—28 2 — 1— 8 8 ocher asch. resse Dall 1 1 Gießen, den 28. Mai 1905. 12. Jahrgang Nedaltion: Nirchenplatz 11, Schloßgasse. Sonnta Mitteldeuts che 225 b Nedaktionsschluß: Donnerztag Nachmittag 4 Uhr. * itu 1 Abonnementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. trekt durch Druckerei, Zudwigstr. 30, jede Postanstalt und 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Bestellungen Juserate 2 kostet durch unsere nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbr⸗trung. Die 5 gespalt. Bei mindestens die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 5107) 33½% und bei mindestens 2 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Wirkung der deutschen Zollpolitik. Unter der Ueberschrift:„Ein Urteil über die deutsche Zollpolitik“ brachte der„Vorwärts“ kürzlich einen Artikel, dem wir folgende Aus⸗ führungen entnehmen: In weniger als einem Jahre wird der neue Kurs der deutschen Handelspolitik zum vollendeten Ereignis geworden sein. Es beginnt damit ein neuer Abschnitt in der deutschen Wirtschaftsgeschichte, dessen Wirkungen sich keine wirtschaftliche Existenz ganz entziehen kann, der in das Lebeusschicksal von Millionen in empfind⸗ licher Weise einschneidend und die politische Eutwickelung in bedeutsamer, ja vielleicht ent⸗ scheidender Weise beeinflussen wird. Kritische Erörterungen der neuesten handelspolitischen Ereignisse haben daher heute aktuell politische Bedeutung, nicht so sehr in dem Sinne, als ob durch sie schädliche Neubildungen verhindert werden könnten, als vielmehr dadurch, daß sie wertvolle Fingerzeige geben, wie sich Berufs⸗ stände, Klassen und Parteien in diese neuen Verhältnisse einzufinden haben werden. In diesem Sinne ist die soeben erschienene Schrift des Sekretärs im österreichischen Han⸗ delsministerium und Wiener Privatdozenten Dr. Richard Schüller) von erheblicher Bedeutung. Schüller, der weit davon entfernt ist, ein absoluter Freihändler, ja auch nur ein obsoluter Gegner von Getreidezöllen zu sein, widmet ein ausführliches Kapitel seines vor⸗ wiegend theoretischen Buches der neuesten Phase der deutschen Handelspolitik, und das Ergebnis, zu welchem er gelangt, entspricht in allen wesent⸗ lichen Zügen der Krittk, die die deutsche Sozial⸗ demokratie an dem Entwurfe des Zolltarifs und den Handelsverträgen geübt hat. Schüller untersucht zunächst alle Umstände, aus denen die Erhöhung der deutschen Getreide⸗ zölle begründet worden ist. Zunächst das Sinken der Getreidepreise. Hier findet er, daß in der Periode von 1870—1901 bloß die Weizenpreise recht erheblich(von 21,50 auf 16,80 Mk.), die Roggen preise dagegen nur unerheblich(von 15,32 auf 14,60 Mk.) ge⸗ fallen sind. Gleichfalls unerheblich sind die Gerstenpreise seit 1880 gefallen(von 18,90 auf 18,75 Mk.), während die Haferpreise seit 1880 sogar eine Erhöhung(von 14,60 auf 15,00 Mark) erfahren haben. Nun entfallen auf den Weizen nur 15 Prozent der Anbaufläche dieser vier Hauptgetreidearten, dagegen auf Roggen 44 Prozent, auf Gerste 11 Prozent, auf Hafer 30 Prozent. Aber auch von solchen Verteilungsverhältnissen abgesehen, bilde die Verbilligung einer Ware noch keinen Grund, den Zoll zu erhöhen. Das Gesamtein⸗ kommen der Nation sei durch den geringen Preisrückgeng nicht vermindert worden, da⸗ durch sei nur das Renten einkommen gefallen, während die Konsumenten durch die Verbilli⸗ gung gewinnen. Ein Rückgang des Gesamteinkommens— und das ist für Schüller der wesentliche Punkt — trete erst ein, wenn die Verbilligung der Preise zu einer Verminderung der inländischen 0 Schutzzoll und Freihandel. Die Voraussetzungen und Grenzen ihrer Berechtigung. Von Dr. Richard Schüller, Privatdozent der Universität Wien. Leipzig. G, Freytag. 1905. Erzeugung führe. ist aber keineswegs eingetreten, sondern vielmehr sind gerade im Gegenteil sowohl Anbaufläche als auch Ernteerträge gewachsen. Die deutsche Anbuufläche vergrößerte sich im Zeitraum 1893 bis 1902 für Roggen von 6,01 auf 6,15 Mill. Hektar, für Gerste von 1,59 auf 1,64 Millionen Hektar, Hafer von 3,90 auf 4,16 Millionen Hektar, und verminderte sich nur für Wetzen von 2,04 zu 1,91 Mill. Hektar. Der Ernteertrag ist im Durchschnitt der Jahre 1892— 1899 gegen den Durchschnitt der Jahre 1885-1891 pro Hektar gestiegen: für Roggen von 9,8 auf 13,9, Weizen von 13,5 auf 17,4, Gerste von 12,8 auf 16,7, Hafer von 12,0 auf 16,4 Meterzentner. Die Produktionskosten sind stark gesunken, so daß auch bei niedrigeren Preisen die Kosten gedeckt werden und die Erzeugung nicht ab-, sondern zunimmt. Schüller kommt daher zu dem Ergebnis: Vom Standpunkte des Gesamteinkommens der Be⸗ völkerung und der Einkommens verteilung sind die vorgenommenen Erhöhungen der deutschen Getreidezölle nicht zu rechtfertigen. Ueber die Wirkungen der Zollerhöhung äußert er sich wie folgt: Da der deutsche Import von jährlich 20 bis 30 Millionen Meterzentner Weizen und Roggen im Ver⸗ hältnis zu der Produktion der Getreide⸗Exportstaaten gering, im Verhältnis zu der ungefähr 100 Millionen Meterzentner betragenden deutschen Erzeugung sehr beträchtlich ist, werden die Preise fast um den ganzen Betrag der Zölle erhöht werden. Die deutschen Minimalzölle von 5 Mk. für Roggen und 5,50 für Weizen bedeuten, da in Deutschland der Konsum von Weizen und Roggen per Kopf 2½ Meterzentner beträgt, eine Belastung von nahezu 60 Mk. jährlich für eine fünfköpfige Familie, welche infolge der bisher geltenden Zölle ungefähr 40 Mk. zu tragen hatte. Solche Berechnungen sind gewiß nicht neu, es ist aber interessant, ste nach Abschluß der Zollkämpfe von einem Manne wiederholt zu sehen, dem agitatorische Absichten schwerlich zu⸗ gemutet werden dürften. Eine nicht minder scharfe Kritik übt Schüller an den übrigen tarifarischen Erhöhungen, die die Produkte des Feldbaus, der Gärtnerei, der Viehzucht und der Forstwirtschaft betreffen. Ebenso findet er die Erhöhung der Industrie⸗ zölle auf Eisen, Eisenwaren, Maschinen und Textilwaren. Das Ergebnis seiner Untersuch⸗ ungen faßt er in die Worte zusammen: „Die Belastung, die dem Konsum so aufge⸗ bürdet wird, ohne daß dadurch die Erzeugung erweitert werden könnte, ist so schwer, daß ste das deutsche Volkseinkommen beträchtlich ver⸗ mindert und iusbesondere der Arbeiterbevölke⸗ rung einen Teil ihres Lohnes entzieht. Nan belastet den Verbrauch mit rorbitanten Summen, verringert die Erzeugung und wendet nur einem Teile der Uuternehmer ein höheres RNeuteneinkommen zu.““ Daß der zum äußersten gesteigerte Kampf, den die deutsche Sozialdemokratie gegen die neue Wendung der deutschen Zollpolitik geführt hat, durch dieses unbefangene Urteil eines außen⸗ stehenden Fachmannes seine nachträgliche Recht⸗ fertigung vollauf erfährt, erschöpft nicht die Bedeutung dieses Urteils. Denn in ihm ist gleichzeitig auch der Hinweis eingeschlossen, auf welche Weise allein die lohnarbeitende Bevölze⸗ rung ben nachteiligen Wirkungen der Zollpolitik entgegenwirken kann. Eine solche Verminderung lohn und Arbeitsbedingungen muß durch ste notwendig eine bedeutende Verschärfung erfahren. Die rückläufigen Tendenzen können aber nicht anders bekämpft werden, als durch den Ausbau und die Verstärkung der Arbeiterorganisationen, deren wichtigste Aufgabe es sein wird, den gegenwärtigen Stand der Lebenshaltung, wenn schon an eine all ge⸗ meine Verbesserung nicht gedacht werden kann, doch vor tieferem Herabgleiten möglichst zu bewahren. Die Verteuerung der wichtigsten Nahrungsmittel vermindert den Realwert des Lohnes bei scheinbar gleichbleibender Summe; eine Lohnerhöhung bedeutet unter solchen Um⸗ ständen noch keine Men sondern nur eine Erhaltung des bisherigen Lebensstandes. Da nun bei jenem Teile der Unternehmer, der durch die neue Zollpolitik geschädigt wird, eine sonder⸗ liche Neigung zu Lohnzugeständnissen kaum zu erwarten ist, wird man sich auf eine erhebliche Verschärfung der gewerkschaftlichen Kämpfe vorbereiten müssen. Insbesondere aber wird es sich die Arbeiter⸗ bewegung angelegen sein lassen müssen, das Niveau einer Arbeiterkategorie zu erhöhen, die solcher Hebung dringend bedarf und deren Ar⸗ 1 durch den neuen Zolltarif zweifellos in Stand gesetzt worden sind, recht erhebliche Zugeständnisse zu machen. Wir meinen die landwirtschaftlichen Arbeiter. Der große Kampf um die Verteilung des Nationaleinkommens tritt mit dem 1. April 1906 in ein neues Stadium; der Kampf zwischen Landarbeiterlohn und Grundrente rückt in den Brennpunkt des Interesses. Das sind Schlüsse, die Schüller aus seinen Untersuchungen nicht selber zieht, die aber vom Standpunkte einer praktischen Arbeiterpolitik notwendig aus ihnen gezogen werden müssen. Die Sozfal demokratie, die eine solche Entwicke⸗ lung der Dinge mit allem Aufwande ihrer Kräfte bekämpft hat, braucht ihren Eintritt durchaus nicht zu beklagen. Denn wenn das Bild, das Schüller von der wirtschaftlichen Zukunft Deutschlands entwirft, richtig ist, dann wird die demnächst beginnende Wirtschaftsperiode der Sozialdemokratie einen Zuwachs an tatsächlicher wirksamer Macht bringen, von dem sich ihre Gegner vorläufig noch nichts träumen lassen. Die Gemeindesteuer-Reform in Hessen. 1 Der Ausschuß der Zweiten Kammer für den Gemeindesteuergesetz⸗Entwurf hat seine Berat⸗ ungen beendet. Was dabei herausgekommen ist und jedenfalls Gesetz werden wird, legt ein Artikel unseres Offenbacher Parteiblattes näher dar und wir entnehmen demselben folgende Ausführungen: Als Prinzip für diesen Entwurf wurde die Besteuerung nach dem Grundsatz der„Leistung der Gemeinde für die einzelnen Kategorien der Gemeindesteuerpflichtigen und der Gegen⸗ leistung dieser der Gemeinde gegenüber“ aufgestellt. Und dieses Prinzip soll verwirklicht werden durch die Heranziehung der Steuer⸗ pflichtigen zur Einkommensteuer im Anschluß Der Kampf um Arbeits- an die Staatssteuerveranlagung, zur Besteuerung Seite 2. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 22. ihres Grundbesitz, Gewerbebetriebs⸗ und ihres Kapitalvermögens mit dem ausdrücklichen Ver⸗ bot des Schuldenabzugs. Dieses Verbot des Schuldenabzugs ist der springende Punkt in der ganzen Vorlage und charakterisiert das Prinzip von Leistung und Gegenleistung als ein solches, welches den schuldenfreien und besitzenden Steuerpflichtigen entlastet zum Schaden des mit Schulden kämpfenden be⸗ oder überlasteten. Es schont die Reichen und belastet die Armen! Es erhebt somit ein Unrecht zum Prinzip. Um dieses Unrecht richtig zu würdigen, müssen wir konkrete Beispiele vorführen. Der Arbeiter Müller hat sich ein kleines Kapital erspart; es sind 2000 Mark. Müller hat Gelegenheit, vom Bauunternehmer Groß, der zwei Häuser auf Spekulation gebaut hat, ein Haus zu kaufen für 40000 Mark und zahlt sein kleines Kapital an. Müller hat somit noch 38 000 Mark Hypothekenschulden zu verzinsen. Das zweite Haus, welches der Bauunternehmer Groß ge⸗ baut hat, behält er vorläufig für sich und macht es dadurch schuldenfrei, daß er zu den Hypotheken, die er auf das Müllersche Haus gegeben hat, noch 25000 Mark darauf legte. Jedes der zwei Häuser muß nach dem neuen Gemeindesteuergesetz an Grundvermögenssteuer, da die Schulden darauf nicht abgezogen werden dürfen— pro 1000 Mark mit 1,50 Mk. be⸗ rechnet— 60 Mk. Steuer bezahlen. Nun sind in den beiden Häusern die Wohnungen gleich⸗ mäßig vermietet und bringen den Eigentümern je rund 2400 Mk. pro Jahr Miete ein. Müller hat für seine Hypothekenschulden 4 Prozent Zinsen zu zahlen, Groß erhält diese Zinsen. Müller zahlt also 4 Prozent von 38 000 Mk. 1520 Mk. Zinsen und noch 60 Mk. Steuern, in Summa 1580 Mk.; er behält somit von seinen 2400 Mk. vereinnahmte Miete nur 820 Mk., wovon er noch Brandkasse und Reparaturkosten usw. zu tragen hat, sodaß er kaum frei wohnt. Groß dagegen hat die Zinseinnahmen vom Müllerschen Haus und die Miete seines ihm verbliebenen Hauses und zahlt auch bloß 60 Mark Grundvermögenssteuer wie Müller. Müller muß somit die Grundvermögenssteuer von 38 000 Mk. für Groß, das sind 57 Mk. mit⸗ bezahlen. Groß, der leistungsfähigere reiche Mann wird somit um den Betrag von 57 Mk. entlastet und Müller, der kapitalschwache und . Mann muß sie für jenen zahlen. Genau so geht es bei der Gewerbe⸗ betriebsbermögenssteuer. Der Zigarrenhändler Schulze hat in seinem Laden für 5000 Mk. Waren aller Art liegen; er kann nicht bar zahlen und muß deshalb schon beim Einkauf höhere Preise zahlen, die im günstigen Fall mindestens um den Betrag von 5 Prozent Skonto höher sind als die, die sein Konkurrent Meier zahlt, der die gleiche Waren⸗ masse braucht, aber bar begleicht und keine Schulden hat. Schulze käuft somit schon um 250 Mk. teuerer ein als sein Konkurrent; er zahlt aber auch, da er das gleiche Quantum Ware, das Meier nur mit 4750 Mk. ansetzt und versteuert, die Steuer für 5000 Mk, sodaß Meier 250 Mk. im Einkauf verdient und auch noch niedriger in der Steuer zu stehen kommt als sein kapitalschwächerer Konkurrent. Nehmen wir an, daß beide aus ihren Geschäften das gleiche Einkommen haben, so ergibt sich ohne weiteres, daß der ohne eigenes Betriebskapital arbeitende Zigarrenhändler steuerlich schlechter steht als sein mit eigenem Kapital arbeitender Konkurrent. Setzt man diese Einzelbeispiele fort, so er⸗ geben sich für Geschäfte mit großen Betriebs⸗ mitteln z. T. recht erhebliche Differenzen, deren Endresultat ist, daß kapitalschwache Elemente in Gewerbe und Industrie, in Handwerk und Handel nicht aufzukommen vermögen und eigentlich nur der, der was hat, auch zu was kommen kann. Den kapitalkräftigen Elementen wird so auf dem Wege der Steuergesetzgebung eine moöglicherweise nicht unbedeutende Konkurrenz vom Halse gehalten. Gehen wir dann zur Betrachtung der Be⸗ steuerungsform des Kapitalvermögens ohne Ab⸗ zug der Schulden über, so gilt auch hier, was —„ wir im allgemeinen über diese Besteuerungsart gesagt haben: die Besteuerung der Schulden ist unter allen Umständen ein Prinzip, welches den schuldenfreien Steuerpflichtigen zugute kommt. Allerdings ist es ja richtig, daß der Kapital⸗ besitzer es leichter in der Hand hat, seine Schulden abzustoßen; insbesondere wird der Großkapitalist nach Einführung dieser Brutto⸗ Kapitalvermögenssteuer sofort dafür sorgen, daß bei ihm Brutto- und Netto⸗Vermögen gleich sind und es ihm nicht passiert, daß er für Vermögen, was gar kein Vermögen ist, nämlich für Schulden, Kapitalvermögenssteuer zu zahlen hat. Nur kleinere Kapitalbesitzer, die meistens langfristige Verbindlichkeiten haben, werden davon betroffen werden. Es zeigt sich somit auch im Hinblick auf die Kapital vermögenssteuer die deutliche Tendenz, die Kleinen am empfindlichsten zu treffen, die Großen und Größsten aber verhältnismäßig günstiger wegkommen zu lassen als die Kleinen. Die Wahl des Kreisrats Wallau zum Reichstagsabgeordneten für Alsfeld⸗ Lauterbach verursacht der Wahlprüfungs⸗ kommisston des Reichstags viel Arbeit. Wie unserm Offenbacher Parteiblatt aus Reichstags⸗ kreisen geschrieben wird, wenden die Rückwärts⸗ dränger in der Kommission und im Reichstage, welche der behördlichen Wahlbeeinflussung freie Bahn schaffen möchten, immer neue Kniffe an, um die bisherige Praxis der Kommission zu durchbrechen. Bekanntlich hat ihr Vorsitzender Abg. Wellstein, jüngst im Plenum des Hauses anläßlich der Prüfung der Wahl des Abg. Pauli diese Rückwärtsdrängerei mit der Aus⸗ rede einer unterschiedlichen„Beweiswürdigung“ zu decken gesucht, aber das schallende Gelächter der Linken bewies, daß diese neue Art der Be⸗ weiswürdigung im Hause richtig gewürdigt wurde. Anläßlich der Wahl Wallau's drängt nun der Reichstagsabgeordnete Dr. Lukas von Hanau die Wahlprüfungskommission, sich noch mehr in dieser Richtung zu blamieren. Auf seine Veranlassung wurde die Ungültigkeitser⸗ klärung der Wahl Wallau's vor den Ferien dadurch verhindert, daß er bestritt, daß die hessischen Landbürgermetster im Kreise Lauter⸗ bach, die einen Wahlaufruf zu gunsten Wallau's unter Beifügung ihres Amtstitels unterzeichnet hatten, polizeiliche Befugnisse besäßen. Besitzen sie diese, dann muß nämlich nach der bisherigen Praxis der Kommission und des Hauses die Wahl für ungültig erklärt werden. Auf den Einwand des Abg. Lukas hin beauftragte damals die Kommission die Referenten, den Nachweis zu erbringen, daß die betreffenden Bürgermeister polizeiliche Befug⸗ nisse besitzen. Am 18. Mai hatte nun die Kommission sich mit diesem Nachweis zu befassen. Jetzt bestritt der Abg. Lukas nicht mehr, daß die Bürger⸗ meister polizeiliche Befugnisse besäßen— dieser Einwurf scheint ihm endlich selber zu lächerlich zu sein— aber er hält diese Befugnisse nicht für ausreichend, um aus ihnen einen Beschluß auf Ungültigkeit der Wahl herzuleiten. In der Kommission wurde diese neue Art der Beweiswürdigung zwar von soztaldemokratischer Seite ins rechte Licht gestellt und als eine neue Wandlung der Anschauungen innerhalb der Kommission bezeichnet, aber Herr Lukas ver⸗ langte, daß erst Erhebungen darüber angestellt würden, ob die Bürgermeister„polizeiliche Gewalt“ und„das Recht hätten, poli⸗ zeiliche Verfügungen und Verord⸗ nungen zu erlassen“. Selbst der Vorsitzende der Kommisston mußte zugeben, daß die Kommission in diesem Sinne noch niemals Erhebungen beantragt habe und daß ein derartiger Beschluß ein Novum sein würde. Gegenüber dieser Verschleppungstaktik und der Absicht, die Kommisston rückwärts zu drängen, stellte Abg. Geyer den Antrag, die Wahl sofort für ungültig zu erklären, da der Abg. Lukas seinen früheren Einwand, daß die Bürgermeister keine polizeilichen Befugnisse be⸗ säßen, fallen gelassen habe. Der Antrag wurde jedoch gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Freisinnigen abgelehnt, dagegen von der Mehrheit beschlossen, Erhebungen darüber an⸗ zustellen, wie weit die polizeilichen Befugnisse der Bürgermeister reichen. Es bleibt nun abzuwarten, was man zur Rettung des Wallauschen Mandats aus den hessischen Gesetzen herausspintisteren wird. Dabei werden die maßgebenden hessischen Behörden Helfersdienste leisten sollen. Aber was auch dabei herauskommen mag, das kann nicht hinweg⸗ interpretiert werden, daß die hessischen Bürger⸗ meister auf dem Lande polizeiliche Befugnisse in solchem Umfange besitzen, wie sie nach der bis⸗ herigen Praxis der Kommisston genügten, um eine unzulässige amtliche Wahlbeeinflussung zu konstatieren und um die Ungültigkeitserklär⸗ ung einer Wahl zu rechtfertigen. Uebrigens muß betont werden, daß der Kreisrat Wallau der Vorgesetzte jener Bürger⸗ meister ist, die den Wahlaufruf unterzeichneten. Sollte nach dem Ergebnis der Erhebungen die Kommission wirklich die Wahl für gültig er⸗ klären, dann wird es jedenfalls einen heißen Kampf im Plenum geben, wo vor der Oeffent⸗ lichkeit der reaktionäre Charakter der jetzigen Kommission wiederum enthüllt werden wird. —ʃ, ZTtB—B—B— Jolilische Kundschau Gießen, den 25. Mai 1905. Im Reichstage kam in der letzten Woche nicht viel Bemerkeus⸗ wertes zur Verhandlung, wir können uns daher einen Bericht schenken. Höchstens wäre zu be⸗ merken, daß sich bei verschiedenen Abstimmungen Beschlußunfähigkeit herausstellte, weshalb die Sitzungen abgebrochen werden mußten. Er⸗ wähnenswert ist noch, daß am Samstag un⸗ glaubliche Etatsüberschreitungen gerügt wurden, die bei der Verwaltung von Kamerun bor⸗ gekommen sind. Die kleine Verwaltung hat die Bureaukosten um nicht weniger als 32 597 Mark überschritten. Die Beamten in Kamerun haben für Löschpapier allein 400 Mk., für Tinte 450 Mk. verbraucht. Die müssen die Tinte wirklich gesoffen haben! Der Sozialistenvernichter⸗General. Bisher hat der berühmte Reichsverband gegen die Sozialdemokratie nur Bettelbriefe im Reiche zum Versanbdt gebracht, jetzt hat er sich aber auch zu einer„positiven“ Leistung aufgeschwungen. Sein Vorsitzender, General v. Bogulawski, hat, wie unser Nürnberger Parteiblatt schreibt, eine Broschüre geschrieben, die„Los vom Joch der Sozialdemokratie“ be⸗ titelt ist und 1 Mk. 50 Pfg. kostet. Was der General da zusammengeschnitten hat, ist wohl das platteste Zeug, das in deutschen Zeitungen aufzufinden war, was der Verfasser eigenes dazu gab, steht noch tief unter den Zeitungs⸗ ausschnitten. Der literarische Wert dieser Sammlung von Gemeinplätzen deckt sich etwa mit dem Wert des Papieres, das in so sünd⸗ hafter Weise mißbraucht wurde. Einiges In⸗ teresse erregt nur, wie sich der Reichsverband „die Bekämpfung der Sozialdemokratie denkt. Darüber sagt der Verfasser: „Wir sind keine Freunde von kleinlichen Nadelstichen, die nur reizen, nicht wirken, sondern von einer groß⸗ zügigen Maßregel: Der Zerstörung des Staates im Staate, der sozialdemokratischen Organisation, die ihr Joch Millionen auferlegt hat. Die Worte Bebels, daß die Sozialdemokratie sich unter dem Sozialistengesetz „sauwohl“ befunden, da die geheime Organisation sich weithin erstreckt habe, sind eine blasse Prahlerei und stehen mit dem, was er in Dresden von sich selbst er⸗ zählte, im krassen Widerspruch, find auch nur geäußert, um die Wirkungslosigkeit eines solchen Gesetzes glaub⸗ haft zu machen. Wirken kann so schͤdlich sein wie die offene Agitation.“ Also Neuauflage des Sozialistengesetzes, das ist die ganze Weisheit des Reichsverbandes. Das ist der„geistige Kampf“, die„kulturelle Ueberwindung“ der Sozialdemokratie. Nach einem Rückblick auf alle Schlechtigkeiten des roten Teufels kommt der Drachentöter Bogu⸗ lawski zu folgender Schlußfolgerung: „Die Regierung wird früher oder später absolut den Fortschritten der revolutionären genötigt sein, ere W gd We Aber kein geheimes revolutionäres — I r r. mr issung erklär⸗ 5 der ürger⸗ hneten. en die ig er⸗ heizen efent. jehigen Wird. — l. 1905. erkens⸗ daher zu be⸗ nungen ub die Gi ag un⸗ vurden, U bol⸗ hat die 325097 merun l., für sen die eral. perband telbriefe hat er Leistung General cuberger crieben, lie“ 1 Pas de lt uuf! eatungen üigeles eiluugs⸗ t dieset 10 Aa Jo sürd. gebels, alstengele sctun Hlele 5 fable. 1 gauße 10 da, gautunle, Aton. I 5, 0 des. und f Nach eite 0 1 el Bohl „ ae naten 11 0 lol ume „ d drekten Wahlrechts zu bekämpfen. Nr. 22. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. Seite&. Sozialdemokratie entgegenzutreten und die Auflösung ihrer Organisation durchzusetzen, mag sie so groß ge⸗ worden sein wie sie wolle.— Ein neues Wahlgesetz— höheres Alter, öffentliche Wahl— wird sich bei fester Haltung duichsetzen lassen. Wenn nicht— salus publica lex suprema).— Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.—“ 5 Man könnte den Verfasser reif fürs Irren⸗ haus halten, wüßte man nicht, daß einflußreiche Kreise sich längst mit dem Gedanken tragen, die Arbeiterbewegung im Blute zu ersticken. Durch Suspendierung des Reichstagswahlrechts die Arbeiter auf die Straße zu locken und schießen zu lassen, gehörte ja auch zu dem Regierungsprogramm Hammersteins, eines mit besonderen Tugenden ausgezeichneten Retters der bürgerlichen Gesellschaft. Daß der Plan nicht aufgegeben ist, weiß man recht gut, aber es ist notwendig, die Arbeiter immer wieder zu erinnern, welche Anschläge die herrschenden Klassen in petto haben. Aus dem Bergarbeiterschutzgesetz wird nichts. Soviel steht fest, nach dem, was bei der Kommissionsberatung im Dreiklassen⸗ hause herausgekommen ist. Daß die Bergwerks⸗ kapitalisten die Vorlage zu Falle bringen würden, war von vornherein für jeden Einstchtigen klar. Selbstverständlich werden unsere Genossen im Reichstage jetzt dafür sorgen, daß die Sache vor den Reichstag kommt. Im saarabischen Prozeß find die Zeugenvernehmungen bis Mittwoch beendet worden und das Urteil dürfte Freitag zu erwarten sein, wir werden es also schwerlich in dieser Nummer noch mitteilen[können. Bis⸗ her hat die Beweisaufnahme festgestellt, daß die Behauptungen, die der angeklagte Bergmann Krämer in den Flugblättern über die schlechten Vohnverhältnisse und unwürdige Behandlung der Bergleute durch die Grubendirektton auf⸗ gestellt hatte, vollkommen zutreffend sind. Für den nationalliberalen Kandidaten wurde bei der Reichstagswahl der schändlichste Terrorismus gegen die Bergleute ausgeübt und ferner ergab die Beweisaufnahme, daß jüngere Bergleute von den Steigern geprügelt wurden! Ein Zeuge sagte:„Das sind wir so gewohnt, daß wir Schläge bekom⸗ men. Wenn man stch beschwert, so kann man entlassen werden oder schlechtere Arbeit be⸗ kommen.“— Und die Preßkosaken dieser Ge⸗ sellschaft faseln immerwährend von sozialdemo⸗ kratischem Terrorismus in ihren Lügenblättern! Keine Amnestie! „Die kürzlich aufgetauchte Zeitungsnotiz, daß zur Hochzeit des Kronprinzen eine Amnestie krlassen werde, entbehrt, wie wir hören, der Begründung.“ So schreibt die Nordd. Allgem. Ztg. Es gibt in preußischen Zuchthäusern und Gefängnissen sicher mehr als einen Menschen, dem die Freiheit zu gönnen wäre. Indes bleibt es doch anerkennenswert, wenn diesmal von einem alten dynastischen Brauch abgesehen wird, der in bie moderne Zeit nicht mehr paßt. Gerade jetzt, wo im Prozeß von Plötzensee die Schön⸗ heiten des preußischen Strafvollzugs und die Vollkommenheiten der Justiz zu Tage treten, gätte eine Amnestie höchst seltsam gewirkt. Für die preußische Strafgerechtigkeit wird es immer ein Vorteil sein, wenn sie von Zufälligkeiten und Willkürlichkeiten nach der guten wie nach der schlimmen Seite hin verschont bleibt. Keine Gnade und keine Ungnade— einfach Recht! Die Landtagswahlen in Bayern zürften im Juli stattfinden. Das Ministerium soll sich über die neue Wahlkreiseinteilung ge⸗ ainigt haben und es steht nach Meldung vom Sonntag für den 4. oder 5. Juni die Auflösung des Landtags und die Ausschreibung der Neu⸗ pahlen zu erwarten. Die Liberalen dürften bei den Wahlen empfindlich einbüßen, da Zent⸗ kum und Sozialdemokratie überein gekommen find, unter allen Umständen die Gegner des Bekanntlich brachten die Liberalen die Wahlrechtsvorlage zu Falle. Des Volkes Wohl ist das höchste Gesetz. Für die Freiheit gestorben. Am Dienstag früh ist in Moskau Kala jew, der Rußland von dem großfürstlichen Hallunken Sergtus befreite, hingerichtet worden. Er hat also seine mutige Tat, für die ihm die ganze gebildete Welt Anerkennung zollte, mit seinem Leben bezahlt. Sein mutiges Verhalten hat er bis zum letzten Augenblicke bewahrt. Vor der Hinrichtung erklärte er es als eine Lüge, daß er um Begnadigung gebeten habe. Er sterbe mit Freuden. Seine Verteidiger waren zu dem Akt der Hinrichtung nicht zugelassen worden. Wie viele Opfer werden noch fallen müssen, bis das russische Volk von der Unter⸗ drückung durch die moralisch und sittlich ver⸗ wahrlosten Kreaturen der kosakischen Regierung befreit werden wird? Von Nah und Lern. Hessisches. — Ueber die Verschmelzung der hessischen Lotterie mit der preußischen sind Verhandlungen zwischen den beteiligten Staaten geführt worden, die aber, wie berichtet wird, noch nicht zum Abschluß gelangt sind. Etwas Bestimmtes über die Grundlagen eines eventuellen Abkommens ist noch nicht bekannt geworden. Nur soviel dürfte— meint die Frkftr. Ztg.— zur Zeit zuverlässig feststehen, daß die hessisch⸗thüringische Staatslotterte im Falle ihres Fortbestehens eine ganz bedeutende Reduktion ihres Umfanges erfahren wird. — Nachwehen vom Fall Schädel. Der Konflikt zwischen dem Direktor des Gießener Gymnastums, Dr. Schädel, und dem inzwischen nach Mainz versetzten Oberlehrer Prof. Dr. Noack scheint noch ein Nachspiel haben zu sollen. berschulrat Nodnagel hatte bei der Verhand⸗ lung jener Affäre in der Zweiten Kammer das Aktenmaterial über die ministerielle Untersuchung des Falles auszugsweise vertesen. Nach diesem Referate stellten sich die Differenzen zwischen dem Lehrerpersonal des Gießener Gymnasiums und dem Direktor als ziemlich harmlos dar. Nun hat aber Professor Noack, wle die Frankf. Ztg. zuverlässig erfährt, beim Staatsministerium Beschwerde gegen die nicht dem objektiven Tat⸗ bestande entsprechende Art der Darlegungen des Regierungsvertreters erhoben. Zum Fall Chelius. Die neulich erfolgte Verhaftung des Geheimen Oberbergrats Chelius hat begreiflicherweise in ganz Hessen und besonders in der Darmstädter Gesellschaft peinliches Aufsehen hervorgerufen. Chelius blickt trotz seines verhältnismäßig jungen Alters von 48 Jahren, auf eine langjährige verdienst⸗ volle Tätigkeit in Hessen zurück. Er hat mit hervorragendem Erfolge Quellwasser und Boden⸗ verhältnisse Oberhessens studiert und war lange Zeit als Direktor in Nauheim tätig. Er war Dozent für Geologie und Mineralogie an der technischen Hochschule und stellpertretender Vor⸗ sitzender der dem Ministerium des Innern unter⸗ stehenden Oberbergbehörde.— Seine Verhaf⸗ tung erfolgte, wie bereits in letzter Nr. erwähnt, in Büdingen auf Veranlassung der Darm⸗ städter Staatsanwaltschaft, weil durch den Antritt seiner angeblichen Dienstreisen nach Oberhessen der Fluchtverdacht erweckt wurde. Die Staatsanwaltschaft hatte schon seit Wochen sich mit der Angelegenheit beschäftigt und zahl⸗ reiche Vernehmungen von Kindern und Eltern vorgenommen. Cheltus besttzt eine schwer kranke Frau und einen fast völlig gelähmten Sohn; sowie eine erwachsene Tochter. Er wird be⸗ schuldigt, an zwei jungen Leuten in Darmstadt von jetzt 14 und 18 Jahren seit einer Reihe von Jahren unsittliche Handlungen(Vergehen gegen§ 175 und 176, 3) vorgenommen zu haben. Die jungen Leute gehören einer acht⸗ baren Familie an, bewahrten aber das größte Stillschweigen. Die Anzeige ist durch einen Professor der technischen Hochschule erfolgt. Wenn diese Anschuldigungen erwiesen werden, dürfte der Verhaftete schwerer Bestrafung ent⸗ gegensehen, zumal die Opfer bei Beginn der Vergehen noch minderjährig waren.— Merk⸗ würdigerweise brachte die amtliche„Darmstädter Zeitung“ über den Fall Chelius bis Dienstag keinerlei Mitteilung. Sie soll, wie berichtet wird, von oben herab entsprechende Weisung erhalten haben. — Ein neuer Skandal. Gegen den Kreisamtmann Dr. Kehrein in Groß⸗ Gerar ist ein Strafverfahren wegen Sitt⸗ lichkeits vergehen, begangen an Kindern, eingeleitet worden. Dr. Kehrein ist bereits vom Amte suspendiert, befindet sich aber noch auf freiem Fuß. Et, ei! Das„menschelt“ ja in den oberen Regionen ganz bedenklich! Malzi, Ahne Kehrein— es ist ein bißchen viel auf einmal! Gießener Angelegenheiten. — Gott, wie schön! In seiner Nummer vom Montag brachte der„Gießener Anzeiger“ folgende„entzückende“ Notiz: „Von der Kaiserin. Ein eigenartiger, entzückender Anblick bot sich dieser Tage den zahlreichen Besuchern Potsdams dar. Die Kaiserin kam nachmittags 4 Uhr über die Glienicker Brücke gefahren und kutschierte selbst. Hinter ihr in einem zweiten kleinen Wagen kam die Prinzessin Viktoria Luise, ganz in Weiß; das aufgelöste blonde Haar hob sich von dem schneeigen Weiß ab. Auch die Prinzessin kutschierte selbst ihren mit zwei Apfelschimmeln bespannten Wagen. Da die Wagen über die Glienicker Brücke nur sehr langsam fuhren, so konnte das Publikum dieses schöne, anmutige Bild voll genießen.“ Das glückliche Publikum! Es stellt hoffent⸗ lich keine Vergleiche an zwischen dem Aufwande der Fürstlichkeiten und seiner eigenen Lage, denn da könnte es doch zu recht„eigenartigen“ Resultaten und Reflexionen gelangen. Auf das Amtsblatt aber trifft vollkommen zu, was Hoffmann von Fallersleben schon vor vielen 0 der bürgerlichen Presse in's Stammbuch rieb: 0 Wie ist doch die Zeitung so interessant— Da ist der König hingekommen Dort ist der Kaiser durchgekommen Bald werden sie alle zusammenkommen— Wie interessant, wie interessant— Gott segne das liebe Vaterland! — Der Stundenlohn der Schneider soll nach ihren Forderungen nicht 45 Pfennige betragen, wie in unserer letzten Nummer infolge eines Druckfehlers zu lesen war, sondern, wie dem aufmerksamen Leser ohnehin klar gewesen sein dürfte, nur 35 Pfg. Der Fehler war durch eine nachträgliche, nicht durch den Re⸗ dakteur vorgenommene Korrektur entstanden.— Uebrigens sind wir der Meinung, daß 45 Pfg. Stundenlohn für die Schneider durchaus nicht zuviel wäre! Zum Schneiderstreik. Die im Aus⸗ stand befindlichen Schneider haben das hiestge Gewerbegericht als Einigungsamt an⸗ gerufen. Die Schneidermeister haben jedoch eine Verhandlung vor dem Einigungs⸗ amt abgelehnt, da sie sich dem Allgemeinen Deutschen Arbeitgeberverband für das Schneidergewerbe gegenüber verpflichtet hätten, nicht selbständig mit den Streikenden zu verhandeln.(Das ist sehr bezeichnend im Schneidergewerbe.) Die Ausständigen aber werden jetzt noch mehr wie seither die Sympathie des Publikums für sich haben, da sie kein Mittel unversucht ließen, eine Einigung auf gütlichem Wege herbeizuführen. Ueber den Schneiderstreik im Allgemeinen liegen folgende Nachrichten vor: In Dresden wurde jedem einzelnen Gehülfen neben dem Vertrag des Arbeitgeberverbandes noch folgender Zettel vorgelegt: Bestätigung. Hierdurch bestätige ich durch eigen hän⸗ dige Unterschrift, dem Verbande der organtsierten Schneider und Schneiderinnen, Sitz Berlin, nicht anzugehören. Der Versuch, die Gehuͤlfen zur Unterschrift zu pressen, mißlang glänzend. Einmütig hab en die Gehülfen die Zumutnng, sich gebunden dem Arbeitgeber zu überliefern, abgelehnt. Und siehe da, dieser Revers wurde zurückgezogen. 80 Gehülfen wurden trotzdem ausgesperrt.— In Frankfurt sind nahezu 400 Mann ausgesperrt; Seite 4. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. emer großen Anzahl, welche 14 tägige Kündi⸗ gung haben, wurde gekündigt.— In Wies⸗ baden wurden gegen 200 Schneider ausgesperrt. — In Mainz nimmt der Schnesderstreik immer größeren Umfang an. Dort stehen etwa 300 Maßarbeiter im Streik. Den Mitgliedern des Arbeitgeberverbandes droht aber ein böser Geist: Die größten Firmen am Ort erklärten schriftlich, mit dem Arbeitgeberverband nichts gemein zu haben. Sie räumen den Streikenden jede gewünschte Kontrolle ein darüber, ob bei ihnen auswärtige Streikarbeit angefertigt werde. Infolgedessen wird die Arbeit in den sich so verpflichtenden Geschäften wieder aufgenommen, wodurch sich die Zahl der Ausständigen auf 200 verringert. Dadurch geht der Löwenanteil der Saison mitsamt den besten Arbeitern den Mitgliedern des Arbeitgeberverbandes verloren, und die irregeführten Kleinmeister haben das Nachsehen. Bereits verlautet, daß die Unter⸗ nehmer uneinig seien. Interessant ist, daß ein guter Zentrums mann, der Metzger meister Both in der Löwenhofstraße, jetzt der G eneral⸗ vermittler der Streikarbeit ist!! Ein ultramontaner Metzgermeister! Was werden die christlich⸗organisierten Schneidergesellen, die sich im Ausstand befinden, hierzu sagen? Die Unternehmer bekommen jetzt nicht mehr ihre eigene Arbeit, geschweige die Gießener Streikarbeit gemacht. Die Streikenden können es aushalten, die Kunden gehen zu den Firmen, die sich nicht dazu herbeiließen, aus⸗ wärtige Streikarbeit zu machen und die von den Scharfmachern dupterten Kleinmeister können die Zeche bezahlen.— Die Differenzen im Kölner Schneidergewerbe sind erledigt.— Eine Schneiderversammlung in Nürnberg beschloß, den bekannten Revers nicht zu unter⸗ schreiben, worauf die Aussperrung erfolgte.— Alle Schneider in Erlangen, die bei den Meistern des Arbeitgeberverbandes beschäftigt waren, wurden vorige Woche ausgesperrt, da sie gleichfalls den Revers nicht unterschrieben. — Zur Sanneider⸗Aussperrung schreibt der Vor⸗ stand des Schneiderverbandes dem„Vorwärts“: Es wurden Aussperrungen gemeldet aus Dres⸗ den, Erlangen und Fürth. Da der Streik in Gießen die Ursache bieser Aussperrungen ist, so hat der Vorstand des Verbandes der Schneider, Schneiderinnen und verwandter Berufsgenossen heute folgende telegraphische Anfrage an den Vorstand des Arbeitgeberverbandes in München gerichtet: „Ist der Vorstand des Arbeitgeber verbandes bereit, seine Ortsgruppe in Gießen anzuweisen, mit den Arbeitern zwecks Beendigung des Streiks in Verhandlungen zu treten, wenn wir unserer Ortsgruppe dieselbe Anweisung geben?“ Darauf erfolgte folgende telegraphische Rück⸗ antwort: „Zentralausschuß ist bereit, die bis jetzt erfolgten sowie für nächste Woche bestimmten Sperren aufzuheben, wenn die Streiks Gießen, Nürnberg, Hamburg, Straßburg, Mainz und Wiesbaben von Ihrer Seite offiziell vermittelst eingeschriebenen Briefes als beendet erklärt werden.“ Auf dieses Telegramm wurde dan: unserer⸗ seits ebenfalls wieder telegraphisch geantwortet: „Das an uns gestellte Verlangen ist uner⸗ füllbar.“ Wir gingen von der Voraussetzung aus, wenn der Streik in Gießen beendet ist, dann sind die anderen Streiks und Aussperrungen, welche nur eine Folgeerscheinung darstellen, so⸗ fort erledigt und können von beiden Parteien als beendet oder aufgehoben erklärt werden. Der Ansicht ist der Vorstand des Arbeitgeber- verbandes allerdings auch, aber er will weder vermitteln, noch verhandeln, sondern verlangt bedingungslose Arbeitsaufnahme bezw. Auf⸗ hebung des Streiks in Gießen, was gleich⸗ bedeutend wäre mit der Unterwerfung der Ar⸗ beiterorganisation unter die Organisation der Arbeitgeber. — Mit der Verbreitung von Volksbildung beschästigte sich am Samstag Nachmittag eine Versamm⸗ lung im Café Ebel, an der auch mehrere höhere Beamte teilnahmen. Die Beratungen drehten sich hauptsächlich Müller die Bildung eines Ausschusses übertragen wurde. i (Erst kürzlich wurde ein Ausschuß zu diesem Zwecke gegründet, zu dem auch das Gewerkschaftskartell Mit⸗ glieder entsandte. Aber die Herren aus den Gelehr ten⸗ kreisen, welche die Sache in die Hand genommen hatten, ließen nichts mehr hören.) — Im Holzarbeiterverband spricht diesen Samstag der Kollege Fromann aus Höchst a. M. über:„Die Entwickelung der deutschen Gewerkschafts⸗ bewegung“. Die Versammlung findet, wie immer, im „Wiener Hof“, abends 9 Uhr statt. Alle Holzarbeiter wollen erscheinen, auch Angehörige anderer Berufe sind willkommen. f — Die Angehörigen der graphischen Berufe im Großherzogtum Hessen haben an die beiden hessischen Kammern eine 1 gerichtet, die sich gegen das hesstsch⸗preußische Lotterieabkommen wendet. Ob die Eingabe Aussicht auf Erfolg hat, dürfte einigermaßen zweifelhaft sein. g — Die für das Theaterbauprojekt eingereichten Pläne sollen im Laufe der nüchsten Woche öffentlich ausgestellt werden Bei der Preis⸗Konkurrenz für die Entwürfe entschied das Preisgericht, daß der erste Preis von 1500 Mk. nicht vergeben werden solle, sondern es wurde der 1. u. 2. Preis zusammen⸗ gelegt und an Proffessor Dülfer in München, Hans Meyer in Gießen und Fellmer und Helmer in Wien verteilt. Den 3. Preis 500 Mk. erhielt Dittrich in München. — Die Verhandlung gegen Hudde findet, wie man dem„Gieß. Anz.“ berichtet, am 5. Juni statt. Im Interesse der Aufrecht⸗ erhaltung der Ordnung sowohl im Sitzungssaal wie Gerichtsgebäude ist der Zutritt nur gegen persönlich giltige Eintrittskarten gestattet. Wegen Bezugs dieser Karten hat man sich vom 29. Mat ab an den Vorsitzenden des Schwurgerichts oder an die Großherzogliche Staatsanwaltschaft zu wenden. — Brillantendiebstahl. Die Staats- anwaltschaft Gießen erläßt einen Steckbrief gegen den Diener Schudring, der in Hirzen⸗ hain, wo er in Stellung war, seiner Herrschaft Brillanten und Wertsachen im Betrage von 12000 Mark gestohlen hat. Aus dem Rreise gießen. — Kriegervereinlicher Kampf gegen die Sozialdemokratie. Aus Steinberg schrelbt man uns: r. Wie viele Arbeiter und selbst Genossen gibt es noch, die, als sie ihre Militärzeit überstanden hatten, in einen Kriegerverein gingen. Wohl die wenigsten aus sogenanntem Patriotismus; vielmehr wegen etwaiger Unterstützung, die sie im Krankheitsfalle erhalten. Uebrigens werden ja die Reservisten in den letzten Tagen ihres Aufenthaltes in der Ferienkolonie von oben her⸗ unter für den Beitritt zu den Kriegervereinen bearbeitet. Wer aber nicht mit in das mordspatriotische Horn tutet, der wird hinausgeworfen und hat seine Beiträge umsonst bezahlt. So bekamen am Sonntag vor acht Tagen vier Mitglieder des hiesigen Kriegervereins vom Bezirks⸗ präsidenten Vogt in Butzbach eröffnet, daß sie nach den Satzungen des Vereins ihren Ausschluß verwirkt hätten. Warum? Weil— man höre!— sie bei unserm vor⸗ jährigen Kreisfeste durch„Tragen von roten Abzeichen eine voterlandslose Gesinnung bekundet“ hätten! Der Fall sollte jeden verständigen Arbeiter zum Exempel dienen, diesen arbeiterfeindlichen Gebilden fern zu bleiben. Heraus deshalb aus den Kriegervereinen, und hinein in die gewerkschaftlichen und politischen Arbeitervereine. Denn nur diese können eine Verbesserung unserer Lage herbeiführen. Niemals wegen ein paar Bettelpfennigen Unterstützung seine Gesinnung verleugnet und die Inter⸗ essen der Arbeiterklasse mit Füßen getreten! Bei dieser Gelegenheit sei ein jüngst in Weisenau bei Mainz vorgekommener Fall erwähnt, der für das Vorgehen der Kriegerbereine bezeichnend ist. Dort starb der St⸗uermann Schiebel an einem Schlaganfalle. Der Verblichene war Inhaber des eisernen Kreuzes erster Klasse. Trotzdem mußten die mili⸗ tärischen Ehrenbezeugungen unterbleiben, weil der im Felde so tapfere keinem Militärvereine angehört hatte. Diese Mitteilung stammt aus einem Mainzer bürgerlichen Blatte. Wie wird dadurch der Krieger vereinsrummel verurteilt! Der Verstorbene hat sich im Felde die höchste Auszeichnung für Tapferkeit errungen; aber alle Tapferkeit vor dem Feind kann nicht die Sünde sühnen, keinem Kriegerverein anzugehören. Der Held des Schlachtfeldes ist militärisch ehrlos, weil er nicht Mitglied eines Kriegervereins war. Der Leiche des Inhabers des eisernen Kreuzes werden keine um die Förderung der Volksbildung auf dem Lande und sie führten zu dem Ergebnis, daß Herrn Lehrer militärischen„Ehrenbezeugungen“ erwiesen! Darum r. Alten⸗Buseck. Die am Samstag durch de hiesige Tal ziehenden Gewitter waren von wolken⸗ bruchartigem Regen begleitet, wie ihn selbst ältere Leute nicht viel gesehen haben. Die Ortsstraßen standen te weise unter Wasser. Auch der Blitz schlug mehrmals in Wohngebäude, jedoch glücklicherwese ohne zu zünden, richtete aber erheblichen Materialschaden an. Zwischen Wieseck und Alten⸗Buseck zerstörte er die Telephonleitung und zersplitterte mehrere Leitungsstangen.— Nächsten Donnerstag(Himmelfahrtstag) feiern die hiesigen Partei⸗ genossen ein Frühling sfest, verbunden mit Fah nen⸗ weihe. In dankenswerter Weise haben der Gesang⸗ verein Germania und der Turnverein ihre Mitwirtung zugesagt. Hoffentlich gelingt es alle Teilnehmer zufrieden⸗ zustellen. Auch an dieser Stelle laden wir alle Freunde und Gönner unserer Sache herzlich ein. Näheres siehe Inserat. —„Not“ der Land wirtschaft. Kürzlich brachte der„Gießener Anzeiger“ folgende Mitteilung aus Wallernhausen bei Nidda: 5 „Daß die oberhessischen Landbewohner verstehen, eine Hochzeitsfeier in reichster Weise zu begehen, zeigte sich bei einer vor wenigen Tagen vollzogenen Vermählung. Das junge Paar, die ein⸗ zigen Kinder ihrer Eltern, sind in der Lage, das was sie zusammenbringen, mit einer sechsstelligen Zahl zu schreiben. Dem entsprechend waren etwa 400 Gäste geladen, drei Schweine waren geschlachtet, 5 6 Braten hergestellt, 200 flache Kuchen und 40 Plumpkuchen gebacken worden. Wer am Erscheinen verhindert war, bekam seinen Teil ins Haus geschickt. Ein zweispänniger Wagen mit Bier lieferte die nötige Befeuchtung.“ a Da kann also von Notstand gewiß nicht die Rede sein. Wir sind natürlich weit davon entfernt, dies ver⸗ allgemeinern zu wollen, wir wissen sehr wohl, daß die klein bäuerliche Bevölkerung eine kärgliche Lebenshaltung führt. Aber gerade die Bauern, die ihr Vermögen nur mit einer sechsstelligen Zahl ausdrücken, sind die lautesten Schreier über die Not der Landwirtschaft und wollen durch Zölle die Lebensmittel verteuern. Sie sind es aber auch, welche den Arbeitern Ueppigkeit und Genußsucht vorwerfen. Vor längerer Zeit brachte ja das Friedberger Bündlerblatt einen Leitartikel, in dem das angebliche verschwenderische Leben der städtischen Arbeiter geschildert war. Ein verständiger Mensch weiß ja, wie es mit der Lebenshaltung in Wirklichkeit aus⸗ sieht, aber von den Lesern des Hirschelblattes mag es ja immerhin noch einige geben, die solchen Blödsinn glauben.— Kurz vor der letzten Wahl ging eine Notiz durch die Presse, in der ebenfalls von einem ungeheueren Aufwand bei einer Bauernhochzeit im Oldenburgischen die Rede war. Als wir damals diese Notiz auch brachten, versuchte Herr Köhler-Langsdorf die Tat⸗ sachen zu bestreiten. Hier hat er's jetzt sehr nahe und kann feststellen, ob die Angaben des Gießener Amts⸗ blattes richtig sind. Aus dem Rreise Jriedherg⸗Hüdingen. K. Aus dem echristlichen Staate. In Butz“ bach wohnte eine Frau Oberholzer, eine österreichische“ Staatsangehörige. Ihr Mann war vor längerer Zeit hier in Butzbach gestorben und sie war daher mit ihren fünf Kindern auf sich selbst angewiesen. Sie arbeitete jedoch tüchtig und so schlug sie sich leidlich durch. Eine Zeit lang erhielt sie eine Unterstützung von der Gemeinde, die ihr jedoch wieder entzogen worde, sie sollte sogar die erhaltenen Beträge wieder zurückzahlen. Vor Kurzem wurde sie nun von der Behörde anfgefordert, den Ort zu verlassen; vom österr. Generalkonsulat in Frant⸗ furt erhielt sie jedoch Nachricht, daß sie bleiben könne. Am 14. Mai erhielt die Frau trotzdem vom Kreisamte 0 Friedberg den Ausweisungsbefehl und schon am nächsten Morgen wurde die Familie von zwei Gendarmen und einem Polizeidiener förmlich aus dem Bette gejagt und auf die Straße gesetzt. Dann wurde sie per Schub fortgebracht, wohin, ist uns nicht bekannt. Es war eine Szene des Jammers und der Verzweiflung; und erklär⸗ licherweise ruft der Vorfall lebhafte Entrüstung hervor. Das geringe Mobiliar der Ausgestoßenen soll versteigert werden, um die Kosten des Schubs zu decken! Ein solcher Vorfall ist doch geradezu unerhört. Wenn immerhin das Kreisamt den gesetzlichen Bestimmungen gemäß vor⸗ gegangen sein mag, so wäre es doch wahrhaftig ange⸗ bracht gewesen, auch etwas christliche Barmherzigkeit walten zu lassen. Und wenn schlteßlich die Familie unterstützt werden mußte, so wäre Hessen und Butzbach wohl auch nicht dabei bankrott gegangen. 1 Uns ging vorstehender Bericht bereits Ende voriger Woche zu, jedoch zu spät, um noch in letzter Nummer Aufnahme finden zu können. Am Montag berichtete auch der Gießener Anzeiger über den Fall und sei Mitteilungen stimmen, soweit die Tatsachen in Betra kommen, mit den unseren überein. Also hat die Sache ihre Richtigkeit. Hoffentlich greift die Regierung sofort ein und duldet nicht, daß die arme Frau mit ihren Kindern dem Elende preisgegeben wird. Denn ein nochmals: Heraus aus den Kriegervereinen! solches Vorgehen schlägt doch aller Menschlichkeit in Gesicht. a . 2 — lch 5 wolle de Leu den tel ehrmag Jurdes Guis leitung Mie Patte sah neg. Gesang. bwütung ufrieden. Freunde ieh seehe c bracht ug auß wohner r Weit en Tagen die ein⸗ das waz n Zahl wa 400 tet, 56 und 40 scheinen geschick, r lieferte die Rede dies ver⸗ daß die Whaltung üögen nur „sind die haft und u. Sie gelt und rachte jn in dem stͤdtischen sch welß leit aus⸗ 5 mag eh Alödsinn ne Notiz eheuetel burgischen pottz auch die Tat⸗ nahe uud ger Amts; fen. Ju But uneschishe geit her in ben fünf telt fboh Eine Zeh Gemeinde olle sogtl or duzen den Ol 5 Fron 1 ben un, gei sam p ech an Gendarm 1 e er 5 war eil d eilt 0 kan L bersehe Eh 0 0 . ͤ—— ———— — 1 —— — rr Nr. 22. Mittel dentsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 5. Aus dem Rreise Wetzlar h. Der soztaldemokratische Kreiswahl⸗ verein hat jetzt bereits über 100 Mitglieder, Versamm⸗ lungen finden jeden 2. und 4. Samstag im Monat im Gasthaus zur Glocke statt. Diejenigen Orte, welche ihre Mitgliederaufnahmen noch nicht eingesandt, mögen dies recht bald bei A. Fauth, Wetzlar, bewirken. h. Unternehmerfrechheit. Der 54 Jahre alte Hilfsarbeiter Graf, seit 1¼ Jahren in der Metallgießerei von R. Richter für einen Tagelohn von 2 Mk. beschäf⸗ tigt, bekam kürzlich, wegen des Offenlassen eines Zug⸗ loches im Ofen beim Gießen von Richter einen solchen Schlag ins Genick, daß er mit dem Kopf auf eine eiserne Presse fiel und sich verletzte. Es herrscht deshalb unter der hiesigen Arbeiterschaft große Entrüstung über diese Rohheit. h. Zeitungsabonnement. Wer ab 1. Juni d. J. die„Frankfurter Volksstimme“ zu abonnieren ge⸗ denkt, möge sich unter genauer Angabe seiner Adresse an A. Fauth, Mühlgraben Nr. 9 II wenden, da von da ab eine Aenderung in der bisherigen Zustellung eintritt. h. Bedeutenden Flurschaden hat das am Samstag Nachmittag niedergegangene Gewitter veranlaßt. Durch wolkenbruchartigen Regen bildeten sich reißende Ströme, welche die Felder aufwühlten, in der Stadt sogar das Steinpflaster an verschiedenen Stellen aufrissen. Das Unwetter tobte besonders in nächster Nähe von Wetzlar und Gießen, während die Gegend südlich der Lahn und in geringer Entfernung von derselben fast ganz verschont blieb. h. Bürgermetister Hardt in Rechtenbach ist am Sonntag nach kurzer Krankheit gestorben. Er hat die Bürgermeisterei Rechtenbach seit dreißig Jahren verwaltet. Als Hauptmann der Reserve war er Vorsitzender des Kreiskriegerverbandes und bei diversen Festen trat er in der„Umsturz“⸗Bekämpfung hervor. Wir haben seine in dieser Richtung sich bewegenden Kriegervereinsfestreden öfters erwähnt. Natürlich verzichten wir darauf, des⸗ wegen jetzt noch ein Wort gegen den Toten zu richten und wir können das umso eher, als wir der Ueberzeugung find, daß weder die Sozialistenvernichtungsreden dieses Mannes, noch diejenigen anderer Leute, die Fortschritte unserer Bewegung hindern können. Aus dem Nreise arhurg⸗Rirchhain. O In der Stadtverordneten ⸗Sitzung der vorigen Woche erstattete die Kommission zur Prüfung des Antrages, die Einkommen von 660—900 Mark steuerfret zu lassen, ihren Bericht. Es kommen zirka 950 Steuerzahler in Betracht, davon 300 Beamte und Pensionäre mit einem wirklichen Einkommen von über 1500 bis 1800 Mk., welches aber nur zur Hälfte zur Steuer veranlagt wird, ferner 100 Gewerbetreibende und 550 Arbeiter 2c. Es hat sich ergeben, daß Steuer⸗ restanten in dieser Klasse nicht viel vorhanden waren und kam die Kommission deshalb zu dem Schluß, daß sie die Steuerfreihelt dieser Klasse nicht empfehlen könne. Eine merkwürdige Auffassung hat damit die Kommission und namentlich ihre Veranlasser gezeigt: also nicht der Umst and, daß diese 950 Steuerzahler von ihrem äußerst geringen Einkommen Steuern sich abzwacken müssen, und auch nicht der Umstand, daß diese Steuerklasse viel Arbeit macht und nur zirka 4000 Mk. einbringt, war für die Kommission maßgebend, sondern nur, daß der Vollziehungsbeamte hier verhältnismäßig weniger in Tätigteit zu treten hat. Es geschah deshalb auch den Antragstellern ganz recht, wenn sie sich von den noch wenig soziales Verständnis zeigenden Herren Stadt⸗ verordneten⸗Vorsteher Dörffler und Landgerichtsrat Gleim sagen lassen mußten, sie hätten sich vorher orientieren sollen, ehe sie den Antrag einbrachten. Die mit so vielem Wortschwall in Szene gesetzte Aktion ist also verlaufen wie das Hornberger Schießen, es bleibt wie bisher, und namentlich die 550 Arbeiter, Schreiber ꝛc. mögen sich dieser ergebnislosen Tätigkeit unserer Stadt⸗ väter noch öfter bei geeigneter Gelegenheit erinnern.— Ein weiterer Punkt von Interesse war die Regelung der Löhne der städtischen Arbeiter. In der Vor⸗ lage des Magistrats heißt es, daß die Löhne der städti⸗ schen Arbeiter so niedrig seien, daß dafür kaum noch tüchtige Arbeiter zu haben seien. Hier zeigt sich das soziale Verständnis unserer Stadtverwaltung in seiner ganzen Herrlichkeit. Die gestelgerten Lebens mittelpreise und Wohnungsmieten würden unsere Stadtverwaltung nicht zu höheren Löhnen vecanlassen, wenn sich nur immer genug Leute fänden, und nur der allmählich eintretende Arbeitermangel hat sie zu einer Erhöhung der Löhne um 2 Pfg. pro Stunde veranlaßt, was eine jährliche Mehrausgabe von etwa 2200 Mk. verursacht. — Ferner genehmigte die Stadtverordneten Versammlung, daß in der Kaserne einige Mannschaftsstuben neu gedielt werden. Hierbei machte der Hygieniker Prof. Bonhoff Mitteilungen über die in der Kaserne vorgekommenen Fälle von Genickstarre. Es seten seit 1899 jedes Jahr ein oder zwei Fälle von Genickstarre vorgekommen und merkwürdiger Weise stets in den in Betracht kommenden Stuben. Bei den vorzunehmenden Arbeiten sollen nun die erforderlichen hygienischen Vorsichtsmaßregeln in ausgiebigster Weise beobachtet werden. — w. Von der Bauarbeiterbewegung. Auf das allerwenigsten im Stande sein, ein eigenes Lokal an 64 Firmen gesandte Schreiben, das die Forderungen der Bauhülfsarbeiter enthielt, hat bisher nur eine ein⸗ zige Firma, Nlederehe und Sohn, geantwortet und das sehr anständig. Die andern haben vorgezogen, gar nicht oder indirekt zu antworten, indem sie am verflossenen Lohntage 1 bis 2 Pfg. die Stunde mehr bezahlten. Die Herren Bauunternehmer halten es unter ihrer Würde, mit Maurern und Bauhilfsarbeitern zu verhandeln. Daran ist aber die Gleichgültigkeit unserer Kollegen schuld. Hätten sie sich alle, oder auch nur ihre Mehrzahl der Organisation angeschlossen, so würden sich die Herren jedenfalls entgegenkommender zeigen müssen. Hoffentlich lassen sich das unsere Kollegen zur Lehre dienen und reiben sich bald den Schlaf aus den Augen! * Der Arbeiter⸗Gesangverein„Eintracht“ Marburg veranstaltet am Himmelfahtstage einen Aus⸗ flug. Treffpunkt früh 5 Uhr auf der Weidenhäuser Brücke, von da über die Maaseiche nach dem Frauenberg. Dort gemeinsames Frühstück und dann wieder Zurück nach der Heimat. Die Betelligung aller Genossen wie Gewerkschaftsmitglieder an dem Ausflug ist sehr er⸗ wünscht. O„Fleischnotrummel“ nennt die„Oberh. Ztg.“, das konservative Organ für hohe Lebens mittel⸗ preise, im politischen Teil die Bestrebungen zur Herab⸗ setzung der hohen Fleischpreise. Im Anzeigenteil wird minderwertiges Rindfleisch zu 45 Pfg. und minder⸗ wertiges Kalbfleisch zu 40 Pfg. empfohlen. Der Re⸗ dakteur der ersren Seite braucht nicht zu wissen, was auf der letzten Seite steht. Soziales, Gewerkschaftliches, Arbeiterbewegung. Fünfter Kongreß der Gewerkschaften Deutschlands. Das Parlament der freien deutschen Gewerkschaften trat am Montag im großen Gürzenichsaale in Köln zusammen. 213 Delegierte und eine große Zahl ausländi⸗ scher Gäste sind erschienen. Außerdem ist an⸗ wesend eine Delegation des Zentralverbandes Deutscher Konsumvereine sowie als Referenten die Reichstagsabgeordneten Bömelburg, Rob. Schmidt, A. v. Elm und O. Hué. Die Ge⸗ neralkommisston ist durch C. Legien, R. Schmidt, Stube, Sassenbach, Cohen, Döblin, Knoll, Sabath, Silberschmidt, Umbreit, Brunner, Valär und Gremski vertreten. Legien eröffnet namens der Zentralkommission den Kongreß und richtet herzliche Begrüßungs worte an die Erschienenen. Was vor einem Jahrzehnt der größte Optimtst nicht erwartet hat, so führte er aus, ist einge⸗ troffen, denn auf diesem Kongreß sind 1¼ Million organisierte Arbeiter vertreten. Auf dem ersten Kongreß in Halberstadt waren 303 000, in Berlin 271000, in Frankfurt a. M. 495000, in Stuttgart 681000 und in Köln schließlich 1252000 Organisterte vertreten. Welch' ein gewaltiger Fortschritt! Aus der inneren Entwickelung der Gewerkschaften teilt Legien mit, daß diese im Jahre 1891 eine Einnahme von 4,02 Mark pro Kopf hatten, die sich im Jahre 1903 auf 18,50 Mark belief. Der Kassenbestand betrug 1891 425000 Mark, pro Kopf 1,53. 1903 aber 16 109 000 Mark, pro Kopf 14,59 Mark. Ferner berichtet Legien, daß dieses Mal eine Einladung an das Reichs⸗ amt des Innern zur Teilnahme an dem Kongreß nicht ergangen sei. Graf Posadowsky habe im vorigen Jahre die Einladung zum Heimarbeiter⸗ schutzkongreß wegen„Zeitmangels“ abgelehnt, set dann aber persönlich auf der Generalver⸗ sammlung des Gewerkvereins der christlichen Heimarbeiterinnen erschienen. Angesichts dieser Tatsachen sei man der Ueberzeugung geworden, daß es der Ehre der Deutschen Gewerkschaften widerspreche, an diese Stelle noch einmal eine Einladung zu schicken. Nachdem sich der Kongreß konstituiert(zu Vorsitzenden werden Bömelburg und Legien gewählt) erstattet Letzterer den Bericht der Zentral⸗Kommission, aus dem besonders hervor⸗ zuheben, daß die Generalkommisston bezüglich der gewerkschaftlichen Unterrichtskurse noch zu keinem Resultat gelangt ist. Ein Frauen⸗ agitationskomitee hat sich gebildet, da die Nach⸗ frage nach einer Zentralvermitteluugsstelle weib⸗ licher Referenten zu stark war. Bitten um Mittel zum Bau eigener Lokale lehne die Kommission grundsätzlich ab, denn da, wo sich die Arbeiterschaft nicht ein einziges Lokal zu Versammlungen erobern könne, werde sie am 5 ä— zu halten. Nach dem Beschluß vom Frankfurter Kongreß auf Unterstützung von Arbeitersekreta⸗ riaten seien sehr viele derartige Anträge an die Kommission herangetreten. Aber nur dort, wo die Sekretariate nicht Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck der Organisation sind, wo Aussicht vorhanden, daß die wachsende Orga⸗ nisation bald selbst die Kosten bezahlen kann, ist die Generalkommission bereit, Sekretariate einzurichten. Eine ganze Reihe von Anträgen, welche zu einer sehr lebhaften Diskussion Anlaß geben, liegt dem Kongreß vor. In der Abstimmung werden die Anträge auf den Bau von Gewerk⸗ schaftshäusern, der Generalkommission über⸗ wiesen, die Anträge auf Anstellung von Ar⸗ beitersekretären der nächsten Zusammenkunft der Gewerkschaftsvorstände. Ein Antrag auf Herausgabe von Broschüren gegen die Christlichen wird mit großer Mehrheit abgelehnt, ebenso eine Resolution des Schneider verbandes, die sich gegen die Anerkennung des Vereins der Wäsche⸗ und Kravattenarbeiter als selbständige Organisation richtet. Einstimmig und debattelos wird dagegen eine Resolution zu Gunsten des rheinisch⸗westfälischen Bierboykotts angenommen. Ueber den weiteren Verlauf berichten wir in nächster Nummer. Lohnkämpfe. In München streiken die Wagner wegen Lohndifferenzen, desgleichen die Maler; letztere fordern 45 Pfg. Stunden⸗ lohn.— In den Werken der Maschinen⸗ bau A.⸗G.(vorm. Klett und Kramer) in Nürnberg ist am Samstag der Streik aus⸗ gebrochen; 1200 Mann legten die Arbeit nieder. Letzte Nachrichten. X. Offenbach, 25. Mai. Von einer fürchter⸗ lichen Brandkatastrophe, bei der leider fünf Menschenleben ihren Tod in den Flammen fanden, wurde in der verflossenen Nacht unsere Stadt heimgesucht. Kurz nach 11 Uhr brach in dem Hinter⸗ haus der Lohnkutscherei Heres zwischen Mühlstraße und Großem Blergrund Großfeuer aus, daß mit rapider Gewalt um sich griff. Zwei Frauen und drei Kinder, sowie einige in einem anliegenden Stall internierte Pferde kamen dabei um. Auch viele Feuerwehrleute trugen mehr oder minder schwere Verletzungen davon. An der Brandstelle spielten sich herzzerreißende Szenen ab, da die Wehr, welche laut„Frkf. Ztg.“ zu spät alarmiert war, nicht in der gewünschten Weise vorgehen konnte. Die mit ihren drei Kindern in den Flammen umgekommene Frau des Steinhauers Röninger rannte in der Bestürzung hin und her und achtete nicht auf die Rufe der Untenstehenden, die Kinder herunterzuwerfen. An der Hinterseite des Hauses spielten sich ähnliche Szenen ab, dort stand die ebenfalls mitverbrannte Frau Fisch, eine Greisin von 70 Jahren und ihr Mann, der Schneider ist und ein körperliches Gebrechen hat— er trägt einen Stelzfuß— und schrieen laut um Hilfe. Berlin, 25. Mai. Wie der„Vorwärts“ in seiner heutigen Nummer berichtet, beläuft sich die Gesamtzahl der ausgesperrten Schneider auf nahezu 4000. Frankfurt, 25. Mai. Aus allen Teilen des Landes, speziell vom Ober⸗ und Mittelrhein, dem Elsaß und dem Taunus werden starke Frostschäden gemeldet. Teilweise sank das Thermometer bis auf— 3“ R, Dadurch haben Kartoffelfelder, Weinberge und auch der Klee sehr stark gelitten, sodaß der Schaden bedeutend ist. 2—— Versammlungs kalender. 5 Samstag, den 27. Mai. Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Ver⸗ sammlung bei Löb(Wiener Hof).— Metall⸗ arbeiter. Abends 8½ Uhr Versammlung bei Orbig. Lollar. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung bei Wirt Schupp. Schotten. Wahlverein. Abends 8 ½ Uhr Ver⸗ sammlung bei Wirt Müller. Marburg. Wahlverein. Abends 9 Uhr Ver⸗ sammlung im Lokale D. Jesberg. Samstag, den 3. Juni. Lauterbach. Sozialdemokrat. Wahlverein. Abenos 8 Uhr Versammlung bei Gastwirt Kreutzer. Briefkasten. W.⸗Mbg. Bericht können wir leider erst in nächster Nummer bringen. r.⸗Mbg. War für diese Nummer schon von anderer Seite eingesandt. Mehrere Einsen⸗ dungen mußten zurückgestellt werden. N Seite 6. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 22. Von Nah und Fern. Durch eine Brandkatastrophe wurden vorige Woche in dem Dorfe Weimar bei Kassel mehrere Menschenleben vernichtet. In dem Hause des Metzgermeisters Fröhlich brach Feuer aus. Von den acht Kindern des Fröhlich retteten sich die drei ältesten, indem sie aus dem Fenster sprangen, das jüngste ein⸗ jährige Kind wurde von der Mutter aus dem brennenden Hause getragen. Die übrigen vier Kinder— im Alter von 9, 7, 5 und 2 Jahren — kamen in den Flammen um. Schwindelkrankenkassen. In Hannover ist kürzlich ein Prozeß gegen die Macher der Schwindelkrankenkasse „Union“ zu Ende geführt worden. Der Prozeß ist für unsere Gegend insofern von Interesse, als die Verurteilten in vielen Dörfern der Umgebung von Gießen Mitglieder für ihre Schwindelkasse geworben hatten. Das Gericht verurteilte Schomburg, Kurre und Zicken⸗ rodt wegen Betruges und Vergehens gegen das Krankenversicherungsgesetz. Schomburg er⸗ hielt sechs Monate Gefaͤngnis und 300 Mk. Geldstrafe, Kurre fünf Monate und 300 Mk. und Zickenrodt ein Monat und 200 Mk. Geld⸗ strafe. Kurre und Schomburg werden sich dem⸗ nächst noch wegen gleicher Schwindeleien, be⸗ gangen bei der Krankenkasse„Thalia“, die die Fortsetzung der, Union“ bildete, zu verantworten haben und befinden sich deshalb schon seit Monaten in Haft. Wir warnen unsere Leser wiederholt vor solchen Schwindelkassen; man sehe sich auch bei Abschlüssen von Lebens⸗ und anderen Versiche⸗ rungen vor. Kriegervereinsfahne iversteigert. Böse hereingefallen sind die Kriegervereinler von Zanioch in der Neumark. Der alte Kriegerverein von Zanioch war im vorigen Jahre aufgelöst worden, weil die Mehrheit der Mitglieder nicht für den Ausschluß der orga⸗ nisierten Flößer zu haben war.(Die Krieger⸗ vereine dulden bekanntlich weder Sozialdemo⸗ kraten noch Gewerkschaftler in ihren Reihen.) Das Vereinsvermögen wurde geteilt, wobei auf den Mann 50 Pfg. kamen. Es blieb aber noch die Fahne übrig, die 800 Mk. gekostet hatte. Um diese kam es zur Klage zwischen dem neu⸗ gegründeten Kriegerverein und den Flößern. Das Landgericht in Landsberg an der Warthe hat dahin entschieden, daß die Fahne durch den Gerichtsvollzieher zum öffentlichen Verkauf ge⸗ bracht und der Erlös unter die ehemaligen Mitglieder verteilt werden soll. 19 C 7 e 80 2 Sehleehter Trost. Du wirst ein schöner Leben schauen, Und ewig, ewig bleibt es dein; Man wird dir goldne Schlösser bauen, Nur— mußt du erst gestorben sein! Du wirst bis zu den Sternen dringen, Und stellen dich in ihre Reihn, Von Welten dich zu Welten schwingen— Nur— mußt du erst gestorben sein. Du wirst, ein freier Brutus, wallen Mit Brutussen noch im Verein, All deine Ketten werden fallen, Nur— mußt du erst gestorben sein. Wenn Sünder in der Hölle braten, So gehest du zum Himmel ein; Du wirst geküßt und nicht verraten, Nur— mußt du erst gestorben sein. Ob ihm der Ost die Segel blähe, Was hilft's dem morschen, lecken Hahn d Was hilft dem Fink die Sonnennähe, Den tot ein Adler trägt hinan d Georg Herwegh. (Aus„Gedichte eines Lebendigen“ von Herwegh; Max Hesses Volksbücherei, Leipzig.) Der Verbrecher aus verlorener Ehre. Eine wahre Geschichte von Friedrich Schiller. 2.(Fortsetzung.) „Ich setzte mich auf einen Zimmerplatz, der Kirche gegenüber; was ich eigentlich wollte, weiß ich nicht; doch ich weiß noch, daß ich mit Er⸗ Oitterung aufstand, als von allen meinen vorüber⸗ gehenden Bekannten keiner mich nur eines Grußes gewürdigt hatte, auch nicht einer. Un⸗ willig verließ ich meinen Standort, eine Herberge aufzusuchen: als ich an der Ecke einer Gasse umlenkte, rannte ich gegen meine Johanne. „Sonnenwirt!“ schrie sie laut auf, und machte eine Bewegung, mich zu umarmen.„Du wieder da, lieber Sonnenwirt! Gott sei Dank, daß du wieder kömmst!“ Hunger und Elend sprach aus ihrer Bedeckung, eine schändliche Krankheit aus ihrem Gesichte; ihr Anblick verkündigte die verworfenste Kreatur, zu der sie erniedrigt war. Ich ahnete schnell, was hier geschehen sein möchte; einige fürstliche Dragoner, die mir eben begegnet waren, ließen mich erraten, daß Garnison in dem Städtchen lag.„Soldatendirne!“ rief ich und drehte ihr lachend den Rücken zu. Es tat mir wohl, daß noch ein Geschöpf unter mir war im Rang der Lebendigen. Ich hatte sie niemals geliebt. „Meine Mutter war tot. Mit meinem kleinen Hause hatten sich meine Kreditoren be⸗ zahlt gemacht. Ich hatte niemand und nichts mehr. Alle Welt floh mich, wie einen Giftigen, aber ich hatte endlich verlernt, mich zu schämen. Vorher hatte ich mich dem Anblick der Menschen entzogen, weil Verachtung mir unerträglich war. Jetzt drang ich mich auf und ergötzte mich, ste zu verscheuchen. Es war mir wohl, weil ich nichts mehr zu verlieren und nichts mehr zu hüten hatte. Ich brauchte keine gute Eigen⸗ schaft mehr, weil man keine mehr bei mir ver⸗ mutete. „Die ganze Welt stand mir offen, ich hätte vielleicht in einer anderen Provinz für einen ehrlichen Mann gegolten, aber ich hatte den Mut verloren, es auch nur zu scheinen. Ver⸗ zweiflung und Schande hatten mir endlich die Sinnesart aufgezwungen. Es mar die letzte Ausflucht, die mir übrig war, die Ehre ent⸗ behren zu lernen, weil ich an keine mehr An⸗ spruch machen durfte. Hätten meine Eitelkeit und mein Stolz meine Erniedrigung erlebt, so hätte ich mich selber entleiben müssen. „Was ich nunmehr eigentlich beschlossen hatte, war mir selber noch unbekannt. Ich wollte Böses tun, so viel erinnere ich mich noch dunkel. Ich wollte mein Schicksal verdienen. Die Gesetze, meinte ich, wären Wohltaten für die Welt, also faßte ich den Vorsatz, ste zu ver letzen; ehmals hatte ich aus Notwendigkeit und Leichtsinn gesündigt, jetzt tat ichs aus freier Wahl zu meinem Vergnügen. „Mein erstes war, daß ich mein Wildschießen fortsetzte. Die Jagd überhaupt war mir nach und nach zur Leidenschaft geworden, und außer⸗ dem mußte ich ja leben. Aber dies war es nicht allein; es kitzelte mich, das fürstliche Edikt zu verhöhnen und meinem Landesherrn nach allen Kräften zu schaden. Ergriffen zu werden, besorgte ich nicht mehr, denn jetzt hatte ich eine Kugel für meinen Entdecker bereit, und das wußte ich, daß mein Schuß seinen Mo nn nicht fehlte. Ich erlegte alles Wild, das mir aufstieß; nur weniges machte ich auf der Grenze zu Gelde, das meiste ließ ich berweseg. Ich lebte kümmerlich, um nur den Aufnu and an Blei und Pulver zu bestreiten. Men e Ver⸗ heerungen in der großen Jagd wurden ruchbar, aber mich drückte kein Verdacht mehr. Mein g f löschte ihn aus. Mein Name war ver⸗ gessen. „Diese Lebensart trieb ich mehrere Monate. Eines Morgens hatte ich nach meiner Gew ohn⸗ heit das Holz durchstrichen, die Fährte ei ies Hirsches zu verfolgen. Zwei Stunden halte ich mich vergeblich ermüdet, und schon fing i an, meine Beute verloren zu geben, als ich sie auf einmal in schußgerechter Entfernung ent⸗ deckte. Ich will anschlagen und abdrücken— aber plötzlich erschreckt mich der Anblick eines Hutes, der wenige Schritte vor mir auf der Erde liegt. Ich forsche genauer und erkenne den Jäger Robert, der hinter dem dicken Stamm einer Eiche auf eben das Wild an⸗ schlägt, dem ich den Schuß bestimmt hatte. Eine tödliche Kälte fährt bei diesem Anblick durch meine Gebeine. Just das war der Mensch, den ich unter allen lebendigen Dingen am gräß⸗ lichsten haßte, und dieser Mensch war in die Gewalt meiner Kugel gegeben. In diesem Augenblick dünkte michs, als ob die ganze Welt in meinem Flintenschuß läge und der Haß meines ganzen Lebens in die einzige Finger⸗ spitze sich zusammendrängte, womit ich den mörderischen Druck tun sollte. Eine unsichtbare, fürchterliche Hand schwebte über mir, der Stunden⸗ weiser meines Schicksals zeigte unwiderruflich auf die schwarze Minute. Der Arm zitterte mir, als ich meiner Flinte die schreckliche Wahl erlaubte— meine Zähne schlugen zusammen, wie im Fieberfrost, und der Odem sperrte sich erstickend in meiner Lunge. Eine Minute lang blieb der Lauf meiner Flinte ungewiß zwischen dem Menschen und dem Hirsch mitten inne schwanken— eine Minute— und noch eine— und wieder eine. Rache und Gewissen rangen hartnäckig und zweifelhaft, aber die Rache ge⸗ wanns, und der Jager lag tot am Boden. „Mein Gewehr fiel mit dem Schüsse Mörder.... stammelte ich langsam— der Wald war still, wie ein Kirchhof— ich hörte deutlich, daß ich Mörder sagte. Als ich näher schlich, starb der Mann. Lange stand ich sprachlos vor dem Toten, ein helles Gelächter endlich machte mir Luft.„Wirst du jetzt reinen Mund halten, guter Freund!“ sagte ich und trat keck hin, indem ich zugleich das Gesicht des Er⸗ mordeten auswärts kehrte. Die Augen standen ihm weit auf. Ich wurde ernsthaft und schwieg klötzlich wieder stille. Es fing mir an, seltsam zu werden. „Bis hierher hatte ich auf Rechnung meiner Schande gefrevelt; jetzt war etwas geschehen, wefür ich noch nicht gebüßt hatte. Eine Stunde vorher, glaubte ich, hätte mich kein Mensch überredet, daß es noch etwas Schlechteres, als mich, unter dem Himmel gebe; jetzt fing ich an zu mutmaßen, daß ich vor einer Stunde wohl gar zu beneiden war. „Gottes Gerichte fielen mir nicht ein— wohl aber eine, ich weiß nicht welche, verwirrte Erinnerung an Strang und Schwert, und vie Exekution einer Kindermörderin, die ich als Schuljunge mit angesehen hatte. Etwas ganz besonders Schreckbares lag für mich in dem Gedanken, daß von jetzt an mein Leben verwirkt sei. Auf Mehreres besinne ich mich nicht mehr. Ich wünschte gleich darauf, daß er noch lebte. Ich tat mir Gewalt an, mich lebhaft an alles Böse zu erinnern, das mir der Tote im Leben zugefügt hatte, aber sonderbar! mein Gedächtnis war wie ausgestorben. Ich konnte nichts mehr von alle dem hervorrufen, was mich vor einer Viertelstunde zum Rasen gebracht hatte. Ich begriff gar nicht, wie ich zu dieser Mordtat ge⸗ kommen war. „Noch stand ich vor der Leiche, noch immer. Das Knallen einiger Peitschen und das Geknarre von Frachtwagen, die durchs Holz fuhren, brachte mich zu mir selbst. Es war kaum eine Viertelmeile abseits der Heerstraße, wo die Tat geschehen war. Ich mußte auf meine Sicher⸗ heit denken. „Unwillkürlich verlor ich mich tiefer in den Wald. Auf dem Wege fiel mir ein, daß der Entleibte sonst eine Taschenuhr besessen hätte. Ich brauchte Geld, um die Grenze zu erreichen — und doch fehlte mir der Mut, nach dem Platz umzuwenden, wo der Tote lag. Hier erschreckte mich ein Gedanke an den Teufel und eine Allgegenwart Gottes. Ich raffte meine ganze Kühnheit zusammen; entschlossen, es mit der ganzen Hölle aufzunehmen, ging ich nach der Stelle zurück. Ich fand, was ich erwartet hatte, und in einer grünen Börse noch etwas Weniges über einen Taler an Gelde. Eben, da ich Beides zu mir stecken wollte, hielt ich plötzlich ein und überlegte. Es war keine An⸗ wandlung von Scham, auch nicht Furcht, mein Berbrechen durch Plünderung zu vergrößern— Trotz, glaube ich, war es, daß ich die Uhr 1——.ñ:?fK —— — ———— Nr. 22. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zenmung. Seue 7. wieder von mir warf und von dem Gelde nur die Hälfte behielt. Ich wollte für einen per⸗ sönlichen Feind des Erschossenen, aber nicht für seinen Räuber gehalten sein. (Fortsetzung folgt.) Eine Erinnerung. Von Reinmar d. Alten. Vor einigen Wochen besuchte mich ein Ge⸗ nosse, den ich volle 20 Jahre nicht gesehen und nüt dem ich in dieser langen Zeit auch nicht in brieflichem Verkehr gestanden hatte. Kein Wunder, daß ich mich seiner nicht mehr erinnern konnte. Der fremde Besucher half meinem Gedächtnis mit folgenden Worten nach:„Na, fönnen Sie sich nicht mehr an den Morgen nach der Hinrichtung des Polizeirats Rumpf er⸗ nern? Da wurden Sie und ich von Schutz⸗ leuten nach der Polizeidtrektion gebracht; wir waren die einzigen organisterten Frankfurter Genossen, die gleich nach dem Attentat verhaftet Wurden.“ Jetzt fiel es mir wie Schuppen von den Augen; ich wußte nun, wen ich vor mir hatte. Die Erinnerung an die damalige Zeit wurde durch den Besuch aufs neue lebendig in mir, und da ein kurzer Rückblick sicher auch für die jüngere Generation von Interesse ist, sei nach⸗ stehendes hier mitgeteilt: Es waren Ende Januar 1905 gerade 20 Jahre, daß in Frankfurt a. M. der Polizeirat Rumpf ermordet wurde. In der achten Stunde abends fand man ihn am Eingange des Hauses, in dem sich seine Wohnung befand, mit einer tiefen Stichwunde in einer Blutlache liegend auf. Der todbringende Stoß mußte bon kundiger Hand mit ungeheuerer Wucht aus⸗ geführt worden sein. Merkwürdig— von den zahlreichen Bewohnern des betreffenden Hauses hatte niemand von der Tat etwas bemerkt. Liebknecht schrieb damals im Züricher Sozial⸗ demokrat am Schlusse eines Artikels:„Das war ein Attentat!“ Das war es freilich, und zwar ein nur zu gut gelungenes. Rumpf war das Haupt der gegen die Sozialdemokraten dressierten politischen Poli⸗ zisten Frankfurts. Gegen ihn war der Mün⸗ chener Gehret der reine Waisenknabe. Eine große Zahl von Familien war durch seine un⸗ heilvolle Tätigkeit ins Unglück gestürzt worden. Die raffinierten Schikanen gegen unsere Genossen — auch ich könnte ein Lied davon singen—, die er oft mit ausgesuchter Bosheit erfand, schienen manchmal geradezu darauf angelegt, den Widerstand der Betroffenen hervorzurufen. Rumpf brauchte keinen Belagerungszustand, es ging auch so. Kein Wunder, daß ihm von uns niemand eine Träne nachweinte. Die Heldentaten Rumpfs hatten aber auch andere Kreise Frankfurts in Erregung versetzt; man sah den Mord allenthalben als einen Akt der Wiedervergeltung an. Frankfurt atmete auf, als wäre es von einem drückenden Alp befreit. Wir aber überlegten die Folgen, die das Attentat haben konnte. Die„Schüler Rumpfs“ fahndeten nun eifrig nach den Attentätern. Daß sie in den Reihen der bekannteren Sozialdemokraten nicht zu suchen waren, leuchtete der Polizei wohl bald ein. Der Instinkt führte sie zu den Anarchisten, mit denen der Ermordete auf freundschaftlichem Fuß gestanden haben sollte. Hatte es doch der Schriftsetzer und Anarchist Reinsdorff, der im Jahre 1886 in Halle hingerichtet wurde, fertig gebracht, den Gewaltigen sogar anzupumpen. Der Anarchist Schuhmacher Liske wurde durch recht fragwürdigen Indtzienbeweis des Mordes „überführt“ und vom Frankfurter Schwurgericht zum Tode verurteilt, und das Urteil wurde auch an ihm vollstreckt. Man sprach damals von einem Justizmord, ob mit Recht, muß da⸗ hin gestellt bleiben. Aber die Meinung ging allenthalben dahin, Liske könne den Mord nicht ausgeführt haben. Daß die preußische Regierung die Wirksam⸗ keit Rumpfs so hoch anschlug, daß man auch beschloß, seine Kinder auf Staatskosten erziehen zu lassen, zeugt nur von der Kurzsichtigkeit der Regierer, die nicht bedenken, daß Gesetze, wie das Sozialistengesetz, den Anarchismus geradezu groß ziehen und Attentate gegen die Werkzeuge solcher Gesetzesmacherei mit Naturnotwendigkeit erzeugen müssen. Für mich persönlich hatte das Attentat eine unangenehme Folge. Ich gehörte zu den Ge⸗ nossen, die sich der besonderen Aufmerksamkeit Rumpfs zu erfreuen hatten; in seinen Proto⸗ kollen war mein Name des öfteren genannt und deshalb hielt„man“ es für angezeigt, mich einem peinlichen Verhör zu unterziehen. Zu dem Zwecke waren zwei„Geheime“ beordert, mich zu„sistieren“ und nach der Polizeidirektion abzuführen. Das wurde nun in möglichst auf⸗ fälliger Weise ins Werk gesetzt. Den beiden Herren begegnete ich, wie ich ins Geschäft ging, unweit meiner Wohnung. Obgleich sie mich recht wohl kannten, ließen sie mich ruhig vorbei passieren. Bereits war ich an der Arbeit, als die Schutzengel im Geschäft erschienen und sich im Kontor beim Prinzipal vorstellten, ihm ihre Mission geheimnisvoll mitteilten und meine Auslieferung forderten. Die Polizei bezweckte durch solche„Kunststückchen“, den mit ihrer Aufmerksamkeit Beglückten brotlos zu machen, was ihr aber in diesem Fall nicht gelang. Ich mußte also mit nach der Polizeidirektion, wo ich mein Alibi beweisen sollte; d. h. ich sollte nachweisen, wo ich mich zur Zeit der Mord⸗ affäre aufgehalten. Dies hatte jedoch seine Schwierigkeiten. Wir sozialistengesetzlich organisierten Genossen hatten an diesem Abend eine große„geheime“ Versammlung gehabt, und zwar in Sachsen⸗ hausen. Da ich am direkt entgegengesetzten Ende Frankfurts wohnte, hatte ich nicht Zeit gehabt, zuvor nach Hause zu gehen, ich ging in der Nähe des Geschäfts inmitten der Stadt in eine Wirtschaft, um dort zu Abend zu essen. In dieser Wirtschaft war ich völlig unbekannt. Meine Lage war eine kritische. Daß wir eine Versammlung abgehalten hatten, durfte ich unter keinen Umständen aussagen, die„geheime“ Or- ganisation wäre dann verraten gewesen. Ich mußte nun zunächst mit meinen beiden Begleitern den Marsch nach der Wirtschaft antreten, um mein Alibi nachzuweisen. Wider Erwarten hatte der Kellner, der mich bedient hatte, ein so gutes Gedächtnis, daß er bestätigen konnte, daß ich am Vorabend zwischen 7 und 8 Uhr in der Wirtschaft gewesen war. Wiederum Marsch nach dem Clesern Hof, wo ich ermahnt wurde, etwaige Wahrnehmungen in Bezug auf den Mord im Interesse meiner Partei„anhero“ mitzuteilen. Ich danke höflichst für Obst. In⸗ folge des mehrmaligen Hin⸗ und Herführens durch die Straßen Frankfurts in so stadtbe⸗ kannter Begleitung, wie die beiden Detektivs waren, hatte sich bald das Gerücht von meiner „Verhaftung“ verbreitet, doch die mich kannten, glaubten nicht, daß ich irgendwie an dem Rumpfmord beteiligt sein könnte, und selbst die Polizei hatte daran nicht geglaubt. Am Abend trafen wir uns in der Kneipe eines bekannten Genossen und freuten uns königlich, daß keiner der Genossen fehlte.— Einige Monate später verließ ich Frankfurt für immer. Humoristisches. Ehre.„Sie werden doch um Gotteswillen das arme Kind nicht in der Schande sitzen lassen?“—„Ich muß, Frau Rat. Ich bin Reserveoffizier und habe er⸗ fahren, daß Ihr verstorbener Mann in einem Ehren⸗ handel Satisfaktion verweigert hat.“ empfehle mein reichhaltiges Arbeiterschuhe und Stiefel Marktstrasse 34. Für Arbeiter und Landleute Schuhwaren-Lager; ö 1 erstklassig, di- in gediegenen, soliden Qualitäten zu billigsten Preisen. 8Tahrräder, rekt 15910 der Sowie alle sonstigen Schuhwaren in jeder Preislage und reicher Auswahl. 2 Justus Benner, Gießen pati duch an en. Edgar Borrinanm, Giessen. Neustadt 11 2 Eisenhandlung, Stahlwaren, Werkzeuge, Haus⸗ und Küchengeräte⸗ Fabrik an Private und Händler von Mk. 65.— an. ca. Mk. 4.—, Luftschläuche C. F. Schwarz Sohne (Inh.: Heinrich Möller) Reichhaltiges Lager in: Herren-, Knaben⸗ und Arbeitskleidern Stoffe im Ausschnitt.« Anfertigung nach Mass. 1— Zubehör teile, ute on Feste Preise! Streng reelle Bedsenung! 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