— ä——¾ Nr. 24. Gießen, den 17. Juni 1906. 13. Jahrgang. Medaktion: 2 Redaktion s eee k wee. Mitteldeutsche 55 S 2 2 5 III 9·31 itun Abonuementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Aus träger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Postanstalt und die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 5107) Bestellungen 1 FJuserate finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung 93% und bei mindestens 22 mal. Aufgabe 50% Rabatt Bei mindesten s Die Welt-, Kolonial- und Steuerpolitik Deutschlands und ihre für das Volk unheil⸗ vollen und verderblichen Wirkungen behandelt Genosse Bebel in der letzten Nummer der Neuen Zeit in einem längeren Artikel über die verflossene Reichstagssesston, aus dem wir einiges hier wiederzugeben für gut finden. Nach⸗ dem Bebel die Entwickelungsgeschichte des deutschen Parlamentarismus kurz skizziert hat, geht er auf die riesigen Staatsausgaben und Steuern ein, die durch die Weltpolitik und den Militarismus verursacht werden. Er führt aus: Das Streben nach Erweiterung der Absatz⸗ märkte in allen Ländern der Erde ist die Ten⸗ denz, die alle Staaten mit kapitalistischer Wirt⸗ schaftsweise beherrscht. In den Großstaaten kommt dieses Streben unter der Firma der Weltpolitik am stärksten zum Ausdruck, und die Mittel hierzu sind: die Erweiterung und Verstärkung der Armeen und Marinen und die Eroberung fremder Länder als Kolonien. Die finanziellen Opfer, die diese Politik er⸗ fordert, sind enorme. Gewaltige Vermehrung der Steuerlast immenses Wachstum der öffent⸗ lichen Schuld charakteristeren diese Periode bürgerlicher Entwickelung. Die Lasten steigen bis zur Erschöpfung der beteiligten Völker, und die Ausfindigmachung immer neuer Steuer⸗ quellen ist die vornehmste Aufgabe der Finanz⸗ minister und der Parlamente. So auch in Deutschland. Wie immer in den letzten Jahrzenten die Reichseinnahmen durch Zölle und Verbrauchssteuern und Ueber⸗ schüsse aus Post und Telegraphie, Stempelab⸗ gaben usw. gestiegen sind, noch rascher stiegen die Schulden. Ihr unheimliches Wachstum gebot, neue Steuern ausfindig zu machen, sinte⸗ malen insbesondere die Flotten⸗ und Konial⸗ politik des Reiches— letztere gekrönt durch die gefährlichen und blutigen Aufstände der Ein⸗ geborenen in den Kolonsen— die Verlegenheiten ins Unabsehbare steigerte. Die Beschaffung von 200 Millionen Mark Einnahmen aus neuen Steuern war die Auf⸗ gabe, die der Staatssekretär der Finanzen zu lösen hatte. Und daß er diese Aufgabe nur zu lösen für möglich hielt, indem er als der erste seit dem Bestand des Reiches eine direkte Steuer, die Erbschaftssteuer, in Vorschlag brachte, zeigt die maßlose Verlegenheit, in der er sich bet der Suche nach Steuerobjekten befand. Zweifellos bedeutet diese direkte Steuer eine Konzesston an die Sozialdemokratie, die seit Jahrzehnten unablässig das System der Reichs⸗ einnahmen durch Zölle auf die notwendigsten Lebensmittel und Steuern auf den Verbrauch von Lebensnotwendigkeiten der Massen mit aller Energie bekämpft und auch schon das Zentrum genötigt hatte, bei der letzten großen Flotten⸗ bewilligung im Jahre 1900 durch Aufnahme des Artikels 6 in das Flottengesetz sich gegen die weitere Besteuerung von Artikeln des Massen⸗ verbrauchs zu erklären. Ohne die zähe, das jetzige Steuersystem im Reiche diskreditierende Agitation der Sozialdemokratie wäre es dazu nicht gekommen. Die Bestimmung im 6 des Flottengesetzes hielt allerdings das Zentrum nicht ab, durch Erhöhung der Biersteuer und Neueinführung der Ztgareltensteuer seinen frühe⸗ ren Beschluß mit Faustschlägen zu traktieren und durch die Bewilligung der Eisenbahnfahr⸗ kartensteuer eine der unpopulärsten und speziell den sogenannten Mittelstand schwer belastende Steuer gutzuheißen. Von den 40— 45 Millionen Mark, die diese letztere Steuer einbringen soll, werden die Passagiere der dritten Klasse 30 bis 35 Rillionen zu tragen haben. Die im nächsten Jahre in Kraft tretende Personentarif⸗ reform auf den Eisenbahnen, die eine Erhöh⸗ ung der Fahrpreise und die Abschaffung des Freigepäcks in Norddeutschland einführt, gibt der Eisenbahufahrkartensteuer noch das agitatorische Relief. Diese Steuerbewilligungen— Erhöhung der Brausteuer, Einführung der Zigaretten⸗, Fahr⸗ karten⸗, Automobil-, Tantiemen⸗ und Erbschafts⸗ steuer— waren die notwendige Konsequenz der früheren und der neueren Ausgabebewilligungen, unter anderem der Zustimmung zu dem neu verlangten Flottengesetz, den Militärpenstons⸗ gesetzen, den Novellen zum Wohnungsgeldzuschuß⸗ und zum Servistarifgesetz, den Bahnbauten und den Kosten des Aufstands in den Kolonien usw. Die Einnahmen aus den neuen Steuern sind auf ungefähr 180 Millionen Mark veranschlagt, das heißt sie reichen nicht, um die notwendigen Mehreinnahmen von 200 Millionen Mark zu decken. Der Reichstag wird also in der nächsten Session weiter neue Steuervorschläge zu er⸗ warten haben. Die Beratung der Steuergesetz⸗ entwürfe in der Kommission und im Plenum war eines der blamabelsten Schauspiele, das eine gesetzgebende Körperschaft bieten kann, und zeigte die ganze Kopf⸗ und Systemlostgkeit, welche die Reichstagsmehrheit beherrscht. Besser kann sie nicht gekennzeichnet werden als durch die Tatsache, daß diese Reichstagsmehrheit im März Resolutionen annahm, durch welche die Post⸗ und Telegraphenverwaltung auf vorhan⸗ dene Einnahmen in Höhe von zirka 15 Millionen Mark verzichten sollte, indes zwei Monate später derselben Verwaltung durch Resolutionen empfoh- len wurde, früher gewährte Herabsetzungen von Portosätzen nunmehr wieder zu erhöhen, um die Einnahmen zu steigern. Es wird schwer halten, ein Parlament zu finden, das ähnliche Widersinnigkeiten sich hat zuschulden kommen lassen. Aber Mangel an grundsätzlicher Auffassung in den wich igsten Fragen des Staatslebens und ewiges Hin. und Herschwanken in der Auffassung der Dinge zeichnet den gegenwärtigen Reichstag vor allen seinen Vorgängern aus. Dieses Hin- und Her⸗ schwanken tritt iusbesondere auch hervor bei Aufstellung der Methoden, nach denen die Kolo⸗ nialpolitik geleitet werden soll. Die riesigen Aufwendungen und Opfer aller Art, welche die deutsche Kolonialpolitik erfordert, macht selbst ihre eifrigsten Anhänger stutzig und nervös, aber nach einem festen Programm, das ihr zu⸗ grunde liegen soll, fragt man bei den mag⸗ gebenden Parteien und Personen vergeblich. Die Ereignisse des letzten Jahres haben gezeigt, daß es nicht bloß auf eine große Armee und Flotte, sondern weit mehr noch auf eine geschickte und kluge auswärtige Politik ankommt, um sich zum Herrn einer Situation zu machen. Deutschland hat es aber verstanden, sich gänzlich zu isolieren, wohingegen sein Rivale zur See, England, es verstand, sich Freunde und Bundes⸗ genossen zu Wasser und zu Lande zu erwerben, was ihm gestattet, mit Kaltblütigkeit der Ent wicklung der Dinge in Europa wie in Asten und Afrika entgegenzusehen. Der Artikel zählt weiter die Kriegsschiffe Englands, Frankreichs und Deutschlands auf und fährt fort: Die englische Flotte ist der deutschen nahe zu viermal überlegen, und wenn England und Frankreich zusammenstehen, kommt das Fünf⸗ fache heraus. Bei diesem Wettrüsten werden wir bankrott. Die Frage ist auch, und diese gilt so ziemlich für alle Staaten: Woher wollen die Staaten die ungeheuren Mittel zu einem Kriege nehmen, nachdem die Steuerlast der Nationen nicht einmal reicht, die Kosten der Friedensausgaben zu decken? Frankreich labo⸗ riert nach Angabe seines Finanzministers für das Jahr 1907 an einem Defizit von 230 Mil⸗ lionen Franken, es ist also Deutschland in der Defizitwirtschaft noch über. Die Beratungen über den Handelsvertrag mit Schweden zeigten einmal wieder die Unver⸗ frorenheit der Agrarter in vollstem Lichte. Weil in einigen Punkten der Vertrag ihren Wünschen nicht entsprach, verspürten sie anfangs nicht übel Lust, seine Genehmigung bis zum Herbst hinauszuschieben; schließlich besannen ste sich eines Besseren und bewilligten ihn. Gänzlich unfruchtbar war der zu Ende ge⸗ gangene Sessionsabschnitt für das sozialre⸗ formerische Gebiet. Es ist nicht eine Maßregel beschlossen worden, die der Arbeiterklasse oder einem Teil derselben einen Vorteil brachte. Wohl aber sind Nachteile in Menge— wie z. B. die angenommenen Steuern— eingetreten. Die deutsche Arbeiterklasse hat allen Grund, auch fernerhin der Tätigkeit des Reichstags mit größtem Mißtrauen zu begegnen. Politische Rundschau. Gießen, den 14. Juni 1906. Amerikanische Fleischwucherer. Enthüllungen über skandalöse Zustände in der amerikanischen Fleischindustrie erfüllen die Welt mit Entsetzen und Abscheu über das verbrecherische und von unersättlicher Habgier diktierte Handeln der amerikanischen Fleisch⸗ barone. Es ist bekannt, daß in Chikago, New⸗ Vork und andern Orten in großen Schlacht- häusern Vieh in ungeheurer Menge abgeschlachtet und zu Konserven verarbeitet wird. Auf die Zustände in diesen Fleischzubereitungsanstalten lenkte kürzlich ein Roman die öffenkliche Auf. merksamkeit und die Regierung ließ es sich darauf angelegen sein, was schon längst ihre Pflicht gewesen wäre, die Schlachthäuser genauer zu kontrollieren. Dabei stieß man auf grauen⸗ hafte Schweinereien, wie sie selbst in Deutsch⸗ land, wo wir auf diesem Gebiete in der Lebens⸗ mittelbranche gewiß viel erlebt haben, noch nicht vorgekommen find. Bei einer Untersuchung der Chikagoer Schlachthäuser z. B. wurden über 11 Millionen Pfund Fleisch als trank oder anderweit zum Genuß ungeeignet befunden. Einer der geheimen Kommissare des Prästdenten Roosevelt sah, wie die Inspektoren 31 kranke Tiere besichtigten, die große Beulen an den Kinnladen hakten; von diesen 31 Stück Vieh wurden nur 7 zurückgewiesen. Der Sekretär der Newyorker Schlachter⸗ vereinigung erklärte jüngst in einer Unterredung * ——— Seite 2. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitumg. Nr. 24. in den Newyorker Wurstfabriken herrschten un⸗ sagbar scheußliche Zustände. Viele Arbeits⸗ stätten haben keine Kanalisations verbindungen, sondern nur große Senkgruben mit stinkendem, verfaulenden Abfall gefüllt. In einer Fabrik laufen Ratten auf den Tischen umher, auf welche das Fleisch zum Zerkleinern geworfen wird, und niemand denkt daran, den von den Ratten hinterlassenen Schmutz wegzuschaffen. Geraten einmal ein Dutzend Ratten in die Hack⸗ maschine, so werden fte mit dem Fleische zer⸗ kleinert. Abfall wird aus Hotels und Restau- rants in großen Massen bezogen und mit dem Wurstfleisch vermischt. Kein Wurstfabrikant würde sich soweit überwinden, seine Erzeugnisse selber zu essen. Der frühere Schlachtdirektor Thomas Dolan, der Leiter eines der größten Chicagoer Packhäuser war, sagt, Tausende Stück Vieh mit Tuberkulose, Brand und anderen Krankheiten behaftet, würden von der Aufsicht durchgelassen. Zum Hundefutter ungeeignetes Fleisch wird eingekocht und die Bouillon wird zu Suppen⸗ und Fleischextrakten verwandt, während das trockene wertlose Fleisch, mit Gelatine vermischt, in Büchsen gefüllt und als Sülzfleisch verkauft wird. Kranles Fleisch, das von den Inspektoren zur Vernichtung bestimmt wurde, wird zurückgeschmuggelt und mitverwandt. Aus Chlikago gingen der„Frkftr. Ztg.“ von ihrem dortigen Korrespondenten Schilderungen über die ekelhaften Zustände in den dortigen Schlächtereien zu, deren Einzelheiten dem oben Mitgeteilten nichts nachgeben.„Die Gebäude, heißt es da, in denen die Konserven hergestellt werden, sind seit Menschengedenken nicht ge⸗ reinigt worden. Die Pfeiler in den Anlagen eines großen Etablifsements sind mit einer dicken Blut- und Fleischschicht bedeckt und der Boden mit sestgetretenem Schmutz. Große Fleischstücke werden über den Boden heschleift, gelegentlich steigt ein Arbeiter darauf, und es kommt ihm auch darauf nicht an, daß er mal darauf ausspuckt. Obgleich Büchsen mit„Potted Chicken“(feingeschnittenem Hühnerfleisch) zu Tausenden versandt werden, kommt doch kein einziges Huhn in die Schlachthäuser, außer denjenigen, die für die Kühlwagen zum Trans- port anderswohin bestimmt sind.„Potted Chicken“ in Büchsen besteht u. a. aus dem Fleisch„ungeborener Kälber“ und Kuh⸗Eutern“. Die deutschen Agrarier jubeln über die Schweinereien und erzählen in ihren Blättern Dinge, die offenbar übertrieben sind. So 3. B., daß Mensschen in die Stedekessel der Chikagoer Fleischversandthäuser gefallen und mit zerkocht worden seien. Natürlich habens unsere Agrarier immer gewußt, daß es im Aus⸗ lande und speziell in Amerika unsauber zugeht und deswegen traten sie für die Grenzsperren ein, beileibe nicht etwa deshalb, damit sie Wucherpreise für ihr Vieh erzielten. Nur gemach! Man hat in Deutschland in der Lebensmittel⸗ branche Dinge entdeckt, welche dem ameri⸗ kanischen auch nicht viel nachgeben. Und das Organ der Agrarier, die Deutsche Tageszeitung riet selbst einmal einem Landwirte, der anfragte, was er mit seiner tuberkulösen Kuh anfangen solle, er solle sie nur möglichst bald zum Schlachten verkaufen! Deutschland ist übrigens an der ganzen 05 nur wenig be⸗ teiligt, denn der§ 12 des F eischbeschaugesetzes verbietet bekanntlich die Einfuhr von Fleisch in luftdicht verschlossenen Büchsen oder ähnlichen Gefäßen(Büchsenfleisch) sowie von Würsten und sonstigen Gemengen aus zerkleinertem Fleisch. Dle Einfuhr von Pöckelfleisch ist nur in Stücken gestattet, die mehr als acht Pfund wiegen. In Betracht könnte also nur die Einfuhr von Schmalz kommen. Es soll aber in der d eutschen Kriegs⸗Marine noch immer amerikanisches Büchsenfleisch verwendet werden! Ein sozialdemokratisches Mustergut. Ueber eine Mitteilung des„Vorwärts“, die auch unser Blatt brachte, daß auf dem Gute des Genossen Eberhardt⸗Kommorowen der 1. Mai seit Jahren durch Arbeitsruhe gefeiert wird, hatte das Bündlerorgan, die„Deutsche Tageszeitung“ dumme und boshafte Bemerk⸗ ungen gemacht und am Schlusse derselben ironisch das Mustergut in Gänsefüßchen allen intelligenten Landleuten dringend empfohlen. Genosse Eberhardt hat darauf im„Vorwärts“ in seiner Bescheidenheit erwidert:„Ob mein Gut ein Mustergut ist, kann ich nicht beurteilen, jedenfalls bemühe ich mich, es dazu zu machen, so weit es in meinen Kräften steht und so weit meine Mittel reichen.“ Der Zufall hat es nun gewollt, so schreibt unser Königsberger Partei⸗ blatt, daß ein paar Tage nach dieser Zuschrift von einer, selbst der„Deutschen Tageszeitung“ doch wohl kompetent genug erscheinenden Stelle ein Urteil darüber abgegeben wurde, ob das Gut des Genossen Eberhardt als Mustergut zu betrachten ist oder nicht. Am 26. Mat d. J. veranstaltete nämlich der landwirtschaftliche Zentralverein für Litauen und Masuren, für die Kreise Johannisburg, Lyck und Oletzko seine diesjährige Bezirksschau. Dort wurden dem Parteigenossen Gutsbesttzer Eberhardt⸗Kommo⸗ rowen folgende Preise zuerkannt: 1. Für Rind⸗ vieh, Repräsentation ganzer Zuchten: der silbern? Ehrenpreis. 2. Für Bullen über 36 Monate alt: erster Preis 120 Mk. 3. Für Sterken: zweiter Preis 40 Mk., zweimal derselbe, 4. Kühe in Milch: zweiter Preis 50 Mk., viermal derselbe.— Dieses Urteil der Preis⸗ richter in Verbindung mit den durchaus sehens⸗ werten mustergiltigen Einrichtungen dieses Gutes, rechtfertigen wohl die Bezeichnung Mustergut. Und das alles trotz Arbeitsruhe am 1. Mai, trotz guter Löhne und menschen⸗ würdiger Behandlung der Arbeiter, sowie gesunder Wohnungen für dieselben. Bei dieser Gelegenheit möchten wir übrigens noch mitteilen, daß es in Ostpreußen auch noch ein 4000 Morgen großes Gut gibt, auf dem der 1. Mai seit einer Reihe von Jahren durch vollständige Arbeitsruhe gefeiert wird. Das Gut gehört dem Gutsbesttzer Genossen A. Hofer, Gr.⸗Skaisgirren. Es ist eine der größten und einträglichsten Besitzungen im Kreise Ragnit.— Unternehmer- Gewissenlosigkeit. In der Kohlengrube der Zeche Hansa⸗ Huckerode bei Dortmund brennen schon seit Pfingsten zwei Flöze. Die Abdämmungsarbeiten sind zwar versucht worden, so schreibt man der Leipz. Volksztg., doch war es durch Einsturz des Hangenden und Ueberhandnehmen tickiger Brandgase bisher nicht möglich, dem Brand⸗ herde nahe zu kommen. Nichtsdestoweniger geht der Betrieb in der bisherigen Weise wetter, die Belegschaft muß anfahren und die Kohlenproduktion geht ungehindert weiter. Durch die bürgerliche Presse wird ver⸗ kündet, Gefahr sei für die Belegschaft nicht vor⸗ handen, weil die brennenden Flöze von den Hauptbetriebspunkten isoliert seien. Jeder Fach⸗ mann weiß aber, daß Gefahr immer vorhanden ist, wenn es in der Grube brennt. Man weiß aus Erfahrung, wie leicht Komplikationen entstehen können, treten sie ein, dann ist die Katastrophe unvermeidlich! Auch in Courrieres brannten Flöze wochenlang vorher, ehe es zu der furchtbaren Katastrophe kam! Narrheit ist es, daß die Bergbehörde das Weiter⸗ arbeiten gestattet. War doch Borussta eine Nachbargrube von Hansa! Es muß verlangt werden, daß der Betrieb auf der Stelle einge⸗ stellt wird, bis der Brand gelöscht ist. Gegen den Betriebsführer Rüter von der Zeche„Borussta“ ist übrigens jetzt Anklage auf fahrlässige Körperverletzung und Uebertretung mehrerer Bergpoltzeiverordnungen erhoben. Vierzig Menschen wurden umge racht, und die Anklage lautet auf fahrlässige Körper⸗ verletzung! Das schlägt dem Rechtsbewußtsein des Volkes ius Gesicht! Was kann denn dem Herrn Betriebsführer Schlimmes passteren? Vielleicht trägt ihm die Geschichte drei Monate Gefängnis ein, möglich ist sogar die Freisprechung. Diese Anklage ist wirklich nicht geeignet, den übrigen Betriebsleitern mehr Respekt vor Ar⸗ beiterleben beizubringen! Mordkultur. Im russisch-japanischen Kriege sind allein auf der Seite Japans nach den nunmehr ab⸗ geschlossenen Feststellungen nicht weniger als 135169 Tote zu verzeichnen. Die Russen dürften noch bedeutend höhere Verluste gehabt haben, sodaß man die Gesamtzahl der Toten auf mindestens 300000 beziffern kann. Welch elne ungeheure Zahl! Wie viel vernichtetes Menschenglück stellen ihre bleichenden Knochen⸗ reste dar! Eine Pyramide von 300000 Menschen⸗ schädeln— das graustge Wahrzeichen der „Kultur“ des gegenwärtigen Zeitalters! Hetze gegen die Sozialdemokratie. In den letzten Tagen sind wieder eine ganze Anzahl sozialdemokratischer Redakteure der Justiz in die Krallen geraten. Genosse Perner von der Märkischen Volksstimme in Forst mußte zwei Prozesse über sich ergehen lassen. Im ersten, der schon mehreremal das Reichsgericht beschäftigt hatte, wurde er zu drei Monaten Gefängnis verurteilt, weil sich durch den Aus⸗ druck„Siegeslümmel“, der in der Zeitung mit Bezug auf die Sedanfeternden gebraucht war, eine Anzahl Kriegervereinler beleidigt fühlten. Perner wurde bestraft, obgleich Genosse Witt⸗ rich⸗Offenbach, der damals noch in Forst war, als Zeuge erklärte, daß er, nicht Perner den Artikel verfaßt habe!— Eine zweite Anklage war gegen Perner wegen„Aufreizung“ erhoben, die in dem Artikel vom roten Sonntag (21. Januar) enthalten sein soll. Hter bean⸗ tragle der Staatsanwalt 1 Jahr Gefängnis! Das Urteil lautete auf 400 Mk. Geldstrafe.— Genosse Albert von der Breslauer„Volks⸗ wacht“ erhielt ebenfalls 300 Mk. Geldstrafe wegen seiner Rede am 1. Mat, in der er auch „aufgereizt“ haben soll.— Im Monat Mal allein wurden 2 Jahre 10% Monate Gefängnis über Sozialdemokraten verhängt! Ein sächsisches Polizeistück. Einen unerhörten Eingriff in das Streikrecht der Arbeiter hat sich wieder einmal die Zwickauer Polizei erlaubt. Dort stehen die Maurer seit einigen Wochen im Ausstande. Sie kämpfen um menschenwürdigen Lohn und kürzere Arbeitszeit. Bis in die letzten Tage stand die Sache der Streikenden sehr gut. Jetzt versucht plötzlich die Zwickauer Poltzei, den bedrängten Baumeistern in einer Weise zu Hilfe zu kommen, die zu dem schär sten Protest herausfordert. Sie hat den Streik für erloschen erklärt und gleichzeitig die Streikleitung auf⸗ gelöst und begründet diese unglaubliche Maß⸗ nahme damit: Nach ihren Erhebungen seien die meisten der Streikenden abgereist und andere Maurer seien an deren Stellen eingetreten, so daß eigentlich nur noch„die für die Agitation tätigen Maurer“ sich im Streik befänden. Dar⸗ aus habe die Polizei die Ueberzeugung gewonnen, daß der„Streik erloschen“ und eine Streikleitung nicht mehr nötig sei. Letztere wird daher aufgelöst unter Androhung einer Haft von 14 Tagen für den einzelnen Fall einer versuchten weileren Betätigung. Eine ähnliche Verfügung ist auch dem Parteiwirt des Belvedere, Genossen Seifert, zugegangen, worin ihm verboten wird, sein Lokal der Streik⸗ leitung weiter zu überlassen.. Die Zwickauer Maurer streiken natürlich unbekümmert um die polizeiliche Verfügung weiter. Inzwischen hat die Zwickauer Arbeiter⸗ schaft bereits am vorigen Samstag(9. Juni) u dieser neuesten Arbeiterentrechtung in einer Protestversammlung Stellung genommen, um der Polizeibehörde zu zeigen, daß die Arbeiterschaft sich dagegen zu wehren versteht. Offliziersehre. Welche merkwürdigen, für andere Menschen unverständlichen Ehrbegriffe in Offizierskreisen herrschen, das zeigt die Aussage eines militä⸗ rischen Sachverständigen, des Oberstleutnants Wick, in dem Prozesse, der dieser Tage in Herne gegen den Oberst Hüger geführt wird. Am Samgtag sagte der genannte Offtzier wört⸗ lich:„Man unterscheidet in der preußischen Armee zwischen einer äußerlichen und einer innerlichen Ehre. Wenn z. B. ein Offizier die Frau eines Kameraden verführt, so hat er noch seine Ehre und es steht ihm fret, diesen zu fordern.“ In der vielverlästerten Sozialdemokratie herrschen darüber ganz andere Anschauungen, da hält man die Verführer für ehrlose Kerle. Mag sein, daß dies plebejtsche Ehrbegriffe sind. ——— iel, gest schen auf Naß- eien dert „ 0 ation Dor ⸗ nen, int sel. ung nen int 1 orig ell lic ß 15 n nel In 1 100 0 0 115 1 b. 1 1 01 1 11 1 117 . b. 1 konfisziert. Nr. 24. 1„ q Gp m———— ——— Mitteldentsche Sonnags⸗Zeitung. Se ite 3. Hündisches aus der„gutgestunten“ Presse. Wie von jeder Kaiserreise brachten die bürger— lichen Blätter auch über die neuliche Reise Wilhelms II. nach Wien spaltenlange Artikel und darunter auch folgende Mitteilung: „Der Zug bestand aus 16 ganz gleichen Hof— wagen. In einem der letzten saß das ge— koppelte Dachsenpaar Kaiser Wilhelms.“ Die beiden Dackel werden mit nicht geringem Stolze erfüllt werden, denn sie waren schon öfter Gegenstand tiefstnniger Betrachtungen in den„patriotischen“ Zeitungen. Wie ist doch die Zeitung so interessant! Kampf um die Wahlre fon ö in Oesterreich. mehr doe Seit langem schon führen unsere österreichi⸗ schen Genossen im Verein mit allen fretheitlich Gesinnten einen energischen Kampf für die Er⸗ ringung des allgemeinen Wahlrechts. Vor mehreren Monaten schien es, als sollte endlich mit einer vernünftigen Wahlreform Ernst ge⸗ macht werden; der damalige Ministerprästdent Gautsch zeigte den ehrlichen Willen dazu, nachdem die Arbeiter durch die machtvollen Wahlrechtsdemonstrationen ihren berechtigten Forderungen gewaltigen Nachdruck verschafft hatten. Nun sind aber bereits zwei Minister über die Wahlreform gestürzt; die verrotteten bürgerlichen Parteien wollen diese jetzt für Oesterreich wichtigste Frage ins Endlose ver⸗ schleppen, ste wiederum versumpfen lassen. Aber die Sozialdemokratie ist auf dem Posten, sie läßt sich nicht an der Nase herumführen und wird nicht dulden, daß das gegenwärtige „parlamentarische“ Ministerium Beck die Wahl- reform wieder auf die lange Bank schiebt. Die Parteivertretung hat nämlich eine Proklamation an die Parteigenossen erlassen, in welcher für den Fall, daß man weiter versuchen sollte, das Volk um sein Recht zu betrügen, ein dreitägiger Massenstreik für Wien angekündigt wird. Am Schluß des Aufrufs heißt es: „Die Arbeiter Oesterreichs werden sich durch schmutzige Intriguen nicht um ihr Recht betrügen lassen. Mag die Krone es dulden, daß eine kleine Bande von Junkern, Advokaten und Lumpenproletariern ihren Willen, der diesmal mit dem Willen und dem Rechte des Volkes eins ist, mißachtet, mag die Regierung zu⸗ sehen, daß ihre schönen Reden und Beteuerungen verhöhnt werden, die Arbeiter werden sich dem Privilegiengesindel nicht beugen und werden für das allgemeine gleiche und direkte Wahlrecht kämpfen, mit allen Mitteln und bis zum Aeußersten!“ Dieser dreitägige Massenstretk soll und kann natürlich nur eine warnende Kundgebung gegen die Verschleppung der Wahlreform sein und soll in den nächsten Wochen proklamiert werden, falls die Verschleppung kein Ende nimmt. Er dürfte aber der Wiener Regierung und dem Parlament die Augen öffnen und ihnen die Erkenntnis elnpauken, daß die Zeit der Ruhe, der geduldigen Beschaulichkeit vorüber ist. Und die Feinde der Wahlreform, die Wind gesäet haben, dürfen sich nicht wundern, wenn sie Sturm, viel Sturm ernten. Kleine politische Nachrichten. Den 1. Mai zu einem gesetzlichen Feiertag zu erklären, hat der Pariser Gemeinderat bei der Reglerung beantragt. Ob freilich die radikale Regierung dem Wunsche nachkommen wird, steht dahin. Immerhin hebt der Beschluß des Pariser Gemeinderats dessen sozlales Verständnis weit über das hinaus, was wir sonst bei den Stadtverwaltungen, zumal in Preußen⸗Deutschland, gewohnt sind. Wegen Majestätsbeleidigung wurde ein patriotisches Kapltalssten⸗Blatt, die„Rhein.⸗Westph.⸗Ztg.“, Die Majestätsbeleidigung soll in einem Artikel:„Der geflickte Dreibund“ enthalten sein.— Wegen Beleidigung des Kronprinzen wurde der Arbeiter Franz Wistuba aus Zülz zu 6 Wochen Ge⸗ fängnis verurteilt. Die ewige Wahl. Im bayrischen Wahlkreise Dürkheim⸗Neustadt fand dieser Tage der 23. Wahlgang zur Wahl eines Landtagsabgeordneten statt und verlief wiederum ergebnislos. Segen der indirekten Wahl! Die erste soztaldemokratische Gemeinde⸗ verwaltung in Schlesien besitzt nunmehr Klein⸗ Leubusch bei Brieg, wo infolge des Wahlsieges unserer Genossen am 8. Juni der Gemeinderat aus 2 Konser⸗ vativen, 3 Freisinnigen und sieben Sozialdemokraten besteht. Reichstagswahlen. Im Kreise Beuthen— Tarnowitz Schlesten) siegte bei der Nachwahl am Dienstag, die infolge Mandatsniederlegung des Zent⸗ rumsabgeordneten Krolik nötig war, der polnische Kandidat Napieralski mit 28000 Stimmen im ersten Wahlgange. Unser Kandidat erhielt 7000 Stimmen, 3000 weniger als 1903. Der Rückgang erklärt sich sehr einfach dadurch, daß sich der polnische Kandidat ebenfalls einen sozialistischen Anstrich gab.— In Hannover findet die Ersatzwahl am nächsten Mittwoch statt; in Rinteln⸗ Hofgeismar an Stelle Reventlows am 20. Juli. In letzterem Kreise treten 7 Kandidaten auf. Meuterei soll nach einer Mittellung des Vorwärts mehrfach unter den deutschen Truppen in Südwestafrika vorgekommen sein. Revolution in Rustland. In der Duma wurde während der letzten Tage besonders über die Abschaffung? ETodes⸗ strafe und über die Agrarfrage' debattiert. Mehrere Redner von der Arbeiterpartei richteten heftige Angriffe gegen das Ministerium und die Verwaltung. Ueber die Duma äußert sich Genosse Plechauow, der bekannte Führer der russtschen ae e in einem Artikel folgender- maßen: „Unsere Regierung hat schon mehrere unver— zeihliche Fehler begangen. Diese Fehler haben sie an den Rand des Abgrundes gebracht; sie haben sie aber noch nicht hineingestürzt. In den Abgrund wird sie kommen, wenn die Duma anseinandergefagt wird. Aber je eher der Sturz der Regierung beginnt, desto länger und qualvoller wird der Prozeß des Sturzes sein. Um diesen Prozeß zu beschleunigen und zu erleichtern, muß man ihn noch für eine gewisse Zeit vertagen. Ein vorzeitiger Konflikt hätte die politische Erziehung der Volksmasse zu früh abgebrochen. Wie wirkt auf das Volk die Duma, die jetzt das Zentrum seiner Aufmerk⸗ samkeit geworden ist? Sie erweckt aus dem Schlaf die am wenigsten Aufgeklaͤrten; sie stößt die Rückständigen vorwärts; sie zerstört in der Masse die allerletzten politischen Illustonen, die die Geschichte uns hinterlassen hat. Deshalb befremdet mich das, man könnte sagen, schola⸗ stische Verhalten zur Duma, das ich in den Artikeln einiger unserer Genossen beobachten konnte. Sie schrieben: Die Duma darf sich nicht mit organischer Arbeit beschäftigen. Ihre Arbeit muß eine rein agitatorische sein. Aber man muß doch dessen eingedenk sein, daß die organische Arbeit der Duma gerade die aller⸗ rößte agitatorische Bedeutung besitzen wird. ede Arbeit der Duma wird gut sein, wenn durch sie die letzte Binde von den Augen unseres Volkes fallen wird. Alles ist gut, was die politische Erziehung unseres Volkes fördert; schlecht dagegen ist alles, was diese Erziehung hindert.“ Die Forderungen der Arbeiter finden in einer Resolution Ausdruck, die eine am Pfingstsonntag in Petersburg stattgefundene große Arbeiterversammlung, an der auch viele Abgeordnete teilnahmen, beschlossen hat. Es heißt darin: „Die Minister haben gesagt, daß die Regle⸗ rung weder Land noch Freiheit geben und dle Ausnahmezustände aufrecht erhalten wird. Man wird also auch in Zukunft ohne Gericht schlagen, verstümmeln, erschseßen, erhängen, und das Land wird in den Händen der Regierung und der Gutsbesitzer verbleiben. Man wird die Familien der Hungernden ausweisen und diejenigen, die ihnen helfen wollen, zu Zwangsarbeiten ver⸗ urteilen. Das sagten die Minister, das wagten sie der Duma zu antworten. Es ist frellich wahr, daß die Abgeordneten nicht als die wirk⸗ lichen Vertreter des Volkes anzusehen sind, weil nicht alle gewählt haben, und die, welche ge⸗ wählt haben, unter dem Sausen der Knuten und dem Knattern der Maschinengewehre nicht diejenigen wählen konnten, die sie wählen wollten. Trotzdem hat aber auch diese Duma einen Teil der Forderungen des Volkes ausgesprochen. Doch hat die Regierung beschlossen, diese loenigen Forderungen nicht zu erfüllen. Das hal ste zu beschließen gewagt! Mögen die Vertreter des arbeitenden Volkes, möge die Arbeitsgruppe die Duma veranlassen, für die Forderungen des Volkes zu kämpfen, dann wird das Volk die Duma in diesem Kampfe unterstützen. Möge die Arbeitsgruppe die Duma veranlassen, zu kämpfen: 1. für eine konstituterende Versammlung auf Grund des allgemeinen, geheimen, direkten und gleichen Wahlrechts; 2. für die Ueber weisung des Landes an das Volk und für die Anerkennung des Rechts des Volkes auf Land; 3. für den Acht⸗ stunden⸗ Arbeitstag und 4. für die Amnestierung aller, die für ihre politische und religtöse Ueberzeugung und für die Beteili⸗ gung an den Agrarunordnungen leiden.“ In Warschau wurden am Samstag eine Anzahl Branntweinläden von etwa 90 jungen Leuten überfallen und die Branntwein⸗ vorräte vernichtet. Es kam auch zu blutigen Zusammenstöß en mit den Malitärpatrouillen. Ein Soldat erschoß zwei Revolutionäre, ein Soldat und ein Oberschutzmann wurden von den Revolutionären erschossen. Nur ein Revo⸗ luttonär konnte verhaftet werden; die andern entkamen. Starke Kosaken⸗, Husaren⸗ und In⸗ fanterie-Patrouillen durchziehen alle Straßen der Stadt. Die Angriffe auf die Branntwein⸗ läden werden als Proteste der Revoluttonäre gegen die Hinrichtung des Sozialisten Marczewskt angesehen. ———— Bon Rah und Lern. Hessisches. Aus dem hessischen Landtage. Die Zweite Kammer trat am vorigen Donnerstag(7. Juni) wieder zusammen. In der ersten Sitzung wurde zunächst die Vereidti⸗ ung des neugewählten Abgeordneten Finger⸗ feddersheim vorgenommen. Dieser ist Men⸗ nonit, leistet deshalb keinen Eid, sondern wird durch Handschlag verpflichtet. Das veranlaßt unsern Genossen Ulrich zu erklären, daß er 7 75 dasselbe Recht in Anspruch nehmen werde. e Dann wird der Antrag auf Schaffung einer berufsständigen Vertretung der Arbeiter beraten. Abg. Ulrich führt dazu aus, daß man sich in den Kreisen der Arbeiter in letzter Zeit mehr für Arbeiterkammern entschteden habe. Das in Ausstcht gestellte Reichsgesetz für die Berufsvereine könne keinen Ersatz für die Forderung von Arbeiterkammern bieten. Man habe in den Handelskammern, Handwerkskammern und Landwirtschaftskam⸗ mern die Vertretung der einzelnen Berufe. Warum wolle man diese Vertretung den Ar⸗ beitern vorenthalten oder die Arbeiter mit den Unternehmern in Arbeitskammern verkuppeln? Wenn man den Unternehmern eine Organisation gäbe, dann dürfe man der Mehrheit der Staats⸗ bürger— und das sind die Lohnarbeiter— eine solche Organisation nicht vorenthalten. Wenn die Reglerung nicht auf den Antrag eingehe, könne er heute schon einen Inttiativ⸗ antrag in dieser Frage im Hause in Aussicht stellen. Die Arbeiter hätten ein Recht, auch im Ministerium vertreten zu sein und werden nicht eher ruhen, bis ihre Wünsche erfüllt seien. Hierauf kam die Vorstellung der an Staats- anstalten angestellten seminaristisch gebildeten Lehrer wegen Aufbesserung ihrer Gehalts⸗ verhältnisse zur Beratung. Die Vorstellung beantragt der Ausschuß der Regierung zur Berücksichtigung zu empfehlen. Abg. Dr. David bemerkt dazu, die Regterung werde nicht umhin können, die gerechten Wünsche der Beamten doch zu erfüllen. Die ungleiche Behandlung der verschledenen Gruppen der Lehrer hält diese stetig in Unruhe. Die Unstimmigkeit komme auch daher, daß diese Lehrer keine Staats⸗ N Seite 4. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung! Nr. 24. beamten sind, wie die neben ihnen arbeitenden akademischen Lehrer und nicht nur diese, sondern auch der Pedell ist Staalsbeamter. Diese Zwitterstellung müßte endlich einmal generell beseitigt werden und zwar nicht nur für die Petenten, sondern für alle Volksschullehrer. — Die Vorstellung wird der Regierung zur Berückfichtigung überwiesen. Das Gleiche ge⸗ schieht mit einer Vorstellung der Kreisamts⸗ gehilfen, die ebenfalls um Gehaltsaufbesserung petitionteren. l Am Freitag wurde zuerst über die Wahl des Abg. Ullmann(Vilbel) debattiert, die der Ausschuß für gültig zu erklären beantragt. Dagegen wendet sich Orb, der die bei der Wahl vorgekommenen Unregelmäßigkeiten auf⸗ zählt. Es wird nur die Wahl zweier Wahl⸗ männer für ungültig, die Wahl Ullmanns selbst für gültig erklärt.— Hierauf feiert das Haus das 25 jährige Abgeordnetenjubiläum des Präst⸗ denten Haas.— Dienstag wird zunächst die Berggesetznovelle beraten und ange⸗ nommen. Darauf gibt es eine lange Debatte über eine Vorstellung des hessischen Richter⸗ vereins um Gewährung freier Dienstwoh⸗ nungen, über die Abg. Gutfleisch berichtet. Er empfiehlt Annahme des Ausschußantrages, welcher die Regierung ersucht, im nächsten Etat eine angemessene Beihülfe für die Wohnungs⸗ bedürfnisse der Beamten einzustellen. Im Laufe der Debatte bemerkt Ulrich dazu: Die Zahl der Petitionen aus allen Beamtenkategorten sei enorm. Das wesentliche Moment sei stets, daß die Steigerung der Lebenshaltung für ganze Kategorien unerträglich sei. Auch die Arbeiter werden schwer betroffen. Darum müßten auch die Löhne der Staatsarbeiter einer Revision unterzogen werden. Er werde darauf zurückkommen, daß auch die Hilfsarbeiter, die Forst⸗ und Domänenarbeiter und Wasserarbeiter berücksichtigt werden. Staatsminister Ewald hält eine Abhilfe für dringend nötig, glaubt aber, daß neue Steuern nötig würden.— Die Debatte darüber wird am Freitag fortgesetzt. Dr. David wendet sich gegen die Ansicht des Finanzministers, daß der Arbeiter relativ gün⸗ stiger situiert sei als die Beamten. Das set in keiner Weise der Fall. Der Staat versagt den Arbeitern das Koalitionsrecht; ihre Lage ist gerade entgegengesetzt, wie der Finanzmintster sie schildert. Nach längerer Debatte, in deren Laufe sich Abg. Joutz(der Bahn⸗Joutz) gaben gegen die Vorlage und die Beamten wendet, deren Forderung er als Unverschämtheit be⸗ zeichnet, wird auf Antrag des Abg. Gutfleisch der Gegenstand bis nächstes Jahr zurückgestellt. Damit ist die Sesston beendet. — Byzantinisches Komödienspiel. Aus Worms berichteten Ende voriger Woche bürgerliche Blätter: „Eine kräftige Ovation durfte heute vor⸗ mittag der Herr Polizeiinspektor genießen. Auf der Kaiser⸗Wilhelm⸗Straße hatten die Schulen Probeaufstellung für das Rosenfest genommen. Herr Polizeitnspektor Bischoff hatte die Ehre, den Großherzog zu mar⸗ kieren. In einem Wagen kam er vom Bahn⸗ hof und durchfuhr in voller Grandezza und mit leutseligem Neigen nach links und rechts das von den Kindern gebildete Spalier. Rauschende Hochrufe aus den kleinen Kehlen schallten ihm entgegen. Die Kinder machten ihre Sache vorzüglich und auch der Herr Polizei⸗ inspektor zeigte sich auf der Höhe der Situation.“ Die Wormser Polizet muß wenig zu tun 15 155 sie für solche lächerlichen Faxen eit hat. Gießener Angelegenheiten. — Die Herausgabe einer Land⸗ tagskorespondenz für die Presse hat die hessische Zweite Kammer beschlossen. Zwar be⸗ stand über die Zweckmäßigkeit einer solchen Meinungsverschiedenheit unter den Abgeordneten doch schließlich stimmte man fast einstimmig einem Versuche damit zu. Der„Gießener Anz.“ regt sich darüber gewaltig auf und spricht von einem Angriff auf die Preßfreiheit. Wir halten das, was der Anzeiger vorbringt, durchaus nicht für richtig, im Gegenteil, uns erscheint die Sache sehr zweckmäßig. — Sozialdemokratie und Ver⸗ mögenssteuer. In seiner Nummer vom 6. Juni brachte der„Gießener Anzeiger“ einen Vorwurf zum Abdruck, den die„Nattonalliberale Korrespondenz“ gegen unsere Genossen im badi⸗ schen Landtage richtete, weil diese gegen die Vermögenssteuer⸗Vorlage gestimmt haben. Wir haben darauf schon in voriger Nummer geant⸗ wortet, daß unsere Genossen sehr wohl wissen werden, was ste im Interesse des Volkes als Abgeordnete zu tun haben. Wir haben uns über diese Angelegenheit aber noch weiter an richtiger Stelle erkundigt und wir können auf grund der uns gewordenen Auskunft nur er⸗ klären, daß unsere badischen Genossen dur ch⸗ aus richtig handelten, wenn sie gegen diese Vermögenssteuer stimmten. Denn diese Miß⸗ geburt von Gesetz bevorzugt die Agrarier, schädigt aber ganz eminent das Gewerbe und die kleinen Leute. So wird das Gewerbesteuer⸗ kapital bereits von 1000 Mk. ab zur Steuer herangezogen, landwirtschaftliche Betriebskapita⸗ lien aber erst von 20000 Mark ab! Und oben⸗ drein werden die Gewerbesteuerkapitalien pr o⸗ gressiv(stufenweis steigend) herangezogen, während umgekehrt für das landwirtschaftliche Gelände eine Degresston eingeführt ist, also für größere, ing landwirtschaftlichem Grund und Boden beschtinden Vermögen verhältnismäßi weniger Steuer bezahlt wird. Das Gesetz i so günstig für die Agrarier eingerichtet, daß nur etwa 300 Besitzer landwirtschaftlichen Ge⸗ ländes unter die Steuer fallen. Unsere Genossen würden also pflichtwidrig gehandelt haben, wenn ste für ein solches Monstrum von Gesetz gestimmt hätten; indem sie dagegen stimmten, wahrten sie die Interessen der Gewerbetreibenden, des sogenannten„Mittelstandes“, den zu retten und zu schützen auch die Nationalliberalen vor⸗ geben! Das Gießener Amtsblatt hält es natür⸗ lich nicht für nötig, sich über den Sachverhalt zu informieren; es plappert gedankenlos das dumme Zeug nach, was ihm die Nationalliberale Korrespondenz vorgebetet hat, um die Sozial⸗ demokratie zu verdächtigen, die doch allein das Interesse der minderbemittelten Volkskreise ver⸗ tritt. In dem vorliegenden Falle ist es aber wieder mal hereingefallen. r. Zur Generalversammlung der Ortskrankenkasse am Sonntag waren 75 Generalversammlungsvertreter, darunter allerdings nur 3 von den Arbeitgebern, er⸗ schienen. Außerdem waren von den Stadt⸗ berordneten, die sämtlich eingeladen waren, die Herren Eichenauer, Gabriel, Haubach, Kirch, Krumm und Orbig anwesend. Nachdem der Geschäfts bericht, dessen Zahlen wir in nächster Nr. wiedergeben, vom Geschäftsführer Fourier erstattet und auf Antrag des Delegierten Gentner der Geschäftsleitung Entlastung erteilt worden war, ergriff der Vorsitzende der Frankfurter Ortskrankenkasse, E. Gräf, zu seinem Vortrage das Wort über:„Errichtung eines Kranken⸗ hauses“ und führte dazu etwa Folgendes aus: Nach dem Krankenbersicherungsgesetz läge den Kassen nur ob, für freien Arzt und Apo⸗ theke sowie Krankenunterstützung zu sorgen, doch sei von einer Pflicht zur Krankenhauspflege im ganzen Gesetze nirgends die Rede. Jedoch nach und nach durch den Zwang der Verhältnisse sind die Kassen immer mehr gezwungen worden, Krankenhauspflege zu gewähren, wie überdies weitsichtige Kassenverwaltungen schon von jeher diesen Zweigen der Fürsorge, obwohl bedeutende Ausgaben hiermit verknüpft stnd, ihr Augenmerk geschenkt hatten. Wenn sich heute noch eine rückständige Kasse weigerte, Hospitalpflege zu gewähren, so würde dies den größten Unwillen der Mitglieder erregen. Der Arbeiter besitze nur seine Arbeitskraft und habe begreiflicher⸗ weise eingesehen, daß solche nur durch recht⸗ zeitiges Eingreifen und Pflege im Falle eiger Krankheit erhalten werden könne. Viele Bände seien schon über die schlechten Wohnungen des vierten Standes geschrieben worden. Durch dieses Wohnungselend werden Krankheiten ver⸗ breitet, die Ansteckungsgefahr vergrößert. Wenn man bedenkt, daß in einer kleinen Wohnung öfters ein Schwerkranker die Schlafstelle mit 3 bis 4 Familtenangehörigen teilt, so muß in diesen Fällen unbedingt Spitalpflege eintreten. Der Redner führte zahlreiche Fälle an, in denen eine in sozialem Sinne geleitete Kasse Kranken⸗ hauspflege gewähren müsse. In Gießen sei nach dieser Richtung hin fast gar nichts getan worden. Gießen habe 1905 zirka 7000 Mark Kurkosten gehabt, während es im Verhältnis zu anderen Kassen mindestens 18— 20000 Mark haben müßte. Entweder sei die Kasse rück⸗ ständig, oder es sei diese Abnormität wo anders zu suchen. Ersteres sei wohl nicht der Fall. Allein Gießen habe kein städtisches Krankenhaus. Hier beständen nur die Universttäts⸗Kliniken und diese würden aus allen Herren Ländern besucht. Hierdurch trete natürlich eine chronische Ueberfüllung ein, worunter die Krankenkassen Gießens sehr zu leiden hätten. Hierzu kommt noch, Falls/ die Universitäts⸗Kliniken Bildungs⸗ ansta„Siend, und demzufolge jedenfalls eine ganze Reihe von Kranken, die mangels häus⸗ licher Pflege, Ueberwachung ꝛc. Krankenhaus⸗ pflege notwendig hätten, abweisen. Die Kassen sind infolgedessen gezwungen, ihre Kranken in Herbergen, Logierhäusern ꝛc. unterzubringen. Daß dies für eine Universttätsstadt kein würdiger Zustand ist, sei wohl jedem klar und es müsse die Stadtverwaltung Abhilfe durch Erbauung eines eigenen Krankenhauses schaffen. Soviel er gehört habe, leide die Stadt mit ihren Orts⸗ armen selbst sehr unter dieser Kalamität und deshalb müsse sie, wenn ste die ihr obliegenden sozialen Pflichten erfüllen wolle, erst recht nach Abhilfe trachten. Redner geht dann noch im Einzelnen auf die Höhe der Unkosten eines Krankenhauses sowie die Möglichkeit der Er⸗ bauung eines solchen ein, um zum Schlusse die Anwesenden aufzufordern, nunmehr kräftig in die Agitation einzutreten, und solche ohne Unter⸗ laß bis zur Verwirklichung des Projektes zu betreiben. 0 Nach dem mit lebhaftem Beifall aufge⸗ nommenen Vortrage führt Fourier noch einige Fälle an, welche den vorhandenen Mißstand drastisch illustrieren.— Die anwesenden Stadt⸗ verordneten erklärten, daß auch sie eingesehen hätten, daß es so nicht weiter gehen könne. Krumm ist entschieden für die Erbauung eines Krankenhauses, ebenso die Herren Haubach, Kirch, Eichenauer und Gabriel. Letzterer macht den sehr beachtenswerten Vorschlag, das Aktien- brauereigebäude durch Umbau zu einem Kranken⸗ hause umzurichten, was sich seiner Ansicht nach sehr wohl und billig bewerkstelligen lasse. Es gelangt schließlich eine Resolution zur Annahme, die den Vorstand ersucht, bei der Stadt die baldige Errichtung eines städtischen Kranken⸗ hauses zu beantragen. — Eine Bäckerversammlung, die am Mittwoch vor acht Tagen im„Wiener Hof“ abgehalten wurde und recht gut besucht war, nahm nach einem Referat des Gauleiters Langers aus Frankfurt eine Resolution an, in der es u. a. heißt, daß die vom Grafen Posadowskg im Juni 1899 angekündigten„generellen Be⸗ stimmungen über die Einrichtung und den Be⸗ trieb von Bäckereien“, welche dann im Oktober 1901 als Entwurf einer Bäckereiverordnung von der preußischen Regierung veröffentlicht wurden, bis heute, also nach steben Jahren, noch nicht aus dem Stadium der Verhandlungen und Verschlechterungsversuchen herausgekommen sind. Der jetzt bekannt gewordene, bedeutend ver⸗ schlechterte Entwurf fordert wegen seiner Ua⸗ vollständigkeit und gegen Bäckereimißstände nicht genügenden schützenden Bestimmungen den schärfsten Protest der Bäckerei⸗Arbeiter heraus. Andererseits ist durch viele Gerichtsverhand⸗ lungen, wie durch stattistische Erhebungen ge⸗ nügend nachgewiesen, daß auch heute zum Nach teile der Gesundheit der Bäckerei⸗Arheiter, wie des ganzen brotkonsumierenden Publikums, Ulebelstände und Schmutzereien noch in vielen Backstuben, wie auch in den Schlafräumen der Gesellen und Lehrlinge in den Bäckereien noch in Hülle und Fülle vorhanden sind. Die Ver⸗ sammlung macht es allen Kollegen zur drin⸗ genden Pflicht, ihnen bekannte Bäckereimißstände an die Oeffentlichkeit zu bringen, um dieselben auszurotten. Sie fordert aber auch von den Regierungen und zuständigen Behörden, nun bald den preutzischen Entwurf vom Oktober 1900 als Bäckereiverordnung für das ganze „„ —— e eee Nr. 24. Mittzlldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 5 etwa 60 Zeugen waren geladen. Reich zu erlassen, als das Mindeste dessen, was zum Schutze von Leben und Gesundheit der Bäckerei⸗Arbeiter und im Interesse der allge⸗ meinen Volkswohlfahrt getan werden muß. Die Versammlung fordert schließlich von den Gewerbe⸗Inspektoren und zuständigen Behörden schon jetzt eine scharfe Kontrolle der Bäckereien, um schon jetzt die gröblichen Mißstände aus den Bäckereien auszurotten. Von hiesigen Bäckern wurde ebenfalls über verschiedene Miß⸗ führt. in mehreren Bäckereibetrieben Klage ge⸗ rt. — In zwe Gießener Tabakfabriken, und zwar bei Schirmer und Müller, kam es am Montag zur Arbeitseinstellung. Im ersteren Betriebe waren Lohndifferenzen und schlechtes Material die Ursache, während bei Müller die Arbeiter deshalb austraten, weil mehrere ihrer Kollegen, sie! bisher in Heuchelheim. gearbeitet hatten, unn Müller eingestellt worden waren, aber auf grund der von den Fabrikanten her⸗ ausgegebenen schwarzen Listen nicht anfangen durften. Das faßten die Arbeiter als Maß⸗ regelung auf. Bei Schirmer wurde eine Ver⸗ ständigung erzielt und es dürfte eine solche auch bald in dem Müller'schen Betriebe zu erwarten sein.— Auch bei Gall brachen neue Differenzen ans, weil die Firma die mit dem Vertreter des Tabakarbeiterverbandes vereinbarten Abmach⸗ ungen nicht einhielt. — Das Schwurgericht der Provinz Oberhessen verhandelte in seiner ersten Sitzung am Montag gegen den 24 jährigen Taglöhner Alois Strott aus Offenbach und den Hausburschen Fleckenstein aus Weibersbrunn wegen Meuterei. Die beiden vielfach vorbestraften Angeklagten büßen im Butz bacher Zellengefängnis eine längere Strafe ab. Am 13. April wurden sie in Darm⸗ stadt als Zeugen vernommen und auf dem Rücktrans⸗ port nach Butzbach, der per Eisenbahn in einem Ge⸗ fangenenwagen geschah, überfielen sie zwischen Vilbel und Dortelweil gemeinsam den Aufseher Schauerte aus Koblenz, der den Transport begleitete. Fast wäre es ihnen ge⸗ lungen, jenen zu überwältigen, zufällig konnte er aber noch die Notbremse ziehen und so wurde die Flucht ver⸗ eltelt. Die Geschworenen bejahten die auf Meuterei lautende Schuldfrage und es wurde Strott zu drei, Fleckenstein zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt und für belde Zulässigkeit der Polizeiaufficht ausgesprochen. Am Dienstag hatten sich der Ziegeletiarbeiter Möller aus Schlitz und seine Ehefrau wegen Brandstiftung zu verantworten. Sie sind beschuldigt, im Januar einen Holzschuppen, der an das von ihnen bewohnte, Herrn Jungblut gehörige Haus angrenzte, vorsätzlich in Brand gesteckt zu haben, damit sie— in's Armenhaus kämen. Es waren zahlreiche Zeugen aufgeboten, doch es endete die Verhandlung mit der Freisprechung der beiden Ange⸗ klagten, die sich seit Januar in Untersuchungshaft befinden, Wegen Raubes stand am Mittwoch der Arbeiter Kutzscher aus Herzberg vor den Geschworenen. Er hatte einem Zechgenossen auf der Straße zwischen Fried⸗ berg und Fauerbach die Barschaft weggenommen. Die Geschworenen sprechen ihn schuldig und er bekommt 1 Jahr 1 Monat Gefänguis. Die Brandstiftungsaffaire Carlé kam am Donnerstag zur Verhandlung. Zu dieser Sensation hatte sich recht zahlreiches Publikum eingefunden: auch Am 24. Februar entstand in dem Lumpenmagazin der Wtw. Rothenberger ein Brand, der aber bald entdeckt und gelöscht wurde. Der Verdacht, diesen Brand vorsätzlich veranlaßt zu haben, fiel auf den Bauunternehmer und Dachdecker⸗ meister Och. Carlé. Nur dieser hatte Interesse daran, daß das Rothenberger'sche Lumpenlager beseitigt würde; er brauchte den Platz zur Durchführung seiner Bau⸗ pläne und hatte auch versucht, das Haus zu erwerben, doch war ihm von Frau R. geforderte Preis von 45000 Mk. zu hoch. Am Tatorte wurde Papier, Couverts ꝛc. gefunden, Gegenstände, die aus Carlés Besitz stammten. Aus dem Rreise gießen. — Zum Kreisfeste! Diesen Sonutag begehen die Parteigenossen des Kreises Gießen zum vierten Male ihr Parteifest. Es findet in Hausen statt und jedenfalls wird auch in diesem Jahre wie in den früheren eine zahlreiche Beteiligung zu verzeichnen sein, nicht bloß aus dem Gießener, sondern auch aus den Nachbar⸗ kreisen Wetzlar und Marburg. Dorther kamen ja immer viele Genossen zu unserer Veranstaltung, hoffentlich können wir sie auch diesmal zahlreich begrüßen. Alle aber werden sich nicht abhalten lassen, wenn auch das Wetter weniger freundlich sein sollte. uns auf unser bekanntes Glück! Unsere Feste sollen nicht nur dem Vergnügungszwecke dienen, sondern sie haben agitatorische Bedeutung. Die Genossen sollen in gemütlicher Unterhaltung mit einander bekannt werden, ihre Meinungen austauschen, ihre Ansichten klären und sich so zum Kampfe für unsere große Sache anregen und begeistern. Nebenbei ist das, was zur Unterhaltung für Groß und Klein geboten wird, gewiß nicht zu verachten. Darum auf nach Hausen! Seid alle herzlichst gegrüßt zum frohen Feste! Wir bemerken noch, daß der Extrazug Punkt 1 Uhr von Gießen abgeht. Die Rück⸗ fahrt findet 8.“ statt. — Lollar. Die Lollarer Parteifreunde und Arbeiter werden ersucht, sich am Sountag recht zahlreich zum Kreisfest in Hausen einzu⸗ finden. Abfahrt 11“ Uhr. Aus dem Rreise Jriedberg⸗Pü dingen. In der Strafanstalt Butzbach ereignete sich am Mo ntag ein schwerer Unglücksfall. Dort wird ein Erweiterungsbau aufgeführt und das Aus⸗ graben der Fundamente dazu besorgen Gefangene Um die Arbeiten mehr zu fördern, hatte man das Erdreich unterhöhlt und es geschah, was man bei solch' unvor⸗ schriftsmäßiger Arbeitsweise voraus sehen mußte: durch herabstürzende Erdmassen wurde der Gefangene Zulaut verschüttet und trug schwere innere und äußere Ver⸗ letzungen davon, an denen er nach mehreren Stunden starb. Die Arbeiten, die mit großer Hast betrieben werden, leitet der Direktor der Anstalt unter Assistenz eines Werkmeisters; als der Vorfall sich ereignete, war ersterer selbst zugegen. Man darf hier wohl fragen: warum werden diese Arbeiten nicht von sachverständiger Seite ausgeführt? Das gehört doch sicher nicht zu den Funktionen der Strafanstaltsdirektion! Hinzugefügt sei noch, daß der Verunglückte nur eine Strafe von 4 Mo⸗ naten wegen Bedrohung abdzubüßen hatte und nicht vor⸗ bestraft sein soll. Er war 60 Jahre alt. Hoffentlich wird der Fall genau untersucht. k. Ueber die Aerzteverhältnisse auf dem Lande ist schon oft Klage geführt worden. Ein junger Maurer in Langenbergheim machte vor Kurzem auch recht trübe Erfahrungen. Er verunglückte in Oberrad, wo er arbeitete und zog sich einen Armbruch zu. Mit einem Notver⸗ band angetan begab er sich nach Hause und ließ natürlich den Arzt Herrn Dr. Mathes in Alkenstadt telephonisch rufen, der Kassenarzt des Hamburger Maurerkrankenkasse ist. Der Arzt erschien aber erst nächsten Mittwoch 12 Uhr und als die Eltern des Verunglückten ihm deshalb Vorhalt machten, meinte der Herr Doktor, der Verunglückte hätte zu ihm kommen können; übrigens wäre es ihm(dem Arzt) fatal genug, wegen eines Laus buben hierher zu kommen! Der als„Lausbub“ betitelte junge Mann ist 22 Jahre alt! Wir meinen, die Menschenfreundlichkeit des Arztes läßt nichts zu wünschen übrig. — Bürgerliche Lichtfeinde. In Vilbel hatte der Gemeinderat Ende August v. J. beschlossen, ein Gaswerk zu errichten, nachdem durch Umfrage eine genügende Beteiligung und auch durch bewährte Fach⸗ leute die Rentabilität festgestellt worden war. Den⸗ jenigen, die sich auf die erste Umfrage zum Anschluß an das prosektierte Gasnetz melden würden, bot man an— so lautete der Gemeinderatsbeschluß— die Leitung vom Hauptrohr bis 3 Meter innerhalb ihrer Eigentumsgrenze unentgeltlich herzustellen. Diesen Passus benützten eine Anzahl Bürger unter Führung des K. Fr. Hinkel(der Bürgerverein) zu einer Beschwerde gegen den Gemeinderatsbeschluß betr. Errichtung des Gaswerks. Die Beschwerdefüß rer behaupteten eine Verminderung des Gemeindevermögens und Schädigung ihrer privaten In⸗ teressen. Denn die kostenfrelen Anschlüsse bedeuteten eine Schenkung von zirka 40 000 Mark an die Erstan⸗ schließer; außerdem würde sich das Gaswerk überhaupt nicht rentieren, höhere Steuern würden nötig sein und somit die erwähnten Nachteile entstehen. Der Kreis⸗ ausschuß wies die Beschwerde als unzulässig ab. In der Begründung wurde u. a. gesagt, das Recht der Be⸗ schwerde finde seine Grenze an den allgemeinen Interessen. Doch sah der Kreisausschuß in der unentgeltlichen Her⸗ stellung der Hausanschlüsse eine Schenkung, für dle die Genehmigung des Kreisrats eingeholt werden müsse. Verlassen wir f Deshalb wurde der Gemeinderat angewlesen, die Listen zur Einzeichnung nochmals aufzulegen. Gegen diesen ö Beschluß verfolgten die Hinkel und Konsorten Rekurs, über den am 7. Juni der Provinzialausschuß verhandelte. Ihr Vertreter, Justlzrat Hirschhorn, beantragte, die Un⸗ zulässigkeitserklärung aufzuheben und die Sache an den Kreisausschuß zurückzuverweisen mit der Aufgabe, in eine materielle Prüfung der Beschwerde einzutreten. Zur Begründung führte er aus, daß hier, wo die öffentlichen Interessen mit den privaten konkurrieren, eine Rekurs⸗ möglichkeit gegeben sein müsse. Das Eigeninteresse seiner Klienten werde hier verletzt, denn diese seien die bedeu⸗ tendsten Steuerzahler. Justizrat Gutfleisch als Vertreter der Gemeinde bestritt, daß in der Herstellung der Haus⸗ anschlüsse, die übrigens höchstens 4—5000 Mark kosten würden, eine Schenkung liege. Das sei vielmehr nur ein Ausgleich für das Risiko, das die ersten Abnehmer eingingen; sie müßten in der Regel teuerere Preise sür den Anschluß als die späteren zahlen. Diese Tendenz schließe die Schenkung aus. Nicht jeder Gemeinderats⸗ beschluß sei angriffsfähig, es müsse ein spezielles privates Interesse vorliegen. Das sei hier nicht der Fall, die Interessen der Kläger seien nicht verletzt. Die Leute bildeten eine Art Nebenreglerung, dünkten sich gescheiter als der Gemeinderat und glaubten jeden Be⸗ schluß beanstanden zu können. Das Urteil des Provinzial⸗ ausschusses lautete auf Verwerfung des Rekurses. U* Aus dem Rreise Wetzlar.“ h. Obstruktion der Stadtväter. Gegen⸗ wärtig befindet sich Herr Bürgermeist er v. Zengen auf Urlaub und in seiner Vertretung„regiert“ Beigeordneter Hlepe. Dieser berief auf Montag eine Stadverordneten⸗ Sitzung ein, obwohl gar nichts von Wichtigteit und besonderer Eile vorlag. Deshalb blieben dann auch eine große Anzahl Stadtverordnete fern, sodaß die Ver⸗ sammlung beschlußunfähig war. Sofort berief Herr Hiepe eine neue Sitzung auf Mittwoch. Herr Hiepe sollte energische Maßregeln ergreifen, um seiner Autorität als stellvertretender Bürgermeister Geltung zu verschaffen und die bockbeinigen Stadtväter gehörig zur Raison bringen! h. Das Bürgerrechtsgeld zahlen! Wir machen nochmals alle diejenigen, die die 3 Mk. Bürgerrechtsgeld noch nicht entrichtet haben, darauf aufmerksam, dies un⸗ gesäumt zu tun. Wer bis zum 30. ds. Mts. das Vürgerrechtsgeld nicht bezahlt hat, kommt nicht in die Wählerliste, mit deren Aufstellung am 1. Juli begonnen wird. Deshalb komme jeder, dem etwas daran gelegen ist, sich seine Rechte als Wähler zur Stadtvertretung zu wahren, dieser Verpflichtung nach. h. Die Aktionäre der Buderus⸗ Werke haben in der Generalversammlung am Samstag beschlossen, 60 fürstliche Solms'sche Erzgruben aufzukaufen und zu diesem Zwecke das Grundkapital auf 4¼ Million Mk. zu er⸗ höhen. Wir sehen hier wieder ein Bild der Entwickelung des Kapitalismus! Den armen Bergarbeitern kann dieser Besitzübergang ziem⸗ lich gleichgültig sein; die Arbeitsverhältnisse können kaum schlechter werden, als sie unter bisherigen fürstlichen Regie waren. Aus dem Rreise Marburg⸗Kirchhain. Ein Bild des Elends konnte man am Montag am Hirschberg sehen. Dort wurde eine Arbeiter⸗ familie wegen rückständiger Miete gerichtlich aus der Wohnung ausgesetzt. Mitten auf die Straße, gegenüber der Aula, wurden die paar Habseligleiten einer Arbeiter⸗ familie geworfen zur Entrüstung aller Passanten. Das ganze Mobiliar bestand aus einem Bett, zwei Stühlen, einem Tisch, einer alten Uhr und einem Kinderwagen nebst wenigem Geschirr. Ob die Behörde wirklich loyal gehandelt hatte, sei dahin gestellt. Wenigstens hätte sie dafür sorgen sollen, daß die Sachen nicht auf der Straße liegen blieben. *Die Schreinerinnung ließ in den Zei⸗ tungen eine lange Erklärung los, worin zunächst gesagt wird, daß die Forderungen der Arbeiter„agitatorische“ seien, gestellt, um die Arbeiter in steter Unruhe und Unzufriedenheit zu erhalten. Natürlich, so heißt's ja immer, wenn die Arbeiter etwas verlangen. Jedenfalls werden Lamentationen die Arbeiter nicht veranlassen können, von ihren durchaus berechtigten wahrlich auch bescheidenen Forderungen abzustehen. 8 X Ein schwerer Unglücksfall ereig⸗ nete sich am Montag am neuen Amtsgerichts⸗ gebäude. Dort wollte ein hiesiger Installateur einen Blitzableiter anbringen. Dabei stuͤrzte er vom Dache und wurde sehr schwer verletzt in die Klinik gebracht. Offenbar haben auch hier die nötigen Sicherheitsvorkehrungen gefehlt. * Wieder eine Fischbergiftung. In Frankfurt erkrankten am Sonntag 26 junge Kaufleute, die in einer Pension am Freitag Mittag Fisch gegessen hatten, unter Symplomen von Fischvergiftung. une. — 3 Seite 6. Mitteldeutsche Sonntags⸗Reuung. Nr. 24. Von Mah und Fern. Ein schweres Eisenbahnunglück ereignete sich am Sonntag Nacht in St. Goars⸗ hausen a. Rh. Dort stieß ein von Rüdes⸗ heim kommender Güterzug in voller Fahrt auf einen andern im Bahnhofe rangierenden Güterzug. Infolge des furchtbaren Zusammenpralles sind 26 Wagen entgleist und zum großen Teil zer⸗ trümmert worden. Was nicht durch den Anprall zerstört wurde, wurde durch Feuer vernichtet, welches vermutlich durch in Braud geratene Chemikalien entstanden ist. Ein Bremser ist tot, ein Zugführer, ein Lokomotivführer und ein Bremser verletzt. Der Lokomotivführer hatte das auf Halt stehende Einfahrtssignal nicht beachtet. In einem der Güterwagen be⸗ fanden sich geladene Granaten und es ist noch als ein Glück anzusehen, daß diese nicht explodierten. Der getötete Bremser heißt Dehe und wohnt in Oberlahnstein. Der Lokomotiv⸗ führer Vogt aus Bischofsheim, der das Unglück verschuldet hat, wurde verhaftet. Qualen eines ländlichen Dienstmädchens. Vor dem Gericht in Ul m hatte sich kürzlich eine ganze Bauernfamilie aus Nieder⸗ wälden, Oberamt Göppingen, wegen Mißhand⸗ lung ihres geisteskranken Dienstmädchens Rosina Schindler aus Wangen zu verantworten. An⸗ geklagt waren der Bauer Jakob Böhm! er sen., seine Frau, sein Sohn und zwei Töchter. Böhmler sen. und seine Frau waren der fahr⸗ lässigen Tötung augeklagt, letztere und ihre drei Kinder der ferbeindten Körperverletzung mit gefährlichen Werkzeugen. Die Gesellschaft hat das Mädchen fortwährend mißhandelt und es schließlich in einer feuchten Kammer liegen lassen, wo es völlig verkam. Am 10. März wurde die bedauernswerte Magd in das Göppinger Krankenhaus in einem unbeschreiblichen Zustand der Verwahrlosung eingeliefert, wo sie noch in der Nacht, nachdem sie bald das Bewußtsein verloren, verstarb. Das Urteil fiel sehr milde aus: von der Anklage der fahrlässigen Tötung wurden die beiden Häupter der feinen Familie freigesprochen und nur wegen fortgesetzter ge⸗ fährlicher Körperverletzung verurteilt und zwar der alte Böhmler zu 2 Monaten, der junge zu 3 Wochen, die Frau zu 2 Wochen und die Tochter zu 10 Tagen Gefängnis. Der verdroschene Dreschgraf. Zu äußerst tumultuarischen Szenen kam es in einer Pückler⸗Versammlung in Berlin. Der Graf hatte wiederum seine bekannte Ab⸗ schlachtungstheorie den Zuhörern vorgetragen. Verschiedene Redner traten den Anschauungen des Grafen scharf entgegen. Als der Graf zu einer Erwiderung das Wort ergreifen wollte, entstand ein derartiges Geschrei und Gejohle im Saal, daß der überwachende Polizeileutnant die Versammlung auflöste und der Graf mit seinen Anhängern schleunigst aus dem Saale flüchten mußte. Kaum hatte er jedoch mit dem Vorsitzenden ein im Hofe haltendes Automobil bestiegen, als die Menge unter dem Rufe„Haut ihn! Für unsere 20 Pfg. Entree fährt der Herr Graf Automobil!“ auf den Dreschgrafen ein⸗ drang und ihn mit Schirmen und Stöcken be⸗ arbeitete. Nur durch die Schnelligkeit des Auto⸗ mobils entging der Graf weiteren Dreschereien. Die fürstliche Silberdiebin kommt natürlich nicht ins Gefängnis. Es steht vielmehr jetzt fest. daß sie— die Fürstin Wrede nämlich— bis zum Abschluß der„Beobachtung ihres geistigen Zustandes“ auf freiem Fuße belassen werden soll. Ihre Ueberführung in das Sanatorium des Herrn Dr. Fraenkel in Lankwitz soll bereits erfolgt sein. Der Simplon⸗Tunnel ist nun vor Kurzem eingeweiht worden und wird in wenigen Tagen dem regelrechten Verkehr übergeben werden. Damit ist wieder eine Ver⸗ kehrsstraße zwischen Deutschland, Schweiz und Italien geschaffen. Dem Bau stellten sich un⸗ geheuere Schwierigkeiten entgegen, insbesondere i letzter Zeit, wo der Tunnel mit gewaltigen Quellwassermassen überflutet wurde. Es war aber gelungen, der Quellen in mühevoller Arbeit Herr zu werden. Der Bau des Simplontunnels stellt eine technische Riesenleistung ersten Ranges dar. Das zu durchbohrende Gebirgsmassiv hatte eine Länge bon 19729 Meter und von der Tunnelsohle an gerechnet eine Höhe von 2840 Meter. Der Tunnel verläuft nicht direkt hori⸗ zontal, sondern steigt bis zur Mitte sanft an. Auf der Südseite beträgt diese Steigung 7%, und im Norden 2%. Ueber 5000 Arbeiter sind an dem Bau beschäftigt gewesen. Zirka 250000 Kilogramm Pulver, 1350000 Kilo⸗ gramm Dynamit usw. wurden zur Sprengung der Felsen benötigt. Wissenswertes über unsere Arbeiterversicherung. (Aus der„Sächs. Arbeiterztg.“) B. Uufallversicherung. (Fortsetzung.) Veränderungen in den Verhältnissen. Wenn der Schaden geringer wird oder ganz verschwindet, kann die Rente herabgesetzt oder aufgehoben werden. Wenn der Zustand sich verschlimmert, kann der Verletzte eine Erhöhung der Rente vom Tage des Antrags fordern. Klageweg. Gegen die Verweigerung einer Rente, die Festsetzung des Jahresarbeitsverdienstes, die Höhe der Rente und des Sterbegeldes sowie der Hinterbliebenenrente ist binnen eines Monats vom Empfange des Bescheides Berufung an das zuständige Schiedsgericht für Arbeiterver⸗ stcherung einzulegen. Die Berufsschrift muß das Verlangen des Verletzten erkennen lassen und eine Begründung des Anspruchs enthalten. Das persönliche Erscheinen vor dem Schieds- gericht ist meist ratsam. Eine Vertretung durch einen Arbeitersekretär ist, wo dies möglich, sehr zweckdienlich. Vor Winkelkonsulenten wird dringend gewarnt, denn die meisten verstehen das Plündern der Verletzten weit besser als deren Vertretung! Gegen das Schiedsgerichtsurteil kann binnen eines Monats vom Zustellungstage ab Rekurs eingelegt werden. Die Rekursschrift muß gleich⸗ falls den Antrag und dessen Begründung ent⸗ halten. Vor dem Reichsversicherungsamt finden die Verletzten ihre Vertretung durch das Fantralierbeitersekretarsat, Berlin 80 ngelufer 15. Die Entscheidungen des Reichsversicherungs⸗ amts bezw. des Landesverstcherungsamts sind endgültig. Mit Zustimmung der Gemeindebehörde können Renten bis zu 15 Prozent abgefunden werden. Dieser Abfindung ist zu widerraten, da auch bei Verschlimmerung des Schadeus jeder Anspruch durch die Abfindung erlischt. Dasselbe gilt von verletzten Ausländern, welche in ihre Heimat zurückkehren. Mit ihrer Zustimmung können Unfallver⸗ letzte in ein Invalidenhaus untergebracht werden. Nach vierteljährliger Kündigung können ste das. selbe wieder verlassen. Beschwerde. Gegen die oft geübte Verschleppung der Rentenfestsetzung und dergleichen ist Beschwerde beim Reichsversicherungsamt bezw. beim Landes⸗ versicherungsamt zu fuhren. In allen wichtigen Anlegenheiten aber wende sich der Unfallverletzte rechtzeitig an das Arbeiter- sekretariat, nur dadurch kann er sich vor schwerem Schaden bewahren. (Fortsetzung folgt.) . Zwischen Leichte und Kommunion. Nach einer wahren Begebenheit von E. Rieger. 15 Die Schuljungen in dem mährischen Bauern⸗ dorfe Strozengrund haben mit den Buben in anderen Bauerndörfern eine Eigenschaft gemein⸗ sam: sie sind schlimm und zu allerhand Buben⸗ streichen aufgelegt. Nicht nur, daß sie den Lehrer in der Schule ärgern und häufig in eine Stimmung der Verzwetflung bersetzen; nicht nur, daß fie auf dem Heimwege aus der benachbarten Schulgemeinde übereinander her⸗ fallen und nach Herzenslust raufen,— sie schrecken auch davor nicht zurück, ihre Jugend in Strozengrund selbst auszutoben. Sie können das um seo leichter, als ste in ihrer Freiheit von jeglicher lästigen Aufsicht verschont werden. Die Bauern und Taglöhner von Strozengrund halten für ihren Nachwuchs keine Bonnen und keine Erzieher. Solche unerhörte Freiheit in der Bewegung machen sich die klugen Dorf⸗ rangen zu Nutze. Sie prügeln einander, daß die Fetzen fliegen, sie spielen gelegentlich wohl auch einen ganz famos orgamisterten„Krieg“ mit Hauptmännern und Gemeinen ober sie bilden„Räuberbanden“, die im Herst bei dem einen oder anderen Bauern einige wertlose Zwetschen oder Birnen„rauben“, Hamit ist ihre Gefährlichkeit erschöpft. Daf ma Reisende überfallen und ausgeplündert hätkenl darüber ist nichts bekannt. Das ging auch schwer, denn nach Strozengrund kommen keine Reisenden. Die Buben von Strozengrund sind eben im Grunde genommen ein lustiges, unschuldiges Völkchen: so wild, so ausgelassen und doch dabei so brav wie alle anderen Kinder der Welt. Warum sollten denn gerade ste„gesitteter“ sein als ihre Kollegen im ubrigen Europa? Man konnte es beim besten Willen nicht leugnen: der elfjährige Adolf Dörfler war einer der tollsten unter den Buben. Er hatte es ver⸗ standen, sich unter seinen Standesgenossen einen gewaltigen Respekt zu verschaffen. Selten, daß er bei einer Prügelet nicht die Palme des Sieges davontrug. Kam ihm von befreundeter Seite eine kecke Herausforderung zu, so zögerte er niemals, sie anzunehmen. Daß er sich von den anderen Jungen nicht willig durchprügeln ließ, verschaffte ihm bald den Ruf eines bösen Buben. Er wäre ja ein kreuzbraver Kerl gewesen, wenn later eben nur hatte geduldig durchwalken assen. Sein größter Fehler aber war: er war das Kind einer armen Taglöhnerin. Noch dazu ein uneheliches Kind. Was es bedeutet, einen Vater zu haben, das wußte er nicht. Mit um so größerer Zärtlichkeit hing er trotz seiner „Wildheit“ an seiner Mutter. Und auch der Mutter war er lieb und teuer. Sie hatte nichts auf Erden, an dem ste Freude empfand, als ihren Buben. Er war ihre ein⸗ zige Hoffnung, ihr einziges Glück. Sie war in der Wahl ihres F getäuscht worden, aber was konnte der kleine Junge dafür? Er war ohnehin genug hart gestraft, daß er als Kind einer Taglöhnerin zur Welt gekommen war. Not und Elend standen an seiner ein⸗ fachen Wiege. Not und Elend gingen mit ihm durch die Tage seiner frühesten Kindheit. Freilich: Not und Elend kamen dem kleinen Adolf im Dorfe nie recht zum Bewußtsein. Für ihn war ja das armselige Bauerndorf die Welt. Und im Dorfe hatten es die anderen Kinder nicht viel besser als er: ste liefen im Sommer bloßfüßig, in geflickten Hosen, im Winter in geflickten Schuhen einher; ste hatten während der ganzen Woche kein Fleisch zu essen, sondern Erdäpfel. Höchstens, daß die Jungen der Bauern in die Schule größere Brodschnitten, mit Butter oder Schweineschmalz belegt, mit⸗ brachten, während seine kleinere Schnitte bloß mit Quark beschmiert war. Das scherte ihn wenig. Er glaubte, so sei es überall und es müsse so sein. Den Unterschied zwischen Arm und Reich, der den Arbeiterkindern der Groß⸗ stadt in der Schule und auf den Straßen in die Erscheinung tritt und ihnen die ersten dumpf⸗ schmerzlichen Gefühle auslöst, kannte er nicht. Im llebrigen war er außer den Schul⸗ stunden den ganzen Tag sich selbst überlassen. Die Mutter plagte sich im Sommer auf den Feldern, im Winter in den Scheunen. So tollte er denn ohne Aufsicht, ohne rechte Er⸗ ziehung herum. Er war nicht besser als die anderen Kinder im Dorf, die in der großen Mehrzahl auch sich selbst überlassen blieben, aber auch nicht wilder. Kein wohlerzogenes Schooß⸗ kindchen— wer hätte ihn auch zu einem solchen 1 sollen?—, aber auch kein schlechtes ind. el —— 77 e — Dr Nr. 24. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 7. 1 5 Adolf Dörfler war einigen Bauern im Dorfe nicht recht angenehm. Sie konnten ihn nicht leiden. Warum? Ich weiß es nicht. Weil er so„schlimm“ war? Da hätten sie den anderen Jungen auch abhold sein müssen. Vielleicht gar, weil er das uneheliche Kind einer armen, verachteten Taglöhnerin war? Möglich. Sie stellten sich so, als wäre der elfjährige Knirps eine„Gefahr“ für die Gemeinde, oder als würde er sicher zu einer solchen sich entwickeln. Die Bauern von Strozengrund sind brave und fromme Leute und wollen nicht, daß aus einem kleinen Gemeindeangehörigen später ein großer Taugenichts werde. Sie zeigten sich daher um den Adolf Dörfler sehr besorgt. Im Geheimen mußte ste sich zwar gestehen, daß ihre eigenen Söhne, so ste noch die Schulbank drückten, auch keine Musterknaben waren. Doch mit dem Kinde der verlassenen, rechtlosen Taglöhnerin brauchten sie keine Geschichten zu machen. So mag der Eine oder der Andere von ihnen gedacht haben. Und so beschlossen sie denn, den kleinen Adolf aus dem Dorfe zu entfernen. Wie ste das anfangen sollten? Sie grübelten nach, sie berieten und überlegten. Und nachdem sie sich die Köpfe zerbrochen hatten, stand der Plan fest: das„ungeratene“ Kind der Tag⸗ löhnerin mußte nach Brünn, mußte in die Fremde, fern von der Heimat, einer Anstalt, einem Rettungshause überstellt werden. Die übrigen wilden Rangen durften im Dorfe ver⸗ bleiben, denn ihre Wildheit war ja eigentlich nichts Anstößiges. Sie waren ja noch so jung, und in ihrer Jugend waren auch die Bauern von Strozengrund nicht ruhig hinterm Ofen sitzen geblieben. EeSchluß folgt.) Allerlei. Wie lauge wird die Erde noch bewohnbar sein? Auf diese Frage soll nach Angabe einer Londoner wissenschaftlichen Wochenschrift der Professor der Geologie an der Universität Chicago Dr. Chamberlain eine Antwort gegeben haben. Zu den bekanntesten Phantastereien, wie sie von Menschen in die Welt gesetzt werden, die das Prophezeien selbst auf Jahrhunderte hinaus nicht lassen können, gehörte die Annahme, daß die Erde über kurz oder lang völlig erkaltet und dadurch für jede Form des Lebens unbe⸗ wohnbar sein werde. Wenn die Erde das nicht allein sollte zustande bringen können, so müßte die Erkaltung der Sonne zur Erklärung heran⸗ gezogen werden. Professor Chamberlain gibt nun die tröstliche Versicherung, daß die Erde noch für die nächsten 100 Millionen Jahre vorhalten wird und daß ste, soweit das Menschengeschlecht in Frage kommt, eigentlich erst am Anfang ihrer Entwicklung steht. Splitter. Feiger Gedanken, Bängliches Schwanken, Weibisches Zagen, Aengstliches Klagen Wendet kein Elend, Macht dich nicht frei. Allen Gewalten Zum Trotz sich erhalten, Nimmer sich beugen, Kräftig sich zeigen Rufet die Arme Des Himmels herbei. Humoristisches. Fall Wrede. Hotelwirt(zum Personal): Hier ist ein deutsches„Fürstenpaar“ abgestiegen. Ich kann euch nur sagen: paßt auf! Sind's Hochstapler, dann wollen sie bloß mit der Zeche durchbrennen. Sind sie echt, dann nehmen sie auch noch das Silberzeug mit! Die Fahrkartenst⸗uer. (Herrn Dr. Becker⸗Sprendlingen ins Stammbuch.) Sie trat ans Licht, fie ward geboren, Man zieht das Fell uns über die Ohren. Wohl uns, daß man das Schlimmste erspart, Den Deutschen auf der Eisenbahnfahrt! Wohl uns, daß jetzt der Reichstagsmann, Der diese neue Steuer ersann, Wohl uns, daß er, sobald er reist, Freifahrt auf sämtlichen Bahnen geneußt! Wohl uns, daß er, den wir eg beten, Das Heil der Wähler zu vertreten, Dem Publikum alles aufgebuckelt Und wenigstens selber gratis schuckelt! Die Firma D. Kaminka, Marktplatz 11, am Kriegerdenkmal, hält sich als anerkannt reelless und leistungsfähiges Geschäft am Platze, zum Bezuge von Uhren Gold- und Silberwaren auf das Angelegent⸗ lichste empfohlen. Reparaturen und Graviesungen prompt und preiswert. Geschichtskalender. 17. Juni. 1904 Attentat auf den finnischen Gouverneur Bobrikow. 1810 Ferdinand Freiligrath,*. 1789 Dritter Stand erklärt sich als Nationalversammlung. 10. 1849 Deutsches„Rumpfparlament“ gesprengt. 19. 1899 Erste Lesung der Zuchthaus vorlage. 1867 Kaiser Maximilian von Mexiko(Erzherzog von Oesterreich) erschossen. 20. 1898 Jakob Audorf, Dichter der Arbeiter⸗ marseillaise,. 21. 1899 Streikunruhen polnischer Arbeiter in Herne. 22. 1899 Franz. Ministerium Waldeck⸗Rousseau⸗ Millerand⸗Gallifet übernimmt die Geschäfte. 23. 1905 Arbeitermetzelei in Lodz. schlacht in Paris. 1848 Juni⸗ —.———. öööh C. F. Schwarz Söhne Inhaber: Carl Schwarz beehren sich ihren früheren Kunden- und Freundeskreisen mitzuteilen, dass sie ihr Mass- u. Herren-Ronfektionsgeschäft e Ecke Marktstrasse und Wettergasse von Sonntag, den 20. Mai ab wieder übernehmen mussten. Um mit dem Lager rasch zu räumen, werden die vorrätigen Stoffe, nur gute Qualitäten für Masssachen, wie auch die fertigen Herren-, Knabhen- und Kinderanzüge, Hosen und Paletots, Haveloeks, Capes, Arbelt Kleider ete. zu sehr billigen Preisen verkauft. Anfertigung nach Mass, unter Garantie für tadellosen Sitz. 1 113 Talare und Amtskleidungen Spezialität: für Geistliche und Beamte. Smliliche Neuͤeilen eingetroffen. Wetzlar. Elegante Herren- Damen- und 22 9 6 Randgenähte und durchgenähte Schuh- N 2 Wetzlar. Kinder-Boxkalfstiefel Garantiert Wet waren. Größte Auswahl in Kinderschuhwaren. Die Preise sind billigst gestellt. Fr. Arends- 1 Lahnstrasse 15 Reparaturen sofort aa WÆh KA 111 Empfehle mein reichhaltiges Schuhwaren⸗Lager Große Auswahl in „Fahrräder, N. Jofnmefartilen— H. Posern, Marburg (Aulgasse) Markt 4 zee ee * 12 8 8 Fahrräder, v Geschüflo⸗ Eröffnung. 2 Wee 2 ir bringen hierdurch zur Kenntnis, da 2 6* Sailer, arbur 3 wir 11 1 8 1 e 8 115 e 8 Markt 4 Fan eee 8 ehanhmnclergeselle 5 errichtet haben. 1 85 die Lehre 1 12 1(org um 2 Hpge Lo, Nähmaschinen Ac bes 2, r 3 Marburg, Neustadt 4. 3 Wa sserkrüge Spaten 9 ο,˖,se· esse, Packkörbe 2 kaufen Stehleitern Inseraten-Annahme: Rittergasse 17. Benner& Mrttints Drahtgeflecht Wasch⸗ u. Wringmaschinen Stachelzaundraht, Mangen, Vogelläfige Rasenmäher Waagen und Gewichte Edgar Borrmann: Giessen Telephon 228 Eisenhandlung, Stahlwaren, Wersizeuge Haus- und Küchengeräte-Handlung. Neustadt 11 Landwirtschaftl. Geräte Herde und Oefen Petroleum- u. Gaskocher Fleischhack⸗ u. Reibemasch Dr.Kleinsleischsaftpresse Messerputzmaschinen Pferdeschoner Munition ete. 9——— Seite 8. Mitteldeulsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 24. N Unfallverletzte! In den Verhandlungen des Landtags wurden von dem Unterzeichneten Klagen Unfallverletzter über ihnen zugefügte Nachteile durch an Berufs⸗ genossenschaften erstattete Gutachten Großherzogl. Hessischer Kreisärzte zur Sprache gebracht. Es gilt nun, im Einzelnen festzustellen, wie das geschehen ist, um gegen die Verwendung Großh. Hessischer Kreisärzte bezw. Kreisasststenz⸗ ärzte als„Vertrauensärzte“ der Unfallberufs⸗ enossenschaften Stellung zu nehmen. Ich er⸗ suche deshalb alle Unfallrentner und ⸗Rentnerinnen, welche in den letzten Jahren durch Gutachten erwähnter Aerzte benachteiligt wurden, mir Mitteilung davon zu machen und mir, wo irgend möglich, Gutachten der erwähnten Art und Urteile, die sich auf diese Gutachten stützen, zuzusenden. Ebenso wäre es von Interesse zu erfahren, in welchen Fällen derartige Gutachten bei An⸗ trägen für die Invaliden⸗Versicherung maß⸗ gebend waren. Offenbach. C. Ulrich, Große Marktstraße 23. Versammlungskalender. Samstag, den 16. Juni. Friedberg. Wahl verein. Abends /9 Uhr Versammlung in der„Konkordia“. T. Ordnung: 1. Abrechnung über die Bezirksmaifeier; 2. Poli⸗ tische Rundschau. Gießen. Freie Turnerschaft. Abends 8 ½ Uhr Versammlung im„Pfau“. Garbenteich. Arbeiter⸗Bildungs⸗Verein Abends 9 Uhr Versammlung bei Konr. Klingelhöfer „zur Linde“.— Sonntag Abmarsch zum Kreis⸗ fest 1 Uhr. Alten⸗Buseck. Volksverein. Versammlung bei Wirt Becker. Arbeiter⸗Sängerbund (Rhein⸗Maingau.) Bezirk Gießen. Sonntag, 24. Juni, morgens 81 Uhr Abfahrt nach Han au. Die Vorstände werden ersucht, die Gelder für die Fahrkarten à 2,40 Mk. bis 23. Juni beim Bezirks⸗ obmann abzuliefern. Abends 9 Uhr Der Bezirksobmann. Arbeiterbewegung. Neue Kämpfe stehen in der Metallindustrie in Aussicht, wie aus Dresden berichtet wird, weil einzelne der dortigen Unternehmer Lohn⸗ abzüge und bei Einstellung der Ausgesperrten An alle Arbeiter und Arbeiterinnen! Ein großer Teil der Gießener Zigarrenfabrikanten hat sich vereinigt um zu verhindern, daß eure Genossen und Genossinnen in der Tabakbranche ihre traurige Lage verbessern können. Man hat schwarze Oisten hiraus⸗ gegeben, damit! ausständige oder organisterte Arbeiter keine Arbeit mehr erhalten. Man will die Arbeiter zu Sklaven degradieren! Deshalb Genossen, unter stützt tatkräftig die gemaßregelten und ausgesperrten Tabak⸗ arbeiter! Geld beiträge werden bei der Redaktion der Mitteld. Sonntags⸗Ztg. und im Wiener Hof angenommen —ũ——— An unsere Leser! Wiederholt sind bei uns Beschwerden wegen unpünktlicher Bestellun eingelaufen. Es wurde darüber geklagt, d die Zeitung verspätet oder gar nicht in die Hände der Abonnenten gelange. Wir bitten, die Re⸗ klamationen zunächst bei dem Austräger oder bei der Expedition anzubringen; unter Um⸗ ständen Ersatzuummern zu verlangen. Vielfach wird auch die Zeitung richtig bestellt, auf Treppen oder Vorplätzen niedergelegt, aber daun von Unbefugten weggenommen. Dem kaun man leicht damit begegnen, daß man am Hauseingang Briefkästen mit deutlicher Namens aufschrist anbringt. Schließlich richten wir die Bitte an unsere Abonnenten, den Abounementsbetrag regelmäßig zu Beginn des Monats oder Ouartals zu entrichten, —— Briefkasten. ** fünftes Stiftungsfest verbunden mit Fahnenweihe ö bestehend in Konzert und Gesangsvorträgen etc. N Sonntag, morgens 7 Uhr: — Preiskegeln 0 Es ladet freundlichst ein 9 Eintritt 20 Pfg. Das Festkomitee.. . d f Schwierigkeiten machen. Neun“ Wieseck. 1 Samstag, den 16. und Sonntag, den 17. Juni 1906: im Garten des Gastwirt Hch. Völzel III.: Flechten azss, und trockene Schuppenflechte, skroph. Ekzema, Hautausschläge, Offene Füsse Beinschäden, Beingeschwüre, Ader- beine, böse Finger, alte Wunden sind oft hartnäcki wer bisber vergeblich norte geheilt zu werden, mache noch einen Versuch mit der bestens bewährten RIMUO- SALBE frei von Gift u. Säure, Dose Mk. 1. Dankschreiben gehen täglich eln. Wache, Naphtslan je 16, Walret 88, ZBenzoefett, venet Terp., Kampferplaster, Ferubalsam je 6, Eigelb 30, Chrysarebin 6%. Zu haben in den Apotheken. Man achte genau auf die Original- Packung weiss- grün- rot und die Firma Rich. Schübert& Co. Wein- böbla, u. weise Fälschungen zürück Marburg. Gesangverein Eintracht Gießen. Die passiven Mitglieder, welche zum Sängerfest nach Hanau(24. 6. 06.) fahren, wollen solches bis zum 18. 6. abends bei Fourier, Ludwigstraße 12, mitteilen. Der Vorstand. Warum keinen Brief? 1* 7 n Clas-, Porzellan- und Steingutwaren empfehlen in reicher Auswahl zu billigsten Preisen. Lang& Wiederstein Marktstraße 4 Telephon 394 5 2 7285 Giessen. H. Möller, Marburg. Dieser Artikel ist so gearbeitet, f Meine Konfektion Ersatz für Massarbeit hat mir in kurzer Zeit viele Freunde geschaffen. Verlag der Mitteld. Sonntags⸗Zeitung daß absolut sowohl an Stoff, Jutter und Arbeit der eigenste Kundenichts zu beanstanden findet. H. Möller, Oberh. Rleider-Bazar. Empfehle viele hunderte Anzüge, in den Größen bis 17 Jahren von 7 Mk. und zwar alles Frisch von der Nadel! Kein alter Pavel! Mein Lager in leichten Sommer⸗Leinen, Lüster⸗ Joppen und Anzügen ist wieder vollständig komplett. Sie finden sowohl die kleinsten Sachen als für den stärksten Herrn bis 120 em Brustweite am Lager. Dasselbe gilt von einzelnen Röcken, Hosen, bnuten und weißen Westen. Strohhüte Stoff hüte f. Herren 90 Pf. Herren⸗Sonnenschirme Sommer⸗Mützen Macco⸗Hemden, Hosen, Jacken, Cravatten u. Shlipse in großer Auswahl. seren ee ese (E. Krumm) Gießen. Auf Kredit! Möbeln, J. Gegen bar! Y Ploekstr. 14-10 S Sparen viel Geld wenn Sie Ihren Bedarf auf Betten, Polster⸗Waren, eigener Fabrikation Manufaktur⸗, Weiß waren a Herren⸗, Damen-, Kinder⸗ Konfektion Kinderwagen Sportwagen Ittmann Giessen Plockstr. 14-16 decken. -Kleinste Anzahlung! Bequemste Abzahlung! Vergütung des Fahrgeldes bis 20 Kilometer Entfernung. Auf Kredit! * Verantwortl. Redakteur F. A. Vetters Gießen. Druck von Heppeler& Meyer Gießen.