eu, 8 fiel. artet AN r. lt. 4 tel · Gießen, den 15. Oktober 1905. — 12. Jahrgang. Auntags⸗30 8 Redaktion: 2 U Mebattionssctuz- Auchenplaß 11, Schloßgasse Mitteld eutsche Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. e N itung. Juserate zu neuem Kampf, Abonnemenutspreis: Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere de frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch n ö 7 e 9158 Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P. ⸗Z. Bestellungen nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreirung. Die 5 gespalt. ile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Petitze t 30% e e e stalt und 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Be 9 75e See e 5.5 9107 331/% und bei mindestens 22 mal. Aufgabe 50%% Rab att Bei mindestens Bist Du Sozialdemokrat? Wer von unseren Lesern dürfte diese Ge⸗ sinnungsfrage nicht mit einem kräftigen über⸗ zeugten J a beantworten, wenn sie ihm draußen im Leben von einem Freunde oder Kollegen forschend gestellt wird? Fast keiner. Deshalb läßt er sich ja das Arbeiterblatt ins Haus kommen, deshalb verfolgt er in ihm die Kämpfe, Leiden und Freuden seiner Klassenge⸗ nossen, weil er sich im kiefsten Herzen hingezogen fühlt in die Reihen derer, die für das Volkes Recht und Freiheit streiten. Die Arbeiterzeitung ist ihm der Freund geworden, bei dem er Mut Aufklärung in seinen Zweifeln, Anregungen zu weiterem Lernen und Denken findet, der ihn über das Fortschreiten des Klassenkampfes täglich unterrichtet und die Angriffe der Gegner mit Wucht und Begeiste⸗ rung abschlägt. Wer so in ständiger Ver⸗ bindung mit den politischen und wirtschaftlichen Kämpfen des Proletariats gehalten wird, der fühlt des einigende Band der Gleichgesinnten auch um sich gezogen, der bekennt sich offen und gern als Sozialdemokrat! Doch kann das allein genügen? Ergibt sich aus der bejahenden Antwort auf die erste Frage nicht die weitere: Hast Du auch Deine Pflicht als Sozialdemokrat ge⸗ tan? Es genügt ja nicht allein das Bewußt⸗ sein sozialdemokratischer Gesinnung mit sich herumzutragen, die Ueberzeugung von der Wahr⸗ heit unserer Lehren im eigenen Busen zu hegen: ein echter Sozialdemokrat tut mehr, er begnügt sich damit nicht! Er wird versuchen, die Er⸗ kenntnis, die sich ihm aufdrängte, den anderen mitzuteilen, mit denen er im Leben in Be⸗ rührung tritt, er wird die Ideen ausbreiten, und so ihrer Verwirklichung näher zu führen suchen. Das kann gewiß von jedem Einzelnen geschehen, wollen wir unsere Propaganda aber im großen Maßstabe betreiben, wollen wir den Kampf gegen den noch in hunderttausend Köpfen nistenden Unverstand mit einiger Aussicht auf Erfolg aufnehmen, so gehört dazu das Mittel der politischen Organisation. Nur vereint sind wir in der Lage, gegen Ausbeutung, Verdummung und Vermuckerung den wuchtigen Angriff zu führen. Der Parteitag in Jena hat im neuen Parteistatut dieser Tatsache verschärften Ausdruck gegeben, er hat als bindende Pflicht für jeden wirklichen Parteige⸗ nossen die Mitgliedschaft beim sozialdemokratischen Verein ver⸗ langt. Eigentlich sollte das schon immer selbst⸗ verständlich sein. Wie wäre die Partei denn überhaupt imstande, durch Hunderttausende von Flugblättern die Massen aufzuklären, wie könnte ste Versammlungen in großen und kleinen Orten abhalten, Redner herbeiziehen, schwere Wahlkämpfe organisieren, ihre Vertreter im Reichstage unterhalten, wenn nicht ein Stamm von überzeugten Sozialdemokraten seine finan⸗ ziellen Mittel in den Vereinskassen ansammelte und durch praktische Mitarbeit die ganze Agi⸗ tation erst möglich machte? Die Sozialdemo⸗ kratie hat eine große, täglich wachsende Auf⸗ gabe zu erfüllen, wenn sie das Interesse des ganzen werktätigen Volkes wahrnehmen soll gegenüber dem Unternehmer, gegenüber dem Staat. Sie soll auf allen Gebieten in der Schule, im Heer, bei der Recht⸗ sprechung die Wünsche des Volkes vertreten, soll in den Stadtverwaltungen wie in den Reichs⸗ und Landesparlamenten für die arbeitende, minderbemittelte Bevölkerung eintreten, soll das Volk für die Ideen der neuen Zeit empfänglich machen, alles das kann gg schehen durch die politische Organi⸗ nur ge 1 Auf⸗ f Spa sie all die zugewiesenen? uf 0 in zuftitdenftellender Weise erfüllen, dann gehört daz die Mitarbeit 92 sich zu unseren Ansichten bekennen. 5 Die Heersäulen, die unter der roten Wahne gegen Verdummung und Vermuckerung, gegen Knechtschaft und Unterdrückung kämpfen, müfsen immer größer, immer zahlreicher, immer ge⸗ schlossener werden! Denn immer energischer, immer verzweifelter, immer rücksichtsloser werden die Feinde des Volkes. Bald unter der Maske der Arbeiterfreundlichkeit, bald unter brutaler Offenheit suchen sie unsere schmalen Rechte aus der Hand zu winden oder zu verkümmern, und es ist vielleicht nur eine Frage der Zeit, wenn ste sich auch ans Wahl- und Vereinsrecht wagen. Solchen Attentaten müssen wir eben⸗ falls gerüstet gegenüber stehen, in zweifacher Weise gewappnet: durch die Zahl der Streiter und durch den mutigen Geist, der in ihnen lebt! Es gilt nicht nur die Reihen zu stärken, sondern die Genossen auch zu erfüllen mit klarer Ueber⸗ zeugungstreue und opferwilliger Energie. Dies aber kann nur in unserer politischen Organi⸗ sation, im sozialdemokratischen Verein geschehen, in dem die Gleichgesinnten sich schulen und ihr Wissen erweitern können, wo die Kämpfer her⸗ angebildet werden sollen! Deshalb darf leiner, der eine Besserung der heutigen Zustände will, der mit uns die durch den Kapitalismus geübte wirtschaftliche Ausbeutung, die politische Unter⸗ drückung der Volksmehrheit beseitigen will, fern bleiben, sondern er muß in die Reihen der Kämpfer eintreten! Viele von denen, die bei diesem Kampfe am meisten interessiert sind, haben es bisher versäumt. An sie ergeht des⸗ halb unser Mahnruf: Werdet Mitglieder des Sozial demokratischen Wahlvereins! 2 Diese Mahnung müssen anugesichts der bevor⸗ stehenden Landtagswahlen besonders unsere hessischen Genossen beherzigen. Die Gegner sind bereits lebhaft au der Arbeit. Sie alle haben sich gegen die Arbeiterschaft ver⸗ einigt, der sie eine Vertretung im Landtage vorenthalten wollen. Und wenn unsere Genossen, wenn die Arbeiterschaft sich nicht energisch rührt, so kann sie es zum Beispiel im Gießener Land⸗ kreise erleben, daß, trotzdem die sozialdemokra⸗ tischen Wähler in der Mehrheit sind, ein Gegner der rückständigen Sorte wieder als Vertreter in den Landtag einzieht! Darum auf zur Arbeit! Tue jeder seine Schuldigkeit! Es gilt die Wahrung Eurer Interessen, es handett, sich um die Sache des arbeitenden Volkes! Politische Rundschau. Gießen, den 12. Oktober 1905 Zur Fleischnot. leischnot⸗Debatte im bayrischen Meg Landtage. Am Donnerstage voriger Woche kam im bayrischen Landtage, der seine Sitzungen vor kurzem wieder eröffnet hat, die Interpellation der sozialdemokratischen Fraktion wegen der Fleischnot zur Verhandlung. Genosse Segitz begründete die Interpellation und fragte die Regierung, ob sie zur Abwehr des durch die hohen Fleischpreise hervorgerufenen Notstandes etwas tun wolle. Er ging mit großer Schärfe Je ihre bisherige Haltung vor. Wenn den egen N rbeitern für das Steigen der verschiedenen Lebensmittelpren“ ein Ausgleich gegeben werden 2 solle, müsse man ihnen mindestens 35 Proze Lohnerhöhungen gewähren. Wie man aber dem Verlangen nach Lohnerhöhung begegne, zeige zurzeit die Aussperrung in Berlin. Wenn ein Minister gesagt habe, daß sich die Löhne der Arbeiter um 100 Prozent erhöht hätten, so be⸗ weise das, wie sehr unsere Minister dem Volks⸗ leben und besonders den Arbeitsverhältnissen entfremdet seien. Redner führte weiter aus, daß, wenn eine Arbeiterfamilie, ein Quantum Fleisch beanspruche, wie es für Soldaten fest⸗ gesetzt ist(die kriegsstarke Ratton beträgt/ Pfund Fleisch) mit der Maßgabe, daß man für die Frau zwei Drittel und jedes Kind ein Drittel des für den Mann erforderlichen Fleisches in Rechnung stellt, dann würde diese Familie jährlich 730 Mk. allein für Fleisch auszu⸗ geben haben. Das sind für die meisten Arbeiter mehr als zwei Drittel des Arbeits- verdienstes! Segitz kam weiter auf die„witzigen“ Bemerkungen des Ministers Podbielski auf der landwirtschaftlichen Versammlung im Kaiserhof in Berlin zu sprechen. Dort hatte Podbielski den Vorschlag des Vorwärts, die Stadt Berlin möge 110,000 Schweine mästen um dem Notstande in Berlin abzuhelfen, ver⸗ höhnt und gesagt, er hätte gar nichts dagegen, und wenn die Stadtgemeinde dies nicht tun wolle, so könnte es der sozialdemokratische Par- teivorstand tun, er würde dem Herrn Singer die Ferkel dazuf liefern.„Ich halte es geradezu für eine historische Pflicht, festzustellen, wie deutsche Minister über die Notlage des Volkes spotten, wie ste mit dem Volke Schindlu der treiben. Nebenbei gesagt: wenn der sozial⸗ demokratische Parteivorstand Schweiaezucht treiben würde, von der Firma Podbielski würde er die Ferkel wirklich nicht beziehen. Der Ge⸗ schäftsführer der Firma ist schon wegen Milch⸗ fälschung bestraft worden, sodaß er hin⸗ reichend verdächtig erscheint, auch schlechte Fleisch⸗ waren zu liefern und ein ehrlicher Geschäfts⸗ mann wird mit einer so anrüchigen Firma auf keinen Fall Geschäfte machen.“ Der Minister beantwortete die Inter⸗ pellation und gab, wie nicht anders zu er⸗ warten war, die Erklärung ab, daß mit Rück⸗ stcht auf die angebliche Seuchengefahr an eine Oeffnung der Grenzen nicht zu denken sei. 0 1 Seite 2. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 42. Seine Ausführungen wurden nicht nur von der Agrariermehrheit, sondern auch von den Liberalen mit großem Beifall aufgenommen. Bei der Fortsetzung der Debatte am Frei⸗ tag bestritt der Zentrumsmann Matzinger in einer langen Rede das Vorhandensein einer Fleischnot und sprach sich gegen die Grenz⸗ oͤffnung aus. Ebenso redeten noch verschiedene andere Zentrumsleute und Bauernbündler. Der Liberale Neußdörfer sagte den Zen⸗ trümlern, daß auch solche Stadtvertretungen, in denen das Zentrum regiert, die Oeffnung der Grenze verlangt hätten, wie beispielsweise Bamberg. Er weist ferner den Zentrums⸗ rednern bedeutende Irrtümer in der Behand- lung der Statistik nach. Die deutsche Land wir kschaft war in den letzten Monaten absolut nicht in der Lage, den Fleischbedarf zu decken. Was gedenke die Regierung zu tun, wenn eine weitere Preissteigerung eintritt? Die Debatte wurde am Montag noch fort⸗ esetzt und zu Ende geführt. Von unserer Parte sprachen noch Schmitt⸗ München und Rollwagen Ausburg, welche mit triftigen Gründen für Eingreisen der Regierung und Oeffnung der Grenzen eintraten. Segitz widerlegte in seinem Schlußworte die Ein⸗ wendung der Agrarier und beleuchtete die Ver⸗ kehrtheit der ganzen Schutzpolitik, die dem ganzen Volke schwere Nachteile zufüge und schließlich seinen Ruin herbeiführe. Steigerung der Fleischpreise. Nach der„Statistischen Korrespondenz“ sind die Fleischpreise in 23 der bedeutendsten deutschen Marktorte seit Januar folgendermaßen gestiegen. — Es kostet dort durchschnittlich 1 Kilo Pfennige: im Januar April Jult August Septbr. Rindfl.(Keule) 142 144 150 155 159 Rindfl.(Bauch) 121 123 121 133 137 Schweinefleish 135 146 157 157 172 Kalbfleisch.. 143 144 152 158 166 Hammelfleisch. 138 140 150 154 156 inl. ger. Speck 155 160 170 179 185 Schweineschmalz 158 164 168 175 178 Danach ist Rindfleisch von der Keule um 17 Pfg., vom Bauch um 18 Pfg., Sch weine⸗ fleisch um 37 Pfg., Kalbfleisch um 23 Pfg., Hammelfleisch um 18 Pfg., Speck um 32 Pfg., Schmalz um 20 Pfg. gestiegen, obgleich die Januarpreise keineswegs niedrig wareu. Wohl⸗ gemerkt, das sind amtliche Zahlen! Und angesichts solcher ungeheuerlicher Preissteigerung wollen agrarische Agitatoren das Vorhandensein eines Notstandes bestreiten! Vom„Segen der Kolonien“ reden die vor kurzem von dem Ausflug nach Kamerun zurückgekehrten Reichstags⸗Abgeord⸗ neten, die sich diese deutsche Kolonie vom Deck des Wörrmann⸗Dampfers aus beguckten. Sie richteten bei ihrer Ankunft in Hamburg ein Telegramm an den Herzog Albrechtvon Mecklen⸗ burg, in dem sie sagen: „Wir hoffen, daß die Erfahrungen, die wir auf unserer Reise sammeln konnten, für unsere Kolonien und damit für deren Mutterland von Segen sein werden. Wir kehren mit der freudigen Zuversicht aus den deutschen Kolonien zurück, daß diese am Beginn einer glän⸗ zenden Entfaltung stehen.“ Die Herren sind so vorsichtig, wenigstens nur den Beginn einer glänzenden Entfaltung zu prophezeien, bemerkt dazu der„Vorwärts“ sarkastisch. Wie„glänzend“ sich bisher Kamerun und Togo„entfaltet“ haben, mögen einige Zahlen beweisen. Die deutsche Ein⸗ fuhr nach den beiden Kolonien hatte 1904 einen Gesamtwert von 6,442,000 Mark, die Ausfuhr derselben nach Deutschland von 6,634,000 Mark. Für diesen Handel zahlt das Reich einen Barzuschuß von 5,980,000 Mark. Ein glänzendes Geschäft! Unter der Einfuhr figurleren die Spirituosen mit 2,711,000 Mark beinahe an erster Stelle! Da sich in beiden Kolonien zusammen nur 899 Weiße befinden, ergibt sich, daß die Kultur auch hier hauptsächlich durch Verbreitung der Schnaps⸗ pest betrieben wird! Sozialpolitische Bildung der Besitzenden. Ein weißer Rabe ist der Theologe Prof. Dr. Thränendorfs, der in seiner Bro⸗ schüre:„Die soziale Frage in Prima“, der d Erziehung der gebildeten Stände auf en Mittelschulen das Wort redet; er schreibt unter anderem: „Es ist geradezu erstaunlich, mit welcher Naibität man sich in den Kreisen des höheren Beamtentums und der Geldaristokratie zum Christentum bekennt, ohne für sein soztales Verhalten auch nur die geringsten Folgerungen daraus zu ziehen. Nackter Egoismus und offenes Be⸗ kenntnis zu dessen Grundsätzen vertragen sich in diesen Kreisen so gut mit kirchlicher Rechtgläubigkeit, daß jeder, der von einer solchen Verträglichkeit nicht ganz über⸗ zeugt ist, für einen verdrehten Kopf und gefährlichen Menschen gehalten wird.“ Sehr treffend äußert er sich auch über die Unbildung in sozialen Dingen, die in den Kreisen des höheren Beamtentums, sowie der Gebildeten überhaupt noch erschreckend groß sei und führt als Beispiele an, daß oft akademisch Gebildete, die mit Stolz behaupten, sich„viel mit sozialen Dingen beschäftigt zu haben“, es fertig bringen, die Unzufriedenheit und Massen⸗ verbitterung des Proletariats auf die„perfide und gewissenlose Hetzerei der Agitatoren“ zu⸗ rückzuführen, die sich bloß von den berühmten Arbeitergroschen mästen wollen.„Kann man mit einem solchen Bildungsvertreter überhaupt noch weiter debattieren?“— fragt hier Prof. Thränendorfs und fährt fort:„Ich verzichte meinerseits wenigstens stets gern auf Fort⸗ setzung des sozialpolitischen Gesprächs, sobald ich solchen Mangel an jeglichem sozialen Ver⸗ ständnis und sozialer Bildung spüre. Denn was ist da zu wollen! Es fehlen einfach alle Voraussetzungen des sozialen Denkens.“ Bankrott des Antisemitismus. Ein antisemitischer sogenannter„Parteitag“ wurde anfangs der Woche in Leipzig ab⸗ gehalten. Natürlich hinter verschlossenen Türen; die Herren haben auch jedenfalls alle Ursache ihre Beratungen vor der Oeffentlichkeit zu ver⸗ bergen, denn sie haben wirklich„nichts zu prangen“. Der Bankrott in jeder Beziehung kann aber auch bei den Liebermännern(denn diese waren in Leipzig zusammen) nur mit Mühe verschleiert werden. Ueber die im Anschluß an den anutisemitischen „Parteitag“ veranstaltete„Festversammlung“ berichtet unser Leipziger Parteiblatt: Kaum 150 Personen waren es, die sich in dem großen Saale eingefunden hatten, trotzdem auch für diese Veranstaltung nach recht antisemitischer Gepflogenheit mit allen Mitteln der Reklame gearbeitet und auf das Auftreten ihres großen Häuptlings aufmerksam gemacht worden war. Und wer waren die Zuhörer? Rund 70 Prozent junge Leute, die tagsüber hinter dem Ladentisch arbeiten, und der Rest bestand aus einigen indifferenten Kleinkrämern. In der Tat, das Gefühl des Mitleids beschlich einen bei dem Anblick jammervollen antisemitischen Aktion! Der antisemitische Abgeordnete Raab, der als erster Redner] auftrat, schien denn auch wenig erbaut zu sein von der ganzen Situation und er stimmte ein gar bewegliches Klagelied an über den politischen Stumpfsinn und Indifferentis⸗ mus des Mittelstandes. Heil, Heil! erscholl es durch den weiten leeren Raum, als Herr Liebermann v. Sonnenberg die Redner⸗ tribüne betrat, um über Ausländer und Aus⸗ länderei im Deutschen Reiche zu reden. Als Ausländer bezeichnete Liebermann v. Sonnen⸗ berg natürlich in erster Linie die Juden, die er von allen Aemtern und akademischen Berufen ausgeschlossen haben will. Ferner machte er seine Zuhörer vor der„gelben Gefahr“ gehörig gruselig und brach für das Moskowitertum eine mächtige Lanze. Große Sorge hat Herr Liebermann auch darum, daß die deutschen Fürstenkronen schließlich auf Ausländer über⸗ gehen könnten; um das zu vermeiden, verlangte er mit großer Emphase ein Reviston des Fürsten⸗ rechts! Heil, heil! erscholl es von neuem, und die Komödie war zu Ende. Ein Antisemitrich. Vor dem Landgerichte in Dresden wurde dieser Tage ein Aufsehen erregender 5158 zu Ende geführt. Der ehemalige trektor der Dresdener Allgemeinen Ver⸗ sicherungsanstalt, Lehleitner, hatte sich wegen Untreue zu verantworten. Lehleitner hatte eine recht bewegte Vergangenheit hinter sich, doch gelang es ihm, als er Ende der neunziger Jahre nach Dresden kam, hier bald Oberwasser zu gewinnen. Das wurde ihm um so leichter, als er sich als strammer Antisemit dem Reformerverein anschloß und in ihn— wenn er dies jetzt auch in Abrede zu stellen versuchte — bald eine führende Rolle übernahm. Eine Zeitlang wohnte der Direktor in Königsbrück, wo er eine prächtige Villa mit großem Wald⸗ park besaß. Das Geld hierzu hat er, wenigstens zum Teil, aus der ihm anvertrauten Genossen⸗ schaftskasse entnommen und dadurch eine ganze Anzahl kleiner Leute geschädigt. Daß die Ber⸗ untreuungen einen derartigen Umfang— zirka 170000 Mk.— annehmen konnten, ber⸗ schulden zum größten Teil die Au fsichts rate, die sämtlich intime Parteigenossen des An⸗ geklagten waren. Der Prozeß förderte eine Reihe Schmutzereien zu Tage, u. a. hat Leh⸗ leitner an Mitglieder des Aufsichtsrats Dar⸗ lehen gegeben und zwar aus Mitteln der Ver⸗ stcherungsanstalt, wodurch sich jene Herren natürlich von L. abhängig machten und nicht wagten, dessen Maßnahmen entgegenzutreten. In der Gesellschaft herrschte die tollste Wirt- schaft. Der Staatsanwalt bezeichnete in seinem Plädoyer den Angeklagten als einen skrupellosen Direktor. Lehleitner, der einer Partet an⸗ gehöre, die im Stadtverordnetensaale die Herrschaft führe und in Dresden viel Lärm schlage, habe nur in seinem eigenen Interesse gehandelt, nicht aber im Interesse der Anstalt. Das Urteil lautete auf 1 Jahr 8 Monate Gefängnis, 2000 Mk. Geldbuße und 3 Jahre Ehrenrechtsverlust. Revolution in Rußland. In Moskau kam es am Sonntag Nacht auf dem Twerskol⸗Platz bei einer Versamm⸗ lung zu einem blutigen Zusammenstoß mit den Truppen. Aus der Menge wurden Revolver⸗ schüsse abgefeuert. Zu Tausenden durchzog die Arbeiterschaft die Hauptstraßen. Bei einer Bäckerei auf der Twerskoistraße kam es zu einem blutigen Zusammenstoß. Die Bäcker warfen vom Dache Ziegelsteine auf die Kosaken. Diese feuerten; 8 Bürger wurden g etötet, 2 verwundet, 1 Kosak getötet. Viele Polizei und Privatpersonen wurden verletzt. Ueber diese Vorgänge am Sonntag, die in Petersburg viel Aufsehen erregen, machten Berliner Blätter noch eingehendere Mitteilungen. Danach kam es zu einer regelrechten Schlacht zwischen den Truppen und den streikenden Arbeitern. Auf der einen Seite kämpften gegen zehntausend Streikende, auf der andern Seite ein Bataillon Infanterie. Das Militär gab wiederholt Salven ab, viele Per⸗ sonen wurden getötet, darunter Frauen und Kinder. Eine noch größere Anzahl wurde schwer verwundet. Die Zahl der Getöteten wird annähernd auf fünfzig geschätzt, die Zahl der Verwundeten auf 600. Mehrere hundert Personen wurden verhaftet. In dem Arbeiterviertel Moskaus kämpften Frauen in den vordersten Reihen. Die Frauen be⸗ nutzten Stöcke und Schirme als Waffen, wurden aber von den Kosaken niedergesäbelt. Montag dauerten die Unruhenfort; an diesem Tage wurde ein plötzlicher Angriff auf das Palais des General⸗Gouverneurs gemacht. Doch wurde dieser Angriff von den Truppen zurückgeschlagen, wobei zehn Streikende fielen. — In der Umgegend vou Riga soll, wie die „Voss. Ztg.“ mitteilt, ein Schießplatz ent⸗ deckt worden sein, auf dem von Anhängern des revolutionären Komitees regelmäßige Schieß⸗ übungen veranstaltet wurden. 2— — und en 5 lige Ver⸗ egen gate ich, iger iser ler, dem enn ichte Eine c, ald lenz sen⸗ ande lte, eine Leh⸗ Dar⸗ Ver⸗ ren nicht eten. Ort. em losen f an⸗ galt hiel genen eresse aht buße facht imm t den lber ⸗ 0 die elner elne zäcket salel. tet, 15 ichtel Nr. 42. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. — 2—— Seite 3. Hessische Bauarbeiterschuk⸗ Konferenz. Am Sonntag vor acht Tagen fand in Offenbach eine Bauarbeiterschutz⸗Konferenz statt, die von 78 Dele⸗ girten aus 30 hessischen Orten besucht war. Zweck derselben war, Mittel und Wege ausfindig zu machen, die geeignet sind, den im Baugewerbe herrschenden Mißständen abzuhelfen, durch welche Unfälle in großer und zunehmender Zahl verursacht werden. Krunser⸗Frankfurt hielt über die in dieser Be⸗ ziehung gestellten Forderungen der Bauarbeiter ein eingehendes und vorzügliches Referat. Die von Jahr zu Jahr steigende Unfallziffer im Baugewerbe, bemerkte er, zwinge die Arbeiter Stellung zu nehmen und den Regierungen das Gewissen zu schärfen. Mit den Arbeiterschutzbestimmungen sind die Bauberufe am kärglichsten bedacht worden, bis in die 80 er Jahre hinein fehlte es überhaupt an diesbezüglichen Be⸗ stimmungen. Auch das neue Unfallversicherungsgesetz hat nicht vermocht, die Zustände zu bessern, weil es den Berufsgenossenschaften überlassen ist, Schutzbestimmungen zu erlassen oder nicht, es also in die Hände der inte⸗ ressierten Unternehmer gegeben ist, ob für die Arbeiter etwas geschieht, ist ein unerträglicher Zustand geschaffen. In einem Zeitraume von 10 Jahren, von 1894 bis 1904, sind zirka eine halbe Million Unfälle vorgekommen, davon waren 116 000 entschädigungspflichtige, also schwerer Natur. 11623 Tode zeitigten die Unfälle und insgesamt blieben 22827 Hinterbliebene— Frauen und Kinder— zu unterstützen. Rechnen wir für unsern Saisonberuf 220 Arbeitstage im Jahr, so entfielen 223 Unfälle, darunter 5 tötliche, auf jeden Tag! Und diese Ziffern steigen noch. Damit muß auf⸗ geräumt werden. Wir wollen nicht länger schutzlos unsere gesunden Knochen zu Markte tragen. Als eine Hauptursache der Unfälle ist der in Blüte stehende Bausch windel anzusehen. Die Kapitalisten suchen sich Strohmänner zu ihren Bauunternehmungen, diese suchen dann durch Verwendung schlechten Bau⸗ materials, durch Druck auf die Arbeitslöhne und wo ihnen das durch starke Gewerkschaftsorganisationen zurück⸗ geschlagen wird, durch Einführung eines Antreibersystems, das zum intensivsten Arbeiten führt, die Bauten mög⸗ lichst billig hoch zu treiben. Die Ersparnisse an dem, was dem Schutze der Arbeiter dient, liegen am nächsten und so erklären sich die ungeheuer hohen Unfallziffern. Das gleiche tritt ein, wo Behörden Bauarbeiten auf dem Submisstonswege vergeben. Und die billigen Unternehmer suchen dann zum Nachteil der Arbeiter unter Umgehung oftmals der primitivsten Schutzvor⸗ richtungen auf ihre Rechnung zu kommen. Deshalb fordern wir Beseltigung des Submisstonswesens und Ausführung der staatlichen oder kommunalen Bauarbeiten in eigener Regie. Beinahe ein Drittel der Bau⸗ arbeiter könnten auf diese Weise unter besseren Be⸗ dingungen für Leben und Gesundheit beschäftigt werden. Wenn wir uns die Art der Unfälle betrachten, so finden wir, daß zwei Drlitel ohne weiteres auf den Mangel an Schutzvorrichtungen zurückzuführen sind. Es sind jene Fälle, die entstanden durch Absturz, Zusammen⸗ bruch und Herabfallen von Gegenständen. Die Ver⸗ dächtigungen der Bauarbeiter als Schnapsbrüder oder leichtsinnige Menschen sind entschteden zurückzuwelsen. Es ist festgestellt worden, daß auf 200 Unfälle nur 1 dem Leichtsinn der Arbeiter zur Last zu legen ist und erst auf 400 Unfälle kommt einer den die Trunken⸗ heit verschuldet. Die übergroße Mehrzahl aller Unfälle müssen den Unternehmern zur Last gelegt werden. Die Schutzvorrichtungen zeigen sich als wirkungslos, ohne beständige scharfe Kontrolle. Als Kontrol⸗ leure verlangen wir praktisch tätig gewesene Bauarbeiter, die von den Arbeitern gewählt sind und deren Vertrauen besitzen. Wir verlangen nun, daß der Bauarbeiterschutz reichsgesetzlich geregelt wird. Von den meisten Gemeindevertretungen haben wir nichts zu erwarten, reaktionäre Wahlsysteme schließen die Arbeiter von den Stadtparlamenten aus, die Hausagrarier und Bau⸗ spekulanten dominieren. In den Landtagen sitzen gleich⸗ jalls die Arbeiterfeinde. Im hessischen Landtag wurde eine Petition der Bauarbeiter der Regierung als Material überwiesen und— dann hat man nichts mehr gehört. Die sympatische Stellung des Ministerialdirektor s Braun zu den Forderungen der Bauarbeiter weckt keinen Toten auf, schafft die Krüppel nicht aus der Welt. Warum wird denn die Sympathie in Worten nicht in Taten umgesetzt? Die Bauarbeiter müssen sich regen, und endlich muß ihnen ein Schutz werden, wie ihn andere Arbeiterkategorien bereits besitzen, und wie er im Interesse der Menschlichkeit, der Kultur gelegen ist. Nach dem mit lebhaftem Beifalle aufgenommenen Referat sprach der Vorsitzende des Dachdecker Verbandes, Gen. Diehl⸗Frankfurt über den„B auarbeiterschutz der Gegenwart“. Er betonte in seiner Rede, daß die Gewerkschaften neben den materiellen Forderungen sich die Pflege einer wirksamen Sozialpolitik in Gemeinde und Staat angelegen sein lassen müßten. Und dazu sei die Stärkung der politischen Organisationen nötig.— Eine lebhafte und ausglebige Diskusston folgte den beiden Referaten und schließlich wurde eine Resolution angenommen, in welcher gegen die Nachlässigkeit der Behörden auf dem Gebiete des Arbeiterschutzes protestlert und gefordert wird: Eine energische Bekämpfung des überhandnehmenden Bauschwindels; Schaffung von Gesetzen, die eine Kontrolle sowohl der Pläne, als auch der Bauausführungen durch technisch durchaus durchgebildete Beamte vorsehen. Den Beamten sind praktisch geschulte Bauhandwerker zur Kontrolle der zu treffenden Bauarbeiter schutzvorrichtun gen beizugeben. Diese Kontrolleure aus Arbeiterkreisen sind staat⸗ licherseits anzustellen und zu besolden und von den Arbeitern nach dem Modus des Gewerbegerichtswahl⸗ gesetzes zu wählen. Ferner tunlichste Beseitigung der Vergabe der Bauarbeiten in Submission und Uebernahme der Bauaus führungen in eigene Regie. Die ortsüblichen oder tariflich festgelegten Lohn⸗ und Arbeitsbedingungen haben als Mindestsatz zu gelten. Schließlich bedauert die Konferenz, daß bis jetzt die hessische Regierung ihr gegebenes Versprechen bezüglich des Bauarbeiterschutzes nicht erfüllt hat und fordert von neuem die Regierung auf, in anbetracht der hohen Unfallziffern im Baugewerbe eine Reform der Unfall⸗ verhütungsvorschriften vorzunehmen und zur baupolizei⸗ lichen Ueberwachung praktisch geschulte Arbeiter zu⸗ zuziehen. Man beschloß ferner, in den Städten Darmstadt, Mainz, Offenbach, Gießen und Worms Arbeiter⸗ schutzkommissionen zu errichten. Je ein Delegierter aus diesen Kommissionen soll in eine Zentralkommission, die in Darmstadt ihren Sitz haben soll, entsandt werden. Soziales, Gewerkschaftliches. Der Kampf in der elektrischen In⸗ dustrie in Berlin dauert noch fort und, wie die Sachen jetzt stehen, werden an diesem Samstag noch weitere 20000 Arbeiter vom Metall⸗Industriellen⸗Verbande auf die Straße geworfen. Die bürgerlichen Blätter Berlins stellen sich fast ohne Ausnahme auf die Seite der Unternehmer und hetzen und schimpfen in rüdester Weise auf die Arbeiter und die Sozial⸗ demokratie, die doch mit dem Streik nicht das Mindeste zu tun hat. Es ist eben überall die unehrliche und gemeine Kampfesweise der kapi⸗ talistischen Soldschreiber! Welche Zustände! Eine Handvoll ungeheuer reiche Leute, die aus der Arbeitskraft ihrer Arbeiter alljährlich Tonnen Goldes erpressen, verweigern einigen hundert Arbeitern eine kleine Lohnerhöhung, die bei den Riesenprofiten jener gar nicht ins Gewicht fiele. Weil aber die Arbeiter nicht sofort zu Kreuze kriechen, werden Zehntausende anderer Arbeiter zum Hungern verurteilt! Man muß wissen: Die Direktion der Allgemeinen Elektrizitäts- Gesellschaft erhielt im Geschäftsjahr 1903-04 eine Tantieme von rund 900 000 Mark! Hier⸗ von hat der Generaldirektor Rathenan allein erhalten zirka 400 000 Mark! Im ganzen bezieht er jährlich knapp gerechnet zirka 750000 Mark! Bei solchem Lohn braucht er allerdings nicht zu streiken! Wieder eine Aussperrung haben die Unternehmer in der vogtländischen Sticker et⸗ In dustrie über ihre Arbeiter verhängt. Dies⸗ mal sind es die Schiffchenmaschinenbesitzer, die höhere Löhne beanspruchten und auf ihren Forderungen beharren. Der größte Teil der vogtländischen Fabrikanten hat aber die Forde⸗ rungen abgelehnt und in einer außerordent⸗ lichen Versammlung am Sonntag die Schließung sämtlicher Schiffchenstickmaschinenbetriebe zum 28. Oktober und die Kündigung sämtlicher Arbeiter zum nächsten Samstag beschlossen. In Betracht kommen etwa 5000 Arbeiter. Christlicher Arbeiterverrat. Die „Rheinische Zeitung“, unser Parteiorgan in Kölnveröffentlichte folgendes Dokument zentrums⸗ christlicher Schmach: Köln, den 18. September 1905. Werter Kollege! Es wurde mir mitgeteilt, daß Du eventl. geneigt seiest, hier in Köln als Maschinenschreiner in Arbeit zu treten. In verschiedenen Werkstätten werden hier tüchtige Maschinenschreiner gesucht. Der Lohn beträgt 1 5—5.50. Am besten ist es, Du wendest Dich an den Arbeits nachweis unseres Verbandes, Köln, Palm⸗ straße 14, wo Dir sofort Arbeit angewiesen wird. Be⸗ kannt wird Dir sein, daß sich hier der sozialdemokratische Verband im Streik befindet. Da aber der Streik ohne unsere Zustimmung inszeniert wurde, haben wir keine Veranlassung, denselben mitzumachen, vielmehr sehen wir denselben als für uns nicht existierend an. Auf diesbezgl. Antwort wartend, zeichnet mit frdl, Gruß für den christl. Holzarbeiterverband, Zahlstelle Köln Wilh. Heinmüller, Adr. Palmstr. Nr. 14. Dieser Brief ist von unschätzbarem Wert für die Geschichte des Kölner christlichen Arbeiter⸗ verrats. Er dreht allen Lügen, mit denen die Streikbruchführer ihre feige Tat zu beschönigen versucht haben, den Hals ab. In dem Briefe ist es mit nackten Worten urkundli hald 15 daß der Kölner Arbeiterverrat nur deshalb be. gangen wurde, weil der Deutsche Holzarbeiter⸗ verband mit seinen mehr als anderthalbtausend Stimmen sich nicht dem Willen der 135 christ⸗ lichen Mitglieder fügte, die gegen den Streik gestimmt haben. Und das nennt sich Ar⸗ beiterorganisation! Von Nah und Lern. Hessisches. — Die Zweite Kammer tritt nächsten Donnerstag, den 19. Oktober zu einer Tagung zusammen, jedenfalls der letzten dieses Landtags. Auf der Tagesordnung stehen eine Reihe kleinere Vorlagen sowie Rückäußerungen der Ersten Kammer. Der Schluß des Landtages soll am 25. Oktober erfolgen, worauf die Neuwahlen alsbald ausgeschrieben werden dürften. — Ein neuer Justizminister in, Hessen. Schon vor längerer Zeit war in der Presse von dem baldigen Rücktritt des, Justizministers Dittmar die Rede. Das ist jetzt Tatsache geworden; am Mittwoch teilte die„Darmst. Zig.“ amtlich mit, daß Dittmar auf ein Gesuch in den Ruhestand versetzt und an seine Stelle Reichsgerichtsrat Ewald zum Justizminister ernannt worden sei. Ewald ist in Weimar geboren, war Amtsrichter in Worms, dann Staatsanwalt in Darmstadt und Mainz Seit 1896 war er am Reichsgericht in Leipzig. Die„Frankf. Ztg.“ hofft von ihm, daß er im Gegensatz zu Ditkmar im liberalen Geist wirken werde. Na, man wird ja sehen. Das arbei⸗ tende Volk braucht sich keinen großen Hoffnungen hinzugeben. In Bezug auf unsere Rechtspflege bleibt noch immer das Goethe'sche Wort wahr: „Es erben sich Gesetz und Rochte wie eine ewige Krankheit fort!“ — Einkommensteuer in Hessen. Im laufenden Rechnungsjahre gab es in Hessen nach den Mitteilungen der Zentralstelle für Landes⸗ statistik 321 437 Einkommensteuerpflichtige, die an Einkommensteuer 9 150 427 Mk. zu entrichten haben. Zu der ersten Abteilung, Einkommen über 2600 Mk., gehören 29 431; zu der zweiten, Einkommen unter 2600 Mk., 292006 Steuer⸗ zahler. Von den Steuerzahlern der zweiten Abteilung haben mehr als die Hälfte ein Einkommen unter 900 Mk. In der ersten Abteilung sind die meisten Steuerpflichtigen in der untersten Stufe, die ein Einkommen von 2600 bis 2900 Mk. umfaßt, nämlich 5361 von 29 431. Mehr als 100 000 Mk. Elnkommen haben im ganzen Großherzogtum 97 Pflichtige. Sie haben zusammen 1005 585 Mk. Einkommen⸗ steuer zu zahlen. Von den drei Provinzen bringt Starkenburg 3 903 226, Rheinhessen 3595 265 und Oberhessen 1651935 Mk. Ein⸗ kommensteuer auf. Weniger als 100 000 Mk. an Steuern gehen in folgenden Städten ein: in Rheinhessen in Wörrstadt, in Starken⸗ burg in Beerfelden, Fürth, Höchst und Michel⸗ stadt, in Oberhessen in Alsfeld, Butzbach, Grünberg, Homberg, Hungen, Lauterbach und Schotten. Am unergiebigsten an Steuern ist die Umgebung von Homberg. Die meisten Einkommensteuern zahlt die Stadt Mainz mit 1739021 Mk. Ihm folgt Darmstadt mit 1398 635 Mk. — Zum Bürgermeister von Mainz an Stelle der verstorbenen Oberbürgermeister Gaßner haben die Mainzer Stadtverord⸗ neten am Samstag den bisherigen Beigeord⸗ neten Dr. Göttelmann gewählt. Der Ge⸗ wählte dankte bewegt für das ihm geschenkte Vertrauen und sagte u. a.:„Ich will mein — Seite 4. Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 42. Amt führen mit Gerechtigkeit und Un⸗ parteilichkeit, nur die Sache, nicht die Person ansehen. Ich will die großen Aufgaben unserer Stadt richtig zu erkennen und mit Energie auszuführen suchen, will die Wege, die mein großer und hochverehrter Amts vor⸗ gäuger, Herr Oberbürgermeister Dr. Gaßner, auf allen Gebieten geebnet hat, weiter verfolgen, insbesondere auf dem Gebiete der Sozialpolitik, will die entwickelungs⸗ werten Kräfte unserer Stadt wecken und zur Entfaltung bringen.“— Nun, wenn diese Ver⸗ sprechen gehalten werden, dann haben die Mainzer keinen schlechten Griff getan. Gießener Angelegenheiten. — Verläumder. Im Bieß. Anz. vom 9. Oktober ist über den Streik in der Berliner Elekrizitätswerken zu lesen:„Sehr bedauerlich ist, daß sich Streikende zu schweren Vergehen hinreißen lassen. Die Kabelleitungen im„Ber⸗ liner Theater“ sind vorsätzlich durchschnitten worden. Ebenso wurde ein Flugapparat be⸗ schädigt, sodaß ein Schauspieler bei der General⸗ probe abstürzte, ohne sich jedoch zu verletzen. Die Täter sind noch nicht ermittelt.“ Die Täter sind noch nicht ermittelt, der Anzeiger weiß aber, daß es streikende Arbeiter sind. Das Blatt sollte wenigstens nicht gar so ungeschickt schwindeln. — Landtags⸗Kuddelmuddel⸗Kandidat. Am Sonntag hat in Gießen eine Vertrauensmänner⸗ versammlung stattgefunden, die sich mit der Aufstellung des Kandidaten für den Landkreis Gießen beschäftigte und, wie der Anzeiger berichtete, stark besucht gewesen sein soll. Herr Leun wurde als Kandidat aller Bürgerlichen proklamiert, nachdem er erklärt hatte, „für Einführung des direkten Wahlrechts ent⸗ schieden eintreten zu wollen.“— So, so! Da hat sich ja Herr Leun zu anderer Ansicht bekehrt! Ist es aber seine wirkliche Ueberzeugung, was er der Ver⸗ trauensmänner⸗Versammlung erklärte? Bekanntlich stimmte er im Landtage gegen das direkte Wahlrecht und vor wenigen Wochen sagte er in Steinberg, daß er sich den„Luxus“ erlaubt habe, so zu stimmen. Wir meinen, wer ein solches Verhalten in so wich⸗ tigen Fragen zeigt, dem kann ein vorsichtiger Wähler doch kein Vertrauen entgegen bringen. Im holden Vereine geben der Gieß. Anz. wie auch das Hirschelblatt in Friedberg den Segen zu dem Kuddelmuddel. Letzteres tut es folgendermaßen: „... Ein Mann, dem das Wohl des Landkreises ... höher steht, wie einseitige Parteipolitik, während sein Gegner lediglich eingefleischter Parteifana⸗ tiker ist. Herr Leun gilt deshalb als Kandidat aller Nichtsozialdemokraten, die für dieses Mal alles Tren⸗ nende unberücksichtigt lassen.“ Also keine einseitige Parteipolitik! Wie oft hat das Antisemitenblatt gegen die Unparteilichkeit gewettert! Wirklich, es spottet seiner selbst und weiß nicht wie! Den auch im Landkreise vorhandenen freisinnigen Wählern wird zugemutet, für einen aus gemachten Rückschrittler einzutreten. Sie werden es auch tun, wie die verflossenen Reichstagswahlen gelehrt haben. Unsere Parteifreunde müssen daher umso eifriger arbeiten, wenn sie den Sieg an ihre Fahne heften wollen. — Former wurden dieser Tage im„An⸗ zeiger“ nach Gevelsberg in Westfalen gesucht. Vom Metallarbeiterverband werden wir ersucht mitzuteilen, aß dort genügend Arbeitskräfte am Platze sind, auch wären die Löhne keines⸗ wegs hoch. Man locke nur Leute dorthin, um sie als Preisdrücker zu gebrauchen. Alle Former seien deshalb gewarnt, Arbeitsgebote nach Gevelsberg anzunehmen. — Stiftungsfest der„Eintracht“. Nächsten Samstag den 21. Oktober findet im Saale des Café Leib das 33. Stiftungsfest unseres Arheitergesangvereins statt. Der Verein, der stets bereit ist, die Festlichkeiten der Gewerk⸗ schaften und Partei durch seine anerkennens⸗ werten Leistungen verschönern zu helfen, darf wohl auf zahlreichen Besuch von Seiten der Parteifreunde rechnen. Aus dem Rreise gießen. r. Auf der Wilson'schen Ziegelei in Großenlinden scheinen in Bezug auf die Arbeits⸗ verhältuisse recht schlimme Zustände zu herrschen. Es wird dort fast nur im Akkord gearbeitet und dieses Lohnsystem treibt die„schönsten“ Blüten. Wenn näm⸗ lich die Arbeiter sich aufs äußerste anstrengen und da⸗ bei ein paar Pfennige mehr als den Durchschuitts⸗ Tagelohn verdienten, so reduzierte der Betriebsleiter Brohms die Löhne sofort um etwa 10 Prozent, wohl weil er fürchtete, daß die Arbeiter zu fett würden. Und dieses Manöver wiederholte sich mehrmals. Arbeitern, die dagegen Verwahrung einlegten, wurde einfach mit Entlassung gedroht und eine Anzahl zog es auch vor, dieses Paradies zu verlassen. Als sie aber ihren ver⸗ dienten Lohn haben wollten, erwiderte ihnen der Be⸗ triebsleiter, sie sollten bis zum Zahltage warten. Mehreren wurde der rückständige Lohn überhaupt ver⸗ weigert. Bei dieser Gelegenheit machte sich wieder der Mangel eines Gewerbegerichts für den Kreis Gießen recht fühlbar. Wird ein Arbeiter entlassen, so ist ihm der verdiente Lohn sof ort auszuzahlen, er hat nicht nötig seinen sauer verdienten Groschen so und sovielmal nachzulaufen. In diesem Betrieb giebts auch sonst noch zahlreiche Mißstände anderer Art. So ist noch nicht einmal ein ordentlicher Eßraum vorhanden; nur in einer Ecke ist durch ein paar Bretter ein nicht heizbarer Verschlag hergestellt, wo im Winter und bei naßkalter Witterung der Aufenthalt fast unmöglich ist. Hier sollte die Fabrikinspektion mal nach dem Rechten sehen; die Arbeiter aber sollten sich bemühen durch An⸗ schluß an die Organisation menschenwürdige Zustän de zu schaffen. — Versammlung in Heuchel⸗ heim. Sonntag Abend 8 Uhr findet im Lokale Karl Steinmüller eine öffentliche Parteiver⸗ sammlung statt, in welcher Genosse Vetters⸗ Gießen über den Jenaer Parteitag sprechen wird. Die Parteigenossen wollen recht zahlreich er⸗ scheinen und auch ihre Frauen mitbringen. — Wieseck. Eine Parteiversamm⸗ lung findet diesen Samstag, 14 Oktober im Lokale des Gambrinns bei Wacker statt. Gen. Vetters⸗Gießen wird über den Jenaer Parteitag sprechen. Alle Parteigenossen wollen recht zahlreich erscheinen und auch ihre Bekannten mitbringen. Frauen haben ebenfalls Zutritt und sind willkommen. Aus dem Nreise Wetzlar. Herr Franz Behrens, der für Wetzlar in Aus sicht genommene stöckerische Reichstagskandidat, trat bekanntlich auch in Essen bei der Nachwahl als Kandidat auf. Er schnitt erbärmlich ab, brachte trotz maßloser Agitation nur ganze 2194 Stimmen auf. Seine Auf⸗ stellung hatte eingestandenermaßen den Zweck, den National⸗ liberalen Stimmen abzusplittern und so zu verhindern, daß deren Kandidat in die Stichwahl käme. Dies war immerhin nicht ganz ausgeschlossen, und wenn der sonst allgemein beliebte Rechtsanwalt Niemeyer mit dem Zentrum in die Stichwahl kam, so wäre wahr⸗ scheinlich das Zentrum unterlegen. Für diesen, ihm geleisteten Dienst hat das Zentrum Herrn Behrens das Mandat Wetzlar⸗Altenkirch en versprochen. Wir können also zur nächsten Reichstagswahl erleben, daß die Agitation gegen unsere Partei ziemlich ruppig betrieben werden wird, denn was Behrens in dieser Beziehung im Essener Kreise geleistet hat, läßt die stärksten Dinge erwarten. Mit welchen Mitteln der Stöckerjünger arbeitete, geht aus einer Notiz der Berg⸗ arbeiter⸗Zeitung hervor, welche in ihrer vorletzten Nummec schrieb: „Herr Franz Behrens hat in öffentlichen Wahlversammlungen gesagt, der alte er band habe 95000 Mark von den gesammelten Streikgeldern an die russischen strei⸗ kenden Arbeiter oder„Revolutionäre“, wie sich der„General“⸗Sekretär geschmackvoll ausdrückte, geschickt. Das ist einfach eine ganz gemeine Lüge, die sich Monsieur Behrens entweder aus den Fingern gesogen hat, um sie im Wahlkampf für seine„christliche“ Kan⸗ didatur auszunützen, und dann erklären wir ihn als einen stinkenden Verleumder, andernfalls hat sich Monsieur Behrens diesen Bären aufbinden lassen, den er nun in Versammlungen losläßt, und dann rangiert er unter Waschweiber, wie man vulgär diese Schwätzer nennt. Es find, wie die Quittung im„Vor⸗ wärts“ auswies, 5000 Mark von den Bergarbeitern ganz Deutschlands an die Streikenden nach Rußland geschickt worden, und diese 5000 Mk. find so gesammelt und nicht der Streikkasse entnommen. Behrens scheint es aber uur darum zu tun zu sein, seinen Gegner nach echt Brust'scher Methode zu verleumden, denn mit ehr⸗ lichen Waffen kann er nicht kämpfen, und solches Pack nennt sich auch noch— gristlich.“ Nun, wir können ja Herrn Behrens hierorts zur Genüge. In einer Wetzlarer Versammlung bezeichnete er einmal die Sozialdemokraten als— Läuse und so lausig wird er wohl auch seine Agitation in Essen betrieben haben. Eine weitere Nummer der Bergarbeiterzeitung teilt berichtigend mit, daß nicht Behrens, sondern Lic. Mum m in der obengeschilderten Weise in der Ver⸗ sammlung von Abführung von Streikgeldern an die russischen Streilenden geredet. Behrens gestand aber in der neulichen Sitzung der Siebenerkommission ein, daß er aus dem Parteitagsbericht„entnommen“ habe, daß 20 000 Mk. für die Bergleute gesammelte Streik⸗ gelder nach Rußland geschickt worden seien. Er ist also doch der Urheber der niederträchtigen Wahllüge. Tatsächlich find uur solche Gelder für die Russen ge⸗ geben worden, die nach Schluß der Sammlung für die Bergarbeiter bei dem Parteivorstand eingingen und deren Spender diese Verwendung ausdrücklich billigten. +Amtsmüde. Der Stadtverordnete Seminardirektor Vorbrodt legt sein Amt als Stadtvater nieder. Er ist erst vor kurzem als Kandidat aller Bürgerlichen gewählt worden, hat aber offenbar an der Arbeit für das Ge⸗ meinwesen nicht viel Geschmack gefunden. h. Die vier Metzger, welche am 8. August vom Schöffengericht wegen Vergehens gegen das Nahrungs mittelgesetz zu 100 Mk. Geldstrafe verurteilt wurden, hatten gegen das Urteil Berufung eingelegt. Alle bis auf den Angeklagten Weinrich hatten die Berufung zu⸗ rückgezogen. Dieser behauptete in der Straf⸗ kammerverhandlung am Mittwoch, daß die be⸗ schlagnahmte verdorbene Wurst zur Vernichtung bei Seite gelegt war. Seine Berufung wurde jedoch verworfen und das Urteil in Höhe von 100 Mark aufrecht erhalten. h. Herr Regie rungsassessor Rotberg vom Landratsamt verläßt Wetzlar und wird nach Lüneburg versetzt. Der Anzeiger verkündet der Welt diese Nachricht und fügt hinzu, daß sie allseitig mit Bedauern auf⸗ genommen würde. Was uns betrifft, so können wir den Schmerz ertragen. Herr Rotberg ver⸗ suchte stch nämlich auch in der Sozialistenbe⸗ kämpfung und weil es anders nicht ging, durch die unschöne Art der Lokalabtreiberei. Verschiedenen Wirten, die uns ihren Saalzur Ver⸗ sammlung hergegeben hatten, erlaubte er sich Vorhaltungen zu machen. Was hat sich ein Beamter darum zu kümmern. Das ist eine ganz ungehörige Einmischung und es ist nur bedauerlich, daß sich die Betreffenden solche Bevormundung nicht ganz energisch verbeten haben. Die Sozialdemotratie wird in ihrem Vorwärtsschreiten durch solche Mittelchen nicht aufgehalten, das wird Herr Rotberg auch noch einsehen. h. Volksvorlesung. Die Lesever⸗ einigung veranstanltet nächsten Montag, den 1—5 Oktober abends ihren ersten Vortrag. Herr Prof. Dr. Wünsch⸗Gießen wird über das Thema:„Zur Entstehung des Aberglaubens“ sprechen. Der Vortrag findet im„Schützen⸗ garten“ statt und beginnt punkt 8 ¾ Uhr. Die Eintrittskarte kostet abends an der Kasse 30 Pfg., im Vorverkauf 20 Pfg. k. Die Gemeindew ahl in Krofdorf findet am 26. Oktober statt. Von Seiten der Ordnungsleute, der Pfarrer⸗ und Schul meister⸗ Clique werden gewaltige[Anstrengungen ge⸗ macht, damit kein weiterer Arbelterbertreter gewählt werden soll. Dabei befindet stch in Krofdorf die Arbeiterschaft in der Mehrheit! Unsere Genossen müssen daher tüchtig auf dem Posten sein! Mittwoch vor acht Tagen fand eine Versammlung statt, in der Gen. Zlelowski⸗ Frankfurt a. M. über die Gemeindepolttik sprach. Seine Ausführungen wurden beifällig aufge⸗ nommen. Bergherren⸗„Wohltätigkeit“. Aus Oberscheld wird berichtet: „In der vorigen Woche wurde den Bergleuten der Frank schen Elsenwerke eine unerwartete Freude zu Teil. Jeder Bergmann, dem im Laufe des Jahres ein Kind geboren ist, erhielt eine Unterstützung, deren Höhe sich nach der Zeit der Arbeit auf dem Frank' schen Betriebe richtet. Einzelne erhielten über 20 Mk. Das Interesse der Werkleitung an den häuslichen und Familienver⸗ hältnissen der Arbeiter hat allgemein wohlgetan.“ Ja, wenn man's so hört, möcht's leidlich scheinen. In Wirklichkeit werden solche Almosen meist zu dem Zwecke gegeben, dle Arbeiter von berechtigten Forderungen abzuhalten. Und es ist sehr wahrscheinlich, daß sich die Grubenherren etwas freigebiger zeigen, seitdem sie merken, daß die Bergleute bemüht sind, ihre Lage durch Anschluß an die Organisation zu verbessern. Und wie notwendig das ist, dafür haben wir in unserm Blatte schon zahl⸗ reiche Beispiele gebracht. Zum Ueberfluß können wir gleich noc) eines anführen, das die letzte Nummer der Bergarbeiterzeitung bringt. Von der Grube Ottilie bei Braunfels wird dem Blatte mitzeteilt, daß dort einigen Bergleuten in drei Monaten jedem 30 Mark nicht e, b 1 e, dle f be⸗ 0 de Ul. r ar er uf⸗ gen er⸗ be⸗ ich ei. el⸗ ich eln lle lt che fel em cht 1 er 0. ert Nr. 42. Mitteldeutsche SonntagsZeitung — Seite 5. ousgezahlt wurden, die sie nach ihrem vereinbarten Ge⸗ dinge verdient hatten. Als sie beim Steiger Gaul diese Summen reklamierten, sagte ihnen dieser, daß sie genug erhalten hätten und zufrieden sein könnten, soviel bekommen zu haben. Demnach ist eine Gedingeverein⸗ barung übexrflüssig und Steiger Gaul zahlt den Leuten Auszahlen läßt. soviel aus, als er für ausreichend hält, denn er muß ja wissen, was die Leute notwendig haben. Die Grube gehört dem Für sten Solms⸗Braunfels. Wir möchten gerne wissen, ob derselbe mit der Handlungsweise des Steigers einverstauden ist, oder ob er lieber auf das Geld verzichtet und es den Arbeitern nachträglich noch Grube Ottilie ist aber wirklich nicht der einzige Betrieb in unserer Gegend, wo derart mit den Arbeitern umgesprungen wird. Aus dem Rreise Marburg⸗Nirchhain. O Kostspielige Projekte kamen in der Stadtverordnetensitzung vom vergange⸗ nen Freitag zur Erörterung. Die Museums⸗ gesellschaft hatte ihre Gebäude der Stadt zum Verkauf angeboten und es wurde eine Kommission gewählt, um diesen Ankauf einer Prüfung zu unterziehen. Die Museumsgesell⸗ schaft ist eine Vereinigung von Leuten der sogenannten besseren Kreise, zu vornehmlich geselligen Zwecken; selbst unserm gewöhnlichen Bürgertum sind die Pforten dieser Gesellschaft verschlossen. Ste hat vor einigen Jahren ihre Gebäude bedeutend erweitert und dabet einen großen Gesellschaftssaal errichtet, in welchem außer den Festlichkeiten der Gesellschaft auch die Theater vorstellungen, Konzerte, namentlich des Akademischen Konzertvereins, studentische Veranstaltungen und schließlich auch Festlich⸗ keiten bürgerlicher Vereine gegen hohe Saalmiete abgehalten werden. Letzteres war nur solange in Aussicht genommen, bis die Schulden ge⸗ tilgt seien, aldann sollte auch das Bürgertum nichts mehr im„Museum“ zu suchen haben. Doch hatte es damit seine Schwierigkeiten, die Schulden haben sich nicht verringert, die Ge⸗ bäude sind mit hohen Hypotheken belastet und die Mitglieder der Gesellschaft mußten hohe Beträge zur Unterhaltung des„Museums“ be⸗ zahlen. So kamen sie auf den verflucht ge⸗ scheiten Gedanken, der Stadt diese Last aufzu⸗ bürden und boten dieser das Museumsgebäude zum Kauf an, selbstverständlich„im öffentlichen Interesse“, damit nicht etwa eine Bierbrauerei oder gar ein Warenhaus dasselbe erwerben, und wie man sagt, für den Preis von 300 000 Mk. Das„öffentliche Interesse“ wird begründet mit der Notwendigkeit eines größeren Lokales für Konzerte und Theater. Für letzteres ist aber das Lokal wie jeder Saal nicht besonders geeignet und müßten außerdem für 1 5508 Umbauten und Reparaturen weitere 100000 Mark ange⸗ wendet werden, so daß die Stadt fast eine halbe Million ausgeben könnte, um die Museums⸗ esellschaft von ihren Schmerzen zu befreien. n die Kommission zur Prüfung des Projektes sind sowohl seitens des Magistrats wie auch von der Stadtverordneten⸗Versammlung auch mehrere Mitglieder der Museumsgesellschaft ge⸗ wählt worden, welche also hier sowohl als Käufer wie als Verkäufer auftreten werden; nur ein Stadtverordneter besaß soviel Takt, die Wahl abzulehnen, weil er Mitglied der Museumsgesellschaft ist. Man kann auch wohl mit Sicherheit annehmen, daß bei der endgül⸗ tigen Beschlußfassung über den Kauf die Stadt⸗ verordneten, soweit sie der Museumsgesellschaft angehören, sich nicht scheuen werden, natürlich „im öffentlichen Interesse“ mitzuwirken, der Stadt eine ungeheure Last aufzuladen, wenn nicht die Bürgerschaft den Herren noch bei Zeiten das Gewissen schärft und damit eine absolut sichere Erhöhung der Steuer zu ver⸗ meiden sucht.— Sehr viele Schmerzen verursacht jetzt bereits unserer Stadtverwaltung das neue Elektrizitätswerk. Nach gutem altem Schöppen⸗ stedter Vorbild hat man ein solches moderne Werk in einer alten, morschen, niedrigen Mühle untergebracht, in welche man das Licht in Säcken hineintragen muß. Wenn diese Mühle als„Baudenkmal“ wirklich erhalten bleiben müßte, dann hätte man sie ruhig den Mäusen als Herberge belassen sollen, aber ste in ein Elektrizitätswerk umzuwandeln, das hätten schließlich auch die Schöppenstedter fertig gebracht. Jetzt müssen bereits Schienen gezogen werden, um das neue Elektrizitätswerk vor dem Zu⸗ sammenbrechen zu schützen. Ferner kam die durch die oberirdische Leitung im Südviertel bedingte Aufstellung von Masten zur Sprache, durch welche das Schönheitsbild unserer Stadt beeinträchtigt werden sollte.“ Leider fehlen uns einige Häuser, um für diese Schmerzen das nötige Verständnis zu haben. O Die Stadtverordnetenwahlen finden am 14. und 15. November statt. Die zweite und erste Abteilung(etwas über 400 Wähler) wählen am Mittwoch, 15. November, während die dritte Abteilung, welche über 1800 Wähler umfaßt, am Dienstag, 14. November, morgens von 10 Uhr bis mittags um 1 Uhr zu wählen hat. Mit der Bekanntmachung des Wahltermins dürfte auch etwas Leben in die Wahlbewegung kommen. Staatsgefährliches Turnen. Am Sonntag hielt die Freie Turnerschaft Ockershausen ihr Rekrutenabschiedskränzchen in Hildemanns Saale ab. Von dem übrigens zahlreich besuchten und gut ver⸗ laufenen Feste hatte jedenfalls auch der Kommandeur des hiesigen Jägerbataillons erfahren und er hält offen⸗ bar das Turnen für staatsgefährlich, wenn es von Ar⸗ beitern geübt wird. Er verhängte nämlich sofort den Militärboykott über das Hildemann'sche Lokal. Von der Wirkungslosigkeit solcher Maßregeln hat man sich sogar iu Sachsen überzeugt, wo das Militärverbot nicht mehr über die Lokale verhängt wird, sondern für die Soldaten nur Lokale an dem betreffenden Tage oder Abende verboten sind, an dem sozialdemokratische Ver⸗ sammlungen stattfinden. Vielleicht brauchen die Rekruten von der Freien Turnerschaft nicht einzurücken? Eine Junggesellensteuer einzuführen empfahl Herr Pfarrer Herrmann in einer Rede, die er am Sonntag im evang. Arbeiterverein hielt. Er meinte, die ledig bleibenden Männer brächten den Staat ums Geld, weil sie viel weniger Steuern zahlten als die Ehemänner. Es könnte also nichts schaden, wenn die Junggesellen einige Hundert Mark Steuern zahlten. Würde eine solche St euer eingeführt, so könnte in Mar⸗ burg gleich bei dem Stadtoberhaupt angefangen werden. Vielleicht kommt einer auch noch auf den Gedanken, die älteren Jungfern zu besteuern. h. Auf die Parteiversammlung, die Samstag, den 14. Oktober(in der vorigen Nummer war der Datum in der Notiz un⸗ richtig) stattfindet, sei nochmals aufmerksam gemacht. Ferner werden die Genossen der losen Organisation, also mit Parteikarten sich legttimierenden, zu dieser Versamm⸗ lung nochmals besonders eingeladen. Eine Gummifabrik abgebrannt. In Harburg vernichtete Samstag nacht ein Großfeuer fast die ganze Anlage der Gummifabriken Harburg⸗Wien. Beinahe 1000 Arbeiter und Arbeiterinnen sind durch den Brand beschäftigungslos geworden. Der Schaden, der durch Verstcherungen gedeckt ist, dürfte etwa 2 Millionen Mark betragen. Bürgerliche Personalien. Der Bürgermeister in Kappelrodeck in Baden, Hermann Haas, stellte sich am Donners⸗ tag der Staatsanwaltschaft in Offenburg mit der Selbstanschuldigung, daß er als Kassierer des Vorschußvereins etwa 30000 Mk. unter⸗ schlagen und für etwa 60000 Mk. Wechsel gefälscht habe. Die Unterschlagungen habe er seit etwa 15 Jahren betrieben. Neueren Mitteilungen zufolge soll es sich um 400 000 Mark handeln.— In Erfurt wurde am Freitag der Stadtverordnete Patentanwalt Meyer unter dem Verdacht bedeutender Unter⸗ schlagu 35 n im hiesigen Patentbureau ver⸗ haftet. Er galt für einen sehr wohlhaben⸗ den Mann. Meyer erhängte sich in seiner Gefängniszelle.— Der ehemalige Direktor des Braunkohlenbergwerks Glückauf in Lichtenau, Adolf Fügner, der einen Geldschrank mit Nach⸗ schlüssel geöffnet und 12000 Mk. gestohlen hatte, wurde am Freitag von der Straflammer in Berlin zu 3 Jahren Zuchthaus und 3 Jahren Ehrverlust verurteilt. Das Landessekretariat der sozialdemokratischen Partei Hessens befindet sich seit 1. Oktober in Offenbach, Bahnho f⸗ straße 39. Sekretär ist Reichstagsabgeordn. Dr. David. P⅛ oo ̃§⁰ w ̃]§—ö2—I—̊[ Partei-Uachrichten. Sozialdemokratisches Handbuch für das Großherzogtum Hessen. Das Handbuch wird in der nächsten Woche fertig gestellt sein und es kann der Versandt so⸗ fort beginnen. Wir bitten die Genossen aller Orte, welche darauf reflektieren, umgehend ihre Bestellung an den Genossen C. Ulrich, Offenbach a. M., Gr. Marktstr. 23 zu richten. Der Preis desselben ist broschiert 60 Pfg., 145 0 1 Mk. In Partien von mindestens 10 Stück bezogen 40 bezw. 80 Pfg. Bezüglich der Protokolle der Landes⸗ Konferenz von Alzey haben wir zur Kenntnis der Genossen zu bringen, daß die vorliegenden Bestellungen nicht genügen, um die Drucklegung zu veranlassen. Falls bis 1. November nicht hinreichende Bestellungen eingelaufen sein sollten, soll die Drucklegung vertagt werden. Das Landeskomitee. Das Parteitagsprotokoll von Jena ist im Verlage der Buchhandlung Vorwärts erschte nen. Die Versendung der bereits vorliegenden Bestellungen wird in der Reihenfolge des Eingangs erfolgen. Die— jenigen Parteiorte, die ihre Bestellung noch nicht auf gegeben haben, werden gebeten, dies umgehend zu tun. Der Preis für das Protokoll beträgt wie für das vorjährige 70 Pfg. für das broschierte und 1 Mk. für das gebundene Exemplar. Bestellungen nehmen alle Parteibuchhandlungen entgegen. Ueber Bebels Erbschaft, die schon öfter in der Presse besprochen wurde, teilte der Vorwärts mit: Nachdem das Ulmer Landgericht das Testament des ver⸗ storbenen Leutnants H. Kollmann, der Bebel und die Familie eines seiner Brüder als Erben einge⸗ setzt hatte, für rechtsgültig erklärt hatte, erfolgten auf Bebels Anregungen Vergleichs verhand⸗ lungen. Diese haben ihren Abschluß in der Weise gefunden, daß nach Abzug der gesamten Gerichtskosten — die vertragsmäßig der gewinnende Teil zu tragen hat— das vorhandene Vermögen in zwei gleiche Teile geteilt wird, wobei auf jeden Teil nahe an 400,000 Mark kommen dürften. Von diesen zahlt der Miterbe Bebels an seine Verwandten 60,000 Mark; Bebel hat sich bereit erklärt, die Summe an die Geschwister des Verstorbenen auf 132,000 Mark festzusetzen. Die Erb⸗ schaftssteuern fallen auch für diesen Teil Bebel zu Last, sodaß dieser im ganzen hierfür weitere 31,000 Mark zu zahlen hat. Der Partei überwelst Bebel für verschiedene Parteizwecke 45,000 M. Der Rest verbleibt ihm. Die 45,000 Mark sind in der letzten Quittung des Parteikassierers bereits mit aufgeführt und es sind davon 10,000 Mk. für die Unterstützungsver⸗ einigung in der modernen Arbeiterbewegung tätigen An⸗ gestellten und 5000 Mark für die proletarische Frauen⸗ Agitation bestimmt. Versammlungskalender. Samstag, den 14. Oktober. Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Ver⸗ sammlung bei Löb(Wiener Hof).— Metall⸗ arbeiter. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Lindenstruth. Arbeiter⸗Verein. Nachr mittags 3 Uhr Versammlung bei Wirt Zintmann. Letzte Nachrichten. Eine Reichstagsersatzwahl hat am Donnerstag im oberschlesischen Kreise Katto⸗ witz stattgefunden, wo die Wahl des Polen Korfanty vom Reichstag für ungültig erklärt worden war. Korfanty wurde nach der „Frankf. Ztg.“ mit 23208 Stimmen im ersten Wahlgange wiedergewählt. Für das Zentrum wurden 8100, den Nationalliberalen 7682 und den Sozialdemokraten Morawski 4780 Stimmen abgegeben.(Das ist ein unerwartetes Resultat. Gegen 1903 hat das Zentrum über 11000 Stimmen eingebüßt, unsere sind ebenfalls un. 5000 zurückgegangen, während der Pole 12 000 Stimmen gewonnen hat.) Briefkasten. Stbg. Losholzgeschichte erscheint bestimmt nächste Nummer.„ Mbg. Einiges zurückgestellt. + Erwerbt die i Geno ssen! Staatsangehörigkeit! Pete r — Seite 6. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 42. Gerechte Strafe. Aus Halle berichtete unser Veipziger Parteibla tt: Eine gemeine Denun⸗ ziation führte den arbeitswilligen Schneider⸗ gesellen Bruno Göpfert von hier auf die An⸗ klagebank der Strafkammer. Der Kanonier Konitzer von hier, der bei dem e ment Nr. 74 in Torgau dient, war zu Weih⸗ nachten hier auf Urlaub gewesen und hatte mit dem Schneidermeister Weber vereinbart, bei diesem nach Beendigung seiner Dienstzeit wieder in Stellung zu treten. Dies versuchte Göpfert, der zur Zeit bei Weber beschäftigt war, dadurch zu vereiteln, daß er den Konitzer bei dem Militärkommando denunzierte. Unter dem falschen Namen Krähnert meldete er, Konitzer habe vor seinem Diensteintritt anar⸗ chistische Schriften gelesen, auf Urlaub in sozial⸗ demokratischen Kneipen Hochs auf die Sozial⸗ demokratie ausgebracht und einmal„Nieder mit dem Militärismus“, gerufen. Die Militär⸗ behörde würde gut tun, den Konitzer nicht wieder nach der„bverseuchten Groß⸗ stadt Halle“ zurückzulassen. Göpfert hatte seine Behauptungen aus der Luft gegriffen und wurde wegen der gemeinen Handlung mit drei Monaten Gefängnis bestraft. An unsere Frauen! Was heißt Politik treiben? Auf die Frage müßt gerade Ihr Antwort haben, denn viele von Euch meinen, ihr Mann braucht keine Politik zu treiben. Das sei nur eine zeitraubende und Geldkosten verursachende überflüssige Beschäf⸗ tigung. Dieser Meinung sind viele Frauen offenbar nur deshalb, weil sie nur eine sehr unklare Empfindung dafür haben, was es heißt, Politik zu treiben. Politik ist die Tätigkeit, welche auf den Staat, die Gesetzgebung und die Verwaltung Einfluß zu gewinnen sucht. Dieser Einfluß wird deshalb erstrebt, weil von der Art der Gesetze und ihre Handhabung das Wohl des Volkes als Ganzes wie auch der Einzelnen abhängig ist. Heute sind die Gesetze so, daß die Besitzenden in ihrem Besitz geschützt und ge⸗ fördert werden, die Arbeiter aber große Schwierig⸗ keiten finden, ihr Einkommen zu erhöhen. Soll das zugunsten der besitzlosen Arbeiter besser werden, so müssen die, die unter den schlechten Gesetzen zu leiden haben, sich um die Gesetze und ihre Abänderung kümmern, sie müssen Politik treiben. Das ge⸗ schieht dadurch, daß man die Partet, von der man überzeugt ist, daß ste die richtigen Grundsätze vertritt, möglich st stark macht. Und das kann man dadurch erreichen, daß man ihre Vereine und ihre Presse durch Vermehrung ihrer Mitglieder und Abonnenten so stark wie möglich zu machen sucht. Die Gesetze werden im Sinne der Arbeiter gebessert, wenn in den gesetzgebenden Körperschaften möglichst viele Arbeitervertreter gewählt werden, denn durch Beratung und Abstimmung der Volksvertreter kommen die Gesetze zustande. Aber auch dadurch schon können die Gesetze verbessert werden, daß die Forderungen nach Verbesserung der Gesetze möglichst laut in der Oeffentlichkeit, in den Versamm⸗ lungen, im Verein wie in der Presse an das Ohr aller Staatsbürger dringen, denn die öffentliche Meinung, d. h. die Meinung aller derer, die sich in der Oeffentlichkeit äußern, ist eine höchst bedeutsame Macht hinstchtlich der Gesetzgebung. Darum muß man dafür sorgen, daß die Meinung, die man für die richtige hält, und von deren Anerkennung das Wohl der Menschheit, insbesondere aber der Arbeiterklasse abhängt, in der Oeffentlichkeit so laut wie möglich erklingt, denn um so eher setzt sie sich durch. Das erreicht man aber dadurch, daß recht viele Versammlungen stattfinden, daß in Vereinen recht viel belehrende Debatte ge⸗ pflogen wird, und daß vor allem aber die Presse, in der die richtige Ansicht vertreten wird, in möglichst vielen Exemplaren ge⸗ lesen wird. Darum muß jeder Mann Mitglied des sozialdemokratischen Vereins sein. Jeder Staatsbürger und jede Staats- bürgerin müssen es sich angelegen sein lassen, öffentliche Versammlungen zu besuchen, in denen ste sich über die richtigen Ansichten von Gesetzen orientieren, in denen sie mithelfen, die richtigen Anstchten zu verbreiten. Und besonders muß jeder Arbeiter die sozialdemokrattsche Presse abonnieren, damit er den in ihr ge⸗ lehrten Anschauungen zu möglichst wirksamer Verbreitung verhelfe. Eine Zeitung hat, um existieren zu können, eine große Anzahl von Abonnenten nötig. Je leistungsfähiger sie sein will, je mehr Text sie ihren Lesern soll bieten zahl sei um so größer muß ihre Abonnenten⸗ zahl sein. Wir Sozialdemokraten sind nicht nur für praktische, sondern auch für sehr gerechte Politik. Sie betrifft den Menschen von der Wiege bis zum Grabe. So ver⸗ langen wir, daß sowohl die Kosten für die Ge⸗ burtshilfe wie auch die Beerdigungskosten aus allgemeinen Mitteln bestritten werden. Wir sind der Meinung, daß der ehelose Steuerzahler zu den Kosten für die Geburtshilfen mit her⸗ angezogen werden soll wie die Familie für die Beerdigungskosten, bei der der Todesengel glücklicherweise ein seltener Gast ist. Wir sind für die ausgleichende Gerechtigkeit nicht nur in Worten sondern auch in Taten. Und wir können noch Hunderte von Bei⸗ spielen vorführen, die Euch zeigen könnten, wie man durch die Gesetzgebung das Los der minder Wohlhabenden bessern könnte. Aber dann dürft ihr Frauen Eure Männer nicht davon abhalten, Politik zu treiben, im Gegenteil grade Ihr müßt sie erst recht an⸗ treiben, ihre öffentliche Pflicht zu tun. Und Ihr selber müßt mithelfen, fleißig die Arbeiterpresse lesen, auch die ernsten Artikel, nicht nur das Vermischte und Lokale, sondern gerade auch die ernste Politik. Wenn Ihr Euch einmal hinein⸗ gelesen habt, findet Ihr gerade daran das meiste Gefallen. Frauen, helft uns, eine bessere Welt zu schaffen! Wofür Ihr Euch begeistert, das hat die Zukunft für sich. Denn Ihr habt die Macht über Eure Kinder, die Kämpfer der Zukunft. Die Mutter als Erzieherin. Du sollst konsequent sein! Du ärgerst dich über dein Kind. Heute hat es schon wieder vergessen, was du ihm gestern gesagt hast. Es soll die Schularbeiten gleich nach dem Vesperbrot machen. Aber als es Abendbrotzeit ist, hat es noch keinen Federstrich getan. Es soll vor dem Schlafengehen die Stiefel putzen. Aber am nächsten Morgen stehst du es in aller Eile über die Stiefel hinweg⸗ pfuschen. Es soll mittags den Tisch decken. Aber als der Vater nach Hause kommt, mußt du dein flatterhaftes Kind erst von der Straße hereinholen. Und dann schiltst du es heftig und im Uebermaß und vergißt doch am selben Nachmittag wieder, dein Kind an die Schul⸗ arbeiten zu erinnern; und du 177 am selben Abend, zu fragen, ob die Stiefel blankgeputzt in der Ecke stehen; und du vergißt am nächsten Mittag, rechtzeitig dein Kind an sein gestriges Versäumnis zu erinnern. Und darum ist nicht dein Kind allein schuld. Auch du trägst einen Teil der Schuld, den größeren sogar. Die Erzieherin muß 00 sein sein, konsequent bis zur Pedanterie. Es ist kein Zufall, wenn die meisten Lehrer und Lehrerinnen einen pedantischen Zug in ihrem Wesen haben. Der Beruf bringt das mit sich. Der Erzieher, also auch die Mutter, darf sich nicht die Mühe verdrießen lassen, mit gelassener Ruhe und strenger Regelmäßigkeit die Kinder an die Ordnung zu gewöhnen. Wenn du selbst nicht einmal so viel Energie und Konsequenz besitzest, um auf die strikte Innehaltung der von dir selbst aufgestellten Hausgesetze zu achten, wie kannst du dich darüber wundern, wenn dein unerfahrenes, leichtfüßiges Kind darüber hin⸗ weghüpft? Wenn du aber dein Kind von klein auf mit Konsequenz und freundlicher Unerbitt⸗ lichkeit an die Unterordnung unter die Gesetze gewöhnst, die im Interesse eines geordneten, ruhigen Familienlebens notwendig sind, so hast du Freude daran und dein Kind mit dir. Du brauchst dich nicht über Vergeßlichkeit bei deinem Kinde zu ärgern, und dein Kind empfindet seine kleinen Pflichten nicht mit mürrischer Miene als täglich erneute Lasten und Strafen, sondern als gern geübte selbstverständliche Notwendig⸗ keiten.(h. sch. in der Gleichheit.) ——— G 55 MAnterhaltungs Cril. ————ů— 2 Erntesegen. Des Sommers Pracht in nun dahingegangen, Schon schimmert bunt das vordem grüne Caub, Noch kurze Frist, dann sehen wir mit Bangen; Die ganze Schönheit wird der Stürme Raub! Doch froh schau' auf der Ernte reichen Segen, Er ruht geborgen für die harte Seit, Und nicht der Trübsinn soll dein Herz bewegen, Denn alle Schönheit ist Vergänglichkeit! 5 Nur wenn du keinen Frühling hast genossen, Nur wenn kein Sommersonnenschein dir geglüht, Von all den Blüten und den tausend Rosen Dir keine einz'ge Blume hat geblüht— Nur wenn dein Erntesegen gänzlich ausgeblieben, Vor trüber Zukunft du mußt bangend steh'n, Und Vot dich schreckt und alle deine Lieben, Dann darfst du seufzend in die Sukunft seh'n. Doch sollst du nicht die Mutter Erde hassen, Als ob sie weniger dich Armen liebt— Nein, selber sollst du nach dem Rechte fassen, Das dir einst nur ein festes Wollen gibt. Durch festes Wollen wirst du dir's erzwingen, Daß auch für dich die Ernte einst bereit, Den reichsten Segen wirst du dir erringen, Nicht darbend auf der Seite steh'n wie heut. An dir ist es, zu säen edlen Samen In allen Herzen wie in fruchtbar Feld— Dann bist du länger nicht ohn Ernt' und Namen Und dir gehört die ganze weite Welt! Frida Pritzlaff. In der Zwickmühle. Erzählung von R. Schweichel. Schluß.) Betäubt stand Ruprecht vor der Tür. Er ging nach der„Sonne“, aber auf einem Um⸗ wege, um sich erst zu fassen. Wie, wenn auch dort inzwischen sein Himmel eingestürzt war? Er hatte es der Geliebten überlassen müssen, daß sie zuerst mit der Mutter redete. Sie hatte ihr auch noch an demselben Abend das süße Geheimnis vertraut.„Nu ja, so hat's kommen müssen,“ war Alles, was die Mutter zunächst mit großer Ruhe geäußert hatte. Dann hatte sie schwer geseufzt, hatte Anna, die ihr schmeichelnd um den Hals gefallen war, von sich fortge⸗ schoben und gefragt:„Jetzt, Du Unglückswurm, was soll denn daraus werden? Heiraten kannst Du doch den Schulmeister nicht; der hat ja für sich allein nur so viel, daß er just nicht verhungert. Wenn er noch irgend was Recht⸗ schaffenes gelernt hätte, aber blos Kinder unter⸗ richten...“ Und am folgeuden Morgen hatte sie denselben Faden weiter gesponnen. Das arme Annerl hatte gegen die vernünftigen Vor⸗ stellungen der Mutter nichts in die Wagschale zu werfen als seine Liebe. Die wog gar zu leicht, und so begrüßte Ruprecht Greiner ein trübselig Gesichtlein; grollend empfing ihn die Mutter. Sie hätte ja gegen ihn nichts; aber er sollte sich was schimen. Da ihn der Pastor nicht als Schwiegersohn kriegen könnte, so könnte er Gift darauf nehmen, daß der geistliche Herr nicht eher ruhen würde, als bis er ihn aus seiner Stelle weggebissen hätte.„Nein, knechten laß ich mich von ihm nicht,“ rief er, sich hoch⸗ aufrichtend, und das Annerl warf sich mit frohem Stolz an seine Brust. 9 0 1 10 itt. cze ig⸗ Um: auch var“ isse, fie 1 lac gelnd hee rm, aun at f. Nr. 42. Mittel deutsche Sounutags⸗Zeitung. Seite 7. Die Kunde, daß Pastors Amalie vor dem Sonnenkinde die Segel hatte streichen müssen, verbreitete sich rasch genug im Dorfe. Schaden⸗ froh lachten sich die Bauern in's Fäustchen, und so tat auch der Herr Baron von Quecke; aber nicht heimlich. Er lachte mit seinem Basse dröhnend auf, als er die Kunde vernahm. Denn er und der Pastor waren zu treue . im Kampfe für Thron und Altar, als daß er dem geistlichen Hirten die persönliche Niederlage nicht gegönnt hätte. Leider trug der Wind von dem man weiß, woher er kommt und wohin er weht, den lachenden Schall nach der Pfarre, und Pastor Köschke gewann daraus eine Veranlassung mehr, die Prophe⸗ zeihung der Sonnenwirtin nicht zu Schanden werden zu lassen. Sobald die Pfingstwoche zu Ende war, genoß Ruprecht recht häufig die Ehre, den Pfarrer bald in dieser, bald in jener Unterrichts- stunde zu Gast zu haben. Ehrwürden fand jedoch in allen Schüsseln, die der Lehrer auf⸗ trug, ein Haar, unterbrach ihn, tadelte ihn und gutzte ihn vor den Kindern herunter, daß es unt so eine Art hatte. Einmal rief er Greiner verächtlich zu, daß er lieber ein Schusterbursche hätte werden sollen, und ein andermal spottete er seiner so, daß die Kinder in ein Gelächter über den Herrn Lehrer ausbrachen. Ruprecht knirschte mit den Zähnen und machte die Faust in der Tasche. Die Haut der Blödigkeit, in der er nach Eulenried gekommen war, hatte er wohl abgestreift, allein die Zu⸗ kunft feiner Liebe stand auf dem Spiele, und noch wollte die Hoffnung ihm zuflüstern, daß es ihm wohl gelingen möchte, eine andere und bessere Stelle an einer städtischen Schule zu bekommen, wenn er von dem Pfarrer Köschke im Guten schiede. Aber da schlug der Teufel den Topf entzwei. Eines Vormittags sah man den Pfarrer Köschke in würdeloser Hast und etwas bleich das Schulhaus verlassen. Er hätte mit Schiller deklamiren können:„Vor dem Sklaven zittre, wenn er die Ketten bricht.“ Denn Greiner hatte ihm mit blitzenden Augen zugerufen:„Ich tue meine Pflicht, Ehrwürden, und lasse mich nicht länger von Ihnen mit Füßen treten; auch ein Dorfschulmeister ist so⸗ zusagen ein Mensch!“ Ach, wie erleichtert, wie wohl Ruprecht im ersten Augenblick sich fühlte, sein Inneres her⸗ ausgerehrt zu haben! Und ehe noch das Feuer erloschen war, schrieb er mit fliegender Feder dem Pfarrer, daß er auf seine Stelle in Eulen⸗ ried verzichte. Aber was nun weiter? Wo⸗ von auch nur leben, bis er irgend eine andere Beschäftigung gefunden? Anna und ihre Mutter tauchten anklagend vor ihm auf. Alles, Alles verloren! „Nein, nicht Alles! Das Annerl stand treu und fest zu ihm, ob auch die Mutter zürnte, grollte und schmollte. Das Kind liebte ihn nicht nur, sondern es dachte auch für ihn. Als es eines Abends noch spät in der leeren Gast⸗ stube der Mutter gegenüber saß, diese endlich ihr Rechenbuch zuschlug und sich ermüdet zu⸗ rücklehnte, da legte auch Anna ihre Arbeit zu⸗ sammen und sagte:„Muttchen, es liegt gar zu viel auf Dir; Du solltest es Dir etwas leichter machen. Außer der Gast⸗ und Hauswirtschaft auch noch die Bewirtschaftung unserer Wiesen und Felder! Wenn Du diese Einem übergiebst, der selbständig ist... Unser Großknecht ist ja ein ehrlicher Mensch und auch fleißig, aber Du mußt doch immer nachsehen und schieben.“ „Das weiß Gott,“ seufzte die Mutter.„Bist ein sehr kluges Mädel. Weiß schon was Du im Sinne hast. Aber mit dem Ruprecht, da laß' mich aus! Der ist dazu noch viel zu jung, und von der Land wirtschaft versteht er ja auch rein gar nix.“ Das Annerl errötete ein wenig, als es seine geheime Abstcht durchschaut sah. Dann legte es Hand schmeichelnd auf die der Mutter und sagte:„Schau, Muttchen, er wird noch älter werden, und was er jetzt noch nicht versteht, das kann er noch lernen. Es braucht ja nicht schon morgen zu sein, daß Du ihm die Außen⸗ wirtschaft auvertraust; wir können ja Beide noch warten. Unser Großknecht wird ihn anlernen. Daß er das Herz auf dem richtigen Fleck hat, das hat er bewiesen, und so wird er auch den richtigen Verstand haben.“ Die Mutter widerstrebte. Die Tochter war jedoch ebenso zäh und fuhr fort, das Eisen zu schmieden, weil es einmal warm war. Auch der Ruprecht ergab sich nicht sogleich, als sie zum ersten Male mit ihm davon sprach. Die aner⸗ zogene Pedanterie des Schulmeisters stak ihm noch zu sehr in den Knochen.„Aber auf diese Art wirst Du für's ganze Leben frei, und— und—“ Das Blut, was ihr lebhaft die Wangen rötete, verriet ihm, was die Zunge nicht aussprechen wollte. Er zog ste an stch und küßte sie, bis sie Beide atemlos waren. Dann rief er:„Hast Recht, Annerl; so lang' die Pfaffen die Aufsicht führen, wird aus den Schulen nichts, und die Lehrer bleiben ihr Leben lang Knechte. Wenn ich Dich zu meinem lieben Weiblein gewinnen kann, ist mir jede Arbeit recht. Und ich mein' halt, daß, wenn der Mensch ehrlich ist, dann ist's auch jede Arbeit, die er betreibt.“ Mit welchem Erfolg Annerl den Kampf zu Ende führte, das erwies sich, als Ruprecht Greiner mit dem Beginn der Kartoffelferien die Schulmeisteret an den Nagel hängen konnte. Mochte Pastor Köschke, um seine Niederlage vor den Dörflern zu verbergen, immerhin er⸗ klären:„Da sieht man wieder deutlich, daß Hochmut vor dem Falle kommt.“ Ruprecht Greiner ging bei dem Großknecht der Sonnen⸗ wirtin und deren Erfahrungen in die Lehre, und die Zeit brachte es mit sich, daß er nicht nur mit jedem Tage älter wurde, sondern auch das Annerl als sein Weib heimführte und zu⸗ letzt die Außenwirtschaft der„Sonne“ selbst⸗ ständig leitete, ein im Kampf um das Dasein gereifter Mann.— Das Uhren- und Goldwarengeschäft von D. Kaminka befindet sich jetzt Marktplatz 11 am Kriegerdenkmal. Literarisches. Sozialdemokratische Gemeindepolitik. Um unsern in der Gemeindeverwaltung tätigen Genossen Material an die Hand zu geben und die breite Masse des Volkes über die Bedeutung einer planmäßigen, vom sozialdemokratischen Standpunkt aus betriebenen Gemeindepolitik aufzuklären, gibt die Buchhandlung Vor⸗ wärts eine Sammlung kommunalpolitischer Abhandlungen heraus, die unter dem Sammeltitel„Sozialdemokratische Gemeindepolitik“ in zwanglosen Heften erscheinen. Das Werk, mit dessen Leitung Genosse Paul Hirsch, Char⸗ lottenburg betraut ist, legt ohne daß die Theorie dabei zu kurz kommt, das Hauptgewicht auf die Praxis, es bildet gewissermaßen ein Gegenstück zu dem sozialdemo⸗ kratischen Reichstagshandbuch und zum Landtagshand⸗ buch, wie sie von unsern Genossen in einer Reihe von Einzelstaaten herausgegeben sind. Es arbeiten durchweg Parteigenossen mit, denen eine langjährige praktische Erfahrung auf dem kommunalen Gebiete zur Seite steht. Heft I, das eine kurze Charakteristik des„Ko m m u⸗ nalen Wahlrechts“ in Deutschland aus der Feder von Paul Hirsch und Hugo Lindemann enthält und Heft II, in dem Lindemann eine Darstellung der „Kommunalen Arbeiterpolitik“ gibt, sind soeben erschienen. In Vorbereitung befinden sich weitere Abhandlungen über kommunale„Wohnungspolitik“ und„Steuern und Gebühren“, Abhandlungen über die kommunale Schul⸗ politik, über die öffentliche Gesundheitspflege, über Armen⸗ und Waisenpflege u. a. m. Von Mitarbeitern seien u. a. Hugo Lindemann, Max Quarck Emanuel Wurm und Paul Singer genannt. Die Sammlung, die an der Hand eines vielseitigen Beweis materials den Nachweis erbringt, daß die Be⸗ sitzenden wie im Reich und in den Einzelstaaten so auch in den Gemeinden dle nackten Interessen ihrer Klasse vertreten und die Forderungen der Arbeiter aufs schmäh⸗ lichste vernachlässigen, wird aufklärend und belehrend wirken und unsern Genossen als Waffe im Kampf gegen die Feinde der Arbeiterklasse dienen. Jedes Heft ist einzeln zu beziehen und der Preis für Heft J ist 40 Pfg. C. F. Schwarz Sohne (Inh.: Heinrich Möller) Reichhaltiges Lager in: Herren-, Knaben und Arbeitskleidern 5 Stoffe im Ausschnitt.* Anfertigung nach mass. Streng reelle Bedienung! Feste Preise! Marktstrasse und Ecke Wettergasse. Bringe meinen Salon zum Haarschneiden, Frisieren und Rasieren in empfehlende Erinnerung, gute und saubere Bedienung zusichernd. Gleichzeitig empfehle mich zur Anfertigung von Haararbeiten aller Art, Zöpfen, Toupets. Parfümerien.. Um recht zahlreichen Besuch bittend, zeichne Lager von Zigaretten und hochachtungsvoll Mar RNoscher, Friseur. 13 Löwengasse 13. ee g. g 10 Müller ang 8 Strasse 12% Rudolf Richter 4 i e 1: 4 26 Marktstrasse 26 4 empfiehlt sein reichhaltiges Lager in: 2— Kinderwa en Blumentische* STETS DAS NEUESTE! Sportwagen Reisekörbe Leiterwagen See 5 g See! Warder Kleine Wohnung „Besen, Haus⸗ u. 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Der Vorstand. 83 2 32 2383 S 88885 ES A 38 D 1 2 5 8 — 8 285228 8 8 33828 3 3 8 12 8 3 288 5 N 8 8 8886 S8 28 8 2 28 33 S S 2 5 28 2 8 8 858 8 EG 2 51 S* 5 8 8 — 2 8 2 8 — 232 S S888 2 2 2 5 8 3 2 S S . 2— 2 88 8 2 8 S 2 3 E. 2 35 3 G„ 58 1 2 88 8 — D 2 S SGG S Zum Krautschneiden und zum Eiutritt 20 Pfg. Jakob Schmidt Tiefenweg 18. des Herrn E. Wallkotte, Berlin: Das Nacht-Asyl von Maxim Gorki Eintritt 20 Pfg. Das Kartell. NB. Die Gewerkschafts⸗Mitglieder wollen ihre Karten bei den Delegierten in Empfang nehmen. Wozu freundlichst einladet Verlag der Mitteld. Sonntags⸗Zestung(E. Krumm) Gießen. Verantworfl. Redakteur F. N. Vetters Gießen. Druck von Heppeler& Meyer, Gießen, — 3 —.Y———ũ —.[—-—