ö le offtr. iche aus Eine till rr D Nasa nente enen nnen N Nr. 48. r Gießen, den 26. November 1905. 12. Jahrgang. Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Sonnt Mitteldeutsche 18-30 Nebdaktionsschluß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. itung. Abonnements preis: Die Mitteldeutsche Bestellungen 1 Juserate Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt. Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die] Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindestens Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Postanstalt und 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 5107) 33½% und bei mindestens 22 mal. Aufgabe 50% Rabatt Karger Lohn— teures Brok. Noch einige Monate und die neuen Handels⸗ verträge treten in Kraft, die auf Grund jenes Wuchertarifs abgeschlossen wurden, der in der berühmten Adventwoche des Jahres 1902 im Reichstag durchgedrückt wurde. Daß diese Verträge für die große Masse der Minderbe⸗ mittelten Jammer, Hunger und Elend bringen werden, steht fest. Ihre Wirkung wird sich um so mehr fühlbar machen, als wir schon jetzt unter einer harten Lebensmittelteuerung leiden. Heute heißt es für die Arbeiterschaft: Tue Geld in deinen Beutel. Fast alle Lebensmittel sind im Preise gesttegen. Vor allen Dingen aber die Fleischpreise. Sie sind derart in die Höhe geschraubt, daß es der arbeitenden Klasse immer unmögltcher gemacht wird, ein Stückchen Fleisch auf den Tisch zu bringen. Vergleicht man die Lebensmittel und besonders die Fleisch⸗ preise aus der„guten alten Zeit“ mit den jetzigen Preisen, so erkennt man, daß ganz systematisch Unterernährung der breiten Volks⸗ masse herbeigeführt worden ist. Am besten ist die Verteuerung des Lebens- unterhaltes aus einer Tabelle zu ersehen, die die Arbeitsmarkt⸗Korrespondenz unter Zugrund⸗ legung der niedrigsten Markthallenpreise ver⸗ öffentlicht. Danach sind die Haushaltungs⸗ kosten für eine vierköpfige Arbeiterfamilie von 1900 bis 1904 um 44,10 Mk. gestiegen. Zwei Kinder sind bei dieser Berechnung gleich einem Erwachsenen gezählt. Dabei ist die Verpflegungs⸗ ration eines deutschen Marinesoldaten als Maßstab genommen worden. Nach diesem Maßstab ergibt sich, daß die Ernährungskosten einer vierköpfigen Arbeiterfamilie, gleich drei Erwachsenen, betrugen: 1900 1901 1902 1903 1904 pro Woche 20,44 20,56 20,72 21,15 21,29 Mk. Es dürfte nach dieser Aufstellung für jeden ersichtlich sein, daß die Lebensmittelpreise rapid gestiegen sind. Und sie sind im Jahre 1905 weiter gestiegen. Veispielswesse stiegen die Preise für Schweine⸗ fleisch in Schlesien von Juli 1896 bis Juli 1905 von durchschnittlich 1 Mk. bis 1.50 Mk. das Kilogramm. Selbst die Kartoffeln, die in diesem Jahre eine so gute Ernte ergaben, sind künstlich im Preise in die Höhe getrieben worden, nachdem von dem Hauptorgan der Agrarier, der„Deutsch. Tagesztg.“ der Vor⸗ schlag gemacht worden war, die Kartoffeln mehr als 1 zu verwenden und so dem Markte zu entziehen. Das Volk hat also nicht einmal den Trost, sich an Kartoffeln satt essen zu können, nachdem ihm Fleisch und Brot künst⸗ lich verteuert sind. „Diesen enormen Teuerungspreisen gegen⸗ über stehen die Arbeiterlöhne in gar keinem Verhältnis; sie haben mit der Teuerung nicht gleichen Schritt gehalten, denn es ist nur allzu bekannt, daß ein großer Prozentsatz der Ar⸗ beiter nur ein Jahreseinkommen von 600 bis 700 Mk. erreicht, daß dabei in diesen, meist mit Kinder reich gesegneten Familien Schmal⸗ hans Küchenmeister spielen, daß die Unterer⸗ nährung zur Regel werden muß und damit für Krankheit und Elend Tür und Tor ge⸗ öffnet ist, das ist so selbstverständlich, wie zwei mal zwei vier ist. Doch hiermit ist die Gefahr, die der Ar⸗ beiterklasse aus der heute beliebten Zollpolitik droht, noch nicht zu Ende. Die Handelsver⸗ träge, die von 1906 bis 1917 gelten sollen, bringen neben der sehr merkbaren Verteuerung der Lebenshaltung für die nicht mit Glücks⸗ gütern gesegneten Volksklassen noch eine Ver⸗ minderung der Arbeitsgelegen⸗ heit mit sich. Schon jetzt sieht man, wie ein⸗ zelne Unternehmer, um den Zollscherereien aus dem Wege zu gehen, bemüht sind, ihre Fabriken aus Deutschlands Gauen in das Ausland zu verlegen; das bedeutet aber eine schwere Schädigung der deutschen Arbeiter. Es bedeutet ferner, daß infolge vermindeter Arbeitsgelegenheit der Männer noch weit mehr die Frauen anf den Arbeitsmarkt gedrängt werden, um in Industrie und Land wirtschaft für karge Bettelpfenntge das Joch der Lohn⸗ sklaverei auf sich zu nehmen, oder um als Haus⸗ industrielle bei vielstündiger Arbeitszeit ihre Jugendkraft und Jugendlust dem dreimal hei⸗ ligen Geldsack zu opfern. Durch solche wucherische Ausbeutung wird nicht nur der weibliche Organismus schwer ge⸗ schädigt, sondern auch die spätere Generation wird dadurch zu Grunde gerichtet. Wir brauchen nur die amtlichen Statistiken zur Hand zu nehmen, dann entrollt sich uns ein Bild der Degeneration, der Säuglingssterblichkeit usw. wie wir es nicht schrecklicher zeichnen können. Doch noch ein andere Erscheinung tritt als Folge der ungeheueren Anspannung der Ar⸗ beitskraft sowie der Unterernährung der breiten Volksmassen ein. Durch statistische Aufnahmen ist festgestellt, daß der wirtschaftlich niedrig Stehende am meisten dem Alkohol frönt, um den knurrenden Magen, allerdings zu seinem eigenen Nachteil, zu täuschen. Es ist bewiesen, daß recht oft das Elend als Förderin des Alkoholgenusses auftritt. Vom Atetgerden Wohlstand“ und von einer„gesicherten Exlstenz“ der Arbeiter, wovon man in den höheren Re⸗ gionen spricht, ist selbst mittels Röntgenstrahlen nichts zu entdecken. Aus all den geschilderten Tatsachen geht zur Genüge hervor, daß die Zollpolitik nicht Halt macht vor dem Kochtopf und dem Speiseschrank der Hausfrau. Jene Frauen, die noch in dem Glauben befangen sind, Politik sei eine ausschließliche Männer⸗Angelegenheit und eigent⸗ lich auch eine Sache, die dem Arbeiter nicht zu kümmern brauche, da sie ihm doch keinen Pfennig mehr Lohn bringe, ihm im Gegenteil allerlei an Vereinsbeiträgen und Versammlungs⸗ kosten abnehme, diese Frauen können jetzt am eigenen Leibe verspüren, wie die Politik direkt auf die Lage des einzelnen Arbeiters, auf den Stand seiner Ernährung, auf seinen Brot⸗ schrank und seine Fleischschüssel einwirkt. Eine Aenderung unserer Zollpolitik, und der Arbeiter kann sich besser nähren als heute oder gar erst vom 1. März 1906 an, unter den neuen Han⸗ delsverträgen. Mögen sie daraus die Erkennt⸗ nis ziehen, daß Politik eine sehr ernste, not⸗ wendige Sache ist, mögen sie ihre Männer nicht von der politischen— ebenso natürlich nicht von der gewerkschaftlichen— Bewegung fern⸗ zuhalten suchen, sondern im Gegenteil sich be⸗ streben, in die Gänge der Politik einzudrängen, sel bst Kämpferinnen für eine bessere Zukunft. zu werden. danken! Die neue Flotten⸗Bescheerung. Nunmehr sind die ungeheueren Flottenfor⸗ derungen, von denen schon längere Zeit die Rede war, an das Tageslicht gekommen. In der offiziösen„Nordd. Allgemeinen Zeitung“ wurde die Vorlage veröffentlicht und was ste fordert, dürfte sogar manchem„Patrioten“ die Haare sträuben machen. Zum drittenmal wird das deutsche Flotten⸗ gesetz, das angeblich für viele Jahre hinaus einen stcheren Plan abgeben sollte, umgestürzt, umgekrempelt und wieder heißt es: noch mehr Geld her! Sechs neue große Kreuzer, achtund vierzig neue Torpedoboote, Vergrößerung der nach dem Flottenbauplan noch zu bauenden Schiffe und Torpedoboote, be⸗ deutende Summen für Erprobung und spätere Beschaffung von Unterseebooten infolge aller dieser Vermehrungen und Vergrößerungen ver⸗ mehrter Personenbedarf— das ist das unge⸗ fähre Bild der neuen Flottenvorlage Die neugeforderten sechs großen Kreuzer, von denen fünf auf die Auslands⸗ flotte, einer auf die Materialreserve entfallen, sollen jeder 27¼ Millionen Mark kosten, alle zusammen also 165 Millionen Mark. Es sollen ferner über den bisherigen Flotten⸗ plan hinaus 8 neue Torpedobootsdivistonen (im ganzen 24 statt 16) gebaut werden. Eine Torpedobootsdiviston kostet nach neuester Auf⸗ stellung 8,87 Millionen Mark. Die neuen acht Divistonen(achtundvierzig Boote) kosten dem⸗ nach insgesamt 70,96 Millionen Mark. Rechnen wir hinzu die 5 Millionen, die für Unterseeboote gefordert werden, so ergibt sich, daß die neugeforderten Bauten die Summe von rund 242 Millionen Mark oder bei⸗ nahe einer Viertelmilliar de verschlingen sollen. Damit ist aber unsere Rechnung noch nicht fertig. Denn es sind ja noch die Kosten in Betracht zu ziehen, die die geplante Vergröße⸗ rung jener Schiffe erfordert, deren Bau schon durch das alte Flottengesetz vom 14. Juni 1900 beschlossen worden ist. Es sollen nach diesem Gesetz noch gebaut werden: 18 Linienschiffe, 7 große Kreuzer, 24 kleine Kreuzer und 10 Torpedobootsdivistonen. Der Bau eines Linien⸗ schiffes wird nach dem neuen Gesetz 12,22, der eines großen Kreuzers 8,33, der einer Torpedo⸗ bootsdiviston 1,60 Millionen Mark mehr kosten, als nach dem alten Gesetz projektiert war. Damit steigen die Kosten der Linien⸗ schiffe um 219,96 Millionen Mark, die Kosten der großen Kreuzer um 58,21 Millionen Mark, und die Kosten der Torpedoboote um 25,60 Millionen Mark. Die Vermehrung der Flotte und die Ver⸗ größerung der Schiffe des alten Flottengesetzes erfordert also an Baukosten weit mehr al s eine halbe Milliarde, nämlich 537,77 Milltonen Mark. f Neue Schiffe, größere Schiffe brauchen aber natürlich auch mehr Offiziere und mehr Mann⸗ schaften. Die sechs neugeforderten Kreuzer brauchen 190 Offiziere, Ingenieure und Zahl⸗ Ihre Kinder werden ihnen einst ö Seite 2. Mitzeldeutiche Sonntags- Seitung. Nr. 48. meister, sowie 5643 Unteroffiziere und Mann⸗ schaften. Damit kommen wir von den ein⸗ maligen Ausgaben, deren Summe oben festge⸗ stellt ist, zu den dauernden, sich jährlich wieder⸗ holenden Ausgaben. Wenn die sechs neuen großen Kreuzer ausgebaut sein werden, so werden sie zu ihrer Bemannung die Summe von 20 Millionen Mark jährlich kosten. Nun brauchen aber auch die anderen nach dem alten Flottengesetz zu bauenden Schiffe mehr Leute, da sie ja vergrößert werden sollen. Die Flotten mannschaft soll demnach im ganzen um 669 Offiztlere und 13159 Mann vermehrt werden! Diese Vermehrung des Personals soll mit Ausbau der Fotte fortschreiten und im Jahre 1920 vollendet sein. Es steigern sich demnach auch die fortdauernden Ausgaben von Jahr zu Jahr. Diese Steigerung wird von 1906 bis 1910 voraussichtlich mindestens im ganzen 40 Millionen Mark betragen, bis 1915 im ganzen 35 Millionen Mark und bis 1920 im ganzen 120 Millionen Mark. Es stellt sich also das Ergebnis dieser unserer vorläufigen Berechnung folgermaßen dar: Die neue Flottenvorlage wird an einmaligen Ausgaben 545,77 Millionen Mark an fortdauernden Ausgaben in jährlicher Steigerung erst 8, dann 16, dann 2⁴ und schließlich im Jahre 1920 120 Mil⸗ lionen Mark mehr erfordern, als nach dem„alten Flottengesetz“ vorgesehen war! Da das„alte“ Flottengesetz im ganzen 4352,91 Millionen Mark für einmalige Ausgaben ver⸗ langte, so erhöhen sich die Flottenkosten auf 4898,68 Millionen Mark und, wenn man die unvermeidlichen„Ueberschreitungen“ mitrechnet, mindestens auf rund fünf Milliarden Mark. Wir lassen für heute diese Zahlen selber sprechen. Die Lehre, die sie predigen, ist eindring⸗ lich genug. Daß sich das arbeitende Volk im Laufe der nächsten Zeit sehr eingehend und mit rücksichtsloser Deutlichkeit über diesen neuesten Plan der Flottentreiber und Kriegsphantasten aussprechen wird, ist selbstverständlich. Ed handelt sich für sie nicht nur um einen Akt der Sel bstverteidigung, sondern auch um die Verteidigung des Weltfriedens! Politische Rundschau. Gießen, den 23. November 1905. Zur Fleischnot. Der deutsche Fleischer⸗Ver band beschoß in der Sitzung seines Gesamtvorstandes in Magdeburg am 15. November einen energischen 3 gegen das Verhalten des Bundes der andwirte. Ferner ersucht er die Reichs⸗ und Landtagsabgeordneten die Reichsregierung dar⸗ über zu befragen: 1. warum sie trotz des nachgewiesenen teils voll⸗ ständigen Erlöschens von Viehseuchen in Dänemark, Holland und Frankreich und trotz der alles bisher da⸗ gewesene übersteigenden Teuerung von Vieh und Flelsch nicht durch Grenzöffnung Maßnahmen zur Linderung dieser Not trifft, 2. warum der Herr Reichskanzler den wegen dieser abnormen Zustände von ihm am 31. Oktober d. J. in Audienz empfangenen Vertretern des Deutschen Städte⸗ tags Vorschläge zur Aenderung der Fleischversorgung der Städte machen konnte, die nicht nur die Grundlage untergraben, auf der die freie Entfaltung von Handel und Gewerbe stehen, sondern auch statt der notwendigen Verbilligung unzweifelhaft eine weitere Verteuerung der Fleischnahrung zur Folge haben würden. Schwelgende Agrarier. Während gegenwärtig bei dei Teuerung aller Lebensmittel die Arbeiterfrauen nicht wissen, wie sie sich mit ihrem kärglichen Wirtschafts⸗ elde einrichten sollen, um wenigstens dem amilienvater, dem Ernährer der Familie ein Heines Stückchen Fleisch auf den Tisch legen zu können, feiert das vom Staate unterstützte und aufgepäppelte Großgrundbesitzertum üppige Feste. In den 1 Tagen wurde in der bürger⸗ lichen Presse über mehrere„Bauernhochzeiten“ berichtet, bet denen es sehr„hoch“ hergegangen ist. So berichtete die„Tägl. Rundschau“: hühner und Tauben, „Eine Bauernhochzett, zu der nicht weniger als 250 Gäste geladen waren, fand dieser Tagen im Dorfe Liedern bei Uelzen stakll. Zwei Rinder, zwei Kälber und mehrere Schweine, eine Menge Geflügel aller Art und 180 Pfund Karpfen haben zur Verherrlichung des Festes beitragen müssen. Die wahrhaft fürstliche Ausstattung der Braut wird in 8 Räumen des neuen zwei⸗ stöckigen, schloß artig gebauten Hau⸗ ses des Bräutigams untergebracht.“ Und über ein weiteres Hochzeitsfest, das in der Umgegend von Kallies, Reg.-Bez. Köslin stattgefunden hat und zu dem 400 Gäste er⸗ schtenen waren, berichtet dasselbe Blatt: „Für Speisung der Gäste waren angeschafft worden: Sechs Zentner Schweine⸗ fleisch, zwölf Hämmel, vier Zent⸗ nei Kalbfleisch, an Wild ein großer Hirsch, zwei Rehe und acht Hasen, weiter gegen fünfzig Stück Suppen z wan zig Gänse und vier Zentner Fische.“ Kleine Bauern sind es ganz gewiß nicht, die solche Gelage veranstalten, die können sich darartiges nicht leisten. Die ihren Töchtern solche Hochzeiten ausrichten können, gehören zu den Groß⸗Agrariern, die aber am meisten über die„Not der Landwirt⸗ schaft“ schreienundden Lebensmittelwucher aufdem Gewissen haben. Der großen Masse des Volkes werden die härtesten Entbehrungen auferlegt; Tausende müssen mit Pferde- und Hundefleisch fürlieb nehmen, die„notleidenden“ Agrarter vertilgen Fleisch, Wild, Gänse, Hühner ꝛc. im Uebermaß. Arbeiter und Arbeiterfrauen! Seht Euch an, wie das agrarische Besitzertum aus Eure Kosten lebt! ort herrscht keine Fleischnot, keine Wohnungsnot, kein Kummer um Arbeit und Brot. Von Eueren Zöllen werden diese Hochzeiten mit Rindern, Kälbern, Schweinen, Karpfen und Geflügel hergerichtet. Je höher der Zoll, je niedriger Eure vebens⸗ altung, um so voller sind die Taschen der unker, um so prächtiger ihre Schlösser und Güter. Und kaltblütig, ohne ein Wort zu sagen, setzt die bürgerliche Presse den Arbeitern die Hochzeits nachricht vor und tausende von Klassen⸗ Padkn verstehen die aufreizende Sprache nicht ondern gehen stumpf daran vorüber. Und doch müßte jede solche Nachricht wie Posaunen⸗ 1 65 in ihre Ohren dringen und tausende aus em Schlafe wecken! Genossen, gehet hin und holt nach, was die Schlafenden versäumen! Vom elendesten aller Wahlsyste me. In Elbing wird die erste Abtei⸗ lung für die Stadtverordnetenwahl von einem einzigen Wähler gebildet, dem Geheimrat Ziese, dem Schwiegersohn des verstorbenen Werftbesitzers Schichau und dem Fehn In- haber der Firma. Geheimrat Ziese hat nun kürzlich acht Stadtverordnete ge⸗ wähltl! Für vas allgemeine Wahlrecht! Eine riesige Demonstration für das allgemeine Wahlrecht hat am Samstag und Sonntag in Sachsen stattgefunden. Es fanden etwa 70 T. statt, die außerordentlich stark besucht waren, zirka 75 000 Personen mögen im Ganzen daran teilge⸗ nommen haben. Die Ausführung der Redner, die sich mit Schärfe gegen die Wahlrechts⸗ räuberei und die Entrechtung des Volkes wen⸗ deten, wurden mit Begeisterung aufgenommen. Ueberall fand eine Resolution Annahme, in welcher die Versammelten„schärfsten Protest erheben gegen das bestehende Landtags⸗Drei⸗ klassenwahlsystem, das eine 8 Entrech⸗ tung der Masse des sächsischen Volkes ist. Sie protestieren entschieden gegen die Verschleppung der Wahlrechtsreform. Die Versammlung for⸗ dert im Namen der entrechteten Dreiklassen⸗ wähler die Durchführung der Wahlreform unter allen Umständen noch in diesem Landtage. Das sächsische Volk fordert die Einführung des all⸗ gemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahl⸗ rechts mit Proportlonal ystem.“ In Leipzig entwickelte sich nach den Ver- sammlungen am Sonntag ein riesiger Demo n⸗ stratlonszug, der sich unter Hochrufen auf das allgemeine Wahlrecht durch mehrere Straßen bewegte. Als der Zug an der Thomas⸗ kirche vorbeizog, kam es, wie die„Leipziger Volksztg.“ berichtet, zu einem komischen Zwischen⸗ fall. In der Kirche war gerade der Gottes⸗ dienst zu Ende und die abmarschierenden Sol⸗ daten mußten wohl oder übel ihren Weg durch die demonstrierende Masse nehmen. Den Proletarieren im Waffenrock hat das sicherlich nichts geschadet, und wer weiß, ob nicht mancher in das Hoch auf das allgemeine Wahlrecht, das ihm in die Ohren dröhnte, herzhaft mit gestimmt haben würde, wenn er nur gedurft hätte. Beim Hause des kommandierenden Generals spielte eine Regimentskapelle, deren Weisen aber völlig übertönt wurden von dem tausend⸗ und abertausendfachen Hochrufen auf das allgemeine Wahlrecht. Der Zug war von eine Masse Schutzleuten begleitet, bie aber keine Gelegenheit fanden, irgendwie einzuschreiten. Auf die Bevölkerung hat die prächtig gelungene Fact e einen großartigen Eindruck ge⸗ macht. Die Eisenacher Wahl hat mit dem Stege des Antisemitrichs Schack geendet. In der Stichwahl erhielt unser Ge⸗ nosse Leber 8748, Schack 10392 Stimmen. Dies Ergebnis war zu erwarten. Der Frei⸗ sinn hat natürlich wieder völlig versagt. Ein überwiegender Teil der Freisinnigen 15 trotz der anders lautenden Parteiparole für den Antisemiten gestmmt. In Eisenach ist es, als das Ergebnis bekannt wurde, neuer⸗ dings zu großen Demonstrationen gekommen. Eine vleltausendköpfige Menge zog unter dem Rufe: Nieder mit der Reaktion durch die Stadt. Einige Verhaftungen wurden vorgenommen. Die Lübecker Bürgerschaftswahlen wurden vorige Woche zum erstenmal nach dem verschlechterten Wahlgesetz vollzogen, nach welchem die Wähler in zwei Klassen geteilt sind. Die erste Klasse wird gebildet von den Wählern über, die zweite von denen unter 2000 Mk. Einkommen. Der zweiten Klasse, zu der die 95 Masse der Wählerschaft gehört, sind nur 5 Mandate zugeteilt, während die erste Klasse deren 100 besetzt! Diesmal war ein Drittel der Bürgerschaft zu erneuern. In der zweiten ant wurden die vier Kandidaten der So⸗ zialdemokratie mit großer Mehrheit ge⸗ wählt. Damit halten die ersten vier sozial⸗ demokratischen Vertreter ihren Einzug in die Lübecker Bürgerschaft. Sie werden nicht ver⸗ fehlen, den Wahlrechtsräubern ein Licht auf⸗ zustecken. Sozialistische Wahlsiege sind eine ganze Reihe zu verzeichnen. In Hanau wurden nach hartem Kampfe vier unserer Genossen in die Stadtverordneten⸗Ver⸗ sammlung gewählt. Für unsere Liste wurden ca. 1700, für die gegnerische 1500 Stimmen ab⸗ egeben.— Acht Sozialdemokraten wurden erner in Bielefeld in die Gemeindevertretung 7— Bel den Stadtverorbnetenwahlen in ber feld stieg die sozlalistische Stimmenzahl von 1430 vor 2 Jahren auf 4100 jetzt. 8. des Kuddelmuddels stiegen von 2400 auf 5200. Die Genossen Gewehr und Ullenbaum kommen in Stichwahl.— Ebenso stieg in 788 unsere Stimmenzahl von 4300 auf 6 300, während diejenigen der Gegner nur um etwa 6 Prozent sich vermehrten.— In Pasing bei München er⸗ rangen unsere Genossen drei Sitze im Gemeinde ⸗ rat.— In Radeburg(Sachsen) wurde unter lebhafter Betetligung der Arbeiterschaft der Genosse Braune als erster Sozialdemokrat in die Stadtverordneten⸗Versammlung gewählt. Unsere Stimmen stiegen um 20—2 rozent. — Bei den Stadtverordnetenwahlen in Che in. nitz wurden in der Abteilung B.(Arbeiter) acht Sozialdemokraten gewählt. In diesem Jahre wurden 3 968 sozialdemokratische Stimmen oder 93 Prozent gegen 3782 im Jahre 1903 abgegeben. e Bürgerlichen dagegen erhielten nur 341 Stimmen, 22 weniger S den ren bon eine len. ene ge⸗ Jack Ge⸗ len. agt. at lt it er; men. dem abt. U dem chen find. lein M. dle nur lasse tl ten Sb⸗ t ge⸗ l die bel aul —— ———— r die Gemeindewahl stattfand. Unsere Partei erhielt 3040 Stimmen, das sind 149 mehr, als sie vor drei Jahren mit der Volkspartei zu⸗ sammen aufbrachte. Sechs unserer Kandidaten wurden gewählt. Die Bürgerlichen erhielten e 3938 Stimmen. Das Gemeinde⸗ kollegium setzt sich nunmehr aus 13 Sozial- demokraten, 10 Demokraten, 9 Nationalliberalea, 8 Freistunigen und 2 sozialistenfreundlichen Fraktionslosen zusammen. Einen glänzenden Erfolg erkämpften auch unsere Genossen in Graz. Sämtliche sechs sozial demokratische Kandidaten wurden mit 1388 bis 1452 Stimmen in den Gemeinde⸗ rat gewählt. Auf die Liste der„vereinigten Grazer Gewerbetreibenden“ entfielen im ganzen 770 bis 814 Stimmen. Bisher hatte die Sozialdemokratie von den sechszehn Mandaten des dritten Wahlkörpers vierzehn inne. Seit heute hat sie alle sechszehn. Das Wahlresultat wurde mit ungeheurem Jubel aufgenommen. Wir können uns den„Rückgang der Sozial⸗ demokrotie“, von dem die Amts⸗ und Ord⸗ nungsblätter faseln, schon gefallen lassen. Klage des Afrikakriegers. In einem Soldatenbriefe aus Südwestafrika, den unser Saalfelder Parteiblatt veröffentlicht, heißt es u. a.:„Schon 13 Wochen liege ich nun im Lazarett an Malaria. Elend und schwach hat mich diese Krankheit gemacht. Noch gut 6 Wochen werden darauf vergehen, bis ich ganz gesund bin. Ob ich überhaupt ganz ge⸗ sund werde, ist fraglich. Ich bin das Leben in diesem Pavianuslande überdrüssig. Ich gäbe sonst was darum, wenn ich hinaus käme. Aber hier heißts:„Geduld“ und„halts Maul“. Was nun die allgemeine Lage betrifft, so stehts noch ziemlich windig hier aus. Da geht noch lange Zeit darüber hin, bis alles klar ist. Wie mancher Fluch fällt so tagsüber auf das „gottverdammte Affenland“. Jeder Mann ist den Rummel müde. Ich glaube, das geht aus wie's Hornberger Schießen.“— Wenn der Mann etwa aus„patriotischer“ Begeisterung sich zum Kriegszuge meldete, dann ist er aller⸗ dings gründlich abgekühlt. Senosse Max Schippel hat sein Reichstagsmandat niedergelegt, das ihm seine Vaterstadt Chemnitz seit 1890 stets wieder übertragen hatte. Schippel be⸗ gründet in dem Schreiben, durch das er dem Parteivorstand und den Genossen seines Wahl⸗ kreises seinen Rücktritt anzeigte, diesen Schritt mit Verschlechterung seines Gesundheitszustandes. Doch es werden ihn dazu auch noch andere Gründe bestimmt haben; denn bekanntlich setzte er sich in den letzten Jahren öfters mit seiner Stellungnahme in Militär⸗ und Zollfragen mit der Gesamtpartei in Widerspruch. Dies führte auch zu einer Auseinandersetzung auf dem Bremer Parteitag und Annahme einer Schippel tadelnden Resolution, in der ihm sogar nahegelegt wurde,„die Konsequenzen seines Verhaltens zu ziehen“, d. h. zurückzutreten.— Ende der achtziger und Anfang der neunziger Jahre galt Schippel als Führer der Radikalen; als Redakteur der„Berliner Volkstribüne“ schlug er einen entschieden revolutionären Ton an. Später verlor er mehr und mehr die Fühlung mit der Gesamtpartei und bereitete dieser oft Verlegenheiten durch seine Aeußerungen und Schriften auf zollpolitischem Gebiete, die von deu Zöllnern gegen die Sozialdemokratie zitiert wurden.— Das Nürnberger Parteiblatt schreibt über seine Parteitätigkeit u. a.:„Es ist zu früh, das letzte Wort über Schippels Gang durch die Partei zu schreiben. Er erklärt, nach wie vor der Partei angehören zu wollen. Möge es ihm beschteden sein, in jeder Hinsicht gekräftigt, wieder in unsere Reihen zu treten und dem Befreiungskampfe des Proletartats Dienste zu leisten, wie man ste vor einem halben Menschenalter von ihm mit Recht erwarten konnte. Eine 20 jährige Wirksamkeit in den Reihen des Proletariats liegt hinter Schippel, sie läßt sich nicht einfach auslöschen.“ 34266 gegen 17000 gegnerische Stimmen gewählt. Kleine politische Nachrichten. Der antisemitische Musterpfaffe Krö⸗ sell— Reichstagsabgeordneter für den pommerschen Kreis Pyritz⸗Saatzy— wurde in Hamburg ver⸗ haftet. Er war wegen Beleidigung eines Staats⸗ anwalts verfolgt und ausgeknlffen. Zwei Monate Gefängnis für ein Menschenleben! Der Leutnant v. Leekow vom 56 Feldartillerieregiment in Lissa, der im Rausch seinen Burschen erschoß, ist vom Oberkriegsgericht in Posen zu zwei Monaten(8) Gefängnis und Dienstentlassung verurteilt worden! Das Kriegsgericht hatte ihm gar nur ein paar Wochen Arrest zudiktiert, — Was wäre wohl dem Burschen passiert, wenn er den Leutnant erschossen hätte. Soziales. Das Schicksal„gutgesinnter“ Ar beiter. Die Direktion der großen Maschinen⸗ fabrik in Augsburg und Nürnberg, die neuerdings berühmt geworden ist durch die von ihr gegründete„Organisation der Nich torganisterten“, hat kürzlich plötzlich und ohne Grund vier Arbeiter entlassen, wovon zwei mehr als 13 Jahre bei ihr beschäftigt waren. Keiner von den Vieren gehört zu den „Hetzern“, organistert sind sämtliche, zwei bei den freien und zwei bei den christlichen Gewerk⸗ schaften. Besonders bemerkenswert dabei ist der Umstand, daß einer der Gemaßregelten Mitglied des von der Direktion protegterten „Arbeiterausschusses“ ist und daß dieser „gutgestunte“ Arbeiter im vergangenen Sommer in einer Versammlung der 5000 ausgesperrten Metallarbeiter, deren Führer die Brutalität der in Augsburg ohne jeden Grund aussperrend en Unternehmer scharf brandmarkte, den Ober⸗ scharfmacher Buz, den ersten Direktor der Maschinenfabrik in Augsburg, verteidigte, wobei er ausführte:„Unser alter Herr meint es mit den Arbeitern ja bloß gut, man soll nicht immer auf ihm herumhacken!“———— Und nun liegt der„brave“ Arbeiter auf der Straße. Vergeblich fragte er sich, was habe ich getan; habe ich nach 13 jähriger, treuer Arbeit und aufopfernder Hingabe meiner Gesundheit für„meinen alten Herrn“ diesen schmachvollen Fußtritt verdient? Mit nichten! Wie Schuppen fällt es ihm nun von den Augen. Mit einem Schlage wurde ihm nun der Stand⸗ punkt der„Hetzer“ verständlich, an Stelle der Liebe zu„seinem alten Herrn“ tritt Haß und tiefe Erbitterung! Aus den Sewerkschaften. Eine Viertelmillion Mitglieder hat jetzt der Metallarbeiter⸗Verband erreicht. Alle die großen Kämpfe, die er in der letzten Zeit zu bestehen hatte, haben ihn nur gestärkt, ihm Tausende neuer en a ewert Ein Beweis dafür, daß der Kampf die Gewerkschaften nicht schwächt, sondern stärkt. Nur wo Kampf ist, ist auch Leben. Die Metallarbeiter⸗Zeitung feiert das Jubiläum in einem besonderen Artikel, der mit den Worten schließt: Frisch auf denn zu weiterem Kampfe, frisch auf zu fröhlicher Agitation, damit wir bald unser nächstes Ziel — nicht unser Endziel— erreichen: die 300 000! Gewerbegerichtswahlen. Die Beteili⸗ gung bei der am 12. d. Mts. in Aschaffen⸗ burg stattgefundenen Wahl war eine äußerst starke. Abgegeben wurden insgesamt 1066 Stimmen, davon 6 ungiltig. Auß die Liste der freien Gewerkschaften fielen 624, auf die der christlichen 436. Nach dem Proportionalsystem war die Wahl vorgenommen, infolgedessen ftelen auf die freien Gewerkschaften 6, auf die christlichen 4 Sitze.— In Mülhausen i. Els. wurden die Kandidaten des Gewerkschaftskar⸗ tells mit 2520 Stimmen gegen diejenigen der Christlichen gewählt, die 1650 Stimmen er⸗ hielten. Die Christlichen agitierten sehr eifrig im Geheimen, wie es jetzt immer von den Feinden der Sozialdemokratie beliebt wird. In Höchst a. M. siegte ebenfalls die sozial⸗ demokratische Liste mit 464 Stimmen gegen 183 der Christlichen. Nr. 436. Mitteldentsche Sonnags⸗Zeitung Seite 3. vor 2 Jahren.— Nicht gering ist auch unser Der Chemnitzer Wahlkreis gehört mit zu Erfolg in Fürth anzuschlagen, wo am Montag unsern sichersten; Schippel wurde 1903 mit Von Nah und Fern. Hessisches. — Ueber„Terrorismus“ der Sozial⸗ demokratie zur faseln werden die Ordnungs⸗ blätter nicht müde. Der berühmte Reichs⸗ verband der Sozialistenvernichter liefert die nötigen Schauergeschichten und die Amtsblätter und ähnliche Papiere drucken ste ab und ser⸗ vieren ste ihren gläubigen Lesern. Welch' scheußlichen Zwang aber von den Gegner gegen die Arbeiterschaft geübt wird, täglich geübt wird, davon wissen ste nichts zu erzählen. Von einem besonderen skandalösen Stückchen, das den katholischen Pfarrer in Ober⸗Roden in wenig schönem Lichte zeigt, berichtete unser Offenbacher Parteiblatt. Die Frau eines Einwohners kam zum Pfarrer, der heilkundig ist, und bat um Hilfe für ihr krankes Kind. Der Pfarrer fragte:„Welche Zeitung haltet ihr?“— Antwort: Den Generalanzeiger.— Pfarrer: „Dieses Judenblatt! Geht hin zu den Juden und zu dem roten Ulrich und laßt euch von denen helfen, ich helfe dem Kinde nicht. Erst abonniert auf das christliche Blatt in Dieburg.“ Das Kind ist gestorben. In der Zen⸗ trumsversammlung ist der Pfarrer zur Rede gestellt worden und er hat geantwortet: Siebenmal hätte ich dem Kind helfen können, doch ich tat es nicht, weil der Vater kein christliches Blatt hält.“ In einer späteren Wählerversammlung sprach ein anwesender Zentrums mann sein Be⸗ dauern aus über das Verhalten des Pfarrers und setzte lediglich hinzu:„Daß er helfen konnte, hat der Pfarrer nicht so bestimmt behauptet, er hat nur gesagt, er konnte wohl dem Kinde ein Mittel geben.“ Diese Tatsachen reden eine eindringliche Sprache von Zentrumshetze und„christlicher“ Nächstenliebe. Ist das kein Terrorismus? Nachträgliches zur Landtagswahl. Wie ein Ordnungsbruder in Wirklichkeit denkt, geht aus einem Zettel hervor, der sich in Bessungen in der Wahlurne fand. Derselhe wies in sonderbarer druckähnlicher Schrift folgende Worte auf: „Direktes Wahlrecht ist Blödsinn, daraus resultiert die unerhörte Frechheit des Gesindels. Die Steuern sind zu hoch, es geschieht zu viel für das Gesindel.“ Am Fuß war zu lesen:„Kinderschutz ist Er⸗ ziehung zur Faulheit, wir haben als Kinder auch gearbeitet und Geld verdient.“ Links stand geschrieben:„Wir haben schon zu viel Frei⸗ heit in Deutschland, nieder mit dem Mob,“ uud auf der rechten Seite des Zettels waren die Worte zu lesen:„Gemeinsame Schulen für das Lumpenzeug und die Kinder besserer Leute ist Blödstnn. Wir danken dafür.“ Dieser Meinungsäußerung braucht man ja nicht allzuviel Wert beizulegen, doch gestattet ste, einer schönen Seele auf den Grund zu sehen. Mög⸗ lich ist immerhin, daß auch Leute so denken, die für das direkte Wahlrecht als Abgeordnete zu stimmen versprachen. Einen geradezu kläglichen Rein⸗ fall erlebte der nationalliberale Advokat Win⸗ decker, der bisher den Wahlbezirk Friedberg⸗ Bad⸗Nauheim vertrat. Er brachte nur einen einzigen Wahlmann durch! Gewählt dürfte der Bündler Breidenbach werden. Unsere Ge⸗ nossen konnten in diesem Kreise sehr wohl eine Anzahl Wahlmänner durchbringen, ste über⸗ ließen jedoch meistens den Bündlern das Feld, weil ste auf einen Erfolg nicht rechneten. Da aber in Nauheim 9 Wahlmänner für die (freis.) Kandidatur Fritz gewählt find, wäre die Wahl desselben nicht unmöglich gewesen, wenn unsere Genossen inden uns sicheren Orten Wahlmänner aufgestellt hätten. Doch immerhin ist der Hinauswurf Windeckers, der sich in der Kammer ruppig und sozialisten⸗ fresserisch wie kaum ein anderer zeigte, zu be⸗ grüßen. .————y]—— — Seite 4. Mitteldentsche Sountaas⸗Zeitung! Nr. 48. Wer hat gesiegt? Im rheinhessischen Wahlbezirke Wörrstadt weiß man noch nicht so recht, wer eigentlich als Sieger aus der Wahl hervorgegangen ist. Bisher vertrat der Bündler Wolf⸗Stadecken den Kreis, und die Bündler bezeichnen Wolf als wiedergewählt. Wie aber die„Frkftr. Ztg.“ als bestimmt fest⸗ gestellt berichtet, hat der Freisinnige Christ zwei Wahlmänner mehr als Wolf, so daß Christ's Wahl gesichert sei. Jedenfalls werden die Bündler das möglichste tun, um ver⸗ schiedene Wahlmänner zum Umfall zu bringen; weshalb die Abgeordneten⸗Wahl immer noch 0 anderes Resultat als das erwartete bringen ann. — In Staufenberg hat der dortige Bürgermeister mehrere Wähler(6 Mann!) zu⸗ rückgewiesen, weil ste nicht„gehuldigt“ hätten. Die Betreffenden sind dazu noch geborene Staufenberger, besitzen die Staatsangehörigkeit durch Abstammung. Ihre Zurückweisung von der Wahl war durchaus ungesetzlich und würde einen Grund zum Wahlprotest bilden. Oder gelten etwa für Staufenberg andere Ge⸗ setze als im übrigen Hessen? Das scheint bet⸗ nahe der Fall zu sein, denn der Ortspolizist schleppte während der ganzen Wahlzeit für die Leun'schen die Wähler zur Urne. Darin liegt eine ganz ungehörige Beeinflussung! Hat der Bürgermeister sonst nichts für den Mann zu tun? Wird letzterer von Leun bezahlt oder von der Gemeinde? — Kriegervereinler⸗Terroris⸗ mus. Als einen„hochinteressanten Nachklang“ zur Landtagswahl ließ sich der Gieß. Anz. aus Langgöns schreiben, daß dem dort für uasere Partei aufgestellten Wahlmann Maurerparlier Schäfer vom Kriegervereinsvor⸗ stande, dem er angehöre, Vorhaltungen gemacht worden seien. Schäfer habe„durch Handge⸗ löbnis“ erklärt, daß er der Sozialdemokratie nicht angehöre und ohne sein Wissen und Willen als Wahlmann aufgestellt worden sei. Was die Kriegervereinler da in die Welt setzen, ist eine grobe Lüge. Schäfer kann gar nicht gesagt haben, daß er ohne sein Wissen ausgestellt worden sei, eine ganze An⸗ zahl Zeugen waren zugegen, als er deshalb be⸗ fragt wurde. Jedenfalls haben ihm die Hurra⸗ patrioten dermaßen zugesetzt, daß er um Ruhe zu haben, leugnete zur Partei zu gehören. Trotzdem er unseres Wissens nicht eingeschriebenes Mitglied ist, hätte er solche Schwäche nicht zeigen sollen. Wir hätten es vielmehr begreiflich gefunden, wenn er diesen Leuten, die ihn in die Gefinnungs⸗Zwangsjacke stecken wollten, gehörig die Meinung gesagt und ihnen womöglich das bekannte Zitat aus Götz von Berlichingen ins Gesicht geschleudert hätte. Jeder denkende Ar⸗ beiter muß sich doch endlich über das volks⸗ und arbetterfeindliche Wesen der Kriegervereine klar sein und dieselben nicht nur selbst meiden, sondern auch alle Bekannten aus ihnen fernzu⸗ halten suchen. Das edle Gießener Amtsblatt lehnte die Aufnahme einer Berichtigung ab! Es macht sich damit zum Mitschuldigen einer gemeinen Lüge. Es kommt bei ihm allerdings auf einen Schwindel mehr oder weniger nicht an. — Mit großem Jubel wurde das Wie⸗ secker Wahlresultat dort aufgenommen. Und in der Tat, unsere Wiesecker Freunde haben tapfer gearbeitet. Abends formierte sich ein Umzug durch den Ort, zur Feier des Sieges. Hätten unsere Genossen in Steinberg und Großen⸗ buseck in gleicher Weise gearbeitet, so wäre unser vollständige Sieg entschieden gewesen. Gießener Angelegenheiten. — Gegen die Tabaksteuer⸗Erhöh⸗ ung. Der Verein der Tabaksinteressenten von Gießen und Umgegend hielt am Montag Abend im Kaufmännischen Vereinshause eine Versamm⸗ lung ab, in der man sich mit der drohenden Tabaksteuervorlage beschäftigte. Es wurde ein Agitationskomitee gewählt und beschlossen, eine Eingabe an den Finanzminister Gnauth zu richten und ihn zu bitten, gegen jede Mehrbe⸗ lastung des Tabaks einzutreten, da sonst eine schwere Schädigung der hiestgen Tabak⸗ und Zigarrenindustrie, sowie des Handels und namentlich der Arbeiterschaft zu erwarten sei. — Jetzt, wo eine Schmälerung des Profits droht, erinnern sich die Herren Tabakinteressenten auch der Arbeiterschaft, die sie zum Protest gegen die drohende Belastung der Tabakindustrie auf, fordern. Vor zwei Jahren bei der Reichstags⸗ wahl trat aber auch der Gießener„Tubaks⸗ freistnn“ für die Wahl eines national liberalen Zöllners ein! Wir könnten schadenfroh wünschen, daß die Zollwucherpolitik jene Leute ganz gehörig an den Geldbeutel griffe, wenn eben nicht zugleich die Arbeiterschaft da⸗ runter empfindlich leiden müßte. Deshalb und weil wir grundsätzlich gegen die gemeingefähr⸗ liche Zollräuberei sind, protestieren wir eben⸗ falls gegen die Erhöhung der Tabaksteuer. — Kundgebung für Abg. Gut⸗ fleisch. Am Schlusse der Stadtverordneten⸗ Sitzung am Donnerstag nahm der Stadtver⸗ ordnete Eichenauer Veranlassung, dem Abg. Gutfleisch für sein Verhalten und seine Tätig- keit im Landtage Dank und Anerkennung im Namen der Gießener Bürgerschaft auszusprechen. Auf seine Veranlassung erhoben sich die Stadt⸗ verordneten zu Ehren Gutfleisch's von ihren Sitzen. Gutfleisch anwortete, daß ein Abgeord⸗ neter seine Pflicht tun müsse und dafür Dank nicht zu beanspruchen habe. Gewiß könne es ein Abgeordneter nicht allen recht machen. Alle aber die im Ausschuß bei dem Gemeindesteuer⸗ gesetz mitwirkten, hätten sich redlich bemüht, das Beste zu schaffen, jedenfalls habe es ihnen nicht am guten Willen gefehlt. Er begnüge sich, wenn dies von der Bürgerschaft anerkannt werde.— Diese Kundgebung war eine Ant⸗ wort an den Wormser Lederbaron und seine Treibereien, sowie die Wormser Stadtverord⸗ neten, die in das Heyl'sche Horn tuteten. Wenn Gutfleisch gegen die Anmaßungen des Wormser Millionärs auftritt, wird er jederzeit auch die Sozialdemokratie auf seiner Seite finden. Die Freisinnigen in ihrer Gesamt⸗ heit zeigen sich allerdings mit jedem Tage weniger fähig, dem wachsenden Einflusse des Großkapitalismus auf politischem Gebiete ent⸗ gegen zu wirken. Interessant war noch zu sehen, wie alle nationalliberalen Stadtväter sich dem ihren Parteifreund Heyl verurteilenden Votum anschlossen. —„Gießen ist doch ein Drecknest!“ Dieses harte Wort sprach nach glaubhaften Be⸗ richten voriges Jahr ein höherer Postbeamter in Darmstadt aus. Damit hatte er allerdings unsern Lokalpatriotismus empfindlich verletzt. Recht hat er aber zweifellos gehabt. Denn der Schmutz in den Straßen unserer Stedt ist selbst bei nur mäßig nassem Wetter schlimmer, wie in jeder anderen Stadt. Die Stadtver⸗ waltung sollte es sich doch angelegen sein lassen, etwas mehr zur Beseitigung dieser Mißstände zu tun. Wir glauben gerne, daß das nicht allzuleicht ist, aber die Zustände sind doch der⸗ art, daß sie nach Abhülfe geradezu schreien! — Bauarbeiterschutz. Diesen Samstag, 25. November finden hier zwei Bauarbeiter⸗Versamm⸗ lungen statt, in der Genosse Kremser⸗Frankfurt über die Mißstände im Baugewerbe und den Bauarbeiter⸗ schutz sprechen wird. Die erste Versammlung beginnt 5 Uhr bei Löb für Bauhilfsarbeiter, Dachdecker, Maurer, Weißbinder und Zimmerer; die zweite 7 Uhr bei Orbig für Glaser, Holzarbeiter, Bauschlosser und Spengler. st. Die Maler und Weißbinder hielten am Samstag eine allgemeine Versammlung im Wiener Hof ab, die recht gut besucht war. Koll. Zimmermann⸗Frankfurt erörterte die Frage:„Sind die Lohnverhältnisse in Gießen mit der fortgesetzten Teuerung der Lebens⸗ bedürfnisse in Einklang zu bringen?“ Redner führte den Anwesenden in sachlicher Weise vor Augen, wie und wodurch die bestehende Teue⸗ rung der notwendigsten Lebensmittel verursacht sei, daß aber keineswegs der Lohn mit diesen Verhältnissen Schritt halte. Nach der in diesem Jahre aufgestellten Statistik ergebe sich ein Stundenlohn von 34,6 Pfg⸗ also bei 10 stün⸗ diger Arbeitszeit ein Tagelohn von 3,46 Mk. Ein großer Teil der Berufskollegen habe aber ein noch viel geringerer Verdtenst aufzuweisen. Redner wies hierbei auf statistische Arbeiten eine Familie mindestens 90 Pfg. pro Kopf und Tag für die notwendigste Ernährung ge⸗ brauchen müsse. Das mache im Jahr annähernd 900 Mk. aus. Unsere Kollegen verdienen aber oft viel weniger als diesen Betrag, denn zahl⸗ reiche Weißbinder müssen im Winter feiern. Wovon sollen unter solchen Umständen die übrigen Die Versammlung stimmte dem Referate zu und man war sich im Uebrigen dahin einig, daß für Stärkung der Organisation gesorgt werden müsse, um bessere Lohn⸗ und Arbeitsbedingungen zu erkämpfen. Die stattgehabte Landtagswahl kam noch zur Sprache und es wurde bemängelt, daß immer noch ein großer Teil der Arbeiter sein Interesse nicht zu wahren suche; den bestehenden Wahlvereinen beizutreten und die Arbeiter- Presse zu lesen müsse jedes Gewerkschaftsmit⸗ glied für seine Pflicht halten.(Das sollten sich auch die übrigen Gewerkschaften zur Notiz nehmen. D. R.) — Die Rezitation von Frau Lina Leidl, die am Mittwoch vom Gewerkschafts⸗ kartell im Saale des Lenz'schen Felsenkellers veranstaltet war, hatte einen zahlreichen Besuch zu verzeichnen. Die in bayrischer Mundart ge⸗ gebenen Vortragsstücke fanden beifällige Auf⸗ nahme.— Es sollten nun aber auch einmal aufklärende Vorträge über politisch und wirt⸗ schaftliche Fragen veranstaltet werden, um da⸗ durch unsere Parteigrundsätze weiter zu ver⸗ breiten und zu vertiefen. — Auf die Generalversammlung der Ortskrankenkasse Gießen, die nächsten Mitt⸗ woch abends ½9 Uhr im„Postkeller“ statt⸗ findet, machen wir aufmerksam. Die Tages⸗ ordnung ist aus dem Inserat ersichtlich. Aus dem Rreise gießen. — Patriotisches. In der am Montag vor acht Tagen in Langgöns von unserer Partei abgehaltenen Landtagswähler⸗Versamm⸗ lung wurde unser Redner an einer Stelle durch lebhafte Protest⸗ und„Pfui“⸗Rufe von Seiten der anwesenden Gegner unterbrochen. Und das ging so zu: Vetters erwähnte im Laufe seiner Ausführungen, welch' ungeheure Summen für die Kolonialpolitik verpulvert würden, die doch im Inlande für notwendige Kulturzwecke viel besser im Interesse des Volkes verwendet werden könnten, 3—400 Millionen Mark kostete der Krieg gegen die südafrikanischen Negerstämme bereits und außerdem Tausende von Menschen⸗ leben. Hier wurde ein Zwischenruf gemacht, der etwa lautete:„Die gehen freiwillig hin, aus Patriotismus!“ Vetters entgegnete, der Frei⸗ willigkeit würde hier und da nachgeholfen und aus Patriotismus würden wohl die wenigsten nach Südafrika gehen, meistens hofften ste, sich etwas zu erwerben und mit gefüllten Taschen wieder zu kommen. Darauf großer Lärm bei den Gegnern, die das ganz irrtümlich als Ver⸗ letzung ihres„patriotischen“ Empfindens an⸗ sahen. Einer fing an zu schreien und nach ihm schrien mehrere. Nachdem sich der Lärm gelegt, erklärte Vetters, er habe doch damit weder den Soldaten in Südafrika, noch sonst jemanden einen Vorwurf gemacht. Es sei damit doch nicht gesagt, daß die Leute dort rauben und plündern wollten, sondern ste könnten doch von der höheren Löhnung sparen, da ste jedenfalls wenig Gelegenheit hätten, davon zu verbrauchen. Beispielsweise würden wohl auch die wenigsten, die freiwillig zum Militär gehen, dies aus Patriotismus tun, sondern weil sie hofften Unteroffiziere zu werden, nach 12 jährigem Dienst die 1000 Mk.⸗Prämie in Empfang zu nehmen und eine Anstellnng zu erhalten.— Jeder Un⸗ befangene wird zugeben müssen, daß das, was Vetters ausführte, den Tatsachen entspricht. Wenn es wahr wäre, daß die Leute aus Patrio⸗ tismus nach Afrika zögen, dann müßte es in Deutschland berteufelt wenig Patrioten geben, denn so oft auch die Aufforderungen der Bezirkskommando's ergehen, brachte man bisher nur mit Mühe die erforder⸗ liche Anzahl Afrika⸗Krieger zusammen. Bei den vielen Tausend Kriegervereinlern, die es in Deutschland, gibt, sollte man doch meinen, daß maßgebender Volks wirtschaftler hin, nach welchem Kosten für die Lebenshaltung aufgebracht werden? ä em off ud ber hl rn. gen r A 2 Nr. 48. ———-—— 2— Mitteldeutsche SonntagsZeitung. Seite 5. sich Menschen in hellen Haufen herzudrängen und als Kämpfer gegen die Hottentotten und Hereros melden würden! Wir ver⸗ übeln das den Leuten nicht; man lasse dann aber auch das(sehr leichte!) patriotische Phrasendreschen! Wie es sich in Wirk⸗ lichkeit mit dem patriotischen Opfermute ver⸗ halt, dafür lieferte neulich unser Saalfelder Parteiblatt einen kleinen Beitrag. Es berichtete unter der Ueberschrift:„Ein patriotisches Idyll“ folgendes: „Hält da am Sonntag bei dem„Zweckessen“ in Rudolstadt Professor Haushalter eine Pauke, in der er für die ganzen Hel denmannen der Bürgererholung (hauptsächlich Helden im Essen und Kriechen) schwört, daß sie in Krieg und Frieden„alle Zeit furchtlos und treu“ zu dem gegenwärtigen Herrscher stehen wollen, daß man sich vor der ganzen Welt nicht fürchte, und wenn Deutschland ganz allein stände usw. Am Montag früh fand nun für die Reservisten die übliche Herbstkontrolle statt. Bei derselben erschienen auch Söhne und Ange⸗ hörige obengenannter Helden. Es wird aufgefordert, daß fich Freiwillige nach Afrika melden; man hofft,„daß noch Leute mit Ehrge fühl vorhanden sind, die das Vaterland gegen die verruchten Hottentotten nicht im Stiche lassen.“ Warum der Feldwebel selber noch mit seinem Ehrgefühl herumlöuft und sich nicht zur Jagd nach dort gemeldet hat, wird nicht verraten. Der Erfolg der Aufforderung ist verblüffend. Die stolzen Heldenbrüste der Krieger⸗ ve reinler knicken ein, die Bürgererholungsmänner würgen den Katzenjammer herunter und bleiben stehen. Kein Mensch rührt sich. Ein Zeichen, daß auch die größten Maulhelden und Biervertilger allmählich an der„Vernunft“ kranken. Durch eisiges Schweigen wird die Kolonialkriegerei einstimmig abgelehnt.“ Ja, ja, so gehts hundertfach. Die Soztal⸗ demokraten sind bereit— das haben unsere Genossen im Reichstage oft genug erklärt— das Vaterland gegen Angriffe auswärtiger Feinde zu verteidigen, und vielleicht eher wie viele andere, die immer mit ihrer Vaterlands⸗ liebe prahlen; aber die armen Neger abzu⸗ schlachten, die doch auch ihre Heimat gegen die fremden Eindringlinge verteidigen, das finden ste eben nicht patriotisch. Aus dem Rreise Alsfesd⸗Cauterbach. b. Folgen der Brotverteuerung. Eine Ver⸗ sammlung, die am Samstag Abend im„Stadtpark“ in Alsfeld stattfand, erörtete die Frage:„Wie vorsorgen wir uns mit gutem und billigem Brot?“ Fabrikarbeiter Steuernagel machte hierzu die einleitenden Ausführungen. Es wurde im Laufe der weiteren Besprechung der Frage darauf hingewiesen, daß die sämtlichen Bäcker in Alsfeld auf einmal den Preis für den 5⸗Pfund⸗Laib von 55 auf 60 Pfg. hinaufschrauben wollen. Dagegen müßten sich die Arbeiter energisch wehren, was wohl am besten durch Gründung eines Konsum vereins geschehe. Wenn bei den Hungerslöhnen, die in Alsfeld gezahlt werden, auch noch die notwendigsten Lebensmittel derart im Preise gesteigert und in die Höhe geschraubt würden, so werde die Existenz der Arbeiter auf's schwerste bedroht und man müsse sich zur Notwehr zusammenschließen. Man wählte eine Kommission von sechs Mi taliedern, welche die nötigen Vorarbeiten zur Gründung eines Arbeiterkonsumvereins ausführen soll. Diese beschloß zu dem Zwecke eine öffentliche Versammlung am Samstag oder Sonntag nach dem Stadtpark einzuberufen.— Bäckermeister Karl Enders, der sich erst lebhaft bei seinen Kollegen wegen Erhöhung des Brotpreises bemühte, will jetzt der Sündenbock nicht sein und gibt bekannt, daß er das Brot zum alten Preise abgebe. Aus dem Nreise Wetzlar. h. Zur Verbreitung unseres Land⸗ kalenders wollen sich unsere Parteifreunde recht zahlreich bei dem Vertrauensmann Fauth, Mühlgraben⸗ straße 9 2. Stock melden. Je mehr sich zur Ver⸗ fügung stellen, desto besser! h, Schmerzen eines Apothekers. In der Sitzung der Handelskammer Wetzlar beklagt sich der sogenante Oberbürgermeister von Wetzlar, Herr Apo⸗ thekenbesitzer Hiepe über die geringe Zahl und die schlechte Beschaffenheit⸗ der Wagen erster und zweiter Klasse auf der Strecke Betzdorf— Gießen. Wir empfehlen den Stadtverordneten, einmal eine Revision der Reise⸗ spesen ihres Obers vorzunehmen; es läßt sich viel⸗ leicht ein Salonwagen für diesen Herren beschaffen. Wie sieht's in den Wagen vierter Klasse aus, in denen die Arbeiter zusammengepfercht werden! Da hat jedenfalls Herr Hiepe noch niemals hingeschaut. h. Der Bergarbeiter⸗Ausstand auf der fürstl. Braunfels'schen Grube„Juno“, von dem wir in letzter Nr. kurz Mitteilung machten, ist wieder bei⸗ gelegt, da die Verwaltung die alten Löhne weiter be⸗ zahlen will. Trotzdem herrscht unter den Bergleuten nicht geringe Er bitterung, weil man, wie auf der Bude⸗ rus'schen Grube„Amanda“ eine neue Arbeitsordnung in Kraft setzte, ohne auf die Abänderungsvorschläge der Arbeiter irgendwelche Rücksicht zu nehmen. Weiter wird verlangt, daß eine Viertelstun de vor und ebenso lange nach der Arbeltszeit sich die Bergleute zum Verlesen einfinden, es wird also die Arbeitszeit um eine halbe Stunde verlängert. Wer nicht wartet, bekommt nichts für seine Leistung. Mißliebige Leute werden gekündigt oder an schlechtere Arbeit gestellt. Es gewinnt den An⸗ schein, als wenn die Arbeiter terroristert werden sollten. Erfreulich ist, daß der Bergarbeiter⸗Verband immer mehr Mitglieder bekommt, erst vor kurzem wurden 100 Neu⸗ aufnahmen vollzogen. Fester Zusammenschluß! Dann können die Arbeiter ungerechtfertigten Zumutungen am wirksamsten begegnen. 5 h. Zum Bahnhofsumbau bewilligten die Stadt⸗ verordneten 50000 Mk. Der Umbau, der eine Kosten⸗ höhe von etwa 4 Millionen erfordert, sieht eine Brücken⸗ überführung des Fracht⸗ und Personenverkehrs über die Gleisanlage des Bahnhofs vor, vom Hotel Kaltwasser nach dem Portlandzementwerk Wetzlar führend. Der Personenverkehr soll durch einen Personentunnel bewäl⸗ tigt werden. Der Kreis steuert zu dem Umbau 20000 Mk. bei. h. Ein Hausein sturz wäre dieser Tage beinahe erfolgt. Es handelte sich um eine alte Baracke, die der Mühlenbesitzer Amend erworben hatte und um⸗ bauen ließ. Man riß den Unterbau heraus und jeden⸗ falls war die Absprießung nicht hinreichend, so daß das Gebäude ins Wanken kam. Glücklicherweise geschah kein größeres Unglück, was aber sehr leicht hätte eintreten können. Diese Art des Umbaues sollte überhaupt nur erlaubt werden, wenn für zuverlässige Sicherheits vor⸗ kehrungen gesorgt ist. Krofdorf. Von einem frühen Tode wurde unser Genosse Wilhem Leib ereilt. Im Alter von erst 28 Jahren erlag er am Donnerstag nachmittag einem Schlaganfalle. Er gehörte der Pflaster⸗ organisation an und war zugleich Mitglied des sozial⸗ demokrat ischen Wahlvereins und des Arbeitergesangver⸗ eins. Unsere Krofdorser Genossen werden ihn in gutem Andenken behalten. Westerwald und Anterlahn. b. Dillenburg. Unsere Nationalmiserablen sind wunderliche Leute, zum größten Teil wissen sie selbst nicht was sie wollen. Nach dem Amtsblatt hiel⸗ ten sie am Samstag in Haiger ihre Generalversamm⸗ lung ab, in welcher komisches Zeug zutage gefördert wurde. Man kann daraus ersehen, welche Vogelstrauß⸗ politiker die Herren find. Wörtlich schreibt das Amts⸗ blatt:„Wegen des vorhandenen geringen Kassenbestandes beschließt die Versammlung, dieses Jahr die Mitglieder⸗ beiträge pro 1906 zu erheben, um gegebenenfalls not⸗ wendige Ausgaben bestreiten zu können.“ Also nun auch der finanzielle Bankrott nach dem schon längst eingetretenen politischen. Seminarlehrer Weidner, die Hauptstütze des Nationalliberalismus im Dillkreis, hielt einen Vortrag über die politische Lage. Er klagte, daß die Unzufriedenheit überhand nehme und von Sozlal⸗ demokraten und Christlich⸗Sozialen(ach, du lieber Gott!) geschürt werde. Statt daß sich Weidner aber mit dem Vorwärtskonflikt beschäftigte, hätte er lieber erklären sollen, warum der nationall. Parteisekretär Leis ner auf einmal so stillschweigend kalt gestellt wurde. Natürlich trat er dann für die größere Flotte zum„Schutze des Handels“ ein. Mit solchen Mätzchen sollte er nun schon nicht mehr kommen. Auch Herr Weidner sollte wissen, daß mehr als die Hälfte der deutschen Ausfuhr anf dem Landwege erfolgt. Dem Handel nützt die Flotte nicht einen Pfifferling, sondern nur den Panzerplatten. Fabrikanten. Das arme Volk muß aber bluten. aus dem Nreise Marburg⸗Nirchhain. Ein Gewerbegericht giebts in Marburg noch immer nicht, trotzdem die Arbeiter schon wiederholt die Errichtung eines solchen verlangt haben. Daß ein solches unbedingt notwendig wäre, darüber giebts keine Meinungsverschiedenheiten mehr, wenigstens nicht unter den Arbeitern. Nun hat aber Marburg nach neuer⸗ lichen Feststellungen bereits 19 900 Einwohner und es dürfte jedenfalls nicht mehr lange dauern, so sind deren 20 000. Nach§ 2 des Gewerbegerichtsgesetzes mu ß ein Gewerbegericht in allen Gemeinden mit über 20009 Einwohnern errichtet werden und so dürfte wohl nun auch unsere Stadt bald ein solches erhalten. An Arbeit wird's ihm kaum fehlen. * Zur Stadtverordneten⸗Stichwahll Laut amtlicher Bekanntmachung ist die Stichwahl auf den 5. Dezember, von morgens 10 bis mittags 1 Uhr festgesctzt. Es stehen sich vie Beamtenliste und die der vereinigten Bürger gegenüber. Da die Sozialdemokratie ausschlaggebend ist, bemühen sich beide Parteten im Still en, die Arbeiterstimmen zu erhalten und jede ver⸗ spricht jetzt das Menschenmögliche. Während die jetzigen Stichwahl⸗Kandidaten vor der Hauptwahl nichts von sich hören ließen, versprechen ihre Anhänger jetzt, die in unserem Flugblatt aufgestellten Forderungen unter⸗ stützen zu wollen. Ernst wird's wohl keinem damit sein. Am lebhaftesten agitiert der Beamtenverein für seinen Kandidaten Kronemann. Die Gruppe brachte bei der Ergänzungswahl nicht einen einzigen Kandidaten durch und macht nun Anstrengungen zur Rettung ihrer Ehre. Ob's aber glücken wird, ist fraglich, denn Re⸗ serven dürfen ihr kaum zur Verfügung stehen, Selbst die sogenannte Rathauspartei, die diesmal nicht öffent⸗ lich auftrat, hat ihre Stimmen schon für die Bea mten⸗ liste in die Waagschale geworfen. Daher muß der Be⸗ amtenverein bei den Arbeitern anklopfen. Die Wahl⸗ vereinsversammlung an Samstag wird zeigen, ob er auf Entgegenkommen rechnen kann, doch kann jetzt schon gesagt werden, daß die Mehrzahl der Wahlvereins keine Lust haben, Hurrapatrioten, wie Kronemann in's Stadt⸗ parlament zu schicken. Wenn es dem Beamtenverein Ernst damit war, daß ein Arbeiter⸗Vertreter gewählt werde, wie sich jetzt nach der Wahl einige seiner ein⸗ flußreichen Mitglieder vernehmen ließen, so brauchte er ja nur einen unserer Kandidaten auf seine Liste zu nehmen! Merkwürdig fiel die Abstimmung der Beamten⸗ Kandidaturen überhaupt aus. Obwohl vier Kandidaten aufgestellt worden waren, stimmten alle Beamten wie auf Kommando nur Kornemann und Laubscher. Dieser Umstand muß zu der Vermutung führen, daß kurz vor der Wahl eine dementsprechende Parole ausgegeben worden war, und daß es dem Verein mit seiner voll⸗ ständiger Liste nicht ernst war. Ihr Auserkorener war eben der Postbeamte Kronemann. Dessen Gegenkandidat ist Dr. Maurmann von der Bürgerliste. Dieser ist nicht ein solcher Hurrapatriot und es dürfte ihm der Sieg um so sicherer sein, als er einen nicht unbedeu⸗ tenden Vorsprung und jedenfalls noch Reserve zur Ver⸗ fügung hat. Als Ersatzleute stehen sich Schlossermeister Laubscher von der Beamtenliste und Metz germeister Keppler von der bürgerlichen Liste gegenüber. Wer von den beiden gewählt wird kann uns Arbeitern„schnuppe“ ein, unsere Interessen vertritt keiner. Partei-Machrichten. Der Arbeiter⸗Notizkalender 1906 ist im Verlage der Buchhandlung Vorwärts erschienen. Der in Partei⸗ und Gewerkschaftskreisen allgemein beliebte Kalender hat sich als ein nützlicher Ratgeber und als ein unentbehrliches Nachschlagebuch für alle organi⸗ sierten Arbeiter eingebürgert. Der Preis für den Kalender ist 60 Pfg.; er ist in unserer Expedition zu haben. Baldige Bestellungen erwünscht. Parteigenossen in Gießen! Diesen Sonntag zahlreich zur Kalender- Verbreitung erscheiuen! Die Parteifreunde auf dem Lande wollen den Verteilern so viel als möglich zur Hand gehen. Versammlungskalender. Samstag, den 25. November. Heuchelheim. Arbeiterbildungsverein. Abends 19 Uhr Versammlung bei Wirt Kal Rinn. „Zur Wilhelmshöhe.“ Marburg. Wahlverein. Abends 9 Uhr Ver⸗ sammlung im Lokale D. Jesberg. Sonntag, den 26. November Staufenberg. Volks verein. Nachm. ½4 Uhr Versammlung bei Wirt Vogel. Montag, den 27. November. Marburg. Schneider abends ½9 Uhr bei Hill⸗ berger. Samstag, 2. Dezember. Lauterbach. Sozialdemokrat. Wahlverein Abends 8/ Uhr Mitglieder⸗Versammlung bei Gast⸗ wirt Keutzer. Empfehlenswerte sozialistische Schriften! Von der Expedition der Mitteld. Sonnt.⸗Zeltung Gießen, Rittergasse 17, sind zu beziehen: Wahrer Jakob; Süddeutscher Postillon. Witzblätter. Erscheinen alle 14 Tage. Preis 10 Pfg. Freie Stunden. Beste Romanlitteratur. Illu⸗ striert. Wöchentlich ein Heft à 10 Pfg. Die Volksschule, wie fie sein soll. Rühle. Preis 30 Pfg. Die innerpolitischen Zustände des deut⸗ schen Reiches und die Sozialdemokratie. Von Gg. v. Vollmar. Preis 20 Pfg. Christliche Arbeiterpflichten. Jesuitische Fragen und soztaldemokratische Antworten. Preis 20 Pfg. Intime Briefe Lassalles an seine Familien Angehörigen. Herausgegeben von Ed. Bernstein. Preis 3 Mk. Von Otto ——UEä—— W622 Seite 6. Mitteldeutsche Sountags⸗geitung. 5 Von Nah und Fern. Der verächtliche Blick. Weil er in der Sitzung den Richter, Amts⸗ gerichtsrat D., mit Verachtung angeblickt habe, wurde ein Darmstädter Anwalt dieser Tage in eine Ungebührstrafe von 30 Mark ge⸗ nommen. Gegen diesen, eine eigenartige Unge⸗ bühr deklarterenden Beschluß ist beim Oberlandes⸗ de Beschwerde erhoben worden. Veelleicht äßt das Oberlandesgericht den betreffenden Anwalt„Probe“ blicken. Aus dem Muckertale. Aus Barmen erzählt die Frkftr. Ztg.: „Großes Mißfallen hat bei der hiestgen ortho⸗ doxen evangelischen Geistlichkeit die Tatsache hervorgerufen, daß auf Veranlassung der Schul⸗ behörde kürzlich im hiestgen Stadttheater eigens für die Schüler der oberen Klassen unserer Volksschulen Schillers„Tel!“ aufgeführt und daß den Schülern der Besuch dieser Vorstellung empfohlen wurde. Das von drei hiestgen Pastoren redigierte Barmer Sonntagsblatt ist entrüstet. Es hält ein solches Unternehmen für „überaus bedenklich“.„Unsere Schulen“, schreibt es,„haben mit so vielen Dingen beladen werden müssen(als Turnen, Schwimmen, Brausebad, Kochschule, Blumenpflege), daß manche Lehrer darunter seufzen. Man sollte ste nicht noch mit neuen, bisher unbekannten Aufgaben belasten. Aber immerhin müssen wir auf den schweren Schaden hinweisen, den man den Kindern zufügt... Wird nicht die Genußsucht der Kinder noch künstlich durch solche Unternehmungen gesteigert? Wir hoffen bestimmt, dies war der erste und letzte Versuch dieser Art.“ Schillers Aufsatz„Die Schaubühne als moralische Anstalt betrachtet“ scheinen diese Herren niemals gelesen oder nicht begriffen zu haben. Nach ihrer Meinung haben offenbar unsere großen Dichter all ihre Schaffenskraft — oft genug unter Hintansetzung von Gesund⸗ heit und Leben!— nur deshalb aufgewandt, um das besser begüterte Publikum ein paar Stunden zu amüsteren. Ihre die„Genuß⸗ sucht fördernden“ Werke auch dem„Volk“ vor⸗ zusetzen, ist, wie es scheint, ein pädagogisches Verbrechen. Ueber den Unterschied von Theater⸗ und Wirtshausbesuch haben sich diese Bar⸗ menser Seelenhirten jedenfalls noch nie Ge⸗ danken gemacht. Wie viel Gedanken müßte man auch dazu haben! Und bei so niedriger Einschätzung der edelsten Früchte menschlichen Geisteslebens wundern sich hernach diese Mucker über das stetige rapide Sinken ihres Einflusses und entrüsten sich auf 3 Moralischste über die Witze des„Simplizissimus“. Grausiger Tod. Von einer flüssigen Stahlmasse im Gewichte von 800 Zentnern wurden, nach einer Meldung aus New⸗Nork, zwei Arbeiter in einer Gußgrube der Midvale⸗Gesellschaft über⸗ rascht. Sie wurden im Augenblick durch die ungeheure Weißglühhitze in Gas und Asche ver⸗ wandelt. Auch nicht einmal ein Knopf von ihren Anzügen wurde gefunden. Die Mutter als Erzieherin. Lerne Widerspruch ertragen. Das ist ein schöner Rat, wirst du denken. Den Widerspruch des Kindes soll ich ertragen? Sei ohne Sorge, ich will nicht, daß dein Kind trotzig und eigensinnig ist und daß es jeder Anordnung der Mutter oder des Vaters und jeder Belehr⸗ ung ein unkindliches Besserwissen entgegenstellt und mit naseweisen Worten den Eltern über den Mund fährt. Solche Kinder sind uner⸗ träglich; wenn ihnen diese schlechte Eigenschaft nicht in der Jugend abgewöhnt wird, werden später aus ihnen gedankenlose, vorlaute Schwätzer, Menschen, die uns im Befreiungskampf des Proletariats durchaus keine angenehme Beigabe sind. Aber, proletarische Mutter, es gibt eine andere Art des Widerspruchs bei den Kindern. Dein Kind hört Aeußerungen von dir, die du dir im e d nicht genau überlegt hast; oder du gibst dem Kinde einen Auftrag, von dem am Tage vorher der Vater gesagt hat,, daß ihn dieses Kind nicht, sondern der Bruder oder die Schwester erfüllen soll; oder du er⸗ zählst etwas aus den Erinnerungen an deine Schulzeit, während dein Kind die Dinge in der Schule anders und richtiger gelernt hat; oder dein Kind hat Bedenken gegen eine Anordnung, die du triffst; oder dein Kind glaubt einen Auf⸗ trag von dir besser auf seine eigene, von ihm selbst ausgeklügelte Weise ausführen zu können — du wirst dir selbst eine Reihe weiterer Fälle aus deinen Erfahrungen bilden können. In solchen Fällen sollst du— nicht immer, aber gelegentlich— Widerspruch ertragen können. Der Widerspruch ist dann nicht unkindliches Besserwissen, sondern er entspringt den ersten Versuchen des kindlichen Geistes, selbständige Wege zu wandeln; er ist das Zeichen der er⸗ wachenden Kritik, des beginnenden Selbstge⸗ fühls beim Kinde. Er ist auch wohl eine stille Auflehnung gegen die Autorität, ein Versuch kindlichen Protestes gegen die superkluge, vom Kinde oft ehrlich und mit Recht gehaßte All⸗ macht und Ueberlegenheit der Erwachsenen. Da mußt du in jedem Einzelfall vorsichtig prüfen, ob du durch barsche Zurechtweisung, durch schroffe Unterdrückung des kindlichen Wider⸗ spruchs nicht gute Ansätze im Kinde vernichtest. Gute Ansätze! Denn wir Sozialdemokraten wünschen, daß unsere Anhänger„widersprechen“, wo immer ihnen Unrichtigkeit oder Ungerechtigkeit oder Unwahrhaftigkeit gegenübertritt. Wenn wir den„Widerspruchsgeist“ bei unseren Kindern mit Gewalt ausrotten, wenn wir ste an blinden Gehorsam gewöhnen, so werden sie auch im späteren Leben, als Erwachsene, nicht wider⸗ sprechen und keine Opposition machen. Solche rückgratlose Subjekte aber willst du aus deinen Kindern nicht machen. Darum: dulde nicht jeden Widerspruch, sonst wirst du zum Sklaven deines Kindes; aber lerne auch Widerspruch ertragen. ch. sch. in der„Gleichheit“.) 2 Glück auf! Der Herrscher aller Reußen sprach: „Nicht Menschen— ich gebrauche Knechte, Ich schmett're nieder Tag für Tag Und schlag entzwei des Volkes Rechte, Ich tron' im Gottes Gnadenglanze Erhaben ob dem niedern Pöbel— Nicht Parlament! Nur Knut' und Lanze Ich hemm' des freien Wortes Hebel“— Es lauscht das Volk dem Sarenschwur— „Soll ew'ge Nacht uns ewig knechten d Auf, laßt auf blut'ger Henker Spur Uns Geißeln der Vergeltung flechten! Und himmelan schlug wild der Groll Viel tausend heiße Herzen glühten. Der edle Quell der Rache quoll— Die Flammen der Revolte sprühten Blutrot im finstern Reußenlande, An jedem Tag erneutes Hoffen Su stürzen dieses Reich der Schande Wenn auch vom Schergenblei getroffen So mancher Held der Freiheit schied Von seinen lieben Kampfgenossen, — Die singen ihm das Sterbelied— Von Rußlands Sukunft— lichtumflossen— Wenn längst vermodert und vergessen Die gift'ge Hydra liegt begraben Wenn man im Schatten der Cypressen Die Helden preist, die kämpfend starben.— Wie zitterte ob solcher Fehde Der morsche Bau der Tyrannei— Wie drang so manche mut' ge Rede Aus kühnem Munde frank und frei. Wie ward so zage die Gewalt Und wie verblich der Mächt'gen Stern— Als zornerfüllt das Reich durchschallt Des Volkes Wille uah und fern! — Kein Parlament? Kein Volkstribund— Ja doch, das Blatt, es wird sich wenden. Der heil'ge Sar wird bald geruhn— Die Staatsverfassung„gnädig“ spenden. a Ar. 48. Ick weiß, noch wir envoljʒdke Das Purpurbanner nicest entfaltet. Noch trübt des Mammons sinstre Wolke Den Geist— daß er nicht friedlich waltet.— — Doch ward' ein neue Weg erschlossen Wohl für der Freiheit Siegeslauf; Drum klinge unsren Kampfgenossen Ein herzlich jubelndes„Glück auf!“ f A. Deppe. Aus unseren Tagen. Von Gerard Keller. 2(Fortsetzung.) „Ist ste denn nicht gut?“ „Gut?“ wiederholte Frau Taubermann in einem Tone, aus dem eben so viel Verwun⸗ derung wie Verachtung sprach, und es war auch wirklich unbegreiflich, wie Taubermann eine solche Bemerkung machen konnte. Die Tochter eines kleinen Beamten, die kaum anständig ge⸗ kleidet war und niemals ihre Vaterstadt ver⸗ lassen hatte, als Erzieherin ihrer Kinder, an⸗ statt einer ächten Schweizerin, die nur fran⸗ zösisch verstand und an deren Kleidung man sofort sehen konnte, daß ste eine Fremde sei. Denn Frau Taubermann, die von Länder⸗ und Völkerkunde nicht viel wußte, stellte sich eine Schweizerin genau so vor, wie ste dieselben auf Bildern abgebildet gesehen hatte und es machte ihr sogar Mühe, sich die Milcheimer dabei wegzudenken. Wenn ste nun auch an⸗ nahm, daß ihre Gouvernante nicht ganz so ausgesehen hätte, so hatte ste sich dieselbe doch anders als diese Malvine Werner vorgestellt, welcher nun, in Folge des Drängens ihres Mannes, die Erziehung ihrer Kinder anver⸗ traut werden sollte. Und nun wagte er noch zu fragen, ob sie nicht gut sei, als ob man mit Malvine überhaupt Staat machen könnte! Als Frau Taubermann diese letzte Be⸗ merkung laut werden ließ, antwortete der Krämer, daß dies auch nicht nötig sei, denn eine Gouvernante sei zur Erziehung der Kinder da, und nicht um damit zu glänzen, aber daß er trotzdem sehr wohl begreife, daß seine Frau eine andere verlange, da ste immer und mit allem glänzen wolle. Darauf gab Frau Tauber⸗ mann ihre Meinung dahin ab, daß sie es müde sei, auf diese Weise ihre Tage zu verbringen. Taubermann müsse doch begreifen, daß seine Töchter jedes Jahr älter würden und daß er Geld genug habe, um denselben eine Erziehung u geben, wie es sich gehöre. Oder wollte er fie vielleicht zu Ladenjungfern erztehen? Darauf folgte eine ununterbrochene Reihe von unzu⸗ sammenhängenden Aeußerungen, die mit Vor⸗ würfen und Drohungen abwechselten und sämtlich in der Behauptung gipfelten, daß Taubermann nichts für seine Frau und seine Kinder tun wolle und daß ste nicht länger in der Krambude bleiben wolle. Der Krämer begnügte sich damit, die Achseln zu zucken und zogen Taschenbuch hervor, in welches er einige Aufträge notierte. „Ste auf fünf Jahre anzunehmen!“ fuhr Frau Taubermann fort, indem ste auf die Ur⸗ sache ihres Verdrusses zurückkam.„Auf neun Jahre! Wie kamst du nur darauf?“ „Ich danke herzlich dafür, jedes Jahr eine andere ins Haus zu bekommen und ich habe meine Prinzeßchen viel zu lieb, um ihnen jeden Augenblick eine neue Erzieherin zu geben.“ Prinzeßchen war der Lieblingsausdruck, mit welchem Taubermann seine vier Töchter be⸗ zeichnete und obgleich seine Gattin verstcherte, daß sie keine anständige Erziehung erhielten, entsprachen sie in ihrer Toilette und Lebens⸗ weise wirklich einigermaßen diesem Titel. „Prinzeßchen!“ wiederholte seine Fran;„du solltest diesen Spottnamen für dich behalten, oder hast du ihnen vielleicht darum eine so vor⸗ nehme Gouvernante gegeben?“ „Nun, Fräulein Werner ist ein sehr an⸗ ständiges Mädchen. Ihr Vater ist Beamter und— die Leute haben es nötig.“ „Richtig, und um ein Almosen zu geben, opferst du die Erziehung unserer Kinder auf! Darum hast du ihr auch ein so hohes Salair zugestanden.“ s 7 7 S. — Nr. 48. — 1 0— Mitteldentsche Sountags⸗Zemung. Seite 7. „Ich gebe ihr, was ihr zukommt. Wer gute Arbeit haben will, muß gut bezahlen. Du wirst doch nicht wollen daß unsere Gouvernante weniger erhält: als eine andere?“ Dies war ein Einwand, auf welchen Frau Taubermann nichts zu erwidern wußte; ste schwieg denn auch und ihr Mann schwieg gleich⸗ falls und man hörte nur das eintönige Ge⸗ räusch des Mörsers, der vom frühen Morgen bis zum späten Abend in Tätigkeit blieb. Dies Geräusch paßte nicht besonders zu dem Gemache, in welches wir unsere Leser geleitet haben. Dort herrschte ein Reichtum und eine Pracht, welche, wenn auch nicht für den Ge⸗ schmack und Kunstsinn, doch sicher für das Ver⸗ mögen des Eigentümers Zeugnis gaben. Es war wirklich schade, daß das einzige Fenster des Gemaches auf einen engen Hof ging, und überdies mit einer schweren Damastgardine der⸗ art verhüllt war, daß man sich nur mit einiger Schwierigkeit ein Urteil über die Kabinetsstücke bilden konnte, welche die Wände schmückten und um die mancher Liebhaber den Besitzer be⸗ neidete. Auch die vielen Gegenstände, welche auf dem Kaminsims und auf der Etagere prunkten, verloren in der Dämmerung viel, und der Glasschrank mit seinen Silberschätzen und der reich verzierte Bücherschrank mit den Reihen von Prachtbänden, und die Sopha⸗ und Fußkissen, der Kronleuchter und die Pendule und was ferner zur Zierde des Gemaches an⸗ gebracht war, kam nur halb zur Geltung. Für einige Salons mag das Clair obscur eine er⸗ wünschte Beleuchtung sein, im Zimmer des Herrn Taubermann brauchte es wirklich nicht zu Hilfe gerufen werden, um den Eindruck zu erhöhen. Das Licht schadet nichts, aber die eintönige Erschütterung, welche durch den Mörser hervorgerufen wurde, ließ den ganzen Tag über die Porzellanvasen zittern und die Glaͤser klirren und das war ein sehr unhar⸗ monisches Geräusch. Es war als wollte der Mörser unaufhörlich den Luxusgegenständen zurufen, daß er ste alle herbeigeschafft habe. Eine Mahnung, für welche das chinesische Por⸗ zellan und die Verzierungen eben so taub waren, wie Frau Taubermann und ihre vier Prin⸗ zeßchen, die nichts sehnlicher wünschten, als weit, weit von dem häßlichen Kolonialwaren⸗ laden entfernt zu sein. Aber wie wir bereits sagten, davon wollte Taubermann nichts wissen, und wie oft seine Frau auch bei allerlei Gelegenheiten und unter allerlei Vorwänden diesen Gegenstand berührte, er gab auch nicht das geringste Zeichen von Nachgiebigkeit, nur hatte er sich in sofern ge⸗ ändert, als er sich nicht mehr über diese ewigen Mahnungen ärgerte, sondern alles, was seine Frau sagle, unbeantwortet ließ und ruhig seinen alten Gang ging, eben so unbeirrt, wie der Mörser, der trotz des Zitterns und Klirrens seine eintönige Arbeit fortsetzte. Es war selbst⸗ berständlich, daß diese fortwährende Verschieden⸗ heit der Anstchten das Glück der Ehe nicht förderte. Beide Gatten entbehren jene höhere Geistesbildung, die uns im Leben so unendlich viel mehr erkennen läßt, als das Befolgen von Gewohnheiten, das Erfüllen von Pflichken und den Genuß von Zerstreuungen. Kirchenbesuch war ihre Religion. Ihr Kunstsinn fand das schön, was teuer, war; Lebensgenuß bestand darin, sich von anderen bewundern zu lassen. Als Pflicht betrachtete Taubermann fast aus⸗ schließlich die Sorge für sein Geschäft, und seine Gattin sah die Sorge für den Haushalt und die Dienstboten, besonders in materieller Be⸗ . für die ihrige an. Nur die Erziehung chrer Kinder leiteten sie gemeinschaftlich, aber in dieser Beziehung liefen ihre Ansichten so vollständig auseinander, daß gerade dies einzige, as eine Annäherung hätte bewirken können, se noch mehr von einander entfernte. Die An⸗ ad mit der Gouvernante warf neuen sfrandstoff in das Feuer. Frau Taubermann verlangte eine Schweizerin, ihr Gatte wider⸗ setzte sich ihr mit aller Macht, weil er keine Menschen haben wollte, die er nicht verstand, eine Schwierigkeit, welche auch wohl für die rau des Hauses galt, aber. ste weniger ewicht zu legen schten. Sein Wille hatte ge⸗ siegt. Malvine Werner war als Gouvernante angenommen worden und die Spannung, die schon seit einigen Tagen zwischen Mann und Frau bestanden hatte, endigte mit einem voll⸗ kommenen Friedensbruch, zu welchem die Scene, die wir so eben schilderten, die Einleitung bildete. Die Ruhe, die auf den Streit folgte, war der Anfang eines gegenseitigen Stillschweigens, welches eine Hausgenossenschaft schwerer drückt und traurigere Folgen hat, als ein wenn auch noch so heftiger Ausbruch, der doch immer eine Versöhnung zur Folge hat. Hätte Malvine Werner dies vermutet, so würde ste sicher von ihrer neuen Stellung noch weniger eingenommen gewesen sein, denn sie fühlte sich überdies schon nicht besonders glück⸗ lich damit, und als ste sich durch die lebhaftesten Straßen der Residenz nach jenem stilleren Teil verfügte, wo eigentlich die Geschäftswelt die Quelle ihres Bestehens findet, fühlte sie sich recht niedergedrückt. Wenn ein Fremder fragen würde, wo die Lebensadern der Restdenz zu suchen find, würde man nicht besser antworten können, als indem man ihn nach jenem Teile der Stadt führte, wo jene Labyrinthe von Ministerien und Staats⸗ gebäuden sich befinden, in welchem Jahr für Jahr und Tag für Tag ein Heerlager von Beamten das Danaidenfaß der Staatsange⸗ legenheiten füllt. Der einfache Bürger auf dem Lande, der ein oder zweimal in seinem Leben, etwas mit dem Staate zu verhandeln gehabt hat, bildet sich nicht wenig darauf ein. Aber wäre es ihm einmal vergönnt, einen Blick in alle diese Bureaux mit ihren vielen Aktenfächern zu werfen, so würde er bald bemerken, daß sein unbedeutendes persönliches Anliegen, so wichtig es für ihn selbst auch war, in diesem Chaos von Akten als ein Stäubchen auf der Wage erscheint. Wenn diejenigen, für welche das Auftreten als Zeuge ein Ereignis in ihrer Lebensgeschichte ist, oder welche mit Aufregung irgend welche Verfügung von Staatswegen er⸗ warten und die königliche Unterschrift wie ein Heiligtum betrachten— wenn ste wüßten, wie viele Zeugen täglich verhört, und wie viele Contrakte, Berichte und Austellungen fort⸗ während vorübereilen, sie würden ihreJIllustonen wohl verlieren! (Fortsetzung folgt.) Allerlei. Hautpflege. Die Haut ist das dritte der drei Reinigungs- organe des Körpers. Aber sie ist nicht nur Reinigungsorgan, sondern mehr noch als das. Sie hat viererlet Aufgaben: Wasserausscheidung, Schutz, Empfindungsvermittlung und Wärme⸗ regulierung. Es fragt sich nun: was können wir tun, um unsere Haut möglichst leistungsfähig für ihre vier Aufgaben zu erhalten? Unserer Haut gegenüber haben wir drei Hauptaufgaben: 1. für eine reichliche Blutzufuhr zu sorgen; 2. für eine geübte Hautgefäßmuskulatur zu sorgen; 3. für Reinlichkeit zu sorgen. Diesen Aufgaben genügen wir durch Arbeit, Luft und Wasser. Die Arbeit erhöht die Körperwärme, und die erhöhte Körperwärme treibt das Blut nach der Haut. Wir kennen alle das wohlige Gefühl, welches uns überströmt, wenn die Haut nach einem raschen Spaziergang oder einer längerer Tour oder einer anstrengenden Muskelarbeit sich mit Blut füllt. Die Blutfüllung unterhält die Schweißbildung und erleichtert also das Geschäft der Wasserausscheidung für die Haut. Die Luft, welche bald warm und bald kalt auf die Haut trifft, veranlaßt eine öftere Ver⸗ engung und Erweiterung der Blutgefäße und erhält dadurch die Gefäßmuskulatur in Uebung. Ebenso wirkt das Waschen bald mit warmem, bald mit kaltem Wasser, und das Abreiben nach dem Bad führt wieder eine Blutfüllung der Haut mit der bekannten ace Em⸗ pfindung des Warmüberströmtseins herhet. In anderen Worten, ein tägliches Abwaschen des Körpers, ein täglicher Spaziergang bei jedem Wetter nebst anderen Muskelübungen und offene Fenster bilden zusammen die beste Hautpflege. Dr. Adams⸗Lehmann, „Die Gesundheit im Haus“. Stuttgart. Splitter. Unerläßliche Forderung. „Es ist nicht ein bloßer frommer Wunsch für die Menschheit, sondern es ist unerläßliche Forderung ihres Rechts und ihrer Be⸗ stimmung, daß sie so leicht, so frei, so gebietend über die Natur, so echt menschlich auf der Erde lebe, als es die Natur nur immer ver⸗ stattet. Der Mensch soll arbeiten, aber nicht wie ein Lasttier, das unter seiner Bürde in den Schlaf sinkt und nach der notdürftigen Erholung der erschöpften Kraft zum Tragen derselben Bürde wieder aufgestört wird. Er soll angstlos, mit Lust und mit Freudig⸗ keit arbeiten und Zeit übrig behalten, seinen Geist und sein Auge zun Himmel zu erheben, zu dessen Anblick er gebildet ist. Er soll nicht gerade mit seinem Lasttter essen, sondern seine Speise soll von dessen Futter, seine Wohnung von dessen Stalle sich ebenso unterscheiden, wie sein Körperbau von jenes Körperbau unterschieden ist. Das ist sein Recht, darum, well er nun einmal Mensch ist. Humoristisches Zoologische Glossen. Der Hirsch ist das unentbehrlichste aller Geschöpfe, Womit sollten die Fürsten ihre Zut totschlagen wenn nicht mit Hirschjagden? Der Löwe ist der„König der Tiere“, aber seine „Zivilliste“ muß er sich alle Tage höchsteigenhändig verdienen. Was nützt der Gans der„große Schnabel“? Wenn sie gerupft werden soll, läßt man sie einfach schreien und rupft sie doch?(Südd. Postillon.) Eine gute Frau.„Daß Sie ihren Gatten die Kohlen aus dem Feuer holen lassen, ist aber nicht recht von Ihnen.“—„O, das tut er recht gerne. weil er dabet eine halbe Zigarre rauchen darf!“ Schwer geladen. Nachtwächter:„Aber Herr Staatsanwalt, was machen Sie da?— Staats⸗ anwalt: Ich— hup— halte schon seit einer Viertel stunde erfolglose Haus suchung abl“ Frommer Wunsch.„Fünfzig Mark hat's mich gekostet, daß ich den Großbauer einen Lumpen geheiß en l — So viel Geld möcht' ich haben, daß ich ihm jeden Tag sagen könnt', was ich mir von ih m denk'!“ Vassende Weihnachtsgeschensie findet jedermann in großer Auswahl und in allen Preislagen in dem uhren, Gold⸗ und Silberwarengeschäft . von D- Kaminka Marktplatz 11, am Kriegerdenkmal. Reparaturen— Gravierungen— Garantie. —Srtreng reelle und prompte Bedienung. Literarisches. „Die wahre Gestalt des Christentums“ von Yves Guyot und Sigismond Lacroix, übersetzt von August Bebel, ist soeben mit einem neuen Vorwort des Uebersetzers von der Buchhandlung Vorwärts wieder herausgegeben. Die Uebersetzung ist eine Gefängnisarbeit Bebels, die vor mehr als dreißig Jahren zum ersten Male erschienen ist. Der Zweck der Schrift ist, die Vorurteile und Irrtümer, die über das eigentliche Wesen und die wirklichen Prinzipien des Christentums bestehen, gründlich zu zerstören und es in seiner wahren Gestalt zu zeigen. Aber auch jetzt noch ist die Schrift zeitgemäß, Erscheint doch noch heut, wie Bebel im Vorwort zur neuen Auflage hervorhebt, den herrschenden Klassen neben den Kanonen der Könige die Kirche als die all ein noch ernsthaft in Betracht kommende Macht, welche die bürger⸗ liche Gesellschaft vor der sozialistischen Sintflut retten kaun. So verdient die Schrift auch in der Jetztzeit weiteste Verbreltung. Einzelne Ausführungen, welche dem Standpunkt der Sozialdemokratie nicht entsprechen, hat Bebel in seiner Broschsre; Glossen zu Yoes Guyot und Sigismond Lacroix„die wahre Gestalt des Christen⸗ tums“(Buchhandlung Burwärts 30 Pfg.) kritisch be⸗ handelt. Der Prels für dle Broschüre beträgt 50 Pfg.: sie ist in allen Parteibuchhandlungen erhältlich. —— ä 00—..—— 3 Seite 3. Mitteldeutsche SonntagsZeitung. Nr. 48. Ortskrankenkasse Gießen. Gemäß§ 50 des Statuts hat die Wahl der Vertreter zur General⸗Versammlung alle 3 Jahre Schuhwaren⸗ E 8 5 stattzufinden und muß sonach, da die letzte Wahl am 10. und 11. Dezember 1902 stattgefunden hat, dieses Jahr Neuwahl eintreten. Grosser Von Seiten der Kassenmitglieder sind 104 und von Seiten der Arbeit⸗ a A f geber 49 Vertreter zu wählen. Zu diesem Zwecke haben wir für die Kassen mitglieder Wahltermine auf: E 8 8 8 US Ver K All a Dienstag, den 5. Dezember d. Js. von mittags 12 Ahr bis abends 8 Ahr im Postkeller und für die Arbeitgeber auf: Dienstag, den 5. Dezember d. Js. von ebendaselbst 2 bis 6 Ahr anberaumt und laden wir die Interessenten zu diesem Wahlakt freundlichst ein. Wählbar, sowie wählen können von den Kassenmitgliedern solche, die das 21. Lebens⸗ jahr überschritten haben und im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte find. Von den Arbeitgebeun sind wählbar und können wählen solche, die aus eigenen Mitteln Beiträge entrichten; ebenfalls deren Vertreter. Der Vorstand. S οοα, οοοοο ο οο Für Arbeiter und Landleute empfehle mein reichhaltiges Schuhwaren-Lager; in gediegenen, soliden Oualitäten zu billigsten Preisen, Arbeiterschuhe und-Stiefel Sowie sämtliche Winterschuhwaren in jeder Preislage und reicher Auswahl. 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