf: er stellte sich als eine durchaus menschliche Affaire heraus. Ein junger Ehemann eilte um diese Zeit nach Hause, störte aber durch seine Heimkunft das Stelldichein seines Weibleins mit einem in Wetzlar sehr bekannten Herrn, der sich mit einem gewissen Rechte des Vertrauens seiner Mitbürger rühmen kann. Dieser ergriff in höchster Eile und im tiefsten Négligé die Flucht, dle für die zufälligen Zeugen allerdings den Eindruck machte, als schwärmten Geister da herum.— Ein ähnliches Vorkommnis, das sich in der Schuhgasse abspielte und bei welchem ein sehr frommer Mann mitbeteiligt war, zeigt auch, wie es mit der Sittlichkeit bestellt ist— in den unteren Volksklassen natürlich. Aus dem Rreise Marburg⸗Nirchhain. O Polizei⸗Scherereien. Einem Bauhilfs⸗ arbeiter, der zu einer öffentlichen Maurer- und Bauhilfs⸗ arbeiter⸗Versammlung durch Handzettel eingeladen hatte, wurde ein Strafmandat von 3 Mark zugestellt. Gegen dieses legte er bei dem Amtsgericht Berufung ein. Es wurde der Berufung stattgegeben und das Mandat als nicht zulässig zurückgewiesen. Doch die Polizei hat die Sache bei der Staatsanwaltschaft anhängig gemacht. Nun erhielt der Arbeiter am 14. August ein zweites Strafmandat, aber in Höhe von 9 Mark. Aber auch gegen dieses wird Berufung eingelegt werden. Es soll gerichtlich festgestellt werden, auf welchen Paragraph man sich stützte. Man vergleiche nun aber das Ver⸗ gehen dieses Arbeiters mit dem zweier Studenten, die am Freitag ebenfalls vor Gericht standen. Diese hatten sich wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt, Beamtenbeleidigung und Hausfriedensbruch(sie sind auf die Polizeiwache eingedrungen) zu verantworten und wurden zu 30 bezw. 10 Mark Geldstrafe verurteilt, Was hatten wohl Arbeiter aufgebrannt bekommen? 2, Die hiesigen Schreinermeister geben sich alle Mühe durch Inserate in den Zeitungen Arbeiter zu erhalten zum Ersatz für ihre Gesellen, die seit dem Streik die Werkstätte meiden. Man kann es den Ge⸗ sellen auch nicht verübeln, wenn sie nicht mit den Streik⸗ brechern zusammen arbeiten wollen. In beiden Blättern lassen die Herren Schreinermeister Hering, Metzler und Rohleder ihren Sehnsuchtsruf nach Gesellen erschallen, während sie vorher ihre alten geschulten Leute einiger lumpiger Pfennige Lohn⸗Aufbesserung wegen in den Streik treten ließen und später aussperrten. 2, Das Fest der Freien Turnerschaft am Sonntag, nahm den besten Verlauf. Die Beteiligung war eine recht gute zu nennen, obwohl mancher von der Marburger Arbeiterschaft durch Abwesenheit glänzte. Doch waren von Gießen und Alsfeld Turngenossen er⸗ schienen, denen an dieser Stelle noch gedankt sei. So war der Hildemannsche Garten voll besetzt. Nachmittags gab es Schauturnen, Preisschießen ꝛc., abends begann der Tanz, dem viele Festbesucher bis zu später Nacht⸗ stunde huldigten. Bedauerlich bleibt nur, daß mancher Genosse noch der gegnerischen deutschen Turnerschaft an⸗ gehört, anstatt sich seinen Genossen anzuschließen. e Partei-Uachrichten. Anträge zur Landeskonferenz. Die Parteigenossen von Hechtsheim beantragen, dem § 5 Absatz 1 des Landesorganisatlonsstatuts folgenden Zusatz zu geben: Erhebt ein Lokalorganisation mehr als den Mindest⸗ zuschlag von 5 Pfg., so ist es Pflicht der Lokalorganisatton, Mitglieder auch zum Mindestzuschlag aufzunehmen. Die Genossen von Obererlenbach beantragen: Zwecks besserer Agitation auf den katholischen Landorten sind vom Landeskomitee alljährlich mindestens zwei Flugblätter herauszugeben, welche sich speziell mit den Verhältnissen der katholischen Ortschaften befassen. Die Parteigenossen von Bretzenheim beantragen: „Die Landeskonferenz möge die Landtagsfraktion beauftragen, für folgendes in der Zweiten Kammer zu sorgen: 15 1 ben den in Ent⸗ ädigungsansprüchen der Arbeiter gege i Gee gegen Private oder 2. Abschaffung der Bespitzelung der Mannschaften, welche zum Militär müssen oder wollen; 3. das ganze Großherzogtum Hessen in einen Armenverband einzuteilen, eventl. als kleinsten Armen⸗ verband eine Provinz gelten zu lassen. 5 Der Wahlverein Lollar a. Lahn beantragt, die nächst⸗ jährige Landeskonferenz in Lollar abzuhalten. Die Parteigenossen des Bezirks Alt en⸗Buseck, Trohe, Rödgen und Wieseck beantragen, die Landes⸗ konferenz wolle beschließen, die nächste Landeskonferenz in Gießen oder in nächster Nähe eventl. in Lollar ab⸗ zuhalten. Die Parteigenossen Kostheims beantragen, zu be⸗ schließen, die nächste Landeskonferenz in Kostheim am Main abzuhalten. Wahlkreis Friedberg⸗Büdingen. f Der Vorstand des Kreiswahlvereins faßte in einer Sitzung in Folbe des Bieraufschlags den Beschluß, auf strikte Durchführung des Bierboykotts seitens der Genossen zu dringen. Die Bezirksleiter werden ersucht, allerorts Versammlungen zu veranstalten; wegen Refe⸗ renten wolle man sich an den Vorsitzenden des Kreises wenden. J. A.: Karl Arm brust. Sersammlungskalenber. Samstag, den 25. August. Gießen. Gewerkschaftskartell, Abends ½9 Uhr Sitzung bei Orbig. Gießen. Wahlverein. sammlung bei Orbig. Marburg. Wahlverein. sammlung bei Jesberg, Wetzlar. Wahl verein. Abends ½9 Uhr Ver⸗ sammlung im Gasthaus„Zur Glocke“. Sonntag, den 26. August. Lindenstruth. Arbeiter⸗Verein. Nachmittags 3½ Uhr Versammlung bei Wirt Peter Zinkann. Dienstag, den 28. August. Wieseck. Freie Turnerschaft. Abends ¼9 Uhr erste Turnstunde im Lokale Wacker.— Samstag, den 1. September, abends 9 Uhr Mitglieder⸗ versammlung im gleichen Lokale. Samstag, den 1. September. 5 Lauterbach Wahlverein. Abends 8½ Uhr Mitglieder⸗Versammlung bei Gastwirt Schwarz, „Zum Johannisberg“. Abends 9 Uhr Ver⸗ Abends 9 Uhr Ver⸗ Quittung. Zur Unterstützung der Tabakarbeiter gingen ein: Maurer, Liste 1, Mk. 8,30; L. 2, Mk. 1,90; Liste 3, Mk. 2,1; L. 4, Mk. 16,90; L. 5, Mk. 8,15; L. 6, Mk. 5,50; L. 7, Mk. 8,80; L. 9, 8,70. Buch⸗ drucker, Liste 11, Mk, 14,40; L. 12, Mk. 7,—. Schneiderverband Mk. 10,—. Tapeziererverband Mk. 5,.—. Tapezierer, Liste 29, Mk. 6,85. Bäcker, Liste 36, Mk. 7,95. Transportarbeiter Mk. 10.—. C. K. Butzbach Mk. 2,—. Wieseck. Tabakarbeiter, Liste 21, Mk. 8,50, L. 23, Mk. 6,—; L. 26, Mk. 2,15; L. 27, Mk. 10,70; L. 30, Mk. 10,40; L. 39, Mk. 6,15. C. K.⸗Butzbach, Mk. 2.—. Allen Gebern besten Dank! Die Kommisston. Briefkasten. 3.⸗Mrbg. Gewiß wäre es besser, wenn jene Firma die Löhne ihrer Arbeiter aufbesserte, austatt daß si⸗ Schmausereien veranstaltete. Aber es ist doch immerhin anzunehmen, daß sie von guter Absicht geleitet war und deshalb wollen wir eine öffeutliche Kritik unterlassen.— Gg. Hs.⸗Burkhrdssidn. Die Stadt Butzbach hat elektrische Beleuchtung. Wir haben uns erst selber davon überzeugt, drum dauerte die Beantwortung Ihrer Frage so lange!— Wie steht's dort mit der Parteiorganisation? — Queckborn. Wegen der Versammlung erwarten wir Nachricht. —ů—— 7 Bemüht Parteifreunde! eng nes nach besten Kräften für die immer weitere Verbreitung Eueres Blattes, der Mitteldeutschen Sonntags⸗Zeitung! ——— Kirchweihfest in Hausen. Sonntag, 26. und Montag, 27. August: gutbesetzte Tanzmusik Für beste Speisen und Getränke ist gesorgt und ladet zu zahlreichem Besuche ein Konrad Wallbott „Zum Ad 2 — —— e 9— r — 2 . f— a N 8 5 9 15 10 — 2————— *— 5 Seite 6. Mitteldenische Sonntags⸗Zeitung. Nr. 34. Die Berichte des Landeskomitees an die Landeskonferenz. Aus dem Berichte der Fraktion, den Genosse Adelung erstattet, sei folgendes er⸗ wähnt. Die Wahlen im Spätjahr 1905 haben die Zahl der sozialdemokratischen Abgeordneten im Landtage von 6 auf 7 erhöht. Es gelang, den Nattonalliberalen den 10. Starkenburger Wahl⸗ kreis, Pfungstadt⸗Eberstadt, abzunehmen, der jetzt vom Genossen Raab⸗Pfungstadt vertreten wird. An Stelle des Genossen Cramer, der eine Wiederwahl ablehnte, wurde im 15. Starken⸗ burger Wahlkreis, Langen⸗Neu⸗Isenburg, der Genosse Dr. Fulda trotz unerhörter niedriger Agitation der Gegner, unter Führung des Reichs⸗ verbands⸗Häuptlings Dr. Becker, mit überwäl⸗ tigender Mehrheit gewählt. In zwei anderen Wahlkreisen, Kastel⸗Kostheim und Vilbel unter⸗ lagen wir mit bedeutenden Minoritäten, die sich bei gerechterer behördlicher Handhabung der Bestimmungen des elenden indirekten Wahl⸗ systems zweifellos auch in Majoritäten ver⸗ wandelt hätten. Die Sozialdemokratie ist im Landtage folgendermaßen vertreten: Mainz Stadt: Adelung und Dr. David, Offenbach Stadt: Ulrich, Pfungstadt: Raab, Groß⸗ Gerau: Berthold, Langen: Dr. Fulda, Bürgel: Orb. Das Stärkeverhältnis der Parteien in der Zweiten Kammer überhaupt ist folgendes: Nationalliberale 18, Bauernbündler(Antisemiten) 13, Zentrum 7, Sozialdemokraten 7, Freisinnige 3 und Fraktionslose 2 Abgeordnete. Auf Grund ihrer Stärke erhoben unsere Genossen beim Zusammentritt auch dieses Land⸗ tages Anspruch auf Vertretung im Kammer⸗ Präsidium, das aus 3 Prästdenten und 2 Schriftführern besteht. Aber siehe da; während auf dem vorigen Landtage unser Genosse Ulrich anstandslos als Schriftführer gewählt worden war, weigerten sich jetzt, trotzdem sich das Stärke⸗ verhältnis der Parteien zu Gunsten der Sozial⸗ demokraten verschoben hatte, die koalierten Nattonalliberalen, Ultramontanen und Bauern⸗ bündler, das Recht der Sozialdemokraten auf Vertretung im Prästdium anzuerkennen. Die Herren waren hiermit, zum Teil bewußt, zum Teil unbewußt, einer Inspiration aus der „Wormser Ecke“ gefolgt. Großmütig wollte man übrigens den Sozialdemokraten eine Ver⸗ tretung im Präsidium gewähren, wenn sich deren Vertreter verpflichte, allerhand dynastische und byzantinische Uebungen und Zeremo⸗ nien, die sich im Laufe der Jahre eingebürgert haben, mitzumachen. Unsere Genossen wiesen diese dreiste Zumutung natürlich entschieden zurück, erklärten sich indessen bereit, alle ver⸗ fassungsmäßigen Verpflichtungen, die dem Kammerpräsidium auferlegt, selbstverständlich zu übernehmen; sonst aber nichts. Die national⸗ liberal-antisemitisch⸗ultramontane Mehrheit teilte hierauf die Sitze des Prästdiums einfach ganz brüderlich unter sich und schloß die Sozial⸗ demokratie entgegen allem Recht aus.— Dieser Vorgang ist typisch, er zeigt, daß die bürger⸗ lichen Parteien aus Furcht vor der Sozial⸗ demokratie, gegebenenfalls auf Recht und Billig⸗ keit pfeifen in der naiven Meinung, dadurch die anstürmende Bewegung aufhalten zu können. Bei Beginn des Landtags brachte die sozial⸗ demokratische Fraktion ihre prinzipiellen Anträge und Forderungen, die zum Teil schon frühere Landtage beschäftigt hatten, wieder ein.(Wir haben diese Anträge bet Eröffnung des jetzigen Landtages abgedruckt. D. R.) Natürlich erschöpfen diese Anträge unsere Forderungen keineswegs.— Die beiden be⸗ deutendsten Materien, die den verflossenen Land⸗ tag beschäftigten, die Wahlrechtsreform und die Gemeindesteuervorlage, sind dem jetzigen Landtag von der Regierung bis⸗ lang noch nicht unterbreitet worden. Zwar sind ste in der sogenannten„Thronrede“ ange⸗ kündigt, jedoch soll dei der Wahlrechts vor⸗ lage erst„die Grundlage einer Verständigung“ gefunden und bei der Gemeindesteuervorlage erst eine„Einigung“ erzielt werden. Wie diese„Verständigung“ und„Einigung“ der Zweiten Kammer mit dem Einpauker der Ersten Kammer Frhrn. v. Heyl, erfolgen soll, steht noch dahin. Beide für das hessische Volk so bedeutsamen Vorlagen wurden von den Privi⸗ legierten der Geburt und des Geldsacks in der Pairskammer unter Führung Heyls vereitelt. Ein durch viele Kautelen gemildertes gleiches Wahlrecht wollten die„Herren“ dem Volk dann gnädigst zugestehen, wenn durch eine Erweiterung der privilegierten Herrenrechte dieses wieder kompensiert würde. Die Gemeinde⸗ stenervorlage brachten die„Herren“ im Wesent⸗ lichen aus dem Grund zu Fall, weil sie eine stärkere Belastung der größeren Vermögen nicht wollten. In einer devoten Ergebenheitsadresse als Antwort auf die Thronrede erklärten sich die bürgerlichen Landboten mit„lebhafter Freude“ und„Befriedigung“ bereit, in der Wahlrechts⸗ frage und bei einer„Einigung“ in der Gemeinde⸗ steuerfrage mitzuwirken. Nach so manchen Leistungen der bürgerlichen Landtagsmehrheit ist nicht ausgeschlossen, daß diese„Verständigung“ und„Einigung“ erfolgt zu Gunsten der Herren auf Kosten des Volkes. Die Sozialdemo⸗ kratie wird alles daran setzen, diese Möglichkeit zu nichte zu machen. Ein Zurückweichen der Volksvertretung vor dem Verlangen der Privi⸗ legierten darf nun und nimmer stattfinden. Da aber schwerlich anzunehmen ist, daß die Erste Kammer von ihren Forderungen abgeht und ste sich durchaus nicht scheut, jedem Volks⸗ empfinden frech in's Gesicht zu schlagen, so sind schwere parlamentarische Kämpfe für die nächste Zukunft wahrscheinlich. Eine weitere, ebenso schwierige wie kompli⸗ zierte Aufgabe harrt der Fraktion bei der den Landtag demnächst beschäftigenden Revision der Verwaltungsgesetze. Wer da weiß, welche Unmenge fosstler, fortschrittsfeindlicher, bureaukratischer, ja direkt unsinniger Bestim⸗ mungen, z. B.— um nur eins zu nennen— Landgemeinde⸗ und Städteordnung enthalten, der wird verstehen, daß es auch hier harte Kämpfe absetzen wird. Erinnert sei bei dieser Gelegenheit auch an die Nichtbestätigung von Beigeordneten, von Baumpflegern und— Nacht⸗ wächtern, weil ste sich zur Sozial demokratie bekennen oder nur als Sozialdemokraten„ver⸗ dächtig“ waren. Schon der Hinweis darauf möge zeigen, daß die veralteten Verwaltungs⸗ gesetze der Bureaukratie die fadenscheinige Unter⸗ lage bilden gegen den Artikel 18 der Verfassung 11 5„Alle Hessen sind vor dem Gesetze gleich.“ Wenn die sozialbdemokratische Landtagsfrak⸗ tion vorstehend in gedrängter Kürze dem Landes⸗ parlament der hessischen Sozialdemokratte einen Bericht ihrer Tätigkeit unterbreitet, so tut sie das in dem Bewußtsein treuer Pflichterfüllung und gewissenhafter Arbeit. von Nah und Lern. Ein teurer Prinz. In der Frkftr. Ztg. vom 10. August wird in folgendem Inserat ein Prinz auf dem Kuppel⸗ markte ausgeboten: Der Erzieher sucht für seinen mündigen Prinzen aus altem deutschen mediatisierten Fürstenhause eine Lebensgefährtin mit mehreren Millionen Mark Mitgift. Die Dame erhält Würden und Rechte einer Fürstin. Briefe unter 21,914 an die Exped. d. Blattes. Das Prinzlein will sich also nicht billig verkaufen! Außerdem ist aber das Inserat kenn⸗ zeichnend für die Anschauung, die in den fürst⸗ lichen Kreisen über die„Heiligkeit der Ehe“ herrscht. Erdbeben in Chile. Wieder ist Amerika von einer schweren Erd⸗ bebenkatastrophe heimgesucht worden und zwar ist diesmal Chile der Schauplatz des Unglücks, durch das mehrere Städte, vor allem Val pa⸗ raiso zum großen Teil zerstört wurden. Valparatso, die bekannte, an der Küste des stillen Ozeans etwa unter dem 33. südlichen Breitengrad gelegene Haupthafenstadt Chiles, zählt über 100000 Einwohner, zum weitaus größten Teile Weiße aller Nationen, worunter die Abkömmlinge der Spanier überwiegen.— Am vorigen Donnerstag Abend gegen 8 Uhr wurde die Stadt von einem furchtbaren Erd⸗ beben heimgesucht, ohne daß irgend welche An⸗ zeichen voraufgegangen wären. Hunderte von Menschen fanden den augenblick⸗ lichen Tod. Viele Hunderte liegen unter den Trümmern begraben, von denen wiederum viele den Tod in den Flammen gefunden haben. Sofort nach dem ersten Stoß brach Feuer aus und jeder öffentliche Verkehr hatte auf⸗ gehört. Die Panik und der allgemeine Schrecken, der hierauf folgte, waren unbeschreiblich. Das Geschäftsviertel der Stadt ist fast ganz vom Feuer zerstört. Der Brand wütete fort, und dichte Rauchwolken erfüllten die Straßen, wo Massen obdachlos Umhertrrender das furchtbare Unheil anstarrten. In den Theatern und Ver⸗ gnügungsetablissements, die zur Zeit der Kata⸗ strophe von einer sich dem Vergnügen hingebenden Menschenmenge gefüllt waren, spielten sich ent⸗ setzliche Szenen ab. Alles wollte den Ausgang gewinnen, wobei zahlreiche Personen totgetreten wurden. Weitere Nachrichten besagten, daß auch Teile der chilenischen Ortschaften Andes, Santa Rosa und De Los Andes durch das Erdbeben zerstört und viele Menschen umgekommen seien. e ee e, 5 28 55 5 8 5 5. 8 5 „ Arer haltung Teil. PPV ——— Die Mönche. Von A. Tschechow. Im fünften Jahrhundert, wie auch jetzt, stand die Sonne jeden Morgen auf und ging jeden Abend wieder zur Ruhe. Morgens, wenn die ersten Sonnenstrahlen die Tautropfen küßten, lebte die Erde auf, die Luft erfüllte sich mit Tönen der Freude, des Entzückens und der Hoffnung, abends aber wurde die Erde still und versank in düstere Finsternis. Ein Tag glich dem anderen, eine Nacht der anderen. Bisweilen kam eine Wolke gezogen, der Donner dröhnte zornig, oder es fiel vom Himmel ein allzu träumerischer Stern, oder ein blasser Mönch lief vorbei und erzählte den Kloster⸗ brüdern, er hätte unweit des Klosters einen Tiger gesehen— und das war alles; und nachdem glich wieder ein Tag dem anderen, eine Nacht der anderen. Die Mönche arbeiteten und beteten zu Gott, und ihr alter Klostervorsteher spielte Orgel, dichtete lateinische Verse und schrieb Noten. Dieser wunderbare Greis besaß eine merkwür⸗ dige Gabe. Er spielte Orgel mit solch einer Kunst, daß selbst die ältesten Mönche, die an ihrem Lebensende fast das Gehör verloren hatten, nicht die Tränen zurückhalten konnten, wenn aus seiner Klause die Orgel ertönte. Wenn er von etwas sprach, sogar von gewöhn⸗ lichen Dingen, von Bäumen, Tieren, vom Meere, konnte man ihm nicht ohne Tränen oder ohne Lächeln lauschen, und es schien, als ob in der innersten Seele dieselben Töne hallten, wie in einer Orgel. Wenn er aber zornig wurde, oder auch sehr freudig, oder von etwas Furcht⸗ barem und Großem sprach, so schwebte leiden⸗ schaftliche Begeisterung auf ihn nieder, aus seinen flammenden Augen flossen Tränen, das Angesicht errötete, die Stimme dröhnte wie Donner, und die Mönche, welche ihm lauschten, fühlten, wie seine Begeisterung ihre Seelen in Fesseln schlug; in diesen herrlichen, wonnevollen Augenblicken war seine Macht grenzenlos, und hätte er seinen Mönchen befohlen, sich ins Meer zu stürzen, sie hätten sich alle mit Begeisterung beeilt, seinen Willen zu erfüllen. Seine Mustk, seine Stimme und seine Verse, in denen er Gott, Himmel und Erde pries, waren für die Mönche ein Quell immerwährender Freude. Es kam manchmal vor, daß infolge 1 dom und 0 bare Vel an- nden ent⸗ gung Leten Tele Rosa stört . — n ö——ç— — — ̃— Nr. 34. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 7. der Eintönigkeit ihres Lebens sie der Bäume und Blumen, des Frühlings und Herbstes über⸗ drüsstg wurden, daß das Brausen des Meeres ihr Gehör ermüdete, der Vogelgesang ihnen unangenehm erschien; aber die Talente des alten Priors brauchten ste, wie Brot, jeden Tag. Viele Jahre verstrichen, und immer glich ein Tag dem anderen, eine Nacht der anderen. Außer wilden Vögeln und Tieren gewahrte man niemand in der Nähe des Klosters. Die nächste menschliche Wohnung war weit, und um ste zu erreichen oder von ihr nach dem Kloster zu kommen, mußte man durch eine hundertmeilige Wüste wandern. Diese Wande⸗ 51 5 zu unternehmen, wagten nur Meuschen, die das Leben verachteten, ihm entsagten und ins Kloster, wie ins Grab, gingen. Wie groß war also die Verwunderung der Mönche, als einmal, spät in der Nacht, an ihren Toren ein Mensch anklopfte, ein Städter und noch dazu ein gewöhnlicher Sterblicher, der das Leben recht gern hatte! Noch ehe er den Prior um Segen gebeten und selbst gebetet hatte, forderte dieser Mensch Wein und Essen. Auf die Frage, wie er von der Stadt bis ins Kloster gekommen ist, brachte er eine lange Jägergeschichte vor: Ging auf die Jagd, hab zu viel getrunken und hab mich verirrt. Auf den Vorschlag, Mönch zu werden und seine Seele vor Verderbnis zu retten, antwortete er lächelnd:„Ich passe nicht zu euch“. Nachdem er sich satt gegessen und getrunken hatte, sah er die Mönche, die ihn bedienten, an, schüttelte vorwurfsvoll den Kopf und sagte: „Nichts tut ihr, ihr Mönchsbrüder. Nur das Essen und Trinken versteht ihr. Kann man denn so seine Seele vor Verderbnis retten? Denkt doch einmal, daß, während ihr hier ruhig sitzt, eßt und trinkt und vom Paradies träumt, eure Nächsten verderben und in die Hölle gehen. Seht doch einmal an, was stch in der Stadt tut! Die einen sterben vor Hunger, die anderen wissen nicht, was mit ihrem Golde anzufangen, 955 unter in Sünde, wie Fliegen im Honig. ie Menschen haben keinen Glauben, kein Ge⸗ fühl für Gerechtigkeit. Weß Sache ist es, ste zu retten? Weß Sache ist es, ihnen zu predigen? Doch nicht ich kanns tun, armer Sünder, der von früh bis Abend berauscht ist? Hat denn Gott euren ergebenen Geist, euer liebendes Herz und euren Glauben euch nur dazu gegeben, ihr sollt hier in den vier Wänden sitzen und faulenzen?“ Ausverkauf in Oberhesl Kleid Das Geschäft hält jährlich einen, höchstens zwei Ausverkäufe und bietet dann, wie bekannt, stets Ausser gewöhnliches N Der Prior erblaßte und sprach zu seinen Mönchen: „Brüder! Er hat doch recht! Die armen Menschen, die Unwissenden und Schwachen, verderben in Laster und Unglaube, und wir sitzen hier, als ob es uns gar nichts anginge! Warum sollte ich nicht hingehen und sie an Christus, den ste vergessen, erinnern?“ Von den Worten des Städters hingerissen, nahm der Greis schon am folgenden Tage seinen Stab, verabschiedete sich von seinen Kloster⸗ brüdern und wanderte in die Stadt. Und die Mönche blieben ohne Mustk, ohne seine Reden, ohne seine Verse. (Schluß folgt.) —— Splitter. Der Anfang der Erziehung fällt schon in jenen Augenblick, wo das Kind ans Licht und mit der umgebenden Welt in Berührung tritt, und wo die Liebe pflegend und leitend auf das⸗ selbe wirken kann. Demeter. ** . Alle Moral muß aus der Fülle des Herzens kommen, von der der Mund übergehet; man muß ebenso wenig lange darauf zu denken, als damit zu prahlen scheinen. Lesfing. * ** Wer eine Lüge sagt, ist sich nicht bewußt, welche große Aufgabe er damit unternimmt; um diese eine Lüge aufrecht zu erhalten, wird er gezwungen, zwanzig zu erfinden. 5 ope. Humoristisches. Ach so! Lehrer:„Schreibe einmal an die Tafel Ich liefere hunderttausend Kaki's! Aber schreib's schön, sonst kommst Du nicht wieder dran!“ Der kleine Tippelskirch:„Auf's Schönschreiben kommt's nicht an! Ich schmiere lieber!“ Am Fluß. Städter(der angeln will, zum Einheimischen):„Wo ist denn hier wohl eine günstige Stelle zum Fischen?“„G'rad' wo Sie stehen; da können Sie am besten sehen, wann der Gendarm kommt!“ Ein besorgter Gatte. Herr(zum Arzt, der eben in seiner Stammkneipe Skat spielt):„Um Gottes willen, Herr Doktor, meine Frau stirbt; kommen Sie doch sofort hin— lange!“(Meggend. Bl.) Aus der Schule. Lehrer: Ihr habt nun gehört, welch' fürchterliche Folgen der unmäßige Genuß von Alkohol nach sich zieht. Nun sage mir mal, Wilhelm, was geschieht mit solchen Leuten, die schon in ihren jungen Jahren, anstatt sich würdig für's Leben vorzubereiten, fortgesetzt dem Alkohol fröhnen? Wilhelm(Sohn eines Geheimrates): Sie kriegen das Delirium, machen schließlich ihr Examen und treten daan in den Kolonialdienst.(W. Jak.) Die Antisemiten behaupten, daß nur Rothschild den Krieg erklären kann. Deshalb müssen sie gegen den Krieg sein, da er ja nur mit Judengeld geführt wird Die Firma D. Kaminka, Marktplatz 11, am Kriegerdenkmal, hält sich als anerkannt reelles und leistungsfähiges Geschäft am Platze, zum Bezuge von Uhren⸗Gold⸗ und Silberwaren auf das Angelegent⸗ lichste empfohlen. Reparaturen und Gravierungen prompt und preiswert. 5 Partei-Nachrichten. Die sozialdemokratische Jugendorgani⸗ sation hält im Anschluß an den Parteitag ihre erste Generalversammlung ab. Sie beginnt am Sonn⸗ tag, den 30. September, vormittags 8 Uhr in Mann⸗ heim im Lokale„Karl Theodor“. Als Tagesordnung ist festgesetzt: 1. Geschäftsbericht; 2. der deutsche Partet⸗ tag und die Jugendbewegung; 3. die kapitalistische Aus⸗ beutung der Jugend; 4. Jugend und Alkohol; 5. Milt⸗ tarismus; 6. Beratung der Anträge; 7. Wahl des Vorstandes und des Ortes, an dem die nächste General⸗ versammlung stattfinden soll. „Die neuen Reichssteuern, wie sie wurden unb was sie bedeuten“, betitelt sich eine im Verlage des Vorwärts erschienene, von Eduard Bernstein ver⸗ faßte Broschüre. Am 19. Mat 1906 hat der Deutsche Reichstag ein Steuergesetz beschlossen, durch welches die Steuersast des deutschen Volkes nach Schätzung der Väter des Gesetzes um mindestens 200 Millionen Mark jähr⸗ lich gesteigert wird, Der volkswirtschaftliche Charakter dieses Gesetzes, die Natur der einzelnen dieser Steuern, sowie die Art, wie dieses Stück Gesetzgebung zustande kam, bildet ein für die gegenwärtigen politischen Zustände in Deutschland und die im Deutschen Reichstage maß⸗ gebenden Parteien im höchsten Grade bezeichnendes Kapitel. Es der Arbeiterschaft Deutschlands in gemein⸗ verständlicher Form vorzuführen, ist der Zweck dieser Broschüre, die mit einem Kapitel über agrarisch⸗kapita⸗ listische und sozialdemokratische Steuerpolitik schließt. Sie wird allen Parteigenossen zur Belehrung dringend empfohlen! Der Preis beträgt 30 Pfg. Eine Agita⸗ tionsausgabe wird zu billigerem Preise geliefert. Für den Wahlkreis Worms⸗ Heppenheim stellten unsere Parteigenossen den Arbeitersekretär Engel⸗ mann als Reichstagskandidaten auf. ich vertrete Sie so ki⸗Bazur i Marburg. Die Einzelheiten und hervorragend billigen Fachen werden an dieser Stelle noch bekannt gegeben, hierunter gebe ich nur eine Aufstellung der zum Ausverkauf gestellten Artikel. 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September 1906 nachmittags 4 Uhr: Eine erste Firma sucht für hie⸗ sigen Bezirk einen fleißigen gut empfohlenen Mann zum Verkauf und Inkasso eines hoch⸗ Lassalle feler bg Im Lokale Hinterlang. Festrede gehalten von Stadtverordneten E. Krumm. Zu dieser Feier laden wir alle Arbeiter ein und erwarten zahlreichen Besuch. Der Vorstand des sozialdemokr. Wahlverein Giessen. Kaution stellen können, wollen Offerten unter 190 an die Geschäftsstelle senden. Vackktörbe, 2 kauf en Benner& Krumm. Wilhelm Peppler, onrmacher Wieseck, Gießener Straße Empfiehlt sein reichhaltiges Lager in 2 Regulatoren, Wand-, Weck- und Taschenuhren sowie Gold- und Silberwaren Wacker von 2.50 Mk. an Taschenuhren von 5 Mk. an Für Gesellschaften und Ausflügler! 5 Wo gehen wir nächsten Sonntag hin? Gleiberg! mach dem 106 Wo kehren wir ein? „Im sehwarzen Wallfis Da gibt es gute Speisen und ff Bier von Friedel u. Asprion. 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