olgen, wich⸗ fer. * J eit viele beitet, Futtet Kunde det. —— — eee e e 5 Nr. 34. Gießen, den 20. August 1905. 12. Jahrgang. Redaktion: Nirchenplatz 11, Schloßgasse. D bunt M l itteldeutsche 5⸗Zeiti Nedaktionsschluß: Doruerstag Nachmittag 4 Uhr. ig Abounementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Bestellungen Juserate nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt. Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Postanstalt und 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 5107) 33¼%% und bei mindestens 72 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Bei mindestens Zum Parteitag der hessischen Sozialdemokraten. Unsere alljährliche hessische„Landeskonferenz“ wird diesmal in dem etwas abgelegenen hessischen Städtchen Alzey abgehalten. Wie im Vorjahre sind für ihre Verhandlungen zwei Tage vor⸗ gesehen, allerdings nicht zwei volle Tage, son⸗ dern die Verhandlungen beginnen am Samstag Abend und werden voraussichtlich bis Sonntag Abend dauern. Diese Einrichtung hat stch als durchaus notwendig herausgestellt, bei den früheren Konferenzen zeigte sich, daß ein Sonntag zur Bewältigung des vorliegenden Materials nicht ausreichend ist, vleles in Hast durchge⸗ peitscht wurde, anderes ganz unerledigt bleiben mußte. Und an Beratungsstoff fehlt es wirk⸗ lich nicht. Denn wir haben uns ja nicht nur mit den allgemeinen Fragen, die die Partei im ganzen Reiche angehen, zu befassen, sondern auch mit den speziell hessischen Parteiangelegen⸗ heiten und den Fragen der Landespolitik. An eine erschöpfende Erörterung aller dieser Dinge ist natürlich auch jetzt, bei zweitägiger Verhand⸗ lung noch nicht zu denken, selbst wenn stch die Konferenz noch einen, sagen wir, tyrannischeren Prästdenten wählte, als es Genosse Ulrich ist! Die Tagesordnung ist von denen früherer Landesparteitage nicht sehr verschieden und weist scheinbar keine besonders„interessanten“ Punkte auf, fast alle sind geschäftlicher Art. Trotzdem sind sie für unsere hessische Partei von großer Wichtigkeit und die Debatten werden für jeden Genossen viel des Interessanten bieten. Bei dem Berichte des Landeskomitees wird's an Kritik nicht fehlen und es muß ja gesagt werden, daß namentlich wir in Oberhessen herzlich wenig von seiner Tätigkeit in agitatorischer Beziehung spüren. Aber wir geben gerne zu, daß die im ganzen Ländle versprengten fünf Mitglieder des Komitees nicht mehr leisten konnten. Daß aber mehr Agitationstätigkeit entfaltet werden muß, fühlt jeder Genosse und auch das Landes⸗ Komitee will Besserung schaffen und es stellt deshalb diesen Antrag: Die Landes⸗Konferenz wolle beschließen, zur Agitation und 1 90 im Großherzogtum wird ein Landes⸗Partei⸗ Sekretär angestellt und das Landes⸗ Komitee beauftragt, die dazu erforder⸗ lichen Schritte zu tun. 5 Der Landes ⸗Partei⸗Sekretär muß am Orte des Sitzes des Landes-Komitees wohnen. Wir sind sicher, daß dieser Antrag allge⸗ meine Zustimmung finden wird. Allgemein ist man heute zu der Erkenntnis gekommen, daß wir fest angestellte Personen für die Partei⸗ tätigkeit haben müssen, wenn wir unsere Sache vorwärts bringen wollen. Meinungsverschieden⸗ heiten werden sich höchstens bei Diskusston der Frage ergeben, in welchem Orte Landeskomitee nebst Sekretär seinen Sitz haben soll. Darum streiten sich die drei größten Städte des Landes. Man wird sich aber darüber leicht einigen. Ueber die Organisations frage wird es zu einer lebhaften Aussprache bet dem dritten Punkte: Parteitag in Jena kommen. Diese Frage ist seit mehr als Jahresfrist in unserer Parteipresse und den Versammlungen ausgiebig erörtert worden. Gegen den Entwurf eines neuen Parteistatuts, den die auf dem Bremer Parteitage für Ausarbeitung eines solchen ein⸗ gesetzte Kommission vorgelegt hat— wir haben ihn in Nr. 16 veröffentlicht— hat sich vielfach Widerspruch erhoben. Auf die einzelnen Ein⸗ wendungen können wir an dieser Stelle nicht eingehen. Nur eins möchten wir bemerken: Genosse Dittmann, der Frankfurter Partei⸗ sekretär, hat Vorschläge gemacht, die auf Be⸗ seitigung der Landesorganisationen und Ein⸗ teilung des Reiches in Bezirke ohne Rücksicht auf die Landesgrenzen hinauslaufen. Diese Vorschläge halten wir nicht für annehmbar, sind vielmehr der Meinung, daß die Landes⸗ organisationen aus einer Reihe von Gründen beibehalten werden müssen. In dieser Beziehung stimmen wir durchaus mit dem überein, was Ulrich darüber auf der Offenbacher Kreiskonfe⸗ renz ausführte und wobei er besonders auf die gute Entwickelung hinwies, die die hessische Landesorganisation bisher genommen habe. Der Bericht über die Tätigkeit der Landtagsfraktion dürfte weniger zu Kritiken Veranlassung geben. Jeder Genosse wird anerkennen, daß die wenigen sozialdemo⸗ kratischen Vertreter im hessischen Landtage ihre Schuldigkeit vollkommen getan haben. Sie sind besonders bemüht gewesen, ein einiger⸗ maßen gerechtes Wahlrecht zu schaffen. Es ist ihnen trotz allen Entgegenkommens nicht gelungen. Unsere Aufgabe muß es daher sein, bei der bevorstehenden Wahl ihnen noch mehr Kollegen zuzugesellen und die offenen und ver⸗ steckten Wahlrechtsfeinde aus dem Landtage hinaus zu werfen! Den Beratungen der Konferenz, die dazu mit beitragen sollen, wünschen wir besten Erfolg und grüßen herzlichst die Vertreter der hessischen Sozialdemokraten, die in Alzey zu ernster Beratung zusammenkommen! Podbielski und die Fleischnot. Ein prächtiger Kerl ist der Herr Landwirt⸗ schaftsminister schon in seiner„kernigen“ Aus⸗ drucksweise, er, der sich„mit keinem Lausekanal vor den Bauch stoßen läßt.“ Er ist es aber auch in der Praxis, wo er von einer kernigen Vertretung seiner groß⸗agrarischen Interessen sich durch keines„Gedankens kränkelnde Blässe“ beschränken laßt. Er läßt sich auch mit allen Petitionen und Resoluttonen in Betreff der sich täglich steigernden Fleischnot nicht vor den Bauch stoßen. In Berlin haben die Vertreter der Landwirtschaftskammer eine Konferenz wegen der Fleischfrage abgehalten. Die Wölfe haben beraten, ob unter shrem Wolfs-Hunger das Schafsvolk wirklich so arg zu leiden hätte, wie es klagt, und sind bei dieser Veratung zu dem merkwürdigen aber erfreulichen Resultat gekommen, daß die Schafe sich über ihre Leiden stark übertriebene Sorgen machen und daß sie, die Wölfe, keinen Grund haben, ihrem gesunden Egoismus bei Vertretung ihrer Wolfsinteressen weitere Schranken zu setzen. So werden sich die Herren von der notleidenden Vandwirtschaft im Vollgefühl ihrer gänzlichen Unschuld und in der Hoffnung auf ein weiteres„gesundes“ Anziehen aller Nahrungsmittelpreise zu dem Festessen zusammengefunden haben, das sich an die so glücklich verlaufene Konferenz anschloß. Und da faßte noch einmal der Landwirtschafts⸗ minister(wie trefflich der Titel hier paßt, da Mintister auf Deutsch recht eigentlich„Diener“ heißt!) die Gefühle agrarischer Seelen in trefflichen Worten zusammen. Mit der ver⸗ blüffenden Leichtigkeit eines gewandten Jong⸗ leurs schafft er den schweren Hauptstein des Anstoßes, den viele für so unbeweglich gehalten haben, aus dem Weg: Man dürfe nur von einer„Fleischteuerung“ reden, es bestehe gar keine„Fleischnot“. Und damit ist allerdings die„Not“ beseitigt. Podbielski meint mit diesem kostbaren Wortspiel, es sei in Wahrheit gar keine Not, kein Mangel an Fleisch vor⸗ handen, es sei nur das genügend vorhandene Fleisch halt„teuer“. Und das ist natürlich für sein agrarisches Herz kein großer Kummer. Wer Geld hat, kann ja eben für ein paar Pfennig mehr doch genug Fleisch haben. Und wer kein Geld hat— nun für solche Leute ist natürlich unsre weise Handelspolitik nicht ge⸗ macht.„Denn ein Recht zu leben, Lump, haben nur, die etwas haben“, heißt es bei Heine. Wegen der Hungerleider eine Grenzöffnung zu gestatten, das wäre doch, wie jeder— Agrarier einsteht, ein frevelhafter Eingriff in die heiligsten Rechte der Nation, nämlich in das Portemonnaie ihrer Agrarier. Und was für„Egoisten“ und „Materialisten“ und„Volksverhetzer“ müssen das sein, die jenen geheiligten„nationalen“ Rechten Gesundheit und„Magenfragen“ der Habenichtse voranzustellen wagen! Und ange⸗ sichts des herrlichen nationalen Zolltarifs wundert sich Podbielski, daß der Kampf zwischen Stadt und Land wieder aufflackerte, den er nun für so lange Zeit beschwichtigt glaubte. Hatte er doch gehofft, daß im Schatten eines blühenden Großagrariertums das Volk jetzt ganz in„nationaler Arbeit“ friedlich aufgehen könnte! Aber„was find Hoffnungen, was sind Entwürfe“, die von Bülows und Podbielskis aufgebaut werden„auf dem schwankenden Grunde“ der Volksmeinung, die sich nun so gar nicht von oben her will kommandieren lassen, die so grob ist, es offen einzugestehen, wenn sie Hunger spürt, trotzdem man ihr in so gewandten Reden beweist, daß das ein Irr⸗ tum sein müsse! So ungeberdig ist dieses Volk von heute, daß es unter seiner Masse gar viel mehr gibt, die sich über Podbielskis Ver⸗ wunderung wundern, als solche, die sich mit ihm über den erneuten Kampfe gegen die Agrarpolitik wundern, trotzdem natürlich nur diese letzteren die„Nation“ repräsentieren und ihre Forderungen mit dem Stempel„national“ versehen können. Jene andre große Masse ist eben irregeleitet durch einen groben Trugschluß, wie Podbielski meint. Die„Hetzer“ lügen dem Volke vor, daß die teuren Fleischpreise die Folge des neuen Zolltarifs seien, der aber doch erst am 1. März 1906 in Kraft trete. Ach nein, Herr Landwirtschaftsminister, Sie haben doch wohl eine gar zu verächtliche Auf⸗ fassung von der Gehirntätigkeit der großen Mehrzahl der Menschen, wenn Sie meinen, mit so handgreiflichen Irrtümern könne man eine so mächtige allgemeine Mißstimmung er⸗ zeugen, wie sie eben unser Volk gegen die ein⸗ seitige Agrarierinteressenpolitik beherrscht. Was wir dem Volk sagen, ist nur dies: Diese tegern, für viele von euch einfach unerschwinglichen Preise für das bei eurer anstrengenden körper⸗ Seite 2. Mitteldeufsche Sonntaab-Stitung- Nr. 34. lichen Arbeit so sehr nörtge Nahrungsmittel, das Fleisch, sind eine Folge der Absperrungs⸗ politik unsrer Regierung. Eben macht ste nur erst den Schutz gegen Viehseuchen zum Vorwand dafür, die 5 5 billigen fremden Schlachtviehs auf's Aeußerste zu beschränken. Wie wird das nun erst werden, wenn der neue Zolltarif kommt, wenn diese Absperrung noch derschärft und auf alle Nahrungsmittel aus⸗ gedehnt werden wird? Diese Fleischnot infolge der veterinären Absperrung der Einfuhr gibt auch einen Vorgeschmack der allgemeinen Verteurung durch die Verallgemeinerung der Absperrungspolitik, wenn erst der Zolltarif in Kraft treten wird. Und vor allem ist diese hartnäckig aufrecht erhaltene Absperrung ange⸗ sichts der großen Fleischnot— pardon! Fleisch⸗ teuerung, ein recht greifbarer Beweis dafür, wessen Interessen den Staat eben völlig be⸗ herrschen. Nun, mögen die Herren von der Landwirt⸗ schaft ihre Interessen nur so fort verfechten und immer offener ihren Eigennutz aus der Maske der„nationalen Interessen“ heraus- schauen lassen— umso weniger werden wir uns durch ihre patriotischen Redensarten beirren lassen, umso kräftiger werden wir auch unsre, die Interessen der großen Mehrheit unsres deutschen Volkes vertreten dürfen.„Egois⸗ mus weckt wieder Egoismus“, das alte Wort mögen die Herrn Agrarier nicht außer Acht lassen. Oder, um es in etwas„keruigerer, Art auszudrücken:„Wurscht wieder Wurscht! Und haben die Agrarier die nationale Phrase für sich, so haben wir die größere Hälfte der Nation selbst für uns. Und der Entrüstungs⸗ sturm, der 1846 in England einst die ganze agrarische Zoll⸗ und Junkerwirtschaft aus dem Lande fegte, der könnte doch auch vielleicht einmal zu uns nach Deutschland e * In verschiedenen Städten verlangten die Metzgerinnungen Erleichterung der Einfuhr ausländischen Schlachtviehs, das Gleiche ver⸗ langten zahlreiche Volksversammlungen. Aus rößeren Städten wird berichtet, daß infolge ber Fleischnot viele Metzger ihre Läden schließen mußten; in Frankfurt am Montag allein 171 Das ist der Segen unserer herrlichen vater⸗ ländischen Schutzzollpolitik! Politische Rundschau. Gießen, den 17. August 1905. Politisches von der Woche. Mit Einführung des Befähig⸗ ungsnachweises für Handwerker gingen bisher die Mittelstands⸗ und Handwerks⸗ retter aller Farben auf den Bauernfang. Jetzt hat sich die Vertretung des deutschen Handwerks, der jüngst in Köln stattgefundene deutsche Hand⸗ werkskammertag mit 46 gegen 25 Stimmen gegen den allgemeinen Befähigungsnachweis ausgesprochen. Die Vernünftigen unter den Handwerkern, haben längst eingesehen, daß sich der Befähigungsnachweis von all den zur Hebung des Handwerks angepriesenen Mitteln als das alleruntauglichste darstellt, daß er nur eine Lockspeise zum Stimmenfang in den Händen der Antisemiten, Konservativen und anderer Rückständler ist. Gegen den Hamburger Wahlrechts⸗ raub wollen, wie der„Frkftr. Ztg.“ berichtet wurde, die Hamburger Bürgervereine eine große Willenskundgebung herbeiführen. Die Stellungnahme der Bürgervereine, die im. kommunalpolitischen Leben Hamburgs eine große Rolle spielen, soll durch eine Enquete festgestellt werden. Beim Wiederzusammen⸗ treten des zur Prüfung der Wahlrechtsvorlage niedergesetzten bürgerschaftlichen Ausschusses nach den Ferien soll dem Ausschusse diese Enquete als Material zugestellt werden. Um das allgemeine Wahlrecht wird in Ungarn gekämpft. Die Sozialisten hielten viele Versammlungen im Lande ab, in denen beschlossen wurde, durch einen allgemeinen Streik und Demonstrations⸗Umzug das Parla⸗ ment zur Einführung des allgemeinen Wahl⸗ rechts zu zwingen. Das norwegische Volk nahm am Sonntag eine allgemeine Abstimmung über die Frage der Trennung der Union mit Schweden vor. 362980 stimmten mit„Ja“, also für die Trennung und die Entlassung des Königs Oskar und nur 182 dagegen. Ueber dieses Resultat herrschte allgemeiner Jubel im ganzen Lande. Nunmehr sollten die Norweger auch sofort die Republik einführen, denn wenn ste nur ein neues Fürstenthrönlein errichten wollen, dann sind sie nichts gebessert. Die Friedens verhandlungen zwischen Japan und Rußland nehmen nach den Berichten aus Portsmouth günstigen Fortgang. Die Russen scheinen auf die Bedingungen der Japaner — bon denen die hauptsächlichsten sind: Räu⸗ mung der Mandschurei durch die Russen; An⸗ erkennung des japanischen Protektorats über Korea; Abtretung von Sachalin an Japan und eine Kriegsentschädigung— eingehen zu wollen. Menschenopfer der Eisenbahn⸗Büreaukratie. Die entsetzliche Eisenbahnkatastrophe, die sich am Montag vor acht Tagen in Spremberg ereignete und über die wir in voriger Nummer nur kurz berichteten, lenkt die öffentliche Auf⸗ merksamleit wiederum auf die Zustände, wie ste innerhalb des preußischen Eisenbahngebietes zu Hause sind, aber auch in andern deutschen Vaterländern angetroffen werden. Der lahme Gaul offiziöser Beschwichtigungen ist diesmal mit einer so auffälligen Eile in Bewegung gesetzt worden, daß man an das Sprichwort erinnert wird: Wer sich entschuldigt, klagt sich an! Gleich nach der Katastrophe wurde ver⸗ kündet, der angeblich schuldtragende Stations⸗ assistent sei keineswegs übermäßig lang im Dienst gemesen, sondern erst zwei Stunden. Das mag ja wahr sein; aber es ist nur ein günstiger Zufall für die Eisenbahndirektion, daß sie sich in diesem Punkte in lilienweiser Unschuld zeigen kann. Denn an der notorischen Tatsache, daß die übermäßige Ausnützung des Bahnpersonals, das Arbeitszeiten bis zu 14 und 16 Stunden kennt, den Boden schafft für die zahlreichen Betriebsunfälle im Eisen⸗ bahnverkehr, wird dadurch nichts geändert, daß in einem Einzelfalle diese Ursache nicht nach⸗ weisbar ist. Aber der Fiskalismus der preußi⸗ schen Staatsbahnen, die mit ihren auf Kosten der Betrtiebssicherheit erzielten Riesenüberschüssen prunken, schafft noch eine zweite Gefahrenursache, auf die eine Notiz der Nordd.„Allg. Ztg.“ aufmerksam machte. Es hieß darin: „Der beklagenswerte Eisenbahnunfall bei Spremberg ist durch den den Zugmeldedienst in Spremberg leitenden Stationsassistenten veranlaßt worden. Er lies unbe⸗ greiflicherweise den Schnellzug 113 von Spremberg in der Richtung nach Görlitz abfahren, trotzdem auf ein⸗ geleisiger Strecke, also auf diesem Geleise der Nachzug zu dem Schnellzug 112 von Görlitz nach Spremberg in der Anfahrt war. Bei der Beachtung der in der Praxis aller Länder seit Jahren bewährten Vorschriften ist der Betrieb auf eingeleisigen Linien nicht minder sicherer als auf zweigeleisigen.“ Dieses verlegene Entschuldigungsstammeln beweist uns, daß„man“ sich wohlbewußt ist, daß Verkehrsverhältnisse, wie ste sich bei der Spremberger Katastrophe bemerkbar machten, als geradezu gemeingefährlich bezeichnet werden müssen. Es ist ja bekannt, daß manche Bahnhöfe wegen ihrer rückständigen Anlage im preußischen Landtag wiederholt als„Menschen⸗ fallen“ bezeichnet wurden, und der Mißstand, daß Eisenbahnstrecken mit großem Durchgangs⸗ verkehr immer noch eingeleisig sind, ist durch beschwichtigende Redensarten nicht aus der Welt zu schaffen. Wäre die Görlitzer Bahn, auf der das Spremberger Unglück passtert ist, zweigeleisig ausgebaut worden, so hätte die Katastrophe nicht passtieren können, die so viel bitteres Leid über zahlreiche Familien gebracht hat. Es sind nach den genauen Feststellungen 20 Personen getötet oder kurz nach dem Zu⸗ sammenstoß gestorben und etwa 40 verletzt. Wieviel Todesopfer sollen noch fallen, wieviel Menschen noch zu elenden Krüppeln werden, bis die Eisenbahnverwaltungen sich ihrer Ver⸗ antwortung bewußt werden, und die Vorbe⸗ dingungen für eine ausreichende Betriebsstcher⸗ heit schaffen durch Ausbau der Verkehrsvor⸗ richtungen und durch Verzicht auf die über⸗ mäßige Ausbeutung ihrer Bediensteten? So geht ein Artikel durch die Presse, in dem dar⸗ auf hingewtesen wird, daß die Strecke Dres den⸗ Berlin ebenfalls nur eingeleisig ist, trotzdem diese Strecke außerordentlich belastet ist. Unter dem elendesten Wahlsystem. Die amtliche Bearbeitung der Ergebnisse der preußischen Landtagswahlen von 1903 ist nun im preußischen Statistischen Bureau er⸗ schienen. Danach waren im Jahre 1903 im ganzen Staate 7101963 Urwähler vorhanden, das sind 206,02 auf 1000 Einwohner. In absoluten Zahlen entfielen auf die erste Klasse 238 845 Wähler, auf die zweite 856 914 und auf die dritte Klasse 6006 204 Wähler. In Hundertteilen der gesamten Wählerzahl kamen auf die erste Klasse 3,36, auf die zweite Klasse 12,07 und auf die dritte Klasse 84,57. Die Verteilung der Wählerstimmen auf die Parteien war folgende 1. Kl. 2. le S Zu Konserv. 33 629 69 409 221019 324157 Freikonserv. 5063 10761 32178 47975 Nationallib. 25982 60 792 169 446 256 220 Fr. Verein. 1665 3952 11118 16735 Fr. Volksp. 8593 21409 43243 73245 Zentrum 23327 54780 173851 251958 Pol., Dän. 6242 25004 150110 181356 Bd. d. Land. 2142 3555 6851 12548 Antisemiten 152 428 2200 2880 Sozialdem. 782 12383 300 984 314 149 18,79 Sonstige 9869 30 464 150057 190 390 11,39 Aus dieser Zusammenstellung ergibt sich, daß nach der prozentualen Verteilung der Wählerstimmen die Zentrumsfraktion des Ab⸗ geordnetenhauses von der zweiten an die vierte Stelle rücken müßte. Den zweiten Platz (hinter den Konservativen) würden die Soztal⸗ demokraten einnehmen, die National⸗ liberalen würden die dritte Stelle behaupten. So müßte es sein, tatsächlich haben die 314 149 sozialdemokratischen Wähler aber nicht einen Abgeordneten erhalten. Das ist ja auch begreiflich, wenn 238845 erstklassige und 856 914 zweitklassige Wähler 6 006 204, die in der dritten Klasse wählen, majoristeren können. Treffender wie durch diese Zahlen kann die Ungerechtigkeit des preußischen Drei⸗ klassenwahlsystems nicht beleuchtet werden. Opfer unserer Sandwüsten. Neunzehn Monate sind seit dem Be⸗ ginne des Herero⸗Krieges verflossen. Während dieser Zeit hat die deutsche Schutztruppe einen Gesamtverlust von 1692 Mann zu ver⸗ zeichnen und zwar an Toten 1122 Mann, an Verwundeten und Verunglückten 570 Mann. Das sind ganz gewaltige Opfer, die für eine elende, wertlose Sandwüste gebracht wurden. Nichts erreicht, als Menschen und Tiere ver⸗ nichtet und vielleicht geringfügige Ansätze von Kultur zerstört. Und dafür hat bisher das deutsche Volk 400 Millionen Mark auf⸗ wenden müssen. Unsere siebengescheiten Staats⸗ weisen können sich mit den Erfolgen ihrer Kolontalpolitik sehen lassen.— In der Zeit⸗ schrift:„Die deutschen Kolonien“ wurden zwei Erlasse veröffentlicht, die beweisen, daß General v. Trotha eine barbarische Kampfesweise gegen die Neger beliebt. Korrigierte militärische Schreckensurteile. Das fürchterliche Urteil, das vor einigen Wochen gegen die beiden Landwehrleute Strauer und Krogmann vom Kieler Kriegsgericht gefällt wurde, ist vom Oberkriegs⸗ gericht abgeändert und die Strafe der beiden Sünder bedeutend reduziert worden. Die Ge⸗ nannten waren kekanntlich wegen„Aufruhr“ zu 7 und 6 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Sie hatten weiter nichts getan, als bei ihrer Abführung in den Arrest Widerstand geleistet. Die Berufungsinstanz setzte nun die Strafe für Strauer auf 1 Jahr 2 Monate Gefängnis und für Krogmann auf 1 Jahr 19,39 2,87 15,33 1,00 4,38 15,07 10,85 0,75 0,17 In Proz. 55555 — — den, 1 flasse und hler. Wahl weite 4,57. F die n Pg, 19,39 1538 15,07 e e r — Nr. 34. Mitteldentsche Sonuntags⸗Zeitung. Seite&. 1 Monat Gefängnis herab. Diese Strafe ist für das harmlose Vergehen noch immer unge⸗ heuerlich genug, aber gegen die zuerst erkannte doch ein gewaltiger Unterschied. Dabei gingen beide Instanzen bei Beurteilung des Falles von demselben Standpunkte aus. Beide zogen die Angetrunkenheit der Angeklagten in Betracht, bejahten jedoch das Vorhandensein der Zurech⸗ nungsfähigkeit und betonten die Schwere der begangenen Exzesse. Um so auffälliger ist der kolossale Abstand in der Abmessung der Strafen, die von den beiden Instanzen ver⸗ hängt wurden. Aehnlich ging es mit dem Urteil gegen den Matrosen Jancowski vom Kreuzer„Ankona“. Dieser hatte in der Trunkenheit einen Signal⸗ maaten von der„Medusa“ beschimpft und mittels eines Bandeisens tätlich angegriffen und war deshalb am 8. Juli zu 3½ Jahren Gefängnis verurteilt worden. Das Ober⸗ kriegsgericht in Kiel hob nunmehr das Urteil der Ae Instanz auf, indem es als festgestellt erachtete, daß der Angeklagte bei Begehung seiner Tat den Vorgesetzten als solchen nicht erkannt habe, erachtete aber das Bandeisen als gefährliches Werkzeug. Wegen Körperverletzung mittels gefährlichen Werkzeugs lautete das Ur⸗ tell unter Berücksichtigung der Vorstrafen auf drei Monate Gefängnis, auf die auch die ure erlittene Untersuchungshaft angerechnet wurde. Revolution in Rußland. Ueber die Polizeiwirtschaft und die Gefäng⸗ nisse in Odessa wurde der„Pall Mall Gazette“ berichtet:„Infolge der vielen Verhaftungen von allen Klassen liberaler Bürger— Juristen, Aerzte, Professoren, Journalisten usw.— sind die Gefängnisse in Odessa übervoll. Das hauptsächlichste Gefängnis hat jetzt 1400 Ge⸗ fangene, die in Räumen leben müssen, die ursprünglich für 600 bestimmt waren. Die Distriktspolizeistationen sind mit Gefangenen angefüllt, von denen viele in unbeschreiblich schmutzigen Zellen eingesperrt sind. Obwohl täglich viele Männer und Fraues aus der Stadt verbannt werden, so bleiben die Gefäng⸗ nisse dennoch voll, da immer neue Verhaftungen in großer Zahl stattfinden.“— Der jüngst erwählte Bürgermeister und Professor an der Universität, Yaroschenko, ist von dem Statt⸗ halter, General Karaugozoff, verbannt worden, sowie eine große Anzahl angesehener Personen. Gegen die„Meuterer“ von dem Lehrschiffe „Pruth“ wurde in Sebastopol verhandelt. Von den 43 Matrosen wurden 15 Angeklagte freigesprochen, vier zum Tode durch Er⸗ schießen, drei zu fristloser Zwangsarbeit, die ubrigen zu leichteren Strafen verurteilt. Das Kriegsmarinegericht beschloß, Fürsprache einzulegen, daß die Todesstrafe durch fristlose Zwangsarbeit und letztere für zwei Angeklagte durch zehnjährige Zwangsarbeit ersetzt werde. In Bialystok hausten die zarischen Blut⸗ hunde am 12. August in der fürchterlichsten Weise. Polizei und Soldaten stürzten sich auf eine angesammelte Arbeitermenge und sprengte sie auseinander. Als ein Soldat einen sehr angesehenen Arbeitervertreter niedergestreckt hatte, sammelte sich der Volkshaufe von neuem und begann die Patrouillen mit Steinen zu bewerfen. Kosaken sprengten herbei, und es begann eine regelrechte Schlächteret, die bis spät in die Nacht hinein fortdauerte. Die Einwohner be⸗ haupten, daß das Militär von oben den Befehl erhalten hätte, nach Gutdünken zu verfahren. Die Soldaten trieben eine förmliche Jagd und schossen mit Absicht auf unbewaffnete Passanten, auf Frauen und Kinder. 80 Tote und etwa 200 Verwundete wurden gezählt. Wie lange will sich das Volk noch die zarischen Verbrechen gefallen lassen? Kleine politische Nachrichten. Im Bebelschen Erbschaftsprozeß, der zu⸗ gunsten Bebels vom Ulmer Landgerichte entschieden worden ist, sollen zurzeit Vergleichs verhandlungen schweben, sodaß dieser Aufsehen erregende Prozeß weder das Oberlandesgericht noch das Reichsgericht beschäftigen dürfte.— Die Revision gegen das Trierer Ur⸗ teil im Prozesse Krämer⸗Hilger wurde von beiden Seiten zurückgezogen. Herr Hilger ließ durch seinen Rechtsbeistand dem Rechtsanwalt Heine mitteilen, daß er die Revision zurückziehen werde, wenn die Gegen⸗ partei dasselbe tue. Das ist denn auch vom Genossen Krämer geschehen. Somit wäre denn dieser Prozeß, der soviel Staub aufwirbelte, und der noch einen Mein⸗ eidsprozeß gegen den Schlafhausaufseher Bremer als Nachspiel zu haben scheint, endgültig erledigt. In Spanien sind Hungerrevolten ausge⸗ brochen. In Sevilla und Ossuna griffen mehr als 3000 Arbeiter, durch Hungersnot getrieben, Güter und Höfe an und durchziehen Freiheit verlangend, die Dörfer. Die Lage wird als sehr ernst aufgefaßt. Hungersnot in einem von Natur so reich gesegnetem Lande! Pfaffen und Fürsten haben es ausgesogen! Soziales, Gewerkschaftliches, Arbeiterbewegung. 101569 Mann auf dem Schlachtfelde der Arbeit gefallen! Das ist nach der Statistik der Unfallberufsgenossenschaften die Zahl der Getöteten. In diesem Jahre waren 6047 Getötete zu verzeichnen und diese Zahl stieg mit jedem Jahre, bis auf 8370 im Jahre 1903. Im Ganzen in den vierzehn Jahren 101569 Getötete, die zusammen 204597 Witwen und Waisen hinterließen. Ueber 100000 Gefallene! Das ist schon eine ganz gewaltige Armee, die auf dem Schlachtfelde der Arbeit fiel und die Gesamtzahl der von den Getöteten Witwen und Waisen beträgt 204597. In diesen Zahlen(im Jahre 1904 stieg die Zahl der Unfälle mit tötlichem Aus⸗ gange um weit über tausend gegen das Vorjahr) tritt das Risiko der Arbeit in seiner ganzen erschreckenden Größe vor Augen. Was will demgegenüber das Ristiko des Unter⸗ nehmers bedeuten! Dieser riskiert einiges Kapital um mehr zu gewinnen, der Arbeiter aber muß für das tägliche Brot sein Leben einsetzen! Von den Unfallziffern sind noch folgende bemerkenswert: Im Jahre 1903 ist die Zahl der gemeldeten Unfälle um 42 000 gesttegen. Zu den 642040 am Anfang des Jahres vor⸗ handenen Unfallrentnern kamen 129 375 eut⸗ schädigungspflichtige Unfälle hinzu, sodaß zu⸗ sammen 771415 Unfälle entschädigt werden mußten. Verausgabt wurden bei Todes⸗ fällen und Erwerbsunfähigkeit an Renten, Be⸗ handlung in Heilanstalten und Fürsorge für Verletzte innerhalb der Wartezeit 117 912 900 Mark, oder 152,35 Mark für jeden entschädi⸗ gungspflichtigen Unfall. Für Untersuchung, Rechtsgang, Unfall⸗Verhütung und Verwaltung wurden 18 877500 Mark, oder auf jeden hin⸗ zugekommenen entschädigungspflichtigen Unfall 146 Mark, auf jede laufende Rente 24,50 Mark gleich 16 Prozent der Rente verausgabt. Die reinen Verwaltungskosten betrugen bei 146 000000 Mark Einnahmen nicht weniger als 12 374 300 Mark, gleich 9 Prozent, während bei den Krankenkassen, die fünfmal soviel mit Er werbsunfähigkeit verbundene Fälle zu er⸗ ledigen hatten, bei einer Einnahme von 206 Millionen Mark nur 11,8 Millionen gleich 6 Prozent zu verzeichnen sind. Der Zentralverband der Ortskranken⸗ kassen hielt vom 6. bis 8. August seine 12. Jahresversammlung in Dresden ab. Laut Jahresbericht gehören dem Verband 175 Orts⸗ kassen mit 1608 206 Mitglieder an. An der Versammlung nahmen 294 Delegierte von 143 Kassen mit einer Mitgliederzahl von 1557600 teil. Nach einem Referat von Fischer⸗Weimar wird ein Antrag angenommen, der verlangt, daß gegen 6 Prozent Mindestentschädigung ganz allgemein gewährt und gesetzlich die Einziehung der Invalidenbeiträge den Ortskassen übertragen wird. Ferner wurde beschlossen, eine Eingabe an den Reichstag zu richten, damit die Versiche⸗ rungspflicht auf Hausgewerbetreibende und Hausarbeiter ausgedehnt werde.— Hierauf spricht Sydow⸗Berlin über die Vereinheit⸗ lichung der Arbeiterversicherung. Er geht auf die Vorgeschichte der in Aussicht genommenen Vernichtung der Selbstverwaltung der Kranken⸗ kassen ein und wendet sich auch gegen die Aerzte, die diese scharfmacherischen Bestrebungen unter⸗ stützen. Er fordert schließlich eine wirkliche Reform der Versicherungsgesetzgebung. Die deutschen Arbeiter haben durch die 20 Jahre Selbstverwaltung nicht nur ein materielles, sondern auch ein ideelles Recht erworben. Vor einem Bureaukraten, wie Bülow es ist, beugen sich die Arbeiter nicht, schließt Redner seinen beifällig aufgenommenen Vortrag. Die Ausgaben der Krankenkassen im Deutschen Reiche verteilen sich in fol⸗ gender Weise: Krankenkassenmitglteder im Sinne des Gesetzes waren im Jahre 1903 im Deutschen Reiche 10 224297 Menschen. Von den Kranken⸗ kassen bekamen: die Aerzte 40 765699 Mk. die Apotheker 28 905 813„ die Kranken selber 9377 die Wöchnerinnen 2851355„ Krankenanstalten 23 658831„ Rekonvaleszenten 157 405„ Sterbegeld wurde gezahl 5388897„ Zusammen wurden also gezahlt 180 841677 Mk. Aerzte gab es 1904 im Deutschen Reiche 30457, so daß also auf den Arzt im Durch⸗ salen aus den Krankenkassen 1333 Mark ent⸗ allen. Gute Lehre für Unorganisierte. Ein Parteigenosse in Köln erhielt vor einigen Wochen von seinem Schwager in München, einem ausgesperrten Metallarbeiter, einen Brief, der für die Psychologie der Unorganisterten geradezu typisch ist. Es hieß darin: „Du weißt, wie ich voriges Jahr zu dir sagte, daß er(der Fabrikant) nur Organi⸗ sterte hinauswirft. Darum hielt ich mich immer zurück. Jetzt hat sich der Schuft eines anderen besonnen und wirft uns sämtlich hinaus, natürlich mit dem Unterschiede, daß die anderen eine Unter⸗ stützung bekommen und ich keine, weil ich seinen Worten zuviel Glauben schenkte. Das habe ich nach 8½ Jahren von diesen Schuften. Wie lange diese Aus⸗ sperrung dauern wird, wissen wir nicht, denn die Prinzipale sind sehr eigensinnig; aber von was leben und Zins zahlen?“ Der Brief schließt mit der Bitte, dem Schreiber während der am kommenden Sonn⸗ abend beginnenden Aussperrung eine kleine Unterstützung zu gewähren. Das Geschick, das diesen Unorganisterten traf, ist das, was er verdient und selbst gewollt hat. Trotz seiner Kürze kann der Brief beinahe ein wirksames Flugblatt ersetzen. Wir veröffentlichen ihn zu Nutz und Frommen aller derer, die sich bisher vor der Beitrittspflicht zu ihrer Gewerkschaft vorbeigedrückt haben. Pon Rah und Lern. Hessisches. k. w. Vom Finger Gottes. In Viern⸗ heim bei Worms wurde diesen Monat unter Anwesenheit des Großherzogs ein Kriegerdenk⸗ mal enthüllt, welches sogar die Mutter Gottes mit dem blutigen Handwerk in Ver⸗ bindung bringt. Und ein gar gemütvoller frommer Kaplan mit Namen A. Veil kleidet solche intimen Beziehungen zwischen Krieg und Kirche in der Festzeitung in folgende tiefsinnige Worte: „Ste zogen aus zum blutigen Strauß, und stehe da! alle kehrten unversehrt und ruhm⸗ gekrönt in's Elternhaus zurück mit Ausnahme eines einzigen, der die kirchliche Abschiedsfeier versäumt hatte. Der Krieg bettete ihn neben vielen andern in französischer Erde zur Ruhe.“ Ob nun aber unter diesen„vielen andern“ nicht doch auch vielleicht mancher gewesen ist, 5 9 5 kirchliche Abschiedsfeier versäumt atte Der Gedankengang erinnert lebhaft an die geistliche Trostpredigt bei dem Borussiaunglück! Da haben wir einen weiteren Beleg für die Art und Weise, wie diese beschränkten kirchlichen Zeremonienritter sich den„lieben“ Gott nach dem Ebenbilde ihrer eigenen erbärmlichen Eng⸗ herzigkeit zurechtschneiden. Diese großartige Logik könnte schließlich doch nur dahin führen, 122 — Seite 4. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 34. nicht bloß in allen Kriegsgefallenen, sondern überhaupt in allen von Unglück betroffenen armen Menschenkindern„Schuldige“ zu sehen, die von der gerechten Rache des„Vaters“ im Himmel für ihre sckweren Vergehungen(z. B. Versäumnis einer Kirchenfeier!) ereilt worden sind. Und so etwas heißt„Religion“ und schimpft tieferen Gemütern gegenüber auf die „gottlose Zeit“! Gießener Angelegenheiten. —„Sozialdemokratische Ausschrei⸗ tungen“. Vor Kurzem ging eine Notiz durch die bürgerliche Presse, die natürlich auch sofort vom Gießener Amtsblatt begierig aufgeschnappt wurde, in welcher von einer angeblichen sozial⸗ demokratischen Schandtat aus Erfurt berichtet wurde. Es wurde da erzählt, daß Soztal⸗ demokraten einen katholischen Festzug gestört und mehrere im Zuge befindliche Geist⸗ liche beschimpft hätten. Der Haupträdelsführer sei gefesselt abgeführt worden. Schließlich hieß es noch:„Wie sich heraus stellte, handelte es sich um eine wohl vorbereitete Demonstration von Mitgliedern der sozialdemokratischen Partei, weil alle von dieser Seite geplanten Umzüge in letzter Zeit von der Behörde verboten worden waren.“ Das ist ein dreister Schwindel. Mit dem ziemlich harmlosen Vorfall verhält sichs nach den Darstellungen unseres Erfurter Partei⸗ blattes folgendermaßen: Der Arbeiter Noack geriet mit dem vor dem Zuge marschierenden Polizeibeamten in Konflikt, wurde von diesem gestoßen, daß er auf einen Steinhaufen fiel und soll darauf zu dem Beamten gesagt haben, er wolle ihn einen Stein an den Kopf werfen. Ueber die Person des angeblichen Missetäters sagt das Blatt wörtlich: „Er gehört weder den Gewerkschaften noch dem Sozialdemokratischen Verein an. Bezeichnend ist auch, daß Herr Noack aus dem Restaurant„Zur Blume“ herauskam, in welchem keine Partei⸗ genossen verkehren. Die Parteiorga⸗ nisation hat ausdrücklich einen Beschluß ge⸗ faßt, daß derjenige nicht als Partei⸗ genosse betrachtet werden kann, der in der„Blume“ verkehrt, weil der Wirt sich fortgesetzt weigert, uns seinen Saal zu Ver⸗ sammlungen zur Verfügung zu stellen.“ Die Schauergeschichte erschien uns von vorn. herein unglaublich, denn wir wüßten nicht, weshalb unsere Genossen einen Festzug stören sollten, man hat auch tatsächlich derartiges noch nicht gehört. Hier steht man wieder so recht, wie Lügen über sozialdemokratische Schandtaten zurechtgebaut werden! — Zu der Fabrikordnung des Schreinermeisters Müller— im Volks⸗ munde heißt er„Kanonen⸗Müller“— muß noch einiges gesagt werden. Wir haben neulich schon hervorgehoben, was für ein selbstherrlicher Ton in diesem Ding angeschlagen wird. Es ließt sich eher wie eine Gefängnis⸗ oder Zucht⸗ hausordnung, als eine Fabrikordnung. Nur einige Bestimmungen seien daraus angeführt. Eine derselben verfügt: „Urlaub muß von deu Arbeitern persön⸗ lich eingeholt werden und wird nur in ganz dringenden wohlbegründeten Fällen erteilt. Urlaub zu Beerdigungen wird nur bei aller⸗ nächsten Angehörigen erteilt und es hat sich hiernach jeder Arbeiter ohne Ausnahme zu richten. Unentschuldigtes und unbegründetes Fernbleiben von der Arbeit zieht eine Strafe von 1 Mk. nach sich. Im Wiederholungsfalle sofortige Entlassung.“— Zuspätkommen soll mit 20 Pfg. bis zum halben Tagesverdienst bestraft werden! Aber auch noch Denunziant soll der Arbeiter spielen. Es wird verlangt, daß er seinem„Vorgesetzten“ von jedem außergewöhnlichen Vorfall in Kennt⸗ nis setzen soll. Dann verlangt Herr Müller noch Pflichteifer und sonst alles Mögliche von dem Arbeiter und weiter, daß er jederzeit den Vorteil des Arbeitgebers fördern soll! Nach dem Vorteil des Arbeiters fragt Herr Müller mit keiner Silbe. Kurz, es tritt in diesem Dokument eine anmaßende Willkür zu tage, wie man sie selbst in Fabrikordnungen selten findet. Die Arbeiter sollten Herrn Müller sein Machwerk mit Hohn vor die Füße werfen. — Die Metallarbeiter der Firma Schaffstaedt, Metallwarenfabrik und In⸗ stallationsgeschäft in Gießen, haben wegen Lohndifferenzen die Kündigung eingereicht und es ist sehr möglich, daß es zum Ausstande kommt. Dazu sollte es Herr Stadtverordneter Schaffstaedt doch nicht kommen lassen, sondern lieber die paar Pfennige bewilligen, die von den Arbeitern mehr gefordert werden, denn die Löhne in Gießen sind überhaupt jämmerlich niedrig. Vorläufig sind alle Metallarbeiter in Gießen und außerhalb ersucht, Arbeit in diesem Betriebe nicht anzunehmen. — Wahlverein. Die Generalversamm⸗ lung am Samstag war nur mäßig besucht. Der Kassenbericht für das erste Halbjahr ver⸗ zeichnet in Einnahme 154.83 Mk., in Ausgabe 102.30 Mk. Bei der Vorstandswahl wurde Genosse Lenz als Vorsitzender, Finn als Kasstierer, Fourier als Schriftführer gewählt. Nach Besprechung der Tagesordnung der Kreis⸗ konferenz wird beschlossen, zu derselben, wie es das Statut zuläßt, 6 Delegierte zu entsenden. Als Delegierter zur Landeskonferenz wird Fourier gewählt. Es gab dann noch eine längere Debatte über die Presse. — Richtigstellung. Von Herrn L. Frech erhalten wir folgende Zuschrift: „Unter Bezugnahme auf die in Ihrem Blatte gebrachte Mitteilung über die Sachbeschä digung am Spalier des Gymnastums, teile ich Ihnen ergebenst mit, daß Herr Direktor Sch. keines⸗ wegs bereitwillig die Stellung des Strafantrags unterlassen hat. Nur mit der allergrößten Mühe, nach langem Bitten und nachdem meine Frau und ich dem Herrn das Haus eingelaufen waren, haben wir es dahin gebracht, daß dies⸗ mal noch die Sache auf sich beruhen blieb. Im Interesse der Wahrheit halte ich es für meine Pflicht, Ihnen diese Mitteilung zu machen.“ — Kein ,christliches“ Begräbnis. In früheren Zeiten galt es als ein„unehrliches“ Begräbnis, wenn am Grabe eines Verstorbenen der Pfarrer keine Leichenrede hielt. Es wurde als schwerer Schimpf empfunden und darum wurden nur Verbrecher und Selbstmörder ohne Predigt begraben. Heute verzichten jedoch weite Kreise der Bevölkerung freiwillig darauf, bei Todesfällen die Diener der Kirche zu bemühen und sie um die Grabrede zu bitten. In unserer Gegend kommt dies allerdings noch nicht so zahlreich vor; doch in Berlin z. B. wird nur noch selten pastoraler Trost am Grabe verlangt. Kürzlich gab der Vorwärts darüber einige Zahlen aus dem„Evang. kirchl. Anzeiger“ wieder. Daraus ging hervor, daß etwa nur die Hälfte der Verstorbenen unter Mitwirkung eines Geist⸗ lichen beerdigt wurden. In den evangelischen Kirchengemeinden Berlins nebst den angrenzenden Gemeinden Charlottenburgs und Schönebergs sind im Jahre 1904 32,201 Personen gestorben, aber nur 17,791 wurden unter Mitwirkung eines Geistlichen beerdigt. In der Samariter⸗ gemeinde starben im letzten Jahre 817 Personen, einschließlich 174 Ungetaufter, aber nur 290 wurden mit geistlicher Begleitung beerdigt. Hier wurden also nur 35 vom Hundert mit der geist⸗ lichen Grabrede beerdigt. Für die Frommen sind das schmerzliche Zahlen. Dabei sind selbst unter denen, die bei Beerdigungen ihrer Angehörigen den Geistlichen nicht fehlen lassen, sicher viele Unfromme, die längst nicht mehr zur Kirche halten und den Geistlichen nur als Dekorakion benutzen, weil es besser aussieht und weils die andern auch so machen. Unsern Muckern sind natürlich diese Heuchler immer noch lieber, als diejenigen, die ehrlich abseits stehen, für die das Wort„Kein Geistlicher hat ihn begleitet!“ seinen Stachel verloren hat, die offen auf die Tröstungen der Kirche verzichten.— Bei uns hier ist's, wie gesagt, noch etwas anders. Was machen sich da oft die Angehörigen eines Verstorbenen für Mühe, nur ja einen Geistlichen zur Teilnahme an der Beerdigung zu gewinnen, der sich dessen aus irgend einem Grunde weigert. Man lasse es dann doch einfach dabei bewenden und troste ö sich mit den vielen übrigen! — Verstorben ist am 12. Juli nachts der Turmwächter Friedrich Keßler im 53. Lebensjahre. Er stand jederzeit treu zu unserer Sache, war Mitglied des Wahlvereins und des Gesangvereins Eintracht. Von der Beliebtheit, die sich Keßler erfreute, legte die zahlreiche Beteiligung bei der am Dienstag erfolgten Beerdigung ab. Die„Eintracht“ legte am Grabe einen Kranz nieder und widmete ihrem verstorbenen Mitgliede einige Trauerlieder. Im Auftrage der Stadt sprach Stadtverord. Krumm am Grabe Worte der Anerkennung über die Pflichttreue des Toten.— Von unsern Parteifreunden wird er im guten Andenken gehalten werden. — Ihren Wunden erlegen ist die Frau Post, welche neulich bei der Petroleum⸗ Explosion so schwer verbrannte. Ihr verhält⸗ nismäßig gutes Befinden, das noch Ende voriger Woche andauerte, ließ die Hoffnung aufkommen, ste am Leben zu erhalten. Aus dem Areise gießen. [ Die Lohnverhältnisse des Gießener Braunsteinbergwerks sind höchst verbesserungs⸗ bedürftig. Die Leute arbeiten unter einem Akkordsystem, bei welchem die Löhne nach Wagenladungen bemessen werden. Die zuständigen Beamten bestimmen die Höhe der Akkordsätze. Kommt es nun vor, daß diesen Beamten der magere Lohn der Arbeiter noch etwas zu hoch erscheint, so wird an den Akkordsätzen gekürzt, um die ohnehin schon angestrengten Arbeiter noch intensiver anzutreiben. Dabei muß man bedenken, daß die Leute bei einer 14= bis 15stündigen täglichen Abwesenheit von zu Hause, je nach der Entfernung ihres Wohnorts, aus einen Tagesverdienst von 2,80 Mk. im Durchschnitt im Tagebaubetrieb kommen(im unterirdischen Betrieb stellt sich der Lohn etwas höher). Von diesem niedrigen Lohne wird niemand behaupten können, daß sich eine Familie davon anständig ernähren kann. Allseitig dringt die Erkenntnis unter den Arbeitern des Werks durch, daß der einzelne dem Unternehmertum machtlos gegenübersreht, und nur gemeinsames Handeln Erfolg verspricht.„Den vereinten Kräften oft gelingt, was einer nicht zu Stande bringt!“ Es ergeht deshalb hiermit der Ruf an die gesamlte Belegschaft des genannten Werks, sich der modernen Arbeiterbewegung anzuschließen, zur Erringung besserer Lohn⸗ und Arbeitsbedingungen. Vielseitigen Wünschen entsprechend wird deshalb bald⸗ möglichst in Gießen eine allgemeine Bergarbeiter⸗ Versammlung stattfinden, zwecks Beitritt zur Organisation. Hoffentlich erscheinen sämtliche Arbeiter in geplanter Versammlung und helfen mitwirken zum Wohle der Gesamtheit. r. Steinberg. Daß allzu scharf schartig macht, ist eine alte Geschichte. So wirds auch gehen mit der strengen Handhabung des Forst⸗ strafgesetzes durch unsern Flurschützen Wenzel. Es herrschen hier geradezu empörende Zustände, zu denen es nicht gekommen wäre, wenn etwas mehr Einsicht von verschiedenen Leuten und von der Ortsbehörde gezeigt würde. Wer bei uns hier in der glücklichen Lage ist, ein Häuschen zu besitzen, schafft sich in der Regel einige Hühner an, damit er ein paar Eier bekommt. Das wird nun aber den am Ende des Ortes wohnenden Leuten fast unmöglich gemacht. Denn untersteht sich mal so ein armes Hinkel in's Freie zu laufen, sofort ist der Feldschütz da und macht Anzeige. Da regnet es denn Strafe auf Strafe. Auf diese Weise werden hunderte von Mark der Gemeinde entzogen. Steht der Schaden, den die Hühner beim Suchen von Würmern anrichten, im Verhältuis zu dieser Summe? Das wird jeder in Zweifel ziehen müssen. Da ist's kein Wunder, wenn die Stimmung gegen den Hüter des Gesetzes nicht die freundlichste ist. Infolge häufiger Be⸗ schwerden an das Kreisamt setzte dieses einen Termin zur Vernehmung an, in dem eine Reihe Vorwürfe gegen den Flurschütz erhoben wurden. Unter anderem dieser, daß er öfters Arbeiten für Private ausführe, was ihm im Dienst⸗ vertrag untersagt ist. Der Herr Bürgermeister, der ebenfalls in der Sache bernommen wurde, stellte dem Flurschütz ein gutes Zeugnis aus und bestritt namentlich, daß er Arbeiten für. Private ausführte. Die Sache dürfte mit dieser ien nicht zum Abschluß gelangt sein.— Wird die Sache richtig klar gestellt, dann erscheinen möglicherweise gewisse Personen in anderem Lichte. Sollten die Hau pischreier, die den Leuten wegen eines Huhnes 34. — lachtz * im 1 zu ereing 1 de e die ustag u onete lieder. erord. nung insern senken st die leum⸗ ahält⸗ orliger men, ßener erungs⸗ dshstem, emessen len die j diesen vas zu bit, um stensiber e Leute esenhett hnorts, chschnitt Bettieh sebrigen ich eine Allsettig Werlz nachtlos Erfolg q, was deöhalb nannten hlleßen, gungen. 9 balb⸗ eitet⸗ itt zur Arbeiter en zun chartig b duch Forst Benzel stände, elwaß d bol! ei ud ische einige kommt. Orleh Dell l i 116. Sllafe under cht del 1 bol 1 dieser b ichen 8 88— Nr. 34. Mitteldeulsche Sountags⸗Zeitung. Seite 5. den Pollzisten auf den Hals hetzen, ihr Treiben fortsetzen, so könnten vielleicht die Arbeiter auch ein gewichtiges Wort reden und das lautet: Heraus mit den Schafherden aus der Ge— markung! Aus dem Nreise Alssesd-Cauterbach. b. Alsfeld. Die Mitglieder versammlung des Wahlvereins am Sonntag beschäftigte sich mit der bevorstehenden Landeskonferenz. Als Delegierter wurde der Kreisvertrauens— mann Eder gewählt. Letzterer berichtete daun noch über die Entwickelung unserer Organisation und meinte, daß wir mit den Fortschritten im Kreise, mit Ausnahme vielleicht von Lauterbach, sehr wohl zufrieden sein könnten.— Man debattierte dann über die Aufnahme von Kriegervereinlern in den Waͤhlverein. Wiegand war der Ansicht, daß solche nicht aufzunehmen seien, wogegen Eder sich wendete. Man solle die Leute aufnehmen und sie aufklären, damit sie zur Erkenntnis ihrer Lage kämen. Jakob bemerkte, daß Kriegerverein und sozialdemo⸗ kratischer Wahlverein Gegensätze seien. Ein überzeugter Sozialdemokrat werde von selbst aus dem 5 0 hinausgeworfen und wir sollten es mit Hurrabrüdern auch so machen. — In nächster Versammlung soll die Debatte darüber fortgesetzt werden.— Im weiteren wurde verlangt, daß mehr Volksversammlungen abgehalten würden.— Der Delegierte zur Landeskonferenz wurde beauftragt, dafür zu stimmen, daß die nächste Landeskonferenz in Gießen stattfinden soll.(Die Gleßeuer sind leider wegen mißlicher Lokalverhältnisse nicht in der Lage, die Konferenz einzuladen. D. Red.) Aus dem RNreise Wetzlar. h. Die Gewerkschaftsversammlung am Sonntag im Schützengarten war trotz des herrlichen zum Spazierengehen verlockenden Wetters sehr stark besucht. Der geräumige Saal des„Schützengarten“ war voll besetzt. Es hatte übrigens Mühe gekostet und es ist unseres Wissens das erste Mal, daß eine Arbeiterver⸗ sammlung in diesem Lokale stattfand. Mit proßer Auf⸗ merksamkeit verfolgten die Anwesenden die Ausführungen der Redner, Wie angekündigt, sprach zuerst Hüttmann⸗ Frankfurt über die gewerkschaftlichen Kämpfe der Gegen⸗ wart, dann der Bergarbeiter Wißmann ⸗Bochum über die Berggesetznovelle. Ersterer wies auf die zahlreichen und hartnäckigen Kämpfe hin, welche die deutsche Arbeiter⸗ schaft in den letzten Jahren zu führen hat. Sie be⸗ weisen, daß die Gegensätze sich immer verschärfen. Das Unternehmertum wolle nicht bloß den höchst möglichen Profit aus den Knochen der Arbeiter herausschinden, sondern auch absolut über sie herrschen, betrachte sie als Leibeigene. Erschwert wird der Kampf durch den in Deutschland herrschenden Polizeigeist. Bei jedem wirt⸗ schaftlichen Kampfe zwischen Arbeiterschaft und Unter⸗ nehmertum greifen die Behörden zu gunsten der letzteren mit Militär und Polizei ein. Da rede man immer von „nationaler“ Politik. Unter den heutigen Verhältnissen werde Deutschland konkurrenzunfähig, weil die Ausbeutung geradezu unerhört betrieben werde.— Nachdem Hüttmann unter Belfall geschlossen, ergriff der Bergmann Wiß⸗ mann ⸗Bochum das Wort. Er befaßte sich besonders mit dem im Wetzl. Anz. erschienenen Artikel und schil⸗ derte die Lage der Lahntal⸗Bergleute aus eigener An⸗ schauung. Wenn die Herren in ihrer Amtspresse davon redeten, daß hier andere Verhältnisse seien als im Ruhr⸗ gebiete, weil hier der Bergmann noch Land wirtschaft be⸗ treibe, so sei es eine Schande, wenn das Unternehmer⸗ tum noch auf das spetuliere, was der Bergmann seiner Scholle nach seiner Arbeitszeit abringe. Redner ging auch auf den Ruhrkohlenstreik ein und wies auf die ungeheueren Gewinne hin, welche die Bergwerksgesell⸗ schaften machten. Verschiedene Gruben seien ganz in Besitz ausländischer Kapitalisten, die hohe Gewinne ein⸗ sackten.„Wäre es nicht besser“, rief Redner hierbei aus,„man würde diese Kapitalisten ausweisen und lieber fremde Schweine hereinlassen??— Bergverwalter Stähler, welcher bei einem Festgelage in Dillenburg die schofle Verdächtigung ausgesprochen hatte,„die Ur⸗ heber der Versammlungen wollten nur den Bergarbeitern ihre Groschen abnehmen“, war extra zur Versammlung eingeladen worden, um seine bei gefülltem Weinglase vorgebrachte verleumderische Behauptung zu beweisen. Der Herr hatte aber den besseren Teil der Tapferkeit erwählt und sich gedrückt. Redner kennzeichnete das Verhalten dieses Herrn gebührend und in einer Resolution geschieht dasselbe. Dasselbe tat, nachdem Wißmann unter stürmischem Beifall geendet, Gen. Vetters. Dieser wies namentlich auf die Arbeiterfeindlichkeit des hiesigen Amtsblattes, wie auch des sogenannten„Unpartelischen“ hin, die in Beschimpfung der Sozialdemokratie das Möglichste leisteten und ihren Inhalt von Schweinburg und Max Lorenz bezögen. Ein anwesender Redakteur vom„unpartetischen“ Blatte erklärte daraufhin, daß die Redakteure nicht für Alles, was in den Blättern stehe, verantwortlich gemacht werden könnten, sie müßten oft „höheren Einflüssen“ nachgeben. Mit Recht meinte Hüttmann darauf, das sei es ja eben, daß die bürger⸗ lichen Redakteure eben keine eigene Meinung haben und die Geschäft sinteressen dee Verleger nicht verletzen dürften. Ein begeistertes„Hoch“ auf die Arbeiterbe⸗ wegung schloß die Versammlung. Zahlreiche Anwesende ließen sich nach Schluß in ihre Gewerkschaften aufnehmen. h. Unternehmerpresse. Von der großen Gewerkschaftsversammlung brachte weder das Amtsblatt noch die„unparteiischen“ Nachrichten eine Silbe. Von jedem Krieger- oder Klimbim⸗ Vereinsfeste bringen sie spaltenlange Berichte. Sie charakteristeren sich damit selbst als ar⸗ beiterfeindlich. Jeder Arbeiter muß ste deshalb aus dem Hause lassen! h. Dienstboten-Freuden. Vor dem Schöffen⸗ gericht hatten sich am Freitag der Hotelbesitzer Ekey nebst Frau(Hotel Kaltwasser) wegen körperlicher Miß⸗ handlung ihres Dienstmädchens zu verantworten. Der menschenfreundliche Die istherr bekam 60 Mk. Geld⸗ strafe, seine Ehefrau wurde freigesprochen. Im Bericht des„Wetzl. Anz.“ wird die Tat des Angeklagten damit zu entschuldigen gesucht, daß„die Angeklagten durch große Ungezogenheiten des Mädchens sehr gereizt“ worden seien. Der Mann scheint sich aber immer in sehr„ge⸗ reizter“ Stimmung zu befinden. Er war früher Ober⸗ kellner im Hotel Kaltwasser und schon damals sparte er gegenüber dem übrigen Personal nicht mit allerhand unfeinen Titulaturen, zeigte sich sogar sehr„schlagfertig“. Einmal war er aber damit an den Unrechten gekommen und er trug eine nicht unbedeutende Verletzung am Kopfe aus dem Kampfe davon. Wir finden es ganz am Platze, wenn Dienstboten solcher„gereizter“ Herr⸗ schaft gegenüber von dem Rechte der Notwehr ausgiebigen Gebrauch machen. h. Lassallefeier in Gleiberg. Wie alls ähr⸗ lich, veranstalten unsere Parteigenossen im Wetzlarer Kreise auch dieses Jahr eine Feler zum Gedächtnis unseres großen Vorkämpfers Ferdinand Lassalle. Die Feier findet im Saale zum„Schwarzen Walfisch“ in Gleiberg statt und als Redner wird, wie aus dem Inserat ersichtlich ist, der Parteisekretär Rudolph⸗ Frankfurt erscheinen. Es darf wohl erwartet werden, daß di: Parteigenossen recht zahlreich erscheinen, auch aus Gießen und den nahen hessischen Orten. Westerwald und Anterlahn. t. Patriotismus auf Gemeindekosten. In Rehe(Westerwald) wurden bei der letzten Reichstags⸗ wahl zum Schrecken aller Ordnungsstützen 41 sozial⸗ demokratische Stimmen abgegeben. In Folge dessen war das„rote Rehe“ bei maßgebenden Personen etwas un⸗ beliebt und im Mißkredit. Um nun der„roten Gefahr“ vorzubeugen, wurde im vorigen Jahre ein Krieger-⸗ verein gegründet. Auf Anregung des Herrn Landrats hat jetzt jeder dieser Kriegervereinspatrioten zwecks Anschaffung einer„Kriegermütze“ aus der Gemeindekasse eine Beihilfe von 2 Mark erhalten. Natürlich haben die Gemeindevertreter(mit Ausnahme unserer drei Ge⸗ nossen) der landrätlichen Anregung zugestimmt. Was würde wohl die Regierung sagen, wenn eine sozlaldemo⸗ kratische Gemeindevertretung Gemeindegelder für sozial⸗ demokratische Zwecke, etwa Parteifeste ꝛc. aufwenden würde? Hier kennen aber viele Gemeinden ihre Auf⸗ gaben nicht. Vor längerer Zeit bewilligte einmal der Gemeinderat in Hermannstein verschiedenen„Veteranen“ je 5 Mk. zum Besuche eines Kriegerfestes! Gegen solchen Unfug und Verzettelung der Gemeindegelder müssen unsere Parteigenossen energisch protestteren. Aus dem Nreise Marburg-Rirchhain. h. Parteiversammlung! Den Mitgliedern des Wahlvereins zur Nachricht, daß die nächste Monatsver⸗ sammlung umständehalber ausfällt, und dafür am Mitt⸗ woch, den 23. August, abends 9 Uhr eine öffentliche Parteiversammlung im Jesberg'schen Lokale stattfludet. Der Parteisekretär für Hessen Nassau, Gen. Albert Rudolph, wird einen Vortrag über das neue Organi⸗ sationsstatut alten. Näheres siehe Inserat! In An⸗ betracht der wichtigen Versammlung ist es Pflicht eines jeden Genossen, pünktlich zu erscheinen. h. Stiftungsfest. Die Filiale Marburg des Deutschen Holzarbeiter Verbandes feiert am Sonntag, den 20. August, von nachmittags 4 Uhr ab ihr 14. Stiftungsfest in den Hildmannschen Lokalitäten. Nachmittags findet Preisschießen und abends im Saal Verlosung und Tanz statt. Das E. itriltsgeld beträgt 50 Pfg. Die Arbeiterschaft Marbargs und Umgegend wird zu zahlreichem Besuche freundlichst ei gel — Der Herr Lehrer will! ozk fresser sein. Vor Pfingsten hatten unsere „ Parteigenossen eine Flugble tverteilung. 1 ö U 1 1 1 Verlauf wurde damals in unserm Blatte(Nr. 23) be⸗ richtet, daß der Lehrer in Reddehausen unsere Ver⸗ teiler sehr unfreundlich empfangen und sie angefahren habe: wie sie es wagen könnten, in ein solches Haus zu kommen, sie sollten machen, daß sie fort kämen. Erst jetzt wird uns nun mitgeteilt, daß der Lehrer gegen diese Mitteilung bei einigen unserer Genossen Einspruch erhoben und erklärt hat: daß er an dem fraglichen Tage gar nicht zu Hause gewesen sei und übrigens sei er kein Sozlialistenfresser, wolle sich auch kein rotes Röckchen verdienen. Wir würden gewiß gerne von einer Richtigstellung in diesem Sinne Akt nehmen, allein die beteiligten Genossen bekunden mit voller Bestimmtheit, daß der Lehrer sich so, wie damals mitgeteilt, verhalten hat. Wir können also leider nichts zurücknehmen. Umsoweniger, als seine Worte bei den Reddehausenern nicht für absolut zuverlässig gelten. Förster und Wilddieb. In Hanau wurde am Dienstag die Frau des Försters Döhn aus Mittelbuchen beim Einschmuggeln eines frisch erlegten Wildes be— troffen. Daraufhin wurde der Förster wegen Fortsetzung siehe Seite 6. Partei-Uachrichten. Genosse Friedrich Werstein in Isenburg ist am Mittwoch früh plötzlich im Alter von 53 Jahren gestorben, nachdem er nur einige Tage krank gewesen war. In ihm verliert die Partei und die Holzarbeiter⸗ Gewerkschaft einen tüchtigen Genossen. Von Beruf Schreiner trat er schon in jungen Jahren der Gewerk⸗ schaft bei und leitete im Jahre 1882 den Isenburger Schreinerstreik. Vor einigen Jahren war er Mitglied der Gemeindevertretung, unterlag jedoch bei der letzten Wahl. Die Parteigenossen werden ihm ein gutes An⸗ denken bewahren. Wahlkreis Gießen⸗Grünberg⸗Nidda. Sonntag, den 27. Angust, vormittags 10 Uhr, Kreiskonferenz im Lokale des Genossen Orbig in Gießen. Tagesordnung: Vorstands- und Kassenbericht. Neuwahl des Vorstandes. Die Landtagswahlen. . Parteitag in Jena. . Verschiedenes. Die Parteivereine im Kreise werden ersucht, die Wahlen von Delegierten nach Maßgabe des Kreisstatuts alsbald vorzunehmen. Danach können bekanntlich Ver⸗ eine bis zu 25 Mitgliedern zwei Delegierte, stärkere Vereine für jedes weitere volle Viertelhundert Mitglieder einen Delegierten mehr entsenden. Orte, in denen keine Organisation besteht, können ebenfalls einen Delegierten wählen. Mandatsformulare sind vom Vertrauensmann August Bock, Gießen, Dammstraße 22, zu beziehen. Anträge zur Tagesordnung, sowie Wünsche in Bezug auf den Ort des nächstjährigen Kreisfestes wolle man rechtzeitig an den Vorsitzenden Gg. Beckmann, Gießen, Grünbergerstraße 44, gelangen lassen. Der Vorstand des Kreiswahlvereius. 8 Versammlungskalender. Samstag, den 19. August. Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Ver⸗ sammlung bei Löb(Wiener Hof).— Metall⸗ arbeiter. Abends 8¼ Uhr Versammlung bei Orbig. Garbenteich. Arbeiter⸗Bildungs⸗Verein. Abends punkt 9 Uhr Versammlung bei Peter Becker. Besprechung über Kreis- und Landes⸗ konferenz. Zahlreich erschei nen! Staufenberg. Volks verein. Abends 8 ¼½ Uhr Versammlung bei Wirt Vogel. Sonntag, den 20. August. Gießen. Ta bakarbeiter. Nachmittags 3 Uhr Versammlung bei Löb(Wiener Hof). Wetzlar. Wahlverein. Jeden zweiten und vierten Samstag im Monat, abends 9 Uhr, Versammlung im Gasthaus„Zur Glocke“.— Kartellsitzung jeden zweiten Mittwoch im gleichen Lokal. Glas-, Porzellan- und Steingutwaren im reicher Auswahl zu billigsten Preisen Lang& Wiederstein 25 Marktstraße 4 Gießen Telephon 394 — 7 e . 5 N S 5 l . r D Seite 6. Mittel dentsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 34. gewerbs⸗ und gewohnheitsmäßiger Wild ⸗ dieberei verhaftet. Eine am Nachmittag in seiner Wohnung vorgenommene Haussuchung förderte zahlreiche Briefe zutage, durch die aus⸗ wärtige Wildprethändler Wild bei ihm bestellten. Er hat offenbar das Wildern schon lange be⸗ trieben, wobei ihm das an sein Forstgebiet grenzende landgräfliche Jagdgebiet reiche Beute geliefert haben muß. Unglaubliches aber Wahres aus deutscher Rechtspflege. Zu welchen skandalösen Konsequenzen die Fleischwuchergesetzgebung führen kann, ließ eine Verhandlung gegen den holländischen Torfgräber Bakker vor der Osnabrücker Strafkammer erkennen. Darüber berichtet das„Hamb. Echo“: Der Genannte arbeitete diesseits der holländischen Grenze in Schöningsdorf und hatte sich eines Tages zur Zehrung ein Stück Wurst im Gewicht von etwa einem Pfund mit nach seiner Arbeitsstätte gebracht. Dabei wurde er von einem Grenzbeamten abgefaßt und auf Grund des Reichs viehseuchengesetzes, daß die Einfüh⸗ rung verarbeiteten Fleisches von Holland in das deutsche Zollgebiet untersagt, unter Anklage gestellt. Seine Inhaftierung dauerte vom 8. bis 28. Mai. Bakker erklärte, daß er das Gesetz nicht gekannt habe. Das Schöffengericht Meppen sprach ihn frei, die Strafkammer aber verurteilte ihn wegen Umgehung der Zollstation zu einer Mar? Geldstrafe, die durch die er⸗ littene dreiwöchige Untersuchungshaft als erledigt angesehen wurde. Wegen einer Wurst drei Wochen Haft und eine Mark Geld⸗ strafe! Es geschehen wilde Sachen im vieh⸗ agrarischen Rechtsstaat! Früchte der Orthodoxie. 1 „Stille Vereinigung“. (Ein Nachtrag zu den Artikeln über„Pfäffische Bestrebungen“.) Ein Bund der allerrechtgläubigsten Christen hat sich unter dem Titel einer„stillen Vereinigung“ gebildet. Wie freundlich und harmlos der Titel klingt! Und doch, was dahinter steckt, ist nichts geringeres, als eine regelrechte Verschwörung, die in Dunkel und Heimlichkeit ihre Attentate vorbereitet, ihrer einige bereits ausgeführt hat(ste besteht seit 1903) und mit manch anderem wohl die Welt noch aus dem Geleise ihres Fortschritts heraus⸗ werfen möchte, wenn ihr das Handwerk nicht vorher gelegt werden kann. Allerdings ist's keine Verschwörung gegen heutige politische Machthaber oder gegen heutige politische Regierungsgrundsätze. Im Gegenteil könnte sie von da her manch günstig Lüftlein in ihre Segel fangen. Nein, es ist„nur“ eine Verschwörung gegen die großen geistigen Führer aller Zeiten und gegen die geistige Freiheit, die allein zu allen Zeiten das wissenschaftliche wie praktische Vorwärtskommen der Menschheit ver⸗ bürgt. Eine solche Verschwörung wird freilich all unsern eifrigen„Staatserhaltern“ in maß⸗ gebenden und in nicht maßgebenden Stellungen unschädlich oder gar dienlich erscheinen. Jedem weiter schauenden Kopf aber, jedem, der von den gewaltigen Aenderur gen der Vergangenheit tine Ahnung hat, der noch einige Hoffnungen für die Zukunft im Herzen trägt, kann in dieser„stillen Vereinigung“ und ihrem geschäf⸗ tigen dunkeln Wirken nur ein recht bedauerliches Zeichen der Gegenwart sehen. Es handelt sich nämlich um einen Geheimbund, der alle ortho⸗ doxen Geister der Zeit zu gemeinsamem Vor⸗ gehen(„mit heiliger Rücksichtslosigkeit“, wie es heißt) gegen jedes von keinem Dogmen im Voraus lahmgelegte Denken verbiaden will. Die Unterschriften der bekanntesten orthodoxen Professoren und Pfarrer schmücken den„Auf⸗ ruf“ dieser Verschwörung. Im Fall Fischer, wie im Fall Jatho und bei den anderen traurigen Attentaten der letzten Zeit auf alles, was Geist und Leben bedeutet, sind diese schwarzen Maul⸗ würfe mit ihrer Wühlerei geschäftig gewesen. Kürzlich erst ist es der liberalen„Chronik der christlichen Welt“ gelungen, das Werk der Finsternis aufzudecken. Freilich, als ste den ersten Verdacht aussprach, da wurde in der orthodoxen Presse mit großer Entrüstung das Bestehen eines solchen Geheimbundes abgeleugnet. Umso ärgerlicher für sie, daß die genannte „Chronik“ nun antworten konnte mit Veröffent⸗ lichung— des Programms und des Mitglieder- verzeichnisses der Verschwörung! 5 Nun müssen die armen Maulwürfe sich wieder neue Gänge graben. Aber noch ist trotz aller Maulwürfe die Erde nicht eingestürzt. Nach Lenau wird sich so wenig wie vor ihm „der Sonnenaufgang mit dunkeln Kutten ver⸗ hängen lassen“. II. Predigten. Wie man im Gegensatz zu den Pfarrern Fischer, Jatho u. a. predigen darf, ohne Anstoß zu erregen, zeigt der folgende Gedanken⸗ gang, dessen Zeuge ich war: Der Mensch sucht im Leben nach Blumen und Beeren, nach Freuden und Genüssen aller Art, in Essen und Kleidung, in Wissenschaft und Kunst.(Ein Unterschied zwischen jenen materiellen und diesen geistigen Freuden wurde gar nicht gemacht. Kein Wort fiel über den stttlich veredelnden Wert der letzteren). Alle diese Genüsse seien im Hinblick auf ihre Vergänglichkeit nicht von ewigem Wert. Man habe früher() viel von Humanität gesprochen. Man bezeichne damit das Bestreben, nicht nur sich selbst, sondern auch andern das Leben möglichst angenehm zu machen. Aber wenn die genannten Genüsse für mich selbst ohne ewigen Wert seien, so seien sie es natürlich auch für andre. Viel wichtiger sei es, auf das ewige Leben zu hoffen und andre damit zu vertrösten. Ist es nicht eigentlich der klarste Egoismus, der diesem Wunsch der ewigen Fortexistenz des eignen kleinen„Ich“ zu Grunde liegt? Und wie bequem ist diese metaphysische Auslegung des Gebotes der Nächstenliebe! Und dafür kein Verständnis zu haben, sollte„Sünde“ sein? Muß diese Auffassung nicht zu einem Quietismus (Gleichmütigkeit) führen, der dem soztalen Fort⸗ schritt auf's Aeußerste hinderlich sein kann? Diese Prediger tragen vor Gott und Menschheit ein schweres Teil der Verantwortung auch für all das sittliche Elend und Verderben, das materielle Notstände naturgemäß mit sich bringen. Und vereinzelt steht eine solche Predigt leider keineswegs! Im Gegenteil! Ich selbst habe mich ja in diesem Blatt früher schon einmal energisch gegen den Militärpfarrer Falke ge⸗ wandt, der in seiner Jenseitsgewißheit(denn jeder Fromme ist sich natürlich nicht nur des ewigen Lebens, sondern sogleich der ewigen Seligkeit gewiß!) die„freie Position“ gegenüber allen großen Schwierigkeiten und Fragen der Welt findet. Es ist das der nämliche Standpunkt einer lauherzigen Unter⸗ schätzung menschlichen Elends, wie er einem so kühl aus der oben zitierten Predigt anweht. Freilich ist's auch wieder dem Pfarrer nicht leicht gemacht, modern oder sozial zu sein. Nicht nur nach oben hin bei seinen Kirchenfürsten, die der Gottheit so viel näher wohnen als er, wird er leicht Anstoß erregen. Auch der Stumpf⸗ sinn des Publikums kann zum Stein des Aergernisses werden. In einer kleinen Stadt, nebenbei bemerkt einer Hochburg des konser⸗ vativen Nationalliberalismus, mieden die braven Spießbürger die Predigten des Pfarrers, weil dieser, wie es der eine so schön ausdrückte,„zu viel zu dem Zeugs da unne“ hielt, nämlich zu den Arbeitern. Ein wackrer Christ! Was Wunder, daß die Kirche, wenn ste sich so empfindlich vor dem wissenschaft⸗ lichen wie vor dem sozialen Zug der Zeit zuschließt, der zugleich der fortschrittliche Zug aller Zeiten gewesen ist, an Anziehungs⸗ kraft mehr und mehr einbüßt. Nicht nur die Kreise der wirklich kirchlichen Gemeindeglieder werden immer enger, vor allem schrumpft auch die Zahl der Theologie studierenden all⸗ jährlich mehr zusammen. Wie viel tüchtige Köpfe wird der Fall Fischer und der Fall Jatho wieder abschrecken! Wenn doch die so entstehenden Lücken nun bloß nicht durch so manchen Wee wieder ausgefüllt würden! — ——ů 2 8 Kenig Bumbug. Ich bin ein Fürst, das ist mir klar, Warum d das ist mir dunkel: Die pflanzten ins gesalbte Haar Mir halt der Krone Funkel. Nun werd' ich, wo ich geh' und steh', Mit Majestät beladen, Und bin vom Wirbel bis zur Seh' Von lauter Gottesgnaden. Den Tag fang ich mit Gähnen an, Doch schwitz' ich im Theater; Drum heißt der treue Untertan Mich auch den Candesvater. Die Braven säen und schanzen baß, Wir ernten, wo sie ackern; Ein König ist ein teurer Spaß, Den zahlen sich die Wackern. Sie gönnen mir das warme Nest, Gefügig meinen Winken, Laß ich sie nur bei Cied und Fest Für Recht und Freiheit trinken. Sum„Denken“ geb' ich ihnen Seit Im Schank bis nachts um zwölfe: Was tut's?— ein Schaf wird nie gescheit, Das ist der Trost der Wölfe. L. Pfau(1847). Auf dem Holzweg. Humoreske von Viktor Lenz. 2) Fortsetzung. Die Stammgesellschaft der Honoratioren des Städtchens war bereits versammelt und mit der Vertilgung des Frühschoppens beschäftigt. Apo⸗ theker und Doktor spielten wie gewöhnlich ihre Parte Sechsundsechszig um die Flasche Rotwein, die vor ihnen stand, der erste Amtsrichter trank seine halbe Flasche Burgunder, der zweite Amts⸗ richter seinen Punsch, der Rechtsanwalt Apolli⸗ naris Selterswasser mit Kognak, die übrigen Gäste taten sich bei einem Glas Kulmbacher oder Grätzer Bieres gütlich und nahmen zwischen⸗ durch auch wohl einen kompakten Bissen zu sich, der dem flüssigen Element als Grundlage dienen konnte. Man begrüßte den Herrn Bürgermeister mit den üblichen Scherzen und rückte zusammen, um ihm Platz zu machen. „Na, was gibt's Neues, werter Tyrann von Mottenburg?“ fragte der aufsichtsführende Amtsrichter, der sich dem Allgewaltigen gegen⸗ durf bisweilen einen kleinen Scherz erlauben urfte. Der Bürgermeister schwieg, doch sah man sogleich seiner Miene an, daß er irgend etwas ganz Besonderes auf dem Herzen hatte. Er hatte unter den Anwesenden den Direktor der Zuckerfabrik bemerkt und wollte mit seinen Mitteilungen jedenfalls warten, bis dieser stch entfernt hätte. Unheimliches Schweigen lag eine Weile über der Gesellschaft, jeder Einzelne guckte tiefer in sein Glas oder flüsterte dem Nachbar ein paar gleichgültige Worte zu, welche beweisen sollten, daß man„eigentlich“ auf die Mitteilungen des Bürgermeisters garnicht so neugierig sei. Dabei brannten ste Alle auf die Dinge, die da kommen sollten, denn jede Klatsch⸗ geschichte, jede Neuigkeit, jeder noch so ärmliche „Feez“ war für diese geistesarme Gesellschaft, deren Mitglieder sich gegenseitig förmlich aus⸗ bissn kannten, ein wahrer„geistiger“ Lecker⸗ issen. Endlich verschwand der breite Rücken des Direktors hinter der Tür des Herrenstübchens. Herr Wansterl sandte ihm einen langen, nicht allzufreundlichen Blick nach und erhob sich darauf in seiner vollen, wohlgenährten Würde. Aller Augen hingen erwartungsvoll an seinem Munde. U 0 ö 75 0 U 2 l U 10 l⸗ J 75 „ . 1 U U 5 1. er n 10 le e fe fe b . Nr. 34. Witteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 7. „Man kann mit Neulingen nicht vorstchtig genug sein,“ meinte der Bürgermelster.„Ich wenigstens traue keinem Menschen, mit dem ich abe wenigstens einen Scheffel Salz verzehrt abe.“ Alle Anwesenden gaben durch ein Nicken des Kopfes ihre Zustimmung zu erkennen. Mit wichtiger Miene zog Herr Wansterl darauf den Brief des Landrats aus der Tasche, und nachdem er sich ausdrücklich feierliches Still⸗ schweigen über die An hatte zustchern lassen, begann er mit der Vorlesung des Schrift- stückes. 15 Atemlos lauschten die Anwesenden der sono⸗ ren Baßstimme des Stadtoberhauptes, und als die Vorlesung beendet war, da war Keiner von ihnen eines Wortes fähig. Jeder Einzelne war von der Ueberzeugung durchdrungen, daß es sich um eine Angelegenheit handele, die für die ferneren Schicksale von Dingsdahausen die höchste Bedeutung erlangen konnte. Der aufsichtfuhrende Amtsrichter war der Erste, der wieder Worte fand. „Das kann ja nett werden,“ meinte er ein wenig unsicher,„wenn uns diese Laus in den Pelz gesetzt wird.“ „Unerhört! Geradezu unerhört!“ platzte ein Gutsbesitzer aus der Nachbarschaft heraus, der im Aufsichtsrate der Zuckerfabrik saß und in seinem Geiste bereits den roten Hahn auf dem Dache des Dividenden schaffenden Etablissements sah.„Der Himmel selbst sollte sein Strafgericht über dieses zuchtlose Gesindel herabsenden.“ „Vergiften sollte man sie, wie die Ratten und Feldmäuse,“ sagte der Apotheker mit einem Blick, von dem man befürchten mußte, daß er allein schon einen Menschen vergiften könnte. „Was ist es denn, das sie dem Volke mit ihren Lehren einträufeln? Das reine Gift! Und was kann dagegen helfen? Nur ein Gegengift! Vergiften— das ist und bleibt meine Meinung.“ „Warum nicht gleich den Kopf amputteren 3 meinte schmunzelnd der Doktor, der gern Alles ein wenig in's Lächerliche zog.„Das ist doch noch sicherer als vergiften!“ „Scherzen Sie nicht, Doktor, die Sache ist viel zu ernst dazu,“ verwies der Gutsbesitzer den jovialen Heilkünstler. Der Rechtsanwalt, der einen leichten Stich in's Deutschfreisinnige hatte, und der Zweite Amtsrichter, der einmal den Professor Schmoller ehört und aus jener Zeit ein paar katheder⸗ sozialisische Brocken behalten hatte, waren eben im Begriff, einen kleinen Disput über die in Frage stehende Angelegenheit zu eröffnen, als der Herr Bürgermeister sich erhob und mit wichtiger Miene also begann: „Nun, meine Herren, ich habe ein Mittel, um die drohende Gefahr von unserer teuren Vaterstadt abzuwenden und unsern Mitbürgern den Frieden und die Sicherheit zu erhalten. Ich bedarf jedoch Ihrer freundlichen Mitwirkung, oder wenigstens Ihrer stillschweigenden Billigung bei Anwendung dieses Mittels. Ich bin der Ansicht, daß man Leuten, welche offen Gewalt und Auflehnung gegen die bestehende Ordnung predigen, nur wieder mit Gewalt antworten dürfe. Und darum meine ich, daß wir diesen Friedensstörern ein für allemal so gründlich heimleuchten müssen, daß sie das Wiederkommen rr Ferd. Nennstiel Giessen, Nlochestr. 7. Lager in sämtlichen Kasteumöbelu, poliert und lackiert Vertikows, Kleiderschränke Tische, Stühle, Spiegel F Lauusmöbel u. Silbherturen. 1 Küchenmöbel Spezialität: 50 Betten 1155 ee Zwiebelkuchen de re! 2 Uebernahme voll- 55 stünd. Ausstattung L, Müller vergessen. Das, meine Herren, ist mein Mittel — und wenn Sie, wie gesagt, mich bei An⸗ wendung desselben unterstützen wollen, so werden wir hoffentlich dem Geiste des Aufruhrs für alle Zeiten den Zugang zu unserem gut patrio⸗ tischen und gottesfürchtigen Städtchen verlegen.“ Der Vorschlag des Bürgermeisters fand nicht die ungeteilte Zustimmung, welche Herr Wansterl erwartet hatte. Der Gutsbesitzer, der Apotheker und die meisten der anwesenden Stadtverordneten und Magistratsmitglieder waren zwar ganz der Meinung des Herrn Wansterl, die Uebrigen wollten jedoch mit ihrer Ansicht nicht so recht heraus, und der Rechtsanwalt war sogar ganz entschieden gegen das Mittel des Bürgermeisters. Schon glaubte Herr Wanstel seine Sache verloren, als sich plötzlich am Ende der Tafel ein schmächtiger Jüngling mit blauer Brille und langen Haaren erhob und dem in Verlegen⸗ heit geratenen Vater der Stadt zu Hülfe kam. Es war kein Anderer, als der Kandidat der Theologie Weißkohl, der dem alternden Super⸗ intendenten von Dingsdahausen zur Aushülfe beigegeben war und sich bei dieser Gelegenheit als„streitbarer“ Glaubensheld die Sporen ver⸗ dienen wollte. „Und wenn auch Niemand sonst zu Ihnen hält, Herr Bürgermeister,“ begann er mit seiner hohen Fistelstimme,„über mich können Sie voll⸗ kommen verfügen. Wo Thron und Altar in Gefahr kommen, kann es für mich keine Be⸗ denken geben.“ „Bravo, Herr Kandidat, bravo!“ rief der Apotheker, welcher zugleich Vorsitzender des Kirchenvorstandes war, und zwar so laut und überzeugt, daß die Anhänger der Angriffspartei wieder Mut faßten.„Wir werden schon Leute finden, die sich auf's„Holzgesckäft“ verstehen und diesen Burschen die verdiente Abfertigung zu Teil werden lassen.“ Der Gutsbesttzer lachte verständnisvoll über diese Worte und erbot sich, im Notfall die er⸗ forderlichen„Mannschaften“ zur Stelle zu schaffen. Ein kräftiger Ton kam in die Gesell⸗ schaft, die Partei der„Energischen“ scharte sich um Herrn Wansterl und den Kandidaten, und dieser warf triumphierende Blicke um sich: es war das erste Mal, daß er im Städtchen eine Rolle spielen konnte. Der Aktionsplan für den Empfang der gefürchteten Feinde wurde in aller Eile entworfen, und die ursprünglichen Gegner der„Gewalt“-Maßregeln begannen allmählich wenigstens ein„theoretisches“ Interesse an der Angelegenheit zu nehmen. „Na, mitgehen will ich schon,“ meinte der Doktor,„wenn auch nur, um die blutigen Köpfe zu flicken.“ Der Triumph des Bürgermeisters war ein vollständiger. Eine gewaltige Bowle, Burgunder und Sekt zu gleichen Teilen, bestegelte den schönen Bund der Seelen, und als nach Be⸗ endigung des lange über die Zeit hinaus aus⸗ gedehnten Frühschoppens die Dienstboten im Herrenzimmer aufräumten, fanden sie den Kandidaten und den Apotheker, die miteinander Brüderschaft getrunken hatten, in zärtlichster Umarmung als Bierleichen unterm Tische. (Fortsetzung folgt.) 0 2 D. Raminka Ahrmacher — am Kriegerdenkmal.— empfiehlt Lhiren, Gold- Jeden Dieustag und Freitag frischen Bahnhofstraße 61. Splitter. Alles Recht in der Welt ist erstritten worden, jeder Rechtssatz, der da gilt, hat erst denen, die sich ihm widersetzten, abgerungen werden müssen. N H. v. Ihring. * Die Wahrheit ist stärker als ihre Gegner: ste überwindet sie; stärker als ihre Verteidiger: ste braucht ste nicht. Vinet. Humoristisches. Der Setzkastenkobold gegen die Klerikalen. In seinem in Würzburg erscheinenden„Fränk. Volksbl.“ wollte ein Reichs⸗ und Landtagsabgeordneter, Haupt⸗ schriftleiter und Benefiziat eine Polemik mit dem demo⸗ kratischen„Würzburger Journal“ ebenso effektvoll als würdevoll beenden und schrieb deshalb:„Wir haben dem nichts hinzuzu lügen“ So stand's durch Tücke des Setzkastenkobolds in dem Blättlein des braven Zentrumshelden zu lesen. Literarisches. Der„Führer durch das Vereins⸗ und Versammlungsrecht“ ist soeben in neuer, um⸗ gearbeiteter Auflage im Verlage der Buchhandlung Vorwärts herausgegeben. Im handlichen Broschüren⸗ format kostet das Heft 30 Pfg.— Es ist zugleich ein Wegweiser bei den Reichstagswahlen und außerdem erhält ein Anhang„Warnungen vor dem Strafgesetzbuch“, in denen auf die hauptsächlichsten bei der Agitation in Frage kommenden Paragraphen des Strafgesetzbuches aufmerksam gemacht und der Arbeiter von den Fall⸗ stricken derselben gewarnt wird. Ferner sind in dlesem Anhang auch die gesetzlichen Bestimmungen abgedruckt und erläutert, die bei der Verteilung von Druckschriften von Bedeutung sind. Der Wert der Broschüre liegt aber auch in der einfachen Darstellung der behandelten Fragen, so daß auch der Anfänger auf dem Gebiet des Vereins⸗ lebens alles erforderliche daraus entnehmen kann. Das Heftchen zeigt, wie man eine Versammlung zu leiten, zu öffnen und zu schließen hat, es gibt dem Vorsitzenden an, wie er zu verfahren hat bei behördlichen Eingrlffen ꝛc. Endlich enthält die Broschüre Musterstatuten für Vereine und die einschlägigsten Formulare für Beschwerden an die Behörden. Von der„Hohenzollern⸗Legende“, dem von Max Maurenbrecher verfaßten, in der Buch⸗ handlung„Vorwärts“ erscheinenden Lieferungswerke liegen jetzt die Hefte 16— 18 vor. In diesen Heften schildert der Verfasser die Kämpfe des Kurfürsten Friedrich Wilhelm mit dem brandenburgischen Adel um die Ver⸗ größerung der Militärmacht. Jedes Zugeständnis, das der Adel dem Kurfürsten macht, ließ sich dieser durch Privilegien auf die Unterdrückung und Ausbeutung der Bauern bezahlen, bis die letzteren der Leibeigensch aft überantwortet waren. Die lehrreichen Darstellungen des Verfassers werden unterstützt durch die, der geschichtlichen Zeit entnommenen Bilder. Jedes Heft des Werkes kostet 20 Pfg. Die bereits erschienenen Hefte können von jeder Partelbuchhandlung nachbezogen werden. BB Empfehlenswerte sozialistische Schriften Von der Expedition der Mitteld. Sonnt.⸗Zeitung Gießen, Rittergasse 17, sind zu beziehen: Die Neue Zeit. Wochenschrift der deutschen Sozialdemokratie. Allwöchentlich ein Heft. Preis 25 Pfg. Wahrer Jakob; Süddeutscher Postillon. Witzblätter. Erscheinen alle 14 Tage. Preis 10 Pfg. Freie Stunden. Beste Romanlitteratur. Illu⸗ striert. Wöchentlich ein Heft à 10 Pfg. 2 2 u., Hee C. F. Schwarz Söhne (Inh.: Heinrich Moller) Reichhaltiges Lager in: Herren-, Knaben⸗ und Arbeitskleidern Stoffe im Ausschnitt.« Anfertigung nach mass. Streng reelle Bedienung! marktstrasse und Ecke Wettergasse. N Seite 8. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 34. Kirchweihfest in Heuchelheim! Sonntag, den 20. und Montag, den 21. August: gutbesetzte Tanzmusik in der Gartenwirtschaft. Moutag von 9 Uhr ab! Frühschoppen lit Konzert. Es ladet ergebenst ein H. Volkmann I. Sonntag, 27. und Montag, 28. Augufl: Rirchweihfest zu Tolar Lud. Bierau MV. z. Schwanen Fr. Weinrich V. z. Traube Shzialdemokratische Partei e ee Wahlkreis Wetzlar. 0 0 0 Sonntag, den 27. August, nachmittags 3½ Uhr: Lassallefeier in Gleiberg im Saale zum„Schwarzen Walsisch“. — Redner: WIlb. KEKudolph aus Frankfurt. Die Parteigenossen von Wetzlar, Gießen und Umgebung werden zu zahlreichem Besuche freundlichst eingeladen. Marburg! Marburg! Mittwoch, den 23. August, abends 9 Uhr Oeffentliche Partei⸗Versammlung im Jesberg'schen Lokal, Wehrdaerweg 2. Tages⸗Ordnung: 1. Das neue Organisationsstatut(Referent: Genossez Albert Rudolph⸗Frankfurt a. M.). 2. Der Parteitag in Jena. 3. Stadtverordnetenwahl. 4. Verschiedenes. Der wichtigen Tagesordnung halber ist es Pflicht eines jeden Genossen, für zahlreichen und pünktlichen Besuch die ser Versammlung zu agitieren. Der Vertrauensmann. Gewerkschaftskartell Giessen Samstag, den 26. August 1905: abends 9 Uhr im Saale des Café Leib. Simplicissimus-Abend der Herren: Willy Hagen und Hans Nauendorf vom Carl Schulze⸗Theater in Hamburg. Eintritt à Person 20 Pfg. Eintritt à Person 20 Pfg. Gewerkschaftsmitglieder wollen ihre Karten bei den Dele— gierten in Empfang nehmen. Zu zahlreichem Besuch ladet ergebenst ein Der Vorstand. Zuchthasen! 1 Paar englische Widder 7 Kaninchen zu verkaufen H. Melcher, Wetzsteingasse 10. 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