5 Nr. 38. Gießen, den 23. September Mevbaktion: Mirchenplatz 11, Schloßgasse. Mitteldeutsche 1906. 5 Abonnementspreis: Die Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Expedition in Gießen, Direkt durch Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Postanstalt und die Expedition unter Kreuzband viertelfährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z. K. 5107) Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Bestellungen Rittergasse 17, die Juserate finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindestens 4 mal. Bestellung gewähren wir 25 bei 6 mal. Bestellur g 331¼0% und bei mindestens 2 mal. Aufgabe 50% Rabatt Zum Parteitag. Aus allen Gau'n, aus Süden und aus Vorden. Von Ost und Westen zoget ihr herbei Heut' an des Rheines und des Neckars Borden Zu ernstem Tun im Dienste der Partei. In manchem Streit zu schlichten und zu richten, Heerschau zu halten über unsre Macht, Mit klarem Blik zu prüfen und zu sichten Die reiche Ernte, die das Jahr gebracht. Denn nicht umsonst war unser Kampf und Mühen; Wohin das Auge rückwärtsschauend späht: Allüberall ein fruchtverheißend Blühen— Rasch reift die Saat, die hoffend wir gesät. Doch nicht zur Rückschau seid ihr berufen: Su neuem Wirken heißt's gerüstet sein! Dem Sukunftsbau, den unsre Bände schufen, Fehlt mancher Balken noch und mancher Stein. Fest steht der Grund, auf dem wir ihn errichten, Doch, wie im Gang der Seit der Würfel fiel, Ruft jede Stunde uns zu neuen Pflichten Und jeder Tag zeigt uns ein neues Siel. Nur frisch voran! Auf selbstgeschaffnen Bahnen Aufwärts zum Licht durch Nacht und Finsternis! Nur frisch voran! Wir folgen euren Fahnen, Sum Mampf gerüstet und des Siegs gewiß! Mannheim. Das diesjährige deutsche Arbeiterparlament tritt diesen Sonntag in Mannheim, der großen süddeutschen Handelsmetropole, zusammen. Aus allen Teilen Deutschlands werden dort zahlreiche Delegierte unserer Partei zusammenströmen, um ernste Beratung über die Fragen zu pflegen, die die Partei und das arbeitende Volk bewegen. Wir wünschen ihrer Arbeit den besten Erfolg und entbieten ihnen unsern frohen und herzlichsten Gruß! Stets lenkt der sozialdemokratische Parteitag die allgemeine Aufmerksamkett auf sich. Das ist erklaͤrlich, denn auch die Gegner interesstert, was die stärkste Partei Deutschlands verhandelt und beschließt. Und ste kommt nicht nur als solche in Frage, sondern als die Repräsentantin einer gewaltigen Volksbewegung, die mit neuen, großen Zielen auf den Plan tritt, die an Stelle der heutigen Ordnung mit ihrer Unfreiheit und Ungerechtigkeit eine bessere setzen will, in der Freiheit und Wohlfahrt herrscht für alles, was Menschenantlitz trägt. Die Sozialdemokratie ist der politische Ausdruck dieser größten Kultur⸗ bewegung, die es jemals auf der Erde gegeben hat und es ist natürlich, daß ste das allgemeine Interesse in ihren Bann zwingt. i N Aber auch äußerlich unterscheiden sich die sozlaldemokratischen Parteitage von denen bürger⸗ licher Parteien. Während diese meist hinter verschlossenen Türen verhandeln und sorgfältig bemüht sind, nach außen hin Eindruck zu machen und keinen Mißton aufkommen zu lassen, herrscht bei uns freieste Aussprache, wird im vollsten Lichte der Oeffentlichkeit beraten und auch die Auseinandersetzungen über Meinungs⸗ verschiedenheiten wickeln sich fret vor aller Welt ab, nichts wird vertuscht oder verheimlicht! Solche freie und rückhaltslose Besprechung aller Gegeastände der Tagesordnung und auch der inneren Parteifragen kann sich keine andere Partei leisten; und dieser Umstand ist mit ein Beweis für die Güte unserer Sache und die Festigkeit der sozialdemokratischen Grundsätze. Unsere Delegierten finden in Mannheim eine reichhaltige Tagesordnung vor und sie werden sich etlen müssen, das Peusum in den 6 Tagen aufzuarbeiten. Die geschäftlichen Punkte— Berichte des Vorstandes, der Fraktion ꝛc.— werden ohnehin viel Zeit in Anspruch nehmen, da hierbei möglicherweise der Vorwärtsstreit einen breiten Raum einnehmen wird. Dann dürfte aber die Frage des Massenstreiks wieder eine ausgiebige Debatte hervorrufen. Bebel hat das Referat für diesen Gegenstand und Legien ist als Korreferent bestimmt. Die über diese Frage zwischen dem Partei⸗ vorstand und der Generallommisston der Gewerk⸗ schaften ausgebrochenen Differenzen haben in letzter Zeit die Partei-, wie auch die bürgerliche Presse lebhaft beschäftigt. Und natürlich hoffen die Gegner, daß es hierüber zu großem Krach und womöglich zum Zerfall der Partei kommen möge. Bebel hat in der Neuen Zeit bereits einen Artikel veröffentlicht und er sagt dazu: „Unsere Gegner werden zum so und so vielten Mal entdecken, daß sie wiederum die Rechnung ohne den Wirt machten und das Endresultat der Aussprache nicht eine Entfremdung der beiden die moderne Arbeiterbewegung beherr⸗ schenden Faktoren ist, sondern ein besseres Ver⸗ stehen und Zusammengehen. Der Selbstmord, den unsere Gegner von Partei und Gewerkschaften erwarten, wird ausbleiben und eine sichere Lebensbetätigung beider die Folge sein. Oder glauben unsere Gegner, daß im Angesicht der immer schärfer werdenden Klassengegensätze und Klassenkämpfe, der immer brutaler auftretenden Klassenjustiz und Poltzeiwillkür, unter der die Gewerkschaften mit am meisten leiden; gegen⸗ über der immer größer werdenden Reaktion auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens, der wachsenden materiellen Not der Arbeiterklasse durch eine wahnsinnige Zoll⸗ und Abschließungs⸗ politik und daraus folgender unerträglicher Verteuerung aller Lebensmittel, die Arbeiter, die unter all diesen Uebeln zu leiden haben und darüber aufs höchste erbittert sind, sich gegen⸗ seitig zerfleischen und das Trennende, statt des Einigenden suchen werden 20 Was Bebel hier ausgesprochen hat, ist die Meinung und Ueberzeugung der ganzen Partei. Zwei außerordentlich wichtige Verhandlungs⸗ punkte bilden außerdem„Sozialdemokratie und Volkserziehung“, sowie„Strafrecht und Strafvollzug“. Bei dem letzteren werden die Rechtszustände in Deutschland ge⸗ schildert und aller Welt gezeigt werden, daß der sogenannte Rechtsstagt ein Klassenstaat in des Wortes arbeiterfeindlichster Bedeutung ist und der Klassengesetzgebung sich die heutige Rechtsprechung berständnisinnig anschließt.— Auf dem Gebiete der Volkserziehung herrschen bei uns die schwersten Mißstände, steckt Deutsch⸗ land noch im tiefsten Dunkel. Man kann tat⸗ sächlich nicht von Volkserzlehung, sondern eher von Volksverdummung reden. Die Sozial⸗ demokratie wird zeigen— die von den Refe⸗ renten Schulz und Frau Zetkin zu diesem Tages⸗ ordnungspunkt veröffentlichten Thesen, die wir leider noch nicht abdrucken konnten, beweisen es — daß sie auf diesem Gebiete den Fortschritt vertritt. Unsere Delegierten werden wissen, was ste u tun haben, der Parteitag wird auf der Höhe a Aufgabe stehen. Alle Fragen werden, wie Bebel sagt,„in dem Geiste erledigt werden, der bisher die Partei beherrschte, der die Partei groß gemacht hat und ste auch in Zukunft zu 11 neuen Fortschritten und Siegen führen wird.“ Hoch die Sozialdemokratie! Die Teuerung in Hessen. Die Hausfrau merkt genau: ob sie zum Metzger oder Bäcker geht oder zu Markte, alles ist teurer geworden. Und die Preissteigerung macht nicht nur Pfennige aus, sondern Mark⸗ stückel müssen in jeder Woche mehr ausgegeben werden. Oder Schmalhans ist Küchenmeister! Das Letztere ist die Regel, schreibt das Offen⸗ bacher Abendblatt, denn die Herren Hausväter, die in gerechter Entrüstung aufbegehren ob der Bierverteuerung, stopften sich beide Ohren voll Watte, wenn die Hausfrau mehr Wirtschafts⸗ geld verlangte. In welchem Maße seit Jahres⸗ frist die notwendigen Bedarfsartikel verteuert worden sind, das lassen die amtlichen Publi⸗ kationen über die Preise in 16 Orten des Groß⸗ herzogtums erkennen. Wir geben sie nachstehend wieder und bemerken dazu, daß immer Mittel⸗ preise gemeint sind. Es kosteten 1905 1906 Juni Juli Juni Juli per Doppelzentner Weizen 18,72 18,18 18,93 18.93 Roggen 16,40 15,57 17,59 17,44 Gerste 16,96 16,50 16,94 17,18 Hafer 16,81 16,82 18,52 18,93 Kartoffeln i 5,84 6,74 Erbsen 25,63 25,65 27,37 25,50 Bohnen 30,91 30,85 33,.— 38,00 Linsen 33,11 33,10 46,16 45,95 per Kilogramm Ochsenfleisch mii Beilage. 1,49 1750 158 8 1 ohne„ 8 17944 19 Kuhfleisch mit„. 1,39 1,38 1½45 157 1 ohne„ i J 1779 Kalbfleisch mit„. 1,52 1,51 1,64 164 70 ohne„„ 2,03 2,03 2,26 2,22 Hammelfleisch mit„ e 1,52 1.53 1 ohne„ 172 1.93 1.98 Schaffleisch mit„. 0,80 0,80 1,35 1,35 15 ohne„ 120 120 1,60 1,60 Schweinefleisch mit„ 144 1/50 1,66 168 1 ohne„ 1,82 6 2,05 2.10 Weißmehl 4 0.34 0% 8% 0085 0,35 Roggenmehl. 0,25 0,25 0,27 0,26 Gemischt Brot 0,26 0,27 0,28 O, 28 Roggenbrot„0.28 0,23 9,24 2 Pe e 2.39 1 Liter Milch ee ene e 0,18 e 0,71 0,68 O, 73 Gebr. Kaffee p. Kllogr.. 2,74 2,73. 1 Liter Petroleum 0,19 0,19 0,19 0,19 1 Doppelzentner Steinkohl. 2,35 2583 207 237 1 55 Braunkohl. 1,58 1,58 1,58 1,58 Wie man sieht, ist lediglich der Preis für Kartoffeln gefallen, für Braunkohle und Petro⸗ leum hielt er sich auf alter Höhe, dagegen alle — —* 2— 1 10 10 2 Seite 2. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 38. übrigen Waren erlitten Preissteigerungen, meist ganz beträchtliche. Dabei stand das Jahr 1905 schon unter dem Zeichen der Teuerung! Speziell das Fleisch war keuer, über Fleischnot klagte alle Welt, mit Ausnahme der Agrarier. Diese freilich höhnten über Fleischnotrummel und ihr Vertrauensmann in ber Regierung, der dicke Minister Pod, der als großer Vieh⸗ züchter durch die Fleischteuerung und als Mann seiner Frau durch Kolontallieferungen sich selbst die Taschen füllte, redete gelassen davon, daß in vier Wochen die ganze Not vorbei sein werde. Wie die Tatsachen beweisen, ist's jedoch statt besser schlimmer geworden. Das Volk wird systematisch aus gehungert und ausgebeutet! Eine schändliche Wirtschafts⸗ politik schmälert dem Arbetter die Bissen und drückt seine Lebenshaltung auf das Hunger⸗ niveau herab. Die Frauen zumal mögen an den obigen Zahlen erkennen, wie schwer auf ihnen die von Nationalliberalen, Konservativen und Zentrum gestützte und geförderte Politik der Zöllnerei, indirekten Steuern und des Lebens⸗ mittelwuchers lastet. Keine andere Hilfe da⸗ gegen, als die Arbeiterklasse zur politischen Macht bringen. Frauen, treibt Euere denkfaulen Männer voran, bringt ste zum Anschluß an die Sozialdemokratte! —— Politische Rundschau. Gießen, den 20. September 1906. Mit dem Ausdruck„Fleischnotrummel“ verhöhnten die Agrarier im vorigen Jahre die Klagen des Volkes über den Fleischwucher. Herr v. Podbielski hat ihnen im vorigen Jahre die„Richtigkeit“ dieses frivolen Schlag⸗ wortes bestätigt, indem er seiner Zubersicht Ausdruck gab, daß nach einigen Wochen ein Umschwung eintreten und Fleisch in Hülle und Fülle da sein werde. Aber dicser Umschwung kam nicht. Die Fleischnot und die Fleischteurung hielten an und wurden immer schlimmer. Pod⸗ bielski und seine Schützlinge verstanden sich aber auf den Rummel. Noch in letzter Zeit hat man in Agrarierversammlungen behauptet, daß eine Fleischnot nie existiert habe, höchstens eine vorübergehende, für die Konsumenten ungünstige Konjunktur, die längst überwunden sei. Die Tatsachen haben jedoch inj Wahrheit gerade das Gegenteil bewiesen. Gegenüber dem elenden Schwindel der Agrarter, auch fetzt noch von einem„Fleischnotrummel“ zu reden, konstatiert fast die gesamte nicht agrarische Presse, daß die Teuerung noch immer im Zunehmen begriffen seti. Das sagte sogar kürzlich die Rhein.⸗Westf.⸗Ztg., die gewiß keine freihändle⸗ rischen Neigungen hat. Folgen der Zigarettensteuer. Wie die neugeschaffene Zigarettensteuer— eine der„schönsten“ Blumen im Steuerstrauße— auf Arbeiter und Industrie wirkt, dar⸗ über macht unser Dresdener Parteiorgan einige Mitteilungen. Dresden ist bekanntlich der Mittelpunkt der deutschen Zigarettenindustrie. In manchen Straßen und Vierteln, die vor⸗ wiegend von Arbeitern dieser Industrie bewohnt werden, macht sich nach diesen Mitteilungen der wirtschaftliche Rückschlag sehr empfindlich be⸗ merkbar. Es ist das ganz natürlich, denn, wenn die Arbeiter nichts verdienen, haben auch die von den Arbeitern lebenden Geschäftsleute schlechte Zett. Die Zigarettenfabrikation stockt gegenwärtig; zahlreiche Arbeiterinnen sind entlassen, andere werden ganz unregel⸗ mäßig, manche täglich nur wenige Stunden beschäftigt. Diese schlecht beschäftigten Mädchen und Frauen verdienen jetzt nur etwa 50 bis 80 Pfennige den Tag. Viele suchen andere Arbeit zu erlangen, aber das ist bei dem auch heute starken Andrang schwer. Das Blatt deutet an, daß die bittere Not manche dieser Arbeiterinnen zum Kellnerinnenberuf und noch zu einem ge⸗ wissen anderen Broterwerb getrieben hat. Früher bekamen die Arbeiter für ihren Bedarf wöchentlich einige Päckchen Ausschuß⸗Zigaretten; das hat aufgehört. Auch das Ausschußmaterial wird jetzt mitverbraucht. Vielfach ist die Qualität der Zigaretten verschlechtert, oft ist auch die Quantität durch eine Verkürzung der Ziga⸗ rette geringer geworden. Mauche Sorten, die früher in ansehnlichen Kartons zum Verkauf Nenn en werden jetzt ganz einfach verpackt in en Handel gebracht. Den Schaden hat die Kartonnageindustrie. Wieder find's die Arbeiter, die alle Schäden ausbaden müssen! Die Volksvertreter ⸗Immunität scheinen die Gerichte nicht sehr zu respektieren. Verschiedene bürgerliche Reichstags⸗Abgeordnete sind in Berlin in der Strafsache gegen die Kolonialbeamten Götz und Genossen zeugen⸗ eidlich vernommen worden und ste haben sich dazu herbeigelassen, obwohl ste als Abgeordnete verpflichtet gewesen wären ihre verfassungs⸗ mäßigen Rechte zu wahren und das Zeugnis über Dinge, die ihnen als Abgeordnete anver⸗ traut wurden zu verweigern. Am Montag war auch Genosse Ledebour vor den Unter⸗ suchungs richter als Zeuge in derselben Sache geladen. Der Untersuchungsrichter teilte Lede⸗ bour mit, daß er als Zeuge darüber vernommen werden sollte, was ihm von einigen Angeklagten mitgeteilt worden sei. Er wolle ihn als Zeuge zunächst vereidigen. Ledebour erwiderte, er könne sich auf eine Vereidigung unmöglich einlassen, da er jede Auskunft über den Inhalt der Verhandlungen, die er mit einigen Herren in seiner Eigenschaft als Abge⸗ ordneter gepflogen habe, ablehnen müsse. Der Untersuchungsrichter hielt diese Weigerung nicht für berechtigt. Selbst wenn ein Vertrauens- bruch des Abgeordneten vorliege, gebe ihm das jedoch kein Recht zur Zeugnis verweigerung. Den Hinweis des Abgeordneten auf den Artikel 30 der Reichsverfassung beantwortete der Unter⸗ suchungsrichter mit der Androhung der gesetz⸗ lichen Zwangsmittel für den Fall des Beharrens bei der Zeugnis verweigerung. Also einfach ins Loch mit dem Volksvertreter, wenn er nicht so ehrlos ist, Vertrauensbruch zu begehen. Bei unsern Genossen werden die Zwangsmittel nicht fruchten. Erfolglose Hetze. Genosse Dr. Herzfeld, der Abgeordnete für den Reichstagswahlkreis Rostock, hatte bei der Reichstagswahl 1903 seinen Wohnsitz in Rostock und in Berlin und war in beiden Städten ordnungsmäßig in die Wählerliste eingetragen. Er wählte bei der Hauptwahl in Rostock und bei der Stichwahl in Berlin. Wegen dieser Wahlausübung wurde er, wie erinnerlich, im Dezember 1903 von der Opper⸗ mannschen Strafkammer in Berlin zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt. Das Reichsgericht be⸗ stätigte dies Urteil am 7. Februar 1905. Die lediglich durch politische Gründe erklärliche strafgerichtliche Verurteilung des Genossen Dr. Herzfeld benutzten von der politischen Polizei bediente Blätter, in erster Linie die„Post“, zu einer Hetze auf Eröffnung des ehrengerichtlichen Verfahrens gegen Genossen Dr. Herzfeld. Und in der Tat beantragte der Generalstaatsanwalt beim Kammergericht die Eröffnung des ehren⸗ gerichtlichen Verfahrens! Das Ehrengericht der Anwalskammer zu Berlin lehnte die Er⸗ öffnung des ehrengerichtlichen Verfahrens ab, weil die als Straftat erachtete Handlung des Dr. Herzfeld nach keiner Richtung den Verdacht rechtfertige, daß er die ihm als Anwalt ob⸗ liegenden Pflichten verletzt habe. Der General⸗ staatsanwalt legte Beschwerde ein— und das von dem charakterfesten Kammergerichtsrat Havenstein befreite Gericht ordnete die Eröff⸗ nung des Verfahrens an. Der weitere Verlauf der Angelegenheit führte zu einer glänzenden Rechtfertigung unseres Genossen. Das Ehren⸗ gericht sprach ihn aber von der Beschuldigung, durch sein Verhalten außerhalb des Berufs sich der Achtung nicht würdig gezeigt zu haben, die sein Beruf erfordert oder die ihm als Anwalt obliegenden Pflichten verletzt zu haben, frei. Majestätsbeleidigungen. Ueber dieses Thema schreibt der„Thürmer“ — eine konservaltve Zeitschrift— im Oktober⸗ heft folgendes: Gerade in jüngster Zeit wieder ist die„beleidigte“ Majestät öfter mit Strafen gerochen“ worden, wie ste wegen Roheits⸗ und Sittlichkeitsverbrechen nur selten verhängt wer⸗ den. Ja, es ist Tatsache: im modernen Deutsch⸗ land kann der Wüstling, der sich an einem Kinde vergreift, der Zuhälter, der einem harm⸗ losen Passanten das Messer in die Seite stößt, der Unmensch, der einem alten, kranken Pferde nach unsäglichen Martern auch noch die Zunge aus dem Halse reißt, vor Gericht glimpflicher davonkommen als einer, dem im Rausch eine alberne Bemerkung über die„Majestät“ ent⸗ schlüpft. Ist es nicht im Gruyde ein rechtlicher und moralischer Nonsens, von einer„Beleidigung“ zu sprechen, wo der angeblich„Beleidigte“ von dem„Crimen“ überhaupt keine Kenntnis erhält, also gar nicht in die Lage kommt, sich beleidigt zu fühlen? Wenn die Majestätsbeleidi⸗ gung, wie jede andere, nur auf Antrag des Beleidigten verfolgt würde, so wäre wohl mit Sicherheit anzunehmen, daß der Kaiser sehr bald sich die Vorlage derartiger Quisquilien verbitten würde. Es sei denn, daß er von Zeit u Zeit eine Blütenlese der erheiterndsten Fälle sich 11 ließe, um sich an dem unfreiwilligen Humor, den ste des öfteren zeitigen, als guter Europäer zu erlustieren. Sollte nicht das Bestehen des Majestäts⸗ beleidigungsparagraphen eine der ergiebigsten Quellen der— Majestätsbeleidigung sein? Würde das Verbotene mit der Aufhebung des Verbots nicht auch seinen bekannten Reiz ver⸗ lieren? Und vollends wären die Fälle ausge⸗ schlossen, wo verzweifelte arme Teufel, um ein Unterkommen im Gefängnis zu finden, zum nächsten besten Schutzmann pilgern und den völlig Ahnungslosen durch ein Sortiment von Injurien nötigen, Arm in Arm mit ihm— das Jahrhundert der Majestätsbeleidigungs⸗ prozesse in die Schranken zu fordern. Alles das ist sehr richtig und schon oft genug von sozialdemokratischen Blättern gesagt worden. Unsere Fraktion im Reichstage hat auch schon öfters Anträge auf Beseitigung des Paragraphen 95 2c. gestellt, die natürlich abgelehnt wurden. Und bei der Byzantinerei und Fürstenanbeteret, die weite Kreise des Bürgertums ergriffen hat, ist auch kaum Aussicht vorhanden, daß in dieser Beziehung sich eine Wendung zum Bessern voll⸗ zieht. Nur mit Abschaffung der Monarchien selbst wären auch die„Majestätsvergehen“ aus der Welt geschafft. Kosakisches aus Nürnberg. Als neulich bei dem Streik in der Nürn⸗ berger Automobil⸗Fabrik„Union“ der Genosse Fleischmann von einem Streikbrecher erschossen wurde und infolgedessen Menschenansammlungen vor jener Fabrtk stattfanden, schlug die Poltzet wie besessen mit den Säbeln auf die wehrlose Menge ein und verletzte viele bei der Sache ganz Unbeteiligte. Trotzdem lobte die bürger⸗ liche Presse das Vorgehen der Polizei als „maßvoll und tadellos“. Doch eine am Freitag dort durchgeführte Gerichts verhandlung zeigte die Schutzmannschaft in einem andern Lichte. Der streikende Maurer Karl war beschuldigt, sich tätlich an Schutzleuten vergriffen und sie auch verletzt zu haben. Karl wollte sich am 3. August per Rad in seine Wohnung begeben; unterwegs kam er an einem Bau vorbei, vor dem ein kleiner Auflauf war. Er stieg ab und schob das Fahrrad, da die Straße versperrt war. Die Schutzleute Reichel und Meier wollten ihn nicht passieren lassen. Karl erhob dagegen Vorstellungen, da er in seine in der Nähe befindliche Wohnung müsse. Plötzlich wurde er von dem eigen Schutzmann ergriffen und über das Rad hinweg zu Boden ge⸗ schleudert. Während er sich erheben wollte, zog der andere Schutzmann den Säbel und hieb auf ihn ein. Nachdem ste ihr Mütchen an ihm gekühlt, zeigten ihn die Schutz⸗ leute auch noch wegen Widerstand und Körper⸗ verletzung an. Vor Gericht wendete sich aber das Blatt. Eine ganze Anzahl von Nichtschutz⸗ leuten konnte bekunden, daß Karl sich völlig passiv verhalten hatte und daß die Schutzleute ihn ohne jeden Grund schwer mißhandelt hatten. Interessant war das Anftreten der beiden als Kronzeugen erschienenen — t, f deleidl, ig det bl nit r sehr! 19 u Zelt Falle tgen gutet estätz⸗ bigsten sein? ig des i ber⸗ ausge⸗ „ um „zum ) den it bon 1— uns- genug rden. schon abhen urden. elerel, hat, dieser boll⸗ chien aus Mürn⸗ euosse hosen ungen Jolie hrlose Sache ürgel⸗ dals beltag zeigte lichte. dig, 19 sie an eben; „bot 0 u spert Nr. 38. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 3. Polizisten. Neichel, der der Angegriffene sein wollte, behalf sich mit der Ausrede, daß er sich „geirrt“ habe, während Meier, der nach ihm vernommen wurde, anfangs bestimmt behauptete, Karl habe den Schutzmann Reichel angegriffen. Nun machte ihn der Richter darauf aufmerksam, daß Reichel selbst erklärt habe, nicht angegriffen worden zu sein. Dies versetzte den Zeugen in sichtliche Bestürzung; dann erklärte er, auf seinen Eid könne er das nicht nehmen. Die An⸗ zeige hatten beide aber erstattet! Karl mußte natürlich freigesprochen werden. Hätte er keine Zeugen gefunden, so wäre er sicher verurteilt worden, denn die Schutzleute hätten in diesem Falle ihre Aussagen wohl nicht eingeschränkt. Mit Recht wies der Ver⸗ teidiger des Angeklagten darauf hin, daß, wenn das Publikum seiner Entrüstung über das bru⸗ tale Auftreten der Schutzleute Luft gemacht hatte, es schließlich auch zu Auftritten gekommen wäre, wie dret Wochen später in der Regens⸗ burgerstraße, wo sich die Polizei so unverwelk⸗ liche Lorbeeren holte. Eine Begnadigung. Im vorigen Jahre hatte der Kaufmann Leopold Levt aus Frankfurt a. M., als er in Berlin weilte, in einem dortigen Hotel ein Renkontre mit dem bekannten antisemitischen Grafen Pückler⸗Klein⸗Tschirne, das in Tät⸗ lichkeiten ausartete, und war von einer Berliner Strafkammer zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden. Man teilt der„Frankf. Ztg.“ nun mit, daß dieser Tage die Gefängntsstrafe auf dem Gnadenwege in 3000 Mark Geld⸗ strafe umgewandelt worden ist. Bezirkstagswablen in Elsaß Lothringen. Die Bezirkstagswahlen, die am Sonntag in Elsaß⸗Lothringen stattgefunden haben, sind nach den uns bisher bekannt gewordenen Re⸗ sultaten, durchaus günstig für unsere Partei ausgefallen. Bekanntlich scheidet jedes Jahr ein Drittel der Mitglieder der Bezirkstage aus. Diesmal waren in 31 Kantonen Neuwahlen vorzunehmen, in 17 hatten unsere Genossen Kandidaten aufgestellt. Zwei Genossen wurden glatt gewählt, Böhle in Straßburg und Emmel in Markirch. In Schiltigheim bei Straßburg kommt Genosse Fuchs in Stichwahl, in Seispolsheim Genosse Hoffmann und in Schirmeck Genosse Therré. Jedenfalls haben uns die Wahlen einen sehr beträchtlichen Zu⸗ wachs an Stimmen gebracht. Christliche Barmherzigkeit. Wegen einer Tat, die von beispielloser Ge⸗ fühlsrohheit zeugt, hatten sich kürzlich vor der Weimarer Strafkammer steben Einwohner aus Teutleben, darunter der Bürgermeister, zu verantworten. Sie hatten im Dezember 1903 in einer kalten Wintersnacht den alten, voll⸗ kommen hilflosen und gebrechlichen Han d⸗ werksburschen Wüstemann aus Apolda, ausgesetzt und so dem Tode preisgegeben. Der Unglückliche war anscheinend nicht ganz geheilt aus dem Buttstädter Krankenhaus entlassen, hatte sich mühselig nach Teutleben geschleppt und bettelte im Ort herum, bis er schließlich im Hofe eines Mitangeklagten kraftlos zusammen⸗ brach. Er kam darauf ins Teutlebener Armen⸗ haus; da er jedoch damit der Gemeinde zur Last zu fallen drohte, suchte man sich seiner wieder zu entledigen. Es wurde darüber in einer Versammlung förmlich beraten, sodann die Tür zum Armenhause aufgebrochen und der Unglückliche auf einen Wagen geschleppt, der ihn nach Hardisleben, eine halbe Stunde von Teutleben entfernt, brachte. Dort legte man ihn in einer offenen Scheune nieder, in der er fünf Tage später als Leiche aufgefunden wurde.— Zwei Jahre lang ver⸗ standen es die Teutlebener Einwohner, diese Schandtat zu verheimlichen, bis man endlich durch einen Zufall dem Verbrechen auf die Spur kam. Die ärztlichen Sachverständigen sprachen sich dahin aus, daß nicht mit voller Bestimmtheit erhärtet werden könne, daß der Tod auch wirklich infolge der Aussetzung ein⸗ getreten sei, eine große Wahrscheinlichkeit sei aber dafür vorhanden, daß diese Aussetzung dem Manne den letzten Rest gegeben habe. Diese ärztliche Bekundung rettete die Angeklagten vor dem Zuchthaus und ste erhielten je fünf Monate Gefängnis. Kleine politische Nachrichten. Sozialdemokratischer Wahlsieg. Bei einer Ersatzwahl zum Berner Großen Rat, die am letzten Sonntag stattfand, siegte Genosse Schneeberger mit 1732 Stimmen, während der freisinnige Hellmüller es nur auf 1395 brachte. Soziales. Moderne Leibeigenschaft. Die große Seidenweberei von Bodmer u. Ko. in Zürich chließt mit ihren Arbeitern für ihre Fabrik in rugg Verträge ab, durch welche die ganze Familie des Arbeiters zu Sklaven des Fabrikherrn wird. Der feudale Fabrikherr stellt der Familie Wohnung zu bestimmten Preisen 15 Verfügung. Die Miete wird in monatlichen aten am Zahltag abgezogen. Die Firma treibt ihre Menschenfreundlichkeit noch weiter, site gibt der Familie Geldvorschüsse für den Umzug; die Rückzahlung geschieht durch Innehalten von je 3 Franken an jedem Zahltag. Ferner legt ste das Geld für Billette und Frachtspesen für das Mobiliar aus, die Kosten bleiben aber zu Lasten der betreffenden Arbeiterfamilie; der Betrag wird ebenfalls in monatlichen Raten in Abzug gebracht, aber diese Summe wird auf den Namen der Arbeitnehmer auf einer Spar⸗ kasse zinstragend angelegt. Der Kontrakt gilt zwei Jahre. Treten die Arbeitnehmer(der Vertrag ist mit der ganzen Familie abgeschlossen) vor dieser Zeit aus, so verfällt der einge⸗ legte Betrag zugunsten der Firma. Durch den § 4 sichert sich der Fabrikant für alle seine „Menschenfreundlichkeit“ in mehr als ausreichen⸗ der Weise:„Als Garantie für die im§ 3 auf⸗ geführten Bestimmungen bleiben die Mobilien der Familie N. Eigentum der Firma bis zur gänzlichen Erledigung.“ Schließlich behält sich die Firma noch das Recht vor, den ganzen Vertrag schon vor Ablauf der Vertragsdauer zu kündigen,„wenn die Arbeitnehmer ihre Pflichten in der Weberei oder im Hause ver⸗ nachlässigen“. In diesem Falle fällt jede Ent⸗ schädigung an die Arbeitnehmer weg.— Die Familie des Arbeiters gerät von vornherein in die Schuldknechtschaft des Fabrikanten, aus der ste sich bei den Hungerlöhnen, die in der Weberei gezahlt werden, sicherlich während der ganzen zwei Jahre nicht mehr befreien kann. Wehe, wenn der Arbeiter sich unterfängt, den Wünschen des Fabrikanten entgegen zu handeln, er fliegt hinaus ins Elend, die Wohnung, in der er wohnt, gehört dem Fabrikherrn, sein ganzes Eigentum hat er ebenfalls den Fabrik⸗ herren verschrieben, er ist also ganz in dessen Hände gegeben. Revolution in Nußland. Die sozialdemokratischen Arbeiter Petersburgs hielten kürzlich dort eine große geheime Versammlung ab, in der sie über die einzuhaltende Taktik Beschlüsse faßten. Nur Arbeiter wurden in diese Versammlung einge⸗ lassen. Die Majorität bestand aus Anhängern der schärferen Richtung. Auf der Tagesordnung befanden sich die Fragen über die bevorstehende Wahlkampagne, über einen event. Arbeiterkongreß und über die Einberufung eines soztaldemokra⸗ tischen Parteitags. In Bezug auf die erste Frage kam die Versammlung zu dem Beschluß, daß die Sozialdemokraten ihre frühere Losung (Konstituterende Versammlung 2c.) beibehalten müssen. Sollten aber die Wahlen zur Duma ausgeschrieben werden, dann darf die Arbeiter- klasse sie nicht boykottieren, sondern ste muß energisch an ihnen teilnehmen und womöglich Sozialdemokraten durchzubringen suchen.— Gleichzeitig fand eine andere Ver⸗ sammlung statt, an der die sozialdemokratischen Arbeiter der„realistischen“ Richtung teilnahmen, und die dieselben Fragen diskutierte. Die Bohkottfrage wurde auch hier in verneinendem Sinne entschieden. Der Unterschied zwischen beiden Resolutionen ist aber der, daß die rea⸗ listische Richtung für die möglichst baldige Aus⸗ schreibung der Dumawahlen eintritt, während die„linke“ der Sozialdemokratie gegen die Losung ist; sollten aber die Wahlen ausge⸗ schrteben werden, dann werden sie sich an ihnen beteiligen. In Bezug auf die anderen Fragen sind beide Versammlungen verschiedener Meinung. Die „linke“ will die baldige Einberufung eines Parteitags, der die vorhandenen Differenzen schlichten soll; die„rechte“ dagegen hält einen Parteitag für nicht zeitgemäß und befürwortet einen unparteiischen Arbeiterkongreß, der die breitesten Massen der Arbeiter zu organisieren imstande wäre. Blutmensch Trepow tot. Der General Trepow, von dem schon vor einiger Zeit be⸗ richtet wurde, daß er am Verfolgungswahn leide, ist am Samstag in seiner Villa in Peter⸗ hof plötzlich gestorben. Nach einer späteren Meldung wird als Todesursache angegeben: angina pectoris Brustbräune, bei Herzkranken vorkommende Angst⸗ und Beklemmungszustände. — Veelleicht wäre er doch bald einer Bombe zum Opfer gefallen! Henkerarbeit. Am Dienstag wurden in Helsingfors nach dem Spruche des Feld⸗ gerichts 17 Matrosen der Sveaborger Ma⸗ rinekompagnte erschossen. Von den übrigen wurden 80 Angeklagte zu Zwangsarbeit für verschiedene Dauer verurteilt. 11 wurden frei⸗ gesprochen. Gärungen im Heere. In Kron⸗ stadt soll ein neuer militärischer Aufstand be⸗ vorstehen. Ebenso herrscht in Sebast o pol unter den Truppen große Unzufriedenheit. Die Offiziere wissen sich nicht zu helfen. Man nimmt mit großer Bestimmtheit an, daß ein neuer Aufstand mit blutigem Verlauf erfolgen werde. Die Revolutionäre haben eine Prokla⸗ mation veröffentlicht, die besagt, daß für jeden von den Kriegsgerichten zum Tode Verurteilten, drei Beamte erschossen würden.— Recht so! FCCCCTCCCCCCTCbbTbTbTbTbTbTTbbbbe Vom 1. Oktober an erscheint täg⸗ lich in Gießen die Oberhessische Volkszeitung Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Probenummern gelangen vom nächsten Samstag, den 22. September ab zur Aus⸗ gabe und werden überall im bisherigen Ver⸗ breitungsgebiete der Mitteldeutschen Sonn⸗ tags⸗Zeitung verbreitet. Unsere Parteifreunde wollen bei der Verbreitung nach besten Kräften behilflich sein und ebenso sich die Werbung von Abonnenten angelegen sein lassen. Besonders ist es Aufgabe der Vor— stände unserer Parteivereine hierbei regelnd und fördernd einzugreifen. Bestellungen wolle man vorläufig an die Expedition der Mitteld. Sonntags⸗Zeitung, später an die Expedition des neuen Blattes, Neustadt Nr. 14 gelangen lassen. Inserate nehmen die erwähnten Stellen ebenfalls entgegen. Der Abonnements preis beträgt monatlich 60 Pfennig frei ins Haus, wöchentlich 15 Pfg. Paxteigenossen, Ar beises Seid unermüdlich tätig für Euer Blatt! B ·r-ůͤaꝛdaͤn e von Rah und Lern. Jessisches. — Gegen die Landflucht hat der bauernbündlerische Landtags⸗Abgeordnete Köh⸗ ler⸗Langsdorf jetzt ein neues Mittel entdeckt — 2 f ——— * Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung · Nr. 38. Er hal der begründeten Antrag unterbreitet, der dahin geht: Die Regierung möge im Bundesrat Anträge auf Revision der Reichsgesetzgebung betr. Ver⸗ sorgung der Heeresentlassenen in Aussicht stellen, daß Militäranwärtern, Invaliden des Heeres und anderen Heeresentlassenen auf deren Wunsch anstelle von Zivilversorgungsscheinen, Unfall⸗ und Invalidenrenten und dergleichen mehr, ent⸗ sprechende Beihilfen und laufende Unterstütz⸗ ungen zum Erwerb und Betrieb selbständiger Bauernwirtschaften, von selbständigen Hand⸗ werkern und anderen kleinen, aber selbständigen ländlichenErwerbszweigen gewährt werden. — Die Verleumdungsaffatire gegen den Abg. Berthold kam am Donners⸗ tag vor der Darmstädter Strafkammer zur Verhandlung. Im Darmstädter„Tägl. Anzeiger“ erschien kurz nach der Reichstags⸗ ersatzwahl ein anonymes Eingesandt, in dem zwar ohne Namensäußerung, doch ziemlich deutlich erzählt wurde, daß Berthold zu später Mitternachtsstunde in ein dortiges Lokal bezecht gekommen sei und sich derartig ungehörig auf⸗ geführt habe, daß er in früher Morgenstunde aus dem Lokal gewiesen werden mußte. Diese Erzählung war frei erfunden und auf An⸗ trag des Rechtsbeistandes Bertholds, Dr. Fulda, gab die Redaktion des„Tägl. Anz.“ Herrn Hannemann als Urheber dieser Notiz an. Nunmehr erhob die Staatsanwaltschaft gegen Hannemann und den Redakteur des„Täglichen Anzeigers“ Bandlow auf Antrag von Dr. Fulda die öffentliche Klage. Die Verhandlung endete mit der Verurteilung Bandlows zu 50 Mark Geldstrafe, Hannemann wurde freigesprochenl — Der Landtagsabg. Häusel ist am Donnerstag in Michelstadt im Oden⸗ wald an einem Schlaganfall im Alter von 55 Jahren gestorben. Häusel gehörte der nationalliberalen Partei an und vertrat seit 1899 den Wahlkreis Höchst⸗Michelstadt. Da bet der Ersatzwahl die alten Wahlmänner in Funktion treten, ist die Wahl eines Natlonal⸗ Uberalen ziemlich ficher. Gießener Angelegenheiten. — Die Stadtverordneten hielten am Donnerstag die erste Sitzung nach den Ferien ab. Unter den Mitteilungen brachte der Oberbürgermeister eine Zuschrift der Staats⸗ anwaltschaft zur Kenntnis, die eine Beschwerde der Stadtverwaltung über eine Aeußerung des Amtsanwalts beantwortete. Der Amtsanwalt sollte sich damals in dem Sinne geäußert haben, daß die Feldpolizei viele unnötige Anzeigen er⸗ statte. In der Zuschrift wird demgegenüber gesagt, daß der Bericht des Gieß. Anzeigers darüber unrichtig gewesen sei.— Hierauf wurden eine Reihe Baugesuche erledigt.— Zwei Straßen werben neu getauft: die Querstraße zwischen Riegelpfad und Liebigstraße„Wilsonstraße“, und die Verlängerung der Crednerstr.„Bud de⸗ straß e“.— Ein Antrag auf Erlaß von Gras⸗ geld, weil die Ernte durch starken Gewitterregen verlustig ging, wird abgelehnt. Stadtv. Haubach meint dazu mit Recht, er würde dann einem solchen Antrage zustimmen, wenn mal einer von den Käufern gekommen sei, der zu wenig bezahlt habe und die Differenz der Stadt an⸗ biete.— Für die Feldbereinigung, rechts der Lahn, die im Ganzen 81000 Mk. kostete, sind noch 2¹ 00⁰⁰ zu bezahlen, was bewilligt wird. Eine längere Debatte rief die Entscheidung über die Bedürfnisfrage für das Konzesssionsgesuch des Wirtes Sieck, Hammstraße 14 hervor. Die Kommisston hatte beantragt, die Bedürfnis⸗ frage zu verneinen. Die Versammlung beschloß jedoch im gegentelligen Sinne. — Das Schwurgericht der Provinz Oberhessen für das dritte Quartal Montag, den 24. September me 8 zu sammen. Zur Verhandlung kommen folgende fälle: Montag: Joh wegen Notzuchtversuch; Ruckele 1 Cl 3 1 85 wegen Notzuchtsversuch Schwab aus Grebenau, wee Friedrich Buß aus Ni Kammer einen sehr umständlich schlag; Samstag: Elisabethe Renker aus Angers⸗ bach, wegen Körperverletzung mit tödl. Erfolg; Montag, 1. Oktober: Otto Ullrich aus Geiß⸗ Nidda, wegen Verbrechen im Amt; Dienstag, 2. Oktober: Friedrich Zimmer aus Bisses, wegen Verbrechen im Amt. — Das Gewerkschaftskartell hält am Dienstag, den 25. September abends 9 Uhr zusammen mit den Vorständen der Gewerkschaften eine Sitzung im Lokale Orbig ab. Es handelt sich um Beschlußfassung über eine wichtige Angelegenheit, die Beteiligten wollen also vollzaͤhlig erscheinen. — Wegen Wechselfälschung wurde am Dienstag der frühere Badeaustaltsbesitzer und Bauunternehmer A. Rübsamen zu 1½ Jahren Gefängnis und 3 jährigem Ehrverlust verurteilt. Er gestand ein, in 20 Fällen Wechsel in Höhe von 4000 Mk. gefälscht zu haben. Durch ziemlich lockeres Leben war R. in Vermögensverfall gekommen. r. Der Streik in der Gailschen Dampfziegelei ist am Mittwoch durch Versammlungsbeschluß der Streikenden für be⸗ endet erklärt worden. Es waren nur noch 28 Streikende von 185, die in den Streik traten, vorhanden. Von diesen waren 37 arbeitswillig geworden und in den Betrieb zurückgekehrt, die übrigen 120 hatten gleich bei Beginn des Aus⸗ standes anderwärts Arbeit gefunden und ange⸗ nommen. 10 Wochen hat der Streik gedauert. Wiederholt wurden von Seiten der Arbeiter Versuche gemacht eine Verständigung herbeizu⸗ führen, doch scheiterten diese an der Hartnäckig⸗ keit des Herrn Gail. Dieser nebst Anhang wird nun triumphieren. Doch die Siegesfreude wird nicht von langer Dauer sein; es ist nicht gelungen, den Zusammeahalt, die Organisation der Arbeiter zu zerstören, sie geht im Gegenteil gestärkt aus dem Kampfe hervor und Herr Gail wird später doch noch mit den Arbeitern ver⸗ handeln und diese als gleichberechtigten Faktor anerkennen müssen. An den Arbeitern liegt es nun, ihre Organisation immer mehr auszubauen, nur dann wird es ihnen möglich sein, sich bessere Existenzbedingungen zu erkämpfen. Darum: immer vorwärts sei die Parole! — Die neueste Nummer des„Wahren Jakob“, unseres beliebten Witzblattes, ist außerordentlich inhaltreich. Mehrere Bilder, Gedichte ꝛc. sind dem Mannheimer Parteitage gewidmet. Das farbige Titelbild mit der Unter- schrift„Wecken verboten! Ein Märchen aus dem Rosengarten in Mannheim“ zeigt uns die Stadt Mannheim als schlafendes Dornröschen, das sich vom sozialdemokratischen Parteitag nicht wecken lassen will, denn es erblickt in ihm nicht den richtigen Prinzen, den es in seinen Träumen erwartet. Dann ist dem Parteitag noch das Leitgedicht„Zum Parteitag“ und die Plauderei „Mannheim“ gewidmet. Aus dem weiteren Inhalt der Nummer erwähnen wir die Bilder „Der geduldige Michel“,„Zentrum und Bier⸗ steuer“,„Der Adler und der Löwe“,„Eine heitere Geschichte“,„Serenisstmus und die Prole⸗ tarier“,„Die russische Reaktion tanzt wieder“, „Aus den höchsten Regionen“,„Wohnungsver⸗ hältnisse in Ostelbien“ ꝛc. Die 16 Seiten starke Nummer kostet 10 Pfg. und ist wie alle Partei- literatur in unserer Expedition, Neustadt 14 zu haben. Aus dem Rreise gießen. — Die prinzipielle Aufklärung und Durch⸗ bildung ihrer Mitglieder müssen sich unsere Parteivereine besonders angelegen sein lassen. Zu diesem Zwecke ist unbedingt eine Bibliothek nötig, die jeder Wahlverein haben muß. Wo keine vorhanden ist, sollte man sofort daran gehen, eine zu errichten. Das kann mit geringen Mitteln erreicht werden, notwendig ist nur, daß der Vorstand die Sache einem Mitgliede überträgt, das sich der Sache liebevoll annimmt. Der Verein selbst müßte [— meistens ist das ja der Fall— zunächst auf die abonnieren und sie einbinden lassen. wichtigsten Parteizeitschriften, vor allem die„Neue Zeit“, Es muß nur dafür gesorgt werden, daß die Hefte möglichst sauber gehalten werden, wenn sie zur Lektüre im Parteilokal ausliegen. Fe werden im Vorwärtsverlag Serien von bllligen Schriften sgegeben, deren Anschaffung sich bei Er⸗ scheinen empfiehlt und deren einzelne Hefte dann im Ganzen oder auch im Einzelnen gebunden und der Bibliothek einverleibt werden können. Wir erwähnen 1 bela stet ist. hier nur die Sozialdemokratische Kommunal⸗Bibli⸗ othek, die Gesundheitsbibliothek u. a. Die neu erscheinenden Broschüren sollten immer von jedem Verein für die Bibliothek gekauft werden. Das ist keine große Ausgabe; der Preis beträgt selten mehr als 10—50 Pfg. Weiter sollten die Parteitagsproto⸗ kolle sämtlich in der Vereinsbibliothek vorhanden sein, sie enthalten reiches und sehr wichtiges Material. Beste Unterhaltungslektüre bieten die„Freien Stunden“ und die„Neue Welt“. Letztere ist ebenfalls vom Vorwärtsverlage zu beziehen. Vereine, die den Vorwärts abonnieren, können dessen Unterhaltungs⸗ beilage aufsammeln und in halben oder ganzen Jahr⸗ gängen einbinden lassen.— Für Anschaffung größerer Werke(z. B. Kautskys:„Karl Marx' ökonomische Lehren“, Bebels„Frau“ ꝛc) hat ein kleiner Verein nicht gleich die Mittel. Aber auch da kann Abhilfe geschaffen werden. Mancher Genosse besitzt irgend ein Werk doppelt, oder würde es, nachdem er es gelesen, gerne einem Vereine überlassen. Es muß bloß eine Vermittelungsstelle geschaffen werden, wozu der Vorstand des Kreiswahlvereins geeignet erscheint. An ihm sollten sich die Lokalvereine wenden wegen Beschaffung von Literatur und auch die Genossen und Vereine, die etwas herzugeben haben. Ein zweckmäßig angelegtes Verzeichnis der vorhandenen Bücher müßte hergestellt und im Ver⸗ einslokale ausliegen und Einrichtungen getroffen werden, damit die Mitglieder jederzeit Bücher erhalten können. Sehr empfehlenswert für jeden einzelnen Genossen ist die neu im Vorwärtsverlage erschienene Broschüre „Ziele und Wege“. Erläuterungen der sozialdemo⸗ kratischen Gegenwartsforderungen. Diese unter der Mit⸗ arbeit von Lindemann, Süßheim, Stampfer und Klara Zetkin von Adolf Braun herausgegebene Schrift be⸗ leuchtet und erläutert in klarer, leicht faßlicher Welse alle Punkte des zweiten Teils unseres Parteiprogrammz in einzelnen Kapiteln: Freies Wahlrecht— Alles durch das Volk— Blut und Eisen?— Freies Wort!— Die soziale Gleichstellung der Geschlechter— Wir und die Kirche— Die Volksbildung— Recht!— Gleich⸗ heit für Kranke und Tote— Steuerpolitik— Gegen die schrankenlose Ausbeutung und einem Nachwort: Was sollen wir lesen? Der Preis der Schrift ist 20 Pfg. und kann durch alle Partei-Buchhandlungen und gegen Einsendung von 28 Pfg. direkt vom Verlag, Buchhand⸗ lung Vorwärts, Berlin SW. 68, Lindenstr. 69, bezogen werden. 2 — Alten⸗Buseck. Zu der Notiz über das Turnerfest in voriger Nummer wird uns noch mitgeteilt, daß nicht nur die Turn⸗ genossen aus Gießen und Wieseck, sondern auch aus Launsbach und Heuchelheim vertreten waren, was hiermit noch nachgetragen sel. — Mehrere Volksversammlungen fanden am Sonntag statt und zwar in Oppen⸗ rod, Burkhardsfelden und Reiskirchen, die vom Tabakarbeiterverbande einberufen waren. Als Referentin trat Frau Kiesel⸗ Berlin auf, die in trefflicher Weise die Lage der Arbeiter schilderte und namentlich auf die Mißstände hinwies, die für die Familie entstehen müssen, wenn die Frauen den ganzen Tag in der Fabrik für kümmerlichen Lohn beschäftigt sind. Die Kinder, denen nicht die nötige Erziehung zu teil werden kann, haben darunter am meisten zu leiden.— Die Versammlungen waren überall recht gut besucht, auch von andern Arbeitern sowte Bauern, die ebenfalls den Ausführungen der Rednerin Betfall zollten. Aus dem Nreise Jriedberg⸗Büdingen. s. Mehr Disziplin! In Höch st g. d. Nidda war am Sonntag Kriegervereinsfest verbunden mit Verleihung der Kaiserschleife. Hieran beteiligten sich auch einige unserer Ge⸗ nossen, die dem Gesangverein„Eintracht“ an⸗ gehören, außerdem aber auch gewerkschaftlich und politisch organistert sind. Man sollte doch meinen, die Genossen hätten etwas besseres zu tun, als den Mordspatriotismus verherrlichen zu helfen! — In Sachen des Abg. Hirschel ist der Termin vor der Gießener Strafkammer auf 19. Oktober angesetzt. aus dem Nreise Alsfeso-Cauterbach. n. Alsfeld. In der Versammlung des Wahlbereins wurde beschlossen, für das Tageblatt eine umfassende. Agitation zu entfalten. Zwei Mitglieder wurden bestimmt, die dem Zeitungsausträger behilflich sein sollen, da dieser durch mehrere Vereinsämter zu sehr Heinrich Simmer das Austragen übernommen, Für die Zukunft hat Genosse Mitteldentsche Sountags⸗Jeitung. Soll 5. dn Nr. 38. 8 an den man sich wegen Probenummern dc. ö n wenden wolle. ds ch. Christliche Agitatton. In Lauter⸗ er ah bach fand am Freitag eine von der Ortsgruppe des rotz christlichen Textilarbeiterverbandes einberufene Versamm⸗ an I lung im Felsenkeller zum„Johannesberg“ statt. Sie 5 war von etwa 20 Mann von den Christlichen besucht, rde 4 meistens ganz jungen Menschen. Von unsern Genossen n 0 hatten sich ebenfalls eine Anzahl eingefunden, die neu⸗ denn gierig auf die Dinge waren, die ihnen der Referent Rümmler dll g* aus Meißen erzählen würde. In ihrer Hoffnung, etwas 1 905 für Arbester Nützliches und Interessantes zu hören, sahen ihm 0 sie sich jedoch getäuscht. Rümmler sprach über die Zwecke wu und Ziele der Organisation und stellte die christlichen e Organisarlonen als die besten hin, denen sich die Arbeiter l anschließ en und innerhalb derselben sie nach Höherem 5 1 und Besserem streben müßten. Daß die christliche Orga⸗ 6 155 nisatlon die beste sei, beweise ihre große Mitglieder⸗ 0 1 zunahme. Sie wollten auch den Arbeitern die Religion Don 1 erhalten und erreichten friedlich mehr als die freien h Gewerkschaften mit ihrem Streik. Das war ungefähr n bn das Wesentliche seiner Ausführungen.— Gen. Rausch ng din trat den Ausführungen des Referenten entgegen. Gewiß se ewas sei die gewerkschaftliche Organisation notwendig und es N sei bedauerlich, wenn die Arbeiter sich ihr gegenüber m Le gleichgültig verhielten. Die sogenannten christlichen weiden, Gewerkschaften sind aber nicht in der Lage, die Interessen bunen. der Arbeiter zu vertreten. Viele verlorene Streiks sind Genosen ihnen auf das Konto zu setzen; Redner hielt dem Refe⸗ Nrosgin„ renten vor, wie in vielen Fällen die freien Gewerkschaften suldens die größten Opfer brachten, um eine Besserung der der Nib Arbeitsbedingungen zu erreichen, während die Christlichen ib Klan Streilbrecher lieferten, wie es in Köln geschehen sei Reit b. und das sei eine Schande. Graulich beschäftigte sich er Bü besonders mit der Frage der Neutralität der Gewerk⸗ beram schaften und wies nach, daß davon gerade bei den les dur Christlichen gar keine Rede sein könne. Er führte weiter zott!— aus, daß heutzutage sich ein denkender Arbeiter unbe⸗ Wir ud dingt um die politischen Fragen bekümmern müsse und Gleit. wies auf die heutige Reichs politik hin, die durch Lebens⸗ — Gegen mittelwucher und indirekte Steuern die Lage des Arbeiters bt: M verschlimmere. Hierauf nahm der Vorsitzende der Christ⸗ 20 P lichen das Wort und erklärte u. a., daß sie der Reichstag 1d gegn gar nichts anginge. Politik wollten sie nicht treiben, zuchhat⸗ meinte er, aber hoffte doch, daß sie bei den nächsten „ae Reichstagswahlen gute Fortschritte machten! Er bestritt 3 weiter, daß die Christlichen Streilbrecher gestellt hätten 1h über, und verlangte Beweise.— Diese zu bringen waren wir er wid gerne bereit, doch bekam Gen. Graulich, der sich meldete, e Turn. das Wort nicht, es hieß, die Versammlung sei geschlossen. un ac f Trotzdem gab Gr. noch einen Fall christlichen Streik, n 5 bruchs bekannt, den die Christlichen zum Gaudium der een andern mit auhören mußten. Allerdings, die Wahrheit sei. g hören sie nicht gern, die Herren Christlichen! un 17 1 Aus dem Nreise Wetzlar. Tchel, u warel. II h. Ein Volksbad soll in Wetzlar er. kin a! richtet werden. In mehreren Artikeln, die im Arbeitet]„Wetzl. Anz.“ über diese Angelegenheit ver- saßstäde! öffentlicht wurden, sprachen die Einsender den mise“ durchaus berechtigten Wunsch aus, daß eine 5 Jalil 1 Badeanstalt nicht ohne Schwimmbassin ub. d. geschaffen werden solle. Besonders trat Herr 1 Kreisarzt Dr. Braun in längeren Ausfüh- 1 d rungen dafür ein, w iber Wert des Schwimmens nachwies. Arbe nur zuzustimmen. f vertretung, dafür mit ihren finanziellen Mitteln sie empfohlen werden, 5 fraglich erscheinen. ll. 10 10 h. Ein schweres Unglück hat die 10% Familie des in Arbetterkretsen allgemein ge⸗ fr 1 achteten und beliebten Stadtverordneten Casp. aal, Michael! betroffen. Sein ältester, 17 jähr. 1 Sohn, der in Löhlbach bei Frankenberg als 4 10 Kaufmann lernte, ist infolge einer Schußver⸗ an letzung gestorben. Sein Prinzipal hatte olle d den Lehrlingen Jagdgewehre zum Reinigen ge- sereß 0 ins derselben war Veulic geben, eins selben als einer der jungen Leute tigte, ging der Schuß los e 1 jungen Michaeli tötlich. Er starb bereits auf g 1 105 i alt 1 ge„ Marhurger Klinik Der Ver⸗[ Emm 1 1271781 Se! mente, die es damals noch v rhöhnte, gen an dem Wege zur Morburge tlic a e 1155 Empfehlenswerte sozialistische Schriften t Sura beo. Das G 6 N 101 e war ein außerordentlich anstelliger unk 5. 1 J En eee ende 0 eee 7 5 der 11 be Hoff⸗ 1 Die Neue Zeit. Wochenschrift der deutschen J zerpflückte unser R eb 10 N itelligenter ee 5 ee 1 1 15 die Sozialdemokratie. Allwöchentl! Heft. Preis 25 Pfg. Behauptung, die Flottenverstärkung 4 nungen berecht Me. An 5 0 1 115 1 0 l Grundsätze und Forderungen der Sozie ö ug des Handels un 5 10* N Familie Der schwere 4 e lösch ag u 1 Au demokratie. Von Karl Kautsky und Bruno der kolossale zerung de utsch bir 50 gemeines Beileid wird ihr entgegengebracht. Schönlank. Preis 10 Pfg. bon 880 ne 5 1896 auf über ol 1 h. Schon wieder Fleischaufsch bag! Die Ve ule, wie sie sein soll. Von Otto] 13 000 Millionen J 05 aungewachsen it, hat ata Erst vor etwa 14 Tagen wurden die Preise Rühle. eis 30 Pfg. die Flotte ga teust e überhaupt Mllitarismus 1 ah für Rind⸗ und Ochsenfleisch um 8 Pfg. prof: Hand lspolitit und Sozialdemokratie und Marinismi i der wirtschafklichent 10 0 Pfund höher gesetzt und jetzt macht die Von Karl Kautsky. Eine populär Darstellung de Entsosckelung ha könn ohne Rüstungen gran g ft Metz zerinnu 9 nen weiteren Aufschlag be handels pol itischen Streitfragen. Preis 30 Pfg. dere, vor allen Dingen segen here Erfolge auswesen 0 20 indem er den gesundheitlichen einzutreten, denn ob private Sammlungen, wie Erfolg haben, will uns noch geladen und sich damit beschäf- Dem ist Es wäre Aufgabe der Stadt⸗ kannt und zwar gleich um 10 Pfg. das Pfund für Fleisch und Wurst. Ob 1950 dienen Arbester, die den wirtschaftlichen und politischen Dingen gleichgültig gegenüberstehen, bald zur Einsicht gelangen werden? h. Ein gräßlicher Unfall ereignete sich am Mittwoch Abend wieder in der Röhren⸗ gießerei des Buderus'schen Eisenwerkes. Aus einer Gießpfanne ergoß sich plötzlich flüssiges Eisen— wie es heißt infolge Gasentwickelung— auf vier in der Nähe befindliche Arbeiter, die furchtbar verletzt und in's Krankenhaus gebracht werden mußten. Drei der Verletzten sind ver- helratet und zwar Haus aus Hermanstein, Althaus aus Oberohmen und Dörr aus Wettsaasen. Der vierte, Rehm aus Wetzlar, ist ledig. „Opfer der Arbeit. Der Bergmann Müller aus Steindorf erlitt kürzlich bei der Arbeit einen schweren Unfall, durch den er das Rückgrat brach. Aufangs der Woche ist der Verunglückte in der Gießener Klinik seinen Ver⸗ letzungen erlegen. Er stand noch verhältnis⸗ mäßig in jugendlichem Alter, war verheiratet und hinterläßt Frau und drei kleine Kinder. Wegen Bigamie(Doppelehe) ver⸗ urteilte die Wetzlarer Strafkammer einen Fuhr⸗ mann aus Dorlar zu 9 Monaten Gefängnis. Er hatte seine erste Frau, mit der er nicht gut auskam, einfach verlassen und eine zweite ge⸗ heiratet, ohne daß die erste Ehe geschieden war. Und das wird bestraft. Anders ist die Sache, wenn etwa ein Fürst oder Geldprotz sich türkisch einrichtet und eine oder mehrere Mattressen hält. Aus dem Rreise Marburg-Rirchhain. — Schlimmer Jugenderzieher. Am Freitag verurteilte die Marburger Straf- kammer den Lehrer Heinrich Hufnagel aus Wangershausen wegen Sittlichkeitsverbrechen, begangen an mehreren Schulmädchen, zu 1½ Jahren Gefängnis. — 2 ersammlungskalender.. Samstag, den 22. September. Gießen. Wahlverein. Abends 9 Uhr Ver⸗ sammlung bei Orbig. Vortrag des Genossen G. Schreiber: Die englische Revolution bis zur Hinrichtung Karl's J. Wetzlar. Wahl verein. Abends 9 Uhr Ver⸗ sammlung im Gasthaus„Zur Glocke“. Sonntag, den 23. September. Heuchelheim. Gesangsabtellung des Arb, B.⸗Vereins. Nachmittags 3 Uhr Zusammenkunft bei Wirt Fr. Steinmüller. Nieder⸗Eschbach. Wahl verein. Nachmittags ½4 Uhr Mitgliederversammlung bei Wilh. Holz. Dienstag, den 25. September. Gießen. Gewerkschaftskartell und Gewerk⸗ schaftsvorstände. Abends ½9 Uhr Sitzung bei Orbig. 8 Zur Nachricht! Die nächste(letzte) Nummer der„Mittel- deutschen Sonntags-Zeitung“ gelangt am Frei⸗ tag, den 28. September in der Expedition der „Oberhesstschen Volks⸗Zeitung“, Neustadt 14, zur Ausgabe.— Unsere Spediteure werden freundlich ersucht, die Zeitungen dort in Em— pfang zu nehmen und im weiteren für baldige Abrechnung Sorge tragen zu wollen. Militarismus, und ein Hindernis für die frefheitliche Entwickelung Tätigkeit der Sozialdemokratie im Reichstage. (Schluß.) Etat des Reichsheeres. Die prinzipielle Bekämpfung des kulturwidrigen der schwer auf dem Volke lastet bildet, hat die Sozialdemokratie stets als eine ihrer parlamentarischen Hauptaufgaben betrachtet. Das heutige Militärsystem steht nicht zuletzt im Dienste der herr⸗ schenden und ausbeutenden Klasse, der es auch vielerlei Privilegien bietet, während die schaffende und darbende Volksmasse in der Hauptsache die ungeheuren finanziellen Opfer tragen muß, die der alles überwuchernde Milita⸗ rismus erfordert, der auch ein Förderer des engherzigsten und schädlichsten Kastengeistes ist und eine stete Gefahr für den Frieden darstellt. Die Sozialdemokratie be⸗ kämpft aber auch den Militarismus, weil er die Quelle zahlreicher Mißhandlungen und Schinderetien ist und von der herrschenden Gesellschaft gegebenenfalls auch dazu benutzt werden soll, mit Waffengewalt blutig die Arbeiterbewegung niederzuschlagen, wenn sie sich gegen politische Unterdrückung und ökonomische Ausbeutung wehrt, wie die Bereitstellung und Verwendung des Militärs selbst bei friedlichen Demonstrationen gezeigt hat. Wir fordern Einführung der allgemeinen Volks⸗ bewaffnung, sinn⸗ und vernunftgemäße Erziehung zur Wehrhastigkeit von Jugend auf, die auch einen großen nationalen Gesundheitswert hat, während der heutige Kasernen⸗ und Paradedrill nur zu ost gesundheits⸗ schädigend wirkt. Diesen prinzipiellen Forderungen und Anschauungen verliehen unsere Redner beredten Ausdruck, ebenso auch der Tatsache, daß die gesunden Prinzipien, die der größte deutsche Militärreorganisator, Scharnhorst, vor hundert Jahren zu praktizieren begann, als die gedrillte preußische Paradearmee elend und jämmerlich zusammengebrochen war, längst wieder verlassen sind, dem Prunk⸗ und Paradesoldatentum weichen mußten. Der Kampf gegen die Soldatenschindereien, den die Sozialdemokratie seit Jahrzehnten mit aller Energie führt, und sich dadurch in hohem Maße um alle die Hundert⸗ tausende verdient gemacht hat, die den bunten Rock tragen müssen, ist auch im verflossenen Sesstonsabschnitt kräftig fortgesetzt worden; gleichzeitig wurde auch auf die schweren Mängel in der Militärjustiz— die wir grundsätzlich verwerfen— hingewiesen, ebenso auf das mehr als mangelhafte Beschwerderecht der Soldaten. Eine recht lebhafte Auseinandersetzung zeitigte die von unserer Seite an den Zuständen in den Militärwerkstätten geübte Kritik, die, weil stets mit einer Fülle von Tar⸗ sachen belegt, von der Militärverwaltung außerordentlich unangenehm empfunden wird. Flottengesetznovelle— Etat der Marine. Den beiden Milliarden-Flottenforderungen der Jahre 1898 und 1900 ist im Berichtsjahr eine neue Forderung gefolgt: sechs große Kreuzer, davon einer als Materlalreserve, die insgesamt 165 Millionen Mark verschlingen werden; außerdem forderte die Regie⸗ rung den Ausbau der Torpedoflottille auf 24. Boots⸗ divistonen. Dadurch wird der ohnehin ungeheuerlich in die Höhe getriebene Marineetat abermals gesteigert. Bis zum Jahre 1917 sollen nunmehr gebaut werden(ein⸗ schlleßlich der früher bewilligten Forderungen) 18 Linien⸗ schiffe a 36,5 Millionen, 13 große Kreuzer à 27,5 Millionen, 24 kleine Kreuzer A 6,3 Milltonen. Dazu kommen noch für 212,8 Millionen Torpedoboote, für 60 Millionen Unterseeboote, für 148.8 Millionen Re⸗ serven, so daß allein für Neubauten bis 1917 ein⸗ schließlich von 118,7 Millionen Restraten 18 7 8 Millionen erforderlich sind. Insgesamt wird die Marine bis zum Jahr 1917 nicht weniger als 3711, Millionen erfordern; vorausgesetzt, daß nicht bis dahin neue Flottenforderungen kommen und in⸗ zwischen die Baukosten der Schiffe sich abermals enorm erhöhen. Noch vor wenigen Jahren kostete ein Linien⸗ schiff„nur“ 25— 30, ein großer Kreuzer 18—20 Mil⸗ lionen, heute aber 36,5 bezw. 27,5 Millionen. Mit größter Schärfe bekämpfte unser Redner die Flottenforderung und beleuchtete dabei schonungslos den Die Expedition. und verletzte den e eee e eee ee Umfall des Zentrums, das noch im Jahre 1898 mit hochtön enden Worten, in denen es ja Meister ist, gegen die uferlosen Flottenpläne sich gewendet hat, heute aber unter Benutzung derselben un ahren und schäbigen Argu⸗ ——. 7— .— 5 2 Seite 6. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 38. würde.— Dem freisinnigen Antrag, die Kosten der neuen Flottenforderung durch eine Reichsvermögenssteuer zu decken, stimmte die Fraktion zu; der Antrag wurde aber in namentlicher Abstimmung mit 142 gegen 67 Stimmen abgelehnt. Die Flottenpatrloten belasten eben lieber den ärmsten Mann im Volke als sich und ihre Sippe. Kolonialetat. Ungewöhnlich umfangreich und hestig gestaltete sich die Beratung des Kolonialetats, die von einer moralischen Hinrichtung nicht mehr weit entfernt war. Immer unverhüllter zeigt sich das Fiasko, das Deutsch⸗ land mit seiner Kolonialpolitik erleidet, die Unsummen schon verschlungen hat und— solange im Reichstage eine Mehrheit wie die heutige zum Schaden des Volkes und Staates existiert— noch Unsummen verschlingen wird, mit dem bisher einzigen Erfolg, daß die Kolonial- politik kaum notdürftig einen lächerlich geringen Handel zeltigte, dafür aber Skandale und Verbrechen aller Art, die auf Deutschland Schmach über Schmach gehäuft haben. Wie rasend die Anfwendungen des Reiches (Reichszuschüsse und sonstige Ausgaben) gewachsen sind, zeigen diese Angaben: 1885 gab das Reich für die Kolonien rund 348 000 Mk. aus, 1895 bereits rund 6,1 Millionen, 1904 rund 149,4 Millionen. Allein für die famose chinesische Pachtung Kiautschou sind bisher 85,9 Millionen verausgabt worden. Der Kreuzzug nach Ostasien hat bisher 274,1 Millionen, der Aufstand in Südwestafrika über 300 Millionen verschlungen. Bald wetterleuchtet es in dieser, bald in jener Kolonie, und die Gefahr, daß neue, schwere Aufstände ausbrechen, ist drohend nahe. Nicht weniger als 753 Millionen Mark find in den unseligen 20 Jahren deutscher Kolonialpolitik verschleudert worden, während der Ge⸗ samthandel in dieser Zeit sich auf rund 320 Millionen Mark berechnet, wobei besonders zu beachten ist, daß diese Ziffer auch nur durch die Einrechnung der Liefe⸗ rungen für Militär, Beamte usw. erreicht worden ist. In den deutschen Kolonien lebten bis 1904 kaum 6000 Deutsche; von einer späteren starken Anstedelung kann nie die Rede sein. Mußte doch selbst der als Kolontal⸗ schwärmer bekannte Hänge⸗Peters noch im November 1905 zugeben, daß Südwestafrika kaum an die ärmsten Teile Britisch⸗Südafrikas heranreicht. Und der Afrika⸗ forscher v. Nettelbladt, ein genauer Kenner dieser Kolonie, die einen anderthalbmal so großen Flächeninhalt wie das Deutsche Reich hat, erklärte, daß Südwestafrika höchstens 40000— 50 000 Menschen zu ernähren vermag. Welche Flächen notwendig sind, um ein Stück Rindvieh oder Kleinvieh zu ernähren, darüber mußte der Besiede- lungskommissar Dr. Rohrbach Angaben machen, die bei jedem Landwirt Entsetzen hervorrufen. Und dabei wird die Zukunft und der„Wert“ dieser famosen Kolonie neuerdings mit dem phantastischen Hinweis auf die dort angeblich mögliche große Viehzucht gepriesen. Aber Wahrheit werden alle diese Phantasiekolonial⸗ schätze niemals werden, weil sie eben nur in der Phan⸗ taste, aber nicht in deutschen Kolonien vorhanden sind, wenigstens nicht in dem Maße, daß sie nur ein Viertel all der Geldaufwendungen lohnten. Trotzdem: nicht eine der bürgerlichen Parteien ist bereit, dem deutschen Kolonialaberwitz ein Ende zu bereiten, der letzt schon resigniert mit dem famosen Argument verteidigt wird: Wir haben einmal die Kolonien, es ist um sie deutsches Blut geflossen, ergo müssen wir sie um der„Ehre Deutschlands“ halber halten, die— wie nochmals betont werden soll— beinahe tagtäglich in den Kolonien in schwerster Weise ramponiert wird. Nur die sozialdemo⸗ kratische Fraktion bekämpfte die Kolonialpolitik grund⸗ sätzlich, die nichts gemein hat mit der Kulturentwickelung, nicht der Ziviltsation dient, sondern der brutalsten und blutigsten Abenteurerlust und einem rücksichtslosen, von wildester Profitgier beseelten Ausbeuter- und Spekulanten⸗ tum auf Kosten der Steuerzahler Riesengewinne zuschanzt. Der Bericht erwähnt im Weiteren verschiedene Helden⸗ taten von Kolonialbeamten, die dafür schimpflichen Ab⸗ schled verdient haben, aber mit Pension entlassen worden sind. So der Hauptmann Besser(Kamerun), der 60 bis 70 eingeborene Träger verhungern ließ und auf die Vorstellungen eines Offiziers die bestialische Antwort gab: „Ich will gerade, daß die Schweine verrecken.“ Der Unmensch erhielt ganze sieben Monate Festungshaft. Ein Hauptmann Kannenberg, der eine ahnungslose Frau angeschossen hatte, aus purem Mutwillen, wurde mit einer geringen Gefängnisstrafe belegt und mit Pension entlassen. In diesem Fall, wie in einem anderen (Hauptmann Thierry, der einen Mann vom Baume heruntergeschossen hatte), mußte der Kolonialverwaltung nachgewiesen werden, daß dem Reichstage nicht die volle Wahrheit gesagt worden ist, und wie vecsucht wurde, die Puttkameraffäre als möglichst harmlos darzu⸗ stellen, ist noch in frischer Erinnerung. Die Verträge mit den Land⸗ und Eisenbahngesellschaften, die Abkommen mit Syndikaten lieferten den Beweis, daß die Kolonlal⸗ verwaltung nicht einmal die Fähigkeit hat, die Trag⸗ weite der von ihr getroffenen Vereinbarungen zu über⸗ schauen. So sind Landkonzesstonen erteilt worden, die die Eingeborenen den Gesellschaften auf Gnade und Un⸗ wildesten Bodenspekulation. Neben der oftmals grau⸗ samen Behandlung ist es nicht zuletzt auch der kon⸗ zesstonierte Landraub an den Eingeborenen, der sie zu Aufständen treibt, die dann blutig auf Kosten der Steuerzahler niedergeschlagen werden. In Südwestafrika hat man die Aufständischen ihres Landes beraubt, so daß die sozialdemokratische Fraktion diesen, vom Reichs⸗ tag dann angenommenen Antrag einbrachte: Der Reichstag wolle beschließen: den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, er wolle dafür sorgen, daß in der Kolonie Süd westafrika den Eingeborenen ein zu ihrem Lebens⸗ unterhalt in selbstaͤndigen Wirtschaftsbetrieben aus⸗ reichender Landbesitz zugesichert werde, um auf dieser Grundlage die Rückkehr friedlicher Zustände in der Kolonie und die schleunige Zurückziehung der dort bisher zu kriegerischen Operationen erforderlichen Truppen zu ermöglichen. Die deutsche Kolonialpolitik mit ihrer Sinn⸗ und Systemlosigkeit, ihren großen Ungerechtigkeiten gegen Eingeborene, hat im verflossenen Sesstonsabschnitt wenig⸗ stens teilweise eine arge Bloßstellung erfahren. Den Versuchen, die Kolonialkritik und die Aufdeckung der zahllosen Mißstände einzuschränken, wird die Sozial⸗ demokratie energisch entgegentreten, ohne die grundsätzliche Bekämpfung der kapitalistischen kolonialen Eroberungs⸗ und Ausbeutungspolitik nur einen Augenblick zu unter⸗ lassen. Im Weiteren widmet der Fraktionsbericht dem Etat der Justizverwaltung, dem Diätengesetz, dem Gesetz gegen die Hülfskassen, eingehende Be⸗ sprechung und zählt dann die Initiativanträge und Interpellationen auf, die von der Fraktion eingebracht wurden. Die drei Interpellationen betrafen die Fleisch⸗ teuerung, die Borussia⸗Katastrophe und die Russenausweisungen. Die 16 Initiativanträge, die die Fraktion einbrachte, betrafen u. a. folgende Gegenstände: Ver⸗ sammlungs⸗ und Koalitionsrecht; Einführung eines achtstündigen Maximalarbeitstages; Regelung des Ver⸗ tragsverhältnisses zwischen Bergwerksbesitzern und den Bergleuten, auf das lediglich reichsgesetzliche Vorschriften Anwendung finden sollen, die auch gleichzeitig die Arbeits⸗ zeit gesetzlich festlegen; Einführung eines Reichs berggesetzes; Gesetz zum Schutze der Arbeiter im Baugewerbe; Er⸗ richtung von Gerichten für Streitigkeiten aus dem Ar⸗ beitsverhältnis zwischen ländlichen Arbeitern und Arbeitgebern; reichsgesetzliche Vorschriften für die Rege⸗ lung des Vertragsverhältnisses zwischen Arbeitern und Arbeitgebern, unter gleichzeitiger Aufhebung der Gesinde⸗ ordnungen und Gewährung des Koalitionsrechts; Auf⸗ hebung der Nahrungs⸗ und Futtermittelzölle; allgemeines Wahlrecht in den Bundesstaaten; Ausdehnung der Immunität der Reichstagsabgeordneten auf die Straf- haft; Aufhebung des Majestätsbeleidigungsparagraphen; Haftung der Eigentümer von Automobilen und Eisen⸗ bahnen für den durch ihr Eigentum angerichteten Schaden. Von allen diesen Anträgen kam nur der Antrag betr. das Wahlrecht in den Bundesstaaten zur Verhandlung, den die Mehrheit ablehnte. Mit einer ausführlichen Darlegung der sogenannten Finanzreform und der neuen Steuergesetze schließt der Bericht. Wegen Raummangel können wir noch nicht einmal Auszüge daraus wiedergeben. Doch es erübrigen sich solche auch, da über dieses für das arbeitende Volk höchst unerfreuliche Kapitel in unserm Blatte schon viel geschrieben wurde. Von Nah und Fern. Ein gerissener Advokat war Jakob Deraburg, der Urgroßvater des jetzigen Kolonialdirektors. 1794 in Mainz geboren, wurde er Rechtsgelehrter. Bald war er einer der beliebtesten Anwälte der Stadt. Von seiner Schlagfertigkeit mag die folgende Anekdote Zeugnis ablegen. In einem Zivil⸗ prozeß hielt er einstmals auf dem Mainzer Gericht eine zündende Rede, doch auf einmal merkt er, wie sein Klient immer unruhiger und zuletzt ganz aufgeregt wird. Er wendet sich ihm zu und dieser flüstert ihm ins Ohr: Ums Himmels willen, was machen Sie denn, Sie verteidigen ja die Sache meines Gegners! Dernburg merkt selbst nunmehr zu a Schrecken, daß er sich geirrt hat, aber mit der größten Seeleuruhe fährt er fort: Meine 8 so würde ich reden, wenn ich die ache der andern Partei zu vertreten hätte, aber da ich die Angelegenheit des Herrn X. führe, verhält sich natürlich alles anders, und nun drehte er sich plötzlich zugunsten seines Klienten, vertrat die Sache so gut und impo⸗ nierte durch diese originelle Art so sehr den .Die antisemitischen Blättermachen sich das Vergnügen, den jüdischen Stammbaum des Kolonial direktors vorzuführen. 6— Sturm am Morgen. Alles drängt und rückt zusammen, Sell an Selle, Stein an Stein, Doch der Sturmwind und die Flammen Reißen Alles wieder ein; Alles zu gewiß'rer Dauer Schließt sich aneinander fest, Doch das Feuer sprengt die Mauer, Und der Sturm zerstört das Nest. Was Gewohnheit eng verbündet, Hundertjähr'ges Bestehen, Satzung noch so fest gegründet, Stürzt zuletzt des Geistes Weh'n; Unaufhörlich durch die Cande Braust gewaltig seine Macht, Ost und lockert alte Bande, Tagt durch Wolken, scheucht die Nacht. Wen'ge nur sind, die ihn hören, Aber sie begrüßen laut Und bejubeln sein Serstören, Wenn der blinden Menge graut. Für die Menschheit, ihr zum Heile, Richtet trüg'risches Besteh'n Und entwurzelt Vorurteile Und bricht morschen Bau sein Weh'n. Harre mit Geduld des Tages, Wo das Recht die Höh'n ersteigt, Wo sich nicht mehr als ein Sages, Als ein Feind die Wahrheit zeigt. Aus dem Traum die CTrägen rütt'le, Hoffart bricht und Eigensucht, Sturm am Morgen, brause, schütt'le, Welkes Caub und reife Frucht. Hermann Lingg. Ver sorgt. Von Pauline Ludwig. Vor dem Portal einer großen Fabrik standen der Fabrikbesitzer Stark und sein Schwager, Rittergutsbesitzer Hilmer aus K., in eifrigem Gespräch. Das Geklapper der Webstühle sowie das Surren der Spindeln von den Selfaktoren drang durch die weitgeöffneten Fenster, durch welche sich die Strahlen der warmen Juntsonne hineinstahlen zu jenen Menschen, die von Wärme und Licht der Sonne wenig verspüren. Plötz⸗ lich schien es, als habe jemand einen Schrei ausgestoßen; das Geräusch der Maschinen ver⸗ stummte. Als Herr Stark bemerkte, daß der Betrieb ruhte, entschuldigte er sich auf ein paar Minuten bei seinem Schwager. Dann lenkte er seine Schritte nach dem Feuerhaus, wo er dem Feuermann zurief:„Ja, was fällt Ihnen denn eigentlich ein? Gestern mußte eine Stunde versäumt werden, weil Sie die Ver⸗ dichtung am Sonntag nicht nachgesehen haben, so daß sie mitten in der Woche herausfliegt. Nun, was wird es heute wieder geben. Ueber⸗ haupt sage ich Ihnen, wenn Sie Ihrem Beruf sich gefälligst nach einer anderen Beschäftigung um. So, nun wissen Sie's.“ Der Feuermann stand im Maschlnenraum, wo er damit beschäftigt war, eine Schraube am Tender fester anzuziehen. Bei den Worten seines Chefs legte er den Schlüssel auf die Werkbank. Dann trat er dicht vor ihm hin, eine jähe Röte hatte sein Gesicht überzogen. Eben öffnete er den Mund, um sich gegen die unberechtigten Vorwürfe zu verteidigen, als die Dietel hereinstürzte, um zu melden, daß die sei. Ohne ein Wort zu erwidern, verließ Stark das Feuerhaus. ö Als die Tür krachend ins Schloß gefallen war, sagte der Feuermann brummend zu Dietel: gnade ausliefern; die Landstrecken werden Oblekte der Richtern, daß er den Prozeß glänzend gewann. „Nun ja, es ist doch bloß ein Mensch, der, nicht mehr vorstehen können, dann sehen Sie Tür aufgerlssen wurde und der Spinnmeister Wolferin Merkel in den Reißwolf gekommen 5 8 . —.„„——— ͤÄ S CTT des Nr. 38. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 7. wenn er zugrunde geht, durch einen anderen ersetzt wird, ohne daß der Unternehmer dabei zu Schaden kommt. Was ist da weiter dabei?“ Finster vor sich hinblickend, begab er sich nach dem Saal, wo der Reißwolf und die Krempeln standen. Inzwischen war Stark zu seinem Dare zurückgekehrt, der sich die Zeit damit vertrieb, die Arbeiterinnen zu mustern, welche an dem Fenster sichtbar wurden. Denn auf 0 55 Gebiet war er ein Kenner wie alle seinesgleichen. Und es war ihm wirklich un⸗ angenehm, daß der Schwager schon wieder zu ⸗ 15 2 und ihn somit in seiner Beschäftigung rte. Der Wolfsaal, ein düsterer, übelriechender Raum, lag im älteren Teil der Fabrik. Lange mochte es her sein, daß die abgerußten, mit schmutzigem Wollstaub bedeckten Wände das letzte Mal getüncht worden waren. Es herrschte eine unheimliche Ruhe, als der Feuermann eintrat. Auf einem Wollhaufen lag eine regungs⸗ lose Gestalt und vor ihr knieten einige Frauen, welche damit beschäftigt waren, der Verun⸗ glückten einen Notverband anzulegen. Da, man hörte Schritte und über die Schwelle trat Stark in Begleitung seines Schwagers. Sie machten vor der Gruppe Halt und Herr Stark wandte sich an den Spinnmeister:„Ich kann gar nicht begreifen, daß so etwas noch immer passtert, trotzdem ich so oft warne, vorstchtig zu sein. Nun kann ich mich wieder in all diesen Schmutzblättern herumziehen lassen, die uns Unternehmer für jedes Unglück verantwortlich machen. Es war doch alles in Ordnung, was?“ Freilich war alles in Ordnung bis auf die Schutzvorrichtung, welche der Fabrikinspektor wohl angeordnet hatte, seinen Anordnungen war aber noch nicht nachgekommen. „Schon gut, schon gut,“ unterbrach Stark den Spinnmeister, als dieser die erwähnte Tat⸗ sache seststellen wollte. Aergerlich kehrte er dem Meister den Rücken, um sich seinem Schwager zuzuwenden, der fich mit den Worten:„Schade um das hübsche Kind!“ dem Ausgang zuwandte. Inzwischen kam der Krankenwagen aus dem Krankenhause; man hatte den Wagen tele⸗ phonisch herbeigerufen. Der Feuermann sah dem Transport mitleidig nach und wischte sich mit der Hand über die 1 99 8 Er sagte für sich:„Ja, nun wird auch die Schutzvorrichtung angebracht. Ja, jetzt!“ Die große Wanduhr, welche in der Stube der Frau Merkel hing, hatte soeben elf Uhr Dean Die noch rüstige 2 8 welche vor em Spulrad saß, schob dieses beiseite, um das Mittagsmahl für sich und ihre feu P urecht zu machen. Bevor sie sich dieser Be⸗ schästigung zuwandte, versah sie erst die Blumen⸗ stöcke, die am weit geöffneten Feuster standen, mit Wasser. Dann nahm sie einen schönen Myrtenstock vom Sims und stellte ihn auf den Nähtisch, welcher in dem kleinen, aber netten Zimmer stand. Kaum hatte ste sich dem Ofen genähert, als an die Tür geklopft wurde. Her⸗ ein trat ein alter Mann, der in der Fabrik Laufdienst verrichtete. Frau Merkel kannte ihn gut, weil sie in das Geschäft spulte, wo ihre Tochter als Wolferin beschäftigt war. Offenbar fiel es dem Alten schwer, sich seines traurigen Auftrages zu er⸗ ledigen. Es wurde ihm schwer, die richtigen Worte zu finden. Ganz langsam begann er: „Frau Merkel, ich bin im Auftrag meines Chefs geschickt, Ihnen mitzuteilen, daß Ihrer Tochter ein Unfall passtert ist, und man sie ins Krankenhaus geschafft habe, weil, nun weil Sie ja doch nicht die nötigen Räumlichkeiten dazu hätten, um eine Kranke zu beherbergen.“ Ruhig wurde es in der Stube, von der Straße herauf drang das Lärmen spielender Kinder. Kein Wort brachte der Alte mehr über die Lippen, er sah bloß uoch, wie die Mutter in lautlosem Jammer in die Knie ge⸗ sunken war. Dann zog er die Türe hinter sich zu und verlteß 8 15 das Haus. Lange saß Frau Merkel, und Bild auf Bild ließ sie an ihrem Geiste vorüberziehen. Ihre ganze freudenlose Jugend, dann viele Monate des Glücks, wie es Menschen bloß ge⸗ nießen können, die sich wirklich lieben. Und dann das Schrecklichste von allem, als sie vor seiner Leiche kniete draußen im Maschinenhaus des Bahnhofes, wo er beim Rangieren zwischen die Puffer gekommen war. Sie hatte nicht geglaubt, es überleben zu können, aber ste hatte weiter gelebt. Gelebt für ihr Kind— und nun womöglich ist auch sie tot und ste haben es mir nicht gesagt. a Langsam richtete sich die Frau auf, sie mußte Gewißheit haben, wie es um ihr Kind stand. Nein, es kann nicht sein, schrie es in ihr auf, daß ich auch noch das letzte Liebste verloren habe. Vielleicht lebt meine Helene. Wenn ste nicht mehr zur Fabrik gehen kann, dann werd' ich wieder wie früher, als sie noch klein war, bei Tag und die halben Nächle spulen, oder auch selbst zur Fabrik gehen; wenn mir bloß mein Kind erhalten bleibt. (Schluß folgt.) Splitter. Die arme Zukunft! Durch das Uebermaß von Hoffnungen, die die Menschen auf sie setzen, verliert sie fast ihren ganzen Reiz, sobald ste zur Gegenwart wird. Maxim Gorki. 2 ** Durchschweife frei das Weltgebiet, Willst Da die Heimat recht verstehn, Wer niemals außer sich geriet, Wird niemals glücklich in sich gehn. Wanderspruch von Paul Heyse. ** * Ohne Bege sterung schlafen die besten Kräfte unsres Gemüts. Es ist ein Zunder in uns, der Funken will. Herder. Die Firma D. Kaminka, Marktplatz 11, am Kriegerdenkmal, hält sich als anerkannt reelles und leistungsfähiges Geschäft am Platze, zum Bezuge von Uhren Gold⸗ und Silberwaren auf das Angelegent⸗ lichste une Reparaturen und Gravierungen prompt und preiswert. Humoristisches Zweierlei. A.: Also der Tippelskirch kommt nun hinter Schloß und Riegel? B: J wo! A: Aber ich habe doch was von einem„Schlosse“ gelesen! B.: Gekooft hat er sich eens, wo er nu uff seine Lorbeeren unn„Verdienste“ ausruht. „Seßhaftigkeit“. 1. Fabrikant: Was wollen Sie denn eigentlich mit ihren Arbeiterwohnungen? Die undankbaren Kerle sehen die Wohltat ja doch nicht ein! 2. Fabrikant: Ich will die Arbeiter seßhaft machen! 1. Fabrikant: O, das besorgt eine schnei⸗ dige Polizei viel besser. Die steckt die Kerle alle in's Loch, wenn sie nicht parieren!(Südd. 8 —— — * Täglich frischen in Wetzlar? 27 Lahnstraße 27 Wo kaufen wir unsere— Arbeiterschuhe Shnuhwurenhang Heir. Bender Aer ligung H ο H,j,&Ge7 RKReparaturen prompt und billig. 8 99 Obstkuchen Dieustag und Freitag Zwiebelkuchen L. Müller Speisekürbis zu verkaufen N Hch. Melcher, Wetzsteingasse 10.8 empfehlen in reicher Auswahl zu billigsten Preisen. Lang& Wiederstein Marktstraße 4 las-, Porzellan- und Steingutwaren Giessen. Telephon 394 4 4 GIESSEN Lindenplatz 1 Ihger Co. Nähmaschinen Act. Ges Eigene Reparaturwerkstätte. niederlage der Union Horlogere Biel, Glashütte i. S., Genf U a. 1000 Vertreter im In⸗ u. Auslande. 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Juni 1906. 5 Aktiva: Passiva: Kassenbestand bar 413.95 Anteil der Mitglieder 6754.— dto. Gewerbeb. 9059.33 9478.28 Hypotheken 34800.— Anteil bei der Großein⸗ Reservefond 1515.15 kaufsgesellschaft 500.— Spezialreservefond 187.70 Immobllien 4177.74] Guthaben d. Lieferanten 5848.64 Warenvorrat 7240.31] Darlehen 3464.— Inventar nach Abschr. 1820.— Kaution 500.— Ausstände 1401.05 Nichterhob. Rückvergüt. 17.— dto. Zinsen 108.— Noch zu zahl. Unkosten 99.42 Reingewinn 8914.47 62208.38 62208.38 Die Mitgliederzahl betrug am 1. Juli 1905 365 ausgeschieden sind 1 eingetreten sind 2 155 Mitgliederstand Ende Juni 1906 520 Gießen, im September 1906. Für den Vorstaud: Michael Keßler, Geschäftsführer. Vaul Niewisch, Kassierer. Für den Aufsichtsrat: Karl Orbig, Vorsitzender. Sonntag, den 30. September 1906, nachmittags 3 Uhr Generalversammlung im Taale des Hotel Einhorn, Lindeuplatz. Tagesordnung: 1. Geschäftsbericht. visionsbericht,) Genehmigung der Jahresrechnung. 3. Ver teilung des durch gemeinsamen Einkauf Ersparten. 4. Geneh⸗ migung des Ankaufs der beiden Häuser Asterweg 2 und 6 aus der Kuhne'schen Konkursmasse. 5. Ergänzungswahl des Vor⸗ standes und Aufsichtsrates. 6. Etwaige Anträge. Die Mitglieder find dringend gebeten, der Einladung zur Generalversammlung zahlreich Folge zu leisten. Der Vorstaud. . Bringe den verehrl. Bewohnern von Gießen und Um⸗ gegend meine 0 N 7 und reichhaltiges Sarglager in empfehlende Erinnerung. 0 Theo Schaefer, Glasermeister 7 Rodheimerstraße 2, gegenüber d. Biebertalbahnhof. * —...——. (E. Krumm) Gießen. Verlag der Mitteld. Sonntags⸗Zeitung 2. a) Kassenbericht, b) Re- a blascleb Didberemabmangsgescfäft J fuck Sachen 6 Flechten nass und trockene Schuppenflechte, skroph Ekzema, Hautausschläge, flene Fi 2 OHene Fusse Beinschä den, Beingeschwüre, Ader- deine, böse Finger, alte Wunden Lind oft hartnäckig; wer bisher vergeblich hoffte geheilt zu werden, mache noch einen Versuch mit der bestens bewa IN O- SALBE frei von Gift u. Säure, Dose Mk. 1.—. Dankschreiben gehen täglich ein. Sache, Naphtalan je 15, Walrat 86, Benzůoesett, Venet. Terp., Lampferpfaster, Perubaleam je 5, Kigelb 30, Chrysarebin 0, Zu haben in den Apotheken. Man achte genau auf die Original- Packung welss- grün- rot und die Firma Rich. Schubert& Co. Wein- böbla, u. weise Fälschungen zürück stäünd. Ausstattung. Wilhelm P eppler, onrmacher Wieseck, Gießener Straße 5 Empfiehlt sein reichhaltiges Lager in Regulatoren, Wand-, Weck und Taschenuhren sowie Gold- und Silberwaren Wecker von 2.50 Mk. an Taschenuhren von 5 Mk. an : Geschäfts⸗ Empfehlung. 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