„ fl eee Nr. 1. Gießen, den 7. Januar 1906. 13. Jahrgang. Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Jonn Mitteldeutsche tags⸗ Zeitung. Nedaktiousschluß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. Abonnementspreis: Bestellungen Juserate 2 Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt. Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindestens Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Postaustalt und 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung die Sudden 5— Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 5107) 334/% und bei mindestens 22 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Steuern die„man nicht merkt“. Eine der gangbarsten politischen Unwahr⸗ heiten, mit denen das geduldige Volk in der Dummheit erhalten wird, ist die Behauptung der reaktionären Volksbedrücker, daß man die indirekten Steuern„nicht merkt“, und daß ste deßhalb die besten Steuern darstellen. Schon Lassalle hat diesen Humbug der Reaktion in seiner klassischen Abhandlung über die indirekten Steuern aufs bündigste zurückgewiesen. Nur ein vollkommen gedankenloser Mensch, der nie über eine national⸗ökonomische Frage auch nur oberflächlich nachgedacht hat, läßt sich heute noch von dem reaktionären Geschwätz betölpeln, daß die indirekten Steuern das Ideal einer Steuer überhaupt bedeuten. Auf diese gedankenlosen Nachbeter reaktionärer Weisheit, die allerdings nur in den Reihen der Leser reaktionärer oder „unpolitischer“ Blätter zu finden sind, rechnet aber gerade die Klasse der reaktionären Inte⸗ ressenten, die aus politischer Blindheit anderer für sich Kapital schlägt. Immer wieder müssen wir demgegenüber betonen, daß eine politische Aufklärung des Volkes über seine Lebensinte⸗ ressen, eine Unschädlichmachung des reaktionären Verdummungssystems nur möglich ist durch die denkbar weiteste Verbreitung der unab⸗ hängigen Presse. Nur ste öffnet dem Volke die Augen über das Gespinnst von falschen An⸗ schauungen, in das man es einzuwickeln ver⸗ sucht, um es mit ruhiger Sicherheit für reak⸗ tionäre Zwecke ausbeuten zu können. Was für ein Unsinn die unwahrhaftige Be⸗ hauptung ist, daß man die indirekten Skeuern nicht merkt, das weiß jede Hausfrau, die auf ein festes Wirtschafts geld angewiesen ist und die in den letzten Jahren, besonders aber seit Beginn der letzten Fleischteuerung, nur zu sehr gemerkt hat, daß die indirekten Steucrn auf alle Lebensbedürfnisse ein mächtiges Loch in alle Berechnungen und in alle Sparsamkeits⸗ absichten reißen. Außerdem werden die Er⸗ fahrungen der einzel nen Haushaltungen durch die Statistik durchaus bestätigt. Wie könnte es auch anders sein! Für eine Anzahl von Städten hat man neuer dings die Wirkungen der Erhöhung der Lebens mittelpreise auf die breite Masse der Konsumenten festgestellt. Es ergibt sich daraus, daß die Kosten der Ernähr⸗ ung im Durchschnitt für eine Familte mit vier Köpfen betrugen in Mark: pro Woche: 1900 1901 1902 1903 1904 1905 20.44 20.56 20.72 21.15 21.29 21.98 pro Jahr: 1062.88 1069.12 1077.44 1099.80 1106.98 1142.96 Eine Familie, die für die Nahrungsmittel⸗ menge im Jahre 1900 1062.88 Mark zu be⸗ zahlen hatte, mußte im Jahre 1905 80.08 mehr oder 1142.96 Mark aufwenden. Es ergibt sich also eine Verteuerung von beinahe 8 Prozent gegen das Jahr 1900. Die Steigerung des Kostenaufwandes für die Ernährung wirkt aber um so empfindlicher, als im allgemeinen das Einkommen der Arbeiter den Stand des Jahres 1900 noch nicht wieder erreicht hat. „Gegen 1904 ist die Steigerung der Nahrungs⸗ mittelpreise im Vergleich zu den früheren Jahren geradezu sprunghaft. Sie beträgt jahr⸗ lich rund 36 Mark, während die Steigerung in den vier Jahren 1901 bis 1904 zusam men 44 Mark, von 1900 Ausgangspunkt genommen, beträgt. Die starke Steigerung der Haushal⸗ tungskosten im Jahre 1905 ergibt sich in der Hauptsache aus den Preiserhöhungen für Fleisch. Und angesichts dieser höchst beträchtlichen Er⸗ schwerung der Lebenshaltung des deutschen Ar⸗ beiters, die mit dem Inkrafttreten der neuen Handelsverträge abermals gesteigert wird, schlägt die Reichsregierung neue in⸗ direkte Steuern vor! Man darf heute schon als sicher annehmen, dat bei einem Jahresverbrauch von 1000 bis 1200 Mark mindestens 80 Mark auf die in den Lebensmittelpreisen steckenden in direk⸗ ten Steuern kommen. Nach dem Inkraft⸗ treten der neuen Handelsverträge mit ihren horrend erhöhten Zöllen und nach Annahme der neuen indirekten Steuern wird sich dieser Satz für viele Familien verdoppeln. Und gerade für die wirtschaftlich schwächsten Kreise, für den Arbeiter, für den Mittelstand, für den kleinen und mittleren Beamtenstand sind die indirekten Steuern besonders drückende weil ihr Druck mit der Kleinheit des Ein⸗ kommens zunimmt. Ein Mann mit 100,000 Mark Einkommen zahlt an indirekten Steuern uicht hundert Mal soviel wie ein Mann mit 1000 Mark Einkommen, weil er nicht hunderi Mal so viel Brot, Fleisch und andere Konsum⸗ artikel verbraucht, wie der kleine Mann. Darin eben liegt die ungeheuerliche Ungerech⸗ tigkeit der indirekten Steuern, daß sie außer jeder wirksamen Beziehung stehen zu dem Steigen des Einkommens. Und dabei wagt man immer noch den alten, durch die Praxis und die nationalökonomische Wissenschaft taufendmal widerlegten groben Schwindel aufrecht zu er⸗ 1 man die indirekten Steuern„nicht merkt“! Hoffentlich sorgt gerade die maßlose Ueber— spannung dieses Steuersystems dafür, daß auch dem Blödesten die Augen über das Unheilvolle und Wohlstandsverwüstende, über das Kultur⸗ feindliche und Ungerechte dieser Steuer allmäh⸗ lich geöffnet werden. a. Obige Ausführungen, die wir einem Partei⸗ blatte entnehmen, finden ihre Bestätigung durch eine Verteuerung der Schuhwaren, die von den Fabrikanten jetzt angekündigt wird, und die Familienväter recht sehr„merken“ werden. Es war ja vorauszusehen, daß der Vieh⸗ und Fleischnot notwendigerweise eine Steigerung der Leder⸗ und damit der Schuh⸗ warenpreise folgen muß. Bereits vor Monaten ist eine solche erfolgt und schon wird eine neue angekündigt. So veröffentlicht der Verein der Tuttlinger Schuhfabrikanten folgende Mit⸗ teilung: „Höhere Schuhpreise! Der seit langer Zeit empfindlich fühlbare Mangel an rohen Häuten und Fellen und die damit verbundene Produk⸗ tionseinschränkung in der gesamten Lederindustrie haben auf dem Ledermarkte derart hohe Ver⸗ kaufspreise hervorgerufen, wie sie die Schuh⸗ industrie seit Jahrzehnten, abgesehen von der rasch verlaufenen Hausse des Jahres 1895, nicht gekannt hat. Die Berechtigung dieser Preisbe⸗ wegung ist durch die Tatsache erwiesen, daß zur Zett die rohe ungegerbte Ware mindestens ebenso hohe und teils noch höhere Preise erreicht hat, als gegerbte, fertige Leder zu normalen Zeiten erzielen konnten. Diese Verhältnisse veranlassen die Tuttlinger Schuhindustrie, deren Mehraufwand an Materkal sich auf 20 bis 30 pzt. beziffert, zu einer so⸗ fortigen weiteren Er höhung threr M de um 10 pgi. In Anbetracht der heutigen Marktlage werden weitere Steigerungen in absehbarer Zeit folgen müssen. Der reelle Schuhhändler, welcher seinen Kunden die seitherigen guten Qualitäten liefern will, ist daher gleichfalls ge⸗ zwungen, seine Verkaufspreise zu erhöhen.“ Das deutsche Volk wird also, zu Nutz und Frommen der„notleidenden“ Ostelbier, nicht nur den Hungerriemen enger schnallen, sondern auch neben vielem anderem sein Schuhwerk teuer bezahlen müssen. Kartoffeln essen und barfuß gehen— das ist das„Kultur“ Ideal des preußisch⸗deutschen Junkerkurses. Diese Entwickelung wird auch dem kleinen Bauer, der aufgestachelt durch bezahlte Agitatoren des Junkerbundes die Zollpolitik„zum Schutze der Landwirtschaft“ unterstützte, recht fühlbar werden und die Denkenden unter der„ werden einsehen, wie töricht und wie sehr gegen ihr eigenes Interesse sie handelten, wenn sie den Großagrariern Heerfolge leisteten und den Bund der Landwirte— den Bauern⸗ fängernbund, wie Herr Hirschel ihn früher ganz richtig nannte— womöglich gar noch durch ihre Beitragsgroschen stärkten! Mögen sie sich von solcher zum Schaden des kleinen Mannes betriebenen Ausbeuterpolitik abwenden, ehe es zu spät ist! Gegen die Tabaksteuer⸗Erhõhung! Einen neuen Aufruf richtet die Zentralkommission der Tabakarbeiter Deutschlands an alle Wahl vereine, Ge⸗ werkschaftskartelle und Gewerk⸗ schaften. Unter Hinweis auf die drohende Erhöhung der Tabaksteuer richtet die Kommission das Ersuchen an die erwähnten Vorstände, dem Kampfe gegen die neue Belastung des Tabaks ihre Unterstützung zu leihen. Es heißt in dem Aufrufe: 175 Sollten diese Vorlagen Gesetz werden, würden nicht nur viele Zehntausende von Ta⸗ bakarbeitern brotlos und mit ihren Familien dem Elend preisgegeben werden, in der Wechselwirkung würde es sich nicht nur um Hunderttausende geschädigter Personen handeln, sondern diese Schädigung würde sich auf alle Industriezweige erstrecken und diese ebenfalls in Mitleidenschaft ziehen. Die Kommission hat in ihrer Flugschrift Nr. 3 die Bedeutung dieser Gefahren für die ganze Ar⸗ beiterschaft klargelegt. ö Die sozialdemokratische Partei hat bei den früheren Projekten ähnlicher Art (Entwurf zur Einführung des Tabakmonopols 1882, Einführung einer Tabakfabrikatsteuer 1893-1895) in den ersten Reihen der Kämpfer zur Bekämpfung dieser Projekte gestanden. Wir rechnen auch jetzt darauf, daß alle Arbeiter Schulter an Schulter stehen werden, um diese Entwürfe zu Fall zu bringen. 7 Seite 2. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 1. Au die Parteigeucssen um ganzen Reiche wenden wir uns mit der Bitte, uns bei der e dieser Flugschrift unter⸗ ützen zu wollen. 5 nie Dersendurt erfolgt unsererseits kosten⸗ und portofrei, und würde sich die Verteilung in Protest⸗, Volks⸗, Wahlvereins⸗ sowie Gewerk⸗ schafts⸗Versammlungen sehr empfehlen. Schriftliche Bestellungen oben erwähnter Vorstände oder Versa mmlungsleiter werden unter Angabe der genauen Adresse sowte der gewünschten Anzahl der Exemplare unter der Adresse: Karl Butry, Stralsunderstr. 41, III, Berlin N 31 erbeten. r———.— Politische Rundschau. Gießen, den 4. Januar 1906. Wieder 30 Millionon für Südwest⸗ Afrika. Vom Reichstage wird wieder ein Nachtrags⸗ etat von 30 600 000 Mk. für das südwestafri⸗ kanische Abenteuer verlangt. Damit erreicht die zur Niederwerfung des Aufstandes aus⸗ gegebene Summe eine Höhe von 300 Millionen 200000 Mark. Dazu nehme man die ca. 2000 Toten und Verwundeten, die dieser allein von den Weißen verschuldete Krieg uns schon gekostet hat! Und noch ist kein Ende abzusehen! Welche Unsumme von frivol heraufbeschworenem Elend liegt in diesen trockenen Ziffern! Wie nutzbringend hätten jene 300 Millionen Mark für Zwecke der Kultur verwendet werden können! Aber solche Erwägungen kümmern die bürgerliche Mehrheit des Reichstags nicht. Von der äußersten Rechten bis zur äußersten Linken wird sie mit Hurra auch die neuen Forderungen bewilligen. Zur Erkenntnis gekommen, Ein katholischer Priester sandte unserm Augsburger Parteiorgan sein neues politisches Glaubensbekenntnis, in dem er u. a. schreibt: „Ich habe die volle Ueberzeugung, daß man in zahlreichen Kreisen den Sozialismus immer noch und nur deshalb verwirft, weil man den Sozialismus gar nicht kennt!“ Das ist ganz richtig. Und weil man in zahl⸗ reichen„besseren“ Kreisen keine Kenntnis und kein Verständnis von der wirklichen Lage der Arbeiter hat, nimmt man eine gegensätzliche Stellung zur Arbeiterbewegung im Allgemeinen ein. Die nötige Kenntnis sich zu erwerben, gestatten die entgegenstehenden Klasseninteressen sehen man will den Sozialismus nicht ver⸗ ehen. Zum sächsischen Wahlrechtskampfe. Vorschläge zu Wahlrechts„reformen“ schießen jetzt in Sachsen wie Pilze aus der Erde nach warmem Regen. Alle möglichen„Politiker“ zerbrechen sich die Köpfe darüber, was für ein Wahl, recht“ dem Sachsenvolke bescheert werden soll. Einer schlägt in einem Leipziger Blatte ein Projekt vor, das nach seiner Meinung ganz„gerecht“ sein soll. Die„Gerechtigkeit“ gipfelt darin, daß sechs Berufsklassen gebildet werden sollen, die in direkter Wahl wählen. Die vier ersten Klassen umfassen liebevoll alle Geldsacksgesegneten; Klasse 5 vereinigt Sub⸗ alternbeamte, eee Handlungs- gehilfen usw., und der Masse der Lohnarbeiter überläßt der gute Mann gnädigst die sechste Klasse. Eines ist all den verschiedenen von bürgerlichen„Politikern“ ausgehekten Projekten eigen— ste meiden den Vorschlag, die all⸗ gemeine, gleiche, direkte und geheime Wahl einzuführen, wie ein Kind mit verbrannten Fingern das Feuer. Sie begnügten stch mit elender Flickarbeit und meinen, durch groß⸗ mütigst gespendete Bettelpfennige den branden⸗ den Unwillen der entrechteten Massen stillen zu können. Man muß nun abwarten, ob wenigstens die Regierung die politische Situation besser begreift. Man braucht aber nach dieser Richtung hin keine großen oder überhaupt keine Er⸗ wartungen zu hegen.— Wie groß die Augst vor dem Unwillen des Volkes ist, beweist der Umstand, daz in mehreren Stabten Sachsens am Sonntag das Militär in den Kasernen konsigniert blieb, weil man für die Sylvester⸗ nacht größere Demonstrattonen erwartete. Die Behörden hätten sich wohl sagen können, daß die Sozialdemokratie den Sylvesterrummel nicht benutzen wird, um für die Rechte des Volkes, für eine bitterernste Sache zu demonstrieren! Russische Urteile in Sachsen. Für den Schrecken, den die sächsischen Spießer bei den Wahlrechtsdemonstrationen ausgehalten haben, nehmen jetzt die Gerichte an einzelnen Demonstranten Rache. Außer dem Schmied, von dessen Verurteilung zu 3 Wochen Haft wir in letzter Nummer berichteten, fiel dem Gericht der Zimmermann Wolff zum Opfer, den es wegen„Aufruhr“ zu einem Jahre zwei Monaten Gefängnis verurteilte. Wolff hatte an den Protestversammlungen nicht teil⸗ genommen, sondern war auf dem Nachhauswege im angetrunkenen Zustande in den Zug der Demonstranten gekommen, war ein Stück mit⸗ gezogen und hatte dann in einer Wirtschaft geschimpft. Und wegen dieser Bagatelle eine so harte Gefängnisstrafe! Aber noch andere Schreckensurteile fällten die Dresdener Richter. Am Samstag wurden der 21 Jahre alte Metalldrücker Schreiter und der 45 jährige Bahnarbeiter Steuer wegen Teil⸗ nahme an der Wahlrechtsdemonstration erster zu drei letzterer zu 2½ Jahren Gefäng⸗ nis verurteilt. Das sind einfach unerhörte, skandalöse Urteile! Tätlichkeiten sind keinem der Verurteilten nachgewiesen. Drei Jahre Gefängnis für den Protest gegen die Dreiklassenschande und das volksfeindliche Regiment! Das Volk wird den Klassenhaß, der in diesen Urteilen zum Ausdruck kommt, zu würdigen wissen. Es wird desto mehr zu⸗ sammenhalten und dafür sorgen, daß die Klassenherrschaft und damit auch die Klassen⸗ justiz so schnell als möglich beseitigt wird! Der Kampf der Arbeiterklasse gegen Unter⸗ drückung und Ausbeutung wird unentwegt und unverdrossen weiter geführt werden! Die deutsche Gerechtigkeit die in diesen Ur⸗ teilen zum Ausdruck kommt, erfährt durch einen andern Fall noch eine besondere Beleuchtung. Graf Pückler war wegen Aufreizung er hat bekanntlich in vielen seiner Reden zum Totschlagen der Juden aufgefordert— vor eini⸗ ger Zeit zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden. Trotz seines großen Maules hat er aber nicht den Mut, die Strafe auf sich zu nehmen, sondern er bettelte um Gnade. Und richtig, ste wurde ihm gewährt, die 6 Monate Gefängnis wurden in Festungshaft um⸗ gewandelt! Das bedeutet für den Grafen keine Strafe, sondern eine Erholung. Diese Begnadigung und die Verurteilung der Arbeiter in Dresden halte man zusammeu. Ganz richti bemerkt die Frkftr. Ztg. dazu:„Hier ein Graf mit kalten Blutes vorbereiteten aufrührerischen Reden und relativ kurzer, gemütlicher Festungs⸗ haft— dort Arbeiter mit ein paar in der Erregung ausgestoßenen Ausrufen(nicht Reden) und Gefängnis von ein, zweit, drei Jahren. Wer glaubt wohl, daß solche Tatsachen geeignet sind, das Ansehen der Justiz im Volke zu erhöhen?“— Die deutsche Justiz hat jetzt schon alles Ansehen im Volke verloren! Gegen die Hamburger Wahlrechts⸗ räuberei beranstalten unsere dortigen Parteigenossen am 5. Januar große Demonstrations⸗Ver⸗ sammlungen. Der. der Bürgerschaft hat die Entrechtung der Minderbemittelten fein säuberlich in Paragraphen gebracht und das Gesetzchen angenommen. Zur Annahme des⸗ selben in der Bürgerschaft ist aber Dreiviertel⸗ mehrheit der in der betreffenden Sitzung an⸗ wesenden Mitglieder der Bürgerschaft nötig, und die Sitzung selber muß ebenfalls von min⸗ destens drei Vierteln aller Mitglieder besucht sein. Das Ergebnis der Abstimmung wird von ganz wenigen Stimmen abhängen, oder wie ein Hamburger Parlamentarier sich witzi ausdrückte, von dem Magen⸗ oder Darmkatarr des einen oder andern Weugeiedes der Bargee⸗ schaft. Hoffentlich trägt der wuchtige Volks⸗ protest dazu bei, daß möglichst viele der Wahl⸗ rechtsraub⸗„Lüsternen“ davon ergriffen werden. Es ist eine Dreistigkeit unerhörtester Art von dem Hamburger Protzentum, der Stadt, in welcher sich 1903 mehr als 100000 Wähler von 188000 zur Sozialdemokratie bekannten, mit der Spottgeburt eines solchen„Wahlrechts“ zu kommen. Nach den Beschlüssen des Aus⸗ schusses soll nämlich zur Bürgerschaft die Ab⸗ teilung der„Notablen“ 72(also die Hälfte) Abgeordnete wählen. Die allgemeine Abteilung wählt ebenfalls 72 Abgeordnete, zerfällt jedoch in zwei Klassen, in die eine kommen alle Wäh⸗ ler mit einem Einkommen bis zu 2500 Mk., diese wählen nur 24 Abgeordnete, obwohl sie drei Fünftel der Bevölkerung bilden; die andere Klasse wird aus den Wählern mit mehr als 2500 Mk. Einkommen zusammergesetzt, die blos zwei Fünftel der Bevölkerung ausmachen, aber dennoch doppelt so viel Abgeordnete als die erstere Klasse wählen, nämlich 48! Und so etwas wagt die Gesellschaft der Pfeffersäcke als„Recht“ zu bezeichnen. Reichstagsabgeordueter als Wein⸗ pantscher verurteilt. Der langen Reihe gebrochener Ordnungs⸗ stützen, der Biedermänner, auf die alle möglichen gesellschaftlichen Ehren gehäuft werden, in der Oeffentlichkeit eine Rolle spielten, sonst aber auf sehr wenig ehrenhafte Weise sich zu be⸗ reichern suchten, schließt sich der freisinnige Reichs⸗ tagsabgeordnete für Kaiserslautern, Sartorius an, der wegen Weinpantscherei vom Landgerichte in Frankenthal zu der höch st zulässigen Geld⸗ strafe von 3 000 Mk. und die Kosten(die etwa 20000 Mk. betragen) verurteilt wurde. Außer⸗ dem wurde der beschlagnahmte Wein(etwa 8 Fuder) eingezogen. Nach langen Verhand⸗ lungen stellte das Gericht fest, daß Sartorius mit Zuckerlösung Weine„gestreckt“ hat, daß er in unzulässiger Weise dem Bukett des Weines nachhalf, den Weinen Schwefel wasser zusetzte, gewerbsmäßig Weißweine durch Aufguß von Zuckerwasser auf Trub herstellte, und dazu das ekelerregende Wasser des Mußbachs ver⸗ wandte, in dem Abwässer aller Art abgeführt zu werden pflegten.— Der Staatsanwalt hatte 3 Monate Gefängnis gegen den Weinpantscher beantragt. Sartorius ist der„Vater“ des neuen Weingesetzes und wurde überall als äußerst gewissenhafter Mensch und redlicher Weinproduzent angesehen.— Das ist seit 1903 schon der zweite freisinnige Abgeordnete, der mit dem Strafgesetz in sehr bedenkliche Kolission Nane Seyboth von Eschwege wurde bekannt⸗ ich wegen schmutziger Geldgeschichten verurteilt. Herrn Sartorius soll übrigens noch ein Prozeß wegen Steuerhinterziehung bevorstehen, er habe 100 000 Mk. Einkünfte gehabt, sich aber nur mit 10000 Mk. zur Steuer eingeschätzt. Ein Prozeß gegen eine Anzahl Antimilitaristen wurde vorige Woche in Parts vorhandelt. Vor einiger Zeit hatte eine Gruppe 8 Anarchisten und Soztlalrevolutionäre, darunter der Sozialdemokrat Hervs einen Aufruf an die Soldaten erlassen, der sie aufforderte, im Falle eines Krieges den Militärdienst zu ver⸗ weigern und bei Streikunruhen nicht auf Vater und Mutter, sondern auf den Vorge⸗ setzten zu schießen, der zum Schießen auf das Volk kommandiere. Es wurde gegen 28 Mann der Prozeß eingeleitet; am 30. Dezember wurde das Urteil gefällt. Als schuldig wurden 26 Angeklagte befunden; 2 Angeklagte wurden frei⸗ gesprochen. Hervé wurde zu 4 Jahren Gefängnis, Nvetot zu 3 Jahren und Gohier zu einem Jahr Gefängnis verurteilt; die anderen Angeklagten wurden zu 3 Jahren bis zu 6 Monaten Ge⸗ fängnis verurteilt. Sämtliche Verurteilten wurden außerdem in eine Geldstrafe genommen. In dem Prozeß wurde auch Gen. Jaures als Zeuge vernommen, der erklärte, daß er das Verhalten der Angeklagten billige. Die sozialistische Presse hat sich dagegen verschiedent⸗ lich gegen ihr Vorgehen ausgesprochen. Der Nr. 1. 5 Mitteldentsche Sonnags⸗Zeitung. Seite 3. Prozeß zeigt übrigens, welche Gefahr der Mili⸗ tarismus mit seinem Kadavergehorsam für das Volk bedeutet und insofern dienen die Ver⸗ handlungen als Propaganda gegen den Mili⸗ tarismus. Und dies in dem Maße, daß deutsche Ordnungsblätter darüber entsetzt waren, die stets die französtschen Sozialdemokraten als „patriotischer“ als die deutschen hinstellen. Kleine politische Nachrichten. Arbeiter als Geschwore ne. Die Liste der 5 Geschworenen in Leipzig 1906 weist auch zwei Arbeiter auf. Das sächsische Justizministerium hat vor kurzem ausdrücklich den Wunsch geäußert, daß auch Ar⸗ beiter zu dem Ehrenamte der Geschworenen und Schöffen herangezogen verden, bemerkt die Frkftr. Ztg.— Gleich ganze zwei Arbeiter! Wer will sich da noch über Un⸗ gleichheit beklagen? Die endlose Wahl. Für die Landtagswahl im pfälzischen Kreise Neustadt⸗ Dürkheim ist auf 8. Januar ein neuer Termin angesetzt. Bisher verlief die Wahl etliche 20 mal resultatlos, weil jede Partei an ihren Kandidaten festhielt und deshalb keine Mehrheit erzielt wurde. Die Leberalen versuchten bereits sozialdemokratische Wahlmänner zu kaufen, fielen da⸗ mit aber gebührend ab. Zur Nachwahl in Chemnitz soll der Kom⸗ merzienrat Hermsdorf als Kandidat der Bürgerlichen aufgestellt werden. Doch soll dieser den Antisemiten sehr nahe stehen, weshalb die Liberalen jedenfalls einen eigenen Kandidaten aufstellen. Ang st vor der Sozlaldemokratie hat die Gothaer Regierung. Sie bestätigte auch die Wahl des sozialdemokratischen Fabrikarbeiters Jäger zum Senator in Waltershausen nicht. Der frühere bürgerliche Senator Beinahe wurde von der Regierung als städtischer Senator und Vertreter des Bürgermeisters bestellt. Der zum Bürgermeister gewählte frühere sozial⸗ demokratische Rechtsanwalt Westphal⸗ Königsberg wurde auch noch nicht bestätigt, obwohl er erkkärt hat, nicht mehr agitatorisch tätig zu sein.(Er wurde früher bereits von der Parteiorgantsation ausgeschlossen.) An den englischen Wahlen, die dennächst stattfinden, beteiligt sich die Arbeiterpartei selbständig und hat bereits 51 Kandidaten aufgestellt. Soziales. Die Gründung einer Genossenschafts⸗ Seifenfabrik ist nunmehr in Aken gestchert. An diesem Projekt arbeitet die Großein⸗ kaufs⸗Gesellschaft deutscher Konsumvereine schon jahrelang. Es wurden ihr aber von dem Akener Magistrat, der den„Mittelstand retten“ wollte, große Schwierigkeiten in den Weg ge⸗ legt. Jetzt hatte er wieder gegen die Errich⸗ tung der Fabrik Beschwerde geführt. Man wollte nur die Genehmigung von zehn Kubik⸗ metern Abwässern für den kläglichen Gebrauch erteilen. Die Regierung hat die Beschwerde abgelehnt und sich auf den vernünftigen Standpunkt gestellt, daß eine Beschränkung der Wasser menge eine Unsauberkeit im Betriebe hervorrufen würde. Nun muß die Konzession ertellt werden, wenn nicht andere mittelständ⸗ lerische Bedenken auftauchen. 1½ Jahre ist die Sache jetzt verschleppt worden, nur weil eine spieß bürgerliche Stadtverwaltung im Bunde mit einer rückständigen Polizei jeden Fortschritt mit gesetzlichem Verbot aus der Welt schaffen möchte.— Aus den Gewerkschaften. Die Dach⸗ decker hielten nach den Feiertagen in Braun⸗ schweig ihren Verbandstag ab, auf dem 23 Delegierte anwesend waren. Der Kassen⸗ bericht weist für das letzte Jahr eine Gesamt⸗ einnahme von 47625 Mk. nach, das sind fast 10000 Mk. mehr als im Vorjahre. Vor zwei Jahren schlossen die Finanzen mit einem Defizit ab, jetzt ist ein Ueberschuß von 17000 Mark vorhanden. In der Debatte über die Berichte der Zentrallettung fand im allgemeinen die Geschäftsführung Zustimmung und wurde dem Zentralvorstand Decharge erteilt. Bei der Be⸗ ratung des zweiten Punktes:„Taktik bei Lohn⸗ bewegungen“ ging der Referent Diehl⸗Frank⸗ furt ausführlich auf die Erfahrungen ein, welche der Verband bei den Lohnbewegungen der ein⸗ zelnen Filialen gemacht hat. Hierbei wies er darauf hin, daß mehrere schwere Fehler vorge⸗ kommen seien. Aufgabe bes Verbanbstages sei es, diese Fälle zu besprechen und, soweit es geht, eine Richtschnur behufs Vermeidung der Fehler in Zukunft zu geben. Es wurden ver⸗ schiedene Aenderungen des Streikreglements nach dieser Richtung hin beschlossen. Nevolution in Rufßfland. Die offtziösen Telegraphen⸗Bureaus melden in zahlreichen Depeschen die entgültige Nieder⸗ werfung der Revolutionäre. Die Reaktion triumphiert wieder einmal. Der heldenmütige Kampf der Moskauer Revolutionäre ist aber⸗ mals, und zwar brutaler, gewalttätiger als je zuvor, niederkartätscht worden. Die Revolu⸗ tionäre haben wie Löwen gekämpft. Jeden Fußbreit Boden in der alten Krönungssta dt haben sie mit Blut gedüngt, ehe stie ihn der wildgewordenen Soldateska überließen. Wahre Wunder an Heldenhaftigkeit haben ste verrichtet. Zuletzt waren alle Streitkräfte der Revolu⸗ tionäre im Stadtteil Presna, in dessen Straßen Barrikaden errichtet waren, konzentriert. Die Fabrik Prochorow, wo sich 10 000 Arbeiter und Aufständische befanden wurde von Infanterie, Kavallerie und Artillerie eng eingeschlossen. Das große fünfstöckige Haus Kurnow wurde aus Kanonen beschossen. In der innerhalb des Bannkreises von Moskau gelegenen Ortschaft Nowaja Derevnia versuchten die Hausbesttzer Aufständische zu vertreiben, die in eine Schänke geflüchtet waren und von da aus schossen. Man schloß die Schänke ein und setzte sie von allen Seiten in Brand. Die Reaktion tobt jetzt in Peters⸗ burg. Die Regierung setzt die strengsten Maßnahmen gegen die revolutionäre Presse fort; ste sch lo ß in verflossener Woche nicht weniger als 32 Druckereien; diese Woche sechs. Auch veranwortliche Redakteure der sozialistischen Blätter wurden verhaftet. Aus Moskau wurde am Dienstag be⸗ richtet:„Die Stadt bietet jetzt, nach Abschluß der blutigen Straßenkämpfe, tagsüber das ge⸗ wöhnliche Straßenbild, am Abend dagegen sind die Straßen völlig menschenleer. Das Ver⸗ lassen der Wohnungen nach 9 Uhr ist strengstes verboten. In der Nacht wurde häufig von Revolutionären aus dem Hinterhalt auf vorbei⸗ iehende Patrouillen und Mllitärposten ge⸗ 1 Haussuchungen und Verhaftungen dauern fort, sogar Mitglieder bisher geduldeter Verbände werden verhaftet. Die Herstellung des normalen Bahn ver⸗ kehrs ist eine äußerst schwierige Aufgabe. Manche Bahnlinien waren gänzlich in den Händen von revoluttonären Beamten welche die Wiederaufnahme des Verkehrs nicht zulteßen. Besonders heftiger Widerstand wurde auf der Kasanschen Bahn geleistet, wo die Auf⸗ ständischen die Lage beherrschten. Aus Moskau wurden zwei Bataillone Infanterie entsandt, welche jede Station einzeln erobern mußten. Dabei gab es blutige Zusammenstöße. Nach einer„endgültigen Niederwerfung“ der Revolution steht das wahrlich nicht aus. Im übrigen Rußland wurde in den letzten Tagen noch überall gekämpft.— In den Ostseepro⸗ vinzen befinden sich die Truppen nach den letzten Nachrichten im Vorteil gegen die Revo⸗ lutionäre. Von Nah und Fern. Hessisches. — Noch ein weiterer Wahlprotest. Auch gegen die Wahl des Abgeordneten Ull⸗ mann(natl.⸗bauerubl.) ist von Seiten unseres Genossen Busold in Friedberg Protest ein⸗ gelegt worden, weil in einer Anzahl Orte Gesetzwidrigkeiten vorgekommen sind. In Klein ⸗ Karben sah ein Wähler in An⸗ wesenheit der Frau Bürgermeister, weil letzterer abwesend war, die Liste ein und stellte fest, daß zwei Wähler, Vater und Sohn, nicht eingetragen waren. Am Abend desselben Tages, des dritten Tages nach der Offenlegung, verlangte der Sohn die Eintragung in die Liste, wurde aber vom sie seien keine Hessen, als der Vater die Auf⸗ nahmeurkunde aus dem Ja hre 1874 belbrachte, erklärte der Bürgermeister, die Offenlegung der Liste set um 4 Uhr beendet gewesen. Der Rekurs an das Kreisamt wurde zurückgewiesen. Abgegeben wurden 106 Stimmen, in der Urne fanden sich 107 Zettel vor. Der Wahlmann für Ullmann erhielt 55, der sozialdemokratische 52 Stimmen. Zieht man den einen Zettel, der zu viel vorgefunden wurde, dem am meisten bestimmten ab, die beiden Zurückgewiesenen dem soztaldemokratischen Wahlmann zu, so mußte Losentscheid stattfinden. In Nieder⸗Erlenbach wurden Leute, die dort geboren find, deren Eltern dort geboren sind, die den Verfassungs⸗ eld geletstet, wegen Nichterscheinens dazu mit Strafe bedroht wurden, von der Aufnahme in die Wählerliste ausgeschlossen, weil sie resp. ihre Eltern im Jahre 1866 keine Frankfurter gewesen seien. Das Resultat der Wahl war 57 sozialdemokratische und 60 Stimmen für Ullmanns Wahlmänner. Ebenso kamen in Petterw il, Heldenbergen, wo die Wählerliste nicht an den amtlich bekannt gemachten Tagen auflag, sondern erst einen Tag später, und in Büdesheim Unregelmäßigkeiten vor. Anträge der fozialdemokr. Fraktion im hessischen Landtage Den in letzter Nr. veröffentlichten Anträgen seien noch folgende hinzugefügt: Armenwesen. Die Armenlasten sollen vom Staat übernommen werden unter Beseitigung aller an öffentliche Unterstützung geknüpfte Beschrän⸗ kungen der staatsbürgerlichen Rechte. Allgemeine wirtschaftliche und soziale Aufgaben. 1. Eine obligatorische staatliche Mobi⸗ ltarversicherung soll errichtet werden. 2. Die Aufhebung sämtlicher Brücken⸗ gelder über Rhein und Main soll veran⸗ laßt werden. 3 Ueberführung der Apotheken in Staatseigentum, wonach neue oder heimfallende Konzessionen fernerhin an Private nicht zu erteilen und die bestehenden Apotheken auf dem Wege allmählichen Ankaufs vom Staate zu erwerben find. — Einen ungetreuen Stadt⸗ kassenrech ner hatte die Stadt Baben⸗ hausen. In der Spar- und Darlehenskasse hat sich bis jetzt schon ein Fehlbetrag von 51000 Mk. ergeben, obwohl die Prüfung aller Bücher noch nicht beendet ist. Da Altvater — so heißt der Rechner— außer dieser Kasse auch noch die Stadtkasse und die Kirchen⸗ kasse führte, so vermutet man einen noch be⸗ deutend höheren Fehlbetrag. Das gesamte Vermögen Altvaters wurde mit Beschlag be⸗ legt und über das Geschäft der Konkurs erklärt. Die Unterschlagungen Altvaters reichen, wie verlautet, zwölf volle Jahre zurück; sie er⸗ scheinen als unbegreiflich, wenn man bedenkt, daß Altvater ein Gesamtjahreseinkommen von etwa 10000 Mk. hatte. Die Aufregung über den entgleisten Ordnungsmann ist natürlich eine nicht geringe im Orte. Gießener Angelegenheiten. — Der Gießener Kreisschulin⸗ spektor als Kriegs hetzer. In der Nummer vom letzten Freitag veröffentlicht der Gießener Anzeiger ein Gedicht unter der Ueberschrift:„Jung ⸗Deutschlands Meinung.“ Als Verfasser des Poëms zeichnet Albert Kleinschmidt. Zum Be⸗ weise dafür, bis zu welchem Unsinn sich die Flottenfexerei versteigt, seien folgende Verse zitiert. Vorausgeschickt sei, daß das Gedicht schildert, wie zwei Soldaten, ein Grenadier und ein Seekadett, auf ihrem Weihnachtsurlaub am Bahnhofe sich treffen. Und die beiden Helden führen eine hochpolitische Unterhaltung, in der sich der Einjährigen⸗Infanterist so vernehmen läßt: „Ja, Fritz mich bringt der Aerger um, Daß wir nicht an die Beefsteaks können, Die uns die Lebenslust nicht gönnen, Bürger meister abgewiesen mit der Begründung, Die überall gegen uns schüren und hetzen, Seite 4. Mitteldentsche Sonutaos-geituno. Nr. 1. Mit Wollust uns wleder zerrissen in Fetzen. Ja, könnten wir nüber mit Wasserstiebeln, Wir wollten die Krämer gehörig zwiebeln! Drei deutsche Korps mit Hurra drauf, Da käme Held Tommy in Dauerlauf. Hinab in die See mit dem Kriegsknechtgesindel, Dann hätten wir Ruh' vor dem Gentlemanschwindel! Den dicken Eduard obendrein Heimsten wir uns als Geisel ein! So aber verhöhnt uns das Krämerpack, Und wir, wir machen die Faust im Sack!“ Nach einigen weiteren Phrasen dieser Art antwortet der Andere: „Du Tausendsasa, Wir blauen Jungens sind auch noch da! Du glaubst wohl, wir würden die englischen Mucken Behutsam aus sicherer Ferne begucken? Wenn sich der John solch Wagnis erfrecht, Dann kennt er die deutsche Marine schlecht! Zehn Schiffe an eins— was liegt uns dran? Vielmehr als das Schiff gilt drinnen der Mann, Der Mann, der befiehlt,“) der Mann, der pariert, Begeisterter Wille, der alles regiert! Sei ganz beruhigt! Wir halten zur Zeit Schon alles zum wärmsten Empfange bereit! Der Kaiser am Rhein, der Prinz⸗Admiral An unserer Spitze— potz Wetter und Strahl, Ganz Deutschland dahinter in Kampfzornsflammen— Was gilts, Freund Theo, wir hau'n sie zusammen! Viel lieber ruhmvoll zu Gründe geh'n, Als ehrlos gedrückt an der Wand zu steh'n!“ Albert Kleinschmidt ist der Gießener Kreis⸗ schulinspektor, nicht etwa ein 15—16 jäh⸗ riger Realschüler. Wenn ein Privatmann sei⸗ nen Flottenkoller austobt, seinen Kriegsenthust⸗ asmus bis zur Verrücktheit treibt, so läßt man das schließlich gehen und beachtet es nicht. Aber in diesem Falle möchten wir doch in aller Bescheidenheit bemerken, daß wir bisher der Ansicht waren, ein Kreisschul inspektor hätte mehr zu tun, als solche phrafenhafte Heldengedichte zu schmieden. Wollte Herr Kleinschmidt wirklich patriotisch arbeiten, so sollte er alles tun, um das deutsche Volk auf eine höhere Kulturstufe zu bringen, wozu er in seinem Amte die beste Gelegenheit hätte. Unsere Volksschulen lassen aber noch sehr, sehr viel zu wünschen übrig. Die Kinder sind verhältnismäßig weit zurück und auch sonst bestehen zahlreiche Mängel. Nach der Leistung des Kreisschulinspektors braucht man sich da⸗ rüber nicht zu wundern. Nun, wir wünschen Herrn Kl. einen Orden! Hoffentlich erhält er einen aus Berlin, weil er so ehrfurchtsvoll vom Onkel Wilhelms II. spricht! — Herr Professor Biermer hat sich durch seine famosen Ausführungen in seinen „staats wissenschaftlichen“ Vorträgen die be⸗ geisterte Zustimmung der— Pücklerpresse erworben. Das Hirschelblatt in Friedberg widmet ihm Worte warmer Anerkennung. Es weist erst auf den Streit hin, den Ruhland und Köhler mit Biermer hatten und lobt ihn dann, daß er nicht hinterm Berge halte,„wenn seine wissenschaftlichen Forschungen ihn in Gefahr bringen könnten als ein Gegner des Juden⸗ tums zu erscheinen. Ja, wir gratulieren dem Professor wirklich herzlich dazu, daß er es nun unternommen hat, auch die Kehrseite der Medaille einmal sich wissenschaftlich zu be⸗ trachten. Wir wünschen ihm einen vollen Er⸗ folg! Bis zu einiger Erkenntnis vom wahren Wesen des internationalen, unter allen Völkern, unter allen Zonen, zu allen Zeiten und ewig stch gleichbleibenden, völterfressenden und Staaten zerstörenden Judentums scheint er schon durchdrungen zu sein!“ Das ist Blamage und Strafe genug für einen Universitätsprofessor! — Die städtischen Arbeit er haben lürzlich einen Arbeiter⸗Ausschuß von 10 Mitgliedern— den von der Stadtverord⸗ neten Versammlung festgesetzten Bestimmungen gemäß— gewählt. Am Freitag fand die erste Sitzung statt, in welcher Staffel als Vor⸗ sitzender, Rocke als dessen Stellvertreter ge⸗ wählt wurde. Bezüglich der von den städt. Arbeitern bereits vor längerer Zeit eingereichten Forderungen einer Lohnregulierung oder wenig⸗ stens Teuerungszulage sicherte der Herr Ober⸗ ) Im Anzeiger hatte der Druckfehlerteufel höhni „bestehlt“ gesetzt! 5 3 bürgermeistermeister Eutgegenkommen zu. Hoffen wir das Beste im Interesse der Arbeiter! — Die Wahlvereinsversamm⸗ lung am Samstag war sehr gut besucht. Gen. Vetters hielt einen Vortrag über die Wahlrechtskämpfe, die jetzt in verschiedenen Teilen Deutschlands und im Auslande geführt werden müssen. Er wies eingangs auf die Entwicklung unserer Partei hin, mit deren Fortschritten im vergangenen Jahre wir zu⸗ frieden sein könnten. Als Maßstab für unsere Bewegung könne man Wahlziffern erst in zweiter Linie heranziehen; besser zeige das Erstarken der Organisation und der Presse unsere Fort⸗ schritte. Redner ging dann auf die Wahlrechts⸗ räubereien in Sachsen und Hamburg ein, gegen die ebenso wie gegen das preußische Dreiklassen⸗ energisch vorgegangen werden wahl⸗Unrecht müsse. Im weiteren wurden die Wahlrechts demon⸗ strationen in Dresden und Wien besprochen, sowie der politische Massenstreik und die russische Revolution. Mit der Aufforderung an die Parteigenossen im neuen Jahre für unsere Sache eifrig und unverdrossen weiter zu arbeiten, schloß Vetters seinen beifällig aufgenommenen Vortrag. — Fourier berichtete darauf über eine Sitzung des Ausschusses für Volks vorlesungen. Es wurde der Besuch der Vorträge, die demnächst stattfinden sollen, empfohlen. Schließlich wird beschlossen, zu dem vom internationalen Bureau vorgeschlagenen Termin eine größere Versamm⸗ lung abzuhalten. k. Gießener Ausschuß für Volksvor⸗ lesungen und verwandte Bestrebungen. Unter diesem Namen hat sich der hiesige Ausschuß für Volksvorlesungen jetzt endgiltig konstituiert und ist dem Rhein⸗Mainschen Verband für Volksvorlesungen und ver⸗ wandte Bestrebungen(Sitz in Frankfurt a. M.) beige⸗ treten. Da der Ausschuß die Unterstützung der Stadt gefunden hat, kann er nunmehr seine Verstaltungen be⸗ ginnen und zwar mit einem Zyklus geschichtlicher Vor⸗ lesungen von Oberlehrer Dr. A. Klein in Gießen über: die Entstehung des modernen Deutschlands 1740— 1815. Daran werden sich die Vorlesungen des Herrn Dr. R. Strecker aus Bad⸗Nauheim anschließen über: Grundfragen der Sittlichkeit. Vorlesungen über neuere deutsche Literatur sollen im März folgen; Unter⸗ handlungen darüber find im Gange. Außerdem hat ein Marburger Gelehrter einen Lichtbildervortrag über Albrecht Dürer in Aussicht gestellt, der hoffentlich auch zu Stande kommen wird. Die Vorlesungen finden sämtlich in der Turnhalle des Realgymnasiums und der Oberrealschule statt und sind jeder ma nu zugänglich, ohne daß Eintrittsgeln erhoben wird. Auf die geschicht⸗ lichen und philosophischen Vorträge folgt jedesmal eine Diskussion, an der jeder Zuhörer sich nach Kräften be⸗ teiligen kann und soll, weil dadurch erst das Vorge⸗ tragene recht fruchtbar und verständlich wird. Am Ein⸗ gang des Saales wird ein Heft ausgelegt, in das jeder Eintretende Namen und Vornamen, Stand und Wohn⸗ ort einzuzeichnen gebeten wird. Diese Sitte hat sich in den großen Städten, namentlich in Wien, ausgebildet und als Grundlage für eine statistische Erfassung volks⸗ tümlichen Bildungsstrebens ausgezeichnet bewährt. Der erste Vortrag soll am Mittwoch, den 17. Januar 1906 stattfinden. Beginn und Thema werden durch Junserate rechtzeitig bekannt gemacht werden. Ein Vertreter des Frankfurter Verkandes, entweder der Geschäftsführer, Herr Georg Volk, selbst oder Herr Stadtrat Dr. Flesch, einer der Begründer der ganzen Organisation, wird ihn und damit die gesamten Unternehmungen des Ausschusses eröffnen. — Lichtbildervortrag. Das Gießener Gewerkschaftskartell veranstaltet am 18. Januar im Saale des Café Leib einen Lichtbilder⸗Vor⸗ trag, in welchem Herr Ingenieur Grempe⸗ Berlin die Freiheitskämpfe in Rußland schildern wird. Näheres besagt das Inserat. — Auf das Fest der Freien Turner⸗ sch aft, das diesen Samstag im Café Leib stattfindet, sei nochmals aufmerksam gemacht. Besonders wird darauf hingewiesen, daß die Mitglieder des Wahlvereins und der Gewerk⸗ schaften Eintrittskarten zu billigerem Preise er⸗ halten, während die Mitglieder der Fr. Turner⸗ schaft selbst freien Eintritt haben. Aus dem Nreise gießen. — Protestversammlungen gegen die Tabakssteuer finden statt: In Heuchelheim bei Wirt Rinn Samstag, 6. Januar, abends 8 Uhr; in Gleiberg bei Wirt Feußner Sonntag, 7. Januar, nachmittags/ 5 Uhr; in Krofdorf bei Witwe Abel Sonntag, 7. Januar, abends 8 Uhr. Referent in allen Versammlungen ist der Gauleiter des Tabakarbeiter⸗Verbandes Schnell-Hanau. Selbstverständlich ist das Erscheinen nicht nur der Tabakarbeiter, sondern aller Arbeiter, sowie der durch die Steuer besonders in Mitleidenschaft gezogenen Wirte, Händler, Zigarrenkisten⸗ arbeiter ꝛc. erwünscht. — Unternehmer⸗Wohltätigkeit. Dieser Tage war im Gießener Amtsblatt zu lesen, daß mehreren Meistern und Arbeitern der Main⸗Weser⸗Hütte in Lollar, die 25 Jahre und länger dort in Arbeit stehen, Weihnachts⸗ geschenke verabreicht worden seien; den Meistern 100, den Arbeitern 75 Mk. Im Ganzen wären 3400 Mk. zur Auszahlung ge⸗ langt. Dieser im Anzeiger rühmend aus⸗ posaunten Weihnachtsgabe kam das dicke Ende in Gestalt einer Neujahrsgabe nach: Ankündi⸗ gung einer Lohnherabsetzung von 15 bis 25 Prozent für verschiedene Arbeiterabtei⸗ lungen! Die Former bekamen schon vor Weihnachten Abzug. Im Laufe eines Jahres ist das schon die dritte Lohnherabsetzung! Und dabei machen die Buderus'schen Eisenwerke ungeheuere Gewinne. Steigerung der Lebens⸗ haltungskosten, Herabsetzung der Löhne, damit's dem Arbeiter nicht zu wohl wird bei der vollen Kompottschüssel! — Staufenberg. Lohn für treue Wahldienste? Der Vorsitzende des Krieger⸗ vereins in Staufenberg und sein Kamerad L. Henkelmann erhielten von Herrn Bürgermeister Leun in Großenlinden als Neufahrsgeschenk ein Kistchen Zigarren. Beide waren mit L. beim Militär. Aber jedem, der mit ihm ge⸗ dient hat, wird Leun kaum ein Kistchen Zigarren spenden. Bet der Wahl begleiteten die Beiden Herrn L. nach Ruttershausen, wo ste durch die Schulkinder die Wähler zusammenkommen ließen. Solche Dienste gehören sich belohnt. Neid em⸗ pfinden unsere Genossen darüber wirklich nicht. Wenn wir agitieren, tun wir es aus Ueber⸗ zeugung für eine gerechte Sache, nicht um ein paar Zigarren. Wir erwähnen diesen Fall nur als einen kleinen Beitrag zu dem Kapitel: Wie die Gegner agitieren. — Ein kleiner Sozialistenfresser. Schmiedemeister Pauli in Leihgestern rempelte neulich einen dortigen ehrsamen Ar⸗ beiter in gröblichster Weise in der Wirtschaft an. Unter anderem glaubte er ihn damit be⸗ leidigen zu können, daß er ihm sagte, er(der Arbeiter) zähle sich auch zur Sozialdemokratie, „zu der alle schlechte Kerle gehörten“. Natür⸗ lich setzte der Arbeiter solcher Rede des Meisters nur kühles Lächeln entgegen, weiß er doch, wie jeder im Ort, daß das, was Pauli sagt, nicht viel zu bedeuten hat. Besonders, wenn er im Wirtshaus sitzt! Uebrigens sollte der Mann, ehe er Vorwürfe gegen andere erhebt, vor seiner eigenen Türe kehren, es gibt viele Leute, die der Meinung sind, es wäre besser, man träfe ihn mehr in der Schmiede als anderwärts. r. Kommunales aus Watzeuborn⸗ Stein berg. In der letzten am Samstag vor den Feiertagen stattgefundenen Gemeinderatssitzung wurde u. a. die Neuwahl des Schulvorstandes auf die Dauer von 6 Jahren vorgenommen. Auszuscheiden hatten die Herren Leicht, Sommer und Philipp. Gewählt wurde nur Philipp wieder und außerdem die Herren Burk und Schäfer. Letzterer ift der„Exgenosse“, der bei der Landtagswahl als bauernbündlerischer Wahlmann fungierte; seine Wahl sol jedenfalls eine Belohnung für seine Tätigkeit bei der Landtagswahl sein. Uns berührt diese Wahl ja weiter nicht, sie hat unter den heutigen Verhältnissen wenig Bedeutung. Trotzdem drücken wir den beiden durchgefallenen Ordnungssäulen Leicht und Sommer unser„allertiefstes Bedauern“ aus, sie hätten uns unter allen Umständen im Schulvorstande erhalten bleiben müssen! Sie sind denn über ihre Nichtwahl sehr erbost und machten den Gemeinderats mitgliedern darüber nicht wenig Vorwürfe, sie haben eben gar zu gern ein „Aemtchen“, von Pflichtbewußtsein und Fähigkeiten merkt man aber sehr wenig bei ihnen. Na, mögen sie sich mit dem schönen Lied:„Behüt dich Gott“ ꝛc. trösten C E c r . t ü U „ * e b U . t „ ²˙ Y N . Nr. 7. Mitteldeutsche Sonn laas⸗Neitung. Seite 5. und im neuen Jahre ernstliche und hoffentlich nicht ver⸗ gebliche Besserungsversuche unternehmen! Aus dem Nreise Jriedberg⸗Büdingen. a. Gegen allen Fortschrittl scheint ie Parole der bürgerlichen Gemeindevertreter in Vilbel zu lauten, die dort gegen Errichtung eines Gas werks in Gemeinde⸗Regie protestieren, wie der Gemeinde⸗ rat im August vorigen Jahres beschlossen hat. Darüber waren zunächst die Spießbürger im Gemeinderat sehr entrüstet. Ihrer Tätigkeit und Agitation gegen das Werk ist es auch zu danken, daß eine Anzahl hiesiger Kohlenhändler und Petroleumskrämer Protest gegen diesen Beschluß erhob. Das Kreisamt gab dem Protest statt und so findet deshalb am 5. Januar Termin beim Kreisausschuß hierüber statt. Wie dieser Gerichtshof urteilt, haben wir jüngst beim Prozeß gegen unsere Ge⸗ nossen wegen Fernbleibens von den Nachmittagssitzungen gesehen. Bei der Wahl der Delegierten zur Kreisaus⸗ schuß⸗Verhandlung stellte Gen. Armbrust fest, daß auch ein Mitglied des Gemeinderats bei den Protestlern sei, obgleich der Gemeinderat früher schon ein stim mig die Errichtung eines Gaswerks beschlossen habe und dieser Beschluß jetzt nur ausgeführt werden soll. Darauf meldet sich Herr Wilh. Schmidt zum Wort und suchte sein Verhalten zu rechtfertigen. Da der Mann schon 70 Jahre alt ist, kann man ihn für sein Verhalten nicht weiter verantwortlich machen. 5 — Ein Streik der Jagdtreiber brach kürzlich in der Nähe von Büdingen aus. Dort wollte ein Frankfurter Jagdpächter eine größere Treib⸗ jagd abhalten und hatte mit den Treibern einen Tage⸗ lohn von ganzen 1.50 Mk. verabredete. Die Treiber verlangten mehr, er aber ging nicht darauf ein. Am Morgen des Jagdtages, als die Jagdgäste alle versammelt waren, weigerten sich die Treiber, ihren Dienst anzu⸗ treten, wenn ihnen nicht 2 Mk. pro Tag bewilligt würde. Es blieb dem Pächter nichts anderes übrig, da er doch seine Jagdgäste nicht nach Hause schicken konnte, als die Forderung zu bewilligen. Der Ausstand war be⸗ endet, die Treiber Sieger. Aus dem Nreise Alsfesd⸗Cauterbach. n. Die volle Kompottschüsselim Vogelsberg. In Schotten und Um⸗ gebung sieht's mit der Organisation der Ar⸗ beiter noch trüb und traurig aus. Es gibt fast gar keine Arbeiter, die einer Gewerkschaft angehören und doch ist die Lage aller erbärmlich genug. Die Maurer haben im Sommer alle noch unter 30 Pfg. Stundenlohn, im Winter sind sie ohne Arbeit und klopfen Steine für 2,60 Mk. den Kubikmeter. Daran hat einer 3 Tage Arbeit! Schuhmacher und Schneider bekommen Wochen löhne von 3—7 Mk. nebst Kost im Hause des Meisters. In einer hiesigen Strumpfstrickereit werden Wochenlöhne von 4—9 Mk. verdient— selbstverständlich ohne Kost— und der Zigarrenmacher bringt es bei fleißiger Tätigkeit auf höchstens 11—12 Mk. Angesichts der teuern Lebensmittel muß sich die Lebenshaltung der Arbeiter immer mehr ver⸗ schlechtern. Fleisch gibt es in vielen Familien überhaupt nicht, in manchen Sonntags ein Pfund. Besser gestellte lelsten sich auch in der Woche noch mal ein Pfund. Sonst gibts ge⸗ schmalzte Suppe, Bohnen, Erbsen, Linsen, Kar⸗ toffelsuppe. Abends ißt man Kartoffeln mit Salz oder Wurstfett oder Hering. Oder man „tunkt“ sie in eine Sauce, die aus ein wenig Fett, Mehl, Zwiebel und Wasser hergestellt wird. Dieses Klagelied ließ sich noch erheblich verlängern. Nur eine Frage! Soll es denn immer so fortgehen, daß diejenigen, die am wenigsten arbesten am besten leben, und die jahrein, jahraus von früh bis spät schuften, halb verhungern sollen? Arbeiter im Vogels⸗ berg, wacht endlich auf! Aus dem Nreise Wetzlar. h. Das Kreisblatt hat sich, wie aus setner Abonnementseinladung hervorgeht, den Titel des jüngst— viel zu spät— verstorbenen „General⸗Anzeigers“ stillschweigend zugelegt. Weiter wird versprochen, daß das Blatt„die Interessen der Bewohner des Kreises und der Stadt vertreten werde.“ In der Arbeiter⸗ schaft wird man über derartige Versprechungen nur lachen. Bisher hat das Kreisblatt die Arbeiterbewegung und alles was mit ihr in Verbindung stehl, 1 und mit Schmutz beworfen, jede gegen die Sozfaldemokratie irgend⸗ wo produzierte Lüge oder Gemeinheit druckt das Wetzlarer Reptil nach. Es verweigert so⸗ gar Aufnahme bereits aufgenommener Inserate, wie zum Beispiel Ankündigung eines Vortrags über das Thema:„Erziehung und Sozialis⸗ mus!“ Kein halbwegs denkender Arbeiter darf ein solches Blatt in seiner Wohnung dulden! h. Eine Erhöhung der Milch⸗ preise bescheert die Molkerei Wetzlar ihrer Kundschaft als Neujahrgeschenk. Der Preis wurde von 18 auf 20 Pfg. erhöht, ein Preis wie er in vielen Großstadten nicht so hoch gefordert wird. Ja, das„billige“ Kleinstadt⸗ leben! Auch die Butter ist hier immer teuerer als anderwärts. An den Löhnen wird aber fortgesetzt abgezwackt. Auch die Molkerei selber, die sebt höhere Preise fordert, zahlt ihrem Per⸗ sonal wahre Jammerlöhne. h. Christliche Nächstenliebe scheint bei der Ortsverwaltung in Naunheim nicht allzureichlich vorhanden zu sein. Ein Hand⸗ werksbursche, den man dort am letzten Tage des Jahres beim Betteln erwischte, sperrte man in einen Keller, der dort als Haftlokal benutzt wird. Der Arme jammerte laut in der Neu⸗ jahrsnacht, gewiß nicht vor Uebermut, sondern vor Hunger und Kälte. Der dortige Bürger⸗ meister agitiert fleißig für den Flottenverein und sucht dafür auch Arbeiter als Mitglieder zu gewinnen. Es ware besser gewesen, wenn er dem armen Teufel, den das Schicksal zur kalten Winterszeit auf die Landstraße wirft, sein frommes Herz gezeigt und eine gleiche Für⸗ sorge, wie dem Flottenverein hätte angedeihen lassen. Wir halten das für Pflicht einer Ge⸗ meindeverwaltung. h. Die Volkszählung ergab für mehrere Bergarbeiterdörfer im Kreise Wetzlar eine Abnahme der Einwohnerzahl. Bei den „hohen“ Löhnen, die hier gezahlt werden, ist das auch kein Wunder; die Leute sind gezwungen ihre Heimat zu verlassen, wenn ste eine menschen⸗ würdige Existenz führen wollen und wandern nach Gegenden ab, wo ihnen die Möglichkeit einer solchen geboten wird. n. Krofdorf. Auf die Wahlver⸗ einsversammlung, die am Sountag bei Feußer in Gleiberg stattfindet, sei nochmals aufmerksam gemacht. Die Mitglieder wollen recht pünktlich erscheinen, damit die Ver⸗ sammlung rechtzeitig beendet werden kann, weil kurz darauf in demselben Lokale eine Versamm⸗ luug gegen die Tabaksteuererhöhung stattfinden soll. Aus dem Rreise Marburg⸗Nirchhain. * Wahlverein. Die am Samstag stattgefundene Wahlvereinsversammlung nahm zunächst den Bericht vom Provinzialparteitag in Frankfurt entgegen. Die Versammlung er⸗ klärte sich mit den dort gefaßten Beschlüssen einverstanden mit Ausnahme des Paragraphen, welcher die Beitragshöhe bestimmte. Zwar wurde in einer früheren Marburger Versamm⸗ lung der Antrag gestellt, den Beitrag auf 20 Pfennig pro Monat zu belassen, was ja auch vom Provinzialparteitage beschlossen wurde. Erfreulicherweise haben die Genossen inzwischen eingesehen, daß man mit einem niedrigen Bel⸗ trag nichts leisten kann. Deshalb beschloß die Versammlung, den Punkt Beitragserhöhung auf die nächste Tagesordnung zu setzen. Nach erfolgter Neuaufnahme von 6 Genossen in den Wahlverein machte der Vorsttzende bekannt, daß am Sonntag den 14. Januar eine Flugblatt⸗ verteilung im ganzen Wahlkreise stattfindet, an der sich die Genossen recht zahlreich beteiligen sollen. Ferner werden im Januar Protest⸗ bersammlungen in Orten, wo Lokale uns zur Verfügung stehen, abgehalten werden, zum Proteste gegen das preußische Dreiklassen⸗ wahl⸗System. Das Flugblatt ist ebenfalls in diesem Sinne gehalten. Es sind daher über⸗ all die nötigen Vorbereitungen zu treffen; auch sollen andere Versammlungen und sonstige Veranstaltungen für diesen Tag nicht vorgesehen werden. Weil unser ganzer Wahlkreis an diesem Tage belegt werden muß, müssen alle Wahlvereinsmitglieder zur Stelle sein und mit Eifer ans Werk gehen! O Pack schlägt sich,—. Die von der Lieber mann'schen Antisemiten unterstützie Mirtelstand standidatur Dr. Böhme hat den hier durchgefallenen Antisemiten Zimmermann zu einer Kriegserklärung gegen die Lieber⸗ männer veranlaßt. Herr Z. will seine Kandidatur im hiesigen Wahlkreis aufrecht erhalten; die edlen Radau⸗ brüder wollen uns also noch manche heitere Stunden bereiten. Uebrigens geht aus diesem Vorgehen Z. her⸗ vor, daß er auf eine Wiederwahl in seinem sächsischen Wahlkreise nicht rechnet, und darin dürfte er schweclich fehlgehen.— Von anderer Seite wird noch der Rechts⸗ anwalt Harmony in Kassel als Kandidat der Pückler⸗ partei genannt. OE in frommer Kirchenbesucher hatte am Morgens des Neujahrtages das Wort Gottes fo stark auf sich einwirken lassen, daß er den Schluß des Gottesdienstes nicht merkte und bis in den Nachmittag hinein— schlief. Ockershausen, unser Nachbardorf, hatte bei der letzten Reichstagswahl 101 sozialdemokratische Stim⸗ men aufgebracht. Darauf waren unsere Ockershäuser Genossen mit Recht stolz und die übrigen Parteigenossen freuten sich ebenfalls, daß endlich einmal ein tüchtiger Stamm Genossen in Ockershausen vorhanden ist. In⸗ zwischen hat sich ein Teil der dortigen Genossen dem Wahlberein und sonstigen Arbeitervereinen angeschlossen; auch die Parteipresse hat in Ockershausen eine Anzahl Abonnenten. Außer der Mitteld. Sonntagsztg. werden bereits 14 Exemplare der Frankfurter Volksstimme ge⸗ lesen. Wie verschwindend klein jedoch ist die Gesamt⸗ zahl der Abonnenten der beiden Arbeiterblätter gegenüber der Einwohnerzahl von Ockershausen. Der größte Teil der Einwohner sind Arbeiter und Kleinbauern, trotz⸗ dem herrscht eine unglaubliche bürgerliche Vereins meieret. Bestehen doch in O. zwei Kriegervereine, zwei Gesang⸗ vereine und zwei Turnvere ine. Außer einem Turnverein (Fr. Turnerschaft), stehen sämtliche übrigen Vereine auf arbeiterfeindlichem Boden, sind ausgesprochene Gegner der Arbeiterbewegung. Und gerade in diesen„nattonalen“ Vereinen sind unsere Ockershäuser Arbeitsbrüder zu finden. Sogar in den Kriegervereinen findet man auch welche. Ist es doch beim Quartalswechsel vor⸗ gekommen, daß einige Arbeiter sogar die Muteld. S.⸗Z. abbestellt haben, weil man ihnen im Kriegerverein des⸗ wegen zusetzt. Daß derartiges in Ockershausen noch passiert, sollte man nicht für möglich halten. Gehts etwa den Ockershäuser Arbeitern zu gut? Ebensowenig wie den Kleinbauern, deren Frauen und Kinder auf den Wochenmarkt gehen und den Ertrag ihres kleinen Ackers in baar Geld umsetzen müssen. Arbeiter und Partet⸗ genossen von Ockershausen! Bedenkt eure Lage! Bedenkt, wie man mit Euch umgeht und Euch behandelt! Nicht einmal ein Versammlungslokal steht in eurem Orte zur Verfügung! So traurig und beschämend das ist, ihr seid selbst mit daran schuld! Wie habt ihr bet der Reichstagswahl dem Gen. Bader zugejubelt, als er euch die schädlichen und verderblichen Folgen des neuen Hunger⸗ tarifs, der am 1. März d. J. in Kraft tritt, darlegte. Ihr habt damals versprochen treu zur Partei zu halten. Jetzt handelt aber auch danach. Stellt Euch euren be⸗ reits organisierten Arbeitsbrüdern treu zur Seite, schließt Euch den Arbeitervereinen an, werft die Kosaken⸗ und Streikbrecherblätter aus dem Hause und abonniert die Arbeiterblätter, die Mitteld. Sonntags⸗Zeitung oder die Frankftr. Volksstimme! Seid ein einig Volk von Brüdern, dieweil ihr Proletarier seid! Oberbergrat Chelius vor Gericht. Vor dem Darmstädter Landgericht wurde am Donnerstag gegen den bekannten Oberberg⸗ rat Prof. Dr. Chelius, vortragender Rat im Ministerium, der sich bisher allgemeiner Achtung und als Geolog einer gewissen Berühmtheit er⸗ freute, wegen Sittlichketts verbrechen verhandelt. Der Angeklagte war des ihm zur Last gelegten Verbrechens geständig. Er war längere Zeit zur Beobachtung seines Geistes⸗ zustandes in einer Irrenanstalt untergebracht, jedoch für vollkommen geistig gesund befunden worden. Er hat, obwohl verheiratet und Vater mehrerer Kinder schon früher perversen Neigungen gefrönt und dazu die beiden jetzt 17 und 18 Jahre alten Söhne des Pförtners der technischen Hochschule mißbraucht. Als er das bei dem Sohne eines Amtskollegen ebenfalls versuchte, machte der junge Mann seinem Vater Mit⸗ teilung. Diesem gegenüber vestritt Chelius mit Entrüstung diese Verfehlungen, wurde jedoch angezeigt und verhaftet. Dle unter Ausschluß der Oeffentlichkeit geführte Verhandlung endete mit Verurteilung des Angeklagten zu zwei Jahren 7 Monaten Gefängnis, wovon 5 Monate als verbüßt angerechnet wurden. b ersammlungskalender siehe 8. Seite, 8 Seite 6. Mitteldeuische Sonntags⸗Zemuung. Ne. 1. Die geköpfte Reue. Rh. M. V. Es gibt immer noch viele Lente, die nichts lieber lesen als recht blutrünstige Kriegsgeschichten und Hinrichtungsschil derungen. Das erzeugt ein solch angenehmes Gruseln, wenn man weit vom Schluß tst, und die Rührung überkommt einen, wenn der Sünder bußfertig ist. Früher war das Henken und Köpfen ein Art Volksfest, das in möglichst großer Oeffentlichkeit mit allerlei feierlichen Bei⸗ gaben vor sich ging. Daß es aber abschreckend und erzieherisch gewirkt hätte, wagt niemand zu behaupten. Heute wird zum Köpfen, wo 28 noch besteht, nur noch eine auserlesene Zu⸗ schauerzahl zugelassen. Hernach aber kommen ewöhnlich die genauesten Berichte in den Zeitungen— so genau bis ins einzelnste, daß die Phantaste der Leser sich daran erhitzen und sich das Bild ausmalen⸗kann, wie wenn man Kopf drangegeben hat. Man scheint da ganz zu vergeffen, daß das die alttestamentliche Ethik ist, die sagt:„Auge um Auge, Zahn um Zahn“, daß aber der Stifter unserer christlichen Reli⸗ gion sagt:„Nicht also, sondern uw.„ Vom rein menschlichen Standpunkt aus er⸗ scheint bei einem trotzigen halsstarrigen und bis zuletzt verstockten Sünder die Hinrichtung: noch begreiflich. Aber nichts Widerstunigeres kann ich mir denken, als wenn an solch reumütige und bußfertige Rührerzählungen den Schluß⸗ punkt das— Köpfen macht. selbst dabei gewesen wäre. Das giebt dann 1— die richtige Stimmung, um einen Hintertreppenroman zu kaufen und zu verschlingen, Ma ch⸗ neuen werke, gegen die dieselben Zeit⸗ ungen und hervorragende Gesell⸗ schaftskreise dann eine besondere Bewegung mit viel Geld und aus⸗ gedeshnter Organisation insze⸗ nieren! f Das ist die eine widerspruchsvolle Sellsam⸗ samkeit. Die andere ergiebt sich aus folgendem: Es wird ganz genau berichtet von den letzten Stunden und Augenblicken des für die Guil⸗ lotinen Bestimmten. So wurde über die kürzlich in Heilbronn erfolgte Hinrichtung des Bäckergesellen Mogler berichtet: Pon geistlicher Seite, die viel mit Mogler zu tun gehabt hat, wird uns versichert, daß Mogler nach ernster innerlktcher Vorbereitung mit stiller Fassung und reumütig er Gesinnung seinen letzten Gang getan hat.— Von anderer Seite werden uns noch folgende Einzelheiten mitgeteilt: Die Bekannt- machung von der bevorstehenden Hinrichtung hat Mogler anscheinend ruhig entgegenge⸗ nommen, wenn er auch die Tränen nicht zu unterdrücken vermochte. öfteren Trost im Gebete. Für den trost⸗ reichen Zuspruch des ihn mehrmals besuchen⸗ den Gefängnisgeistlichen, Stadtpfarrers Huber, war er sehr empfänglich und zeigte sich sehr dankbar dafür. Die ihm verwilligten und dargereichten besseren Speisen und etwas Getränke nahm er willig und dankend an. Am Vorabend vor der Hinrichtung empfing er noch den Besuch seiner Schwester; der Abschied war zwar kurz aber rührend; an demselben Abend empfing er aus der Hand des Geistlichen noch das Abendmahl. In der letzten Nacht legte er sich wohl zur Ruhe nieder, wurde auch vom Schlaf übermannt; dieser wurde jedoch infolge seiner inneren Un⸗ ruhe des öfteren unterbrochen, was Mogler durch Stöhnen und Schluchzen kundgab. Vor Antritt seines letzten Ganges nahm er noch eine Kleinigkeit zu sich, bedankte sich be⸗ dem Gefängnispersonal für die gute Bei handlung während seiner Gefangenschaft und trat diesen Gang dann anscheinend ruhig an, wenn er auch eine gewisse Unstcherheit nicht zu unterdrücken vermochte. Wir setzen voraus, daß das alles buchstäb⸗ lich wahr ist, keine Selbsttäuschung der Referen⸗ ten enthält und auch mit keiner Silbe bestimmt ist, nur auf die Rührung der Leser zu speku⸗ lieren. Aber dann müssen wir sagen: was ist das für eine Gerechtigkeit, von Humanität ganz zu schweigen, die in den Augenblicke einem Menschenleben ein Ziel setzt, in dem eine solche gründliche Sinnesänderung und völlige Besse⸗ rung, wie sie wohl aus der Schilderung her⸗ vorgehen soll, eingetreten ist? Jetzt, wo der Uebeltäter wieder ein brauchbares Glied der menschlichen Gesellschaft zu werden beginnt, wird ihm der Kopf abgeschlagen! Jetzt ist die Sühne vollkommen! Die Mitwelt hat das an⸗ genehme Bewußtsein, daß einer, der Blut ver⸗ goß, sich reumüttg gebessert und dazu noch seinen Mit seiner nun⸗ mehrigen Umgebung(dem Bewachungskom⸗ mando) sprach er wenig, suchte dagegen des ene Weihnachtsgeschichte von Philipp Schei dem an u ö 3 Diese Zeit! Diese Seit ist stark und ehern. Schuldlos büßt die Stirn der Not. Aber in Millionen Sehern Slammt es seltsam morgenrot. Dumpfe Herzen, dunkle Binden Der Gewalt vor Blick und Geist, Packt's in wirrem Vorempfinden, Das auf sichre Pfade weist. Ungekannte Saatenkeime Schießen rasch zu Aehren auf, Kräfte, wunderbar geheime, Schüttend in den Werdelauf. Irr und blind am lichten Tage, Wandelt Macht in Ohnmacht sich: Schon im Angelpunkt der Wage Bebt das Sünglein nach dem Strich. Seher worden sind die Blinden, All die Büßer ohne Schuld... Seitbeschwingend zum Wegefinden, Stürmisch drängt die Ungeduld. Franz Diederich. Aus: Die Hämmer dröhnen, Verlag v. Kaden u. Comp. Dresden.) Gesellenfahrten. Nachdr. verb. (Fortsetzung.) „Verzweifelt drehte ich den Filzhut in den Händen. Ich blieb an der Türe stehen und brachte kein Wort über die Lippen. Und dann reichte mir ein kleines, vertrocknetes Männchen, ebenfalls ohne ein Wort zu sagen, ein Geld⸗ stück zu. „Ich danke!“ Wie es über meine Lippen kam, ich weiß es nicht. Dann war ich wieder draußen und es war mir, als sei ich betrunken, Ich steckte das Fünfpfeunigstück in die Westen⸗ tasche, um es aufzubewahren zum ewigen An⸗ denken. „Na, man tau!“ rief mir da mein Reisege⸗ fährte zu, der auf der anderen Seite aus einem Hause heraus kam, um sofort in dem anderen zu verschwinden. Er klopfte nach allen Regeln der Kunst seine Straßenseite ab. So schlimm war ja mein erster Fechtgang schließlich nicht gewesen. Und den Ertrag war eigentlich auch nicht schlecht. Aber in das uächste Haus getraute ich mich doch nicht, ich ing also etwa hundert Schritte weiter und sedezmal, wenn ich hörte, wie da die Klingel ging, wo mein Katzoff sich als armer Hand⸗ werksbursche vorstellte, war es mir als erhielte ich einen Rippenstoß mit der Mahnung: mach's ihm nach, was ist denn dabei! Ich rang und rang mit mir. Noch ein⸗ mal wollte ich es heute versuchen. Einmal ist keinmal, aber zweimal ist für den Anfang genug, so philosophierte ich. Vor einem größeren Eckhaus machte ich Halt. Der flackerude Lichtschein, der durch die Scheiben oberhalb der Haustüre zu beobachten war, zeigte deutlich, daß der Korridor gerade beleuchtet werden sollte. Ich trat näher und drückte auf die Türklinke, die Glocke spektakelte und drin war ich. Ach, hätte ich tausend Klafter tief unter die Erde sinken können! Ich fühlte heute noch, wie mir damals die Schamröte in's 1 und das Blut bis in die Haarwurzeln eg— ö „Ach, so schlimm wars ja garnicht, fiel hier Gottliebs Frau dem Erzähler ins Wort!“ Doch, fuhr Gottlieb, der seiner Frau den Mund zuhielt, fort, ganz so schlimm wars. Ich spüre es heute noch. Denkt Euch: vor mir etwa ein Dutzend junger, blitzblanker und ziemlich hübscher Mädchen mit geröteten Wangen und strahlenden Augen: Büglerinnen! Zwei standen auf Tischen, um die großen Petroleum⸗Hängelampen anzuzünden. Aber noch bevor ich mich auch nur einigermaßen umsehen und zu mir selber kommen konnte, war die mir zunächst stehende Laternenanzün⸗ derin vom Tisch herunter gerade vor mich ge⸗ sprungen. Unter großer Heiterkeit der ganzen Gesellschaft machte sie eine äußerst ulkige Ver⸗ beugung und sagte: „Erschrecken sie nicht, Herr Direktor, was steht zu Diensten?“ — Gottliebs Frau war inzwischen aufge⸗ standen, ging im Zimmer auf und ab und rieb sich vergnügt die Hände.— Schulze erzählte weiter.„Natürlich war all das, was ich hier berichte, das Werk eines Augenblicks. Ich weiß nicht, wie es kam, aber wenn ich im ersten Augenblick, wo ich die jungen Mädchen sah, vor Scham hätte in die Erde versinken mögen— ich kam doch als Fechtbruder!— jetzt, nachdem die Schwarze mit den schönen Zähnen den famosen Knix vor mir gemacht hatte, steckte mich die Lustigkeit der Heldinnen vom heißen Eisen an und ganz frei kam es heraus: „Entschuldigen Sie, mein liebes Fräulein, ich bin ein armer Handwerksbursche——“ Nun ging ein Höllenspektakel los. Als wenn das so sein müßte— „War auch fein einstudiert“, warf hier Schulzes Frau dazwischen.— — als wenn das so sein müßte, stellten sich die jungen Mädchen unter fröhlichem Gelächter und Scherzen im Kreis um die schwarze Hexe auf. Diese hatte einen Schürhaken genommen, klopfte an den Henkel eines Bügeleisens und, zählte eins— zwei— drei! Und nun sang die schöne Rotte Kora: Ein Sträußchen am Hue, Den Stab in der Hand. Zieht rastlos ein Wandrer Von Lande zu Land. Er sieht so manch' Städtchen, Er sieht so manch'n Ort— Aber fort muß er wieder, Muß weiter fort— Sie brachten mir also ein richtiges Stäud⸗ chen und die ganze Aufmachung hatte mich der⸗ art amüsiert, daß ich dem gebieterischen Winken der dirigierenden Hexe— „Bitte sehr, Herr Schulze!“ bemerkte Gott⸗ liebs Frau jetzt vergnügt vom Sopha her, auf dem ste Platz genommen hatte. — daß ich dem Winken der Hexe Folge leistete und den zweiten Vers kräftig mütsang. (Fortsetzung folgt.) . Aus unseren Tagen. Von Gerard Keller. 8)(Fortsetzung.) Morsen wohnte in einem der elegantesten Teile der Stadt. Früher bewohnte ein pen⸗ stonierter Oberst die Zimmer und wenn die Fenster offen standen, daß man die roten Gar⸗ dinen, die rote Tischdecke, das rote Sofa und die roten Stuhlsitze sehen konnte, so dachten die geringeren Leute, es müsse ein Prinz dort wohnen, denn rot ist zu allen Zeiten für das große Publikum die Farbe der Pracht gewesen, und wenn dann Morsen in seinem schwarz sammtnen Schlafrock am offenen Fenster saß mit einem Buch in der Hand, so schien er ein Bild der Wohlhabenheit. So saß auch er an diesem Nachmittage, als Malvine sich bei ihm anmelden ließ. Unterwegs hatte das Mädchen schon dar⸗ über nachgesonnen, was er wohl darüber denken . — ihlle ig zeln hier den arg. bor igen oben Aber en te, u. Ver- 12; del⸗ len Jol⸗ af jolge al. Ne.. Milteldentsche Sonutags⸗Zeitung. Seite 7. werbe, baß sie in ihrem Alter, welches durch ihre Stellung als Erzieherin nicht verändert war, einen Herrn aufsuche; aber Morsen war in ihren Augen, wenngleich er sein Möglichstes tat, um jünger zu erschienen, auf derselben Alterstufe wie ihr Vater. Ein ältlicher, gut⸗ mütiger Herr mit jugendlichem Aussehen— was konnte man darin finden, daß sie zu ihm ging, um seine Fürsprache für ihren Bruder zu erbitten? Aber als ste in das rote Zimmer eingetreten war und Morsen gegenüber saß, der im Schlafrock jünger aussah wie sonst; hatte sie all ihren Mut und ihr Selbstvertrauen nötig, um ihre Absicht auszuführen. Nun schten ihr mit einem Male die ganze Ange⸗ legenheit, weshalb ste kam, eine unbedeutende Frage und nur wie ein Vorwand zu einem Besuche. Nun erst sah sie ein, daß Morsen gar nichts für ihren Bruder tun konnte, und daß die ganze Protektionsgeschichte nur eine Einbildung ihres Vaters war. Sie saß nun aber einmal in dem roten Zimmer und je länger sie saß, um so mehr harmonierte ihre Gesichtsfarbe mit dem herrschenden Colorit, ge⸗ rade wie die des Bewohners, der vielleicht noch verlegener war als seine Besucherin. Sie mußte nun doch endlich sprechen. Das Diner an seiner Table d'höte war diesen Mittag besonders schlecht gewesen und Morsen fühlte mit erneuter Kraft alle Uabe⸗ hag lichkeiten des Cölebates, die jeden Tag schwerer ins Gewicht fielen. In der letzten Zeit hatte er eine Menge menschlicher Gebrechen kennen gelernt. Seine Freunde wurden lau, sein Wein matt, Cigarren waren eigentlich nicht mehr zu haben, im Theater führte man nur alte Stücke auf, sein Zimmer verlor mehr und mehr die Eleganz, das Essen wurde immer schlechter, die Presse lieferte nichts neues mehr, alles ging entweder rückwärts, oder so unbe⸗ sonnen voraus, daß es nicht Stand halten konnte, und Morsen empfand zum ersten Male seit seinen Kinderjahren, daß er sich langweilen konnte. Alles das bedrückte sein Gemüt und als Gegenbild stieg darin die Gestalt eines ge⸗ wissen Morsen auf, der mit einer äußerst liebens⸗ würdigen Frau verheiratet und von ein Paar äußerst reizenden Kindern umgeben, ein äußerst lückliches Leben führte, worauf der unver⸗ kate Herr Morsen alle Ursache hatte eifer⸗ süchtig zu sein. Als er in seinem Nachsinnen so weit ge— kommen war, wurde eine Dame angemeldet und Morsen mußte wirklich nicht, ob er wachte oder träumte, als er Malvinens hübsche Gestalt in das Zimmer eintreten sah. Nachdem er sich rasch umgesehen hatte, ob noch mehr ungewöhnliche Erscheinungen ihn überzeugen könnten, daß er träumte und dies nicht der Fall war, forderte er die anmutige Erscheinung auf Platz zu nehmen, worauf Malbine sich ihm als die Tochter seines Amts⸗ genossen zu erkennen gab, welche ihn um eine Gefälligkeit bitten wollte. „Es soll mir sehr angenehm sein, wenn ich Ihnen— Ihrem Herrn Vater einen Dienst erweisen kann,“ sagte Morsen, während er 75 wärts den Versuch machte in den Spiegel zu sehen, um seine Toilette etwas in Ordnung zu bringen. Aber der Spiegel hing unglücklicher⸗ weise so, daß er von dem Platze, wo er saß, unmöglich hineinsehen konnte. „Ich komme meines Bruders Franz wegen,“ begann Malvine und versuchte ebenfalls in den Sptegel zu sehen, um zu erfahren, wie stark ste errötet sei. „So? Wenn ich nicht irre, ist er auf der Universität?“ Bei diesen Worten rückte Mor⸗ sen unbemerkt etwas weiter, um sich im Spiegel betrachten zu können. „Um Verzeihung, er ist noch immer zu Hause, er sucht eine Stellung und—“ sie ge⸗ riet so in Verwirrung, daß ste stockte. „Ein schwieriges Suchen, mein Fräulein,“ entgegnete Morsen und rückte wieder ein wenig mit seinem Stuhle, während Malvine zugleich nochmals den Versuch machte, ihr Gesicht im Spiegel zu sehen, da ste befürchtete, entsetzlich rot zu sein. „Franz drangte so, daß wir Ste um Rat fragen möchten, und da der Vater sich nicht entschließen konnte, habe ich versprochen, mit Ihnen zu reden.“ ortsetzung folgt.) Rh. M. V. Zur Urgeschichte des Wester⸗ waldes. Im Jahre 1902 erregte die Ent⸗ deckung einer Anstedelung aus der sogenannten Hallstädter Periode bei Neuheusel durch den hessischen Ministeralrat W. Soldan großes Aufsehen. In Massen und dichtgedrängt fand er im Bimssteinsand die Löcher, in denen Pfosten der kleinen Hütten gestanden hatten, dazwischen feste„Tennen“, die er als Feuerstellen und in einigen Fällen als Wasserbehälter deutete, und um das Ganze Reste von Verhauen. Er schloß darauf eine dichte Besiedelung des Westerwaldes schon einige hundert Jahre vor unserer Zeit⸗ rechnung. In dem Jahrgang 58 des Jahr⸗ buches des nassauischen Vereins für Naturkunde geht Herr Oberförster Behlen in Haiger mit dieser alten Kultur schwer ins Gericht. Er sieht in den Pfostenlöchern, welche sämtlich durch den Sand bis auf den steinigen Ton gehen, nur die Höhlungen von Fichtenstämmchen, die bei dem großen Ausbruch des Krufter Ofens am Laacher See verbrannt wurden, in den Tennen, vom Wind umgebrochene Stämme, die einen Teil des Tonbodens zwischen ihren Wurzeln an die Oberfläche brachten, in den sogenannten Zugkanälchen der Feuerstellen die ausgefaulten Wurzeln der gefallenen Stämme. Aehnliche Baumlöcher fanden sich an vielen im Neuwieder Becken und am Abhang des Wester⸗ waldes, wo Bimsstein hoch genug gefallen ist, um die Bäume zu töten und die Stümpfe nachher vor der Verwitterung zu schützen. Dr. Kobelt. Splitter. Freude an der Arbeit kann ohne den be⸗ rechtigten Stolz nicht bestehen. Lazerus. ** * Wer eine Kunst nicht selbst übt, hat sein Lob und seinen Tadel an bestimmter Stelle schweigen zu lassen, nämlich da, wo das man⸗ gelnde Können auch sein Wollen lahm legt. Th. Fontane . * Jedem Menschen für sein Leben Ist ein Maß von Kraft gegeben Das er nicht enweitern kann; Aber nach den rechten Zielen Stets die Kräfte lassen spielen, Soll und kann ein rechter Mann. ** * Du bist ein Mensch! Laß dich nicht schinden! Du sollst dich nicht treten lassen. Du sollst dich nicht unterdrücken lassen. Du sollst dich nicht aussaugen lassen. Du sollst den Sklavenfinn von dir tun. Du sollst die Knechtseligkeit vou dir tun. Du sollst dich nicht bücken vor einem lebendigen Menschen, denn er ist nicht mehr als du. Leopold Jacoby. A ker, Humoristisches. Der Herr Baron.„Diese Uhr ist ein Weih⸗ nachtsgeschenk, Josef. Ich knüpfe jedoch die Bedingung daran, daß ich jederzeit das Recht habe, sie zu versetzen.“ a(Simpliz.) Die gestörte sächsische Gemietlichkeit. „Wenn nur die roten Ludersch nächsten Sonntag keene Reffoluzion machen. Sonndag hat meene Carline Ausgang!“(„Jugend“.) Eine Reifeschilderung über Deutschland. Ein Kameruner kam nach Deutschland. Ueber den Ein⸗ druck befragt, den die Neue Welt auf ihn machte, er⸗ klärte er:„Alles arbeitet in diesem Lande. Monn ar⸗ beitet, Frau arbeitet, Kind arbeitet, Pferd arbeitet, Ochs und Esel arbeitet, Dampf arbeitet, Wasser arbeitet. Bloß Schwein arbeitet nicht. Schwein ist der einzige Edelmann im Lande.“ — Literarisches. „Sonntag eines großstädtischen Arbeiters in der Natur.“ Unter diesem Titel hat die Buch⸗ handlung Vorwärts in Berlin ein kleines, hübsch aus⸗ gestattetes Büchelchen herausgegeben mit gesammelten Aufsätzen von dem jüngst auf so tragische Weise ums Leben gekommenen Curt Grottewitz. Dem Verkchen hat Wilh. Bölsche ein Geleitwort geschrieben. Der Verfasser ist weiteren Kreisen von Naturfreunden ein guter Bekannter, hat er doch ein Jahrzehnt lang zahl⸗ relche populär geschriebene Abhandlungen und Plaudereien aus allen Gebieten der Naturwissenenschaften in Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht. Durch alle seine Ar⸗ beiten geht ein tiefes Verstehen der Natur, ein Verstehen nicht nur mit dem Kopfe, sondern auch mit dem Herzen, Davon ist das vorliegende Büchlein ein Zeugnis. Wir machen mit dem Sonntagswanderer in jedem Monat einen Spaziergang; vorbei an kleinen Bächen und weiten Seen, durch Buchen und Kiefernwälder, die Landstraße entlang, kurz, mitten in die Natur hinein. Und wir finden zuletzt daß wir aus diesen liebevolleu Natur⸗ schilderungen, dieser charakteristischen Monatsbildern auch eine Menge wirklicher, natur wissenschaftlicher Kenntnlsse davongetragen haben, die uns zu weiteren selbständigem Beobachten anregen. Das Buch kostet broschürt 60 Pfg-, gebunden 1 Mk. Wir können es allen unseren Lesern auf das wärmste empfehlen. —*—. Die Firma D. Kaminka, Marktplatz 11, am Kriegerdenkmal, hält sich als anerkannt reelles und leistungsfähiges Geschäft am Platze, zum Bezuge von Uhren⸗Gold⸗ und Silberwaren auf das Angelegent⸗ lichste empfohlen. Reparaturen und Gravierungen prompt und preiswert. Arbeiter! Willst Du die Lüge, oder willst Du die Wahrheit? Willst Du in den Tagen, da der große Kampf zwischen den„Höchsten“ und den „Niedrigsten“ zu neuen Flammen empor⸗ lodert, täglich der Stimme der Wahrheit lauschen, oder der Stimme der Lüge? Wer wagt es in Deutschland nach oben— hin die Wahrheit zu sagen? Wer beugt sich nicht vor Unternehmern, nicht vor reichen Herren, nicht vor Ministern, nicht vor Grafen? Wer sagt den Richtern ohne Zaudern, ob sie Recht oder Unrecht ge— sprochen haben? Wer schützt die Soͤhne des Volkes vor Mißhandlungen beim Militär? Wer steht dem Arbeiter in jedem Lohnkampfe fest zur Seite? Wer überwacht die heimlichen Kniffe und Schliche der Spekulanten und Unternehmer? Wer stellt die Fleischverteurer, die Wohnungs⸗ wucherer, die Lebensmittelfälscher unbarm⸗ herzig an den Pranger? Wer schützt in dieser Welt des Unrechts den Schwachen vor dem Starken, den Gutmütigen vor den Hinterlistigen, den Redlichen vor dem Spitzbuben? Arbeiter, wir fragen Dich: Ists nicht die sozialdemokratische Zeitung, die Dir beisteht in Deinen schweren Kämpfen? Ernste Zeiten stehen vor der Tür! Der Kampf gegen die Verteurer des Fleisches, des Brotes, der Kampf gegen die Zinsgeier wird täglich schärfer. Kein Arbeiter darf in so ernsten Zeiten der bürgerlichen Presse seine Unterstützung geben! Wer die Wahrheit hören will, der halte das Arbeiterblatt!. Arbeiter! Freundel Rüttelt die Lauen auf! Weckt die Gleich⸗ giltigen! Werbet zum Siege des Volkes über seine gewissenlosen Unterdrücker und Beherrscher, werbet für Euer wichtiges Kampfmittel, werbet für Euere Zeitung! Seite 8. Mittelbeutsche Sonntags-Zeitung. Nr. 1. Versammlungskalender. Samstag, 6. Januar. Gießen. Holzarbeiter. Abends ½7 Uhr Ver⸗ sammlung bei Lö b. Sonntag, den 7. Januar. Staufenberg. Volks verein. Nachm. 3 Uhr, Versammlung bei Wirt Vogel. Kassenbericht Vorstandswah l. Alten⸗Buseck. Volksverein. Nachmittags 3 Uhr Versammlung bei Wirt Becker. T. Ord.: Ge⸗ schäfts⸗ und Kassenbericht, Vorstandswahl ꝛc. Samstag, den 13. Januar.. Wieseck. Wahlverein. Abends 8 ½ Uhr Versamm: lung bei Wacker. Montag, den 15. Januar. a Gießen. Schneider verband. Abends 9 Uhr Versammlung bei Or big. Heuchelheim. Arbeiterbildungsverein. Abends 7 Uhr General⸗Versammlung bei Wirt Aug. Rinn Alsfeld. Holzarbeiter. Nachm. 4 Uhr Versamm⸗ lung im„Stadtpark“. Krofdorf⸗Gleiberg. Wahlverein. Nachmittags 4 Uhr Versammlung bei Gastwirt Feu ser⸗Gleiberg. Mittwoch, den 10. Januar. Wetzlar. Gewerkschaftskartell. Abends 9 Uhr Sitzung in der„Glocke“. Alle Delegierten haben zu erscheinen. 0 TTT ˙ 7c Von den Freien Stunden lag unserer letzten Nummer ein Prospekt bei, auf den wir unsere Leser nochmals hin⸗ weisen. f Gewerkschaften biessens. Donnerstag, den 18. Januar 1906, abends 8 ½ Uhr: im Saale des Cafè Leib: Lichtbilder-Uortrag des Herrn Civil-Ingenieur Grempe- Berlin über: Die Freiheitskämpfe in Russland. Eintrittskarten 40 Pfg., für Gewerkschafts⸗ und Wahlvereins⸗ mitglieder 20 Pfg. bei den betr. Vorständen. Recht zahlreichen Besuch erwartet Das Gewerkschaftskartell. Arbeiter- Bildungsverein Heuchelheim Sonntag, deu 7. Januar, abends 7 Ahr: GCeneral-Cersammlung im Lokale des Herrn August Run; Tagesordnung: 1. Bericht vom Jahr 1905. 2. Rechnungsablage. 3. Vorstands⸗Wahl. 4. Verschiedenes. Pünktliches Erscheinen aller Mitglieder erwartet Der Vorstand. 71 eie Turnerschaft Samstag, den 6. Januar, im Café Leib Winter⸗Fest bestehend in Konzert, Theater, turnerischen Aufführungen, Tanz. Eintrittskarten à 1.— Mk. Im Vorverkauf bei den Herren Löb(Wiener Hof) und Orbig(ittergasse), sowie in beiden Ver⸗ kaufsstellen des Konsumvereins, à 75 Pfg. Es ladet ganz ergebenst ein 2 Bier im Glas. Friedr. Schupp Obstkuchen Lollar nd Abren, Geld-, gilber- Nuffeegebäck und empfiehlt Optische Waren.* L. Müller Der Vorstand. 2 Täglich frischen Eigene Reparaturwerkstätte. Vahre Jacob Erscheint alle 14 Cage nebst einem Unterhaltungsblatt Redigirt von G. Heymann Eingetragen im Reichspostkatalog unter Vr. 7895 e Preis pro Quartal 65 Pf., der einzelnen Nummer 10 Pf. Arbeiter- siotiz- Halender 1000 Verlag der Buchhandlung vorwärts Gebunden 60 Pfennig behrliches Nachschlagebuch für alle in partel und Gewerkschaften organi⸗ sierten Arbeiter Der diesjährige Kalender enthält u. a.: Vierzig Jahre deutsche Sozialdemokratie.— Nor⸗ male Ernährung und Volks⸗ ernährung. Von E. 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