. 2 10% rstling en Naas ihreitig. ertrag Aue u jeden, tuer nn n Neu- d pena · l. . Ik. 3.0 . 2.—. Aaresze, Tünscht, 0 1 — Gießen, den 1. April 1906. 13. Jahrgang. Nr. 13. Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Sonnt Mitteldeutsche gs ⸗Je nebaktiens tag: Dendeontag Nachmittag 4 Uhr. itung. Abonnementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere nehmen alle Au Aus träger frei ins Haus geliefert menatlich 25 Pfennig. Expeditien in Gießen, Rittergasse 17, die Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Postanstalt und die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P. ⸗Z.⸗K. 5107) Bestelungen Juserate sträger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreirung. Die 5 gespalt. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindesten s 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung 33¼%% und bei mindestens 22 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Der europäische Krieg. Die wirtschaftlichen Folgen eines europäischen Krieges behandelt Jules Roche, ein ehemaliger französtscher Handels minister, in einem Aufsatz in einer französischen Zeitschrift. Er kommt zu dem Resultat, daß bei der Kom⸗ pliziertheit des heutigen ökonomischen Lebens ein europäischer Krieg eine allgemeine Katastrophe hervorrufen würde, die einen vollkommenen Zusammenbruch unsres ganzen wirtschaftlichen Lebens bedeuten würde. Als Grundlage für seine Berechnungen dienen ihm die Verlustlisten und die aufge⸗ wandten Kräfte in dem Kriege 1870— 71. Rach den Aufstellungen Freyeinets betrugen die Streitkräfte der Republik 680000 Mann, die im Felde standen, und 600000 Mann in Paris, worunter 500000 Nationalgarde. In der ersten Zeit des Krieges hatte Frankreich etwa die gleiche Anzahl Soldaten unter den Waffen gehabt, so daß man die jeweilige Stärke der französtschen Armee alles in allem auf 1200 000 Mann beziffern konnte. Die deutschen Streitkräfte zählten im August 1870 alles in allem 1183000 Mann und im Februar 1871, wo die Höchstzahl der unter den Waffen Stehenden erreicht wurde, 1350 000. Die Kosten für die Unterhaltung jedes einzelnen Soldaten berechnet Roche auf 11 Fr. täglich. Er stellt zunächst die Gesamtkosten des Krieges mit 9 Milliarden 237 Millionen fest, zieht von dieser Summe die 5 Milliarden, die Frankreich Kriegskosten zahlen mußte, ebenso eine Milliarde, die durch die Folgen des un⸗ glücklichen Krieges erwuchsen, ab und kommt zu dem Ergebnis, daß die Ausgaben für den Krieg, auch wenn derselbe glücklich verlaufen wäre, zum mindesten 3 Milliarden 287 Millionen betragen hätten. Da der Krieg 8 Monate oder 245 Tage dauerte, so kommen bei einer Stärke des Heeres von 1200 000 Mann 11 Fr. täglich auf den Kopf. Seitdem ist die Heeresstärke der Armeen außerordentlich gewachsen. Sie beträgt in Frankreich bei der Mobilmachung des stehenden Heeres 2080000 Mann, zu denen noch 130 000 Mann Reserve in jeder der sechs Klassen kommen, so 08 schon in den ersten Monaten des Krieges 2860000 Mann unter Waffen stehen würden. Die täglich zur Unterhaltung dieses Heeres verausgabte Summe beliefe sich dann auf 31460 000 Frank. Dabei sind die Kosten von 11 Frank sehr niedrig berechnet, denn in dem Burenkriege betrugen die Kosten der Engländer für einen Mann 20 Frank, wobet allerdings 0 bedenken ist, daß der englische Soldat mehr ostet als der französische, und im russisch⸗ japanischen Kriege beliefen sich die täglichen Kosten für einen Soldaten auf über 10 Frank, obwohl der russische Soldat viel billiger ist, als der französtsche. 5 Erfolgt nun die vollständige Mobil⸗ machung, wobei auch noch die sechs Klassen der Landwehr eingereiht werden, so kommen noch 600 000 Mann hinzu, und die Zahl der Kosten für die Armee steigt auf 38 000 000 Fr. für den Tag. Berechnet man die Dauer des Krieges ebenfalls auf 245 Tage wie 1870/71, so ergibt sich als Gesamtkosten die ungeheure Summe von neun Milliarden 310 Millionen. Dehnt man die täglichen Unterhaltungskosten von 11 Frank für den Soldaten auf die Armeen Deutschlands, das 5 400 000 Mann unter Waffen stellt, Oesterreichs mit 2000000 Mann und Italiens mit 3 300000 Mann aus, so ergibt der Verbrauch dieser Staaten 100000000 Frank für jeden Tag. Also 80 Millionen Mark jeden Tag! Zu diesen immensen Kosten kommt noch der wirtschaftliche Niedergang des ganzen Landes und aller Industrien. Im Kriege 1870—71 entging Frankreich nur dadurch dem Staats⸗ bankrott, daß die Bank von Frankreich die not⸗ wendigen Summen aufbrachte. Aber heute wäre es unmöglich, auch für die Bank von Frankreich, so große Summen aufzubringen. Da fast die ganze männliche Bevölkerung zwischen zwanzig und fünfundvierzig Jahre im Felde steht, muß ein großer Teil der industriellen Unternehmungen und wirtschaftlichen Betriebe ihre Arbeit ein⸗ stellen. Nicht nur daß zwei bis drei Millionen Menschen nichts mehr verdienen, sondern ihre Abwesenheit lähmt auch die übrige Bevölkerung völlig und läßt nur noch der ganz individuellen Arbeit eine Möglichkeit, zu bestehen, und die Zahl solcher Einzelbetriebe ist im modernen Wirtschaftsleben immer geringer geworden. Das Unheil und die Verwirrung würden noch wachsen, wenn der ganze Verkehr und der ganze Ablauf des sozialen Lebens stocken würden. Kein elek⸗ trisches Licht mehr in den Straßen, keine Straßen⸗ bahnen, keine Droschken, keine Telegraphen und kein Gas! Die Druckereien wären verödet, die Bergwerke brachgelegt, und überall würde sich der Krieg auf das furchtbarste bemerkbar machen. Auch ein völliger Niedergang der Gel d⸗ geschäfte stände bevor. Die augenblickliche Folge eines heutigen Krieges wäre ein unge⸗ heurer Kurssturz, das weitere Ergebnis eine vollständige Geldkrise. Und das unheilvolle Gespenst des Papiergeldes, das schon 1870- 71 Frankreich bedrohte, würde gar bald seine Schrecken bemerkbar machen. Bei der Geld'rise des Jahres 1870 rief der Finanzminister de Roussey aus:„Das Papiergeld würde den vollkommenen Ruin Frankreichs bedeuten!“ Damals half man sich durch das Eingreifen der Bank von Frankreich noch glücklich darüber hinweg. Heute aber würde die Zeit der Asstg⸗ naten nach der französischen Revolution wieder zurückkehren, wo das Paplergeld gar keinen Wert mehr hatte und schließlich 100 Frank⸗ Billetts nur noch den Wert von 3 Sous hatten, und ein Pfund Zucker 470 Frank und ein Brot 60 Frank kosteten. Die gleichen unheilvollen Folgen würde der europäische Krieg für Deutschland, für Italien, für England, für Oesterreich haben. Ueberall würde eine völlige ökonomische Ver⸗ nichtung hereinbrechen, und dem Sieger würde sein Sieg zu teuer zu stehen kommen. An alle diese Dinge denken unsere Hurra und Mordspatrioten nicht. Umsomehr ist es unsere Aufgabe, darauf hinzuweisen, welch' un⸗ geheueres Elend ein Krieg für das Volk im Gefolge hätte, selbst im Falle unseres Sieges. Wenn daher die internationale Sozialdemokratie mit allen Kräften für den Weltfrieden eintritt und arbeitet und sich gegen die„nationalen“ Hetzereien wendet, so handelt stie hundertmal mehr im Juteresse und zum Wohle des Volkes, als diejenigen, welche ihren„Patriotismus“ durch Renommistereien und Herausforderungen andern Völkern gegenüber betätigen wollen. Aus dem Reichstage. Der Kolonialetat beschäftigte den Reichs⸗ tag noch die ganze vorige Woche. Die Taten und das ganze Verhalten der deutschen Kultur⸗ förderer gab sehr viel Anlaß zur Kritik, die besonders von unserm Genossen Ledebour und Bebel sowie dem Zentrums mann Erz⸗ berger geübt wurde. Namentlich verlangten unsere Vertreter, daß den Negerstämmen das Land wiedergegeben werde, was ihnen vor etwa einem Jahre die Togo⸗Kolontal⸗Gesellschaft für ein paar Pfennige abgeschwindelt hat. Die bürgerlichen Parteien, die sich sonst immer als die Verteidiger des Eigentums aufspielen, lehnten jedoch den sozialdemokratischen Antrag ab. Die Regierung, die zu jenem Kauf ihren Segen und am Donnerstag konnte Genosse Ledebour mit Genugtuung konstatieren, daß die sozial⸗ demokratische Aktion von Erfolg begleitet ge⸗ wesen ist. Am gleichen Tage wandte sich Bebel noch gegen den Antisemiten Lattmann, der sich bei der Debatte über Südwestafrika als wilder Kolonialeroberer produzierte und die grausame Wegnahme des Landes verteidigte. Bebel erklärte diesem deutschen Richter, daß die Neger von ihrem Standpunkt aus mit Recht sich gegen die deutschen Eroberer aufgelehnt haben. Uebereinstimmend haben die Misstonare erklärt, der Land raub sei in erster Linie die Ursache des Aufstandes gewesen, denn die Neger sahen sich in ihrer Existenz auf's äußerste bedroht. Bebel brandmarkte weiter auch die ganze Unsinnigkeit der Kolonial⸗ politik, die Hunderte von Millionen in afrika⸗ nische Sand- und Sumpfländer verpulvert, Summen, die böllig ausreichen würden, in Deutschland Millionen Hektar unfruchtbaren Bodens in ertragreiche Ländereien umzuwandeln. Weiter behandelte Bebel die vorher vom Abg. Erzberger scharf kritisterte Monopolstellung der bekannten Firma v. Tippelskirch als Lieferantin für die Ausrüstungsgegenstände der Truppen in den Kolonien. Bebel betonte, daß nach seiner Auffassung jede Firma, die auf Ehre und Re⸗ putation hält, auf einen Vertrag freiwillig ver⸗ zichten würde, wenn ihr öffentlich solche Dinge nachgesagt werden, wie der Firma v. Tippels⸗ kirch. Auf alle Fälle sollte der eine Teilhaber, der preußische Minister v. Podbielskti, in diesem Sinne auf die Firma einwirken. Be⸗ merkenswert war die Aeußerung des Geheimrats Seitz, daß heute die Regterung diesen Vertrag nicht mehr abschließen würde. Samstag wurde der Etat für Südwestafrika erledigt. Verschiedene Abstriche, welche die Kommisston gemacht hatte— u. a. ein solcher von 15 Millionen an der Forderung von 92 Millionen für die Schutztruppe— wurden auf⸗ recht erhalten, obwohl Prinz Hohenlohe und Oberst Deimling lebhaft für die Bewilligung eintraten. Letzterer wollte der Sozialdemokratie vorwerfen, daß sie die deutschen Truppen in Afrika heruntersetze, Ledebour trat aber dieser Darstellung entschieden entgegen. gespendet hat, ließ jedoch Remedur eintreten, ö ö 1 1 ————— 3 Seite 2. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 13. Die Flottenvorlage kam am Montag im Reichstage zur zweiten Lesung. Es steht dazu ein Antrag der Frei. sinnigen(Ablaß) mit zur Beratung, nach wel⸗ chem zur Deckung der Kosten eine Vermögens⸗ steuer von allen Vermögen deutscher Reichs⸗ 1 von 100 000 Mk. an erhoben werden oll. f Zuerst hielt der Graf Orfiola, der Abg. für Friedberg⸗Büdingen eine gewaltige Flotten⸗ pauke, durchsetzt mit den gewöhnlichen abge⸗ brauchten Schlagworten. Er will eine Flotte haben, die auch„den seemächtigsten Gegnern“ gewachsen ist. Nach dem hessischen Flottengrafen ergriff das Wort unser Genosse Bebel: Die Annahme der Vorlage sei sicher, einzig die So⸗ zialdemokratie verwerfe die Flottenrüstungen. In der Flottenfrage ist im letzten Jahrzehnt eine völlige Wandlung der Anschauungen der bür ger⸗ lichen Parteien eingetreten. Die Marine⸗ und Weltpolitik wurde durch eine Rede des Kaisers am 18. Januar 1896 inauguriert. Damals fand die Rede höchstens bei den Natjfonalliberalen einen freudigen Widerhall. Getreu dem Grundsatz:„Kein Kanitz, keine Kähn!“ erklärte sich die kon servative Fraktion gegen jedes He rausgehen über das geltende Flottengesetz. Ein paar Tage später gab Dr. Lieber für das Zentrum ohne Ausnahme eine gleiche, nur noch viel schärfere Erklärung ab. Im Herbst des Jahres 1896 wiederholte der Abg. Fritzen diese Erklärung. Im März 1897 gaben der damalige Reichskanzler Hohenlohe und der Marine⸗ staatssekretär Herr von Hollmann beruhigende Erklärungen ab. Der letztere erklärte sogar eine Bindung für lange Jahre im eigensten Interesse der Flotte für unzulässig. Dafür mußte er allerdings nach nicht allzu langer Zeit seinen Abschied nehmen. Zu jener Zeit wies der Abg. Lieber auf einen Artikel im Militärwochenblatt hin, welcher forderte, daß die deutsche Flotte so stark sein müßte, daß sie die Landung deutscher Truppen in Eng⸗ land sichern könnte. Abg. Lieber erklärte diefen Artikel für ein starkes Stück. Redner schildert weiter die fort⸗ währenden Steigerungen der Flottenansprüche und fährt fort: Nach dem Vorredner genügt die neue Vorlage allen berechtigten Anforderungen. Er wird solange dieser Ansicht sein, bis das Reichsmarineamt eine neue Vor⸗ lage vorlegt. Die Herren vom Flotten verein agitieren ja bereits für eine abermalige Vermehrung der Flotte weit über das jetzige geforderte Maß hinaus. Zum Flottenverein gehören die gesamten deutschen Fürst en, die Prinzen, die Senatoren der Handelsstädte, der alte und der neue Adel. Ich habe hier ein Flugblatt vor mir liegen, das unter dem Hinweis auf den Untergang der russischen Flotte die jetzige Vorlage als ungenügend bezeichnet und den Ersatz unsrer veralteten Schiffe durch vollwertige fordert, damit wir nicht gezwungen seien, 9000 deutsche Seeleute im Kriegsfalle nutzlos in den sicheren Tod zu senden. Das Flugblatt beschuldigt also die Regierung eines ganz verräterischen Verbrechens. Der geradezu unglaublichen Agitation und den in jeder Hin⸗ sicht unerfüllbaren Forderungen des Flottenvereins stehen die Herren von der Marineverwaltung völlig schweigend gegenüber. Ein Flugblatt behauptet, die Stimmung des gesamten deutschen Volkes gehe dahin, bedingungslos alles für die Flotte herzugeben, Und der Reichstag wird aufgefordert, aus eigner Initiative die vom Flottenverein für notwendig gehaltene Verstärkung zu beschließen! Die Mittel sollen dadurch beschaffl werden, daß die für eine künftige Witwen⸗ und Walsenversorgung bestimmten Mehr⸗ einnahmen aus den Getreidezöllen für die Flotte ver⸗ wandt werden. Eine schamlosere Forderung kann wahrlich nicht gestellt werden. Wenn die Herren un⸗ ausgesetzt den schleunigen Ausbau der Flotte für eine nationale Notwendigkeit erklären, so ist es ihre verdammte Pflicht und Schuldigkeit, selbst in den Beutel zu greifen und auf den Tisch des Vaterlandes so und soviele Milllonen niederzulegen. Aber wie reiche Männer es mit ihrem Schamgefühl in Ein⸗ lang bringen können, auf die Groschen der armen W'etwen und Waisen Beschlag legen zu können, das verstehe ich wirklich nicht. Es ist allerdings sehr leicht, den großen Patrioten zu spielen, und wenn es aus Bezahlen geht, vollständig zu schweigen. Die Steuer⸗ kommission ist gerade dabei, aus allen Ecken und Enden 200 Milltonen zusammenzusuchen, Sie könnte sich ihre Aufgabe viel leichter machen, wenn sie die schwerreichen Industriellen Rheinland⸗Westfalens heranziehen, die Haupt⸗ schwärmer für die Flotte, die vom Flottenbau auch die größten Vorteile haben. Durch Reichseinkommen⸗, Reichs- vermögens⸗ und Reichserbschaftssteuer könnte man die Mittel beschaffen, um die drückenden indirekten Steuern abzuschaffen. Aber davon wollen die Herren nichts wissen. Doch die Last auf die Armen abzuwälzen, dazu sind sie immer bereit. Diese Rattenfänger von Hameln denken, sie brauchen uns nur als Vaterlandsverräter zu denunzieren, um sofort die Massen zu sich herüber zu locken. Aber der Arbeiter müßte ein dummer Kerl sein, der nicht begreift, wer sein wahres Interesse vertritt. Viel wichtiger als eine Flottenvermehrung im eine vernünftige auswärtige Politik an Stelle einer Politik, die uns isoliert. Dahin sind wir gekommen, trotz allet Reden, trotz alles Antelegraphierens, trotz aller Geschenke. Manche sagen sogar, wegen aller Ge⸗ schenke. Schon im ersten Monat einer Kriegserklärung würden mindestens 12000 Millionen gebraucht werden. Da sieht man doch, daß mit Notwendigkeit ein Ende mit Schrecken eintreten müßte. Dem Abg. Graf Oribola habe ich schon wiederholt erklärt, daß, so lange die heutige politische Ordnung der Dinge besteht, leider eine Nation auf ihre Verteidigung nicht verzichten kann. Der Streit zwischen uns herrscht über das Syste m und über die Grundanschauungen der auswärtigen Politik. Wenn wir die Mehrheit hätten, würden wir selbstver⸗ ständlich das System von Grund aus nach unserem demokratischen Prinzip ändern und eine auswärtige Poli⸗ tik betreiben, die darauf hinarbeitet, den Glauben zu verbreiten, nicht nur den Frieden zu wollen, sondern in der Förderung der Kulturbestrebungen mit allen Nationen zu revalisieren. Der Marinestaatssekretär Tirpitz suchte die Darlegungen Bebels zu entkräften, doch konnte er deren Eindruck nicht abschwächen. Bei der Fortsetzung der Debatte am Diens⸗ tag suchte zunächst der Zentrumsmann Spahn die Haltung und Gesinnungsänderung des Zentrums zu rechtfertigen. Hierauf erklärte auch der Freistnnige Müller⸗Sagan die Zu⸗ stimmung seiner Partei, wofür er den Dank des Staatssekretärs einerntete. Dem Reichs⸗ parteiller Grafen Arnim geht die Vorlage nicht weit genug; er will aber auch nichts von dem Antrage Ablaß wissen, weil der Herr Graf dann ja auch mit bezahlen müßte und da⸗ von sind er und seinesgleichen absolut keine Freunde. Der Freistnnige Müller⸗ Meiningen begründete den oben erwähnten Antrag Ablaß, Het den sich aber Staatssekretär Stengel, inister Rheinbaben, der Nationalliberale Bü⸗ sing u. a. wandten. Bebel trat entschieden dafür ein. Die Abstimmung über den An⸗ trag ist eine namentliche und sie ergab 95 Stimmen dafür, 63 alleen. Demnach ist das Haus beschlußunfähig und die Sitzung muß abgebrochen werden. Politische Rundschau. Gießen, den 29. März 1906. Die Schulden des Deutschen Reiches betragen nach dem Jahresberichte der Reichs⸗ schuldenkommisston am Schluß des Rechnungs⸗ jahres 1904 3203,5 Millionen Mark, gegen das Vorjahr ein Mehr von 100 Millionen. Die unverzinslichen Schulden im Betrage von 550 Millionen Mark bestanden aus 430 Millionen unverzinslicher Schatzanweisungen und 120 Millionen Reichskassenscheinen. Demgemäß stellten sich die Gesamtschulden des Reiches Ende März 1905 auf 3753,5 Millionen Mark. Zur Verzinsung der gewaltigen Schuldenlast sind immerhin rund 110 Millionen Mark nötig. Kapitalisten⸗ Gewinne. Die Verwaltung der Maschinenfabrik Kyff⸗ häuser hat das Mißfallen der Börsenleute und Aktionäre erregt, weil die diesjährige Dividende nicht die vorjährige von 20 Prozent erreicht. Die Gesellschaft wurde im Jahre 1897 mit einem Kapttal von 400000 Mk. gegründet. An Divi⸗ denden wurden verteilt bis 1903: 10, 13, 16, 17½, 26, 43 und 60 Proz., iu steben Jahren 181 ½½ Proz.! In derselben Zeit sind zirka 550000 Mk. für Abschreibungen und Reserven verwandt. Es ist in der genannten Zeit das Akttenkapttal 1¾ mal in Gestalt von Dividenden zurückgezahlt worden und 1¼ mal wurde das Kapital abgeschrteben. Damit waren die Herren Aktionäre aber nicht zufrieden, sie wollten auch den Wertstand ihres Papierbesitzes steigern durch Einführung an der Börse. Zu diesem Zwecke mußte das Aktienkapital auf eine Million Mark erhöht werden. Das geschah, die Aktien wurden zu 312 Proz. eingeführt, der Aktionär konnte sein Papier zu einem mehr als dreifachen Preis g verkaufen. Den höchsten Kurs erreichten die Aktien mit 390,50 Proz. Allerdings die Divi⸗ dende ging zurück! Das erhöhte Kapital arbei⸗ tete noch nicht mit, war aber gleich dividenden⸗ berechtigt. Es mußte erst der Betrieb erweitert und neue Fabrikation aufgenommen werden. Trotzdem wurden für 1904 doch noch 20 Proz. Dividende verteilt. Läßt man den Umstand der Kapitalserhöhung unberücksichtigt, so ergibt sich für die acht Jahre Geschäftstätigkeit eine Aus⸗ beute von 946 000 Mk. auf 400 000 Mk. Kapital. Das„verdienen“ die Aktionäre! Eine preußische„Wahlreform“. Was man nicht für möglich gehalten hätte ist geschehen: die preußische Regierung hat in dem Dreiklassenhause eine Wahlreformvorlage eingebracht! Aber was für eine! Die reine Spottgeburt, die der preußischen Junkerpolitik ähnlich steht. Der volksfeindliche Privilegien charakter des skandalösen Dreiklassenwahlsystems wird durch die zwei Wahlgesetzentwürfe— wo⸗ von der eine die Zahl der Abgeordneten um zehn vermehrt und die Wahlbezirke ent⸗ sprechend ändert, der andere das Wahlverfahren formell ein bißchen umorgelt— in keiner Hin⸗ sicht gemindert und gemildert. Dem arbei⸗ tenden Volk bleibt die Pforte der borussischen Duma auch ferner verschlossen, und nach wie vor wird das Krautjunkertum seine Schlot⸗ und Börsenrivalen an die Wand drücken, wenn ste ihren Agrarinteressen in die Quere kommen, dank der pfiffigen Wahlkreiseinteilung. Eine solche„Reform“ ist empörender als gar keine. Die Machthaber trotzen dem Volks⸗ willen, blähen sich in ihrem Machtkoller und zeigen sich unbelehrbar und stocktaub gegen die gerechtesten Forderungen des Volkes, verstehen ste sich gutwillig nicht zu den geringsten Kon⸗ zesstonen und peitschen selber den Volksunwillen auf zum Ueberschäumen. Der preußische Polizeiminister v. Bethmann⸗ Hollweg erklärte, daß an der Dreiklassen⸗ wahl„unerschütterlich festgehalten“ werden solle. Trotzdem war auch das Zentrum von der„Reform“ befriedigt! Nur der Frankfurter Demokrat Oeser verwarf das verächtliche Machwerk und trat für das allgemeine Wahl⸗ recht ein, das die Arbeiterschaft allein wird erkämpfen müssen. Die Ersatzwahl in Kaiserslautern hat nach amtlicher Feststellung folgendes Er⸗ gebnis gehabt: Der nattonalliberale Bürger⸗ meister Schmidt erhielt 7557, unser Genosse Kaufmann Klement 7547, Gutsbesitzer Dr. Roesicke(Bund der Landwirte) 6595 und Pfarrer Kempf(Zentrum) 3785 Stimmen. Es findet somit Stichwahl zwischen Klement und Schmidt statt, deren Ausgang nicht zweifelhaft ist, da selbstverkändlich die Bündler und auch das Zentrum für den Nationalliberalen eintreten werden. Trotzdem können wir mit dem Nesultat recht zufrieden sein. Im Vergleich zur Wahl. 1903 sind die sozialdemokratischen Stimmen um über 500 gestiegen, während die gegnerischen um 450 zurückgegangen sind. Hier haben also die Ordnungsblätter keine Veranlassung vom „Rückgang“ der Sozialdemokratie zu reden. Es muß aber immer noch besser werden!— Eine weitere Ersatzwahl im Wahlkreise Hohen⸗ zollern— einer stcheren Zentrumsdomäne— endete mit der Wahl des Zentrumsmannes Dr. Belzer im ersten Wahlgange. Christliche Kampfes weise. Die Wortführer der christlichen Gewerk⸗ schaften, Zentrumspfaffen und stöckerische Lizen⸗ tiaten, sowie die von Schweinburg und dem Reichsverband gespeiste Unternehmer- und Amts⸗ blattpresse wird nicht müde, die Welt vollzu⸗ schreien über sozialdemokratischen Terrorismus. Und immer werden dabei die braven christlichen oder„nationalen“ Arbeiter als die verfolgte Unschuld hingestellt. Dieser Aberglaube vom sozialdemokratischen Terrorismus beeinflußt auch die Gerichte, was sich schon oft in harten Verurteilungen von Angehörigen der freien Gewerkschaften wegen Handlungen, die bei jedem andern Menschen, wenn nicht straflos geblieben, so doch milder geahndet worden wären. Was aber die Brüder in Christo vielfach für Leutchen „, — abel enden weltert perde. Prag;. nd der t sch e Aug: apa. *, hätte hat in 'orlage reine polltlk legien⸗ shstemz — boo⸗ en um ie ent⸗ 10 1 in⸗ ar bei sischen id nach selne rüden, Quere ellung. er als Volls⸗ er und gen die ertehen Kon- willen mann⸗ issen⸗ verden u bon ffurter ctliche Wahl- 1 wird ern eb Er⸗ Bürger Henosse er Dr. Pfarrer 15 icht ist, da 9 dab sutreten feullat T Wahl immen erischen ell also 0 bon reben. en! Hohen. ane mann gewel We,, b dell 17 voll ul, fil solst 1 6 1 1 Arat!“ Ne. 13. WMitteldentsche Souuags⸗Zeitung. Seiie 8. sind, das geht aus folgenden zwei Beispielen M konnte als in dem Berufe eines Universitäts⸗ herbor. Karl arg. professors, und das war der Beruf eines In Neiße in Oberschlesien wurde folgendes Ein Vortrag von Karl Kautsky. Journalisten. Gerade damals, wo er sich in einer Schöffengerichtssitzung festgestellt: Einige Zeit vor dem„roten Sonntag“ ging der Tischler Wagner ahnungslos durch die Bischofstraße, als ihn der christliche Arbeiter Mohals vom Spediteur Grötzner mit den Worten anrempelte:„Da kommt schon mieder so ein verfluchter Sozialdempo⸗ Plötzlich, wie auf Verabredung, kam von hinten der christliche Arbeiter Wagner hinzu und schlug ohne jede Veranlassung den Tischler mit den Worten nieder:„Der verfluchte Hund muß heute noch ster⸗ ben!“ Außerdem trat dieser christliche Rowdy den am Boden Liegenden in brutaler Weise mit dem Fuße ins Gesicht und beschimpfte ihn in gar nicht wiederzugebender Weise. Vor Gericht stellte sich heraus, daß dieses Muster eines christlichen Aucharbeiters bereits wiederholt wegen Sittlichkeitsverbrechens, Unterschlagung und Körperverletzung vorbestraft war. Trotzdem verurteilte das Gericht den christlichen Rowdy Wagner zu nur einer Woche Gefängnis, den zweiten Christen zu ganze 9 Mk. Geldstrafe wegen Beleidigung und Tragung der Kosten. In Köln warfen während des Holzarbeiter⸗ streiks zwei Christliche Streikbrecher mehreren Ausständigen und Mitgliedern des dentschen Holzarbeiterverbandes Pfeffer in die Augen und zwar ohne daß diese Helden vorher ange⸗ griffen worden wären. Das Gericht sprach trotzdem die angeklagten Christen frei, weil sie in„Notwehr“ gehandelt hätten! Die Diplomatenzunft Europas stitzt jetzt schon ein Vierteljahr in dem spanischen Städtchen Algeciras zusammen und verhandelt über die Marokkofrage. Ueber das Ergebnis der Konfereuz wird jetzt berichtet, daß eine„vollständige Einigung“ wischen den um den„Marokko Brocken“ sich reitenden Diplomaten erzielt worden sei. Man hoffe, daß die Konferenzarbeit, an deren glück⸗ lichem Ausgange niemand mehr zweifle, auch in den Einzelheiten„womöglich“ bis zu Beginn der Karwoche fertigzustellen.— Es wäre auch noch schöner, wenn die Herren, die jedenfalls dort ein fabelhaftes Stück Geld verpulvert haben, etwa einen europäischen Krieg zusammen⸗ gebraut hatten! Anerkennun sozialdemokratischer Tatigkeit durch die Gegner ist gewiß etwas seltenes. Kürzlich schied unser Genosse Abg. Baudert aus dem Gemeinderat in Apolda, dem er lange Jahre angehörte. Die liberale Apoldaer Zeitung schrieb dazu:„Baudert hat der Ge⸗ meindevertretung 14 Jahre angehört. Mit ihm verliert das Kollegium eines seiner be⸗ fähigtsten Mitglieder. Er hat seinen Stand⸗ punkt sachlich und mit Geschick vertreten, aber auch bei zahlreichen Gelegenheiten gezeigt, daß ihm das Wohl der Gemeinde am Herzen lag.“ Wie mag dasselbe Blatt Baudert bei 100 1 zum Gemeinderat behandelt aben Kleine politische Nachrichten. Gemeindewahlerfolge hat unsere Partei in einer großen Anzahl ländlicher Vororte Berlins zu verzeichnen. In den dicht an Berlin angrenzenden Ge⸗ meinden, wie Pankow, Reinickendorf, Treptow⸗Baum⸗ schulenweg, Weißensee, gehörte die dritte Abtellung von vornherein uns, oder wurde voll erobert; in den west⸗ lichen Vororten, die vielfach Villenkolonien darstellen, fanden wir teils bedeutenden Stimmenzuwachs, wie in Groß⸗Lichterfelde, wo uns nur zirka 50 Stimmen an Siege fehlten. In Nowawes bei Potsdam eroberten wir die ganze dritte Abteilung. In Krausnick flel uns die dritte und zweite Abteilung zu, desgleichen in Markgrafpiesle.— Auch in Landorten in der Umgebung Frankfurts hat unsere Partei bel den Gemeindewahlen in vielen Orten gut abgeschnitten. In Schneidhain 1. T. 3 7 die sozialdemokratischen Kandidaten in allen drei assen. Zur Märzfeier des Leipziger Wahlvereins hielt Kautsky einen Vortrag über Karl Marx. Er beschränkte sich dabei nicht auf die Zeichnung eines einfachen Lebeusbildes, sondern stellte Marx gewissermaßen in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen über die politischen und ökono⸗ mischen Verhältnisse seiner Zett und über die Anfänge der proletarischen sozialistischen Be⸗ wegung in Deutschland. Deshalb sind die Ausführungen Kautskys auch von 1 allgemeiner Bedeutung. Wir geben ste daher in mehreren Fortsetzungen wieder und sind überzeugt, daß sie vielen unsern Genossen zur Bereicherung ihrer Kenntmnisse willkommen sein werden. Karl Marx wurde am 5. Mai 1818 geboren. Er wurde geboren in Trier, in der Rheinprovinz. Schon das allein war eine opposttionelle Tat⸗ sache, sein Geburtsort. Die Rheinprovinz war 1801 von Frankreich erobert worden und zu einer französischen Provinz gemacht worden. Sie hatte französisches Recht genossen. Die revolutionären Traditionen(Ueberlieferungen), wenn sie auch unter Napoleon verfälscht waren, hatten doch nie aufgehört, und als die Rhein⸗ provinz 1815 an Preußen kam, an das Reich der Westkalmücken, wie Freiligrath es nannte, da fühlte sie den großen Unterschied zwischen dem ostpreußischen Junkerregieme und dem französischen, und da wurde sie durch und durch opposttionell. Dazu kam aber noch, daß dieses opposttionelle Rheinländertum auch gleichzeitig noch die Heimat der größten, entwickeltsten Bourgeoiste war, des entwickeltsten Kapitalismus, der auf der einen Seite mit Frankreich und auf der anderen Seite mit England in Bezieh⸗ ungen stand. Nirgends konnte man größere oppositionelle Gesinnung einsaugen als im Rhein⸗ land, und dieses Rheinland hat denn auch eine Reihe von oyposttionellen Männern geliefert. Im Jahre 1835 bezog Marx die Universität Bonn, und von 1836 an war er in Berlin. Damals war die Bourgeoiste gerade in ihrem oppositionellen Aufstiege begriffen. Sie hatte sich von dem Katzenjammer, der dem Nieder⸗ schlagen der französischen Revolution gefolgt war, erholt, und von 1830 an begann auch in Deutschland ein revolutionäres Gären und Drängen, ein Versuch, die alten überlieferten feudalen und absolutistischen Formen zu sprengen. Das äußerte sich zunächst auf ungefährlichem Gebiete in der Philosophie, und man versuchte zunächst, die Philosophie des Hegeltums von den konservativen Fesseln, die man ihr angelegt hatte, zu befreien und ste zu einer revolutionären umzugestalten und ihr den Charakter einer Apologie(Verteidigung) des Christentums zu nehmen. Der Führer dieser Bewegung war Feuerbach, und auch Karl Marx wurde von ihr ergriffen. Er kam in Berlin in einen Kreis von jungen Leuten, denen nichts heilig war, Bruno Bauer, Max Stirner, und er wurde auf's heftigste davon ergriffen. Es zeigt sich, welches Drängen und Gären in ihm lebte; wenn man seine Briefe liest, die er um diese Zeit an seinen Vater schrieb, da staunt man, wie er mit nichts zufrieden war, wie er überall eine neue wissenschaftliche Entdeckung begründen wollte, wie er immer tiefer und tiefer strebte und grub. Von einem Brotstudium entfernte er sich immer mehr. Er wurde immer mehr schon damals ein revolutionärer Kämpfer. Mit Mühe erreichte es der Vater, daß er seinen Doktor machte, 1841, und den Versuch machte, sich in Bonn als Privatdozent zu habilitteren. Aber rechtzeitig noch besann er sich, welche klägliche Rolle ein deutscher Professor splelt, daß ein Kämpfer und ein Geist wie er un⸗ möglich als Professor an einer deutschen Uni⸗ versttät gedeihen könnte. Dies wurde ihm näher gebracht durch das Schicksal Bruno Bauers, der sich damals in Bonn habilitiert hatte, und der mit der theologischen Fakultät in Konflikt geriet, infolgedessen er von der Regierung gemaßregelt wurde. Marx besaun sich damals, daß es einen Beruf gibt, in dem er als revolutionärer Kämpfer viel eher wirken habilitieren wollte, wurde in den Rheinlanden eine neue Zeitung gegründet, welche die besten Elemente der 1 fee Demokratie umfaßte. Sie umfaßte auch sozialistische Elemente. Die Kluft zwischen der bürgerlichen Demokratie und den bürgerlichen Elementen war damals noch nicht vorhanden. Es war die„Rheinische Zeitung“. Marx trat ihr bei, zuerst als Mit⸗ arbeiter, später als Redakteur, und der 24 jährige Mann bewies solche Begabung, daß er bald die leitende Stellung in der Redaktion erhielt. Er erkannte aber bald, daß sein Wissen und seine Bildung trotzdem nicht genügte, daß es nicht genug war, mit geistreichen Einfällen und stttlichem Pathos sich über alle Dinge auszu⸗ lassen, sondern daz man eine ökonomische und historische Bildung haben müsse. Dies zeigte sich besonders in einer Polemik mit der„Allge⸗ meinen Zeitung. in Augsburg über Sozial⸗ 1 und ferner in einer Kritik des Rheinischen andtages über die Holzfrage. Es bestand damals noch ein letzter Ueberrest des Gemein⸗ eigentums an Grund und Boden, die Erlaubnis, das trockene Holz im Walde aufzulesen. Das sollte den Bauern genommen werden und wurde als Holzdiebstahl gebrandmarkt und bestraft. Hunderttausende von solchen Anzeigen liefen bei den Behörden ein und gaben Anlaß zu lebhaften Debatten in dem Provinziallandtag. Da griff Marx ein als Redakteur der„Rheini⸗ schen Zeitung“ und stellte sich auf die Seite der Bauern, der Armen und Unterdrückten. Instinktiv fühlte er, daz dort sein Platz sei, und er brandmarkte auf das lebhafteste die Versuche, den Arbeitern und Bauern und kleinen Grundbesttzern auch diesen letzten Rest des An⸗ rechts auf Grund und Boden zu nehmen. Aber diese Polemik zeigte ihm, daß sein Wissen nicht ausreiche. Er sah ein, daß die redaktionelle Tätigkeit ihm den Raum nicht lasse, es zu er⸗ weitern, er ergriff daher mit Vergnügen einen Zwiespalt mit den Herausgebern des Blattes. Er redigierte so opposttionell, daß die Regierung sich dagegen empörte und drohte, das Blatt zu unterdrücken, wenn es sich nicht mäßige. Der deutsche Liberalismus war damals schon fast so lendenlahm wie heute; er glaubte, wenn er unterliegen müsse, müsse es so schmählich wie möglich sein. Marx lehnte es ab, seine Schretb⸗ weise zu mäßigen und trat aus der Redaktion aus. Diese Erbärmlichkeit des Herausgebers, sich zu fügen, half aber nichts, das Blatt wurde einige Monate später doch unterdrückt. Aber Marx hatte seine Freiheit erlangt. Er ging nach Paris, dem Mekka der Revolution. Er nahm seine junge Frau dahin mit, Jenny von Westfalen, mit der er sich schon als 18jähriger verlobt hatte und die er 1843 geheiratet hatte. Die Zeitung selbst war 1842 gegründet worden, im Frühjahr 1843 trat Marx aus. Er ging nach Paris, studierte die bürgerliche National- ökonomie und die Theoretiker des Sozialismus. Er trat mit den vornehmsten Wortführern des französtschen Sozialismus in persönliche Ver⸗ bindung, vor allen mit dem bedeutendsten, mit Proudhon, daneben auch mit hervorragenden Deutschen, die damals in Paris lebten. Zwei von ihnen wurden besonders wichtig, Heinrich Heine, und der andere noch mehr: Friedrich Engels. (Fortsetzung folgt.) Von Nah und Lern. Hessisches. — Reichstagsersatzwahl in Darm⸗ stadt. Die Wählerbisten liegen noch bis Mittwoch, den 4. April, offen. Am 25. April findet bekanntlich die Wahl statt. g Unsere Genossen betreiben die Wahlagitation mit allem Eifer. Es wird eine Wahlzeitung herausgegeben, die in fünf Nummern erscheint, welche zu je 40000 Exemplaren im ganzen Kreise verbreitet werden.— Am Samstag fand in Darmstadt eine sehr stark besuchte Versamm⸗ lung statt, in welcher Reichstagsabgeordneter eite 4. Mitteldentsche Sountags⸗ Zeitung Nr. 13. Molkenbuhr unter großem Beifall sprach. Sonntag hielt Molkenbuhr in Groß Gerau eine Versammlung ab, die ebenfalls den besten Verlauf nahm. — Zu der Affaire Hirschel, die wir in letzter Nummer kurz erwähnten, teilte die „Frkftr. Ztg.“ von unterrichteter Seite mit,„daß der 2. Direktor der landwirtschaftlichen Haupt- genossenschaft zu Friedberg, Landtagsabgeord⸗ neter Hirschel, von dem 1. Direktor Oekonomie⸗ rat Schlenke in Friedberg bei der Staatsan- waltschaft wegen Unterschlagung von Ge⸗ 1 in mehreren Fällen ange⸗ zeigt worden ist. Die Anzeige war für 1895 Schlenke aus naheltegenden Gründen geboten, nachdem er wußte, daß von anderer verant⸗ wortlicher Stelle aus geg u Hirschel nichts getan werden sollte. Die Meinung also ins- besondere, daß es sich bloß um geschäftliche Unregelmäßigkeiten, namentlich um„verspätetes“ Abliefern von Geldern zur Kasse handele, ist irrig. Zurückerstattet hat allerdings Hirschel die Gelder— aber erst unter dem Drucke der Verhältnisse, also in diesem Sinne„zu spät.“ Die falschen Verbreitungen lassen sich wohl am natürlichsten durch die unrühmlichen Vertusch⸗ ungsversuche der politischen Freunde Hirschels und der sonst für ihn Interessterten erklären. Das Gewebe ist aber bereits zu durchsichtig, und wird restlos auseinander gesponnen werden können.“ Eine merkwürdige Stellung nimmt das Blatt des Herrn Hirschel, die„Volkswacht“ in Friedberg ein, dem ja die Sache allerdings mehr als fatal sein mag. Es erklärt, daß Poan Hirschel eine von Rachsucht diktierte enunzlation beim Gericht angebracht worden sel, die nun untersucht werde. Doch hätten sich Vorstand und Aufsichtsrat der Genossen— soaft einstimmig auf den Standpunkt gestellt, aß Hirschel nichts vorzuwerfen, dieser auch einer unehrenhaften Handlung nicht fähig sei. Herr Schlenke, der sonst doch ein guter Freund irschels war, scheint darüber etwas anderer deinung zu sein. In Hungen hat eine Versammlung der be— teiligten Genossenschafter Herrn Olrschel ein Vertrauensvotum ausgestellt, das Verfahren Schlenkes dagegen mißbilligt.— Man wird ja sehen, was die Untersuchung weiter ergibt. Gießener Angelegenheiten. — Die Arbeiterfrauen sollten sich jetzt recht eindringlich vor Augen führen, wie schwer der am 1. März in Kraft getretene Zolltarif den Haushalt belastet und die Lebenshaltung erschwert. Alle Lebensmittel sind mit Zöllen belastet und werden dadurch enorm verteuert. Um nur das Fleisch anzuführen, machen die Zölle an dem Pfund aus: 14,4 Pfennige bei Kuhflelsch 14,4 5 Stlerfleisch 144 1 Ochsenfleisch 14,4 5„ Kalbfleisch 18,0 0„ Hammelfleisch 9,0 1„ Schweinefleisch. Frauen des arbeitenden Volkes! In wessen Interesse ist die gewaltige Belastung eurer Nahrungsmittel erfolgt? Im Interesse des grundbesitzenden Landadels, der Gutsbestitzer und Rittergutsbesttzer! Die Güter dieser Leute 9 nach Annahme obiger Zollsätze fortwährend m Werte gestlegen, wie ia unserer vorigen Rummer an vielen Beispielen gezeigt wurde, diesen Junkern sind durch die Annahme dieses Ja. esetzes die ungezählten Millionen in den choß geworfen, die von euch jetzt beim Bäcker uud beim Nene für die gleiche Ware mehr bezahlt werden! Außer den Lebensmitteln aller Art werden dem Volke alle übrigen notwendigen Bedarfsartikel verteuert. Es sei nur auf das Schuhwerk hingewiesen, das besonders in zahlreichen Familien einen bedeutenden Ausgabe⸗ N ausmacht. Infolge hoher Lederpreise, ie natürlich ebenfalls durch den Zolltarlf nicht wenig gesteigert wurden, sind auch die Schuh⸗ waren teurer geworden. Zahlreichere Familien werden dadurch besonders belastet! Die So- ** e okratte hat als einzige große Partei en für das minderbemittelte Volk drückenden und verderblichen Zolltarif bekaͤmpft. Es ist im Interesse des gesamten Volkes 0 daß der Einfluß unserer Partei immer me verstärkt wird, damit es ermöglicht wird, wieder zu erkämpfen, was der arbeitenden Klasse durch die Wucherparteien geraubt wurde. Darum er⸗ geht auch an die Frauen die dringende Mahnung, sich an diesem Kampfe zu beteiligen! Und sie können das sehr leicht, wenn ste, soviel sie können, für weiteste Verbreitung unserer Presse arbeiten. Aber dieser Mahnruf gilt nicht nur für die Frauen. Wie viele Männer gibt es noch, die ihre selbstverständlichsten Arbeiter⸗ pflichten e und vernachlässigen! Wie viele unterstützen noch die gegnerischen Zeitungen, welche täglich das Recht des Volkes und die Interessen der Arbeiter mit Füßen treten, ihre politische Partei und ihre Vorkämpfer täglich verunglimpfen. Bei jedem Lohnkampfe stellen sich die Amts- und sogenannten„Orbnungs“⸗ blätter auf die Seite der Unternehmer, sie finden jede, auch die bescheidenste Forderung der gequälten Arbeitsbienen als„unberechtigt“ oder„unerfüllbar“. Nur die sozialdemo⸗ krotische Presse steht dem Arbeiter jederzeit treu zur Seite, eine Helferin und Beraterin! Und gerade jetzt, wo sich die Gegensätze stetig verschärfen, wo man die Arbeiter nicht nur aushungert und ausbeutet, selbsve ihnen auch noch die natürlichsten und selbstverständlichsten Rechte vorenthält, könnte der Arbeiter nichts dümmeres tun, als seine freien Stunden mit der Lektüre der bürgerlichen Blätter totzuschlagen, die im Dienste des scharfmacherischen Reichs ⸗ verbandes stehen, der die moderne Arbeiter⸗ bewegung begelfert und e möchte; die das höfische Gras wachsen sehen, aber Watte in den Ohren und Sand in den Augen haben, wenn die Klassenjustiz am Pranger steht, wenn das Unrecht, das unausgesetzt am werktäligen Volke begangen wird, zum Himmel schreit. Deshalb, Parteifreunde, rüttelt die Gleich⸗ gültigen auf! Werbet zum Siege des Volkes über seine gewissenlosen Unterdrücker und Be⸗ herrscher, werbet für euer wichtiges Kampfmitttel, werbet für euere Mitteldeusche Sonntags⸗Zeitung! — Die Antisemiten Liebermann'scher Richtung hatten am Montag eine öffentliche maler e im Café Ebel einberufen, in welcher der Sekretär dieser Partet, Herr Hen⸗ ningsen aus Hamburg, über die„Konsumvereins⸗ Gefahr“ sprach. Der Redner suchte diese an. gebliche„Gefahr“ der Versammlung, die sich aus etwa 30 Geschäftsleuten, 20 Handlungs- ehilfen und vielleicht 10 Angehörigen unserer Partei zusammensetzte, möglichst schwarz zu schildern. Er versuchte darzutun, daß die Konsumvereine nicht mehr leisten könnten, als die privaten Kaufleute, daß sie höhere Preise für die gleichen Waren nähmen und ihre Au⸗ 2 70 N schlecht bezahlten und behandelten. nappe zweit Stunden lang führte er ein Sündenregister vor, zu dem er aus ganz Deutsch⸗ land Einzelheiten vorführte, die natürlich meistens nicht nachgeprüft werden können und tendenziös aufgebauscht und übertrieben sind. So suchte er u. a. den großen Konsumvereinen Lelpzig⸗ Plagwitz und„Vorwärts“⸗Dresden am Zeuge zu flicken, die sich wirklich mit ihren Efnrich⸗ tungen und Betriebe jederzeit sehen lassen können, die anerkannte Musterbetriebe sind. Schließlich fordert er zum Kampfe gegen die„sozialdemo⸗ kratischen“ Konsumvereine auf. Inu der sich bis 2 Ur hinziehenden Diskussion bemerkt Keßler, daß der Konsumverein zweifellos nicht 2 unterschätzende Vorteile gewähre, bie bei etziger Zeit die Arbeiter und Mlnderbemlttelten recht gut brauchen köunten. Was der Referent an angeblichen Mißständen vorgebracht habe, seien Dinge, die in Privatgeschäften hundertfach vorkämen. Der hiesige Konsumverein suche seinen Zweck, den Mitgliedern gute Waren zu mäßigen Preisen zu liefern, stets voll zu erfüllen. Vetters führte aus, daß das stetige Wachs- tum der Konsumgenossenschaften beweise, daß es sich um eine gute Sache handele. Wäre wahr, was der Referent gesagt habe, dann würde die Bewegung zu grunde gehen. Ehe man von Mißständen und schlechten Löhnen in Konsumvexeinen rede, solle man nach dieser Richtung Privatgeschäfte ansehen. Kaum eine Woche vergehe, ohne daß in den Zeitungen über Gerichtsverhandlungen berichtet werde, in denen sich Bäcker oder Metzger wegen Unsauberkeiten zu verantworten hätten. Eine Schädigung der Geschäftswelt im Allgemeinen durch Konsum⸗ vereine bestreite er. Uebrigens sei der genossen⸗ schaftliche Umsatz im Verhältnis zu dem Gesamt⸗ Waren⸗Umsatz noch so irh aß er sich im Geschäftsleben kaum bemerkbar machen könne. Die Partei des Referenten bekämpfe in der Stadt die Konsumvereine, während sie solche auf dem Lande ee und befürworte. Das sei eine Politik mit doppelten Boden! Die Agitation geschehe nur im Interesse der Liebermann ⸗Partei. An der weiteren Debatte beteiligten sich noch stud. Noack, Bäckermeister Löber, Oberlehrer Werner, Kaufmann Berdux u. a. Herr Löber entrüstete sich über vermeint⸗ liche Angriffe, die Vetters gegen das ehrsame Bäckergewerbe gerichtet haben sollte und Herr Berdux meinte, daß der Konsumverein keine Fortschritte mache, klagte aber trotzdem üher seine Konkurrenz. In seinem Schlußworte suchte der Referent die vorgebrachten Einwände 11 entkräften, brachte aber weiter nichts von edeutung vor. Im ganzen verlief die Ver⸗ sammlung ziemlich ruhlg. — Im Gewerkschaftskartell wurde in der letzten Sitzung über verschiedene Lohn⸗ bewegungen verhandelt, die in Gießen in mehreren Berufen bevorstehen. Zunächst legten die Brau⸗ reiarbeiter ihren einzureichenden Tarif vor und gaben die nötige Erläuterung dazu. Das Ge⸗ werkschaftskartell beschloß, die Forderung gut⸗ zuheißen und e ihre Durchführung zu unterstützen. Dasselbe wurde bezüglich der Tapezierer sowie der Maler und Weißbinder beschlossen.— Die Tapezierer sind bereits in die Bewegung eingetreten, ihre Kündigung läuft diesen Samstag ab, ebenso die der Stein- metzen, die ebenfalls vor Kurzem eingereicht wurde. — Mit Anlage einer elektrischen Bahn in Gießen beschäftigte sich am Donners⸗ tag Abend eine vom Bürgerverein einberufene Versammlung, die den Saal des Café Leib vollständig füllte. Herr Ingenieur Frerich entwickelte das Projekt eingehend. Bei ca. 6 Kilo⸗ meter Bahnlänge würde die Anlage 500000 Mk. kosten. Die jährlichen Betriebskosten stellten sich auf 71000 Mk.; die Einnahmen auf ca. 100000 Mk., sodaß sich ein Ueberschuß von 29000 Mk. ergäbe! Oberbürgermeister Mecum oß aber gehörig Wasser in den Wein des 1 0 Frerich, unseres Erachtens etwas zuviel. Nach ihm kann vor 1911 nicht an Errichtun der Bahn gedacht werden, die 720000 Mk. kosten würde. Betriebskosten seien 146000 Mk. anzunehmen, sodaß jährlich ein Defizit von 46000 Mk. zu decken bleibt. Dtese Zahlen sucht Herr Ingenieur Haas von der Allgemeinen Elektr„Gefellschast u entkräften und erklärte sich bereit, fuͤr 500000 Mk. die Bahn herzu⸗ stellen. An der weiteren Debatte beteiligen sich noch Stadtv. Kirch, Ingenteur Fefd, Stadtv. Gabriel u. a. Mit Annahme einer Resolution, die sich für Anlage einer elektrischen Bahn aus⸗ spricht, schloß die Versammlung. — Die letzte Volksvorlesung für diesen Winter wird nächsten Mittwoch, 4. April, in derselben Turnhalle wie bisher gehalten. Herr Oberlehrer Dr. Strecker-Bad⸗Nauhelm wird an Stelle des erkrankten Herrn Prof. Staudinger über Goethe's Lebens- und Welt⸗ anschauung sprechen. Aus dem Rreise gießen. — Frau Kiesel aus Berlin spricht gegenwärtig in öffentlichen Versammlungen in unserm Bezirke. Die Rednerin befindet sich auf Agitation für den Tabakarbeiter⸗ verband, doch sind ihre Darlegungen allgemein gehalten und für jeden Arbeiter und Arbeiterfrau von großem Interesse. Versammlungen fanden bereits in Krofdorf, Gleiberg und Großenlinden statt. Für die nächsten Tage sind noch folgende vorgesehen: Samdtag abends ½9 Uhr in Wieseck bel Ziegler; Sonntag, 1. April nachmittags 4 Uhr in Altenbuseck bel Wirt Becker; abends 8 Uhr in Rödgen bel Wirt Balßer; Montag abends ½9 Uhr in Heuchelheim im Saale von Aug. Rinn; Dienstag abends 0 Uhr in Launs bach bei Wirt Komp. Gür Launsbach und Wißmar.) ereicht schen iners⸗ fene Lelb S r ————————— ͤ—— Nr. 13. . Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 5. — Heuchelheim. Auf die Tabakarbeiter⸗ Versammlung, die Montag Abend im Saale von August Rinn stattfindet und in welcher Frau Kiesel⸗ Berlin spricht, sei an dieser Stelle nochmals hingewiesen. Besouders werden die Frauen ersucht, recht zahlreich zu erscheinen; Frau Kiesel behandelt in ihrem Referat nicht nur die Verhältnisse in der Tabakindustrie, sondern wird auf allgemeine Fragen von wirt⸗ schaftlicher und sozialer Bedeutung eingehen. Es empfiehlt sich deshalb der Besuch der Ver⸗ sammlung auch für andere Berufsangehörige. Die Arbeiter von Kinzenbach sind ebenfalls eingeladen; dort konnte keine Versammlung stattfinden, weil kein Lokal zur Verfügung stand. Mit den Wirten sollten aber die Kinzenbacher Arbeiter mal ein ernstes Wörtchen reden. Aus dem Nreise Friedberg⸗Büdingen. — Zu den Unterschlagungen an dem Butz⸗ bacher Sparkassen verein wird berichtet, daß nicht soviel, wie anfänglich angenommen wurde, verloren ist Die Sparkasse sei durch Reserven derart gedeckt, daß die Spareinlagen vollständig zur Auszahlung gelangen könnten. Die von Heinzerling unterschlagene Summe betrage 45000 Mk. Das ist allerdings auch schon ein ganz hübsches Stückchen Geld. Aus dem Rreise Alsfeld⸗Cauterbach. a. Krankhafte Einbildung legte in Alsfeld eig junger Schreiber an den Tag. Hier ist noch üblich, daß die Leichen nach dem Friedhof getragen werden. Als nun kürzlich ein junges Mädchen zu Grabe getragen werden sollte, mußten dessen Eltern im letzten Augen⸗ blick noch nach einem Träger laufen, weil jener junge Schreiber, der vorher als Träger gebeten worden war, abgelehnt hatte. Dessen Mutter hatte die Ablehnung mit den Worten begründet: „es paßt sich nicht, daß mein Sohn neben einem Arbeiter hergeht.“ Ob wohl den Betreffenden mal Geheimräte tragen werden?(Befindet sich denn die Stadt Alsfeld noch nicht mal im Besitze eines Leichenwagens, daß die Leichen noch wie zu Urväter zeiten getragen werden müssen? D. R.) Aus dem NRreise Weßlar. — Ein schweres Unglück ereignete sich am Sonntag nacht auf der bet Ahausen gelegenen, den Buder ns⸗Werken gehörigen Eisensteingrube„Thor.“ Es war auf der Grube ein Brand ausgebrochen, der schnell um sich griff. Montag früh versuchten zwei Steiger und zwei Bergleute vom Otto⸗Stollen aus die Brandstätte zu erreichen. Als sie schon ziemlich weit vorgedrungen waren, erloschen die Lichter, die Leute stürzten infolge Betäubung etwa zwanzig Meter tief in den Schacht. Während die Bergleute nur leichte Ver⸗ letzungen erlitten, fielen die beiden Beamten auf den Kopf und wurden schwer verletzt. Nach angelegtem Rotverband wurden sie nach Gießen verbracht. h. Nicht sehr höfliche Wirte scheinen die Herren Zipp in Aßlar und Rühl in Hermannstein zu sein. Ersterer wurde kürzlich von der Strafkammer zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt, Letzterer zu 75 Mk. Geldstrafe. Beide erhielten diese Strafen wegen Körper⸗ verletzungen, die sie im Streite verschiedenen ihrer Gäste zugefügt hatten. In beiden Fällen handelt es sich um Herren, die sich stets als patentierte Ordnungsleute und Gegner der vaterlandsfeindlichen ꝛe. Sozialdemokratie aufspielten. — Krofdorf. Die Versammlung, welche Frau Kiesel⸗Berlin am Dienstag hier in der Wirtschaft Abel abhielt, war sehr gut besucht. Die Rednerin führte den Bersammelten in klarer leichtverständlicher Weise die Ent⸗ wicklung und den Stand der heutigen Gesellschaftsordnung und die dadurch bedingte traurige Lage des Arbeiters vor Augen und machte darauf aufmerksam, daß nur eine gut organisterte Arbeiterschaft es ermögliche, das Joch zu brechen und bessere Verhältnisse zu schaffen. Mit großer Ruhe folgten die Anwesenden, in der Mehr⸗ zahl Frauen und Mädchen, den Ausführungen der Red⸗ nerin, und spendeten ihr lebhaften Beifall. A. Schieferstein gab hierauf noch einen kurzen Bericht über den Stand der hiesigen Zahlstelle des Tabakarbeiter⸗Verbandes, die in kurzer Zeit, Dank der regen Agitation erfreulichen Aufschwung genommen hat, sodaß sie bereits über 100 Mitglieder zählt. Die Kassenverhältnisse können auch als sehr gut bezeichnet werden. Er schloß mit einem Appel an die jetzt noch Fernstehenden, ihre Lage zu erkennen, sich aufzuraffen, in die Organisation einzutreten und an der Besserung ihrer Lage mitzuarbeiten. Frau Kiesel führte im Schlußwort noch aus, daß durch die wirt⸗ schaftliche Knechtung und Ausbeutung des Arbeiters der⸗ selbe auch in geistiger Hinsicht zurückstehen müsse. Mit einem dreifachen Hoch auf den Verband der Tabakarbeiter, schloß die imposant verlaufene Versammlung. Westerwald und Antersahn. — Brennholz für den Lehrer. In Unnau bei Marienberg wurde dem zweiten Lehrer auf Veranlassung des Bürgermeisters durch den ersten Lehrer das Mitbrennen des„Schulholzes“ plötzlich unter⸗ sagt, während der erste Lehrer, ein Spezialfreund des Dorfoberhauptes, im Genuß dieser Vergünstigung blieb. Die Sympathien der Dorfbewohner waren aber auf der anderen Seite, und so erschien am Abend ein Menschenzug mit großen Körben voll Holz beim zweiten Lehrer und luden in dessen Wohnstube() ab, da ihm ein anderer Raum zur Unterbringung des Holzes überhaupt nicht zur Verfügung steht. Wegen Raummanpels mußten viele mit ihrer Holzlast wieder abziehen. Aus dem Rreise Marburg⸗Nirchhain. Die Gewerkschaftsvbersamm⸗ lung am Samstag war leider nur von etwa 60 Personen besucht. Nachdem Gen. Heiden⸗ Frankfurt seinen sehr belehrenden und beifällig aufgenommenen Vortrag über Arbeiterversiche⸗ rung beendet hatte, erstattete Gen. Buckler den Jahresbericht des Gewerkschaftskartells. Danach wurden im verflossenen Jahre zwei öffentliche Gewerkschafts⸗Versammlungen abgehalten; in der ersten sprach Vetters⸗-Gießen über den Berg⸗ arbeiterstreik, in der zweiten Weidner⸗Frankfurt über den Kölner Gewerkschaftskongreß. Eine Bauarbeiterschutz⸗Kommission kam trotz mehr⸗ facher Aufforderung an die Bauarbeiter leider noch nicht zu stande. Daß eine solche sehr not⸗ wendig wäre, zeigen die vielen kleineren und größeren Bauunfälle, die in der letzten Zeit vorgekommen sind. Die Bauarbeiter werden hoffentlich bald für Errichtung einer Kommission Sorge tragen.— Die Gewerkschaftsbibliothek wurde bedauerlicherweise nur mäßig benutzt.— Wegen Errichtung eines Gewerbegerichts für Marburg war das Kartell beim Magistrat vorstellig geworden. Nach der letzten Volks⸗ zählung hat Marburg bekanntlich über 20000 Einwohner. Vom Magistrat kam jedoch die weise Antwort zurück, daß ein Bedürfnis für ein Gewerbegericht nicht vorliege und Marburg übrigens noch keine 20000 Einwohner habe, da das Militär als„Einwohner“ nicht gezählt werde. Punktum, Streusand drauf!— Den Be⸗ richt der Rechtsauskunftstelle gab Gen. Rösler. Insgesamt kamen 38 Fälle zur Erledigung. Es wurde den Mitgliedern empfohlen, dies Institut mehr als bisher zu benutzen. In der letzten Generalversammlung der Marburger Orts⸗ krankenkasse wurden die vom Kartell aufge⸗ stellten Kandidaten in den Vorstand gewählt. — Die sich den Berichten auschließende Debatte brachte verschiedenerlei nützliche Anregungen für die weitere Entwicklung der einzelnen Organi⸗ sationen. Schließlich wurde noch beschlossen, wegen Errichtung eines Gewerbegerichts noch⸗ mals bei dem Magistrat vorstellig zu werden. „Die Religion soll dem Volke erhalten werden“. In der Volksschule wird bekanntermaßen am Religionsunterricht mehr als nötig ist geleistet. Kommt aber Ostern heran, so wird den Konfirmanden noch vor dem Austritt aus der Schule mit aller Gewalt das nötige Quantum religiösen Lernstoffs eingepaukt. Nicht weniger wie 120 Bibelverse mußten diese armen Geschöpfe bis jetzt seit einem halben Jahre auswendig lernen und niederschreiben, ungerechnet die vielen Kirchen⸗ lieder c. Das alles genügt aber noch nicht. Damit die Jugend richtig verpfafft wird, sollen die Kinder auch noch nach der Entlassung aus der Schule Konfirmanden⸗ unterricht oder Bibelstunde besuchen. Die Eltern sollten sich derartigen Versuchen entschieden widersetzen und lieber dafür Sorge tragen, daß die Kinder das lernen, was sie zu ihrem Fortkommen im Leben notwendig brauchen. * Streikbrecher suchte die Kasseler Firma Fröh⸗ lich und Wolf(Weberei) im Kreisblatt. Diese Firma hat ihre Arbeiter und Arbeiterinnen ausgesperrt und es wird daher jeder, der nicht an seinen Klassengenossen zum Verräter werden will, gewarnt, dort Arbeit anzu⸗ nehmen. 1 X Zum Quartalswechsel müssen sich unsere Parteifreunde mehr als sonst die Verbreitung unserer Presse angelegen sein lassen. Viele hunderte Abonnenten können unseren Zei— tungen noch gewonnen werden. Noch nicht einmal alle Gewerkschaftsmitglieder haben die Arbeiter⸗ presse abonniert. Wer also seine Interessen wahrnehmen will, der abon niere die Mittel- deutsche Sonntags⸗Zeitung oder die täglich erscheinende Frankftr.„Volksstimme“. Soziales. Lohnkämpfe. Ein Ausstand der Schneider ist in den größeren Städten des Ruhrbezirks ausgebrochen. Die Ursache sind Lohndifferenzen.— In Worms traten am Montag die Zimmerer in den Ausstand, sie verlangen Erhöhung des Stundenlohnes von 40 auf 50 Pfg.— Eine große Metall- arbeiteraussperrung steht in Hannover bevor und zwar infolge etner Differenz, welche die Former der hannoverschen Maschinenbau⸗ Aktiengesellschaft mit dieser Firma wegen Lohn⸗ erhöhung hatten. Auch in Dres den planen die Metallindustriellen bis 4. April eine allge⸗ meine Aussperrung. Ein Bergarbeiterstreik ist in dem mittel⸗ deutschen Braunkohlenrevier(Altenburg⸗ Meuselwitz, Luckenau⸗Zestz) seit Montag ausge- brochen. Im Meuselwitzer Revier waren am Dienstag fast alle Bergleute ausständig, in ander Revieren ist der Ausstand kein allgemeiner. Die Gewerbegerichtswahl in Fürth t. B., die zum erstenmal nach dem Proportional⸗ system vorgenommen wurde, brachte den freien Gewerkschaften einen vollen Erfolg. Die Christ⸗ lichen, die mit den Hirsch⸗Dunkerschen verbündet waren, gingen leer aus, weil sie nicht soviel Stimmen aufbrachten, als die durchschntttliche Verteilungsziffer betrug. Sämtliche sechs Sitze fielen daher den freien Gewerkschaften zu. Bei der Wahl der Uunternehmerbeisttzer fielen den Sozialdemokraten zwei von den sechs Sitzen zu. Wahlkreis Alsfeld⸗Lauterbach. Sonntag, den 1. April, vormittags 10 Uhr, im Lokale„Zum Stadtpark“ Kreis konferenz. Tagesordnung: 1. Bericht des Kreisvertrauens⸗ manns. 2. Abrechnung. 3. Verschiedenes. Zu zahlreichem Besuch ladet ein. Der Kreisvertrauensmanu. Versammlungskalender. Samstag, 31. März. Gießen. Holzarbeiter. Abends ½7 Uhr Ver⸗ sammlung bei Löb.— Metallarbeiter abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Garbenteich. Arbeiter⸗Bildungs⸗Verein. Abends ¼9 Uhr Versammlung bei Heinr. Freund. Zahlreich erscheinenen! Marburg. Wahlverein. Jesberg Versammlung. Sonntag, den 1. April. Heuchelheim. Arbeiterbildungsverein. Nachm. 3 Uhr Versammlung bei Wirt Heinrich Volkmann. Krofdorf⸗Gleiberg. Wahlverein. Nachmittags 3½ Uhr Versammlung bei Gastwirt Feu ser⸗Gleiberg. Nieder⸗Eschbach. Wahl verein. Nachmittags 4 Uhr Mitgliederversammlung im Vereinslokal. Samstag, den 7. April. Wieseck. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung bei Wacker. Staufenberg. Volksverein. Abends 8 6Uhr Ver⸗ sammlung bei Wirt Geiß ler. Dienstag, den 10. April. Gießen. Gewerkschaftskartell. Abends 9 Uhr Sitzung bei Orbig. Empfehlenswerte sozialistische Schriften! Von der Expedition der Mitteld. Sonnt.⸗ Zeitung Gießen, Rittergasse 17, sind zu beziehen: Sozialdemokratisches Reichstagshandbuch. Von Max Schippel. Ein Führer durch die Zeit⸗ und Streitfragen der Reichspolitik. In 37 Lieferungen A 20 Pfg. Gebunden 2 Mk. Die Neue Zeit. Wochenschrift der deutschen Sozialdemokratie. Allwöchentlich ein Heft. Preis 25 Pfg. Generalstreik und Sozialdemokratie. Von Henriette Roland⸗Ho st. Mit Vorwort von Kaut sky. Preis 1.20 Mk. Die Agrarfra ge. Von Karl Kautsky. Eine Uebersicht über die Tendenzen der modernen Landwirt- schaft und die Agrarpolitik der Sozialdemokratie. Preis brosch. 5 Mk., gebd. in Leinwand 6.50 Mk. Grundsätze und Forderungen der Sozial⸗ demokratie. Von Karl Kautsky und Bruno Schönlank. Preis 10 Pfg. Abends 9 Uhr bei —— —— 0 P— T— —** Seite 6. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeuung. Nr. 13. Revolution in Russland. In den Moskauer Gefängnissen besinden sich gegenwärtig nicht weniger als 850 politische„Verbrecher“. Die Gefäng⸗ nisse sind überfüllt; die politischen Verbrecher haben in den Arrestlokalen ein geradezu men ⸗ schenunwürdiges Dasein zu führen. In eine Zelle werden so viele Personen hineingepfercht, wie irgend hineingehen. Oeffuet man die Tür, so quellen die Gefangenen heraus. An Liegen oder Sitzen ist unter solchen Bedingungen natürlich kein Gedanke— die Gefangenen sind froh, wenn ste einen Platz an der Wand er⸗ obern, wo sie sich wenigstens anlehnen können. Die unmittelbare Folge dieser Zustände ist, daß die Amtspersonen der Gefängnssse, vom Direktor bis zum letzten Aufseher, unter der ihnen auf⸗ gebürdeten Arbeitslast fast zusammenbrechen, was auf ihre Stimmung jedenfalls keinen sehr erheiternden Einfluß haben kann. Unter den Gefangenen find Angehörige aller Berufe ver⸗ treten. Da gibt es Generale, Priester, Redak⸗ teure, Journalisten, alle Sorten von Ingenieuren, Technikern, Mechanikern, Eisenbahn⸗ und Post⸗ beamten, ganze Serien von„Delegierten“ jeder Art, Vertreter verschiedener„Gesellschaften“, Mitglieder aller„Kongresse“, Typographen, Setzer, Aerzte, Advokaten, Bäcker, Kommis, ausknechte und eine endlose Flucht anderer estalten. Auch Schüler des Konservatoriums und der Philharmonischen Schule, Gymnastasten und Realschüler haben unter den Gefangenen nicht gefehlt. Eine große Zahl der Gefangenen leidet besonders schwer unter dem Umstande, daß ste sich in völliger Unkenntnis darüber befinden, warum sie eigentlich hinter Schloß und Riegel sitzen. l Zarische Mordtaten. In Tschita verurteilte das Kriegsgericht 13 Postbeamte wegen Beteiligung an dem Ausstande der Post⸗ und Telegraphenbeamten zum Tode. Die Wahlen zur„Duma“ finden gegen⸗ wärtig statt. Die Bevölkerung beteiligt sich daran nur wenig, die Arbeiter fast gar nicht. Was für eine Sorte Parlament das werden wird, geht am Besten daraus hervor, daß ein anzes Heer Polizeispitzel Plätze in dem Sitzungs⸗ aale bekommt! Natürlich werden die scham⸗ losesten Wahlbeeinflussungen verübt, besonders gegen die Bauern, die aber auch zu erwachen beginnen. Die Sehmiede. Wir sind die Schmiede der neuen Seit, Wir schaffen am Feuer! Das wirft röͤtende Funken breit Ueber altes Gemäuer. Die Eisenhämmer schmettern Schlag klingend um Schlag Draußen aber vor der Schmiede Unter jung grünenden Birkenblättern Horcht dem klingenden wilden Liede Blutfrisch erglühend ein neuer Siegender Frühlingstag. Wir sind die Schmiede am roten Herd, Vom Frühling befohlen. Klirr das Eisen zwingend, fährt Die Sange in die Kohlen. Heiße Funken umflirren Das Werk zum Gruß Draußen aber über der Schmiede Wirbelt wildauf ein Funkenschwirren Im Freiheitstanz zu dem klingenden Ciede: Wir schmieden eiserne Sohlen Der Seit an den Fuß! Franz Diederich. Lebenswert! Von Elisabeth George. (Schluß.) Ju den Kronen der Bäume begann es zu raunen und zu rauschen. Ueber ihr ertönten die schwermütigen, sehnsuchtsvollen Weisen einer Nachtigall, und da kam es über sie wie ein Rausch. Sie dachte nicht darüber nach, daß alles ste von diesem Manne trennte, Lebens⸗ stellung und Lebensanstcht. Sie hatte nur das eine Empfinden: er liebt dich, er liebt dich, und da streckte sie beide Hände aus:„Ja, komm, küsse mich und habe mich lieb. Ich hab' ja solche Sehnsucht nach Liebe.“ Und jauchzend umschlang er die schlanke Gestalt, heiße, leidenschaftliche Worte in ihr Ohr flüsternd und sie lag an seiner Brust und atmete es ein, dies süße, berauschende Gift. Wochen und Monate waren vergangen. Da saß an einem Abend Else Helgen daheim in ihrem Zimmer. Sie hatte eben einen Brief beendet, den ste konvertierte und mit der Adresse des Herrn Ronau, ihres Verlobten, versah. Dann lehnte ste sich mit tiefem, befreiendem Aufatmen in die Sophaecke.„Gott sei Dank! Das wäre abgetan.“ Ein Seufzer und ernstes Kopfschütteln ihrer Freundin, die, mit einer Handarbeit beschäftigt, gegenüber am Tische saß, antwortete ihr. „Ich verstehe dich tatsächlich nicht, Else, wie du einen derartigen Schritt unternehmen kannst und so, mit offenen Augen, dein Lebens⸗ glück mit Füßen trittst.“ „Ach, quäle mich nicht. Du weißt doch, daß ich nicht anders handeln konnte.“ „Else“, sagte Clär weich und stand auf und legte ihren Arm um die Schultern ihrer Freundin.„Else, noch hast du den Brief nicht abgeschickt. Ueberlege es dir noch einmal. Glaubst du, daß du es nie bereust, was du heute tust? Ich weiß ja nicht, wie das alles gekommen ist. Du sagst mir ja so wenig. Alles behältst du für dich. Wenn du noch einmal Vertrauen zu mir haben wolltest.“ „Ach, Clär, das mußt du nicht sagen. Ich vertraue dir und hab' dich lieb. Aber steh', was so in mir vorgeht, das, ja, das wird mir so schwer, Jemandem zu sagen. Oft, wenn ich mir ein Herz gefaßt habe und alles herunter beichten will, sieh', dann ist immer eine Stimme 5715 mir sagt: Ach, sie verstehen's ja doch n 4 „Und wenn du's nun einmal versuchen wolltest, vielleicht verstehe ich's doch.“ Else sah sie fragend an und dann mit plötz⸗ lichem Entschluß ihre Hände fassend, sagte sie: „Ja, Clär, komm, ich will dir alles sagen und dann magst du entscheiden, ob ich Recht oder Unrecht tue. Aber— dann müssen wir's uns recht gemütlich machen. Warte, ich tue den Schleier über die Lampe, das gibt so ein trauliches, dämmeriges Licht.“ „Vergiß aber deu Ofen nicht.“ „Ja, steh', an den hätt' ich nicht gedacht. So mein Freund, jetzt mußt du mal hübsch scheinen und nicht vergessen, daß du unbedingt dazu gehörst, uns so ein rechtes, echtes Schlum⸗ merstündchen zu bereiten.“ Sie trat zum Fenster und warf einen Blick auf die Straße. „Hu! wie es draußen stürmt und schneit!“ „Da ist es doppelt gemütlich hier drinnen.“ „Das ja, aber wenn ich nun denke, daß ungern tausende in der Welt sitzen frierend, ungernd und wir hier so warm, dann kann ich mich gar nicht darüber freuen.“ ü „Und wie steht's mit deiner Beichte?“ „Ja, ja! Ich will mich zu deinen Füßen setzen, soll ich? und meinen Kopf in deinen gehe legen und nun mußt du hübsch acht geben.“— „Wie wir uns kennen gelernt haben, nicht wahr, das hab' ich dir schon erzählt. Ich war damals so lebersmüde, es war mir alles so reiz⸗ und gehaltlos. Ich konnte mich über nichts, garnichts freuen, weil mir Eins wie's Andere so schal, so nichtig erschien. Nichts war im Stande, mich über die Leere und Oede in meinem Innern hinweg zu täuschen und ich wäre so gerne, so gerne gestorben. Da kam er und sagte, daß er mich liebe mehr als Alles auf der Welt. Ich glaube, er hat einen schweren Kampf mit seinen Eltern bestehen müssen. Aber er hat nie zu mir davon gesprochen. Mit ihm trat etwas Neues in mein Leben. Im Anfang jubelte ich: Nun hat dein Leben doch einen Wert. Du bist im Stande, einen Meuschen glücklich, überglücklich zu machen. Und dann, mußte ich ihm nicht dankbar sein, daß er mich, das mittellose Proletarierkind, zu seiner Frau machen wollte? Und doch war es gerade dies, das die unübersteigbare Kluft ausmachte, die sich ganz allmählich zwischen uns drängte. Ich hatte ihn auch lieb, ja, es war ja so schön, so an seinem Herzen auszuruhen, aber dann, wenn wir uns in irgend ein Thema vertieften, dann trat es zwischen uns riesengroß, und wir standen uns gegenüber völlig fremd, da war auch nicht ein einzig gleiches Empfinden, das den Weg über diese Kluft gefunden hätte. Das ist ja auch ganz erklärlich. Die Grundlage unserer beiderseitigen Lebensanschauungen ist ja zu ver⸗ schieden, um eine Verständigung zu ermöglichen.“ „Auch die Liebe vermag das nicht?“ „Nein, auch die allergrößte nicht. Sieh! Er ist aufgewachsen sorglos, lebensfroh, mit dem Glauben an Gott, an eine Ewigkeit, nichts hat seine Seele erschüttern können. Kämpfe, Seelenkämpfe hat er nie durchgemacht. Er lebt, wie er seine Eltern leben steht, er glaubt, was ihm gelehrt worden ist, ohne zu prüfen und dem Leben eine eigene selbsterkämpfte Anschauung abzuringen.“ „Sieh, Clär, in dieser Zeit, in diesem immer⸗ währenden Kampfe zwischen Liebe und Ueber⸗ zeugung,— denn lieb hab ich ihn doch,— hab ich mich selbst erkennen gelernt. Und immer klarer immer deutlicher trat es vor meine Seele: Du kannst und darfst seine Frau nicht werden. Wir gingen einmal spazieren. Es war ein wunderschöner Abend. Wir standen Arm in Arm und waren so glücklich. Da tönte ein Lied zu uns herauf, deffen Refrain ich nie wieder vergessen habe, und das mir immer wie eine Mahnung durch den Sinn ging. Wart' mal, es geht so: Denn, ach, ich bin ein Proletariermädchen! Mein Herz gehört dem Proletariat! Ja, Clär, mein Herz gehört ihm, ihm ganz allein. Wenn etwas auf Erden ist, das meine Seele ausfüllen kann, so ist es seine Sache.“ „Aber, hätle ich jemals in jenen Kreisen offen für diese Sache eintreten können? Mußte ich nicht stets eine Andere scheinen als die ich war? Sollte ich diese Larve tragen mein ganzes Leben lang? Nein, ich wäre grenzenlos elend geworden.“ „Und seine Liebe? Ist sie dir denn garnichts? Er hat dich furchtbar gern, Else.“ „Ja, ich weiß, daß ich ihm wehe tue. Dez⸗ wegen hab ich ja auch geschrieben. Wenn ich ihm mündlich sein Wort zurückgegeben, ich fuͤrchtete, ich könnte schwankend werden. Und ich muß doch tun, was ich tue. Wenn ich seine Frau geworden wäre, sollte ich in meinen Kindern Gegner meiner eigenen ldleberzeugung erziehen?“ „Und warum tust du nichts, ihn zu deiner Lebensanschauung zu bekehren?“ „Ich hab' daran gedacht, Clär. Aber ich mag nicht. Ich weiß, wie es geht, wenn man den Weg betritt, da gibt es kein Zurück. Und ich kenne die Kämpfe, die da unausbleiblich sind, wenn Einem Alles, an das man geglaubt, in einen Trümmerhaufen zusammen bricht. Ich weiß ja nicht, ob er denn die Kraft haben würde, sich da heraus zu arbeiten und gegen alle Traditionen seiner Familie zu kämpfen.— Ich hab' ihm ja alle die Gründe dae die mich zu meinem Schritte drängen. Wenn er nun aus eigenem Triebe prüft und kämpft und— ach, Clär, wenn er dann einst wieder ⸗ käme— aber ich weiß es, er wird nie wieder⸗ kommen, und doch, Clär, nicht wahr, ich kann und darf nicht anders handeln?“ 5 „Ja, mein Lieb, raten kann ich dir da nicht. Es wird wohl so sein, wie du sagst. Wenn nur nicht einst die Stunde kommt, wo du ver⸗ gebens dir seine Liebe zurückrufen wirst.“ erer .“ ich! mlt ct i, lebt, Wag und ng wer ber hab imer telt: den. kin 1 kin lit wie art ganz eile t. U eien luft Nr. 13. — eee eee Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 7. „Ach, Lieb, dann wird mich das Bewußtsein stark machen, daß ich mir und meiner Sache treu geblieben bin. Und dann hast du mich ganz, ganz lieb, ja?“ Allerlei. Folgen des Alkoholmißbrauchs. Die Gefängnisgesellschaft zu Elberfeld⸗ Barmen hat bei 100 in ununterbrochener Reihen⸗ folge in das Gefängnis zu Elberfeld ein⸗ gelieferten Personen festgestellt, inwieweit der Alkohol die Schuld an den ihnen zur Last ge⸗ legten Vergehen und Verbrechen gegen das Strafgesetzbuch trägt. Nach dem vom Gefängnis⸗ prediger Just darüber erstatteten Bericht war Splitter. Der Schneeball und das böse Wort, Sie wachsen wie ste rollen fort! Eine Handvoll wirf zum Tor hinaus, Ein Berg wird's vor des Nachbars Haus. . Wilhelm Müller. Wer weiß zu leben? Der zu leiden weiß! Wer zu genießen? Der zu meiden weiß! Keuftena enge ene. Preislagen und in großer Auswahl in dem Ichren-, Gold- und Silberwarengeschaͤft von F. Kaminfa, Markt⸗ platz 11, am Kriegerdenkmal. Man verl. Rabattmarken. Ein Zeitkind. Hans(der eben von seinem ersten Schulbesuch nach Hause kommt):„Papa, wenn Dir etwas nicht verständlich ist, so frag' nur mich!“— Konsirmanden⸗Unterricht.„Adam und Eva sind aus dem Paradiese vertrieben worden, warum?“ „Weil sie weder kirchlich, noch standesamtlich getraut waren.“—(Igd.) Geschichts kalender. 1. April 1884„Berliner Volksblatt“ jetzt„Vor⸗ wärts“ gegründet. 2. 1791 Mirabeau f. 1840 Zola* 1905 Meunier, Bdh. f. 3. 1871 G. Flourens f, von Versaillern ermordet. 4. 1900 Oertel, Nürnberg 7 1848 Chartisten⸗ kongreß London. 5. 1887 J. Dietzgen, soz. Schriftsteller, f 1789 9——————5rI 2 bei diesen 100 Fällen 20mal Trunkenheit die unmittelbare und 43mal die mittelbare Ursache der Straftat. Bei den erstgennanten Fällen handelt es sich meist um Roheiten z. B. Körper⸗ verletzungen, Mißhandlungen, Tierquälereien und Widerstand gegen die Staatsgewalt, bei den übrigen Fällen, die gewöhnlich auf die Nachwirkang eines Rausches am Sonnabend oder Sonntag zurückzuführen waren, um Sittlichkeitsverbrechen, Unterschlagungen, Ge⸗ legenheitsdiebstähle und dgl. Prediger Just ist herrlich!“ Dir?“ Aus der Ueberzeugung, daß die Gefangenenziffer in dem Maße steigt, wie der Alkoholmißbrauch — Möge man allseitig die Lehre daraus ziehen.— N den Brief Ein Naturfreund. Das Unglück. der Unglücksvogel der alten Germanen. noch jemand einen Unglücksvogel mir zu neunen?“ Die sechszehnjährige Frieda:„Der Storch!“— Humoristisches „Die Gegend „Sehr schön!.. einem Plaido yer. die Schriftzüge unverkennbar auf eine Damenhandschrift hindeuten, so bleibe ich dennoch dabet, daß ein Mann Oder glauben Sie viel⸗ leicht, meine Herren, daß sich je eine Dame unter⸗ zeichnet: Eine alte Abonnentin?“— geschrieben hat „Sag', hast Du Geld bei „Aber, Willy, wenn ich Geld hätt', tät' ich doch nicht die Natur bewundern!“— Lehrer:„Der Rabe war also Weiß v» elleicht („Fl. Bl.“) — Danton guillotiniert. 6. 1903 Holl. Generalstreik Arbeitergleichberechtig.⸗Rede. 7. 1875 G. Herwegh, Freiheitsdichter, f. 1889 Wilhelm II. ist wirklich Marktbericht. Auf dem Wochenmarkt in Gießen kosteten am 27. März: Butter per Pfund Mk. 1,05— 1,10, Hühnereier 1 St. 6— 7 Pfg., Käse pr. St. 6—8 Pfg., Käsematte 2 St. 5—6 Pfg., Erbsen per Liter 21 Pfg., Linsen per Liter 32 Pfg., Kartoffeln per 100 Kilo 0,00 6,00 Mk., Weißkraut pr. Sick. 20— 30 Pfg., Zwiebeln per Ztr. Mt. 6,00— 8,00, Tauben per Paar 0,80 bis 1,00 Mk., Hühner per St. 1,00—1,60 Mk, Hahnen per St. 0,80— 1,80 Mk., Enten per St. 1,80 bis 2,20 Mk., Gänse per Pfd. 00— 00 Pfg. Wenn auch Fonfirmandenstiefel für Mädchen Umtausch gestattet! 9606606606666 66 Edgar Borrmann: Giessen Telephon 228 Neuftadt 11 Eisenhandlung, Stahlwaren, Wersizeuge Haus- und Küchengeräte-Handlung. Spaten Landwirtschaftl. Geräte Herde und Oefen Drahtgeflecht Wasch⸗ u. Wringmaschinen Petroleum⸗ u. Gaskocher Stachelzaundraht, Mangen, Vogelkäfige Fleischhack⸗ u. Reibemasch. Rasenmäher Waagen und Gewichte Dr. KleinsFleischsaftpresse Stehleitern Messerputzmaschinen Pferdeschoner Munition ete. eee ee eee in größter Auswahl zu billigsten Preisen Feten N. Beiss · Giessen 12 Mäusbug 12 und Knaben Telephon 539. 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Infolge des Mangels an Idealen und Mugen 15 5 10 1 rungenschaften ha 6 üfga be ö bene Tuigkeit greift grenzenlose Staates, Einrichtungen zu schaffen, die die 8 0 ee 1 eee e zan die wp gen, Mig nz dez Steudel der 11 wüchft ö aude fie 2 Roh m 2 sana tragen f 11 5 ebensgenuß 25 Maß und ohne Grenze 0 einzige Ziel, W Verhältnisse 54 eh von kicht das Recht aller r Staalsbürger ist. das sie sieht und kennt. Es st nellen Spie Kier g üg us staatlichen M Ae e ferner muß der Besuch der Schulen, bis zu den ofen Lehre hinauf, vollkommen frei d sedermann 1 5 i wenn 1 streben, da der Reichtum der Ekkern 5 Stre 1. 0 1 1 5 1 N. ang max m 9 175 K 7 der L 0 Freiwilligen⸗ Eramens. Ist. es exxe U ie 2 acht werden 0 4 5 e n Neferbe“ Entfaltung und chritt. Der mic 1 nt in der Tasche und ihr Stolz 95 staat wird al bn für ullanfbrderm gen u kennt kaum noch eine Grenzer“ Von 1 Hberflächlichkeit ist die, Bildung der dieser Klasse. Mit wenig Ausnahmen ihren Beruf darin, als Mode- und men zu glänzen und standesgemz l niemals offene Ohren haben; die heutige Ge⸗ sellschaftsordnung regelt alles fein fäuberlich nach der Schwere des Geldsacks. Bildung ist, 1255 ein 0 155 besitzenden Klasse. Wenn otzdem die 11 1 90 B44 esund widelstan 400 10 ist ad nich ist es nicht ein Verdienst der dase errschaft, die 895 Gn deke ag reiheit“ nennt, sondern, zu schließen, um in Freude und Gen Die solchen Ehen ent⸗ Kinder werden nicht gelten schon von, S auszukosten. i und gera 8 erpu 1 ler Mutker 1 Kinder zu vollwertigen Menschen 5 1 815 4 Ni können. . f ur das, 1155 3 ane m Leben sich abspielt, a„ das e ib dl alten 5 5 5* : Das Haus e ex, Frau, un 10 1 des Mine Fr dem Gedankengange werden die Mädchen, die er gmmender Genuerat! 9 en; daher ungeheure Aae K 15 Bingen, die der Putzsucht und dem Vergnügen in ö wenne 0 De 1 ff Jem Ilreise Asedd⸗ endö. 8 d, Nationalliberale Versammlung In Alsfeld. Herr Dt! Wallau, der trotz eiter Menge“] bei seiner Wahl votgekommener Verstöße immer noch. Abgeordneter für Alsfeld⸗Lauterbach ist, erstattete am cht steh Samstag im 15 15 Kaiser“ Bericht über seine Verbindung stehen. 44 9 Stagstä ehahdelte hauptsä, Den Proletarierst K Tt es 5 bnd 245 ervorlag 1440 bei, wenn 1 0 gen Sorgen und Entbehrungen, die eine nicht bankrott 1 b so müsse man unbedingt die Enel 0 von der Regierung. 770 75 annehmen. Für, elle Kindererziehung erschweren. So lange de Vefnehkurg def, Nl ten und besonders die Mutter in 10. J Mitliollen 115 at ute 1 b eff bereit, die neuen Steueri z Wen 250 Wallau ist gerne keit noch Erbarmen. Durch die Betätigung der 28 Aus⸗ ils w 1 men, das Proletarierheim ungeeignet als i ellen sich i deze Gef 3 ee für die 1 des Kindes Rindes geworden; 5 565 Hemmuisse und ern e alles Ark denn schon die ganz Kleinen braut 155 nehen der egen, Vor allen. Dingen. dien Nie Itaelichen Mutterliebe die geschult gerin“ 9 8 ohltätig; e e sondern deren Venta f i ungen die. 2 de e rt an fremden Händen 3 ein 3 chen der Elemen argewalt sich eutfaltender nachtsscher z, sondern lautere Wahrl a 1 oer fh 55 1 88 eee een cet. den Mee eimer Steeb 95 oll a 1 N 15 1 175 ie Es ist Aufgabe und Pflicht der Frauen, die armen Herren gespeist werden; m 65* 1 6 55 11 asse, die] mit zu helfen, daß eine neue Gesellschaftsordnung ihnen auch an, daß sie bebürftiger e n guvernan 110 her 1 t, ing 1 er desc e Wr irgend— 5 N* 7 0 35 5 8 face a 12. en die. Es i sich um eine A zu bewilligen; er kimmert mit Geschwülsten behaftete Kühe, die N Aus dem Odenwald. m. v. Der Steinarbeiterstreik ih ist von den Arbeitern gls cht well immer mehr Mug Versammlung der c nn 0 in Reichenbach stattfälsd und vo sämtlichen Ausgespertle Vertreter der Orß 125 besucht war, schildertz leitung, Sekretär 33 eingehend die Sit. stimmig wurde seinem Anraten gaben Die A8 gesperrten glaubten es auch den Genossen! Hessen 1 den übrigen Kollegen in Deutschland schuldsg zu eh damit ihre G enden einer aussichtslosen Sas' mehr geopfert erden. Der Verband als 5 die noch feststehenden Kollegen uind nicht die Mftkerlegene durch Verräterei und der Abgefa ließ 7 ö dieser Schritt notwendig. Das brutale Wörgehen rita Kreutzer und Böhringer hätte diesen Abtrünuge genügend zeigen müssen, wie groß die Fut Granitmagnsten vor der Organisation der Nr 0 — weil sie ganz genau wissen, daß dann mit Lene det 1 5 ebenfalls erat der Ausgessserxten af Leben sauer gemacht, ö 111 ö Es sei allen, welche uns in diesem Ka IE 1. stützten, hiermit gedankt. Ist der Erfolg auch nicht au unserer Seite, aber das eine were pe 2 m 8* e.—— fell»Epeisung f „Geistlicher, auf Gemeindekost 1 1 0 Budenheim bei Mainz stal der Pfarrer Joest. Zu seiner Beerdtg ngtürlich eine Anzahl Kollegen des Veh erschtenen. Diesen Leidtragenden N der Budenheimer Gemeinderak 150. [Mittagessen! Das istlkein verspä 2 ec Angleublicher Art brachte vor dem Kriegsgericht in Halle an en Vizefeldwebel, jetzigen Posta 115 Eisleben wege k lich falsch uldigung. Er hatte Seele der Staatsanwaf ll 1 ö betfü Aligt 7 0 1 16 1 1 2 aa berkauft e soll. 10 0 den Wähtheitsbewels! an ulld“ 899015 ihne f vachte Fug 400. e Stalls e 5 e ekeler gcgen 15 n ge über 7 Mida mit den Ag 1 0 an den Tag. So bekundete der 305 er pon den auern in der Umgebung Fe 1 leben bei! Aae in Stalling 1 Et 1 f ndiger. on stehen, Mili, ihnen keit l el iich 115 15 it ihren fe zu e 1 5 e Kinde 1 1 etriebe rper un e c den edel 24e ud übe fed. Von dem Hasten und, Jagen, ih Gederb und Ver dtenst werden die Nerven i wenig derum, daß dadurch gerg nderbemite b 115 empfindlich bescalbigt erden 5 5400 tb nicht so flint d mau die, Reiche 1* 1 A 0 2 Eine Redner. Mögllchkelt zu schonerl. . nationallsberale Abgeordnete, Ha gem amn Erfurt, der sich im Reichstag durch plumpe und gehässige etze⸗ I nd abgespaunt. Daß unter solchen reien deen die Sozialdemokratie hervorgetan hat. ssen der Stock oder die Rute die Haupt: h Kar rea der Erziehung spielen, i leiß n d 0 Auch die Heimar bel a ih antlfe l gesundheitlichen Schäden lächt gt auc ers 11 rerziehung. Tausende kl Wa 5 1 er der K en,. cht 1 samnlung F 21555 war die cel r lig; als Redner macht H. ee Nee 5 Bemerkenswert war, daß der ende der Rede Wallau's erklärte, daß elne Diskussion Ar — Man fürchtete vielleicht, duß sonst die un⸗ wesenden Real schahl Flotte nsereres gh oagen(wer Kad z. ide leisten diesem scheußllchste e 1. e 0 Berlin. 1 cle tbantest D e —— (porstehen hähe er eine aubewedgeholf,— chile x ec le Kolonialpolitik und Fab, aufssehen konnten abgeholt une etzger weitergeschafft habe. Bet eint artig unken habe, daß er sichseh ae e dem“ Stall habe 9 öcher zuhalten müssen. Bei einer benen Kuh habe er vor dem die Bla und Schandflecke mit s chf Wichssüberschmieren müssen. 9 richter schüttelten die Köpfe über di Schweinerei und beschlaßfer N Sache behufs weiterer Antler zu 40— 5 Ein 11 15 6 cher werden rößten Schwei keiten bereitet, während im 5 diß Far dem Ulke 5 e e eee ee —. 1 1 11 8 N — Seite 10. Mitteldeutsche Sonntags⸗Reitung. Nr. 18. Tr 8 8 248228225 55 2225 2 3 3 aas 2 4 375 ** 5 822 82 5 65 d 5 b 70 7 4 03 54 2 640 2 4 2 . 88 8* 1 9 1 5 58 2* 930. g 235 222 8 5 47,4 84 * 4 7 — e n 2 e 85 ———— Das weit- und weltbekannte 1878 gegründete Kredit-Haus tt zu Frankfurt a. M. Eröffnet Samstag. den 31. März anter der gleichen Firma am hiesigen Platze in den Parterre-Läden der Häuser Plockstrasse 1416 ein Möbel- und Waren- KRredit-Haus den jetzigen Zeit verhältnissen nach jeder Richtung hin Rechnung tragend— ist auf der Basis des Stammhauses Frankfurt a. 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