. gen. elter bei bei ds bei del⸗ del U ——— Sonnt e e ————.———————— Gießen, den 25. Februar 1906. 13. Jahrgang. Nebaktion: Kirchenplatz 11. Schloßgasse. Mitteldeutsche 8-30 Redaktionsschluß: Donnerztag Nachmittag 4 Uhr itung Abonnementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Postanstalt und die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 5107) Bestellungen Juserate a finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% ͤ bei 6 mal. Bestellun 33 ¼% und bei mindestens 22 mal. Aufgabe 500% Rabatt. Bei mindestens Kottenlasten und Arbeiter ⸗Interessen. Die Sozialdemokratie lehnt die neue Flotten⸗ vorlage in erster Linie deshalb ab, weil ste prinzipielle Gegnerin der kapitalistischen Welt⸗ olitik überhaupt ist, zweitens deshalb, weil sabst vom richtig begriffenen Standpunkt bürger⸗ licher Handels- und Industrie⸗Interessen, vom sozialreformerischen und friedenspolltischen Standpunkt aus, die deutsche Flottenpolitik ein vollendeter Nonsens ist, und weil die Festlegung von Flottenbauplänen auf lange Jahre hinaus dem Etatrecht des Reichstags, dem verfassungs⸗ mäßigen Grundrecht, geradezu ins Gesicht schlägt. Ein weiterer Grund, der die schroff ablehnende Haltung der Sozialdemokratte stützt, ist die Tatsache, daß die Lasten der ganzen Welt⸗ machtspolitik systematisch auf die Schultern der Armen abgewälzt werden. Wir erklären: wollen die Herrschenden schon einmal die auch für sie selbst schlteßlich mördertsche Wettrüsterei weiter betreiben, so mögen sie auch die Kosten dieses Selbstmords bezahlen! Sind die Ver⸗ treter von Handel und Industrie in der Tat so naiv, ernsthaft zu glauben, daß sie durch eine große Kriegsflotte ihr Gesa äftsrisiko ver⸗ ringern müssen, so mögen ste die unkosten dieser Risikoprämie auch aus eigenen Mitteln decken! Das arbeitende Volk hat nicht den mindesten Anlaß, die Kosten für die höchst verderblichen Torheiten anderer Klassen zu übernehmen. Es ist nützlich, sich wieder einmal zu ver⸗ gegenwärtigen, welche ungeheuren, dem arbei⸗ tenden Volke abgenommenen Summen bereits in die deutsche Flotte, dies gemeingefährliche Spielzeug, hineingesteckt worden sind! Als im Jahre 1897 der Flottentaumel be⸗ gann, ergab sich aus den dem Reichstage da⸗ mals vorgelegten amtlichen Nachweisen, daß seit der Reichsgründung die Bevölkerung des Reichs um 27,40, die fortdauernden Ausgaben fü die Flotte bis dahin bereits um rund 527 Prozent zugenommen hatten, d. h. um das Neunzehnfache der Bevölkerungszunahme ge— stiegen waren; entsprechend waren auch die einmaligen Ausgaben gewachsen. Dann kam die Thronbesteigung Wilhelms II., und nun wuchsen die Kosten rapid. Sie wuchsen bis auf 117 Mill. Mark im Etat für 1897/98 an. Im ganzen waren in den acht Jahren, die dem Regierungsantritt Wilhelms II. unmittelbar vorangingen, 385 462 300 Mk. für die Flotte 5 1 worden, in den acht Jahren von 1890/91 bis 1897/98 jedoch 685 575 300 Mk. Und dann erst begann das eigentliche Ell⸗ zugstempo in der Flotteurüstung. Es wurden, und zwar ohne die Kosten des Penstousfonds und ohne die Zinsen der Reichsschuld, soweit diese auf die Marineausgaben fallen, ausge⸗ geben: 1897 114 024 800 Mk. 1898 125 566 000„ 1839 153 899 100„ 1900 156 973 100„ Auf dieser Höhe hielt sich dann auch in den folgenden Jahren der Etat. Nun aber sollen — nach dem neuen Flottenplan, der ohne jeden Zweifel, wie bisher jeder derartige„Plau“, nach kürzester Zeit als völlig unzureichend über Bord geworfen werden wird— die Kosten in den nächsten Jahren sich folgendermaßen steigern: 1901 207 484 200 Mk. 1902 217 110 900„ 1903 247 266 800„ 1906 251 800 000 Mk. 1913 327 650 000 Mk. 1907 273 920 000„ 1914 323 060 000„ 1908 286 860 000„ 1915 324 450 000„ 1909 307 350 000„ 1916 324 850 000„ 1910 315 350 000„ 1917 329 850 000„ 1911 820 350 000„ Während der Flottenplan von 1900 für den Zeitraum von 1906 bis 1917 eine Gesamt⸗ ausgabe für die Flotte von 3166,88 Mill. Mk. vorsah, sollen die Kosten nach dem allerneuesten Plan, wie aus der oben gegebenen Tabelle hervorgeht, 3711 Mill. Mark betragen; das bedeutet ein Mehr von 544 Mill. Mark. Das ist aber, wie die Leser wissen, den Flottenpatrioten auch nicht annähernd genug, und die an den Marinelieferungen finanziell interessterten Flottentreiber haben einen„Peti⸗ tionssturm“ zu entfachen gewußt, der Regierung und Reichstag veranlassen soll, weit über den Rahmen der„absolut ungenügenden“ neuen Flottenvorlage hinauszugehen; an der Spitze dieser„nationalen Bewegung“ steht das Organ der für die Flotte liefernden westdeutschen Groß⸗ industriellen, die Rheinisch⸗Westfälische Zeitung. Stellt man sich vor, welch gewaltiger Nutzen mit den angeführten, für die Flotte aufgewendeten Riesensummen hätte gestiftet werden können, wenn man sie aufgewandt hätte für soztalpolitische Zwecke, etwa für die Inaugurierung einer Wohnungsreform großen Stils, für Verbesserung der Arbesterversicherungs⸗ gesetzgebung, für Ausbau der Fabrikinspektion, für eine gründliche Hebung der Volksschule, so begreift wan, was es mit dem Geschwätz auf sich hat, die Flottenpolitik liege im eigensten Interesse der Arbeiter! Umgekehrt wird ein Schuh daraus: alle die gewaltigen Geld⸗ massen, die in die Flotte hineingesteckt werden, entzieht man der Sozialpolitik, ganz abgesehen davon, daß man schon mit der Art ihrer Auf⸗ bringung durch indirekte Steuern und Wucher⸗ zölle die Lebenshaltung des Proletariats auf das empfindlichste schmälert, abgesehen weiter von all den zahllosen indirekten Schädigungen, die die Weltmachtspolitik für das Proletariat unvermeidlich im Gefolge hat! Aber, so wendet man ein, kommen denn nicht die in die Flotte gesteckten Milliarden dem Nationalwohlstand, der Volkswohlfahrt wieder zugute, indem ste Zehntausenden Be⸗ schäftigung und damit Lebensunterhalt gewähren. Nur gemach! Erstens fließt nur ein Teil der den Massen abgenommenen Milliarden in Gestalt von Arbeltslöhnen wieder in das Volk zurück, während ein andrer sehr großer Teil, als Mehrwert, als Profitrate, als Unternehmer⸗ gewinn in die unergründlich tiefen Taschen der Flottenlieferanten wandert. Man frage nur die Krupp und Konsorten, woher ihre Millionen⸗ Vermögen stammen! Und dann: welch ein ver⸗ nichtendes Urteil ist es für das ganze kapita⸗ listische Wirtschaftssystem mit all seinem Wider⸗ sinn, wenn die Milliarden kostende Produktion von absolut überflüssigen nicht nur, sondern direkt gemeingefährlichen Dingen sich immer noch als eine Art volkswirtschaftlicher„Vor⸗ teil“ darstellt! In demselben Sinne ist bekannt⸗ lich auch die Produktion der zahllosen un⸗ innigen Luxuswaren, deren die Reichen„be⸗ dürfen“, ein volkswirtschaftlicher„Nutzen“, weil er zahlreichen Arbeitern in der Bljouterie⸗, Papter- oder Kleiderbranche Beschäftigung gibt! Wie viel ersprießlicher wäre es aber auch rein volkswirtschaftlich, um das auch einmal mit aller Schärfe hervorzuheben, man ließe die Milliarden dem Volke; dann würden sie auch nicht auf die„hohe Kante“ gelegt, sondern verwandelten sich gleichfalls in Arbeitslohn! Sie flössen dann, von dem Mehrwert abgesehen, den auch hier natürlich, so lange die kapita⸗ listische Produktionsweise besteht, das Unter⸗ nehmertum einsäckeln würde, den Maurern und Zimmerleuten zu für den Bau gesunder Arbeiter⸗ wohnungen, den Textilarbeitern, so daß jeder Mann, jede Frau und jedes Kind aus dem Volke sich gut und warm kleiden könnte, den Bäckern und Metzgern, auf daß jeder Proletarter sich satt esse! Dann hätte man auch„für Beschäftigung gesorgt“, und zwar für nütz⸗ liche Beschäftigung! Ist es also den Flotten⸗ freun den, die sonst so sehr um das stete Vor⸗ handensein einer großen Reservearmee billiger und williger Arbeitskräfte besorgt sind, wirk⸗ lich ernst mit ihrem beim Flottenrummel be⸗ tonten Wunsche, durch Vermehrung der Be⸗ schäftigungsgelegenheit die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen: hier ist Rhodus, hier tanzt! Hier wird die Arbeitskraft nicht sinnlos und gefährlich vergeudet, wie beim Flottenbau, hier 1 5 55 nutzbar gemacht für die gesamte ation. B. Aus dem Reichstage. Die Beratung des Etats des Reichsamts des Junern wurde am Mittwoch unterbrochen, an welchem Tage die erste Beratung des sozialdemokratischen Antrages betreffend die Volksvertretungen in den Bundes⸗ staaten sortgesetzt wurde. Als erster Redner ergriff Bebel das Wort, der in längerer packender Rede die von den Rednern der andern Parteien gegen den Antrag vorgebrachten Einwendungen zurück⸗ wies. Er führte aus: Unser Antrag ist zwar in erster Reihe dazu bestimmt, agitatorisch zu wirken, aber auch sachlich ist er durch⸗ aus einwandfrei. Die Kompetenzbedenken sind um so törichter, als sie von Männern ausgehen, die im preußischen Landtage beständig Eingriffe in die Kom⸗ petenz des Reichstags versuchen. Die platonische Liebes⸗ erklärung des Zentrums für das allgemeine Wahlrecht hat schon wegen ihrer Zweideutigkeit gar keinen Wert. Seit Windthorst hat das Zentrum nichts für das preu⸗ ßische Wahlrecht getan; ebensowenig die Regierung und die andern bürgerlichen Parteien. Daß jetzt die Frage endlich in Fluß gekommen, ist das Verdlenst unsrer Partei und ihrer Demonstration am 21. Januar. Mit den Ausschreitungen in Hamburg hat die Sozial⸗ demokratie gar nichts zu tun. Die Polizei hat eine an sich unsichere Gegend gerade an diesem Tage von allen Schutzleuten entbößt und hat damit den radau⸗ lustigen Elementen Anlaß zu Tumulten gegeben, die niemand mehr bedauert als wir. Die Hamburger und Lübecker Pfeffersäcke haben den Wahlrechtsraub perfekt gemacht, den schon die Scham hätte verhindern müssen. Hatten doch die Hamburger Arbeiter im Jahre 1892 die Cholera tapfer bekämpft, während die Bourgeoisie feig geflohen war, und hatten sie doch deshalb eine Erweiterung des Wahlrechts zugestanden bekommen. Herr Dr. Klügmann, ein gebeldeter Mann, hat eine erstaunliche Unwissenheit über die soztal⸗ demokratischen Ziele an den Tag gelegt. Glaubt er wirklich, wir wollen im Zukunftsstaat nur von spar⸗ 0 Seite 2. Mittel deutsche Senntags- Been · tanischer sckwarzer Suppe leben und aus angeblicher Feindschaft gegen den Handel nichts importieren? Wenn eine Partei für die Freiheit des Handels eingetreten ist, so war es gerade die Sozialdemokratie. Gleich un⸗ wissend zeigte sich Herr Bassermann, der fürchtete, wir würden in einem kleinen Staate wie Hamburg oder Lübeck eine Art Generalprobe auf den Zukunftsstaat machen. Da würden die Preußen wohl rasch einrücken. Herr Bassermann behauptete, die Nationalliberalen seien stets für zeitgemäße Wahlrechtsreformen eingetreten. Sie waren es, die 1895 im Bunde mit den Konservativen den sächsischen Arbeitern ihr Wahlrecht geraubt haben! Fürchten Sie unsere Alleinherrschaft, so führen Sie doch das Proportionalwahlrecht eln! Werden Sie also doch nicht gleich nervös über jeden Sozialdemokraten im Parlament mehr. Aber freilich, Ihnen ist der Gedank⸗ schrecklich, es könnten einmal 50 Sozialdemokraten im Abgeordnetenhause sitzen. Nein? Nun, dann lassen Sie uns doch hinein!(Sehr gut! links.) Man sagt, wir seien die schlimmsten Feinde der Sozialpolitik. Aber wer glaubt, das Bürgertum liebe die fortschreitende Sozlalreform, kennt es nicht oder belügt sich. Früher, namentlich wenn sie sich um unsre Stimmen bewarben, haben die Nationalliberalen sich ganz anders über uns ausgelassen. In Baden z. B. waren wir die guten lieben Freunde und Brüder.(Heiterkeit.) Und die viel⸗ gerühmte„mildere“ Tonact der süddeutschen Sozial⸗ demokratie ist doch nur eine Folge ihrer besseren Be⸗ handlung durch den Staat. Herr Bassermann warnte so sehr vor der Revolution. Diese Angst vor der Revolution hat er ererbt. Schon seine Vorfahren fürchteten die Revolution— daher die Bassermannschen Gestalten. Um das Ziel der russischen Kämpfe in die eigenen Wünsche aufzunehmen, braucht man kein Sozialdemokrat, kein Liberaler, nur ein Menschenfreund zu sein. Wenn Sie daran denken, wofür Ihre Väter 1848 kämpften, müßten Sie mit uns das fluchwürdige Regiment des Zaren aufs tiefste hassen. Denken Ste doch an alle die andern bürgerlichen Revo⸗ lutionen. Trat nicht mit dem 18. März, dessen Jahres⸗ tap wir demnächst feiern werden, Preußen in die Reihe der modernen Staaten ein? Aber freilich, wenn man die Nachkommen der Revolutionäre, die Mugdan und Bassermann, jetzt arsieht, so fällt einem das Herz in die Hosen. Herr Bassermann zitierte viel aus der sozialdemo⸗ kratischen Presse. Aber alle L iistungen unserer Presse und unserer Redner sind nur ein Säuseln gegenüber dem Sturmwind der jungen bürgerlichen Demokratie. Läse ich Ihnen Proben aus der Jugendzeit der Jordan, Rudolf v. Gottschall, Dingelstedt usw. vor, Ihre Haare würden sich sträuben, soweit Sie sie noch haben. Soll ich Sie au alle die Märtyrer und Vorkämpfer Ihrer Revolution erinnern? Wahrlich, hätten Sie noch eine Spur freiheitlichen Empfindens in sich, Sie müßten Ihre Geschichte lobpreisen! Einst bot Miquel sich Marx zur Organisierung von Baucrnaufständen an, aber noch 10 Jahre später als„gefestigter Mann“ drohte er den Hohenzolleru„das Schicksal der Bourbonen“ an. Da sollten Sie sich doch hüten, mit solchen Waffen gegen eine Partei zu kämpfen, die zunächst nur eine große Zahl von Forderungen des Bürgertums durchsetzen will. Aber das Bürgertum geht immer mehr zurück in den Sumpf— und darum(laubt es, wir würden immer revolutionärer. Der Freisinn erklärt das allgemeine Wahlrecht für eine Notwendigkeit; aber seit Rickerts Tode hat er nichts dafür getan. Schon 1872 hat Ziegler, als der Freisinn uns wieder einmal im Bunde mit der Reaktion verriet, empört zu mir gesagt:„Wenn Ihr einmal die Macht habt, hängt Ihr uns ja alle an die Laterne!“ Na, das habe ich ihm dann auch versprochen,(Stürmische Heiterkeit.) Wir wollen keinerlei Vorrecht, auch keins des Geschlechts. Aber der Freisinn leistet der Reaktion lieber Vorspann. Wir wissen ja, daß wir bet den nächsten Wahlen mit einer geschlossenen Gegnerschaft aller bürgerlichen Parteien zu rechnen haben werden. Aber je klarer die Situation, desto besser für uns, und je mehr Sie sich mit der Reaktion kompro⸗ mittieren, desto mehr freuen wir uns. Es war mir charakteristisch, daß Graf Posadowskys Rede eine klare Absage an das allgemeine Wahlrecht in Preußen enthielt. Nur dann soll die Arbeiterklasse ihr Recht erhalten, wenn sie ihr ganzes politisches Glaubens⸗ belenntnis verleugnet. Niemals aber darf die Gesinnung, das Bekenntnis zur Voraussetzung politischer Rechte ge⸗ macht werden. Graf Posadowsly wählt selbst in der dritten Wählerklasse. Aber die Hunderttausende deuischer Arbeiter empfinden das Entwürdigende einer solchen politischen Entrechtung. Am 21. Januar haben die herrschenden Klassen und Männer ihre ganze Gewalttätigkeit verraten, haben sich dem Hohngelächter der ganzen Welt preisgegeben. Mein Gerechtigkeitsgefühl aber zwingt mich, von dieser Stelle aus dem Berliner Polizeipräsidenten meine „allerhöchste“ Anerkennung auszusprechen.(Stürmische Heiterkeit im ganzen Haufe, die lange Zeit sich immer wieder erneuert.) Mit seiner Besonnenheit verdanken wir es der freiwilligen Disziplin des Proletariats, daß 1 ö lief. D letariat 242 b. 8 d e g deb, ben ene Politische Nundschau. die Gesetzlichkeit tötet Sie. Stöcker sollte uns wirklich nicht für kreuzhageldumm 10 e 1165 Gießen, den 22. Februar 1906. die Kleinkalibrigen vorzugehen. en Kindern ist n von ihren sozlaldemekratischen Eltern, sondern von ihren Zur Reichserbschaftssteuer Lehrern die Angst vor dem 21. Januar eingejagt 5 worden. Ich war immer ein großer Lehrerfreund, aber 1 95 ende un el Reichstags am 21. Januar haben sie ein ungeheueres Maß von. Borniertheit gezeigt. Stöcker hat wirklich hier nicht J. Die Erbschaftssteuer beträgt: als Ehrist geprochen. Sein Fanatismus zeigt sich in für jede Nachlaßmasse im Werke von ne„ ans vom Hundert 2001 bis 3000 Me. seinem verzerrten Gesicht. Fürst Bülow merkt die agra b) eineinhalb. 3001„ 5000 rische Fliege hinter seinem Rücken, aber, wenn die Ar⸗ 5* beiter Befreiung aus ihrem Helotentum fordern: hat er 0 1 5 2 N 3. 29995 1 eine Rhinozeroshaut und der Freiherr v. Heyl findet, 5 4 2 20 001 5 30000 7 daß ihm die Rhinozeroshaut ausgezeichnet steht. Aber 3 fünf 5 2 30001 4 40000 1 die Bewegung ist im Fluß, und wenn nicht anders, 155 7 8 40001 2 50000 0 wird sie in einer neuen 4. August⸗Nacht endigen. Der 50 siebe 1 5. 50001 9 75000 2 Arbeiter fühlt sich als Staat 3bürger, er verlangt J acht 2 5 75001 2 100 000* seine Menschenrechte und wird sie sich nehmen, wenn] I neun 2. 100001 2 200 000 2 man sie ihm nicht gibt. Wir erobern uns die Zukunft, 9 zehn 25 25 200001 5 300 000 5 wir erobern uns unser Recht! 5 10 af 4 1 300001 6 400 000 7 Der Hamburgische Senator Klügmann sah n) zwölf 5 1 400 001„ 500 000„ ein, daß es für ihn ein vergeblicher Versuch[o) dreizehn, 1 500 001„ 1000 000„ gewesen wäre, die wuchtigen und eindringlichen[p) vierzehn„ 1 1000 001„ 5000 O00„ Ausführungen Bebels zu widerlegen. Er) fünfzehn 5000 001„ 10 000 000„ stammelte daher blos einige verlegene Bemer⸗) sechzehnn„ 10000 001 Mt. und darüber. kungen. Und die auf die prächtige Rede Bebels Mit dem Inkrafttreten dieser Steuer sollen folgende Debatte sank schnell von der Höhe die Salzsteuer und der Petroleumzoll herab. Der alte Nationalliberale Büsing außer Erhebung kommen. hielt eine überpatriotische Pauke. Er wurde Nach einem Antrage des Zentrums soll gar poetisch und gab Kyffhäuserphantasten zum die Erbschaftssteuer so gestellt werden, daß sie besten, statt sich mit der aktuellen Prosa der statt der 48 Millionen Mark, die die Regierungs: Wahlrechtsfrage zu befassen; sein Fraktions. vorlage als Ergebnis vorgesehen hat, 132 genosse aus Hamburg, Semler, feierte das Millionen Mark einbringen soll. 4 Geldsackswahlrecht als historische Eigentüm⸗ Eine ganze Liste Steuerprojekte sind noch lichkeit der Elbstadt, wie der obotritische Junker eingebracht worden. Ein Zentrumsmann hat v. Malzan für die historischen Eigentümlich⸗ z. B. die Ansichtspostkarten⸗Steuer aus⸗ keiten des Landes mit dem Ochsenwappen ein⸗geheckt, die auf jede Karte 2 Pfg. betragen soll. 1 trat. Prügelheld Bruhn flegelte in gewohnter Außerdem soll noch die Wehrstener einge⸗ Weise und Liebermann v. Sonnenberg weinte führt werden, die 30 Millionen Mark ein⸗ i außen kreft 5 cen A. d bringen soll. nigermaßen kräftig sprachen Dr. Pachulcke von der Freisin igen Vereinigung, der darauf Zum Landtagswahlkampf in Bayern hinwies, daß Mecklenburg hinter Montenegro ruft unser dortiger Landes vorstand die Partei⸗ und[Persien marschiert, und der elsässische] genossen auf. Die nässten boherischen Wahlen Demokrat Dr. Blumenthal, der die schwarzen werden vermutlich im Mat 1907 statt finden. Listen der reichsländischen Behörden erwähnte. Zum ersten Male könne bei den direkten Diese schwarzen Listen erklärte alsdann der] Wahleu die Partei ihre Landtagswähler genau Geheimrat Halley für eine notwendige reichs⸗ zählen. Um so mehr bestehe die Pflicht, völlig ländische Institution. selbständig in die Wahlen einzutreten. Die * e 105 e e den Donnerstag wurde die Beratung der ein⸗ Hauptgrund des Wahlabkommens mit anderen zelnen Etats⸗Titel des Reichsamts des Innern Parteien. Die ersten Wahlen auf Grund 13 fortgesetzt und ein Antrag auf Reviston des direkten Systems müßten zur eee 2 Weingesetzes erörtert. Dazu hielt unser Genosse parlamentarischen Einflusses der baverishen f. Ehrhardt eine mit witzigen Bemerkungen Sozialdemokratie und damit zur rascheren Ver⸗ 1 gewürzte Rede, in der er die Ehre des Pfälzer wirklichung unserer Programmforderungen bei⸗ Weins, die von vielen Weinpantschern xampo⸗ tragen. a i 17 zu 8 5 feel Die 0 f Militärisches Schreckensurteil. arüber dauerte auch am Freitag noch ere; Vor dem Kriegsgericht in Lübeck kam am an welchem Tage Dr. David von unserer 16. Februar der Fall 115 Verhandlung, der Seite sprach.— Beim Reichsgesundheitsamt am Samstag kritisterte Genosse Hu in vor⸗ in ganz Demischtand großes Aufsehen erreßt züglicher Rede die Gesundheitsverhältnisse im bach N gage n 5 J 5 Ruhrrevier und hielt gegenüber den Ausstellungen Leue lein nie des edlen Brüderpaares Beumer Stöcker seine Maunschaft beltebten 10 wege 1 Ausführungen über die grauenerregenden Zu⸗ dergeschlagen und hatts sich de 1 08 ben stände auf den Walzwerken und in den Zink⸗ antworten. Auf der Anklagebank hatte neben hütten vollinhaltlich aufrecht ihm der Unteroffizier Hansen Platz nehmen 7 müssen, um sich wegen vorschriftswidriger Be⸗ Am Montag wurde von unseren Genossen] handlung Untergebener und wegen Urderlasseug 5 ——— Kästen, Stadthagen und Molkenbuhr einer Meldung zu verantworten. Dem F auf eine Reihe Mißstände im Versicherungs⸗ liegt folgender Tatbestand zu Grunde: Unter- wesen und der Rechtssprechung hingewiesen. offizter Hansen ließ am 6. Jau, morgens auf Unsere Reduer wiesen ferner die von bürger⸗ der Mannschaftsstube Griffe üben. Obwohl 5 licher Seite gegen die Sozialdemokratie er⸗ Gloy die Sache machte, so gut er konnte, erhielt hobenen Angriffe zurück und zeigten, daß nicht er von Hansen einen Stoß gegen die Brust, die Sozialdemokratie, sondern die bürgerlichen] daß er rückwärts an einen Schrank fiel. oh Parteien und besonders das Zentrum schuld stieß darauf mit dem Gewehrkolben nach den sind, an der Verschlechterung der Versicherungs⸗ Unterofftzier. Sofort ließ er dann die ganze gesetze.— Posadowsky kündigte die„Reform“] Korporalschaft in die Kniebeuge gehen und des Krankenkassengesetzes au. Am in dieser Stellung ungefähr eine halbe Dienstag wendete sich Abgeordn. Ledebour Stunde Griffe üben. Infolge dieses gegen eine neue Forderung von 200 000 Mk.„Schleifens“ waren die meisten Leute bei der für den Ausbau der Hohkönigsburg im darauf auf dem Kasernenhofe folgenden Uebung Elsaß. Er verlangte, daß der Kaiser, wie es unter dem Kommando des Leutnants Heerlein die Regierung früher versprochen habe, den schlapp. Sie marschierten so schlecht, daß es Rest der Bausumme selbst bezahlen solle. selbst einem anderen Korporalschaftsführer auf⸗ N fiel. Leutnant Heerlein, der von der voran⸗ egangenen langen Uebung keine Ahnung halte, forderte Gloy, der besonders schlecht N 085 S E S M. r= x=( Nr. 8. — E PPP MNitteldentsche Sonnags⸗Zeitung. Seite 3. marschierte, obwohl er sonst ein guter Soldat war, auf, die Beine besser zu werfen. Da die Mahnung keinen Erfolg hatte, rief ihn der Leutnant zurück. Da Gloy diesem Befehl an⸗ geblich nicht schnell genug nachkam, solte er einmal um den Kasernenhof Laufschritt machen. Darauf nahm Gloy sein Gewehr beim Lauf und schlug den Leutnant über den Kopf, daß dieser bewußtlos zu Boden stürzte. Dann ließ sich Gloy widerstandslos verhaften. Ueble Folgen hatte der Schlag für den Leut⸗ nant, der sich rasch erholte, weiter nicht. Gloy erklärte, er wisse nicht, wie er zu der Tat, die ihn sogleich reute, gekommen sei. Sein Bewußt ⸗ sein reiche nur bis zu dem Marsch⸗Marsch⸗Befehl des Leutnants, dann sei es ihm schwarz vor den Augen geworden. Als er wieder zu sich gekommen sei, habe der Leutnant blutend am Boden gelegen. Leutnant Heerlein stellt dem Gloy ein sehr gutes Zeugnis aus; noch zwei Tage vor dem Vorfall habe er ihm einen Preis für gutes Turnen geben können. Das Gericht verurteilte den Angeklagten Gloy wegen zwei tätlichen Angriffen auf Vorgesetzte zu 7 Jahren 9 Monaten Gefängnis; Unter⸗ offizter Hansen erhielt wegen Mißhandlung 38 Tage Mittelarrest. Man wird es nach dem Lesen des Berichtes für sehr wahrscheinlich ansehen müssen, daß der Soldat zur Zeit, als er den Schlag gegen den Leutnant führte, tatsächlich nicht zurechnungs⸗ fähig war. Er bekommt aber fast acht Jahre Gefängnis! Der Uateroffizier dagegen, welcher durch nichtswürdige Soldatenschinderei den Fall verschuldet hat, kommt mit ein paar Tagen Arrest davon. Derartige Gegensätze müssen jedes Rechtsgefühl empören! Soldatenschinderei ganz niederträchtiger Art war es, mit der sich vorige Woche das Mainzer Gouvernements⸗ gericht zwei Tage lang zu beschäftigen hatte, und die in den Jahren 1903 und 1904 die Rekruten der 4. Korporalschaft des 3. Fuz⸗ Art.⸗Regts. in Mainz über sich ergehen lassen mußten. Angeklagt waren der Unteroffizier Adolf Desch aus Wetzlar, der frühere Ober⸗ gefreite Adolf Schnug, in Bockenheim wohnhaft, und der frühere Obergefreite August Dehler. Es wurde in der Verhandlung fest⸗ gestellt, daß besonders Schnug sich im Erfinden von Bosheiten und Roheiten ausgezeichnet hat. Desch sah meistens den brutalen Mißhandlungen zu. Die Rekruten mußten u. a. morgens früher aufstehen als befohlen war, ferner wurden sie durch Griffmachen, auf die Erde legen usw. derart beschäftigt, daß es ihnen unmöglich war, ihren Kaffee zu trinken, nüchtern marschierten ste nach dem Uebungsplatz. Trotz⸗ dem der Platz kaum drei Minuten von der Kaserne in Weisenau entfernt liegt, brauchten die Leute dorthin zuweilen eine Stunde, da die Soldaten unterwegs hin⸗ und zurückgejagt wurden, sich im größten Schmutz auf den Boden legen mußten und ermattet dann auf dem Uebungsplatz ankamen. Mittags wurden die Leute so herumgehetzt, daß sie nicht zum Essen kamen und die Mahlzeit in's Spülfaß geschüttet wurde. Um den Rekruten das Ausgehen am Sonntag zu vertreiben, wurde ihnen Samstag Abend bei der Besichtigung der Kleider das Futtertuch aufgeschnitten, ofters ins Tuch hineingeschnitten, außerdem wenn ein Knopf nicht saß, sämtliche Knöpfe abge⸗ schnitten. Dabei hieß es:„So, Ihr Hal⸗ lunken, Ihr Hunde, jetzt vergeht Euch das Ausgehen!“ Der Obergefreite Schnug riß auch öfters, wenn er nicht bei Laune war, die Betten heraus, die dann wieder aufgebaut werden mußten. 5 Beim Turnen mußte sich der Rekrut Brü⸗ ning an die Leiter hängen, Schnug kletterte dann auf die Leiter und trat den Brüning auf die Hände, bis dieser blau im Gesicht wurde. Als der Zeuge Br. diesen Vorfall erzählte, zitterte er dermaßen, daß er sich auf einen Stuhl setzen durfte. Einem andern Rekruten zwang Schnug ein Stück Kautabak zu ver⸗ zehren, so daß es ihm unwohl wurde. Auch für das Seelenheil der Leute war Schuug be⸗ sorgt. Einige der Rekruten mußten nieder⸗ knieen und beten, er gab ihnen dann Wasser zu trinken, dann überschüttete er die Knieenden mit Wasser. Schnug stellte vor Gericht seine Schuftigkeiten als„Scherze“ hin. Das Gericht verurteilte ihn zu fünf Monaten Gefängnis, den Unteroffizier Desch, der eigentlich die Aufstcht zu führen hatte, zu drei Monaten Gefängnis. Dehler wurde freigesprochen.— Erstaunlich und betrübend zugleich ist, daß die Gequälten sich nicht handgreiflich zur Wehre setzten und Stöße und Schläge nicht auf der Stelle erwiderten. Der Kadabergehorsam muß verschwinden und dem Soldaten das Recht gegeben werden, sich gegen solche Mißhandlungen selbst zu verteidigen, sonst wird nte eine Besse⸗ rung eintreten. Die Landtagswahlen in Schwarzburg⸗ Rudolstadt fanden am Freitag unter einer äußerst starken Beteiligung der Wähler statt. Nicht wenkger als 87 Prozent gingen zur Urne. Die Gegner hatten unter Führung des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie das überhaupt Mög⸗ liche aufgeboten. Nicht weniger als 13 Agenten dieses Verbandes machten seit Wochen das Ländchen unsicher und arbeiteten in der denkbar schmutzigsten Weise. Sie stellten die Tatsachen direkt auf den Kopf, Lügen und Verleumdungen gegen unsere Partet und deren Führer waren die Waffen. Unter solchen Umständen darf es nicht verwundern, daß der Mischmasch 1300 Stimmen zunahm, doch auch wir steigerten unsere Stimmen von 5726 auf 6521. Wir stegten in Rudolstadt⸗Ost(Bloß), Königsee⸗ Stadt(Venter), Königsee⸗Land(Frötscher), Oberweißbach(Finke), Katzhütte(Kaiser), Frankenhausen⸗Stadt(Böttcher), Schlotheim (Winter).— Verloren hat unsere Partei den Kreis Rudolstadt⸗West. Hier ist Genosse Hart⸗ mann unterlegen, er kommt jedoch im Kreise Leutenberg in Stichwahl. Die sozialdemokra⸗ tische Stimmenzunahme bedeutet selbst gegenüber dem Verlust des einen Mandate einen glänzen⸗ den Sieg, denn die Gegner haben durch un⸗ glaubliche Wahlschlepperet auch den letzten Mann an die Urne gebracht. Man hatte auch einen Wahlrechtsraub in diesem Fürstentumchen geplant. Der Ent⸗ wurf dazu war bereits vor den Wahlen fertig, und wären diese der Reaktion günstig ausge⸗ fallen, so wäre er ohne Zweifel schnell durch⸗ gepeitscht worden. Nun aber haben die Bürger⸗ lichen, wenn sie alle zusammengehen und wenn die eine Stichwahl für die Sozialdemokratie ungünstig ausfällt, nur neun von den sechzehn Landtagsstimmen, und diese Majorität reicht für eine Verfassungsänderung nicht aus. So⸗ mit bleibt die gefürchtete sozialdemokratische Majorität immer noch eine nahe Möglichkeit. Von der Chemnitzer Wahl lautet das amtliche Resultat für Noske(Soz.) 31629; Hermsdorf(Kons.) 10 397; Günther (Freis.) 9056 Stimmen. Gegen die Wahl von 1903 haben wir einen Stimmenverlust von etwa 2637 zu verzeichnen, den verschiedene Partei⸗ blätter sehr beklagten. Es ist aber nicht so schlimm damit. Bei der letzten Wahl hatten wir zehntausend Stimmen Zunahme, was man fast als unnatürlich bezeichnen darf. Ge⸗ wiß wäre es für uns erfreulicher gewesen, wenn wir wieder zugenommen hätten; aber verglichen mit dem Resultat der vorletzten Wahl haben wir unsere Stimmenzahl, die seit 1890 auf gleicher Höhe geblieben war, um 7000 gesteigert. Präsidentenwechsel in Frankreich. Der neue Präsident der französischen Repu⸗ blik, Fallières, hat sein Amt übernommen, was ohne jeden öffentlichen Tamtam vor sich ging. Denn sowohl der bisherige Prästdent Loubet wie auch Fallieres sind der Reklame abhold und fühlen sich wirklich als Republikaner. So beschränkten sie sich auf kurze Ansprachen. Der Form halber überreichte Ministerprästdent Roupfer dem neuen Prästdenten das Entlassungs⸗ gesuch des Kabinetts. Fallléres ersuchte die Minister im Amte zu verbleiben, was auch ge⸗ schah.— Welch' ein Unterschied zwischen Deutsch⸗ land und Frankreich! Wenn bei uns irgend 25 kleines Fürstchen die„Regierung“ übernimmt, gibt es wenigstens acht Tage Festlichkeiten. Kleine politische Nachrichten. Der frühere bairische Kriegsmluister v. Asch ist! am Sonntag plötzlich am Schlagfluß verstorben. Er gab s. Zt. infolge eines Konflikts mit dem Zentrums abgeordneten Pichler seine Entlassung, obwohl Pichler bei der Affäre auch nicht gut abschnltt. Zwei Anarchisten in Berlin, Goldarbelter Poßwaag und Hutmacher Fritz Müller wurden wegen „Aufrelzung“ zu je 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Sozialdemokratische Wahlerfolge. Bei der Gemeindewahl in Straß burg am Sonntag errang die Sozialdemokratie einen bedeutenden Erfolg. Trotz der verzweifeltsten Anstrengungen der Gegner und trotz eines zwischen Liberalen und Klerikalen abgeschlossenen Bündnisses gelang es unserer Partei, ein im Vorfahre für ungültig erklärtes Mandat mit 1947 gegen 1842 Stimmen wieder zu erobern. Und in dem andern zur Wahl stehenden Bezirke, wo vier Bürgerliche gewählt wurden, einer Domäne des Liberalismus, steigerten sich unsere Stimmen um mehr als 40 Prozent, während sich die Liberalen nur mit Mühe und Not auf ihrer früher erreichten Höhe behaupten konnten. Die Ergänz⸗ ungswahl war von der Regierung lediglich deshalb an⸗ gesest worden, um im Herbst bei der Landesausschuß⸗ wahl die Wahl des Sozialdemokraten, die sonst todsicher gewesen wäre, zu verhindern. Revolution in Rußland. Den Zarenhenkern fallen fortgesetzt massenhaft Menschen in den baltischen Provinzen zum Opfer. In Hasenpot wurden am 16. Februar 32 Personen erschossen, und am 17. weitere 3 Personen darunter ein Schullehrer. Bei Grobin wurden am 20. Februar 8 Menschen erschossen und in Riga vier. Wann wird der schuftigen Mörderbande Einhalt getan werden? — In Otschakow begann am Dienstag vor dem Marinekriegsgericht der Prozeß gegen den Leutnant Schmidt, 37 Matrosen von der Bemannung des Kreuzers Otschakow. Leo Deutsch, dem Verfasser des berannten Buches„Sechzehn Jahre in Sibirien“, ist es abermals, zum dritten Male, gelungen, sich aus den Händen der zarischen Häscher zu befreien. Der Petersburger Listok gibt folgende zuver⸗ lässige Erklärung seiner Flucht: Um den im Januar sich häufenden Verhaftungen zu ent⸗ gehen, traf Genosse Deutsch Vorbereitungen zu einer Reise ins Ausland. Zu diesem Zwecke wollte er sich einen auf den Namen Menschikow lautenden Paß verschaffen. Der Paß wurde ihm auch ausgefertigt, aber die Gendarmen verfolgten die Person, die den Paß abholte, und ermittelten dabei, daß Genosse Deutsch gerade einer Probe im Neuen Theater bei⸗ wohnte. Unverzüglich führten die Gendarmen ihn gefangen ab. Im Polizei⸗Departement er⸗ klärte man seine Verhaftung damit, daß sich die Amnestie vom Oktober v. J. auf ihn nicht anwenden lasse. Nach einer Haft von zehn Tagen gelang es Deutsch jedoch, am 29. Jan. zu entkommen. Als er während der Unter⸗ suchungshaft der Geheimpolizei zum Verhör vorgefuͤhrt wurde und sich ganz allein im Zimmer befand, benutzte er einen unbewachten Augenblick, um seine Hand durch ein zerbrochenes Türfenster zu stecken und die Tür zu öffnen. Ungehindert gelangte er alsdann auf den Hof und schließlich auch auf die Straße, wo ein Schlitten wartete, der ihn zur nächsten Station der finnländischen Eisenbahn brachte. Von Finnland führte ihn dann seine Flucht über Stockholm weiter, sodaß er jetzt für die Blut⸗ hunde des Zaren unerreichbar ist. r 5 Soziales. Ein unverschämter Agrarier. Wie die preußischen Agrarier ihre Arbeiter bewerten und wie„herrlich“ die Arbeitsverhältnisse auf den Höfen der Gutsbesttzer find, geht aus einem Brief hervor, der in der letzten Nummer der „Allg. Deutschen Gärtnerzeitung“ veröffentlicht ist. Der Gutsbesitzer Karl Balke, Gr. Garz bei Krüden in der Altmark schrieb an den Ar⸗ beitsnachweis der Gärtner folgendes: Seite 4. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 3. „Bin Gutsbesitzer, möchte neben Landwirtschaft Bienenzucht betreiben. Sind Sie vielleicht im Besttze eines Gärtners, der Bienenzucht versteht? Selbiger kann ein Mann von 40 bis 50 Jahren sein, ohne Anhang und darf derselbe keine großen Ansprüche machen. Lohn wird nicht gezahlt, außer vereinbartem Trinkgeld. Wäre daher wünschenswert, wenn der⸗ selbe Halb⸗In valide ist und sich aus seiner Rente bezahlt macht. Bienen besorgen, im Winter Gerätschaften, z. B. Kasten für Bienen machen usw., auch darf sich derselbe nicht scheuen vor einer landwirtschaftlichen Arbeit, so daß er im Winter auch mal Kühe oder Pferde füttert. Es wäre aber dann auch event. eine Lebensstellung und wäre für Un bemittelte nicht so übel. Kost ist gute Landkost, ferner erhält der Mann ein heizbares Zimmer zum Essen und Schlafen.“ Arbeit ist: Im Sommer Garten und Verwunderlich ist, daß der Mensch nicht noch Miete für das Zimmer verlangt. Em pö⸗ rende Unverschämtheit! von Nah und Lern. Hessisches. — Landtag. Die Zweite Kammer nimmt am nächsten Mittwoch ihre Sitzungen wieder auf. Auf der Tagesordnung stehen zu⸗ nächst eine Reihe Vorstellungen verschiedener Beamtenkategorien 2c. wegen Gehaltszulagen und ferner andere kleinere Gegenstände. — Zur Reichstagsersatzwahl in Darmstadt haben die Vertrauensleute des Kreises am Sonntag Stellung genommen und beschlossen, die Wahlkreiskonferenz am 4. März abzuhalten. Die Resolution der Darmstädter Parteiversammlung wurde angenommen und ferner beschlossen, in der Wahlkreiskonferenz den Genossen Berthold⸗Darmstadt als Kan⸗ didaten vorzuschlagen.— Ueber die Affäre Cramer hat die gegnerische Presse schon manches Kilo Druckerschwärze verschmiert und dabei nicht wenig dummes Zeug gefaselt. Allem voran der Gießener Anzeiger. Am Montag fabelte das Amtsblatt davon, daß Cramer jetzt sein Reichstagsmandat nicht niederlegen würde, weil die Sozialdemokratie Angst habe, das Mandat zu verlieren. Von solcher Angst werden jedenfalls die Leute von der Drehscheiben⸗Partei mehr geplagt als die Sozialdemokratte, und auch mit allem Grund. Denn seit 1871 haben die Nattonalmiserablen fortwährend Schläge bekommen. Die Sozialdemokratie hat jederzeit bewiesen, daß sie den Kampf nicht scheut und nicht zu scheuen braucht, obwohl ihr nicht Bürger⸗ meister und Ortspolizisten als Wahlhelfer zur Verfügung stehen, wie den„Ordnungs“parteien. Gießener Angelegenheiten. — Aus dem städtischen Verwal⸗ tungsbericht ist noch anzuführen, daß die Anzahl der Steuerpflichtigen für die staatliche Einkommensteuer 6954 beträgt. Davon ent⸗ fallen 5510 auf die zweite Abteilung(unter 2600 Mk. Einkommen), 1444 auf die erste. Insgesamt wurden 809067 Mk. Gemeinde⸗ steuern aufgebracht. Kirchensteuern wurden 52 788 Mk. evangelische und 5669 Mk. katho⸗ lische erhoben. Die Oktrot⸗Einnahme betrug 123195 Mk. Man sieht also daraus schon, welch' bedeutende Sum me die Abgaben auf die notwendigsten Gebrauchsartikel einbringen. Das Oktroi fällt zum größten Teile den Minder⸗ bemittelten zur Last! — Ueber den Austritt aus einer Religtonsgemeinschaft wurde kürzlich im Wahlverein diskutiert, das heißt über die Formalitäten, die dazu nötig seien. Da wir hierüber schon vielfach befragt wurden, sei an dleser Stelle das Nötige mitgeteilt. Wer aus der Landeskirche austreten will, muß einen hierauf gerichteten Antrag an das Amts⸗ gericht seines Wohnortes schriftlich oder münd⸗ lich(zu Protokoll) erklären. Es genügt ein an das Amtsgericht zu richtendes Schreiben mit folgendem Inhalt: „Ich melde hiermit meinen Austritt aus der Landeskirche an und beantrage, meinen Austritt zur Notiz nehmen zu wollen.“ Natürlich muß das Schriftstück datiert und unterschrieben sein. Das Amtsgericht stellt nun den Antrag dem Vorstand der Kirchengemeinde abschriftlich zu, der der Antragsteller angehört. Der Austritt selbst erfolgt dann durch persön⸗ liche Erklärung des Austretenden vor dem Richter. Ohne eine Ladung abzuwarten, hat der Austrittswillige nicht vor Ablauf von vier Wochen und spätestens innerhalb sechs Wochen nach Eingang seines Antrages(frühestens also am 29. Tage, spätestens am 42. Tage) sich persönlich bei Gericht zur Abgabe seiner Austrittserklärung zu melden.— Irgendwelche rechtliche Nachteile zieht der Austritt aus der Kirche nicht nach sich. Er hat aber die Wirkung, daß man endlich von der Kirchensteuerpflicht befreit wird. Der Ausgetretene ist nämlich zu persönlichen Kirchensteuern vom Schluß des laufenden Rechnungsjahres ab nicht mehr ver⸗ pflichtet.— Der Austritt hat nur für den, der ihn erklärt, rechtliche Wirkung. Die Frau und schulerwachsene Kinder müssen, wenn sie aus⸗ treten wollen, dies ebenfalls persönlich erklären. — Die Kosten betragen in Hessen 6 Mk., in Preußen 3 Mk. und Schreibgebühr. Es ist nicht richtig, wie mehrfach geglaubt wird, daß die Gebühren verringert würden, wenn etwa mehrere Personen zusammen ihren Aus⸗ tritt erklären. Nur für Mann und Frau bleibt der Betrag derselbe. — Die Kreiskonferenz am Sonntag war von 40 Delegierten aus 17 Orten besucht. Zum ersten Punkt der Tagesordnung erstattete der Vorsitzende Beckmann Bericht über das ver- flossene Halbjahr. Im Kreise bestehen jetzt 20 Vereine mit 831 Mitgliedern, es ist demnach eine erfreuliche Steigerung der Mitgliederzahl zu verzeichnen. Im Laufe des Halbjahres wurden zahlreiche Versaamlungen abgehalten, besonders zur Zeit der Landtagswahl. Die letztere sei leider nicht zu unsern Gunsten aus⸗ gefallen; einige Ortschaften versagten, die früher soztaldemokratische Wahlmänner wählten. Unsere Genossen müßten bei solchen Gelegenheiten be⸗ deutend mehr in Kleinarbeit leisten, zumal die Gegner meist mit Hilfe von Bürgermeister und Ortspolizist den letzten Mann an die Urne bringen. Der von Kassierer Bock hierauf er⸗ stattete Kassenbericht weist in Einnahme 856,35 Mark, in Ausgabe 750,03 Mk. nach. Es bleibt somit 106,32 Mk. Bestand. Die Unterstützungs⸗ kasse hatte 255,63 Mk. Einnahme, Ausgabe 121,50 Mk.(5 Sterbefälle à 20 Mk. Unter- stützung). Der Bestand der Sterbekasse beträgt 474,13 Mk.— In der Diskussion wurde nament⸗ lich darauf hingewiesen, daß man sich nicht immer auf die Zentrale verlassen soll; es müsse ein jeder Genosse tüchtig arbeiten. Ferner wurde den Mitgliedschaften empfohlen, den Genossen bei Erwerbung der hessischen Staats ange⸗ hörigkeit an die Hand zu gehen. Dem Kassierer wird auf Antrag der Revisoren Ent⸗ lastung erteilt.— Ueber die Preßfrage ent⸗ spinnt sich eine kurze, aber erschöpfende Debatte, die mit der Annahme eines Antrages endet, daß der Vorstand mit den übrigen Parteiinstanzen wegen Schaffung eines Tageblattes in Ver⸗ bindung treten soll. Schließlich wurde noch über 3 Anträge beschlossen. Der eine, von den Lol⸗ larer Genossen gestellte, will eine der beiden alljährlich abzuhaltenden Konferenzen in einem andern Orte des Wahlkreises abgehalten wissen. Der zweite von Altenbuseck ausgehende will eine allgemeine Maifeier am ersten Sonntag im Mat, die in Gießen stattfinden soll.— Wahl des Parteitagsdelegierten durch die Gesamtheit der Genossen des Kreises, will ein dritter vom Gießener Wahlverein gestellter Antrag. Nach längerer Debatte werden sämtliche Anträge a b⸗ gelehnt. Darauf erfolgt Schluß der Konferenz. — Ein Eisenbahner gab uns neulich seine tiefe Entrüstung zu erkennen über den schofeln, denunziatorischen Artikel, den das Friedberger Bündlerblatt vor einiger Zeit brachte. Wir haben das kosakische Machwerk in Nr. 3 abgedruckt und gebührend zurückge— wiesen. Mit Recht meinte der Eisenbahner, es set doch skandalös, wenn ein Blatt den Staats- arbeitern die Gleichberechtigung mit anderen Staatsbürgern abspreche und Maßregelung wegen politischer Gesinnung befürworte. Kein Arbeiter ließe sich die politische Bevormundung von seinem Arbeitgeber gefallen! Besonders die kleinen Beamten spürten die antisemitisch⸗ bündlerische Lebensmittel ⸗Verteuerungspolitik am eigenen Geldbeutel. Und ihre Bezahlung sei wirklich nicht derart, daß ste höhere Preise bezahlen könnten. Privatarbeiter stünden sich meistens besser. Die meisten Eisenbahner hielten freilich zu den sogenannten Ordnungsparteien oder kümmerten sich überhaupt nicht um Politik, aus Furcht, entlassen zu werden. Trotzdem wären die Sozialdemokraten stets für Besser⸗ stellung der Unterbeamten eingetreten. Das ist ganz richtig! Auch im hessischen Landtage hat sich die sozialdemokratische Partei der Staatsarbeiter und Hilfsangestellten angenommen, deren Ver⸗ härtnisse sie zu verbessern sucht, indem ste be⸗ antragt: 1. Durchführung eines achtstündigen Normalarbeitstages. 2. Festsetzung eines je⸗ weils mit den Arbeiterausschüssen zu verein⸗ barenden Minimallohnes. 3. Zusicherung fester Alters⸗ und Pensiouszulagen. 4. Einrichtung von Arbeiterausschüssen, die aus geheimer Wahl hervorgehen und in allen Fragen der Arbeits⸗ und Lohnverhältnisse zu hören sind. 5. Garan⸗ tierung der freien Ausübung des polttischen und wirtschaftlichen Koalitionsrechts. Ueber die Verhältnisse, unter denen die Eisenbahner zu leiden haben, schrieb kürzlich ein Hilfsbremser aus Königsberg dem gut patrliotischen Blatte„Eisen⸗ bahnfahrbeamte“ folgendes:„Alte gediente Soldaten, welche Feldzüge mitgemacht, können trotz aller Bemüh⸗ ungen die Anstellung als Beamter nicht erreichen. Am betrübendsten ist es für uns alte Hilfsbremser, wenn man uns die durch das hohe Lebensalter ver⸗ ringerte körperliche Rüstigkeit vorhält... Tatsächlich aber besteht diese„Verringerung der körperlichen Rüstig⸗ keit“ nur, wenn es sich darum handelt, unsere Bitte um Anstellung abzulehnen. Im Dienst selbst wird darauf keine Rücksicht genommen. Da müssen wir das⸗ selbe tun wie die angestellten Beamten. Ja, wir alten Hilfsbremser haben gerade die körperlich anstrengendste Arbeit zu verrichten... Und was erhalten wir dafür? Nach langem Bitten bekommen wir ältesten Hilfs⸗ bremser in Königsberg 2,30 Mark Tagelohn. Daß wir mit unsern Familien damit, namentlich bei den Teue⸗ rungsverhältnissen, nicht auskommen können, kann sich ein jeder klarmachen. Oft genug herrscht Hunger im Hause. Unsere Frauen müssen, soweit es in ihren Kräften steht, mit verdkenen, aber trotzdem reicht es nicht. Um unsere Einnahmen nur ein wenig aufzubessern, drängen wir uns zum Dienst und setzen unsere letzte Kraft daran, um einige Groschen mehr her⸗ auszuschlagen. Und der Dienst als solcher? Oft genug haben wir... ununterbrochen in einer Tour 14 Stunden Dien st... Wie streng man uns sonst behandelt, geht unter anderm daraus hervor, es aber nicht aus und muß etwas essen..“ Kürzung des Stundengeldes ꝛc. Das genannte Blatt— wir wiederholen, ein„patriotisches“— meint dann noch, daß der Hilfsbremser seine Hoffaung auf den Minister setzt. Da wird der Mann wohl vergeblich hoffen, denn der Eisen⸗ bahnminister ist dazu da, hohe Ueberschüsse aus der Bahn herauszuwirtschaften. Da muß der Angestellte hintanstehen. Eine Besserung kann sich organistert! Und vor allen Dingen muß Volksvertretung kommen, die sich der Interessen nehmen. Das haben aber bisher nur die So⸗ zialdemokraten getan! — Der Weg nach dem Gleiberg befindet sich bei nassem Wetter in einem uner⸗ hörten Zustande. Ein Schmutz kaum zum Durchkommen! Für die in der Stadt beschäf⸗ tigten Arbeiter, die den Weg jeden Tag zwel⸗ mal machen müssen, ist das eine wahre Plage. Ja, der Staat verpulvert zwecklos Hunderte von Millionen Mark in— Afrika, alte Ruinen werden mit Aufwendung ungeheuerer Summen de aber für ordentliche Wege ist kein eld da. Aus dem Nreise gießen. J. Ein schönes Beispiel von Arbeitersol darität gaben dieser Tage die Arbeiter der Zigarrenfabrik Haas in Heuchelheim. Dort wurde ein Arbeiter entlassen, daß ein Hilfsbremser, der einen einstündigen Aufenthalt auf einer Station dazu benutzt hatte, sein mitgenommeneß Essen zu wärmen, in Strafe genommen wurde, weil er einen Teil der durch die Direktlon bezahlten, also ihr gehörigen Zeit für sich verwendet hatte. Mancher hät Weiter beklagt sich der Einsender noch über nur erzielt werden, wenn auch der Elsenbahner 4 er bei Wahlen dafür sorgen, daß Leute in die der unteren Staatsbeamten und Arbeiter an⸗ 1 1 — 3— 1 0 0 1 1 8 —— —.— — — 5 oldaten, demüh⸗ 1 remse, er bet, sächlig Rüti e Bit st wit i b ir allen fgendske d dafthi 1 Hils daß ul. u Tell aun sih vungel es trotden weng d sein chr h st gen 1 B an W hetboh 8 ur, ume weil! 1 oh er 6 1% ena 9632 ü 15 6s% 1 10% ß“ 0 l. 70 bj“ n 0 11 ted “ e 5 re ee ee ö 10 0 Nr. 3. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite n. weil er sich bemüht hatte, die Interessen serner Kolleg en zu vertreten und diese dem Verbande zuzuführen such te, Sofort legten sämtliche dort beschäftigten Verbandsmit⸗ glieder und noch andere, dem Verbande nicht angehörige Arbeiter, insgesamt mehr als 20 Man n, die Arbeit nieder. Daraufhin ließ der Werkführer die Leute rufen und fragte sie nach dem Grunde der Arbeitsein⸗ stellung. Dieser wurde ihm klar und deutlich ausein⸗ andergesetzt und erklärt, daß man die Arbeit nicht wieder aufnehmen würde, bevor nicht der gemaßregelte Kollege wieder eingestellt würde. Man sah sich veranlaßt, den Entlassenen wieder einzustellen. Das war sehr richtig und sehr brav von den Leuten gehandelt und es beweist dieser Fall, wie notwendig der Zusammenhalt der Acbeiterschaft ist und daß, weun dieser vorhanden, der einzelne vor wirtschaftlichen Schädigungen geschützt wird, die ihm sonst drohen, wenn er die Arbeiterinteressen wahrnimmt. — In Alten⸗Buseckhat sich ein„Bürger verein“ gegründet, der nach dem„Gieß. Anz.“ 70 Mitglieder zählen soll, doch sind es, wie uns berichtet wird, noch nicht die Hälfte. Als Zweck dieser Vereinigung wurde die Bekämpfung der Sozialdemokratie bezeichnet. Unsere Genossen dort sind ja jederzeit auf dem Platze gewesen, ste sollten sich aber noch mehr bemühen, auf⸗ klärend zu wirken. — Ordnungsparteilicher Terrorismus. Kurz nach der Landtagswahl haben wir einige Beispiele angeführt, in welcher Art und Weise von den Gegnern gearbeitet wurde. Wir sagten damals schon, daß unsere Genossen ein außerordentlich hohes Maß von Gemüts⸗ ruhe an den Tag gelegt haben. Es wurde uns zu gleicher Zeit ein Fall von Daubringen mitgeteilt, auf den wir aber nicht weiter eingingen, weil wir das Berichtete für unglaublich hielten. Trotzdem hatte es damit seine volle Richtigkeit, wie uns jetzt erst wieder einwandsfrei bestätigt wurde. Danach zahlte der in Daubringen gewählte Leun'sche Wahlmaun Dort beim Wirt Metzger am Abend der Wahl etwa für vierzig Mark Bier, daß zum größten Teile von Bahnarbeitern vertilgt wurde. Nachts nach elf Uhr drang der Wahlmann mit dem Vorarbelter Walter in die Woh⸗ nung des Arbeiters Braun ein, den sie in Verdacht hatten, sozialistisch gewählt zu haben und schrien ihn an:„Was hast Du gewählt 2“ In seiner Verblüffung wußte der bereits im Bett liegende, so Ueberfallene nicht gleich die richtige Antwort zu geben. Jeder andere hätte die frechen Eindringlinge zum Hause hinausge⸗ prügelt und sie obendrein wegen Hausfriedensbruch an⸗ gezeigt, weil sie zu nachtschlafender Zeit in fremde Woh⸗ nungen eindrangen und da Miene machten, gewalttätig zu werden. Man sollte derartige Dinge nicht für mög⸗ lich halten! — Noch ein Erfolg gemeinsamen Hau⸗ delns ist aus Beuern zu berichten. Dort wird die Wasserleitung angelegt, wobei eine ziemliche Anzahl Maurer und Erdarbeiter be schäftigt sind. Die Ausführung ist einem Unter⸗ nehmer aus dem Wetzlarer Kreise übertragen worden, dessen Parlter Ochs die Arbeiter unge⸗ hörig behandelte. Das bekamen die Leute end⸗ lich satt und erklärten dem Unternehmer Schlebusch, daß sie unter diesem Menschen nicht weiter ar⸗ beiten würden. Und sie setzten durch, daß Ochs von seinem Posten entfernt wurde. Recht so! Aus dem Areise griedberg⸗Büdingen. — In Niedereschbach liegt unsere Parteipresse— Frkftr. Volksstimme oder Mittel- deutsche Sonntagszto. in folgenden Lokalen auf: Wirtschaft von Wilh. Holz; Chr. Keßler, Gasthaus z. Stern; Ph. Steinmetz Wtw., Wirtschaft zur Traube; Fritz Liebach, zur schönen Aussicht; Joh. Link, Wirtschaft am Berg.(Unsere Parteifreunde sollten überall darauf halten, daß in den Wirtschaften, wo ste verkehren, auch ihre Presse aufgelegt wird. D. R.) aus dem Nreise Alssesd⸗Cauterbach. s. Eine Kreiskonferenz für den Wahlkreis Alsfeld⸗Lauterbach soll im März stattfinden und zugleich eine öffentliche Ver⸗ sammlung, zu der als Referent Dr. Michels vorgesehen ist. d Militär Boykott ist, wie wir hören, über die Wirtschaft„Zum Stadtpark“ in Alsfeld verhängt worden, wo bekanntlich Sozialdemokraten verkehren. Was diese Maßregel hier für einen Sinn haben soll, wo alle Jubel jahre mal ein halbes Dutzend Soldaten auf Urlaub kommt, das begrelfe wer kann. Den Aus dem Nreise Wetzlar. n. Gesundheitsgefährliche Zustände herrschen auf der Grube„Amanda“, die den Buderus⸗ Werken in Wetzlar gehört. Vor längerer Zeit wurde schon in der„Bergarb. Ztg.“ auf die schlechten Trink⸗ wasser⸗Verhältnisse aufmerksam gemacht. Im Interesse der Allgemeinheit muß auf diese Dinge unbedingt hin⸗ gewiesen und Abhllfe verlangt werden. Diese Grube hatte nämlich seiner Zeit den Brunnen vom Hofgut Magdalenenhausen abgegraben und sie mußte deshalb für Wasser für den Hof sorgen. Das geschieht in der Weise, daß in der Grube Wasser aufgefangen, in ein Bassin geleitet und von dort mittels Druckpumpe in ein Reservoir geleitet wird, von dem der Hof wie auch die Bergarbeiter ihr Trinkwasser beziehen. Soweit wäre ja die Sache ganz gut, das„schönste“ kommt aber jetzt. In der Schachtanlage ist von der betr. Sohle bis zu Tage blos eine Leitung, in dieser wird da s Sumpfwasser, welches zur Speisung der Kessel ge⸗ braucht wird, durchge pumpt und fünf Minuten später wieder das„schönste“ Trinkwasser. Für Nicht⸗Bergleute muß bemerkt werden, daß dieses Sumpfwasser von ähnlicher Beschaffenheit ist, wie die Flüssigkeit einer Düngergrube. Es kommt vor, daß tote Ratten monatelang darin liegen, und oft genug erreichen die Bergleute den Abortkübel nicht und verrichten ihre Notdurft am Sumpf. Die Ratten werden nun von der Pumpe in tausend Atome zerfetzt, die Fäkalien werden mit hochgepumpt, wir betonen nochmals in der⸗ selben Leitung, in der dann das Trinkwasser kommt. Der eine Maschinist hält es manchmal noch nicht für nötig, die Leitung abzusperren, dann läuft die Brühe direkt in das Bassin. Viele Touristen und Spazier⸗ gänger machen den Weg über Hof Mag dalenen⸗ hausen durch den schönen Hochwald nach Oberndorf und erquicken sich an diesem„Trinkwasser“. Nur gut, daß sie nicht wußten, welchen Weg dasselbe genommen hat, sonst wäre so mancher schon vor Ekel erkrankt. Hier sollte doch der Staatsanwalt im öffent⸗ lichen Interesse einschreiten! Solche polizeiwidrigen Zu⸗ stände können doch nur existieren, wenn jede Kontrolle fehlt. Soviel uns bekannt ist, steht die Grube„Amanda“ unter der Inspektion des Herrn Bergver walter Stähler, der es für seine Aufgabe hält, in dem Verein„Eleltri⸗ scher Funke“ bei opulentem Mahle gegen die Begehr⸗ lichkeit der Arbeiter und ihre Organisationsbestrebungen zu donnern. Und Leiter des Ganzen ist Herr General⸗ direktor Kaiser, der jedenfalls von diesen Dingen keine Kenntnis hat, sonst hätte er doch sicher schon einge⸗ griffen. h. Einbrecher haben in den letzten Tagen in Wetzlar eine lebhafte„Tätigkeit“ entwickelt. In sehr belebten Stadtteilen sind inbrüche verübt worden, doch scheint, nach dem Berichte des Amtsblattes, den Dieben nicht viel in die Hände gefallen zu sein. Die Spitz⸗ buben machen sich, wie es scheint, den Umstand zu nutze, daß die Gendarmen im„Streikgebiet“ anwesend sein müssen, wo ste absolut nichts zu tun haben, denn die streikenden Bergleute sind außerordentlich friedlich, es ist noch nicht das geringste Ungesetzliche oder Ungehörige vorge⸗ kommen. Trotzdem reiten zwei Gendarmen immerwährend um die Grube„Juno“ herum! In der Stadt wären die Beamten nötiger. aus dem Nreise Marburg⸗Rirchhain. „Die Generalversammlung des Konsumvereins am Sonntag erfreute stch eines guten Besuches. Aus dem vom Geschäfts⸗ führer Fischer erstatteten Geschäftsbericht vom 1. Okt.— 31. Dez. 1905 ging hervor, daß die Mitgliederzahl auf 570 gestiegen ist und auch der Umsatz sich dementsprechend gehoben hat. Während sonst die Entwickelung der Genossen⸗ schaft durchaus befriedigend ist, gibt nur die mangelnde Pünktlichkeit bei Einzahlung der Geschäfts anteile zu Klagen Veranlassung. Jedes Mitglied sollte bemüht sein, hierin Wandel zu schaffen. Im Weiteren wurde beschlossen, zu einem von der Verwaltung zu bestimmenden Zeitpunkte ein Flaschenpfand von 10 Pfg. ein⸗ zuführen. Unsere Volksküche geht nun wirklich ihrem Untergange entgegen. In der letzten Stadtverordnetensttzung fragten einige Mitglieder an, wie sich die Sache damit verhält. Der Oberbürgermeister erwideste, daß die Volksküche am 1. April sang⸗ und klanglos a wird. Sie rentiert sich jetzt nicht mehr; wäh⸗ 22 000 Portionen ausgegeben wurden, siud es Wirt wird dieses Verbot nicht besonders drücken. jetzt täglich nur 30. Daß bei einer derartigen Frequenz das Justitut nicht bestehen kann, ist leicht erklärlich. Und wer nichts mehr aus der Volksküche holt, weiß auch warum! * Den Tod eines Arbeiters führte ein bedauerlicher Unglücksfall herbei, der sich am Montag in der Lehmgrube bei Ockershausen ereignete. Nach Feierabend wollte der Verun⸗ glückte, Wilhelm Burg, seinen Rock aus dem Geräteschuppen holen und mußte deshalb an der Lehmgrube vorbei. In demselben Moment löste sich eine größere Erdmasse los und ver⸗ schüttete den Arbeiter dermaßen, daß nur noch die Haud herausragte. Sein längeres Aus⸗ bleiben machte die übrigen Arbeitskollegen stutzig und, als man nach ihm forschte, war der Ar⸗ beiter bereits erstickt. Der Bedauernswerte hinterläßt Frau und zwei kleine Kinder. Ein Handwerksbursche wurde am Sonntag halberfroren im Straßengraben bei Bernsdorf von einem Gendarm aufgefunden. Man brachte ihn in das nächste Haus und stellte Wiederbelebungsversuche an, die von Er⸗ folg begleitet waren. Er kam wieder zu sich und konnte, nachdem er sich gestärkt hatte, seine Reise fortsetzen. y. Eine Dorf⸗ Revolution spielte sich in ver⸗ gangener Woche in dem kurhessischen Dorf Erfurts⸗ hausen im Kreise Kirchhain ab. Durch einen amtlich bestellten Auktionär aus Fulda sollte der aus Wohnhaus, Mobilar, Aecker und Wiesen bestehende Nachlaß einer Fräulein Emmerich, die in Fulda gestorben, aber in Erfurtshausen beheimatet war, meistbietend versteigert werden. Nach dem ursprünglichen Testament war das Vermögen teils der Kirchengemeinde zu Erfurtshausen, teilt einigen dortigen Elnwohnern zugedacht. Infolge eines Formfehlers hatte das Testament jedoch seine Gültigkeit verloren und dies war der Grund, daß in dem Dorfe eine große Erregung herrschte. Während der Versteigerung kam es zu solchen Tumulten, daß das Ausbieten eingestellt werden mußte. Der Auktionator, der zur Flucht gezwungen wurde, wußte keinen anderen Rat, als die Sachen nach dem eine Stunde entfernten Orte Schweinsberg zu schaffen, um dort den Verkauf zu Ende zu führen. Aber auch dort gabs solchen Spektakel, daß dies nicht möglich war. . ᷣ ͤ vx(P ˙à4—ñ— ʃ0%0,087;ð³b. Partei-Uachrichten. „Die März⸗Zeitung“ der Buchhandlung Vor⸗ wärts wird in diesem Jahre dem Gedächtnis Heinrich Heines gewidmet sein. Bekanntlich sind in diesen Tagen 50 Jahre seit dem Tode des Dichters verflossen, der in prächtigen Versen die Geißel seiner Satyre über Reaktion und Philistertum sausen ließ. Noch heute wehren die Rückwärtser aller Sorten dem Toten die marmorne Ehrung. So tritt auch hier die Arbeiterschaft auf den Plan, nach ihrer Weise den freien Sänger zu eh ren, indem sie sein Leben und Wirken weiten Volkskreisen nahe bringt. Das historische Bild wird Wilhelm Blos behandeln.— Hermann Wendel hat es übernommen, das Wesen und Wirken des Dichters in seiner charakteristischen Eigentümlichkeit zu schildern.— Ueber„die Frauen im Leben Heines“ schreibt A. Fend⸗ rich. Der Eiafluß des Dichters auf die Agitation der Sozialdemokratie wird von Hermann Molken⸗ buhr skizziert werden.— Heinrich Schulz wird die„Heine Ehrung“ in Deutschland kennzeichnen, während die Prosaschriften des Dichters eine Betrachtung durch John Schikowsky erfahren.— Zahlreiche Porträts, von Heine selbst und denen, die ihm im Leben nahestanden, und andere Illustratlonen zieren das Heft, das auch charalteristische Zitate aus den Werken enthalten, sowie ein Gedicht in der Handschrift des Dichters bringen vird. Der Preis für die Num ner beträgt 20 Pfennig, Bestellungen müssen spätestens bis 25. Februar aufgegeben sein. Versammlungskalender. Samstag, 24. Februar. Marburg. Wahlverein. Abends 9 Uhr bei Jesberg Versammlung, Sonntag, den 25. Februar. Rödgen. Wahlverein. Nachmittags 3 Uhr Versammlung bei Wirt Bal ser. T. O.: Jahres⸗ schluß, Neuwahl des Vorstandes. Marburg. Holzarbeiter, Nachmittags 3 Uhr „begraben“ rend vor 2 Jahren bei der Gründung jährlich außerordentliche Mitgliederversammlung bei Hill⸗ berger, Hirschberg. Nieder-Eschbach. Wahl verein. Nachmittags ö 4 Uhr im Vereinslokal. T.⸗O.: Gemeinde ⸗Vertreter⸗ ö Konserenz, Märzfeier. ö Montag, den 26. Februar. Gießen. Schneider verband. Abends 9 Uhr ö Versammlung bei Or big. — 9 1 ———————— ———— . ——————„—[ „ ̃ͤ—. 3 — wacht“ Seite 6. Mitteldentsche Sountags⸗Zeuung. Ne. 8. Von Nah und Lern. Ein liebevoller Vater. In Wackernheim(Rheinhessen) hat ein wohlhabender Bauer seine beiden Söhne, von denen einer gänzlich blind, der andere geistes⸗ schwach ist, gerichtlich aus dem elterlichen Hause treiben lassen. Von dem Gerichts⸗ vollzieher wurden die beiden armen Menschen nach dem Gemeindehause gebracht. Der Wagen mit den Betten folgte nach. Kein Auge blieb trocken, wo der traurige Zug vorbeikam, welcher die Herzlosigkeit eines Vaters, der seine Kinder auf die Straße wirft, dokumentierte. Vornehmer Gauner im Gefängnis. Aus Beuthen wird der Breslauer„Volks⸗ gemeldet, daß der Landgerichtsrat Blumenberg, der wegen schwerer Amtsvergehen kürzlich zu langjährigen Gefängnis⸗ und ent⸗ ehrenden Nebenstrafen verurteilt worden ist, während seiner Untersuchungshaft sein eigenes Bett gehabt hat; ein Teppich zierte den Boden seiner Zelle, mancherlei im Gefängnis sonst ganz unbekannte Toilettengegenstände standen ihm zur Verfügung, ja, selbst sein ge⸗ wohntes Parfüm brauchte er nicht zu ent⸗ behren. Damit vergleiche man die unerhörte Behandlung, die oft sozialdemokratische Redak⸗ babe 1 preußischen Gefängnissen zu erdulden aben Unterhalts Die weber. Im düstern Auge keine Träne, Sie sitzen am Webstuhl und fletschen die Sähne: Deutschland, wir weben Dein Leichentuch, Wir weben hinein den dreifachen Fluch— Wir weben, wir weben! Ein Fluch dem Götzen, zu dem wir gebeten In Winterskälte und Hungersnöten; Wir haben vergebens gehofft und geharrt, Er hat uns geäfft und gefoppt und genarrt— Wir weben, wir weben! Ein Fluch dem König, dem Hönig der Reichen, Den unser Elend nicht konnte erweichen, Der den letzten Groschen von uns erpreßt, Der uns wie Runde erschießen läßt— Wir weben, wir weben! Ein Fluch dem falschen Vaterlande, Wo nur gedeihen Schmach und Schande, Wo jede Blume früh geknickt, Wo Fäulnis und Moder den Wurm erquickt— Wir weben, wir weben! Das Schiffchen fliegt, der Webstuhl kracht, Wir weben emsig Tag und Nacht— Alldeutschland, wir weben Dein Ceichentuch, Wir weben hinein den dreifachen Fluc'. Wir weben, wir weben! Heinrich Heine Heinrich Heine. Am 17. Februar waren es 50 Jahre, daß der deutsche Aristophanes, der Dichter der Loreley, aber auch des Weberliedes, Heinrich Heine, starb. Deshalb lohnt sich wohl eine kurze Biographie des Dichters und was der⸗ selbe der Welt gewesen, für unsere Leser, deren viele seine Werke noch immer nicht besttzen, obgleich die Heine⸗Ausgaben heute so billig sind, daß ste sich auch ein Arbeiter anzuschaffen in der Lage ist. Heine, der sich selbst scherzweise den ersten Mann seines Jahrhunderts nannte, well er nach seiner Angabe in der Sylvester⸗ nacht 1799, nach auderen zuverlässigeren Nach⸗ richten aber am 13. Dezember 1799 geboren wurde, stammte aus Düsseldorf, und war mit dem großen Bankier Salomon Heine in Ham⸗ burg verwandt. Seine Jugendjahre in Düssel⸗ dorf hat er in launiger Weise selbst beschrieben. Von Geburt Jude, wurde ihm gleich seinem roßen dee die Verachtung und 7 inderstellung der Juden so unerträg⸗ lich, daß er im Jahre 1825 zum Christentum übertrat. Viele haben ihm sein Renegatentum stark übelgenommen, dennoch hat sich der Dichter über das Christentum in seinen Schriften nicht weniger lustig gemacht, als über das Israeliten⸗ turm, und seine letzten Aufzeichnungen und Dichtungen, die er auf seiner„Matratzengruft“ verfaßt hat, lassen ihn durchaus als einen Mann erkennen, der sich über Welt und Menschen eine völlig abgeklärte Meinung gebildet hatte, und tumrhoch über all den kleinen Neidern und Feinden stand, die ihm aus den unschuldigsten Prosazeilen einen Strick zu drehen beflissen waren. Wer unbefangen an das Studium der Heineschen Schriften herangeht, wird überall dem Flug des Genies begegnen, dem freilich auch menschliche Schwächen anhafteten, wie jedem andern Staubgeborenen. Heine sollte anfangs Kaufmann lernen, doch wurde daraus nichts; er studierte in Bonn, Berlin und Göttingen Philosophie und Juris⸗ prudenz und wurde Dr. Heine, dann lebte er in Hamburg, Berlin und München, bis die Februarrevolution in Paris ausbrach und er 1830 seinen Aufenthalt in der französischen Hauptstadt nahm. Heines politische Stellung war durch eine geschichtliche Weltwende bezeichnet, da der Feudalismus des Mittelalters unter dem Donner der Revolutionskanonen eben zu⸗ sammenbrach und die jungbürgerliche Periode ihre ersten selbständigen Taten vollbrachte. Der bürgerliche Radikalismus und die Demokratie fanden daher an Heine einen eifrigen Förderer und Bewunderer. Literarisch aber knüpfte der junge Dichter an die vorhandene Dichtung an, an Goethe zumal, und später an Byron. In Heine kämpfte nicht nur sein Jahrhundert, sondern es lassen sich deutlich auch zwei Perioden unterscheiden, deren erste man mit: Goethe und Heine, die zweite dagegen mit: Heine und K. Marx bezeichnen könnte, wie denn der Dichter auch zu beiden Männern, wenn auch zu Goethe bloß flüchtig, persönlich in Beziehung getreten ist. Die erste Periode ist die lyrische, weltschmerzlich, pesst⸗ mistisch. Sie kommt in ihren Anklängen an die Napoleonslegende—„Nach Frankreich zogen zwei Grenadier“— und zum Teil selbst an die Reaktion gegen die große Revolution von 1789-1796 zum Ausdruck. Als reiner Lyriker zeigt er sich im„Buch der Lieder“:„Junge Leiden“, betitelt. Dort finden sich die noch heute viel gesungenen Lieder: „Im wunderschönen Monat Mai“,„Ich weiß nicht, was soll es bedeuten“,„Das Meer er⸗ glänzte weit hinaus“,„Du hast Diamanten und Perlen“,„Ich wollt, meine Liebe ergösse sich“ usw. Es ist das Volkslied, das der Dichter in den Jahren 1817 bis 1824 besonders kultiviert. Kritischer wird er schon in der Dichtung„Auf der Harzreise“, die im Jahre 1824 erschien und deren Prolog lautet: Schwarze Röcke, seidne Strümpfe Weiße höfische Manschetten, Sanfte Reden, Embrassteren— Ach, wenn sie nur Herzen hätten. In seiner zweiten Periode herrscht die Tagessatire vor, die Verspottung politischer, religlöser, literarischer und sozialer Zustände. In Prosa wie in poetischer Form schwingt er seine Geißel; philosophisch knüpft er an Hegel und Feuerbach an, politisch an die Revolution und die französischen Sozlalisten, bis er auch Marx und Lassalle kennen lernt. In dieser zweiten Periode, wo Heine am stärksten ist, überragt er alle Zeitgenossen, selbst Ludwig Börne; mit Gutzkow, Laube, L. Wienbarg, Theodor Mundt und Gustav Kühne bildet er das sogenannte„junge Deutschland“. Heines „Neue Gedichte“, welche 1831 erstmalig er⸗ schlenen, enthalten ein Gemisch lyrischer Dich- tungen und Balladen, so den„Tannhäuser“, die„Tragödie“, während die„Romanzen“ vor⸗ wiegend in die Jahre 1839 bis 1842 fallen. Zum Teil entstehen in dieser Zeit auch die 5Zeitgedichte“(1839 bis 1846), darunter das berühmte„Weberlied“, und„Deutschland“, jener Zyklus von Dichtungen, der in Arbeiter- kreisen am beliebtesten geworden ist. Bekannt⸗ lich ist nach der Dichtung„Deutschland“ in neuerer Zeit auch eine Imitation: Heinrich Heine Revidivus, entstanden, die in Arbeiter⸗ kreisen sehr verbreitet ist und die Zustände im Neuen Deutschen Reiche geißelt. Aus der Dichtung: Deutschland, sind die im heutigen Proletariat oft zitierten Verse allgemein be⸗ kannt geworden: Wir wollen auf Erden glücklich sein, Und wollen nicht mehr darben, Verschlemmen soll nicht der faule Bauch, Was fleißige Hände erwarben. Es wächst hinieden Brot genug Für alle Menschenkinder, Auch Rosen und Myrten, Schönheit und Lust Und Zuckererbsen nicht minder. Ja, Zuckererbsen für jedermann, Sobald die Schoten platzen! Den Himmel überlassen wir Den Engeln und den Spatzen. In derselben Zeit entsteht auch der Sommer⸗ nachtstraum:„Atta Troll“, dem sich die „Poetische Nachlese“ anschließt. Später er⸗ schienen der Zyklus:„Romanzero“(Historien — Lamentationen— Lazarus— Hebräische Melodien und Poetische Nachlese). Im„Lazarus“ befindet sich die von den Arbeitern ebenfalls oft zitierte Stelle: Hat man viel, so wird man bald Noch viel mehr dazu bekommen, Wer nur wenig hat, dem wird Auch das Wenige genommen. Wenn du aber gar nichts hast Ach, dann lasse dich begraben, Denn ein Recht zu leben, Lump, Haben nur, die etwas haben! (Schluß folgt.) Gesellenfahrten. Eine Weihnachtsgeschichte von Philipp Schei deman u 9 Nachdr. verb. (Fortsetzung.) Abschied. Gottlieb Schulze erzählte weiter: Es blieb uns nicht weiter übrig, wir mußten uns trennen, ich mußte Elbeck verlassen, wenn Liesbeth nicht lebenslänglichen Stubenarrest verbüßen sollte. Mit der Zeit würde sich der Alte wohl beruhigen. Ich wollte ihm nach einiger Zeit von auswärts schreiben und ihn zu überzeugen suchen, daß ich trotz allem Vor⸗ gefallenen ein ganz anständiger Kerl sei. Daß ich ihm diese Ueberzeugung am Orte selbst nicht beibringen konnte, das stand leider für alle diejenigen fest, denen ich mich anvertraut hatte, die den Alten und— mich kannten. Bis Weihnachten wollte ich bleiben, dann 5 du kleine Gasse, dann ade, du stilles aus! Der Weihnachtsabend kam heran. Es ge⸗ lang uns, in einer befreundeten Familie zu⸗ sammenzukommen. Liesbeth schenkte mir eine Zigarrentasche mit ihrer Photographie. Ich habe beides jetzt noch, fügte Gottlieb hinzu, und zog das Zigarrenetui heraus, um es uns zu zeigen. Ich schenkte ihr ein Buch. Der Abschied wurde uns schwer, aber wir schieden in dem bestimmten Bewußtsein, dereinst Mann und Weib zu werden. Zwei Jahre waren in das Land gegangen. Zwei steinerweichende Briefe, die ich dem Alten schrieb, blieben unbeantwortet. Selbstverständ⸗ lich stand ich mit Liesbeth in regstem Brtef⸗ verkehr, den eine verschwiegene Freundin ver⸗ mittelte. ersten Weihnachten gewesen, nun rückte schon zum zweiten Male das Christfest heran seit 90 Trennung. Es war schier zum Ver⸗ zweifeln. Aber Standhaftigkeit führt zum Ziele. Den dritten Brief beantwortete der Alte. Wenn ein Mensch im dritten Jahre nach der Trennung noch so treu seines Kindes gedenke und nicht locker lasse, dann ließe das darauf schließen, daß die Liebe echt sei. Ich sollte ihm Nachricht zukommen lassen über meine Zukunftspläne Schmerzlich waren uns beiden die . e. 9 — 8 N 15 der gen be⸗ 1 —— adresse mehr, Nr. 8. Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung. Seite 7. und wenn ich keine Schilder mehr aushängen und keine Regentonnen mehr umwerfen wollte, dürfe ich nächste Weihnachten zu Besuch kommen. Hul, wie ich jubelte! Und wie mein Schatz in den nächsten Briefen das hohe Lied von der Treue sang! Wir brauchten jetzt keine Deck. der Alte wußte nun, daß wir unausgesetzt miteinander korrespondiert hatten. Weihnachten kam zum dritten Male heran und sch reiste gen Norden. Ach, wie kroch der Schnellzug auf den Schienen hin. Wie lange dauerte diese Reise. Endlich die vorletzte Station! Ich war nervös geworden und guckte in der Minute dreimal nach der Uhr. Nun pfiff es. Also jetzt gleich stebst du sie. Wird ste sich verändert haben? Ist sie noch so hübsch wie früher? Ist sie stärker geworden? Hager er? Blitzten die Augen noch so freudig? Ich say ste wieder vor mir stehen auf jenem Hausflur, wo ich focht— d Da, der Zug hält. Ein Ruck, ein Sprung — wir lagen uns in den Armen. Und ich küßte sie so heißhungrig und wahrscheinlich auch zu lange, denn ich ließ sie erst los, als mir der alte Putz, den ich kaum beachtet hatte, die Hand auf den Arm legte mit den Worten: Sie sind mein Arrestant. Einverstanden! antwortete ich freudig und sah nun erst, daß der Alte auch lachen konnte. Wir trotteten zu Fuß dem kleinen Häuschen zu. Eine halbe Stunde später hatte der Alte Ja gesagt. Er war dienstfrei und wir feierten nun sofort Verlobung. Wir waren zu fünft. Außer uns, dem Brautpaar, waren noch an⸗ wesend der Alte, mein Schwager in spe Her⸗ mann und eine Speztalfreundin Liesbeths, eine Zeugin meines Fechtdebats auf dem Büglerinnen⸗ korrkdor. Sie freute sich unbändig.„Das ist doch der reine Roman“, rief sie ein über das andere mal, bis sie bei dem vierten— viel⸗ leicht war es auch das fünfte— Glas Grog eingeschlummert war. Und der Alte wurde fidel! Das hätte ich ihm nicht zugetraut. Gegen zwölf Uhr bestand er darauf, daß die Mädchen von der Bildfläche verschwinden sollten, da er mit mir noch reden wollte. Dabei blinzelte er mir zu. Eine Viertelstunde später waren wir allein. Hermann hatte Liesbeths Freundin, die ganz in der Nähe wohnte, heimgebracht und war sofort zurückgekehrt. Und nun vertraute uns der Alte an: er habe die Mädchen bei Seite geschafft, damit wir noch einmal zu Hans Peter Jakobsen gehen und einen Schoppen stechen könnten! Das paßte uns. Wir gingen zu Hans Peter Jakobsen und wir tranken mehr wie einen Schoppen. Ach, war das eine fidele Blase dort. Und gesungen wurde, daß kein Mensch in der Nachbarschaft schlafen konnte. Der Alte, den ich zum ersten Male in Zivil sah diesen Abend, saug am lautesten und nannte mich Du. Ich sprach Schwiegervater zu ihm. Schließlich machten wir uns auf den Heim⸗ weg. Hermann links, Gottlieb rechts, der Alte in der Mitte. Als wir an das Haus des Schneiders Jensen kamen, wollte Schwiegerpapachen unter allen Umständen seinem Spezel noch guten Abend sagen. Unverdrossen klopfte er an das Fenster links von der Haustüre. Da schläft Jensen, so versicherte mein Schwiegervater, seit 20 Jahren, während seine Frau, mit der er auf dem Kriegs- fuße lebt, ihre Schlafstätte im ersten Stock auf⸗ geschlagen hat. Aber Jensen schlief eben nicht mehr unten, wie sich sehr bald herausstellte, hatte vielmehr seit einigen Tagen mit seiner besseren Hälfte das Quartier getauscht. (Fortsetzung folgt.) Aus unseren Tagen. Von Gerard Keller. (Fortsetzung.) Inzwischen war es bereits dunkel geworden, der Regen schlug heftig gegen die Fenster, der Wind heulte und alles war düster und unfreund⸗ lich. Endlich zündete Frau Werner die Lampe 15) wie sein Tritt verriet, folgte den Schritten des Töchterchens, welches in Erwartung, daß es einen Dienst annehmen werde, bereits im Hause 1 einer Aufwärterin übernommen atte. Die Türe öffnete sich und Werners unmittel- barer Chef trat in das Zimmer, eine Ehre, die seiner Wohnung noch nie zu Teil geworden war. Die Familie war denn auch ziemlich erschrocken über diesen Besuch und empfand das seltsame und ungelegene desselben in so auf⸗ fallender Weise, daß Morsen es bemerken mußte. Das zukünftige Dienstmädchen mußte mit der Mutter in die Küche, um Theewasser zu besorgen. Der zwölfjährige Bruder wurde nach Zucker geschickt, während die zwei jünasten mit lästiger Dienstfertigkeit dreimal von der Küche in die Wohnstube und von der Wohnstube nach der Küche liefen und durchaus helfen wollten, um den vornehmen Besucher nach Würden zu empfangen. Einer davon wurde vom Vater nach Zigarren geschickt und stieß im Dunkeln gegen den Zucker holenden Bruder an, so daß die Häfte verloren ging, worüber das Asptrant⸗ dienstmädchen seiner tiefen Entrüstung Luft gab. Kurzum, es herrschte eine allgemeine Konster⸗ nation. Endlich kehrte die Ruhe in den häus⸗ lichen Kreis zurück; auch Franz kam wieder nach Hause und setzte sich mit einem höchst ernsthaften Gesichte und einem dicken Buche an den Tisch, um zu lesen. Er war nämlich der Meinung, daß er sich seinem Beschützer gegen⸗ über ein gewisses Ansehen geben müsse. „Ich komme hauptsächlich Ihretwegen, Herr Werner,“ sagte Morsen zu dem Jüngling, dem das Herr wie Musik in den Ohren klang und der bis hinter die Ohren errötete.„Ihr Vater hat mit mir über Sie gesprochen und ich könnte Ihnen jetzt eine Beschäftigung geben; es ist nicht viel für's erste, aber es kann mit der Zeit mehr werden. Sind Sie während des Tages frei?“ „Während des Tages und des Abends und des Nachts,“ antwortete Franz mit zitternden Lippen:„Immer.“ „Sieh, das trifft sich gut; vorläufig werden Sie nicht allzuviel zu tun haben. Was können Sie ungefähr?“ l Der junge Werner gab eine lange Liste dessen, was er gelernt hatte, und diese Llste schien in des Vaters Ohren von so viel Hoch⸗ mut zu zeugen, daß er verbessernd darauf folgen ließ:„Ja, ja, Herr Morsen, er kennt von einem und dem anderen die Anfangsgründe.“ Der brave bescheidene Werner kannte den wichtigen Grundsatz nicht, daß man so viel gilt, als man sich gelten läßt. Franz wurde verdrießlich, aber Morsen lächelte und sagte:„Er hat ja auch das wenigste davon nötig; er braucht nur anfänglich zu kopieren und nach und nach gibt es dann mehr zu tun. Was den Gehalt betrifft—“ „Ach,“ sagte Werner,„für Franz ist es genug, wenn er nur Arbeit hat.“ Franz biß sich auf die Lippen. „Nein, nein,“ sagte Morsen,„das geht nicht. Ich dachte fünfzig Thaler für das Quartal, was meinen Sie dazu?“ Franz zitterte von Kopf bis zu den Füßen; er hätte fast gesagt, daß es zu viel set. Zwei⸗ hundert Thaler jedes Jahr! Und dann, wle Morsen hinzusetzte, die Aussicht, mit der Zeit, wenn er Geschicklichkeit zeigte, eine sehr gute Stellung zu erhalten. Kein noch so glühender Ofen, kein noch so großer Genuß konnte Franz die Röte derart in das Gesicht treiben und seinen Augen einen solchen Glanz verleihen, als die Aussicht auf einen halben Thaler für den Tag. Es war ein Vermögen für Jemand, der siebzehn Jahre alt war und nur vier lebende und eine tote Sprache kannte und in der Ma⸗ thematik bewandert war. Morsen erklärte hierauf, welcher Art die Beschäftigung sel, wozu er Franz bestimmt habe: Es war die Taubermann'sche Assekuranzgesell⸗ schaft, und nachdem sie noch eine Weile darüber gesprochen hatten, fing der Vorgesetzte an, un⸗ ruhig zu werden, auf seinem Stuhle hin und her zu rücken und wie es schien, nach einem an, und kaum hatte man sich wieder nieder⸗ gesetzt, so wurde geschellt, und ein Fremder, Gegenstande der Unterhaltung zu suchen. Auch Werner überlegte, auf welche Weise er nun seine andere Angelegenheit zur Sprache bringen könne und so kam es, daß beide fast zu gleicher Zeit den Wunsch aussprachen, sich unter vier Augen zu sprechen. „Darf ich die Lampe eben mitnehmen?“ frug Werner seine Frau, während er den in Rede stehenden Gegenstand aufnahm und seinem Besucher vorausschritt, indem er die Familie in tiefster Dunkelheit zurückließ. „Ich stehe zu Diensten,“ sagte Werner, als sie auf eine Hinterstube gekommen waren und dort Platz genommen hatten, und er erwartete nichts anderes, als daß Morsen sagen werde, er habe die Geldverlegenheit seines Kollegen bemerkt und wolle ihm nach Kräften beistehen. „Noch Ihnen,“ antwortete dieser, während es ihm bereits in die Ohren klang: Ihr Ver⸗ halten meiner Tochter gegenüber kann nicht länger so bleiben. „Nein, nein,“ entgegnete der erste, dem ein Anerbieten lieber war, als daß er ein Gesuch stellen sollte. „Nun denn,“ sagte Morsen,„wenn ich denn zuerst sprechen muß; der eigentliche Zweck meines Kommens gilt Ihrer Tochter.“ „Was— meinen Sie?“ frug Werner. „Ihrer Tochter, Herr Werner! Ich weiß wohl, daß ste biellet yt manche bessere Partie wird machen können und daß ich kein Jüngling mehr bin, aber ob sie eine aafrichtigere, stand⸗ haf ere Liebe finden kann, als bei mir, das glaube ich nicht, Herr Werner.“ Werner war die Beute des äußersten Er⸗ staunens. Er starrte seinen Besucher mit einem gläsernen Blicke an, worin der geschickteste Phystognomiker nichts anderes hätte lesen können, als Erstaunen und wieder Erstaunen. (Fortsetzung folgt.) Splitter. Toleranz. So höret denn, ich will Euch zeigen, Wie duldsam ich, wie tolerant ich sei: Zwar reden dürft Ihr nicht, nein, Ihr müßt schweigen, Allein das Denken steht Euch frei. Hagemann. * Ha b sucht. Wie doch die Habsucht sich betrügt, So Mancher ißt uurelfe Beeren Aus Furcht, wenn sie erst schmackhaft werden, Daß sie alsdann ein Anderer kriegt, Ein kleiner Fehler. Er ist ein achtenswerter Mann, Nichts Böses ist ihn nachzusagen; Nur Widerspruch, den kann er nicht ertragen; Weil er ihn nicht ertragen kann, Nimmt er sofort des Gegners Meinung an. Trojan. * Von aller Herrschaft, die auf Erden waltet Und der die Völker pflichten oder frönen, Ist eine nur, je herrischer sie schaltet, Uu so gepries'ner selbst der Freiheit Söhnen: Es ist das Königtum, das nie veraltet, Das heil'ge Reich des Wahren, Guten, Schönen. Vor dieser unbedingten Herrschaft beugen Der Freiheit Kämpfer sich und Bluteszeugen. Lud. Uhland. nme Die Firma D. Kaminka, Marktplatz 11, am Kriegerdenkmal, hält sich als anerkannt reelles und leistungsfähiges Geschäft am Platze, zum Bezuge von Uhren Gold⸗ und Silberwaren auf das Angelegent⸗ lichste empfohlen. Reparaturen und Gravierungen prompt und preiswert. Geschichts kalender. 25. Februar. 1634 Wallenstein ermordet. 26. 1901 Minister⸗Hinrichtung in Peking. 1897 Wilh. II. sozialist. Pest⸗Ausrottungs⸗Rede. 27. 1902 Attentat auf den russ. Minister Bogol⸗ jepow. 1531 Schmalkaldischer Bund. 28. Wilh. II. Depesche„Ehristlich⸗Sozial ist Un⸗ sinn.“ 1. März. 180 Lassalles offenes Antwortschreiben an die Leipziger Arbeiter. 2. 1903 Wahl eines sozial. Bürgermelsters in Kopenhagen. 1861 Bauernbefreiung in Rußland. 3. 1806 Prof. Roßmäßler, demokr. Polltlker, Leipzig. Seite 8. Mutteldeutsche SonntagsZeitung. Kleine Mitteilungen. * Schlechter Jugenderzieher. Wegen jahre⸗ langer Sittlichkeits verbrechen an Knaben und Mädchen wurde, wie aus Mainz gemeldet wird, der Hauptlehrer Nießer in Ottersheim bei Mainz verhaftet. Bisher sind 162 Fälle festgestellt. „Beim Kartenspiel erschoß der Wirt Röl⸗ lisch in Diebach seinen Bruder mit dem er in Streit geraten war.— In Allendorf bei Marburg wurde der Holzhauer Heinrich Brill aus Dudenrode von einem umstürzenden Baum⸗ stamm getroffen. Dem Unglücklichen wurde die Schädeldecke zertrümmert. Er war sofort tot. getrennt. — Der Portier Traub wurde auf dem Haupt⸗ bahnhof in Trier beim Uebergeben einer Fahr⸗ karte an einen Passagier vom Zuge erfaßt und überfahren. Traub wurde der Kopf vom Rumpfe DoDOAUEAkéVWVW vr—— p ˙ mA Die heutige Nummer wollen unsere Genossen möglichst an Eisenbahnarbeiter und Beamte verteilen. Zu diesem Zwecke gehen den einzelnen Orten mehr Exem⸗ plare zu. Die Expedition. Marktbericht. Auf dem Wochenmarkt in Gießen kosteten am 20. Februar: Butter per Pfund Mk. 1,00— 1,05, Hühnereier 1 St. 7—8 Pfg., Käse pr St. 6—8 Pfg., Käsematte 2 St. 5—6 Pfg., Erbsen per Liter 21 Pfg., Linsen per Liter 32 Pfg., Kartoffeln per 100 Kilo 5,50— 6,00 Mk., Weißkraut pr. Stck. 10— 30 Pfg., Zwiebeln per Ztr. Mk. 6,00—8,00, Tauben per Paar 0,80 bis 1,00 Mk., Hühner per St. 1,00—1,70 Mk. Hahnen per St. 0,80— 1,80 Mk., Enten per St. 1,80 bis 2,20 Mk., Gänse per Pfd. 00—00 Pfg. — in sämtlichen Ränmen des Lenz'schen Fe Bahnhofstraße 71 Hervorragendes Programm. Mitwirkung zugesagt. Eintritt frei. Es ladet freundlichst ein Bier im Glas. ——ů— ——— Freie Turnerschaft Giessen Samstag, den 24. Februar 1906, abends 851 Uhr Grosse Kärnevalistische unter Mitwirkung der Damenriege. Bedeutende Karnevalisten haben ihre Eintritt frei. Kappe, Lieder und Programm 20 Pfg. Der Elfer-Rat. Isenkellers 1 Man beachte die Fabrikmarlce. nger Co. Nähmaschinen Act. Ges GIESSEN I Lindenplatz 1. N Flechten und die Revolution aãss. 5 e Schuppenflecnte, skroph. Ekzema, Hautausschläge, Von ADOLF BRAUN Preis 20 Pfg. Offene Füsse Zu beziehen durch die Expedition Beinschäden, Beingeschwüre, Ader- der Mitteld. Sonntags⸗Ztg. aus! Reiskirchen! anne. Sonntag, den 25. Februar im Gasthaus zum Adler bsossef Maskenball Anfang 4 Uhr 1 Min. Es ladet ergebenst ein Edmund Wild. Gießener Ausschuß für Volksvorlesungen und verwandte Bestrebungen. Zweite lethische) Vorlesungsreihe von Pfarrer lic. theol. E. Fuchs aus Rüsselsheim a. M. sllittwoch, den 28. Februar 1906, abends 8½ Uhr: Dritter Vortrag(mit Diskussion: Sittlichkeit und demeinschaftslebon. Eintritt frei für Jedermann. Die Vorträge finden sämtlich in der Turnhalle des Real⸗ gymnasiums und der Oberrealschule(Ludwigstraße) statt. Sarantie für guten Sang und höchlste Leistung! o Karl Sermer, Beuchelheim Irische, Dauerbrand⸗, Amerikaner, Regulierheiz⸗, Koch-, Wopewell⸗ und Darmstädter Oefen in diversen Haben Ofenschirme. Ofenvorsetzer. Verdampfschalen. Feuergeräteständer. Kohlenfüller. Kohlenkasten. Kohlenlöffel. Stocheisen. Ascheeimer. Mülleimer. Wasch⸗, Wring⸗ und Mangelmaschinen. Dezimal⸗, Tafel⸗ und Wirtschaftswagen. Fleischhack⸗, Reib⸗ und Messerputzmaschinen. Vogelkäfige und Züchter⸗Ultensilien. Fischereigeräte. 1 Besen und 1 Kokosstricke. Flechtrohr. Raffiabast. erkzeuge. Beschläge. isenwaren. Kurzwaren. Solinger Stahlwaren. Waffen und Munition empfiehlt Edgar Borrmann: Giessen Consumer Giessen und Umgegend. 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