2 S eee ee e 6c iert Ihe bel 7 10 bel tigung 5 voll- tung — 9 2 r e eee 2 S 8 ee 8 8 N Sr Nr. 53. —— äEä̃— ·-A Gießen, den 30. Dezember 1905. 12. Jahrgang. 5 Medaktion: Kirchenplatz 11. Schloßgasse. — Mitteldeutsche Jonntags⸗Zeitung. Wedaktionsschlat: Dnnerstag Nachmittag& Nr. Abounementspreis: Bestellungen Juserate Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt. Aus träger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindestens Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Postanstalt und 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 5107) 38¼% und bei mindestens 2 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Zum neuen Jahre: Mit großen Worten und Waffenklirren, So zieht das neue Jahr herauf. Die ganze Welt voll banger Wirren. Was bringt der nächsten Seiten Lauf d Gelingt's, den Frieden zu erhalten d Er hängt an einem Seidenhaar! Glückt's, sich der herrschenden Gewalten Su wehren gegen die Gefahr d Denn sie, die nur die Köpfe zählen, Die als Kanonenfutter gut, Sie scheu'n sich nicht, den Krieg zu wählen, Sie wägen nicht des Volkes Blut. Es ist des Volkes eigne Sache, Besorgt auf seiner Nut zu sein. Das Proletaviat halt' Wache! Im eignen Land— die Wacht am Rhein! Der Feind wohnt nicht im Nachbarlande; Der Feind heißt: Ausbeutung und Not! Krieg gilt es gegen Unechtschaftsbande, Krieg gilt für Freiheit es und Brot! Trotz grauer Winternebelflocken— Auch uns scheint einst die Sonne klar! Drum: Schwert geschliffen! Pulver trocken! Und dann: Glückauf zum neuen Jahr! (Erich Mühsam im Wahren Jakob.) Zur Jahreswende! Glück zum Neuen Jahre! Diesen herzlichen Gruß und Wunsch allen unseren Lesern, allen Parteigenossen und Ge⸗ nossinnen! Wie der Wanderer auf der Straße am Meilensteine eine kleine Pause macht, zurückblickt und den noch vor ihm liegenden Weg zu er⸗ messen sucht, so machen wir es bei Beginn eines neuen Zeitabschnittes. Wir führen uns das bisher Geleistete, Erreichte vor Augen und überschauen, ob wir unserem Ziele näher ge⸗ rückt, wie weit wir noch von ihm entfernt sind. Wir geben uns Rechenschaft von unserer Arbeit, die wir im Interesse des arbeitenden Volkes, zu seiner Befreiung zu leisten haben. Die Arbeiterklasse blickt auf ein Jahr schwerer Kämpfe zurück. Und sie weiß auch, daß ihr weitere, noch schwerere bevorstehen. Aber sie geht diesen Kämpfen mit Ruhe entgegen und wird sich durch nichts von dem Wege zum Ziele: Befreiung der Arbeit ab⸗ bringen lassen. Die entgegenstehenden Schwierig⸗ keiten werden im Gegenteil ihre Kräfte erstarken machen und sie veranlassen ihr Rüstzeug zu stählen. Immer mehr vollzieht sich der Zusammen⸗ schluß der Gegner, immer deutlicher scheiden sich die Klassen, immer stärker tritt der Klassen⸗ gegensatz hervor. Die Arbeiterschaft steht allein, auf sich selbst angewiesen, einer Welt von Feinden gegenüber. Die herrschende Klasse sucht der Arbeiter⸗ schaft den kümmerlichen Rest politischen Rechtes zu räubern, ste zu rechtlosen Heloten zu machen. Nach Sachsen folgt jetzt Hamburg mit dem Wahlrechtsraub, während in Preußen schon seit einem halben Jahrhundert rechtlos ist. Gegen diese schmachvollen Zustände anzukämpfen bildet jetzt eine Hauptaufgabe unserer Partei. Hier gilt es mit aller Energie einzusetzen. In Sachsen fanden bereits die Vorpostengefechte statt, Hamburg wird folgen und die Sozial⸗ demokratie wird nicht ruhen, bis auch die preußische Dreiklassenschande beseitigt ist. Für diesen Kampf müssen wir unsere Waffen prüfen und schärfen. Wir haben keine Flinten, Säbel und Kanonen. Aber auch unsere Waffen sind von gewaltiger Wirkung! Wenn ein ein⸗ mütiger Wille die Arbeitermassen beseelt und dieser Wille in entschiedener Weise zum Aus⸗ druck gebracht wird, kann das Staatsgetriebe wirksam beeinflußt werden. Dies herbeizuführen bedarf es nachhaltiger Aufklärung des arbeitenden Volkes. Es muß zur Erkenntnis kommen über seine Klassen⸗ lage, es muß die wirtschaftlichen Tat⸗ sachen erkennen lernen. Und es muß fernerhin, wie bis heute das Ziel verfolgen: Beseitigung der Klassenherrschaft! Dann erst wird das Volk frei, dann erst sich ein Kulturvolk im wahren Sinne nennen dürfen. Darum müssen wir auch im neuen Jahre ankämpfen gegen Unfreiheit und Unterdrückung jeder Art. Müssen weiter bemüht sein um die Besserung der Lage der arbeitenden Klasse! Vor allem ist es Pflicht jedes Parteigenossen für die möglichste Verbreltung unserer Presse zu sorgen und dem Parteiblatt immer neue Leser zuzuführen! In diesem Sinne: Glückauf zum neuen Jahre! An die Arbeiter aller Länder richtet sich ein Aufruf des inter nationalen soztalistischen Bureaus. Es behandelt die russische Revolution und fordert für diese die moral ische Unterstützung von Seiten der internationalen Sozialdemokratie. Es heißt darin u. a.:„Am 22. Januar wird es ein Jahr, daß Nikolaus II. und seine Ratgeber die Arbeiter Petersburg niedermetzeln ließen, die unbewaffnet und flehend um die Beendigung eines niederschmetternden Krieges, die Besserung ihrer unglückseligen Lage und die Bewilligung elementarer Volksrechte baten welche das Pro- letariat aller übrigen Länder bereits besitzt. Dieser Tag, der 22. Januar, bezeichnet ein entscheidendes Datum in der Geschichte der russischen Revo⸗ Lütten. Dieser Tag hat dem Volke die Augen ge— öffnet. Er hat alle Illusionen Derer vernichtet, die noch an das Wohlwollen des Zaren glaubten. Er hat schließlich zum äußersten Kampf her⸗ ausgefordert, zu einem Todeskampfe zwischen der Arbeiterklasse und den letzten Stützen eines Regimes, das vom Gewissen Aller schon läugst verdammt worden ist.—— Aber das Werk ist nicht vollendet. Wenn die Revolution im Gehirn auch verwirklicht ist, so hat sie doch als Tatsache erst nur begonnen. Ehe der russische Sozialismus einen entscheidenden Steg feiern kann, wird, noch das Proletariat Monate, viel⸗ leicht auch Jahre lang seinen Kampf fortführen müssen. In diesem Kampfe, der auch unser Kampf ist, muß das russische Proletariat auf unseren moralischen Beistand und ebenso auf die mate⸗ rielle Unterstützung der ganzen Internationale bauen können. Das Bureau macht daher folgenden Vor⸗ schlag: Am Montag, den 22. Januar oder wenig⸗ stens am Vorabend(Sonntag), werden alle Vereine aller angeschlossenen Sozialistischen Parteien Massenversammlungen abhalten] und, womöglich, Umzüge veranstalten. Die bezeich⸗ neten Redner werden an den heroischen Kampf unserer Brüder in Rußland erinnern und eine Geldsammlung wird veranstaltet, um mit allen Mitteln Denen behilflich zu sein, die gegen den Zarismus für die heilige Sache der Frei⸗ heit kämpfen. Die Kollekten sollen, sei es an die Zentralorganisation der angeschlossenen Parteien, sei es an das Internationale Sozia⸗ listische Bureau übermittelt werden. Politische Rundschau. Gießen, den 28. Dezember 1905. Die Reichs⸗Sozialistenvernichter waren am 14. Dezember zu einer Ausschuß⸗ sitzung versammelt, an der 35 Vertreter teil⸗ nahmen. Der Generalleutaant v. Liebert renommierte den 35 Sozialistentötern allerlei über die Erfolge des Reichsverbandes vor. Seine Einnahmen hätten sich verdreifacht, die Mitgliederzahl sogar vervierfacht(81747 Mit⸗ glieder soll er am 14. Dezember gehabt haben). Bei sechs Reichstagswahlen hatte der Reichs⸗ verband mitgewirkt, auch bei den Landtags- wahlen werde er sich mehr und mehr betätigen. Vor allem aber habe er auch den Stadtver⸗ ordnetenwahlen sowie den Krankenkassen⸗ und Gewerbegerichtswahlen seine Aufmerksamkeit geschenkt. Im Jahre 1908, bei den allgemeinen Reichstagswahlen, will der Reichsverband aber erst zeigen, was er leisten kann. Da werde er der Sozialdemokratie eine so empfind⸗ liche Niederlage beibringen, daß der Reichstag hoffentlich wieder eine zuverlässige nationale Mehrheit aufweisen wird. Als Haupt⸗ kampfmittel dienen dem Reichs verbande bekannt⸗ lich neben seinen von Verleumdungen der Sozial⸗ demokratie strotzenden Flugblättern die„Volks⸗ redner“, die in einer Berliner Rednerschule auf Sozialdemokraten dressiert werden. Ueber den letzten Kursus dieser Rednerschule teilte Herr Dr. Bovenschen mit, 23 Teilnehmer hätten sich ein paar Wochen lang die bekannten Lügen über die Sozialdemokratie eintrichtern lassen. Davon seien zwei Bayern„als begeisterte An⸗ fänger der Sache des Reichsverbandes in ihre Heimat zurückgekehrt. Unter den Agitatoren befänden sich auch acht gelernte Arbeiter und fünf Bergleute, die demnächst auf die Sozialdemokratie losgelassen werden. Wir fürchten, es wird den Agitatoren des Reichs⸗ verbandes schlecht ergehen, wenn sie in die politische Arena treten. Ueber die Mittel, über die der Reichsverband verfügt, wurde leider nichts bekannt gegeben. Allzu üppig wird sein Budget also nicht sein, sind doch die Kreise, aus denen er seine Mitglieder holt, bekannt dafür, daß sie nicht gern finanzielle Opfer für ihre politischen Anschauungen bringen. Die Sozialdemokratie braucht den Reichsverband nicht zu fürchten, immerhin empftehlt es sich aber, ihn auch nicht als vollkommen bedentungs- — * eite 2. qnftteldeutsche Sonntaas⸗Zeitung. Nr. 53 los zu betrachten. Offenbar stellt er den letzten Versuch der Reaktionäre aller Schattierungen dar, die sozialdemokratische Position im Reichs⸗ tage zu schwächen, und ihm begegnet man am besten durch unaufhörliche Agitations⸗ und Organisationsarbeit. Kolonialjämmerliches · Nach und nach kommt auch den Freunden der Kolonialpolitik die Erkenntnis, daß auf diesem Gebiete für uns wirklich keine Lorbeeren zu holen sind. In dem rheinischen Hauptorgan des Zentrums, der„Köln. Volkszig.“ äußert sich der Katzenjammer in folgenden Sätzen: „In gleicher Weise war es für die Deutschen viel leichter, den Weg nach Afrika zu finden, als mit Ehren wieder heraus zu kommen. Wenn wir damals gewußt hätten, was wir heute wissen, so hätte wohl kein einziger Reichstagsabgeordneter der„Schutz⸗ herrschaft“ über Südwestafrika und Ostafrika zugestimmt. Jetzt führen wir in Süd westafrika schon zwei Jahre Krieg, die Verluste an Menschen übersteigen schon diejenigen im däni⸗ schen Kriege von 186364, und die Kosten betragen heute 300 Millionen Mark! Und was ist im günstigen Falle der Sieges⸗ preis? Die Herrschaft über ein ziemlich wert⸗ loses, meist aus Einöde bestehendes Gebiet, in dem nach Ansicht von Sachkennern höchstens 5000 deutsche Anstedler ihren Unterhalt finden können. Das ist ein niederdrückendes Gefühl und erklärt die Interessenlosigkeit der weitesten Kreise den afrikanischen Kämpfen gegenüber. In verschiedenen Zeitungen wird bitter darüber geklagt, daß für Weihnachts⸗ gaben an unsere Krieger in Afrika aus ganz Deutschland so beschämend wenig Geld eingekommen sei, während für die verfolgten russischen Juden mit vollen Händen gegeben werde. Aber Mangel an Teilnahme für unsere kämpfenden Landsleute liegt gewiß nicht vor; die Ursache liegt darin, daß die„Schutzgebiete“ selbst der großen Masse an sich vollständig gleichgültig sind. Wenn ste morgen weg⸗ gegeben würden, so wären die meisten Leute sehr zufrieden.“ Diese Schilderung der Sachlage ist durch⸗ aus zutreffend und ste beweist, daß die Sozial⸗ demokratie wieder einmal Recht behält. Sie hat die koloniale Abenteuerpolitik von vornherein bekämpft und vorhergesagt, daß sie dem Reich nie zum Segen gereichen könne, sondern zum Unheil ausschlagen müßte. Dafür hat man sie angefeindet und verhöhnt. Heute sehen selbst einstmals sehr kolontalbegeisterte Leute ein, daß man besser getan hätte, dem Rate der Soztal⸗ demokratie zu folgen. Trotzdem können die Bekehrten sich heute noch nicht entschließen, ein Ende zu machen. Es soll welter gewurstelt werden, d. h., das Volk soll immer neue Millionen für trostlose Einöde opfern! Zum sächsischen Wahlrechtskampfe wurde in unserer Parteipresse berichtet: Dem Dresdener Spießertum, sind die Straßendemon⸗ strationen arg auf die Nerven gefallen. Und alle Aengste entladen sich, trotz der an den Straßenecken angekleistertenAufruhrparagraphen, in dem Schrei nach rücksichtsloser Anwen⸗ dung brutaler Unterdrückungsmaßregeln. Und als leiser Unterton:„Mahnungen! und „Warnungen“, damit der Ruf Dresdens als„Fremdenstadt“ nicht geschädigt werde. „Man“ ist auch für Wahlrechtsreformen; aber in erster Linie kommt das Geschäft. Vorläufig kann sich der Dresdener Bliemchenbürger noch in Frieden nachts die Bettdeckenzipfel über seine Ohren zie en: die Sozialdemokratie Sachsens wird abwarten, wie die Dinge sich entwickeln werden.] Aber auch hier heißt es: Das Schwert geschliffen und das Pulver trocken gehalten! Die Wahlrechtskämpfe haben natürlich das öffentliche Leben in Sachsen in hohem Grade aufgewühlt. Die Wirkungen der machtvollen Demonstrationen machen sich sogar in den Militärgerichtssälen bemerkbar. Man ist besorgt um die militärische Disziplin, wie eine Verhand⸗ lung vor dem Dresdener Militärgericht beweist, über die der„Sächsischen Arbeiterzeitung“ be⸗ richtet wird. Der aus Tharandt gebürtige Soldat Schaarschuh vom 1. Pionierbataillon war vor dem Kriegsgericht angeklagt, sich eines groben Verstoßes gegen die Disziplin schuldig gemacht zu haben. Er hatte nur einen Befehl eines Unterofftziers nicht sofort ausgeführt und die Hände nicht stramm an die Hosennaht an⸗ gelegt. Dieses„Verbrechen“ erheischte natürlich eine gründliche Sühne. Der Vertreter der Anklage hielt es sogar für nöttg, auf die„gegen⸗ wärtigen unruhigen Zeiten“ zu verweisen. Ge⸗ rade jetzt, so führte der Herr aus, könne man alle Tage aus den Zeitungen ersehen, welch wertvolles Gut ein Heer mit strammer Disziplin sei. Es müsse deshalb auf eine strenge Strafe erkannt werden, damit sich alle Elemente, die etwa Lu st verspürten, sich in gleicher Weise wie der Angeklagte gegen die Disziplin zu vergehen, den() Fall als Warnung dienen lassen. Das Krtegsgericht stellte sich auf denselben Standpunkt, indem es wegen Achtungsverletzung in begriffliche Zusammen⸗ hange mit Erkennengebens des Ungehorsams durch Handlungen auf drei Monate Ge⸗ fäng nis erkannte. Ferner wurde die sofortige Inhaftnahme des Missetäters verfügt. Diese Militärgerichtshandluag zeigt die bange Furcht vor der schwindenden Iichaft falt Disziplin. Die herrschende Gesellschaft fühlt sich selbst in der Kaserne nicht mehr ganz sicher! Auch der sächsische König hielt es vor Kurzem für angebracht, in einer Ansprache an die Re⸗ kruten auf die Bedeutung der„Heiligkeit“ des Fahneneides hinzuweisen. Er bemerkte dabei sogar, daß der sogenannte Fahneneid nicht blos für die aktive Dienstzeit, sondern für das ganze Leben gelte. Dieser Ausspruch hat Peter Schlemihl im Simplizissimus zu folgendem Poem veranlaßt: Ueb' immer Königsfreundlichkeit Bis an dein kühles Grab Und weiche keinen Finger breit Von deinem König ab! O, lieb' ihn recht in ver Kasern Und auch als Zivllist, And hab' ihn dann zuletzt noch gern, Wenn du am Sterben bist. Ja, trage willig deine Last, Getreu dem Fahneneid! Und wenn du nichts zu fressen hast, So stirb in Ehrlichkeit! Dann segnen Priester deine Gruft — Das heißt mit Vorbehalt— Wenn jemand für dich armen Schuft Die Leichenkosten zahlt. 1 Die Polizeibehörde in Dresden will für die nächste Zeit in Dresden sozialdemo⸗ kratische Versammlungen wegen Gefahr für die öffentliche Ordnung nicht mehr gestatten, auch nicht in den Vororten. Die Polizei würde mit einem derartigen durchaus gesetzwidrigen Verhalten nur Oel ins Feuer gießen.— Ein Schmied in Dresden, der sich an den Straßen⸗ demonstrationen beteiligt hatte, wurde wegen groben Unfug zu dr ei Wochen Haft verurteilt. Reiche Leute als Steuer · Drückeberger. In unserem Münchener Parteiblatte em⸗ pfiehlt jemand dem Reichsschatzsekretär v. Stengel, daß er doch eine Kouponsteuer einführen möge, sowohl für fest verzinsliche als auch für Dividendenpapiere. 5 5 „Aus meiner langjährigen Praxis ist mir bekannt, schreibt der Einsender, daß unsere „Rentiers“ deshalb keine Hypotheken kaufen, weil das liebe Rentamt einen sofort„vorfängt“, während man bei Papieren nur das zu ver⸗ steuern braucht, was einem beliebt, denn„da kommens nöt dahinter!“ Ungezählte Mil⸗ lionen werden von den„Stützen der Gesell⸗ schaft“ nicht versteuert, und hier wäre es die verdammte Pflicht der Regierung, den Hebel recht kräftig anzusetzen, denn wer Zinsen ein⸗ nimmt, ist absolut nicht notleidend, und er zahlt wie der Bauer, wenn er muß! Unsere„oberen Zehntausend“, die so gerne in Hurra⸗Patrio⸗ tsmus machen, sollen zeigen, daß sie jedes Opfer mit Vergnügen auf den Altar des Vater⸗ landes legen und bereit sind, unsern Herrn v. Stengel in einer Weise zu unterstützen, damit er jeden Sorgen enthoben ist und auf Steuern für Bier und Tabak verzichten kann. Das wünsche ich dem Deutschen Reiche fürs neue Jahr und verzichte auf jede Anerkennung meiner unmaßgeblichen Ansicht!“ unternehmer und Arbeiterfürsorge. Für die Seeleute plant man eine Witwen- und Waisenfürsorge. Dazu bemerkt die„Lelpz. Volksz.“, hoffenklich sei es diesmal der Seeberufsgenossenschaft mit der„ge⸗ sicherten Fürsorge für die Waisen und Witwen der deutschen Seeleute“ ernst und handelt es sich nicht bloß um eine Wohlfahrtseinrichtung nach bekanntem Muster, die viel verspricht und recht wenig hält. Unser Leipziger Parteiblatt erinnert daran, wie gerade von der Seeberufsgenossenschaft über den Wert der Unfallverhütungsvorschriften geurteilt wurde. In einem Schreiben der See⸗ berufsgenossenschaft vom 18. Februar 1896, das seinerzeit auch im Reichstage zur Verlesung gelangte, heißt es u. a.: Die Unfallverhütungsvorschriften haben m. E. weniger einen direkten praktischen Zweck, als daß sie zur Dekoration dien en, um den Behörden und dem Publiku n zu zeigen, wie v ortrefflich die Seeberufsgenossenschaft alles geregelt hat, wie sie alles bedacht hat, für die Reeder denkt und sorgt, ihnen die Mühe des eigenen Nach⸗ denkens und die Verantwortung abnimmt und sie in jeder Weise bevormundet. Von diesem Gesichtspunkte aus, meine ich, sollten wir jede auftauchende Frage durch eine hübsche Unfallversicherungs vorschrift zu lösen trachten, je harmloser, desto besser. Mundus vult decipi.(Die Welt will betrogen werden.) Cyntscher kann man sich über Absicht und Zweck der zum Schutze von Liben und Gesund⸗ heit der Arbeiter erlassenen Gesetze kaum äußern, als es in diesem Schreiben geschieht. Und des⸗ halb wird man gut tun, auch die Resultate der jetzt angekündigten neuen Wohlfahrtsaktion der Seeberufsgenossenschaft abzuwarten, bevor man Lobeshymnen darüber anstimmt. Das Spremberger Eisen bahnunglück vor Gericht. Die Strafkammer in Cottbus verurteilte wegen des Spremberger Eiseubahnunglücks den Stationsassistenten Stullgys zu 16 Mo⸗ naten Gefängnis, den Weichensteller Schmidt zu 1 Monat Gefängnis und fprach den Weichensteller Wiedemann⸗Schleife frei. Der Staatsanwalt hatte gegen Stullgys 3 Jahre, gegen die anderen beiden Angeklagten je 6 Monate Gefängnis beantragt. Dem Haupt⸗ angeklagten Stullgys ist zweifellos ein Teil der Schuld an dem Unglück zuzumessea, es stellte sich heraus, daß er nicht nüchtern gewesen ist. Aber auch dieser Prozeß ergab wieder ein krasses Bild von der Ueberlastung der Beamten auf den preußischen Bahnen. Seit dem Unglück läßt man jetzt am Vormittag zwei Beamte den Dienst versehen, den sonst einer zu verrichten hatte. Uebrigens erklärte ein Sachverständiger, daß der Zusa mmenstoß vermieden werden konnte, wenn die Strecke zweigeleistg ausgebaut oder wenn auf der Strecke das soge nannt Blocksystem eingerichtet gewesen wäre. Das Unglück, das sich am 7. August er⸗ eignete, kostete 16 Personen, das Leben, außerdem 25 es eine große Anzahl Verwundete. Von der Verwaltung muß entschieden verlangt werden, daß sie alle nur möglichen Vorsichts⸗ mußregeln zum Schutze der Menschenleben an⸗ wendet. Kleine politische Nachrichten. Sie verdienen den Pokerminister. Der oldenburgische Landtag sprach am 21. Dezember dem Minister Ruhstrat auf einen Angriff des Sozial⸗ demokraten Hug wegen der Vorgänge im„Refidenz⸗ boten“⸗Prozeß mit 33 Stimmen gegen 5 und 2 Ent⸗ haltungen sein Vertrauen aus. Das direkte Wahlrecht scheint in Bayern. nun endlich eingeführt werden zu wollen. Die Reichsrats⸗ kammer will dem neuen Entwurf des Landtags wahl⸗ gesetzes zustimmen. . — —— „53 — rn h. dam keuern e fürz nung ge. i eine emerkt leßmal 8 Oltwen elt ez hung bt und daran, chaft crlften et Ser. 1896, tlesung m, E. daß se Behörden flit „ wie ste denkt en Nach⸗ nd sie in Itöpunkle de Ftage gift qu lundus werden.) cht und Gesund⸗ außern, Ind deg⸗ tate der ton der, or Man al kucteilte ce ben 6 A tenen 1 0 Schlege Sul“ ll u Hau Tell b 19 fell 1 en H. Bean nu“ ante bu gericht fände 1 ku M50“ 1 10 Vibe, node, 1 Nr. 53. ——————— ͤ K ˙ m— w Mitteldentsche Sounags⸗Zeitung Seite 3. Soziales. Schwelgerei der Millionäre. Ueber die ungeheuerliche Verschwendung, die von den Geldprotzen getrieben wird, macht ein Brief aus Newyork Mitteilung, den ein römisches Blatt veröffentlichte und von dem der„Vorwärts“ einige Einzelheiten wiedergibt. Es heißt da: „Newyork ist die einzige Stadt der Welt, wo Diners gegeben wurden, bei denen jeder Gang 25 000 Mk. kostete, wo Gäste den be⸗ dienenden Kellnern 400 Mk. Trinkgeld gaben, wo man für eine einzige Nelke 1000 Mark gezahlt hat; die einzige Stadt der Welt, wo ein Hotel ein Bett haben kann, das 40 000 Mk. kostet. Es gibt eine Anzahl Speisewirtschaften und Hotels, in denen während der Saison Platten vom Pretse von 200 bis 400 Mark serviert werden.— Eine gewisse Berühmtheit erlangte das Ballfest, das im verflossenen Winter Jimmy Hyde, der berühmte Vizepräsident der nicht minder berühmten Equitable⸗Gesellschaft, veranstaltete: das Essen allein kostete 60000 Mark, und dabei war der Speisezettel weder übermäzig lang noch übermäßig originell. Die fabelhafte Verschwenduugssucht kommt auch den Hündchen der vornehmen Damen zugute; elne dieser Damen ließ sich jüngst für ihren Schoßhund ein Halsband kommen, das 800 Mk. kostete. Eine andere Dame ließ für ihr Liebliugs⸗ tierchen ein besonderes Haus bauen, eine genaue Nachbildung des berühmten Parkhäuschens der Königin Anna, mit Tapeten, Teppichen, Fenster⸗ vorhängen usw., jeden Tag begibt sich eine eigens zu diesem Zwecke engagierte„Gouvernante“ in die vornehme Hundehütte, um dem Hunde das Bad zu bereiten, ihn zu kämmen, zu fristeren, zu parfümieren und spazieren zu führen. Das Tier darf nur aus silbernen Gefäßen essen und trinken! Nach genau aufgestellten Berechnungen gibt es in Newyork fast 6000 Damen, die jährlich je 25000 Mk. für Toiletten ausgeben. Böse Zungen behaupten, daß trotz dieser Toiletten⸗ pracht der größte Teil der Sechstausend mit hölzernen Schneiderpuppen zu vergleichen sei. Es ist der größte Schmerz dieser Damen, daß sie 20 Kleider besitzen und nicht mehr als eins auf einmal anziehen können. Und bei alledem sind sie nur die Plebejertnnen der vornehmen Mode. Das wird man sofort begreifen, wenn man hört, daß im vorigen Jahre Frau Lars Anderson aus Boston sich in London bei Hof in einem Kleide vorstellte, das nur zwei Mil⸗ lionen Mark gekostet hatte! Diese Verschwendungssucht erinnert ganz an die Zeiten des Niederganges des römischen Kalserreichs. Auch die gegenwärtige Gesellschafts⸗ periode trägt den Keim des Untergangs in sich, und eine neue, deren Träger das aufstrebende Proletariat ist, ringt sich empor. Die Berggewerbegerichtswahlen, die vorige Woche im Ruhrgebiet stattfanden, haben für den alten freien Bergarbeiterverband mit einem vollen Stege geendet. Im Ganzen haben 28 432 Bergleute gewählt. Davon haben er⸗ halten die Kandidaten des„alten“ Verbandes 17174 Stimmen und 66 Beisitzer, die des christ⸗ lichen Gewerkvereins 9489 Stimmen und 15 Beisitzer, die Polen 1116 und 2 Beisitzer, die Zerzplktert fi 524 Stimmen und 2 Beisttzer. ersplittert sind 129 Sttnmen.— Bei der Gewerbegerichtswahl in München wurden 13531 Stimmen abgegeben, davon fielen auf die Liste der freien Gewerk⸗ schaften 11004, auf die Christlichen 2415 und auf die Hirsch⸗Dunkerschen 107 Stimmen. Von den 60 Beisitzern erhalten die freien Gewerk⸗ schaften 50, die Christlichen 10 und die Hirsche — keinen.— Es versteht sich, daß die christ⸗ lichen Herrsc aften den Kampf wieder in be⸗ kannter Weise führten, das heißt, weniger sachlich als vielmehr die Gegner beschimpften und ver⸗ dächtigten.— In Zweibrücken erhielten die Kandidaten der freien Gewerkschaften 473 Stim⸗ men, die vereinigten Gegner(evang. Arbeiter. verein, kath. Gesellenverein und Hirsch⸗Dunckersche) nur 59. Sämtliche sechs Sitze fielen infolge⸗ dessen den freien Gewerkschaften zu. Revolution in Rußland. Während der Feiertage haben sich in Ruß⸗ land und besonders in Moskan schwere und blutige Kämpfe abgespielt, die nach den vor⸗ liegenden Nachrichten zum größten Teile un⸗ günstig für die Revolution verlaufen sind. Der Generalstreik wurde in Petersburg pro⸗ klamiert, doch scheint er nicht recht in Schwung gekommen zu sein. In Moskau wurde tagelang auf den Barrika den gekämpft. Doch es scheint den regierungsfrommen Truppen noch einmal wieder gelungen zu sein, die tapfere Erhebung der Revolutionäre in Blut zu er⸗ sticken. Freilich muß man die Meldungen mit großer Vorsicht aufnehmen, da sie zumeist aus den lügenhaften offtiziösen Quellen stammen. Auch besagt die etwaige nochmalige Niederlage der Revolutionäre nichts. Auch aus derartigen Niederlagen zieht die Revolution selbst nur immer neue Kräfte. Aus Moskau wurde vom 25. Dezember gemeldet:„Die Artillerie feuerte gegen die Barrikaden. Feuerwehrleute setzten die Barri⸗ kaden in Brand. Die Aufständigen verwundeten 20 Gendarmen. Nach neueren Zählungen gab es gestern 500 Verwundete, heute noch viel mehr. Die Bahnhöfe sind von Truppen besetzt. Der Verband der Verbände beschloß, den allgemeinen Ausstand aufrecht zu erhalten, sich aber nicht an dem Aufstand mit Waffen zu beteiligen.“ Aus Kiew wurde am 27. Dez. berichtet: Der Generalstreik ist zum Teil ge⸗ lungen. Die Banken, Fabriken, Schulen, Pferdebahnen und Eisenbahn verwaltung streiken. Auch die Zeitungen fehlen. Während der drei letzteu Nächte drang die Gendarmerie in die Wohnungen der angesehensten Fami ⸗ en und führte Haussuchungen durch. Die Massenverhaftungen wurden fortgesetzt. Die Aufregung darüber ist so groß, daß das Pub- likum auf offener Straße zwei Spione tötete. Das Militär hält auf allen Straßen Wache. Die„Schwarze Horde“ ist in Bereit- schaft gehalten. Zwei Juden sind von ihr schon hingeschlachtet worden. Die Revolutionäre sind bereit, bewaffneten Widerstand zu leisten. Am Bahahof erfolgte ein blutiger Zusammen⸗ stoß zwischen Revolutionären, Streikbrechern und dem Militär.— Am 26. war aller Eisen. bahn⸗, Post⸗ und Telegraphenverkehr mit Petersburg abgeschnitten. Anträge der Sozialdemokraten im hessischen Landtage. Sofort bei der Eröffnung des Landtages haben unsere Parteigenossen etwa 25 Anträge eingebracht, die wir im Folgenden anführen. Die Anträge sind sämtlich in der Form eines Ersuchens an die Kammer gehalten. Wahlrecht und Verfassung. I. Die Regierung soll ersucht werden, als⸗ bald einen Gesetzentwurf vorzulegen, wonach die Wahlen zum Landtag auf Grund des all⸗ meinen, gleichen, direkten und geheimen Wahl⸗ rechts mit Proportionalwahlsystem stattzufinden haben, und zwar unter Berückstcheigung folgen⸗ der Besonderer Bestimmungen: 1. Wahlberechtigt ist jeder rechtsmündige, in Hessen ansässige Reichsaugehörige. 2. Die Gesamtzahl der Abgeordneten ist dem Bevölkerungszuwachs derart anzupassen, daß auf je 20000 Seelen ein Abgeordneter zu rechnen ist. 3. Die Wahlen sind an Sonntagen vorzu⸗ nehmen. Die Wahlstunden sind von mittags 12 bis abends 8 Uhr festzusetzen. 4. Die Wählerlisten sind ständig auf dem Laufenden zu halten und bei Ankündigung des Wahltermins durch den Druck zu veröffentlichen. 5. Das Wahlgeheimnis ist durch Einführung amtlicher Stimmzettelkouverts und Errichtung von Isolierräumen sicher zu stellen. II Ferner Vorlegung eines Entwurfs, der die Einführung des Einkommenssystems und der direkten Gesetzgebung durch das Volk mittelst des Vorschlags⸗ und Verwerfungsrechts B und Referendum nach Schweizer uster) vorsieht. III. Durch Gesetz sollen aufgehoben werden alle polizeilichen Bestimmungen und Ver⸗ waltungsverordnungen, die geeignet find, die verfassungsmäßige volle Vereins- und Ver⸗ sammlungsfreiheit zu beeinträchtigen. Steuerwesen. I. 1. Die Progresston der Einkommensteuer für die Einkommen soll von 6000 Mk. ab er⸗ höht, 2. die Vermögenssteuer soll progressiv gestaltet werden. II. Die Reviston des Stempeltarif⸗ gesetzes soll in die Wege geleitet werden zwecks Beseitigung aller derjenigen Stempel und Gebühren, die eine drückende Belastung der minder bemittelten Bevölkerung darstellen. Rechtspflege 8 1. Die Regierung soll im Bundesrat auf eine Revision des Gesetzes, betr. Ent⸗ schädigung für unschuldig erlittene Straf haft und des Gesetzes, betr. Ent⸗ schädigung für unschuldig erlittene Unter⸗ suchungshaft in dem Sinne hinwirken, daß in jedem Falle unschuldig erlittener Haft eine ausreichende Entschädigung gewährt werde. 2. Es soll für unschuldig erlittene Unter⸗ suchungshaft auch denjenigen Personen, die nicht durch eine Entscheidung des Gerichts, sondern durch eine Verfügung der Staats⸗ anwaltschaft aus dem Strafverfahren entlassen werden, eine Entschädigung aus der Staats⸗ kasse gewährt werden. 3. Die Regierung soll Sorge tragen, 1. daß zu Schöffen und Geschworenen, auch Männer aus der lohn arbeitenden Be⸗ völkerung bestellt werden; 2. daß reichs⸗ gesetzlich bestimmt werde, insbesondere anläßlich der bevorstehenden Reviston der Strafprozeß⸗ ordnung, daß die Schöffen und Geschworenen außer Vergütung der Reisekosten entsprechende Tagegelder erhalten; 3. daß den Schöffen und Geschworenen schon jetzt Vergütung ihrer Unkosten und Auslagen aus Landesmitteln gewährt werde. Schulwesen und Kirche. 1. Vorlage eines Gesetzentwurfs, der die Uebernahme sämtlicher Volksschullasten auf den Staat vorsieht. 2. Artikel 86 des Volksschulgesezes von 1874 betr. Erhebung von Schulgeld soll dahin⸗ gehend abgeändert werden, daß Schulgeld für den Besuch der allgemeinen Vollsschule nicht mehr i werden darf. 3. Eine Vorlage, wonach den Schülern der Volksschule alle erforderlichen Lehrmittel unentgeltlich geliefert werden. Die entstehenden Kosten übernimmt die Staatskasse. 4. Aufnahme eines Ausgabepostens von 50 000 Mark im Budget, der dazu bestimmt ist, befähigten Kindern unbemittelter Eltern die kostenfrete Ausbildung und Unterhaltung auf den höheren Schulen und der Universttät zu ermöglichen. 5 5. Die Kammer wolle Großh. Regierung ersuchen, in der Neichsschulkommission Schritte zu tun, zur Herbeiführung einer Reform des gesamten höheren Schulwesens im Sinne einer nationalen Ei nheitsschule, die auf der Grundlage der allgemeinen(obli⸗ gatorischen) Volksschule aufgebaut ist. 6. Eine Vorlage, die eine Reform des Schulwesens dahingehend anbahnt, daß 1. sämtliche Vorschulen aufgehoben werden; 2. der fremdsprachliche Unterricht in den höheren Schulen bis zum Beginn des vierten Schuljahres hinausgeschoben wird; 3. der Lehr⸗ plan der drei untersten Klassen der höheren Schulen mit dem 4., 5. und 6. der allgemeinen Volksschule in Uebereinstimmung gebracht wird, sodaß der Uebertritt aus dieser in eine höhere Schule noch nach Abschluß des sechsten Schul⸗ jahrs ohne Schwierigkeit geschehen kann; 4. die Zahl der Schüler auch in den Volksschulklassen in der Regel 40 nicht übersteigt. 7. Einen Gesetzentwurf vorzulegen der die Ausbildung der Volksschullehrer einer Neuregelung unterzieht. 8. Eine Vorlage, welche die vollkommene Trennung von Schule und Kirche vorsteht. Dabei sind folgende Punkte zu be⸗ rücksichtigen: Der Religionsunterricht 8 1 0 5 — * — Seite 4. Mitteldeutsche Sountaos⸗Zeitung. Ny. 53 kommt in Wegfall. Die konfessionelle Unter⸗ weisung derjenigen Kinder, deren Eltern eine solche wünschen, ist den Geistlichen der betreffen⸗ den Religionsgemeinschaften zu überlassen. Die noch bestehenden Konfesstonsschulen sind alsbald in gemeinsame Schulen umzuwandeln. 9. Die Kammer wolle beschließen, Großh. Regierung zu ersuchen, den Landständen als⸗ bald eine Vorlage zu machen, wonach die religiösen Gemeinschaften zur Deck⸗ ung ihrer Bedürfnisse lediglich auf die Bet⸗ träge ihrer Mitglieder angewiesen werden, und jeder Zuschuß aus staatlichen Mitteln in Weg⸗ fall kommt. Arbeiterschutz. 1. Eine Vorlage wird gefordert, die einen wirksamen Bauarbeiterschutz vorsteht und Ar⸗ beiter aus dem Baugewerbe als Bau⸗Kontrol⸗ leure heranzieht. 2. Die Gewerbeinspektion soll der⸗ art ausgebaut werden, daß in allen Bezirken Hilfsbeamten aus den Kreisen der Ar⸗ beiter und Arbeiterinnen angestellt werden. 3. Ein Gesetzentwurf soll eingebracht werden, betreffend die Verhältnisse der Arbeiter und Hilfsangestellten in den Staatsbetrieben. Da⸗ bei sind folgende Punkte zu berücksichtigen: 1. Einrichtung von Arbeiterausschüssen, die aus geheimer Wahl hervorgehen und in allen Fragen des Arbeits⸗ und Lohnverhältnisses zu hören find. 2. Durchführung eines achtstündigen Normalarbeitstages. 3. Festsetzung eines je⸗ weils mit den Arbeiterausschüssen zu verein⸗ barenden Minimallohnes. 4. Zustcherung fester Alters- und Penstionszulagen. 5. Garantierung der freien Ausübung des politischen und ge⸗ werkschaftlichen Koalitionsrechtes. 4. Schleunige Vorlage, durch welche für ewerbliche und land wirtschaftliche Lohnarbeiter⸗ chaft eine berufsständige Vertretung(Ar⸗ beiterkammei) geschaffen wird. Pon Nah und Fern. Hessisches. — Der hessische Hauptvoran⸗ schlag ist vorige Woche erschienen. Er balan⸗ ziert in Einnahmen und Ausgaben mit 70,223,925,78 Mk. Der Fehlbetrag ist von 752,000 Mk. in dem Jahre 1905 gesunken auf jetzt 646,000 Mk. Nach der Vorlage kann eine langsame, aber stetig fortschreitende Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse konstatiert werden, wenn auch die Durchsicht der Ziffern des Voranschlages den fortdauernden großen Ernst der finanziellen Lage nicht verkennen läßt. — Wahlproteste. Gegen die kürzlich vorgenommenen Landtagswahlen ist nur in zwei Fällen Protest erhoben worden. Und zwar haben unsere Genossen im Wahlkreise Kastel⸗ Kostheim die Wahl des Zentrumsmannes Schmitt angefochten und die Bündler gegen die Wahl des freisinnigen Abg. Christ in Wörrstadt Protest eingelegt, wo ihr Parteifreund Wolf⸗Stadecken mit 15 gegen 17 Stimmen unterlag. — Ein hessischer Herrenhäusler. Der Graf Alt⸗Leinigen⸗Westerburg, Kirchenpatron von Berstadt wurde kürzlich wieder einmal erwähnt. Dieser Edle wurde vor etwa 5 Jahren wegen Ehebruchs zu sechs Monaten Gefängnis ver⸗ urteilt. Diese Strafe abzubrummen, dafür be⸗ dankte sich der erlauchte Graf, er drückte sich vielmehr ins Ausland und pfiff auf die hinter ihm entlassenen Steckbriefe.— Nun hat das Reichsgericht unter Aufhebung des Urteils des Darmstädter Oberlandesgerichts der Klage des hessischen Oberkonststoriums gegen den Grafen stattgegeben und erkannt, daß der Graf wegen die aus dem dinglichen Patronat über die evangelische Kirche in Berstadt fließenden Rechte für seine Person verloren hat. Also Kirchen⸗ patron ist nicht mehr. Wohl aber gehört er noch als„Standesherr“ der ersten hessischen Kammer an, ist„geborener“ Gesetzgeber. Es wäre interessant zu erfahren, wie diese Er⸗ lauchten über ihren unsittlichen Kollegen denken. — Mit der Präsidenten wahl⸗Ko⸗ mödie in der Zweiten Kammer wollte mau tatsächlich gegen die Verurteitung Köh⸗ lers demonstrieren. Das soll Köhler selbst dem Justizminister erklärt haben. Diese Rebellion gegen das Allerheiligste im Klassen⸗ staat, die Justiz, ist jedenfalls ein außerge⸗ wöhnliches Ereignis im Parlamentarismus. Sie dürfte dem bürgerlichen Klüngel vielleicht noch bitter aufstoßen. Köhler soll nun durchaus nicht daran denken, die Funktionen des 2. Präst⸗ denten der Kammer auch wirklich auszuführen. Da die Präsidenten der Kammer nach Art. 9 der Geschäftsordnung am Anfang einer Land⸗ tagsperiode zunächst auf drei Monate, und dann erst auf die Dauer des Landtags gewählt werden, so dürfte Köhler höchstwahrscheinlich nach einem Vierteljahr der prästdialen Würde entsagen, zumal ihm diese nur eine Bürde sein würde. Der Langsdorfer Dorfschulze ist kein Mann parlamentarischer Ordnung, sondern lebt mit dieser ständig auf dem Kriegsfuß. Und da es ihm nun ja gelungen ist, mit Hilfe der Nationalliberalen und Ultramontanen auf seine Weise gegen seine Verurteilung zu protestieren, so tritt er schmunzelnd von seinem Posten zurück. Wie verlautet, soll in diesem Falle der ehemalige dritte Präsident, der nationalliberale Herr Reinhart, der gegenwärtig Mitglied des Finanzausschusses ist, wieder ins Präsidium eintreten.— So schreibt unser Mainzer Partei⸗ blatt nach Mitteilungen ans zuverlässtger Quelle. Also: Die Nationalliberalen, Antisemiten und Ultramontanen verweigern den Sozialdemo⸗ kraten einen Sitz im Präsidium, trotzdem diese ihrer Stärke nach einen solchen verlangen können. Grund: Weil die Sozialdemokraten sich nicht dazu erniedrigen wollen, höfische Zere⸗ monien mitzumachen und sich nur streng an die Geschäftsordnung halten. Dann akzeptiert diese selbe Mehrheit das Ansinnen der antisemitischen Bauernbündler, durch die Präsidentenwahl Köhlers gegen einen Gerichtsbeschluß zu prote⸗ stieren. Und nachdem Köhler seine durch das Gericht verletzte Ehre durch eine willfährige Kammermehrheit repariert glaubt, tritt er zurück und verzichtet großmütig auf die Ehre, Präst⸗ dent des„hohen Hauses“ zu sein, und ein an⸗ derer findet sich bereit, sich an Köhlers Stelle zu setzen! Zu solchen Faxen benutzt die bürger⸗ liche Kammermehrheit das Parlament! Mag sie so weiter arbeiten! — Einenerfreulichen Sieg erkämpften unsere Parteigenossen in Mühlheim a. M. Dort wurde unser Genosse Peter Zahn am Mittwoch mit 489 Stimmen zum Beigeord⸗ neten gewählt. Der bisherige Beigeordnete erhielt nur 349 Stimmen. Verschiedene Blätter, so der„Gieß. Anz.“ und auch die Frkftr. Volks⸗ stimme bemerken dabei, daß dies der erste soztal⸗ demokratische Beigeordnete in Hessen sei. Das stimmt unseres Wissens nicht. Es sind schon mehrfach Sozialdemokraten zu Beigeordneten gewählt, aber nicht bestätigt worden. So z. B. in Rödgen bei Bad Nauheim. Gießener Angelegenheiten. — Herr Professor Biermer be⸗ streitet in der Frkftr. Ztg., die ihn ebenfalls wegen seinen Ausführungen in seinen staats⸗ wissenschaftlichen Vorträgen angegriffen hatte, daß das Thema seines letzten Vortrages nicht „Koalitions⸗ und Versammlungsrecht“ gelautet habe. Er habe vielmehr über das Verhältnis der Sozialdemokratie zu den Gewerkschaften ge⸗ sprochen.— Nach dem früher bekannt gegebenen Programm war das erstere Thema für den betreffenden Vortrag vorgesehen. Das Thema tut wenig zur Sache, es kommt darauf an, was ausgeführt wurde, darin stimmen wir der Fr. Ztg. vollkommen bei. Wir müssen das, was wir in letzter Nummer über die Biermer⸗ schen Ausführungen sagten, voll aufrecht er⸗ halten. Und daß wir damit Recht hatten, wird sich erweisen, wenn die Vorträge im Druck erscheinen, was Herr Biermer ankündigt. — Aerzte⸗ Terrorismus. Die hiesigen Aerzte boykottieren den Sankitäts⸗ verein Gießen und erlassen im Amtsblatt Warnungen vor Zuzug. Warum? Der Sani⸗ tätsverein konnte die geforderte Honorar⸗Er⸗ höhung 7 auf 12 Mark per Mitglied nicht be⸗ willigen. Ein Arzt, der nicht mittun wollte, wurde vom Aerzte⸗Verband dazu gezwungen, es wurde ihm erklärt, daß ihm kein Vertreter gestellt würde, wenn er eines benötige. Die Herren verfahren mit den Nichtorganisterten ganz anders als die Gewerkschaften. — Ueber die Betriebskranken⸗ kasse des Herrn Bauunternehmer Win n wurde bei uns lebhaft Klage geführt. Es ist mehrfach vorgekommen, daß die erwerbsun⸗ fähigen Kranken oder ihre Angehörigen Sams⸗ tags bei Abholung des Krankengeldes stunden⸗ lang im Freien warten mußten, bis sie die paar Pfennige bekamen. Mit den Betriebskranken⸗ kassen ist's eben so eine Sache. Die Arbeiter müssen wohl so viel bezahlen, als in der Orts⸗ krankenkasse, jene leistet aber nicht entfernt so⸗ viel als diese und die Arbeiter haben fast gar keinen Einfluß auf die Verwaltung. — Die Freie Turnerschaft hält nächsten Samstag, den 6. Januar ihr Winter⸗ fest im Saale des Café Leib ab. Bei den Festen der Turner wird immer etwas an guter Unterhaltung dargeboten, weshalb ein guter Besuch erwartet werden darf. — Zur Wahlvereins⸗Versamm⸗ lung am Samatag werden die Parteigenossen um zahlreiches Erscheinen ersucht. An die Gewerkschaftsvorstände in Gießen und Umgebung(auch Wetzlar und Marburg) richten wir das freundliche Ersuchen, uns sobald als möglich ihre gegenwärtige Mitgliederzahl sowie die Adressen der Vorsitzenden anzugeben. Redaktion der Mitteldeutschen Sonntags⸗Zeitung. Aus dem Nreise gießen. — Kreisfest 1906. Der Vorstand des Kreiswahlverein hat im Verein mit den Hausener Genossen das Kreisfest auf den 24. Juni fest⸗ gesetzt. Die befreundeten Vereine werden ersucht, dies bei Festsetzung ihrer Veranstaltungen zu berücksichtigen. a. Leihgestern. Ein tödlicher Unglücksfall hat wieder einen Arbeiter aus unserem Orte dahingerafft; innerhalb kurzer Zeit das zweite Opfer auf dem Schlacht⸗ felde der Arbeit. Der Bremser Georg Schaum, der als solcher einen Güterzug Gießen⸗ Betzdorf bediente, wurde am Freitag(22.) nachts im Betzdorfer Bahn⸗ hofe überfahren. Der Schlußbremser bemerkte beim Abfahren des Zuges den Verunglückten zwischen den Schienen liegend. Auf das Haltesignal eilte das Personal herbei, fand ihn jedoch bereits tot. Auf welche Weise das Unglück geschehen ist, wurde noch nicht aufgeklärt. Schaum war erst 27 Jahre alt und seit einem Jahre verheiratet. Weil er ein strebsamer und nüchterner Mann war, bedauert das ganze Dorf den so jäh ums Leben Gekommenen, nur im Krlegervereine streitet man sich darüber, ob man dem seitherigen Mitgliede die letzte Ehre erweisen und ihn zu Grabe geleiten soll, weil er vor Kurzem sich aus dem Verein abgemeldet hatte. Er hatte begriffen, daß im Kriegerverein nicht der richtige Platz für einen Arbeiter ist. Die Beerdigung konnte infolge gerichtlicher Anordnung erst am Donnerstag stattfinden. Watzeuborn⸗Steinberg. Am zweiten Weihnachtsfeiertag star b hier unser Parteige⸗ nosse Jakob Burger, Weißbinder, nach kurzer Krankheit im Alter von 35 Jahren. Er hinter⸗ läßt eine Frau mit drei unmündigen Kindern. Er hielt stets treu zur gewerkschaftlichen und politischen Organisa ion. Wir verlieren in ihm einen tüchtigen Genossen, der sich immer bereit zeigte, unsere Sache nach besten Kräften zu 1 Wir werden ihm ein ehrendes An⸗ enken bewahren. r. Großen⸗Linden. Unser Arbeiter- bildungsverein befindet sich seit seinem Bestehen in erfreulicher Entwicklung. Auch von Seiten der Gegner wird ihm die größte Beachtung geschenkt. Obwohl wir nun uns weiter nichts vorgenommen haben, als nur uns gegenseitig aufzuklären und die wirklich wahre Volkspartei, nämlich die Sozialdemokratie, zu unterstützen und zu fördern, glauben hier gewisse Leute, wir wollten alles umstürzen, oder gar den Kriegerverein vernichten. Das ist nun weniger der Zweck unserer Organisation; ein denkender Arbester geht von selbst in keinen Kriegerverein oder tritt aus. Als dies aber einer unserer Parteifreunde tat, gab man sich alle Mühe ihn vom Austritt abzuhalten, 15 8 vergeblich. Daraufhin forderte man ibm 4 Mk.„Austeltts⸗ — ich hre tessen geltung. nd des usener it fest⸗ fuck, gen zu fall geraft; chlacht⸗ m, ber beblente, Bahn⸗ t helm en den Bersonal C Weise seklärt n Jahte üchternet ih und tet mal dle legte unerztag zwelten artelge⸗ kurzer . hater⸗ Anderl. 9 9 7 5 8 Nr. 53. *„ ö-GA 1—- u—U——Q—U—U— ʒ—— Mitt ldeutsche Sonntags deitung. eite 5. geld“ ab, das man nach Beschluß von jedem Austretenden verlangen will. Solche lächer⸗ liche Mittel muß man anwenden, um die all⸗ gemeine Flucht zu verhüten! Wir können nur jedem Arbeiter zurufen: Heraus aus dem Kriegerverein, schließt Euch den politischen und gewerkschaftlichen Arbeiter⸗Organisationen an! — Von der Ibutz⸗Bahn. Die Bahn⸗ linie Butzbach⸗Lich machte, wie berichtet wird, im letzten Jahre schlechte Geschäfte, ihre Aus⸗ gaben übersteigen die Einnahmen um 20558 Mk. Die Gesamteinnahmen betrugen 1696 900 Mk. und die Aus gaben 1717410 Mk. Es sollen deshalb die Fahrpreise für alle Wagenklassen erhöht werden, was für die Bewohner der interessterten Ortschaften jedenfalls nicht erfreulich ist zu hören. Nun, wenigstens hat der Abg. Joutz seiner Zeit schönes Geld dabei verdient! Aus dem Rreise griedberg⸗Büdingen. — Die Wohnungszustände auf dem Lande sind oft noch schlimmer als in der Stadt und selbstver⸗ ständlich leidet darunter die arbeitende Bevölkerung am meisten. Ein Bespiel dafür wird aus Dorhe im be⸗ richtet: In einem alten, dem Oekonomen Schudt gehörigen Hause, von 4 Zimmern und 2 Küchen, wohnen die Schweizer und Taglöhner des Herrn Schudt. Die Zimmer sind alle sehr klein. Die stärkste Familie ist 8 Köpfe, die in einem Raume hausen. An Miete bezahlt jede Partie 96 Mark pro Jahr; ergiebt für die 4 Räume 348 Mark pro Jahr. Der höchste Jahres⸗ verdienst eines Insassen ist 400 Mark. Wir überlassen es der Beurteilung unserer Leser, ob diese Mieten in Einklang stehen zu den Löhnen, die diese Leute haben. Auch in anderer Beziehung herrschen hier noch mauche Mißstände. So fehlt uns hier ein Totenhaus. Vor einiger Zeit wurde die Leiche eines alten Kuhschweizers aus der Wetter gefischt. Diese wurde in Ermangelung eines Totenhauses in ein altes Gewölbe, wo früher der Abdeckerkarren gestanden, geworfen. Ist so etwas christlich? Aus dem Rr eise Wetzlar. h. Sorgt für die Weiterverbreitung Euerer Presse! Diesen Mahnruf müssen beim Quartalswechsel auch die Arbeiter Wetzlars beherzigen. Welcher Arbeiter nur einigermaßen um sich schaut, muß erkennen, welchen Wert die Arbeiterpresse für ihn und die Gesamtheit der arbeitenden Bevölkerung hat. Wenn er sieht, wie die Amts⸗ und„Ordnungs“blätter bei jeder Gelegenheit unsere Partei und die Arbeiterbewegung zu schädigen und ihre Wortführer zu verdächtigen suchen, muß er sich gedrungen fühlen, sein Möglichstes für die Unterstützung der Arbeiterpresse zu tun. Denn diese allein verficht die Interessen der kleinen Leute, der Arbeiterschaft auf allen Gebieten, während die bürger⸗ lichen Blätter lediglich Unternehmungen zum Zwecke Gelderwerbs für ihre Eigentümer darstellen. Darum agitiert unermüdlich für Euere Presse! In Wetzlar werden Bestellungen auf die Mitteldeutsche Sonntags⸗ Zeitung und Frankfurter Volksstimme jederzeit bei Ge⸗ nossen Zahn, Gewandsgasse 19, parterre, sowie beim Genossen Fauth angenommen. Dort ist, auch sonstige Partelliteratur erhältlich. h. Unternehmerpraktiken. Die Baufirma Schneider in Wetzlar kündigte am Donnerstag, 21. Dez., sämtlichen bei ihr beschäftigten Maurern, so daß diese nach dem neuen Tarife am Samstag, 23. Dezem ber, am Vorabend des Weihnachtsfestes, entlassen waren. Wenn auch bei den Maurern im Winter auf Ent⸗ lassungen gerechnet merden muß, so muß doch diese Kündigung befremden, da die Firma dringende Arbeiten in einem größeren Betriebe übernommen hat. Charak⸗ teristisch ist dabei, daß der Vertrauensmann bereits vor 14 Tagen heimgeschickt wurde. Von den anderen Ge⸗ schäften ist uns bis jetzt nur die Entlassung einzelner Arbeiter bekannt. Ob es vielleicht eine Revanche für den im Frühjahr erfolgreich durchgeführten Streik sein soll? n. Landrätlicher Boykott. In Nieders⸗ hau sen war den dort über die Feiertage auf Urlaub befindlichen Soldaten auf Weisung des Landrats durch den Bürgermeister das Besuchen der Wirtschaft, in welcher unsere Parteigenossen ihr Vereinslokal haben, verboten worden. Nicht aus dem Orte stammende Soldaten konnten dagegen in der Wirtschaft verkehren, weil es ihnen von militärischer Seite ja nicht verboten war. Der Herr Landrat und der Oberwachtmeister Krüger lassen sich den Kampf gegen die Sozialdemokratie sehr angelegen sein. Sie hätten aber alle vier Wirtschaften verbieten sollen, denn die bösen Roten sind halt überall. 2, Zentrums⸗Agitation. Das Zentrum läßt es sich eifrig angelegen sein, seine Schäflein in seinem Stalle zu behalten und entfaltet eine sehr eifrige Agitation, bei der es sich die Bekämpfung der Sozial⸗ demokratie zur Hauptaufgabe gemacht hat. Ueber eine kürzlich in Niederlahnste in stattgefundene Zen⸗ trumsversammlung wird uns berichtet: Wir wollten auch mal hören, was die Herren zu sagen haben und fanden uns in der Versammlung ein.„Die Roten sind auch da!“ Diese Kunde verbreitete sich wie ein Lauf⸗ feuer durch den Saal, das uns natürlich weiter nicht störte. Zuerst stieg ein sehr wohlbeleibtee Pfarrer aus Koblenz auf die Tribüne und ging zunächst auf die Fleischnot ein, die allerdings für ihn nicht zu existieren scheint. Er meinte, dadurch, daß die B⸗wohner Lahn⸗ steins meist ihren Fleischbedarf in Koblenz deckten, stellte sich der Preis höher, well das Fahrgeld mit zum Ein⸗ kaufspreis geschlagen werden müsse. Von einer Unter⸗ ernährung des Volkes, wle sie allgemein geschildert wird, könne nicht die Rede sein. Die Sozialdemokratie be⸗ nütze nur die Teuerung als Agitatlonsmittel. Nun also wlssen's die katholischen Arbeiter. Wenn sie sich in⸗ folge der Zentrumspolitik kein Fleisch mehr kaufen können, mögen sie sich einbilden, daß die ganze Fleischnot ja blos sozlaldemokratische Mache und in Wirklichkeit gar nicht vorhanden ist! Es war für halbwegs aufgeklärte Menschen geradezu bejammernswert anzusehen, mit welcher Raffinierth eit diese Herren das arbeitende Volk über das Elend seiner Lebenslage hinwegzutäuschen versuchen. Der Herr hielt dann noch eine mächtige Paule gegen die religions⸗ und vaterlandsfeindliche Sozialdemokratie, und forderte zum Betritt in den katholischen Volksverein auf, der schon 500 000 Mitglieder zähle. Als zweiter Redner folgte der Zentrumsadvokat Dr. Dahlem, Abgeordneter für den 3. nass. Reichstagswahlkreis. Er bestritt ebenfalls die Fleischnot— auch er spürt nicht das Geringste davon— und sprach gegen die Einfuhr ausländifchen Fleisches, das noch teuerer sei, als das einheimische. (Die Preise an der französischen, holländischen und österreichifchen Grenze beweisen das Gegenteil. D. R.) Er kam dann auf die neuen Steuern zu sprechen, die bekanntlich das minderbemittelte Volk wieder am stärk⸗ sten belasten, ließ aber unklar, wie sich das Zentrum dazu stellen wird. Man wird eben auch hier das längst gewohnte Schauspiel erleben: das Zentrum wird mit ein bischen Theaterdonner dem Volke Sand in die Augen streuen und nachher im Interesse der Besitzenden— be⸗ willigen. Er schloß ebenfalls mit einer Sozialistenver⸗ nichtungsrede und damit die Sozialdemokratie richtig tot ist, vernichtete sie schließlich ein anderer Pfarrer nochmals. Diskussion gibts selbstverständlich nicht bei den Zentrumsleuten. Trotzdem zeigte sich Herr Dahlem sehr erbittert darüber, daß einige räudige Schafe da wären, die den vorgesetzten Zentrumskohl nicht fressen wollten. Ja, wir sagen eben nicht zu allem ja und Amen. Wir lieben eine freie und öffentliche Aussprache wie sie in unsern Versammlungen üblich ist, wo jedem freie Meinungsäußerung gewährleistet ist. Dieser Ge⸗ pflogenheit haben wir die gesunden Fortschritte in unserer Partei zu verdanken. Eine andere Kampfsweise ist ver⸗ werflich und kann auch nur dort vorherrschen, wo Zen⸗ trum Trumpf ist, wo es dem Pfaffentum noch möglich ist, die Arbeiterschaft am Gängelband zu führen. Von Sozialdemokratie kann in hiesiger Gegend noch kaum die Rede sein, aber die Unhaltbarkeit der heutigen Zustände wird zeitigen, daß unsere Sache auch hier Eingang findet. Das Morgenrot wird auch endlich über dem schwarzen Rheinlande aufgehen. Unsere Pflicht wird es auch hier sein, alle Kräfte anzustrengen zur politischen und gewerkschastlichen Aufklärung der jetzt noch Gleichgiltigen und Kurzsichtigen und sie mit den Zielen der völkerbefreienden Sozialdemokratie vertraut zu machen. Aus dem Nreise Marburg⸗Rirchhain. O Amtsblatt⸗Kosaken. Von einer geradezu viehischen Bestialität zeugt ein Erguß der hiestigen konservativen„Oberh. Ztg.“. Einer Nachricht aus Rußland, wonach 4000 Auf⸗ ständische sich ergaben, fügt sie den Satz an: „Von Rechtswegen hätte man das revolutionär? Gesindel vom ersten bis zum letzten Mann über die Klinge springen lassen sollen!“ Das ist also das Ergebnis der christlichen Lehre, welch. ein konservativer Redakteur in der ersten Nummer nach dem Weihnachtsfeste der Oeffentlichkeit übergibt! Das ist eine Frucht der il dich hundertjährigen christlichen Kultur! Sollte ich in Marburg mit seinen vielen Verkündigern der christlichen Lehre auch nicht einer finden, der gegen diese Roheiten der Amtsblatt⸗Ordnungs⸗ besti Einspruch erhebt? ueber die Wertzuwachssteuer ist zwar schon sehr viel geschrieben und geredet worden, aber unser Magistrat hüllt sich im Schweigen. Sollte diese Steuer überhaupt zur Einführung gelangen, so jedenfalls noch nicht zum 1. April. Schon in letzter Nummer konnten wir von dem Verkauf größerer Grundstücke im Südviertel berichten; am Dienstag sind bedeutende Bauterrains im Nordvlertel an hiesige und auswärtige Bauunternehmer verkauft worden. Bald werden sämt⸗ liche größere Grundstücke verkauft sein und der Steuer⸗ säckel und die Stadt hat das Nachsehen. Die Grund⸗ stücksbesitzer können sich dabei ins Fäustchen lachen. Ueber die Anmeldung von Kost⸗ und Schlafgängern herrscht bei den meisten Vermietern noch Unkenntnis. Nach§ 5 der Marburger Polizelverord⸗ nung ist der Vermieter verpflichtet, die von ihnen wegziehenden Leute auf dem Meldeamt abzumelden. Im Uebertretungsfalle wird zuerst eine Strafe von 2 Mk. verhängt, die sich im Wiederholungsfalle erhöht. Man wolle also dies beachten. * Konitz Nr. 2. Einen Ritualmord hätte man beinahe in Treysa entdeckt. Dort wurde das Dienstmädchen des jüdischen Kaufmanns Strupp vermißt. Da alles Suchen resultatlos blieb, machte Strupp dem Bürgermeister die Anzeige. Die Polizei nahm wieder⸗ holt eine Haussuchung vor, bei der man sogar im Keller nachgrub. Da kam der Stadtförster auf den Gedanken, das Heu nochmals und besser zu untersuchen, und fand das Mädchen lebend, aber anscheinend bewußtlos, tief im Heu versteckt. Der herbeigerufene Arzt konstatterte sofort Irrsinn. Von der Anstalt Hephata aus wurde das Mädchen in die Irrenheilanstalt zu Marburg überführt und nach acht Tagen entlassen. Soweit der Tatbestand. Sofort nach dem Vermissen des Mädchens trat die Lüge des Blutmordes auf. Man lief zum Bürgermeister und teilte ihm mit, daß die Juden das Mädchen ermordet haben, um sein Blut für Ostern zu gebrauchen. Man drohte den Juden, mit Gewalt⸗ tätigkeit gegen sie vorzugehen, ihre Habe zu vernichten, ihnen das Schicksal der russischen Juden zu bereit en! So wäre also Treysa beinahe zum zweiten Konitz ge⸗ worden. Es liegt allerdings im Wahlkreise Liebermann von Sonnenbergs, der den Grundsatz proklamiert:„wer einen Juden totschlägt, beerbt ihn.“ Eine Familien⸗Tragödie hat im Frankfurter Stadtwalde ihren Abschluß gefunden. Dort erschoß der Eisenbahnbeamte Wendtland aus Darmstadt seine Frau, Sohn und Tochter und sich selbst. Vorher hatte er der Polizei mitgeteilt, daß er mit seiner Familie Selbstmord verüben werde. Man werde die Leichen in der Nähe der Oberschweinstiege finden. Dort fand man sie auch. Wendtland hatte Unterschlagungen begangen und war des⸗ wegen vom Amte enthoben worden. Die Be⸗ erdigung der vier Leichen, die in einfachen Armensärgen ruhten, fand am Sonntag auf dem Sach häuser Friedhofe unter großer Beteiligung statt. „Edelste“ vor dem Strafgericht. In Schnetidemühl(Posen) wurde gegen den Grafen Johann v. Bninski wegen Betrugs, den er beim Spiel verübt hat, verhandelt. Ge⸗ mäß dem Antrage des Staatsanwalts wurde das erste Urteil aufrechterhalten, welches den Angeklagten des versuchten Betrugs für schuldig erklärt. Er wurde zu 3 Monate Gefängnis, 2000 Mk. Geldstrafe und wegen Herausforde⸗ rung zum Zweikampf mit tödlichen Waffen zu einem Monat Festung verurteilt. Partei-Uachrichten. Unsere Kreuzband⸗Abonnenten ersuchen wir, den Betrag für die Bezugszeit stets zu Beginn derselben einzusenden, da sonst die Zusendung der Zeitung eingestellt werden muß. Die Abonnentenzahl des„Vorwärts“ beträgt jetzt 90 000. Der Preis der Inserate muß erhöht werden, weil sonst bei der großen Auflage die Kosten nicht mehr gedeckt werden. Vom 1. Januar ab wird der„Vorwärts“ auf besseres Papier gedruckt, was eine Erhöhung der Ausgaben um 24,000 Mark zur Folge hat. Den Angestellten mit unter 40 Mark Wochenlohn ist wegen der Lebensmittelteuerung eine Zulage von 1 Mark gewährt worden. Versammlungskalender. Samstag, 30. Dezember. Gießen. Sozialdem. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Vortrag: Wahl⸗ rechtskämpfe. Marburg. Wahlverein. Abends 9 Uhr Ver⸗ sammlung im Lokale D. Jesberg. 7 Bemüht Parteifreunde! eu le nach besten Kräften für die immer weitere Verbreitung Eueres Blattes. Seite 6. Nr. 53. Schillers geistige Entwicklung. Von Dr. R. Strecker. (Schluß.) Geistig war es die Brücke der Philosophie, über die Schiller zu seinem reifsten Schaffen hinüberschritt. 1791 bekam er Kants„Kritik der Urteilskraft“, die sich auch mit dem 9 75 des Schönen beschäftigt, in die Hand, und eine anze Reihe philosophischer Abhandlungen(Ueber 1 5 und Würde, über das Erhabene u. a.) zeigen, wie ernst er sich vemühte, in die schwer zugängliche Gedankenwelt des pie reh Königsberger Weisen einzudringen. Die reifste Frucht dieser Studien sind die„Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen“, neben Lessings„Erziehung des Menschengeschlechts“, Herders„Ideen zur Phllosophie der Geschichte der Menschheit“ und Goethes„Faust“ eines der Hauptdokumente für die Welt⸗ und Lebens⸗ auffassung unserer Klaffiker. Wie die„Künstler“ am Eingange, so stehen diese„Briefe“ am Aus⸗ gange der philosophischen Epoche Schillers, die gleiche Frage aufwerfend, wie jene, die gleiche Lösung, nur jetzt um so vieles tiefer und aus⸗ führlicher, begründet. Der Mensch als natür⸗ liches Geschöpf, der nur seiner Bequemlichkeit und seinem Vergnügen nachgeht, unterscheidet sich nicht allzu viel vom Tier. Erst die Tugend stellt ihn auf eine höhere Stufe. Sie besteht in der Beherrschung der natürlichen Neigungen und ihrer Regelung durch die Vernunft. Das war auch Kants Lehre. Von ihm aber weicht Schiller ab mit der Behauptung, daß die Tugend nicht an Wert verliere, wenn man ste aus Liebe übe, daß im Gegenteil derjenige Mensch der wertvollere sei, dem die Tugend keinen Kampf mehr kostet, dem sie zur Gewohnheit, zur zweiten Natur geworden ist, die„schöne Seele“, der alles Böse und Häßliche zugleich unangenehm ist. Zu einer solchen Freude am Guten und Abneigung gegen das Schlechte, soll und kann die Kunst uns Menschen veredeln. Damit ist die„sittliche Freiheit“ als höchstes Bildungsziel der Menschheit aufgestellt, und so tritt auch hier die„Idee der Freiheit“ wieder hervor, von der Goethe sagt, sie sei durch alle Werke Schillers gegangen, nur daß ste andere Gestalt angenommen habe, sowie Schiller in seiner Kultur weiterging und selbst ein anderer wurde. In seiner Jugend war es die physische Freiheit, die ihm zu schaffen machte, und die in seine Dichtungen überging, in seinem späteren Leben die„ide lle“. Das Urteil bezeugt Goethes volles Verständnts für die in so mancher Hinsicht ganz anders geartete Natur Schillers. Das Verhältnis der beiden Dichterfürsten ist das interessanteste der Literaturgeschichte, ihr Briefwechsel gestattet den tiefsten Einblick in beider Seelen. Der Beginn ihrer Freundschaft fällt gleichfalls mit dem eben besprochenen Ab⸗ schnitt in Schillers Leben zusammen, einerseits durch dessen innere Wandlung erst ermöglicht andererseits diese Wandlungen von sich aus befördernd und beschleunigend. Keiner aber suchte dabei den andern von der ihm elgen⸗ tümlichen Bahn abzulenken. Nach wie vor fußt Goethe mehr auf den Naturwissenschaften, Schiller auf der Philosophie, zeichnen sich Goethes Schöpfungen aus durch Bilderfülle und Schöpfung, die Schillers durch Ideenreich⸗ tum und Klarheit. Dieser Gegensatz zeigt sich am deutlichsten in den Gedichten, bie bei Schiller nichts anderes sind, als die künstlerisch überaus feine Auskleidung tiefer philosophischer Gedanken, weitschauender Ueberblicke über Weltgeschichte und Menschenleben. Aber auch den Hintergrund seiner dramatischen Gestalten scheint überall die Lehre Kants aufzugeben, daß nur der Gehor⸗ sam gegen die Forderungen der Vernunft den Menschen in Wahrheit frei mache, und daß in dieser von der Vernunft begrenzten aber auch geforderten Freiheit die eigentliche Bestimmung des Menschen und der Meuschheit liege. Wie Schillers ganzes Leben ein stetes Ringen um diese Freiheit gewesen ist, in der Jugend gegen äußeren Zwang und innere Leidenschaft, im Mannesalter gegen Sorge und Krankheit bei sich, gegen Engherzigkeit und Geistlostgkeit bei seinen Mitmenschen, so atmen auch seine Meister⸗ Mitteldenische Sonntags⸗Zeuung. werke noch Kaspfesstimmung, gegen auf⸗ gedrungene Frempherrschaft in der„Jungfrau“ und im„Tell“, gegen unfähig gewordene legitime Macht im„Wallenstein“, gegen eigne Schuld und Schwäche in der„Braut von Messina“ und der„Maria Stuart“. Bis zum Tode, der sein dichterisches Schaffen in vollster Blüte knickte, hat Schiller so, wie er seinen Marquis Posa den Don Carlos er⸗ mahnen läßt, für die Träume seiner Jugend Achtung getragen? nur daß diese Träume sich immer verklärter emporhoben aus dem Dunst⸗ kreise persönlicher Wünsche und schließlich die höchsten Ziele der ganzen Menschheit in sonniger Klarheit hervortreten ließen. Mit den Zielen zugleich wurden freilich auch die Wege deutlicher, die zu ihnen führen, und was das jugendliche Ungestüm des„Räubers“ Dichters vom nächsten Tage schon erhofft hatte, das erkannte der gereifte Mann als schwer zu lösende Aufgabe der Jahrhunderte. Das Leben hatte ihn ja auch hart genug in die Schule genommen bis zuletzt, hatte ihn mit nichts verschont, was einem Menschen den Idealismus sauer machen kann. Um so einsichtsloser und ungerechtfertigter würde es sein, wenn wir diesen Idealismus gleich einer unbrauchbaren Schwärmerei mit ein paar schönen Redensarten abspeisen zu können meinten, um so ernster und eindringlicher klingt die Mahnung an uns alle(wirklich alle!), nicht ganz in den engen Alltagsinteressen unseres flüchtigen Daseins geistig zu ersticken, nicht jeden„Ernst des Schwärmers“ über den viel gepriesenen, und so sehr, sehr bequemen„Blick des Weltmannes“ zu verlieren. 2 Mulerhaltungs-Cril. — Winter. Das ist der bleiche Winter: Eiszapfen in der Hand Am Wolkenwebstuhl spinnt er Elend und Liebestand. Sein Atem überschauert Mit Frostkristall das Land, In Feuersnöten kauert Armut am Herdesrand. „Wie fein es diesmal dauert!“ Eisluft ist loh entbrannt. Fräulein im Pelze lauert Auf ihren Leutenant. Das ist der bleiche Winter: Eiszapfen in der Hand, Am Wolkenwebstuhl spinnt er Elend und Liebestand. Karl Henkell. Gesellenfahrten. Eine Weihnachtsgeschichte von Philipp Schei demanu 2 Nachdr. verb. (Fortsetzung.) An der Sa— ale kühlem Stra— an—de Stehn die Burgen stolz unn kühn. Ja, ihre Ma—au ern, sie sind zer— fa— al len, Kühler Wi—ind streicht durch ihre Ha— allen— Wolken zie—a—hi—en drüber hin. Hei, wie klang das lustig und doch wieder so unendlich traurig, so müde. Es war am Abend meines ersten Walztages. In der Her⸗ berge saßen die Kunden und ich mitten unter ihnen. Als Grünling, als„Link michel“. Und ich war der Reichste unter ihnen. Der Reichste, trotzdem sie nur von dem Dreimarkstück im Portemonnaie wußten. Die beiden Zehnmark⸗ stücke hattenzmir Mutting an verschiedenen Stellen in die Weste genäht. Ein Lied folgte dem anderen. Zwischen⸗ durch wurden Kundengeschichten erzählt. Darin 10 7 die Putzeret und Klempners Karl immer te Hauptrolle. Und keiner war unter den Kunden, der nicht diesem oder jenem Gendar⸗ men schon einen Streich gespielt haben wollte. Wochenlang dasselbe. Tag für Tag. Schon regte es mich gar nicht mehr auf, wenn Abends der Herbergsvater, mitunter auch die Herbergs⸗ mutter, den Zwicker auf die Nase setzte, und in den Hemdkrägen der Handwerksburschen sorg⸗ fältig nach denlschen Reichsbienen forschte. Und so ging es durch die deutschen Lande, durch Hessen, Hannover, durch den Harz über Mag⸗ deburg nach Berlin, durch Brandenburg, Pommern, Mecklenburg, über Lübeck und Ham⸗ burg, durch Schleswig ⸗Holstein über die dänische Grenze und wieder zurück durch die meerum⸗ schlungenen Lande—. Hunger brauchte ich nicht zu leiden. Aus der Verbandskasse gab es pro Tag eine Mark Reisegeld; außerdem fiel in allen Druckstädten zur damaliger 5 noch Viatikum(Reisege⸗ schenk) ab, f daß auf ein tägliches Zehrgeld von fünfzehn Groschen sicher gerechnet werden konnte. Zum Fechten war ich also nicht ge⸗ zwungen und deshalb habe ich es auch nicht erlernt; es blieb bei einem Versuch. 5 Es war in den ersten Märztagen des Jahres 1884. Die Sonne meinte es schon recht gut. Mutting hatte nach Kiel postlagernd neue Kleidung geschickt. Ein sauberer Papierkragen machte mich geradezu salonfähig. N Wenige Tage später lagen wir auf einem kleinen Hügel in der Nähe von Brunsbüttel, da wo jetzt der Nordostseekanal Cuxhaven gegen ⸗ über in die Elbe mündet. Unsere Stimmung war famos. Kein Wunder übrigens. Mein Reisegefährte, ein lustiger Katzoff(Metzger) hatte die Taschen voll Wurst und ich, stolz wie ein Spanier in der neuen Kluft, hatte noch diverse Mark von der Kieler Zahlung her. Dazu heller Sonnenschein. Waren das nicht Gründe genug, zwei junge gesunde Burschen denen die Lebenslust aus den Augen blitzte, übermütig zu machen? 4 8 Het, wie schmetterten wir unsere schönsten Lieder in die würzige Frühlingslust! Dann wurde ein Pfeifchen angebrannt. Und nun setzte mir mein Reisekollege haarscharf ausetn⸗ ander, daß wir ein wahres Gotterleben führen könnten, wenn ich die Linkmichelet überwinden und das Fechten erlernen könne. Er hole mit Leichtigkeit die Wurst bei seinen Meistern, ich sollte das Brot beschaffen und Mittags auch mein Essen fechten, damit wir das ganze Baar⸗ geld zum Verjubeln hätten. Die Abstinenzler mögen mir verzeihen: damals hatte der Vor⸗ schlag etwas sehr Verlockendes für mich. Raffiniert war der Katzoff zu Werke ge⸗ gangen. Er hatte durchblicken lassen, daß er mich für einen Angstmeier halten müsse, wenn ich nicht fechten ginge. Und das ertrug ich nicht.„Noch heute wird gefochten!“ Je näher wir dem sauberen Städtchen Elbeck kamen, um so heftiger pochte mir das Herz und ich bemerkte wohl, wie mich der Katz⸗ off immer von der Seite beobachtete. Ich biß die Zähne aufeinander und redete mir im Stillen Mut zu: jawohl du gehst fechten, ein schlechter Kunde, der nicht gefochten hat; du gehst fechten, du mußt fechten; das ist gar keine Hexerei; du gehst unter allen Umständen fechten.—— Und nun staud ich vor der Türe eines kleinen Schreibwarenladens. Ich zitterte an allen Gliedern. Ach du lieber Gott— und nun hatte ich wirklich die Türklinke in der Hand— und nun ging die Tür auf— und es klingelte— und mir kam es vor, als ob mein ganzes Knochengerüst mit geklingelt hätte. Ach wäre ich wieder draußen, dieses schreckliche Schamgefühl——! (Fortsetzung folgt.) Aus unseren Tagen. Von Gerard Keller. 7(Fortsetzung.) „Ich sehe nicht ein, Vater, weshalb Ihr Euer Silber verkaufen wollt, so lang du Geld in der Tasche trägst,“ und während Malvine den linken Arm um ihres Vaters Hals schlang, steckte sie die rechte Hand in seine Brusttasche und legte vier Bankscheine von je zehn Gulden auf den Tisch. —— — 2 e e ———————..... — 17191171* Sr n N 5— Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 7. Schon eder Werner noch seine Frau sprachen ein Das ist nichts Böses,“ Wer ü endg Wort. Der erste tastete nach seinem Taschen⸗ eine tiefe e alen 3. 1806 in welen ehren Gliede. ft. u ergz. tuch; welches er bei feierlichen Gelegenheiten setzten hatte und niemals etwas zu deren Nach.] Das Blatt enthält einen Aufruf beg F ü un und nie finden konnte und Frau Werner ergriff] teil hören wollte.„Herr Morsen ist überdies Karl v. Isenburg in folgendem Wort⸗ 15 Wau 10 15 a 215 1 ein 5. und tüchtiger Beamter.“] laut:„Nachdem Seine Majestät der Kaiser N 17 7 6 er dem 6 ü durch dich, mein Liebling!“ sagte ste weinend. 5 Ich sage nur, a en abe de. g i Inf rie d 155 ler Pine Nag In der Zwischenzeit hatte der Vater sein nach seiner Anstcht und als Herr Taubermann] aus lauter Individuen, so in preußtschen Bien⸗ bung, Taschentuch gefunden und nachde n er ein Paar ihn erinnerte, daß sie zusammen in die Schule sten gestanden, gnädigst zu übertragen geruhet Han Tränen fortgewischt hatte, folgte er dem Bei- gegangen seien, fand er diese Erinnerung durch⸗ haben; so wird hiermit allen denjenigen Herrn nice spiel seiner Fran. aus nicht erfreulich. Was meiust dba, Franz?“ Offtziers der preußsschen Armee, so mit Kapl⸗ kun:„Und du!“ fragte er dann. wendete sich Malbine zu ihrem Bruder, der tulation in französische Kriegsgefangenschaft ge⸗ a 0 pic als; 0 5 91 5 ung ür 115 5 Men ö 19 5„soll ich einmal zu raten sind, und welche den Wunsch hegen aus 15 0 1 5 errn Morsen gehen?“ dieser unangenehmen Lage herauszutreten, in⸗ Nat übrig!„Ach, ja, wenn Pater es nicht tut, muß doch] dem ste ihre bishersgen Deu gulttteren, um lͤdten„Ich wußte ja, daß ste ausgezeichnet ver⸗ irgend Jemand einmal mit ihm reden.“ ihre Tätigkeit und militärischen Talente dem fegt sorgt war,“ flüsterte Werner, während er die Warum gerade Morsen in dieser Angelegen⸗ Dienste unseres unüberwindlichen Kalsers zu eld silberne Bestecke wieder hinlegte, nachdem er ste] heit in Anspruch genommen werden mußte, war] widmen, eine Austellung in ihrem vorher be⸗ erden mit dem Tuch seines Rockes abgewischt hatte. nicht recht deutlich. Er stand in dieser Hinsicht kleideten Rang in diesem Regiment angeboten. t ge Es versteht sich von selbst, daß auch nach] mit seinem Amtsgenossen ziemlich gleich, aber Diese ehrenvolle Anstellung sichert demjenigen nit der Annahme des Geschenkes noch manche Er⸗ Werner hatte es stets als ein unfehlbares Mittel] so dieselbe zu erlangen wünscht, den Schutz wägung und noch manches Dankeswort ge⸗ hingestellt, wenn es sich um die Versorgung und die väterliche Fürsorge des angebeteten ahtez äußert wurde, aber Malvine ging darüber weg seiner Kinder handelte, eine Audienz beim Helden, der Seine Krieger wie Seine Kin⸗ fut. und brachte das Gespräch auf etwas anderes. Minister zu verlangen, oder Morsens Protektion] der liebt, im vollsten Maße zu, und diesen nine Sie sprachen so fröhlich und aufheiternd, daß in Anspruch zu nehmen. Wie es nun mit der werden in allem den Offiziers der französischen tagen jeder Fremde geglaubt haben würde, sie mache Audienz gegangen war, ging es nun auch mit Armee gleichgehalten werden, und ebenfalls alle sich sehr wenig Sorge um das, was in ihrem der Berufung auf die Protektion: als der Augen⸗ die Vortelle des französischen Soldaten ge⸗ 9 Hause vorging, aber ihre Eltern empfanden blick gekommen war, fehlte es dem guten Werner nleßen. Welcher Soldat ist glück hütte jedes mal, wenn sie fortging, daß Mittrauern an Mut. Die Ueberzeugung, daß Morsen könne, licher, als dieser? Sold, Kleidung und gegen. nicht immer Trost gewährt und daß Aufßeite⸗ blieb nichts desto weniger bei der Familie ein⸗ Verpflegung im reichlichsten Maße übertreffen an rung und Ableitung dem Gemüte mehr Ruhe gewurzelt, denn das Haupt des Hauses sprach die jeder anderen Armee; der französische Sol⸗ n gibt und es zur klarer Erfassung der Sachlage von seinem unmittelbaren Chef stets in einer dat lebt besser, als der Unterofftzier anderswo, — kräftigt. Weise, daß man ihn nach dem Minister für den und genießt eines Ueberflusses, der ihm die —„Für Franz ist also noch nichts gefunden?“ einflußreichsten Mann halten mußte. Es gab Last des Dienstes zum leichtesten Geschäfte 100 frug Malvine nach einem Augenblick der Stille. nichts, wozu in Werners Augen sein Bureau⸗ macht. Eilt her zu, tapfere Krieger! g„Ich kann doch nicht über alles zu gleicher genosse nicht im Stande gewesen wäre. Er Tretet unter die Fahnen Napoleon des * Zeit sprechen,“ entgegnete ihr Vater, aber die] war sein Ideal, die Personifikation eines voll⸗ Großen und gehet mit ihm dem Siege und 1 55 Mutter zuckte die Achseln und schüttelte mit dem kommenen Beamten, dessen Ebenbild man ver⸗ unsterblichen Ruhme entgegen!“— Daß die bitte Kopfe, als wollte sie sagen: geblich gesucht hätte. Daher entstand auch seine edelsten und Besten es mit dem mächtigen 0 Ach, dazu bist du auch nicht der rechte Verwunderung bei der Nachricht, daß Morsen Franzosenkaiser hielten, well ste sich davon mehr 90 ann! einen Besuch bei Taubermann gemacht hatte. Vorteile versprachen, ist ja bekannt. Sie pfiffen 0 i.„Ich werde einmal zu diesem Herrn Morsen Auch schien es ihm durchaus unpassend, daß auf das Vaterland und verrieten es um ihres 0 gehen,“ meinte nun Malvine. Malvine in ihrer Stellung als Erzieherin seinen persönlichen Vorteiles willen. Ihre Nachkommen 10„Du— 2 Aber Malbvine! und was willst vornehmen Vorgesetzten aufsuchen wolle, aber reden zwar viel von Vaterlandsliebe, opfern e du ihm denn sagen? Du kennst ihn ja gar nachdem Malvine und Franz ihn gedrängt und wollen sie fürs Vaterland auch nichts. 1— N nicht.“ den Fig a Pin 5 ide a 1„Allerdings kenne ich ihn. Erstens habe! en nach und noch an demserben umoristisches. 5 10 0 ihn auf e 9 55 gesch und 55 5 Nachmittag begav Malvine sich nach Morsens Aus 0 9 O, du Rind⸗ * i einen Besuch bei Taubermanns ge⸗ Wohnung. e 5 vieh! Wie kannst dann den Reichzadler rot anstreichen 4 5 Yntsetzung folgt.— bel 1 5„Herr Morsen einen Besuch bei einem 2 Arbeiter: Na— 1 hab halt an den Viktor Vor. Krämer. Unmöglich, dann war es ein anderer; Adler denkt, der wo in Wien lens! her. Herr Morsen!“ Allerlei. f Die Firma D. Kaminka, Marktplatz 11, am u g„Nein, Vater, dasselbe zierliche Männchen Deutsche Fürsten für den„Erbfeind“. Kriegerdenkmal, hält sich als anerkannt reelles und 1 855 bn 8 der senn 17 A5 Sammler, so berschtet die uhren A d e Ae glichstes tut, um zwanzig Jahre jünger zu[der e Zeitung, erwarb kürzlich ein Blatt k mpfoh ern 10 scheinen als er ist.“ dessen Inhalt ein Beweis dafür ist, welchen eller a eee 3 ülthen— f 2 1 1 11 f 0 Flechten 95 Igs8 Mal Emd 0 e fir it 2. 15 1 a en*. Offene Füsse al; du dass manche Leute glaubten, Beinschäden, Beingeschwüre, Ader- ar ele man kaufte von Nichtfach- I. e ständen leuten billig. Das rächte sich wer bisher vergeblich hoffte 1 5 aber, sobald es Reparaturen Fe g e der beten Pen en 2 ele 4 ab.— Iaæh liefere unter AINO- SALBE 3 f * 8 eee lnger Co. Nähmaschinen Act. des 90 Garantie, dauerhafte und elegante Dankschreiben gehen täglich eln. 1 her Mähmaschinen 2 8 2 es 5 GIESSEN 1 Lindenplatz 1. moetett. enet. Terp., ampterp 9 8 und Terubslsem je 6, Eigelb 30, Chrxsare bin 8, aller Systeme von Mk. 40.— An. Zu haben in den Apotheken. als 00 70 i„ Nellie SLS A l lätte ohn. Fr. Scham 5 Hiessen, Packung Weiss- grün- rot und dle 5 5 e scliche Wetasteinstrasse 44. Firma Rich Schubert 4 O0. ein. Irische, Dauerbrand⸗ Amerikaner, Regulierheiz⸗ Koch⸗, Wopewell⸗ cdl böbla, u. welse Fü lschungen zurück und Darmstädter Oefen in diversen Fabrikaten. ä S S esenschirme. Ofenvorsetzer. Verdampfschalen. Feuergeräteständer. 9 Kohlenfüller. Kohlenkasten. a Stocheisen. Ascheeimer. P SchwarJ Söhne Täglich frischen Mülleimer. Wasch⸗, Wring⸗ und? Wie Dezimal⸗, Tafel⸗ 0 0 und Wirtschaftswagen. Fleischhack⸗, Reib⸗ und messe huren Besen Vogelkäfige und Züchter⸗Itensilien. Fischereigeräte. 1 Besen Obstkuchen un an Kade, Kokosstricke. Flechtrohr. Rafftabast. Werkzeuge. Solinger Stahlwaren. Beschläge. isenwaren. Kurzwaren. (b.: eiuneb molet) 5 e Lager in: f f sfeeg eb ü ck Waffen und Munition empfiehlt 90 Henen., Knaben und Arbeitskleidern Edgar Borrm ann: Giessen alb f 10 17 Stofte im Nusschnit.» Mnterigung nach Mass. e 1 1150 Feste preise! streng reelle Bedienung! L. Mülller r Eisenhandlung Neustadt 11 1100 marktstrasse und Ecke Wettergasse. Giessen, Bahnhofstrasse 61. 2 DD 05 Seite 8. Motteldeutsche Sonntags ⸗Zeituna. Fele TUunerschal! Samstag, den 6. Januar, im Cafs Leib Winter⸗Fest bestehend in Konzert, Theater, turnerischen Aufführungen, Tanz. Eintrittskarten à 1.— Mk. Im Vorverkauf bei den Herren Löb Wiener Hof) und Orbig(Rittergasse), sowie in beiden Ver⸗ kaufsstellen des Konsumvereins, à 75 Pfg. Es ladet ganz ergebenst ein Bier im Glas. Der Vorstand. 2 SS-——————.ꝛ ðͤ——‚ 1 Meinen werten Gästen, Freunden und Be⸗ kannten 1 henzlichste Glückwünsche zum Jahreswechsel! Au gust Al bold„Zum Gambrinus“ N r——— ͤ————— Anseren werten Freunden und Gästen die besten Wünsche zum Jahreswechsel! Gießen „Zur neuen Welt.“ Philipp Hofmann und Frau seventuellem Austritt wieder zu⸗ Consum-Naen Giessen und Umgegend. Unseren Mitgliedern zum bevor⸗ stehenden Jahreswechsel ein herzliches Prosit Neujahr! Im Jahre 1906 wird durch Die besten Wünsche zum Jahreswechsel! Gegen Ed. Krumm — die im Frühjahn in Kraft tretende Erhöhung des Zolltarifs eine weseutliche Erhöhung der not⸗ wendigsten Sebensmittel ein⸗ treten. Wenn der e auch kein Allheilmittel sein kann, so vermag er doch in etwas den Schaden zu verringen, der durch entsteht. Es ist deshalb Pflicht eines jeden Familienvaters, es ist Pflicht einer jeden Hausfrau, die sich um das Wohl ihrer Angehörigen sorgt, daß sie sich dem Konsum⸗ Verein Gießen und Umgegend als Mitglied anschließt. Die stetige Entwickelung des Vereins(Zugang vom 1. Juli 1904 bis 30. Juni 1905 99, vom 1. Juli 1905 bis 24. Dezember 1905 89 Mitglieder) beweist, daß das Genossenschaftsprinzip immer mehr Anerkennung findet. Die Eiutriits bedingungen sind: 50 Pfg. Einschreibegeld; ein Geschäftsanteil von 30 Mk. kann laut Statut innerhalb dreier Jahre gezahlt werden; er wird nach Vollzahlung verzinst und bei rückgezahlt. Beitritts erktärungen können jederzeit in unseren Verkaufsstellen — Asterweg 6 und Bahnhof⸗ ————ů— 0 2 i Gewi Genoss Die besten Wünschen ane zum Jahreswechsel! Giessen — ä 8 e Freunden a we ein Fröhlich Neujahr! Jakob Jhl, Friedberg „Sur Stadt New Vork“. N Allen werten Freunden und Gönnern 2 „zum Jahreswechsel die besten Wünsche! Familie Louis Löb. FEVFVFCCCGGGGGEGECEC Unseren werten Gästen, Freunden und Bekannten ein fröhliches Prosit Peuzahir! Familie A. Bildemann, Marburg. Familie Karl Orbig. ce leundungen e zu wiederhole straße 31— unterschrieben werden. In der Hoffnung, daß alle Mit⸗ 4 sich bestreben, den Vorstand hilfreich zur Seite stehen, gehen wir freudigen Herzens im neuen Jahre an die Arbeit: Möge das Jahr 1906 für den Verein ein segenbringendes werden. Der Vorstand. Aufforderung! EEE. Mir wird mitgeteilt, daß in Krofdorf und Gleiberg verschiedene üble und unwahre Gerüchte über meine Person in Umlauf gesetzt worden sind. Mir soll da Uunterschlagung nachgesagt worden sein. Ich fordere die Betreffenden hier⸗ mit dringend anf, ihre Ver⸗ daß ich gerichtlich gegen ste vorgehen kann. Wilh. Winter, Maurer, Gleiberg. Wasserkrüge Packkör be kaufen Benner& Krumm. Sozialdemokratisches Liederbuch von Max Kegel. Preis 40 Pfg. Zu beziehen in der Expeditio ger„Mitteld. Sonntags⸗Ztg.“ 2 saubere Arbeiter erhalten Logis. diese Zollpolitik für die Arbeiter j je Ben Allen werten Freunden und Bekannten ein kräftiges Prosit Neujahr! Martin Krug Sternwirt. Meinen werten Gästen Die herzlichsten Glückwünsche zum Jahreswechsel! Heuchelheim August Rinn i Bollar. Allen Freunden und fHbonnenten der„Ilittel- deusschen Sonnfags-Zeitung“ und des„Vabren Jakob“ Perzlichen Glückwunsch zum Jahreswechsel! Wilbelm Deusing. FFF 75 Unseren werten Freunden und Gästen 5 S Marburg, 8 8 -die besten Glückwünsche 5 zum Neuen Jahre! Wieleck. Familie B. Wacker. len meinen werten Güsten, Freunden und Genossen zum Jahreswechsel ein fröhilichies H- o Neun Daniel Jesberg MWehrdaereg 1, Hraii. Bringe meinen Gästen Die besten Wünsche zum Jahreswechsel! Eduard Rurmse nebst Frau Wetzlar Zur Glocke; Oberthor Sum Jahreswechsel rufe ich allen meinen Freunden und Gästen ein fröhliches Prosit Neujahr Fritz Billberger Marburg .. Verlag der Mitteld. Sonntags M. Melcher, Wetzsteingasse 10. Zeitung(E. Krumm) Gießen. Verantwortl. Redakteur F. A. Vetters Gießen. Hirschberg 12. und Frau. Druck von Heppeler& Meyer Gießen. — 8—-— . .— — ä 2 e —— — —— 1 — rene 8 — — ——— . ä —ůů — e n 3 s . 8 —ů— c 5 92467 2 55 7 75 n — ä 8 ä 5 — —ů — n — 8 — —— 3 8 ——— D — ä 8 —— — — ö * 8— —— 8 — — ä — 8 e 8 . 446. 7677 8 8 —— —— 8 ä = 8 N 8 8 —— — —— 8 8 e. 8 4. 777400 4 447 427705756 . ee. „„ 5 Veh; S FF V r 8 eee 146 76% ee, e,, r 00 % ũ. eee eee r %%%%%VVVGVGV 45„ „FF 885 5 „% VV * 5 8 f 8 84e 88 1485 9 5 8 7 9 05 5 5 5 S e 5 8 8 eee n 205 8 2 —— e 98 88 558 eee 5 78 5 585 e 8 5 8 e Feen eee 888889885 5 5 Na 80 8 9085 80 8 — 8 88 2 e 8 5 N 85 Nee eee 8588 cee ctectee 7 85 — 8 . . * 8 8 N 5 9290885 ee . 8 8883855 eee, . 8 8 5 88. e e Aedede ede 5855 0 10 05 8 85 95 852 8 888 0. 288 8 8 80 85885 8 888 84 ee. 85 888 . 8 9 8585 Ne 8. 92 Sees 8. 8085 5 835 NN 88 80 88 8 80 8 8 8 5 85 8 80e 88885 ce eee 88 85 00 585 80 8882 88 N88 559 88 9988 Ness 888 50 985 80 0 8 ess 8 5 85 88 855 85 8 88 85 898868 50 85 8600 885 5 855 Ke 83 880 988080 885 8989985 Nd 88 n 8 85 2858 0 d d 80 8 8 85 . 8 2 2 5 , ,. 75 5 . 3 8 2 — ——— 8 N 2 8 2 8 rde* ä 8 98 0 r d 8 8 „555 ,. 8 7 3. 5 8 8 2 r 28 „„ Ned Na 4 8 8888 8 85 8. 8 9858 995 5 8 ester 888 8 s de ec 8 c 8 48 85 888 8 555 85 8 N 9. 8 dd d 585 N d ee eee S Fd Steer 88888 8 Ren! . dee n 8 l Cees, 9281 8 505 885 888 N 8 N N elende ese ne Neteerde ccd e Lecce F seed ec N88 ede 88 Nees N l 8 N 8 8888 eee 9 8 8 888 SN N 5 . S n n d Nel 8 Seed dd re Nd Ne Isel 22 8 5 ... .. 8 2 — , „ 4 1 COlOrchecker 131 7 Durite O em 1 Nr. 1. Gießen, den 1. Januar 1905. 12. Jahrgang. die vorhandenen Kräfte und Mittel zum Woble Aedattion; 2 Wieder ist ein Jahr vorüber und unter Nummer„1905“ folgt ihm ein neuer Zeit⸗ abschnitt. Zu seinem Beginne ist es uns eine angenehme Pflicht, allen unsern Lesern, Partei⸗ genossen und Genossinnen herzlichste Grüße und Glückwünsche zu entbieten! Aber wir dürfen es mit den bloßen Wünschen nicht genug sein lassen, sondern wir müssen arbeiten, unablässig für die Befreiung des arbeitenden Volkes vom Drucke des Kapitals wirken, wenn die Wünsche in Erfüllung gehen, Besserung der Lage des gesamten Volkes und damit auch derjenigen des Einzelnen erreicht werden soll. Geloben wir alle, auch im neuen Jahre dafür unsere Kräfte einzusetzen! Streben wir unentwegt unserem hohen Ziele zu: Frei⸗ heit, Gerechtigkeit und Wohlfahrt allen Menschen! Wie Großes und Gewaltiges die Menschen durch vereinte Kräfte erreichen können, zeigt sich heute auf ellen Gebieten. Und würden 2 3 4 5 6 7 8 9 6 8 5 suyren! Unsere diesem Ziele zustrebende Bewegung hatte auch im vergangenen Jahre manche Er⸗ folge zu verzeichnen. Ueberall, in allen Ländern. Das zeigte besonders der internationale Arbeiter- sie deshalb vollink m urbe der vas Wort, ür unsere erhabene Lehre; Sie trägt in die Hütten der Wahrheit Licht Und sammelt der Schaffenden Heere. Sie streitet und wirbt ohne Unterlaß Und trotzet der Gegner fanatischem Haß. Drum kämpfe auch du, mein schaffend Volk, Für deine Presse, die freie, Die stets für dich und dein heiligstes Recht Gestritten in vorderster Reihe. Wie die Landarbeiter in Oberhessen leben. Vor Kurzem kam im Reichstage— bei Gelegenheit der Debatte über eine Resolution zum Fleischbeschaugesetz— auch die Lebens⸗ haltung der oberhessischen Landarbeiter zur Sprache. Unser Genosse Scheidemann hatte hierüber einige Ausfübrungen gemacht und sich dabei auf das vor einiger Zeit erschienene Buch von Dr. Eugen Katz:„Landarbeiter und it. in. Oberbessen“ bezogen. Ihm. 12 3 14 15 16 um r zeven der vano⸗ proleten näher den bedehuben Seine Ausfüh⸗ rungen werden ute 05 5 amp besonders die oberhessischen gewiten die Russen M auen würde genügen, um die jämmerliche Beköstigung der Landarbeiter zu kennzeichnen. Auf den Bauerngütern ist es noch schlimmer, als auf den Pachthöfen. Fleisch gibt es hier eigentlich nur an den hohen Festtagen. Dazu kommt noch, daß das Essen so liederlich und schmutzig in diesen Verhältnissen aufgewachsen, einfach ungenießbar wird. Die Frauen der Großbauern haben die Kochkunst nirgends erlernt und setzen deshalb meist nur mißratene Gerichte auf den Tisch. Das ist geradezu sprichwörtlich, so daß man z. B. die Bauern des zu Herrn Wallau's Kreis gehörigen Dorfes Wallenrod in der ganzen Umgegend die„Ofenlappen“ nennt. Dieser Spottname stammt von einer Kartoffel⸗ speise, die aus Salz und gertebenen ungekochten Kartoffeln hergestellt und in Form handgroßer Lappen wider den heißen Ofen geklebt wird, bis sie herunterfällt. Dieses halbrohe Gericht wird den Landarbeitern als Delikatesse aufge⸗ eee eee zubereitet wird, daß es für Jeden, der nicht „Worth besuchen. Bort gior es bas ganze Jahr hindurch nichts als Kartoffeln. Da einzige Fleisch kommt zur Osterzeit auf de und wir geben] Tisch, wenn die Ziege Lämmer geworfen k- Nur bei besonders feierlicher Veranlassungis⸗ niger u M