* aum. la0 bei, hin⸗ — „ —————— — l— ewell⸗ änder eimer. Tafel⸗ hinen. Besen zeuge. vaten, gung 1 ung 1 Pr Nr. 2. Gießen, den 14. Januar 1906. — p ꝗ——9ũ m. ̃½⅛⁵Tt B 13. Jahrgang. Nedaktion: Mirchenplatz 11, Schloßgasse. Jour Mitteldeutsche tags⸗Ititung Nebatttons eiu: Donnerstag Nachmittag 4 Uh. Abounementspreis: Bestellungen Juserate Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreicung. Die 5 gespalt. Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Erpedition in Gießen, Rittergasse 17, die Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindesten z Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch Druckerei, Zudwigstr. 30, jede Postanstalt und 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellun die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. eder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 5107) 38/0 und bei mindestens 22 mal. Aufgabe 50% Rabat“ Her mit dem Wahlrecht! Diesen Sonntag werden in ganz Preußen Flugblätter verteilt, die das Volk über seine politische Rechtlosigkeit aufklären und zum Sturmlauf gegen das schändliche Dreiklassen⸗ wahl System auffordern und begeistern sollen. Und in der Tat, es ist die allerhöchste Zeit, daß das preußische Volk sich endlich gegen die empörende Bevormundung und Unter⸗ drückung wehrt, die es sich schon viel zu lange gefallen ließ. Man hat es mit heuchlerisch⸗ keuflischer Raffintertheit verstanden, das Volk um sein gutes Recht zu betrügen. Es ist gänz⸗ lich einflußlos auf seine eigenen Angelegenheiten, ist von der Mitberatung und Mitbestimmung im Staatswesen vollkommen ausgeschlossen. Und dieser jämmerliche, eines Kulturvolkes un⸗ würdige] Zustand der Rechtlosigkeit dauert schon über ein halbes Jahrhundert an! Die preußische Verfassung mitsamt dem Wahl⸗ und Versammlungsrecht sind rechts- widrig. Sie tragen nicht den Rechtscharakter von Gesetzen, sind nicht konstitutionell verein⸗ bart, sondern einseitig„verordnet“ worden, sind rechtswidrige Willkürakte der Krone. Mit dem 8. April 1848, an welchem Tage das erste preußische Wahlgesetz für die zur Ver⸗ einbarung einer Verfassung zu berufende Nationalversammlung in Kraft trat, begann für Preußen der Anfang eines konstitutionellen Rechtszustandes. Seitdem war alles gesetz⸗ widrig, was nicht auf Grund des Wahlgesetzes und der Beschlüsse der Nationalversammlung vereinbart wurde, also ganz besonders das Wahl, gesetz“, das in seiner heutigen Mißgestalt aus dem Staatsstreiche Friedrich Wilhelm IV. hervorging. Auf Grund dieses Gesetzes wird das preußische Dreiklassenhaus gewählt, dieses Spottgebilde einer Volksvertretung, wo die Herren in ungezügelter Klassenselbstsucht ihre Macht gegen das arbeitende Volk ausnutzen. Wie kommt der preußische Landtag zustande? In heuchlerischer Bosheit ist zwar fast allen Preußen das Wählen erlaubt, aber die ruch⸗ lose Einteilung in drei Menschenklassen, in drei Wählerklassen zwingt 85 Prozent aller Staatsbürger sich unter das Joch von 15 Pro⸗ zent Reichen, Besitzenden, zu beugen. Das preußische Wahlsystem läßt den reichen Protz ein zehnfaches bis hundertfaches Votum ausüben gegenüber dem Arbeiter. Nicht Intelligenz, nicht Tüchtig⸗ keit, nicht wirkliches Verdienst um das Gemein wesen verleihen dieses hundertfache Recht, sondern allein die Größe des kapitalisten Geld⸗ sacks. Jeder wucherische Gauner, jeder Bor- dellwirt, jeder skrupellose Kapitalist, der das Zuchthaus schon wit dem Aermel gestreift, sitzt nach der Höhe der zusammengeschwindelten Reichtümer in der ersten oder zweiten Wähler⸗ klasse, indessen ehrliche Arbeiter und Handwerker, Beamte und Landleute als Menschen dritter Klasse mit geringeren Rechten ab⸗ gefüttert werden. Dieser brutalen Dreiteilung nach der Größe des Geldsacks fügten die Volksknechter die öffentliche Stimmabgabe bei und ermöglichten dadurch eine weitere Unterdrückung der Volksmeinung, eine weitere Kürzung der Volksrechte. Jeder Antreiber des Kapttals, jeder Liebediener des christlichen Staats ist im⸗ stande, die Gesinnung seiner Untergebenen zu beschnüffeln und die freie Betätigung seiner Meinung zu verhindern. Tausende von„Herren“ und Unternehmerknechte nutzen diese Möglich⸗ keit bei jeder Wahl in brutaler Weise aus und begünstigen eine Geistesknechtschaft, die dem Volke zur Schande gereicht. So kommt aufgrund dreifacher Verfälschung der Volksmeinung durch ein ungleiches, öffentliches und indirektes Wahl⸗ system, die Körperschaft zu stande, die sich preußische Volksvertretung schimpft. Und neben diesen„erwählten“ Vertretern sitzt dann die edle Gesellschaft der nicht durch Wahlen bestimmten, sondern durch„königliche Huld und Gnade“ aus Fürstlichkeiten und Adel und wenigen Vertretern der Wissenschaft und der städtischen Verwaltungsbureaukratie berufenen Herrenhäusler. Beide zusammen sind berufen, unsere Interessen, die Juteressen der preuzischen Staats⸗ bürger wahrzunehmen. Kein Wunder, wenn die schwärzeste Reaktion, der brutalste Egois⸗ mus, die krasseste Volksfeindlichkeit hier; ihre höchsten Triumphe fe ert. Jedes etle Gewürm, das das helle Licht des. Reichstags scheut, zieht sich mit seinen schwarzen Plänen in die Schatten des Dreiklasseuparlaments zurück, um hier die Maulwurfsarbeit der Arbeiterknebelung zu pro⸗ bieren. Wir sahen es bei dem Bergarbeiter⸗ schusgesetz! Wie lauge noch, ihr Arbeiter und kleinen Leute in Preußen, wollt ihr Euch das bieten lassen? Wie lange soll dieser Zustand der Rechtslosigkeit und Unterdrückung dauern? Sind wir Leibeigene, willenlose Sklaven, Menschen dritter Klasse, daß man uns das Recht vor⸗ enthält, unsere Angelegenheiten selbst zu regeln, selbst für unser Wohl zu sorgen? Wer gibt den Herren, die an reichgedeckten Tischen schwelgen, weil sie sich die Früchte der Arbeit des Volkes angeeignet haben, das Recht über uns zu herrschen? Weg mit ihren angemaßten Vorrechten! Nieder mit dem elendesten Wahl⸗ system! Der Wille des Volkes muß das oberste Gesetz sein! Dann erst kann Freiheit und Wohlergehen herrschen! Wir wollen selbst für unser Interesse und für unser Glück sorgen und uns nicht länger beherrschen und bevormunden lassen von einer Klique, die ihre Vorrechte und Privilegten gegen das ar⸗ beitende Volk mißbraucht. Die Arbeiterklasse darf sich nicht länger in Rechtlosigkeit halten lassen. Sie ist es die alle Werte schafft; sie trotzt der Erde bie Früchte ab, baut Maschinen, Paläste, Städte und mächtige Schiffe, die den Ozean durchkreuzen. Die Arbeiterschaft wurde der erste wirt⸗ schaftliche Faktor der Nation, ihr verdankt die besitzende Klasse ihre Reichtümer. Sie will den politischen Einfluß ausüben, der ihr gebührt kraft ihrer wirtschaftlichen Bedeutung. Darum lämpft sie egen das Dreiklassenunrecht, das wenige Reiche über hunderttausend Arme setzt. Diesen Kampf werden die Arbeiter fortsetzen, bis der Sieg errungen, bis das Unrecht be⸗ seitigt ist. Und auch alle die nicht zur Arbeiterklasse gehören, die aber das Wohl aller, die freiheitliche Entwickelung unseres Vater⸗ landes wollen, mit einem Worte: alle ehrlichen, gerecht denkenden Leute müssen sich mit in die Reihen der Kämpfer stellen. An die Arbetter besonders aber ergeht der Ruf: Nieder mit dem schändlichen Dreiklassenwahlrecht! Schart euch zusammen in der sozialdemokra⸗ tischen Partei, tretet in ihre Reihen und kämpft unermüdlich für das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht, für Freiheit und Gerechtigkeit! Revolution in Rußland. Heber die plitissch ige n Rußland schreibt der sozialdemokratische Nasch⸗Golos: In Petersburg herrscht volle Willkür, schlimmer als zur Zeit der Reaktion. Die Gefängnisse siud überfüllt mit politischen Verbrechern— d. h. Kämpfern gegen die tyrannische Selbstherrschaft. Holigane plündern und morden unter dem Schutze von Polizei und Kosaken friedliche Bewohner. Witte, Durnowo und Genossen herrschen unumschränkt im„kon⸗ stitutionellen“ Rußland, wie ihr Vorbild Plehwe es im„despotischen“ getrieben hat. Zur selben Zeit feiert die siegreiche Nevo⸗ lution bald hier, bald dort ihre Triumphe. Bald hier, bald dort stegt die Revolution, und gibt sich Mühe, das aus der despotischen Will⸗ kür befreite Gebiet in eine selbständische Repu⸗ blik mit eigener Verwaltung, Armee und eignen Gesetzen umzugestalten. Auf diese Art zersplittert sich das Reich, infolge des unvollkommenen Sieges der Revo⸗ lution und der Hartnäckigkeit der despotischen Willkürherrschaft, in einzelue Teile, welche auf eigene Faust regieren. Ein Fortbestehen dieser despotischen Willkür, unter dem Deckmantel der Oktober Konstitution, kann leicht zum vollstän⸗ digen Zerfall des Reichs führen. Diese Ausführungen erhalten ihre Bestätigung durch Meldungen aus Odessa, wonach die Revolutionäre in Noworossysk(an der kau⸗ kassischen Küste des schwarzen Meeres) eine Republik begründeten. Nach hefti jen Kämpfen, in welchen die Aufständigen die Sieger blieben, übernahmen sie sämtliche Zweige der städtischen Verwaltung. Der frühere Gouverneur wurde ius Gefänguis gesteckt. 1200 Kosaken haben ihr Einverständnis mit dem neuen republikauischen Regime erklärt und sind jetzt als republikanische Garde tätig. Die republikanischen Führer von Noworossysk er— klären, daß sie sich jedem Versuche, ihre Un⸗ abhängigkeit zu unterdrücken, widersetzen werden. Der Provinzialgouverneur erklärt, daß die Heranziehung von mindestens 40000 Truppen erforderlich wäre, um die Stadt wieder zu er⸗ obern. Die Regierung will Noworossyzk bom⸗ bardieren. Einen Aufruf des Delegierten⸗ rates der Petersbarger Arbeiter veröffent⸗ lichte der„Vorwärts“. Das Telegramm wurde bereits am 24. Dez. aufgegeben, ging aber dem Vorwärts erst vorige Woche über Stockholm zu. Der Aufruf lautet: Das russtsche Proletartat, das sich zur Ver⸗ teidigung der kaum eroberten und bereits be⸗ . Seite 2. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 2. drohten und zum Teil vernichteten politischen Freiheit erhoben hat, wendet sich an die Ar⸗ beiter und alle freien Bürger Europas und der neuen Welten. Das System des Selbstherrscher⸗ tums haben wir wohl gestürzt, allein die Re⸗ gierungsgewalt ist noch in den Händen der alten Machthaber, die, um der politischen und finanziellen Abrechnung zu entgehen, die ste dem Volke schulden, eine soziale Anarchie erzeugen. Wir kämpfen für eine konstituierende Versamm⸗ lung auf Grundlage des lallgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts, die allein imstande ist, das Reich in die Bahnen einer geregelten politischen Entwicklung zu leiten. Wir geben dies durch die Vermittlung der uns befreundeten deutschen Sozialdemokratie der zivilisterten Welt bekannt und erwarten Unterstützung in unserem Kampfe, der nicht nur ein Kampf um die Freiheit des russtschen Volkes, sondern ein Kampf um die kulturelle Entwicklung der ganzen Welt ist. Ueber den Aufstand in Moskau brachte unser Leipziger Parteiorgan einen Be⸗ richt von einem Augenzeugen, dem wir folgendes entnehmen: In Moskau ist das Unmögliche geschehen, und was die Klügsten fast nie im Traum er⸗ wartet hatten, haben begeisterte Revolutionäre vollbracht. Niemand hätte glauben können, daß ein zufällig zusammengebrachter und verhältnis⸗ mäßig schlecht bewaffneter Haufen von Arbeiter, Studenten, Studentinnen und andere Intel⸗ ligenten während einerganzen Woche einen großen Teil Stadt Moskau in ihren Händen halten konnten. Der Beweis, daß das am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts doch passteren kann, ist das wichtigste Resultat dieser Aufstandstage. Diesen Beweis zu liefern, war gewiß nicht der Zweck der Revolutionäre. Ste hatten ein ganz konkretes Ziel vor Augen, näm⸗ lich die Eroberung Moskaus und die Einrich⸗ tung einer demokratischen Republik. Aus einem Generalstreik ist dieser kühne Versuch entstanden. Passtver Widerstand ist plötzlich zu aktivem Widerstand geworden, eigentlich weil der Streik diesmal mehrfach er⸗ folgreich war. Petersburg, das den Aufruf verbreitet hat, konnte den Streik bei sich selbst zu Hause nicht gründlich durchführen; dagegen hatte die Regierung zu rechter Zeit Maßnahmen getroffen, in dem ste die Führer verhaftete. Moskau hat viel mehr Energie bewiesen, aber ohne den Beistand des übrigen Rußlands hätte es nicht viel ausrichten können. Wahrscheinlich um die Bewegung nicht ohne Spitze zu lasseu, teilweise auch in der Hoffnung, die er⸗ regte Stimmung der Truppen so bald wie möglich auszunutzen, haben die Moskauer Re⸗ volutionäre beschlossen, ihren langgehegten Plan eines bewaffneten Aufstandes gleich zu ver⸗ wirklichen. Der Plan der Revolutionäre war, das Haus des Generalgouverneurs und das Rathaus zu erobern, mit dem Zweck, in diesen Gebäuden eine provisorische Regierung aufzustellen. Doch ist es ihnen nicht gelungen, da der Generalgou⸗ verneur genug Truppen zu seiner Verfügung hatte, um das Zentrum der Stadt zu vertei⸗ digen. Die ganze Garnison bestand aus 5000 Mann, von diesen waren eine nicht geringe Anzahl der Infanterie revolutionär gesinnt und mußte in den Kasernen behalten werden. Es blieb fast nur Kavallerie und Artillerie übrig. Die Barrikaden! Das Work klingt romantisch und schmeckt nach Kinderspiel und naiver Nach⸗ ahmung eines vergangenen Alters. Aber in Moskau haben ste einen ganz bedeutenden Dienst geleistet, ste haben die Truppen auf lan ge Zeit aus bestimmten Stadtteilen ausgeschlossen. Mit Infanterie wäre es leicht gewesen ste zu nehmen. Die Kavallerie war gegen ste gradezu hilflos, und dazu sind viele Moskauer Straßen wunder⸗ bar krumm, so daß die Artillerte nicht viel ausrichten konnte. Was für Errichtungen die Barrikaden waren, ist nicht ganz leicht zu be⸗ schreiben. Ich ging eines Abends eine lange Straße im Nordwesten entlang; während des Tages hatte die Feuerwehr einen Teil der ersten Barrikade verbrannt, aber eine Menge junge Leute, unter ihnen zwei Soldaten— Reser⸗ visten, arbeiteten fröhlich an der Neuerrichtung. Weiter nach Westen war die ganze Straße ver⸗ barrikadiert, oft in sehr gründlicher Weise. Als Material hatte man an erster Stelle Tele⸗ graphenstangen und Draht benutzt, dann Haus⸗ tore, Türen, Gitter, Schilde, Brennholz, Kinder⸗ wagen und was noch auf irgend einem Hofe zu finden war. An einigen Stellen, anstatt eine Barrikade zu errichten, hatte man sich mit einer Drahtsperre begnügt. Während die Jünglinge Barrikaden bauten, beschäftigten sich die Buben damit die Straßenlaternen zu zerschlagen, um auch die Dunkelheit als Verteidigungsmittel brauchen zu können. Dunkel war es in der Straße und die Barrikaden sahen kriegerisch aus. Alle Vorbeigehenden waren heiter und froh, und selbst wenn auf einem Hofe in der Nähe plötzlich Schüsse knallten, behielt man 900 elt Hunderte von Straßen waren auf tese Weise verbarrikadiert, nicht hauptsächlich von den Mitgliedern der revolutionären Kriegs⸗ truppe, sondern von der Bevölkerung selbst. Und das Revolutionsheer, diese berühmte Drushina, was war es, wie sah seine Organi⸗ sation aus? Die Drushina bestand aus drei verschiedenen Abteilungen, je eine von Sozial⸗ demokraten, Sozialrevolutionären und dem Rat der Arbetterdelegierten. Die Anzahl der Mit⸗ glieder ist unbekannt. Die Sache schwoll täg⸗ lich und aus vielen verschiedenen Gesellschafts⸗ klassen traten Helfer bei. Die große Masse der Revolutionäre bestand natürlich aus Arbeitern, es waren auch Studenten, Ingenieure und Aerzte: mindestens zwei Offiziere waren dabei und eine ausehnliche Anzahl von Studentinnen haben mitgekämpft. An Waffen hatten ste viele Revolver und Gewehre; an Patronen war auch kein Mangel. Vielfach sind Offtziere und Sol⸗ daten entwaffnet worden, ein großer Gewehr⸗ laden ihm Zentrum der Stadt ist geplündert worden, und in den letzten Tagen ist es kühnen Insurgenten gelungen, von einem Wagen mit Ge⸗ wehren aus dem fernen Osten Besitz zu er⸗ greifen. Auch ist ein Feldgeschütz erobert worden. Die Revolutionäre verteidigten die Barri⸗ kaden so lange als möglich, und wenn es nicht mehr möglich war, schossen sie aus Hoftoren und aus Fenstern. Der Zweck dieser Taktik der letzten Tage war, die Truppen zu demo⸗ ralisteren und einfach untauglich zu machen. Was ihnen aber am meisten geholfen hat, ist die ungeheuere Taktlostgeeit der Vertreter der Regierung. Gewiß war Admiral Dubasows(Koman⸗ dant von Moskau) Aufgabe außerordentlich schwer. Er wußte nicht, ob er sich auf seine Truppen verlassen konnte: die Infanterie taugte überhaupt nur für Schildwachedienst. So hat er mit Hilfe der Artillerie versucht, Barrikaden zu stürzen; dabet sind aber viele Unschuldige verunglückt. Die leiseste Ahnung, daß ein Schuß gefeuert worden, war genug, um Offiziere zu veranlassen, das betreffende Haus zu bom⸗ bardieren. Was diese Bombardements für Zweck und Ziel haben könnten, weiß kein Mos⸗ kauer, und die Verluste an Leben und Besttz haben eine mächtige Entrüstung gegen die Re⸗ gierung hervorgerufen. Es ist unmöglich, zu erfahren, wie viele als Resultat dieses absolut sinnlosen Vorgehens um ihr Leben gekommen sind. Ueberhaupt haben die Maßnahmen der Regierung bei diesem Anlaß nur die Wirkung ge⸗ habt, die Massen mehr und mehr revolutionär zu stimmen. Der Mittel⸗ stand ist böse auf die Aufrührer und fordert die streugsten Unterdrückungsmaßnahmen. Aber das Volk ist gegen die Regierung äußerst ver⸗ bittert und hegt in sich die Kräfte für einen neuen Aufstand. In den letzten Tagen habe ich vielfach aus dem Munde der in der Stadt lebenden Bauern Ausdrücke einer re⸗ voluttonären Stimmung gehört. „Wir haben lange genug Geduld gehabt, jetzt ist es Zeit, unsre Rechte zu erobern; die Be⸗ amten haben uns bestohlen und unterdrückt, ste verdienen alle gehängt zu werden. Wir sind auch Menschen, keine Tiere, und wir wollen unsre Rechte haben. Dreimal ist es nickt ge⸗ lungen, aber später fängt es wieder an, und dann werden wir mit all diesen Schuften, mit diesem Trepow und Durnowo und Dubasow ein Ende machen.“ Das ist die Stimmung des Volkes in Mos⸗ kau; es ist die Stimmung nicht nur in Mos⸗ kau, sondern auch auf dem Lande; die Gärung verbreitet sich täglich, und in diesen Tagen, wo das Volk lernt, nicht nur sich zu beklagen, sondern auch zu handeln, beginnt eine große soziale Revolution. politische Rundschau. Gießen, den 11. Januar 1906. Der Reichstag trat am Dienstag wieder zusammen und nahm die Steu er vorlagen bor, die Reichs⸗ schatzsekretär Stengel angelegentlichst zur Annahme empfohlen. Der Zentrumsmann erging sich in allgemeinen Ausführungen, die nicht erkennen ließen, ob seine Partei die vor⸗ geschlagenen Steuern auf den Massenkonsum ablehnen wird. Nur für die Erbschaftssteuer fand er entschiedene Worte. Unser Genosse Singer übte dagegen an den Steuerprojekten scharfe Kritik und auch an den Ausführungen des Zentrums-Wortführers. Er lehnte die die minderbemittelten Klassen belastenden indirekten Steuern grundsätzlich ab, forderte dagegen, die Besitzenden durch vernünftige Ausgestaltung der Erbschaftssteuer schärfer heranzuziehen. Mit der Opferwilligkeit der besitzenden Klassen in Deutschland sehe es äußerst windig aus. Wir verlangen eine Erbschaftssteuer, führte er aus, die die kleinen Erbschaften unter 1000 Mk. frelläßt, dann mit 1 Prozent einsetzt und in langsamer Progresston bis zu 20 Prozent erhebt, übrigens selbstredend neben der Höhe der Erb ⸗ schaft auch die größere oder geringere Nähe der Verwandschaft berückstchtigt. Auf das aller⸗ entschiedenste müssen wir uns gegen die Bestim⸗ mung der Vorlage wenden, daß die regierenden Fürsten von der Reichserbschaftssteuer befreit werden sollen. Diese Bestimmung ist durch nichts gerechtfertigt und muß schleunigst beseitigt werden. Genießt doch kein anderer Staats⸗ beamter ein solches Privilegium, daß die Vor⸗ lage kirchlichen und wohltätigen Stiftungen zu⸗ wenden will. Solche Stiftungen sind als Privat⸗ veranstaltungen zu betrachten und zu behandeln. Gelingt es uns, unsere Vorschläge zum Gesetz zu erheben, so werden endlich auch die Besitz⸗ enden ihren gebührenden Beitrag zu den Reichs⸗ lasten leisten und wird endlich die fortgesetzte Auspowerung der breiten Massen durch immer neue indirekten Steuern aufhören! Rachdem der Nationalliberale Brüsüng noch in einer längeren Rede zu verstehen gegeben hatte, daß der Kuhhandel bereits im Gange ist, wurde die Debatte auf Mittwoch vertagt. An diesem Tage bekämpfte unser Genosse Südeku m ganz besonders die Brausteuer. Sut bezahlte Nichtarbeiter. Beamte werden in der Regel desto glänzen⸗ der bezahlt, je weniger ste Arbeit zu leist en haben. Die alte Tatsache wird durch eine Zusammenstellung bestätigt, die dieser Ta ge durch die Presse lief. Danach beträgt das Gehalt der Botschafter in London und Petersburg 150000 Mk. und das der Botschafter in Paris, Wien und Konstantinopel 120 600 Mk. Die Botschafter in Rom, Madrid und Washington erhalten je 100 000 Mark. Sämtliche Botschafter haben außerdem freie Dienstwohnung. Von den Gesandten sind am öchsten besoldet, die in Peking, Teheran und okio, die je 60 000 Mk. und Dienstwohnung aben. Von den in Europa befindlichen Ge⸗ andten hat das höchste Gehalt der im Haag, e E 55 ur un ie l im ier se en en ie l ——— r.. ̃ ͤÄ—T—T—. 7˖0—%rðt....——— Deutschsoztalen Blättern u. a.: Bomsdorf zu 15, der Handwerker Bennemann Nr. 2. Nitieldeutsche Sonnags Zeitung. Seite 3. der 43000 Mk. und freie Dienstwohnung hat; dann folgen die Gesandten in Bukarest mit 42 800, in Athen, Brüssel und Lissabon mit 42 000 und in Christianta(neu), Kopenhagen, Stockholm, sowie die Ministerresidenten in Guatemala und Mexiko mit 40 000 Mark. Ferner werden Konsuln mit Gehältern von 20 40000 Mark aufgeführt. Und die Leute mit diesen Riesengehältern arbeiten fast nichts dafür. Die Botschafter⸗ und Gisandten⸗Aemter sind vollkommen über⸗ flüssig. Wenn diese Herrschaften aber arbeiten — das bedeutet bei einem Diplomaten zumeist intrigteren und spionieren— so schaden sie damit meistens mehr, als wenn sie während der Zeit geschlafen hätten. Protest gegen den Wahlrecht raub. In Hamburg hatten am Freitag abend Zehntausende Arbeiter dem Rufe der soztal⸗ demokratischen Parteileitung, Protest gegen das Attentat auf die winzigen Hamburger Volks⸗ rechte einzulegen, Folge geleistet. Große Volks⸗ massen eilten den Versammlungslokalen zu, um, wenn irgend möglich, noch einen Platz zu er⸗ obern. In der inneren Stadt vermochten die Lokale die Massen meist nicht zu fassen, so⸗ daß viele Personen keinen Einlaß fanden. In allen 17 Versammluugen, die sämtlich un⸗ gestört verliefen, geißelten die Redner das volksfeindliche Treiben der Wahlrechtsver⸗ schlechterer und forderten die Arbetter auf, der Plutokratenherrschaft ein„Bis hierher und nicht weiter“ zuzurufen. Wie in den Versamm⸗ lungen mitgeteilt wurde, bilden diese nur eine Einleitung zu weiteren Veranstaltungen, die bis zur parlamentarischen Beratung des Wahl⸗ entrechtungsentwurfs stattfinden sollen. Antisemiten gegen das Wahlrecht. Der Antisemitenhäuptling Liebermann von Sonnenberg schreibt in seinem Organ, den „Das allgemeine gleiche Wahl⸗ recht schließt mindestens ebenso große Un⸗ gerechttgkeiten ein, als das jetzige Klüssenwahlsystem. Es würden da⸗ bei ebenfalls starke Minoritäten und ganze Klassen der Bevölkerung ohne gerechte Ver⸗ tretung ihrer Interessen bleiben, weil sie überstimmt würden durch eine mit Phrasen und Schlagworten verblendete Masse. Von allem aber würden damit diel öffentlichen Angelegenheiten den Leidenschaften und niederen Instinkten der Menge ausgeliefert.“ a 1 Aehnlich haben sich ja schon öfter Leute von der Fraktion Liebermann ausgesprochen. Dem Volke reden sie bei Wahlen allerdings vor, daß sie für das allgemeine Wahlrecht seien. Diese Sorte volksfeindlicher Politiker werden aber immer mehr erkannt und nur in ganz rückständigen Gegenden finden ste noch vereinzelt Vertrauensselige. Neue Schreckensurteile hat das Dresdener Gericht gegen 4 Wahl⸗ rechtsdemonstrant en gefällt. Ein Arbeiter wurde zu zwei Jahren, der Kaufmann und Klempner Fischer zu je drei Monaten Ge⸗ fängnis verurteilt.— Wie es heißt, will die Regierung diesem Landtage noch ein neues Wahlrecht vorlegen, wie es aber aussehen wird, mögen die Götter wissen. Unterdessen hat man auch noch das Versammlungsrecht aufge⸗ hoben und öffentliche Volksversammlungen ver⸗ boten, sogar solche die von bürgerlicher Seite einberufen wurden! Man steht, es ist mehr Augst als Verstand bei den sächstschen Re⸗ gierungsleuten. selbst, daß er nach einer derarligen Verur⸗ teilung nicht mehr Abgeordneter bleiben konnte. Dem Braven widmet Gottlieb im„Tag“ fol- gende Verse: Im Rheinland lebt' und zahlt' viel Buß Der Pantscher Herr Sartorius. Ihm schien zu stark der Wein vom Rhein, Drum goß er Mußbachwasser rein. Das Mußbachwasser ist nicht rein, Piesperter ist ein Moselwein.] Weil er als Rheinwein ihn, s ist arg, Verkauft, zahlt er dreitausend Mark. Verzeih in Gnaden ihm, o Herr, Beis Fortschritt ist er M. d. R. Der goß schon längst, es mußte sein, Des Wassers viel in seinen Wein. Dem Verdienste einen Orden! Aus Berga a. d. Elster, das zu dem Großstaate Sachsen⸗Weimar gehört, wird fol⸗ gende„wichtige“ Nachricht der Welt kund und zu wissen getan: „Herr Bürgermeister Fritzsche hier hat vom Großherzog von Sachsen das goldene Verdienstkreuz des Ordens der Wach⸗ samkeit oder vom weißen Falken erhalten.“ Herr Fritzsche ist derselbe Bürgermeister, der sich seit einigen Jahren im Verbot von Versammlungen einen„Namen gemacht“ hat. Die Belohnung für das Bestreben, den Staat zu retten, ihn vor allen umstürzlerischen Gelüsten zu bewahren, ist nicht ausgeblieben. Weil Herr Fritzsche Tag und Nacht den Staat vor Schaden zu bewahren suchte, deshalb dem treuen Phylax den Orden der„Wachsamkeit“. Die Senatswahlen in Frankreich haben für die radikalen Republikaner einen mäßigen Gewinn gebracht. Zum ersten Male sind auch zwei Sozialisten in die Körper⸗ schaft gewählt worden und zwar in Mar⸗ seille der frühere dortige Bürgermeister Flaissières und Delhon in Hérault. Bei der Wahl des Kammerpräsidenten am Dienstag wurde Doumer wiedergawählt, doch blieb sein Gegner Sarrien, der Kan⸗ didat der Linken nur um wenige Stimmen hinter ihm zurück. Nach dem Ausfall der Senatswahl hält man für sicher, daß bei der nächste Woche stattfindenden Wahl des Präst⸗ denten der Repußlik der Kandidat der Radi⸗ kalen Falliè res gewählt werden wird. Kleine politische Nachrichten. Die endlose Wahl. Die Landtagswahl in Neustadt a. H. verlief auch in dem am Montag stattgefundenen 21. und 22. Wahlgange resultatlos. Die Wahl dürfte ein gerichtliches Nachspiel haben, da von liberaler Seite Wahlmänner durch Geldangebote zu beeinflussen versucht wurden. Wieder ein„Aufruhr.“ In Eisen a ch wurde der Arbeiter Grimmler, der sich bei der dortigen Reichstlagsersatzwahl an einer Demonstration beteiligte und das unsinnige Vorgehen der Polizei kritisiert hatte wegen„Aufruhr“ zu 4½ Jahren Gefängnis verurteilt. Einen Wahlsieg erfochten unsere Genossen in Nakskows(Dänemark). wo bei der Kommunalwahl sämtliche 8 Sozialdemokraten gegen die Kandidaten der vereinigten Bürszerlichen siegten. r...... ˙— ̃ ̃˙˖˙˖— on Nah und Fern. Hessisches. — Wie's bei den Landtagswahlen zuging, geht aus der Begründung des Wahlprotestes hervor, den unsere Genossen gegen die Wahl des Zentrumsmannes Dr. Schmitt⸗Mainz im Wahlkreise Kastel⸗Koßheim eingelegt haben. Die Wählerliste in Kostheim war unter aller Kritik mangelhaft aufgestellt. So fehlte darin z. B. der ganze Buchstabe J. Derselbe wurde Der Freisiuns mann Sartorius, Reichstagsabgeordneter für Kaiserslautern, der jüngst als Weinpantscher verurteilt wurde, hat darauf verzichtet, Revision gegen das Urteil ein⸗ zulegen und wird zurücktreten. Es wurde be⸗ richtet, daß er wegen Niederlegung des Mandats erst bei der Parteileitung angefra t hätte. Das war doch überflüssig, es versteht sich doch von erst innerhalb der dreitägigen Reklamations⸗ frist eingefügt und mußten daher verschiedene Wähler ihr Wahlrecht verlieren. Doppelt in der Liste stehen nach oberflächlicher Durchsicht ca. 20 Mähler, dieselben stehen meistenteils in der Hauptliste und sind dann im Nachtrag noch⸗ mals verzeichnet, teilweise stehen ste aber auch boger doppelt im Nachtrag. Eine große An⸗ zahl von Nichthessen steht in der Wahlerliste und ein erheblicher Teil davon hat auch gewählt. Nicht mehr in Kostheim wohnhaft slad 905 schledene in der Wählerliste als wahlberechtigt angegebene Wähler. Gestorben sind eben⸗ falls verschiedene in der Wählerliste angeführte Wähler. Vom Zentrum beanstandet wurde eine große Anzahl der in der Wählerliste stehenden sozialdemokratischen Wähler, die, da die Rekla⸗ ma ionsfrist zu kurz ist, ihre Beweise, daß sie hesstsche Staatsbürger sind, nicht mehr bei⸗ bringen konnten. Anstandslos in die Liste aufgenommen wurde eine Anzahl von 98 Wählern, die der Herr Kaplan auf einer Liste einreichte, obschon eine ganz erkleckliche Zahl davon gar nicht wahlberechtigt war. Die ganze Kontrolle dieser Namen bestand darin, daß der Standesbeamte Wilhelm den Herrn Kaplan fragte, ob die Betreffenden auch Hessen seien und Steuer zahlten. Die von sozialistischer Seite Reklamierten wurden dagegen einer hoch⸗ notpeinlichen Untersuchung unterworfen, ver⸗ schtedene davon ausgeschieden, andere anerkannt und nachgetragen, wieder andere dagegen zwar als richtig anerkannt, aber niemals in die Liste geschrieben und bei der Wahl abgewiesen. Un⸗ beaufsichtigt war die Urne in der Zeit, als ein von unserem Vertrauensmann, als Preuße be⸗ anstandeter Wähler eintrat. Er warf seinen Zettel selbst in die Wahlurne, desgleichen ein nachfolgender Wähler. Das festgestellte Wahl⸗ resultat muß als ein sehr zweifelhaftes an⸗ gesehen werden, heißt es in dem Wahlprotest, denn die nach Schluß der Wahlhandlung vor⸗ genommene Zä lung der Stimmzettel ergab 747, während der veretoigte Schriftführer, Standesbeamter Wilhelm, nur 719 Wähler in seiner Liste hatte. Es änderte sich dieses Resultat auch nach wiederholter Kontrolle nicht, sodaß also tatsächlich 28 Stimmen mehr in der Wahlurne waren, als Wähler in der Liste standen. Angesichts dieser Ungeheuerlichkeiten muß die Wahl für ungültig erklärt werden. Wenn solche Dinge in großen, eigeutlich städtischen Orten vorkommen, dann kann man sich un⸗ gefähr denken, was auf dem vande bei Wahlen geleistet wird. Es kommt davon nur das wenigste an den Tag. — Von einem„Bubenstück“, das man den Sozialdemokraten aufs Konto schreibt, wußte das Offenbacher Amtsblatt zu erzählen und das Gießener druckt die Mär schleunigst nach. Das„Attentat“ richtete sich gegen den armen vielverfolgten Reichstagsabgeordneten Dr. Becker⸗Sprendlingen, Hauptsozialisten⸗ töter für Hessen und benachbarte Ortschaften. Becker hielt am Donnerstag, Abend eine Ver⸗ sammlung in Isenburg ab, in der er sich Zu⸗ stimmung zu seiner Steuerpolitik ausdrücken ließ. Nebenbei bemerkt, sagte Becker nach dem Bericht nichts von der Biersteuer, wie er auch für die Zigaretten- und Fahrkarten stener eintritt. Schließlich wird folgende Schandtat mitgeteilt: „Ein unerwartetes Nachspiel zu dieser Versammlung bildete ein Bubenstück von der bekannten Sorte des„geistigen Kampfes“, wie er gegen Dr. Becker von gewisser Seite ja seit Jahr und Tag geführt wird. Als der Kutscher des Fuhrwerks, das Dr. Becker nach Sprendlingen zurückbringen sollte, in das Wirtshaus, in dem er eingestellt hatte, kurz bevor er wegfahren wollte, zurücktrat, um eine vergessene Decke zu holen, benützten einige Strolche seine kurze Abwesenheit, um das Fuhrwerk zu entführen. Pferd und Wagen wurde heute morgen bei Niederrad im Straßengraben gefunden. Leider ist es auch diesmal nicht geglückt, die würdigen„Politiker“ bei ihren Heldentat zu ertappen.“ Solche Mordgeschichten wurden von den Becker⸗Leuten schon soviel in die Welt gesetzt, die sich später als Phantasiegebilde oder minde⸗ stens Uebertreibungen erwiesen, daß ihnen jeder Zeitungsleser, auch wenn er nicht Sozial⸗ demokrat ist, das stärkste Mißtrauen entgegen⸗ setzen muß. Der Sprendlinger Doktor und Soztalistenfresser muß tatsächlich am Ver⸗ folgungswahn leiden. Warum auch niemals die Attentäter erwischt werden? Im vor⸗ liegenden Falle liegt wohl eine Fahrlässigkeit des Kutschers vor, der die Pferde unbeaufsichtigt stehen ließ, sodaß ste durchg ingen. Seite 4. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeilung. 5 r. 2. — Eine Landtagsersatzwahl ist in Darmstadt an Stelle des ausscheidenden Nationalliberalen Buff vorzunehmen. Vor⸗ aussichtlich wird der zweite Bürgermeister in Darmstadt, Dr. Glässing, gewählt. — Wegen Streikbrecher-Belei⸗ digung wurde der Gewerkschaftssekretär Genosse Engelmann in Worms zu einer Woche Gefängnis verurteilt, obwohl der angeblich Belästigte erklärte, nicht beleidigt worden zu sein. Engelmann hat natürlich Berufung ergriffen. g — Die Affäre Chelius hat durch den Selbstmord des Verurteilten einen tragischen Abschluß gefunden. Am Freitag früh fand ihn der Gefangenen⸗Aufseher in seiner Zelle er⸗ hängt vor. Außerdem hatte sich Chelius mit einer in seinem Besttze befindlichen Scheere die Pulsadern zu öffnen versucht. Da das Urteil noch nicht rechtskräftig war, ist seiner Frau die Penston gestchert. Gießener Angelegenheiten. — Die Gewerbegerichtswahlen in Gießen finden laut Bekanntmachung der Bürger⸗ meisterei am Samstag, 3. Februar von 12 Uhr mittags bis 8 Uhr abends für Arbeit⸗ geber und Arbeitnehmer statt. Von jeder Seite sind bekanntlich 12 Beisitzer auf 3 Jahre zu wählen. Die Wahl wird nach den Grund⸗ sätzen der Verhältniswahl vorgenommen. Es müssen daher bis spätestens Freitag, den 19. Januar Wahlvorschlagslisten, getrennt für Arbeitgeber und Arbeiter eingereicht werden. Jede Vorschlagsliste muß 12 Namen enthalten und muß von 20 Wahlberechtigten unterschrieben sein. Wahlberechtigt sind die Arbeitgeber und Arbeiter, die zur Zeit der Wahl das 25. Lebens⸗ jahr vollendet und im Gemeindebezirk der Stadt Gießen Wohnung oder Beschäftigung haben; wer zum Amt eines Schöffen unfähig ist, ist nicht wahlberechtigt. Wahlberechtigt als Ar⸗ beiter sind auch Werkmeister und mit höheren technischen Dienstleistungen betraute Angestellte, deren Jahresarbeitsverdlenst an Lohn oder Ge⸗ halt 2000 Mk. nicht übersteigt. Die der Zuständigkeit des Gewerbegerichts unterstellten Hausgewerbetreibenden sind, sofern sie selbst mindestens 2 Arbeiter regelmäßig das Jahr hindurch oder zu gewissen Zeiten des Jahres beschäftigen, als Arbeitgeber, andern⸗ falls als Arbeiter wahlberechtigt. Wählbar sind solche Wahlberechtigte, die das 30. Lebensjahr vollendet haben.— Bis zur Wahl ist also nicht mehr viel Zeit übrig; unsere Gewerkschaften müssen sich daher mit der Aufstellung von Kandidatenlisten beeilen. — Vor drei Jahren wurden auf Seite der Arbeiter für die Liste der Freien Gewerkschaften 763 Stimmen für die der Christlichen 69 ab⸗ gegeben. Auch diesmal werden sich allem Anschein nach die Christlichen mit einer selbständigen Liste beteiligen, denn von einem Wahlkomite werden alle„nationalen“ Arbeiter auf Sonntag bei Sauer am Oswaldsgarten zu einer Ver⸗ sammlung eingeladen. — Antisemitische Großmäulich⸗ keit. Das Friedberger Hirschelblatt druckt ein albernes Machwerk des„Kladderadatsch“ nach, in dem in Form eines Briefes des rus⸗ sischen Priesters Gapon— für den wir neben⸗ bei bemerkt sehr 2 Sympathie haben— an unsere Genossin Luxemburg, dieser und Stadthagen der Vorwurf der Feigheit gemacht wird. Nun, beide, Frau Luxemburg und Stadt⸗ hagen haben schon viel mehr Mut bewiesen als eine ganze Anzahl Antisemitenhäuptlinge, die fast sämtlich lächerliche Figuren sind. Wie viele Sozialdemokraten haben sie beide für ihre Ueberzeugung lange Gefängnisstrafen ahgebüßt und kein solches Geschrei erhoben ols es z. B. wegen Köhlers lumpige drei Monate in der antisemitischen Presse geschah. Und wie rissen ste aus, die judenfresserischen Helden! Die Pückler, Böckler und viele andere bestätigten, daß bet den Antisemiten⸗Häuptlingen stets das Maul größer ist als der Mut. — Patriotischer Schwindel. Der „Gießener Anz.“ druckt, wie alle„Ordnungs⸗“ blätter einen Erguß der„Nordd. Allg. Ztg.“ nach, worin in bekannter Weise behauptet wird, daß die französische Sozialdemokratie viel patrio⸗ tischer, beileibe nicht so vaterlandslos set, als die deutsche. Jaurès habe die Armee im Gegen⸗ satz zu Bebel für notwendig erklärt ꝛc. Das ist, wie gesagt, eine alte Geschichte: in Deutschland werden den Sozialdemokraten immer ihre fran⸗ zöstschen Genossen als die patriotischen Muster⸗ knaben vorgeführt und in Frankreich machens die Ordnungsleute umgekehrt. Die deutsche und französtsche Sozialdemokratie sind in Be⸗ zug auf den Krieg vollkommen einer Meinung über dessen Verderblichkeit. Sie werden tun, was in ihren Kräften steht, zur Erhaltung des Friedens. Sie werden sich auch durch das Kriegsgeschrei, das verschiedene Ueberpatrioten jetzt erheben, nicht beirren lassen. Wir sind der Meinung, derjenige ist ein besserer Patriot, der den Krieg verhütet, als der dazu hetzt. Und wenn sogenannte Diplomaten ein Völkerblut⸗ bad anrichten wollen, so haben die Völker recht, wenn sie nicht mittun. Schwindel ist nur, wenn behauptet wird, Bebel habe die Soldaten zur„Fahnenflucht“ verleiten wollen. — Die Freiheitskämpfe in Ruß⸗ land werden von unseren Parteigenossen mit lebhaftem Interesse verfolgt. Es war daher ein ganz guter Gedanke von dem Gewerkschafts⸗ kartell, einen Lichtbilder⸗Vortrag über die Er⸗ eignisse zu veranstalten. Wie bekannt, findet dieser Vortrag, gehalten von Herrn Ingenieur Grempe⸗Berlin, nächsten Donnerstag abends 9 Uhr im Café Leib statt und es darf wohl ein starker Besuch von Seiten der Gewerk⸗ schaften und Parteigenossen erwartet werden. — Die Volksvorlesungen in Gießen beginnen Montag Abend in der Turnhalle der, Realschule(Eingang Ludwig⸗ straße) pünktlich ½ 9 Uhr. Herr Dr. Klein wird über:„Der alte Staat im 18. Jahr⸗ hundert“ sprechen. Eintritt ist frei für jeder⸗ mann; selbstverständlich sind auch Frauen als 8 erwünscht. Wir empfehlen unseren esern den Besuch der Vorlesungen aufs Wärmste. Im Laufe der Wintermonate soll noch ein musikalischer Unterhaltungsabend veranstaltet werden. — Gewerkschaftsversammlung. Die allgemeine Versammlung der Gewerkschaften Gießens ist auf Sonntag, den 14. Januar festgesetzt worden. Die einzelnen Gewerkschaften werden ersucht, von anderen Veranstaltungen an diesem Tage abzusehen. — Das Fest der Freien Turner⸗ schaft am Samstag war sehr gut besucht und nahm den besten Verlauf. Es muß anerkannt werden, daß das reichhaltige Programm exakt durchgeführt wurde, die einzelnen Darbietungen wurden sehr beifällig aufgenommen. Nur sollte sich das Publikum daran gewöhnen, bei Ge⸗ sangs⸗ und Musikvorträgen mehr Ruhe zu be⸗ Aren und nicht durch laute Gespräche zu ren. — Selbstmor d. Am Dienstag fand man den Straßenkehrer Zinn erhängt in seiner Wohnung vor. Man vermutet, daß Kränklich⸗ keit den alleinstehenden Mann zu diesem Schritte veranlaßt hat. Aus dem Rreise gießen. —. Protestversammlungen gegen die Erhöhung der Tabaksteuer fanden dieser Tage in Leihgestern am Mittwoch, in Alten buseck am Donnerstag und in Heuchel⸗ heim am Samstag statt. In allen Versamm⸗ lungen hatte der Gauleiter des Tabakarbeiter⸗ verbandes Schnell aus Hanau das Referat. Sehr gut war die Versammlung in Heuchel⸗ heim besucht, in den beiden ersten Orten ließ jedoch der Besuch zu wünschen übrig. Der Redner legte dar, wie schwer gerade die Aermsten wieder durch die neuen Steuern im Falle ihrer Annahme belastet würden. Nicht blos daß man den Arbeitern die Lebens⸗ und Genuß⸗ mittel empfindlich verteuerte, es würden auch Tausende von Arbeitern arbeitslos, falls die Tabaksteuervorlage Gesetz würde. Deshalb müsse sich die Arbeiterschaft energisch wehren und sich vor allem der gewerkschaftlichen Or⸗ ganisation anschließen. Das set besonders in Unserer Gegend nötig, wo man in der Tabakin⸗ dustrie die jämmerlichsten Löhne bezahlt. Es wurde in allen Versammlungen eine Resolutton ange⸗ nommen, in der entschieden gegen die Erhöhung der Tabaksteuer protestiert wird.— Ju Heuchel⸗ heim folgten der Aufforderung des Referenten dem Verbande beizutreten 21 Kollegen und Kolleginnen. Mögen alle in der Tabakbranche beschäftigten Arbeiter endlich zur Erkenntnis kommen und die Sache der Organisation fördern helfen! Denjenigen, die noch nicht organistert sind, rufen wir zu: Schließt Euch an, denn 5 sind wir nichts, vereinigt aber eine acht a * Watzenborn⸗Steinberg. Ein Familienzwist in der Familie Happel in Steinberg artete am dritten Weihnachtsfeiertag zu Tätlichkeiten aus. Die zwei Brüder Georg und Ludwig Happel drangen in das Zimmer ihres Vaters ein und verletzten ihn durch einen Schuß. Die Brüder wurden infolgedessen ver⸗ haftet und sitzen noch in Untersuchung. Am Montag nahm das Gericht den Tatort in Augen⸗ schein. Wie gesagt und auch im Anzeiger ge⸗ schrieben wurde, sollen die Beiden wegen Mord⸗ bersuch vor das Schwurgericht kommen. Nach⸗ dem, was wir darüber hörten, stellt sich die Geschichte nicht so schlimm dar. Der Vater soll den Strafantrag gegen seine Söhne zurück⸗ gezogen haben. — Der Herr Pfarrer von Watzenborn⸗ Steinberg benutzte den Vorfall, den gewiß kein Mensch beschönigen wird und wir am aller⸗ wenigsten, im Konfirmandenunterricht dazu, gegen die Steinberger Einwohnerschaft gehörig zu wettern. Nach Bekundungen der Schüler soll er gesagt haben, früher sei Wieseck das roheste Dorf gewesen, jetzt sei es Steinberg. In Steinberg säßen Tag und Nacht die Wirts⸗ häuser voll, es würde dann über die Maßen getrunken, dann gings nach Haus und würde Streit gemacht. Wenn der Herr Pfarrer gegen den Alkoholismus und die Trinkeret sich wendet — ob's in Steinberg wirklich so ist, ist eine andere Frage— findet er unsere Zustimmung. Es geht aber doch nicht an, wegen des einen Falles über die Steinberger so zu urteilen. Er wird zugegeben, daß auch viele seiner Amts⸗ kollegen sich als sündhaft erweisen— wie viele sind schon wegen aller möglichen Verbrechen verurteilt worden!— trotzdem wird es keinem verständigen Menschen einfallen, alle Geistliche dafür verantwortlich zu machen. — Holzhauer⸗Streikbrecher werden von der Forstbehörde in Oberhessen angeworben, um in Offen⸗ thal und Götzenhain im Kreise Offenbach den streikenden Holzhauern in den Rücken zu fallen. Es wird ihnen 1.20 Mk. pr. Meter bei freier Station versprochen, während die Streikenden nur 1.30 verlangen ohne Kost und Logis! Die Leute seien gewarnt! aus dem Mxeise qriedberg⸗Püdingen. v. Die Fortschrits⸗ und Lichtfeinde in Vilbel haben eine Niederlage erlitten. Der Kreisaus⸗ schuß in Friedberg wies den Pro test einer Anzahl Vilbeler Einwohner und auch Gemeindeväter gegen Er⸗ richtung eines Gaswerks in Gemeinde⸗Regie zurück. Begründet war der Protest mit der Motivierung, daß die Beschlüsse des Gemeinderats die Substanz des Ge⸗ meindevermögens schmälerten, indem die Hausanschlüsse umsonst gemacht werden sollen. Ferner wurde behauptet, das Produkt„Gas“ sei ein Konsumartikel wie Holz. Steinkohle usw. und könne nur auf gemeinsame Rechnung der Konsumenten errichtet und verwaltet werden. Im Laufe der Beratung wurde festgestellt, daß das Gaswerk 160000 Mk. kosten soll und der Voranschlag in Ein⸗ nahme und Ausgabe mit 24000 Mk. balanziere, und weiter, daß Vilbel jetzt durch 60 Petroleumlaternen er⸗ leuchtet wird, was 27 000 Mk. Ausgabe pro Jahr ver⸗ ursacht und daß 120 Gaslaternen projektiert selen, die 3000 Mk. Ausgabe erfordern werden. Das Urteil lautet: Die Beschwerde von Hinkel und Genossen, soweit sie sich gegen den Bau und Betrieb eines Gas werks durch die Gemeinde richtet, ist unzulässig. Der Ge⸗ meinde wird hiermit die Genehmigung erteilt, die Haus⸗ anschlüsse gratis auszuführen.— Damit ist eine Ange⸗ legenheit erledigt, die unseren Genossen zur größten Ehre gereicht. Hat man doch das sichere Empfinden, daß es 9 gekränkter Ehrgeiz war, der die Reklamanten beseelte. iche ber fen⸗ nden puen hen, 1 3 T — e 2. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. eeite 55. ts. Lesehalle in Bad Nauheim. Die in Bad Nauheim entstandene, mit einer Volksbibliothek verbun⸗ dene öffentliche Lesehalle ist als wirklich allgemeinuütziges, Bildung fördern des Unternehmen mit Freude zu begrüßen. Wir empfehlen sie unsern Lesern um so mehr, als die sonst so oft unsrer Partei gegenüber beliebte Absperrung hier in Wegfall gekommen ist. Hoffen wir, daß die Lebensfähigkeit des Instituts darunter nicht leidet. Da auch unsere Mitteldeutsche Sonntagszeltung dort aus⸗ liegt, bitten wir die Genossen die Gelegenhelt zu benutzen und ihre Bekannten darauf hinzuweisen. Gerade ein Vergleich mit Blättern anderer Parteien wird dem denkenden Arbeiter am ehesten zeigen, wo er seine wahre Interessen vertretung zu suchen hat. Ein schwerer Unglücksfall ereig⸗ nete sich in der Nacht zum Mittwoch früh im städtischen Gaswerk in Friedberg. In⸗ folge eines Rohrbruches war Gas in großer Menge ausgeströmt und es fanden dabet, der Verwalter Liese und der Arbeiter Weitzel ihren To d. Der Arbeiter Dauth war ebenfalls be⸗ stunungslos, kam aber wieder zu sich.— Die Stadt war infolge des Unfalles ohne Licht. — Ein Schornsteinfeger beging vorige Woche Selbstmord. Als Grund werden Nahrungs⸗ sorgen angegeben. Aus dem Rreise Wetzlar. h. Bergarbeiterstreik. Die Bergleute auf den Gruben„Juno“ und„Uranus“ bei Nauborn, die dem Fürsten Solms⸗Braunfels gehören, haben Ende voriger Woche die Arbeit niedergelegt. Die dort beschäf⸗ tigten Arbeiter haben schon viel und oft über die Ar⸗ beitsverhältnisse, Mißstände und geringe Bezahlung ge⸗ klagt, daß sie sich jedenfalls nicht mehr anders zu helfen wußten. Viele von ihnen besitzen nämlich ein Stückchen Land, auf dem ste ein paar Kartoffeln und wenns hoch kommt, auch einige Säcke Getreide ziehen und in Rück⸗ sicht darauf, glauben die Bergherren sie mit geringerem Lohn abspeisen zu können.— Das Wetzlarer Amtsblatt bemerkt dazu, der Streik dürfte„die bedauerliche Folge haben, daß der Betrieb der Grube„Uranus“ gänzlich eingestellt wird. Leider set auch sonst zu befürchten, daß der Streik zu dauernden Entlassungen führt.“— Das soll den Arbeitern jedenfalls Angst einjagen. Wenn die Grube für die Besitzer nichts abwirft, wird ste ohne Streik ebenso gut stillgelegt, wie viele Beispiele zeigen. Ebenso kann es jedem Arbeiter passteren. daß er dauernd entlassen wird, und wenn er Jahrzehnte ununterbrochen geschuftet und nie gestreikt hat. Die Herren hüten sich aber gewöhnlich. die Henne zu schlachten, die ihnen goldene Eier legt! h. Das Gewerbegericht erledigte im verflossenen Jahre 46 Streitsachen; 19 Fälle wurden außerdem kurzer Hand, wie der Bericht sagt, durch die Gerichts⸗ schrelberei erledigt. Hoffentlich sind dabei die Rechte der Arbeiter nicht zu kurz gekommen. Als Kläger traten Arbeitgeber in 5, Arbeiter in 41 Fällen auf. h. Ueber den Geschichtskalender des„Vor⸗ wärts“ entrüstet sich der Wetzlarer Anzeiger. Der Kalender triefe von Blut, denn er verzeichne alle Tage, an denen Attentate verübt worden seien. Nun, wir sind der Meinung, daß die patriotischen Kalender oder sonstige Ordnungsblätter, wenn sie die Daten von massenmörderischen Schlachten vermerken und sogar feiern, weit mehr von Blut triefen, als der Vorwärts⸗ Kalender. Was wird zum Beispiel am Sedanstage von den„Patrioten“ an blutrünstigen Artikeln und Reden geleistet! Dagegen wird z. B. die Hinrichtung des großfürstlichen Schurken Sergius von vielen rechtlich Denkenden als eine Heldentat und bis zu einem gewissen Grade als eine Wohltat angesehen werden, die verdient, in der Geschichte verzeichnet zu werden. Uebrigens bringt der Kalender weit mehr Daten von kulturgeschichtlicher als von revolutionärer Bedeutung.(Das ist ganz richtig. Und wir wollen, damit sich unsere Leser davon überzeugen können und wir es auch sonst für nützlich halten, den Geschichtskalender wieder veröffentlichen. Zu Nutz unserer Genossen und zum Aerger der Gegner! D. R. B Pe Einwohnerzahl Wetzlars beträgt nach der letzten Volkszählung 12 279 Einwohner und zwar 6112 männliche und 6164 wetbliche. Bewohnte Ge⸗ bäude wurden 1465 gezählt. k. In Krofdorf hat sich, wie früher schon mit⸗ geteilt, ein Bürgerverein gegründet, dessen einziger Zweck es zu sein scheint, Zwietracht in der Gemeinde zu säen, Zuerst versuchte er, die Zügel der Gemeinde⸗ verwaltung in die Hände zu bekommen, was ihm auch mit Hilfe des elenden Dreiklassensystems und der Gleich⸗ giltigkeit einiger Wähler zum Teil gelang. Danach kamen die Vorstands⸗ und Aufsichtsratswahlen in der Kreditkasse und dem Konsumverein. Hier herrscht gleiches Wahlrecht und so wurden sämtliche Anhänger des Bürger⸗ vereins, welche Vorstands⸗ und Aufsichtsratsämter be⸗ kleideten, durch andere Personen ersetzt. Auch Her r Lehrer Hofmann II., der Rechner in beiden Instituten, wurde nicht wiedergewählt, was für ihn einen Einnahme⸗ Ausfall von jährlich 700 Mk. bedeutet und ihn viel⸗ leicht nicht gefreut haben mag. Nun zeigten sich aber die Leute vom Bürgerverein als besonders gute Christen. Sie gründeten eine neue Darlehnskasse und kündigten ihre Kapitalsen bei der Kreditkasse, um diese dadurch trocken zu setzen. Sie schnitten sich aber damit nur selbst in die Finger, denn nicht alle Bürgervereinler sind Kapitalisten, einige hatten auch Hypotheken bei der Kreditkasse aufgenommen und der Vorstand sah sich daher genötigt, diese zu kündigen, sehr zum Leldwesen der Betreffenden.— Die Hauptaktion sollte aber bei der Vorsteherwahl am 5. Januar vor sich gehen. Aber auch da lächelte den Schwarzen das Glück nicht, ihr Kandidat fiel gegen den bisherigen Bürgermeister Pfeifer durch, letzterer wurde mit 7 gegen 6 Stimmen wieder⸗ gewählt! Nun sind unsere Genossen für Herrn Pfeifer gewiß nicht begeistert, er ist ein Gegner von uns, was am besten der Umstand bewelst, daß wir die Wirtschaft seines Schwiegersohnes meiden, aber trotzdem stimmten unsere Gemeindevertreter für ihn, um den Sieg des ausgesprochen arbeiterfeindlichen Bürgervereins zu ver⸗ eiteln. Nun kommt aber das Schönste: der Vorsteher wurde am Sonntag als„Sozialdemokrat“ aus dem Kriegerverein ausgeschlossen! Damit nicht ge⸗ nug, lief man noch zum Landrat, um seine Nichtbestäti⸗ gung durchzusetzen. Und wohlgemerkt, die Leute wissen so gut, wie wir, daß Pfeifer nicht Sozialdemokrat ist. Dieselben Leute wollten aber einen ausgesprochenen Sozialdemokraten(Winter) zum Vorsteher in der Schwester⸗ gemeinde Gleiberg machen, wenn dieser als Gemeinderat für ihren Krofdorfer Vorsteher⸗Kandidaten stimmen würde! Wir meinen, das genügt. l. In Gleiberg und Krofdorf wurden am Sonntag ebenfalls Protestversammlungen gegen die Tabaksteuer abgehalten, die sehr gut besucht waren. Auf Anweisung des überwachenden stellvertretenden Bürgermeisters mußten die anwesenden Franen die Versammlung verlassen. Der Mann sollte doch wenig⸗ stens das Gesetz kennen. Hoffentlich wird er vom Land⸗ rat auf die Beschwerde hin darüber belehrt. — Eine Versammlung für das all⸗ gemeine Wahlrecht, wird Sonntag, den 21. Januar in Gleiberg stattfinden. Weiteres wird noch bekannt gegeben. Westerwald und Anterlahn. t Als Zentrums zuhälter zeigen sich die Stöckerleute im Dillkreis. Sie sammeln Unterschriften für eine Petitlou, in welcher die Einführunggder Konfesstonellen Volksschule auch für Hessen⸗Nassau gefordert wird. Aus dem RNreise Marburg⸗Kirchhain. * Auf zur Flugblattverteilung! Unsern Parteifreunden ist bekannt, daß an diesem Sonntag eine allgemeine Flugblattver⸗ teilung stattfinden soll. Diese muß so all⸗ gemein und gründlich wie nur möglich geschehen; deshalb müssen sich alle Kräfte zur Verfügung stellen. Jeder Genosse muß es sich zur Ehre anrechnen hier mitzuhelfen. Die Ausgabe der Flugblätter findet diesen Samstag im Lokale Jesberg von Abends 8 Uhr ab statt. Das Stadtoberhaupt, Geheimrat Schüler, feierte seinen 70. Geburtstag. Aus Anlaß dessen be⸗ willigten die Stadtväter 30000 Mk. zur Errichtung einer„Schüler⸗Stiftung“.— Außerdem schenkte Herr Gutsbesitzer Hoffmann der Stadt ein Gelände im Werte von 100000 Mk. Dadurch wird voraussichtlich ein neues Stadtviertel am Krummbogen entstehen und Herr Hoffmann seine dort gelegenen Bauplätze eher zu guten Preisen an den Mann bringen, als das jetzt der Fall ist. * Stadtverordneten versamm⸗ lung. In der vorigen Woche stattgefundenen Stadtverordnetensitzung wurde der seitherige Stadtverordnete Justizrat Dörffler wieder zum Vorsitzenden gewählt, während Herr Rechts⸗ anwald Rothe Stellvertreter wurde. Daran schloß sich eine 2 stündige geheime Sitzung an, der auch der Magistrat teilnahm. „Eine„Flottendemonstration“ hlelten die Marburger Studenten ab. Sie ließen sich von dem Vorfitzenden des Reichsverbands der Sozialistentöter eine große Flottenpauke halten. Das Bezahlen der W überlassen die patriottschen Jünglinge dem 'olke. O Einen„schweren Jungen“ glaubte unsere Poltzet in voriger Woche er⸗ wischt zu haben, indem sie einen Metzgergesellen einsteckte, welcher von der Staatsanwaltschaft zu Weimar steckbrieflich verfolgt wurde. Es stellte sich jedoch heraus, daß der Mann, der übrigens wegen dieser Sache schon einmal ver⸗ haftet worden war, auf einen unbewiesenen Ver⸗ dacht hin steckbrieflich verfolgt worden war, und nun also bereits zweimal unschuldig verhaftet worden ist. OAIn den Landgemeinden unseres Kreises finden die regelmäßigen Ergänzungs⸗ wahlen zur Gemeindebertretung im März statt. Die Ausschreibung derselben ist bereits im Kreisblatt erfolgt. Für unsere Genossen ergibt sich daraus die Pflicht, in eine rege Agitatton für diese Wahlen einzutreten und namentlich für Aufklärung der in Betracht kommenden Wählerschichten Sorge zu tragen. * Hochwasser war infolge der starken Regengüsse der letzten Tage in ganz Westdeutschland eingetreten. Mosel, Lahn, Main, Neckar hatten vielfach die Ufer überschwemut. Mit Golddiebstählen hatte sich in der letzten Zeit das Hanauer Ge⸗ richt viel zu befassen. Es wird deswegen und wegen Hehlerei eine Menge Leute, die meist in den dortigen Goldwarenfabriken beschäftigt sind, abgeurteilt we den und viele befinden sich noch in Untersuchung. Einer der Beschuldigten hat sich dieser Tage erhängt. Soziales. Bergarbeiter! Die Siebenerkom⸗ misston beruft auf den 11. und 12. Febr. 1906 eine preußische Konferenz der organisterten Bergarbeiter ein.— Die Kon⸗ ferenz beginnt am 11. Februar, vormittags 9 Uhr, ihm Saale des Herrn van de Loo in Essen.— Tagesordnung: 1. Stellungsnahme zum Knappschaftsgesetzentwurf. 2. Forderung eines Reichsberggesetzes. 3. Stellungsnahme zur Lohnfrage infolge der allgemeinen Teuerung. Partei-Uachrichten. Ein unerhört hartes Urteil wurde von dem Fraukfurter Landgericht gegen unsern Genossen Redakteur Quint von der Voltsstimme gefällt. Wegen Abdruck eines Artikels aus dem Berliner Tageblatt, in welchem von einer Verbindung des Kolonialdirektors Stübel mit der Bank Firma Tippelskirch die Rede war, wurde Quint zu der ungeheueren Strafe von 6Mo naten Gefäng⸗ nis verurteilt. Noch schlimmer erging es unserem Genossen Löbe von der Breslauer„Volkswacht“. Er wurde wegen„Aufreizung zu Gewalttätigkeiten“, die system enthalten sein sollen zu einem Jahr Gefäng⸗ nis verurteilt. Wer etwa bestreiten sollte, daß in Deutschland Klassenjustiz geübt wird, der dürfte durch das Urteil zu anderer Ansicht kommen. Versammlungskalender. Samstag, 13. Januar. Gießen. Wahlverein. Abends 9 Uhr Ver⸗ sammlung bei Orbig. Rödgen. Wahlverein. Versammlung Abends ½9 Uhr bei Wirt Balser. Zahlreich ersche inen. Steinberg. Wahlverein. Abends ½9 Uhr Ver⸗ sammlung im„grünen Baum“. Samstag, den 20. Januar. Hausen. Arbeiter⸗Verein. Abends 8 ½ Uhr General Versammlung bei Wirt Wallbott. Alle Mitglieder werden um ihr Erscheinen ersucht. Briefkasten. Nach Staufenberg. Die Angelegenheit ist zu wenig 92 allgemeinem Interesse. Es hat auch nichts zu bedeuten und laßt uns völlig kalt, wenn irgend ein Schlappmaul die Mitteldeutsche ein Schundblatt nennt. Lassen wir ihn laufen!— K.⸗Lgnbghm. In Ihrem Falle handelt es sich um öffentlich bemerkbare Arbeit am Sonntag, in den andern Fällen eben nicht. Empfehlenswerte soßialffische Schriften: Von der Expedition der Mitteld. Sonnt.⸗Zeitung Gießen Rittergasse 17, sind zu beziehen: eue Zeit. Wochenschrift der deutschen e e ein Heft. Preis 25 Pfg. Generalstreik und Sozialdemokratie. Von Henriette Roland⸗Ho st. Mit Vorwort von Kautsky. Preis 1.20 Mk. Wah Witzblätter. rer Jakob; Süddeutscher Postillon. Erscheinen alle 14 Tage. Preis 10 Pfg. in einem Artikel gegen das preußische Dreiklassenwahl⸗ Seite 6. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Einst und jetzt! Hunderttausend Abonnenten! Auf diese enorme Zahl hat es der„Vor ⸗ 9 5185 gel 83 giebt kein Blatt irgend einer politischen Partei, das auch nur die Hälfte dieser Abonnentenziffer aufzuweisen hätte, diese Zahl wird nur von etlichen„partei⸗ losen“ Klatschblättern erreicht. Der agitatorische Eifer unserer Berliner Genossen kommt in der erfreulichen Entwickelung des Zentralorgan zum Ausdruck und das Blatt seldst ist zur Feier des freudigen Ereignisses am Sonntag als Jubiläums⸗Nummer erschienen, mit rotem Titel, roten Randleisten und einer allerdings etwas verunglückten Zeichnung mit der Zahl 100 000. Das Hauptblatt enthält ferner außer einem redaktionellen Artikel, der die Entwickelung unserer Parteipresse besonders in Berlin schtl⸗ dert, Artikel von Kautsky, Singer und Bebel über unsere Presse und weiter Reprodukttonen des Titelblattes der„Berliner Freien Presse“ vom Jahre 1875 und vom Vorläufer des „Vorwärts“, dem„Berliner Volksblatt“ vom Jahre 1884. Das letztere hatte damals ganze 2400 Abonnenten! Aber 1891, als es auf Beschluß des Hallenser Parteitages den Titel „Vorwärts“ erhtelt und zum Zentralorgan er⸗ klärt wurde, zählte es deren bereits 26 000. Es wird bei den ersten Hunderttausend nicht stehen bleiben, denn in der Dreimillionenstadt Berlin und seiner Umgebung sind noch viele Tausende Leser für das Parteiblatt zu ge⸗ winnen und unsere Berliner Parteifreunde werden es an den nötigen Austrengungen nicht fehlen lassen. Aus der Jubiläums⸗Num mer geben wir den nachstehenden Artikel unseres Genossen Bebel wieder, der für viele unserer Leser, besonders für die jüngeren, viel Interessantes bieten dürfte. Hunderttausend Abonnenten eines Partei- blattes sind ein Ereignis für die Partei. Wer uns vor 30, 40 Jahren gesagt hätte, daß ein Zentralorgan der Partei einmal einen solchen Abonnentenstand erhalten würde, wäre ange⸗ sehen worden, als sei er nicht recht bei Trost. Hatte doch zu jener Zeit das verbreitetste bürger⸗ liche Blatt keine Abonnentenzahl, die mehr als Drittel von Hunderttausend betrug. Der Unter⸗ schied zwischen einst und jetzt ist also in der Tat gewaltig. Als im Jahre 1869 die aus dem Allge⸗ meinen Deutschen Arbeiterverein ausgeschiedenen Mitglieder sich mit dem Verband der deutschen Arbeiter vereine zur soztaldemokratischen Arbeiter⸗ partei auf dem Kongreß zu Eisenach vereinigten und das unter Liebknechts Redaktion stehende „Demokratische Wochenblatt“ in Leipzig das Zentralorgan der neuen Partei unter dem Namen der„Der Volksstaat“ wurde, besaß es keine 3000 Abonnenten. Diese erhöhten sich zwar im Laufe eines Jahres auf nahe an 5000, sie sanken aber unter den Kriegsstürmen des Jahres 1870/1, als der Parteiausschuß in Braunschweig nach Lötzen geschleppt und einige Monate später die Redak⸗ teure des„Volksstaat“, Liebknecht, Hepner und ich, der ich damals Leiter der Expedition des Blattes war, wegen Versuch und Vorbereitung zum Hochverrat in Untersuchungshaft genommen wurden, auf die Hälfte. Die finanziellen Verhältnisse des Blattes waren sehr unerfreuliche, aber das„Schweine⸗ glück“ war auch schon damals der Partei treu. Der unter der Verwaltung von Ladendorf und Genossen in Zürich bestehende sogenannte Re⸗ volultionsfonds spendete wiederholt einige tausend Franken, die uns die Opfer für das Blatt er⸗ leichterten. Aber Opfer, und zwar schwere, mußte jeder bringen. Liebknecht arbeitete für ein Gehalt, den man heute dem letzten Redakteur eines kleinen Parteiblattes kaum zu bieten wagt. Seine Privatwohnung diente zugleich als Re⸗ daktion. Ich gab meine Wohnung zu Zwecken der Erpedition her, und unter meiner Aufsicht expedierte der längst verstorbene Genosse Rübner das Blatt für eine Entschädigung, die ihn nicht vor dem Hunger schützte. Zum Glück besaß er ein kleines Pribatvermögen, dessen Zinsen er im Interesse der Sache opferte. Als Hepner mir im Frühjahr 1871 den Vorschlag machte, eiue Neboktongstube für monatlich drei Taler zu mieten— in der Liebknechtschen Familie stand Zuwachs in Aussicht— betrachtete ich das als eine solche horrende Verschwendung, daß ich mich nur schwer zur Befürwortung dieser Aus⸗ gabe bei dem Parteiausschuß entschloß. Ju der Tat kostete es Mühe, die ger ingen Gelder aufzubringen. Der weitaus größere Teil der Blätter wurde per Streifband oder Packet versandt, und da unsere Filialexpediteure samt und sonders arme Teufel waren, die dieses Geschäft im„Nebenamt“ versahen, waren ste keine pünktliche Zahler.. Während wir im Winter 1870/71 hinter Schloß und Riegel saßen, sprang Karl Hirsch ein, leitete mit anerkennenswertem Geschick in jener schweren Zeit den„Volksstaat“. Rübner hatte sich bei mir im Hause einquartiert und widmete sich mit ganzer Kraft der Expedition. So gelang es unter Ach und Krach, das Schiff⸗ lein flott zu halten. Natürlich war der Jubel groß, als wir endlich 1871 aus der Unter⸗ suchungshaft entlassen wurden. Jetzt ging es mit verdoppelten Kräften an die Arbeit. Und da die nach dem Friedensschluß einsetzende glänzende Prosperitätsepoche die Stimmung in der Arbeiterwelt aufs höchste hob, gelang es, die Schäden bald wieder wett zu machen, d. h. Partei und Blatt vorwärts zu bringen. Eine zweite bedenkliche Periode schien dem zVolks⸗ staat“ bevorzustehen, als im März 1872 Lieb⸗ knecht und ich wegen Vorbereitung zum Hoch⸗ verrat zu zwei Jahren Festang verurtellt wurden. Damit war der Redaktion ihr geistiges Haupt auf längerer Zeit genommen. Neben Hepner, der das Jahr drauf aus Leipzig ausgewiesen wurde, trat Genosse Blos in die Redaktion ein. Aber auch Liebknechts Feder blieb dem Blatte erhalten. Wir fanden bald Wege und Mittel von Hubertusburg aus, woselbst wir unsere Haft verbüßten, einen Schmuggeldienst zu or⸗ ganssieren, der uns ermöglichte, alles hinaus⸗ zubringen, was wir wünschten. Die Parteige⸗ nossen draußen, die von dieser Organisation keine Ahnung hatten, waren nicht wenig über⸗ rascht, daß der„Volksstaat“ während Liebknechts Haft blieb, was er gewesen, ja, wie viele be⸗ haupteten, sogar besser wurde. Endlich fand im Mai 1875 die Vereinigung sämtlicher Soztal⸗ demokraten Deutschlands in Gotha statt. Der „Volksstaat“ blieb unter dem neuen Namen „Vorwärts“ Zentralorgan der Partei und neben Liebknecht trat Hasenclever in die Redaktion. Bald zeigte sich aber, daß die Partei so er⸗ starkt war, daß ein dreimal erscheinendes Zen⸗ tralorgan den Bedürfnissen nicht mehr genügte. Die Partei würde immer stärker, aber der Abonnentenstand des„Vorw irts“, der selbst in der günstigsten Zeit unter 8000 geblieben war, nahm langsam aber stetig aber. Es war allmählich, eine ganze Anzahl täglich er⸗ scheinender Lokalblätter entstanden: so in Berlin Freie Presse), Hamburg⸗Altona, Braunschweig, resden, Chemnitz, Hof, Nürnberg, Offenbach, München. Da wurde im Oktober 1878 zunächst der weiteren Entwickelung ein Ende bereitet durch die Verhängung des Sozialistengesetzes, dem in Kürze der„Vorwärts“ mit fast sämtlichen Partei- und Gewerkschaftsblättern zum Opfer fiel. Aber auch diese Zeit wurde siegreich über⸗ standen. Das Söozialistengesetz flog in den Orkus und der„Vorwärts“ erstand in neuer Gestalt als„Zentralorgan“ der mittlerweile zur stärksten Partei Deutschlands gewordenen Sozialdemokratie in Berlin. Was seitdem aus ihm geworden ist, das zeigt uns der heutige Tag. Unser aller Aufgabe ist nun, dafür zu arbeiten, daß er nicht nur das größte Blatt der Partei bleibt, sondern auch das gelesenste bürgerliche Blatt au Abonnenten überholt. Parteifreunde! cg ut nach besten Kräften für die immer weitere Verbreitung Eueres Blattes, die Mitteldeutschen Sountags⸗Zeitung! . 0 Nnterhalfungs-Ceil. N Dem Schaffenden gehört die Welt! Dem Schaffenden gehört die Welt, Das Leben dem, der es erhält! Wer mit der Arbeit sich betraut, Mit saurem Schweiße Früchte baut, Aus dunklen Tiefen Schätze hebt, Wer hämmert, zimmert, wirkt und webt, Und wer der Welt gewalt'ge Kräfte In seinen Dienst zu stellen weiß; Wer seines Lebens beste Säfte Dem Leben weiht, mit stetem Fleiß, Dess' Schaffensmut beständig schwellt, Den ehret— ihm gehört die Welt! Dem Schaffenden gehört die Welt, Das Leben dem, der es erhält! Wer alle Kraft zusammenrafft, Als Diener hoher Wissenschaft Natur in seine Dienste zwingt, Dem Leben stetig Neues bringt, Wer mutig, unverdrossen ringend Der Wahrheit hehres Banner schwingend, Mit Flammenwort die Wahrheit kündet, Von weiser Denkerstirn ergründet— Wer in den Die st der Kunst sich stellt, Den ehret— ihm gehört die Welt! Dem Schaffende gehört die Welt, Das Leben dem, der es erhält! Wer müßig sitzt und grämlich brütet Und seine Sorgen seufzend hütet, Wer niemals Schaffensmut besessen, Der Welt zu fluchen sich vermessen, Wer nie zum Leben sich bekehret Und grämlich Pessimismus lehret, Den laßt im dumpfen Winkel sitzen. Dem Leben kann er niemals nützen!— Dem Schaffenden gehört die Welt, Das Leben dem, der es erhält! Frida Karow. Gesellensahrten. Eine Weih nachtsgeschichte von Philipp Scheidemanu 4 Nachdr. verd. (Fortsetzung.) 08 Gottlieb, der jetzt singt, wie ein heiserer Nabe; verstcherte ausdrücklich, daß er vor zwanzig Jahren habe besser singen können. Dann erzählte er weiter: es wurde mir reichlich aufgetragen, Butter, Brot und Käse. Auch ein Grog wurde mir schnell gebraut. Und dann ging eine amüsante Plauderei los. Woher? Wohin! Haben Sie auch einen Schatz? Und weiter erzählte mir die Schwarze, daß die„Olsch“, die Alte, zu großem Kaffeklatsch sei und daß dann jedesmal sie— die Schwarze — als die verständigste und die gesetzteste die Aufsicht zu führen hätte. Bei dieser Erzählung wollten sich die anderen halb tot lachen. Diese kreuzfidele Hexe die„vernünftigste und gesetzteste“ — das schien mir allerdings auch zum Lachen. Da war im wahren Sinne des Wortes der Bock zum Gärtner gemacht worden. Die Schwarze— sie wurde Liesbeth genannt — drückte mir schließlich einige Groschen, die ste gesammelt hatte, in die Hand. Ich dankte und machte eine möglichst elegante Verbeugung. „Kommen Sie bald wieder!“ sagte mir meine Wohltäterin zum Abschied.„Das Glück wird mir kaum beschteden sein“, antwortete ich. Es war mir ganz eigenartig zu Mute, als ich wieder auf der Straße war. Ich hatte wieder in lang entbehrter Atmosphäre geatmet. Aus dem Korridor heraus hörte ich wieder die hellen Mädchenstimmen: Aber fort muß er wieder, Muß weiter Zeh n! Gottlieb Schulze stärkte sich durch einen herz⸗ haften Trunk, um dann fortzufahren in seiner Erzählung: i Mein Entschluß stand fest. Unter allen Um⸗ ständen wollte ich die Walze so bald als möglich beenden. In Hamburg mußte es glücken, Arbeit zu bekommen. Und wirklich 1 he, 10 ir die i et I L —— Nr. 2. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 7. es glückte. Merkwürdig, daß ich so häufig an die Schwarze in Elbeck dachte. Und als ich den ersten neuen Rock trug und später einen ganzen neuen Anzug— jedesmal mußte ich an meine Fechtversuche denken und jedesmal sagte ich mir: jetzt würdest du gewiß auf die lustigen Büglerinnen einen besseren Eindruck machen, besonders auf die Eine. Es kam der Hochsommer und mit ihm die Kündigungen dutzendweise. Wieder arbeitslos! Peter Löhde, der inzwischen verstorbene Her⸗ bergsvater auf den Kohlhöfen, hatte mich in sein Herz geschlossen. Auf sein Zureden blieb ich, er wollte kreditieren, bis ich neue Arbelts⸗ gelegenheit fände. Ich blieb eine, zwei und schlielich drei Wochen. Und da wurde ich aus Hamburg hinaus geknobelt. Und das kam so. Wir saßen ziemlich mißmutig bei Löhde am runden Tisch und bliesen Trübsal nach Noten. Wohl ein Dutzend kunstloser Typenfänger. Es war an einem Freitag Nachmittag. Da trat Peter mit einem fremden Herrn zu uns und machte uns die Mitteilung, daß der Buch⸗ druckereibesitzer Jungmüller aus Elbeck nicht nur ein paar Runden spendieren, sondern auch einen von uns engagieren wollte! Na, das wirkte wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Die Runden waren bald getrunken, jeden⸗ falls war die Rundenfrage viel schneller erledigt, wie die Engagementsfrage. Einige ältere von uns lehnten es ab, Hamburg zu verlassen. Von den jüngeren waren verschiedene bereit, zu gehen, aber keiner wollte dem anderen vor⸗ greifen. Ausknobeln! Ja, dieser Vorschlag Peters war acceptabel. Ausknobeln! Und ich war Ich warf das höchste der Beneidens werte! Hausnummer. Am Sonntag sollte ich nach Elbeck kommen. Ich erhielt einen Vorschuß, von dem ich auch die Reisekosten bestreiten sollte. Natürlich be⸗ gannen wir sofort Abschied zu feiern. Wir feierten Freitags und wir feierten Samstags weiter. Und als ich am Sonntag früh mit neuem Schuß vom braven Peter gen Norden fuhr, da quälten mich nicht nur Fragen wie die: wirst du sie wiedersehen? sondern auch ganz verfluchte Kopfschmerzen. (Fortsetzung folgt.) Aus unseren Tagen. Von Gerard Keller. 9)(Fortsetzung.) Es wäre schwierig gewesen, den Zusammen⸗ hang dieser Versicherung zu enträtseln, aber Malbine war in diesem Augenblicke viel mehr mit der Ueberlegung beschäftigt, daß sie doch wirklich ein sehr gewagten Schritt getan habe. „Es ist nicht leicht einem jungen Mann vorwärts zu helfen, besonders gegenwärtig, wo man überall so schwierige Examina verlangt, die in gar keinem Verhältnis zu der schmalen Besoldung stehen,“ sagte Morsen und setzte hin⸗ zu, indem er noch ein wenig vorwärts rückte: „Und wozu hat ihr Bruder denn Lust?“ „Ach, zu allem,“ antwortete Malvine und ste fühlte dabei, wie unverantwortlich albern es dadurch wurde, daß sie gerade Morsens Protektion suchte. Endlich fand ihr Blick den Spiegel und— begegnete darin den Augen Morsens, der auch gerade sein Ziel erreicht hatte. Sie sahen einander an, länger als sie selbst wußten, dann schlugen ste beide die Augen nieder und erhoben sie zu gleicher Zeit wieder, so daß ste beide überzeugt waren, das eine habe das andere unaufhörlich betrachtet. Sowohl Malvine wie Morsen gerieten in immer größere Verlegenheit und das Gespräch über Franz war nur noch ein bloser Wechsel von allgemeinen Redensarten ohne bestimmtes Ersuchen und ohne entschiedene Zusage. Endlich stand Malvine mit der Hoffnung auf, daß Herr Morsen ihren Schritt nicht übel deuten werden, und Morsen erklärte, daß er dem jungen Menschen furthelfen wolle, soviel as in seiner Macht liege. Damit war die Be⸗ ratung abgelaufen, die beide gleich unbefriedigt ließ. Morsen machte sich Vorwürfe, daß er nichts besseres zu sagen gewußt habe, als einige unbedeutende Redensarten über den Beruf eines jungen Menschen, und Malvine, die nun eine kleine Probe davon gehabt hatte, was es heiße, sich dem allgemeinen Nutzen zu widmen, empfand die Mühseligkeit dieser Aufgabe und zugleich die Vergeblichkeit ihres Besuches. Je mehr sie sich an das erinnerte, was sie gesprochen hatten, um so fester war sie überzeugt, daß ste eine Albernheit begangen habe. Zu Hause angekommen, beschränkte sie sich auf die Mitteilung von dem Hauptinhalte ihres Gesprächs nebst den letzten Worten Morsens, welche, wenn ste auch für Malvbine nur eine ge⸗ wöhnliche Form waren, für die Einbildung ihres Bruders Franz die baldige Aussicht auf eine Stellung eröffneten und für dessen Vater nach seiner Erklärung mehr galten, als tausend Worte von anderen. Er fand es darum auch ausgezeichnet, daß Malvine seinen Plau aus⸗ geführt habe, denn er habe ja immer gesagt, daß man sich nur an Morsen wenden müsse. Dieser Abend war für die Familie Werner glücklicher, als man anfangs voraussehen konnte. Franz war auf dem Gipfel der Freude; die Mutter befand stch einmal ohne Sorgen für den kommenden Tag und Werner lebte bei dem fröhlichen Geplauder seiner Tochter neu auf, deren ganzes Bestreben darauf ging, den Trüb⸗ sinn, wenn auch nur für kurze Zeit, zu ver⸗ scheuchen und die Hoffnung zu beleben. Hoff⸗ nung war ja das einzige was ste geben konnte — Hoffnung und Mut, gegründet auf den Glauben an eine Hand, die Hilfe bringen kann, wenn sich sonst keine Aussicht mehr zeigt. Sie war unerschöpflich in tröstenden Beispielen von Familien, die emporgekommen und reich ge⸗ worden waren. Sie ging mit ihrer Mutter die Haushaltungsrechnungen durch, sprach mit Franz über die einzuschlagende Laufbahn und spornte die jüngeren Kinder zum Fleiße an, und als sie wieder in die Taubermann'sche Wohnung zurückkehrte, war die ganze Familie Werner voll Mut und Hoffnung auf das, was kommen sollte.— „Es ist wirklich ein allerkiebstes Gesichtchen,“ sagte Morsen zu sich selbst, als er am Abend in seinem roten Zimmer allein saß und er warf dabet einen Blick in den Spiegel, worin er ihr Bild gesehen hatte—„wirklich ein Paar hübsche Augen! und wie sie mich aablickte! Site hatte gewiß nicht daran gedacht, daß sie mich im Spiegel sehen könne. Wer hätte denken sollen, daß ich einmal einen solchen Besuch bekommen würde! Vor zwanzig Jahren würde ich mich darüber nicht gewundert haben; ich kann sehen, daß ich alt werde, früher hätte ich auch wohl einen besseren Gegenstand zum Gespräch ge⸗ funden, als den halbgaren Bruder. Wenn ste wiederkommt soll es anders werden! Aber wird ste jemals wiederkommen? Wahrhaftig, salche amtliche Stellung hat doch ihre Vorzüge, wenn sie derartige Besuche bewirkt.“ Zum ersten Male seit den letzten Monaten begann Morsen etwas weniger verdrießlich über seine Stellung nachzudenken, aber nach und nach machte diese Stimmung einem Gefühl der Einsamkeit und Verlassenheit Platz, welches endlich so stark wurde, daß er seinen schwarzen Schlafrock auszog, sich ankleidete und mit der verzweifelten Hoffnung in die Stadt ging, sich dort weniger einsam zu fühlen. Er kam in das Kasino und fand dort einen langen ge⸗ deckten Tisch, an dem kein Mensch saß, und als er sich umblickte, bemerkte er nur schläfrige Ge⸗ sichter, welche über langweilige Zeitungen ge⸗ bückt waren und am Billard befanden sich einige junge Leute, die er als Kinder gekannt hatte. Nein, sagte er zu sich selbst, dahin gehöre ich auch nicht. Er verließ das Casino wieder, schlenderte nach Hause und suchte aus Lange⸗ weile sein Bett auf. Am folgenden Morgen standen ihm die Ereignisse des vorigen Tages noch klarer vor der Seele und er fühlte mehr als je seine Einsamkeit. In seinem Zimmer fand er es außergewöhnlich still und unbehag⸗ lich; als er vor dem Spiegel seine Toilette be⸗ endigte, dachte er wieder an die Augen, denen er gestern darin begegnet war und ohne es selbst zu wissen, überlegte er, ob er auch als verheirateter Mann diese Wohnung behalten lönne. Tor, murmelte er, indem er plötzlich seine Gedanken unterbrach, wie kann ich an solche Albernheit denken! Heiraten! Und er summte ein Lted vor sich hin, kleidete sich voll⸗ ständig an und begab sich auf sein Bureau, wo er fortwährend nach den vierhundertvierund⸗ vierzig blauen Steinen blickte und die fünfzehn geborstenen mit dem vertrockneten Unkraut eben⸗ falls nicht übersah. (Fortsetzung folgt.) n Splitter. Hab' ich kein großes Schiff zur Fahrt, Muß ich auf kleinem Kahne treiben; So werd' ich doch bei gleicher Art Und unverwandten Sinne bleiben. 1 F. H. Geffken. * * Du darfst nicht, lebst du recht, Nach bösen Mäulern fragen; Es lieget nicht an uns, Was der und jener sagen. Numoristisches. Im Dachzimmer. Arzt:„Ich lasse Ihnen dieses Pulver hier. Nehmen Sie es sofort nach dem Mittagessen.“ Kranker:„Es wäre sehr gütig von Ihnen, mir auch das Mittagessen hier zu lassen.“ Der arme Zar. O Gott, mit Rußland ist es aus! Der Hof selbst ist verpöbelt. Hat doch den arme Nikolaus Ein Großfürst jüngst vermöbelt „Die Welt ist schnöde und kommun!“ Rief da der Zar voll Kummer, „Was soll ich mit Verwandten tun Mit solcher Handschuhnummer?“ Er wird lange warten müssen! Stöcker erklärte im Reichstage, er„warte auf die Stunde, wo sich die Arbeiter von der Sozialdemokratie abwenden werden.“— Der Mann ist anspruchsvoll: weil er es auf siebzig Jahre gebracht hat, deshalb meint er, er wüsse ewig leben! (W. Jak.) Andere Zeiten! Die Zeiten in Rußland haben sich leider sehr geändert. Vor zweihundert Jahren bestieg Zar Peter der Große mit dem Berliner Abge⸗ sandten dem Kremlturm und sprach:„Ich will dir mal zeigen, wie gehorsam meine Leute sind“, unt „spring da runter!“— Sofort sprang runter und brach sich den Hals.— Heute?— Wenn dem Zaren ein fiele zu sagen:„Spring da runter!“ da tut's höchstens der deutsche Botschafter. (Simpl.) Feudal. Herr v. X.: Aeh— äh! Wozu denn Volkszählung? Is ja Unsinn! Volk zählt ja über⸗ haupt nich! (Südd. Postill.) . Die Firma D. Kaminka, Marktplatz 11, am Kriegerdenkmal, hält sich als anerkannt reelles und leistungsfähiges Geschäft am Platze, zum Bezuge von Uhren⸗Gold⸗ und Silberwaren auf das Angelegent⸗ lichste empfohlen. Reparaturen und Gravierungen prompt und preiswert. Geschichtskalender. 14. Januar. 1905 Prof. Ernst Abbs in Jena T. 1887 Puttkamer's Expatriterungsvorlage. 1890 Poligeikommissar Wohlgemuth⸗Mühlhausen pensionirt. (W. war als Spitzel in der Schweiz, wo er„anar⸗ chistische“ Agitation trieb.) 15. 1898 Der„Vorwärts“ veröffentlicht Puttkamer's geheimen Streikerlaß betr. Verkümmerung des Koa⸗ litionsrechtes. 16. 1905 Rhein⸗westfäl. Bergarbeiterstreik. 1893 Ende des Bergarbeiterstreiks im Saarrevier. 1865 Proudhon 7. 17. 1793 König Ludwig XVI. von Frankreich wird von der Nationalversammlung zum Tode verurteilt. 18. 1896 Landgerichtsdirektor Brausewelter Berlin, be⸗ rüchtigt durch unerhörte Urteile gegen die Sozial⸗ demokratie, stirbt im Irrenhause. 19. 1874 Hoffmann v. Fallersleben, freigesinnter Dichter F. 1736 James Watt, Erfinder der Dampfmaschine*. 20. 1900 Kohlenarbeiterstreik in Böhmen. 1265 1. Zusammentritt des Hauses der Gemeinen in London. (& geboren. f gestorben.) — 15 Mitteldeutsche Sonutags- Zeitung. Nr. 2. Singer Co. Nähmaschinen Act. Ges GIESSEN I Lindenplatz 1. a Oeffentliche Gewerkschaftsversammlung Sonntag, den 14. Januar, nachmittags 4 Ahr im Lokale des Herrn Orbig, Rittergasse 17. Tagesordnung: 1. Die bevorstehenden Gewerbegerichtswahlen. Beisttzer. 2. Aufstellung der Kandidaten. Die Gewerkschaften werden gebeten, flir zahlreichen Besuch Sorge zu tragen. Das Kartell. Bericht der 1 Ein nützlicher Ratgeber, ein unent⸗ Hehtung! Turner! Hehtung! Sonntag, den 14A. Januar, nachmittags 3 Uhr bei Gastwirt Korndörser, Kaplaneigasse: Allgemeine Turner versammlung agesordnung: 1. Beratung der Satzungen für den III. Bezirk. 2. Wahl des Bezirksvorstandes. 3. Verschiedenes. Die Turngenossen von Giessen, Alsseld, Ockers hausen, Launsbach, Heuchelheim, Beuern, Alten⸗Buseck und Stausen⸗ berg sind zu dieser 75 8 55 eingeladen und werden um zahl⸗ reiches und pünktliches Erscheinen ersucht. Der Einberufer. Giessener flusschuss für Volks porlesungen und verwandte Bestrebungen. Erste(geschichtliche) Vorlesungsreihe: Die Entstehung des modernen Deutschland(1740 1818) von Oberlehrer Dr. fl. Klein. Montag, den 15. Januar 1906, abends 8 ½ Uhr: Erste Vorlesung(mit Diskusslon): Der alte Stadt im 18. Jahrhundert. Eintritt frei für Jedermann. Dle Vorträge finden sümtlich in der Turnhalle des Real- gumnasiums und der Oberrealschule statt. 8 War einmal dass manche Leute glaubten, man kaufte von Nichtfach- leuten billig. Das rächte sich aber, sobald es Reparaturen gab.— Ich liefere unter Garantie, dauerhafte und elegante Mäh maschinen aller Systeme von Mk. 40.— an. Joh. F. Schaaf, Giessen, Wetzsteinstrasse 44. Hrbeiter-siotiz- Halender 1000 Verlag der Buchhandlung vorwärts Gebunden 60 Pfennig behrliches Nachschlagebuch für alle in Partel und Gewerkischalten organi- sterten Arbeiter Der dlesjährige Kalender enthält u. a.: Vierzig Jahre deutsche Soztaldemokratie.— Nor- male Ernährung und Volks- ernährung. Von E. Wurm.— Wissenswertes aus dem ge⸗ werblichen Recht.— Die Jae lagswahlen 1903 unit den seither staltgefundenen Nachwahlen.— Biographien unserer Reichstags ⸗ abgeordneten.— ee e und Gewerkschaftspresse Deutschland.— 0 0 der deutschen Gewerbe-Inspektoren— der deutschen Gewerkschaften— der Mitglieder der Generallommisston der Internationalen Sekretaxsate — der Arbeiterselretarkate.— Mit⸗ gliederzahlen u. finanzielle Lelstun⸗ gen der deutschen Gewerk chaften.— Mitglieder in den einzelnen Gewerlschaften.— Welb⸗ 9 0 Mitglieder.— Portotaxe, Münztabelle, Einnahme- und Aus⸗ gabetabellen usw. Außerdem enthält der Kalen⸗ der e e 11 1 5 tes Lichtbruckbilb: Tellnehmer am Elnigungs⸗ 2 Hongreß In SCotha 1818.2 gu baglehen llt der stalender durch die Expedition der Mitteld. Sonntags⸗Ztg. Rittergasse 17. Wafferkrüge Packkörbe kaufen Benner& FArumm Friedr. Schupp 3 Lollar Uhren, Gold-, Hilber und Optische Waren. Eigene Reparaturwerkstätte. Flechten allss. und troch ene Schuppeußlsente, skroph. 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