er sse U n; Nr. 18. Gießen, den 6. Mai 1906. eee eee eee eee eee eee 13. Jahrgang. Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Sonnt Mitteldeutsche gs⸗Jeitung Redaktionsschluß: Donnevstag Nachmittag 4 Uhr A * 8 Abonnements preis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch[ Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Postanstalt und die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 5107) Bestellungen finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4 mal. Bestellung gewähren wir 25%% bei 6 mal. Bestellung 331/½% und bei mindestens 2 mal. Aufgabe 50% Rabatt Juserate Die 5 gespalt. Bei mindestens Vorwärts! Die Maidemonstration der Arbeiter⸗ klasse ist in diesem Jahre imposanter und all⸗ gemeiner gewesen als je vorher. Alle Nach⸗ richten über die Feier, mögen sie aus Deutsch⸗ land oder dem Auslande kommen, beweisen, daß die Arbeiter an ihrem selbstgeschaffenen 5 105 festhalten, durch den sie alle großen edanken der Menschheitsbefreiung zum Aus⸗ druck bringen. Der Maigedanle bricht sich immer mehr Bahn in dem arbeitenden und besttzlosen Volke; die Maiforderung, die Idee des Sozialismus, begegnen immer größerem und wachsendem Verständnisse und erobern immer neue Scharen begeisterter Anhänger. Das beweist besonders die Maifeier in Berlin. Seit Jahren reden die kapitalistischen Sold⸗ schreiber ihren Lesern vor, daß es mit der Maifeier bergab gehe, daß die Beteiligung daran abnehme und konnten ste nicht genug verhöhnen und verspolten. Nicht bloß die Maifeter wird verhöhnt, sondern auch die Arbeiter selber. Höhnte doch das Gießener Amtsblatt: Ihr armen Schlucker, die ihr bloß Käse und Bier habt!— Jetzt müssen aber alle Ordnungsblätter zugestehen, daß die Maifeler überall größeren Umfang angenommen, Arbeits⸗ ruhe viel allgemeiner gewesen sei als je vorher. Die Zahl der Arbeiter, die in Berlin am 1. Mat gefeiert haben, wird mit 120000 für Berlin allein, ohne die weitgedehnten Vororte, angegeben. Die Vormittagsversammlung der Holzarbeiter allein, die in der„Neuen Welt“ tagte, war von 15—20 000 Personen besucht, dabei war sie bloß eine von zweiundvierzig! Massenhaft besucht waren auch die Versamm⸗ lungen der Bauarbeiter, die am 1. Mai immer fast vollzählig fetern, die der Maurer, Zimmerer und Mekallarbeiter, der Konfektionsarbeiter und der Schuhmacher. Fast alle Säle waren eine Stunde vor Beginn polizeilich abgesperrt. Am Morgen, der in voller Matenpracht heraufgezogen war, lagen die Straßen des betriebsamen Nordens wie verödet da. Alle Räder standenstill. Die Stadtbahn⸗ und Hochbahnzüge fuhren in den Stunden vor Arbeitsanfang leer, die Om⸗ nibusse waren kaum besetzt. Bald aber machte sich eine lebhafte Bewegung sonntäglich geklei⸗ deter Scharen nach den Versammlungslokalttäten bemerkbar, die natürlich sämtlich überfüllt waren. In Berlin und den Vororten wurden weit über 100 Versammlungen abgehalten. Die Polizei war natürlich wiederum aufgeboten, um die „Ordnung“ aufrecht zu erhalten, die selbstver⸗ ständlich nirgends gestört wurde. Der Nach⸗ mittag gehörte wie seit je den festlichen Veran⸗ staltungen der Partet, die in 21 der größten Lokale Berlins und in 43 Lokalen der Umgebung, massenhaft besucht, einen ungestörten Verlauf nahmen. Kurz, die diesjährige Malfeier war in Berlin eine Riesendemonstration, wie ste die Hauptstabt noch nicht gesehen hat. Und in den großen deutschen Industrie⸗ und Handels⸗ städten zeigte sich dasselbe Bild wie in Berlin. Durch die Straßen Hamburgs bewegte sich, wie alljährlich, ein riestger Demonstrationszug, der diesmal viel größer war als früher. Sechzehn Musikkapellen marschierten im Zuge! Die Arbeit ruhte im Baugewerbe und vielen anderen Berufen vollständig.— In Breslau zeigte die Polizet dem Volke die Schönheiten der heutigen Oronung und der deutschen Frei⸗ heit dadurch, daß ste eine Versammlung auflöste, den Redner, Genossen Albert, verhaftete und auch dessen Kollegen von unserm dortigen Parteiblatte wegen Veröffentlichung eines Mai⸗ gedichts, das schon im vorigen Jahre mehrere Parteiblätter brachten! Man macht in Breslau den lächerlichen Versuch, auf Kosakenart die größte Kulturbewegung der Welt aufzuhalten! — Großartig war die Demonstration auch in Dresden, Magdeburg, Leipzig, Nürnberg, München, Stuttgart, Mannheim, Köln, Hannober, Bremen, Lübeck— kurz, im Süden wie im Norden haben die Arbeiter die Bedeutung des Weltfeiertages erkannt und würdig gefeiert. Selbstverständlich bleibt auch Hessen nicht zurück. In Offenbach, Darmstadt, Mainz wiesen die Veranstaltungen größere Beteiligungs⸗ ziffern als früher auf; in Offenbach herrschte fast vollständige Arbeitsruhe. Auch in den kleineren Orten und selbst auf dem Lande feiert man den ersten Mai.— Frankfurt hatte sieben Ver⸗ sammlungen am Vormittag, im Baugewerbe war die Arbeitsruhe vollständig. Aus dem Auslande wird ebenfalls von großer Beteiligung an der Maidemonstration und ihrem guten Verlauf berichtet. In Paris hatte die„bessere“ Gesellschaft diesmal eine ge⸗ waltige Angst vor„der Revolution“ ergriffen, die angeblich am 1. Mai eintreten sollte. Diese grundlose Furcht zeigt nur das böse Gewissen der Herrschenden! Wo in Paris die Polizei die Arbeiter nicht provozierte, ist nichts vorge— kommen. Ein Zöwischenfall ereignete sich in Paris allerdings, der erwähnt zu werden ver⸗ dient: In einer großen Versammlung Strei⸗ kender am Vorabend der Maifeier hat ein Offizier in Uniform eine Rede gehalten, in der er beteuert, daß er den Befehl zum Schießen auf das Volk nicht weitergeben würde, wenn er an ihn gelangen sollte. Die Versamm⸗ lung der Arbeiter hat dem Redner zugejubelt; die Presse des Bürgertums zerfleischt den„Ver⸗ räter“ und der französische Kriegsminister hat vorläufig über den jungen Mann, der nicht das Blut seiner Volksgenossen vergießen will, strengen Arrest verhängt. Diesen Offtzier wird das Kriegsgericht sicher nicht freisprechen, wie seine klerikalen Kameraden, die ihren Vorgesetzten bet den Pfaffenrebellionen den Gehorsam verweigerten! Alles in allem beweist der diesjährige Welt⸗ feiertag, daß der welterlösende, völkerbefreiende Sozialismus auf der ganzen Linte im Vor⸗ marsch begriffen und in seinem Siegeslauf nicht mehr aufzuhalten ist. Darum hoch die inter⸗ nationale Sozialdemokratte! „Armut schändet nicht“. Die Armut als sozialer Faktor ist von alters her eine Begleiterscheinung der Standes⸗ und Klassenherrschaft. Ihrem ganzen Wesen nach läßt diese Herrschaft sich nur begreifen in der Unterdrückung und Ausbeutung arbeitender Massen, womit das Los dieser Massen, der Armut und dem Elend überantwortet zu werden, notwendig gegeben ist. Immer war die Armut der Unterbrückten die unerläßliche Voraussetzung für den Reichtum der Herrschenden. Die christliche Moral hat es zwar an Trost⸗ sprüchen für die leidende Armut nicht fehlen lassen; ja, sie hat die Armut verherrlicht und einen förmlichen Kultus mit ihr getrieben. Nach kirchlicher Lehre ist die Armut ein den Menschen„von Gott auferlegtes“ Los, das geduldig, mit Ergebung in den Willen der göttlichen Allmacht und in der Hoffnung auf die Vergeltung im besseren Jenseits ertragen werden muß. Die kirchliche Armenpflege geht von der Annahme einer Notwendigkeit des Almosengebens, der Unterstützung der Armut, als einem Gott wohlgefälligen Werke aus; den Armen„wohlzutun“ gilt ihr als Bedingung für Erwerb und Vermehrung der göttlichen Gnade. Freiwillig in Armut zu leben, gilt dem religiösen Fanatismus als eines der besten Mittel, diese Gnade und damit Anspruch auf einen Platz im Himmel zu erlangen. Nichts destoweniger hat die christliche Gesell⸗ schaft sich nicht fret zu machen vermocht von grundsätzlicher Verachtung der Armut. Auch in ihr, wie in der früheren heidnischen Gesell⸗ schaft, verbindet sich mit Armut der Begriff der „Niedrigkeit“. Zwar sagt die christliche Moral: „Armut schändet nicht.“ Aber sie schändet doch. Wie Reiche und Mächtige hochmütig und ver⸗ achtungsvoll auf die Arbeit, die sie ihrem Herrschaftsinteresse unterworfen haben, herab⸗ sehen, so auch auf den Menschen, der arm und leidend, allem möglichen Mangel preisgegeben, ihnen fronden muß. Immer noch ist es eine traurige Wahrheit, daß Armut schändet. Daran hat die„Religion“, die„christliche Moral“ und auch der moderne Rechtsstaat nichts geändert. Dieser Staat hat zwar die Theorie von der „Gleichheit im Recht und vor dem Recht“ an⸗ erkannt. Aber an der praktischen Erfüllung dieser Theorie fehlt noch viel. Das kapttalistische Wirtschaftssystem, die klassenstaatliche Ordnung erzeugt eine Unsumme von Armut und Elend, der gegenüber die öffentliche Armenpflege und die Privatwohltätigkeit sich wie eine grausame Satire ausnehmen. Der Charakter der öffent⸗ lichen Armenpflege als einer Art polizeilicher Notwehr gegen Bettelet und Vagabundage hat einen, für Unglückliche, die Unterstützung in Au⸗ spruch zu nehmen gezwungen sind, stark ent⸗ würdigenden Zug. Abgesehen von den orga⸗ nischen Fehlern, die ihr anhaften und sich be⸗ sonders in einem geradezu monströsen Schema⸗ tismus und Bureaukratismus offenbaren, fehlt in den zur Ausführung der betreffenden Gesetze und Verordnungen berufenen Kreisen nur zu häufig der rechte Geist. Irrtum, Vorurteil, JInhumanität machen sich da oft in erschrecklichem Maße geltend. Es werden nicht selten gerade⸗ zu brutale Exzesse gegen die Armut begangen. Mißachtung und Verachtung der Armut treten hervor. Oft trifft man da, auch bei Behörden, auf die Ansicht, daß die Verarmung und Hilfs⸗ bedürftigkeit hauptsächlich aus dem„wachsenden Hange zur Arbeitsscheu“, aus Leicht sinn usw resultieren, was dazu verleitet, dem Armen ungerecht zu begegnen, ihn hart zu behandeln, in rigoroser Weise gegen ihn auf Grund der §§ 361, Ziffer 5, 7 und 8 und 362 des Straf⸗ gesetzbuches vorzugehen. Solche Fälle kommen täglich vor. Auch die empörende Praxis, daß Behörden Uuterstützungsbedürftige, selbst erkrankte „Ritter der Landstraße“— wie blöder Hohn die Armen, die hungernd und arbeitsuchend im Lande umhergehen, nennt— einander zuschteben, um Kosten zu ersparen, kommt immer noch vor. Seite 2. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Hinzu kommt, daß die Unterstützung aus öffentlichen Mitteln verknüpft ist mit schweren Nachteilen rechtlicher Natur. Wie der Verbrecher durch gerichtliches Urteil, so geht der Arme, der solche Unterstützung genießt, wichtiger politischer Rechte verlustig. Er verliert das Wahlrecht im Reiche, im Staate, in der Gemeinde. Er ist ein Verfemter. Weitere Beschränkungen öffentlich⸗rechtlicher Natur ergeben sich hinsichtlich der Berufung zum Schöffen, Geschworenen, Mitgliede des Gewerbgerichts und des Kauf⸗ mannsgerichts, sowie hinftchtlich des Erwerbes des Unterstützungswohnsitzes. Vor einiger Zeit hat der Geheime Rat Dr. Jebens, früher Senatsprästdent am preußi⸗ schen Oberverwaltungsgericht, im„Preußischen Verwaltungsblatt“ diese gesetzliche Entrechtung der Aermsten der Armen eine„politische Rechts⸗ verminderung“ von empörender Härte genannt. Was die Entziehung des Reichtagswahlrechtes anlange, so sei zu beachten, daß dieses Recht grundsätzlich nicht danach fragt, ob und inwie⸗ weit der Reichsangehörige über Vermögen ver⸗ fügt, der Ausschluß des Unterstützten also in⸗ konsequent sei. Die Versagung des Wahlrechtes als Palliativmittel gegen eine leichtfertige In⸗ anspruchnahme der öffentlichen Armenpflege sei bedenklich; ein bedürftiger Vater könne dadurch verhindert werden, sein diphthertekrankes Kind durch Vermittlung der Armenverwaltung einem Krankenhause zuzuführen. Auch die Für⸗ sorge für die Säuglinge könne beeinträchtigt werden. Jebens meint:„Viel Staat zu machen ist mit der ziemlich grausamen Abschreckungs⸗ theorie wahrlich nicht.“ Aehnlich hat vor einigen Monaten der Leiter des Hamburger Armenwesens, De. Buehl, in einem Bericht über die heutigen Anforderungen an die öffent⸗ liche Armenpflege sich ausgesprochen. Auch er fordert eine gründliche Reviston der den Verlust der politischen Rechte infolge Bezuges öffent⸗ licher Unterstützung betreffenden Gesetze. Diese Gesetze schänden die Armut; ste involbieren eine schwere Ungerechtigkeit; sie sind unvereinbar mit dem Geiste und der Tendenz gesunder Sozial- politik. Das wird mehr und mehr auch in den maßgebenden behördlichen Kreisen erkannt. Vor zwei Jahren richtete der Reichskanzler an einige preußische Minkster ein Schreiben, worin er sein Bedauern darüber ausdrückte, daß die Heil⸗ stättenbehandlung der Lungenkranken, ein be⸗ währtes Kampfmittel wider die Tuberkulose, zeitweilig auf Widerstand stoße, weil der Kranke die mit dem Bezug der Armenunter⸗ stützung verbundenen öffentlich rechtlichen Nach⸗ teile scheue. Er weist darauf hin, daß einzelne größere Stadtgemeinden für die Unterbringung bedürftiger Lungenkranker Stiftungsgelder ver⸗ fügbar gemacht haben, und gibt anheim, bort, wo es an solchen Stiftungen fehlt, besondere Fonds flüssig zu machen,„deren Verwendung nicht das Merkmal der Armenunterstützung an sich tragen würde.“ ö Seitdem sind mehrfach entsprechende mini⸗ sterielle Auweisungen an die Gemeinden ergangen. Das ist aber doch nur ein unzureichender Aus⸗ weg. Wichtiger ist, daß Verwaltungsbehörden selbständig dazu gelangt sind, die Härten jener ungerechten Gesetze zu mildern. Keine Art von Ar menunterstützung darf aber den Verlust öffent⸗ licher Rechte nach sich ziehen. So lange dieser Forderung nicht genügt ist, schändetk! assen⸗ staatliches Gesetzdie Armut. Der Grund⸗ satz, daß Unterstützung aus öffentlichen Mitteln geradezu bestraft wird mit der Entziehung der politischen Rechte, muß endlich verlassen werden. Wann werden die Regierungen und die herrschenden Parteien sich entschließen zu dieser Reform? Gemahnt und gedrängt worden — hauptsächlich auch von seiten der Sozial⸗ demokratie— sind sie genug. Der gesetzlichen warden der Armen muß ein Ende gemacht werden. 7 Bemüht Parteifreunde! c nach besten Kräften für die immer weitere Verbreitung Eueres Blattes, der Mitteldeutschen Sonntags⸗Zeitung! Politische Rundschau. Gießen, den 3. Mai 1906. Verständige Richterworte. Das sächsische Oberlandesgericht zu Dresden hat in der Begründung eines Urteils folgendes erklärt: „Erfahrungsgemäß werden bei Lohnkämpfen auch die berechtigtsten Bestrebungen durch den Zuzug fremder Arbeitskräfte leicht gefährdet und zum Scheitern gebracht. Wer daher die Besserstellung der arbeitenden Berufe jeden Standes... anstrebt, wird dar⸗ auf bedacht sein müssen, solchen Zuzug von dem Gebiete des Lohnkampfs möglichst fernzuhalten und zu verhindern, daß der Bedarf an Arbeitskräften von auswärts gedeckt wird. Deshalb muß der klagende Verband, der sich die Förderung der wirtschaft⸗ lichen Lage seiner Angehörigen zur Aufgabe macht,.... auch Vorsorge dahin treffen, daß die wirtschaftlich Bedrängtesten, insbesondere die mehr oder minder arbeitslosen Berufsgenossen im Ernstfalle nicht allzuleicht ins feindliche Lager übergehen und ihre Dienste dem anbieten, der im Lohnkampfe den Vereinsmitgliedern als Gegner gegenübersteht. Gerade die wirtschaft⸗ lich Schwächsten sind naturgemäß der Ver⸗ suchung besonders ausgesetzt, mit einer geringen Verbesserung ihrer Lage sich abfinden zu lassen und nach Erreichung dieses oder eines anderen Vorteils die gemeinsame Sache zu ver⸗ lassen und das von den übrigen Berufsgenossen und anfänglich auch von ihnen selbst angestrebte Ziel aufzugeben.“ Mancher wird nicht recht glauben wollen, daß ein deutsches und sogar ein sächsisches Gericht so vernünftige, den tatsächlichen Ver⸗ hältnissen entsprechende Ansichten äußert. Das⸗ selbe Gericht, das so oft durch seine unbegreif⸗ lichen Urteile gegen das Koalitionsrecht der sächsischen Arbeiter Aufsehen erregt hat! Aber es ist schon so; nur löst sich das Rätsel auf andere, weniger erfreuliche Weise. Die Sätze beziehen sich nicht auf das Koalitionsrecht der Arbeiter, sondern auf das der Aerzte! Die Berufsorganisation, um die es sich handelt, ist der Verband der Aerzte! Wenn ein Arbeiterverband Zuzug fernzuhalten versucht, dann verwandeln sich die Leute, die sich nicht scheuen, auch die„berechtigtsten Bestre⸗ bungen“ ihrer Berufsgenossen zu gefährden, in die„besten und nützlichsten Elemente des Staates!“ So sieht in Deutschland die Gleich⸗ heit vor dem Gesetze aus! Klassenjustiz. Fünf Monate Gefängnis und 300 Mk. Geldstrafe hat das Hamburger Gericht unserm Genossen Wabersky, dem verantwortlichen Redakteur des„Hamburger Echo“ zudiktiert, weil er angeblich die Hamburger Polizei wieder⸗ holt beleidigt haben soll. Es handelt sich um einen Artikel der bekannten Exzesse am Schopen⸗ stehl während des Wahlrechtskampfes im Januar, über die jetzt vor dem Schwurgericht verhandelt wird. In einem der betreffenden Artikel wurden die Exzesse als Folge falscher poltzeilicher Dis⸗ positionen bezeichnet und der Poltzet der Vor⸗ wurf gemacht, das übelberüchtigte Kaschemmen⸗ viertel von polizeilichem Schutz entblößt zu haben, wodurch es den verbrechertschen Elementen ermöglicht wurde, ungestört ihren Räubereien ꝛc. nachgehen zu können. Ferner wurde die Art und Weise kritistert, wie die Polizei mit ihren Versammlungsverboten vorging.— Der Staats⸗ anwalt mußte selbst zugeben, daß der Schopen⸗ stehl einige Zeit ohne polizeiliche Bewachung gewesen sei. Aber, so orakelte der Herr weiter, das ganze Vorgehen des„Echo“ sei frivol. Und es müsse den Herren, die an den maß⸗ gebenden Stellen im„Echo“ säßen, einmal nachdrücklichst vor Augen geführt werden, daß Gesetz und Recht noch auf sie angewandt würden mit aller Schärfe. Als ob das bisher etwa gegenüber den soztaldemokratischen Blättern nicht geschehen wäre! Manchmal muß man allerdings daran zweifeln, daß auf sozialdemo⸗ kratische Blätter Gesetz und Recht Anwendung finden, aber in entgegengesetztem Sinne, als der Staatsanwalt meint. Er beantragte sechs Monate Gefängnis. Der Verteidiger verlangte natürlich Freisprechung. Die Hamburger Richten glaubten aber, daß, um die Ehre der Polizei wieder herzustellen, unser Genosse unbedingt fünf Monate in den Kerker müsse. Mordende Streikbrecher. In Magdeburg, wo die Kutscher streiken, hat ein Fuhrherr seine Arbeitswilligen mit Revolvern bewaffnet. Einer dieser„Helden“ gab ohne irgend einen Anlaß auf einen neben seinem Wagen hergehenden Hafenarbeiter drei Schüsse ab, so daß dieser schwerverletzt liegen blieb, während der Revolverheld schnell davon⸗ fuhr. Daß der feige Mordbube die Absicht hatte, den Arbeiter zu töten, geht daraus her⸗ vor, daß er dreimal nach dem Kopfe zielte. 1 Nur dem Umstande, daß der Revolver nur mit Schrotpatronen geladen war, verdankt es den Ueberfallene, wenn er mit dem Leben davon⸗ 1 kommt. Der Arbeitswillige wurde auf dem 4 Polizeiprästdium einem dreistündigen Verhör 1 unterzogen, dann aber wieder freigelassen. Auch an anderen Orten gab es Exzesse der f bewaffneten Arbeitswilligen, und nur der Be. sonnenheit und Ruhe der Streikenden ist es zu 10 verdanken, wenn es nicht schon zu mehr Schießerei gekommen ist.—„Wir Arbeitswilligen können einen totschmeißen!“ sagte ja einmal einer von dieser edlen Zunft. l Der verhaftete Kaiserdeputierte. In Breslau sucht man nach den Teil⸗ nehmern an dem blutigen Exzesse, den am 19. April die Polizei verursachte. Natürlich will diese die Schuld von sich abwälzen und deshalb muß sie dem Zivllistenpack aufgehalst werden. So wurde auch der Schmied Heinrich Hirsch nach dem Polizeipräsidium zur Ver⸗ nehmung bestellt. Hirsch gehörte zu der Kaiser⸗ 0 deputation auf dem Oberschlestschen Bahn hofe in Breslau, an die Wilhelm II. im Jahre 1902 seine bekannte Ansprache von der„ge⸗ sicherten Existenz des Arbeiters bis ins hohe Alter hinein“ hielt. Nun soll auch er randaltert haben! Es wurde ihm zum Vorwurf gemacht, einen Arbeitswilligen„katho⸗ lischer Hund“ geschimpft zu haben, was er be-. streitet. Ferner wurde ihm vorgehalten, ge⸗ 4 äußert zu haben:„Wir(die Ausgesperrten) sind auch Familienväter und wollen ebenfalls arbeiten.“ Diese Aeußerung hat er auf der Poltzet zugegeben. Schließlich wurde ihm vor⸗ geworfen, er solle am fraglichen Abend sehr „erregt“ gewesen sein, worauf er zur Antwort gab, er habe dazu allen Grund gehabt, denn 1 als er seinerzeit Kaiserdeputierter war, habe ern aus kaiserlichem Munde gehört, die Arbeiter hätten eine gesicherte Exe stenz bis ins hohe Alter hinein und fetzt sei er nach 17jähriger Tätigkeit hinaus geworfen worden! Hierauf wurde der Kaiserdeputierte ins Poltzeigefängnis abgeführt, und am anderen Tage brachte man ihn nach dem Untersuchungsgefängnis, von wo er dan nach der richterlichen Vernehmung wieder au freien Fuß gesetzt wurde. Russisches aus Breslau. Zwei Redakteure eines Blattes auf einmal verhaftet! Wegen des Mal⸗ gedichts im Breslauer Parteiblatte wurde der verantwortliche Redakteur Genosse Klühs ver⸗ haftet. Sogar die angebotene Kautionsstellung wurde abgelehnt. Aber auch noch ein zweiter Redakteur der„Volkswacht“ mußte in den Kerker wegen scharfer Aeußerungen, die er über die Polizek in der Maifeier⸗Versammlung macht hatte. Nunmehr sitzen drei Redakten des Breslauer Parteiblattes im Gefängni Die Polizei will jedenfalls zeigen, daß Bresl nicht weit von Rußland liegt. Wenn sie ab glaubt der Sozialdemokratie damit zu schade so ist ste damit schtef gewickelt. Eine Kaisergeburtstagsfeier und ihr Folgen. Die bürgerlichen und militärischen Gerich 0 10 . r e ee — .——————.....» P —— . —— in Metz beschäftigten sich dieser Tage m 15. e 05 bug fie dolth cb reite, lden“ neben dit liegt bog. 5 he zielt, r mit lb 8 b aboh⸗ del erh ssen, k der Mh. 48 zu chere innen 1 boh Nr. 18. Mitteldenische Sounags⸗Zeitung. Se ite 3. Vorkommnissen, die sich dort am Abende des 27. Januar abspielten. Es kamen der Pionier⸗ leuinant Wolf, dex Reserveleutnant Arndt und ein Zahlmetster, trunken vom Patriotismus und Alkohol, von der Feier. An einer Straßenecke trafen ste auf drei Arbeiter mit zwei Frauen. Es wird von Zivilisten behauptet, daß der Pionierleutnant den Frauen un sittliche Redensarten zugerufen habe, daraus habe sich dann eine große Schlägerei entwickelt. Der Pionierleutnant wurde mehrfach zu Boden geworfen und ihm der Degen entrissen, mit Fäusten und harten Gegenständen geschlagen, so daß er bewußtlos liegen blieb. Dem Zahl⸗ meister wurde gleichfalls der Degen genommen. Er räumte still das Schlachtfeld. Das Gleiche tat der Reserveleutnant, der, heftig schwankend, mit dem Degen fuchtelnd, gleichfalls verschwand. Eine hinzukommende Bayern⸗Patrouille führte die ganze Gesellschaft zur Hauptwache, wobei ein Artillerist den schwerverletzten Leutnant stützte. Auf der Wache soll dieser noch einmal seinen Degen gegen eine der Frauen ge⸗ schwungen haben, bis der wachhabende Offizier intervenierte. Der Maurer Lang soll hier ge⸗ äußert haben: Es ist nur gut, daß Blut ge⸗ flossen ist. Wenn Mobilmachung wäre, würde er zuerst auf die Offiziere schießen. Ein gleich⸗ falls betrunkener Obergefreiter hatte die Schlacht beobachtet, war aber nicht den Kämpfen⸗ den beigesprungen. Eine Menge von Straf⸗ verfahren ist die Folge der Schlägerei. Der Obergefreite wurde vor ein Kriegsgericht gestellt und zuerst freigesprochen. Das gleiche Resultat ergab sich für Leutnant Wolf, gegen den die Anklage auf Mißbrauch der Waffe lautete. Er will sich in seinem Festrausch und nach den erhaltenen Verletzungen auf fast nichts mehr besinnen köunen. Die Zivilisten, uneidlich vernommen, behaupteten, der Pionierleutnant hätte beim Begegnen den Irauen unstttliche Rebensarten zugerufen; daraus habe sich die Schlägerei entwickelt, ohne ihre Schuld. Hier⸗ über schwebt gegen sie zur Zeit noch das Ver⸗ fahren bet der Strafkammer. Der Gerichtsherr legte gegen das den Obergefreiten freisprechende Urteil Berufung ein, und das Oberkriegsgericht berurteilte ihn zu vier Wochen Mittelarrest. ———— e eee ¹ Absetzten.“ — Der neugebackene norwegische König Haakon will sich auch„krönen“ lassen und die nor⸗ wegische Volksvertretung sollte dazu das Geld bewilligen. Doch die Regierung hatte Mühe, den Seschluß durchzudrücken; 66 Abgeordnete stimmten dafür, 47 dagegen. Bei der Verhand⸗ lung darüber sagten die oppositionellen Abge⸗ ordneten recht deutlich ihre Meinung über solchen höfischen Mummenschanz. Die Krönung wurde als mittelalterlich und ganz bedeutungslos be⸗ zeichnet, und man fand es befremdend, daß die Regierung wünschen könnte, das Geld eines so armen Volkes wie des norwegischen für solche leeren Zeremonien wegzuwerfen; der Großvater des Königs habe sich uicht krönen lassen, noch denke sein Vater, der jetzt regierende Dänen⸗ könig daran— wozu brauche nun der Sohn eine Krönung? Der sehr rote Pastor Eriksen pprach die Befürchtung aus, die Krönung könnte das Gelächter der breiten Bebölkerungs⸗ schichten hervorrufen. Der radikale Castberg sagte spöttisch:„Die Klönung soll angeblich die Person des Königs heiligen und unantastbar machen; man scheint aber zu vergessen, daß wir im letzten Sommer unseren gekrönten König Diese Bemerkung war den Regie⸗ rungsmitgliedern höchst unangenehm. Ein an⸗ derer radikaler Abgeordneter wurde durch eine Andeutung des Ministers, man könne zur Krö⸗ Aung Vertreter der regierenden Fürstenhäuser sowie besondere Gesandtschaften erwarten, zu inem flammenden Protest dagegen veranlaßt, 1 vaß irgend ein Mitglied des russischen Kaiser⸗ fauses den norwegischen Boden betrete. Das st eine andere Sprache, als wir sie von unsern heutschen, in Ehrfurcht vor den Fürsten er⸗ sterbenden bürgerlichen Volks vertretern zu hören bekommen! Kleine politische Nachrichten. Der preußische Eisenbahnminister Budde ist am Samstag gestorben. Er war ein Gegner des Koalitionsrechts der Arbeiter und hat jederzeit Unter⸗ drückungsmaßregeln aller Art gegen die Arbeiterschaft gebilligt und die in den Eisenbahnbetrieben beschäftigten Arbeiter werden ihm daher wohl kaum nachweinen. Sozialistische Wahlerfolge. Die am Sonn⸗ tag in Illkirch⸗Grafenstaden bei Straßburg erfolgten Gemeindewahlen endeten mit einem Siege der Sozlal⸗ demokraten, die sämtliche Kandidaten durchbrachten. Auch in Braunschweig brachten unsere Genossen bei einer Gemeindewahl ihren Kandidaten mit 1002 Stimmen gegen 833 gegnerische durch. Das österreichische Ministerium Gautsch ist gestürzt. Es wollte bekanntlich das allgemeine Wahl⸗ recht einführen, die Volks⸗ und Wahlrechtsfeinde aller Art führten seinen Sturz herbei. eine Träne Aus dem Reichstage. Mit den Diäten für die„Kerls“ be⸗ schäftigte sich der Reichstag am Donnerstag. Den Inhalt der famosen Vorlage haben wir bereits in der letzten Nummer kurz angedeutet. Eine Pauschalsumme in Ratenzahlungen, Straf⸗ abzüge, eine entwürdigende Kontrolle, wie ste kein halbwegs aufgeweckter Schulbub sie sich gefallen läßt, eine„umgekehrte Unteroffiziers⸗ prämie“ auf abgekürzte Sesstonen, wie Genosse Singer ebenso humorvoll wie treffend sich ausdrückte, eine Uebertragung des widerlichen „Akkordlohn“systems auf die parlamentarischen Arbeiten, um einen zweiten treffenden Vergleich Singers anzuführen, eine Herabsetzung der Beschlußfähigkeitsziffer, geboren aus dem Geiste der Aichbichlerei und mit Vergewaltigungen künftiger Minderheiten in ihrem Schoße: das ist in Kürze der Inhalt dieser Vorlage. Siuger führte dazu treffend aus: Die Re⸗ gierung hat auch den traurigen Mut gehabt, dem Reichstag eine Herabsetzung der Beschluß⸗ fähigkeitsziffer vorzuschlagen, vor der die Zoll⸗ mehrheit selbst in den schlimmsten Tagen des Tarifkampfes zurückschreckte. In dieser Vorlage, mit der man jetzt kommt, bietet man uns gleich⸗ sam die Diäten als Preis der Verringerung unsrer Rechte. Die Begründung der Vorlage steht im Widerspeuch mit sich selbst. Denn einerseits sollen die Diäten gezahlt werden, um die Beschlußfähigkeit des Reichstags zu garan⸗ tieren, anderseits aber wird gleichzeitig auf die Beschlußfähigkeit verzichtet. Weiter aber steht die Vorlage auch im Widerspruch mit einer andern Bestimmung der Verfassung, nämlich dem Artikel 27. Denn der Artikel 27 behält dem Reichstag das Recht vor, seinen Geschäfts⸗ gang selbständig zu regeln und seine Geschäfts⸗ ordnung selbst zu gestalten. Es ist also ein Nonsens, in dem folgenden Artikel dieses Recht in einem der wesentlichsten Punkte einzuschränken und aufzuheben. Wohl ist das Recht der zu⸗ ständigen Faktoren, die Verfassung sowohl wie die Geschäftsordnung zu ändern, aber eine solche Aenderung muß sinngemäß sein. Für eine sinngemäße Aenderung kann ich es aber nicht ansehen, wenn die Regierung sich heraus nimmt, ohne eine Aenderung des Artikels 27 vorzu⸗ schlagen, einen Artikel 28 beautragt, der dem Reichstag das Recht auf selbständige Feststellung seiner Geschäftsordnung nehmen soll, ein Recht, das bisher unautastbar für einen Eingriff der Regierung dastand. Je mehr aber die Regle⸗ rung gerade durch diese Unlogik das Bestreben verrät, die verfassungsmäßigen Rechte des Reichs⸗ tags anzutasten, um so mehr muß der Reichstag auf ihrer unverkürzten Wahrung bestehen. Das ist keine Frage der Partei, sondern eine Frage der Würde und des Ansehens des Reichstags. Wenn die Regierung selbst nicht verstanden hat, dem Reichstag die peinliche Szene zu ersparen, die die Beratung dieser Vorlage darstellt, so muß der Reichstag ihr mit aller Entschiedenheit klarmachen, daß er das Erstgeburtsrecht selbst⸗ ständiger Reglung seiner Geschäftsordnung nicht um das Linsengericht der Diäten verkauft. Alle Abgeordneten, die nicht wünschen, daß die her⸗ vorragende Stellung des Volksvertreters durch den Verdacht beschmutzt wird, daß sie hier ihren materiellen Interessen dienen, müssen diese Vor⸗ lage als absolut undiskutierbar und unzulässtg zurückweisen. Am Schluß seiner Ausführungen meinte Singer, warum man für die Abgeordneten nicht Kontrollmarken, wie für Fabrikarbeiter einführe. Die Mitglieder wollten dafür danken, sich wie Schulbuben behandeln zu lassen. Statt den leichten und würdigen Weg einzuschlag en, ein⸗ fach dem oft gefaßten Reichstagsbeschl e ß ihre Zustimmung zu geben, hat die Regierung ihre Unlust gegen die Diäten durch die Ein fügung von Bestimmungen zum Ausdruck gebracht, die augenscheinlich bestimmt sind, den Abgeordneten die Diäten zu verekeln. Das Ansehen Deutsch⸗ lands im Auslande wird durch diese Vorlage nicht gerade erhöht. In keinem audern Lande der Welt würde die Regierung sich so etwas gegen das Parlament herausnehmen. Wenn die Regierung gicht die Stellung des Reichs⸗ tags begreifen kaun, so muß der Reichslag ihr eben den Standpunkt klarmachen. In der Ge⸗ stalt, wie er jetzt vorliegt, ist dieser Gesetzent⸗ wurf für uns unanuehmbar. Wir ziehen die Diätenlosigkeit der Entrechtung des Reichs⸗ tags vor. Auch Redner anderer Parteien hatten an der Vorlage viel auszusetzen. Nur Posadowsky verteidigte sie in allen Teilen. Schließlich wird sie einer Kommisston überwiesen.— Am Sams⸗ tag beriet man über eine Vorlage, die dem Publikum mehr Schutz vor den Automobilen bringen soll. Diese in vieler Beziehung mangel⸗ hafte Vorlage ging ebenfalls an eine Kommission. — Montag und Dienstag wurde über die Brausteuer⸗Vorlage beraten, die, nachdem sich Vollmar nochmals eingehend dagegen gewandt, mit 146 gegen 113 Stimmen in der Kommissionsfassung angenommen wurde. —— Revolution in Nußland. Die Affaire Gapon ist noch immer nicht aufgeklärt. Doch glaubt man nicht, daß Gapon getötet worden ist, sondern neigt der Ansicht zu, daß er stch versteckt hält. Aus Peterburg wird berichtet, daß dort Genosse Parvus(Helphand), der in der deut⸗ schen Partei sehr bekannt ist, ebenfalls ver⸗ haftet wurde. Genossin Luxemburg wird noch immer gefangen gehalten; über ihr Schicksal ist nichts bekannt. — ä— 0 8 8 4 Bon Nah und Lern. Hessisches. — Die Großen werden größer. Das Fideikommiß des Freiherrn Riedesel zu Eisen⸗ bach ist, wie berichtet wird, in letzter Zeit wiederum durch Einverleibung von Grundstücken in den Gemarkungen Angersbach, Landenhausen, Lauterbach, Maar, Saasen, Sirkendorf, Stock⸗ hausen, Wallenrod, Altenburg, Ruppertenrod, Elchelhain, Lanzenhain, Niedermoos, Steinfurth und Rebgeshain„ergänzt“ worden. So wird der kleine Bauer mehr und mehr enteignet, von seiner Scholle vertrieben. Ob es den Klein⸗ bauern, die dem Bunde der Landwirte nach— laufen, bald klar werden wird, wem die Zölle und die agrarische Gesetzgebung nützt? — Arbeiterkammer in Hessen. Die Errichtung einer berufsständigen Vertretung der Lohnarbeiter wurde kürzlich im Petitions⸗ ausschusse des Landtags erörtert. Die Mehr⸗ heit sprach sich für den Titel Arbeiterkammer aus, da sie in der Hauptsache im Interesse der Arbeitnehmer errichtet werde, da ja die Arbeit⸗ geber durch die bestehenden Handels-, Hand⸗ werker⸗ und Landwirtschaftskammern eine aus⸗ reichende Interessenvertretung besitzen. Im Prinzip sprach sich der Ausschuß für die Au⸗ träge Frenay und Ulrich aus, die Majorität will jedoch die Initiative des Reiches abwarten, während die Minorität für alsbaldiges Vor⸗ gehen der hessischen Regierung beim Bundesrat sst.— Zu den Anträgen Dr. Frenay und Genossen sowie Ulrich und Genossen betr. die Hinzuziehung von Hilfsbeamten aus den Kreisen der Arbeiter und Arbeiterinnen zur Ergänzung der Gewerbe-Inspektion, sowie zur An⸗ stellung von Arbeitern als Baukontrol⸗- leure zur Verbesserung des Bauarbeiterschutzes ——— ä ——— 2 1 0 1 * 17 1 115 1 1 1 1 1 * ö 1 1 ir „ 1 0 N ö 0 4 1 ——— —— — Seite 4. Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 18. spricht sich die Mehrheit des Ausschusses in bejahendem Sinne aus, wobei sich die Minorität allerdings die Schwierigkeit bei der Durchführung dieses Antrages nicht verhehlt. — Der älteste hessische Landtags- abgeordnete, der Nattonalliberale Möl⸗ linger, ist am Dienstag in seinem Heimats⸗ orte Pfeddersheim gestorben. Er ist reich⸗ lich 82 Jahre alt geworden und vertrat den 1. rheinhessischen Wahlkreis Pfeddersheim schon seit etwa 40 Jahren. Gelernt hat er freilich in der langen Zeit nichts, seine Rückständigkeit hielt mit seinem zunehmenden Alter gleichen Schritt. Er war einer von den fünfen, die sich prinzipiell gegen das direkte Wahlrecht erklärten. e — Die Stichwahl in Darmstadt findet diesen Freitag(4. Mai) statt. Das Frei⸗ sinnige Wahlkomitee hat eine recht gewundene Erklärung erlassen, in der zum Schluß zur Wahl Berthold's aufgefordert wird. Ob die Wähler dieser Aufforderung eutsprechen, wird sich ja zeigen; wir fürchten, daß ein großer Teil zum agrarisch⸗nationalliberalen Mischmasch überlaufen wird. Von dieser Seite werden auch nicht geringe Anstrengungen gemacht, die freisinnigen Wähler herüber zu ziehen, trotzdem man sie vorher in den Versammlungen ver⸗ prügelte! Die Reaktionäre hoffen stark, uns den Kreis zu entreißen, was ihnen nicht gelingen wird, wenn unsere Genossen ihre Schuldigkeit tun. Sämtliche Reserven müssen herangezogen werden, dann muß der Sieg uns auch ohne die Unterstützung des Freisinns zufallen. Ueber das Wahlergebnis ist sehr viel ge⸗ schrieben worden und auch unsere Parteipresse äußerte zum Teil Unzufriedenheit damit. Das „Hamburger Echo“ z. B. sagt, nachdem es darauf hingewiesen, daß im Gegensatz zu früher, die Nachwahlen jetzt vielfach Stillstand, sogar Rückgang zeigten, Folgendes:„Das darf in der Weise nicht weitergehen, denn die Sozial⸗ demokratie verliert ihre Hauptstoßkraft, wenn sie nicht auf ein ständiges Fortschreiten ihres Einflusses auf die Wählermassen sich ver⸗ lassen kann. Eine sich so oft wiederholende Erscheinung hat nicht zufällige, sondern gene⸗ relle Ursachen. Sich über diese völlig klar zu werden, wird die Aufgabe der allernächsten Zeit für die Partet sein, damit sie beseitigt werden und die Partei sich bei den allgemeinen Wahlen im Jahre 1908 wieder in alter Kampf⸗ kraft bewährt.“ Uns wäre eine Stimmenzu⸗ nahme gewiß auch lieber, als ein, wenn auch nur geringer Rückgang. Aber man muß doch berücksichtigen, was wir schon öfter betonten, daß wir 1903 einen ganz ungewöhnlichen Zuwachs zu verzeichnen hatten. 1898 brachten wir in diesem Kreise 9013 Stimmen auf, also am 25. April 4800 Stimmen mehr! Vergleicht man diese Zahlen, so haben wir keine Ver⸗ anlassung über Rückgang zu klagen. Gießener Angelegenheiten. — Die Maifeier durch Arbeitsruhe 7 begehen, dazu konnte sich die Gießener rbetterschaft bisher noch nicht aufschwingen. Man hegte die irrtümliche Meinung— auch in den Kreisen der Parteileitung— daß dies in Gießen nicht durchführbar sei und agttierte des⸗ halb auch nicht dafür. Diesmal jedoch wurde der Beweis geliefert, daß es hier auch möglich ist, was in andern Orten seit Jahren geübt wird. Der erste Mai wurde zum ersten mal durch Arbeitsruhe gefeiert! Und von nun ab wird das alljährlich geschehen. Was bisher noch nicht möglich war, brachte der Katserbesuch fertig. Deswegen schlossen nämlich manche Betriebe, damit die Arbeiter die bekannte„freudig bewegte Menge“ vermehren und dann sich schön wieder ins Joch spannen sollten. Das taten aber viele nicht, sondern begaben sich in das Orbig'sche Lokal, das bald überfüllt war. Man forderte den Genossen Vetters auf, eine Mairede zu halten, wozu sich dieser mit Vergnügen bereit erklärte. In seinen beifällig aufgenommenen Ausführungen betonte er, daß der Arbeiter endlich seiner Menschenwürde bewußt werden müsse, er solle sich nicht als willenlosen Sklaven behandeln lassen, dem man sage:„um 9 Uhr gehst du, um 11 Uhr kommst du wieder.“ Das Unter⸗ nehmertum hänge mehr von der Arbeiterschaft ab, als umgekehrt. Mit Annahme der Reso⸗ lution des Parteivorstands schloß die Versamm⸗ lung.— Recht gut besucht war auch die Abend⸗ versammlung auf Lonys Bierkeller. Genosse Fuhrmann legte hier die Ideale der Arbeiter⸗ bewegung in markigen Zügen dar und forderte schließlich zur Stärkung der Organisation und der Parteipresse auf. Der Redner fand reichen Beifall, ebenso Genosse Krumm, der noch einige begeisternde Worte an die Versammlung richtete. Auch diese Versammlung schloß mit Annahme der Resolution des Parteivorstands. 22 neue Mit⸗ glieder wurden der Parteiorganisation gewonnen, 21 als Abonnenten der Mitteldeutschen Sonn⸗ tags⸗Zeitung. — Das Maisfest findet, wie alljährlich, im Walde an der Licherstraße statt. Nur wenn allzu unfreundliches Wetter eintreten sollte, wird das Fest auf den nächsten Sonntag ver⸗ schoben, wenn irgend möglich, wird es abge⸗ halten. Hoffentlich verläßt uns aber auch diesmal unser bekanntes„Schweineglück“ nicht und wir bekommen prächtiges Maiwetter! Im andern Falle heißt's eben warm angezogen, was bei kühlerem, zweifelhaftem Wetter beson⸗ ders für die Kinder zu empfehlen ist. Wie aus dem Inserat ersichtlich, geht der Festzug ½2 Uhr vom Oswalds Garten ab. Da die Aufstellung immer längere Zeit in Anspruch nimmt, ist es notwendig, daß alles um 1 Uhr zur Stelle ist. Vor allem ist eine zahlreiche Beteiligung notwendig! Die Gießener Arbeiterschaft muß in Masse öffentlich ihr Ein⸗ verständnis mit den Maiforderungen bekunden! — Im Uebrigen brauchen wir unsere Genossen nicht aufzurordern, dafür zu sorgen, daß unser Fest den besten Verlauf nimmt, das werden sie, wie immer, von selbst tun. Es ist auch darauf zu sehen, daß der Wald geschont wird, Zweige nicht abgerissen, Gläser oder Scherben nicht herumgeworfen werden, weil dadurch leicht andere Personen verletzt werden können. —„Männerstolz vor Königs⸗ thronen“ gibts in der heutigen bürgerlichen Gesellschaft nicht mehr. Wenigstens nicht bei den Deutschen. Das zeigt der von geradezu hündischem Servilismns trlefende Artikel, den der„Gieß. Anz.“ zum Kaiserbesuch brachte. Jedem Menschen von einiger Selbstachtung muß beim Lesen solcher sklavischen, würdelosen Kriecherei der gesamte Mageninhalt nach oben steigen! Daß die Gießener Bürgerschaft damit nicht einverstanden ist— wenigstens zu einem großen Teile nicht— hatten wir Gelegenheit wahrzunehmen. Ueberall erregte der lakaien⸗ hafte Bombast verdientes Gelächter! Die Ar⸗ beiterschaft wird noch verhöhnt, daß sie ihre Maifeier nur bei Käs und Bier begehen könne. Allerdings, eben deswegen, weil das arbeitende Volk entbehrt und darbt, kann die besitzende Klasse an reich besetzten Tafeln schwelgen! — Der Konflikt in der Gail! schen Tabakfabrik beschäftigte am Mittwoch Abend eine sehr stark besuchte Tabakarbeiter⸗ Versammlung, die in Lony's Bierkeller stattfand. Gauleiter Schnell legte eingehend dar, wie es zu diesem Streik gekommen sei, der bei geringem Entgegenkommen der Firma vermieden werden konnte. Bet der heutigen Preissteigerung aller Lebensmittel könnten sich die Arbeiter nicht Abzüge von 50—60 Pfg. pr. Woche gefallen lassen und Strafen von 65 Pfg. und das bei einem Wochenverdienst von 11—12 Mark. Die hohen Löhne, die in den Arbeitergesuchen in den hiesigen Zeitungen aufgeführt würden, seien nur in vereinzelten Fällen verdient worden, und fallen im Ganzen nicht ins Gewicht. Ein⸗ stimmig wurde eine Resolution beschlossen, in welcher den Ausständigen tatkräftige Unter⸗ stützung zugestchert wird. — Die Lohn bewegung der Brauereiarbekter ist, wie wir hören, durch Entgegenkommen sowohl der Arbeitgeber wie Arbeitnehmer zu einem einigermaßen be⸗ friedigenden Abschluß gekommen. Die Not⸗ wendigkeit der Lohnaufbesserung wurde seitens der Arbeitgeber allgemein anerkannt. Ohne die Organisation würde diese Erkenntnis wohl noch nicht gekommen sein. Für die Brauereiarbeiter ist es deshalb Pflicht, Mann für Mann zur Organisation zu halten und die etwa noch fern stehenden herbeizuholen. Ein ausführlicher Be⸗ richt folgt später. — Die Glasergehilfen hatten ihren Arbeitgebern einen neuen Lohntarif vorgelegt, über den am 25. April beide Teile in einer gemeinsamen Versammlung berieten. Es kam darüber zu einer Verständigung, da die Arbeit⸗ geber den wesentlichsten Punkten des Tarffs zustimmten. Statt der geforderten Lohnerhöhung von 10 Prozent wurden allerdings nur 7 Pro⸗ zent bewilligt. Wurde also nicht viel erreicht, so ist doch wenigstens ein kleiner Fortschritt zu verzeichnen. Von 14 Arbeitgebern haben 13 den Tarif angenommen. Aus dem Rreise gießen. f. Lollar. Mit den Maß regelungen und den Mißständen im Buderus⸗Werk beschäftigte fich eine am Freitag(27. April) im„Schwanen“ stattge⸗ fundene, von etwa 500 Personen besuchte Versammlung. In eingehender Weise schilderte der Bezirksleiter des Metallarbeiterverbandes, Fuhrmann, die Zustände, wie sie sich in dem Betriebe entwickelt haben. Die Behandlung der Arbeiter ist derart, daß diese sich wie im Zuchthause vorkommen. Es wird ihnen sogar das Sprechen untereinander verboten! Redner ging dann auf die Maßregelungen ein, die er entschteden verurteilte. Offenbar sei es darauf abgesehen, die Organisation zu sprengen oder doch zu schädigen, indem man die Arbeiter einzuschüchtern und vom Beitritt abzuhalten sucht. Man werfe diejenigen hinaus, welche von ihrem guten Rechte Gebrauch machten und sich die Förderung des Verbandes angelegen sein ließen. Mit diesen Praktiken wird man aber heutzutage keine Erfolge mehr haben. Die Ar⸗ beiterschaft weiß heute, daß sie es ist, die den Aktio⸗ nären hohe Dividende erarbeitet und sie verlangt des⸗ halb mindestens eine menschenwürdige Behandlung. Nur eine starke Organisation könne die Rechte der Arbeiter schützen, deshalb müsse jeder Metallarbeiter dem Verbande beitreten.— Schopferer ging besonders auf die Miß⸗ stände im Betriebe ein und schilderte das Vorgehen der Betriebsleiter und Meister. Infolge der mangelhaften Betriebselnrichtungen kämen viele Fehlgüsse vor die die Former nicht bezahlt bekommen. Veranlaßt wird das Mißlingen der Arbeit durch zu kaltes oder unsaub res Eisen oder fehlerhafte Modelle. Oft genug ist eine ganze Tages⸗Arbeit des Formers umsonst; Entschädigung gibts dafür nur ganz ausnahmsweise. Die begeistert versaufene Versammlung beschloß eine längere Resolution, die folgenden Wortlaut hat: „Die heutige von 500 Arbeitern ver Main⸗Weser⸗ Hütte besuchte Versammlung nimmt Kenntnis von den in letzter Zeit sich dort abspielenden Vorgängen. Sie bedauert diese und betrachtet die stattgefundenen Kündi⸗ gungen organisierter Arbeiter als Maßrege lungen, welche zweifellos den Zweck haben sollen, die Arbeiter einzuschüchtern, um ste ihrer Organisation zu entfremden. Die Versammlung ist ferner der Ansicht, daß das durch nichts gerechtfertigte Vorgehen der Firma und ihrer Vertreter geeignet ist, die leider vorhandene Mißstimmung der Arbeiter noch zu verschärfen und ein gedeihliches Verhältnis derselben zur Werksleitung sehr in Frage zu stellen. Sie bebauert lebhaft, daß von Seiten der Direktion bisher noch nichts geschehen ist, das Vertrauen der Arbeiter auf den Gerechtigkeitssinn ihrer Vorgesetzten zu rechtfertigen durch Beseitigung der krassesten Mißstände im Werke als da sind: Nichtbezahlung von solchem Fehlguß, welcher durch Verschulden der Firma entsteht, unfreundliche herausfordernde Behandlung der Arbeiter durch Meister und Betriebsleiter, Fehlen ausreichender Ventilation in der Gußputzerei, lungenügende Beihslse bei Ausführung von Gußstücken usw. Die Versammlung spricht die Hoffnung aus, daß im Interesse eines ge⸗ deihlicheren Zusammenarbeitens beider Faktoren die Maßregelungen organisierter Arbeiter zukünftig unter⸗ bleiben und Abhilfe in Bezug auf die angeführten Miß⸗ stände geschaffen wird. Anderseits aber versprechen alle Versammelten einmütig, dem Deutschen Metallarbeiter Verband treu zu bleiben, und unausgesetzt für dessen Ausbreitung und Stärkung zu wirken.“ — Der Volksverein Staufen: berg veranstaltet am Sonntag, den 13. Mat in dem Lokale des Gastwirts Geißler eine nach⸗ trägliche Maifeler und hat dazu Frau Dr. Michels ⸗Marburg als Rednerin gewonnen. Der Gesangverein Staufenberg und der Ar⸗ beiter⸗Gesangverein„Vorwärts“. Lollar werden durch Gesangsvorträge die Feier verschönern helfen, zu der alle Freunde ünserer Sache— besonders aber die Frauen!— in Staufenberg und Umgebung freundlichst eingeladen sind. ———ůůůů l te sch daltge⸗ lung r del stände Dee 9 wee T dal dann kill. on z beitet Man Recht handel 1 e Al Altio⸗ t dez Nn beitet cbande Miß; en der haften ie ble 0 daß b reh elle digung eien lala, Vie n den „ ud, nn. Icbeln enbl b dul 1 uu EA e en l. rttull 19 eln I ul t Ichel hyU Baß lat 1 . W N Nr. 18. i gische Sonntags⸗Zeitung. Seite 5. — In Harbach begehen die Genossen r- Dus Beispiel zeigt wieder, wie gewissenlos der feier nächsten Sonntag Nachmittag im Lokale des Gastwirts Schäfer. Beginn derselben/ 8 Uhr. Beckmann⸗Gießen wird über die Bedeutung des Welt⸗ feiertages sprechen. Nach dem Vortrage gesellige Unter⸗ haltung mit Tanz. Die Parteifreunde aus Linden⸗ struth, Ettingshausen, Saasen und selbstverständlich Harbach selbst, werden ersucht, sich recht zahl reich und rechtzeitig einzufinden. Aus dem Rreise driedberg⸗Püdingen. * Rechtsanwalt L. Seyd in Friedberg wurde durch Erkenntnis des Ehrengerichts der Anwaltskammer in Darustadt aus dem Rechtsanwaltsstande aus ge⸗ schlossen. Das Urteil gründet sich jedenfalls auf das Verhalten Seyds in einem vor längerer Zeit in Gießen verhandelten Prozesse mit einem Molkereipächter aus Oberwöllstadt. Damals bestritt Seyd unter Eid die ebenfalls beeioeten Angaben des Pächters, den das Gericht für glaubwürdig hielt. In dem Prozesse spielte Seyd überhaupt eine sehr eigentümliche Rolle. b. In Rödgen bei Nauheim fand am Sonn⸗ tag eine große, sehr stark besuchte Versammlung statt, in welcher Genosse Göller-Frankfurt über die Bedeu⸗ tung des Weltfeiertags sprach. Seine Ausführungen wurden von den aus allen Orten der Umgebung herzu⸗ geströmten Arbeitern und Landleuten mit allgemeinem Beifall aufgenommen. Die imposante Versammlung nahm den besten Verlauf und wurde durch nichts gestört. Aus dem Rreise Wetzlar. * Die„Politik“ der Stöckerleute, sowie der übrigen Antisemiten im Reichstage, die dort unter dem Nam en„Wirtschaftliche Vereinigung“ eine Fraktion bilden, wurde kürzlich in der von Herrn Patzig herausgegebenen nationalliberalen Wochenschrift„Deutsche Simmen“ treffend charakterisiert. Unter anderem war da gesagt:„Da ist zunächst die„Deutsche Reformpartei“ — deren geistiges Haupt früher Herr Zimmer mann aus Dresden war, jetzt aber Herr Bruhn zu werden scheint—, sechs Mann an der Zahl, jeder eine Paitei für sich. Einig sind sie wenigstens im Rassenantisemi⸗ tismus... Auf dem Gebiete der„Mittelstandspolitik“, das sie agitatorisch besonders abgrasen, schillern sie in allen Farben, vom reinsten Zünftlertum bis zur flachesten Phraseologie, aus der praktische Ziele überhaupt nicht herauszufinden sind. In allem übrigen reden und stimmen sie bald so, bald so, wies trefft. Und leben in glückseliger Programmlosigkeit dahin.“ Und von der„Wirtschaftlichen Vereinigung“, der 6 Deutschsoziale, 4Landwirtsbündler, 2 nieder⸗ bayrische Bauern bündler und die 2 Christlich⸗So⸗ zialen(Stöcker und Burckhardt) angehören, heißt es: „Eine„Vereinigung“ ist dies auf alle Fälle—„wirt⸗ schaftlich“ ist sie wohl auch, wenigstens treibt sie poli⸗ tisch eine Wirtschaft zum Ergötzen. Daß sie den Anspruch erhebt, als„Fraktion“ beachtet und be⸗ wertet zu werden, ist jedenfalls das Ergötzlichste. So haben die Abgg. Dr. Burkhardt, Lattmann und Liebermann v. Sonnenberg gegen den freisinnigen Antrag auf Elnführung einer Reichs vermögen s⸗ steuer aus Anlaß der Flottennovelle gestimmt,„um nachher guten Gewissens für das unverdorbene Flotten⸗ gesetz stimmen zu können“. Aber die beiden Herren Vogt und Wolff von der Wirtschaftlichen Vereinigung stimmen erst für den Antrag Ablaß, nachher gleichwohl auch für das Flottengesetz. Die Herren Krösell, Staufer, Stöcker und Bachmeier fehlten ohne triftigen Grund, die Herren Graf Reventlow und Mittermeier waren durch Krankheit verhindert, Herr Raab beurlaubt, Herr von Damm entschuldigt. Also: 3 dafür, 3 dagegen, 3 grund⸗ los abwesend, 4 verhindert.“ Die gemischte Gesellschaft ist da ganz richtig charak⸗ terisiert. * Einen niederträchtigen Schwindel, der als Schwindel allgemein bekannt ist, wärmte dieser Tage das Wetzlarer Amtsblatt auf's Neue auf. Es druckte folgende Notiz nach: „In der Essener Volkszeitung war behauptet worden, 20000 Mk., die seinerzeit für die ausständigen Bergleute des Ruhrgebiets gesammelt wurden, seien von dem sozialdemokratischen Partelvorstand an die russischen Revolutionäre gesandt worden. Der Alte(sozialdemokratische) Bergarbelterverband klagte, die Klage wurde aber vom Gericht abgewiesen. Die Berufung dagegen ist dieser Tage verworfen worden. Das Interessanteste ist aber, daß, wie ver⸗ schiedentlich mitgeteilt wird, zu der Verufungsverhand⸗ lung weder die Kläger, die sozialdemokratischen Reichs⸗ tagsabgeordneten Sachse und Hus, noch deren Ver⸗ treter erschienen waren. Natürlich fällt das auf.“ Katürlich fällt etwas auf. Die Dreistigkeit nämlich, mit der das Amtsblatt den gemeinen Schwindel wieder auftischt und verbreitet, obwohl es wissen muß und sicher auch weiß, daß es eine grobe Lüge ist, wie an Gerichtsstelle unzwelfelhast festgestellt worden ist. Selbst die„Christlichen“ selber haben die Geschichte nicht mehr aufrecht erhalten und keiner wollte es gesagt haben. „Wetzl. Anz.“ verfährt, wenn es gilt, die Arbeiter⸗ bewegung und die Sozialdemokratie zu verdächtigen. h. Zur Maifeier hatten die Wetzlarer Partei⸗ genossen nachmittags einen Ausflug arrangiert, der eine recht erfreuliche Beteiligung aufwies. Unsere harmlose Zusammenkunft erfreute sich auch der Aufmerksamkeit eines Gendarmen mit dem feudalen Namen Kanitz, der sich bei den gemütlich beieinander sitzenden Männlein und Weiblein eifrig erkundigte, ob hier eine Versamm⸗ lung stattfinde!— Zur Abendversammlung in der „Glocke“ hatten sich etwa 130 Personen eingefunden, die den treffenden Ausführungen des Genossen Ständer aus Frankfurt mit Aufmerksamkeit zuhörten. Die Resolution wurde einstimmig angenommen, und ließen sich verschtedene der Anwesenden in die politische und gewerkschaftliche Organisation aufnehmen. Nach der Versammlung blieben die Genossen noch lange in der fröhlichsten Stimmung zusammen, wobei dann zahlreiche Vorträge ernster und heiterer Art abwechselten. f. Die Versammlung in Launsbach am Sonntag nachmittag war außerordentlich stark besucht, erfreulicherweise waren auch viele Frauen anwesend. Die Ausführungen der Frau Zietz⸗Hamburg, die über „Klassenkämpfe einst und jetzt“ sprach, fanden stürmischen Beifall. Nachdem einige Genossen aus Krofdorf und Wetzlar auf die Bedeutung des 1. Mai hingewiesen hatten und nach einem Schlußwort der Frau Zietz fand folgende Resolution einstimmig Annahme:„Die heutige Voltsver⸗ sammlung erklärt sich mit den Ausführungen der Genossin Zietz einverstanden und verspricht mit aller Energie für die politische und gewerkschaftliche Organisation einzu⸗ treten, ebenso für die Ausbreitung der sozialdemokra⸗ tischen Presse.“ Auffallen mußte das starke Polizeiauf⸗ gebot; nicht allein, daß zwei Beamte die Versammlung überwachten, auch vor dem Lokale hielten sich noch drei Gendarmen auf. Haben die Leute soviel Zeit und der Staat soviel Geld übrig? Aus dem Rreise Marßurg⸗Nirchhain. Die Maifeier der Marburger Arbeiterschaft verlief aufs beste. In der am Abend stattgefundenen Festversammlung waren 250 Personen anwesend. Die Festrede hielt Genosse Dißmann-Frankfurt. Seinem 1½ stündigen Vortrage wurde stürmischer Beifall seitens der ganzen Versammlung gezollt. Die Resolution des Parteivorstandes wurde einstimmig angenommen. Für den Wahlverein wurden eine Anzahl Mitglieder, ebenso Abonnenten für die Parteipresse gewonnen. Den 8 Uhr⸗Ladenschluß haben nun auch die Marburger Blumenhändler beschlossen. Die Kolonial⸗ warenhäudler können sich zu diesem Fortschritte noch nicht entschließen; dagegen hat der Konsumverein den 8 Uhr⸗Schluß längst eingeführt. In der Frühjahrsgeneralversammlung der Marburger Ortskrankenkasse waren von 5000 Mitgliedern ganze 20 anwesend. Dementsprechend ge⸗ staltete sich auch die Verhandlung. Nach Ablage des Kassenberichts wurde die Versammlung geschlossen. Die Steuerschraube wird zur Zeit in Mar⸗ burg ganz gewaltig angezogen. Fast sämtliche Steuer⸗ zahler, die bisher in der niedrigsten Klasse waren, sind in eine höhere Klasse„versetzt“ worden. Merkwürdiger⸗ weise sind es zumeist Arbeiter, die uach dieser Rich⸗ tung höher bewertet werden, darüber aber ganz und gar nicht erbaut sind. Denn die Löhne steigen um keinen Pfennig und rechtfertigen in keiner Weise die Erhöhung der Steuer. Ein großer Patriot. In Benrath bei Düsseldorf wohnte ein Grundstücksspekulant Pritschau mit Namen, der jetzt mit einer Schauspielerin das Weite gesucht hat und viele trauernde Gläubiger zurückließ. Pritschau war ein von wegen seiner Körperlänge bekannter Bauernsohn, der es aber verstand, sich durch die Auszeichnungen, die ihm Wilhelm II. zuwandte, ein Relief zu geben. Er hatte als Flügelmann beim ersten Garderegiement gedient und die Palästtrareise mitgemacht, aus irgend einem Grunde hatte man ihm auch noch den Kronenorden vierter Klasse gegeben. Das be⸗ wirkte, daß seine Geschäftsfreunde ihm blind⸗ lings vertrauten. Jetzt, nachdem man erfahren hat, daß der Ueberpatriot sich mit einigen hunderttausend Mark kund einer schönen Schauspielerin auf frauzösisch entfernt hat, wird geschimpft. Viele kleine Banken und Privat⸗ leute sind schwer geschädigt. Religiöser Wahnsinn. Die 20 jährige hübsche Oekonomentochter Franziska Putz in Großschwand bei Mondsee zer fleischte sich in religisem Wahn in grauen⸗ voller Weise. Sie stach sich beide Augen aus und zerschnitt sich das Gesicht völlig. Als sie das zweite Auge ausstach, brach das 1 1 ab und die Spitze blieb in der Augenhöhle stecken. Trotz der furchtbaren Schmerzen gab das Mädchen keinen Laut von sich. Das sind Folgen des pfäffischen Fanatismus! Arbeiterbewegung. Die Steinmetzen in Reinheim (Odenwald) Firma Frohmann u. Co. haben seit 2. Mai die Arbeit niedergelegt, nachdem Verhandlungen wegen Aufbesserung der Lohn⸗ und Arbeitsbedingungen oh ge Erfolg geblieben sind. Am selben Tage wurde auch den Stein⸗ schleifern der betreffenden Firma gekündigt, wegen Zugehörigkeit des Verbandes. Zuzug nach hier streng fernzuhalten! Partei-Nachrichten. Sechzigjährige. Genosse Reichstagsabgeordneter Ignaz Auer, Mitglied des Parteivorstandes, feierte am 19. April seinen 60. Geburtstag, aus welchem An⸗ lasse ihm zahlreiche Glückwünsche aus Genossenkreisen zugingen. Auer war längere Zeit nicht unb denklich krank, befindet sich jetzt aber erfreulicherwesse wieder auf dem Wege der Besserung.— Ein anderer Sechzigjähriger ist der Genosse Wilh. Bock, Abgeordneter für Gotha, der am 28. April das 60. Lebensjahr vollendete. Mögen die im Dienste für die Partei ergrauten Jubilare uns noch recht lange erhalten bleiben! Zum Vorsitzenden der Kontrollkommis⸗ sion wurde an Stelle des verstorbenen Genossen Meister der Genosse August Kaden, Reichtagsabgeordneter in Gohlis bei Dresden, Post Cossebunde, gewählt. Jersammlungskalender. Samstag, den 5. Mai. Gießen. Wahl verein. Abends 9 Uhr Ver⸗ sammlung bei Orbig. Rödgen. Wahlverein. Abends ½9 Uhr Ver⸗ sammlung bei Wirt Balßer, wozu auch der Arbeiterverein von Trohe eingeladen ist. Staufenberg. Volks verein. Abends 8 ¼ Uhr Ver⸗ sammlung bei Wirt Geißler.— Freie Turner chaft Abends ½9 Versammlung Sonntag, den 6. Mai. Krofdorf⸗Gleiberg. Wahlverein. Nachmittags 3½ Uhr Versammlung bei Gastwirt Feu ser⸗Gleiberg. Montag, den 6. Mal. Gießen. Schneider verband. Versammlung bei Orbig. Niedershausen. Sonntag, 6. Mai, 3 Uhr nachmittags Mafifeier bei Wirt Klem. Alle Freunde sind eingeladen! Die Heuchelheimer Genossen halten ihre Matfeter diesen Sonntag im A. Rin n⸗ schen Lokale ab. Siehe Inserat! Briefkasten. Zuschriften aus Altenbuseck ze. mußten zurück⸗ bleiben. B. 19. Kann Aufnahme finden. W. R. Büdgn. Ein zurückgebliebenes Kind kann zu längerem als achtjährigen Schulbesuch angehalten werden. Abends 9 Uhr — —— Freie Stunden. Beste Romanlitteratur. Illu⸗ striert. Wöchentlich ein Heft A 10 Pfg. Ratgeber für Arbeiter, eine Zusammenstellun g der wichtigsten Bestimmungen der Arbeiter⸗Versicher ungs⸗ gesetze und der bürgerlichen Gesetzgebung 1e. 20 Bogen Taschenformat. Verlag der Leipziger Buchdru dlerei⸗ Aktiengesellschaft. Preis gebunden 1,25 Mk. Lohnarbeit und Kapital. Separatabdruck aus der Neuen Rheinischen Zeitung vom Jahre 1849 von Karl Marx. Preis 20 Pfg. Die Vernichtung der Sozialdemokratie durch den Zentralverband deutscher Industrieller. Pe eis 20 Pfg. —ů—ů—— Marktbericht. Auf dem Wochenmarkt in Gießen kosteten am 1. Mali: Butter per Pfund Mk. 1,10— 1,20, Hühneretier 1 St. 6—7 Pfg., Käse pr St. 6—8 Pfg., Käsematte 2 St. 5—6 Pfg., Erbsen per Liter 22 Pfg., Linsen per Liter 32 Pfg., Kartoffeln per 100 Kilo 0,00 6,00 Mk., Weißkraut pr. Stck. 20— 30 Pfg., Zwiebeln per Ztr. Mk. 6,00—8,00, Tauben per Paar 0,80 bis 1,00 Mk., Hühner per St. 1,00—1,60 Mk. Hahnen per St. 0,80— 1,80 Mk., Enten per St. 1,80 bis 2,20 Mk., Gänse per Pfd. 00— 00 Pfg. 2 ä 555—— 5’:* — — D — —— . — — Mitteldenssche Sönilche Sountags⸗Zeitung. — Nr. 18. 8 2 555 8 5 Mnterhalkungs-Tril. N——— . Vaterland. Von John Henry Mackay. Nicht, wo der Sufall einst die Grenze zog, Soll meine Liebe sterben und erstehen! Ich will von freier Warte, weit und hoch, Die Länder dieser Erde übersehen. Und wo die Freiheit wohnt, dort will ich leben, Und wo die Menschen wirklich Menschen sind, Dort will ich wirken. Aber nimmer kleben An einer Scholle, ein unmündig Vind, Ein ganzes Leben. Und wenn immer frecher Europa ihre freien Söhne bannt, Dann rufe kühn:„Ich bin der Freiheit Sprecher, Und gern vermisse ich mein„Vaterland“!“ Die alte Geschäftsuhr. Eine Geschichte vom 1. Mai von Ludwig Gand. Aus der„Leipz. Volkszeitung“. Im Kontor des Fabrikanten Gottfried Stefan Mausig hing eine alte Schwarzwälder Uhr. Hundert Jahre hing sie schon im Geschäft des Herrn Mausig. Ursprünglich freilich war das Kontor die Werkstätte des alten Herrn Mausig, der als Handwerker das Geschäft begründet hatte, und der nun mit Wohlgefallen vom Himmel auf seine Gründung herablächelte. Die jetzigen großen Fabrikgebäude waren erst in den Gründer⸗ jahren entstanden. Die 5 Milliarden der Fran⸗ zosen hatten den Vater des jetzigen Inhabers geradezu mit der Nase darauf gestoßen, sein Geschäft zu erweitern und immer wieder zu erweitern. Gottfried Stefan Mausig war ein pietät⸗ voller Mensch, wie man so sagt, ein rechter Ge⸗ mütsmensch. Als einmal die Fabrik brannte und das ganze Gebäude der Vernichtung anheim⸗ zufallen drohte, rettete er persönlich die alte Schwarzwälder Uhr. Sie war ihm dadurch nur noch mehr ans Herz gewachsen. Wenn die Arbeiter mit ihrem Chef zusammen⸗ kamen, ob aus freudigen oder ernsten Anlässen, immer wies Herr Mausig mit einigen Worten auf die Schwarzwälder Uhr hin: „Diese alte ehrwürdige Uhr hat der Gründer unsres Hauses, mein gottseliger Urgroßvater, schon in seiner Werkstatt hängen gehabt. Die Werkstatt war nicht größer als dieses Kontor. Mein Vorfahr hat ja 14, manchmal 20 Stunden den Tag gearbeitel und den Grundstock zu unsrer Fabrik gelegt. Diese alte Schwarzwälder hat es gesehen,— wenn die reden könnte. Ihr aber seid unzufrieden, obwohl ihr nur noch 10 Stunden zu arbeiten braucht. Ach ja...“ Die Arbeiter waren schon an diese Redens⸗ arten gewöhnt, und mancher derbe Witz auf die alte Uhr wurde in ihren Kreisen herumgesprochen. Von der Arbeitsmethode des nun längst ver⸗ moderten Krauters war keine Spur mehr vor⸗ hauden. Wo er seine Drehbank mit dem Fuße getreten hatte, da sausten heute Hunderte von Rädern, von Dampf und Elektrizität getrieben, in schwindelnder Eile herum. Seine Nachfolger nanuten sich Fabrikanten, obwohl ste nur kauf⸗ mänaische Ausbildung genossen und vom Hand⸗ werk keine Ahnung hatten. Der alte Herr hatte, trotz seiner langen Schufteret, sein ganzes Leben lang nicht so viel verfertigt, wie heute in einer Woche aus der Fabrik kam.— Gottfried Stefan Mausig saß in seinem Kontor, rauchte eine Havanna und sah ehrfurchts⸗ voll nach der Schwarzwälder. Der Jahres⸗ überschuß war ein recht guter gewesen, und die notwendig gewordene Vergrößerung der Fabrik mußte die Ueberschüsse für spätere Jahre natur ⸗ gemäß auch wieder vergrößern. Er war recht zufrieden, der Herr Fabrikant. Der Buchhalter r etwas stotternd:„Die „der Arbeiterausschuß wollen Herrn Maustg sprechen.“ 25 5 „Om, hm. Was wollen sie denn 2 war aehst. n. leder Frage:„Was wollt Ihr eigentlich Der Buchhalter zuckte die Schultern.„Ich glaube, sie wollen freihaben für die Malfeier! „Was?! Für die Matfeier!? Meine Akbeite r! Der Buchhalter erhielt den Auftrag, den Ausschuß vorzulassen. Den Blick auf die alte Schwarzwälder Uhr gerichtet, empfing Herr Gottfried Stefan Maustig den Arbeiterausschuß. „Ich habe es schon gehört“, unterbrach der Fabrikant den Sprecher.„Sie wollen den Sozialdemokraten Vorspanndienste leisten, Sie wollen wenig arbeiten und viel verdienen, Sie wollen zur Maifeier, Sie wollen. Seht Ihr diese alte Uhr?... Der Gründer dieses Geschäfts, mein gottseeliger Urgroßvater, hat 14 und manchmal 20 Stunden den Tag ge⸗ arbeitet! Er hat sich herausgearbeitet, den Grundstock zu unserer Fabrik gelegt. Diese alte Schwarzwälder hat es gesehen, wenn die reden könnte! Ihr aber seid unzufrieden, ob⸗ wohl Ihr nur noch 10 Stunden zu arbeiten braucht. Ach ja 8 „Herr Mausig“, nahm der Sprecher das Wort,„die Maifeier ist eine Demonstration für 1 Achtstundentag und den Weltfrieden, und 0 8 128 „Ach was, Achtstundentag und Weltfrieden. Ueberhaupt sollten Sie gerade sich schämen. Ihr Vater und Großvater haben ohne Murren in unserm Geschäft gearbeitet, so lange es ver⸗ langt wurde. Diese alte Uhr ist Zeuge, wie Ihr Vater als letzter die Schlüssel abgab und ihm mein Großvater gar manchmal herzlich die Hand drückte. Heute aber, ach ja...“ „Ja Herr Mausig. Von diesem Händedruck haben wir Kinder nicht leben können, als mein Vater mit 40 Jahren ins Grab sank und uns Kinder nackt und bloß zurückließ. Und über⸗ haupt diese alte Uhr da. Der Perpendikel würde wohl bald still stehen, wenn nicht die Gewichte ihn antrieben. So ist auch in Ihrer Fabrik. Da sind wir Arbeiter das Schwergewicht, da⸗ rum wollen wir auch einen Tag im Jahr.“ „Nun aber ruhig. Acht Tage laß ich die Fabrik ruhen, wenn am 1. Mai gefeiert wird. Das Schwergewicht bin ich! Ich halte den Betrieb in Tätigkeit!!...“ Die Arbeiter feierten. Herr Gottfried Stefan Mausig stand grimmig in seinem Kontor. Mit ungewöhnlicher Erregung und darum unge⸗ schickter als sonst verrichtete er seine ihm zur lieben ewohnheit gewordene tägliche Arbeit, das Aufziehen der alten Schwarzwälder Uhr. Ein dumpfer Fall, das Gehgewicht fiel zur Erde—— die Uhr stand——— das erste⸗ mal seit undenklicher Zeit.————- Als er das Tsckeu der Uhr nicht mehr hörte, empfand Herr Mausig um so drückender die Todesstille in seiner Fabrik. Lange litt es ihn nicht in dem großen Schweigen. Er eilte in seine Villa. Im nächstfolgenden Jahre wurde die Maifeier freigegeben ohne achttägige Straf⸗ feiertage.— Der Freigeist. Erzählt bon C. Aristides. Man nannte ihn schon als kleinen Jungen den Freigeist. Was darunter zu verstehen war, wußte er lange selbst nicht. Seine Wiege stand in einem in der Entwickelung zurückgebliebenen armen Gebirgsdorfe mit 200 Einwohnern, einer Kirche, einer Schenke und einem baufälligen Schulhaus. Seine Erziehung war wie die sämtlicher Bewohner des Dorfes eine streng religiöse, und der Herr Pfarrer galt als der unfehlbare Berater in allen Angelegenheiten. Der Freigeist war der Sohn des Dorfstell⸗ machers Jakob Kampf. Er war das vierte Kind unter sieben Geschwistern. Der Vater hatte einst einiges Vermögen gehabt, aber Un⸗ glücksfälle in der Fumilie und seine ihm ange⸗ borene Gutmütigkeit gegen alle seine Mit menschen hatten ihn arm gemacht. Warum die Dorfbewohner des Stellmachers Ernst„Freigeist“ nannten, das sollte dieser endlich einmal erfahren.„Du trägst den Kopf zu hoch, mußt hübsch auf der Erde bleiben“, erhielt er einst von einem Burschen zur Antwort von mir?“ Diese Worte kamen dem damals zehnjährigen Erust nicht aus dem Sinn. Was sollte das bedeuten? Glaubte man, er sei stolz? Das würde ihn peinlich berührt haben, denn er war sich der Armut seiner Eltern nur zu gut bewußt. Aber es kränkte ihn, daß man ihn etwa auf diese Weise diese Armut fühlen lassen wollte. War ihm bisher die Bezeichnung Freigeist gleichgültig gewesen, so erzürnte er sich jetzt darüber, und zwar einmal derart, daß er einem ihm an Alter und Stärke weit überlegenen Burschen so kräftig auf die Nase schlug, daß dieser eine hübsche Quantität Blut lassen mußte und dabei noch froh war, nicht mit einem zer⸗ brochenen Nasenbein nach Hause gehen zu müssen. In der Schule gehörte Ernst zu den fleißigsten Schülern, sodaß ihn der Lehrer später zum Unterrichten der jüngsten Klassen benutzte. Aber nicht allein dazu konnte der Lehrer den Ernst gebrauchen, sondern auch noch zu allerlei Haus⸗ und Hofarbeiten. Von seinem Gehalt konnte der Lehrer nicht leben, weßhalb er auch zu gleicher Zeit Bauer war und die fleißigsten Schüler waren seine unbezahlten Arbeiter. So war Ernst eines Tages mit dem Aus⸗ misten des Kuhstalls beschäftigt, als der Lehrer an ihn herantrat und ihn also auredete:„Sag Ernst, Du bist jetzt in Deinem letzten Schuljahr, hast Du Dich schon entschlossen, was Du nach Deiner Entlassung beginnst?“ „O ja, ich wollte Schuhmacher werden, aber mein Vater will, daß ich sein Handwerk lerne, damit er gleich Hülfe an mir hat, und so muß ich das tun,“ fügte Ernst etwas bitter hinzu. „Om“, meinte der Lehrer,„ich wollte Dir sonst vorschlagen Lehrer zu werden.“ Ernst horchte hoch auf, denn trotz der ge⸗ ringen Besoldung der Dorfschulmeister schien ihm doch die Lehrerlaufbahn begehrenswerter als das Schuhmacher oder Stellmacherhandwerk. Er schüttelte aber wehmütig sein Haupt und sagte leise:„Das geht nicht.“ „Nun, nun, ich weiß schon, was Du sagen willst“, erwiderte der Lehrer,„aber so schlimm ist die Sache nicht. Deinen Vater soll die ganze Geschichte gar nichts kosten, nur höchstens etwas Taschengeld muß er Dir besorgen, wenn Du auf dem Seminar bist. Ich werde mit Deinem Vater überlegen.“ f Ernst sagte nichts mehr, was sollte er auch darauf erwidern!—— „Ernst wird Schulmeister“, mit diesen Worten betrat eines Nachmittags der alte Kampf die Wohnstube.„Der Pfarrer gibt ihm die Stunden und in seiner freien Zeit wird er uns zu Hause und auf dem Felde helfen. Ich habe wohl schon gemerkt, wie er in der letzten Zeit am Grübeln ist. Sein Wunsch mag in Erfüllung gehen.“ * 5*ñ Zwei Jahre später treffen wir Ernst an der Werkbank in seines Vaters Werkstelle. Der Tod der Mutter und Krankheiten unter den Kindern hatten dem Vater das letzte geraubt, was ihm an freiem Eigentum geblieben. Der christlichen Sparkasse konnte er eines Tages nicht die fälligen Zinsen nebst Amortisation zahlen, und da wäre sein Haus sicher unter den Hammer gekommen, hätte nicht der ver⸗ pönte Jude ausgeholfen, freilich gegen Wucher⸗ zinsen. Vater Kampf hoffte, es würde ihm gelingen, sich noch einmal aus den Händen des Wucherers zu befreien und diesem Streben wurde das Schulmeisterprojekt geopfert. Ernst half seinem Vater als Stellmacher. Er ver⸗ stand es auch, sich in die Verhältnisse zu schicken, kam aber die Rede auf die sozialen Verhältnisse, auf das Hoffen auf bessere Zeiten, dann spielte stets ein ungläubiges Lächeln um seine Mund⸗ winkeln. Er hatte gerade damit begonnen ge⸗ habt, aus dem Born des Geistes zu schöpfen, war aber noch nicht so weit gekommen, um selbstständig irgend welche Schlußfolgerungen ziehen zu können. f Des Sonntags suchte er sich ein einsames Plätzchen im Walde, lagerte sich in das g üne Gras und bewunderte die munteren und fröh⸗ lichen gefiederten Sänger, die„weder säen noch 2———7—9+—.᷑?ÄͤÄ3V2:—;70U— 555 Nr. 18. Mitteldentsche Souutags⸗Zeitung. Seite 7. ernten und von dem himmlischen Vater doch ö ernährt werden“, wie es in der Bergpredigt des Nazareners heißt. Ach ja, diese Ber predigt, sie gibt einem Gemüt, wie es Ernst besaß, eine Menge Stoff zu Betrachtungen. Ju solche Betrachtungen war Ernst ver⸗ sunken, als er plötzlich durch einen ehemaligen Schulkameraden gestört wurde. „Was ist's Ernst, bauest wohl Luftschlösser, he, nimm Dich in Acht, daß sie nicht einstürzen“, rief ihm dieser zu. Um Ernst's Lippen spielte wieder das bittere Lächeln, er antwortete mit einem kurzen, aber Kosten, und die Reichen nicht, weil es ihnen entschtedenen:„Laß mich in Ruh'.“ Der Ankömmling war der einzige Sohn eines der begütertsten Bauern im Dorfe. Er haßte Ernst, weil dieser in der Schule ihm so manchmal über gewesen war und Lob bekam, während er das Prädikat Dummkopf nach Hause tragen konnte. Jetzt hielt er den Augen⸗ blick für günstig, um sich dafür zu rächen. „Sag Freigeist, vom nächsten Monat aß besuche ich das Gymnastum in L.“ Die erwartete Wirkung dieser Worte blieb nicht aus, Ernst war tatsächlich an einer wunden Stelle getroffen worden. Das bittere Lächeln verschwand, um der Zornesglut Platz zu machen. „Nun ja, Dein Vater hat ja noch mehr Ochsen zu Hause“, rief er ihm zu, sprang auf und ging davon. Dieser anscheinend unbedeutende Zwischenfall hatte bei Ernst den Gedanken gerefft, daß es mit dem Träumen nicht getan sei. Was er aber machen sollte, davon hatte er vorläufig noch keine Ahnung bei den mannigfachen Ge⸗ danken, die im wilden Chaos sein Gehirn durch⸗ kreuzten. Eine Woche später sollte er indes schon Gelegenheit bekommen, seine erste„revolutionäre Tat“ zu vollbringen, freilich in recht eigenartiger Weise. Er hatte durch die bitteren Erfahrungen seines jungen Lebens nicht allein die gesellschaft⸗ lichen Ungerechtigkeiten hassen gelernt, sondern auch so manche alten Gebräuche, an denen das Dorf so reich ist, waren ihm zuwider geworden. Ein Verwandter von ihm hatte Kindtaufe. Zwei Tage vorher erschien dieser in Kampfes Wohnung, nud nach einigen allgemeinen Redens⸗ arten über das Wetter begann er:„Ja, was ich sagen wollte, Ernst, Du sollst mein Kind aus der Taufe heben.“ Am liebsten hätte Ernst den Verwandten in diesem Augenblick nach dem Blocksberge ver⸗ wünscht, oder doch in aller Form für die Ehre gedankt, aber dieser Unhöflichkeit wollte er sich des Kindes gleichfalls ein armer Teufel war und sich in solchen Fällen so leicht Niemand findet, der nach„dieser Ehr, welche macht den Beutel leer“ geizt: die Armen nicht wegen der da nicht gut genug ist. Ernst nahm also die Einladung an, aber er hatte sofort seinen Plan gefaßt. In Hütten⸗ berge besteht nämlich die Sitte, daß zu Kind⸗ taufen die Patens mit riesigen, die ganze linke Brustseite bedeckenden Sträußen, hergestellt aus Rosmarinzweigen und breiten seidenen Bändern, die Patinnen dagegen mit einem aus Perlen und Bändern zusammengebauten Ungetüm auf dem Kopfe erscheinen, für welch' letzteres sich schwer ein Vergleich finden läßt. Ernst war nun durch keine Macht der Welt zu bewegen, diesen Strauß anzulegen. Das war sofort zuchbar geworden und nun kamen junge Mädchen und alte Weiber beiderlei Ge⸗ schlechts, welche sich ins Zeug legten. Aber sedesmal, so oft ste Ernst den Strauß anheften wollten, ertönte ein: Hände weg! Als die Geschichte vorbet war und Ernst die Kirche verließ, mußte er den mühsam zurück⸗ gehaltenen Redestrom der in ihren heiligsten Gefühlen verletzten Bäuerinnen über sich ergehen lassen.„Der hat den Namen Freigeist mit Recht“,„der Satan muß in den Buben gefahren sein“,„der Teufel hält ihn gepackt“,„die arme Louise, wie ste betrübt neben ihn stand, ste ist mit blamiert“, so schwirrte es durch einander. All das Gerede war Ernst gleichgültig, nur die letzten Worte nicht so ganz. Seine Part⸗ nerin, die Schneiders Louise, wollte er durch die Ablehnung des Straußes nicht beleidigen. ie war ihm zwar sehr gleichgültig, aber sie hatte ihm auch nichts zu Leide getan. Er warf letzt einen verstohlenen Blick nach ihr, aber dieses halb zur Erde gesenkte Gesicht war ihm ein Rätsel. Es war weder Zorn noch Freude, fact 1— keine Gleichgültigkest, was auf ihm agerte.——— (Schluß folgt.) Kür unsere Frauen. Reinlichkeit und Regelmäßigkeit bei der körperlichen Pflege deines Kindes sind Grundlagen seiner Gesundheit und Charakter⸗ bildung. Die physische und psychische Erziehung beginnt mit der Gewöhnung des Säuglings an Reinlichkeit und Regelmäßigkeit des äußeren selben, kaunst du es leicht dazu erziehen, auch jeden Schmutz, jeden Flecken der Seele zu ver⸗ abscheuen. Indem du bei der Gestaltung seines Lebens strenge Regelmäßigkeit beobachtest, lehrst du es Pünktlichkeit, Gewissenhaftigkeit, Ord⸗ nung, Pflichttreue und jene Selbstzucht üben, die mit Ueberwindung augenblicklicher Stim⸗ mungen und Wünsche jederzeit das als nötig und recht Erkannte tut.— Nicht etwa, daß du dein Kind gewöhnen sollst, bei Spiel und Ar⸗ beit ängstlich jede Beschmutzung von Körper und Kleidung zu vermeiden. Du würdest ihm da⸗ mit Freuden rauben und Möglichkeiten, die Kräfte seines Körpers und Geistes zu betätigen; du würdest es damit überbedenklich, zaghaft und unbehilflich machen. Wohl aber soll dein Kind die Unsauberkeit als solche empfinden und das Bedürfnis lernen, sich nach Spiel und Arbeit ordentlich zu reinigen. Du sollst auch nicht gedankenlos und ohne Berücksichtigung auftre⸗ tender Umstände die Regelmäßigkeit in der Zebenshaltung deines Kindes aufrecht halten. Dein Kind darf nicht zum Pedanten werden, der das Nötigste, Nützlichste und Angenehmste unterläßt, weil es das geregelte Uhrwerk seiner Lebensführung unterbrechen würde. Wohl aber sollst du es dazu erziehen, die dem Me schen körperlich und geistig notwendige Ordnung und Disziplin nicht jederzeit um flüchtiger Zaunen und Neigungen wegen zu durchbrechen. Ga. in der„Gleichheit“.) Splitter. Zwang hindert vielleicht manche Vergehung, raubt aber selbst den gesetzmäßigen Handlungen von ihrer Schönheit. Freiheit veranlaßt vlel⸗ leicht manche Vergehung, gibt aber selbst dem Laster eine minder unedle Gestalt. W. v. Humboldt. . .—— 70 f 4% findet jeder⸗ Konfirmationsgeschenke zue ichen Preislagen und in großer Auswahl in dem Jlhren⸗, Gold- und Silberwarengeschäft von F. Kaminsia, Markt⸗ platz 11, am Kriegerdenkmal. Man verl. Rabattmarken. Numoristisches Konservativ.„Wissen Ste, ich bin für die Erbschaftssteuer, sofern die Landwirtschart davon befreit bleibt!“ Variante. Wenn du noch eine Kousine hast, Menschen. Indem du dein Kind an die pein⸗ um so weniger schuldtg machen, als der Vater lichste Reinlichkeit des Körpers gewöhnst, ganz besonders auch an den verhüllten Stellen des⸗ 586666775557 Edgar Borrmann: Giessen Telephon 228 Neustadt 11 Eisenhandlung, Stahlwaren, Werlizeuge Haus- und Küchengeräte-Handlung. Herde und Oefen Spaten Landwirtschaftl. Geräte Drahtgeflecht Wasch⸗ u. Wringmaschinen Petroleum⸗ u. Stachelzaundraht, Mangen, Vogelkäfige Rasenmäher Waagen und Gewichte Stehleitern Messerputzmaschinen Munition ete. Pferdeschoner a ο e e% ꝙοο e Fleischhack- u. Reibemasch. 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Festrede gehalten von Genosse Franz Schnell⸗ Aufstellung des Festzuges nachm. 1 Uhr am Oswaldsgarten, Abmarsch 2 Uhr. Von 3 Uhr ab Omnibusverbindung vom Ludwigsplatz nach dem Walde. Bei ungünstiger Witterung findet das Fest 8 Tage später statt. Das Gewerkschaftskartell. Gießen. (Bei kühlem Wetter nach Cappel.) Der Vorstand des Maifeier in Marburg. Sonntag, den 6. Mai, nachmittags 3 Uhr: Familienausflug nach der Schanze. soz. 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