2 opewel stände hein, Aufl. chinen, „ Been rte. laren. 1 ladt 1 * rate darübn Ie l 5* 11 uit be 1 Nr. 11. Gießen, den 18. März 1906. 13. Jahrgang. Redaktion: 4. AKebaktionsschtut dae ee Mitteldeutsche untags⸗Zeit Abounementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere nehmen alle Ansträger in Stadt und Land, die Augträger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Postanstalt und die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 5107) Bestellungen Juserate finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreirung. Die 5 gespalt. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestelluug 33¼0% und bei mindestens 2 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Bei mindestens Den 18. März feiert heute nur noch die sozialdemokratische Arbeiterschaft. Alljährlich gedenkt ste der Kämpfe, die vor nun 58 Jahren für politische und wirt⸗ schaftliche Freiheit, Gerechtigkeit und Volkswohl⸗ fahr“ geführt wurden und der Tapferen, die sich für die höchsten Menschheitsideale aufopferten. Das Bürgertum geht achtlos an diesem Tage vorüber. Es will daran nicht mehr erinnert sein, es hat sich die Schlafmütze über die Ohren gezogen und die Fre heitsideale verraten und preisgegeben, für die seine Vorfahren ihr Leben einsetzten. Bereichere Dich, mache Profit! Das ist heute die Parole des Bürgertums. Volks⸗ interessen, Volksfreiheit, Volkswohlfahrt? Wer wird sich damit abgeben! Als das höchste Ziel gilt es vielmehr Reichtümer aufzuhäufen, gleichgültig mit welchen Mitteln, mögen auch Millionen anderer Menschen dabei elend zu Grunde gehen. Verächtlich blickt der„liberale“ Plusmacher auf die Arbeiterklasse herab, die unerschrocken und unentwegt für die alten bürger⸗ lichen Ideale und For derungen kämpft und sie verwirklichen wird. Die Arbeiterklasse feiert die Gedenktage der Revolution, während schon dieses bloße Wort dem Spießertum eine Gänse⸗ haut verursacht. Revolutionen sind reinigende Gewitter, schrieb einmal einer der edelsten Patrioten, Ludwig Börne, und sie sind es, wenn wir die Evolution als das Wesen allen organischen, gesellschaft⸗ lichen Fortschritts ansehen. Insofern sind Re⸗ volutionen Marksteine der Kulturentwicklung, und die Kämpfe von 1848 und 1849 in Deutsch⸗ land verdienen diesen Namen, da damals nicht bloß eine polttische Revolution, wie solche der Liberalismus zu machen glaubte, sondern zugleich auch eine soziale Revolution vor sich ging, die neben der aufkommenden Bourgeoiste auch dem Arbeiter, dem Proletariat, ein „Bahn frei“ zeigte. Damals kämpfte das Bürger⸗ tum in Deutschland und Oesterreich gegen den Feudaladel, wie 1789 das französische Bürger⸗ tum gegen das absolute Königtum. Ablösung der bäuerlichen Lasten, Mobilisterung des Be⸗ sitzes, Gleichheit der Bürger vor dem Gesetz, Gewerbefreiheit, Fretzügigkeit, Wechselrecht, Münzrecht usw. war die Losung, und der Ver⸗ samwlung in der Frankfurter Paulskirche lagen neben Petitionen armer Weber aus Reichenbach im sächsischen Erzgebirge um Brot und Arbeit und Anerkennung des Rechts auf Arbeit, auch 540 Petitionen für die Rettung des Handwerks vor. Nur die Arbeiter gingen leer aus, wie schon 1795 in Frankreich die„Gleichen“ unter Babeuf, nachdem die Bourgeoisie durch die Hauptarbeit des Volkes ans Ruder gelangt war. Am 13. März 1848 erhob sich Wien, am 18. März desselben Jahres Berlin. In Berlin gab es 216 Tote, deren Leiher vom Volk vor dem königlichen Schloß vorbeigetragen wurden, wo der König gezwungen war, vor den Märtyrern der Freiheit das Haupt zu entblößen. Aber die Reaktion kam, weil die Bourgeoiste vor den siegreichen Arbeitern Angst hatte; noch auf den Barrikaden schloß ste mit der Monarchie Frieden und gewährte derselben, sowie dem Feudaladel gegen die Gewährung der Ausbeutungsfreiheit der Arbeiter Pardon, dem ste die Kämpfenden zugleich verriet. Am 1. November 1848 ftel Wien und Robert Blum wurde von Windischgrätz erschossen, in demselben Monate fiel Berlin gegen Wrangels Bajonette. Lediglich die Bourgeoisie, das besitzende Bürgertum, stegte. In Deutschland wurde der Einfluß der Junker zurückgedrängt und die Ablösung der bäuerlichen Lasten erreicht. Das Bürgertum, politisch unterlegen, blieb dennoch sozial siegreich und sein erstes, was es tat, war, die Throne, die es bisher bekämpft, zu stützen, alle Militärforderungen zu gewähren, die „Solidarität der Besitzenden“ zu verkünden und gemeinsam mit den reaktionären Regierungen verklausulterte Wahlgesetze und eine Volksver⸗ tretung ohne Arbeiter zu schaffen. Unter dem Nimbus des Königstums wurde die Klassen⸗ herrschaft als Parlamentarismus aufgerichtet, nur gegen die Arbeiter blieb vorerst der alte Polizeistaat bestehen. So lohnte der politische Liberalismus, der ökonomisch der Kapitalismus ist, den Arbeitern, die auf den Barrikaden für die Liberalen ihr Blut vergossen hatten. Kein Koalittonsrecht für die Arbeiter, keine politischen Wahlrechte, ein kümmerliches Vereins⸗ und Versammlungs⸗ recht, dagegen schamloseste Ausbeutung der Ar⸗ beitskraft bezeichnen den Weg, den die Bourgeoiste nach Niederwerfung der Revolution gegangen ist. Stück für Stück gaben Demokratie und Liberalismus ihre ehemaligen Ideale preis. Die feudalen Gesindeordnungen sind noch heute nicht beseitigt, wir entbehren noch jetzt der all⸗ gemeinen Geschworenengerichte auch für Preß⸗ angelegenheiten, das Dreiklassenwahlrecht herrscht in Preußen und Sachsen, rückständige, halbfendale Gemeindeverfassungen mit stiefmüt⸗ terlicher Behandlung der Arbeiter in der Ge⸗ meindevertretung, der Mangel jeglichen Frauen⸗ Wahl⸗ und Stimmrechts deuten jene großen Unterlassungssünden jenes Bürgertums an, die sich bis heute in den Majestätsbeleidigungs⸗ prozessen, dem geschwollenen Militär- und Flottenetat, den mangelnden Reichstagsdiäten rächen. So gingen die Kämpfe von 1848/9 in Deutschland, Oesterreich und selbst in Frank⸗ reich zunächst zu ungunsten für die Barrikaden⸗ männer von damals aus, aber das Proletariat ist der Erbe der Forderungen von 1848 und 1795 geworden. Und wie sehr auch das Unter⸗ nehmertum gegen das„eine gefährliche Rot“ eifert und die Organisationen der Arbeiter zer⸗ sprengen möchte, so halten doch die Arbeiter an den einstigen Idealen des Liberalismus fest, werden Vollstrecker der Forderungen derselben, soweit solche nicht erfüllt sind und erobern sich Schritt für Schritt neues Terrain, indem sie gleichzeitig ihre Organisationen ausbauen und die öffentliche Meinung für den Sozialismus, jene Anschauung der organisierten Arbeiter er⸗ obern. Die Arbeiter sind die Vollstrecker der Volksforderungen von 1848/9, sie sind die Vertreter der neuen proletarischen Ideen; ste allein denken an jedem 18. März jener teuren Toten, die einst im Völkerfrühling für die Freiheit starben. Heute ist keine Revolution im Heugabelsinne mehr möglich. Mit Säbel und Muskete arbeitet die heutige besitzlose Klasse nicht mehr. Große Arbeitervereinigungen geben heute die Organui⸗ sationsform der Massen an, mit dem Stimm zettel in der Hand und der Arbeiterpresse, dem Verein und der Versammlung arbeitet das Proletariat von jetzt. Die Eroberung der Parlamentstribüne, die Besetzung der ver⸗ schiedenen einflußreichen Posttionen in Kommune, Staat und Reich ist der organisterten Arbeiter⸗ schaft nächste Tätigkeit und Ziel, um allmählich die politische, Macht zu erobern. Hinter der fromm gewordenen feisten Bourgeoiste erhebt sich das Proletariat riesengroß, der Nationali⸗ tätsgedanke wird verdrängt durch den Inter⸗ nationalitätsgedanken und jede Erfüllung früherer Forderungen aus der politischen Sturm⸗ und Drangperiode des Bürgertums darf das arbeitende Volk als seinen Erfolg für stich in Anspruch nehmen. So wird die Sozialdemokratie als die politische Vertretung der arbeitenden und besitzlosen Klasse in Wirklichkeit umsetzen, was die besten Geister aller Zeiten erhofften und für was stie wirkten. Unablässiger und ziel⸗ bewußter Kampf für die Menschenrechte ist unsere Parole! Und bei der diesmaligen März⸗ feier protestiert die Arbeiterschaft aufs Neue gegen die preußische Dreiklassenschmach, die es zu beseitigen gilt und gegen die erneut Sturm gelaufen werden muß. Die Arbeiterklasse läßt sich nicht mehr bevormunden, sondern verlangt 1 795 Recht und wird es sich zu erkämpfen wissen! Arbeiter⸗Massenmord. „Ueber 1200 Bergarbeiter haben den Tod gefunden.“ Mit Entsetzen las die Welt die Telegramme, die dies aus dem Städtchen Courrieères im nordfranzösischen Kohlen⸗ revier(Departement Pas de Calais) meldeten. Am Samstag ereignete sich in den dortigen Kohlengruben eine furchtbare Explosion. Es waren etwa 1800 Bergleute in die Gruben eingefahren. Da die einzelnen Schächte mit einander in Verbindung stehen, drangen die giftigen Gase überall ein, Tod und Verderben bringend. Nur etwa 500 Bergleute konnten sich retten; ein Teil der Geretteten hat natürlich schwere Brandwunden und sonstige Verletzungen davon getragen. Die Rettungsversuche mußten bald wieder aufgegeben werden, weil die Gase ein Vordringen in die Schächte und Ginge verhinderten und außerdem waren dieselben zum Teil eingestürzt oder durch Gebälk ꝛc. versperrt. g Ueber die Ursachen der Katastrophe wird berichtet, daß es in dem Schacht Nr. 3 schon seit längerer Zeit gebrannt habe. Um das Feuer zu lokalisteren und zu ersticken, wurden mit Holz und mit Mörtel und Zement verstärkte Holzverschalungen angelegt. Doch dürften dieselben entweder zu weit von dem Feuerherd oder nicht dicht genug gewesen sein. Jedenfalls muß man annehmen, daß das Gruben⸗ gas sich in großer Menge mit der eingedrungenen Luft vermischen konnte und daß infolgedessen die furchtbare Exploston stattfand, welche die Zertrümmerung der Schachtgänge und den Ein⸗ sturz der Decken herbeiführte. Die Staatsan⸗ waltschaft soll festgestellt haben, daß der Brand schon vor ungefähr Monatsfretst aus⸗ gebrochen war. Jedeafalls hatten die In genteure der Gesellschaft schon vor mehreren —. ⁰ m ⅛˙Ü—AMN.—˙ü Seite 2. Mitteldeutsche Senntags-⸗Zesiung. Nr. 11. 1 Tagen Besorgnisse wegen der Ausdehnung des Brandes gehegt. Die Bergleute machen die Gesellschaft für die Katastrophe verantwortlich und beschuldigen die Ingenieure der Sorglosigketit, da man, nachdem das Feuer die Holzverschalung ergriffen hatte, die Einfahrt hätte einstellen sollen. Ist diese Darstellung richtig, so haben wir es hier nicht mit einer urplötzlich eingetretenen Katastrophe zu tun, die weder jemand vorher⸗ sehen noch verhüten konnte, sondern es handelt ch um ein unerhörtes Verbrechen der kapitalistischen Grubenbesitzer. Wie konnte man die Leute einfahren lassen, wo ein großer Brand in der Grube lodert, wo jeden Augenblick die Gefahr besteht, daß die massen⸗ haft aufgehäuften, leicht entzündlichen Gase (rplodieren und alles in Trümmer schlagen können! Diese Sorglostgkeit bringt das kapi⸗ tallstische System mit sich. Nur keinen Tag auf den Profit verzichten! Jeder Pfennig wird als verloren angesehen, der für Arbeiterschutz aufgewendet werden soll. Und so ist es dies⸗ seits und jenseits des Rheins. Bei dem Bo⸗ russia⸗ Unglück lag es ja ebenso, auch dieses hätte durch geeignete Vorsichtsmaßregeln ver⸗ hütet werden können. Was die Zahl der Opfer betrifft, so ist das Borussta-Unglück aller⸗ dings nicht mit dem von Courrléres zu ver⸗ gleichen; immerhin schrecklich genug; 39 Berg⸗ leute fanden damals den Tod! Solche Ereignisse müssen die Arbeiter zum Nachdenken anregen, und die heutige Ordnung in ihrer ganzen Verwerflichkeit erkennen lassen. Die Besitzer der Méricourt⸗Grube in Courriéres haben aus dieser Mordgrube ungeheure Reich⸗ tümer herausgepreßt und werden neue Reich⸗ tümer aus ihr herauspressen. Wieder sollen Tausende von Arbeitern für elenden Lohn hin⸗ absteigen, vielleicht um eines Tages abermals drunten zu bleiben. Müssen sich nicht angesichts des Massenmordes von Courriéres die franzö⸗ fischen Arbeiter millionenweise erheben und sagen: „Dieser Grund und Boden, diese Gruben, diese Häuser, Werkzeuge und Maschinen gehören uns! Wir haben ihnen durch unserer Hände Arbeit ihren Gebrauchswert gegeben. Ihr habt unser Eigentumsrecht an ihnen nicht anerkan. t. Was uns gehörte, das haben wir aber dann nochmals und abermals mit unserm Blute bezahlt und so haben wir ein doppeltes Anrecht daran. Das, was man den Nationalreichtum dieses Landes nennt, das ist unser Schweiß, unser Blut, unsere Tränen, unser Hunger, unsere Erschöpfung und unsere Verzweiflung. Durch unsere Opfer ist Euer Vaterland Euer Paradies 1 und darum fordern wir, daß dieses aterland unser werden soll und daß an Stelle des kapitalistischen Räuber⸗ und Mörder⸗ 1 wahre Menschenrecht des Sozialismus rete 4 Fürchterlich sind die Szenen, die sich an den Gruben absptelen. Der Berichterstatter der Irkftr. Ztg. schrieb darüber: Kein Greuel der Schlachtfelder ist dem vergleichbar, der in den bon zerstückelten Leichnamen, verbrannten Körper⸗ tellen, Holz- und Steintrümmern und giftigen Gasen erfüllten Gängen der Schächte herrscht. Zusammenhängende Schilderungen sind unmög⸗ lich; nur aus den einzelnen Erscheinungen kann man sich eine Vorstellung des Entsetzens machen. Seit Sonntag Morgen fördert wan nur noch Leichen oder vielmehr blutige und verbrannte Massen zu Tage, die Reste von tatkräftigen arbeitsfrohen Männern, Rümpfe, Arme, Beine, Köpfe kommen regellos aus den Förderkörhben heraus. Man hüllt sie schleunigst in Tücher, die man wie Packete zusammenbindet. Auf einer Bahre werden dann die schaurigen Reste in eine für diesen Zweck umgestaltete Halle geführt. Diese ist schon überboll und trotzdem ist erst ein ganz kleiner Bruchteil der Verun⸗ N gefunden. Dazu die Verzweiflungs⸗ zenen: Ein Mann setzte es durch, herabgelassen zu werden, um seinen Sohn zu suchen; unten angekommen verschwand er in den Gängen, überall umherspähend und rufend, und seither hat man ihn nicht wiedergesehen. Der Berg⸗ werksdelegierte Simon d, ein wahrer Hüne, leistet Unglaubliches, ruft aber durch seine wilde Erregung eine gewisse Nervosität hervor. Er hatte auf die Gefahr des Brandes, der in dem Bergwerke ausgebrochen war und den die Ingenieure durch Mauern abzusperren und zu ersticken gesucht hatten, hingewiesen und fortwährend darauf gedrungen, energi⸗ schere Maßregeln gegen ihn zu er⸗ greifen.(Das beweist die Schuld der Be⸗ sttzer. D. R.) Als die Katastrophe erfolgte, stürzte er sofort in den ersten Förderkorb und den ganzen Samstag und Sonntag brachte er unermüdlich mit drei Kameraden Verunglückte, viele noch lebend herauf. Man kann ihn nicht verhindern, immer aufs neue sein Leben in die Schanze zu schlagen. Aber er verlangt das Gleiche auch von den anderen, besonders von den Ingenieuren, unter Umständen, die jeden Versuch als wahnsinnig erscheinen lassen, und wenn diese ihn zu beruhigen suchen, nennt er ste Feiglinge und regt die Massen auf. Eine trockene Ziffer, die beredter ist, als die wort⸗ reichsten Schilderungen: 1280 Tote, dies ist die Schätzung des Präfekten, der außerdem vorsichtig hinzufügt, daß sie eher höher als niedriger sein dürfte, wenn alle Ermittelungen abgeschlossen sein werden. Derselbe Korrespondent bemerkt weiter, daß gegen die Grubengesellschaft recht ernste A n⸗ klagen wegen Leichtfertigkeiten und unzu⸗ reichender, reglementswidriger Einrichtungen er⸗ hoben sind. Es wird von fachmännischer Seite erklärt, daß die Maßregeln zum Schutze der Bergleute gegen den Brand auf keinen Fall hinreichende waren. Man hätte die nächst⸗ liegenden Schächte einige Tage überhaupt liegen lassen sollen, um nur die Arbeiten zur Dämpfung des Brandes zu betreiben. Ferner werden eine ganze Reihe Verstöße gegen das Reglement auf⸗ Prout In der Arbeiterschaft, wie in der evölkerung herrscht eine gewaltige Aufregung; es dürfte zu einem Ausstand kommen.— Ret⸗ tungskolonnen sind aus Paris und sogar aus dem rheinisch⸗westphälischen Kohlenbezirk nach Courrières abgegangen. Politische Rundschau. Gießen, den 15. März 1906. Im Reichstage wurde am Donnerstag und Freitag die Be⸗ ratung des Postetats fortgesetzt, wobei unsere Parteigenossen Veranlassung nahmen, für die Besserung der Dienstverhältnisse der Unter⸗ beamten, besonders für Verkürzung der oft sehr langen Arbeitszeit einzutreten. Beim Etat der Reichsdruckerei, der am Samstag zur Verhandlung kam, bemängelte Genosse R. Fischer, daß den in der Reichsdruckerei be⸗ schäftigten Arbeitern der Beitritt zu ihrer Organtsation untersagt sei, sie gehöre ferner der Tarifgemeinschaft nicht an und zahle schlechtere Löhne, als in den Berliner Druckereien bezahlt wird. Ferner kritisiert er verschtedene ungerechte Arbeiterentlassungen. Staatssekretär Krätke suchte Fischers Angriffe zu entkräften, was ihm aber keineswegs gelang. Darauf wird zum Etat der Reichseisenbahnamtes überge⸗ gangen, der den Reichstag noch am Montag beschäftigte. Unsere Genossen Stelle und Bock wiesen auch hier auf die ungünstige Lage der unteren Angestellten hin und kritisterten außerdem die Sparwut der preußischen Ver⸗ waltung, welche die Ursache vieler Unglücks⸗ fälle ist.— Dienstag kam der Kolonialetat an die Reihe. Bebel kennzeichnete hierbei die Art, wie die Eingeborenen zur Empörung ge⸗ trieben werden, wie die ganze Kolontalpolitik Eroberungs⸗ und Raubpolitik sei. Der Kolonial⸗ direktor Prinz Hohenlohe konnte die Anklagen Bebels nicht widerlegen. Wobin das Geld der Steuerzahler kommt. In der Budgetkommisston des Reichstages wurde dieser Tage festgeftellt, daß die Admirale während ihrer Anwesenheit in den Kriegshäfen Ausland 60 Mark Tafelgelder erhalten; andere Offlziere 1 15 155 8 Mk., früher hatten sie aber nur 3 Mk. Die Marine⸗ verwaltung verteidigte dise Sätze mit den Repräsenkationspflichten“ speziell der Admirale. Weiter teilte der Staatssekretär mit, daß in nächster Zeit vom Reichstage eine neue Kaiser⸗ hacht als Ersatz für die Hohenzollern gefordert werde. Abgordn. Genosse Hue brachte zur Sprache, daß in einer vom Werftarbeiterver⸗ bande herausgegebenen Denkschrift den Werft⸗ wird. Ein Kommissar versuchte, diese Angaben zu entkräften, versprach aber eine Prüfung der Regiment Bülow vom deutschen Proletarier daß er auch noch Hurra für Kaiser und Reich schreien soll, während er zähneknirschend liest, daß deutsche Admirale aus seinen Steuer⸗ groschen täglich eine Summe durch die Kehle jagen dürfen, mit welcher er und seine ganze Familie bei der heutigen Teuerung einen ganzen Monat für Lebensmittel auskommen muß! Eugen Richter, der bekannte und vielgenannte Führer der Frei⸗ sinnigen, Reichstagsabgeordneter für Hagen, ist am Samstag früh in Groß⸗Lichterfelde bei Berlin im Alter von 68 Jahren gestorben. Er kränkelte schon seit längerer Zeit; seit mehr als einem Jahre trat er nicht mehr im Reichs⸗ tage auf, vor Monaten legte er auch bereits sein Landtagsmandat nieder. In den Kretsen der Liberalen galt Richter als hervorragender Politiker, wurde aber wegen seines starrköpfigen und herrischen Wesens von seinen eigenen politischen Gesinnungsgenossen vielfach angegriffen. Er kannte den Etat, wie kaum ein zweiter im Reichstage, seine Etats⸗ reden waren stets interessant zu lesen und zeugten von Sachkenntnis. Es kann ihm auch nicht nachgesagt werden, daß er ein eigennütziger Streber gewesen wäre, er hat vielmehr für seine Anschauungen in selbstloser Weise gekämpft. Aber für die moderne Arbeiterbewegung und den Sozialismus fehlte ihm jedes Verständnis. Er hat diese große, gewaltige Kulturbewegung immer nur mit den giftigen Blicken des kon⸗ kurrenzneidischen Mandatsjägers angesehen; die historische Bedeutung der Sozialdemokratie hat er nie zu begreifen vermocht. Dagegen hat er unsere Partei mit den kleinlichsten und oft genug auch verächtlichsten Mitteln angefeindet und besudelt. Er hat sich aber bis in seinen letzten Tagen hinein davon überzeugen müssen, daß sich der naturnotwendige Gang der geschichtlichen Entwicklung, der auf den Sozialismus hin⸗ steuert, weder durch die polizeiliche Büttelpolitik Bismarcks, Richters intimem Gegner, noch durch die„geistigen Mittel“, die Richter anzuwenden für gut fand, aufhalten läßt. Seine gegen die Sozialdemokraten gerichteten Broschüren:„Irr⸗ lehren“ und„Zukunftsbilder“ gehören mit zu dem kindischsten Zeug, was gegen die Sozial⸗ demokratie geschrieben worden ff Die internationale Sozialdemokratie für den Frieden. In der großen Versammlung, die am 4. März * internationalen sozialistischen Komitees stattfand, ergriff, wie bereits in voriger Nummer erwähnt, Genosse Jaures das Wort, um die Notwen⸗ Arbeit der internationalen Sozialdemokratie dafür hervorzuheben. In seiner Rede führte er u. a. folgendes aus: In der Wage der Ge⸗ schicke gibt oft ein kleines Gewicht den Ausschlag für Frieden und Krieg. Deshalb haben wir, nalen Proletariats kämpfen, stets getrachtet, die Ereignisse zu überwachen, die Intrigen zu verfolgen, ste zu zerschmettern und der Oeffent⸗ lichkeit jeden neuen Versuch des Ausbruchs der Besttalttät zu verkünden, sowie die diplomatischen Kombinationen zu enthüllen, aus denen heute oder morgen Kakastrophen hervorbrechen können. 30 Mark, bei Fahrten in den heimischen Ge⸗ wässern 36 Mark und beim Geschwader ins Man hat uns angeklagt, wir arbeiten gegen Frankreich. Was uns beruhigt, ist die Talsace, pro Tag verwaltungen große Verschwendunag von Materalien und mangelhafte Arbeit vorgehalten erhobenen Anklagen. Und nun verlangt das„ in Brüssel im Anschluß an die Sitzung des digkeit des Völkerfriedens zu betonen und die während wir für die Befreiung des internatio- —— FE ·˙·wꝛj1 ⁰³¹-̃ ˙—˙—ũ wa ĩ˙—i. ᷑̃˙¾--]%éQͤ Psl2... . ³˙¹Ü1'wꝛmm ²·˙⅛mũunl] ꝝf d ⅛ðx y. ———. ä——————ñ—. — —. ̃ ̃——— .— P—— W———————— 9 10 0 5 11. Wickel demasche Sonunass⸗ Zeitung. Seite 3. , daß die Blätter Bülows in Deutschland unseren und ihm mit 305 gegen 197 Stl Ver⸗ Au, dortigen Freunden vorwarfen, sie besor— in 5 0 gten die trauen aussprach. In das Ministerium ist auch on nit den Angelegenheiten Frankreichs. Gegen Frankreich wieder ein Sozialist, Briand, 1 der ah und Fern. 00 e 49 8% da 115 sich um das Zustandekommen des Trennungs⸗ Hessisches. Hh Punke bill knen Ein. a ns dem, Lenetahe, D wette form Erniedrigung und Schwächung Deutschlands, tritt in die Reglerung natürlich nic und dat 505 Se be 1 155 tac bn ah e zn dieses großen Deutschlands der Luther, Kant, ihn deshalb ausgeschlossen.— Der neuen Re⸗ börgenbünmele Das Kea 175 Seiter elterber Hegel, Lassalle und Marx wäre ebenso ein gierung gehören noch an bekannteren Männern an: gab unsern Genoss 905 b 0 ahnen 19 e 165 nds be Gottes aue Fre Elen(Inneres), Bourgeois(Aeußeres), und Adelung Gelegenheit die brei 0 ung Englands, des Hortes aller Frei⸗ enne(Krieg), Beathon,. f gehallg heiten, der auserwählten Erde für die Gewerk⸗ 3. alte 9957 üg bor able. dei ee gab schaftsbewegung ein Unglück wäre. Die fran⸗ Kleine politische Nachrichten. kritifterte eiter vorzubringen. Adelung besonders ing de 1108 Revolution hat die Menschenrechte Sozialdemokratische Wahlerfolge. e Vonnerstag die erbärmlichen gt daß ür alle Völker verkündet. Wir wollen[ In Elbing haben unsere Parteigenossen bei den am d 1 er Hilfsschaffner, die kaum dret Mark fart nicht die Herrschaft eines einzigen Volkes. Wenn 10. März stattgefundenen Stadtverord netenwahlen einen en Tag verdienten. Das sei beschämend, wo Wi wir die Intrigen der marokkanischen Angelegen⸗ glänzenden Sieg errungen. Alle drei aufgestellten Ge⸗ 1 at wuallonen Rrart aus der Eisenbahn. We beiten aufdecken, dienen wir ebenso gut den nossen wurden mit großer Mehrheit gewählt. Auch in geimeinschaft bezieht! Am Montag kam bei dem Senn Juteressen Frankreichs wie denen Europas und mehreren Gemeinden bei Berlin haben unsere Genossen Kapitel Gymnasten ꝛc. Abg. David auf 15. des Sozialismus der ganzen Welt. Unsere recht erfreuliche Erfolge zu verzeichnen. In Rummels⸗ die Aagelegenheit im Gießener Gymnastum zu⸗ e Kehle aer ae un 11 wissen 10 51 3 burg wurden die sozialdemokratischen Kandidaten fast rück(Fall Schädel) und verlangte, ohne auf e gau 4 unten wisen woh, was einstimmig gewählt! den Fall selbst weiter einzugehen, den Erlaß 915 fee n ie 1 05 Seinen di 5 29 e 18 1 hatte sich einer Geschäftsordnung, die den Wirkungskreis 1 5 5 der katholische Pfarrer Gaisert aus Gründelwangen der Direktoren und d K Oberl eicht einen Nutzen bringen kann. Aber die] vor dem Landgericht Waldshut(Baden en Oberleßrer scharf. n Reaktion in Frankreich sah das Gesetz der zwei⸗ Gaisert hatte 2—9 2 8 geschaff 15 1 175 ier ele den, Oper 125 jährigen Dienstpflicht und das der Alters ver⸗] Zentrum agitiert und als später gegen ihn wegen Wahl⸗ 91 85 bei 5 i e stcherung erscheinen, sie sah die Trennung von beeinflussung eine Untersuchung eingeleitet wurde, einen e, Stcherhett, daß man„oben“ ein richtiges 7 Staat und Kirche beschlossen und die Gewalt J Zeugen zu falscher Aussage veranlassen wollen. Der Bild von seinem Wirken bekomme. Die Re⸗ . schwinden, die die Kongregationen in der Er- Staatsanwalt beantragte 1 Jahr Zuchthaus, das Gericht gterungs vertreter konnten verschiedenen Kritiken oben ziehung der Jugend ausüben; sie sah das Gesetz erkannte jedoch auf Freisprechung. Davids die Berechtigung nicht absprechen. at der Gewissensfreiheit schaffen, das niemand ein—.— Der Wahlprüfungs⸗Ausschuß der 1 Vorrecht mehr zuerkennt. Da mußte sich die r 1 Zweiten Kammer erklärte die Wahl des 1 Reaktion sagen: Wenn schon jetzt eine sozialistische evolution in Nusfland. ungülbig Fah re e e für Minorttät die französische Republik in Bewegung Die Wahlen zur„Volksvertretung“ 3 5 eee dan fetzen konnte, was geschieht erst dann, wenn der dien sbuna, uin da 0 e eee 1 i Nee wege die intellektuelle Freiheit erobert ist, wenn da Ar wält. In 6 Orten müssen neue Wahlmänner 8 boy Proletariat Fractrelch an das. Werk leigt lic d 1 55 ur ait beischwin. wahlen Jallfuden r ö eilig aran nicht, oder nur mit verschwin⸗ 255 f 1. bherantreten kann, das kapitalistische Eigentum denden Ausnahmen. Und mit Recht, 1 5 diese Büld ten pes Ager 5 feht 5 1 15 5 15 Witte pe gen i der h 5 15 Spottgeburt kann keine Volksvertretung sein. auf dem Hofgute 15 Rauchen he ia kalte sic zun auch immer die Hilfe des cäsaristischen Mabo⸗ Der Priester Ga pon, dem nachgesagt vorige Woche unser Genosse Schildbach vom 0 nic leonismus gewesen ist. Wir haben diese Manöver 1 25 el ee ee 105. 0 ban e eee ee füt abschneiden wollen, und deshalb bekämpft sich in einem offenen Briefe 1 ea n e, 0. N 1 8 gegen diese An⸗ 0 %%%-( . 1 lag, stellen zu wollen. Er beschuldigt seinen früheren 1 5 7 10 0 1 können, ist die Aufrecht.] Genossen Petroff des Verrats, dieser sei es len Essen pe kme gau bie an, erhaltung des Frtledens. Sozialisten, Arbeiter auch, der ihn verdächtige. Hoffentlich kommt Behandlung der Arbeiter kritistert. Obglei vegulg aller Länder, leisten wir den Schwur, über die bald Licht in diese Geschichte. viel 8 die W̃ hel des G 9 9 bloß, Integrität der Nationen und über den Frieden Hungersnot. Die Vorräte der Bauern ie e e eee 1 zu wachen! Krieg dem Krieg, Tod dem Tod g stätigten, erfolgte Verurteilung.— Total falsch 75„Klieg g, od in den von der Mißernte getroffenen Gouver⸗ berichtet der„Gi 1 b e, und Leben für die sozialistische Republik! öpfen ft e 0 nements erschöpfen sich, und die Hungersnot„Die Angaben hätten sich als völlig unwahr 5 Wie man die Nuhrberglente be- macht immei weitere Fortscritte. In den erwiesen.“ Kreisblatt⸗Berichterstattung! * bandelt. Von der Siebener kommsssson wurde Zeitungen mehren sich die Nachrichten über die Natürlich ist Viehmann auch in den Augen c dem Bergbaulichen Verein die am 12. Februar traurigen Zustände in den hungerleidenden Orte des Friedberger Bündlerblattes ein unschulds⸗ leb von der preußischen Bergarbeiterkonferenz be⸗ schaften. Aus dem Kasaner Gouvernement voller Engel den der böse Schildbach schwer e deaelossene Reselutlon, iu welcher eiue allgemeine ird geschrteben: Aus den Bezirken kommen gekränkt hat. Und schließlich heult der Antt⸗ ptlche Lohnerhöhung für die Bergarbeiter gefordert immer trostlosere und niederdrückendere Nach⸗ semitrich, der mit seinesgleichen stets das % wird, mit dem Ersuchen überreicht, der in der] richten. Die Bilder von den Leiden der hungern⸗ denkbar Ruppigste in der Verunglimpfung der bal Resolution niedergelegten Forderung zu ent⸗ den Bevölkerung nehmen immer schwärzere politischen Gegner leitete, folgendermaßen: zu, sprechen. Die Antwort des Bergbaulichen Ver. Farben an. Die Aussichten für die nächste„Die Gepflogenheit der Sozzeu, ihre politischen val N 5 Zukunft sind direkt bedrohlich zu nennen. Das[ 1 Ans liegt nun vor. Es heißt darin:;„Der b Gegner in den Dreck zu zerren, kann nicht an Vorftand halt nach wie vor an dem Stand. dean p beneiden Uinterstüsung der Hungern. scharf genug verurteilt werden. Höher kaun % rrurnkt fest, in Ihnen und den mitunterzeichneten] den wir 5 menge von Bitten über- so ein Pücklerlaner die Heuchelet unmöglich 10 Herren die Vertreter der Belegschaften häuft, steht aber dem Elend der Bauern macht⸗ treiben! 2010 im Ruhrkohlengebiet nicht erblicken zu los gegenüber. Skorbut, Typhus und andere können. Auch ist der Vorstand uicht in der Krankheiten verbreiten sich in immer schreck⸗ Gießener Angelegenheiten. „% Lage. den Mitgliedern des Vereins in bezug licherem Maße. f ll 1 auf die Arbeitslöhne kirgend welche Vor⸗ Ein neuer Generalstreik. Die eee e (chriften zu machen, es schließt vielmehr] Telegraphen⸗ und Postbeamten planen einen schwender“. Kürzlich machte uns ein Partei⸗ jede Zechenberwaltung selbstäudig die Schicht⸗ neuen Generalausstand in Form einer gleich⸗ freund auf eine vor mehreren Wochen im 1 9 köhne und Gedinge mit den ele tzelnen Arbeitern] zeitigen allgemeinen Kündigung. Auch der Gießener Amteblatt erschienene Notiz aufmerk⸗ 10 uud Kameradschaften ab.“— Obwohl eine Eisenbahnerverband beschloß angesichts der fort-] sam, die„Sozialdemokratische Theorie und andere Antwort nicht zu erwarten war und dauernden Mepressalten den Austritt sämtlicher] Proris überschrieben und dem Zenkrumsblatte 10 am allerwenigsten von den Bergarbeitern er] Beamten aus dem Vahndienst. 180 000 An⸗ gaben die Mate en ene e 1 wartet wurde, muß sie doch geradezu aufretzend gestellte und Arbeiter der Wolga⸗Flottille orga⸗ haben diesen Artikel seinerzeit jedensalls über⸗ 09. geradez 3 isierten einen Verb i sehen oder nicht beachtet. Er verfolgt d fat virken. Der Herrenstandpunkt, der in dem nisterten einen Verband, der polttische Zwecke eachtet. Er verfolgt den 10 Antwortschreiben des Bergbaulichen Vereins verfolgt. Seine wirtschaftlichen und polstischen] Zweck, unsere Partei zu verdächtigen und des⸗ 10 jum Ausdruck kommt, wird zu einer Gefahr, Forderungen gedenkt der Verband durch Lahm⸗ halb druckte ihn auch der Anzeiger mit Wollust 100 eie das gesamte Wirtschaftsleben schwer bedroht.] Legung der Schiffahrt auf ver Wolga durch und ohne kange Prüfung ab, wis jeden gegen ü Deun es ist nicht anzunehmen, daß die Berg. einen, Generalstreik durchzusetzen, den er für die Sozialdemokratie gerichteten Anwurf. Es 1 rrbetter sich durch diese Antwort werden ab⸗ den 10. Mal anberaumt,— Unter den Mann- wird darin gesagt, daß die„hollandischen % dalten lassen, auf dem Wege, den sie mit dem schaften des Moskauer Leibgarde⸗Reglments ist Sozlalisten ganz genau wie ihre Parteigenossen 1 setzten großen Streik betreten, voran zu schreiten. eine Meuterei ausgebrochen. Durch Regi⸗ in andern Ländern eine Prarig üben, die mit Es bleldt ihnen keine ander Wahl mentsbefehl ist den Soldaten strengstens unter⸗ ihren Theorien im vollsten Widerspruch steht. 10 In Frankreich Besuche von Verwandten zu empfangen. gage m Wohnort Halten lasse, 1185 1 gat ein Ministerum Sarrien die Erbschaft 7 e eee bare ee een 2 bes Kabinetts Rouvier angetreten. Es stellte Parteifreunde! Eich fen 10 l 10 1875 Agio rn par ee 10 sch auch bereits der Kammer vor, die seine Berbreil ee immer weitere] lassen, um einen indischen Prinzen zu imponteren Erklärungen über die allgemeine Politik billigt und der Volksfreund Polak lasse sich eine pracht⸗ Seite 4. Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 11. volle Villa in Hilversum von einem der ersten Baumeister bauen, wobei den Arbeitern die Mindestlöhne nicht bezahlt würden und über die regelmäßige Arbeitszeit hinaus arbeiten müßten.— Jeder Verständige erkennt dieses Ding als elende Lügennotiz. Trotzdem findet solcher Amtsblattschwindel seine Gläubigen. Wir wollten aber mal der Sache auf den Grund gehen und befragten uns bei unserem Freunde Ankersmit in Amsterdam, von dessen Mitteilungen wir das Folgende wiedergeben. Der Genosse schreibt uns: Das Zeug, was da die Germania und die sonstige deutsche Ordnungspresse bringt, ist ab⸗ gestandenener Kehricht aus der holländischen bürgerlichen Presse. Der Tintenkuli hat aber sorgfältig verschwiegen, was unsererseits darüber mitgeteilt ist. Die drei genannten Genossen, Hugenholtz, van Kol und der Gewerkschafts⸗ führer Polack sind die drei gefürchtesten Gegner der Kapitalistenklique und sind selbstverständ⸗ lich Gegenstand der gehässigsten Angriffe. Hugenholtz hat den Verkehrsminister im In⸗ teresse vieler Geschäftsreisenden ersucht, anzu⸗ ordnen, daß die(private) holländische Eisen⸗ bahngesellschaft einen Expreßzug in seinem Wohnorte Harlem halten läßt. Das nämliche Gesuch war schon öfters von Geschäftsreisenden bei der Eisenbahndirektion eingereicht worden, die verweigerte es aber immer. Hugenholtz wandte sich an den Minister und dieser berief den staatlichen Aufsichtorat über den Eisen⸗ bahnverkehr, der einstimmig seine Zustimmung erklärte. Es ist also nur einer starrköpfigen Weigerung einer Eisenbahndirektlon, sich einem allgemeinen Wunsche zu fügen, ein Ende gemacht worden. Diese gehässigen 1 rühren bon einem Organ der betreffenden Eisenbahn⸗ direktion her.— Abgeordn. van Kol reiste vor einigen Jahren nach niederländisch Indien, um Material über das holländische Kolontal⸗ wesen zu sammeln. Dabei wurde er sehr gut aufgenommen von einem indischen Radjah oder Prinzen, der sich von der holländischen Regierung ungerecht behandelt fühlte und jetzt im Krieg mit ihr verwickelt ist. Dieser bat ihn um eine Photographie und zwar in der Uniform eines Deputierten. Van Kol gab sich Mühe, dem Prinzen klar zu machen, daß er Sozialdemokrat sei und wie die Sozialdemokratie über das Gala⸗-Uniformwesen denke. Weil der Gastgeber aber auf seiner Bitte bestand, stellte sich van Kol, als er nach Holland zurückkehrte, aus seiner indischen Ingenieurs⸗Uniform und einigen Teilen des Galarockes eines liberalen Kam mer⸗ mitgliedes etwas zusammen, worin er sich für den Radjah photographieren ließ. In dessen verlassenen Palast fand man später das Porträt van Kol's! Das ist die ganze Geschichte. — Die Sache mit Polak ist glatt gelogen. Dieser läßt sich in Laren bei Amsterdam ein Häuschen von seinem Freunde, dem ausgezeichneten Baumeister Berloze, bauen. Die Zinsen des geliehenen Baukapitals werden beträchtlich niedriger sein, als die Wohnungs⸗ miete, die besser bezahlte Arbeiter in Amsterdam zahlen müssen. Der Bauunternehmer zahlt die höchsten Löhne in der ganzen Gegend, höher als die Forderungen der Gewerkschaft sind und selbstverbändlich wird die gewerkschaft⸗ lich festgesetzte Arbeitszeit inne gehalten. Soweit unser Freund. Wir haben es für angebracht gehalten, seine Antwort ausführlich wiederzu⸗ geben, um damit vor Augen zu führen, wie die unzähligen Lügen zurechtgebraut werden, die jetzt von den Reichsverbändlern und den übrigen vielfarbigen Sozialistenvernichtern ver⸗ breitet werden. Daß das Amtsblatt nach Klar⸗ stellung des Sachverhalts etwas berichtigen werd, bezweifeln wir. Die Praxis der Ordnungs⸗ blätter ist eben: lüge und verleumde darauf los, es bleibt doch etwas hängen! — Mit einem„Fall Bernhardt“ be⸗ schäftigte fich das Gießener Amtsblatt in mehreren Nummern. Es will daran die„Intoleranz“ der Sozialdemokratie„beweisen“ und behauptet, Bernhardt solle wegen Mißliebigkeit aus der Partet entfernt werden. Tatsache ist, daß Bernhardt von einem Berliner Wahlkreise wegen restterender Beiträge ausgeschlossen worden war. B. wies aber nach, daß er aus diesem Kreise abgedruckten ganz harmlosen No fehler“ erfolgte. verzogen war und seine Beiträge in einem anderen Wahlkreise entrichtet hatte und somit ist die Sache erledigt.— Bernhardts Name wurde aber vorher noch in einer anderen Sache genannt. In seiner Zeitschrift„Plutus“ hatte er ungefähr geschrieben, daß ebenso, wie die Arbeiter sich zusammenschließen, um Verbesse⸗ rungen ihrer Lage herbeizuführen, man das gleiche Recht auch dem Bunde der Landwirte zugestehen müsse. Dem trat der„Vorwärts“ mit Recht entgegen. Es ist jedenfalls etwas anderes, wenn sich arme Teufel“ mit ihrer Organisation ein menschenwürdiges Dasein zu erkämpfen suchen, als wenn sich Großagrarier oder Kohlenkönige— reiche Leute— verbinden, um das Volk in unerhörter Weise zu schröpfen. Die von Bernhardt ausgesprochene Meinung würde allerdings noch kein Grund sein, ihn etwa aus der Partei auszuschließen. Dagegen ist das selbstverständlich, wenn sich ein Partei⸗ mitglied mit den Grundprinzipien der Partei in Widerspruch setzt. Das müßte selbst das Amtsblatt als ganz richtig anerkennen. Bei der Drehscheiben⸗Partei zieht allerdings einer nach rechts und der andere nach links, das geht bei uns nicht. Seine„geistreichen“ Bemerkungen konnte sich der„Anzeiger“ sparen. — Die Wahlvereinsversammlung am Samstag war gut besucht. Sie nahm zu⸗ nächst einen Vortrag über Heinrich Heine ent⸗ gegen. Dem Vortragenden gelang es auf's Beste, die Bedeutung des Dichters, dessen lite⸗ rarischer Einfluß noch bis in die heutige Zeit reicht und den noch heute der eine schmäht, während ihn der andere glühend verehrt, den Versammelten in objektiver Weise darzulegen. Seine Familienverhältnisse, sowie die politischen Zustände, die auf die Entwickelung des Dichters einwirkten und die Wandlungen in seinen An⸗ schanungen hervorbrachten, schilderte der Vor⸗ tragende in klarer und verständlicher Weise. Am Schluß bemerkte er zusammenfassend, daß wir Heinrich Heine nicht nur als einen unserer bedeutendsten Dichter, sondern auch, trotz mancher abfälligen Bemerkungen über Kommuntsmus, als Sozialisten zu verehren das Recht hätten. Mit lebhaftem Beifall wurde der Vortrag auf⸗ genommen. Es wurde dann noch beschlosseu, die Mär z⸗ feier am Sonntag, nachmittags 4 Uhr, im Saale des„Gambrinus“ in Wieseck abzu⸗ halten.— Im Anschluß daran teilen wir noch mit, daß zu der Fefer Genosse Dr. Michel s⸗ Marburg über die„48er Revolution und die heutigen Wahlrechtskämpfe“ sprechen wird. Die Gießener und Wiesecker Genossen werden ersucht, sich recht zahlreich zu beteiligen, ebenso wollen die Mitglieder des Gesangvereins„Eintracht“ vollzählig erscheinen. — Ein hochnotpeinliches Ver⸗ fahren ist gegen unser Blatt eingeleitet, das sich einer schweren Sünde schuldig gemacht haben soll. Wir erhielten am Dienstag den bei uns glücklicherweise(mit Bezug auf ihr Amt gemeint) seltenen Besuch der Kriminalpolizei. Wir fragten natürlich in“ Bewußtsein unserer schnee⸗ weißen Unschuld die uns bekannten und sonst ehr angenehmen Herren nach ihren Wünschen. erblüfft hörten wir, daß die letzte Nummer unserer unschuldigen und sittenreinen Zeitung beschlagnahmt werden sollte! Unser Er⸗ stannen wuchs aber noch, als wir hörten, daß die Maßnahme wegen der unter„Humoristisches“ 15„Böser Druck⸗ Wir haben soviel Vertrauen zur hessischen Justiz, daß ste sich nicht mit Ver⸗ folgung dieser unsagbar harmlosen Sache blos⸗ stellen wird. — Der erste musikalische Volks⸗ unterhaltungs⸗-Abend fand am Sonntag im Saale von Steins Garten statt. Von ge⸗ schätzter Seite wird uns darüber geschrieb en: Der Ausschuß für Volksvorlesungen ist zu dem Zwecke gegründet worden, dem Arbeiter und seinen Angehörigen die besten Schätze unserer Kultur, sowohl auf dem Gebiete geistiger, sitt⸗ licher ꝛc. Errungeanschaften, als auch auf dem⸗ jenigen künstlerischer, sozialer und volkswirt⸗ schaftlicher Arbeit darzubieten, und zwar um⸗ sonst oder nur für ein kaum die Selbstkosten deckendes Entgelt. Und es set, mit Bezug auf den Volks⸗Unterhaltungsabend, sogleich gefagt: Glänzend wurden die Erwartungen erat, die die Leiter dieses wahrhaft volkstümlichen Unternehmens gehegt hatten. Ein prächtiges Quartett des genialen Beethoven für Klavier (Pianist J. Hahn), Violine(Mustklehrer Franz Bauer), Viola(Mustkdirektor Krauße) und Violoncell(Einjährig⸗Freiwilliger E. Krauß e) leitete den Abend ein. Wundervoll wurde hier alles bis in's Kleinste dem andächtig lauschenden Publikum zu Gehör gebracht und lauten Bei⸗ fall zollte man dem weihevollen Spiel der Künstler. Es folgten drei Lieder für Sopran, vorgetragen von Frl. Paula Buß aus Wetzlar. Die Stimmmittel der Sängerin sind sehr aus⸗ giebig, namentlich in der Höhenlage. Am Besten gefiel uns„Ungeduld“(von Schubert) und„Herzeleid“(von Lützel). Leider wirkte sehr störend die ziemlich leblose Art des Vor⸗ trags: die Dame hielt während des Gesanges die Hände beständig auf dem Rücken und blickte meistens nach der Decke des Saales. Viel wärmer und in der Haltung natürlicher wurde Frl. Buß in den zwei folgenden Stücken, doch störten auch hier die steife Haltung und der nach oben gerichtete Blick die Stimmung. An⸗ dererseits verdient aber ihr sehr sympathischer Sopran, der auch in der Höhenlage nichts an Reinheit einbüßte, sowie ihre musterhafte Aus⸗ sprache, alle Anerkennung.— Prächtig klangen darnach die schmeichelnden Töne des Violon⸗ cells durch den Saal. Der Künstler(Herr Krauße jun.) erntete mit Recht reichen Beifall. Zwar bieten die vorgetragenen Stücke dem tiefer musikalisch Empfindenden wenig Anregung für Phantaste und Herz; aber mit Recht wählte ste der Künstler, um die Ausdrucksfähigkeit des Cellos lebhaft vor Augen zu führen. An weiteren Volksunterhaltungsabenden können unseres Er⸗ achtens ja reifere Werke für Cello geboten werden.— Ueber alles Lob erhaben klangen sodann die Chöre à capella, zumeist Volkslieder. Mit glockenreiner Stimme und überaus feiner Schattierung, dem Texte sich anpassend, trug der Gießener Lehrer⸗Sängerchor diese Lieder vor. Reicher Beifall wurde ihm für den künst⸗ lerischen Genuß zu teil. Herr Piantist J. Hahn spielte mit virtuoser Technik drei Solostücke für Klavier. Der große Beifall zwang ihn zu einer Zugabe. Herr Lehrer J. Marx sang als Solist drei Lieder, in denen er seinen prächtigen Baß zur Geltung brachte. In dem herrlichen Loewe'schen Lied:„Tom der Reimer“ fiel des Sängers kräftiger, reiner Baß und eine außer- ordentlich deutliche Aussprache auf; nur hätte Herr Marx an vielen Stellen des Liedes etwas mehr Temperament entwickeln sollen; das ber⸗ langt der Text und erst recht die Musik hier besonders. Dagegen trug Herr Marx prächtig den Sang„Allerseelen“ vor, und mit dem Kinderlied:„Wenn es schlummert auf der Welt erntete der Herr Vortragende solchen Beifall, daß er es wiederholen mußte. Alles in Allem: es war ein wohlgelungener Abend. Aber gerade, weil wir dem verdienst⸗ vollen Unternehmen so sehr sympathisch gegen. überstehen, glaubten wir im Vorstehenden mit unserer Kritik nicht zurückhalten zu dürfen, denn Kritik, d.. sachliche Beurteilung, ist erade für Volks unterhaltungsabende nötig, enn hier muß das Beste gerade gut genug sein. Wenn also nicht alles im Einzelnen böllig gelang, so ist das durchaus kein Vorwurf, denn erstens fand hier zum ersten Male ein volks · tümlicher Uuterhaltungsabend statt, sodann aber hielten sich die meisten Darbietungen auf künst⸗ lerisch recht bedentender Höhe, und das beweist für den ersten Volksunterhaltungsabend einen vollen Erfolg. Entsprechend war der ho Saal bis zum Schlusse vollständig beset. Glückauf zu weiterem Streben! A. n. Eine Hol zarbelterdersammfung ndet nächsten Montag,(19. März) in 1 15 ierkeller statt. Kollege Seifert⸗Köln wird über:„Die Kämpfe des deutschen Holzarbelter⸗ Verbandes unter besonderer Berücksichtigung des Kölner Schreinerstreiks“ sprechen. 5 schmachvolle Verhalten der„Christlichen wir von dem Redner, der den bedeutungsvolh Kampf selbst mit durchgefochten hat, in 0 gebührende Beleuchtung gerückt werden. Na u Oe el da prag beta r auß An huber Wilke Vor. gange blick Vll Wurde , doch nd da „ A, chice 18 0 e Au, lange Blog, (Hen Bessal. e den regung Wähl telt da peil b f geholt ange“ flieder, felt „ kg Leedet Huff, Hahn e fl n eln 10 fl It flach fl due * 1 b 1 a5 00 * Nr. 11. 2 n Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. .——————̃— 5 — Seite 5. dem Vortrage findet die Wahl eines Delegierten zu dem Verbandstage statt. Es wird erwartet, daß alle Holzarbeiter am Platze sind. — Die Freie Turnerschaft Gießen hält am Samstag, den 17. d. Mts., abends 8¼ Uhr, bei Albold im„Gambrinus“ ihre Monatsversammlung ab. In Anbetracht der äußerst wichtigen Tagesordnung ist das Er⸗ scheinen aller Mitglieder dringend notwendig. — Das Schwurgericht verhandelte am Donnerstag und Samstag voriger Woche gegen 6 junge Burschen aus Großenlinden wegen Sittlichkeits⸗ verbrechen. Die Angeklagten Wilh. Wenges, Wilh. und Ludw. Luh, Hch. Dern, Ludw. Keßler und Ludw. Weiß, sämtlich im Alter von 17—18 Jahren ftehend, griffen eines Abends gemeinsam ein junges Mädchen auf der Straße an, schleppten es abseits vom Wege und berührten es in unsittlicher Weise. Daß Ergebnis der zweitägigen unter Ausschluß der Oeffent⸗ keit durchgeführten Verhandlung war Verurteilung aller Angeklagten wegen tätlicher Beleidigung mit Ausnahme von Weiß, der Freisprechung erzielt. Menges und W. Luh erhielten 5 bezw. 4 Monate, die übrigen 3 Monate Gefängnis. Aus dem Rreise gießen. J. Watzenborn⸗Steinberg. Unser Wahl⸗ verein hielt am Samstag seine gut besuchte Ver⸗ sammlung ab, die den Bericht über die Kreiskonferenz entgegennahm. Die Parteigenossen sprachen ihre Be⸗ friedigung aus, daß in Bezug auf die Presse wenigstens ein kleiner Schritt nach vorwärts getan worden sei. Im übrigen erklärte man sich mit der Tätigkeit der Delegierten, sowie mit den Beschlüssen der Konferenz einverstanden. Weiter wurde noch beschlossen zum An⸗ denken der März⸗Ereignisse von 1848 eine kleine Märzfeier in Form einer Mitgliederversammlung des Wahlvereins, wozu natürlich auch Gäste Zutritt haben, am Sonntag, den 18. März zu veranstalteu. Mit einer Besprechung der politischen Tagesfragen schloß die Versammlung. l. Die Ruppigkeit eines Ordnungs⸗ menschen fand kürzlich vor dem Gießener Schöffen⸗ gericht ihre Sühne. Anfang Dezember v. Js, kam der Lackierer Schäfer in Steinberg in die Wirtschaft zum„grünen Baum“ und beschimpfte unsere dort an⸗ wesenden Genossen Häuser und Schmandt in der uner⸗ hörtesten Weise. Wenn diese sich nicht hätten beherrschen können, wäre es natürlich zu Tätlichkeiten gekommen und dann den Sozialdemokraten die Schuld zugeschoben worden. Die beiden Genossen ließen sich klugerweise dazu nicht hinreißen, sondern verklagten den Mann einfach. Nachdem ein im ersten Termin angestrebter Vergleich scheiterte, wurde Schäfer im zweiten Termin zu 50 Mark Geldstrafe und sämtlichen Kosten verurteilt und den Klägern das Recht zugesprochen das Urteil im Gießener Anzeiger und durch Anschlag an die Ortstafel zu veröffentlichen.— Also das ist kein billiges Ver⸗ gnügen. Schäfer hat sich's aber selbst zuzuschreiben. Unsere Genossen hätten gewiß nicht auf Strafe bestanden, wenn Schäfer sie durch sein ungehöriges Betragen nicht dazu herausgefordert hätte. Viele Leute sind aber der Meinung, daß ein Sozialdemokrat vor Gericht überhaupt kein Recht bekommt und man sich deshalb gegen einen solchen alles erlauben kann. Immer geht das aber nicht. Aus dem Nreise ꝗriedberg⸗Büdingen. — Eine riesige Unterschlagung hat der Rechner des Sparkassen vereins Butz⸗ bach Karl Heinzerling verübt. Er wurde am Sonntag verhaftet. Es fehlen 180 000 Mark, die Heinzerling für sich verwendet und durch Spekulationen verloren haben soll. Viele kleine Leute sind um ihre Ersparnisse gekommen und es herrscht infolgedessen hoch⸗ gradige Aufregung. Heinzerling soll gestanden haben, daß er die Unterschlagungen bereits seit acht Jahren verübt hat. Wo blieb da die Kontrolle? Es handelt sich nicht nur um einfache Unterschlagungen, es llegen auch schwere Wechsel⸗ und Urkundenfälschungen vor.— Neueren Feststellungen zufolge beträgt das Defizit über 200000 Mk.! Was würde die Ordunngspresse sagen, wenn es sich um einen Sozialdemokraten handelte. 2. In Niedereschbach findet Sonntag, den 18. März im Lokale des Herrn Christ. Kester eine öffentliche Volksversammlung statt. Genosse Zielowsky⸗Frankfurt wird über„Die deutsche Reichssteuerpolitik“ reden. Die Partei⸗ freunde und Arbeiter von hier und den Nach⸗ barorten werden zu zahlreichem Erscheinen ein⸗ geladen. Aus dem Nreise Wetzlar. h. Die fürstlich Solms⸗Braun⸗ felsschen Bergwerke sind an die Aktien- gesellschaft Friedrich Krupp verkauft worden. Der Kaufpreis beträgt 4½ Millionen Mark. in Niedershausen. Beamte und etwa 600 Arbeiter sowie die Er⸗ ledigung der laufenden Erzlieferungsverträge übernimmt die Firma Krupp. Hoffentlich zahlt die Firma Krupp etwas bessere Löhne als die fürstlich Braunfelssche Bergverwaltung. Der Verkauf scheint eine Folge des Streiks zu sein. s. Schwarze, Blaue und Gelbe sind jetzt stark an der Arbeit, um die Wetzlarer Arbeiterschaft für ihre Gründungen einzufangen. Während Behrens die evangelischen Gesellen⸗ vereinler bearbeitet, warf der Sekretär Becker aus Kirchen seine Netze bei den schwarzen kath. Gesellenvereinlern aus und zum Ueberfluß erscheint auch noch einer von den gelben Hirsch⸗ Dunkerschen auf dem Plane. Was Becker seinen schwarzen Gesellenvereinlern erzählte, darüber sei einiges mitgeteilt. Er sprach über die Ver⸗ sicherungsgesetzgebung und pries diese im Stile der Schweinburgpresse und rechnete vor, welche Summen von den Arbeitgebern(2) dafür auf⸗ gebracht würden. Dann erzählte er, wie das auch die Stöckerleute regelmäßig tun, daß die Sozlaldemokraten gegen die Versicherungsgesetze gestimmt hätten, natürlich unterließ er(wie jene), zu sagen aus welchen Gründen. Ebeuso ver⸗ schwieg er, daß gerade die Zentrumspartei diese Gesetze verhunzt hat.„Die Sozialdemokraten sind Gottesleugner“, deklamierte er weiter. (Wenigstene miß brauchen sie aber die Neli⸗ Mur nicht zu Parteizwecken. D. R.) Im Uebrigen önnte Becker sich mal über den Segen der Verstcherungsgesetze bei seinem Glaubensgenossen Kleinfelder erkundigen; sollte sich auch lieber erst mal auf seinen Hosenboden setzen und etwas lernen, ehe er unberechtigte Vorwürfe gegen die Sozialdemokratie erhebt. In der Diskussion ergriff einer von den„Gelben“ das Wort, um Becker in allen Punkten recht zu geben. Schöne Seelen finden sich!— Wenn die Schwarzen mit gelbem ꝛc. Anhang mal in einer öffentl. Versammlung mit freier Diskusston ihre Tiraden loslassen wollten, würde sichs bald zeigen, wie ste die Wetzlarer Arbeiterschaft einschätzt.— Soviel steht fest: das Ausbeutertum kann sich in's Fäustchen lachen, solange solche Leute die Arbeiterinteressen„vertreten“.— Die Stöckerschen prahlen, daß viele vom Bergarbeiterverband zu ihnen übergetreten wären. Aufschneidereien! Haben ste wirklich einige Dumme ergattert, werden sie sie bald wieder los sein. m. Eine Bergarbeiter⸗Versammlung fand am Sonntag im Lokale„Zur Glocke“ statt. Kamerad Joachim sprach über die gegenwärtige Lage der Berg⸗ arbeiter und die Beschlüsse der Essener Konferenz. In kurzen, eindrucksvollen Worten wies Redner auf die Notwendigkeit einer starken einigen Organisation hin und warnte die Kameraden vor den Zersplitterungs⸗ versuchen der Behrens und Konsorten. Diesen komme es weniger auf die Besserung der Lage der Arbeiter an, ihr Bestreben sei nur, das Reichstags wandat zu ergattern und zu diesem Zwecke versuchen die Herren Schmidt und Rüffer die Bergarbeiter einzufangen. Ferner wies der Redner auf das Verhalten des Wetzlarer Anzeigers hin, der stets Einsendungen, die von unserer Seite über den Streik oder die Lage der Arbeiter gemacht wurden, die Aufnahme verweigerte, den Verdächtigungen und Ver⸗ leumdungen der„Christlichen“ aber die Spalten öffnete. Folgende Resolution gelangte zur einstimmigen Annahme: „Die heutige öffentliche Bergarbeiterversammlung pro⸗ testiert gegen die Schwindelberichte des Wetzlarer An⸗ zeigers, wonach sich der Deutsche Bergarbeiter⸗Verband im hiesigen Revier unter„falscher Flagge“ eingeschmug⸗ gelt hätte. Sie erklärt es als ganz gemeine Lüge, daß sich der Alte Verband als„christlich⸗national“ eingeführt habe. Es zeigt sich hier wieder, daß der„Anzeiger“ sich in den Dienst der sogenannten„Christlichen“ stellt, deren Bestrebungen auf Zersplitterung der Arbeiter⸗ bewegung und Schädigung der Arbeiter⸗Interessen hin⸗ ausläuft. Pflicht jedes denkenden Arbeiters ist es daher, solchen Blättern keinen Eingang in ihr Haus zu ge⸗ währen.“ h. Auf die Märzversammlungen, die am Sonntag nachmittag in Gleiberg bet Feußer und in Launs bach bei Komp stattfinden, sei nochmals aufmerksam gemacht. Zahlreicher Besuch wird erwartet. — Einen schönen Wahlerfolg er⸗ rangen unsere Genossen bei der Gemeindewahl Ihre beiden Kandi⸗ daten, Schmidt und Weber, wurden mit 61 Stimmen gewählt; die Gegner brachten trotz eifriger Agitatton nur 40 Stimmen auf. Aus dem Rreise Marburg⸗Nirchhain. Zum Protest gegen die Dreiklassen⸗ schmach in Preußen soll die diesmalige Märzfeier dienen. Es sindet zu diesem Zwecke am Sonntag, den 18. März, abends Uhr, eine öffentliche Volks versammlung im Hildemann'schen Saale statt, in welcher Genosse Göller⸗Frankfurt über die bürger⸗ liche Revolution von 1848/49 und das preußische Dreiklassenwahlsystem sprechen wird. Arbeiter, Genossen! Erscheint in dieser Versammlung ebenso zahlreich, wie in der Versammlung am 21. Januar. Es muß immer wieder gegen die Vergewaltigung des arbeitenden Volkes Sturm gelaufen werden!(Siehe Inserat.) X Ueber die Schulfrage sprach am Samstag Dr. Penzig⸗ Charlottenburg in einer bom soz.⸗dem. Wahlverein einberufenen öffentl. Volksversammlung. Redner erläuterte in seinem Vortrage zunächst die rein weltliche Schule und verbreitete sich dann über die Frage Konfesstons⸗ oder Moralunterricht? Er besprach hierbei aus⸗ führlich den Unterschied zwischen wahrer Religion und Kirche. In der Schulfrage vertrat der Redner den Standpunkt, daß der Religions- unterricht aus der Schule unbedingt entfernt werden muß. An Stelle des Religionsunter⸗ richts soll der Moralunterricht treten. Außer⸗ dem ging Redner noch sehr ausführlich auf den Unterschied zwischen Staat und Kirche ein.—— Der Vortrag, der bis zum Schlusse mit der größten Aufmerksamkeit und Ruhe angehört wurde, fand lebhafte Zustimmung seitens der ganzer Versammlung. In der Dtskusston er⸗ klärten Herr Schiele und Prof. Natrop ihre Zustimmung zu dem Vortrage. O Abgelehnt wurde von einem wohlweisen Magistrat der Universitätsstadt Marburg eine Eingabe des Deutsch⸗ nationalen Handlungsgehülfen⸗Verbandes betr. Errichtung eines Kaufmannsgerichtes. In der Eingabe war darauf hingewiesen worden, daß die Ein⸗ wohnerzahl Marburgs die 20000 überschritten habe und demgemäß ein Kaufmannsgericht hier zu errichten sel. Der Magistrat begründete seinen ablehnenden Bescheid damit, daß die Militärbevölkerung hierbei nicht in Betracht zu ziehen sei, ohne Militär habe Marburg jedoch noch keine 20000 Einwohner. Ein Bedürfnis für Errichtung elnes Kaufmannsgerichtes habe sich bisher nicht bemerk⸗ bar gemacht. Soweit der Magistrat in Betracht kommt, ist dieses ohne weiteres zu glauben; daß aber bei den Handlungsgehilfen ein solches Bedürfnis vorliegt, geht schon aus der wiederholten Eingabe des gewiß nicht sozialdemokratisch unzufriedenen Handlungsgehilfenver⸗ bandes hervor. Genau so liegen auch die Verhältnisse bezüglich eines Gewerbeger ichtes. Auch in Arbeiter⸗ kreisen ist die Ansicht verbreitet, daß Marburg ein Ge⸗ werbegericht zu errichten habe und ist diese Ansicht auch bereits in diesem Blatte wiedergegeben worden. Wie aus obigem Bescheid hervorgeht, ist es leider nicht so und— der Magistrat hat kein Bedürfnis. Erst kürzlich haben die christlichen Maurer in einer Versammlung eine Resolution angenommen, in welcher sie ein Gewerbegericht und Proportionalwahl zu demselben verlangen. Sie können sich mit uns und den deutsch⸗nationalen Hand⸗ lungsgehilfen trösten und gleichzeitig sich beim Zentrum bedanken, welches die Schuld trägt, daß diese Bestim⸗ mung in das Gesetz gekommen ist und daß der sozial⸗ demokratische Antrag auf Herabsetzung der Einwohnerzahl auf 15000 nicht zur Annahme gelangte. O Als Schularzt für die städtischen Schulen ist Kreisarzt Prof. Hildebrandt angestelt worden. J. In Reddehausen wurde bei der am Freitag erfolgten Gemeindevertreterwahl unser Genosse Kasp. Noll in den Gemeinderat ge⸗ wählt. Sein Gegenkandidat, der frühere Bürger⸗ meister Dickhaut erhielt nur 1 Stimme. Mit Noll zieht der zweite Sozialdemokrat in unsere Gemeindevertretung ein. Versammlungskalender. Samstag, 17. März. Gießen. Holzarbeiter. Abends ½9 Uhr Ver⸗ sammlung bei Löb.— Metallarbeiter abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Gießen. Heizer und Maschinisten. Abends 8½ Uhr Versammlung bei Lob(Wiener Hof). Heuchelheim. Turnabteilung. Abends 9 Uhr Versammlung im Turnlokal. Sonntag, den 18. März. Lollar. Wahlverein. Nachmittags 3½ Uhr Versammlung bel Wirt Schupp. Steinberg. Märzfeier. Nachmittags 3 Uhr öffentliche Versawmlung im„Grünen Baum“. Seite 6. Witteldeuische Sountags⸗Zerung. Von Nah und Fern. Auch einer. In Ansbach(Bayern), wurde vor etwa zwei Monaten der Opferstock in einer Kirche erbrochen. Einige Handwerksburschen, die man als der Tat verdächtig verhaftet hatte, erwiesen sich als unschuldig. Nun fiel der Verdacht auf den Vorsitzenden des Hirsch⸗Duncker⸗ schen Gewerkvereins, Kirchendiener und Gewerbegerichtsbeisitzer Walz. Er kam dadurch in den Verdacht, daß er außergewöhn⸗ lich viel Kupfergeld in den Verkehr brachte und wurde infolgedessen verhaftet. Im Lande der ganz Frommen. In Lünen bei Dortmund wurde vor kurzem der Bergmann Wagner begraben. Sein Leben war so, daß sich au demselben mancher Lüner Ueberchrist hätte ein Beispiel nehmen können. Trotzdem machte jeder Lüner ein Kreuz, wenn er dem Wagner auf der Straße begegnete. Dieser Wagner gehörte nämlich— in Lünen etwas Haarsträubendes!— keiner Religionsgemeinschaft an. Wagner war kein Katholik, ja, nicht einmal Protestant. Merkwürdigerweise verlief sein Leben, wie das jedes im Kirchenbuch stehenden Menschenkindes. Jetzt stirbt der Mensch. Jetzt mußte es kommen. Es geschteht nichts! Wagner wird begraben und wenn man davon absteht, daß ihm ein mächtiges Trauergefolge das letzte Geleit gab und man am Grabe einem Menschen das Reden verbieten mußte(das Gefolge eines Geistlichen hatte sich der Wagner auf dem Sterbebette extra noch verbeten!) ging die Bestattung des Heiden ohne Beschwerde vor sich. Aber umsonst hatte man im frommen Lünen diesen Menschen nicht begraben. Am Tage nach dem Begräbnis hört eine Frau unten in seinem Sarge drohen⸗ des Klopfen. Wo konnte das anders sein als bei dem gottlosen Heiden, der hier neben ehr⸗ samen Christenmenschen der Ruhe pflegen wollte, und der— natürlich!— nicht zur Ruhe kommen konnte. Die Frau geht zum Herrn Pfarrer. Der Herr Pfarrer meint, es wäre wunderlich gewesen— wenn es anders gewesen wäre, wenn der Wagner nicht geklopft hätte. Und ohne die Hinterbliebenen zu fragen, wird die für die Ewigkeit gemachte Behausung des 11K erbrochen. Der Sozialdemokrat, der roh war, daß er endlich lag, mußte heraus. Aber der Brave hat sein Lebtag so viel geredet und soviel gehämmert, daß er dies jetzt alles sein ließ. Ruhig und friedlich lag er in seinem Sarge. Ja, er protestierte nicht mal gegen die 8 angetane Unbill. Das war man von dem agner gar nicht gewöhnt, daß er sich so be⸗ handeln lie. Und weil der Wagner das erste Mal, seit ihn die Lüner kannten, eine christliche Verunglimpfung hinnahm, glauben jetzt die Lüner, daß er kot ist. Der Gottlose ist aber doch nicht so ganz glatt zur Ruhe gekommen. Kinder-Kultur. (Schluß.) Wie es sich im Leben zeigt, daß allzu williges Gehorchen meist zum Schaden der Betreffenden ausfällt, zeigt es sich auch in der geistigen Ent⸗ wicklung des Kindes. Durch strengen Gehorsam wird das Kind wohl lenksam, aber es wird auch 1 und urteilslos. Und Unterwürfigkeit und Urteilslostgkeit lassen kein freies Geschlecht erwachsen. Eltern und Erzieher, gebt dem Kinde ver⸗ nünftige Bewegungsfreiheit in seinem Denken und in seinem Handeln, damit folgt eine Generation stark an Körper und Geist 0* Wodurch soll ein Kind erzogen werden, wenn nicht durch Gehorsam? fragt stcherlich mauche Mutter. Wohl ahnt sie ihre schwere Verantwortung, die ihr mit der Erziehung ihrer Kinder übertragen ist, aber leider hat sie nur in seltenen Fällen auf diesem Gebiete etwas gelernt, und daher sucht sie zögernd und zagend das 1 zu treffen. Die überlieferte An⸗ sicht und Meinung, daß jede Mutter auch die natürliche Befähigung zur Erzieherin habe und haben müsse, geht dabei sehr häufig in die Brüche. Jede vernünftige Frau kann das körperliche Wachstum der kleinen Menschen⸗ kinder durch geeignete Nahrung, nötige Ruhe und Reinhaltung fördern, aber zur Entwicklung geistiger Kräfte gehören mehr Kenntnisse, als ewöhnlich die Frauen besitzen, denen die Pflege leiner Kinder übertragen wird. Der Zustand der Kindheit besteht gerade darin, daß das Kind nur nach äußeren Im⸗ pulsen, nie aus Ueberlegung und innerer Willens⸗ kraft handelt; da gilt es, das Kind vorsichtig und behutsam zu leiten und allmählich zum logischen Denken und Handeln vorzubereiten; denn nur eigenes Handeln fördert geistige Selb⸗ ständigkeit und Reife. Impulstve Aeußerungen des Kindes werden sehr häufig als Unarten angesehen und mit Strafen bedroht. Dadurch werden Handlungen in dem Kinde gehemmt, die die Folge eigener Ueberlegungen sind, und Handlungen werden erzwungen, die dem kind⸗ lichen Verständnisse vollständig fern liegen. In unserer Erziehungspraxis spielt die Rute, die dunkle Kammer und der Hunger eine verhängnisvolle Rolle. Solche Strafmittel werden angewandt, um die elterliche Autorität zu verteidigen und die häusliche Ordnung gegen die kleinen Wilden aufrecht zu erhalten. Die Strafarten sind schon deshalb verwerflich, weil ste je nach Laune, Temperament, je nach dem Bildungsgrade des Erziehers über die kleinen unwissenden Sünder verhängt werden. Durch die Furcht vor Strafe wird das Kind in seiner Bewegungsfreiheit gehemmt; es wird einge⸗ schüchtert und bleibt geistig beschränkt. Ein solches System ist barbarisch und nicht geeignet, vollwertige Menschen zu erziehen. Die Prügel, die dem Kinde körperliche Schmerzen verursachen, gelten als Abschreckungs⸗ mittel gegen Unarten und Ungezogenheiten; gar bald lernt das Kind begreifen, daß es nur dann geschlagen wird, wenn man es bei Un⸗ arten erwischt. Das Kind überlegt, wann und wofür es Prügel bekommt, und schnell lernt es solche Handlungen in Gegenwart der Eltern und Erzieher meiden, um unbeaufsichtigt desto unartiger zu sein. Aus Furcht vor Strafe sucht das Kind oft alle Unarten, die es selbst beging, auf Geschwister und Spielgefährten abzuwälzen. Dadurch wird das Kind nur zu leicht an Heucheln und Lügen gewöhnt, so daß das Erzieherische, das in jenen Strafen liegen soll, recht oft in das Entgegengesetzte umschlägt. Um sein Kind zur Wahrheitsliebe zu erziehen, muß es Grundsatz der Eltern sein, dem Kinde nie eine Unwahrheit zu sagen, denn der klare, nimmer rastende Verstand des Kindes macht vor allem seine Beobachtungen an dem Betragen der Eltern und verwendet sie gegebenenfalls auch für seine eigene kleine Person. Durch das Einsperren in eine dunkle Kammer wird ebenfalls kein erzieherischer Einfluß erzielt, wohl aber wird dadurch die Furchtsamkeit in dem Kinde geweckt, die zu Störungen aller Art führt. Auch die N Entziehung der Nahrung ist kein praktisches Mittel, Kinder gut zu er⸗ ztehen. Längst ist bekannt, daß man wilde Tiere nur durch gute Behandlung und reich⸗ liches Futter zähmt; aber in der Kinder⸗ erziehung sollten Hunger und Prügel prak⸗ tische Mittel sein, um brauchbare Menschen heranzubilden? Statt der Anwendung barbarischer Mittel benutze man den frühzeitig im Kinde entwickelten Gerechtigkeitsfinn, um es an ein gutes Betragen zu gewöhnen. Man lehre das Kind Rücksicht auf andere, ferner lehre man es die Natur⸗ geles: verstehen und danach zu han⸗ eln; und vor allem präge man dem Kinde den Grundsatz ein:„Was du nicht willst, das man dir tu, füge auch keinem andern zu.“ Daß eine solche Art der Er⸗ ziehung. ist als die heute meist beliebte Erziehungspraxis, sei ohne weiteres zu⸗ gegeben, aber— auf dem Kinde beruht die Hoffnung für die Zukunft! ——... Ʒ’Lͤ e— 4 Anterhalfungs-Teil. i * Michel nach dem März. So lang ich den deutschen Michel gekannt War er ein Bärenhäuter; Ich dachte im März, er hat sich ermannt Und handelte fürder gescheuter. Wie stolz erhob er das blonde Haupt Vor seinen Landes vätern! Wie sprach er— was doch unerlaubt— Von hohen Landesverrätern. Das klang so süß zu meinem Ghr Wie märchenhafte Sagen Ich fühlte, wie ein junger Tor, Das Herz mir wieder schlagen. Doch als die schwarz rot ⸗ goldene Fahn', Der altgermanische Plunder, Auf's neu erschien, da schwand mein Wahn Und die süßen Märchenwunder. Ich kannte die Farben in diesem Panier Und ihre Vorbedeutung; Von deutscher Freiheit brachten sie mir Die schlimmste Hiobszeitung. Schon sah ich Arndt, den Vater Jahn— Die Helden aus andern Seiten Aus ihren Gräbern wieder nah'n Und für den Kaiser streiten. Die Burschenschaftler allesammt Aus meinen Jünglingsjahren, Die für den Haiser sich entflammt, Wenn sie betrunken waren. Ich sah das sündenergraute Geschlecht Der Diplomaten und Pfaffen, Die alten Knappen vom römischen Recht Am Einheitstempel schaffen.— Derweil der Michel geduldig und gut Begann zu schlafen und schnarchen, Und wieder erwaceste unter der Nut Von vierunddreißig Monarchen. Heinrich Heine. Aus unseren Tagen. Von Gerard Keller. (Schluß.) Wieder war jener heiße Julitag heran⸗ ebrochen, an welchem Frau Taubermann ge⸗ oren war, wieder war die Familie zur Gratu⸗ lation gekommen, aber dies Mal in geringerer 18) Anzahl. Die Taubermanns waren so ganz andere Menschen geworden! Der Krämer war zwar noch derselbe gutherzige, joviale Mann, wie früher, obgleich er in der letzten Zeit zu viel durchschimmern ließ, daß er gegenwärtig mit den ersten Leuten der Stadt in Berührung kam, und daß die Beschützer der Industrie öfter zu ihm kamen, um die Dampfmühle zu sehen, welche außerordentliche Resultate lieferte. Aber besonders war seine Frau so selbstbewußt und vornehm geworden, sie war gar nicht mehr so ausgelassen fröhlich, wie in früheren Jahren und überdies sah man sie fast nie ohne ihre Töchter. Diese Töchter aber gaben das meiste Aergernis; wenn ste sich auch das Ansehen doch als seien ste nicht stolz, sie waren es och und dabei so altklug! Es war einmal nicht mehr wie früher und man fühlte sich unbehaglich. Auch fand man so ganz andere Menschen dort, einen gewissen Morsen, einen Beamten, der sich immer so vornehm anstellte, obgleich er doch nur mit einer gewesenen Gou⸗ vernante verheiratet war, dann die Werners, eine armselige Familie, die sich was darauf zu Gute tat, daß der Mann ein Beamter ist; der Sohn schien immer im Taubermann'schen Hause zu sein; es hieß wegen einer Versicherungs⸗ gesellschaft, von welcher Taubermann Direkkor und er das Faktotum sei, aber man konnte sehr wohl bemerken, daß es den Werners nur darum zu tun war, ihrem Franz eine von den Prinzeß⸗ chen zu verschaffen. Wer hätte sich das denken können, als er noch auf der Straße umherging r V ̃˙ 1ͤ ᷣ DP éÄ— N Y. ²˙ͥ. ⏑ ln e ,, Nr. 11. Witteldentsche Sonuntags⸗Zeitung. — pp]§⏑ĩs]] 7...—7—§ꝗ—+7éꝙ— Seite 7. mit Kleidern, denen er längst entwachsen war. Lon jener Zeit sprachen die Werners nicht mehr, damals sollten ste an die Luft gesetzt werden und waren aller Welt schuldig. Wie sie sich geholfen, blieb den meisten ein Rätsel, aber— Werner war ja Beamter und wer an der Quelle sitzt wird schon für sich sorgen. Ste waren übrigens bald wieder auf demselben Fleck und ob Taubermann jemals Geld für seine Wohnung mit allen Bequemlichkeiten er⸗ hielt, dafür konnte auch Niemand seinen Kopf zum Pfande setzen. Solch ein kostbares Pfand wurde denn auch für Niemand verlangt, wenngleich auch Niemand dabei etwas gewagt hätte, denn der Hausherr erhielt jedes Quartal seine Miete, die Franz ihm von seinem Honorar bezahlte und die er in jedem Quartal zurückerhielt, als Lohn für außergewöhnliche Dienste, die er Taubermann in seinen Geschäftsangelegenheiten erwies. So erhielt Taubermann seine Miete, behielt Franz seine volle Einnahme und wohnte Werner für nichts, eine merkwürdige Auflösung von drei roblemen, die sonst fortwährend miteinander Konflikt geraten wären. Werner wohnte für nichts, und daß er da⸗ durch viel besser gestellt war, konnte man ihm und den Seinigen sehr wohl ansehen, als sie an jenem heißen Juliabend der Einladung des Krämers nachkamen, um den Geburtstag seiner Frau zu feiern. Aber trotzdem blieb er, wie die Welt von ihm sagte, ein armseliger Beamter, der seine Rechnungen nur sehr langsam und pach langem Zögern bezahlte. Von Morsen, der kurz nach der Familie Werner mit seiner Frau eintrat, konnte man dies nicht sagen. Er war ein fashionabler Mann und seine Frau hatte immer eine reizende Toilette. Ste war eine hübsche gesellige Frau, die Morsen zu einem anderen Mann gemacht hatte. Er fühlte sich aufs neue jung, wenn er mit ihr und seinen Kindern öffentlich erschien und seine vierundvierzig Jahre wurden vergessen durch seine vierjährige Verheiratung mit einer jungen Frau wie Malvine. Für die Familie Taubermann war Malvine noch immer dieselbe, als welche sie sich gezeigt hatte, während sie im Hause Gouvernante war; und die Prinzeßchen verehrten ste noch eben so wie damals und fühlten nun erst recht, wie viel sie ihr zu danken hatten. Das bessere Element, welches Malvine in das Taubermann⸗ sche Haus gebracht hatte, war für keine Schätze zu kaufen, eben so wenig, als es zu vergelten war, was sie in der elterlichen Wohnung getan atte, oder nach vollem Werte geschätzt werden onnte, was sie für Morsens Leben war. Zwar blieb dessen Lebensweise in mancher Hinsicht dieselbe; er ging noch jeden Morgen nach seinem Bureau und blickte dort noch immer auf die vierhundertvierundvierzig blauen Steine, aber er war aus einem alten Junggesellen ein Mann in den besten Jahren geworden und konnte mit Verachtung auf die jungen Leute blicken, die ihn früher hatten fallen lassen und auf die Familien, denen er weniger willkommen ge⸗ worden war. Er konnte fetzt auf seinen eigenen Herd deuten, wo er, dank seiner Frau! einen stillen gewählten Kreis fand, wo Geselligkeit wohnte und Liebe herrschte und wo Malbine selbst viel mehr Nutzen stiften konnte, als in der großen menschlichen Gesellschaft, an deren Bildung seit Jahrhunderten durch Tausende mit wenig Erfolg gearbeitet wird. Wenn jede Frau in ihrem eigenen Kreise wirkt wie Malbvine, so hat die Menschheit im e mehr Gewinn davon, als durch jene Versuche, welche die Welt im ganzen zu verbessern streben. Aber kehren wir zu der Gesellschaft im Taubermaunschen Hause zurück. Es waren bereits von allen Seiten Toaste ausgebracht worden; den ersten hatte Herr Morsen auf die Hausfrau ausgebracht und als die Laune der Auwesenden schon ziemlich hoch gestiegen war und Franz hinter einer großen Blumenvase zwischen zwei Prinzeßchen vor aller Augen verborgen saß, brachte der Hausherr selbst einen etwas schwulstigen Trinkspruch auf die Familie Werner aus und so sehr seine Frau ihm auch zuwinkte und ihn anstiez, er endigte mit den Worten, daß es ihm ein außerordentliches Ver⸗ nügen sein werde, wenn er jemals mit der Familie Werner in Verwandtschaft treten sollte. „Nun,“ sagte Morsen leise zu Malvine, „das geht für Franz schneller als bei mir, ich 11 zwanzig Jahre darüber nachgedacht und ann— „Still— das sind vergangene Zeiten, Lieber!“ flüsterte Mal vine. „Es ist wahr, Frauchen, und ich habe es auch noch nicht bereut, daß ich es mir zwanzig Jahre überlegt habe.“ Werner, der die letzten Worte gehört hatte, sagte:„So viel habe ich immer gesagt, Malvine war bei Taubermanns ausgezeichnet versorgt,“ und er trank danach sein Glas langsam aus. Allerlei. Das vorläusige Ergebnis der Volkszählung vom 1. Dezember 1905 im Deutschen Reich. 1 Ortsanwesende Bevölkerung Staaten am 1. Dezember 1905 und Landesteile 5 männlich 5 weiblich zusammen Könfgresch Preußen mit Hohenzollern 18 39113518 88768537278 820 Königreich Bayern mit Pfalz.. 3192 257 3320 567] 6512824 Königreich Sachsen 2176 255 2325795] 4502 350 Württemberg... 1121657 1178 673 2300 330 Deden 996 624 1012 6960 2009 320 Gen 604685 605419] 1210 104 Mecklenb.⸗Schwerin 309023] 3158580 624881 Sachsen⸗Weimar.. 189305 198587] 387892 Mecklenburg⸗Strelitz 51355 518960 103 251 Oldenbie ß 219463 218732] 438 194 Braunschweig... 239005] 246650 485655 Sachsen⸗Meiningen 132048 136815] 268 859 Sachsen⸗Altenburg. 101426] 105074] 206 500 Sachs.⸗Koburg Gothaf 117237 125055] 242292 Anhalt,. 159603] 168404] 328 007 Schwarzb.⸗Sondersh. 41424 43 753 85177 Schwarz.⸗Rudolstadt 47243 49587 96830 eee, 28792 30343 59 135 Reuß älterer Linie 33 683 36 907 70590 Reuß jüngerer Linie 69 439 75131 144570 Schaumburg⸗Lippe 22 437 22 555 44992 ple 70791 74819 145 610 Sub?nü 51922 53935 105857 D 131811 131615 263 426 Gambng 433875 441215 875090 Elsaß⸗Lothringen. 935305] 879 32101814626 Deutsches Reich 29 868 09630737087 60 605 183 Die Mutter als Erzieherin. Gehe mit deinen Kindern spazieren! Daß du dafür nicht viel und nicht häufig Zeit hast, weiß ich wohl. Aber gelegentlich, vielleicht am Sonntag, kannst du eine Stunde für deine Kinder er⸗ übrigen. Dann nimm deine Kinder an die Hand, jubelnd werden sie mit dir gehen. Aber folge nicht dem Schwarm auf der breiten Herr⸗ straße, sondern suche Wege, auf denen du mit deinen Kindern allein bist. In der freien Natur wird auch Herz und Gemüt freier. Die drücken⸗ den Gedanken des be fallen von dir ab. Du stehst dich und deine Kinder in einem auderen Lichte. Du kannst ihr Geplauder und Fragen weit besser ertragen als in der Enge der Stube. Dann lenke den Blick deiner Kinder auf die Dinge der Umgebung, sprich mit ihnen darüber, beantworte ihre Fragen, so aut du kannst. Ein solcher Spaziergang erquickt dich und er bildet deine Kinder. Der Frühling naht und mit ihm kommen die schönen Tage. Be⸗ nutze sie, gehe mit deinen Kindern spazieren! Ueberbleibsel aus dem Mittelalter. Aus Zwickau i. S. wird berichtet: Ein altes Lehnsrecht steht dem Grafen zu Wildenfels an unsere Vorortgemeinde Wildenfels zu. Die Gemeindeschmiede ist seit Jahrhunderten ver⸗ pflichtet, jährlich 13 Schock Spindnägel an die Grafen zu Wildenfels unentgeltlich zu liefern. Dies ist seit 1836 unterblieben. Das Gräflich Reutamt fordert dafür auf 70 Jahre je 3 Mark 25 Pfg. Ersatz. Die Gemeinde will nun feststellen lassen, ob die aus der Ritterzeit stammende Verpflichtung noch zu Recht besteht. Den Grafen von Wildenfels steht auch das Lehnsrecht an den Gotteswald zu Lößnitz zu. Der Stadtrat zu Lößnitz muß seit Jahr⸗ hunderten am Michaelistage vor Sonnenauf⸗ gang einen alten Silbergroschen als Lehnsaner⸗ kennung dem Grafen von Wildenfels überreichen. Interessant ist, wie heute noch der Adel an solch vermoderten Einrichtungen festhält. Aber das ist ja verständlich; der Adel ist ja selbst ein konserviertes Ueberbleibsel aus dieser Zeit.— Humoristisches Aus Leipzig. Zivilist: Sie, Herr Wacht⸗ meister! Ich gloowe, dort leeft d'r Raubmörder Hennig! Schutzmann: Quatsch! Mir hamm jetzt keene Zelt! Mir hamm genug mit de Redakdäre von d'r„Volks⸗ zeitung“ zu duhn!(Südd. Postill.) Heine⸗Denkmal. Der Mumm und auch der Stöcker, Die tragen schwarze Röcker, Drum gilt den Herrn Freund Heine Als schlimmstes aller„Schweine“. Ein Denkmal ihm zu richten, Das wünschen sie mit nichten, Sie speien Gift und Galle In tollem Redeschwalle. Seht, wie die Pfaffen sprudeln, Und wie sie ihn besudeln! Das sind die„wahrhaft“ Frommen, Die einst in'n Himmel kommen. O Heine, welche Ehre, Daß sie dich schmähen sehre, Denn lobte dich die Bande, Das wär die größte Schande (Südd. Postill.) Anzüglich. Mutter Gu ihren sämtlichen un⸗ verheirateten Töchtern):„... Kinder, das wollen wir lieber sein lassen, heute alle zusammen ins Theater zu gehen, wo die Operette„Zehn Mädchen und kein Mann“ gegeben wird!“(Fl. Bl.) 3* Die Firma D. 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März: Butter per Pfund Mk. 1,00— 1,05, Hühnereier 1 St. 7—8 Pfg., Käse pr St. 6—8 Pfg., Käsematte 2 St. 5—6 Pfg., Erbsen per Liter 21 Pfg., Linsen per Liter 32 Pfg., Kartoffeln per 100 Kilo 5,50— 6,00 Mk., Weißkraut pr. Stck. 10— 30 Pfg., Zwiebeln per Ztr. Mk. 6,00— 8,00, Tauben per Paar 0,80 bis 1,00 Mk., Hühner per St. 1,00—1,60 Mk. Hahnen per St. 0,80— 1,80 Mk., Enten per St. 1,80 bis 2,20 Mk., Gän se per Pfd. 00— 00 Pfg. * Konfirman Mitteldeutsche Sonutags⸗Zeitung. 9 denstiekel Umtausch gestattet! Marburg. Marburg. Sonntag, den 18. März, abends 7 Uhr: Olfentliche Volksversammlung für Mädchen und Knaben in größter Auswahl zu billigsten Preisen FankfusterSchuptagel N. Reiss Giessen 12 Mäusburg 12 zum„Gambrinus“, Kirchstraße. Telephon 539. Guten bürgerlichen Mittagstisch bei A. Albold, im Hildemann' chen Saal, Barfüßertor. Tagesordnung: Die bürgerliche Revolution von 184849 und das preussische Dreiklassenwahlsystem. Referent: Genosse K. Göller⸗Frankfurt a. M. Die Parteigenossen werden nochmals aufgefordert, für recht zahlre ichen Besuch dieser Versammlung zu agitieren. Unsere Parole lautet am 18. März: Auf in die Protestversammlung gegen das Dreiklassenwahlnurecht. Kein Genosse darf fehlen. Der Vorstand des sozialdemokr. Wahlvereins. 2— f Kinderwagen Marktkörbe 11 Sportwagen Markttaschen Leiter wagen Waschkörbe Sessel Wäscheleinen Blumentische Wäscheklammern Reisekörbe Bürsten u. Besen sowie alle Arten Haus- und Küchengeräte in großer Auswahl zu billigen Preisen. Carl Müller Flechten adss, und trockene Schuppenflecnte, skroph. Ekzema, Hautausschläge, Offene Füsse Beinschäden, Beingeschwüre, Ader- beine, böse Finger, alte Wunden sind oft hartnäckig; Wðer bisher vergeblich hoffte geheilt zu werden, mache noch einen Versuch mit der bestens bewährten RIVMO- SALBE frei von Gift u. Säure, Dose Mk. 1.—. Dankschreiben gehen täglich eln. Wachs, Naphtalan je 15, Walrat 20. Benzoefett, Veuet. 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März nachmittags 4 Uhr im Saale des „Gambrinus“ in Wieseck eine — Gedenkfeier au die 48er Freiheitsbewegung. Genosse Dr. Michels⸗Marburg wird sprechen über: N Die deutsche Revolution und die heutigen Wahlrechtskämpfe. Pflicht aller Arbeiter und Parteigenossen von Gießen und Wieseck ist es an obiger Gedenkfeier und Protest versammlung teilzunehmen Der Vorstand des sozialdemokr. Wahlvereins. Gießener Ausschuß für Volksvorlesungen und verwandte Bestrebungen. IIlittwoch, den 21. Ilärz 1906, abends 8½ Uhr: Vortrag des Herrn Professor Dr. Staudinger Darmstadt: Goethes Leben u. Weltanschauung. Eintritt frei für Jedermaun. Die Vorträge finden sämtlich in der Turnhalle des Real⸗ gymnasiums und der Oberrealschule(Ludwigstraße) statt. eee Glas-, Porzellan- und Steingutwaren empfehlen in reicher Auswahl zu billigsten Preisen. Wasser krüge, Packkörbe kaufen Benner& Krumm Lang& Miederstein Marktstraße 4 Giessen. Telephon 394 eee Verlag der Mitteld. Sonntags⸗Zeitung (E. Krumm) Gießen. Verantwortl. Redakteur F. A. Vetters Gießen. Druck von Heppeler& Meyer Gießen,