. iuse — — — *— 1 T . Nr. 31. Gießen, den 30. Juli 1905. 12. Jahrgang. Auhenplahß 11, Satte Mitteld eutsch 2 9 Nacht. Uhr. N Sonnt -I itung. Abonnementspre is: Bestellungen 8 Juserate Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt. Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Postanstalt und die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 5107) Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestelluug 33½% und bei mindestens 2 mal. Aufgabe 50% Rabatt Bei mindestens Wohltätigkeit. Von Gisela Michels(Marburg). Tag aus, Tag ein ertönt im Lager unserer bürgerlichen Gegner dieselbe Klage:„Die Sozialdemokratie ist die Partei der Hetzer und Wühler, sie macht die bisher so zufriedenen Arbeiter unzufrieden und aufrührerisch! Sie gibt dem Volke nichts weiter, als hohle un⸗ erfüllbare Versprechungen, sie zieht die armen Leute mit gletisnerischen Verheißungen an sich, während wir, die staatserhaltenden, ordnungs- liebenden Bourgeois allein die Armut in Wahr⸗ heit zu lindern suchen!“ Und dann wird des weiteren aufgezählt, wie unendlich viel die guten reichen Leute doch für die Armen tun, welche Summen Staat, Gemeinde, Kirche und private Vereinigungen für Unterstützungszwecke aus⸗ gegeben, und wie unendlich groß überhaupt die bürgerliche Wohltätigkeit sei! Gegenüber all diesen Liebestaten müsse sich die Sozialdemokratie mit ihren paar hohlen Phrasen und leeren Ver⸗ sprechungen doch wahrhaftig verkriechen. Gar manche Arbeiterfrau gibt diesen Reden in ihrem Herzen recht, freut sich über die schönen warmen Röckchen und die hübschen Spielsachen, die ihre Kleinen zu Weihnachten von den guten Schwestern in der Kleinkinderschule oder bei ähnlicher Gelegenheit geschenkt bekommen und zankt mit ihrem Manne, wenn er womöglich ein paar der zum Lebensunterhalt so nötigen Groschen zur sozialdemokratischen Parteikasse trägt oder in einer Versammlung darauf gehen läßt, die ihm auch keinerlei handgreiflichen Vorteil für sich oder seine Familie einbringe! Sie versteht es eben nicht, daß all die warmen Röckchen und all die großen Suppentöpfe der Barmherzigkeit, und mögen sie auch aus noch so hilfsbereiten Herzen gespendet werden, doch nie und nimmer ausreichen können, um all die Blöße zu bedecken und all den Hunger zu stillen, die auf Erden Tag für Tag infolge unserer verkehrten Gesellschaftsordnung immer neu ent⸗ stehen, daß alle diese Wohltaten nur wie einzelne Wassertropfen auf ein von der Sonnenglut aus gedörrtes Ackerland wirken, während ste selbst, die arme Frau, ebenso dumm ist wie jener Narr in der Fabel, der stolz und glücklich sich rühmte, ein köstliches Mittagsmahl verspeist zu haben, als er seine trockene Semmel vor dem Küchenfenster eines reichen Prassers ver⸗ zehrt, und dabei die Düfte all der in jener Küche zubereiteten Braten und Leckereien ein- geatmet hatte. Denn sie steht womöglich stun den⸗ lang Spalier, um die Toiletten der vornehmen Damen zu bewundern, wenn sie vor dem Theater oder dem Konzertsaal aus dem Wagen steigen, und sie ist stolz und glücklich, wenn die Frau Geheimrat oder die Frau Kommerzienrat, bei der ste vielleicht alle Tage die Teller spült und die Stiefel putzt, ihr hier und da einmal ein altes Kleid oder einen altmodisch gewordenen Hut schenkt, oder die Köchin ihr ein paar gute Brocken für die Kinder zusteckt. Aber wenn ste sich mit offenen Augen in der Welt umsehen würde, dann würde sie gar bald erkennen, daß trotz aller Wohltätigkeit die Armut nicht aus der Welt verschwindet, sondern daß sie im Gegenteil tagtäglich wieder neu ersteht. Gegen Armut und Hunger hilft eben nur eine vollständige Umwälzung unserer heutigen Verhältnisse, während ihr einen ebenso schön geschmückten Christbaum die bürgerliche Wohltätigkeit ja gerade darauf ausgeht, unseren augenblicklichen Gesell⸗ schaftszustand zu erhalten und zu be⸗ festigen. Denn ihr Streben geht nicht dahin, die Unterschiede zwischen Arm und Reich völlig aufzuheben, sondern nur dahin, sie weniger kenntlich zu machen, indem ste mittelst einiger, kleinen milden Gaben, die die Taschen der Reichen doch nicht wesentlich leichter machen, den Proletarier mit dem Los, das ihm gefallen ist, zu versöhnen sucht. Sie gleicht dabei einem Arzte, der dem Kranken, dem er nicht anders zu helfen weiß, Betäubungsmittel gibt, die zwar seine Schmerzen lindern, aber nicht das Uebel heilen. Gewiß gibt es viele bürgerliche Idealisten, die von dem reinsten und edelsten Streben be⸗ seelt sind, und sicher schaffen die Nolkskaffee⸗ küchen, Volkslesehallen, Volksbäder, Volks⸗ bibliotheken ꝛc. innerhalb des kleinen Kreises von Unbemittelten, welche zufällig in das Be⸗ reich ihres Tätigkeitsgebietes geraten, manches Gute, aber, wenn wir die Unsumme von Energie, Tatkraft und Begeisterung, welche bei derartigen Liebeswerken aufgewendet wird, vergleichen mit dem Erfolg, wenn wir sehen, daß der Boden des Topfes, den diese Ideologen mit Glück und Wohlbehagen für die ganze Menschheit zu füllen trachten, durchlöchert ist wie ein Sieb, daß deshalb das Glück und der Wohlstand in der Welt niemals größer wird, so sehr ste sich auch abmühen, dann können wir nicht umhin, diese Menschen trotz all ihrem guten Willen verblendete Toren zu schelten, die, statt ihrer Absicht gemäß die Menschheit aus Not und Elend zu erretten, sie nur immer tiefer darin verstricken. Denn durch all ihre Sammlungen und wohltätigen Veranstaltungen, die, wie gesagt, immer nur einer verschwindend kleiner Zahl Armer zugute kommen, erwecken sie in den Besitzenden den Glauben, daß sie mit einigen mehr oder minder kleinen Beiträgen zu Wohltätigkeitszwecken sich vollauf von jeg⸗ licher Verpflichtung gegenüber den Besitzlosen befreien könnten und daß sie damit ja alles läten, was in ihrer Macht stünde, um das Los der Armen zu verbessern, während andererseits in den Besitzlosen selbst ein Gefühl der Abhängigkeit, der Unselbständigkeit groß⸗ gezogen wird, welches ihnen alle Lust und alle Kraft zu eigenem Handeln nimmt und in ihnen schließlich die Meinung befestigt, daß ihr Leben garnicht anders sein könne, daß es Sache der Reichen sei, die Armen über Bord zu halten und ste nicht Hungers sterben zu lassen, während aber andererseits der Arme keinen Anspruch darauf habe, teilzunehmen an den höheren Gütern des Lebens, welche allein der Reichtum verschafft. So zahlt z. B. manche reiche Frau Professor oder Frau Rechtsanwalt, selbst über ihr gütiges Herz ganz gerührt, ein paar hundert Mark jährlich Beitrag als Ehrenmitglied eines Kindergartens oder einer Volksküche, ohne sich doch! darum zu bekümmern, bei welchen Hungerlöhnen vielfach ihre kostbaren Toiletten hergestellt werden, während die arme Zeitungsfrau schon von vorneherein mit den Weihnachts- oder Neufahrsgaben ihrer reichen Kundschaft rechnet, ohne daß ihr dabei der Gedanke kommt, daß bei einer gerechteren Ordnung der Dinge ihre eigene harte Arbeit verschaffen würde, wie er im Zimmer der Reichen erstrahlt, ohne daß sie auf das milde Herz Anderer angewiesen zu sein brauchte. Wenn nun aber schon die eben erwähnte Art der Wohltätigkeit, welche ich hier die„un⸗ interessierte Wohltätigkeit“ nennen möchte, weil ste, obgleich sie ja eben indirekt auch nur den Interessen der eigenen Klasse dient, doch dem⸗ jenigen, der sie ausübt, nur selten einen direkten Vorteil bringt, eine nur sehr beschränkte Wirkung auszuüben vermag, so begegnen uns im Leben noch viele andere Schattierungen innerhalb der bürgerlichen Wohltätigkeit, welche mehr oder weniger hauptsächlich in Rücksicht auf das eigene Interesse ausgeübt werden, und daher um so weniger geeignet sind, die Lage der besitzlosen Klasse beträchtlich zu verbessern. Da haben wir neben der Wohltätigkeit der Kirchen, welche durch die Nahrung und Kleidung, die sie den Armen bieten, sich ihren Anhang und ihre Macht zu sichern streben und unverholenermaßen mit ihren Wohltaten Handel treiben, indem ste sich auf diese Weise Glauben und Gewissen der Beschenkten erkaufen wollen, die Wohltätigkeit des Unter⸗ nehmertums, das den bei ihm beschäftigten Arbeitern durch billige Wohnungen, Unter⸗ stützungskassen, Konsumvereine ꝛc. zwar gewiß manchen materiellen Vorteil bietet, um sie andererseits desto bedingsloser an sich zu ketten und ihnen jede eigene Handlungs⸗ und Meinungs⸗ freiheit zu rauben, und da haben wir endlich jenen widerwärtigen und aufgeblasenen Wohl⸗ tätigkeitssport, der in der vornehmen Gesell⸗ schaft zum„guten Ton“ gehört, und der die Armut und Bedürftigkeit der großen Masse zum Deckmantel benutzt für die Vergnügungen und Festlichkeiten der„obersten Zehntausend“, die alljährlich unzählige Bazare, Theater⸗ vorstellungen, Konzerte, Illuminatio⸗ nen ꝛc. ꝛc.„zum Besten der Armen“ veran⸗ stalten und sich der herrlichen Gelegenheit freuen, ihre glänzenden Toiletten zur Schau zu stellen, während sie sich auch gleichzeitig auch noch für ihr gutes Herz bewundern lassen. Nein, erst wenn durch die Einführung der sozialistischen Gesellschaft eine gleiche Grundlage für alle geschaffen ist und jeder den vollen Ertrag seiner eigenen Arbeit erhält, erst dann werden die ungerechten sozialen Gegensätze zwischen Arm und Reich in Wahrheit beseittgt werden. Und darum sollte auch jede Arbeiter⸗ frau sich darüber klar sein, daß ihr und den Ihren nicht gedient ist mit ein paar Brocken, die von der Reichen Tische fallen. Die klassen⸗ bewußte Proletarierin heischt keine Almosen, ste verlangt Rechte. Politische Rundschau. Gießen, den 27. Juli 1905. Politisches von der Woche. Die Politik in Hessen macht einstweilen Sommerpause. Minister und Kammern sind in den Ferien. Die Zweite Kammer soll um Mitte September wieder zusammentreten und gegen Ende Oktober soll die Landtagsbude überhaupt zugemacht werden.— Unterdessen hat das Zentrum einen Angriff gegen die Seite 2. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 31. Simultanschule verübt. Sein führendes Organ, das„Mainzer Journal“, verlangte Beseitigung der e Schule und konfefftoge le Aufsicht. Dieser plumpe, unkluge Vorstoß hat den Zentrums⸗ führer in der hessischen Kammer, Dr. Schmitt, peinlich berührt und er gab in einer Erklärung dem Blatte eine kalte Douche. Ueber die Tagesordnung des Jenger Parteitages entspann sich in unserer Partei⸗ presse eine Debatte. Der„Vorwärts“ verlangte, daß die Tagesordnung Punkte von„aktueller Wichtigkeit“ aufweisen solle. Demgegenüber betonen andere Parteiblätter, sowie Genosse Stadthagen im letzten Hefte der„Neue Zeit“, daß unsere Parteitage keine Paradevorstellungen seien, es müßten in erster Linie die inneren Parteiangelegenheiten erörtert und erledigt werden und außerdem könnten aktuelle politische Fragen bei dem Berichte der Fraktion behandelt werden. Die Anregungen des Vorwärts mögen ja ganz gut sein; wenn er aber meint, es sei . der Parteitage, Stellung zu den Er⸗ eigusssen der Zeit zu nehmen, so halten wir dies mit Stadthagen für unrichtig. Herr Ruhstrat, der oldenburger Poker⸗ minister bleibt nun doch im Amt, trotzdem er in dem Bückeburger Prozeß gegen den Kellner Meyer auf's Schlimmste bloßgestellt wurde. Leider hat das Bückeburger Gericht den Ent⸗ schädigungsanspruch Meyers, der 7 Monate unschuldig in Untersuchung saß, abgelehnt. 1000 königliche Bergleute befinden sich im Bassingshausener Kohlenbezirk(Hannover) im Streik. Diese Leute gehörten bis jetzt keiner Organisation an und der Ausstand ist keineswegs auf„soztaldemokratische Hetze“ zurück⸗ zuführen. Sie verlangen Lohnerhöhung und bessere Behandlung. Allerdings sind in dem staatlichen„Muster“betriebe die Löhne erbärmlich, sie betragen 1.80 Mk. bis 2.20 Mk., und die Behandlung gleicht der in Saarabien. Bei den Gemeindewahlen in Holland haben unsere Genossen gute Erfolge erkämpft. — In Serbien fanden die Wahlen zur kupschtina statt, bei denen auch zwei Soz'al⸗ demokraten gewählt wurden. Das will in diesem Lande schon etwas bedeuten und zeigt, daß unsere Bewegung überall fortschreitet. Gegen den Sultan verübte ein bis jetzt noch unermittelter Täter, der Offiziersuniform getragen haben soll, am Freitag einen Bomben— an griff. Es sollen dabei etwa 40 Personen getötet, hunderte verwundet worden sein. Der Sultan, welcher eben die Moschee verließ, blieb unverletzt. Wilhelm II. traf in der Ostsce mit Nikolaus II zusammen, dem er geraten haben soll, den Krieg energisch fortzusetzen. Unterdes verhandeln die russischen und japanischen Deleglerten in Washington über die Friedens— bedingungen. Reichstagsersatzwahlen und„Rückgang der Sozialdemokratie“. Die am 20. Juli im Wahlkreise Fürth⸗ Erlangen stattgefundene Reichstagsersatzwahl hat mit dem Siege des„freisinnigen“»isch— maschkandidaten Barbeck geendet. Jedenfalls zum letzten Male, denn das Stimmenverhält⸗ nis zeigt, daß uns dieser Wahlkreis bei der nächsten Wahl unbedingt zufallen muß. Mit Mühe und Not, mit Anwendung der schofelsten Mittel gelang es den Bürgerlichen noch einmal ihn zu behaupten. Barbeck erhielt 14426, unser Genosse Segitz 13624 Stimmen. Das bedeutet für unsere Partei gegen die Hauptwahl von 1903 eine Zunahme von 2120 Stim⸗ men, während die Gegner nur ein paar Hundert mehr als bei der vorigen Hauptwahl, aber zirka 700 weniger als in der Stichwahl von 1903 erhielten! Und dies trotz der niedrigsten Mittel, welche die Bürgerlichen im Wahlkampfe anwendeten. Unter anderm wurde die Lüge verbreitet, Segitz habe den Landbündlern für Stimmenthaltung bei der Reichstagswahl die drei Landtagsmandate versprochen! Und dieser offenbare Schwindel wurde auch dann noch weiter kolportiert, nachdem er als solcher von der sozialdemokratischen Parteileitung und Presse ——— 0 ee —— 0 öffentlich festgestellt war. Selbst die „Frankfurter Zeitung“ wiederholte die blöde Lüge. Trotzdem und trotz verlogenster Agitation des Reichsverbandes zur Bekämpfung der Sozialdemokratie haben wir einen schönen Fortschritt, wie noch bei jeder Wahl in diesem Kreise zu verzeichnen, dagegen ist der politische und moralische Bankrott des Freisinns offen⸗ bar geworden. Im Wahlkreise Oberbarnim fiel die am Freitag vorgenommene Stichwahl zwischen dem Reaktionär Pauli und unserm Genossen Bruns zu Gunsten des Ersteren aus. Pauli erhielt 8748, Bruns 7590. Gegen die Haupt⸗ wahl brachte unsere Partei 1271, die Konser⸗ vativen dagegen 2480 Stimmen mehr auf, was den Beweis liefert, daß die Freisinnigen für den Reakttonär stimmten, eine Erscheinung aller⸗ dings, die schon hundertfach beobachtet wurde. Gegen die Hauptwahl von 1903 beträgt unser Stimmenverlust 893, derjenige der Konservativen 561 Stimmen. Von gegnerischer Seite wurde der bei dieser Wahl wiederum wie bet früheren auf den Stimmenverlust der Sozialdemokratie hingewiesen und daraus deren Rückgang gefolgert. Selbst Parteiblätter fanden diese Erscheinung bedenklich und maßen dem Dresdener Parteitage die Schuld daran zu. Nun ist es für uns zwar ganz gewiß bedauerlich, wenn irgendwo unsere Stimmenzahl zurückgeht. Aber einmal ist dies bei Nachwahlen fast stets der Fall und trifft auch meist alle Parteien, dann haben wir aber auch seit Dresden sehr gute Erfolge sowohl bei Reichstags⸗, wie bei Land⸗ tags⸗ und Gemeindewahlen zu verzeichnen. Man muß aber auch die Wahlergebnisse von 1898 zum Vergleiche heranziehen. Und da zeigt sich, daß fast überall, wo seit den letzten allge⸗ meinen Wahlen Nachwahlen stattgefunden haben, eine nicht unbedeutende Zunahme der sozial⸗ demokratischen Stimmen gegenüber der 1898er Wahl zu verzeichnen ist. Daß die einer Flut⸗ welle vergleichbare riesige Zunahme von 1903 nicht überall Stand hielt, ist nicht weiter ver⸗ wunderlich. Besspielsweise betrug 1903 unsere Stimmenzahl im Wahlkreise Essen 22773 gegen 4400 im Jahre 1898, also eine Zunahme von über 18 000 Stimmen! Wenn wir bei der jetzt auf den 19. September festgesetzten Nachwahl 16— 20 000 Stimmen bekommen, also ein paar Tausend weniger als 1903, aber immer noch 12— 16000 Zunahme gegen 1898, so können wir ganz zufrieden sein und den Rückgang uns ganz ruhig gefallen lassen. Uebrigens brauchen wir auch einen wirklichen Verlust von ein paar Tausend Wahl⸗Stimmen nicht allzu hoch anzuschlagen. Mit Recht weist Kautsky demgegenüber auf die überaus günstige Entwickelung unserer Presse und unserer politischen und gewerkschaftlichen Orga⸗ nisation hin, die mehr als die Wahlziffern das Fortschreiten unserer Bewegung beweisen. Und der Meinung sind wir auch. Mit den bayrischen Landtagswahlen hat sich die Presse aller Parteien noch weiter ausgiebig beschäftigt. Während sich in unserer Parteipresse nirgends Widerspruch gegen die von unsern bahrischen Genossen beobachtete Taktik erhebt, gefällt sich die liberale Presse in Verspottung der Sozialdemokratie, die vom Zentrum übertölpelt worden sei. Als ob die gänzlich aufgeriebenen Liberalen Ursache hätten, andere zu verhöhnen! Anders beurteilt der Freisinnige Barth die sozialdemokratische Taktik, der ganz richtig in der„Nation“ schreibt:„Daß die Sozialdemokratie nur einen geringen Mandatsgewinn heimgebracht hat, ist nicht allein entscheidend. Wichtiger ist die politische Position, welche die Sozial⸗ demokratie durch dieses Bündnis gewonnen hat. Nachdem das Zentrum, diese Hauptstütze von Thron, Altar, Eigentum, Religion usw., mit der Sozialdemokratie Arm in Arm vor die bayrische Wählerschaft getreten ist, hat es für alle Zeiten seine Angriffskraft gegen die Sozialdemokratie geschwächt.“ Ganz unsere Meinung. Von sozialdemokratischen Vertretern sind wiedergewählt: Schriftsteller Ad. Müller n„ e in München, Wein wirt Frz. Sch mir, München, Gemeindebevollmächtigter Gg. Birk, München, Schriftsteller Gg. v. Vollmar, Sohyensaß, Tapeziermeister Jos. Ehrhardt, Ludwigs⸗ hafen, Arbeitersekretär Segitz, Nürnberg, Buchdruckereibesitzer Jos. Huber, Ludwigs⸗ hafen, Schuhwarenfabrikant Keidel, Pirmasens. Als neue Männer ziehen in den bayerischen Landtag folgende Sozialdemokraten ein: Re⸗ dakteur Hans Rollwagen, Augsburg, Ar⸗ beitersekretär Hans Timm, München, Stadt⸗ rat Körner, Ludwigshafen, Stadtrat E. Klement, Kaiserslautern. Dagegen müssen infolge des Nürnberger Wahlbetrugs bis auf weiteres der Landtags⸗ arbeit fernbleiben die bisherigen Vertreter von Nürnberg, die Genossen Löwenstein, Merkel und Haller v. Hallerstein. Der Hänge⸗Peters begnadigt! Ein Hallunke schlimmster Sorte, der frühere Reichskommissär in Ostafrika Dr. Karl Peters, ist durch kaiserliche Gnade wieder zu Ehren gekommen. Er gehörte zu den Kolo⸗ nialbestten, die im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte in hoher amtlicher Eigenschaft als Vertreter der Reichsautortität in unseren Schutz⸗ gebieten die Humanität, das Recht und den deutschen Namen geschändet haben. Geradezu scheußliche Schandtaten gegen Neger und Neger⸗ weiber, offenbaren Mord, hat diefes Subjekt verübt, wie sowohl im Reichstage, als in den Gerichtsverhandlungen festgestellt worden ist. Nach Recht und Gesetz hätte Peters mindestens lebenslänglich ins Zuchthaus gehört. Der Disziplinargerichtshof zu Leipzig aber ließ es in unbegreiflicher Milde dabet bewenden, ihn mit der Dienstentlassung und mit der Aufer⸗ legung sämtlicher Kosten des Verfahrens zu bestrafen. Das Gericht stellte damals fest, daß Peters in den Jahren 1891 und 1892 einen Negerjungen und ein Negermädchen willkürlich aufknüpfen ließ, nur um seine Rachsucht zu befriedigen und ebenso ließ er den Neger Mabruk aufknüpfen, weil er mit seiner, des Dr. Peters, schwarzen Konkubine geschlechtlich verkehrt hatte. Noch eine Reihe ähnlicher Schandtaten sind ihm nachgewiesen worden. Trotzdem fand dieses Scheusal noch immer Verteidiger. Konservative und nattonalliberale Politiker, wie Kardorff, Normann, Paasche und andere bemühten sich um seine Ehrenrettung, man wollte sogar noch eine Pension für den Elenden heraus. schlagen! Infolge des Gnadenaktes darf sich dieser Kulturverbreiter nun wieder„Reichs— kommissar“ nennen! Krach im antisemitischen Lager. Zwischen dem Organ der Antisemiten in Sachsen, der„Deutschen Wacht“ und dem früheren„Direktor“ derselben, dem auch in unserer Gegend(er kandidierte bei der letzten Wahl in Marburg und früher einmal in Wetzlar) bekannten Führer der sächsischen Anti— semiten Zimmermann ist eine grimmige Fehde ausgebrochen und die Stinkbomben fliegen herüber und hinüber. Die Berliner„Staatsbürgerzeitung“, das frühere Pückler-Organ nimmt die Partei Zimmermanns und so tobt die Katzbalgeret auch zwischen den beiden Judenfresser⸗Blättern äußerst heftig. Die„Deutsche Wacht“ wirft Zimmermann vor, daß er während der Reichs⸗ tagsersatzwahl für unsern Genossen Rosenow im Zschopauer Wahlkreise Berichte über seine Versammlungstätigkeit an Dresdener Blätter geschickt hat, aber an sein eigenes Parteiorgan nicht. Es ist interessant, meint dazu unser Dresdener Parteiblatt, festgestellt zu sehen, daß jene reklame und lügen haften Berichte Zimmermann selbst verfaßt und verschickt hat! Die„Wacht“ droht noch mit weiteren Enthüllungen und bemerkt, es löse sich mit rapider Schnelligkeit ein Stein nach dem andern aus dem Zimmermannschen Ge⸗ bäude. Aus dem antisemitischen Ge⸗ bäude hätte das Blatt sagen können, wenn bei dem Antisemitismus überhaupt von einem „Gebäude“ die Rede sein köunte. Wem fällt da nicht das Wilberg'sche Wort von den Gauk⸗ lern und Schaumschlägern, Phrasenhelden und W*— re — —ͤ——— Partei an der Nase herumführen! Nr. 31. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. Seite&. elenden Spekulanten ein, die die anutisemitieche Wie heißt es doch bei Goethe: Einer dieser Lumpenhunde Wird vom andern abgetan—— Militärisches Lob der Sozialdemokraten. In einer vor dem Stuttgarter Ober⸗ kriegsgericht durchgeführten Verhandlung gegen den Unterkanontier Geiger vom Feldartillerie⸗ Regiment Nr. 49 in Ulm wurf sich der Ver⸗ treter der Anklage zum beredten Anwalt der Sozialdemokratie auf, die er gegen den Vor⸗ wurf, ihre beim Militär dienenden Parteigenossen zu Widersetzlichkeit anzustiften, in Schutz nahm. Er stellte den Sozialdemokraten im Heere das Zeugnis tadelloser Führung aus. Das Zeugnis des militärischen Staatsanwalts verliert dadurch nicht aun Bedeutung, daß es dem Wunsche entsprang, das Verschulden des Angeklagten als schwerer erscheinen zu lassen, für dessen gegen einen Unteroffizier begangenen tätlichen Angriff der Verteidiger„sozialistische Verhetzung“ als mildernden Umstand geltend gemacht hatte. Der Gerichtshof schloß sich der Auffassung des Klagevertreters an und erhöhte die in erster Instanz auf 1 Jahr und 3 Mo⸗ nate Gefängnis bemessene Strafe auf 1 Jahr 7 Monate Gefängnis. Revolution in Rußland. In der russischen Marine herrscht noch immer gewaltige Gärung, die stets weiter um sich greift. Unter den Mannschaften der Schwarzen Meer⸗Flotte und den Angestellten des Sebastopoler Arsenals wurde ein umfang⸗ reiches Komplott entdeckt, infolgedessen die vor— gesehenen Flottenmanöver aufgegeben wurden. Die russischen Matrosen richteten einen offenen Brief an die Presse aller Länder, in dem sie dagegen protestieren, als Meuterer und Verbrecher angesprochen zu werden. Wört⸗ lich heißt es dann weiter: „Wißt ihr denn, wer in Rußland der größte Ver— brecher ist, ob der, der gewaltsam die Volksmassen beraubt und ermordet, oder der, der im passiven Selbst⸗ schutze diesen Mörder wegstößt oder zufällig ermordet? Wer ist in Rusland Rebell, Meuterer, Pirat, das Volk oder die Regierung? Wir russische Matrosen, ebenso wie auch unsere Kameraden im Landherr, wir find verhungerte barbarisierte und blutige Skelette. Unsere Familten weinen und hungern zu Hause, wir, ihre Söhne und Familienväter schmachten hier. Hunger, Gewalt und Raub wüten zu Hause, dasselbe finden wir hier. Nun, wo ist das Recht? Ist die Regierung nicht der Verbrecher selbst, und haben wir nicht recht, uns zu verteidigen. Wir Matrosen erklären uns als eine Partei, die offen Krleg führt gegen unsere legalen Rebellen und Piraten. Wir fordern die Völker der zivilisierten Welt auf, sich wenigstens moralisch auf unsere Seite zu stellen. Wir fordern die humangesinnten Weltvölker auf, uns ihre hilfreichen Hände zu bieten, uns zu helfen, aber nicht abzustoßen. Wir kämpfen für unsere Freiheit und Recht.“ Unterzeichnet ist die Erklärung mit: Russische Matrosen in Kronstadt, Petersburg, Reval und Libau, 15. Juli 1905. Zur Gedenkfeier für die Opfer des 22. Januar feierten in Petersburg etwa 450000 Arbeiter. Der Ausstand erstreckte sich auf die meisten Druckereien, Fabriken und Hand⸗ werksbetriebe.— In verschsedenen Orten u. a. in Kiew fanden, angestiftet von der Polizei, Ausschreitungen gegen die Juden statt.— In Warschau wurde ein Geheimagent er⸗ stochen; der Polizeimeister Kowalew in Tiflis durch eine Bombe getötet.— In Lodz soll eine Bombenfabrik entdeckt worden sein, die Polizei will dort auch eine Liste von zwanzig ührern der Revolutionäre gefunden haben.— ine Proklamation der sozialdemokratischen Partei Petersburgs wendet sich an die Vertreter der Semstwo's und der Städte, in der gefordert wird, das alte System mit der Wurzel aus⸗ zurotten. Russisch⸗japanischer Krieg. Alle vom Kriegsschauplatz in der Mand⸗ schurei eingelaufenen Nachrichten lassen erkennen, daß die Japaner fortgesetzt weiter vordringen, trotz der Schwindelnachrichten, die der russische Oberkommandierende Linewitsch über angeblich von ihm erfochtene„Siege“ in die Welt setzt.— Die Insel Sachalin haben die Japaner fast vollständig in Besitz und Wladiwostock dürfte bald in ihre Hände fallen. Dom Kontraktbruch der Arbeitgeber. Was macht die bürgerliche Presse immer so viel Aufhebens vom„Kontraktbruch“ der Arbeiter, wenn ihnen einmal die Geduld gegen⸗ über dem selbstherrlichen Fabrikantenabsolutis⸗ mus reißt. Bis zum Ueberdruß oft haben wir diesen Vorwurf in allen Spießbürgerblättern und von allen Parlamentsphilistern zu hören bekommen, als es sich um den großen Berg- arbeiterstreik im Ruhrkohlengebiet handelte. Trotzdem es ein Kampf war gegen Bestimmungen und Gebräuche, die eben dem Vertrag von sich aus schon direkt zuwiderliefen, trotzdem die Arbeiter in einer Weise gereizt und provoziert waren, daß ihre Erbitterung jedem menschlich fühlenden Wesen begreiflich, ihr empörter An— sturm gegen direkte Ungerechtigkeiten und Quäle⸗ reien jeden denkenden Kopf natürlich und be— gründet erscheinen mußte, trotzdem immer dieser pharisäerhafte Hinweis auf das Papier, auf den formalen Schnitzer. 5 Und nun, wie machen es die Herren Arbeit⸗ geber selbst, wenn ihrer schrankenlosen Selbst⸗ sucht ein solches Papier im Wege steht? Ja, Bauer, das ist etwas anders! Verträge respek⸗ tieren die hohen Herren in ihrem„gesunden Egoismus“ nur, wenn sie selbst Vorteil davon haben. Wo aber Bestimmungen einmal von ihnen selbst etwas verlangen, da ist's plötz⸗ lich„berechtigte Notwehr“, darüber hinwegzu⸗ gehen. In Essen ist ein Kampf im Bau⸗ gewerbe im Gange, der sich in den üblichen Formen abspielte: Streik und daraufhin Aus- sperrung der organisierten Arbeiter. Diese Aussperrung sollte aber nun auch auf diejenigen ausgedehnt werden, die in einem durch Tarif⸗ vertrag festgesetzten Verhältnis arbei⸗ teten. Also der unverblümteste Kontrakt⸗ bruch von Seiten der Herren Unternehmer! Die doch sonst so gern den Arbeitern gegenüber sich brösten mit bessern Sitten, mit bessrer Einsicht, mit bessrer Bildung! Man sieht, wie rasch der sogenannte„gesunde“ Egoismus zum nackten, brutalen Egoismus wird. Und— Egoismus weckt wieder Egoismus! Diese Herren dürfen sich wahrhaftig am aller— wenigsten wundern, wenn schließlich ihnen gegenüber jede ethische Rückstcht, jeder höhere Gesichtspunkt außer Acht bleibt. Denn für sie fällt doch absolut jede Entschuldigung, die einem solchen Gewaltakt mildernde Umstände sichern könnte, völlig weg: Da ist keine Unbildung, keine Verrohung durch verzweifelte Lebensum⸗ stände, keine Notwehr gegen direkte physische Entbehrungen und Schädigungen, kein Kampf gegen eine übermäßige Willkürherrschaft— da ist nichts, als die Profitgier, der Gewinn⸗ hunger, der rüde Selbsterhaltungstrieb des menschenverzehrenden Kapitalismus! Der Oberbürgermeister von Essen, Zweigert, ein sozial gebildeter Herr, hat diesem Kontrakt⸗ bruch gegenüber einen in unsern Tagen leider nur zu seltenen Mut und rechten Blick bewiesen. Er will mit Klage und Unterstützung der aus⸗ gesperrten Tarifarbeiter gegen das kontrakt⸗ brüchige Unternehmertum vorgehen. Aber da regt sich auch sofort das Solidaritätsgefühl, das die Vertreter des Kapitalismus verbindet und stark macht(die Arbeiter müssen sich daran ein Beispiel nehmen!!) und schließlich stellen sie eine Macht dar, die stärker ist als Staat, Recht und Gesetz, eine Macht, die jeder Ethik, jeder Ansprüche andrer spottet, die nur sich selbst kennt, ihre Herrschaft, ihren Profit! Und lieber wird da jedes Opfer für die rücksichtsloseste eigene Interessenpolitik gebracht, als auch nur das einfachste und notwendigste Zugeständnis an die primitivsten Forderungen von Gerechtig⸗ keit gemacht. Eine Anzahl von Geldfürsten des rheinisch⸗westfälischen Arbeitgeberbundes hat sich bereit erklärt, diejenigen Unternehmer zu unterstützen, die durch die Aussperrung der Bauarbeiter in Schwierigkeiten geraten sollten! Zieht eure Lehren auch wieder aus diesem Fall, Arbeiter! Was jene stark macht, das kann auch euch stark machen: Efnigkeit! Organisation!„Vereinigt werden auch die Schwachen mächtig!“(Schiller.) Nur die Kräftigung eurer Organisationen verschafft euern Verträgen Respekt! Nur als Macht könnt ihr von den Arbeitgebern die Achtung eurer Men⸗ schenrechte fordern! Für die Stimme des Ge— wissens, für die Gebote der Ethik sind die Herren taub nach wie vor! Es gibt nur die eine Wahl für euch Arbeiter: entweder ihr bleibt in dem schönen„patriarchalischen“(väter⸗ lichen!!“) Verhältnis, wo man euch fuͤr ein paar Groschen Lohn als Unmündige ausnutzt bis an die letzte Grenze eurer Kraft, oder ihr tretet den Organisationen bei, die jener unstttlichen und unmenschlichen Selbst⸗ herrlichkeit den Krieg zu erklären wagen können. Von euch aber, das bedenkt, von eurer Zahl, von euern Beiträgen, von eurer Vernunft hängt es dann ab, ob wir auch siegen können. Ein Hemmnis ist jeder Nichtorganisierte für seine Kameraden! K. Wẽ̃ „* Soziales, Gewerkschaftliches, Arbeiterbewegung. Die wichtigsten Einfuhrartikel Deutschlands, die zusammen 38,2 Prozent des Wertes der Gesamteinfuhr ausmachen, sind nachstehende Waren, von denen jede in einer Quantität eingeführt wird, deren Wert 100 Millionen übersteigt: Wert der Einfuhr im Jahre 1904 in Milliouen Mark. Baumwolle, rohe 471,0 Gold, roh und gemünzt 454,0 Schafwolle, roh ꝛc. 289,8 Weizen 281,0 Kaffee, roher 162.9 Gerste 146,8 Kupfer, rohes 134,0 Rindshäute 138,8 Bau⸗ und Nutzholz 115,8 Eier und Geflügel 114,7 Kautschuk und Guttapercha 109,4 Rohseide, ungefärbt 104,6 Steinkohlen 100,7 Zusammen wurden diese 13 Artikel in einem Werte von 2618,5 Millionen Mark eingeführt; demgegenüber hatte die Gesamteinfuhr des Jahres 1904 einen Wert von 6864,3 Millionen Mark. Die Arbeiter⸗Konsumvereine zeigen recht erfreuliche Fortschritte. Einer der be— deutendsten ist der Konsumverein Leipzig⸗ Plagwitz, dessen Gesamt- Verkaufserlös in dem mit dem 30. Juni zu Ende gegangenem Betriebsjahre 13092082 Mark betrug. Der Mehrumsatz beziehungsweise Verkaufserlös gegen das Vorjahr beträgt 1006 736.34 Mark. An Mehrerlös parttzipieren die Verkaufsstellen des liquidierten Konsumvereins Leipzig ⸗ Connewitz mit 562 451.24 Mark. Um 444 285.10 Mark hat sich der Verkaufserlös, in den der Genossen⸗ schaft schon früher gehörenden Verkaufsstellen, erhöht.— Der Konsumverein Vorwärts in Dresden erzielte im abgelaufenen Geschäfts⸗ jahr einen Umsatz von 6679 099 Mark gegen 6032 176.79 Mark im vorangegangenen Jahre. Der Mehrumsatz beträgt also trotz aller Hetzereien der Genossenschaftsgegner 646 922.36 Mark. Der Umsatz wurde erzielt in 35 Verkehrsstellen. — Die Machinationen der Gegner der Genossen⸗ schaftsbewegung, die sich neuerdings wieder offener hervorwagen, müssen mit massenhaftem Beitritt zu den Konsumvereinen beantwortet werden. Jeder Arbeiter besonders hat ein leb⸗ haftes Interesse daran, die Kaufkraft seines geringen Einkommens zu erhöhen. ——— von Nah und gern. Hessisches. — Der Landtag soll nach einer Mit⸗ teilung des Ministeriums erst Mitte Oktober geschlossen werden. Bis dahin harrt noch umfangreiches Material der Erledigung. Außer —— —— —— Seite 4. Mittel deutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 31. mit verschiedenen dringlichen Vorlagen wird, Diese haben die getroffenen Vereinbarungen z. B. die Zweite Kammer mit der Stellung der Ersten Kammer zur Wahlrechts⸗ reform zu beschäftigen haben. Vor Mitte September werden die Kammerbverhandlungen kaum beginnen. Gießener Angelegenheiten. — Die Stadtverordneten lehnten in ihrer Sitzung am 20. Juli ein Gesuch der Militärverwaltung ab, nach welchem diese Ueberlassung eines Geländestreifens am Trieb zur Vergrößerung des Exerzierplatzes wünscht. Da haben unsere Stadtväter ganz Recht gehabt. Wir meinen auch, der Trieb wäre groß genug, um darauf die Soldaten hin⸗ und herjagen zu können.— Eine Eingabe, welche die städti⸗ schen Arbeiter um Verbesserung ihrer Ar⸗ beitsverhältnisse an die Stadt gerichtet haben, ist in der nichtöffentlichen Sitzung verhandelt worden. Sie soll an den sozialpolitischen Ausschuß verwiesen worden sein. Warum diese Angelegenheit nicht in öffentlicher Sitzung verhandelt wird, ist eigentlich nicht recht er⸗ findlich.— Vergangenen Donnerstag war schon wieder Sitzung. Auch in dieser kamen wichtigere Gegenstände nicht zur Verhandlung, mit Aus⸗ nahme des letzten Punktes, der den Theaterbau betraf. Es wurde ziemlich lange über den vorgeschlagenen Grundriß, sowie über die Hauptfassade und die Stellung, welche das Gebäude einnehmen soll, debatttert. Mit dem Grundriß und der vorgeschlagenen inneren Einteilung war man bald einverstanden, nicht so schnell war in Bezug auf die Fassade Eini⸗ gung zu erzielen. Schließlich entschied man sich für den Vorschlag der Kommission, die eine solche im modernen Stil vorsieht und die sich außerdem 40— 50000 Mk. billiger stellt als eine andere im Renaissancestil. Eine sehr lange Debatte rief die Frage der Stellung des Gebäudes hervor. Schließlich stimmte die Mehrheit dafür, daß es quer zur Anlage, parallel mit der Straße„Neuen Bäue“, Fassade nach der Südanlage und Bühnenraum nach der Johannisstraße zu stehen kommen soll. Wir halten diesen Beschluß nicht für glücklich, unseres Erachtens wäre der Kommissionsvor— schlag, der die Fassade nach der Johanniskirche gerichtet wissen will, entschieden besser gewesen. — Die Gewerkschaftsversammlung am Mittwoch war nur mäßig besucht, wenigstens im Verhältnis zu der Zahl der Gewerkschafts⸗Mitglieder in Gießen. Etwa 180 Personen waren anwesend. Es hat sich damit auch herausgestellt, daß die Zeit— 7 Uhr abends— nicht besonders günstig ist. Genosse Hütt⸗ mann⸗Frankfurt, der als Referent erschienen war, ver⸗ glich den heutigen Stand der Gewerkschaften mit dem⸗ jenigen vor 12 Jahren, als auf dem Kölner Parteitage über die Gewerkschaftsfrage debattiert wurde. Damals hätte niemand geglaubt, daß sich unsere Gewerkschaften in dieser Weise entwickeln würden. Jetzt haben wir 1/ Millionen Mitglieder und das Vermögen erreicht 20 Millionen Mk. Die Arbeiter sind zu größerer Opfer⸗ willigkeit erzogen worden und heute weiß jeder, daß eine gefüllte Kasse vorhanden sein muß, wenn eine Besserung erkämpft werden soll. Auf den Kongreß in Köln selbst eingehend, weist Redner zunächst auf den Bericht der Generalkommission hin. Für Agitation sei in zurückgebliebenen Gegenden und unter rückständigen Ar⸗ beitern viel getan worden. Und dies ist auch notwendig, um den Streikbrecher⸗Zuzug einzudämmen. Wenig Fort⸗ schritte zeigt jedoch die Frauenbewegung, zu deren Förde⸗ rung nicht genug geschehen lönne. Auch die Agitation unter den Ausländern, besonders Italienern und Polen, die in Deutschland arbeiten, ist energisch betrieben worden, was unbedingt notwendig ist, damit diese Leute nicht als Lohndrücker sich zur Verfügung stellen. Dem Antrag auf Gründung eines allgemeinen Streikfonds stimmte Redner auch nicht zu, die einzelnen Gewerkschaften müßten ihre Lohnkämpfe selbst und aus eigenen Mitteln führen, nur ausnahmsweise solle die Gesamtheit der Arbeiter in Anspruch genommen werden.— Hüttmanns weitere Aus⸗ führungen müssen wir wegen Raummangel auf nächste Nr, zurückstellen. An der Diskusstion beteiligten sich Keßler, Vetters und Diehl in zustimmendem Sinne. — Im Gießener Schneidergewerbe haben sich die Arbeits verhältnisse in der letzten Zeit wieder erheblich verschlechtert, wie uns von Seiten der Gehilfen mitgeteilt wird. Die Spannung zwischen Arbeitgeber und Ar⸗ beiter ist ähnlich wie vor dem Streik. Und zwar durch die Schuld der Unternehmer. nicht gehalten. Obwohl Maßregelungen nicht stattfinden sollten, sind solche trotzdem in mehreren Fällen erfolgt. Außerdem verlangt man Arbeiten, die früher nicht üblich waren und durch welche die etwaige Preisaufbesserung gänzlich wieder verschlungen wird. Ferner war in den Vereinbarungen gegenseitige 14 tägige Kündigung festgelegt, doch wird auch diese Bestimmung von den Unternehmern nicht ein⸗ gehalten. Unter Umständen hat es ja auch für den Arbeiter Vorteil, wenn keine Kündigung besteht, immerhin waren diese Vereinbarungen getroffen und demgemäß zu halten. Aber die Arbeiter trifft auch Schuld. Einzelne geben jedem Wunsche der Unternehmer nach. So ist in der letzten Zeit von Einzelnen fast Tag und Nacht gearbeitet und eine Unmenge von Arbeit geliefert worden. Damit werden natürlich die Löhne herabgedrückt und den Unternehmern die Möglichkeit gegeben, mit hohen Löhnen zu prahlen, denn es wird niemals gesagt, in welcher Zeit diese verdient werden.— Einer, der schon jahrzehntelang hier arbeitet, wurde entlassen, weil er auf einmal zu wenig fertig brachte! Deshelb muß jeder Schneider wenigstens einiger⸗ maßen die übliche Arbeitszeit einhalten! Vor allem muß aber aber eure Organisation in jeder Beziehung intakt bleiben, sonst setzt euch eines schönen Tages das Unternehmertum den Fuß in den Nacken! — Vor dem Gewerbegericht kam eine Klage des Schneides Käfers gegen Markus Bauer zur Verhandlung. Käfer beanspruchte Entschädigung von 42 Mk. wegen kündigungs⸗ loser Entlassung. Er war von dem Zuschneider B.“s eingestellt worden, aber dann von B. wieder entlassen.(Anscheinend gemaßregelt.) Bauer behauptet, daß durch eine zweite Ver⸗ abredung Kündigung ausgeschlossen worden set. Bauer wurde zur Zahlung von 42 Mk. an Käfer verurteilt. — Das Sommerfest der Gießener Holzarbeiter am Sonntag auf der Pulver- mühle war gut besucht. Leider ging mit Ein⸗ tritt der Dunkelheit ein ziemlich starker Regen nieder, der die meisten Besucher zur Heimkehr veranlaßte. Im Uebrigen nahm das Fest den besten Verlauf. Unangenehm wurde nur empfunden, daß die Gesangsvorträge der„Ein⸗ tracht“ von der Karoussell⸗„Musik“ gestört wurden und deshalb kaum zum Ausdruck kamen. Wir halten die uns darüber zu Ohren gekommenen Klagen für berechtigt und sind der Meinung, daß man Karoussells besser wegließe. Der ohrenbe⸗ täubende Jahrmarktslärm ist nicht nach jeder⸗ manns Geschmack; Arbeiterfeste sollen ihren Be⸗ suchern ein paar Stunden guter Unterhaltung und Erholung bieten. Es darf auch bei festlichen Ver⸗ anstaltungen nicht aus den Augen gelassen werden, daß man durch die Darbietungen ver— edelnd, erzieherisch und auch agitatorisch wirken will. Das Fest verfehlt seinen Zweck, bei dem 1150 von diesen Gesichtspunkten ausgegangen wird. — Die„Freie Turnerschaft“ hat bei dem Musterriegenturnen auf dem am Sonntag vor 8 Tagen in Darmstadt abgehaltenen Kreis⸗ turnfeste des Arbeiter⸗Turnerbundes sehr gut ab⸗ geschnitten. Ihre Leistungen waren die viert⸗ besten. An dem Schauturnen beteiligten si 500 Turner.— Sonntag, den 6. August hält die Freie Turnerschaft ihr Sommerfest auf der Pulvermühle ab. — Die Revision des von dem Gießener Schwurgerichte zum Tode verurteilten Raub⸗ mörders Hudde ist am 20. Juli vom Reichs⸗ gerichte ver worfen worden. Damit ist das Urteil rechtskräftig geworden und wird voll⸗ streckt, wenn der Großherzog den Mörder nicht begnadigt. Aus dem Areise gießen. — Ueber das hessische Vereins⸗ und Versammlungsrecht herrscht merkwürdigerweise noch vielfach Unklarheit. Diese erklärt sich meist daher, daß unsere hessischen Arbeiter mit den preußischen in Berührung kommen, von diesen hören, daß Versamm⸗ lungen dort angemeldet werden müssen und nun des Glaubens sind, in Hessen sei dies auch der Fall. Vielfach wissen auch Landbürgermeister keinen Bescheid darin. Vor etwa 14 Tagen erst verbot der Bürger⸗ meister in Lützel⸗Wiebelsbach im Odenwald eine Versammlung, weil sie— nicht angemeldet sei. Dem Wirte drohte der kleine Despot sogar noch mit Militärsperre und Kürzung der Feierabendstunde, wenn die Versammlung stattfände! Auch in unserer Gegend wurde ein derartiges Verlangen schon öfters gestellt. Deshalb sei für alle, die in dieser Beziehung noch im Unklaren sind, wiederholt: In Hessen braucht weder ein Verein noch eine Versammlung bei der Behörde angemeldet zu werden. Das Versammlungs⸗ recht ist in Hessen durch das Gesetz vom 16. März 1848 geregelt und in dem Artikel 2 des nur drei Artikel umfassenden Gesetzes heißt es kurz, klar und deutlich: „Das Recht der Versammlungen zur Beratung über allgemein politische oder Privatinteressen kann frei ausgeübt werden.“ Und diese Bestimmung wird durch keine andere Vorschrift eingeschränkt.— Was die Bekanntmachung einer Versammlung betrifft, so kann sie durch Plakat⸗ anschlag an den ortsüblichen Stellen oder auch durch Ausschellen durch den Ortsdiener erfolgen. Am Besten ist jedenfalls die Bekanntmachung durch Laufzettel, die man in die Häuser verteilt. In Heuchelheim soll, wie kürzlich der „Wetzlarer Anzeiger“ aus Kinzenbach berichtete, ein Flotten⸗Verein gegründet worden sein und diese Meldung begleitete das Blatt mit einem„Bravo“! Wir in Heuchelheim haben zwar von der Gründung noch nichts gesehen, aber es ist ja immerhin möglich, daß sich einige Heuchelheimer für den Flottenrummel einfangen ließen. Man wird sie ja bald sehen. Denn die Flottenvereinler haben sich ein Abzeichen zuge⸗ legt, das sie sich an den Hut stecken oder an die Uni⸗ form⸗Mütze, die ihnen vom Warenhaus Herzog in Berlin geliefert wird. Dann sind sie also leicht von gewöhn⸗ lichen Sterblichen zu unterscheiden. Besser wäre dies allerdings noch möglich, wenn sie sich ein Brett vor den Kopf nagelten. y. Garbenteich. Unser neu gegründeter Arbeiter⸗ Bildungsverein hielt am Samstag vor acht Tagen seine General⸗Versammlung ab, in welcher die Vorstandswahl vorgenommen wurde. Zum Vorsitzenden wurde Genosse Frey gewählt.— Sonntag, 30. Jult nachmittags 1½4 Uhr Versammlung im„Kühlen Grund“, in welcher Genosse Krumm einen Vortrag halten wird. Aus dem Rreise griedberg⸗Büdingen. tz. Rommelhausen. Vergaagenen Sonntag fand hier die schon in letzter Nummer angekündigte öffentliche Volksversammlung statt, in welcher Genosse Busold aus Friedberg referierte über das Thema: „Wohin führt unsere Zollpolitik“. Die Versammlung war sehr gut besucht. Als Gegner erschien auf der Bildfläche der Antisemit Reuter aus Offenbach a. M. (Wo kommt denn der auf einmal wieder her? Seit, zwei Jahren hörte man nichts von ihm; vor einiger Zeit wurde uns gesagt, daß er in Offenbach gewaltig auf die Hirschel und Konsorten schimpfe. D. R) Gen. Busold beleuchtete zuerst die Klassengegensätze im heutigen Staat und legte sodann in klarer Weise dar, was die jetztge Zollpolitik für uns bedeutet. In der Diskussion gestatteten wir, wie bei uns üblich, dem Gegner das Wort. Derselbe konnte jedoch an den wahren Tatsachen, wie sie Gen. Busold geschildert, nichts widerlegen. Er brachte deshalb nur etliche Zitate aus unseren Zeitungen und Parteischriften, welcher er entstellt und in ganz anderer Form wieder gab. Auch hier rechnete Genosse Busold glatt mit ih! ab. Außerdem verwickelte sich der Antisemit mit seinen Ausführungen über den Schutz der Industrie derart in Widersprüche, daß es Busold ein Leichtes war, ihn festzufahren und Reuter völlig blamiert dastand. Zum Schlusse gab ihm noch Genosse Wolf⸗Büdes heim den guten Rat, nach Berlin zu gehen, um sich dort für die freigewordene Stelle des Dresch⸗ grafen Pückler zu bewerben. Als zweiter Punkt der Tagesordnung galt die Gründung eines Wahlvereins, zu welchem sich sofort 17 Mitglieder einzeichneten und noch weitere in Aussicht stehen. Wir können mit dem guten Verlauf der Versammlung sehr zufrieden sein. V. In Büdingen war am Samstag Bürger⸗ meisterwahl, bei welcher der seitherige Bürgermeister Knaf mit 354 Stimmen wiedergewählt wurde, während sein Gegenkandidat Fendt 228 Stimmen erhielt. Dessen Anhänger hatten gegen den Bürgermeister Knaf eine bis auf die Spitze getriebene wüste Agitation entfaltet. Die Arbeiterschaft trat dagegen für Knaf ein. Aus dem Rreise Wetzlar. h. Auf die Parteiversammlung, die am Sonntag(30. Juli) nachmittags ½4 Uhr im Wiener Hof(Löb) in Gießen stattfindet, sei nochmals auf⸗ merksam gemacht. Tagesordnung wurde schon mehrfach bekannt gegeben. 5 h. Die Sammlungen des Wetzlarer Ge⸗ schichts vereins sind bis auf Weiteres jeden ersten Sonntag im Monat, vormittags von 11—12 Uhr, zur ä—ů— 2 8 . —— 91. K — iger eine fel 9 ut wenn tend tell 9 im weder l der ings⸗ 1849 titel ch: lber essen dere chung lalat⸗ durch esten „ die der ein diese bo“ dung glich, mel Denn zuge⸗ Uni⸗ gerlin vöhn⸗ dies t bot deiler⸗ seine wahl enosse ittags elcher U tag digte enosse hema: mlung F der d. M. Seit niger waltig Gen. tigen 8 die kusson * das sachen, 5 Er fungen gal enosse le sic Schub Busold völhg genosse gehel, Mesch⸗ llt der eleinb, . ulld t dem in. rel! meister chan Dessel 10 bi . Die Nr. 31. Mittel deutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 5. unentgeltlichen Besichtigung geöffnet. Kindern unter 14 Jahren wird nur in Begleitung Erwachsener Ein⸗ trütt gewährt. Wenn man das Interesse des Publikums an der Sammlung wecken wollte, so wird unseres Er⸗ achtens der angestrebte Zweck nicht erreicht, wenn alle vier Wochen nur eine einzige Stunde die freie Besich⸗ tigung möglich ist i h. Franz Behrens, der für den Wetzlarer Wahlkreis in Aus sicht genommene christlich⸗soziale Reichstagskandidat— oder sagen wir lieber zukünftiger Reichstagsabgeordneter, benn die Stöckerleute sind seiner Wahl gewiß— präseutiert sich auch im Essener Wahlkreise zur Nachwahl als Kandidat. Ein Flugblatt, das er dort losgelassen hat, strotzt, wie unsere Presse berichtet, von gemeinen Beschimpfungen der Sozialdemokr tie. Das sieht dem Stöckerjüngling ähnlich, in Versammlungen in unserm Kreise machte er es gerade so— wenn er wußte, daß unsere Partei⸗ genossen nicht oder nur schwach vertreten waren. Vor mehreren Jahren verglich er bekanntlich in Wetzlar ge⸗ schmackvoller Weise die Sozialdemokraten mit— Läusen. Jetzt ist der Görtner Sekretär der christlichen Ber g— arbeiter. In einer kürzlich stattgefundenen christlich— sozlalen Versammlung in Essen erklärte ihm aber ein katholischer Pfarrer, wenn er gegen den Toleranzantrag sei, flög; er als Sekretär aus der christlichen Gewerk— schaft heraus. h. Opfer der Arbeit. Am Dienstag Vormittag büßte schon wieder ein Steinbruch⸗ arbeiter bet seinem gefährlichen Berufe sein Leben ein. In einem Steinbruch bei Burg⸗ solms wurde der Steinbrecher Becker von herabstürzendem Gestein getroffen und sofort getötet. Der Verunglückte war erst 32 Jahre alt; eine Frau und drei Kinder betrauern den Verlust ihres Ernährers. n. Krofdorf. Vor kurzem stürzte hier an einem Neubau der 19 jährige Maurergehilfe Adolf Kraft ab und erlitt so schwere Ver⸗ letzungen, daß er einige Tage später in der Gießener Klinik starb. Wte sich der Unfall eigentlich zugetragen, durch was er veranlaßt wurde, ist nicht festgestellt worden. Auf den Dörfern werden leider die Schutzvorrichtungen nicht genügend beachtet und darauf dürfte auch dieses Unglück zurückzuführen sein.— Zweier⸗ lei Maß. Bei dem vor 14 Tagen abgehaltenen Kriegerfest waren Bäume und Grünes aus dem Wald in überaus großer Menge zum Schmucke aufgewendet. Merkwürdig, der Gesangverein „Eintracht“ hatte im vorigen Jahre bei seinem Feste Schwierigkeiten, ein paar Reiser von der Forstverwaltung zu bekommen. Westerwald und Anterlahn. * Vor der eigenen Türe kehren! Dies ist mit aller Dringlichkeit dem Organ der Stöckerei in Herborn, so sich„Nassauer Volksfreund“ schimpft— der Himmel möge das nassauer und jedes andere Volk vor solchen Freunden bewahren— zu empfehlen. Hat das edle Blättchen da den im Buchdrucker-„Corre⸗ spondent“ erschienenen, von uns bereits vor sieben Wochen besprochenen und inhaltlich zurückgewiesenen Bericht über eine Gießener Buchdrucker⸗Versammlung aufgegabelt und glaubt damit der Mitteldeutschen Sonntags⸗ Zeitung am Zeuge flicken zu können. In jenem Bericht war bekanntlich von Tarifverletzungen die Rede, die in der Druckerei, in der unser Blatt gedruckt wird, vorgekommen sein sollen. Die Sache ist von dem Eiusender sogleich in der nächsten oder darauffolgenden Nummer des „Correspondent“ richtig gestellt worden. Das geniert aber das Stöckerblatt nicht, es schüttet über uns einen Kübel voll Schimpfereien aus, spricht von„Sozialdemokratischer Theorie und Praxis“ und so weiter. Diese Heiligen sollten sich doch um sich bekümmern. Gerade bei An⸗ gehörigen seiner Partei bestehen gewöhnlich die schlechtesten Arbeitsbedingungen. Soviel uns be⸗ kannt ist, wird erst seit kurzer Zeit in der Druckerei des Stöckerblättchens tarifmäßig bezahlt und wir eriunern uns, daß früher sich die Buch⸗ drucker stets bitter über die Zustände in der Druckerei des„Volk“ in Siegen beklagten, die der christlich⸗sozlalen Partei gehört.— Was das Blättchen sonst noch bei dieser Gelegenheit von sich gibt über„sozialdemokratischen Hetzer“, die im Dillkreise„stets mit Hohn und Spott abziehen mußten“, schenken wir ihm. Die wachsende Erkenntnis der sozialen und politischen Verhältnisse wird bewirken, daß auch in jener Gegend der Sozialismus stets weitere Fort⸗ schritte machen, die Stöckerei aber bald der Vergangenheit angehören wird. — Aus Niedershausen bei Löhnberg schreibt man uns: Mit besonderem Eifer hat sich seit langem der hiesige Militärverein der Sozialistenvernichtung befleißigt. Um unsern Verein zu sprengen, wurden uns die Gendarmen auf den Hals gehetzt, Lokalabtreiberei und sonstige schöne Mittel angewendet. Der beab⸗ sichtigte Zweck ist nicht erreicht worden, dafür kam aber der Kriegerverein kürzlich in Unan⸗ nehmlichkeiten. Er war in Dillhausen zum Besuch des Kriegerfestes, allwo es zur Schlacht kam(wir berichteten kürzlich davon. D. R.), in der unsere Krieger leider mit Verlust und blutigen Köpfen zurückgeschlagen wurden, so daß an dem Aufkommen einiger Beteiligten und noch mehr an dem des Kriegervereins gezweifelt wird. An demselben ruhmreichen Abende hätte es hier übrigens beinahe noch ein Duell zwischen zwei hervorragenden Bürgern abgesetzt. Aus dem Rreise Marburg-Nirchhain. Gewerkschaftsversammlung. Leider hatte die am Samstag stattgefundene Gewerkschaftsversamm⸗ lung einen nur mäßigen Besuch aufzuweisen, es waren nur etwa 70 Personen anwesend Derartige Versamm⸗ lungen, deren wir in Marburg höchstens zwei im Jahre abhalten, müßten entschieden besser besucht sein und unsere Genossen sollten dafür sorgen. Gen. Weid ner⸗ Frankfurt sprach in einem 2 stündigen Vortrage über „die Verhandlungen des Gewerkschaftskangresses in Köln.“ Den Vortrag hier anzuführen, würde wohl zu weit führen.(Wir können auch auf den Bericht über die Gießener Versammlung verweisen. D. R.) Weidner erledigte sich seiner Aufgabe im vollsten Maße und war jeder Versammlungsbesucher mit dem Verlauf des Kon— gresses zufrieden.— Eine Diskussion schloß sich an den Vortrag nicht. Im Verschiedenen wurden einige lokale Angelegenheiten erledigt.- h. Soz. Wahlverein. Samstag, den 29. Juli, abends 9 Uhr, findet im Jes berg'schen Lokal unsere Monatsversammlung statt. Auf der Tagesordnung steht als erster Punkt ein Vortrag des Gen. Ankersmit⸗ Amsterdam(Redakteur des holländischen Zentralorgans „Het Volk“):„Der Sozialismus in Holland“. Zahlreiches Erscheinen der Parteigenossen wird erwartet. Gäste willkommen! Versammlungen finden statt! Am Samstag im Wahlverein.— Am Sonntag Vormittag präzis 10 Uhr hält der Arbeitergesangverein„Eintracht“ seine Generalversammlung bei Jesberg ab.— Am Montag Abend 9 Uhr findet bei Geisler die ordent— liche Generalversammlung des Konsum vereins statt. (Siehe Inserat.) Zu allen Versammlungen wolle man pünktlich und zahlreich erscheinen. * Marburger Wohnungselend. Prächtige Neubauten werden seit einigen Jahren in allen Himmels⸗ richtungen unserer Stadt aufgeführt. Dadurch gewinnt unsere Stadt einen reizend schönen Anblick und jeder Fremde, der nach Marburg kommt, ist voll des Lobes über die hübsche Stadt mit ihrer prachtvollen Umgebung. (Fortsetzung siehe Seite 6.) Bei dem Mouatswechsel müssen sich unsere Parteifreunde die Werbung neuer Abonnenten für unsere Parteipresse besonders angelegen sein lassen. Vor allem müssen die Gewerkschaftsmitglieder in ihren Kol⸗ legenkreisen für das Arbeiterblatt, das hier allein die Interessen des arbei⸗ tenden Volkes vertritt, die Mittel⸗ deutsche Sountags⸗ Zeitung wirken. Kleine Mitteilungen. : Einen frechen Raubanfall verübte am Montag früh ein Strolch bei Großkarben auf dem Wege zum Bahnhof. Er fiel einen Knecht aus Kloppen⸗ heim an, brachte ihm mehrere lebensgefährliche Stiche bei und raubte ihm Uhr und Barschaft. Bald nach der Tat wurde er ergriffen und wäre von der Volks⸗ menge fast gelyncht worden.— Erschossen hat sich am Dienstag in Marburg ein Einjährig⸗Freiwilliger bei dem dortigen Jägerbataillon namens Bunke.— Ein größerer Brand brach in der Nacht zum Sonntag in der Wachstuchfabrik in Griesheim a. M. aus, wo⸗ durch ein Teil der Fabrik eingeäschert wurde.— In Koblenz goß eine junge Frau Petroleum ins Feuer und verbrannte dabei am lebendigen Leibe. Als Nachbarn herbeieilten, war sie schon tot. r Wieder Einer. Unter dem Verdacht, an schulpflichtigen Mädchen Sittlichkeitsdelikte begangen zu haben, wurde der evangelische Pfarrer Dann von Pleidelsheim am Samstag ins Untersuchungsgefäng⸗ nis in Heilbronn eingeliefert. * Infolge Vergiftung durch verdorbenes Fleisch sind in Bamberg 13 Mann, nach anderen Meldungen gar 34 Mann, der zweiten Eskadron des dortigen Ulanen-Regiments erkrankt und in das Lazarett überführt worden. Ein Mann ist bereits gestorben. In dem Lohnkampfe im Baugewerbe im Ruhrrevier ist es noch zu keiner Einigung gekommen, obwohl sich der Oberbürgermeister Zweigert in Essen in dieser Richtung bemühte. Partei-Uachrichten Wahlkreis Gießen⸗Grünberg⸗Nidda. Die diesjährige Kreiskonferenz findet am Sonntag, den 13. August, vormittags 10 Uhr, im Lokale des Genossen Orbig in Gießen statt. Tagesordnung: . Vorstands⸗ und Kassenbericht. . Neuwahl des Vorstandes. Die Landtags wahlen. . Parteitag in Jena. . Verschiedenes. Der Vorstand des Kreiswahlver eins, An die Parteigenossen der Orte Hau sen, Garbenteich, Watzenborn⸗ Steinberg und Leihgestern! Der unterzeichnete Vorstaud beruft hiermit auf Sonntag, den 6. August, nachmittags 3 Uhr in das Lokal„Zum grünen Baum“ in Stein⸗ berg eine Bezirks versammlung ein. Tagesordnung: 1. Die Landeskonferenz in Alzey. 2. Wahl eines Delegierten zu derselben. Parteigenossen! Wir erwarten, daß Ihr zu dieser Versammlang zahlreich erscheint. Mit Parteigruß Der Vorstand des sozialdemokr. Wahlvereins Steinberg. An die Parteigenossen von Wieseck, Rödgen, Trohe und Alten⸗Buseck. In Aus⸗ führung des Beschlusses der vorjährigen Bezirkskonferenz beruft der Unterzeichnete die diesjährige Konferenz auf Sonntag, den 30. Juli 1905, nachmittags 3 Uhr nach Rödgen in das Lokal Balser ein. Tagesordnung: 1. Die Landeskonferenz in Alzey eventl. Wahl eines Delegierten. 2. Anträge zur Landes⸗ konferenz. 3. Verschiedenes. Wir machen darauf aufmerksam, daß von jedem Ort drei Delegierte stimmberechtigt sind. Um zahlreichen Besuch ersucht E Der Vorstand des Volksvereins Alten⸗Buseck. Parteifreunde! Steuert ein paar Pfennige zur Unterstützung der russischen Freihettskämpfer bei! Sammellisten an den bekannten Stellen. Versammlungstalender. 5 Samstag, den 29. Juli. Gießen. Sozialdem. Wahlverein. Abends Versammlung bei Orbig. Steinberg. Wahlverein. Abends 9 Uhr Ver⸗ sammlung im Lokale„Zum grünen Baum“. T.⸗O.: 1. Die Kreiskonferenz; Wahl der Dele⸗ gierten zu derselben. 2 Die Landeskonferenz in Alzey. 3. Verschiedenes. Wieseck. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Wacker. Sonntag, den 30. Juli. Großen⸗Buseck. Wahlverein. 3 Uhr Versammlung bei Größer. Heuchelheim. Arbeiterbildungsverein. Nach⸗ mittags 3½ Uhr pünktlich Versammlung bei Wirt Karl Steinmüller. T O.: 1. Kreiskonferenz. 2. Landeskonferenz. 3. Verschiedenes. Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung werden die Genossen ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. Montag, den 31. Juli. Gießen. Schneider verband. Versammlung bei Or big. Dienstag, den 1. August. Gießen. Gewerkschaftskartell. Abends 9 Uhr Sitzung bei Orbig. Lollar. Metallarbeiter⸗Lversammlung Abends 1½7 Uhr im Gasthaus„Zum Schwanen“. 9 Uhr Nachmittags Abends 9 Uhr — ————ůj— c — ———.— S ——— 4 . Seite 6. Mitteldentsche Sonutags⸗Zeitung. Ar. 31. Die Architeksen wetteifern und überbieten einander in Eciichtung stil⸗ und geschmackvoller Bauwerle. Im Südviertel z. B. kann man die wunderschönsten Schweizer⸗ häuschen in den verschiedensten Ausführungen bewundern; geht man aber einmal durch„Weidenhausen“ in's Zentrum der Stadt und die Ketzerbach hinunter, so kann man Baracken sehen, daß es einem jammert, die den Eindruck machen, als wollten sie jeden Augenbllck über ihren Bewohnern zusammenbrechen. Man glaubt ein Dorf im tiefsten Rußland, der Slowakei oder einer andern schönen Gegend vor sich zu sehen. Und wie sieht's erst im Innern dieser„Paläste“ aus! Keine Tapete, sondern kahle Lehmwand, statt ordentlicher Fenster kleine Löcher, die kaum ein wenig Sonnenlicht herein lassen. Es ist daher gar nicht verwunderlich, daß die Krankheitsziffer in dieser Gegend selbst im Sommer sehr hoch ist, vom Winter ganz zu schweigen. Oft schon mußten Wohnungen polizeilich geräumt werden, weil sie den gesundheitlichen Anforderungen nicht entsprachen. Kürzlich mußte ein Schlossergeselle die Wohnung beim Kunstschlossermeister Gust. Laubscheer auf der Ketzer⸗ bach polizeilich räumen, weil dieselbe zum Bewohnen vollständig ungeeignet war. Trotzdem bei uns in Marburg die Wissenschaft auf der Straße spazieren geht, sieht es mit dem Gesundheitszustand der Bevölkerung nicht zum besten aus. Daß dies größtenteils die Wohnungsverhältnisse verschulden, sollte jedem einleuchten. An Besserungen auf diesem Gebiete mitzuarbeiten, dafür zu sorgen, daß gute Wohnungen für Arbeiter und Minderbemittelte beschafft werden, ist Pflicht für jeden unserer Genossen. O Vandalischen Unfug trieben in der Nacht von Samstag auf Sonntag im Südviertel eine Anzahl junger Leute in solcher Weise, daß das hiesige konser— vative Blatt die Täter als„Hereros“ bezeichnete. Es wurden Laternen zerschlagen, Zweige von den Bäumen abgehauen und in der Barfüßerstraße eine Anzahl Markisen entzwei geschnitten. Herrn Stadtverordneten Berdux sei hierdurch empfohlen, sich die Radaubrüder nach deren Ermittelung einmal anzusehen, ob es Arbeiter sind, deren Frauen sich die Haare raufen, weil sie nicht wissen, woher sie Brot kaufen sollen, oder ob es Ange⸗ hörige der sog, gebildeten Stände sind. In letzterem Falle wird wohl seine Nachtruhe nicht gestört worden sein, O Vom Schöffengericht wurde ein hiesiger Einwohner freigesprochen, welcher sein Kind wegen einer geschwollenen Backe nicht zur Schule geschickt, aber kein ärztliches Attest beigebracht und deshalb eine Polizei⸗ strafe sich zugezogen hatte. Da solche freisprechende Erkenntnisse schon mehrfach ergangen sind, sollten es sowohl der Lehrerschaft wie der Polizei eigentlich bekannt sein, daß zur vorgeschriebenen„genügenden Eatschuldigung“ kein ärztliches Zeugnis erforderlich ist. Es wäre ja duch noch schöner, wenn wegen jeden Unwohlseins, welches am Besuch der Schule hindert, der Arbeiter gezwungen wäre, einen Arzt herbeizuholen und zu be⸗ zahlen. Sozialdemokrat als Universitätslehrer. Aus Zürich wurde kürzlich berichtet, daß der schwetzerische Schulrat unserem Partei⸗ genossen Robert Seidel soeben die venia docendi(die Erlaubnis, Vorlesungen zu halten) erteilt. Seidel wird seine Vorlesungen schon im kommenden Semester an der dortigen Uni⸗ versität beginnen. Genosse Seidel hat sich durch sein Wirken als Lehrer nicht nur die Achtung und Anerkennung in unserer Partei, sondern auch weit hinein in die bürgerlichen Kreise zu sichern gewußt. Durch vorzügliche schriftstelle⸗ rische Leistungen als Pädagoge und Historiker hat er sich weit über das Schweizerland hinaus einen Ruf erworben. Wir nennen hier nur seine Schriften über den Arbeltsunter cet, die in verschiedene Sprachen übersetzt wurden und geradezu bahnbrechend auf das Erziehungswesen wirkten. Durch seine historische Arbeit über „Friedrich den Großen“ hat Seidel jene Legende, als ob Friedrich der Große das Muster eines aufgeklärten Monarchen gewesen sei, vollständig zunichte gemacht. Als Freiheitsdichter ist Seidel wohl allen Arbeitern zur Genüge bekannt. Wir gönnen ihm seine Ernennung von ganzem Herzen! Opfer des Bergwerksbetriebes. Die Unglücksfälle im Bergbaubetriebe im Oberbergamtsbezirk Dortmund nehmen in erschreckender Weise zu. In der vergangenen Woche wurden sechs Bergleute verschiedener Zechen getötet, besonders durch Herabfallen von Gesteinsmassen und außerdem mehrere verletzt. Das Oberbergamt hat die Zechenverwaltungen angewiesen, auf eine schärfere Beachtung der Sicherheits- vorschriften im Bergbaubetriebe hinzuwirken. Auf dem Schacht„Anna“ des Kölnischen Berg⸗ werkvereins in Essen wurden zwei Bergleute durch einbrechende Gesteinsmassen verschüttet; der eine ist tot, der andere wurde leicht verletzt. Priesterliche Gotteslästerung. Bei dem Begräbnis einer Anzahl Opfer des furchtbaren Grubenunglücks auf der Borussia⸗ Grube sagte der katholische Priester in seiner Grabrede unter anderm: „Bei diesem schweren Unglück, das da die Bergleute getroffen, müssen wir wieder sagen:„Gottes Rat⸗ schlüsse sind unerforschlich und Gottes Wege sind nicht unsere Wege. In unser en Tagen hebt der Unglaube stolz das Haupt und gewinnt immer mehr Anhänger. Die Menschheit will nur genießen und ist verfallen der Augenlust, der Flelscheslust und der Hoffart des Lebens. Der Unglaube führt Krieg gegen Gott und Kirche, und vielleicht werden wir noch schwere Zeiten erleben müssen. Da braucht man sich nicht zu wundern, wenn Gott das Baud zwischen sich und der Menschheit zerreißt und solche Kata⸗ strophen schickt, um die Meuschen zur Besiunung und zum Glauben zurückzuführen. Darum Ihr Bergleute, folgt nicht den Verführern, laßt Euch nicht den Glauben aus Eurem Herzen reißen“ usw. Der Priester war jedenfalls überzeugt von dem, was er da sagte, trotzdem hört es sich wie eine schlimme Lästerung Gottes und der Religion an und muß auch so wirken. Den Grubenkapitalisten wird solche Rede allerdings gefallen. Sie sind danach nicht schuld an dem grausigen Uaglück, weil ste die Sicherheitsvor⸗ kehrungen unterließen, sondern es war eine „Strafe Gottes“. Frömmigkeit und Sittlichkeit. Ein trauriges Sittenbild vom Lande bot die kürzlich vor dem Schwurgertcht in Strau⸗ bing durchgeführte Verhandlung gegen die 25 Jahre alte ledige Maria Hutterer wegen Kinds⸗ tötung, sowie gegen deren Stiefvater, den ver— heirateten Bauern Joseph Reidl wegen Vergehens wider die Sittlichkeit. Reidl pflog mit seiner Stieftochter seit ihrem 16. Lebeusjahre intimen Umgang, die infolgedessen nicht weniger als sechs Kinder gebar, die mit einer einzigen Ausnahme bald nach der Geburt gestorben sind. Als die Hutterer am 12. März d. J. zum sechsten Male von einem Kuaben entbunden wurde, deckte sie es mit einer Decke so zu, daß das Kind erstickte. Sodann nahm der Sttef⸗ vater Reidl das Kind und warf es den Schweinen zum Fressen vor. Während die Hutterer den Umgang mit ihrem Stiefvater zugab, leugnete dieser. Die Hutterer wurde zu 2 Jahren 8 Monaten Gefängnis, Reidl zu 2 Jahren Gefängnts verurteilt. Die Verhand⸗ lung ergab schauderhafte Momente stttlicher Verkommenheit; die Oeffentlichkeit war ausge⸗ schlossen. Bezeichnend ist es, daß der vertierte Mensch stets den Frömmler markierte! e 1 SN See Arbeitslos. Nach dem Französischen. Seit zwei Monaten schon irrte Jacques Demain in Paris herum und suchte Arbeit. Er war Fuhrmann, hatte nach Vollendung von Dammarbeiten, die ihn mehr als ein Jahr beschäftigt hatten, seine Heimat verlassen und war nach Paris gekommen. Er wußte, daß dort mit Beginn des Frühjahrs große Bau⸗ arbeiten unternommen würden. Aber die Plätze waren schon überall besetzt; die Unternehmer, die keine Zeit hatten, ihn an⸗ zuhören, sahen sich die zerknitterten Zeugnisse gar nicht an. Und die Kameraden, die ihn so viel um die Bauplätze herumschleichen, auf leere Stellen, Unglücksfälle oder Kündigungen lauern sahen, zeigten sich ihm feindlich. Die Nieder⸗ lagen machten ihn schüchtern. Täglich wurde sein Aussehen weniger reinlich, seine Kleider abgetragener, sein Gesicht hagerer; müde von den langen Märschen, durchweicht von Regen, mit knurrendem Magen ging er einher. Des Nachts siegte seine Müdigkeit nicht mehr über die Schlaflosigkeit. Wenn er auf einer Bank oder unter einem Brückenbogen lag, dachte er sich oft aus, daß er krank würde und man ihn dann in ein Spital trüge, oder er träumte, daß man ihn als Vagabunden festnahm. Des Tages aber herrschte doch der Instinkt der Freiheit vor. Das Spital mit seinen geheimnisvollen großen Mauern widerstrebte ihm, und das Gefängnis flößte ihm Schrecken ein. Er nahm seine Märsche wieder auf, begann wieder zu suchen, lief lauernden Blickes wie ein gehetztes Tier durch die Straßen, den Uniformen ängstlich answeichend, während der Gedanke, daß er vor Hunger bei seiner stetig abnehmenden Besund⸗ heit die Hand nach fremden Eigentum aus⸗ strecken könne, ihm den Atem benahm und die Kehle zusammenschnürte. Er hatte sich beim Wohltätigkeitsburcau vorgestellt. Kartenspielende Beamten hatten ihn angefahren. Man hatte ihm Hilfsvereine genannt; oft fand er die Adressen nicht, und die anderen Male wurde er abgewiesen. ** * An jenem Morgen, da ihm vor Schwäche der Kopf schwindelte, gegenüber den weißen, sonnenbeschienenen Mauern, da seine Füße unter ihm nachzugeben schienen; an jenem Morgen sah er, daß ihn durch das Gitter eines Gartens ein Mann beobachtete. Ohne es zu wollen, kam er auf einem Umweg zum Gitter. Bei den ersten Worten, die er hervorzubringen sich bemühte, stiegen Träuen in seine Augen und schnitten ihm die Stimme ab; er mußte mit Geberden nachhelfen, die Hand auf den Magen legen, um die Qualen seines Hungers auszu⸗ drücken. Das Gitter hatte sich indeß geöffnet, er hörte teilnahmsvolle Worte. Dann ließ ihn ein auf einen Ruf des Mannes herbeigeeilter Diener eintreten und führte ihn tu die Küche. Er ging wie im Traume. Er sah, daß man ihm Suppe auftrug, und stürzte sich darauf. Er trank em wenig Wein, und als man ihm Fleisch gegeben hatte, glaubte er vor Rührung in Ohnmacht zu fallen und brach in ein nervöses Lachen aus. Die Diener in dem Raume sahen ihn ver⸗ ächtlich und demütigend an. Er bemerkte es nicht, eingeschüchtert durch ihr großartiges Auf⸗ treten und die Majestät ihrer Livréen. Und nach und nach durchströmte ihn ein ungekanntes Wohlbefinden, strahlte eine unvergleichliche Sattheit durch alle seine Glieder. Ein unter⸗ brochenes Leben erwachte in ihm; er fühlte sein Blut rollen; sein blutleeres Gehtrn funk⸗ tionterte wie eine verrostete, wieder in Bewegung gesetzte Maschine. Alles kam zugleich wieder, Mut, Hoffnung, Lebensfreude. Er sah, wie er wieder eine Stellung fand und munter sein Gespann führte. Er erzählte sein Elend und sprach allein in dem hochmütigen Schweigen der Diener. Er betonte seine Gewissenhaftigkeit als Arbeiter und rühmte seine Geschicklichkeit im Lenken. Er führte Kunststücke an, wie er mit einem zehnspännigen Wagen schwere Pflaster⸗ steine in einer Straße geführt hatte, wo gerade nur die Räder Platz hatten. Nach so langem Hunger, nach so vielen Tagen des Schweigens ward er leicht betäubt von dem bißchen Nahrung und seinen eigenen Worten; ein Fieber erfaßte ihn, eine leichte Trunkenheit durchschauerte seine Glieder. Seine Stimme wurde lauter; er begann, die Szenen mit Geberden zu begleiten: die Pferde, die am Anfang gaanz gerade ausgehen; wie dann ihre Reihe zur Seite biegt und sie die Köpfe in die neue Richtung bringen und er selbst an der Deichsel mit den langen Zügeln in der Hand straffen Armes die Zügel dirigiert. Wie dann das ganze Gespann in der Richtung ist, die Deichselp ferde durch kurze Rufe in Atem ge⸗ halten sind und er gerade in dem Augenblick, wo sie den plötzlichen Stoß der Wendung spüren der len das ihm zu leg lich bor ind⸗ ius. die eim de alte die ide i gel, lber en tells len, Bel sich und lit gen zu⸗ bre eher ug be eln eben acht Als. her⸗ e 0 luf⸗ und les liche stel⸗ lte unk ung del, e kl. fein und Igel! elt elt kl fl, babe. len ibt enen schte elle cel lle die del and anl. dle gl 17 ee 53 —. n— e war von Entrüstung erfüllt. Nr. 31. Mitteldentsche Sonntags⸗Zemung. Seite 7. sollten, sie mit einem gellenden Schrei herum⸗ bekommt; die Pferde, deren Brustkorb schwillt, beugen den Hals und treiben voran mit ge⸗ seuktem Kreuz; die Mittelpferde galoppieren in kleinen Sprüngen und nehmen den Boden immer mit beiden Füßen zugleich. Er erlebt sie selbst wieder, alle diese Dinge, als er ste erzählte, und regte sich auf. Die Trunkenheit wuchs, ward zum Ueber⸗ sprudeln der Kräfte, fast zu einem wirklichen Rausch für diesen schwachen Körper. ** * Stolz auf seine Mildtätigkeit kam der Herr herunter, sich seines guten Werkes zu erfreuen. Als er eintrat, hatte das Gespann eben seine Hauptwendung ausgeführt, und der Wagen fuhr mit Donnergeroll in die enge Straße ein, wäh— rend die Deichselpferde mit schwankenden Knieen sich von den Deichselstangen tragen ließen. Er blieb mit offenem Munde stehen: War der Kerl betrunken? Rasch hatte sich Jacques erhoben; er fiel bei dieser allzu raschen Bewegung beinahe um, und seine Zunge, die plötzlich müde war von so viel Worten, konnte nur stammeln. Der Herr erbleichte, ward rot, von Kopf bis zu Fuß durchschüttelt von dem Zorn eines be⸗ stohlenen Menschenfreundes:„Was, Du Kerl, Du bist besoffen! Fort mit ihm, werft ihn hinaus! Ohne Umstäude!“ Die Diener, die nur schlecht ihr boshaftes Lachen verbargen, nahmen den verblüfften Mann bei den Schultern und schoben ihn zur Tür. Der Herr sah von weitem aus dem Garten zu und wischte sich dabei die Stirn ab. Er Er fand, daß er wirklich zu gut, ja zu dumm war. Und als sie zum Gitter kamen, besann er sich s nell eines Besseren: „Ah, holt mir die Polizet! Den Kerl da muß man mir einlochen! Hört Ihr? Daß ste mir ihn einlochen!“ Die Mutter als Erzieherin. Du sollst Geduld haben! Dein Kind ist unartig und unfolgsam. Schon hundertmal hast du ihm etwas verboten, und es tut das Unrechte doch immer wieder aufs neue. Es soll nicht im Wasser herumplanschen. Wie oft hast du deinem Töchterchen das gesagt. Vor einer halben Stunde noch. Und nun siehst du es draußen in der frischen Pfütze, die der Regen eben hergerichtet hat, munter herumpatschen. Das Wasser spritzt hoch auf, Strümpfe und Kleider sind durchnäßt. Das siehst du mit Schrecken, und dir steigt das Blut zu Kopfe. Ju deinem bitterbösen Zorne siehst du gar nicht, wie deinem Kinde die höchste Lust aus den Augen leuchtet. Du siehst nur die nassen Strümpfe und Schuhe und das unartige, un⸗ gehorsame Kind. Und der Zorn und der Schmerz überwältigen dich, und du schreist dein Kind an und strafft es schwer:„Wie oft habe ich dir das verboten, du bist ein schlechtes Kind, ich mag dich gar nicht mehr leiden. Was soll aus dir einmal werden!“ Beruhige dich, aufgeregte Mutter! Dein Kind wird nicht schlechter als alle die anderen Kinder. Dein Kind trägt das Gesetzbuch nicht fortwährend im Kopfe. Und die Gesundheits⸗ regeln noch viel weniger. Glücklicherweise nicht! Es wäre schlimm um das Kind bestellt, es wäre ein naseweises Streberchen, wenn es bet jedem Schritte und bei jedem Handschlag erst immer vorher an die hundert und tausend Vorhaltungen denken würde, die Vater oder Mutter ihm seit Jahren— selten in Ruhe, zumeist im Zorne— gemacht haben. Frage dich, Mutter, ob du dich bet allem, was du tust, auch jedesmal vorher reiflich prüfst, ob du es darsst oder nicht darfst. Was würde ein Erzieher zu tun haben, der dir jedesmal zurufen sollte: Das darfst du nicht, wie oft habe ich dir gesagt, daß das unrecht und falsch ist! Sollst du nun dein Kind ruhig weiter im Wasser patschen lassen? Gewiß nicht! Du sollst es herausholen, du sollst ihm auch Vorhaltungen machen, aber nur in kurzen, bestimmten Worten und ohne das fürchterliche Aufgebot an mora⸗ lischer Entrüstung. Du sollst nicht durch schreck— liche Ausrufe dem Kinde den Glauben an sich selbst zerstören. Das Kind darf es und soll es fühlen, wenn es den Eltern Kummer bereitet hat. Das Kind soll gehorchen lernen. Das Kind soll daran gewöhnt werden, das Schlechte, das Falsche, das Ungehörige, das Gefährliche zu meiden. Aber du mußt das nicht durch einige erregte, in der Aufregung herausgeschleu⸗— derte Verbote und Gebote erreichen wollen. Durch ruhige, konsequente Gewöhnung, durch kurze Bestimmtheit erreichst du viel mehr als durch lautes Schelten und leidenschaftliche Ver⸗ wünschungen und Ausrufe. Eine Mutter muß Geduld haben. Durch ungeduldiges Zerren und Reißen bringst du die Knospe nicht zur Blüte, sondern du zerstörst sie. Wenn dein Kind, die zarte Menschenknospe, schön erblühen soll, so zerre und reiße nicht daran, sondern übe dich in Geduld!— (h. sch. in der„Gleichheit“.) Allerlei.. Sechzig Millionen Einwohner zählt Deutschland gegenwärtig. Nach dem Statistischen Jahrbuch des statistischen Amtes ist die mittlere Bevölkerung des Jahres 1905 auf 60 164000 Köpfe geschätzt gegen 59 364000 im Jahre 1904 und 58 569000 im Jahre 1903. Von 1903 zu 1904 hätte hiernach die Bevölkerung um 795000 und von 1904 zu 1905 um 800000 zugenommen. Die am 4. Dezember d. J. statt⸗ findende Volkszählung wird zeigen, wie weit das rechnungsmäßige Ergebuts von dem wirk— lichen abweicht. Doch groß wird der Unter— schied nach den Erfahrungen bei den früheren Volkszählungen jedenfalls nicht sein. Die 50. Million überschritt die Einwohnerzahl Deutsch⸗ lands im Jahre 1892; 1870 betrug die Be⸗ völkerung des heutigen Deutschen Reiches 40,8 Millionen, 1855 36,1, 1816 24,8 Millionen. Man kann ungefähr berechnen, daß sich die Bedölkerung des Reichs seit 72 Jahren ver⸗— doppelt hat. Ausreichenden Schlaf für unsere Schulkinder. Es ist eine wenig beachtete Tatsache, daß im Sommer im allgemeinen ein ausreichender Schlaf viel schwieriger zu erzielen ist wie im Winter. Zum Zustandekommen desselben ist nämlich die Fernhaltung aller Reize durchaus notwendig, vor allem also Ausschaltung des Lichtes. Die Kürze der Nächte beeinträchtigt demnach die Länge des Schlafes in ganz er— heblichem Maße. Ein ausreichender Schlaf ist aber nicht nur dem Erwachsenen, sondern auch dem Kinde überaus notwendig. Das Schul- kind wird durch zr kurzen Schlaf mehr ge⸗ schädigt wie durch die anstrengendste Arbeit; Ermattung und Nerposität stellen sich ein, während ein ausreichender Schlaf die Wider⸗ standsfähigkeit erhöht. Die wiederholt festge— stellte Tatsache, daß Kinder, welche nicht ge— nügend schlafen, öfter erkranken als diejenigen, welche ausgeschlafen haben, hat neuerlich auch die Schulkommisston in Stockholm wieder beob⸗ achtet. Sie konstatierte, daß nicht ausgeschlafene Kinder zu einem Viertel mehr unter Krank⸗ heiten leiden, wie andere, und setzte demgemäß die Schlafzeit für Schulkinder fest. Kinder von 4 Jahren sollen mindestens 12 Stunden schlafen, solche von steben Jahren 11 Stunden, solche von 9 Jahren 10 Stunden, von 12 bis 14 Jahren 9 bis 10 Stunden, junge Leute von 14 bis 21 Jahren 8 bis 9 Stunden. Im Winter ist es nicht schwierig, diesen Anforde⸗ rungen zu genügen. Im Sommer schlafen die Kinder dagegen sehr schwer ein, so lange es noch hell ist. Man soll aber die Kinder nicht zu früh zu Bett bringen, ehe Schlaf sich ein⸗ stellt; auf der andern Seite kann man den Schlaf im Sommer etwas rascher herbeiführen, wenn man die Lichtreize ausschaltet und daher das Schlafzimmer verdunkelt; auch laue Bäder und Waschungen wirken einschläfernd. „Mir ist etwas ins Auge geflogen!“ das ist der Schmerzensruf, der jetzt in der Zeit der Ausflüge ins Freie, bei den Staub⸗ wolken des Sommers wieder alltäglich ge⸗ worden ist. Man sieht, wie von den Betroffenen ihr Auge eifrig gerieben wird und doch der Schmerz nicht nachläßt. Im Gegenteil, er verschlimmert sich dadurch nur, und der ein— gedrungene Fremdkörper sitzt meist umso fester im entzündlich geröteten Auge. Besser ist es schon, das unverletzte Auge zu reiben, um auf diese Weise auch die Tränenabsonderung des anderen anzuregen, die oft den Störenfried herausbefördert. Auch ein kühles, sofort vor— genommenes Augenbad mit reinem Wasser tut gute Dienste. Hat man Oliven- oder Mandelöl zur Hand, so tröpfle man wenige Tropfen da— von ins Auge und wasche es nach einiger Zeit mit warmem Wasser wieder aus. Es gelingt so oft, Staub, Asche, Splitter ꝛc. zu entfernen. Frisch gelöschter Kalk muß schnell mit reichlich kaltem Wasser ausgewaschen werden, da sonst das Auge leicht unheilbar erblinden kann. Splitter. Der Undank ist immer eine Art Schwäche. Ich habe nie gesehen, daß tüchtige Menschen wären undankbar gewesen. Goethe. * * * Das ist der im Leben gefährlichste Stolz, der nicht aus eigener Wertschätzung, sondern aus fremder Geringschätzung hervorgeht. Grillparzer. * * Nichts gewinnen als Geld, und alles ver— lieren, nämlich die Ehre, heißt in der Welt immer noch: sein Glück machen. A. Ritter. Nur darum? Sind nur darum Europas Staaten, Daß die Soldaten grünen und blühn? Müssen für drei Milllonen Soldaten Unsere zweihundert Millionen sich mühn? Freilich, das ist das Glück das moderne, Das uns gelehrt hat Soldaten erziehn! Ganz Europa ist eine Kaserne, Alles Dressur und Diszipliy. An das Volk. Was willst du redlich sein? Mit treuer Hand Die Deinen nähren, und das Vaterland Mit Arbeit schmücke! für und für? Der groß; Krieg steht vor der Tür. Noch gestern war es nichts; nur über Nacht Hat dich der Sturmwind, um dein Glück gebracht. Er kam— was kümmert's dich woher— Geh fort! Man ruft dich ins Gewehr. Geh aus der Werkstatt du, geh du vom Pflug! Für dech, du Tier, zu wissen ist's genug, Der große Krieg kam übers Meer, Gieb du dein Glück, dein Leben her! L. Thoma im„Simplicissimus“. Humoristisches Nach der Parade.„Also bloß 17 Mann haben den Hitzschlag kriegt? A Glück, daß d' So ldaten koa Geld nit kosten!— Herrgott, wenn dös Rösser g'west wären!“(Südd. Postill.) Empfehlenswerte sozialistische Schriften. Von der Expedition der Mitteld. Sonnt.⸗Zeltung Gießen, Rittergasse 17, sind zu beziehen: Die Neue Zeit. Wochenschrift der deutschen Sozialdemokratie. Allwöchentlich ein Heft. Preis 25 Pfg. 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Auf dem Juxplatz Karussell usw. Von 5 Uhr ab: TAX Z. Abends 10 uhr: Grosse Faekel- Polonaise. 6 Uhr: Aufsteigen zweier Riesen⸗Luftballons. 3/ Uhr: Feenhafte Beleuchtung des ganzen Festplatzes. 9˙/ Uhr: Leiter Frramiden. Eintritt pro Person 20 Pfg. Mitglieder gegen Vorzeigung ihrer Mit⸗ gliedskarte eine Dame frei. Kinder, wenn nicht in Begleitung ihrer Eltern, haben keinen Zutritt. Zu recht zahlreichem Besuch ladet freundlichst ein. Der Vorstand. 8 1288 perfen fafben! SebkN Hört, Chapeau Clagues, Re Sg Sport- U. 1 18 a Neustadt 112 Telephon 298 Eisenhandlung, Stahlwaren, Werkzeuge, Haus⸗ und Küchengeräte⸗ Handlung Spaten Landwirtschaftl. Geräte Herde und 8 5 Rest. Geisler, Frankfurterstraße: von Mk. 65. 8 3 g Drahtgeflecht Wasch⸗ u. Wringmaschinen Petroleum⸗ u. Gaskocher 3 prima Stachelzaundraht, Mangen, Vogelkäfige Fleischhack⸗ u. Reibemasch. General⸗Versammlung. Lubehör teile, Mantel von Rasenmäher Waagen und Gewichte Dr. Kleins Fleischsaftpressees 85 l 5 ca. 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