——*. —— Aud gen m. den hl des — 1 1 1 Nr. 7. — dl!!! Giessen, den 18. Februar 1906. 13. Jahrgang. Redaktion: Airchenplatz 11. Schloßgasse. — fsũ2—U— 8 3 Mitteldeutsche unntags⸗Jeitu Redbaktionsschluß; Donnerstag Nachmittag 4 Uhl. 2 8 Abounementspreis: Bestellungen 1 Jnserate Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreirung. Die 5 gespalt. Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfeunig. Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die] Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindestens Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch[ Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Postanstalt und] 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. leder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 5107) 381 % und bei mindestens 22 mal. Aufgabe 500% Rabatt. Die„Notleidenden“. Wie alljährlich im Februar haben auch am Sonntag die Landwirtsbündler, die„notleiden⸗ den Landwirte“, im Zirkus Busch in Berlin ihre Parade abgehalten. Und dort treten aller⸗ dings Leute auf, die sich sehen lassen können. Not steht man ihnen nicht an, mit feinen Fuchs⸗ und Biberpelzen bekleidet, bevölkern sie die Logen und Ränge des großen Theaters, wirk⸗ liche Bauern sind nur in geringer Zahl an⸗ wesend.— Bei den Verhandlungen sind jetzt nicht mehr die scharfen Worte, wie in früheren Jahren zu hören. Es ist ja noch gar nicht so lange her, als diese junkerlichen Vertreter der Landwirtschaft der Regierung drohten, zur Sozialdemokratie überzugehen, wenn sie der „Sandwirtschaft“, das heißt, den Junkern, nicht durch Wucherzölle die Taschen füllen wolle. Dem Gebot kam die Regierung nach und jetzt find die Agrarier zufrieden, sie sprechen der Regierung ihren Dank aus. Sie schimpfen nicht mehr auf die Regierung, sondern nur noch auf die Sozialdemokratie und die Juden. Und das ist ja billig und ungefährlich. Von welcher Qualität die Reden sind, davon hier eine Probe ben derjenigen des Bundesvorsitzenden Wangen⸗ eim: 5 „Ich muß hier eine Vergeßlichkeit des Direktors Roesicke nachholen. Er hat ein Hoch ausgebracht auf die deutschen Fürsten und den Kaiser. Vergessen hat er die freien Städte. Es erscheint wie ein Treppenwitz der Geschichte, daß die wenigen republikanischen Gebilde, bie wir in Deutschland haben, die ersten find, die sich ge⸗ zwungen sehen, gegenüber dem Ansturm der revo⸗ lutionären Partei ein Wahlrecht in ihren Staaten zu schaffen, das sie vor der Sozial⸗ demokratie schützt. Wir können den alten hanse⸗ atischen Mut nur bewundern, der nicht gewillt ist, seine errungene Position aufzugeben.(Lebhafter Beifall.) Wir wollen wünschen, daß auch in anderen Staaten, die der Sozialdemokratie entgegenkommen wollen, recht⸗ zeitig die Erkenntnis von dem verkehrten Wege sich Bahn brechen wird. Der Reichskanzler hat zur Einigung der bürgerlichen Parteien gegenüber der Sozial- demokratie aufgefordert. Da tun wir mit. Hoffentlich sehen aber auch die Arbeiter ein, daß ihr Heil nicht von denen kommt, die mühsam die Unzufriedenheit aufrecht erhalten, sondern von denen, die ihnen dauernde lohnende Arbeit im deutschen Vaterlande geben können.“ Den Hamburger Wahlrechtsräubern wird von den Junkerbündlern volle Anerkennung für ihre Schandtaten gezollt, obwohl sonst die Agrarter erbitterte Feinde der Kaufleute sind. Geht's aber gegen das arbeitende Volk, so sind sie sofort einig! Nebenbei ist es bezeichnend, daß z. B. die hessischen Bündler nicht wagen, Bas das allgemeine Wahlrecht aufzutreten. aß sie aber keine Freunde davon sind, wissen wir längst; ste denken sicher ebenso, wie ihre Bundesbrüder im Zirkus Busch redeten. Uns stört im Uebrigen der oft wiederholte Kampfes⸗ ruf der Junkerbündler weiter nicht. Mögen ste schimpfen, wie sie es stets getan. Wir kennen ihre volksfeindlichen Bestrebungen zur Genüge und das gesamte Volk wird noch dar⸗ über zur Erkenntnis kommen, wenn sich die verderblichen Wirkungen des Zollwuchers noch deutlicher zeigen. Im Interesse des gesamten Volkes bekämpft die Sozialdemokratie diese Politik der Ausbeutung und Entrechtung und sie rechnet sich dies zur Ehre an! Aus dem Reichstage. In den letzten Tagen wurde im Reichstage der Etat des Reichs amts des Innern beraten. Hierbei kommt das ganze Gebiet der Sozialpolitik zur Erörterung; eine Reihe wichtiger Fragen, von besonderem Interesse für die arbeitende Vevölkerung. Leider können wir nicht mit der Ausführlichkeit, die wünschenswert wäre, auf diese Debatten eingehen, wir müssen uns auf Hervorhebung des Wichtigsten be⸗ schränken.— Von den Reichsboten wird diesen Dingen allerdings sehr wenig Interesse entgegen⸗ gebracht. Die Besetzung des hohen Hauses ist schwächer als bei jedem anderen Verhandlungs⸗ gegenstande und selbstverständlich fehlen die Vertreter der notleidenden Junker, ebenso als diejenigen der Industrie⸗Kapitalisten. Nur ein⸗ zelne Wortführer dieser Edlen sind anwesend, die ihre Aufgabe, die Sozialdemokratie herunter⸗ zureißen und zu beschimpfen, nach Kräften zu erfüllen suchen. Was dabei unserer Partei alles in die Schuhe geschoben, der Arbeiterschaft nachgesagt wird, sträubt das Haar aller ver⸗ nünftigen Leute, ist so unglaublich und unstinnig, daß man eine ernsthafte Widerlegung für un⸗ nötig erachtet. Im Kampfe gegen die Sozial⸗ demokratie findet aber auch das dümmste Zeug Glauben. Deshalb ist es geboten, wenigstens das Hauptsächlichste dessen, mit dem unsere Geuossen die törichten Angriffe der Gegner zurückwiesen, unseru Lesern mitzuteilen, die es möglicherweise in der Agitation gebrauchen können. Am Dienstag(6. Februar) hatte Graf Posadowsky eine längere Rede gehalten, in der er die sozialpolitische Gesetzgebung in Deutsch⸗ land gegen verschiedene Angriffe in Schutz nahm und die sozialdemokratischen Forderungen be⸗ kämpfen zu müssen glaubte. Genosse Hué antwortete ihm sehr eingehend und deutlich. Er führte u. a. aus: Wir sind stets so objektiv gewesen, anzuerkennen, daß die deutsche Verstcherungsgesetzgebung, deren Grund⸗ prinzip übrigens schon vor 25 Jahren Bebel vorgezeichnet hat, vor der ausländischen mancher⸗ lei Vorzüge aufweist. Aber deshalb kann man uns doch nicht das Recht bestreiten wollen, i m einzelnen Kritik zu üben. Auch die Agra⸗ rier erklären sich ja übrigens mit dem ihnen gewährten Schutz nicht zufrieden. Warum sollen wir bessere Kinder sein als ste? Haben wir doch viel mehr Grund und viel mehr Recht zur Unzufriedenheit!— Gegen den „Terrorismus“, der von Mitgliedern der freten Gewerkschaften verübt wird, sind wir Gewerk⸗ schaftsführer stets in der schärfsten Weise auf⸗ getreten. Mitglieder, die sich wirklich terroristische Handlungen zuschulden kommen ließen, wurden auf Grund der Verbandsstatuten ausgeschlossen, weil ste die Ehre und das Ansehen des Ver- bandes schädigen. Aber mindestens eben⸗ soviel Fälle von Terrorismus kommen zwi⸗ schen den christlichen Gewerkschaften und den katholischen Fachvereinen vor. Ganz von Ter⸗ rorismus schweigen sollten aber die Natio- nalliberalen. Ich erinnere nur an die Erfahrungen mit dem Terrorismus der Unter⸗ nehmerkartelle gegen Händler, Konsumenten und Konkurrenten und an die Zustände in Saarabien. Herr Dr. Mugdan hat sich hier als Schirmherr der Hirsch⸗Dunkerschen Gewerk⸗ vereine aufgespielt. Aber die Düsseldorfer Richtung innerhalb der Gewerkvereine hat ihn und seine Freunde ganz energisch abge⸗ schüttelt. Graf Posadowsky sprach vorhin so schön und interessant von den Vorzügen einer geistig entwickelten Arbeiterschaft. Besonders gefreut hat mich, daß er die Blüte der deutschen In⸗ dustrie in erster Reihe doch auf die Arbeiter — ich schließe die Kopfarbeiter mit ein— zurückführte. Aber bei den 1½ Millionen Ar⸗ beitern in Hütten, Hochöfen, Walzwerken und onstigen Betrieben der Stahl⸗ und Eisen⸗ udustrie hat die Sozialpolitik noch ein großes unbekanntes Land neu zu entdecken, dessen Be⸗ ackerung zunächst einmal vorgenommen werden muß, ehe man soviel von unserer Sozialpolitik pricht. In dieser ganzen Debatte ist eben⸗ owenig wie im Vorjahr auch nur ein Wort über sie gesprochen worden. Vorschriften über die Arbeitszeit der Eisen⸗ und Stahlarbeiter, das Sanitätswesen, über ihre Teilnahme an der Unfallverhütung bestehen überhaupt nicht, und soweit einzelne Verordnungen erlassen sind, kümmern sich die Unternehmer nirgends darum. Das Eisen, neben der Kohle eines der wesent⸗ lichsten Grundlagen unserer Industrie, wird noch immer in uubeschränkter Arbeitszeit be⸗ arbeitet. Die Schlosser und Dreher in den Werkstätten arbeiten im allgemeinen zehn Stunden, in den kleineren, weitab von der Heerstraße liegenden Betrieben aber auch 12, 13 und 15 Stunden. Das ist eine unerhörte Schmutzkonkurrenz, die die Reichsregierung als unlauteren Wettbewerb entschieden bekämpfen solle, schon damit die Arbeitgeber, die die nötige Humanität besttzen, nicht länger gehindert werden, zu tun, was Verstand und Gemüt ihnen gebieten. Die Feuerarbeiter aber an den Martins⸗, Bessemer⸗ und Siemensöfen, die zur Winterszeit in einer Temperatur von über 40 Grad, im Sommer in der reinsten Hölle arbeiten, müssen Tag für Tag unausgesetzt 12 Stunden tätig sein. Nicht genug damit; wo nicht Doppelschichten eingeführt sind, müssen ste 13, 14, 16, 18 Stunden arbeiten, bis ihnen die Haut vom Gesicht heruntergebrannt und die blaue Farbe aus ihren Blusen vom Schweiß weggewaschen ist. Nicht die geringste Verord⸗ nung beschränkt die Ueberstu nden. In der grau⸗ samsten Weise werden in vielen Eisen⸗ und Stahlwerken täglich zwei bis fünf Stunden Ueberschicht gemacht. Die Sonnabendsschicht dauert in einer ganzen Anzahl von Werken 24 Stunden in der Gluthitze, ohne jede Pause; eine unerhörte Grausamkeit! In den Eisen⸗ hüttenwerken in Thale im Harz werden monat⸗ lich 30 bis 36 Schichten à 12 Stunden gemacht. Bei Hösch in Dortmund, deren Direktor zugleich der der Unglücksgrube„Borussta“ ist, hat ein Arbeiter im Monat Februar vergangenen Jahres 42 Schichten à 12 Stunden gemacht, von den 696 Stunden im Monat 505 bei der Arbeit im Werke zugebracht. Wie kann man als fühlender Mensch angesichts solcher Zustände mit unserer Sozialpolitik zufrieden sein, Herr Staatssekretär? Der Staatssekretär hat von dem Aufschwung der deutschen Industrie gesprochen. Dieser ist in der Tat enorm. Die Roheisenproduktion, die gewissermaßen einen Wertmesser für die Seite 2, Witteldentsche Sonntaas⸗geitung. 8. — gesamte Judustrie darstellt, ist in neun Jahren von 5½ auf 11 Millionen gestiegen. Dividiert man diese Zahl durch die Zahl der in der be⸗ treffenden Industrie beschäftigten Arbeiter, so erhält man als Resultat, daß im Jahre 1896 für 13000 Mek, von einem einzelnen Arbeiter Werte erzeugt sind, im Jahre 1905 für 17000 Mark. Dem entsprechen aber auch die Divi⸗ denden. Im Jahre 1870 teilten die Berg⸗ werksgesellschaften eine Durchschnittsdividende von 9,24 pt. aus, im Jahre 1900 aber eine solche von 18 pit. und ähnlich ist die Steigerung in der Eisenindustrie. So sehen die„unerträg⸗ lichen Lasten“ unserer Industrie in Wirklichkeit aus. Ich habe 17 der großen und der kleinen Elsen⸗ und Hüttenwerke zusammengestellt und herausgerechnet, daß in 15 Jahren eine Divi⸗ dende von zusammen 72 bis 500 Prozent bezahlt worden ist. Da kann man doch immer⸗ hin mehr für die Arbeiter verlangen, auch wenn man nicht auf dem Standpunkte steht, daß die Arbeiter in erster Linte berücksichtigt werden sollten. Die höchsten Löhne in der Eisen⸗ industrie zahlen die rheinisch⸗westfälischen Werke, nämlich 1346 Mk. Die nordöstlichen zahlen 1066 Mk., die südwestlichen 1140 Mk. und die schlestschen nur 858 Mk. Jahreslohn für den Arbeiter. Die männlichen Eisenarbeiter in Oberschlesten bekamen 1900 930 Mk., 1903 nur 918 Mk. Die schlesischen weiblichen Walzwerkarbeiter erhielten im Jahre 1903 nur 323 Mk. Dagegen ist die schlesische Produktion um 25000 Tonnen gestiegen, während die Arbeiterzahl um 1400 gefallen ist. Da machen Sie sich selber ein Bild von der oberschlestschen Soztalpolitik! Der Tages verdienst der Krupp⸗ schen Arbeiter betrug 1904 4,78 Mk. Dabei sind aber schon alle Ueberstunden als normale Arbeitszeit mit eingerechnet. Es gibt Hunderte und Tausende erwachsene männliche Arbeiter bet Krupp, die täglich nur 3 Mk. verdienen. Es sind allerdings ungelernte Arbeiter, aber auch der ungelernte Arbeiter hat doch wohl das Recht, sich satt zu essen. Und gerade in jenen Gegenden, wo die Eisenindustrie und das Hüttenwesen blüht, sind die Lebensmittelpreise sehr hoch. Aber die Akkordsätze gehen zum Beispiel bei Krupp nicht herauf, sondern her⸗ unter. Der Oberbürgermeister Schmieding von Dortmund hat in einer Petition die Mindestausgaben eines Arbeiters für seine not⸗ wendigsten Bedürfnisse auf 1024 Mk. jährlich berechnet. Aber diesen Lohn erzielt in Deutsch⸗ land nur der geringste Teil der Stahl- und Eisenarbeiter. Da machen sie ein großes Ge⸗ schrei über die Besserung der Gesundsheitsver⸗ hältnisse der Arbeiter! Der Redner beschäftigt sich noch weiter ein⸗ gehend mit den Arbeiter verhältuissen in der Eisenindustrie und führt ein reiches Zahlen⸗ material über Unfälle ꝛc. vor. Er fordert zum Schluß, daß die Regierung eine Erhebung in der Eisenindustrie veranstalten möge. Ein da⸗ hingehender sozialdemokratischer Antrag wurde am Schlusse der Beratung dieses Kapitels an⸗ genommen. Die sozialpolitische Debatte wurde am f Donnerstag und Freitag fortgesetzt. An diesem . Tage nahm unser Genosse Fräßdorf(Sachsen) 9 Veranlassung, die neulichen Angriffe des so⸗ 0 genannten„Freisinnigen“ Mugdan auf die 0 Tätigkeit der Sozialdemokraten in den Kranken⸗ kassen entschieden zurückzuweisen. Unter anderem führte er aus: „Kollege Patzig hat von der Zunahme der Verwaltungskosten bet den Kassen gesprochen. Wir bedauern das selbst, müssen aber darauf hinweisen, daß diese Mehrkosten vielfach eine natürliche Folge der Einführung der Familien⸗ N versicherung sind. Herr Mugdan hat Vorschläge 1 zur Beseitigung der Selbstverwaltung der ö Krankenkassen gemacht. Dabei wird das Ver⸗ hältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern in den Krankenkassen immer besser. Ich be⸗ streite durchaus die Behauptung des Herrn Bassermann, daß die in den Krankenkassen sitzenden Arbeitgeber minderwertige Elemente seien. Eine Harmonie in den politischen An⸗ schauungen zwischen den Arbeitgebern und den Arbeitnehmern in den Kraukenkassen wird sich natürlich nie erzielen lassen, aber wir scheiden — 1—— ..——— 8 diese Fragen einfach aus und uehmen mit Er⸗ folg das Interesse der Versicherten wahr. Der sächsische Bevollmächtigte wird anerkennen müssen, daß in Sachsen die Regierung nie über die Krankenkassen zu klagen gehabt hat.(Sächs. Bundesbevollmächtigter Dr. Fischer nickt zu⸗ stimmend.) Wir möchten auch die Mitarbeit der Arbeitgeber wegen ihrer Erfahrung in ge⸗ schäftlichen Dingen nicht vermissen. Zu der Selbstverwaltung der Kassen, die Herr Mugdan wünscht, wird er nicht einmal die Zustimmung der Hirsch⸗Dunkerschen Gewerkvereine und der christlichen Gewerkschaften bekommen. Die Partet als solche hat mit der Besetzung der Krankenkassenstellen gar nichts zu tun. Darum kümmern sich nur die Gewerkschaften im Interesse der Arbeiter. Wenn ein Nattonal⸗ liberaler an der Spitze eines Turnvereins steht, so ist das nicht politisch, wenn aber ein Sozial⸗ demokrat an der Spitze einer Krankenkasse steht, so ist das politisch. Ohne die Selbstverwaltung der Kassen wäre die Rente ein Almosen und für ein Almosen bedanken sich die Arbeiter. Nur der Parteifanatismus eines Dr. Mugdan kann behaupten wollen, daß die Krankenkassen⸗ vorstände nichts geschaffen haben. Ich will nur auf die Walderholungsstätten und auf die Einführung der Familienunterstützung hinweisen. Schon Graf Posadowsky hat den falschen Standpunkt zurückgewiesen, daß man Sozial- politik treibt, um Dankbarkeit zu erzielen. In der Politik spielt Dankbarkeit keine Rolle.“ Am Samstag folgte die Besprechung der sozialdemokratischen Interpellation über das Unglück auf der Kohlenzeche„Borussta“. Genosse Bömelburg wies bei Begründung der Anfrage gebührend auf die ungenügenden Schutzmaßregeln hin, wodurch jenes gräßliche Unglück, daß etwa 40 Menschenleben forderte, entstanden ist. Erst am Dienstag ging die sozialpolitische Debatte zu Ende. Am Montag wies Stadt⸗ hagen die Redereien der Gegner zurück, die stets behaupten, daß ihnen die Versicherungs⸗ gesetze„unerträgliche Lasten“ aufbürdeten, für die Arbeiter dagegen eine große Wohltat be⸗ deuteten. Stadthagen ging ferner auf die An⸗ griffe gegen die Selbstverwaltung in den Kranken⸗ kasseu und das Verhalten der Aerzte ein, denen viele Millionen Mark Arbeitergroschen aus den Krankenkassen zugeflossen seien. Stöcker ergriff an diesem Tage auch das Wort, um das ungeheuerlichste Zeug zu verzapfen. Dieser widerliche Pfaffe erscheint als die personiftzierte Heuchelei und Lüge. Genosse Péus sagte ihm auch, das Herrscherrecht gepaart mit Heuchelei, das Wesen des Pfaffentums ausmache. Tr...... x—.——— Politische Rundschau. Gießen, den 15. Februar 1906. Der Kanzler mit dem Rhinozeros⸗Fell. Vorige Woche tagte der Deutsche Landwirt⸗ schaftstag in Berlin. Wie alljährlich hat auch diesmal der Reichskanzler Bül ow eine Rede bei dem Festmahl gehalten. Dabei sagte der erste Beamte des Reichs folgendes: „Als ich Botschaftsrat war, vor nun 20 oder 22 Jahren, sagte mir einmal mein da⸗ maliger Chef, der General v. Schweinitz, ein kluger und welterfahrener Mann: Ein Diplomat, sagte er mir, muß einerseits so fein⸗ fühlig sein, daß er es merkt, wenn eine Fliege hinter seinem Rücken durchs Zimmer fliegt; andererseits muß er ein Fell haben, wie ein Rhinozeros. Diese letztere Eigenschaft gegenüber ungerechten An⸗ griffenempfehleichauchallen meinen Kollegen. Wegen der Fleischteuer⸗ ung regnete es ja Angriffe auf mich und auf den Herrn Landwirtschaftsminister, den Land⸗ wirtschaftsminister, von dem ich hoffe, und von dem wir alle hoffen, d a ß sein praktischer Blick und sein Organi⸗ sationstalent der Landwirtschaft noch lan ge an veranwortlicher Stelle erhalten bleiben. Durch solche Angriffe dürfte ich mich nicht abdrängen lassen von meiner Pflicht, von meiner gern erfüllten Pflicht, endlich Besserung in die ländlichen Verhält⸗ nisse zu bringen, dem Landwirt wieder Mut zu machen und damit dem N gesamten deutschen Vaterland zu nützen.“ Und über die Stellung der Sozialdemo⸗ kratie zur Landwirtschaft gab Bülow folgendes zum Besten: „Warum, meine Herren, kämpft denn die Sozialdemokratie mit solcher Vorliebe gerade gegen den Bauernstand und seine Interessen? Warum erklärte ihr Breslauer Parteitag, die Sozialdemokratie habe gar keinen Grund für die Erhaltung des Bauernstandes einzutreten, denn das könne nur geschehen, indem man ihn in seinem Besitz be⸗ festige, also in diamentralem Gegensatz zu dem sonstigen Verfahren der Sozialdemokratie. Die Sozialdemokratie wolle, so erklärten damals in Breslau ihre Führer, wohl den Kleinbesttzer gewinnen, jedoch nur, indem ste ihn davon überzeuge, daß er als Bestitzer keine Zukunft habe, sondern, daß seine Zukunft die Zukunft des Proletariats sel. Also will die Sozial⸗ demokratie den Besitz des Bauernstandes zer⸗ trümmern; dann kann der Bauer die Ehre haben, sich der Sozialdemo⸗ kratte anschließen und im roten Meere ersaufen. Das ist klar und deut⸗ lich, vom sozialistischen Standpunkt aus auch ganz verständlich.“ Bei allen Teilnehmern des üppigen Fest⸗ mahles fanden die Worte des Kanzlers mit dem Rhinozerosfell begeisterten Beifall. Was er über die Sozialdemokratie und ihr Verhält⸗ nis zu den Bauern sagte, ist alter, schon hun⸗ dertmal widerlegter Kohl. Es muß widerholt festgestellt werden, daß die Sozialdemokratie die Zollpolitik bekämpft hat, die den Klein⸗ besitzer auf dem Lande schädigt, den Großen dagegen noch mehr Uebergewicht verleiht. Hetze gegen die Sozialdemokratie. Seitdem vom Reichskanzler in den Parla⸗ menten erklärt wurde, daß„die Gesetze mit aller Strenge gegen die Sozialdemokratie an⸗ gewendet“ werden sollen, geben sich die deutschen Gerichte Mühe im Sinne Bülows zu arbeiten. Es ist jetzt in Deutschland geradezu der weiße Schrecken proklamiert. Unerhörte und früher für unmöglich gehaltene Urtetle werden gegen Sozialdemokraten verhängt aufgrund von An⸗ klagen, die geradezu an den Haaren herbet⸗ gezerrt erscheinen. Wir erinnern an das furcht⸗ bare Urteil egen den Genossen Löbe in Breslau, der wegen eines Zeitungs Artikels, in dem er „zu Gewalttätigkeiten aufgefordert“ haben soll, zu einem Jahre Gefängnis verurteilt wurde. Löbe hat leider auf Zureden seines Verteidigers, des Genossen Heine, keine Revi⸗ sion eingelegt, sondern die Strafe bereits an⸗ getreten. Das war nach unserer Meinung ein Fehler; es ist mindestens fraglich, ob das Reichsgericht das Urteil bestätigt hätte. Dann aber hatte diese Verurteilung doch nicht nur eine jurtistische, sondern eine diese weit über⸗ ragende politische Bedeutung. Mit Recht bemerkt der Vorwärts dazu: Urteile, die so wie dies dem Empfinden des Volkes ins Gesicht schlagen, müssen schon deshalb bis in die höchste Instanz verfolgt werden, um an ihnen als einem Prüfstein dem Volke den Wert unserer Rechtspflege im gauzen Umfange ad oculos zu demonstrieren. Dazu kommt, das die ungeheure Aufregung, die dieses Urteil her⸗ vorgerufen hat, und die starke politische Wirkung 9 055 Aufregung in jeder Instanz neu geweckt wird. Noch ungeheuerlicher aber als das Bres⸗ lauer Urteil ist das am Montag gegen den Genossen Heinig von der Leipziger Straf⸗ kammer gefällte. Heinig wurde als verantwort⸗ licher Redakteur der„Leipz. Volksztg.“ wegen verschiedener Zeitungsartikel zu der unerhörten Strafe von einem Jahr neun Monaten Gefängnis verurteilt! 5 i Dieses Urteil wurde gefällt, trotzdem dite Anklage von den Verteidigern dermaßen zer- pflückt wurde, daß kein Stummel von ihr mehr stehen blieb, ihre Haltlosigkeit auf das Ueber⸗ zeugendste dargetan wurde. Aber der Sozial⸗ demokrat mußte gehängt werden. D mo; 100. 10 15 0 fl 1 1 . 7. — 8. 7˙ w. Nitteldeutsche Sounags⸗Zeitung. Seite 3. bei wurde Heinig noch zu vier Fünfteln frei⸗ gesprochen. 25 Arttkel stellte der Staats⸗ anwalt unter Anklage, in 20 davon fanden die Richter nichts ungesetzliches. Können sich die gelehrten Richter bei fünf übrigen Artikeln nicht auch getäuscht haben? Haben wir doch solche Proben beamteter Juristen⸗ gelehrsamkeit in Preußen staunend und schaudernd miterlebt, wo ein und derselbe Text an einem Orte wegen Hochverrats, am andern wegen Aufreizung, am dritten wegen Verächtlichmachung und am vierten wegen bloßer Beleidigung ver⸗ folgt wurde, bis der possenhafte Wirrwarr ruchbar wurde und das ganze Anklagegebäude zusammenstürzte! Das Urteil ist ein politischer Schlag gegen das Leipziger Organ der Arbetterklasfe wie dieses mit Recht betont. Man hat den sächsischen Arbeitern ihr Wahlrecht entrissen, man lähmt täglich ihr Versammlungsrecht, jetzt kommt ihre letzte Waffe an die Reihe, das bischen Preß⸗ freiheit, das sie bisher noch genossen haben. Darüber ist heute keine Täuschung mehr möglich; dies Urteil ist ein Sturmsignal, das sich unmittelbar an jeden sächsischen, an jeden deutschen Arbeiter wendet, und ein millionen⸗ faches Echo finden wird. „Es versteht sich, sagt die„Leipz. Volksztg.“ writer, daß wir gegen die Rechtskraft des gefällten Spruches jedes Mittel anwenden werden, das uns die Rechtssprechung des Klassenstaates bietet. Aber heute schon legen wir unsere Berufung ein an die Leipziger Arbeiter. Sie haben unserer Aufforderung ent⸗ sprochen, und jede neue Anklage, die der Ober⸗ staatsauwalt Böhme gegen die Leipziger Volks⸗ zeitung geschleudert hat, ist eine Werbetrommel gewesen, die ein Bataillon neuer Abonnenten sammelte. Jedoch dies Urteil ist würdig, daß vor ihm die Leipziger Arbeiter durch ein Regiment neuer Abonnenten salutieren. Je stärker die Kolonnen sind, die sie um ihr Blatt zu sammeln wissen, um so ohnmächtiger werden alle Schläge der Gegner an ihm abprallen.“ Euch soll etwas„geblasen“ werden! In Schwarzburg⸗Rudolstadt findet diesen Freitag die Landtagswahl statt. Für den Fall, daß sie wieder rot ausfällt, hat man Schreckliches angedroht. Es wird näm⸗ lich berichtet:„Kommt der alte Landtag mit je acht bürgerlichen und acht sozialdemokratischen Abgeordneten wieder und versagt die Erhöhung der Kameralrente(das„Gehalt“ für den Für sten), dann will der Fürst die Hofkapelle eingehen lassen.“ Wie wir seinerzeit mit⸗ teilten, wurde der Landtag aufgelöst, weil er es abgelehnt hatte, ein höheres Gehalt für den Fürsten zu bewilligen. Natürlich treten alle„gutgesinnten“ Parteien für Erhöhung des fürstlichen Gehaltes ein und ihre Preßorgane hetzen nach Kräften gegen unsere Partei. Diese arbeitet unbeirrt mit der bekannten Rührigleit unter denkbar günstigsten Aussichten. Daß der Reichsverband auch wieder seine schmutzige Agitation entfaltet, braucht nicht erst betont zu werden. Hoffentlich rettet das alles das Land nicht vor dem Schicksal eines„roten“ Landtags! Die Ersatzwahl in Chemnitz hat am Dienstag stattgefunden und selbstver⸗ ständlich unserm Genossen Noske den Sieg gebracht. Dieser erhielt 33000 Stimmen, der Kandidat der Ordnungsparteien 10200 und der Freistnnige 9054 Stimmen. Gegen die Wahl von 1903 haben wir einen kleinen Rück⸗ ang zu verzeichnen. Damals erhielt Schippel 4266 Stimmen. Die Gegner insgesamt haben dagegen etwa 2000 Stimmen mehr aufgebracht. Das will aber nichts besagen; es wurden von den Gegnern diesmal auch die riesigsten An⸗ strengungen gemacht. Schulzustände im Junkerlande. Wie es im Osten Deutschlands mit der Schulbildung steht, zeigt ein wahres Vorkomm⸗ nis auf einer Zeche bei Castrop. Dort kam ein biederer Ostmärker von 35 Jahren zum Bureau, um Vorschuß zu erheben. Als er die Quittungsunterschrift leisten soll, erklärt er, nicht schreiben zu können. Der erstaunte Be⸗ amte fragte ihn, ob er denn nicht zur Schule gegangen sei. Der Ostmärker verneint dies und führte als Grund an, er habe die Kühe hüten müssen. Der Beamte meint weiter, sein Herr müsse ihn doch zur Schule geschickt haben, da dort auch der Schulzwang besteht. Ganz pfiffig entgegnete der Biedere:„Nee, hab' I e Kühe ge⸗ ek,“ Die englische Arbeiterpartei hält gegenwärtig einen Kongreß ab, zu welchem auch die Gewerkschaften Delegterte entsenden. Der Kongreß wird gewissermaßen ein Programm der Partei aufstellen. Es kommen u. a. folgende Punkte zur Beratung: Absolute Unabhängigkeit der Partet im Parla⸗ ment; allgemeines Wahlrecht, auch für Frauen; Einführung des Achtstundentags für alle Industrie; Forderung, daß die in Staats⸗ und Gemeindebetrieben beschäftigten Arbeiter einen Minimallohn von 30 Schilling, die Un⸗ gelernten mindestens 24 Schilling die Woche zu erhalten haben; die Kosten der Sozialreform sollen aufgebracht werden durch Steuern auf Erbschaft, Renten usw.; freier Schulunter⸗ richt, internationale Verständigung, die auf allgemeine Abrüstung hinzielt. Dieses Programm widerlegt glänzend die Rederei unserer Gegner, daß die englischen Arbeiter„sich nicht um Politik bekümmern“. Sie müssen es ebensogut tun als ihre deuschen Brüder und tun es auch. Die Arbeiter⸗Ab⸗ geordneten im Parlament haben sich konstituiert und zu ihrem Führer den Genossen Keir Hardie gewählt. Sie haben ihre Sitze auf der Seite der Opposition eingenommen. Revolution in Rußland. Die zarischen Mörder hausen in ganz Rußland in grauenvollster Weise. Massenhaft werden Menschen ohne jedes Urteil und Gerichts⸗ verfahren hingerichtet und man fragt nicht weiter nach schuldig oder nichtschuldig. Besonders in den Ostseeprovinzen rasen die Schergen. Sollte das Volk sich nicht gegen die Bluthunde aufraffen? Eine Geheimkanzlei des ermordeten Ministers Plehwe wurde kürzlich entdeckt. Von ihrer Existenz wußten bei Lebzeiten Plehwes nur wenige Personen seiner allernächsten Um⸗ gebung etwas. Und doch waltete in ihr, wie jetzt ermittelt worden ist, eine furchtbare Inqui⸗ sttton. Die unglücklichen Opfer, die da hin⸗ eingerieten, verschwanden spurlos. Zwar wurden die Opfer meist am Leben belassen, aber nte⸗ mand konnte ermitteln, wohin man die so plötzlich verschwundenen Personen geschafft hatte, oder was sonst mit ihnen geschehen war. Da aber die Nachforschungen bezüglich der plötzlich Verschollenen sich im russischen Poltzeideparte⸗ ment immer mehr anhäuften und des öfteren festgestellt wurde, daß bei der Fürsorge um einige irgendwo im hohen Norden des weiten Zarenreiches aufgefundene Verbannte der russt⸗ schen Polizeiverwaltung jegliche Angaben fehlten, ging man der Sache auf den Grund und stleß dabei auf die Geheimkanzlei Plehwes. Bisher ließ sich nicht feststellen, wieviel Personen dieser Inquisitionskammer zum Opfer gefallen sind, denn alles war mit einem undurchdringlichen Schleier nach teuflisch durchdachtem Plan ver⸗ deckt. Die seitens der russischen Staatsanwalt⸗ schaft geführte Untersuchung verspricht in poli⸗ tischer Beziehung äußerst wichtige und für das System Plehwes sehr bezeichnende Einzelheiten zu offenbaren.(Wenn nichts vertuscht wird.) Ein allgemeiner Bauernauf⸗ stand steht, wie die Köln. Ztg. aus Mos⸗ kau berichtet, demnächst zu erwarten. Der Bauernnotstand treibe die dumpfen Volksmassen mit elementarer Gewalt zur Empörung gegen den grundbesitzenden Adel und die Beamtenschaft. Die irregeführten Volksleidenschaften ließen sich alsdann kaum durch Gewalt unterdrücken. Außerdem bestehe in liberalen konstitutionellen Kreisen die Be⸗ fürchtung, daß die auf Mlilitärgewalt fußende Reaktion die Versprechungen der Kundmachung vom 30. Oktober nicht erfüllen und dadurch einen erneuten Anstoß zur Rebolution den breiten Volksschichten geben werde. Dabei stehe Rußland gegenwärtig derart enormen Ausgaben gegenüber, daß die Regierung ohne wa auswärtige Anleihen nicht auskommen werde. Neue Attentate. Der Oberbefehlshaber der Schwarzenmeerflotte, Admiral Tschuknin, wurde am Freitag in seinem Kabinett in Sebastopol von einer unbekannten Frau durch vier Schüsse schwer verwundet. Die Täterin, die, wie angestellte Ermittelungen er⸗ gaben, von Polen in Sebastopel eingetroffen und in einem Hotel abgestiegen war, wurde von der Wache ergriffen, an einen Baum gebunden und erschossen. Ihr Körper ist von 40 Kugeln durchlöchert. Das Befinden des Admirals Tschuknin ist ernst.— In War⸗ schau wurde gegen vier Gendarmen eine Bom be geworfen, durch die jene schwer ver⸗ wundet wurden. Der Täter entkam. Die Fenster der umliegenden Häuser wurden zer⸗ trümmert. von Nah und Fern. Hessisches. Heimarbeiterelend in Hessen. Daß auch bei uns in Hessen ebenso traurige Zu⸗ stände bei den Heimarbeitern existieren, wie sie öfters aus Thüringen und dem Erzgebirge mit⸗ geteilt wurden, beweist eine Zuschrift des Ge⸗ nossen Weinschild an das Offenbacher Abend⸗ blatt über das Begräbnis eines Portefeuiller⸗ Heimarbeiters in Heusenstamm. Der Ver⸗ storbene war der Bevollmächtigte des Porte⸗ feuiller⸗Verbandes in Heusenstamm Peter Sperl. Weinschild schreibt darüber:„Mir oblag die traurige Pflicht, der Witwe, einer Mutter von fünf Kindern, einige Trostworte zuzusprechen. Zu diesem Zwecke begab ich mich in das Trauerhaus. In einem niedrigen Raume(Dach⸗ stube), zirka zwei Meter lang und eineinhalb Meter breit, die Decke schräg zugehend, stehen zwei Betten, ein Kinderwagen und ein Koch⸗ ofen. In den Betten liegen fünf an Masern erkrankte Kinder. Hier hat der schwindsuchts⸗ kranke Vater bis kurz vor seinem Tode„feine“ Portefeuilleswaren angefertigt. Er starb im Alter von 34 Jahren. Beim Anblick dieses Elends traten mir, der ich mich zu den Hart⸗ herzigen zähle, die Tränen in die Augen. Ich weiß nicht, waren es Tränen des Mitleids, oder waren es Tränen der verbissenen Wut, die sich hervordrängten, als ich daran dachte, das solch Elend existieren darf, ohne daß alle Arbeiter sich darob empören, und solchen Zu⸗ ständen ein baldiges Ende bereiten. Auch den Pfarrer Landvoigt rührte das Elend der Familie. Er sandte der Witwe einen kleinen Geldbetrag mit der Bedingung, ste solle dafür sorgen, daß bei der Beerdigung kein Kranz mit roter Schleife getragen werde. Das scheint dem Herrn Pfarrer unbegreiflich, daß für diesen Armen die Zugehörigkeit zu der Partei, die sich zur Aufgabe gestellt hat, für die Arbeiter menschenwürdige Zustände zu schaffen, das— vielleicht einzige— Ideal war, das ihm noch Mut, Kraft und moralischen Halt gab, gegen seine erbärmliche Lage anzukämpfen. — Mandatsniederlegung Cramers. Genosse Cramer in Darmstadt hat sein Reichstagsmandat, sowie auch sein Stadtver⸗ ordnetenmandat niedergelegt. Er hat diesen Schritt getan infolge des Beschlusses einer am Samstag stattgefundenen Parteiversamm⸗ lung in Darmstadt, welche ihm wegen seines Ganges zum Großherzog einen Tadel aussprach. In der Versammlung suchte Cramer sein Ver⸗ halten zu rechtfertigen, doch es fand sich kein einziger Redner, der es in Schutz nahm. Mit allen gegen nur 5 Stimmen wurde die Tadels⸗ resolutlon angenommen. Worum es sich han⸗ delte, haben wir in voriger Nummer kurz mit⸗ geteilt. Cramer gehörte einer Vereinigung an, welche die Errichtung einer Gartenvorstadt in die Wege leiten wollte. Das Projekt wurde besonders von dem Professor Olbrich in Darm⸗ stadt unterstützt und man wollte auch den Groß⸗ 1 1 Seite 4. Mitteldeutsche Sountaas⸗geituna. * Nr. 7. herzog für die Sache gewinnen, der in dem in Frage kommenden Stadtteil ebenfalls Grund⸗ stücke besitzt. Deshalb begab sich eine Deputation zu demselben, zu der auch Cramer gehörte. Nach dem Bericht im Offenbacher Abendblatt verteidigte sich Cramer nicht besonders geschickt. Auf die frühere Bemerkung des Offenbacher Partetorgans, daß Cramer doch für das Pro; jekt in erster Linie im Volke hätte Stimmung machen und dann in der Stadtvertretung hätte wirken sollen, bemerkte er:„Wenn ich damit zu Ihnen gekommen wäre, hätten Sie mich zur Türe hinausgeworfen.“ Nun, wenn's so ist, dann finden wir es doppelt und dreifach bedenklich, wenn er ein so wenig volkstümliches Projekt durch höheren Einfluß durchzudrücken versuchte. Wir haben uns noch über manche andere seiner Ausführungen gewundert, so zum Beispiel darüber, daß er die Begegnung und Unterhaltung Ulrichs mit dem Großherzog, die vor einigen Jahren auf dem parlamenta⸗ rischen Abend stattfand, in gleiche Linie mit seinem Hofgang stellt. Hier befindet er sich doch in einem sehr bedauerlichen Irrtum. Es scheint fast, als hätte er dieses Argument der bürger⸗ lichen Presse entnommen. So ist noch manches andere, was uns an dem Verhalten Cramers auffällig erscheint. Wir geben gerne zu, daß er die besten Absichten verfolgte; sind aber doch der Meinung, daß er die ganze Affaire im Interesse der Partei hätte vermeiden sollen und müssen. Die Kritik, welche die Parteipresse an Cramers Verhalten übte, war durchaus nicht unberechtigt.— Kaum war die Mandatsnieder⸗ legung Cramers bekannt geworden, hatte die bürgerliche Presse schon die Kandidaten für die Neuwahl bei der Hand und es wurden auch der sozialdemokratische Landtagsabgeordnete Fulda und Pfarrer Kor ell als Freisinniger genannt. Mit dem Letzteren scheint's seine Richtigkeit zu haben; über die sozialdemokratische Kandidatur wird aber natürlich erst eine Wahl⸗ kreiskonferenz zu entscheiden haben. Dr. Ful da hat übrigens bereits abgelehnt. Bei der letzten Wahl siegten wir im ersten Wahlgange mit 14144 gegen 13400 gegnerische Stimmen. Hoffentlich fällt uns der Sieg auch diesmal wieder zu. Gießener Angelegenheiten. — Der städtische Verwaltungs⸗ bericht für 1904 ist kürzlich erschtenen. Es ist ein umfangreiches Buch von 170 Seiten und bietet ein klares Bild über alle Zweige der Verwaltung. Das Rechnungsjahr schließt etwas günstiger als das vorhergehende ab; in der Betriebsrechnung steht der Einnahme von 1958 798 Mk. eine Aus gabe von 1795 449 Mk. gegenüber. Die Vermögensrechnung verzeichnet eine Einnahme von 2255599 Mk., eine Aus⸗ gabe von 1335 150 Mk. Das Gesamtvermögen der Stadt beträgt 17209 115 Mk., ihm stehen 11.258 952 Mk. Schulden gegenüber. Demnach bleibt ein Vermögensüberschuß von 5 950 163 Mk. Stiftungsgelder befinden sich außerdem noch 79174 Mk. in städtischer Verwaltung. — Hungern soll das Volk! Seit längerer Zeit schon befindet sich in dem Fried⸗ berger Bauernbündlerblatte folgende fettgedruckte Aufforderung an die Bauern: „Landwirte! Schränkt Eure Milch⸗ produktion oufs Aeußerste ein! Liefert nicht mehr, sondern lieber weniger als bisher! Wer nur eine Kanne weniger liefert, hilft da⸗ durch zur Festigkeit der Pretise.“ Es sollen also die Preise noch mehr in dle Höhe getrieben werden. Würde der Aufforde⸗ rung allgemein entsprochen, so müßte das selbst⸗ verständlich zu einer Verschlechterung der Lebens⸗ haltung des Volkes und besonders der Kinder⸗ ernährung führen. Das ist die christliche Nächsten⸗ liebe und die Volksfreundlichkeit der Bauern⸗ bündler⸗Agitatoren! Mit Recht wendet sich das Gießener Amtsblatt gegen eine solche volksverderbliche Politik, Uebrigens liegt die Einschränkung der Milchproduktion keineswegs im Interesse der Bauern, schädigt sie vielmehr. 1. Dem Sanitätsverein in Gießen — Verein zur Beschaffung ärztlicher Hilfe— der zum größten Teil aus Arbeitern und Klein handwertern besteht, ist von Seiten der Vertragsärzte gekündigt worden, weil das Honorar pro Jahr mit 7 Mark zu niedrig sei. Gefordert wird ein solches von 12 Mark pro anno. Der Verein, der jahrelang für obige gering bemittelten Kreise, die zum größten Teil nicht krankenversicherungspflichtig sind, wohl⸗ tuend gewirkt hat, wird sich wohl infolgedessen auflösen, da die Beitragsleistung bedeutend ge⸗ steigert werden muß. Nun ein anderes Bild: Die vor ca. Jahresfrist wider den Willen der Arbeiter gegründete Betrtebskrankenkasse Winn zu Gießen hat ihren Vertrags⸗ ärzten gekündigt, weil das Honorar zu hoch ist, und sie infolgedessen mit ihren Bei⸗ trägen nicht auskommt. Die Winn'schen Ar⸗ beiter waren früher in der Ortskrankenkasse und fühlten sich als Mitglieder derselben wohl, während man dieses z. Zt. in ihrer Eigenschaft als Mitglieder der Betriebskrankenkasse nicht sagen kann. Die Winn'sche Kasse wurde ohne allen Anlaß in's Leben gerufen. Da derartige Zersplitterungen hemmend auf die Sozialgesetz⸗ gebung wirken, und nicht nur allein die Arbeiter, sondern auch die Aerzte im höchsten Grade schädigen können, so werden alle Neugründungen von Seiten der Aerzte anders behandelt, als die alten Kassen. Aus diesem Grunde dürfte ses für die Ar⸗ beiterschaft und auch für die Mitglieder der Ortskrankenkasse von Bedeutung sein, demnächst zu erfahren, wie diese beiden Kündigungen aus⸗ laufen. Denn es dürfte doch ein ziemlich starkes Stück sein, wenn man einer alten Kasse— die wohl gewissen Anspruch auf Existenzberech⸗ tigung hat— kündigt, um bedeutend höhere Honorare zu erlangen, während man ander— seits von einer Kasse— die gelinde ausgedrückt ganz unnötig ins Leben gerufen wurde— ge⸗ kündigt erhält, behufs Reduzierung des Honorars. — Im Wahlverein wurde am Samstag zu⸗ nächst zur Kreiskonferenz Stellung genommen, zu der fünf Delegierte gewählt wurden. Vorher wurden ver⸗ schied ene Anträge zur Konferenz beschlossen. Einer der⸗ selben wün scht, daß die Wahlen zum Parteitag künftig⸗ hin nicht mehr von der Konferenz, sondern von der Gesamtheit der Parteigenossen gewählt werden soll.— Im Verschiedenen wurde die in der vorigen Nummer abgedruckte, auf das Verhalten der Tanzordner beim Gewerkschaftsfest bezüglich, bemängelt. Die Tanzordner hätten vielmehr ihre Pflicht erfüllt.— Weiter wurde beschlossen, anläßlich der 50. Wiederkehr des Todes⸗ tages von Heinrich Heine(17. Februar) einen Vor⸗ trag über diesen beim Volke so beliebten Dichter halten zu lassen. — Volksunterhaltungsabend. Zum ersten Male in Gießen wurde am Sonn⸗ tag ein Volksunterhaltungsabend, veranstaltet vom Ausschuß für Volksvorlesung, im Saale des Turnvereins abgehalten. Das Unternehmen ist entschieden gelungen und man darf wohl sagen, daß keiner der zahlreichen Besucher un⸗ befriedigt fortgegangen ist. Herr Dr. Strecker⸗ Bad⸗Nauheim leitete die Vorführung von Licht⸗ bildern aus Wilh. Busch's Werken mit einem kurzen Vortrag über dessen Lebenslauf und Kunst ein. Mik großem Beifall wurden diese Darbietungen aufgenommen. Ebenso der Vor⸗ trag über Hans Sachs. Hieran schloß sich die Aufführung zweier Sachs'schen Fastnachtsspiele, die von den Mitgliedern der hiestgen akademi⸗ schen Gruppe des Dürerbundes in prächtiger Weise zur Darstellung gebracht wurden. Allen Mitwirkenden gebührt vollste Anerkennung. Die Arbeiter hätten allerdings noch zahlreicher vertreten sein können; hier wurde ihnen etwas Gutes geboten.— Bei den Volks vorle⸗ sungen hält Herr Pfarrer Fuchs⸗Rüssels⸗ heim jetzt seine Vorträge über Ethik. Der letzte am Mittwoch war wieder recht gut besucht und die interessanten Darlegungen fanden eine auf⸗ merksame Zuhörerschaft. — Der Lesehalleverein hält am Frei⸗ tag, den 23. Februar, seine Generalversammlung im Café Ebel ab, worauf hiermit noch besonders hingewiesen sei. H. N. Karnevalistische Damen⸗ sitzung. Die„Freie Turnerschaft“ Gießen, deren Veranstaltungen sich von jeher infolge der Fülle des dort Gebotenen eines zahlreichen » Besuches seitens der Arbeiterschaft zu erfreuen hatten, veranstaltet am Samstag, den 24. Febr., in den Räumen des Lenz'schen Felsenkellers eine große karnevalistische Damen⸗ sitzung mit Ball. Nach dem uns vor⸗ liegenden, geschickt gruppierten, reichhaltigen Programm, steht allen Freunden eines gesunden urwüchstgen Humors, ein echt närrischer Abend in Aussicht. Wir wünschen deshalb der Freien Turnerschaft, die ihr Können bei jeder Gelegen⸗ heit in den Dienst der Allgemeinheit stellt, ein vollbesetztes Haus. Näheres siehe Inserat in heutiger Nummer. 5 Aus dem Kreise gießen. — Ueber die Steuervorlagen spricht nächste Woche in einer Anzahl Tabakarbeiter⸗ versammlungen Frau Kiesel⸗Berlin. Jeder⸗ mann hat in den Versammlungen, deren Besuch wir empfehlen, Zutritt. — Landtagsabgeordneter Köhler⸗Langs⸗ dorf hat gegen das Urteil der Gießener Strafkammer, durch welches er wegen Beleidigung des Staatsanwalts Reuß und des Medizinalrats Haberkorn zu drei Monaten Gefängnis verurteilt wurde, Revision angemeldet, für die am 17. Mai vor dem Reichsgericht Termin ansteht. Die Beleidigungen hatte sich Köhler bekanntlich aus Anlaß der Eberstädter Kindsmordaffaire zu schulden kommen lassen. r. Watzenborn⸗Steinberg. Der sozial⸗ demokratische Mahlverein hielt am Sonntag seine Generalversammlung ab, die einen besseren Besuch von Seiten der Genossen hätte aufweisen können. Der Vor⸗ sitzende Häuser gab den Jahresbericht. Aus demselben ging folgendes hervor: Mitgliederversammlungen fanden 23, Vorstandsfitzungen 6 und öffentliche Versammlungen 4 statt. Die Maifeier wurde in imposanter Weise be⸗ gangen. Am Kreisfest beteiligten sich die Genossen zahl⸗ reich. Der Agitationskalender wurde von Steinberg aus in 8 Orten verbreitet. Stand der Parteipresse ist folgender: 65 Abonnenten hat die Mitteldeutsche Sonn⸗ tags⸗Zeitung, 3 die Frankfurter Volksstimme, Außer⸗ dem wird noch andere Parteiliteratur gelesen. Der Mitgliederstand ist stabil geblieben. Den Kassenbericht gab Genosse Schmandt. Derselbe schließt mit einem Ueberschuß von 26 Mk. ab. Die Wahl des Vorstandes ergab die Wiederwahl der Mehrheit des seitherigen Vor⸗ standes. Zum Punkt Kreiskonferenz wurde den Dele⸗ gierten aufgegeben, auf derselben für bessere Ausgestaltung unserer Presse einzutreten. Zur Konferenz wurden die Genossen Häuser und Haas als Delegierte gewählt. — Heuchelheim. Der Arbeiter- Bildungsverein feiert Samstag, den 17. Februar, sein diesjähriges Winterfest im Saale des Herrn A. Rinn. Es wird erwartet, daß sich die Parteigenossen recht zahlreich be⸗ teiligen; für gute Unterhaltung ist bestens gesorgt. — Bei der Holzversteigerung in Reiß⸗ kirchen ging es neulich lustig zu. Es wurde dabei viel Bier vertilgt, es gab animierte Stimmung, schließ⸗ lich auch noch Differenzen. Man sah Gemeinderats⸗ mitglieder herumstolpern und auch sonst in einer Ver⸗ fassung, die wahrlich kein gutes Beispiel für die übrigen Gemeindeangehörigen abzugeben geeignet ist.. Die Arbeiter sollten bei der nächsten Wahl mal ein wenig mit eingreifen und Ordnung schaffen. — In Blofeld fand am Sonntag vor 8 Tagen eine gut besuchte öffentliche Versammlung statt. Redakteur Vetters⸗Gießen sprach über die neuen Steuervorlagen, sowie über das indirekte Steuersystem und die Anschau⸗ ungen, welche die Sozialdemokratie in dieser Beziehung wie überhaupt vertritt. Die Ausführungen des Redners wurden beifällig aufgenommen, An den Vortrag schloß sich eine Diskusston, in der auch Herr Lehrer Hildebrand aus Gettenau mehrere Einwendungen machte. Unter anderem meinte er, es sei ihm unverständlich, daß Ar⸗ beiter gegen die Flottenvermehrung wären; wenn mehr Schiffe gebaut würden, gäbe es doch mehr Arbeit. Vetters widerlegte diese Ansicht, die von manchen Leuten gehegt werde, als total unrichtig. Damit, daß Arbeiter beschäftigt würden, sei es allein nicht getan, es komme darauf an, daß die Arbeitsleistung nutzbringend für die Gesamtheit sei. Außerdem müsse vornehmlich die arbeitende Bevölkerung dle Kosten der Flottenpolitik in Form von indirekten Steuern tragen, welche die not⸗ wendigsten Lebensmittel verteuern und somit die Lebens⸗ haltung des Volkes verschlechtern, während doch nur ein Bruchteil der Arbeiterschaft im Schiffsbau beschäftigt wird.— Die Versammlung verlief überhaupt sehr an⸗ regend. Demnächst soll ein Wahlverein für Blofeld, Bisses, Bingenheim und Leidhecken gegründet werden. Aus dem Rreise griedberg⸗Büdingen. d. Die antisemitische Siegesfeier. Zur Feier ih res Sieges bei der Landtagswahl veranstalteten die Antisemiten am 2, Dezember v. Is. ein Zechgelage in Oberwöllstadt. Die Festlichkeit nahm aber ein böses Ende; als man eine Zeit lang getrunken hatte, ging ol gen den end en en ein in ict ler der⸗ uch 9 5˙ PPP Nr. 7. r Milteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. die Prügelei los, wobei es blutige Köpfe gab. Die Herren Hirschel und Wolf aus Friedberg waren auch anwesend, sie hatten sich aber gedrückt, als der Kampf begann. Am Montag fand das gerichtliche Nachspiel vor dem Friedberger Schöffengericht statt, Von 10 An⸗ gellagten wurden verurteilt: Hch. Veith zu 4 Wochen, M. Veith zu 3 Wochen, L. Kuhn und Gg. Hofmann zu 10 Tagen, Feuerbach und Jos. Kuhn zu 1 Woche Gefängnis und Jos. Hofmann zu 20 Mk. Geldstrafe. — Der Wirt Höbel aber, in dessen Saal die Sieges⸗ feier stattfand, hat auch einen nicht geringen Schaden. Er hat bis heute vergeblich auf Bezahlung der Zeche gewartet, weiß überhaupt nicht, von wem er Zahlung fordern soll! Aus dem Nreise Alsfesd-Cauterbach. d. Die Freie Turnerschaft Alsfeld hielt am 28. Januar im Stadtpark ihre gut besuchte General⸗ versammlung ab. Zunächst nahm dieselbe die Berichte uber den Bezirksturntag und über die allgemeine Turner⸗ versammlung in Gießen entgegen, die von Wollrab und Wiegand erstattet wurden. Die Rechnungsablage wurde genehmigt, nachdem die Revlsoren die Richtigkeit derselben bestätigt hatten. Dem Kassierer wurde außerdem für seine gewissenhafte und torrekte Amtsführung Aner⸗ kennung ausgesprochen. In den Vorstaͤnd wurden ge⸗ wählt: Wiegand, 1. Vorsitzender, K. Dechert, Rechner, Wollrab, Feyt, Daubert, Schopbach, Schickedanz, Funk, Weitzel, Werner. Ebenso wurde der Vereinsdiener ein⸗ stimmig wiedergewählt. Unter Vereins angelegenheiten wurden die von der Kommisston gefaßten Beschlüsse für das Stiftungsfest durchweg gutgeheißen. Aus dem Areise Wetzlar. §Unternehmer⸗ Praktiken. Der Fort⸗ schritt, den die Gewerkschaftsbewegung auch in Wetzlar und Umgebung in der letzten Zeit ge⸗ macht hat, ist verschiedenen Leuten recht unan⸗ genehm und man möchte dem gern entgegen⸗ wirken. Besonders liegt der Metallarbester⸗ verband dem Vetriebsführer im Röhreuwerke, Herrn Ardelt, im Magen. Er sagte neultch einem Arbeitsuchenden, letzterer solle noch mehr Leute besorgen, die Verbändler müßten alle heraus. Wenn der Herr glaubt, damit den Verband zerstören zu können, wird er sich sehr täuschen. Die Arbeiter sollten aber endlich wissen, daß ste nur durch die Organisation ihre Lage verbessern können und sich ihr alle au⸗ schließen.— Wie man aber immer bemüht ist, soviel als möglich aus der Arbeitskraft heraus- zuschlagen, zeigt die Veranstaltung von„Kon- kurrenzarbeiten“. Man wollte sehen, wie viel Röhren in einer gewissen Zeit fertiggestellt werden könnten. Nun gings drauf los. Es gelang auch, mehr als bisher fertig zu bringen. Die Beteiligten sollen dann jeder 2,50 Mark Gratifikation bekommen haben. Was wird aber das Ende vom Liede sein? Man wird diese ausnahmsweise Leistung zum Maßstab nehmen und danach die Löhne einrichten! Im Interesse der Arbeiter liegen solche Experimente wirklich nicht. n, Fürstliche Grubenarbeiter. Wie unseren Lesern bekannt, streiken die Bergarbeiter der Fürstlich Braunfelsschen Gruben seit fünf Wochen. An Ueber⸗ wachung dleser Streikenden blelbt nichts zu wünschen übrig. Obgleich die Gruben nur 1½ Stunden von Wetzlar entfernt sind, hat man es doch für nötig be⸗ funden, einen Gensdarmen in Nauborn einzuquartieren, auf daß jedenfalls den Kameraden, die ein Schwein und jetzt Zelt dazu haben es zu schlachten, nicht die Speck⸗ selten von Dieben geholt werden. Währenddem befinden sich aber anscheinend die Wetzlarer Einbrecher ganz wohl, so daß sie sogar dem Kreishaus einen Besuch ab⸗ statteten. Die Verwaltung der fürstl. Gruben zeigt noch nicht das geringste Entgegenkommen, unbedingte Unter⸗ werfung wird verlangt, wer bedingungslos wieder ein⸗ fahren will, wird in Gnaden aufgenommen. Die Berg⸗ leute ziehen aber vor, lieber sich um andere Arbeit um⸗ zusehen, als sich wieder unter das alte Joch zu beugen und weiterhin mit miserablen Löhnen zufrieden zu sein. Verdienten doch diese Leute in den ersten Tagen im vorigen Monat Löhne zum Erstaunen. Hier einige dieser„schönen“ Verdienste, die gewiß dem Bergmann eine sichere Existenz garantieren. Es verdienten: Abzüge für Gefälle, Schichten Oel, Gezähe Reinverdienst Mk. Mk. Mk. 6 12,89 5,08 7,81 8 17,19 5,86 11,83 6,5 13,93 5,96 8,77 3 6,45 4,72 1,78 Jeder Kommentar ist hier überflüssig, diese Zahlen sprechen Bände über das Elend der fürstlichen Gruben⸗ arbeiter.(Der Frkftr. Ztg. wird berichtet, daß die aus⸗ ständigen Bergarbeiter endgültig entlassen und der Betrieb der Grube„Uranus“ eingestellt worden sei. Wenn das richtig ist, was wir im Augenblick nicht nach⸗ prüfen können, brauchen die Bergleute nicht zu fleunen, Denn diese Löhne verdienen sie sicher mit jeder anderen und leichteren Arbeit. D. R.) Westerwald und Anterlahn. * Vom Flotten verein in Langenau⸗ bach(Dill) ging uns ein längeres Schreiben zu, dessen Aufnahme„auf grund des Preß⸗ gesetzes“ verlangt wird und das eine„Berich— tigung“ der von uns in vorletzter Nr. gebrach⸗ ten Nottz darstellen soll. Unterzeichnet ist das Schreiben von Schnurr, Kaiser und Ewald. Wir nehmen den langen Erguß in dieser Form nicht auf. Was darin einer Richtigstellung ähnlich sieht, wäre höchstens, daß der Vorstand bestreitet, daß Leute zum Beitritt in den Flotten⸗ verein gezwungen worden wären; ferner, daß der Verein nicht für Dinge verantwortlich ge⸗ macht werden könne, über die ihm Aufsicht und Kontrolle fehle. Letzteres ist in unserer Notiz auch gar nicht verlangt, es ist nur die Almo⸗ sphäre geschildert, in der das Flottenblümchen emporgesproßt ist. Wenn der Vorstand und der Schreiber der Zuschrift glauben, wir drucken ihre Schimpfereien gegen unsern Gewährsmann ab, den ste doch gar nicht kennen, dann täu⸗ schen sie sich ganz gewaltig. Aus dem Rreise Marburg⸗Rirchhain. * Das Gewerkschaftsfest am Sonntag war seyr zahlreich besucht, daß eine große Zahl der Erschienen keinen Platz finden konnte. Es verlief im Uebrigen aufs Beste, wie sich das für ein Arbeiterfest gehört. Die einzelnen Darbiet⸗ ungen fanden sehr beifällige Aufnahme. Der Konsumverein hält diesen Sonn⸗ tag seine Generalversammlung im Rest. Jesberg, Wehrdaerweg 2, ab. In Anbetracht der wich⸗ tigen Tagesordnung ist ein zahlreiches Erscheinen der Mitglieder erwünscht.(Siehe Inserat). * Wegen Golddiebstahls und Hehlerei wurde in Hanau wieder ein Goldarbeiter, Gg. Diehl, zu 2¼ Jahren Zuchthaus verur⸗ 34l. Andern Tags erhängte er sich in seiner elle. geführt. Soziales. Aus den Gewerkschaften. Der Metall⸗ arbeiter⸗Verband dürfte bald auf 300000 Mitglieder angewachsen sein. Sein Organ, die Metallarbeiterzeitung, die jedes Mitglied erhält, hat jetzt eine Auflage von 278000. Lohnkämpfe. Der Streik der Erz⸗ bergleute im Siegerland, wurde vom christlichen Gewerkberein der Bergarbeiter Welchen Ausgang er genommen, geht aus den Mitteilungen, die uns zur Verfügung stehen, nicht hervor. Es heißt, daß in einigen Gruben die Löhne erhöht worden seien.— In der Schuhfabrik von Hartmann, Noll u. Co., Offenbach, reichten am Donnerstag sä mit liche Arbelter die Kündigung ein. Die Ar? beiter verlangen, durch die teuren Lebenshed in? gungen gezwungen, eine allgemeine Lohnerhöhung Zuzug ist unbedingt fernzuhalten.. — Die Konsektionsschneider im Bezirke Frankfurt(Taunus, Main) hatten in der Zahl von etwa 3000 die Arbelt eingestellt, um eine Lohnauf⸗ besserung zu erreichen. Es finden noch Verhandlungen vor dem Einigungsamt des Frankfurter Gewerbe⸗ gerichts statt. Partei-Nachrichten. Opfer des Kampfes. Genosse Perner von der „Märkischen Volksztg.“ in Forst ist nun endlich aus der Haft entlassen worden, nachdem erst die dritte Be schwerdeinstanz angerufen worden ist. 5000 Mk. muß er aber Kaution erlegen, sonst behält man ihn in Haft. Wirklich, wir leben in einem freien Lande!— Genosse Abg. Kunert verließ am Samstag die Strafanstalt Plötzensee wieder, nachdem er dort drei Monate verbracht hatte. Bekanntlich verurteilte die Strafkammer zu Halle den Genossen Kunert zu drei Monaten Gefängnis, weil er in einer Versammlung während des Reichstags⸗ wahlkampfes durch den Vorwurf, einige deutsche Soldaten hätten in China geraubt, geplündert und Frauen ge⸗ schündet, die Invastonsarmee des Chinakrieges beleidigt haben sollte. Obwohl unser Genosse durch reichliches Zeugenmaterial die Richtigkeit seiner Behauptungen er⸗ wiesen hatte, kam das Gericht doch zu obigem Urteil. Dieser Urteilsspruch wird in der Geschichte der Verfol⸗ gungen unserer Partei für alle Zeiten bestehen bleiben. — Wegen Teilnahme an den Straßendemonstra⸗ tionen wurden in Crimmitschau sechs Arbeiter zu Haftstrafen verurteilt.— Wegen„Hochverrat“, den sie durch das preußische Wahlrechtsflugblatt begangen haben sollten, waren die Genossen Heinrich, Otto und Berard in Hamburg angeklagt. Das Verfahren wurde aber eingestellt, weil den Angaben des Verlegers Heinrich Glauben beizumessen sel, daß die Umänderung des Drei⸗ klassenwahlrechtes auf gesetzmäßigem Wege erfolgen solle. — In Chemnitz wurde der Eisenbohrer Körner zu der hohen Strafe von zwei Monaten Gefängnis verurteilt, weil er die zur Absperrung gezogene Schutz⸗ mannskette durchbrochen habe. Ein Opfer der zweck⸗ losen Absperrungsmaßregeln! Versammlungskalender. Samstag, 17. Februar. Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Ver⸗ sammlung bei Lö b.— Metallarbeiter abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Gießen. Heizer und Maschinisten. Abends 8 Uhr Versammlung im Wiener Hof. Stbg. Lassen wir den braven Musterarbeiter, er ist keine so wichtige Person, daß wir unsere Leser mit ihm behelligen.— Alsfeld. Vieles in der Sache ist unklar und unbestimmk; anderes nächste Nummer. 1 Zurückgestellt. Heuchelheim, Beuern, Wetzlar, Ferd. Nennstiel Ciessen, NMuchis iu. 7. Lager in sämtlichen Kastenmöbeln, poliert und lackiert Vertikows, Kleiderschränke Tische, Stühle, Spiegel 22 cheilt zu werden, mache noch el Leeus möbel 14 5 mit 90 7 5 7 Küchenmöbel HIV-SALU5 Spezialität: frei von Gift u. Saure, Dose Mx. 75 5 Dankschreiben gehen täglich eln. Bette dame, lende 9. 1 w. Cu Polstermöbel Ferubsleam Je b, Eigelb 80, Chrxyesrebin ,. eigener Anfertigung Uebernahme voll- ständ. Ausstattung. Flechten allss, und trockene Schuppenflecnte, skroph. 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Die Firma hatte damals alles aufgeboten, um ihren Betrieb mit Hülfe von Arbeitswilligen fortsetzen zu können, und die Polizei zur Unterstützung herangezogen, damit ihr die geangelten Raußreißer nicht wieder weggefischt würden. Damals traten auch die beiden Mörder als Streik⸗ brecher auf und sie bepahmen sich besonders agressiv gegen die Streikenden, wodurch sie bei der Betriebsleitung gewaltig im Ansehen 575 Von ähnlicher Qualität ist auch sonst vielfach das Menschenmaterial, das gegen die berechtigte Forderungen geltend machenden ehrlichen Ar⸗ beiter abgespielt wird. Kaisersgeburtstagsfeier mit Keilerei. In Göttingen nahm die Kaisersgeburts⸗ tagsfeier der 4. Kompagnie des 82. Infanterie⸗ Regiments einen schlimmen Ausgang. Eine Anzahl Couleur⸗Studenten suchte sich in das betreffende Vergnügungslokal Einlaß zu ver⸗ schaffen. Zwischen ihnen und Unteroffizieren und Mannschaften kam s zu einer Schlägerei, wobei einige Studenten schwere Verletzungen davontrugen. Der Kompagnie⸗Feldwebel Karl Scheele, der Familienvater ist, war hierbei in erheblicher Weise beteiligt. Seiner verantwort⸗ lichen Vernehmung hat sich Scheele dadurch entzogen, daß er Selbstmord beging, indem er sich mit seinem Dienstgewehr erschoß. Ein habgieriger Bauer. Aus gemeiner Habgier bezog der reiche Bauer Josef Seufert aus Kleinsteinack, B.⸗A. Schweinfurt, von dem Wasenmeister Schüßler das Fleisch verendeter Schweine, das verscharrt werden sollte, verwendete es teils in seiner Familie und verkaufte sogar davon. Die Strafkammer Schweinfurt ver⸗ urteilte ihn zu vier Monaten, den Schüßler zu sechs Wochen Gefängnis.— Was mögen bet dem Bauer die Dienstboten zu essen bekommen? Erinnerung aus Krähwinkels Schreckens tagen. Wir, Bürgermeister und Senat, Wir haben folgendes Mandat Stadtväterlichst an alle Klassen Der treuen Bürgerschaft erlassen: „Ausländer, Fremde, sind es meist, Die unter uns gesät den Geist Der Rebellion. Dergleichen Sünder, Gottlob! sind selten Candeskinder. 5 Auch Gottesleugner sind es meist; Wer sich von seinem Gotte reißt, Wird endlich auch abtrünnig werden Von seinen irdischen Behörden. Der Gbrigkeit gehorchen, ist Die erste Pflicht für Jud' und Christ, Es schließe jeder seine Bude Sobald es dunkelt, Christ und Jude. Wo ihrer drei beisammenstehn, Da soll man auseinandergehn. Des Nachts soll niemand auf den Gassen Sich ohne Leuchte sehen lassen. — ² 22———— 2 — Es lief're seine Waffen aus Ein jeder in dem Gildenhaus; Auch Munition von jeder Sorte Wird deponiert am selben Orte. Wer auf der Straße räsoniert, Wird unverzüglich füsiliert; Das Räsonieren durch Geberden Soll gleichfalls hart bestrafet werden. Vertrauet eurem Magistrat, Der fromm und liebend schützt den Staat Durch huldreich hochwohlweises Walten; Euch ziemt es, stets das Maul zu halten.“ Heinrich Heine. Gesellenfahrten. Eine Weih nachtsgeschichte von Philipp Scheideman u 8 Nachdr. verb. (Fortsetzung.) Glückliche Wochen durchlebten wir. Wir sahen uns fast täglich. Sobald der Alte im Dienst war, schlich ich dem kleinen Häuschen zu. Das Unglück schreitet schnell. Mein Schwieger⸗ vater, der Putz, mußte zu einer Gerichtsver⸗ handlung nach Altona und zwar am selben Sonnabend, an dem Abends ein Gesangverein sein Stiftungsfest abhalten wollte. Das schien uns eine göttliche Gelegenheit, auch einmal mit einander zu tanzen. Daß der Alte am Sonn⸗ abend nicht zurückkehren konnte, stand fest, und daß er den schrecklichen Nachtzug benützen könnte, hielten wir vollkommen ausgeschlossen. Na ja. Also wir amüsterten uns vorzüg⸗ lich. Liesbeth kannten alle, mich kannten bereits viele und Gustav und andere fidele Brüder waren schockweise vertreten. Es ging alles sehr gut bis um Mitternacht. Da machte sich der Uebermut geltend. Und Liesbeths Bruder wäre in der Tat ein brillantes Original für den Max oder den Moritz gewesen. Wir gingen also los. Und da müssen wir ab und zu ein wenig stark gehustet haben, denn es gingen ver⸗ schiedene Laternen aus und in der dann ein⸗ getretenen Dunkelheit sind werkwürdigerweise einige Firmenschilder verwechselt worden. Aber wir konnten wirklich nichts dafür, daß die Schilder just alle nach einer Schablone gemacht waren. Wir wollten blos mal nachsehen, welches Schild am schönsten bemalt war und da haben wir sie in der Dunkelheit vertauscht. Herrgott, haben die Philister am andern Tage einen Lärm gemacht, daß bei dem Apotheker Hansen das Schild des Trödlers Petersen „Hier werden Lumpen und Knochen gekauft“ und das Schild des ersteren beim Hansen hing! Und daß des Pferdeschlächters Christensen Schild am Sonntag morgen bei dem Zahntechniker Jakobsen und des letzteren Firmentafel bei dem Konditor Clausen hing, war doch auch schließlich kein Unglück. Das dümmste war, daß es nach Mitternacht so entsetzlich fror. Und da die verdammte über mannsgroße, fast voll gefüllte Regentonne bei Müller Jessen, an vie wir nur einmal ganz, ganz leise zu fünft angetippt hatten, gleich um⸗ fel, so daß die enge Gasse, die an der Mühle vorbeiführte, überschwemmt wurde, war es kein Wunder, daß sich bald eine glatte Eisbahn bildete. Glatteis im Mühlenweg. Na ja, wie es dann so geht. Während wir vergnügt singend Jetzt ziehn wir mit Gesang In ein anderes Restorang— unsere kleine Entdeckungsreise machten nach Lokalen, in denen noch ein stelfer Grog zu haben sei, war es dem alten Dierksen in den Sinn gekommen, gerade in dieser sternklaren und hundekalten Nacht die Rückreise anzutreten. Da er an der Mühle vorbei mußte, rutschte er natürlich aus und fiel mit dem Körperteil, mit dem man sich gewöhnlich auf Stühle, Bänke oder Kanapees setzt, auf die Eisbahn. Da er schon verärgert von Altona abgereist, noch ver⸗ ärgerter in Elbeck angekommen war, geriet er sozusagen aus dem Häuschen und, wie uns später der Müller erzählt hat, ist er fuchsteufelswild geworden, als ihm von der Mühle heraus von dem Müllerburschen, der den Nachtdienst hatte und dem gestrengen Polizeier fluchend auf der Straße sttzen sah, zugerufen wurde: „Sie haben wohl einen zu viel getrunken, Herr a Guan u. n 8 Der Empfang den mein Schatz dahe tell ward, war nich 115 Pappe. Abel als nächsten Tag der gestrenge Herr Putz von der verärgerten Frau Nachbarin, die keinerlei Kunst⸗ verständnis besaß und deshalb das Ständchen nicht zu würdigen wußte, das wir ihr gebracht hatten, erfuhr, daß sein Töchterlein nicht nur mit Bruder Hermann, sondern auch in Be⸗ gleitung des„netten“ Gottlieb Schulze heim⸗ gekommen war, da wollte er schier bersten vor Entsetzen. 5 Und dann traf es den Alten Schlag auf Schlag. Seit einigen Wochen wäre kein Mensch mehr seiner Nachtruhe sicher, klagte die halbe Stadt. Es würden Schilder vertauscht, Regentonnen ausgegossen, Katzenmustken ge⸗ bracht und die Polizei nicht auf dem Posten. In der verflossenen Nacht habe man bestimmt einen langen fremden Menschen, der nicht platt snakte, beobachtet, wie er Laternen ausgedreht und Schilder vertauscht habe—— Der Alte raste. Kein Zweifel, der Gott⸗ lieb Schulze ist's gewisen!„Dieser fremde Hallunke! Und meine Tochter läßt sich mit dem Menschen ein!“ Liesbeth erhielt strengen Befehl, nie wieder mit dem Vagabonden zu reden oder auch nur einen Blick zu wechseln. Zunächst sollte ste vierzehn Tage lang das Haus nicht verlassen! Also Stubenarrest in aller Form. Aber Her⸗ mann stand uns bei. Er wußte uns zu⸗ sammen zu bringen, so daß wir uns aussprechen konnten. Das stand fest: vom Alten war kein Nach⸗ geben zu erwarten. Seitdem er herausgebracht hatt, daß Gustav und ich— ich war natürlich von Gustav verführt worden!— am letzten Montag Abend den Nachtwächter Lorensen an die Bank festgebanden hatten, auf der er einge⸗ schlafen war, war jede Aussicht auf Versöhnung verschwunden. Der Alte hatte bestimmt aus⸗ gesprochen, daß er Liesbeth zu Verwandten in die Lüneburger Haide schicken wollte, wenn ste sich unterstehen sollte, mit dem fremden Menschen auch nur die leiseste Verbindung wieder anzu⸗ knüpfen. (Fortsetzung folgt.) — 2 Aus unseren Tagen. Von Gerard Keller. 140(Fortsetzung.) Daß Taubermann dieses freundliche An⸗ erbieten machte, erscheint weniger sonderbar, wenn man weiß, daß aus einem gewissen Schamgefühl seine Rechnung an jedem Quartal zuerst bezahlt wurde und der Krämer daher weniger die finanzielle Lage des Mannes kannte, den er zu seinem Mieter machen wollte. Aber dieser sah sofort ein, daß dasselbe Scham⸗ gefühl ihn nötigen würde, die Miete richtig zu bezahlen und er beschränkte sich daher auf die Erwiderung, daß er eine kleinere Wohnung annehmen wolle. „Noch kleiner? Aber lieber Gott, Ihre Jungen werden immer größer; wie wollen Sie das denn einrichten?“ „Ich bin nicht reich, Herr Taubermann,“ entgegnete der Beamte mit traurigem Lächeln. „Nicht reich? Nun, man braucht eben nicht reich zu sein, um zweihundert Taler zu ver⸗ wohnen und weil Sie es sind, gehe ich sofort noch dreißig Taler herunter.“ Werner schüttelte wieder mit demselben traurigen Lächeln den Kopf.„Nein, nein, so viel darf ich nicht verwohnen. Ich bin nur ein einfacher Beamter.“ „Gerade die Herren Beamten erhalten jedes Quartal ihr Geld und brauchen nie zu fürchten, daß Ihnen schlechte Schuldner durchgehen, oder Spekulationen mißglücken. Ihnen kann nicht geschehen, was mir vergangene Woche passtert ist, als für zweitausend Taler Ware, die nicht verstchert war, zu Grunde ging. „Zweitausend Taler!“ wiederholte der Be⸗ amte] Soviel betrug ungefähr sein Gehalt in drei Jahren. 1 55 lur de⸗ I Hor lu . en tal het 15 lt. m⸗ zu die I re + f. Nr. 7. —. ².«7 Milteldeulsche Sountags⸗Zeiiung. Seite. 7 „Uebrigens habe ich jetzt einen Plan ge⸗ faßt,“ fuhr der gesprächige Krämer fort;„Ihr Kollege Morsen soll mir helfen, eine Assekuranz⸗ esellschaft für Güter zu begründen. Eine kleine rämie, überall Agenten; wenn Sie in einer anderen Stadt wohnten, würde ich fragen, ob Sie auch Agent sein wollen.“ Unglücklicherweise wohnte Werner nicht in einer anderen Stadt, aber er nahm sich vor, seinen Kollegen Morsen an dessen Versprechen in bezug auf seinen Sohn zu erinnern. So. bald er wieder die Akten vor sich nahm, mit welchen er den größten Teil seiner Bureauzeit zubrachte, wollte er mit Morsen über seinen Franz reden und dann— so dachte er, während er auf Taubermanns Aufforderung nach dem Zimmer seiner Tochter ging, und er war so tlef in Nachdenken versunken, daß er an der Hausfrau vorbet lief, ohne sie zu sehen. Es geschah öfter, daß Werner seine Tochter des Morgens besuchte, denn er war gewohnt, sich in allen schwierigen häuslichen Angelegen⸗ heiten Rat und Hilfe oder wenigsten Trost und Ermunterung bei seinem Liebling zu holen. Malvine genoß noch mehr Vertrauen als seine Gattin, denn letztere schonte er bei mancher traurigen Erfahrung, um ihren Kummer nicht noch zu vergrößern. Diesmal konnte jedoch auch Malvine wenig Hoffnung geben; beide waren darüber einig, daß sie in keinem Fall die von Taubermann angebotene Wohnung be⸗ ziehen durften, aber was zu tun war, blieb unaufgeklärt. Von dem Krämer Geld leihen ging auch nicht. Und Morsen— der hatte schon einmal abgelehnt. Immerhin— wer weiß! „Du solltest doch noch einmal zu ihm gehen, liebes Kind, um den Versuch zu machen,“ sagte Werner plötzlich. Malvine wies diese Idee zurück und fuͤhrte eine Menge Gründe an, aber da sie den wahren Grund für sich behielt, so fiel es ihrem Vater nicht schwer, alle ihre Be⸗ denken zurückzuweisen. Zum Schlusse ver⸗ tröstete ihn Malvine mit der Verstcherung, daß ste noch einmal sich die ganze Sache überlegen wolle. Darauf nahm Werner Abschied. „Denken sie noch einmal über meine Wohnung nach; in jedem Fall müssen Sie sich dieselbe einmal ausehen. Alle Bequemlichkeiten und ein kleiner Garten dabei,“ rief ihm beim Weggang der Krämer nach. Aber der gute Werner hatte an andere Dinge zu denken: über die Kunst Geld zu machen und je länger er darüber nachdachte, um so düsterer erschien ihm die Zukunft. Es war jedoch ganz in Uebereinstimmung mit seinem Charakter, daß er gerade dann, wenn die Not am höchsten stieg, am wenigsten tat; er hörte mit dumpfem Gefühle die Bücher aufschlagen und die Blätter umkehren, was sein Amtsgenosse heute mit nervöser Eile tat. Aber er sprach mit ihm über nichts, selbst nicht einmal über seinen Sohn. Beide schienen heute gar keine Eile in bezug auf Schluß der Bureau⸗ zeit zu haben. Morsen blieb eifrig bei der Arbeit und Werner hatte keine besondere Sehn⸗ sucht nach Hause, so daß sie beide erst auf⸗ brachen, als sich überall umher schon die Spuren der verspäteten Tischzeit bemerklich machten. Als Werner zu Hause anlangte, vermuteten sowohl seine Frau wie die Kinder, daß er ganz besondere Nachrichten mitbringe, und als das Essen vorüber war, blieben Vater und Mutter flüsternd zusammen stitzen. Endlich wurde Franz gerufen und bekam einen Auftrag und suchte die Mütze, um auszugehen. (Fortsetzung folgt.) Anton Menger. In Rom ist am 7. Februar ein bedeu⸗ tender Gelehrter und mutiger Bekenner des Sozialismus, Anton Menger im Alter von 65 Jahren gestorben. Von 1874 bis 1899 war Menger Universitätsprofessor in Wien. Während dieser Zeit veröffentlichte er zunächst mehrere juristische Schriften, in denen er zwar auf der einen Seite das marxistische System des Sozialismus heftig und leiden⸗ schaftlich bekämpfte, auf der anderen Seite aber die rechtlichen Interessen der besitzlosen Klassen mit allergrößter Entschtedenheit vertrat. rt den Werken dieser professoralen Zeit gehört „Das Recht auf den vollen Arbeitsertrag“, „Ueber die sozialen Aufgaben der Rechtswissen⸗ schaft“, namentlich aber die berühmte Schrift „Das bürgerliche Recht und die besitzlosen Klassen“. In dieser Schrift wies Menger mit großem juristischen Scharfstnn nach, wie das bürgerliche Recht in allen seinen Bestimmungen ganz auf die Interessen der besttzenden Klassen zugeschnitten sei, und lieferte damit erst recht — fretlich ohne es zu wissen und zu wollen— neue Stützen für die von ihm bekämpfte marxistische Theorie“. Als Kritiker des wer⸗ denden Bürgerlichen Gesetzbuchs für das Deutsche Reich hat er fruchtbare Arbeit geliefert, die bis zu einem gewissen Grade sogar im geltenden Recht lebendig geworden ist, stcher aber der Zukunft unverloren bleiben wird. Menger hatte sich inzwischen so weit nach links entwickelt, daß ihm die Exlaubnis, ein Seminar an der Wiener Universität zu eröffnen, versagt wurde. Die damaltge österreichische Regierung wollte eine zu enge Verbindung zwischen dem radikalen Theoretiker und seinen Schülern vermeiden. Das und seine Kränklich⸗ keit veranlaßten den Gelehrten, im Jahre 1899 seine Professur niederzulegen und als Schrift⸗ steller frei zu wirken. Jetzt tat er in seinem Buch„Neue Staatslehre“, das er im Jahre 1903 veröffentlichte, den letzten entschei⸗ denden Schritt; denn diese„Neue Staatslehre“ war ein offenes und begeistertes Bekentnis zur Demokratie und zum Sozia⸗ lismus. Unbeirrt von dem törichten Gerede deutscher und österreichischer„Staatsmänner“ entwarf er in diesem Buche— nicht als phan⸗ tasterender Romanzier, sondern als nüchtern und scharfsinnig konstruierender Jurist— das Bild eines sozialistischen Zukunfts⸗ staate s. In einer folgenden kleineren Schrift der„Neuen Sittenlehre“(1905) führte er sein System weiter fort und geißelte mit der volkstümlichen Kraft eines modernen Buß⸗ predigers die heuchlerische Moral der Monarchie und des Kapitalismus. Diesem Buche sollte eine„Volkspolitik“ folgen und schließlich sollte ein viertes über„Erkenntniskritik“ das„ganze philosophische System des Sozialismus“, das er aufzurichten beabsichtigte krönen. Mitten im Schaffen hat ihn der Tod erreicht. Die„Wiener Arbeiterzeitung“ sagt am Schlusse eines längeren Artikels über Menger: „In allen seinen Büchern schlägt trotz der schüchternen Nüchternheit seiner Sprache die leidenschaftliche Glut des Kämpfers durch, wo er Klage erhebt gegen die Vergewaltigung der Besitzlosen, gegen den Dünkel und den Ueber⸗ mut der Mächtigen, gegen die Lüge und Heuchlet der Herrschenden. Es war ein ergreifender Gegensatz in seiner Persönlichkeit. Es war ein bescheidener, stiller, fast asketisch lebender Mann; er hatte nur eine einzige Leidenschaft, die aller- dings fast zum Fanatismus ausgebildet war: seine Sammlung der sozialistischen Literatur, die an Reichhaltigkeit kaum von irgend einer Bibliothek übertroffen wird. Die einsame Ar⸗ beit in dieser Bücherwelt war sein Leben und doch wurde dieser stille Mann der Studierstube zum Agitator, der mit Flammeuworten zu reden vermochte, zum Agitator des Soztalis⸗ mus, für den Sieg des Rechtes aller Menschen, für endliche Begründung der Macht der Arbeit. Darum darf die Arbeiterschaft ein beschei⸗ denes Zeichen des Dankes und der Anerkennung auf das Grab Anton Mengers legen, der nicht ihr Parteigenosse, aber ihr Freund und Mit⸗ streiter war.“ Allerlei. Die„Arbeitskraft“ der Besitzenden. Die Verteidiger der kapftalistischen Ordnung sagen: Das Privateigentum ist heilig, heilig als ersparter, im Schweiße des Angesichts er⸗ arbeiteter Besitz. Wenn man sich aber nur die Riesen vermögen vorstellt, die einzelne Leute, nicht durch Arbeit, sondern durch Ein⸗ streichung von Zinsen ansammeln konnten, dann wird die Verlogenheit von der Rechtmäßigkeit des Privateigentums ohne weiteres klar. Daß ein einziger Mensch nicht für Milliarden Werte schafft, bedarf gar keiner weiteren Darlegung; wenn es trotzdem Milliardäre gibt, so müssen die Reichtümer von anderen geschaffen sein, denen sie vorenthalten wurden. Und Riesen⸗ schätze sind es, die sich in wenigen Händen, zu⸗ sammenhäufen. Bisher galt als reichster Mann der Welt John D. Rockefeller. Wie die New⸗ Yorker„World“ mitteilt, hat Alfred Beit, der Besttzer von Gold und Diamantengruben in Südafrika, doch noch etwas mehr als Rockfeller — erspart. Sein Vermögen wird nämlich auf 20 000 600 000 Mark, sein jährliches Ein⸗ kommen auf 105000 000 Mark geschätzt. Das ist so viel Einkommen aus dem Kapital, als zirka 105 000 gut bezahlte Arbeiter im Jahre verdienen. Ob die Arbeitsleistung eines Beit 170 55 von über 100000 Lohnarbeitern auf⸗ eg Splitter. (Aus Schillers Prosaschriften.) Die Kultur soll den Menschen in Freiheit setzen und ihm dazu behilflich sein seinen ganzen Begriff zu erfüllen. Bei der Natur ging der erste Mensch in die Schule und ihr hat er alle nützlichen Künste des Lebens abgelernt. * Die Natur zeichnet uns in ihrer physischen Schöpfung den Weg vor, den man in der mora⸗ lischen zu wandeln hat. Unsere Kultur soll uns, auf dem Wege der Vernunft und der Freiheit, zur Natur zurück⸗ führen. * Nichts führt zum Guten, was nicht natür⸗ lich ist. * Der höchste Geuuß ist die Freiheit des Gemüts in dem lebendigen Spiel aller seiner Kräfte. Dr. Strecker. —— Humoristisches Wahre Geschichtchen. Ein Chemieprofessor erörterte kürzlich in einem populären Vortrage die neueste Entdeckung Prof. Fischers(Berlin), dem es ge⸗ lungen ist, Eiweiß künstlich herzustellen. Der Reduer bemerkte, es sei nicht unmöglich, daß später einmal auch lebende Wesen, vielleicht sogar Menschen, auf ähnlichem Wege hergestellt würden. Da ertönt von den letzten Bänken eine Stimme:„Ick bleibe bei dat alte System!“ Stimme aus der Unterwelt. Ich warne dringend davor, an die Soldaten scharse Patronen aus⸗ zuteilen! Der selige Rittmeister v. Krosigk. (W. Jakob) Kaisers Geburtstag in einer kleinen sächsischen Stadt. Die Spisen der Behörden und die gutgesinnte Bürgerschaft sind des Nachmittags zum Festmahl vereinigt. Gegen Ende der Tafel fühlte ein Teilnehmer das Bedürfnis, den heißen Kopf an der frischen Luft zu kühlen. Er tritt vor die Haustüre auf die kleine nach der Straße führende Freitreppe. Diese findet er von einem Schwarm offenbar auf etwas war⸗ tender Kinder umlagert. Erstaunt betrachtet er sie, als plötzlich ihm der Ruf entgegentönt:„Här'n Se, wenn komm'n die Besuff'nen?“(Stmpl.) Die Firma D. Kaminka, Marktplatz 11, am Kriegerdenkmal, hält sich als anerkannt reelles und leistungsfähiges Geschäft am Platze, zum Bezuge von Uhren⸗Gold⸗ und Silberwaren auf das Angelegent⸗ lichste empfohlen. Reparaturen und Gravpierungen prompt und preiswert. W—.——.—— 5 Geschichtskalender. 18. Februar. 1886 Dritte Sozialistenges.⸗Ver⸗ läng.⸗Deb. i. Reichstag. 19. 1473 Kopernikus, bedeutender Astronom“ 20. 1890 Reichstagswahl. Kartellvernichtung. 21. 1887 Faschingswahlen. Kartellsieg. 1677 Spinoza* 22. 1879 Attentat auf den Charkower Polizei⸗ chef Krapotkin. 23. Wilhelm II. nennt Antrag Kanitz„Brotwucher“. 24. 1905 Durchstich des Simplon⸗Tunnels. Seite 8. Mitteldeutsche Sonutags⸗geitung. Nr. 7. ———— Freie Turnerschaft Giessen Samstag, den 24. Februar 1906, abends 851 Uhr in sämtlichen Ränmen des Lenz'schen Felsenkellers Bahnhofstraße 51 Grosse Karnevalistische unter Mitwirkung der Dameuriege. Hervorragendes Programm. Bedeutende Karnevalisten haben ihre f Mitwirkung zugesagt. Eintritt frei. Eintritt frei. Kappe, Lieder und Programm 20 Pfg. Arbeiter-Bildungs-Verein I Heuchelheim. [Samstag, den 17. Februar, abends 8 Nahr bei Wirt August Rinn: wWinterfest bestehend in 5 Gesang, theatralischen u. turnerischen Aufführungen. Mitglieder, sowie alle gewerkschaftlich organisierten Arbeiter Heuchelheims sind freundlich eingeladen. Der Vorstand. Oeffentliche Tabakarbeiter- Versammlungen Es ladet freundlichst ein Bier im Glas. Der Elfer-Rat. 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T. ⸗O.: Geschäftsbericht, Ein⸗ führung von Flaschenpfand, An⸗ trag, betreffend Unfall- u. Haft⸗ pflichtversicherung, Verschiedenes. Der Aufsichtsrat: J. Scheldt, Vorsitzender. Ausnahmstage won Samstag, den 17. Februar an Grosse Preisermäßigung Bitte meine Schaufenster zu beachten!: Giessener Bazar 2 Karl Sermer, Beuchelnleim Gießener Lesehalle⸗Verein. Mittwoch, den 21. Jebruar cr., abends 8 Ahr im Café Ebel: Ordenkl. Alitgliederversammlung. Tagesordnung: J. Geschäftsbericht über das abgelaufene Vereinsjahr. 2. Neuwahl des Vorstandes. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen bittet Der Vorstand. 8 Vogelkäfige und Züchter⸗Atensilien. Fischereigeräte. Bürsten, Besenser;; 8 1 e Kokosstricke. Flechtrohr. Raffiabast. Wertzeuhe. 9 e 8 Fasching Beschläge. isenwaren. Kurzwaren. Solinger Stahlwaren. 5 finden in folgenden Orten statt: Daubringen, Samstag, 17. Februar, abends 8 Uhr bei Gastwirt E. Schäfer. Lauusbach, Sonntag, 18. Februar, nachm. 4 Uhr bei Wirt Komp. Gleiberg, Sonntag, den 18. Februar, abends 8 Uhr im Schwarzen Walfisch. Großenlinden, Montag, 19. Februar, 8 Uhr abends bei Wirt Weigandt. Leibgestern, Dienstag, 20. Februar, abends 8 Uhr bei Gastwirt Arnold. Steinberg, Mittwoch, 21. Februar, abends 8 Uhr im Gasthaus zur Krone. Heuchelheim, Donnerstag, 22. Februar, abends 8 Uhr bei Wirt Hch. Volkmann. Wieseck, Freitag, 23. Februar, abends 8 Uhr bei Wirt A. Ziegler. 5 Altenbuseck, Samstag, 24. Februar, abends 8 Uhr bet Wirt W. Becker. Tagesordnung in allen Versammlungen: Die geplanten Steuervorlagen. Rednerin: Frau Kiesel⸗Berlin. Jedermann, besonders aber alle Tabakarbeiter und Ar⸗ beiterinnen sind freundlichst eingeladen. Kreppe 1 Friedr. Schuyy in nur guter Qualität 2 Lollar 2 I. MürrER. en Bahnhofstrasse 6l. Wasserkrüge Packkörbe Optische Waren. Eigene Reparaturwerkstätte. Einfach möbliert Zimmer kaufen zu vermieten Benner& Krumm m. Melcher, Wetzsteingasse 10 Gesangberein Eintracht Giessen. Sonntag den 18. 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