enost gesetz. land- den alls⸗ Sach⸗ r ein liden⸗ g des 'orto. d ge⸗ arken esse Nee .—— Nr. 4. Gießen, den 22. Januar 1905. 12. Jahrgang. Nedaktion: Hirchenplatz 11. Schloßgasse. Sonnt Mitteldeutsche Medbaktionsschluk⸗ Donnerstag Nachmittag* Uhr. Ags⸗Zeitung. Abonunementspreis: Bestellungen 1 Juserate Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt. Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch Druckerei, Ludwigstr. die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 5107) 33½% Bei mindestens 30, jede Postanstalt und 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Der Bergarbeiterkampf im Nuhrrevier. Der Generalstreik im Ruhrrevier ist erklärt! Diese Meldung trug der Tele⸗ graph am Montag in alle Welt. Die Würfel find gefallen, nachdem die im bergbaulichen Verein Rheinlands und Westfalens organi⸗ sierten Kohlenbarone ihre schroff ablehnen de Antwort auf die überaus bescheidenen Forde⸗ rungen der Arbeiter gegeben hatten. Man konnte, ja mußte diese Antwort voraussehen, denn es ließ sich denken, daß die Gruben⸗ milltonäre keinesfalls zu irgendwelchen Zuge⸗ ständnissen bereit sein würden, nachdem sie seit langer Zeit auf den Streik hinarbeiteten. Sie oollten ihn ja, um dadurch eine ungeheuere Preissteigerung der Kohlen herbeizuführen und sich Riesensummen zu„verdienen“. Ergaunern wäre wohl ein richtigerer Ausdruck für diese Ausbeuterpolitik des Kohlensyndikats, dessen Manipulationen hundertfach gemeingefährlicher find, als das Spiel des geriebensten Börsen⸗ räubers. Der Ausstand war noch nicht pro⸗ klamiert, als schon die Kohlenpreise rapid in die Höhe gingen; es wurden Nachrichten über Kohlenmangel in die Welt gesetzt, wo noch ungeheure Vorräte vorhanden sein mußten! Während für jeden Einsichtigen feststeht, daß die Kohlenbarone den Kampf provoziert haben, stellt ihn die Scharfmacherpresse als Werk „sozialdemokratischer Hetzer“ hin und auch im preußischen Dreiklassenhause hatte der National⸗ liberale— die Sorte ist zu allem fähig— die Stirn, eine gleiche Behauptung aufzustellen. Dabei gaben sich die Führer der Bergleute fast übermenschliche Mühe, den Ausstand zu ver⸗ hüten, nachdem ihnen das nicht gelungen ist, versteht es sich doch von selbst, daß ste nicht feige davonlaufen, sondern in treuer Pflicht⸗ erfüllung auf den ihnen anvertrauten Posten ausharren. Natürlich halten die Zechenkapitalisten diese Gelegenheit für günstig, der verhaßten Organi⸗ sation der Bergarbeiter einen tödlichen Schlag zu versetzen. Ihre Presse verbreitet Schreckens⸗ nachrichten über angebliche Ausschreitungen und schreit nach Gendarmen und Militär, mit Flinte und Säbel solleu die armen Lohnsklaven zu Paaren getrieben werden. Doch die Führer der Organisationen wenden sich in eindringlichen Aufrufen an die Arbeiter, Disziplin zu halten, unter keinen Umständen die Ruhe zu stören und den Alkohol zu meiden. So wird es ihnen hoffentlich gelingen, die Sehnsucht der Kohlen⸗ barone nach Putschen und Arbeiterschlachten mit nachfolgenden Ksebelgesetzen zu nichte zu machen. 3 Und was tut der Staat, dessen Aufgabe es wäre über das Gemeinwohl zu wachen? Wenn er das im Auge behielte, so müßte er die Bergwerke sofort in Besitz der Allge⸗ meinheit überführen. Gehören die Schätze der Erde nur einer Handvoll reicher Leute oder nicht vielmehr a lchen Menschen? Das zu tun hüteten sich aber die Leiter des„Staates“, die bekanntlich nichts weiter sind, als der Verwal⸗ tungsausschuß der besitzenden Klassen. Sie zeigen sich im Gegenteil bereit, bei der geringsten Veranlassung mit der bewaffneten Macht für das Inreresse der Geldsäcke einzugreifen. Was forderten die armen Einige der Hauprforderungen sind: A ch r- stündige Schichtzeit, einschließlich Ein⸗ und Ausfahrt, und zwar fürs laufende Jahr wie bisher, jedoch nicht über 9 Stunden, von 1906 ab 8½ und von 1907 ab 8 Stunden. Sonntags- und Ueberschichten sind nur zur Rettung von Menschenleben und bei außer⸗ ordentlichen Betriebsstörungen zulässig. Das Wagennullen(diese unerhörte Prellerei der Arbeiter) wird sofort beseitigt. Ferner wird die Errichtung eines Arbeiteraus⸗ schusses, Einführung von Wagen⸗ und Grubenkontrolleuren, Reform des Knappsch aftswesens, vierteljährliche Kün⸗ digungszeit in den Zechenwohnungen, Regulie⸗ rung der Löhne, die trotz ungeheuerer Gewinne der Gesellschaften in den letzten Jahren sinkende Tendenz zeigen und schließlich Anerkennung der Arbeiterorganisationen. Der bergbauliche Verein, die Ver⸗ tretung der Grubenkapitalisten, antwortete auf diese bescheidenen Forderungen mit glatter A b⸗ lehnung, er weigert sich sogar, mit den Arbeiterorganisationen überhaupt in Ver⸗ handlung zu treten! In dem Antwortschreiben heißt es unter anderem:„Unsern Mitgliedern werden wir niemals empfehlen können, auf diejenigen grundsätzlichen Aenderungen des Arbeitsvertrags einzugehen, welche in Ihrer Zuschrift aufgezählt find. Ihre Annahme würde der Ruin des rheinisch⸗westfäli⸗ schen Bergbaues und der für denselben so unerläßlicher Disziplin sein.“ Natürlich,„Ruin des Bergbaues“, wenn die Arbeiter anständige Behandlung und Löhne, daß sie leben können, fordern! Mißstände bestehen nicht nach Ansicht der Grubenherren! Nun ist ein sozialer Kampf ausgebrochen, wie ihn die Welt noch kaum gesehen hat. Bis Mittwoch Abend wurden 207000 Streikende gezählt! Wie der Kampf ausgeht, ist nicht vorauszusehen, wie der Ausgang aber immer sein mag, sicher ist, daß er vielen tausenden Arbeitern die Augen öffnen und sie zum Klassenbewußtsein bringen wird. Wie in voriger Nummer bereits hervorgehoben wurde, sind die Bergarbeiter Organisationen: Berg⸗ arbeiterverband(freie Gewerkschaften), Christ⸗ licher Gewerkverein und Hirsch-Dunkerscher Gewerkverein, vollkommen einig und gehen ge⸗ meinsam in den Kampf. Und wenn die Eini⸗ gung der sich bisher befehdenden Verbände eine dauernde wird, so ist viel gewonnen und dem Uebermute der Grubenbarone die richtige Ant⸗ wort gegeben. Die Arbeiterschaft Deutschlands steht hinter den Bergarbeitern und kämpft ihren Kampf mit. Und wenn sie mit ihnen auch unterliegen sollte, wie aus allen Kämpfen, welche die Ar⸗ beiterklasse bisher geführt hat, mochten sie nun mit ihrem Siege oder ibrer Niederlage endigen, so wird auch aus diesem der proletarische Be⸗ freiungsgedanke gestärkt hervorgehen. Die Arbeiterschaft der Welt, allen voran die Arbeiterschaft Deutschlands wird aufs Neue jenen Geist der Solidarität, der brüderlich⸗ aufopfernden Hilfsbereitschaft beweisen, der selbst ihre Feinde zu atemloser Bewunderung zwingt, und der ollein die Gewähr ihres künftigen endgiltigen Sieges ist. Der Kampf hat begonnen, er muß durch⸗ Bergstlaven? efochten werden, und wir alle kämpfeng ihn mit! Was immer das Ende sei— es ist keine Zeit danach zu fragen— so liegt es in der Hand der Arbeiter, den Massenstreik im Ruhrrevier zu einem der ruhmvollsten Kapitel ihrer Geschichte zu gestalten. * Der sozialdemokratische Parteivorstand erließ einen Aufruf, aus dem wir folgende Sätze wiedergeben: Arbeiter, Parteigenossen! Der allgemeine Streik der Bergarbeiter des Ruhrreviers ist proklamiert. Die Vertretung der Unternehmer, der Verein für die bergbau⸗ lichen Interessen, hat auf das höfliche Ersuchen der Vertreter der Bergarbeiter schroff und höhnisch ablehnend geantwortet. Die Gruben- herren wollen überhaupt nicht mit den beauftragten Vertretern der Arbeiter verhandeln. Weil ein Teil der Bergleute, des unerträglichen Drucks müde, in Verzweiflung die Hacke hin⸗ geworfen haben, deshalb, so höhnen jetzt die Unternehmer, sei keine Garantie für die„Zurück- führung der Arbeiter auf den gesetzlichen Weg“ vorhanden. Auf diese hohnvolle Zurückweisung verkün⸗ deten die Arbeiterdelegierten, gemäß dem von den Vertretern aller Organisationen gefaßten Essener Beschluß, den allgemeinen Streik! Damit beginnt ein Kampf, wie ihn Deutsch⸗ lands Arbeiterschaft noch nicht auszukämpfen hatte. Hunderttausende Bergarbeiter sind auf⸗ gestanden, um dem mächtigsten Unternehmertum, den vereinigten Grubenmillionären, die Aner⸗ kennung ihres Menschenrechts abzuringen. Nur ein wenig Licht und Luft, nur eine geringfügige Aufbesserung des armseligen Lohnes, nur die Beseitigung der dreisten Betrügerei des Wagennullens, nur Garantie für die Sicherheit ihres Lebens und Anerkennung des Menschen im Arbeiter, das sind die Forderungen der Bergleute. Die Unternehmer aber erklären voll Hohn, es bestehen überhaupt keine Mißstände! Sie wollten den Kampf! Sie haben ihn! Die Sache der Bergarbeiter ist die Sache aller Arbeiter. Die Bergarbeiter haben den Kampf aufgenommen im Bemwußtsein ihres guten Rechts und der Erwartung, daß die ganze deutsche Arbeiterschaft hinter ihnen steht. Und sie steht hinter ihnen! Die deutschen Ar⸗ beiter dürfen nicht tatlos zusehen, wie ihre Brüder im Ruhrrevier um ihr gutes Recht, ein wenig mehr Anteil an den Gütern, kämpfen, die sie unter steter Einsetzung ihres Lebens schaffen.— Wir fordern deshalb die Arbeiter auf, un⸗ verzüglich Sammlungen einzulekten und alles daran zu setzen, um die Käm pfenden so reichlich als möglich zu unterstützen. Gewaltige Summen werden notwendig sein, soll in der nächsten Zeit der Hunger aus dem Hause des Ruhrbergmanns ferngehalten werden. Auf daß nicht der Jammer über den Hunger der Kinder die Väter knirschend zwingt, die Hand der harten Herren zu küssen und demütig um Brot zu betteln: Gebt, was Ihr könnt! Wir appellieren aa die Opfer willigkeit der klassenbewußten Arbeiter, die sich so oft glänzend bewährt hat, wir appellieren an alle, die nicht wollen, daß der Schaffer aller Werte, der Bergmann, der die Kohle schürft, diese Grun ⸗ lage der deutschen Industrie, daß diese Hundert⸗ 91 1 0 1 0 e ae e d ee e 5 8 3 3 „ . 8 CFF eee —— ———ůriQ²TôG— —— Seite 2. 8 Mitte ldeutsche Sountags⸗Keitung. tausende in Hunger und Schmutz verkommen, indes die Herren des Bergbaus dem Arbeiter ebenso wie allen Konsumenten willkürlich ihre Bedingungen diktieren und Gold zum Golde, Millionen zu Milliarden häufen. 5 Sammelt, gebt, unterstützt die streikenden Bergleute, die nicht nur ums tägliche Brot, sondern die in einem Kulturkampf für die Menschenrechte aller Arbeiter kämpfen. Parteigenossen, unverzüglich ans Werk! A. Gerisch, Berlin SW. 68, Lindenstraße 69, Aus dem Reichstag. Am Donnerstag, bei der Weiterberatung des Reichs justizetats, stand der Fall Ruhstrat im Mittelpunkt des Interesses. Neben diesem fanden noch verschiedene andere Seiten der Klassenjustiz gebührende Beleuchtung. Zunächst sprachen nacheinander zwei Redner der Frei⸗ finnigen. Der erste, Abg. Ablaß nahm die Schwur gerichte gegen verschiedene, in letzter Zeit von Berufsrichtern erhobene Angriffe in Schutz. Allerdings, über den Klassencharakter, der auch den Schwurgerichten innewohnt, äußerte er sich nicht. Unser Genosse Stadthagen förderte in einer längeren Rede ein riesiges Material für den Klassencharakter unsrer Justiz zutage. Das verflossene Jahr hat wieder eine Reihe höchst bemerkenswerter Erscheinungen auf diesem Gebiete aufzuweisen. Die milde Bestrafung, wie sie Ausschreitungen der Angehörigen der herrschenden Klassen zuteil wird, hebt sich grell ab von der drakonischen Härte der Strafurteile in den Prozessen gegen die ringende Arbeiter⸗ schaft. Mit kleinen Geldsummen werden grobe Mißhandlungen wehrloser Knaben und Mädchen durch brutale Arbeitgeber geahndet, während Gefängnisstrafen von unheimlicher Länge auf Arbeiter herabregnen, denen im Lohnkampf vielleicht ein unbedachtes Wort entschlüpft ist. Der Krebsschaden, an dem unsre Justiz leidet, ist die drückende Uebermacht der Staatsanwalt⸗ schaft. Die Monstreprozesse des verflossenen Jahres, der Königsberger utcht nur, sondern auch die Saarbrücker und Oldenburger Prozesse haben wunde Stellen unsrer Rechtspflege vor den Augen der Welt enthüllt. Ausführlich ging Stadthagen auf alle die Vorgänge ein, die sich an den Namen Ruhstrat knüpfen. Auch hier die für unsre deutsche Justiz so sehr be⸗ zeichnende Erscheinung: uabeträchtliche Geld⸗ strafen für einen Minister, der einer wehrlosen Frau gegenüber einen gefangenen Redakteur einen Lumpen schilt, und Jahre Gefängnis für oppositionelle Redakteure! Der„Fall Ruhstrat“ beherrschte auch den Rest der Sitzung. Zwar Herr Nieberding, der in untergeordneten Fragen mehrere Male das Wort ergriff, schwieg sich aus; aber ein Oldenburger Geheimrat, ein Herr Buchholtz, fühlte sich verpflichtet, Herrn Ruhstrat zu ver⸗ teidigen. Daß gefangene Redakteure mit elf⸗ stündiger Zwangsarbeit und knapper Kost heim⸗ gesucht werden, sieht dieser Herr als ein not⸗ wendiges Stück unserer göttlichen Weltordnung an, wobei er sich in voller Uebereinstimmung mit dem Oldenburger Richter Burlage, dem Vertreter der„christlichen“ Zentrumspartei, befindet. Die Kapuzinade des letztgenannten Herrn entfesselte w hre Stürme von Heiterkeit auf der linken Seite. Am Freitag wurde die Beratung des Justizetats fortgesetzt, die Debatte hob sich jedoch nicht auf die Höhe großer Prinzipien. Nach einem belanglosen Wortwechsel zwischen dem langweiligen Konservativen Himburg und dem Staatssekretär Nieberding über die Frage der Kosten bei Privatklagen erhob sich der in der letzten Zeit nach langem Schweigen plötzlich wieder sehr redelustig gewordene Herr Len z⸗ mann. Der westfälische Advokat war einst⸗ mals ein wütender Demokrat, der am Grabe eines Parteifreundes schwor, der Fahne der Volksfreiheit zu folgen und wenn es durch Ströme von Blut ginge: inzwischen ist er ziemlich zahm geworden, weun er auch bisweilen recht gute Stunden hat. Er behandelte die Fälle Hüssener und Pückler nicht ohne Humor, schwächte aber den Eindruck seiner Rede durch eine vom Zaune gebrochene Polemik mit der Sozialdemokratie ab; in der Beurteilung des Oldenburger Falles suchte er eine Art mittlere Linie innezuhalten.— Die Antwort Nieberdings war so schwach wie möglich; den lieblichen Jüngling Hüssener schob er dem Kriegsminister be Die letzte, aber auch die radikalste Rede es Tages hielt Herr v. Gerlach. Als ein⸗ ziger bürgerlicher Redner beleuchtete er den Klassencharakter der Schwurgerichte; auch den Oldenburger Fall beurteilte er weit schärfer als Abg. Lenzmann; als er in einer beiläufigen Aeußerung den„Simplicissimus“ lobend er⸗ wähnte, brach die Junkerschaft auf der Rechten und die Pfaffenschaft der Mitte in jenes von den Tarifkämpfen her bekannte Geheul aus, ohne den Redner aus der Fassung bringen zu können. Die soztaldemokratische Interpel⸗ lation wegen des Streiks im Ruhr⸗ kohlenrevier sollte am Samstag zur Verhandlung kommen. Das geschah aber nicht. Auf die Frage des Präsidenten, ob und wann der Reichskanzler die Interpellation beantworten werde, erklärte Staatssekretär Posadowsky, der Kanzler sei zur Beant⸗ wortung der Interp[lation bereit, soweit es sich um die Anwendung von Reichsgesetzen handle, und habe den Handelsminister Möller mit dieser Aufgabe betraut. Dieser set aber für die Samstagssitzung unabkömmlich, weil er— im preußischen Abgeord⸗ netenhause beschäftigt sei. Natürlich, das Dreiklassenhaus geht vor! Die Interpel⸗ lation wurde demgemäß verschoben, bis der „lange Möller“ Zeit und die Regierung ihre Befehle von den rheinischen Industriellen er⸗ halten haben wird.— Das Haus fuhr dann fort, sich mit dem Reichs justizetat zu be⸗ schäftigen. Man war immer noch beim Titel Staatssekretär und erledigte ihn auch in dieser Sitzung noch nicht. Wieder nahm der„Fall Ruhstrat“ einen breiten Raum in den Ver⸗ handlungen ein. Genosse Stadthagen, der auch den Pückler⸗Humbug gebührend geißelte, ließ dem„Niedersachsen“ Burlage eine gründ⸗ liche Abfuhr zuteil werden, jenem oldenburgischen Zentrumsabgeordneten, der zur Verteidigung des Justizministers Ruhstrat sich bewogen ge⸗ fühlt hatte. Am Montag wurde die zweite Lesung des Reichsjusttzetats beendet. Die Debatte drehte sich hauptsächlich um das Hüssenerbild, den Antisemiten⸗Propheten Pückler und den Gotteslästerungs⸗Paragraph. Unsere Genossen Stadthagen, Ledebour und Kunert gerieten mit dem Freisinnigen Lenzmann hart aneinander. Dieser brachte es fertig, be⸗ züglich des Hüssenerbildes der Sozialdemokratie Fälschung oder zum mindesten Leichtgläubigkeit vorzuwerfen. Er behauptete die Weglassung der vierten Person, die noch auf der Original⸗ photographie sich befinde, sei auf Verlangen des Einsenders geschehen, der mit dieser vierten Person identisch sei— was nicht der Fall ist; und die Weinflaschen auf dem Bilde hätten auf der Originalphotographie gefehlt— was gleichfalls nicht stimmt. An sich unbedeutende Kleinigkeiten: aber Herr Leuzmann hatte es fertiggebracht, an die angeblichen Fälschungen eine bom Zaune gebrochene Philippika gegen die Sozialdemokratie anzuknüpfen und ihr Uebertreibung und der Himmel weiß was sonst noch vorzuwerfen. Und dann ergab sich, daß Herr Lenzmann, der sich selbst als sorgfältigen Prüfer hingestellt hatte, in der leichtfertig⸗ sten Weise nicht zutreffende Dinge behauptet hatte! Lenzmann wußte sich nicht recht heraus⸗ zureden. Er kam außerdem in einen recht an⸗ mutigen Wortwechsel mit den Antisemiten Bruhn und Werner, die ihn durchaus zum Judenfeind stempeln wollten. Staatsbürger Bruhn, ein ausgeprägter Typus der Ge⸗ schäftsantisemiten, legte übrigens das interessante Geständnis ab, daß er sich von Pückler ab⸗ gewandt habe, als der Dreschgraf anfing nach oben anzüglich werden. Man kennt ja den widerlichen Byzantismus der antisemitischen Phrasenhelden.— Zum Schluß wurde eine Resolution von Müller⸗Meiningen über das Fremdenrecht und eine solche Erzberger betr. Statistik der Gefangenenarbeit angenommen. Dienstag setzte das Haus des Etats des Reichsschatzamtes fort und be⸗ endete sie. Zu bemerkenswerten Debatten kam es dabei nicht, auch nicht am Mittwoch, wo der Etat des Reicheisenbahnamts be⸗ raten wurde. = Politische Rundschau. Gießen, den 19. Januar 1905. Das Dessauer Zuchthaus⸗Urteil ist am Samstag von dem Oberkriegsgericht in Magdeburg aufgehoben worden. Die beiden Angeklagten Günther und Vogt wurden wegen tätlichen Angriffs eines Vorgesetzten zu je eineinhalb Jahren Gefängnis ver⸗ urteilt. Beiden wurden je dret Monate auf die Untersuchungshaft angerechnet. Der mit⸗ angeklagte Unteroffizier Heine wird zusätzlich zu den bereits erhaltenen drei Monaten Ge⸗ fängnis wegen widerrechtlichen Gebrauchs der Waffe mit Degradation bestraft.— Das Gericht nahm den Tatbestand des„Aufruhrs“ nicht als erwiesen an, weil eine Verabredung nicht stattgefunden habe. Immerhin ist auch die jetz, verhängte Strafe vlel zu hoch, da sich die Soldaten in Notwehr befanden. Aus der Ferienkolonie. Anbetung des Unteroffizters. Nicht bloß als Stellvertreter Gottes dünkte sich der Unteroffizier Rehbock vom 106. säch⸗ sischen Infanterieregiment in Leipzig, sondern als Herrgott selbst, denn er ließ eines Tages im Spätjahr die Rekruten, nachdem er sie ordentlich gezwiebelt hatte, im Kreise um sich herum niederknieen, wobei ste ihn mit gefal⸗ teten Händen an beten mußten. Auf den Rekruten Naumann II. hatte er es besonders abgesehen, diesen traktierte er mit dem Gewehr⸗ kolben, Faustschlägen und Fußtritten so, daß er mehrere Tage dienstunfähig war. Aber auch andere Rekruten seiner Korporalschaft wurden unter kaum wiederzugebenden Redensarten und Handgreiflichkeiten zu Vaterlandsverteidigern erzogen, die eine besondere Ehre darein zu setzen hätten, daß sie des Königs Rock tragen durften. Das Leipziger Kriegsgericht verurteilte den eingebildeten Heiligen zu fünf Monaten Gefängnis und Degradation. Gegen das Urteil legte Rehbock hauptsächlich der Degradation wegen Berufung ein, aber das Oberkriegsgericht verwarf diese nicht nur, sondern attestierte ihm noch ausdrücklich, daß er ein tatsächlicher Leuteschinder mit niederer Ge⸗ sinnung sei. Scheußlich maltraitiert hat auch der Unteroffizier Jul. Krause vom Feldartillerie⸗ Regiment in Pirna den Rekruten Hübner. Dieser Schinder, der sich wegen seiner Untaten vor dem Kriegsgericht in Dresden zu ver⸗ antworten hatte, schimpfte und schlug den Soldaten sehr oft, stieß ihn mehrere Male mit der Fußspitze gegen das Schienbein und rieb ihm die angeblich nicht ordentlich geputzte Trense unter die Nase. Weil sich Hübner keine Hufschmiere besorgt hatte, mußte dieser auf Befehl seines Berittführers drei bis vier Minuten lang Kniebeugen und Arme vorwärts⸗ strecken, sodaß er völlig erschöpft war und am ganzen Körper zitterte. Dabei bemerkte der Angeklagte:„Ich strieze Sie so lange, bis Sie Hund verrecken!“ offtzier verteidigte seine Roheiten damit, daß er erklärte, die Autorität der Unteroffiziere würde vom Hauptmann gegenüber den Mannschaften nicht gewahrt, sodaß sie sich selbst helfen müßten. Diese Vorwürfe wurden vom Batteriechef aber energisch zurückgewiesen. Krause fand milde Richter; er kam mit 18 Tagen mittleren Arrest davon. Das Gericht hatte das Knie⸗ beugen nicht als Mißhandlung, sondern als unbefugte Anmaßung einer Befehlsgewalt an⸗ gesehen! Bezeichnend war eine Bemerkung des Verteidigers, wonach der Hauptmann erklärt te Beratung Der Unter⸗ Nr. 4. Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung. Seite 3. haben solle, er wolle alles tun, daß der Ange⸗ klagte auch ferner die Tressen tragen dürfe und seiner militärischen Karriere nicht verlustig gehe. Mit einer noch gelinderen Strafe kam der Unteroffizier Matern vom Feld⸗ artillerie⸗Regiment Nr. 48, der ebenfalls vom Dresdener Kriegsgericht abgeurteilt wurde, da⸗ von. Er hatte den Rekruten Müller geschlagen, daß er blutete und ihn angeschrieen:„Wenn ich Sie nur vergiften könnte, es wäre mir eine große Freude, da brauchte man wentg⸗ stens wieder mal einen Tag nichts zu machen!“ Dieser menschenfreundliche Marsjünger bekam ganze sieben Tage gelinden Arrest! Anders dagegen fiel der Kanonier Weber, auch Feldartillerist, vor demselben Gericht hinein. Er hatte das ungeheuerliche Verbrechen begangen, auf das Kommando „Augen links“ nur ein klein wenig nach links gesehen zu haben, weil er, wie er angab, wegen eines Pflasters am Halse den Kopf nicht ordent⸗ lich drehen konnte. Trotzdem hielt das Gericht „bewußten Ungehorsam“ für vorliegend und verurteilte den Mann zu sechs Wochen 1 Tag Gefängnis! So sieht die militä⸗ rische Gerechtigkeit aus! Ersatzwahl in Calbe ⸗Aschersleben. Nach amtlicher Feststellung wurden bei der Wahl am vorigen Donnerstag insgesamt 39409 gültige Stimmen abgegeben. Davon erhielten: Albrecht, Sozialdemokrat 19013, Placke, natl. 11784, Rahar d, Mittelstandspartei 8147, Fleischer(Zentr.) 454. Es muß somit Stich⸗ wahl zwischen unserm Genossen Albrecht und dem Nationalliberalen Placke stattfinden, die auf den 24. Januar anberaumt ist. Gegen die Wahl vou 1903 sind unsere Stimmen um 1248 zurückgegangen, während die bürgerlichen Stimmen zusammengenommen eine Steigerung um etwa 1000 aufweisen, was man als eine Folge des Auftretens des Mittelständlers an⸗ sehen kann. Der Wahlkreis befand sich von 1893 bis 1898 in nationalliberalem Besitz; 1898 eroberte ihn unsere Partei in der Stich—⸗ wahl, bei der letzten Wahl siegte sie im ersten Wahlgange. Von unserer Seite werden bei der Stichwahl alle Anstrengungen gemacht werden müssen, um den Kreis zu behaupten. Die Marburger„Hess. Landesztg.“ meint zu dem Wahlausfall, wenn uns der Kreis ver— loren gehen sollte, so wäre das„ein Symptom der Wirkungen von Dresden und dem, was auf Dresden folgte.“ Nun, wir haben nach dem Dresdener Parteitage auch recht ansehnliche Erfolge errungen, wahlen, zuletzt erst wieder in Württemberg. Als was für„Symptome“ sind denn diese anzusehen? Professor Ernst Abbé, der Begründer der Karl Zeiß⸗Stiftung, ist in Jena in der Nacht vom Freitag auf Samstag im Alter von 62 Jahren gestorben. Was den Namen Ernst Abbés am meisten in die Oeffentlichkeit trug, ist die Ueberführung seines Privatbesitzes von Milltonenwert in eine un⸗ persönliche Stiftung. Er hat, wo immer man es hören wollte, den Wert der Organisation der Arbeiter weit über alles gestellt, was die Unternehmer bei dem heutigen Stande der Dinge freiwillig den Arbeitern einräumen können, und auch für die Erhaltung seiner eigenen sozialen Schöpfung sah er die sicherste Stütze und Gewähr in einer geschlossenen, sich ihrer Aufgaben und Rechte bewußten Organisation der Arbeiter. Er war der Ansicht, daß große Leistungen der Arbeit nur dort entsprießen können, wo die Liebe und das Interesse an der Arbeit mit der Pflicht zusammenfallen. Diese Erkenntnis war auch der Hauptgrund für seine soziale Schöpfung, die Karl Zeiß⸗Stiftung, mit all ihren Angliederungen, wie Lesehalle, Universitätsunterstützung, Volkshaus, Volks- unterhaltungabende usw. Wird diese Schöpfung vielfach und sehr gegen Willen und Absicht ihres Schöpfers überschätzt, so bewertet die breite Oeffentlichkeit viel zu gering seine Ver⸗ dienste um die Wissenschaft. Hier, und besonders auf seinem Spezialgebiete, der Optik, war er besonders bei Gemeinde- bahnbrechend; ihm verdanken wir u. a. die Theorie des Mikroskops, die Grundlage der modernen mikroskopischen Technik, ohne die die revolutlontierenden Entdeckungen der meisten Krankheitserreger einfach undenkbar sind. Hier ist er direkt zu einem Wohltäter der Menschheit geworden.— Bei seiner Beerdigung, die unter riesiger Beteiligung stattfand, legte auch der Metallarbester⸗Verband eine prachtvolle Blumenspende nieder. Das internationale sozialdemokratische Bureau hielt am Sonntag in Brüssel eine Sitzung ab, in welcher Vaillant(Frankreich) mitteilte, daß die Einigung der französtschen Sozial⸗ demokratie als Tatsache betrachtet werden könne. Er gab die von den größeren Fraktionen getroffe⸗ nen Vereinbarungen bekannt. Diese Mitteilungen wurden von den Delegierten mit Genugtuung aufgenommen. Nachdem man das Andenken Luise Michels geehrt, wird nach lebhafter Debatte eine Kommisston eingesetzt, mit der Aufgabe, die Stimmenzahl festzulegen, die auf den inter⸗ nationalen Kongressen den soztaldemokratischen Gruppen eingeräumt werden soll. Eine weitere Resolution protestiert gegen die Verfolgung der japanischen Sozialisten durch die japanische Regierung.— Bebel hielt abends im Volks- haus eine Rede, wobet er auf den Streik im Ruhrgebiet hinwies und die belgtschen Berg⸗ arbeiter aufforderte, den deutschen Brüdern Solidarität zu beweisen. Die Wahlen in Ungarn finden vom 26. Januar bis 4. Februar statt. Die sozialdemokratische Partei hat dazu in 112 Kreisen Kandidaten aufgestellt und geht mit Zuversicht in den Wahlkampf. Das Zentralorgan der Partei erläßt einen Aufruf, in dem es u. a. heißt: „Das Volk Ungarns hat keine Verfassung, nur die Privilegierten des Landes, die besitzende Klasse herrscht, und deshalb ist das Losungswort der Opposition, mit der sie den Schutz der Ver⸗ fassung des Landes verkündet, eine lügnerische, denn fie tut nichts für die Verfassung, sie ver⸗ teldigt nur Vorrechte.“ In dem Aufruf wird ferner der Nachweis geführt, daß die einzige Rettung aus dem gegenwärtigen Chaos nur das allgemeine gleiche Wahlrecht sein könne.— Bei dem dort herrschenden er— bärmlichen Wahlrecht sind die Arbeiter fast ganz von der Wahl ausgeschlossen, die Aus⸗ sichten der sozialdemokratischen Partei sind daher äußerst geringe und ihr Eintritt in die Wahlbewegung hat vorwiegend nur einen agi— tatorischen Wert. Nücktritt des französischen Ministeriums. Am Mittwoch hat das Ministerium Combes dem Präsidenten der Republik seinen Rücktritt agree Er erhielt zwar bei der Abstimmung über die Vertrauensfrage die Mehrheit, doch war diese Mehrheit dem Ministerpräsidenten zu gering. Als Nachfolger Combes kommen Brisson, Rouvier und Sarrien in Frage. Zur Sszialdemokratie übergetreten ist eine der vornehmsten und reichsten Frauen Englands Lady War wick, die dem ältesten Hochadel des Landes entstammt. Sie trat der sozialdemokratischen Federation bei und agitiert nun überall, was ihre Anverwandten in nicht geringe Aufregung versetzt. Russisch⸗japanischer Krieg. — Für die Kapitulation Port Arthurs soll, wie jetzt berichtet wird, für die Verteidiger noch keine zwingende Notwendig— keit vorgelegen haben. Vom allgemein mensch⸗ lichen Standpunkte betrachtet, war es unseres Erachtens ganz recht, daß General Stössel die Festung übergab und damit den fürchter— lichen Menschenschlächtereien ein Ziel setzte, wenigstens an diesem Punkte des Krlegsschau⸗ platzes. Anders erscheint die Sache vom mili⸗ tärtschen Standpunkte aus beurteilt. Es mehren sich die Stimmen, die sich sehr scharf über das Verhalten General Stössels auslassen. Man schreibt das Verdienst des erfolgreichen Wider⸗ stands Port Arthurs offen fast ausschließlich dem gefallenen General Kondratenka zu und verurteilt es sehr, daß Stössel in die Heimat zurückkehrt. Fest steht, daß Stössel über die Zahl der noch in Por: Arthur befind⸗ lichen russischen Truppen unrichtige Angaben machte. Durch Nogis detaillierte Liste des in seine Hände gelangten Kriegsmaterkals ist auch die Annahme widerlegt, daß Stössel aus Munitionsmangel kapitulieren mußte. Er hatte noch 82 670 Granaten, 30000 Kilogramm Pulver und 2266000 Patronen. Von den Japanern wurden 878 Offiziere und 23 500 Soldaten und Matrosen gefangen genommen, während 441 Offiziere und 1100 Marinearbeiter ihr Ehrenwort abgaben, nicht mehr gegen Japan zu kämpfen. 14000 Kranke und Verwundete bleiben in den Hospitälern. Mangel litt Port Arthur nicht, denn Nahrung war noch für zwei Monate ausreichend vorhanden. Die Uebergabe ist unerklärlich. Soziales, Gewerkschaftliches, Arbeiterbewegung Christliche Unternehmer und christ⸗ liche Gewerkschaften. In der Kruzifix⸗ und Geberbücher⸗Fabrik Fritz Iding in Kevelaer waren Differenzen ausgebrochen, die zu einem Streik führten. Durch Vermittlung der Geist⸗ lichkeit und des Bürgermeisters wurde derselbe schnell beendigt. Man bedenke auch den Skandal: in dem frommen Wallfahrtsort und sogar in einer Kruzifix⸗Fabrik ein Streik! Der Firmen⸗ inhaber versprach schriftlich, seinen Arbeitern das Organssationsrecht nicht mehr streitig machen zu wollen; auch sollte„versuchsweise“ die 10½ stündige Arbeitszeit eingefährt werden. Diesen Vertrag hat er nicht gehalten. Rücksichtslos wirft er die Organisterten aufs Pflaster, reduziert die Löhne und läßt wieder 11 Stunden täglich arbeiten. Iding will„Herr im Hause“ sein. Eine öffentliche Volksversamm⸗ lung beschäftigte sich mit der Sache und es waren eine Anzahl answärtiger christlicher Gewerkschaftsführer erschienen, die das Ver— halten des Iding auf das schärfste verurteilten. In einer Resolution, die angenommen wurde, heißt es, daß die Bestrebungen des Iding und der übrigen ihm gleichgesinnten Fabrikanten nur auf die Vernichtung der christlichen Gewerkschaften hinzielten. Diese Vorkommnisse sind der Zentrumspresse sehr unangenehm, denn von einem frommen Zentrumsmann und Gebet⸗ bücher-Fabrikanten sollte man doch etwas mehr Arbeiterfreundlichkeit verlangen. Gewerbegerichtswahlen. In Würz⸗ burg, wo am Sonntag vor acht Tagen die Gewerbegerichtswahlen stattfanden und zwar zum erstenmale nach dem Proportionalsystem, hatten die Freien Gewerkschaften einen guten Erfolg zu verzeichnen. Auf ihre Liste ftelen 1318, auf diejenige der Christlich-nationalen nur 515 Stimmen.— In Konstanz am Bodensee siegte ebenfalls die Liste der Freien Gewerkschaften mit 715 Stimmen gegen 443 christliche. Lohnkämpfe. Die Differenzen in der Berliner Holz industrie sind nunmehr beigelegt. Eine am Freitag stattgefundene Generalversammlung der Holzarbeiter nahm den von den Delegierten des Holzarbeiter— Verbandes mit den Unternehmervertretern ver— einbarten Vertrag nach lebhafter Diskusston mit 2478 gegen 971 Stimmen an.— Die Bäckergehilfen im Gau Frankfurt a. M. wollen in eine Lohnbewegung eintreten.— Don Nah und Lern. Hessisches. Ein wandlungsfähiger Abgeordneter. Wer sich einigermaßen mit politischen Dingen befaßt und mit den politischen Verhältnissen in Oberhessen vertraut ist, wird sich nicht wenig — — — — CCC ee e eee eee, 8 ee Seite 4. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 4. gewundert haben, als in den Berichten über die Versammlung des Bundes der Land⸗ wirte, die am Sonntag vor 8 Tagen in Alsfeld stattfand, der Reichstagsabgeordnete für Alsfeld⸗Lauterbach, Kreisrat Wallau, als„jüngstes Mitglied“ des Bundes der Land⸗ wirte angeredet und auch als Teilnehmer an der Debatte aufgeführt wurde. Herr Wallau als Mitglied des Junkerbundes? Man traut seinen Augen kaum! f Vor uns liegen die Flugblätter des Wallau⸗ schen Wahlkomitees von der letzten Reichstags⸗ wahl. Wir wollen daraus nur einige Stellen anführen, die den neuen Bündler in bengalischer Beleuchtung erscheinen lassen. Zur Haupt⸗ wahl bekämpfte und verspottete er die Bündler und ihre Bestrebungen folgendermaßen: „Doch Ihr Oberhessischen Landwirte, gebt diesen„Berlinern“(gemeint sind die Wangen⸗ heim, Rösike, Hahn ꝛc.) am 16. Juni die gebührende Antwort. Zeigt, daß Ihr nur nach eigenem Ermessen und eigner reiflicher Ueber- legung handeln und nicht in ein Abhängigkeits⸗ verhältnis zu Herren treten wollt, die in erster Linie die Interessen des Großgrundbesttzers, speziell Ostelbiens, wahrnehmen.“ Und ferner:—„So sieht der Bindewald aus, der sich verpflichtet hat, 5 Jahre lang nach der Pfeife der ostelbischen Großgrundbesitzer zu tanzen.“ Weiter:„Nur der Bund der Landwirte steht auf dem Standpunkte, daß die Interessen von Gewerbe, Handel und Industrie nicht weiter berücksichtigt werden, als dies die Rücksicht auf die Landwirtschaft zuläßt.— Also: Erst komme ich, was liegt mir an Dir.“— Und zur Stichwahl redeten die Wallau⸗ leute also vom Bunde der Landwirte: „Der 16. Juni ist vorüber, das deutsche Volk hat gesprochen und mit gewaltigen Schlägen die extremen Agrarier vom Schlage der Herren Bindewald und Genossen zu Paaren getrieben. Wo sind sie hin, die so siegesgewis auszogen, die Herren Rösike, Lucke, Hahn, Köhler, Lotze, Gäbel und andere? Hinweggefegt von der parlamentarischen Bühne“ usw. Man steht, das Wahlkomitee des Herrn Wallau hat es an dem„Gruseligmachen“ vor dem„extremen“ Landwirtebund, dem Ver⸗ treter des ostelbischen Großgrundbesitzes, dem „Berliner“ Vorstand, nicht fehlen lassen. Anderthalb Jahre später ist Herr Wallau „jüngstes Mitglied“ des Großgrund⸗ besitzerbundes, der für die extremsten „Nur⸗Agrarier, auf Kosten der mitt⸗ leren und kleineren Landwirte“(wört⸗ lich im Flugblatte des Herrn Wallau zu lesen) eintritt! 15 Vielleicht erkennen nun auch diejenigen unserer Alsfelder Genossen, welche Herrn Wallau in der Stichwahl unterstützten, daß dies ein Fehler war. So wenig wir einem Bindewald die Stimme geben können, ebenso wenig wollen wir liberalen Mandatsstrebern und ⸗Klebern, die die Farbe mit den Jahres⸗ zeiten wechseln, in den Reichstag helfen. Anti⸗ semiten und Nationalliberale sind an politischer Charakterlosigkeit und Mandatsjägerei einander vollständig ebenbürtig. Freisinn zu seinem Abgeordneten? Oder können wir die Herren Gutfleisch, Metz, Reh ꝛc. als allerjüngste Mitglieder des Bundes der Landwirte begrüßen? — Bei der Er satzwahl zum Land⸗ tage wurde im Kreise Laubach⸗Schotten an Stelle des verstorbenen Abg. Weidner der Oberförster Conrad gewählt. Welcher poli⸗ tischen Richtung der Mann angehört, weiß man noch nicht so recht. Gießener Angelegenheiten. — Bürgerverein. Unter diesem Namen hat sich in Gießen ein Verein zusammen⸗ Was sagt aber der getan, der schon in die Hunderte Mitglieder zählen soll. Zweck soll nach dem Statuten⸗ Entwurf sein: Aufklärung über stäytische Fragen in den Kreisen der Bürger zu schaffen. Dieses Bestreben ist zu billigen, vorausgesetzt, die Aufklärung wird in einwandfreier, objektiver Weise gegeben und dafür gesorgt, daß unter dieser Flagge nicht Hausbesitzer⸗ und Grund⸗ stücksspekulanten⸗Politik segelt. Die Hauptver⸗ sammlung findet Dienstag Abend in Steins. Garten statt. — Stöcke rei in Hessen. Das in Siegen erscheinende christlich⸗soziale„Volk“ bringt in seiner Nr. 13 folgende Notiz aus Gießen: „Auf der Reise nach Berlin nahm Herr Abg. Dr. Burckhardt an einer vertrau- lichen Besprechung hiestiger und auswärtiger Christlich⸗Sozialen teil. Die politische Lage Hessens wurde dabei besprochen und der Wunsch laut, daß auch in Hessen christlich⸗ soziale Versammlungen stattfinden möchten, damit auch hier unsere Ideen verbreitet und das Volk vor den verderblichen Einflüssen der Sozialdemokratie bewahrt werde.“ Da hätten die Stöckerleute schon etwas früher aufstehen dürfen. Und jetzt müssen ste sich eilen, sonst wirds von dem Volke nicht mehr viel vor der Sozialdemokratie zu„be⸗ wahren“ geben. Die Stöcker'schen„Ideen“ kennt die hessische Arbeiterschaft schon einiger⸗ ma ßen, ist aber nicht so zurückgeblieben, um sich dafür zu begeistern. — Als ein Arbeiterfest, wie es sein muß, verlief das Gewerkschaftsfest am Samstag Abend in schönster Weise. So ist man das ja auch gewohnt und versteht sich eigentlich ganz von selbst. Der zahlreiche Besuch bewies die Beliebtheit gerade dieses Festes in Arbeiter⸗ kreisen. Das zur Unterhaltung Gebotene war durchweg recht gut, geradezu brillant waren die Leistungen der„Freien Turnerschaft“ und des Gesangvereins„Eintracht“. Auch die Hu⸗ moristen Wehr und Heinde⸗ Frankfurter ent⸗ fesselten Heiterkeitsstürme, ihnen set besonders Dank gezollt.— Leider war Frau Dr. Michels durch Krankheit in der Familie verhindert, die Festrede zu halten, dafür sprang Genosse Krumm ein, der in seinen mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Ausführungen auf den Nutzen der gewerkschaftlichen Organisation hin⸗ wies und die Notwendigkeit betonte, daß jeder Angehörige des werktätigen Volkes tun müsse, was in seinen Kräften steht, um den Zusammen⸗ schluß der Arbeiterklasse fördern und damit deren Macht stärken zu helfen.— Die Geschenk⸗ verlosung brachte manchem Glückspilze die Be⸗ reicherung seines Haushalts um wertvolle und nützliche Gegenstände, deren eine große Anzahl verlost wurden. Verschiedene Pechvögel ge⸗ wannen allerdings nichts, obwohl sie eine große Anzahl Lose riskierten. Natürlich ließen sie sich dadurch ihre Festesfreude nicht stören, es weiß ja jeder, daß die geopferten Pfennige der allgemeinen Arbeitersache zu Gute kommen. — Ueber den Streik im Ruhr⸗ kohlenrevier wird in der am Sonntag nachm. ½4 Uhr im Orbig'schen Lokale statt⸗ findenden Gewerkschafts⸗Versammlung Gen. Vetters ein kurzes Referat erstatten. Dieser wichtige Punlt ist nachträglich noch auf die Tagesordnung gesetzt worden. Angesichts des reichen Materials, das die Versammlung zu erledigen hat, ist nicht nur zahlreiches, sondern auch pünktliches Erscheinen notwendig. — Die Metallarbeiter⸗Ver⸗ sammlung, die am Sonntag im Lokale Orbig stattfand, war sehr gut besucht. Leider war der angekündigte Referent Ehrler⸗Frank⸗ furt am Erscheinen verhindert, trotzdem nahm die Versammlung den besten Verlauf. Aus dem Rreise gießen. — Vorträge in Lollar. Nächsten Dienstag, den 24. Januar, setzt Genosse Dr. Michels ⸗Marburg seinen Vortragszyklus fort und spricht über:„Von der französischen Revo⸗ lution bis zum Erwachen des Proletariats 1848“. Zeit und Lokal wie beim letzten Vor⸗ trag: Gasthaus„zur Linde“, abends ½9 Uhr. Die Parteigenossen wollen sich recht zahlreich i dazu einfinden. Aus dem Areise qriedberg⸗Püdingen. d. Ein Gewerbegericht soll nach einem Be⸗ schlusse der Stadtverordneten in Friedberg errichtet werden. Das hätte schon längst geschehen sollen und es ist nur bedauerlich, daß das Gericht nur für die Stadt und nicht für den ganzen Amtasgerichtbezirk Friedberg errichtet werden soll. Denn in diesem Bezirke befinden sich nicht wenige gewerbliche Betriebe und die Zahl der dort beschäftigten Arbeiter ist nicht gering, welche in die Lage kommen, das Gewerbegericht in Anspruch nehmen zu müssen. * Christliches aus Niederflorstadt. In unserem Dorfe, das größtenteils aus sozialdemokratischen Arbeitern besteht, ist die Frankf. Volks stimme und die Mitteldeutsche Sonnddagszeitung sehr ver⸗ breitet, worüber sich unsere Gegner ungeheuer aufregen. Die beiden Zeitungen werden schon seit Jahren von einem hiestigen 23jährigen Burschen ausgetragen, der körperlich und geistig leidend ist und keiner anderen Be⸗ schäftigung nachgehen kann. Sozialdemokrat ist er nicht. Da nun auch das Evangelische Sonntagsblatt hier zur Verbreitung kommt und die seitherige Trägerin das⸗ selbe abgab, mußte man sich nach Jemand anders um⸗ sehen. Es meldeten sich verschiedene Personen, darunter ein Wagnermeister, der Verbreiter unserer Zeitung und Andere. Durch das Los erhielt der Wagnermeister die Austragung des Blättchens übertragen. Auf Befragen des hiesigen Geistlichen, warum der arme Jörg nicht dazu genommen wurde, erklärte dieser: Jörg sei ganz ausgeschlossen. Jedenfalls, weil er unsere Zeitungen austrägt. So äußert sich die christliche Nächstenliebe in der Praxis! 5 — Kriegervereinliches. Allmählich regt sich doch in Arbeiterkreisen das Bewußsein, daß Sozial⸗ demokraten nicht in Kriegervereine, diese Schutztruppe für Junker und Kapitalisten, gehören. Eine kleine Agitation unserer Genossen hat z. B. in Hainchen, Kreis Büdingen, genügt um die Schutztruppe von 48 auf 22 Mitglieder herunter zu bringen. Ein„Bravo“ diesen Freunden.— Oft hört man, daß nur die An⸗ sprüche auf Unterstützungen die Genossen in Krieger⸗ vereinen festhalten. Das ist falsch; keine Unterstützung ist so hoch, daß ehrenhafte Männer dafür fortwährendes Verleumden und Beschimpfen der Arbeiterbewegung in Kauf nehmen dürfen. Lassen die Arbeiter erst die Hand voll Streber aus den besseren Kreisen unter sich, dürfte es mit der vollmäuligen Kriegervereinsherrlichkeit bald zu Ende sein.— Bei dem Bergarbeiterstreik lassen sich die Krieger gar als Poltzisten gegen ihre Kameraden gebrauchen! Also Arbeiter heraus aus Vereinen, die euren schlimmsten Feinden Vorspanndienste leisten. Aus dem Rreise Wetzlar. h. Stadtverordnetensitzung. Die Beratung des städischen Haushaltsetat, die am 11. Januar abgebrochen werden mußte, nahm am Montag noch die ganze Sitzung in Anspruch. Einnahme und Ausgabe sind nach dem Voranschlag mit etwa 528000 Mk. in Ansatz gebracht. Neben sonstigen Einnahmen sind die Steuersätze in dem Prozentverhältnis des Vorjahres ver⸗ blieben und beträgt die Umlage aus der Grund steuer 5 395 Mk., Gebäudesteuer 46238 Mk. Gewerbe⸗ steuer 29901 Mk., Einkommensteuer 137 064 Mk. Bezüglich der Grundsteuer ist eine Einschätzung nach dem gemeinen Wert geplant. Neu beschlossen wurde ein Zuschlag zur Betriebssteuer für das Schankgewerbe, während die Biersteuer als Projekt fallen gelassen wird. Unter den Ausgaben sind der Etat der sämtlichen Stadt⸗ schulen um etwa 15000 Mk. höher als im Vorjahre. Es find dafür etwa 100 000 Mk. gesetzt. Für polizei⸗ liche Zwecke sind 42 000 Mk. in Ansatz gebracht, worin die Ausgabe für Straßenbeleuchtung enthalten ist. Nach dem Ergebnis der Beratung sind die folgenden Anregungen gegeben worden. Trennung der höheren Töchterschule von dem Rektorat der Volksschule. Mehr⸗ kosten etwa 7000 Mk. Beseitigung der sanitären Mängel an den Volksschulen I, Rate 5000 Mk., zu⸗ sammen 20 000 Mk. Ausdehnung des Unterrichtsstoffes an den gewerblichen Fortbildungsschulen auf Physik, Projektionszeichnen und Maschinentechnik. Um dies zu ermöglichen, soll ein kombinierter Lehrkörper aus Schul⸗ und Privatmännern gebildet werden. Eine Neureglung des Wassergeldes soll gleichfalls vorgenommen und dürfte höchst wahrscheinlich der Mietwert der Wohnungen die künftige Grundlage der Mindesttaxe bilden. * Muckerische Gimpelfängeret mit Lehm-Wunderkuren. Vor einigen Tagen trieb in der guten Stadt Wetzlar ein Wunder⸗ doktor sein Wesen, der in verschiedenen„Vor⸗ trägen“ der Menschheit allerlei Mittel zur Hei⸗ lung körperlicher Leiden anempfahl. Mittel allerdings solcher Art, wie sie schon oft, beson⸗ ders aber zu der Zeit, als noch die wenigsten — ——————— 2* — atung auuat 0 die gabe . in d die z ber⸗ euet erbe⸗ M 0 dem t eln werbe, wirb. Slabl⸗ jahre. liel worin . genden heren Nhr⸗ täten ., zu⸗ off pft, 1s du Schll⸗ eglunt 1 und ungen mit Ligen. inder 0 bel Nr. 4. Mitter denutsche Sonntags ⸗Neitung. Sti e 5. Leute lesen und schreiben konnter, von Schäfer,, Säuhirten und anderen„klugen“ Leuten empfoh⸗ len und in Anwendung gebracht wurden. Klug waren ja diese Leute immer, sie wurden reich dabei, wenn nicht etwa das Gericht ihrer Wunderdoktor⸗Tätigkeit ein Ende machte. Der hier in Rede siehende,— er trägt den hübschen Namen Semmel und soll Leiter eines„Sa— natorium“ sein— ist aber nicht bloß Leibes⸗, sondern auch Seelenarzt, ja uns will scheinen, daß seine Gesundheits⸗Vorträge bloß Mittel zu dem Zweck sind, für irgend eine religiöse Sekte Gläubige einzufangen.— Das Tollste bei der Sache ist aber, daß dieser Unfug von dem amtlichen Wetzlarer Kreisblatt unter⸗ stützt wird, indem es den in den„Vorträgen“ vorgebrachten Unsinn— besser gesagt Schwin⸗ del— kritiklos abdruckt!! Wir machten uns das Vergnügen, den Bericht einem Arzte zu unterbreiten, der uns in einem längeren Artikel seine Ansicht über die Semmel⸗Weisheit schrieb. Wir bringen die interessanten Ausführungen in der nächsten Nummer, heute fehlt uns der Raum. h. Schwindelinserate. Wie verschiedene andere bürgerliche Blätter brachte vor einiger Zeit auch der„Wetzl. Anz.“ Inserate, in denen von einem Londoner „Justitut“ ein Mittel gegen Trunksucht empfohlen wurde Dieser Tage erklärte nun das Blatt, daß ihm von Herrn Dr. Liebe mitgeteilt worden sei, daß es sich bei diesem Mittel um Schwindel handele, infolge⸗ dessen werde es die Anpreisung desselben nicht mehr aufnehmen. Darauf mußte das Amtsblatt erst von einem Arzte aufmerksam gemacht werden! Daß hier Schwindel vorlag, mußte doch jeder Laie erkennen!(Das meinen wir auch. Unserer Expedition wurde das Juserat vor längerer Zeit ebenfalls angeboten, es wurde jedoch sofort abgelehnt. D. Red.) Westerwald und Anterlahn. Langenaubach— Brutalität statt Menschenfreundlichkeit—. In dem zu einer traurigen Berühmtheit gewordenen Gruben⸗Betrieb der„Constanze“ find Samstag und Montag 3 Mann ohne Kündigung entlassen worden, weil sie sich danach erkundigten, ob das von ihnen geförderte Material zum vollen Gewicht zur Verrechnung gelangt sei, was sie nach den gezahlten Löhnen bezweifeln mußten. Darin erblickte der Herr Direktor eine Verletzung seiner Würde und warf des⸗ halb die Proleten aufs Pflaster. Bei den von uns schon erwähnten Praktiken der Wagen⸗Nullung, die auf der Grube üblich sind, haben di Arbeiter jedenfalls alle Veranlassung auf das Gewicht zu achten. Stellte doch selbst die Gemeinde Langenaubach Recherchen an, weil sie Verdacht hegte, daß ihr bei einem Geschäfte mit der Grube von dieser falsche Gewichtsangaben gemacht worden setien.— Herr Vahlensteck ist natürlich wütend über uns; aber er mag sich gesagt sein lassen: Die Zeit ist vorbei, wo die vom Schweiße der Arbeiter groß gewordenen Unternehmer ihre Macht zu brutaler Vergewaltigung mißbrauchen konnten, ohne Widerspruch zu finden. Selbst die Westerwälder Arbeiter beginnen zu erwachen. Mögen die Paschas noch eine Welle wüten und einige arme Teufel dem Hunger preisgeben; einst werden sie doch genötigt die Macht der Organisation, das Menschenrecht des Arbeiters anerkennen müssen, den sie jetzt noch als Sklaven behandeln. * Herrn Direktor Vahlensieck auf der Grube„Constanze“ in Langenaubach forderten wir in vorletzter Nummer auf, den versprochenen Beweis für seine Behauptung, daß in„großstädtischen sozialdemo⸗ kratischen Betrieben 13 stündige Arbeitszeit üblich sei“ zu erbringen. Bis jetzt haben wir noch vergeblich darauf gewartet. Wir wollen ihn hiermit nochmals höflich an sein Versprechen erinnern. * Die Stöckerleute auf dem Gimpel⸗ fang. Seit längerer Zeit versuchen die Christlich⸗ Sozialen im Kreise Dillenburg⸗Herborn Arbeiter⸗Organi⸗ sationen zu gründen. An einigen Stellen kam es auch dazu, meistens sind aber die Vereine wieder verkracht. Welcher halbwegs denkfähige Arbeiter sollte auch auf den Stöcker'schen Leim kriechen? Am Sonntag machten sie in Herbornseelbach einen neuen Versuch. Sie hatten eine Versammlung einberufen, in der ein Redner, dessen Namen eigentümlicherweise nicht genannt wird, über Zweck der gewerkschaftlich n Organisation sprach. Dann sprach der Redakteur des Herborner Stöcker⸗ blättchens, derselbe mutige Mann, der seine Gewährs⸗ leute verrät, wenn ihm Klage droht, über den Berg⸗ arbeiterstreik Dazu machte er Ausführungen, mit denen man größtenteils einverstanden sein konnte; vorher er⸗ zählte er, daß er von einem Arbeiter abstamme, was doch keinen Menschen interessterte. Zum Schluß empfahl er sein Herborner christlich⸗soziales Sudelblättchen. Genosse Vetters⸗ Gießen war ebenfalls anwesend und ergriff das Wort, um die Ursachen des Streiks im Ruhrrevier darzulegen. Seine Ausführungen wurden mit großer Ruhe angehört, bis der Stöckerjüngling Schmidt, der den Vorsitz führte, unserm Genossen das Wort entzog, obwohl sich dieser durchaus sachlich gehalten hatte. Er belferte alles Mögliche von Ausbeutung in Konsumvereinen, Zustände im Kasseler Gewerkschaftshaus und anderes Zeug daher und blökte schließlich ein Kaiserhoch. Dann schloß er schleunigst die Versammlung.„Das ist die„Freie Diskusstion“ der Christlich⸗Sozialen!“ rief ihm Vetters noch zu. Ueber das Gebahren des Stöckerjünglings sprachen nach der Versammlung mehrere Arbeiter ihre Mißbilligung aus. Aus der Gründung eines Stöcker⸗ Vereins wird's wohl nichts werden. Ueber die Ver⸗ sammlung bringt der Jüngling einen Schwindel-Bericht in seinem Blättchen, den jeder ohne Weiteres als solchen erkennt. Das Männlein läuft uns wohl uoch mal in die Finger. Aus dem Rreise Marburg-Rirchhain. * Wie voraus zusehen war. Ueber die Versammlung in Cölbe am Sonntag vor acht Tagen schrieb Herr Burckhardt seinem Blatte, dem„Volk“ in Siegen u. a. Folgendes: „Als gegnerische Diskusstonsredner traten auf Redakteur Nuschke von der von Gerlach— schen Zeitung in Marburg, der Sszial⸗ demokrat Vetters aus Gießen und ein„Ge⸗ nosse“ aus Marburg, der konfuses Zeug sprach. Widerlegen konnte keiner der drei Redner den Referenten.“ So lauten die Berichte immer, das sagte Vetters Herrn Burckhardt ja schon bei Beginn der Cölber Versammlung. Schließlich kann man ihm auch nicht zumuten, daß er seinem Blatte schreibt, er sei abgeführt worden! 4 Ueber einen„Studentenulk“ berichteten die hiesigen und eine Anzahl auswärtige Blätter. Auf einem unserer Brunnen sollte das Steinbild eines Bären erneuert werden. Der dazu zu verwendende Steinblock wurde mit Musik und Gejohle durch die Stadt gefahren und am„Bärenbrunnen“ eine unsinnige Rede gehalten. Am folgenden Tage wiederholte sich das Schau⸗ spiel, doch hatte man sich einen lebenden jungen Bären für 150 Mark von Hagenbeck in Hamburg kommen lassen. Von den nächtlichen Exzessen, Radau⸗ szenen und vandalischen Verwüstungen, welche wir hier oft genug zu sehen und zu hören bekommen, unterscheidet sich dieser„Ulk“ immerhin vorteilhaft. Wenn nun auch die Arbeiter für solchen Mum pitz weder Zeit noch Geld haber, so wird sich doch mancher gefragt haben, wenn Arbeiter etwas ähnliches sich einmal erlauben wollten, was würde wohl da die Folge sein? Jedenfalls Auf⸗ ruhr, Landfriedensbruch, Zuchthaus— und hier? r. Den„Bärenulk“(siehe oben Red.) könnte man als ein kleines Seitenstück zum Bergarbeiter⸗ streik bezeichnen. Der Student nämlich, der den Bären für schweres Geld von Hamburg kommen ließ, ist der Sohn eines Grubenbesitzers im Ruhrrevier. Deshalb kann er sich auch ein kreuzfideles Leben leisten. Allerdings scheinen dazu die väterlichen Alimente nicht ganz auszureichen, denn erst kürzlich mußte der Herr Papa 4000 Mk. Schulden für den ulkigen Sohn berappen. Es ist daher erklärlich, wenn sich die Gruben⸗ barone gegen die Forderungen der Bergleute sträuben. der hiesige Flotten verein hielt vorige Woche eine Generalversammlung ab, in welcher konstatiert wurde, daß die Mitgliederzahl von 350 auf 220 zurück⸗ gegangen sei; ein Viertel davon seien Eisenbahnarbeiter. Bringt man diese und die übrigen Muß⸗Mitglieder in Abzug, so kann wohl der Flottenverein im Marburg⸗ Werdaer Motorboot Platz finden! r. Versammlungen. Am Dienstag den 24. Januar hält der Arbeitergesangverein„Eintracht“ im Jesbergschen Lokale abends ½9 Uhr seine Generalver⸗ sammlung ab.— Im gleichen Lokale findet Sonntag,(22.) ½4 Uhr die Generalversammlung ds Konsumver⸗ eins statt.— In der Versammluug des Wahl⸗ vereins am Sonntag, den 29. Januar wird Genosse Dr. Quark⸗Frankfurt einen Vortrag über„Kommunal⸗ politik“ halten. Angesichts der hier in diesem Jahre bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen ist zahlreiches Erscheinen der Mitglieder doppelt notwendig. Gäste sind freundlich willkommen. r. Die Kolportage geht am 1. Februar an den Genossen Chr. Weber über. Man wolle dies beachten und etwaige Rückstände bei dem jetzigen Kolporteur begleichen. r. Die öffentliche Gewerkschaftsversamm⸗ lung am Samstag hatte einen sehr guten Besuch auf⸗ zuweisen. Genosse Vetter s-Gießen sprach zunächst über die Entwickelung und den heutigen Stand der Gewerk⸗ schaften. Redner wies eingangs auf die Fortschritte hin, welche die meisten Gewerkschaften in Bezug auf ihre Mitgliederzahl zu verzeichnen haben, zum Beispiel die Metallarbeiter, die jetzt über 200000 Mitglieder zählen, ferner die Holzarbeiter, die mit über, Maurer und Bergleute, die mit beinahe 100000 rechnen. Günstig ständen im Allgemeinen auch die Finanzen unserer Organisationen. Man habe sich im Gegensatze zu früheren Jahren daran gewöhnt, höhere Beiträge zu zahlen und das sei notwendig, denn ohne ausreichende finanzielle Mittel könnten die heutigen Kämpfe nicht durchgeführt werden. Heute sei auch der Organisations⸗ gedanke in Berufsarten eingedrungen, die noch vor wenigen Jahren in dieser Beziehung durchaus unzu⸗ gänglich waren. Weiter erwähnte Redner die Arbeiter- sekretartate, wel te zum größten Teile von den Gewerk⸗ schaften unterhalten werden und für die gesamte Arbeiter⸗ schaft segensreich wirken, indem sie allen Arbeitern in Wahrnehmung ihrer Rechte beistehen. So sei gegen früher wohl schon einiges erreicht, hier und da auch eine kleine Besserung der Arbeitsverhältnisse erkämpft, die allerdings durch die höheren Lebenshaltungs-Kosten wieder mehr als ausgeglichen we den. Aber die Er- starkung der Gewerkschaften hat den engeren Zusammen⸗ schluß der Unternehmer herbeigeführt. Und von dieser Seite wird unablässig versucht, die Arbeiter⸗Organisattonen zu zersplittern und zu vernichten; immer wiederholen sich die An driffe auf das Koalitions- und das Wahlrecht. Die Situation dürfte sich in nächster Zeit keineswegs günstiger für ns gestalten, es müssen daher alle Kräfte zusammengefaßt und vor allem muß für weitere Stärkung unserer Gewerkschaften gesorgt werden.— Redner ging dann noch kurz auf den Kampf im Ruhrrevier ein und zeigte, wie die Kohlenbarone, die seit fünfzehn Jahren ungezählte Millionen Mark aus dem Schweiße der Ar⸗ beiter herausgepreßt und in ihre Lasche geführt haben, den Streik provozierten, um die Kohlenpreise zu steigern. — Die Ausführungen des Genossen Vetters fanden beifällige Aufnahme, eine Diskussion schloß sich daran nicht.(Fortsetzung in nächster Nr.) Anterstützt die kämpfenden Bergleutt! Parteigenossen! Angesichts des im Ruhrrevier ausgebrochenen gewaltigen Kampfes gebietet das Solidaritätsgefühl jedem Arbeiter und Parteigenossen, sein Scherflein zur Unterstützung der streikenden Bergleute und ihren Familien beizusteuern. Die ganze deutsche Arbeiterschaft muß hilfsbereit hinter den Streikenden stehen, jeder gerecht denkende Mensch einige Groschen für den Kampf gegen den maßlosen Ueber⸗ mut einiger Millionäre opfern! Im Uebrigen verweisen wir auf den Aufruf des Partei⸗ vorstandes auf der ersten Seite. Gelder für die Bergarbeiter nehmen zur Weiterbeförderung entgegen: In Gießen: Redaktion sowie Expedition der Mitteld. Sonntags⸗Zeitung; in Wetzlar: A. Fauth, Lahnpförtchen; in Marburg: R. Rösler, Aulgasse 4; in Friedberg: H. Busold; in Alsfeld: Jak. Eder, Roßmarkt. Außerdem können Gelder direkt gesand⸗ werden an den Parteivorstand oder an: Paul Horn, Bochum, Wimelhauser straße 38—40. Versammlungskalender. Samstag, den 21. Januar, Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung bei Löb(Wiener Hof). Metallarbeiter. Abends 6¼ Uhr Versammlung bei Orbig. Schotten. Wahlverein. Abends 8/ Uhr Ver⸗ sammlung bei Wirt Müller. Vortrag von Vetters⸗Gießen. Wieseck. Wahlverein. Abends 9 Uhr General⸗ versammlung im„Gambrinus“ bei Wacker. Tagesordnung: 1, Jahresbericht; 2. Abrechnung; 3. Vorstandswahl; 4. Verschiedenes. Briefkasten. B. Stfubg. Freilich soll das Mk. 38.28 heißen, wie ja jeder ausrechnen kann. Unsere Setzer sind doch auch nicht unfehlbar. Was kümmert denn das den Ausgetretenen?— Brgslms. Ach, wenn sich der Hüter des Gesetzes auch eine Zigarre ansteckt, da ist doch nichts dabei. Wenn er keine größeren Sünden begeht.. 1e Bemüht Parteifreunde! ca set nach besten Kräften für die immer weitere Verbreitung Eueres Blattes, der Mitteldeutschen Sonntags⸗Zeitung! — 8 r * ö JJ ͤ 2 e Mitteldeutsche Sonutogs⸗Zeitung. 5 8 Nr. 4. N e 7 a Anterhaltungs-Ceil. 5 Wes wegen sie„an der Scholle kleben“. Der weise Plato ging einmal, Wohl unter allerlei Disputieren, Mit einem seiner Schüler spazieren. Sie kamen zu einer Rindviehherde, Die mit der Nase tief auf der Erde, An einem schlecht, verschlämmten? Gras Mit vieler Mühe satt sich fraß. Ver wundert blieb der Knabe steh'n: „Sieh', Meister, da drüben die Trift, wie schön. Und hier das Futter schlecht und morastig, Und dennoch verschlingt das Vieh es hastig. Sieht's denn nicht drüben auf weiter Flur Die üppigste, kräuterreichste Natur? Was schreitet es nicht zum Besseren fort? Was bleibt es gebannt an diesem Ort?“ „Mein Sohn,“ sproch Plato,„sieh' den Grund Dort in dem schwarzen Hirtenhund, Der will es durchaus ein mal nicht leiden, Daß diese Tiere wo anders weiden. Kaum wendet sich eines nur von der Stelle, Da macht der Schwarze ein geifernd Gebelle, Fährt schnaubend au das vermessene Tier Und dies, als möcht' es versinke. schier, Demütig den Kopf bis zum Boden geneigt, Macht Reverenz, kehrt um und schweigt.“ Der Knabe schüttelt den Kopf und spricht: „Kann denn aus dieser Herde nicht Das schwächste Tier nach Lust und Belieben Zehn solcher Kläffer bei Seite schieben? Lös' mir das Rätsel, Du weiser Mann, Wes wegen erdulden sie Acht und Bann?“ „Ich will Dir's sagen, mein liebes Kind: Deswegen, weil sie— Ochsen sind.“ Wie der Michel gescheit wurde. Eine Geschichte vom Lande von R. Levy. Der Michel war ein braver Bauersmann und hatte drei Kinder und eine Frau; die Frau dürfen wir gewitz nicht vergessen, denn ste hat ihr gut Teil Verdienst daran, daß der Michel gescheit wurde. Als der alte Michel, der Vater unseres Michels gestorben war, hatte er seinem Sohne einen hübschen großen Acker und Haus und Scheunen und Ställe voll Kühen und Schafen hinterlassen. Und der Michel und seine Frau, die damals noch jung verheiratet waren und erst ein Kleines hatten, dachten wohl, daß ste mit ihrem Lose zufrieden sein konnten und wünschten sich gar nichts Besseres. Die ersten Jahre hindurch ging es auch ganz gut, und wenn auch einmal eine Mißernte kam, das nächste Jahr half schon wieder dar⸗ über hinweg. Nur mit ihrer Nachbarschaft waren sie gar nicht recht zufrieden, und das kam so. Da wohnte ein Junker, dessen Acker an die Michels grenzten; des Junkers Grundbesitz war viel ausgedehnter als der unseres guten Michel. Nun war aber der Junker noch nicht mit dem zufrieden, was er hatte, und wollte für sein Leben gern„sein Besitztum abrunden“, wie er es nannte. Und darum lag er Michel unaufhörlich in den Ohren, er solle ihm doch einen Teil von seinen Aeckern übetlassen, er wollte sie ihm gut bezahlen. Aber Michel weigerte sich, und so wurde nichts daraus. Nun kam aber eins der Kinder nach dem anderen, und ste wuchsen heran und kosteten dem Michel ein schönes Stück Geld, auch konnte seine Frau jetzt häufig nicht mitarbeiten, und Essen und Trinken wollte doch für alle geschafft sein. Dazu kamen noch zwei Mißernten hinter⸗ einander und eine Viehseuche, die dem Michel die besten Kühe dahinraffte. Da machte denn die Not nicht mehr Halt vor seiner Türe, und das Geld wurde so knapp, daß er nicht wußte, womit er die neue Aussaat beschaffen sollte. Zu dieser Zeit sprach wieder einmal der Junker bei ihm vor, als seine Frau gerade nicht zu Hause war. Und der Junker redete viel von den schlechten Zeiten und den Miß⸗ ernten und brachte es so weit, daß der Michel ihm all sein Leid klagte. Und da kam er wieder mit seinem Vorschlage, ihm einen Teil seines Ackergeländes abzukaufen; er wollte ihm zwei gesunde Kühe und Geld zur Aussaat da⸗ für geben. Nach langem Hin und Her sagte der Michel ja und der Vertrag wurde gleich abgeschlossen. Der Junker hatte sich aber die Notlage des Bauern wohl zu nutze gemacht und ihm nicht entfernt soviel gegeben, als er ihm früher geboten hatte. Als die Frau nach Hause kam und von dem Geschehenen hörte, war sie gar nicht zu⸗ frieden damit.„Wir hätten uns auch so durch⸗ helfen können und nicht die Hälfte von unserem Lande hingeben brauchen,“ sagte sie,„und oben⸗ drein hat Dich der Junker ordentlich übers Ohr gehauen. Aber, was geschehen ist, ist geschehen.“ So war das Besitztum unseres Michels zu⸗ sammengeschmolzen, und bei dem einen Mal blieb es nicht. Natürlich konnten ihm die Aecker, die er behielt, nicht mehr denselben Er⸗ trag liefern wie früher; die Steuern und Ab⸗ gaben aber kamen jedes Jahr und wurden nicht kleiner— im Gegenteil! Denn der Staat brauchte viel Geld für seine Kriegsschiffe und Soldaten. Da kam denn eines Tages der Junker wieder gerade zur rechten Zeit in sein Haus, um ihm ein weiteres Stück Land abzu⸗ nehmen. „Frau,“ sagte der Bauer, als der Junker gegangen war,„wenn der Junker nicht wäre, wüßte ich gar keine Hilfe mehr.“—„Geh, Mann,“ antwortete die Frau,„merkst Du deun nicht, wie uns der Junker das Fell über die Ohren zieht? Soviel wie der, gibt Dir auch jeder Jude für Dein gutes Land, und wenn ich nicht dabei gewesen wäre, hätten wir noch weniger bekommen. Nein, Michel, der Junker ist unser Freund nicht!“ Michel brummte, denn seine Frau hatte immer etwas einzuwenden, wenn er den Mund auftut. Hinterher merkte er aber stets, daß sie Recht gehabt hatte. Die Jahre vergingen, und da Michels beide Jungens und Fine, seine Tochter, nun schon hübsch herangewachsen waren und fleißig helfen konnten, brachten Michel und sein Weib es bei redlicher Mühe doch so weit, daß sie wenigstens alle satt zu essen hatten. Und der Junker ließ sie nun auch zufrieden, denn der hatte andere Sachen im Kopfe und dachte ein weit lohnen⸗ deres Geschäft zu machen, als wenn er des Dauern Hab und Gut noch vollends an sich gebracht hätte. Im Lande umher war nämlich ein mächtiges Geschrei losgebrochen über die Not der Land⸗ wirtschaft, der abgeholfen werden müßte, wenn nicht der ganze Staat zu Grunde gehen sollte. Und unser Junker war einer der Hauptschreier, trotzdem es ihm gar nicht so schlecht ging und seine Söhne in der Hauptstadt Offiziere spielen konnten. „Not der Landwirtschaft, Not der Landwirt⸗ schaft!“ tönte es überall aus Versammlungen und Kongressen heraus und ein großer Verein, in dem die Junker das Wort führten, ließ es sich angelegen sein, den Lärm noch größer zu machen. Und schließlich gelang es auch, die Regierung soweit zu bringen, daß ste sich den Wünschen der Junker geneigt zeigte. „Du,“ sagte Michel eines Abends zu seiner Frau und guckte von seinem Zeitungsblatte auf, das er sich vom Gastwirt geltehen hatte;„jetzt wird's bald besser werden mit uns. Da steht's zu lesen: sie wollen ein Gesetz machen, um der Landwirtschaft zu helfen, und da gehören wir ja auch mit dazu.“ 5 „Warten wir's ab,“ sagte die Frau,„was da werden wird. Bis jetzt haben wir ja noch nicht viel Gutes von denen da oben gesehen.“ Einige Zeit darauf traf Michel den Junker und dieser redete ihn an:„Nun, Mtchel, weißt Du denn schon?“—„Was denn, Herr?“ fragte Michel.—„Na, jetzt hat alle Not ein Ende bet uns Landwirten,“ fuhr der Junker fort, „die Regierung hat ein Zollgesetz vorgelegt, das macht uns mit einem Schloge zu reichen Herren. 7½ Mark Zoll oder noch mehr pro Tonne wird jetzt auf alles Getreide erhoben, das vom Auslande bei uns eingeführt wird; begreifst Du, was das sagen will?“ „Nein,“ sagte Michel ehrlich,„was kann uns das helfen 2“ „Ach, Du Michel Du,“ sprach der Junker, »das ist doch ganz einfach. Wenn das Getreide, das vom Auslande kommt, soviel teuerer wird, dann können wir unseres doch auch zu denselben hohen Preisen verkaufen und verdienen einen tüchtigen Batzen Geld. Und alles das habt Ihr uns Junkern zu verdanken. Ihr dummen Bauern Ihr!“ Voller Freude ging Michel nach Hause und rief schon in der Türe:„Frau, es ist richtig, die Regierung hat ein Gesetz gemacht, das aller unserer Not abhilft. Ich habe eben den Junker getroffen, und der hat es mir erklärt.“ „So,“ sagte die Frau,„und wie ist denn das neue Gesetz?“ „Nun, das ist ganz einfach. Siehst Du, auf alles G⸗treide, das von auswärts in unser Land kommt, muß eine ganze Menge Zoll be⸗ zahlt werden, so daß es gleich um soviel teurer wird. Und da werden wir natürlich unser Getreide, das auf unserem Acker gewachsen ist, auch nicht billiger zu verkaufen brauchen als das fremde und soviel mehr daran verdienen. Juchhe!“ Die Frau guckte ihren Mann, der vor Freude seine Mütze in die Luft geworfen und wieder aufgefangen hatte, an, als ob er den Verstand verloren hätte.„Michel,“ sagte sie dann,„be⸗ halte nur ruhig Deine Mütze in der Hand, da ist für uns kein Grund zum Jubeln. Du solltest doch ebenso gut wissen wie ich, daß wir auf unserem Felde kaum soviel Getreide ge⸗ winnen, als wir selbst für uns und unsere Kinder und als Futter für das Vieh gebrauchen. Da bleibt uns zum Verkaufen nichts übrig, und so werden wir von dem ganzen schönen Gesetze nichts weiter haben als das Nachsehen. Ja, für den Junker mit seinem großen Acker⸗ land, da ist das ein ander Ding; der kann sich vor Freude die Hände reiben!“ Michel stand nicht wenig verdutzt da, daran hatte er gar nicht gedacht. Er kratzte sich hinter den Ohren und sagte schließlich:„Das ist frei⸗ lich eine verflixte Geschichte; dann wäre ja die ganze Gesetzmacherei für uns kleine Bauern gar nichts nutze und nur die großen, wie der Junker, hätten den Vorteil davon!“ 0 „So wird's wohl werden und nicht anders,“ antwortete die Frau,„und unsere Aecker, die er uns abgenommen hat, werden nun auch so⸗ viel mehr wert für ihn. Ja, er wußte schon, was er tat, als er sie uns für ein Lumpengeld abkaufte.“ „Ih, das geht doch aber nicht so,“ rief Michel da aus und schlug voller Aerger auf die Tischplatte;„das muß er uns nachzahlen, denn damals hatte ich noch keine Ahnung von diesem Gesetze. Gleich gehe ich zu ihm und fordere mein Geld.“ „Geh nur,“ sagte die Frau,„wenn Du Dich auslachen lasseu willst von dem Junker. Keinen Pfennig wird er Dir herauszahlen!“ Aber Michel ließ sich's nicht ausreden und ging zu dem Junker. Was der ihm geant⸗ wortet hat, hat er niemandem erzählt, nicht einmal seiner Frau. Von diesem Tage an tat Michel seine Arbeit brummig und verdrossen; denn die Geschichte mit dem Getreidezolle wollte ihm nicht aus dem Kopfe heraus.„Ist denn die Regierung nur dazu da, den Großen zu helfen, die uns Kleinen sowieso schon bei jeder Gelegenheit die Butter vom Brote nehmen?“ So ratsonnierte er und schimpfte auf die Regierung, daß man lieber gar nicht hinhören mochte. So ging die Zeit ihren Gang, und ein neues Jahr kam heran. Da kam eines Tages ein Trupp Arbeiter in das Dorf, und jeder hatte ein Päckchen roter Büchelchen unterm Arm, die sie an die Bauern berteilten. Es war schon bekannt im Dorfe, daß sie im An- fange des Jahres kommen würden, denn es war heuer nicht das erste Mal. Michel hatte von den roten Büchern bisher nichts wissen wollen und im vorigen Jahre und ler. 4 und allt⸗ licht cbelt schte aus ung une die erte man ein 0 bel erm Al⸗ eb bel ahle wacht und Nr. 4. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 7. dem Verteiler die Türe vor der Nase zuge⸗ schlagen. Als dieser aber heute wieder klopfte, ließ er ihn hereinkommen. „Was hast Du denn da?“ fragte er. „Das sind Landkalender, die sollen Euch Bauern erzählen, wie es draußen aussteht in der Welt. Es ist Zeit, daß Ihr auch aus Eurer e und Unwissenheit auf⸗ uch den übrigen Arbeitern in ihrem Kampfe anschließt. in dem Kalender steht!“ „Nimm nur, Michel,“ mischte sich hier die Frau in das Gespräch,„da steht manches drin, was wir uns wohl zu Herzen nehmen können. Den Kalender vom vorigen Jahre habe ich auch noch, wenn Du auch nichts davon wissen wolltest.“ Die kluge Frau hatte ihren Jungen dem Ver⸗ teiler nachgeschickt, als ihr Mann ihn so un⸗ freundlich abgewiesen hatte. Da nahm Michel den Kalender, und an manchem Abend las er seiner Frau daraus vor. Da stand auch viel von dem Zollgesetze darin, das den Arbeitern in der Stadt das Brot so sehr verteuern mußte und den kleinen Bauern doch nichts helfen konnte. Und dann war be⸗ schrieben, daß der kleine Bauer auch nichts wäre als ein armer Proletarier, ein Ausge⸗ beuteter, der sich vom frühen Morgen an quälen mußte, ohne jemals anf einen grünen Zweig zu kommen. Und noch viel mehr stand darin, und zuletzt war gesagt, daß der Bauer sich dem Arbeiter anschließen müßte, um bessere Zustände herbeizuführen. Dann würde bald alle Not ein Ende haben. Michel war ganz erstaunt, als er sah, wie vernünftig die Arbeiter das alles auffaßten, und mehr als einmal rief er mitten in der Lektüre aus:„Ja, das ist ganz richtig, da haben sie recht!“ Seine Frau aber freute sich darüber. Eins jedoch wollte dem Michel immer noch nicht in den Kopf: daß er sich auch als ein Arbeiter betrachten sollte.„Ich habe doch mein Eigentum und bin ein freier Mann, das ist doch ganz etwas anderes als bei den Arbeitern, die nichts besitzen und jeden Tag auf die Straße geworfen werden können, wenn es ihren Arbeit⸗ gebern gefällt.“ Mit ihm könnte keiner so Aber lies nur, was umspringen: er säße fest auf seinem Besitze und brauchte sich vor niemandem zu beugen. Nein, ein Arbeiter, ein Geknechteter, wäre er noch lange nicht. Und als er das herausgetüftelt hatte, war er ganz stolz und dachte immer wentger an den Kalender. Wie es gehen soll, so geht es, und bei dem Michel ging es bald gar nicht mehr. Der Junker hatte sich nun auch auf die Viehzucht verlegt und achtzehn stattliche Kühe im Stalle stehen; da fing er an, dem Michel Konkurrenz zu machen und ihm viele seiner Milchkunden in der Stadt wegzunehmen. Die Preise wurden dadurch immer mehr heruntergedrückt, und bald ver⸗ diente Michel bei all seiner Arbeit fast gar nichts mehr. Das beabsichtigte aber der Junker, denn er wollte ihn zu Grunde richten, um auch noch den Rest seiner Aecker in seinen Besitz zu bekommen. Auf Michels Feldern war so wenig zu tun, daß er seine Fine gut entbehren konnte, und weil der Junker stets Leute brauchte, trat sie bei ihm in den Dienst. Der Lohn war nicht groß; was sollte ste aber zu Hause unnütz herumstehen? Die Fine wurde aber immer stiller und gedrückter, je länger sie bei dem Junker war, all ihre gute Laune schien dahin. Und eines Tages erklärte sie der Mutter, auf den Guts⸗ hof ginge sie nicht mehr, und fing an zu weinen. Die Mutter war sehr erschrocken und fragte sie aus, uud da erfuhr ste, der Juspektor habe ihr schon lange nachgestellt und ihr keine Ruhe gelassen, und heute sei er ihr auf den Heuboden nachgekommen, wo sie sich seiner kaum hätte erwehren können. Und so machte er es mit allen Mägden, und der Junker triebe es auch nicht viel besser. Jetzt blieb Fine zu Hause, und die Frau erzählte Michel, wie es ihrer Tochter ergangen war. Der wollte gleich vor Wut aus der Haut fahren und drohte, er werde hinübergehen und dem Kerl, dem Inspektor, einen Denkzettel er⸗ teilen, den er sein Lebtag nicht vergessen sollte. Aber da faßte ihn seine Frau beim Arm und sagte:„Laß nur sein, Michel, dabei kommt doch nichts Gescheites heraus; der Inspektor ist des Junkers rechte Hand, und wenn Du drüben Skandal machen willst, dann läßt er Dich womöglich mit den Hunden vom Hofe jagen.“ Es dauerte gar nicht lange, da kam ein Schreiben des Junkers, seine Magd solle sofort wieder zur Arbeit kommen, sonst würde er ste wegen Kontraktbruches bestrafen lassen. An diesem Tage war mit dem Michel gar kein Auskommen mehr. Er raste und tobte umher, daß ihm seine Frau und seine Kinder auf fünfzig Schritte aus dem Wege gingen. Und es kam noch ärger. Die Gendarmen kamen angerückt und holten die Zine, und da mußte sie wirklich auf den Gutshof zurück. Den Inspektor könne sie verklagen, wenn sie wollte, aber vorläufig müßte sie ihre Zeit bei dem Junker abdienen. Als das geschehen, da wurde der Michel ganz still und nachdenklich. Am Abend aber sprach er zu seinem Aeltesten:„Du, Willem, geh mal in meine Kammer und hole mir den Kalender her, Du weißt schon, den die Arbeiter gebracht haben.“ Die Frau saß neben ihm und horchte ver⸗ wundert auf. Und als der Junge den Kalender gebracht hatte, da schnitt Michel das letzte Blatt heraus und fing dann eifrig an zu schreiben. Das war aber keine kleine Arbeit für ihn. Als er fertig war, reichte er seiner Frau den Zettel herüber, und das war ein Bestellschein auf das Arbeiterblatt.„So,“ sagte er und atmete er⸗ leichtert auf,„wenn's soweit gelangt hat, wird's für die Zeitung auch noch langen. Jetzt will ich mal sehen, was die Arbeiterpartei will. Mit den anderen bin ich fertig!“ „So ist's recht, Michel,“ antwortete ihm seine Frau,„ich wußte es ja, Du würdest auch noch gescheit werden. Siehst Du nun, was es mit Deiner Bauernfreiheit auf sich hat? Der Junker kann uns von unserem Besitz verdrängen, sein Juspektor darf unsere Tochter beschimpfen, und das Gesetz steht noch auf ihrer Seite. Nein, Michel, wir stehen auch nicht besser da, als die Arbeiter, und darum gehören wir auch zu ihnen. Wenn nur erst alle Bauern so ge⸗ scheit würden wie Du.“ Michel hatte inzwischen den Zettel in ein Kouvert gesteckt und die Adresse darauf ge⸗ schrieben. Als er fertig war, sagte er:„Weißt Du, Frau, wenn der Arbeiter wiederkommt mit seinen Kalendern, dann kannst Du ihm alles erzählen, wie es uns ergangen ist, damit er es in der Zeitung abdrucken läßt. Da kann noch mancher etwas daraus lernen.“ So haben wir die Geschichte vom Michel erfahren und da steht sie. Allerlei. Sozialdemokraten dürfen nicht tanzen. Am Sonntag(8.) hielten unsere Parteigenossen in Mannheim eine Neujahrsfeter im Nibe⸗ lungensaale ab, an der sich etwa 6000 Personen beteiligten. Es durfte jedoch infolge Verbots der Polizeibehörde dabei nicht getanzt werden und diese Maßregel wird als eine Ant⸗ wort auf die Angriffe angesehen, die das dortige sozialdemokratische Organ in der letzten Zeit gegen das Regiment des Polizeidirektors Schäfer gerichtet hat. Also eine Politik der Rache! Auch bezeichnend für unsere öffentlichen Zustände. Humorvolle Wahlbeeinflussung trieb ein Arzt bei den auf Grund des indirekten Wohlsystems erfolgenden jüngsten französischen Senatswahlen. Der Bürgermeister eines Ortes war Wahln ann und zu seinem Stellvertreter war der Arzt gewählt, dessen politische Meinung der des Bürgermeisters gerade entgegengesetzt war. Während der Bürgermeister für den autimintsteriellen Kandidaten gestimmt hätte, war der Doktor ein strammer Anhänger der Regierung. Der Arzt beschloß nun in seinem Herzen, den Bürgermeister mit allen erlaubten und einigen unerlaubten Mitteln von der Aus⸗ übung seines Wahlrechts abzuhalten, um selbst als stellvertretender Wahlmann seine Stimme abgeben zu können. Am Tage vor der Wahl machte der Doktor seinem Freunde einen Be⸗ such und fand ihn„etwas leidend“, obwohl der Bürgermeister selbst sich ganz wohl fühlte. Der Arzt riet ihm aber, im Bett zu bleiben, und verschrieb ihm ein Arzneimittel, das er unbedingt einnehmen müsse. Am nächsten Tage war der Bürgermeister derart„verhindert“, daß er beim besten Willen nicht zur nahegelegenen Stadt fahren konnte, um seiner Wahlpflicht zu genügen. Der Doktor mußte für ihn eintreten, und es braucht nicht erst gesagt zu werden, wem er seine Stimme gab. Das Mtttel, mit welchem er den Bürgermeister zurückgehalten hatte, hatte glänzend gewirkt: es war nämlich ein Mittel zur— Beförderung der Verdauung. Ein Adeliger über den Adel. In den 1853 erschienenen Regesten des Ge⸗ schlechtes Salza heißt es:„Gerade das gereicht diesem edlen Hause zum höchsten Ruhm, daß seine Geschichte nichts weiß weder von den Räubereien und Gewalttaten, durch welches die meisten Geschlechter in älterer Zeit sich furchtbar gemacht haben, noch von den Ver⸗ rätereien, Buhlerkünsten und Intri⸗ guen, durch welche so viele adelige Famtlien in neuerer Zeit emporgekommen sind.“ Das Bild der Majestät. Der„Deutschen Zeitung“ wird folgender Vorfall mitgeteilt: In R., einer Kreisstadt des Ermlandes(Ostpr.), wurde der katholischen Mädchenschule von der vorgesetzten Behörde ein Wandbild der Kaiserin zum Geschenk über⸗ wiesen. Das Bild stellt die Kaiserin in Ge⸗ sellschaftstotlette(also mit ausgeschnit⸗ tenem Kleide) dar. Der Erzpriester als Vor⸗ steher dieser Schule ließ nun das bereits in einem Klassenzimmer angebrachte Bild abnehmen und den seiner Ansicht nach anstößigen() Teil des Bildes von einem Stubenmaler mit einem Spitzenumhang übermalen. Das so abgeänderte Bildnis der Kaiserin darf nun wieder die erste Klasse der katholischen Mädchenschule in R. schmücken! Es lebe die deutsche Sittlichkeit! Splitter. Hast was Schlechtes du getan Und es will dich reuen, Fange schnell was Gutes an, Und du wirst dich freuen. ** Ein jedes Band, das noch so leise Die Geister aneinander reiht, Wirkt fort auf seine stille Weise Durch unberechenbare Zeit. Reinick. Platen, * Erst der Sieg des Sozialismus erschließt dem Proletariat alle Quellen der Bildung; erst der Sieg des Sozialismus ermöglicht es, die Zeit zur Gewinnung des Lebensunterhalts so weit zu verkürzen, daß dem Arbeiter die nötige Muße gegeben wird, sich ein ausreichendes Wissen anzueignen. Die kapttalistische Produk⸗ tionsweise weckt den Willens durst des Prole⸗ tariats, die sozialistische Produkttonsweise allein kann ihn stillen. Kautsky. Humoristisches. Irrtum. A.: Wie ich höre, ist der deutsch⸗öster⸗ reichische Handelsvertrag bereits in Kraft getreten? B.: Hm— der ist allerdings„in etwas getreten“— aber„in Kraft“ nich— nee, da irrst du dich! („Südd. Postill.) Mißverständnis. Handwerks bursche: Ich tät schön bitten um das Stadtgeschenk.— Stadt⸗ schreiber: Was? A Stadtgeschenk möchtens? Ja, san's denn a Prinz, der heiraten möcht? Oder wollen's bloß die Reiseunterstützung? (Südd. Postill.) ———— Seite 8. Mitteldeutsche Sonntacs⸗ Zeitung. No, 4. bietet, wahrzunehmen. Fin grosser Teil verschied. Artikel aus sämtlichen Abteilungen ist im Preise ganz bedeut.ermässigt. Die Beachtung meiner Schaufenster ist zu empfehlen. Jacob Heilbronner Marktstrasse 17, Part., I. II. III. Man versäume nicht die günstige Kaufgelegenheit, welche sich in meinem Invenlur-Ausy rkauf Marktstrasse 17, Part., I. II. III. 7 1 0 2— 5 O. Sämtli Allgemeine Hewerkschafts⸗Versanmlung Sonntag, den 22. Januar nachmittags 4 Uhr im Lokale des Herrn Orbig, Rittergasse. Tagesordnung: Der Bergarbeiterstreik im Ruhrrevier. Ref. Vetters. Geschäfts⸗ und Kassenbericht des Gewerkschafts-Kartells. Beratung des Statuts und Festsetzung der Beiträge. Bericht der Auskunftsstelle. Bericht der Gewerbegerichtsbeisitzer. che Gewerkschaften sind freundlichst eingeladen. Das Geweräschaftsfartell. eee eee ee eee Edgar Borrmann, Giessen Eisen handlung Neustadt 11 Herde und Oefen— Fruchtpressen— Keltern— Bohnenschneider Petroleum⸗, Spiritus⸗ u. Gaskocher 0 Wasch⸗, Wring⸗ u. Mangelmaschinen Dezimal⸗, Tafel⸗ und Wirtschafts⸗Waagen Fleischhack⸗, Reib⸗ u. Messerputzmaschinen Rasenmäher— Vogelkäfige und Züchter⸗Utensilien Gartenmöbel— Stehleitern— Tünchergeräte Ernte⸗Cocosfaserstricke— Flechtrohr und Raffiabast Drahtgeflechte— Fischereigeräte— Dr. Kleins Fleischsaftpresse sowie sein großes Lager in Werkzeugen— Beschlägen— Eisen-Kurz⸗ und Solinger Stahlw. 2 Telephon 298 empfiehlt: Landwirtschaftl. Geräte Hereinigte Gewerkechaften Marburgs. Sonntag, 29. Januar 1905 Winterbergnügen im Café Quentin(Höck) Steinweg. 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