— 1. 8 — ——— ß 7’ —..—.. — — — 2 1 1 . — e wird, ist bekannt. — Nr. 16. Gießen, den 22. April 1906. 13. Jahrgang. Sgenlah! 1. Sclobzese Mitteld eutsche e Nachaiteg 4 Ul Huntags⸗Jeitung. Abounementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die geliefert monatlich 25 Pfennig. Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Postanstalt und die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 5107) Austräger frei ins Haus Bestellungen 5 Juserate finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung 33/0 und bei mindestens 22 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Bei mindestens Der russische Bauer und der Sozialismus. Daß unter den russischen Bauern eine ener⸗ gische sozialistische Propaganda getrieben Es ist aber schwer, sich ein festes Urteil zu bilden, inwiefern diese Propa⸗ ganda an Boden gewinnt und wie weit der russische Bauer geneigt ist, dieser Propaganda sein Ohr zu leihen. Einen interessanten Beitrag zu diesem Pro⸗ blem liefert der russische Nationalökonom M. Tugan⸗Beranowsky, der seine persönlichen Be⸗ obachtungen in einem in der Zeitschrift„Naka⸗ nune“ abgedruckten Artikel wiedergibt. Seiner Meinung nach ist der russische Bauer weit ent⸗ fernt, der Eigentumsfanatiker zu sein wie sein französtscher oder deutscher Standesgenosse. „Nicht nur der Bauer der großrussischen Ge⸗ meinde“— sagt er in diesem Artikel—„ist von völlig entgegengesetzten Anschauungen über den Boden, nämlich, daß er„Gottes“ sei und folglich keiner einzelnen Person als Privat- eigentum zufallen dürfe; auf demselben idealen Standpunkt steht auch der nicht in den Gemeinden wohnende russische Bauer.“ Davon konnte ich mich aus eigner Erfahrung überzeugen. Die letzten fünf Jahre verbrachte ich in einem abgelegenen Winkel des Gouver⸗ nemeuts Poltawa, in einem ausschließlich acker⸗ bautreibenden Bezirk. Die wenigen industriellen Etablissements des Bezirkes, in denen die Dampf⸗ maschine benützt wird, sind zwei Branntwein⸗ brennereien und eine Graupenmühle, beides Betriebsanlagen, die eng mit dem Ackerbau verbunden sind. Der Industrieerwerb außer⸗ halb des Hauses ist im Bezirk schwach ent⸗ wickelt, die Heimarbeit besteht hauptsächlich in der Bearbeitung des örtlichen Materials, für die Bedürfnisse der Bauern. Gemeinschaftlicher Grundbesttz fehlt fast vollständig, nur einige kleine Dorfschaften bilden eine Kommune i va und auch diese fast nur dem amen nach. Der Masse der Dorfbevölkerung sind die Gebräuche des gemeinschaftlichen Boden⸗ besttztums, wie Umteilung und Ausgleichung des Bodens usw., völlig fremd und sie haben wohl schwerlich etwas davon gehört. Und trotzdem hatte der revolutionäre Sturm kaum Rußland erschüttert, als in allen Dörfern des Bezirkes eine Bewegung zugunsten der Bodennationalisierung ausbrach, obgleich diese Bezeichnung unserm Kleinrussen völlig fremd ist und ihm ganz absonderlich klingen mußte. Fast in allen Dörfern des Bezletes wurden Resolutionen gefaßt über den Anschluß an den„Allgemeinrusstschen Bauern⸗ verband“, wobei die Losung:„Den Boden dem Volke“ von allen in dem Sinne ver⸗ standen wurde, daß nur das ganze Volk Eigen⸗ tümer des Bodens sein könne, einzelne Personen jedoch nur so weit den Boden benützen dürften, als es sich mit den Interessen der übrigen ver⸗ einigen ließe. 5 Ich persönlich hatte mehrmals Gelegenheit, Urteile der Bauern zu hören, die mich in größtes Erstaunen setzten. Vor mir waren Leute, die durch die Not gedrückt und erbittert waren und rie trotzdem das Bewußtsein ihrer natürlichen Rechte und die Achtung vor den gleichen Rechten andrer Leute nicht eingebüßt hatten. Alle Menschen sind gleich und haben folglich das gleiche Anrecht auf den Boden, der nicht das Produkt menschlicher Arbeit ist— diese Argu⸗ mentation wurde beständig auf jeder Bauern⸗ versammlung vorgebracht und fand den Beifall der großen Mehrheit. Die reichen Bauern versuchten oft den Beweisführungen, die auf der Idee des natürlichen Rechtes beruhten, den Hinweis auf das positibe Recht entgegenzustellen, riefen aber nur stürmische Proteste der Mehr⸗ hett hervor, die unerschütterlich von ihrem moralischen Rechte überzeugt war. Gewiß ist den russischen Bauern die sozia⸗ listische Weltanschauung zurzeit noch fremd. Aber noch fremder ist ihm der Fanatismus des Besitzes, und in der wichtigsten Form des Besitzes— im Grundbesitz— steht er seinen ärgsten Feind. Das ist der Grundzug der bäuerlichen Psychologie. Ihn zu erklären ist nicht schwer. Es handelt sich hier nicht um den gemeinschaftlichen Grundbesitz, sondern darum, daß die Mehrheit unsrer Bauern keine Klein⸗ bürger sind, sondern von der Rot niedergedrückte Landarbeiter, denen es an Boden mangelt. M. V. politische Nundschau. Gießen, den 19. April 1906. Verteuerung der Lebenshaltung. Die Unternehmerpresse weist regelmäßig, wenn die Arbeiter mit Lohnerhöhungsforderungen hervortreten, auf die Steigerung der Löhne hin; ste vergißt aber hinzuzufügen, daß vielfach die Preise der Mieten und notwendigen Lebens⸗ mittel noch weit mehr gestiegen sind. Nach den von der„Statist. Korrespondenz“ veröffentlichten Durchschnittspreisen der wichtigsten Lebensmittel haben diese im letzten Monat wiederum eine Steigerung erfahren. Es kostet nämlich das Kilogramm in Pfennigen: Rindfleisch Schweine⸗Kalb⸗Hammel⸗ Speck Butter I. II. fleisch fleisch fleisch März 1906 157 134 173 162 155 189 245 Febr. 1906 157 134 172 161 156 189 241 März 1905 143 121 140 142 139 156 240 Verglichen mit dem März vorigen Jahres stellen sich also die Preise für Rindfleisch um 14, für Schweinefleisch um 33, für Kalbfleisch um 20 und für Hammelfleisch um 16 Pfg. pro Kilogramm höher. Ebenso ist der Preis des Specks um 33 Pfg. gestiegen. * In Mainz erhöhten die Metzger den Preis des Kalbfletsches von 76 auf 86 Pfennige pro Pfund. Ueberall zeigen sich die traurigen Folgen des Lebensmittelwuchers; das agrarische Gerede, daß die hohen Fleischpreise eine vor⸗ übergehende Erscheinung seien, und bald wieder auf ihre normale Höhe zurückgehen würden, erweist sich mit jedem Tage mehr als trügerisch. Vor den Feiertagen hieß es, daß in Oberhessen die Preise für Mastschweine beständig im Rück⸗ gange bohren seien, das Pfund Lebendgewicht sei auf 52 Pfennige gesunken. Ob das richtig ist, können wir nicht nachkontrolltieren, in den Metzgerläden ist aber von einem Zurückgehen der Preise nicht das Geringste zu merken. Die Folgen der Fleischteuerung treten be⸗ sonders auch in den sächsischen Fabrikstädten grell zu Tage, wie der„Frkftr. Ztg.“ geschrieben wird. Trotz erheblicher Zunahme der Einwohner⸗ zahl sind z. B. in Chemnitz im März d. J. 1155 Schlachttiere weniger geschlachtet worden als im März 1905, auch wurden dort nahezu 80 Zentner Fleisch weniger von auswärts ein⸗ geführt als im gleichen Monat des Vorjahres. Das bedeutet einen Rückgang des Fleisch⸗ konsums um mindestens 10 Proz. Dagegen wurden im Chemnitzer Schlachthofe im März d. J. 97 Pferde und 41 Hunde geschlachtet, 17 und 14 mehr als im Vorjahr. Wieviel braucht eine Familie zum Leben? In dem Verhandlungsbericht über die Ab⸗ urteilung des Stadteinnehmers Lieb in Lud⸗ wigshafen, der vom Schwurgericht Zwei⸗ brücken wegen Unterschlagung amtlicher Gelder mit vier Jahren Zuchthaus belegt wurde, fand sich vor Kurzem folgendes beachtenswerte nette Zugeständnis in der„Pfälz. Presse“: „... Lieb hatte ein Einkommen, das im Jahre 1904 den Betrag von 12000 Mark noch überstieg. Allerdings hatte der Ange⸗ klagte eine große Familie, bestehend aus Frau und 9 Kindern— wovon 7 noch leben, zu ernähren. Hätte der Angeklagte nur einiger⸗ maßen haushälterisch gewirtschaftet, so hätte ein solches Einkommen, wenn auch keine Ersparnisse gemacht werden konnten (), doch unbedingt ausreichen müssen.“ Hier erklärt also ein nattonalliberales Blatt rund und nett, daß für eine Familie von 9 Köpfen 12000 Mk. pro Jahr gerade ausreicht. Ersparnisse für später, für Krankheitsfälle und Verlust der Erwerbsfähigkeit, könnten freilich davon— von zwölftausend Mark pro Jahr! — noch nicht gemacht werden! Arbeiter aller Berufe, Beamte, Handwerker! Seht euch noch⸗ mals die Ziffer an, welche von nationalliberaler Seite, die es doch wissen muß und die es doch allen in liebevoller Fürsorge recht machen will, bezeichnet wird als Einkommens minimum! Mit 12000 Mark kann man das Jahr über gerade auskommen! Wir müssen mit Beschä⸗ mung bekennen, daß wir von einer menschen⸗ würdigen Existenz bisher noch eine recht dürftige Vorstellung hatten. Wir wollen uns bessern, uns würdig zeigen im Kampf ums Dasein und geben nun die Losung aus: Auf zum Kampfe zur Erriugung des Existenzminimums für jede Arbeiterfamilie! 12000 Mark Jahreseinkommen jedem zu auskömmlichem Leben! Im Zeitalter des Fleischwuchers ist von Interesse eine historische Reminiszenz, die die Fleischerzeitung auffrischte. Als dem Preußenkönig Friedrich II., dem sogenannten alten Fritz, sein Regiedirektor de la Haye de Launay vorschlug, einen Zoll auf die Ein⸗ fuhr von Schlachtoteh zu legen, erteilte er am 16. März 1766 in einem eigenhändigen Schreiben folgenden Bescheid: „Fleisch. Es ist mir unmöglich dieser Steuer meine Zustimmung zu geben. Ste ist für das Volk zu drückend. In be⸗ — — Seite 2. Nitteldeutsche Sauntags⸗Zeitang. Nr. 16. treff des Fleisches genehmige ich, daß man das Pfund auf 19 Pfg. setzt, aber den Eingangszoll von einem Taler für jeden fremden Ochsen anlangend(oder überhaupt von jedem Haupte Rindvieh), so geht das nicht, und man muß irgend einen anderen für die Akzise geeig⸗ neten Gegenstand ausfindig machen, daß man sich daran erholen kann.“ Dem König Friedrich II., der im allgemeinen ganz und gar nicht etwa der„König der Armen“ war, als den die patriotische Legende ihn feiert, schien es„unmöglich“, von jedem Ochsen einen Einfuhrzoll von drei Mark zu erheben; das sei„zu drückend“ für das Volk,„gehe nicht an“, man solle nach einem besser geeigneten Gegen⸗ stand für Zölle suchen. Heute, einhundertund⸗ vierzig Jahre später, im Zeitalter des vielge⸗ priesenen sozialen Königtums, sperrt man nach Möglichkeit die Reichsgrenzen überhaupt für fremdes Vieh, und auf jedem Ochsen, den man wirklich hereinläßt, lastet ein Durchschnittszoll von 48 Mark— das sind 45 Mk. mehr als der Satz, den Friedrich II. für„unmöglich“ er⸗ klärt hatte! Was für Summen verpulvert werden zeigt ein Bericht, den kürzlich bürgerliche Blätter aus Kiel brachten: Ein scharfer Torpedoschuß, der in der Strander Bucht von einem Torpedo⸗ boot der 1. Torpedoboots⸗Diviston in voller Fahrt auf eine verankerte Scheibe abgegeben wurde, war ein Volltreffer. Das Zielobjekt wurde vollständig zersprengt. Dem Schausptel, das sich selten bietet, da ein solcher Schug et wa 18000 Mark kostet, wohnte auch die chine⸗ sische Studienkommisston an Bord der Torpedo⸗ boote bei.— Was hier in einem Augenblicke verpufft wird, davon könnten 18 Arbeiterfamilien ein ganzes Jahr lang leben! Das Befinden des Reichskanzlers soll keines wegs so zufriedenstellend sein, als die gutgesinnten Blätter es hinstellten. Es wird im Gegenteil mit dem Rücktritt Bülows gerechnet und schon nach dem Nachfolger Um⸗ schau gehalten. Trotz ärztlicher Bemühungen soll der Reichskanzler die Bewegungsfähigkeit der Beine noch nicht wieder erlangt haben; der Ohnmachtsanfall im Reichstage wird jetzt auch von der Regierung nahestehenden Blättern als 90 1 92 Zeichen erschütterter Gesundheit an⸗ gesehen. Ein Zuchtbausurteil gegen Streikende. Wegen angeblichen„Landfriedens⸗ bruchs“ standen dieser Tage zwölf Arbeiter vor dem Schwurgericht in Güst ro w i. Mecklen⸗ burg. Sie waren vom Neptunwerft ausgesperrt und sollten eine Anzahl arbeitswilliger Kupferschmiede, die trotz Streik und trotz Aussperrung auf der Neptunwerft zu Rostock Arbeit genommen hatten, eines Tages überfallen und verhauen haben. Die zwölf Geschworenen waren natürlich sämtlich Angehörige der bestitz⸗ enden Klassen, Gutsbesitzer, Gutspächter ꝛc., Leute, die von den Kämpfen der Arbeiterschaft keine Ahnung haben. Der Angeklagte Türk soll der„Rädelsführer“ gewesen sein. Ueber ihn sagte ein Zeuge eidlich aus, daß dieser stets zur Ruhe und Besonnenheit ermahnte, so auch noch am Montag, 5. Februar, Abends, als in der Rostocker„Warnowhalle“ zwei der arbeitswilligen Kupferschmiede gewesen. Ja, Türk habe die noch Auwesenden aufgefordert, wobet er sich in die Haustür stellte, daß nie⸗ mand eher die„Warnowhalle“ verlassen möge, ehe die Kupferschmiede auf der Werft seten. Auch der Direktor der Neptunwerft, Barg, kann ihnen nichts Nachteiliges nachsagen. Auf direkte Frage mußte Barg auch bestätigen, daß Türk als derzeitiger Vorsitzender des Ar⸗ beiterausschusses ihm stets als ruhiger und besonnener Arbeiter bekannt sei. Trotz dieser klaren Darlegungen des Direktors, unter dessen Leitung Türk bis zur Aussperrung jahrelang gearbeitet hatte, glaubte das Geschworenengericht den Aussagen der drei Arbeitswilligen. Türk wurde als Rädelsführer zu 1 Jahr 3 Mo⸗ naten Zuchthaus, 3 weitere Angeklagte zu je 1 Jahr Gefängnis und zwei zu je 5 Monaten Gefängnis verurteilt. Die Ar⸗ beitswilligen aber, die sich an die Stellen der vom Unternehmertum brotlos gemachten Arbeiter drängen, finden in der deutschen J Ati die willfährigste Beschützerin. f N Die Lage der Volksschullehrer in Preußen wird durch eine Einsendung be⸗ leuchtet, welche vor einiger Zeit in der„Schles⸗ wig⸗Holsteinschen Schulzeltung“ zu lesen war. Dort beklagte sich ein Lehrer aus einem Dorfe des östlichen Holsteins bitter über die un wür⸗ dige Stellung der Lehrer in jener Gegend. Der Einsender schilderte, wie er zum Mittag⸗ essen„Reih“ um gehen“ müsse bet den Bauern. Auch die Wohnungsverhältnisse seien elend. Die Redaktion des Blattes hatte daran die Frage geknüpft, was die Aufsichtsbehörde zu solchen seltsamen Verhältnissen sage. Später erfuhr die Redaktion, daß eine behördliche Unter⸗ suchung stattgefunden habe, in der festgestellt worden ist, daß die Zustände durchaus der Wirklichkeit entsprechend dargestellt worden seien. In der neuesten Nummer der „Sckulzeitung“ wird nun mitgeteilt, daß der Einsender von der Regierung zu 20 Mark Strafe verurteilt worden sei, unter Androh⸗ hol von Strafverschärfung im Falle der Wieder⸗ olung. Also: die Darstellung entspricht vollkommen der Wirklichkeit; es ist wahr, daß die Lage der Volksschullehrer trostlos elend und unwürdig ist, aber sagen darf der Lehrer nichts dazu! Er hat das Maul zu halten, nichts über die preußische Volksschullehrer⸗Herrlichkeit zu reden oder zu schreiben. Mögen die Miß⸗ stände noch so groß und unerträglich sein, der Lehrer hat schweigend zu dulden! Tut er es nicht, so wird er in Strafe genommen. Wenn noch etwas gefehlt hat dazu, die unwürdige Lage preußischer Volksschullehrer grell zu be. leuchten, dann ist es diese Strafverfügung der Regierung.— Viele Lehrer haben aber offenbar kein Verständnis für das Traurige ihrer Lage und derjenigen ihrer Kollegen. Wir finden ste vielmehr als Trabanten der reaktionärsten Par⸗ teien, die niemals etwas für die kulturelle Hebung des Volkes getan und infolgedessen auch nichts für Volksschule und Lehrer übrig haben. Anstatt Kriegervereinsfestreden zu halten und mordspatriotische Phrasen zu dreschen, sollten sich die Lehrer vielmehr bemühen, die deutsche Volksschule auf die Höhe zu bringen, die eines Kulturvolkes würdig ist. Adel zu verschachern. Im konservativen„Reichsboten“ veröffent⸗ licht ein ostpreußischer Pastor den Brief eines adligen Herrn in Rastow in Mecklenburg, wo⸗ rin dieser sich dem Pastor zur Erwerbung des Adels anbietet— für gutes Geld natürlich. Es heißt in dem Briefe:„Ich offertere Ihnen jetzt den Adel durch Adoptton. So würden Sie also den Namen v. B.⸗P. führen können mit unserem Wappen. Die Hauptsache ist uns: Wieviel würden Sie an mich zahlen für diese Gefälligkeit? Das bleibt selbstverständlich diskret. Daß man bei solchen Sachen nicht lange handelt, ist Ehrensache, vielmehr geben Sie mir ihre äußerste Grenze an, und ich werde Ihnen sagen, ob ich damit zufrieden bin oder davon abstehe. Alles übrige besorge ich dann, und Sie zahlen erst bet Empfangnahme der amtlichen Adoptions⸗ urkunde. Mit Mk. 2000 wird der Adel überall bewertet. Wünschen Sie aber die Barons⸗ oder Freiherrnwürde, dieselbe kostet mehr— denn von einem anderen Herrn. Hochachtend A. v. B.“ — Zbweitausend Mark ist aber viel für eine so werklose Sache! Kein vernünftiger Trödeljude würde 50 Pfg. dafür geben! Das Verbrechen von Courrières stellt sich als immer ungeheuerlicher heraus. Die fürchterliche Katastrophe stellt sich als kapi⸗ talistischer Massenmord furchtbarster Art dar. Nach den Mitteilungen französischer Zei⸗ tungen soll es sicher sein, daß zahlreiche Bergleute die Aufflammung der Gase überlebten! Man hat nicht ein einziges Steinfeuerzeug mit Zunder in den Ränzeln der Leichen gefunden. Berthon, der vierzehnte Gerettete, aber hat doch nicht all den Zunder allein gegessen. Er hat überhaupt nur einen kleinen Umkreis der Stollen bestrichen und ist auf diesen are wee en nur einer kleinen Zahl von Leichen begegnet. Außerdem macht man darauf aufmerksam, daß die Mehrzahl der gefundenen Leichen bekleidet war. Die Bergleute waren aber bei der Arbeit, als das Verderben über ste hereinbrach! Und da sie stets nackt bis zum Gürtel arbeiten, so haben sie Zeit gehabt, sich anzuziehen und in den Gängen umherzuirren, um einen Ausgang zu finden. Es sind uur ganz wenig Bergleute von der Aufflammung auf der Stelle getötet worden. Die anderen starben eines langsamen Hunger⸗ und Erstickungstodes. Vor dem Hin⸗ scheiden aber haben ste mit dem Mut der Ver⸗ zweiflung gegen das Eindringen der tödlichen Gase gekämpft. Sie haben in der Cäclliengrube mit Hülfe von Paketen, Arbeitsblusen und Kohleuhaufen die Wetterschächte verstopft, durch die die tödlichen Gase zu ihnen drangen. Und nun fragt man: in welchem Augenblick sind diese Unglücklichen unterlegen? gefallen? Und warum werden die Leichen nicht geborgen? g Die Bergarbeiterdelegierten und Mitglieder der Untersuchungskommission, die sich geweigert haben, den Bericht über die Ursache des Gruhen⸗ unglücks von Courrieres zu unterzeichnen, haben einen Gegenbericht verfaßt, der dem Mi⸗ nister der öffentlichen Arbeiten Barthou unter⸗ breitet worden soll. In diesem Gegenbericht wird Beschwerde darüber geführt, daß man an dem auf die Katastrophe folgenden Tage nicht die Delegierten der Bergarbeiter hinzuge⸗ zogen habe. Der Gegenbericht erklärt zum Schluß, daß die Grubengesellschaft von Courriereß sich die ernsteste Verantwortlichkelt Wo sind ste aufgelader habe, dadurch, daß sie Schacht 3 versperrt ließ, daß sie ferner vor zeitig die Rettungsarbeiten aufgab und die Lüftung unterließ. Die Erregung unter den Arbeitern über diese Fahrlässigkeiten der Grubengesellschaft ist natürlich nicht gering. Es setzt sich überall die Meinung durch, daß bei zweckmäßigen Maß⸗ nahmen Hunderte gerettet werden konnten. Jetzt befinden sich Gruben.— Die meisten Bergleute des Beckens von Leus⸗Courrieres befinden sich noch im Aus⸗ stand; es kam mehrfach zu heftigen Zusammen⸗ stößen mit Arbeitswilligen und der Polizei. Die Wahlen in Frankreich sind auf den 6. Mai und die Stichwahlen auf den 20. Mai angesetzt. Die Einigung unserer Genossen hat unter deß gute Fortschritte gemacht, so daß sie auf Erfolge im Wahlkampf rechnen können. An dem von Jaures gegründeten Blatte„Humanité“ arbeiten mit diesem gemein ⸗ sam jetzt eine Reihe Genossen, die früher weiter links standen. Und Jaureés selbst sagt in einem Artikel zu den Wahlen:„Wir sind eins durch die Gemeinsamkeit der Prinzipien. wir die politische Republik in die sozialt Republik umwandeln. und das Elend entspringen, beseitigen. Alle wollen wir an die soziale Gemeinschaft und an die organisterten Arbeiter die großen Mittel det Produktion, des Austausches und der Zirkulation überführen. Darum geht jetzt der Kampf, der entscheidende Kampf. Um ihn mit allen unseren Kräften, ohne Zögern, ohne Abweichung, ohne Kompromiß zu führen, haben wir ung I einer einzigen Partei zusammengeschlossen. Empörung spanischer Matrosen. Auf dem spanischen Panzerschiffe, Vasen de Gama“ meuterte am Freitag die Besatzung Das Schiff war vor Lissabon verankert, 5 plötzlich eine ungewöhnliche Bewegung an 7 bemerkt und Schreie und Schüsse vernom gin wurden. Das Schiff verlangte Hilfe. 1 Schlepper, eine Fregatte und andere Fahrzeug, setzten sich in der Richtung auf den„Vasco 5 Gama“ in Bewegung, mußten aber In abstehen, sich neben ihn zu legen, da ste. Gewehrschüssen empfangen wurden. 8 5 lautete, ein Leutnant vom„Vasco de 1 0 sei von der Mannschaft getötet worden. 1. habe damit den Tod eines Matrosen räch Alle wollen wir daß kapitalistische Eigentum, woraus die Ungleichhet aoch etwa 700 Leichen in den Alle wollen — Ech wolde 0 bi u wollt fl cet 1 ahl — — TFT 2 ——— Nr. 16. 7 g 1 Nitteldeutsche Sonuags⸗ Zeitung. eee eee eee eee ee eee ever... 5 Seite 3. wollen, dem der Leutnant eine Kugel durch den Kopf geschossen hätte, als er gerade einen Kanonuenschuß abzufeuern versuchte. Auf dem Schiffe„Don Carlos“ und einem dazu gehörigen Kanonenboot empörte sich die Mannschaft eben ⸗ falls.— Was die eigentlich Ursache der„Meu terei“ war, ist aus den Nachrichten darüber nicht erstchtlich. Jedenfalls war die Behandlung der Leute derart, daß sie stch selbst helfen mußten. Kleine politische Nachrichten. Die Zeugniszwangshaft gegen den Genossen Schumonn in Bielefeld ist nun endlich aufgehoben worden. Schumann, der sich schon seit 4. Januar in Haft befand, war so schwer erkrankt, daß der Staats⸗ anwalt die Fortsetzung der Haft nicht mehr verantworten wollte. So hat auch dieses Torturverfahren keinen Er⸗ folg für die Regierung gehabt, außer etwa den, daß einem„Reichsfeinde“ die Gesundheit untergraben wurde. Denunziantenseuche. Der Schlosser Joh. Spowe erhielt vom Landgericht Aurich wegen Majestätsbeleidi⸗ gung eine dreimonatliche Gefängnisstrafe zu⸗ erkannt. Spowe hatte in einer Emdener Gastwirtschaft eine Aeußerung über Wilhelm II. fallen lassen, in der das Gericht, nachdem sich ein Denunziant gefunden hatte, eine Majestätsbeleidigung erblickte. 2 Karl Marx. Ein Vortrag von Karl Kaut sky. 4(Fortsetzung). Bald darauf brach die Revolution in Deutsch⸗ land aus, Marx und Engels und die übrigen Mit⸗ glieder des Kommunistenbundes gingen nach Deutschland. Noch war aber das Proletariat zu schwach, um eine eigene sozialistische Partei zu grün⸗ den, es konnte nur auftreten als äußerster linker Flügel der Demokratie. Im Rheinland ver⸗ suchte die Demokratie damals ein Blatt zu gründen, die„Neue Rheinische Zeitung“. So⸗ fort bemächtigten sich Marx und Engels dieses Blattes, das äußerlich ein Blatt der Demokratie war, aber tatsächlich wurden darin die Prin zipien des Kommunistischen Manifestes vertreten. Wenn man heute die Frage aufwirft: Wie soll ein täglich erscheinendes Blatt prinzipiell redi⸗ giert werden? dann verweisen wir solche Leute auf die„Neue Rheinische Zeitung“, die die erste war, die in glänzendster, aktuellster Weise, mit vollster Beherrschung aller Bedürfnisse der mo⸗ dernen Journalistik zeigte, wie man grundsätzlich und revolutionär ein Tageblatt schreiben kann. Das Blatt griff die Demokratie dort an, wo sie reaktionär war; wo ste revolutionär war, unterstützte es sie. Wo sie schwieg, wo ste ihrer Aufgabe untreu wurde, da wurde die Zeitung unbarmherzig in ihrer Kritik, und dadurch wurde sie die bestgehaßte Zeitung, die bestgehaßte nicht nur von der Reaktion, sondern auch von der bürgerlichen Demokratie. Kurz darauf, nach. dem sie begründet war— sie trat am 1. Juni 1848 ins Leben— kurz darauf erfolgte die große Katastrophe, die den Untergang der Revo⸗ lution einleitete: die Junischlacht in Paris. Die Bourgeoiste in Paris hatte besser er⸗ kannt, welch ein Gegensatz zwischen Proletariat und Bourgeoiste besteht. Während die Prole⸗ tarter noch auf die Bourgeoisie zählten, war die republikanische bürgerliche Regierung bestrebt gewesen, das Militär zu verstärken, so daß es im stande war, jeden Widerstand nteberzuschlagen. Und als die militärischen Kräfte dazu stark ge⸗ nug waren, wurde das Proletariat vor die Alternative gestellt, sich zu unterwerfen oder den Kampf aufzunehmen. Man wollte die besten revolutionären Elemente in die Provinz ver⸗ schicken, und daher mußten die Arbeiter zu den Waffen greifen. So kam es, provoziert durch die Bourgeoisie, zu dem großen Kampfe der Junischlacht, wo nach größten Anstrengungen des Militärs das Prolekariat geschlagen wurde und wo die größten Grausamkeiten entfesselt wurden. Damit war allen die ganze Kluft offenkundig geworden, wie im Kommunistischen Manifest gezeigt worden war, daß diese Kluft zwischen den beiden Klassen unüberwindbar sei, daß es zwischen ihnen nichts geben könne, als ununterbrochenen Kampf, keine Versöhnung. Ueberall trat nun die Großbourgeolsie auf die über der Reaktion, und so kam es, daß die Reaktion allüberall siegte. Wohl gab es noch Widerstände, wie in Sachsen, Baden und in Ungarn, aber die Reaktion schritt unaufhaltsam fort, und ihr unterlag auch die„Neue Rheinische Zeltung“. Sie wurde im Mai 1849 unter⸗ drückt. Ein Widerstand in Köln, innerhalb der Festung, war unmöglich. Engels kämpfte in Baden, wo der Aufstand ausgebrochen war. Marx ging nach Paris, wo eine neue Erhebung des Proletariats beginnen sollte. Aber das Schicksal der Revolution war besiegelt. Die Preußen stegten in Baden, und die Revolutionäre traten auf schweizerisches Gebiet über. In Frankreich kam es gar nicht zu einer neuen Erhebung, und Marx wurde vor die Alter⸗ native gestellt, entweder sich in der Normandie internieren zu lassen oder Frankreich zu ver⸗ lassen. Er ging nach England, das er von 1850 an zum Ausenthaltsort erwählte, wo er bis zu seinem Tode blieb. Engels folgte aus der Schweiz, und auch bald die anderen Mitglieder des Kommunisten⸗ bundes. Natürlich wirft ein wirklicher Kämpfer nicht sofort die Flinte ins Korn, noch glaubt man, die Revolution würde von neuem auf⸗ flammen und bereitete stch dazu vor, aber Marx und Engels waren zu tätige Köpfe, als daß ste die Zeit bis dahin ungenutzt hätten ver⸗ streichen lassen, und so ließen sie im Januar 1850 die Revue der„Neuen Rheinischen Zeitung“ erscheinen, die bis November erschien, sechs Nummern, worin ste die Kritik der vergangenen Kämpfe gaben. Dort gab Engels eine kritische Darstellung der badischen Verhältnisse, und Marx schrieb über die Pariser Revolution Ar- tikel, welche dann später Engels unter dem Namen„Klassenkämpse in Frankreich“ heraus⸗ gab. Marx hat diese Artikel später umgearbeitet und erweilert unter dem Namen„Der 18. Bru⸗ maire“ erscheinen lassen. Auch diese Zeitschrift hatte kein langes Leben, im November ging ste ein an Abonnentenschwindsucht. Es zeigte sich hier die Boykottierung der bürgerlichen Demo- kratie gegen Karl Marx, wegen der unbarm⸗ herzigen Härte der„Neuen Rheinischen Zeitung“ gegenüber der Demokratie. Am Schlusse der eitung äußerte sich aber auch bereits ein Kon⸗ fit innerhalb des Kommunistenbundes, der diesem Bunde ein Ende machte. Marx und Engels waren zu der Ueberzeugung gekommen, daß ein Wiederaufflammen der Revolution nicht mehr zu erwarten sei. Je mehr damals die ökonomischen Verhältnisse sich besserten, desto mehr kamen sie zu der Ueberzeugung, daß man sich einrichten müsse, auf lange Zeit in fried⸗ fertigen Verhältnissen zu arbeiten. Davon wollten die meisten Mitglieder des Kommunisten⸗ bundes nichts wissen. Sie konnten sich in den Gedanken nicht finden, daß alle Opfer vergeblich gebracht sein sollten, und zusehen, wie die Reak- kion in Deutschland wütete. So kam eine Reihe der energischsten Mitglieder in Konflikt mit Marx und Engels, und die Fraktion Willich⸗Schapper spaltete sich damals ab. In England selbst war die Blanquisttsche Fraktion Willich⸗Schapper in der Majorität und begrün⸗ dete dort eine Zentralbehörde. In Deutschland dagegen war die Richtung Marx und Engels vorherrschend, und daher verlegten Marx und Engels die Zentralbehörde nach Köln, wo sie die Majorität besaßen. Bald aber wurde in Deutschland der Kommunistenbund entdeckt. Eines der Mitglieder der Zentralbehörde, Notjung, wurde verhaftet. Man fand Papiere, die die Spur der anderen zeigten, und so wurde die Zentralbehörde verhaftet und ihr der Prozeß gemacht. Aber es war nicht möglich, sie zu berurteilen nach den bestehenden Gesetzen. Der Bund war eine geheime Gesellschaft, aber nach dem Code Napoleon konnte eine geheime Ge⸗ sellschaft nicht bestraft werden, man mußte also neues Beweismaterial herbeischaffen, und in der Herbeischaffung des Beweismaterials erwies sich besonders tätig Herr Stieber, der damals ein Meisterstück der Polizeilumperei lieferte. Was Stieber leistete, ist wahrhaft unglaublich. Liebknecht hat ihn seinerzeit später, in einer Versammlung im Jahre 1871, einen Halunken wußte zu genau was ans Tageslicht gekommen war und was man beweisen konnte. Es gab keinen Meineid, keine Fälschung, die dieser Ha⸗ l sich nicht zu schulden kommen ließ. Ein Beispiel will ich anführen, welches bewe it, nicht nur, welche Halunken in der Polizei waren, sondern auch, welche erbärmlichen Dumimköpfe darunter waren. Da war ein Originalprotokoll, welches über die Sitzung der Bundesbehörde in London geführt sein sollte, da waren die blut⸗ rünstigsten Reden enthalten, unterzeichnet von Liebknecht, und Stieber beschwor, daß Liebknecht es gewesen sei, der dieses Protokoll gegen schweres Geld verkauft habe. Es war allerdings von Liebknecht gezeichnet, aber es war gezeichnet H. Liebknecht, also vielleicht Hermann, Hugo oder Heinrich Liebknecht, aber auf keinen Fall Wilhelm Liebknecht. Diese Schufte, die es ge⸗ fälscht hatten, hatten sich nicht die Mühe gegeben, nachzusehen, wie der Mann hieß, dessen Unter⸗ schrift ste fälschten. Marx führte einen er⸗ bitterten Kampf gegen Stieber. Jeder Meineid Stiebers wurde an Marx telegraphiert, und Marx schickte Briefe an die Verteidigung, worin er die Fälschung zerpflückte und ihre Falschheit nachweisen konnte. Das war keine Kleinigkeit, denn die Stieberei war auch in der Post ver⸗ breitet, jeder Brief direkt mit der Post wurde gestohlen, also nur auf Umwegen konnte Marx mit der Verteidigung iu Verbindung treten. Trotzdem brach das ganze System zusammen, jeder erwartete Freispruch, aber die Geschworenen waren sorgsam gestebt, es waren solche Jammer⸗ kerle, daß sie die Angeklagten verurteilten. Marx hat eine Broschüre darüber geschrieben, und jedem, der mit der Polizei zu tun hat, dem rate ich, diese Broschüre anzusehen; es ist ein Denkmal der Schande der Politischen Poli⸗ zei. Die damals Verurteilten sind längst alle gestorben, aber einer von ihnen lebt noch, das ist der Genosse Leßner, der damals zu drei Jahren Festung verurteilt vurde. Er lebt noch frisch und gesund, radikal und mutig wie je, in London, stets erfreut über jeden Sieg, den die Jüngeren erringen, und stets bereit, die Jüngeren anzufeuern zu neuen Kämpfen. (Fortsetzung folgt.) — Von Nah und Lern. Hessisches. An die Parteigenossen des Großherzogtums Hessen! Parteigenossen! Der 1. Mai rückt immer näher. Da gilt es rechtzeitig zu rüsten, daß die Feier dieses großen Tages des Proletariats aller Länder würdig und eindringlich für die Herrschenden gestaltet wird. Um das aber zu können, müssen alle Partei⸗ und Gewerk⸗ schaftsgenossen gemeinsam wirken, Hand in Hand arbeiten. Wir müssen kraftvoll demonstrieren: für den 8⸗Stundentag; für eine wirkliche Arbeiterschutzgesetzgebung; für den Frieden unter den Völkern; für eine fortgesetzte Demokratisierung des öffent⸗ lichen Lebens; für das direkte, algemeine, gleiche und geheime Wahlrecht. Parteigenossen! Beruft deshalb, wo immer es mög⸗ lich ist, Malfestversammlungen ein. Wegen der nötigen Referenten wendet Euch frühzeitig an den Unterzeichneten. Auf zur Maiseier! Offenbach, 14. April 1906. Das Landeskomitee. C. Ulrich, Große Marktstraße 28. e ee Schwindel! Pünkt⸗ lich wie Schiller:„Das Mädchen aus der Fremde“, taucht vor jeder Wahl der liberale Schwindel vom„soztaldemokratischen Terrorismus“ in ihren Versammlungen auf. So kommt er auch jetzt wieder aus dem Darmstädter Wahlkreise; wenigsteus be⸗ richtet der Gieß. Anz.(vom 18. Apr.) getreulich und entrüstet über soztaldemokratische terrorts⸗ Seite der Reaktion, und die kleine Bourgeoiste wurde unzuverlässig, sie verlor die Kraft gegen⸗ genannt; er lebte noch und wagte es nicht, mit einer gerichtlichen Klage zu drohen, denn er stische Schandtaten. Wir verstehen es, daß die sich„liberal“ nennende konservativ⸗antisemi⸗ Seite 4. Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung. Mr. 16. tisch-ultramontane Clique versucht, das Augen⸗ merk der Oeffentlichkeit von ihren eigenen „Heldentaten“ und Rüpeleien abzulenken. Die Methoden sind aber so ziemlich allgemein be⸗ kannt, welche diese Rowdys mit den 20 em hohen Stehkragen in öffentlichen Versammlungen anwenden. Erst wird der Gegner nach Art der Achtgroschenjungen vom Reichsverbande mit Schmutz beworfen und dann schleunigst die Bude geschlossen. Trotzdem halten wir es für unangebracht, diesen Herren mit gleichen Waffen zu dienen. Am besten ist es da, diese Leute unter sich zu lassen und ihrer krankhaften Scheu vor öffentlicher Auseinandersetzung Rechnung zu tragen.— Uebrigens ist bei der Darmstädter Wahlbewegung nicht von sozialdemokratischem, sondern von nationalliberalem Terrorismus zu reden, über den sich die„entschiedenen“ Liberalen mit Recht beklagen. In einer nationalliberalen Versammlung in Arheilgen wie auch in einer solchen in Darmstadt wurden die Liberalen Bornemann, Nuschke und Haupt, die für Korell agitieren, persönlich attaktert und zwar im Belsein des nationall. Kandidaten Dr. Stein, des Abg. Becker und des sehr unrühmlich be⸗ kannten Amtsrichters Mahr. Dieser Vorfälle haben sich die Nationalliberalen allerdings zu schämen und sie sollten erst vor ihrer Türe kehren, ehe sie von sozialdemokratischem Terro⸗ rismus schwindeln. Gießener Angelegenheiten. — Der„Deutsche Verein“— die Antisemiten Liebermannscher Richtung— wandte sich neulich in einem„Eingesandt“ in den Gieß. „Neuest. Rachr.“ gegen unsere Behauptung, daß die„Deutsch⸗Sozialen“ bezüglich der Konsum⸗ vereine eine Politik mit doppeltem Boden treibe. Das uns erst später zu Gesicht gekommene Ein⸗ gesandt bestreitet, daß jene Partei auf dem Lande Konsumvereine befürworte und fragt uns, wo un) wann das geschehen sei. Weiter wird erklärt, daß weder die Reformpartei noch die Christlich⸗Sozialen Begründer und Förderer der Konsumvereine seien. Dann schließt das„Ein⸗ gesandt“:„Etwas anderes ist es mit dem Be⸗ zug⸗ und Absatzgenossenschaften des Mittelstandes in Stadt und Land. Konsumvereine aber werden fälschlicherweise für Genossenschaften gehalten. Doch kurz und gut: Wo und wann hat die deuischsoziale Partei auf dem Lande Konsum⸗ vereine begründet und gefördert? Wir sind neugierig auf die rühmlich bekannten„mittel⸗ deutschen Beweise“. Jedenfalls sind die„mitleldeutschen Beweise“ jederzeit klarer und zutreffender als die Aus⸗ führungen, die der„Deutsche Verein“ in obigen Sätzen macht, die fast zum Zwecke der Ver⸗ wirrung niedergeschrieben scheinen. Was da gesagt wird, ist nichts als Silbenstecherei. Be⸗ zugs⸗ und Absatzgenossenschaften und Konsum⸗ vereine sind verschiedene Namen für dieselbe Sache. Es ist auch bedeutungslos, ob die Liebermann⸗Partei offiziell Konsumvereine gegründet hat; es tat aber der Bund der Land⸗ wirte, mit dem sie eng verbunden ist und sich solidarisch erklärt. Außerdem treten bekanut⸗ lich viele bei den Antisemiten agitatorisch tätige Leute, wie Hirschel, der doch jetzt auch zur Lieber mann⸗Partei gehört, für die Konsumvereine ein, was wir ihnen natürlich nicht zum Vor⸗ wurf machen. — Wahlverein. In dem Berichte über die letzte Bersammlung befindet sich ein Irrtum. Krumm hat nicht gesagt, daß unsere Genossen gegen den Neubau der höheren Mädchenschule gestiumt haben, sie haben im Gegenteil dafür gestimmt.— Dabei sei noch bemerkt, daß in der Diskussion über den Bericht der Stadtver⸗ ordneten Fourier die Lohnerhöhung der städtischen Arbeiter als ungenügend bezeichnete. Namentlich sei bei einzelnen Kategorien die Arbeitszeit außerordentlich lang. Beckmann meinte, das Theater sei ja ganz schön, aber der arbeitenden Klasse nütze es nichts. Man werde jeden⸗ falls so hohe Eintritts⸗Preise ansetzen, daß ein armer Teufel sich den Luxus eines Theaterbesuchs nicht erlauben könne. Im übrigen erklärte er sich mit der Tätigkeit unserer Genossen im Allgemeinen einverstanden. — Ueber die Betriebskrankenkasse Winn wird uns geschrieben: Die letzte Versammlung behufs Entgegennahme der Jahresrechnung und Statuten⸗Aenderung war in vor⸗ schriftsmäßiger Weise auf Nachmittags 4 Uhr anberaumt. Plötzlich jedoch ließ man zwischen 11 und 12 Uhr Vormittags eine Anzahl Leute zusammentrommeln und hielt die Versammlung schon um 12 Uhr ab. Bei dieser Versammlung wurde gleichzeitig der Lohn ausgezahlt, infolgedessen weiß niemand genau, was an den Statuten geändert worden ist. Das Gerücht sagt, der Passus im Statut, wonach den Kassenmitgliedern für ihre Ange⸗ hörigen freie ärztliche Behandlung gewährt werde, sei dahin abgeändert worden, daß solche nur noch in schweren Krankheitsfällen gewährt werde. Wir glauben kaum, daß sich die Aufsichtsbehörde auf eine derartige, einzig dastehende Statutenänderung einlassen wird, da solche nicht legal zu Stande gekommen ist. Für die übrigen Bauhandwerker heißt es nun aufgepaßt, daß nicht noch mehr derartige, von„großen sozialen Gedanken“ geleitete Institute ins Leben gerufen werden. — Warnung vor Schwindel⸗ Krankenkassen! Einer Reihe der sauberen Institute, die sich„Volkskrankenkassen“,„Volks- verstcherungen“ oder sonstwie nennen, in Wirk⸗ lichkeit es aber nur darauf abgesehen haben, ihren Gründern und Leitern das Geld ver⸗ trauensseliger Leute in die Taschen zu leiten, ist schon ihr Handwerk gelegt worden. Doch immer wieder tauchen neue auf. Die Leser unserer Parteipresse sind ja durch die Warnungen der letzteren schon vorsichtig geworden, trotzdem fallen immer noch viele Arbeiter auf die viel⸗ versprechenen Reklamen herein. Eben wird das Land wieder mit Prospekten eines Unternehmens überschwemmt, das den hochtönenden Titel: „Deutsche Vaterländische Kranken-, Unterstütz⸗ ungs⸗ und Sterbekasse“ führt und seinen Sitz in Bu er in Westfalen hat, In diesen, im Reklamen⸗ styl gehaltenen Prospekten wird neben Kranken⸗ unterstützung auch Arbeits losenunterstützung ver⸗ sprochen, doch wird vorsichtigerweise nicht gesagt, wie hoch sie sein soll und auf welche Dauer ste gewährt wird. Allen Arbeitern raten wir, gegenüber dieser„Vaterländischen Kasse“ das alte Rezept beherzigen:„Taschen zu“. — Die Wahl in Darmstadt findet bekanntlich am Mittwoch, den 25. April, statt. Es wird dafür gesorgt werden, daß das Resultat am Abend desselben Tages in der Wirtschaft des Genossen Orbig mitgeteilt werden kann. — Bei der letzten Wahl wurden 14144 sozial⸗ demokratische und insgesamt 13401 gegnerische Stimmen abgegeben. — Vom Ausschuß für Volksvorlesungen ging uns ein Bericht zu, den wir aber erst in nächster Nummer bringen können. Aus dem Rreise gießen. — Ueber die„Landflucht“ der Arbeiter kann man jeden agrarischen Agitator und auch die meisten Großbauern räsonnieren hören und es wird dabei auch nicht wenig auf die Ver⸗ gnügungssucht, Begehrlichkeit und andere schöne Tugenden der ländlichen Arbeiter und Arbeiter⸗ innen geschimpft. Demgegenüber ist interessant, was eine verständige Frau, die ihr Leben lang auf dem Lande war und beanspruchen darf, die ländlichen Verhältnisse genau zu kennen, zu diesem Thema sagt. Frau Eltsabeth v. Oertzen führt darüber in der„Deutschen Monatsschrift“ aus: „Weniger Lohnfrage und 8 sind die ansschlaggebenden Gründe für die Ab⸗ wanderung der ländlichen Arbeiter in die Stadt, als der Umstand, daß der Landarbeiter jahraus, jahrein, Sonntag wie Alltag, auf dem Dorfe überall als die unterste Stufe der Be⸗ völkerung sich behandelt sieht: in der Kirche und beim Tanz, auf Familien- und Schützenfesten, im Gasthaus und in der Gemeindeverwaltung. Kein öffentliches Amt wird vom Tagelöhner bekleidet, fast keinem Vereine gehört er an, keine wesentliche Verbesserung steht für ihn oder seine Kinder in Aussicht. Dazu kommt, daß er sein Dasein unter steter Beobachtung zubringt: der Mann, der gesessen hat, die Frau, die in der Jugend einen Fehltritt begangen hat, werden ihre Vergangenheit nie wieder los. Und nicht allein die eigenen Standesgenossen sind gut unterrichtet, auch der Gutsherr, der Pastor usw., wissen genau Bescheid, überall macht sich eine drückende Kontrolle fühlbar. Vom ein⸗ stigen patriarchalischen Verhältnis zwischen Ar⸗ beitgeber und Arbeiter sind überwiegend nur die Fesseln und die Demütigungen des engen ländlichen Zusammenlebens übrig geblteben mehr und mehr wird darum dem ländlichen Hier ng ee das Leben unbefriedigend. 15 eingesetzt werden, um Versäumtes nachzu⸗ olen.“ Zutreffendes, das übrigens oft genug von der sozialdemokratischen Presse gesagt worden ist. Wenn allerdings Frau v. Oertzen weiter meint, man müsse dem ländlichen Tagelöhner ein ge- wisses„Standes bewußtsein“ zu verleihen suchen, so glauben wir, ist damit nichts geholfen. Will man aber die Lebenshaltung bessern wie die Verfasserin ebenfalls vorschlägt, so wird man damit gewiß mehr Erfolge erzielen. Im übrigen sind ihre Ausführungen, die auch die konservative Parteikorrespondenz abdruckt, sehr beachtenswert und könnten gelegentlich den Agrariern unter die Nase gehalten werden. th, Tabakarbeiter⸗Versammlungen. Außer in Krofdorf und Gleiberg fanden kurz vor Ostern noch in Großen⸗Linden, Wieseck, Alten⸗Buseck, Rödgen, Heuchel⸗ heim und Launsbach Versammlungen der Tabakarbeiter und ⸗Arbeiterinnen statt, in denen Frau Kiesel⸗Berlin sprach. Die Rednerin behandelte in den verschiedenen Orten folgende Themata: 1. Die künstliche Verteuerung der Lebensmittel. 2. Die Arbeiterfran als Hausfrau und Lohnsklavin. 3. Was tut uns not? Sie verstand es in ausgezeichneter Weise mit ihren Ausführungen die Zuhörer zu fesseln. Erfreulicherweise waren in allen Versammlungen viele Frauen und Mädchen anwesend, die lebhaftes Interesse für die Bestrebungen der Arbelter⸗ bewegung zeigten und mit Spannung den Ausführungen der Rednerin folgten. Diese legte klar und unwiderleg⸗ lich dar, wie heute besonders auch die Frau als Lohn⸗ sklavin ins Joch gespannt wird. In der heutigen Ord- nung der Dinge würden viele Frauen unseres Volkes verhindert, ihren wahren Beruf zu erfüllen, ihre Mutter⸗ pflichten auszuüben und die Kinder richtig zu erziehen, Frau Kiesel zeichnete, wie gesagt, die Lage der Arbeiterin lebenswahr nach den tatsächlichen Verhältnissen und fand damit bei den Arbeiterinnen verständnisvolle Aufmerk⸗ samkeit und reichen Beifall. Kollege Thielmann, der mehrere Versammlungen leitete, bemerkte, daß man es nicht bei dem Beifalle allein bewenden lassen solle, sondern man möge sich darüber klar werden, daß der Arbeiter⸗ schaft in der Organisation ein wertvolles Kampf⸗ mittel in die Hände gegeben ist, das sie in ihrem eigenen Interesse benutzen lernen müßte. Den Verbänden des Unternehmertums müßten die festgeschlossenen Reihen der Arbeiterschaft gegenübergestellt werden!— Die Vorträge der Frau Kiesel haben hier nicht wenig zur Stärkung des Tabakarbeiterverbandes beigetragen, wie die zahl⸗ reichen Aufnahmen, besonders von Arbeiterinnen, beweisen. Es war das erste Mal, daß wir hier diese Gelegenheit hatten, eine Frau zu hören, die genau mit den Ver⸗ hältnissen der Arbeiterschaft bekannt ist, Gefühl und Verständnis für deren Lage befitzt. Hoffentlich ist das lebhafte Interesse der Arbeiterinnen nicht nur ein Stroh⸗ feuer, diese müssen vielmehr unablässig um die Stärkung ihres Verbandes bemüht sein und die noch Fernstehenden heranziehen. Es ist noch viel Arbeit zu leisten! n. Die Maifeter in Wieseck findet am Sonntag, den 29. April, im Saale des „Gambrinus“ statt. Frau Dr. Michels⸗ Marburg wird dazu als Redncrin erscheinen. — Die Maifeier für Trohe und Rödgen wird Sonntag, den 29. April, bei Wirt Phil. Seipp in Trohe abgehalten. An die der Bedeutung der Maifeier entsprech⸗ enden Veranstaltungen(Festrede ꝛc.) wird sich Tauzbelustigung anschließen. Die auswärtigen Parteigenossen sind dazu freundlichst eingeladen. Beginn 3 Uhr; Eintrittsgeld 10 Pfg. d. Lollar. In den Buderus'schen Eisen⸗ werken scheinen jetzt die Maßregelungs⸗Praktiken gegen Arbeiter, die ihre und die Interessen ihrer Kollegen zu wahren bemüht sind, wieder stärker in Uebung zu kommen. Kürzlich wurden drei Arbeiter, darunter zwei Familien⸗ väter, aufs Pflaster geworfen, dle sich durch ihr Ein⸗ treten für den Metallarbeiterverband mißliebig gemacht hatten, denn sonst ist den drei Leuten nicht das Gerlngste nachzusagen, sie waren im Gegenteil recht tüchtige Arbeiter. Besondere Arbeiterfreundlichkeit, die der Direktion der Eisenwerke nachgerühmt wird, zeigt sich in diesen Maß⸗ nahmen gerade nicht. und wenn etwa verschiedene Betriebsleiter und Meister glauben sollten, sich damit bei den Arbeitern in besondern Respekt zu setzen und den Organisationsbestrebungen entgegen wirken zu können, so dürften sie sich darin ebenfalls täuschen. Die Arbelter⸗ schaft wird sich nicht einschüchtern lassen, sondern auf Beseitigung der zahlreichen Mißstände in diesem Betriebe bedacht sein. Gerade diese Scharfmacher⸗Praktilen müssen die Arbeiter veranlassen, mehr denn je zum Verbande zu halten und ihre Reihen zu schließen. Diese Ausführungen enthalten gewiß viel f Darum mit dle 2— dq ß s. 55L 772 Nr. 16. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 5. Ruhe an die Arbeit und alle noch Fernstehenden der starken Organisation zugeführt, die jetzt schon über 300000 Mitglieder zählt! Aus dem Rreise Jriedherg⸗Büdingen. Stadtverwaltung wie sie nicht sein soll. Folgendes„Eingesandt“ entnehmen wir dem Bad Nauheimer Generalanzeiger:„Die Gehaltsregelung der städtischen Beamten(ausschließlich des Bürgermeisters) ist nun glücklich in geheimer Sitzung unter Dach und Fach gebracht worden. Sie hat stellenweise große Auf⸗ besserungen der Gehälter gebracht und stellenweise auch nicht. Während die kleinen Gehälter entweder garnicht oder ganz unmerklich gestiegen, sind die größeren Gehälter bis auf 4— 5000 Mk. geschraubt worden. Das kann man doch wohl nicht mehr einen gerechten Ausgleich nennen, der inanbetracht der jetzigen Lebens mittelteuerung doch sehr am Platze gewesen wäre. Auch die Bewertung der einzelnen Arbeitsleistungen(es wurde leider für jeden Beamten eine besondere Skala gemacht) gibt zu großen Bedenken Anlaß. Ich kann es z. B. nicht verstehen, daß die Arbeit des Gasdirektors gerade das Doppelte so viel wert sein soll wie die des ältesten Stadtschreibers. Ein Staatsbeamter.“ Daß diese Stadtregierung nicht gern sozialdemo⸗ kratische Blätter im öffentlichen Lesezimmer haben möchte, ist allerdings sehr begreiflich. Aus dem Rreise Wetzlar. h. Ausstand der Marmorarbeiter. Am Samstag sind 18 Schleifer der Firma Dykerhoff und Neumann in den Ausstand getreten, weil die Firma gegenüber den bescheidenen Forderungen der Ar⸗ beiter nicht das geringste Entgegenkommen zeigte. In Bezug auf die von den Arbeitern gestellten Forderungen müssen wir unserer Notiz in voriger Nummer noch er⸗ gänzend hinzufügen, daß die Stundenlöhne von 40 bis 45 Pfg. nur für ältere, tüchtige Arbeiter gefordert werden. Für ausgelernte Schleifer— nach Z jähriger Lehrzeit— werden 25 Pfg., für Gehilfen im 2. Jahre nach beendeter Lehrzeit 30 Pfg. Minimal⸗Stundenlohn gefordert. Daß diese Löhne keine unbescheidene oder „unerfüllbare“ Forderungen darstellen, und die Firma sehr wohl darauf eingehen kann, beweist der Umstand, daß sie ungelernte Arbeitskräfte für 2,80 Mk. zu werben sucht, während, wie aus obigen Angaben ersicht⸗ lich ist, für Leute, die 3 Jahre gelernt haben, nur 2,50 Mk, gefordert werden!— Unter den ausständigen Schleifern befinden sich solche, die schon seit 2—3 Jahr⸗ zehnte bei der Firma in Arbeit standen; Herr Stadt⸗ verordneter Nenmann läßt diese alten, treuen Arbeiter wegen einiger Pfennige mehr Lohn, die sie bei den teuern Lebensmitteln unbedingt brauchen, in den Streik treten! Und doch hat es ihre Arbeit ermöglicht, daß die Söhne des Herrn N. Kavallerie⸗Offiziere werden konnten und als solche werden sie die Pfennige gewiß nicht so genau angesehen haben. h. Ein„Terrorismus“-⸗Fall kommt nächsten Freitag vor dem Schöffengericht zur Verhandlung. Ein Bergmann, der sich an dem Streik auf den Solmsschen Gruben beteiligt hatte, ist wegen Mißhandlung eines Arbeitswilligen angeklagt. Das Schönste dabei ist, daß e Mißhandelte von einer Mißhandlung nichts weiß! h. Volks versammlung in Launsbach. Sonntag, den 29. April, findet im Saale des Herrn Gastwirt Komp in Launsbach eine große Volksver⸗ sammlung statt, in welcher Frau Zietz⸗ Hamburg über „Klassenkämpfe einst und jetzt“ sprechen wird. Die Frauen und Mädchen von Launsbach, Wißmar und Umgebung sollten nicht versäumen, die bekannte und tüchtige Red⸗ nerin zu hören und diese Versammlung in Masse besuchen. Aus dem Rreise Marburg⸗Kirchhain. Ein Kaufmanns gericht soll dem Vernehmen nach in Marburg errichtet werden. Der Magistrat habe dem diesbezüglichen wiederholten Gesuch des Deutsch⸗ nationalen Handlungsgehülfen⸗ Verbandes stattgegeben, Er hat also seine frühere Ansicht geändert, nach welcher für ein solches Gericht kein Bedürfnis vorliege, Marburg auch noch keine 20000 Einwohner habe, weshalb die früheren Gesuche abgelehnt wurden. Nun darf man auch wohl hoffen, daß endlich zur Errichtung eines Gewerbegerichts geschritten wird, das mindestens so notwendig als ein Kaufmannsgericht ist. Die Leidensgeschichte der Marburger Plakatsäulen. Seit einiger Zeit besitzt Marburg Plakatsäulen, welche der Firma M. Gabler und Co. gehören. Als diese nach erfolgter Genehmigung der Stadtverordnetenversammlung ihre Säulen und Tafeln an verschledenen Straßen und Plätzen aufstellte, machte die Polizei⸗Verwaltung bekannt, daß Plakate von roter Farbe unter keinen Umständen angebracht werden dürften. Da geschah nun dleser Tage etwas ganz Unerhörtes. Der Gerichtsvollzteher kam mit seinem Adjutanten daher und klebte ohne Erlaubnis der Firma und der Polizei rote Zettel an. Und auf diesen Zetteln stand zu lesen, daß Säulen und Tafeln gepfändet seien. Was sagt nun wohl die Polizei zu der Freveltat des Gerichtsvollziehers, der sich nicht genierte, verpönte rote Zettel zu verwenden? Wird sie ihn deswegen in Ord⸗ nungsstrafe nehmen? Ortskrankenkasse. Am Donners⸗ tag, den 26. April hält die Allgemeine Mar⸗ burger Ortskrankenkasse ihre Frühjahrs⸗Gene⸗ ralversammlung in der alten Realschule ab. Die Mitglieder wollen recht zahlreich er⸗ scheinen. * Genosse Dr. Michels schrieb kürzlich unserm Frankfurter Parteiblatte:„In einer Marburger Korre⸗ spondenz aus dem Parteileben vom 4. d. M. wird die Behauptung aufgestellt, daß meiner Ansicht nach das deutsche Proletariat dank seiner guten Führung bereits geistig vernachlässigt sei. Weder habe ich in dem frag⸗ lichen Vortrag eine derartige Aeußerung getan, noch entspricht sie etwa meinen diesbezüglichen Ansichten.“ Da auch in unserm Blatte diese Behauptung enthalten war, halten wir uns verpflichtet, von der Richtigstellung Notiz zu nehmen.. Tod einer Familie durch Fischkonserven. In Mainz starb fast die ganze Familie des Bank⸗ direktors Gutmann aus Nürnberg an Vergiftung in⸗ folge Genusses von Büchsensalm. Die Familie be⸗ fand sich dort zu Besuch bei dem Weinhändler Stocker. Nach Genuß der Fischkonserven am Mittwoch starb zuerst das Sjährige Töchterchen, in der Nacht starb Frau Gutmann und Donnerstag früh dieser selbst. zweite Kind G. befindet sich noch in Lebensgefahr, während bei Frau Stocker und deren Kind Besserung eingetreten ist. Schweres Erdbeben in Kalifornien. Noch ist der Vesuv⸗Ausbruch in frischer Erinnerung und schon kommt die Nachricht von einer neuen schrecklichen Katastrophe. Die Kalt⸗ fornische Küste wurde von einem fürchterlichen Erdbeben heimgesucht, daß eine Anzahl Städte ganz oder teilweise vernichtete. San Francisco, das 360 000 Einwohner zählt, ist total vernichtel. 3 5000 Menschen sollen um⸗ gekommen sein. Auch die Städte San José, Sakramento, Oakland ꝛc. haben schwer gelitten. Genickstarre ist in Schlesien und Posen wieder in bedeutendem Maße aufgetreten und greift in bedenklicher Weise um sich. In der letzten Woche starben in Schlesien 14 Personen an dieser Krankheit; aus der Stadt Posen allein werden 9 Todes⸗ fälle im Laufe des März gemeldet. Noch schlimmer grasstert die Seuche im Ruhrgebiet, wo bis jetzt 67 Todesfälle zu verzeichnen sind. — In dem Lazarett in Bitsch im Elsaß sollen sich jetzt 60 an Genickstarre Erkrankte befinden.— Auch in Offenbach starb ein Arbeiter unter Anzeichen von Genickstarre. Ein schweres Grubenunglück ereignete sich am Dienstag in der Grube Dud⸗ weiler im Saarrevier. Es enstand ein Brand, wodurch der ganze Saarschacht in Flammen gesetzt wurde. Acht Bergleute wurden durch die Gase betäubt, zwei mit Apparaten zu Hilfe eilende ebenfalls. Die Abdämmungsarbeiten waren infolge der starken Gasentwickelung sehr erschwert. Der Schacht brennt weiter. Die Arbeiten zu Ablöschung der Brandstellen schreiten nur langsam vorwärts, da die Mannschaften wegen der giftigen Gase von Minute zu Minute abgelöst werden müssen. Man ist der Ansicht, daß ein Umsichgreifen des Feuers als ausge⸗ schlossen betrachtet werden kann.— Unter Füh⸗ rung des Berghauptmanns v. Velsen wird eine Kommission des Oberbergamts sofort eine Generalreviston sämtlicher Saarkohlengruben vor⸗ nehmen. Die sehr notwendige Maßnahme ist auf das Unglück von Courrieres zurückzuführen. Zur Maifeier! Am ersten Mai reichen sich die Arbeiter aller Länder im Bewußtsein ihrer Zusammen⸗ gehörigkeit die Bruderhand um zu bekunden, daß sie unerschütterlich an dem großen Kultur⸗ gedanken festhalten, der in der Maifeier zum Ausdruck kommt. In diesem Jahre muß sich die Maifeier zu einer besonderen machtvollen Kundgebung Das gestalten. Es gilt für die Arbeiterschaft ihre wirtschaftliche Macht in die Waagschale zu werfen, für die Erringung politischer Rechte und Freiheiten, ihre Kraft einzusetzen für die Befreiung aus wirtschaftlicher Ab⸗ hängigkeit und politischer Unterdrückung. Gegen die kapitalistische Ausbeutung, gegen den Terrorismus der Kapitalsherrschaft gegen den Krieg in jeder Form— aber für den Achtstundentag, für Arbeiterschutz, für Frei⸗ heit und Frieden der Völker muß am 1. Mai wirksam demonstriert werden! An die Arbeiter und Parteifreunde unseres Verbreitungsgebietes ergeht die Aufforderung, für eine allgemeine und würdige Maifeier zu sorgen. Namentlich gilt es für die preußi⸗ schen Bezirke, auch bei der Maifeier gegen das schändliche Dreiklassenwahlrecht zu prote⸗ stieren und die Forderung eines freien Wahl⸗ rechts für den Landtag erneut zu erheben. Wir verweisen ferner auf die in dieser Nummer abgedruckte Bekauntmachung des Landeskomitees und erinnern die Partetorganisationen des Gießener Wahlkreises daran, daß sie wegen Rednern zu den Maiveranstaltungen sich an Gg. Beckmann, Gießen, Grünbergerstraße 44 wenden wollen. Partei-Nachrichten. An die Parteigenossen Hessens! Behufs Aufstellung einer neuen Referentenliste werden alle Parteigenossen, die als Redner für die Partei tätig sein wollen, ersucht, ihre Adresse alsbald an den Parteisekretär, Genossen Dr. David, Offen⸗ bach a. M., Bahnhofstraße 39, einzusenden. Auch jüngere Kräfte, die sich zu rednerischer Tätigkeit beanlagt fühlen, mögen sich melden. Es ist beabsichtigt, Referenten⸗Konferenzen zu veranstalten, in denen die nötige Anleitung gegeben wird. Das Landeskomitee. Auf ihr 25 jähriges Bestehen blickten am Ostermontag zwei unserer Parteiblätter, das„Ham⸗ burger Echo“ und der Karlsruher„Volks⸗ freund“ zurück. Am 15. April 1881 erschien in Hamburg zum ersten Male die Hamburger Bürger⸗ zeitung, die Vorgängerin des„Echo“ unter dem Sozialistengesetz. Einige Jahre ging es gut, dann fiel die Bürgerzeitung, wie alle srüheren sozialdemokratischen Zeitungen in Hamburg⸗Altona dem Schandgesetz zum Opfer. Es lag ein grimmiger Humor darin, schreibt das„Echo“, daß ein Artikel: Force is no remedy (Die Gewalt ist kein Heilmittel) den Grund für dies Verbot abgeben mußte, Doch schnell folgte der Bürger⸗ zeitung das Hamburger Echo und dieses zählt heute 50 000 Abonnenten! Was hat die Gewalt denn nun fertig gebracht? Weiter und weiter verbreitet die sozialdemokratische Presse unsere Lehre, allen Gewalt⸗ menschen zum Trotz!— Auch der Karlsruher Volks⸗ freund, der früher in Offenburg erschien, hatte unter dem Schandgesetz viele Verfolgungen auszustehen. Aber auch er hat sich tapfer durch die Schwierigkeiten durchgekämpft und hat sich gut entwickelt.. Die Reichstagskandidatur für Kassel haben unsere Parteigenossen dem Stadtverordneten Genossen Hüttmann⸗Frankfurt übertragen. Genosse Abg. Dreesbach⸗Mannheim, der nicht unbedenklich erkrankt war, befindet sich jetzt wieder auf dem Wege der Besserung. VNersammlungskalender. Samstag, den 21. April. Gießen. Wahlverein. Abends 9 Uhr Ver⸗ sammlung bei Orbig. Sonntag, den 22. April. Heuchelheim. Arbeiterbildungsverein. Nach⸗ mittags 3 Uhr Versammlung bei Wirt Aug. Rinn. Zahlreiches Erscheinen erwünscht. Dienstag, den 24. April. Gießen. Gewerkschaftskartell. Abends 9 Uhr Sitzung bei Orbig. Mittwoch, den 25. Apeil. Arbeitergesang verein Eintracht. Marburg. 340 ahl⸗ Abends 9 Uhr Gesangstunde bei Jesberg. reiches Erscheinen erwünscht. Donnerstag, den 26. April. Marburg. Freie Turnerschaft. 9 Uhr Turnstunde bei Hildemann. Abends Seite 6. Mitteldentsche Sountags⸗ Zeitung · 1 e Nr. 16. Von Nah und Lern. Der gräfliche Hund und der arme Postbote. Wegen einer gemeinen Handlungsweise, ver⸗ übt an einem Postboten, hatte sich neulich vor dem Schöffengericht in Lindau die Gräfin v. Waldburg⸗Zeil, Gattin eines württembergischen Standesherren, zu verantworten. Der beliebte Postbote kam mit der galanten Dame dadurch in Konflikt, daß er sich Schutz vor einem bös⸗ artigen Hunde erbat. Die Frau Gräfin denun⸗ zierte hierauf den Postboten bei seinem Vorge⸗ setzten, indem sie sagte, er habe sich ihr gegen⸗ über sehr unpassend benommen. Wegen dieser Denunziation von dem Postboten zur Rede ge⸗ stellt, beschimpfte ihn die Frau Gräfin aufs gröblichste, verfolgte ihn bis in dessen Dienst⸗ zimmer und schrie ihn dort an:„Sie sind ein ganz unverschämter arroganter Kerl! Wenn sie nicht das Maul halten, so haue ich Ihnen ein Paar runter! Ich arantiere Ihnen, daß ich Sie von hier weg⸗ ringe. Sie sind ja nur ein Postbote!“ Und richtig, sofort darauf erhielt der Gemahl der liebenswürdigen Frau Gräfin vom Ober⸗ postamt die Mitteilung, daß seiner Beschwerde abgeholfen sei. Der traurige Prolet, der ja nur Postbote war, hat dem Hunde der Frau Gräfin weichen müssen. Er wurde sofort ver⸗ setzt. Unter der Wucht des belastenden Beweis- ergebnisses ließ sich der Herr Graf schließlich zu einem Vergleich herbei, nach welchem er den Postboten um Entschuldigung bittet und sämt⸗ liche Kosten übernimmt. Adeliger und verbrecherischer Pfaffe. In Kempten(Bayern) ist auf Veran⸗ lafsung der Karlsruher Staatsanwaltschaft der seit Jahren gesuchte katholische Divistonspfarrer Freiherr Rink von Baldenstein, Sproß einer alten badischen Adelsfamilie, verhaftet worden. Er hat sich in den neunziger Jahren in der Garnison Rastatt zahlreicher scheußlicher Sittenverbrechen schuldig gemacht. Ein Heuchler und Augenverdreher, wie es wohl keinen zweiten gibt, gab er sich immer als Spezialfreund der Mannschaften aus und nannte sich nicht anders als„Sol datenseelsorger“. Seine Schweinereien verübte er im Lazarett, wo er den kranken Soldaten Besuche abstattete und allerhand schmutzige Manipulationen an ihnen vornahm. Eines schönen Tages kniff er aus, bis ihn jetzt nach etwa 12 Jahren, das Schicksal ereilte. Ob er nun in's Zuchthaus oder auf einige Wochen in's Irrenhaus kommt, steht noch nicht fest. Revolution in Rußland. Ueber das Wahlergebnis zur „Reichsduma“ wurde berichtet, daß 102 konstitutionelle Demokraten, 44 Progressisten, 11 Mitglieder des„Verbandes vom 17. Ok⸗ tober“, 8 Konservative, 6 Sozialisten und 44 Unabhängige und Farblose gewählt seien. Von 90 Bauern⸗Abgeordneten sind 30 konstitutionelle Demokraten und 4 Sozialisten. Bekanntlich haben die Soztalisten sich an den Wahlen nicht beteiligt. Dieser Beschluß dürfte sich als verfehlt erweisen. Daß trotz der Wahlenthaltung 9 oder 10 Sozialisten gewählt werden konnten, macht erst recht an⸗ schaulich, welchen Eintrag der Boykott dem Sozialismus gebracht hat. Die„Nasche Schisnj“ „Neue Zeit“) bekennt offen, daß ein sehr großer eil der demokratischen Wähler sozialistisch ge⸗ stunt sei. Ihre Abstimmung für die Demokraten war nur die Folge des Boykotts. Schwer ge⸗ litten hat der„gemäßigte“ Verband des 17. Oktbr. Gerächt. Der Kosakenoffizier Abramow, der gegen die wegen der Ermordung des Gou⸗ verneurs verhaftete Marie Spiridonowa Gewalttaten begangen hatte, wurde am Montag im Zentrum der Stadt Borrissoglebsk im Gou⸗ vernement Tambow von einem Unbekannten durch drei Revolverschüsse verwundet. Der Halunke empfing damit seine wohlverdiente Die junge Sptiridonowa ist eine wahre Märtyrerin. Sie hatte einen elenden Schurken, den Gouverneur Luschenowsky erschossen und damit ihr Volk und die Menschheit von einer Bestie befreit. Deswegen verhaftet, wurde ste während ihrer Haft auf das Grausamste gequält und von schurkischen Offizieren vergewaltigt. Sie wurde zum Tode verurteilt, dann zu 20 Jahren Zwangsarbeit„begnadigt“. Doch ist ihre Gesundheit durch die Martern und Ver⸗ gewaltigungen unrettbar vernichtet und sie dürfte bald dem Tode verfallen. Vor dem ste abur⸗ teilenden Gerichte äußerte das tapfere Mädchen u. a.:„Die Schrecken der Reaktion finden nicht ihresgleichen in der Geschichte Rußlands: Im Laufe von zwei bis drei Monaten sind 200 Menschen hingerichtet worden, die Gefängnisse überfüllt, die bewaffneten Aufstände im Blute ertränkt. Ich greife nur einen Kreis eines Tambowschen Gouvernements heraus und nur einen blutbesudelten„Ruhestifter“— Lusche⸗ nowsky: Eine ganze Reihe von Dörfern sah nach dem Raub⸗ und Mordzuge Luschenowskys aus wie bulgarische Dörfer nach einem türkischen Ueberfalle. Im Dorfe Pawlograd sind zehn Meunschen erschossen und 40 verwundet worden; den Alexander Dubrowin, einen Sozialdemo⸗ kraten, der hinkam, um die erbitterte, mit ele⸗ mentarer Gewalt zum Durchbruch gekommene Bauernbewegung zu organisteren, die Bauern aufzuklären und vom Niederbrennen der gutsherrlichen Besttztümer abzubringen, haben ste bier Tage lang gepeinigt. Als es seinen Verwandten endlich gelungen war, wenigstens seine Leiche zu sehen, erkannten sie ihn nicht wieder— so war er zugerichtet: Statt eines gesunden, blühenden Menschen sahen sie einen Haufen formlosen Fleisches, Knochen und Blutes! Im Dorfe Beresowska sind drei Bauern in den Wahnsinn hineingequält worden. Außer dem Niederschießen und dem zu Tode Peitschen wurden Maßregeln der„Ruhestiftung“ ange⸗ wandt, wie Ausplünderung der Bauernhütten, Wegnahme des gesamten Getreides, Nieder⸗ brennen ganzer Dörfer, Entehrung von Frauen. Oft hieß Luschenowsky alle Bewohn r des Dorfes stundenlang vor seinem Hause in Schmutz und Schnee knieen, so lange als er Mittag aß, sich an Wodka besoff oder schlief. ü Zu den Füßen der Bureaukratie legte Lu⸗ schenowsky seine Trophäen nieder: ermordete Bauern, wirtschaftlich ruinierte Familienväter, gepeitschte Kinder und entehrte Frauen. Und im Namen der Gerechtigkeit und der nieder⸗ getretenen Menschenwürde fällte das Tambower Komitee der sozialdemokratischen Partei das Todesurteil über Luschenowsky. Mit vollem Bewußtsein der Bedeutung dieser Tat übernahm ich ihre Ausführung, weil das Herz vor Qualen zerriß, weil es so schrecklich und qualvoll war zu leben bei den Nachrichten, die aus den Dörfern kamen und von den Greueltaten Luschenowskys berichteten. Als ich nun vollends mit eigenen Augen die in den Wahnsinn gepeintgten Bauern sah, als ich eine wahnsinnige alte Mutter sah, deren 15 jährige Tochter sich nach ihrer Vergewalti⸗ gung durch Kosaken ins Wasser gestürzt hatte, — da konnte keine irdische Macht, keine Höllen⸗ qual mich von der Ausführung meines Ent⸗ schlusses abhalten. Und jetzt, nach den Folter⸗ qualen, die mich Abramow und Schdanow haben erleiden lassen, sage ich es noch einmal: Ich bin glücklich, mein Volk zu verteidigen und für mein Volk zu sterben.“ Welcher fühlende Mensch wird nicht im Innersten empört, wenn er diese Bestialitäten der zarischen Bluthunde liest? Wer noch einen Funken Gerechtigkeitsgefühl besitzt, wer über⸗ haupt menschlich fühlt, wird die Tat des Mäd⸗ cheus als eine edle, als eine sittliche Notwendig⸗ keit empfinden; mag man auch Gegner der Todesstrafe sein, Attentate als zwecklos und verwerflich verurteilen. Und in Deutschland gibt es Leute, die mit dem blutigen Zarentum sympathisteren, seine verworfenen Schergen be⸗ lobigen, die Revolutionäre aber beschimpfen! Ein Liebermann von Sonnenberg zum Beispiel! Strafe; die Schüsse führten seinen Tod herbei. Der Rächer ist glücklich entkommen. Der Mensch richtet damit sich und seine kosakischen Gesinnungsgenossen selber, er zeigt, von welcher niedrigen Gestnnung die Leute er⸗ füllt stnd, die stets mit ihrem Deutschtum und ihrem Patriotismus prahlen! Ein Polizeimeister als Revo⸗ lutionär. Das russische Ministerium des Innern hat neulich eine unangenehme Entdeckung gemacht. Bei einer zufälligen Reviston in Koslow entpuppte sich nämlich der dortige Polizeimeister Libko als Führer einer revolutionären Partei. Die nähere Untersuchung ergab, daß sich bei Libko eine große Niederlage von revolutionären Schriften befand. Auch wurde ein reger Ver⸗ kehr des Polizeimeisters Libko mit den freiheitlich gestunten Polizeiorganen anderer russischer Städte festgestellt. Sobald Durnowo hlervon erfuhr, ordnete er eine strenge Untersuchung an und befahl, nötigenfalls die ganze Polizei von Koslow vom Dienst zu suspendieren und unter Anklage zu stellen.— Der Poltzist scheint ein Anständiger unter soviel Halunken zu sein. Die Cͤsung der welträtsel. Wozu das Mügen all und Plagen d Fragt doch die fromme Geistlichkeit! Die löst euch alle großen Fragen Mit ungeheurer Leichtigkeit. Nur nicht zu viel Vernunft verschwendet, Die doch nicht alles wissen kann! Wo unsre Weisheit eben endet, Da fangen wir zu glauben an. Wohl ist von Ungerechtigkeiten Die Welt erfüllt, von Schmerz und Graus. Doch war das so zu allen Seiten, Nur still: Im Jenseits gleicht sich's aus. Und schlägt der Haufen der Frivolen Die süße Lösung in den Wind: So mag sie halt der Teufel holen! Wenn wir nur jenseits selig sind. K. W. Der Bräutigam. Episode aus der Zeit der großen Revolution. Nacherzählt von H. Devidee. (Schluß.) Der Vicomte ließ sich das nicht zweimal sagen; ohne ein Wort des Dankes eilte er hin⸗ weg und begab sich in das Palais des Fräuleins von Keriac. f „Sie sind frei!“ rief Celine überrascht.„So hat er also doch Wort gehalten!“ „Ja“, entgegnete der Vicomte, ich bin frei und es ging recht wunderbar zu. Plötzlich kam der Bauernlümmel... äh... wie heißt er doch?... Ich glaube, ich sah ihn öfter im Schlosse Ihrer Eltern in der Bretagne, Celine. Kurz, er kam und kündigte mir meine Freiheit an; er sprach noch einiges, das ich Ihnen aus⸗ richten sollte, natürlich habe ich es mir nicht gemerkt; ich war nur empört, daß der Lümmel es wagte, Sie bet Ihrem Vornamen zu nennen. Uebrigens gab er mir diese Pässe und meinte, wir sollten schleunigst abreisen; solange ich aber hier bliebe, müßte ich mich verborgen halten.“ Celine nahm die Pässe in Empfang. „ich habe hier noch etwas zu tun. Verborgen sind Sie in meinem Hause sehr gut. Ich habe im Turm ein geheimes Zimmer, wo Sie nie⸗ mand finden wird. Jean, mein alter treuer Diensten sein; ihm können Sie vertrauen.“ Mit diesen Worten schellle das Fräulein von Keriac und gab dem erscheinenden Diener die nötigen Weisungen, sie selbst entfernte sich, indem sie ihrem Bräutigam nur kurz mitteilte, daß sie einen wichtigen Gang zu machen habe. Es drängte Celine, Paul zu danken, daß er ihren Wunsch so schnell erfüllt hatte; aber wie erschrack sie, als sie in seinem Hanse erfuhr, Vicomte von Brussac durch einen gefälschten Entlassungsbefehl befreit hatte. 8 „Die Abreise ist nicht so eilig“, sagte sie, Diener wird Sie hinführen und Ihnen zu daß Paul gefangen genommen, weil er den . 5 8—. 225 e Nr. 16. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 7. Erschüttert kehrte sie heim. lig„Wissen Sie, was geschehen ist?“ rief ste außer sich ihrem Bräutigam entgegen.„Paul ist verhaftet, weil er Sie gerettet hat!“ „Nun und... 2 Was weiter?“ antwortete der Vicomte gleichgültig. Er saß an einer reichgedeckten Tafel und tat sich an Speisen und Wein gütlich. „Meine liebe Celine“, fuhr er fort,„was liegt daran, wenn diese Canaille ins Gefängnis und aufs Schafott kommt? Ste sollen sich nur gegenseitig totschlagen, dann sind wir sie los und die Ordnung ist wieder hergestellt.“ „Aber Paul ist Ihr Retter!“ „Der Schuft hat sich unterstanden, mich „Bürger Brussac“ anzureden; dafür allein ver⸗ dient er den Galgen!“ Celine sah ihren Verlobten unendlich ver⸗ achtungsvoll an und entfernte sich, ohne ihn eines Wortes zu würdigen. Aber am nächsten Tage kam sie noch erregter in das geheime Zimmer gestürzt und rief: „Paul ist zum Tode verurteilt an Ihrer Statt!“ Der Vicomte zuckte die Achseln. „Aber er kann sich retten, wenn er Ihren Aufenthalt verrät.“ Jetzt verfärbte sich Brussac. „Er wird doch nicht..“ stammelte er. „Nein, er wird es nicht“, entgegnete Celine, „weil er mir sein Wort gegeben hat, Sie zu retten.“ Der Vicomte atmete erleichtert auf. „Der Lümmel weiß, was er seiner ange⸗ stammten Herrschaft schuldig ist“, sagte er. „Aber klüger wäre es, sich nicht darauf zu ver⸗ lassen, sondern schlennigst das Weite zu suchen; wozu haben wir denn die Pässe?“ „Aber Sie hören doch, daß er an Ihrer Stelle hingerichtet werden soll... Sie können, dürfen nicht fort...“ Der Vicomte sah seine Braut verwundert an. „Ueberspanntes Frauenzimmer,“ dachte er, „ich werde ihr die romantischen Grillen schon bertrelben, wenn sie nur erst meine Frau ist.“ Laut sagte er: „Was soll ich denn tun?“ „Ste müssen zu Robespierre...“ Celines Bräutigam erschrak. „Zu Robes pierre? Aber da bin ich verloren!“ „Sie müssen sich selbst stellen; Robespierre wird vielleicht Gnade üben...“ „Und auf dieses„vielleicht“ soll ich mich verlassen? Sie sind wohl nicht recht bei Sinnen 5 rief er grob.„Was kümmert mich der Bauern⸗ lümmel! Geben Sie mir meinen Paß, ich will fort... wenn Sie durchaus bleiben wollen 171„so bleiben Sie in Gottes Namen abe Ein Geräusch vor der Tür ließ ihn erschrocken innehalten. Er sprang auf. „Um Gotteswillen, ste kommen. rief er erbleichend und stand mit schlotternden Knien, zähneklappernd da. Celine sah ihn verächtlich an. „Feigling!“ kam es unwillkürlich über ihre Lippen. Dann trat sie zur Tür und lauschte. „Es ist nichts,“ sagte ste.„Sie wissen doch, daß dieses Gemach wohl verborgen 11 Aber er schien sie nicht zu hören. „Ich will fort,“ Sie mich fort.“ „Und diesen Menschen konnte ich zu lieben wähnen,“ sagte Celine und warf einen letzten, 8 1 äutigam t ee n W 5 deutlichen Linien in der Malerei und die — dann ging sie. 1 Sie hatte jetzt nur einen nden 28 Matt. Es halt e e wann — um jeden Preis. usik. 5 mußten gern Rotespler 5 1 es seine Stimme so laut erhebt, daß die Leute Sie ging zu Robespierre, sie bot, öffnete Pauls Gefängnis. er, den Kopf in die Gedanken verloren. Da hörte er plötzlich eine geliebte Stimm sagen: „Paul, ich komme, Ihnen zu danken.“ Er sprang im freudigen Schrecken empor jammerte er,„nur fort, fort! Geben Sie mir meinen Paß und lassen und der Preis, den Als ste mit dem Euthaftungsbefehl in seine Zelle trat, saß 5 2201 Hand gestützt, in tiefe „O Celine!“ rief er frohbewegt,„Sie bei mir! Ich sehe Sie noch einmal vor meinem Ende! O, das ist mehr Glück, als ich in meinen kühnsten Träumen zu hoffen gewagt hätte!“ „Sie sin)9 frei, Paul, Robespierre wird gleich kommen, es Ihnen selbst zu verkünden.“ „Und der Vicomte?..“ „Der ist in Robespierres Händen.“ „So ist er wieder eingefangen worden? Arme Celine!“ „Nein, nicht mehr„arme Celine“; an seiner Seite wäre ich zu bedauern gewesen. Ich habe seinen Unwert erkannt und ihn ohne Zögern geopfert, um denjenigen zu retten, den ich liebe...“ „Celine!“ „Erinnerst Du Dich noch, Paul, was ich Dir einstens versprach, wenn Du recht Schwie⸗ riges vollbrächtest?“ „Du wolltest die Meine werden, mein ge⸗ liebtes Weib.... O, Cline, willst OBD. Willst Du das wirklich?“ „Von ganzem Herzen,“ erwiderte sie und fiel ihm um den Hals. „Meinen Glückwunsch und meinen Segen,“ sagte Robespierre, der ungehört eingetreten war. Allerlei. Ein gesunder Beruf. Vor einiger Zeit— schreibt der„Vorw.“— f ging eine etwas versteckt gehaltene, aber sehr interessante Notiz durch die schwarze Presse des mit Geistlichen überreich gesegneten Münster⸗ landes, in der über den Zu. und Abgang der Geistlichkeit des Bistums Münster im Jahre 1905 berichtet wurde. Es hieß in der Nottz, daß das Bistum Münster im Laufe des ver⸗ flossenen Jahres 30 Priester verloren habe. Das würde uns nun weniger interessieren, wohl aber die weitere Bemerkung, daß das Durch- schnittsalter der Verstorbenen wiederum ein recht hohes gewesen sei, denn es habe 65 Jahre betragen. Der älteste der„dem Herrn geweiht Gewesenen“ ist über 90 Jahre alt geworden, während der jüngste mit 28 Jahren hat ins Gres beißen müssen. Ein Durchschnittsalter von 65 Jahren— der Andrang zu diesem Erwerbszweige war ein so starker, daß anstelle der mit Tod abgegangenen 30 Herren 54 neu „geweiht“ werden konnten. Das Durchschnitts⸗ alter der Arbeiter schwankt je nach der Ge⸗ fährlichkeit des Berufes etwa zwischen 25 bis 40 Jahren. Da ist es erklärlich, daß jene Herren, die sich einer so ausgezeichneten Gesund⸗ heit erfreuen, die Arbeiter auf den Himmel ver⸗ trösten. Wer im Rohr sitzt, hat gut Pfeifen schneiden. Der geistliche Berufszweig ernährt nicht nur seinen Mann, er erhält ihn auch gesund. Die Mutter als Erzieherin. Lärme nicht über den Lärm. Deine Kinder stürmen in die Stube— lärmend ver⸗ langen sie ihr Vesperbrot. Du gibst es ihnen— lärmend nehmen sie es in Empfang. Du schickst sie in den Garten— lärmend eilen sie nach draußen. Du stehst ihnen durchs Fenster zu— lärmend tollen sie umher. Und seufzend klagst du: Wenn sie doch nicht solchen Lärm machen wollten! Oder du lärmst noch lauter als sie: Wollt ihr ruhig sein, ruhig sollt ihr sein! Aber es nutzt dir nichts. Du kannst deine Kinder, wenn ste an Körper und Geist gesund sind, nicht zu Leisetretern und Stillsitzern und Flüsterern machen. Es liegt in der Natur des Kindes, lärmend durchzusetzen. Das Kind liebt sich erstaunt oder gar erschreckt nach dem kleinen Schreihals umsehen. Das Kind drückt in fröh⸗ lichem Geschrei seine Freude aus. Es lärmt nicht, um zu lärmen, sondern es benutzt den e] Lärm in der Freude und im Schmerze als eine Verstärkung sefner sonstigen Ausdrucksmittel. Darum sollst du aber nicht jeden Lärm deiner : Kinder geduldig über dich ergehen lassen. Du Ruhe, wenn du ste brauchst, und zwinge in diesem Falle deine Kinder durch Güte und durch Ernst, sich ruhig zu verhalten. Aber schelte nicht immer und überall über den Lärm deiner Kinder. Wenn er in den Grenzen einer berech⸗ tigten Ausgelassenheit bleibt, so ist er gesund, und wenn du ihn gelegentlich geduldig erträgst, werden deine Kinder ein anderes Mal auch um so geduldiger deine Ruhe ertragen. (h. sch. in der„Gleichheit“) S— Splitter. Es kann sein, daß nicht alles wahr ist, was ein Mensch dafür hält(denn er kann irren); aber in allem, was er sagt, muß er wahrhaft sein(er soll nicht täuschen). Kant. ** * So lange du dich noch nicht selbst aufgibst, ist noch nichts gänzlich verloren. ** * Wer sich nicht achtet, ehrt die Frauen nicht, Wer nicht die Frauen ehrt, kennt er die Liebe? Wer nicht die Liebe kennt, kennt er die Ehre? Wer nicht die Ehre, was hat er noch? ** * Grobstilig. Was hilfts, mit zartem Wort und feinem Stile Zu appelteren an Rhinocerosgefühle? Der beste Stil, so glaub' ich für meinen Teil, Ist für den groben Klotz ein grober Keil. ndet jeder⸗ Konfirmationsgeschenke dan alen Preislagen und in großer Auswahl in dem Alhreu-, Gold- und Pilberwarengeschäft von D. Kaminka, Markt⸗ platz 11, am Kriegerdenkmal. Man verl. Rabattmarken. Humoristisches Die Kugelgestalt der Erde. Sergeant Müller hat kürzlich vertretungsweise die wissenschaft⸗ liche Instruktionsstunde übernehmen müssen. An der Hand seines Leitfadens müht er sich nun, den Kerls die Lehre von der Kugelgestalt der Erde beizubringen. „Also früher glaubte man, die Erde sei eine Scheibe. Aber das könnt Ihr Euch doch selber denken, daß das nicht stimmt. Heutzutage weiß man eben, daß die Erde eine Kugel ist. Wer das etwa nicht einsehen will, der kann mal'n paar Stunden tiefe Kniebeuge mit Gewehr⸗ strecken üben! Es gibt aber auch noch andre Gründe für die Kugelgestalt der Erde.“— Erdrückender Beweis.. Und Sie wollen es beweisen, daß die Beiden sich geküßt haben?“— „Selbstverständlich: Erstens habe ich sie vom Neben⸗ zimmer aus photogrophiert und dann hab' ich den Kuß auch noch phonographisch aufgenommen!“— („Fl. Bl.“) Vertrauenswürdig. Protestanttscher Pfarrer: Wird denn bei Euch über alle Einnahmen Buch geführt? Katholischer Pfarrer: Keine Spur! Das würde viel zu weit führen; es genügt, wenn wir am jüngsten Tage Rechenschaft ablegen.(W. Jak.) „Des Lebens Mai blüht einmal und nicht wieder!“ Da ist es mit dem ersten Mai besser, der blüht alle Jahre, und jedes Jahr schöner. Der Reichtum und die Not. Es war einmal Bruder und Schwester: Der Reichtum und die Not; Er schwelgte in tausend Genüssen, Sie hatte kaum trocken Brot. Die Schwester diente dem Bruder Viel hundert Jahre lang; Ihn rührte es nicht, wenn sie weinte, Noch wenn sie ihr Leiden besang. Er fluchte und trat sie mit Füßen, Er schlug sie ins sanfte Gesicht; Sie fiel auf die Erde und flehte: Hilfst du, o Sott, mir denn nicht d Wie wird das Lied wohl enden d Das ist ein traurig Lied! Ich will's nicht weiter hören, Wenn nichts für die Schwester geschieht! Das ist das Ende vom Ciede Vom Reichtum und der Not: An einem schönen Morgen Schlug sie ihren Bruder tot. Sie, der alle seine Gedanken galten, stand leib⸗ haftig vor ihm. hast ein Recht auf die Ruhe, wie die Kinder ein Recht auf den Lärm haben. Verlange deine A. Glasbrenner. * 991 9 7 4* 7 4 1 7 R * 3* 1 1 4 N 0 1 * 4 4 1 Seite 3. Mitteldeutsche Sonutags⸗Zeitung. Nr. 16. Palteiennde Berücksschügt de Fuen Entähfen deengen bescfäftte de in Elfe lle Wwefglen Lassen 3 Laums bac. 7——— 1 Allen Freunden und Partei- Sonntag, den 29. April cr., nachm. 3“„ Alhr blosse olle amd sendung von Glückwünschen im Saale des Herrn Gastwirt Kompzin e an unserer Silber-Hochzeits- feier erfreuten, den herzlichsten Dank. Ganz besonders jedoch dem Gesangverein„Eintracht“, der durch Darbringung eines Ständchens am 2. Feiertag früh unseren Ehrentag 80 stimmungsvoll einleitete. Giessen, 16. April 1906. Michael Kessler u. Prad. / Tagesordnung: Klassenkämpfe einst und letzt. Rednerin: Frau Louise Zietz-Hamburg. ——ñ— Zahlreichen Besuch besonders der Frauen und Mädchen aus Zaunsbach und Umgebung erwartet NN R ina 2 U 0 Singer Co. Nähmaschinen Act. Ges GIESSEN I Lindenplatz 1. Man beachte dle Fabrikmarke. maschinen Freie 5 5 55 Einberufer. Drucksach en Wieseck Malfeier 9006. auer un Sonntag, den 20. April ioo, nachmittags s uhr heppeler 5 Meyer, im Lokale und Garten des Gambrinus(Wacket Ludwigstrasse 30. Bestehend in Mai-Vostliarten Hongerl Gesang. Festrede 00 St. v. Mf. 1.50 an, mattes SOOd-SaequauN Aegsufei uf ellepo 40906I ouν“ẽpůð οuuνðꝭuů̃ 50 09 60/0 Jeu d eee ens use eee e neee 9%%%%%,ὐẽjê,r zeichen. Muster zur Ansicht franko 5 2 4 2. 8 gegen franko. 1. Begrüßungslied, Sängerkranz Wieseck. Rauh& Pohle, Leipzig 100. 2. Festrede, Frau Dr. Michels⸗Marburg. 3. Tauz und Volksbelustigung. Fl 2 Alle Arbeiter und Arbeiterinnen sind freundlichst. ten willkommen. D ass. e er Vorfland skrop kzema, Hautausschläge, des sozialdemokr. Wahlvereins. 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