/ 1 3* N te⸗ asochet hemasch. ftprese —* ——— —— n I. Gießen, den 12. März 1905. 12. Jahrgang. eee: Kurchenprag 11. Schloßgasse. Mitteldeutsche untags⸗Zeitung. edo wanerstag Nachmmtiog„ che Abonnementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Darch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Bestellung eu Juserate nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbracung. Die 5 gespalt. Erpedition in Gießen, Rittergasse 17, die] Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Postanstalt und 4 mal. Bestellung gewähren wir 25%% bei 6 mal. Bestellung jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 5107) 33 /'% und bei mindestens 2 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Bei mindesten s Vom Arbeitsrecht. Als das französische Volk— allen Völkern, die um ihre Befreiung ringen, ein leuchtendes Vorbild— in der großen Revolution seine Bedrücker niedergeschlagen, vernichtet hatte, da proklamierte es die Menschenrechte, da verkündete es allen die frohe Botschaft, daß die Zeit des freien Menschentums herangekommen. Es verkündete, daß Herrschaft und Knechtschaft zerbrochen, die alte Uugleichheit, welche sich uründete auf die Geburt, auf Rang, Titel, Stellung, Besitz und Aberglauben, überwunden sei. Aber die Tage der Schwachheit des Volkes kamen, eine gewissenlose, nur auf den eigenen Vorteil bedachte schlaue Minderheit, die Bour⸗ geoisie erhob sich aus seiner Mitte, betrog das Volk und schuf an Stelle der alten Vorrechte neue. Seitdem sehen wir überall die Menschen⸗ rechte, die Menschengleichheit durch eine über⸗ mütige Handvoll Leute mit Füßen getreten— unb die Langmut des Volkes duldet es schwei⸗ gend! Nein! Alle schweigen doch nicht, die Arbeiter sammelu, verbinden sich, um millionen⸗ stimmig nach neuem Recht zu rufen; nach dem Recht der schaffenden Arbeit. Diese Forderung der Proletariermassen hat einen zweifachen Sinn, sie bedeutet erstens das Recht auf Arbeit, das Recht jedes einzelnen, nützliche Verwendung zu finden für seine Kraft und zweitens das Recht der Arbeit auf ihren vollen Ertrag. Die kulturhistorische Bewegung, welche mit der Erfindung der Buchdruckerkunst, der Ent⸗ deckung Ametikas ihren Anfang nahm und ihren Abschluß fand in der Revolution von 1848— was war sie? Sie war ein Kampf des aufstrebenden Bürgertums gegen die Waffenmacht des Adels, gegen die Verdumm⸗ ungsmacht einer finsteren Theologie, sie war das erfolggekrönte Bestreben des Bürgertums nach schrankenlosem Erwerb. In diesem ihrem Aufwärtsstreben wurden die reichen Bürger von der Menge der Besitzlosen unterstützt, ge⸗ fördert, gedankenlos hielten sich diese zu Jenen, als ob es sich von selbst verstünde. Noch ahnten die Besitzlosen nicht, daß sie mit dieser Unter⸗ stützung ihren zukünftigen mächtigsten Feind gufpäppelten. Nach ihrem Siege über das feudale Junkertum und dem absolutistischen Staat zeigte sich die Bourgeoisie in ihrem wahren Charakter; sie, die ehemals geknechtete, bedrückte nun die, die ihr zur Freiheit verholfen. Sie sog Adel und Geistlichkeit in sich auf, sie verband, vermischte sich mit beiden; Adel und Geistlichkeit wurden industriell und handel⸗ treibend, Geistlichkeit und Bürgertum kriegerisch, Bürgertum und Adel kirchengläubig posttiv. Junker, Pfaffen und Bourgeois vereinigten ihre Machtmittel zu einem dreisträhnigen Strick um das Volk zu knebeln. Sie alle hielten und halten den„großen Lümmel“ nieder durch die Waffenmacht der stehenden Heere und der Pollzei, die Verdummungsmacht der katholischen und evangelischen Jesuiten, durch den Bibel⸗ glauben in der Schule und nicht zuletzt durch die Ausbeutungsmacht des Kapitals. Gegen diese Dreieinigkeit hat das Volk, hat die Ar⸗ beiterschaft zu klämpfen, bis zum Sonnenaufgang der ungeschmälerten Menschenrechte. Es gibt noch heute unten in der Mitte und oben naive Leute, die da behaupten, es gäbe keinen Klassengegensatz, es gäbe nur ein Volk und dieses in seiner Einheit aufzufassen, sei politische Pflicht, es in Klassen zu spalten, sei verderblich und verwerflich. Wer so spricht, hat entweder die Sachlage nicht begriffen oder will täuschen. Ja der frühere Klassengegen⸗ satz zwischen Adel und Geistlichkeit und Bürger⸗ tum, ist bis auf wenige rudimentäre Ueber⸗ bleibsel in der Tat geschwunden, aber ein neuer tiefer gegründeterer Gegensatz tritt in viel schärferer Form als der erste hervor, zwischen den Arbeitern einer-, den Nichtarbettern anderseits. Da schreien nun die besitzenden Klassen den besitzlosen, mit schrillender, kreisch⸗ ender Stimme ins Ohr:„Wir alle sind Ar⸗ beiter!“ Dieser Ruf, er hat seinen triftigen Grund. Weil die Arbeiterbewegung gleich einer Lawine, zu riesenhaften, überwältigenden Formen anschwillt und wächst und wächst, weil diese Arbeiterbewegung das Arbeiterbewußtsein in allen Ländern mächtig erweckt, darum möchten sich jetzt auch alle Faulenzer gar zu gern als Arbeiter gerieren. Kurzweg um vom„Volke“ zu reden, achtlos über die Kluft hinwegzusehen, könnten die Arbeiter noch am ersten ihre unge⸗ heure Ueberzahl vermeiden. Das Volk der Arbeiter schafft Güter und Werte, zum Genuß für die Besitzenden und ermöglicht erst jenen überhaupt das Dasein, das Leben. Gegenüber den oberen Zehntausend dürfen sich die Arbeiter wohl die Volksgesamtheit nennen. Das aber würde den schreiendsten aller Gegensätze nicht aufheben, sondern verschleiern, also seine Aufhebung ver⸗ zögern, er ist nun einmal vorhanden, drum soll er auch ausgesprochen werden. Im Aus⸗ sprechen dessen, was ist, liegt die Kraft, die der Menschen Gehirne mit guten Gedanken befruchtet, liegt ein Sporn, der sie zur Her⸗ stellung dessen, was anstatt des Bestehenden sein sollte und könnte antreibt. Wer nicht arbeitet, der soll auch nicht essen, so lautet ein gerechter Spruch, der freilich noch nie in die Tat umgesetzt worden ist, dennoch legt er Zeugnis von dem tiefen Rechtssinn der Völker ab. Aber so zweifellos wohr, so selbst⸗ verständlich er eigentlich ist, er wird stets Lügen gestraft durch die Gesellschaftsentwicklung. Sehen wir nicht, daß der Faulenzer, wenn er nur über Zinsen und Mehrwert bringendes Kapital verfügt, immer und überall die leckersten Speisen ißt, die feinsten Weine schlürft und wie ein Gigerl gekleidet herumschlendert, sich die teuersten Weiber hält, in allen denkbaren Genüssen schwelgt, während der fleißige Arbeiter hungert, darbt, friert, und seine Blößen nur mit billigsten vumpen bedecken kaun. Und dieser kolossalste, dieser widersinnigste und der klaren Vernunft unmöglich scheinende Widerspruch, dieser wahnsinnigste aller Widersprüche, spreizt sich schamlos tagtäglich auf offener Straße und man duldet ihn?— Wie? Ob man ihn duldet? Nein, man ehrt und zieht den Hut tiefer vor ihm, als vor Geßlers Stangendeckel! Was wollen wir? Etwa die Gleich⸗ berechtigung des Arbeiters mit dem Nichtarbeiter, seinem jetzigen Herrn und die gegenseitige Ach⸗ tung beider? Nicht die Gleichberechtigung des Arbeiters allein gilt es zu erkämpfen, sondern auch die Nichtberechtigung des Faulenzers. Es gilt in weitesten Kreisen das Bewußtsein zu erwecken, daß die Arbeit der einzige Rechtstitel ist, das nicht zu arbeiten nichts an nützlichen Güter zu schaffen, sich ohne Gegenleistung nähren, kleiden, beschuhen zu lassen, durch andere das größte, ja ein wahrhaft todeswürdiges Ver⸗ brechen ist! Verbreiten wir diese Bekenntnis immer weiter in unseren Reihen, in den Massen des Volkes, die aus Unkenntnis und Verblendung entweder noch im Lager unserer Feinde, oder indifferent zwischen uns und jenen stehen; wir rufen damit keineswegs die schwieligen Fauste auf, sondern wir wecken die Intelligenz, die Sittlichkeit, die Ehrbegriffe des Volkes, daß es die krasse Unvernunft, die lächerliche Verschroben⸗ heit und das tief Unsinnige der gegenwärtigen Ordnung erkennen uno sich zur Aenderung der⸗ selben getrieben fühle. Die Macht dazu, sie ist beim Volke, bei den arbeitenden und schaffenden Massen, aber ste schlummert, so lange das Bewußtsein, der gemeinsame Wille die Ver⸗ ständigung fehlt. Für die Arbeit das Recht, das Leben, den Genuß! Politische Rundschau. Gießen, den 9. März 1905. Im Reichstage wurden in der letzten Woche große sozialpolitische Debatten geführt, wie ste sich bei Beratung des Etats des Reichsamts des Innern stets ent⸗ wickeln. Sehr bemerkenswert war eine Rede, die unser Genosse Fräßdorf am Donuetstag hielt. Fräßdorf ist Vorsitzender des sächsischen Ortskrankenkassenverbandes und mit der Ver⸗ sicherungs⸗Gesetzgebung außerordentlich vertraut. Er war daher in der Lage, sachverständige und eingehende Kritik daran zu öben. Den Klagen der Arbeiter und ihren Forderungen auf allen diesen Gebieten gab er Ausdruck und sprach über den ungerechten Wahlmodus bei der Wahl der Arbeiter vertreter für die unteren Verwal⸗ tungsbehörden der Invalidenversicherung, über die Ungerechtigkeiten einiger Versicherungsan⸗ stalten gegen die Invalidenrentner. Ferner forderte er einen genügenden Unfallschutz für die ländlichen Arbeiter und ihre Einbe⸗ ziehung in die Krankenversicherung und vor allem eine Zentralisatton des gesamten, heute unheildoll zersplitterten Verstcherungs⸗ wesens. Den Hauptteil seiner Ausführungen aber widmete er dem Kampf der Aerzte und Apotheker gegen die Krankenkassen. Niemand will die Berechtigung eines Teil der wirtsspaft⸗ lichen Aerzteforderungen bestreiten, niemand verschließt sich der Ueberzeugung, daß das System der freien Arztwahl große Vorzüge hat, und daß der Partei nichts ferner liegen muß, als sich von Partei wegen dagegen fest. zulegen. Aber auf der anderen Seite müssen die Krankenkassen ihre materielle Fortexistenz erhalten und ihre Selbstverwaltung verteidigen. Eingehend befaßte sich der Redner dann m dem Leipziger Aerztestreik und schilderte die arbeiterfeindliche Haltung der Aerzte und de. Regierung. Seine Darstellungen mußte selbst der sachs. Bundes bevollmächtigte Fischer und der Zentrumsmann Erzberger als richtig aner⸗ kennen. Auch Graf Posadowsky erklärte r Seite 2. E . Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 11. sich in vielen Dingen mit dem sozialdemokra⸗ tischen Redner einverstanden. Desto giftiger riff am andern Tage der freisinnige Arzt Dr. Mug dan, der mit sehr knapper Mehrheit im Wahlkreise Görlitz gewählt ist, die Sozial⸗ demokratie an und suchte das kassenfeindliche Verhalten der Aerzte zu rechtfertigen. Er proklamierte kurzer Hand die Vernichtung der Selbstverwaltung der Krankenkassen. Wie der selige Stumm spricht er der Sozialdemokratie jede Existenzberechtigung ab und verdächtigte auch alle Behörden, die seinen scharfmacherischen Gelüsten nicht Genüge tun, als Sozialdemokraten. Das tat er z. B. mit dem Bundes bevollmächtigten Fischer! Daß ihm so etwas von einem Liberalen passierte, hätte sich dieser biedere Herr aus Sachsen gewiß nicht träumen lassen! Genosse Lipinsky wies den Freisinnskämpen am Schluß der Sitzung in gebührender Weise zu⸗ 1 und stellte seine unwahren Behauptungen richtig. Ueber die Steuerpläne des Schatzsekretärs Stengel wird berichtet: Als Grundzüge der Reichsfinanzreform, die der Reichsschatzsekretär Freiherr v. Stengel für den Herbst dieses Jahres in Aussicht gestellt hat, werden bezeichnet: Grundsätzlicher Ausgleich zwischen den Matrikularbeiträgen und Ueber⸗ weisungen, Scheidung der Finanzen des Reiches und der Einzelstaaten, Vermehrung der Reichs⸗ einnahmen durch die neuen Zölle und eine Tabakfabrikatsteuer sowie eine Reichs⸗ erbschaftssteuer und schließlich Einführung einer regelmäßigen Schuldentilgung. Danach wäre also an die Stelle des Bieres der Tabak getreten. Durch eine Tabakfabrikat⸗ steuer würde die Arbeiterschaft der Tabakindustrie aufs schwerste geschädigt. Es muß deshalb, wenn sich diese Mitteilung bestätigen sollte, gegen diese Steuer schon jetzt mit aller Ent⸗ schiedenheit Front gemacht werden. Steuerhinterziehung der Besitzenden. Die Gesellschaft von Besitz und Bildung drückt sich nach wie vor darum, Steuern zu zahlen. Wie in der Budgetkommisston des preußischen Abgeordnetenhauses festgestellt wurde, schreibt unser Zentralorgan, sind durch Bean⸗ standungen der Steuerdeklarationen nicht weniger als 213 Millionen= 27 Prozent des gesamten veranlagten Einkommens mehr eingebracht worden und die Steuer dadurch um 7 Millionen erhöht worden. Das ist die nationale Betäti⸗ gung der Besitzenden!— Es ist eine alte Er⸗ fahrung: gerade diejenigen, welche die Worte: Vaterlandsliebe, Patriotismus, monarchische Gesinnung usw. stets im Munde führen, wollen vom Vaterlande immer nur haben, aber ihm nichts geben. Neue Millionen fũr die afrikanischen Sandwüsten werden vom Reichstage gefordert werden und zwar sollen ihm nach Mitteilung der„Köln. Ztg.“ gleich zwei Vorlagen unterbreitet werden, ein dritter Nachtragsetat für 1904, der 26 ¼ Millionen fordert, und eine Ergänzung zum Etat für 1905, der sich auf 34 Millionen stellt. Die letzten Milltonenforderungen für die afri⸗ kanische Sandwüste werden das noch nicht sein. Die Staatsweisen und die Gesetzgeber⸗ mehrheit können ja leicht bewilligen, denn die Kosten tragen nicht ste, sondern trägt die Masse des arbeitenden Volkes. Was ist Wehrpflicht? Ueber zwei Antworten auf diese Frage hatte am 22. Februar das Kriegsgericht zu Allen⸗ stein(Ostpr.) gegen zwei Soldaten zu ver⸗ handeln. In der Instruktionsstunde am 13. Januar d. J. fragte Leutnant Kiekebusch den Gefreiten Friedrich Pawelezyk vom Inf.⸗Reg. Nr. 150: Was ist Wehrpflicht? Schlagfertig antwortete der Gefragte:„Soldatenspiel.“ Darauf richtete der Offizier dieselbe Frage an den Musketier Hermann Rapsch und erhielt zur Antwort:„Wehrpflicht ist Soldaten⸗ schinderei“. Der Offizier erstattete Anzeige, und das Kriegsgericht verurteilte den Gefreiten P. zu einer Woche Mittelarrest, den Musketier R. zu dret Monaten und einer Woche Gefängnis und ließ ihn sofort abführen. Wer da hat, dem wird gegeben. Die Stadthäupter der preußischen Städte unter 25 000 Einwohnern hielten in Berlin eine Versammlung ab, um über ein gemeinsames Geschenk für den Kronprinzen zu beraten. Es wurde beschlossen, bei der königlichen Porzellan⸗ manufaktur 80 Dessertteller, eine große und zwei kleine Blumenschalen, vier große und vier kleine Aufsätze zu bestellen, die einen Gesamt⸗ wert von Mk. 18 000 erreichen sollen. Außer⸗ dem wird eine Adresse überreicht werden.— Sie haben's ja, die preußischen Städte unter 25000 Einwohnern. Aus dem allgemeinen Steuersäckel läßt sich's gut schenken. Rücktritt des italienischen Ministeriums. Ende voriger Woche erklärte das Ministerium Giolitti seinen Rücktritt, Krankheit des Ministerprästdenten wurde als Ursache ange⸗ geben. Hauptgrund des Rücktritts war jedoch die Eisenbahn vorlage und die gegen die⸗ selbe gerichtete Obstruktion der Eisenbahner. Allgemein wird dieses Ereignis als ein Sieg der letzteren angesehen und sofort stellten auch die Eisenbahner die Obstruktion ein. Der Irkftr. Ztg. wurde aus Rom geschrieben, daß es keinem neuen Ministerium einfallen werde, den Artikel der Eisenbahnvorlage betreffend Ausstands verbot aufrecht zu erhalten, welchen die jetzige Regierung schon aufzugeben beabsichtigte, indem ste öffentlich erklärte, daß ste geneigt sei, in dieser Hinsicht die Vorschläge des Parlaments zu akzeptieren. Die russische Revolution. Die Gewalthaber in Rußland haben sich doch veranlaßt gesehen, etwas zur Beschwichtigung der immer mehr anwachsenden revolutionären b zu tun. Kürzlich sind zwei kaiser⸗ liche Erlasse herausgekommen, die wohl schöne Versprechungen enthalten, zugleich aber vom reaktionärsten Geiste diktiert sind. In einem derselben hieß es unter anderem: Non Hochmut verblendete übelgesinnte Führer einer aufrühre⸗ rischen Bewegung machen freche Anschläge auf die Grundpfeiler des Staates, und weiter werden„alle Gutgesinnten“ aufgefordert, mitzuwirken au der Ausrottung des Auf⸗ ruhrs. Das die schwärzeste Reaktion atmende Schriftstück machte überall in Rußland, wo es bekannt wurde, einen niederschmetternden Ein⸗ druck. Da erschien wenige Stunden später ein anderer Erlaß, in dem der Zar sagt: er habe beschlossen, von nun an mit Gottes Hilfe die würdigsten, das Vertrauen des Volkes genteßenden und von diesem freigewählte Männer zu der Ausarbeitung und Beratung legislativer Entwürfe heranzuziehen. Der scheinbare Widerspruch zwischen beiden Erlassen erregte überall Erstaunen. Er ist aber in Wirklichkeit nur ein scheinbarer. Was wird denn versprochen? Die„würdigsten und frei⸗ gewählten Männer“ sollen ja nur bei der Be⸗ ratung von Gesetzen mit hinzugezogen werden, auf die Beschlußfassung haben sie durchaus keinen Einfluß. Und auch diese kleine Scheinreform wird in weite Ferne gerückt durch die weitere Bestimmung, daß unter Bulygins Vorsttz große„Konferenzen“ zur Beratung der Wege für die Verwirklichung des Reformchens stattfinden sollen. Vor einigen Tagen hieß es, die Kommission zur Beratung neuer Preßge⸗ setze habe erklärt, daß sie ihre Vorschläge viel⸗ leicht in Jahresfrist werde machen konnen! Wie viele Jahre die Konferenzen zur Beratung der Scheinreformen brauchen würden, kann man sich dauach ungefähr vorstellen. Kurz, es bleibt vorläufig alles beim alten! Nur die ene Presse gebärdet sich teilweise wie toll und feiert den Zaren⸗Ukas als ersten Schritt zur Erreichung einer Verfassung. In Petersburg wurde der Erlaß überaus kühl aufgenommen. Er hat auch absolut nichts zu bedeuten, die wirkliche Politik der Zarenregierung ist viel⸗ mehr in der ersten Kundgebung enthalten. Aber lasch das russische Volk läßt sich nicht mehr äuschen. Grauenhafte Zustände müssen jetzt im Innern Rußlands herrschen. Allerdings ge⸗ langen nur unvollständige Nachrichten zu uns, aber auch diese lassen erkennen, daß im Knuten⸗ reiche vollkommene Anarchie— im schlimmen Sinne— herrscht. So wird aus Warschau berichtet: Der Terrorismus des Mili⸗ tärs, insbesondere der Kosaken, ist unbe⸗ schreiblich. Bei den geringsten Ansamm⸗ lungen macht das Militär von der Waffe Ge⸗ brauch. Infolgedessen werden täglich eine große Anzahl Zivilisten getötet und ver⸗ wundet. Trotz aller Dementis dauert der Poltzeistreik in vollem Umfange fort.— Und über die Ereignisse in Baku schreibt ein dortiger Kaufmann der Wiener„N. Fr. Presse“ ste seien so schrecklich, so haarsträubend grausam, daß es jeder Beschreibung spotte. Mehr als tausend Menschen sind hingemetzelt worden: Erschossen, erstochen, lebendig verbrannt, auf die grausamste Weise verstümmelt, die Augen ausgestochen— darunter Greisen, Frauen und Kinder! Ganze Familien find im Feuer umgekommen und das alles ge⸗ schah unter den Augen des Gouverneurs. Die Tataren, die alle gut bewaffnet waren, griffen in allen Teilen der Stadt die Armenier an und mißhandelten sie. Der Priester Gapon soll sich gegenwärtig in Paris befinden, von wo er sich nach Eng⸗ land begeben will. Nach dem Blutbad vom 22. Januar hätten sie ihn, wie berichtet wird, lücklich über die Grenze gebracht, darauf hätte er sich einige Tage in Berlin aufgehalten und sich dann nach Genf begeben. Er hat seitdem einige Aufrufe erlassen. Wir ge⸗ stehen, daß wir zu dem Manne, nach dem zu urteilen, was bisher über ihn mitgeteilt wurde, nicht das größte Vertrauen haben.— Dem Revolutionär, der den Großfürsten Sergius hinrichtete, soll es gelungen sein, aus dem Gefängnis zu entkommen. Nach anderen Mit⸗ teilungen wurde er scheußlich und auf alle Art gefoltert, habe aber trotzdem seinen Namen noch nicht genannt. Wie der Zar bewacht wird. Wenn es möglich wäre, das Leben eines Mannes durch menschliche Berechnung vor Ge⸗ fahren zu behüten, so gäbe es niemand, der mit ruhigerem Lächeln der Gefahr ins Auge blicken könnte, als Nikolaus, der Zar von Rußland, dessen Person von einem wahren Riesenschutznetze umgeben ist, das sich von London bis nach Buenos Aires erstreckt. Seine Paläste sind von Soldaten⸗Regimentern bewacht, die stark genug sind, einer kleinen Armee Widerstand zu leisten, und die Gemächer, welche er bewohnt, die Korridore und die Zimmertüren sind Tag und Nacht von wachsamen Schildwachen um⸗ stellt, die jeden Augenblick bereit sind, Halt zu gebieten, um zu schießen, oder auch zu schteßen, ohne erst zu rufen. Aber dies sind nur die äußeren und sichtbaren Teile der riesenhaften und komplizierten Maschine, die erfunden ist, um das Leben eines einzigen Mannes zu behüten. Das wirkliche Schutzwerk wird durch eine Armee von Geheimpolizisten besorgt, den best⸗ organisierten in der Welt, deren einzige Pflicht darin besteht, jedes Komplott gegen das Leben ihres erhabenen Herrschers dehnen e und u vereiteln. Diese Verbindung streckt ihre ühlfäden über die ganze Welt aus; sie hat ihre Agenten in Berlin so gut wie in London, Paris, New Pork, Chicago und Buenos Aires. In Rußland natürlich hat sie Hunderte von geheimen Spionen beiderlei Geschlechts und in jeder Lebensstellung vom Grafen bis zum Straßenfeger. Wenn der Zar auf der Eisen⸗ bahn fährt, muß aller übriger Verkehr auf der Strecke stocken, und jeder Meter des Schienen⸗ stranges wird mit Luchsaugen revidiert. Als Verbindung zwischen seiner Hauptstadt und seinem Lieblingspalaste Zarskajo⸗Sselo dient eine Eisenbahnstrecke, die nur er allein be⸗ nutzen darf. Wenn er ins Ausland fährt, begleitet ihn eine Kosaken⸗Eskorte, die jederzeit bereit ist, —— . — . Ul. 8 s g zu unz uten ien schau Milf. unhe— lamm. fe Ge⸗ 5 Y elne 0 ber⸗ kt der — Und bt ein Presse Tausam, r als orden: aunt, l, die eisen, umslien les ge⸗ 8. Die gulffen enter kwärtig Eng- d bom ird, darauf ehalten 4 95 Bir ge⸗ em zu wurde, Dem derglus dem n Mit⸗ F alle Namen eines or Ge⸗ der mlt blicken sßland, utnetze nach ud bol. en leisten, i, die Tag u Um hlt 1 lezen, 1 die haften en it, es zu eine i 111 ö 501 el und 14 t ihte ft hat dor, Ares. underte ene 1 im ien. elt f — Nr. II. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite. loszufeuern. Bei den Gelegenheiten, wo er ohne Begleitung und anscheinend unbeschützt gesehen wird, bewachen und behüten unsichtbare Augen überall seine Sicherheit; er selbst fährt oder reitet meist mit rasender Schnelligkeit und besucht niemals ein Theater, ohne daß die Ge⸗ heimpoltzei sich versichert hat, daß keine ver⸗ dächtige Person Einlaß erhalten kann.. Und als ob diese vielfachen und sorgfältigen Vorsichtsmaßregeln nicht genügten, gibt es noch eine andere Art, um das kostbare Leben des Zaren zu schützen. Den verstorbenen Zaren Alexander sah man merkwürdigerweise oftmals zu gleicher Zeit an zwei verschiedenen Orten. Der Grund ist darin zu finden, daß eine Wachspuppe existierte, eine Nachbildung Alexan⸗ ders, deren kunstvoller Mechanismus es er⸗ möglichte, den Kopf und die Hände zu be⸗ wegen und mit absoluter Lebens wahrheit zu grüßen. Dieser Strohmann nahm häufig Alexanders Platz auf seiner täglichen Spazier⸗ fahrten ein und eines Tages erhielt er eine für den Zaren bestimmte Kugel in die Brust, die ein gewisser Solowiew abgefeuert hatte. Trotz der Wunde hörte der mechanische Zar nicht auf, zu lächeln und mit unerschütterlichem Gleichmut zu grüßen. Der Korrespondent von Reuters Bureau berichtete damals:„Ohne das geringste Zeichen von Aufregung und Angst an den Tag zu legen, antwortete der Zar auf die hurra⸗ rufende Menge nach beiden Seiten mit freund⸗ lichem Lächeln und setzte die Spazierfahrt ruhig weiter fort.“ So hatte Alexander wenigstens einmal sein Leben seinem Strohmann zu danken. Aber selbst im Innern seines streng be⸗ wachten Palastes ist der Selbstherrscher aller Reußen niemals seines Lebens sicher, wie die folgende Geschichte beweist. Eines Abends, als Alexander III. in seinem Arbeitszimmer im Winterpalast saß, glaubte die Kaiserin, ein leises Geräusch zu hören. Sie veranlaßte ihren Gemahl, seine Papiere einen Augenblick liegen zu lassen und sich mit ihr in das Kinderzimmer zu begeben. Als sie das Zimmer verließ, ver⸗ schloß die Zarin die Tür und gab den Schlüssel dem die Wache habenden Offizier, wobei ste ihm die Aufklärung zuflüsterte, damit nur ja der Zar nichts bemerkte. Als die Wache in das Zimmer drang, um den Raum zu durch- suchen, fand man nur noch Spuren davon, daß sich eine Person durchs Feuster ins Freie ge⸗ flüchtet hatte. Russisch⸗japanischer Krieg. Die Schlacht bei Mukden. Auf dem mandschurischen Kriegsschauplatze haben in den letzten Tagen bedeutende Kämpfe stattgefunden, die auf beiden Seiten ungeheuere Opfer kosteten. Das Ergebnis ist die beinahe vollständige Umzingelung der russischen Haupt⸗ macht unter Kuropatkin durch die Japaner. Der en beide Flügel sind weit nach Norden vor⸗ gerückt; am weitesten der linke unter General Nogi, dem Bezwinger von Port Arthur, welcher nördlich bis wett über Mukden vorgerückt ist und die russische Armee im Rücken bedroht. Sicher ist, daß Nogi vor den Toren Mukdens tteeht, das er vielleicht schon in den nächsten Tagen besetzt. Damit würde sich das letzte Slied in dem eisernen Ring schließen, der dem General Kuropatkin die Rückzugslinie ab⸗ schneidet und sein Heer vor die letzte Wahl stellt: Vernichtung oder Kapitulation. — Ueber die Kämpfe auf dem japanischen linken Flügel berichtete eiue Meldung vom 5. März: Die Japaner nahmen die russischen Schanz ⸗ träben, die durch Drahtgeflecht geschützt waren, nit Maschinengewehren und dem Bajonett trotz flartnäckigen Widerstandes der Russen, die sich in Unordnung zurückzogen und Waffen und Bekleidungsstücke fortwarfen, um die Flucht zu leichtern. Die Japaner erbeuteten eine Anzahl echszölliger Geschutze und Maschtinengewehre. Alle Belagerungsgeschütze von Port Arthur burden verwendet, die Wirkung war furchtbar. Die Russen sind entmutigt. Der japanische iußerste linke Flügel steht jetzt nordwestlich, zicht bei Mukden. Ein Entkommen der zussischen Hauptmacht scheint un⸗ möglich. Eine Seeschlacht scheint ebenfalls be⸗ vorzustehen. Die durch den Kampf mit den Fischerbooten vor Hull so„berühmt“ gewordene baltische Flotte des Admirals Roschdjestwenski liegt seit vielen Wochen noch immer untätig bei Madagaskar, wo er auf das zweite und dritte Geschwader wartet. Unterdessen dampft der japanische Admiral Togo über den Indi⸗ schen Ozean und wird zweifellos dem Gegner gehörig auf den Leib rücken. Die Absicht des japanischen Admirals ist ohne Zweifel, Rosch⸗ djestwenski mit seiner Hel denschar zu vernichten, bevor das dritte Geschwader in Sicht kommt. Der Plan kann sehr wohl gelingen. Mit der Flotte Roschdjestwenskis kann Togo, selbst auf diese weite Entfernung von seiner Basis hin, verhältnismäßig leicht fertig werden, zumal er sich bereits seit Monaten eine gute Kohlen- und er ganz in der Nähe geschaffen 0* Die Belagerung Wladiwostok's, des letzten Stützpunktes der russtschen Seemacht in Ostasten, hat jetzt ebenfalls begonnen. Diese Seefestung muß, wie Port Arthur, von der Landseite bezwungen werden. Soziales, Gewerkschaftliches, Arbeiterbewegung. Vom Zusammenschluß der unter⸗ nehmer wird aus Köln berichtet, daß zwi⸗ schen den Arbeitgebern des Schutzverbandes der Tischlermeister und Holzindustriellen und dem Arbeitgeberbund des Bauge⸗ werbes eine Vereinigung geschlossen worden ist, um bei Ausständen einheitlich vor⸗ zugehen und sich gegenseitig zu unterstützen. Man will weiter erstreben, daß die verschiedenen anderen Gewerbe sich gleichfalls anschließen, und alsdann einen Vorstand wählen, der aus den verschiedenen Handwerkergruppen zusammen⸗ gesetzt ist. Das wird ein ganz schöner Kuddel⸗ muddel werden, in welchem die Handwerker jedenfalls die leidende und die Großunternehmer die leitende Rolle spielen. Die Arbeiter sollten aber hieran erkennen, wie notwendig der Zu⸗ sammenschluß ihrerseits ist! Ferien für die Arbeiter! Nach einer Zusammenstellung des„Buchdrucker Correspon⸗ denten“, die aber auf Vollständigkeit keinen Anspruch macht, wurden im Buchdruck⸗ gewerbe iu verflossenen Jahre 354 Firmen ermittelt, die 7306 Gehülfen und 2524 Hülfs⸗ arbeitern Sommerferien gewähren. Andern Betrieben zur Nachahmung dringend empfohlen! Der Deutsche Holzarbeiterverbaud hat, wie aus der soeben veröffentlichten Ab⸗ rechnung für das dritte Quartal 1904 ersichtlich ist, das erste Hunderttausend Mitglieder über⸗ schritten. Der Verband zählte am 1. Oktober 101108 Mitglieder, darunter 595 weibliche. Das bedeutet gegenüber dem Vorjahre eine Zunahme von 18491 Mitgliedern. Die Ein⸗ nahmen betrugen im dritten Quartal 433 458, die Ausgaben 429 483 Mk. Von den Ausgaben sind zu erwähnen: Streikunterstützung 198754, Arbeitslosenunterstützung am Ort 22696, auf der Reise 24337, Agitation 20 792 Mk. Da⸗ gegen betragen die Gehälter und Entschädi⸗ gungen nur 4817 Mk. Der Kassenbestand der F betrug am 1. Oktober 1051666 ark. Lohnkämpfe. Die Schneider in Köln a. Rh. sind mit ihren Arbeitgebern in Unterhandlungen getreten, um eine Verlänge⸗ rung und Ausgestaltung des am 1. April ablaufenden Tarifvertrags herbeizuführen.— Die Tapezierer in Frankfurt a. M. beschlossen den Beginn der Lohnbewegung und Einreichung eines verbesserten Tarifs. In Halle haben die Schneider die Lohnbewegnng ebenfalls proklamiert. Sie fordern einen korpo⸗ rativen Arbeitsvertrag. Pon Nah und Fern. Hessisches. — Kann der Provinzialausschuß jemanden zum Stadtverordneten er⸗ nennen? Vor diese Frage wird die hessische Regierung durch eine von den Mainzer Land⸗ tagsabg., Genossen Adelung und Dr. David, eingebrachte Interpellation gestellt, die folgen⸗ den Wortlaut hat: „Hat die Großh. Regierung Kenntnis davon, daß der Provinzialausschuß für Rhein⸗ hessen, in Ueberschreitung der ihm durch Artikel 25 der Städteordnung gezogenen Kompetenz, bestimmt hat, daß einer der bei der letzten Stadtverordnetenwahl in Mainz in der Minderheit gebliebenen Kandi⸗ daten in das Stadtverordnetenkollegium ein⸗ tritt? Was gedenkt die Großh. Regierung zu tun, um die Ausführung dieses gesetzwidr igen Beschlusses zu verhindern?“ Es handelt sich um die vom Zentrum an⸗ gefochtene und dann auch zunächst vom Kreis⸗ ausschuß Mainz für ungiltig erklärte Wahl unseres Genossen Freiherrn von Zucco⸗ Cuccagna, der Prediger der freireligiösen Gemeinde Mainz ist, zum Stadtverordneten. Der Provinzialausschuß hat sodann die gegen den Entscheid des Kreisausschusses eingelegte Berufung verworfen. Aber er hat sich nicht mit der Kassierung der Wahl, gemäß dem Beschlusse des Kreisausschusses begnügt, sondern er hat darüber hinausgehend noch bestimmt, „daß der Nächsthöchstbestin'mte als gewählt zu gelten hat und somit in das Stadtver⸗ ordnetenkollegium eintritt.“ Der Nächsthöchst⸗ bestimmte ist der Zentrumskandidat Dr. Müller. Unsere interpellierenden Genossen sagen nun in der Begründung ihrer Interpellation, mit diesem Beschluß habe der Provinzialausschuß sich über die klar gefaßten Bestimmungen der Städte⸗ ordnung hinweggesetzt. Dem Provinzialausschuß könne so wenig wie irgend einer anderen Be⸗ hörde die Kompetenz zugebilligt werden, seine eigene Kompetenz nach Belieben zu erweitern. Das wäre die Anarchie der Behörden. Es wäre sinnlos, Gesetze zu machen, wenn die zu ihrer Hut bestellten Behörden selber nicht an die Gesetze gebunden sein sollten. Wir verlangen daher, so sagen die Interpellanten, Schutz gegen den gesetzwidrigen Eingriff des Provinzial⸗ ausschusses in das der Mainzer Bevölkerung gesetzmäßig zustehende Wahlrecht. — Vernünftige Gemeindepolitik. Unsere Genossen in der Offenbacher Stadt⸗ vertretung gehen daran, die ungerechte Kopf⸗ steuer, das Oktroi, nach und nach zu beseitigen. Sie beantragten, in den städtischen Voranschlag bei der Verbrauchssteuer ab 1. April das Oktroi auf Schweine, Schweinefleisch, Wurst⸗ waren ꝛc. mit 60000 Mark nicht mehr, dafür aber an Gemeindesteuern 60000 Mark mehr, also statt 1910305 Mark 1970305 Mark 60 Pfg. zu erheben. Oberbürgermeister Brink bekämpfte diesen Antrag unter Hinweis auf die Finanzlage Offenbachs, die den Wegfall der Verbrauchs- steuer nicht gestatte, außerdem habe der geringe Mann keinen Vorteil davon. Ulrich dagegen betonte wiederholt, daß man vor einer Er— höhung der Gemeindeumlagen nicht zurückschrecken dürfe. Diese Erhöhung sei unvermeidlich, sie sei das Ergebnis der Bestrebungen, die in Blüte begriffene Stadt auf die Höhe der Anforderungen zu bringen, die man an eine moderne Stadt stelle. Die Einnahmen aus den Verbrauchssteuern, die 1910 ja doch aufhören, solle man möglichst Zug um Zug aufheben, und zunächst mit dem Schwernefleisch beginnen, weil es für den Minderbemittelten ein Hauptnahrungsmittel sei. Selbstverständlich find wir auch für Aufhebung des Oktrois auf Ochsen⸗ und Rindfleisch usw. Vor allen Dingen sollte aber die Stadt wirt⸗ schaftliche Werke errichten und in eigene Regie nehmen, deren Einnahmen die Steuerzahler entlasten. Wenn die Metzger, entgegen ihrem Versprechen, nicht mit den Fleichpreisen nach Aufheben des Oktrois heruntergehen würden, so gäbe es außer der Heranziehung auswärtiger Konkurrenz noch andere Mittel, ste dazu zu zwingen, er und seine Freunde würden z. B. keinen Augenblick anstehen, eine Gemeindeschlächterei zu beantragen. Ulrich rechnete dann im einzelnen vor, daß dem Arbeiter die Aufhebung des Seite 4. f Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. 1 — Oktrois einen Vorteil von mindestens jährlich 3.60 Ml. einbringen, die Erhöhung der Gemeinde⸗ umlagen um 8—9 Prozent nur wenige Pfennige ausmachen werde.— Die Einwände von gegne⸗ rischer Seite waren nicht von Bedeutung. an versuchte mehr den Fehlbetrag in anderer Weise wie vorgeschlagen zu decken. Bei der Abstimmung waren es nur die Stimmen der bürgerlichen Vertreter, die mit dem Oberbürgermeister und den Beigeordneten gegen die Aufhebung des Oktrois stimmten. — Ueber Förderung der Boden⸗ kultur im Vogelsberg ist dem Land⸗ tage ein Gesetzentwurf zugegangen. Der Ent⸗ wurf soll die Vorschläge verwirklichen helfen, die von der Kommisston für Ausarbeitung eines Generalkulturplanes für den oberen Vogelsberg in ihrer Denkschrift zu Beginn 1904 gemacht wurden. Durch Bodenkultur und Anlage um⸗ fassender Wal danlagen auf den kahlen Höhen zum Schutze der Talhänge gegen rauhe Winde sowie Nutzbarmachung ausgedehnter Oedlände⸗ reien soll die Wirtschafts möglichkeit des Vogels⸗ berges gehoben werden. g Gießener Angelegenheiten. — Zu dem„Fall Schädel“ hatte der Abg. v. Brentand folgende von seinen Zent⸗ rumsmannen und den Antisemiten unterstützte Anfrage an die egierung gerichtet: Großherzogliche Regierung geneigt, der Kammer Auskunft zu geben über das Resultat der Untersuchung, welche auf Antrag des Groß⸗ herzoglichen Gymnastaldtrektors Dr. Schädel in Gießen gegen solchen eingeleitet worden ist?“ — Unseres Erachtens rennt diese Interpellation offene Türen ein. Denn das ist doch wohl ganz selbstverständlich, daß die Regierung über das Ergebnis Bericht erstatten wird und muß. Aber die Herren haben es ja gewaltig eilig! Es hat schon viele, sehr viele Dinge gegeben, die das Volksinteresse weit mehr berührten, mit deren Erledigung es diesen Herren aber durchaus nicht pressterte. Angesichts des verdächtigen Eifers der Gegner hatte sich unser Genosse Dr. David veranlaßt gesehen, zu der gleichen Sache folgende Inter⸗ pellation einzubringen: „Ist die Großherzogliche Regierung geneigt, den Mitgliedern der zweiten Kammer Einblick zu gewähren in die Akten, die aus der Untersuchung der Verhältnisse am Gießener Gymnasium erwachsen sind?“ Schon am Mittwoch kam die Sache in der Zweiten Kammer zur Verhandlung. Staats⸗ minister Rothe erklärte dazu, daß die von der Regierung angestellten Ermittelungen in der Angelegenheit des Direktors des Gießener Gymnastums, Geh. Schulrats Dr. Schädel, zu dem Resultat geführt haben, daß nicht der geringste Grund vorliegt, ein Dis⸗ ziplinar⸗Verfahren gegen denselben einzuleiten. Genosse Dr. David erblickt in den Aus⸗ führungen der Regierungsvertreter nur das Bestreben, die Sache möglichst mild darzustellen und kann nicht billigen, daß dieser aus dem Material eine Reihe von Einzelheiten einseitig und nur zu Gunsten des Direktors heraus⸗ gegriffen habe. David bringt setnerseits einige ihm mitgeteilte Vorfälle zur Sprache, die zeigen, daß der Direktor gegen einzelne Mitglieder des Lehrerkollegiums wiederholt mit beleidigender Schroffheit aufgetreten ist. David konstatiert weiter, daß die in einer ganzen Reihe von Zeitungen gegen ihn er⸗ folgten Angriffe, wonach seine Quellen unlauterer, politischer oder verleumderischer Art seien, jeder Grundlage vollständig entbehrten, denn schon damals habe er ausdrücklich konstatiert, daß seine Ouellen nur den intimsten Beziehungen der von diesen Verhältnissen Betroffenen ent⸗ springen. Der mit ihm seit langen Jahren befreundete Prof. Karl Noack in Dresden habe ihm(dem Redner) die Mitteilungen ohne Wissen seines Bruders in Gießen gemacht, nachdem er sich als geborener Gießener an Ort und Stelle über die Verhältnisse orientiert habe. Auch diesen könne daher kein Vorwurf treffen, denn derselbe stehe der Politik fern und sei nur von dem Motiv geleitet worden, als Arzt seinem Bruder zu helfen, nachdem er zu der „ Ist die Ueberzeugung gekommen war, daß ein andrer Ausweg nicht mehr vorhanden sei. Er führt weiter eine Reihe von Fällen an, aus denen hervorgeht, daß das Vorgehen des Direktors Schädels doch nicht so harmlos war, wie es von Seiten der Regierung geschildert werde, so habe er einem Lehrer, der ihm eine Angelegenheit ruhig und sachlich vortragen wollte, erklärt:„Dort ist die Tür!“ usw. Es komme sehr darauf an, in welchem Ton diese Ausdrücke gefallen sind, die Darstellungen des Regierungsvertreters könne er als objektiv nicht erkennen. Er habe getan, was er nach Lage der Sache seinerzeit für seine Pflicht hielt. Redner kann, ehe er Einsicht in die Akten er⸗ langt hat, seine früheren Ausführungen nicht rektifizieren. f — Märzfeier. Zum Gedächtnis des 18. März hat der sozialdemokratische Wahl verein eine Feier veranstaltet, die Sonntag, den 19. März, im Saale„Lony's Bierkeller“ stattfindet. Genosse Dr. Quarck⸗Franlfurt wird dabei über die März⸗Ereignisse von 1848 einen Vortrag halten und im Weiteren sollen entsprechende Deklamattonen und Gesangsvor⸗ träge die Feier zu einer würdigen gestalten. — Konsumverein. Am Sonntag nahm der Revisor des süddeutschen Genossenschafts⸗ verbandes, Herr Arnds⸗ Stuttgart, die vor⸗ geschriebene Reviston des Konsumvereins Gießen und Umgegend vor. Es fanden sich dabei keinerlei Anstände, die Bücher befanden sich in bester Ordnung und der Revisor sprach seine Anerkennung über die Geschäfts⸗ und Kassen⸗ führung, sowie über die stetige Entwickelung, die der Verein nimmt, aus. — Weißbinder⸗Versammlung. Samstag, den 11. März, findet nachmittags 5 Uhr im Lokale„Wiener Hof“ eine öffentliche Versammlung der Weißbinder, Maler und Lackierer stant. Genosse Zimmerman n⸗ Frankfurt wird über:„Die Lohn⸗ und Arbeits⸗ verhältnisse im Gewerbe referieren“. — Die hiesigen Schneider stehen wit ihren Arbeitgebern in Verhandlung wegen Revision des Tarifs. Für verschiedene Stücke verlangen die Gehilfen etwas höhere Preise und hoffentlich bewilligen die Arbeitgeber die bescheidenen Forderungen, damit die Sache auf gütlichem Wege erledigt wird. — Das Schwurgericht hatte in der Session des ersten Quartals, wie bereits vor acht Tagen mitgeteilt, nur drei Fälle abzu⸗ urteilen. Am Montag wurde die 64 jährige Witwe Faitz aus Ilbeshausen wegen Mein⸗ eid zu 1½ Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust verurteilt. Sie hatte in einem Prozesse gegen ihren in Rödelheim woh⸗ nenden Schwiegersohn einen Offenbarungseid geleistet und dabei auf Anstiften ihres in Gießen wohnenden Sohnes, der nun ebenfalls wegen Verleitung zum Meineid in Untersuchungshaft sitzt, verschwiegen, daß sie noch zirka 1200 Mk. besaß. Der Streitgegenstand in jenem Zivil⸗ prozesse betrug 100 Mk. und wegen dieses Betrages kommt die bisher unbestrafte Frau am Abende ihres Lebens in's Zuchthaus! Am Schlusse der Beweisaufnahme gestand die An⸗ geklagte noch, sie sehe ein, unrecht gehandelt zu haben. Das„Schuldig“ der Geschworenen war somi sicher zu erwarten, zumal sogar der Verteidiger sich dafür erklärte. Dienstag hatte sich der 23 Jahre alte Dienst⸗ knecht Paul Berk aus Schlitz wegen Sittlich⸗ keitsverbrechen aus§ 176, 2 zu verantworten. Ihm wird zur Last gelegt, die geistig minder⸗ wertige Anna Schäfer in Lauterbach, Tochter seines Dienstherrn, mißbraucht zu haben. Auch in diesem Falle lautet das Verdikt der Ge⸗ schworenen auf schuldig, doch wird auch die Frage auf mildernde Umstände bejaht, worauf der Angeklagte zu zwei Jahren Gefängnis und dret Jahren Ehrverlust verurteilt wird.— Mittwoch wird gegen den Christian Faust aus Uellershausen wegen Meineid verhandelt . zwar den ganzen Tag bei geschlossenen üren. — Sehr interessant und nuhaltreich ist die neueste Nummer des„Wahren Jakob“. „In derselben finden wir neben vielen Illu⸗ unterschoben wurden, die sie nie vertreten hatten.— Die worten. Er hatte vor Kurzem den 27 jährigen Schuh⸗ strationen und Gedichten die Wfebergabe einen vortrefflichen Photographie Friedrich Wilhelm Fritzsches, sowie einer von Fritzsche vor bald 25 Jahren geschriebenen autobiographischen Skizze, deren Inhalt für die jungen Partei⸗ genossen von ganz besonderem Interesse sein wird. Außerdem ist noch Fritzsches schwung⸗: volles, bisher wenig bekanntes Gedicht„An die Frauen“ abgedruckt. 1 5 N Aus dem Mreise gießen. 1 0 r. Watzenborn⸗ Steinberg. Der sozial⸗ demokratische Wahlverein hielt am Samstag eine Mit⸗ gliederversammlung ab, die recht gut besucht war, Zuerst wurde die Bildung einer Sängerabteilung beschlossen, damit bei Festlichkeiten in gesanglicher Beziehung etwas 1 geboten werden kaun. Die Märzfeier soll durch eine Versammlung begangen werden. Für die Ma i⸗ und Schillerfeier soll der Vorstand die nötigen 9 Vorbereitungen treffen. Im Weiteren wurden unsere Gemeindevertreter aufgefordert, alljährlich über ihre Tätigkeit in einer öffentlichen Bürgerversammlung Be⸗ 1 richt zu erstatten und sich zu diesem Zwecke über die Verhandlungsgegenstände Aufzeichnungen zu machen. Das ist umsomehr notwendig, als die Mehrheit des Gemeinderates es noch immer abgelehnt hat, die Gemeinderatssitzungen öffentlich abzuhalten. Es kam daher oft vor, daß Ausführungen unserer Genossen in der Sitzung falsch wiedergegeben und ihnen Dinge Sängerabteilung hält ihre erste Singuunde Samstag, den 11. März abends 8 Uhr in der Wirt⸗ schaft„Zur Wetterau“ ab. Wer Lust zum Gesang hat, möge sich pünktlich einfinden. Die Genossen von Watzen⸗ born, welche mitwirken wollen, werden hiermit ersucht, recht zahlreich zur Stelle zu sein. e. Trohe. Das Stiftungsfest unseres Gesangvereins am Sonntag war recht gut besucht, auch die Genossen von Rödgen und Altenbuseck waren zahl⸗ reich erschienen. Die Gesangsvorträge und sonstigen Darbietungen wurden beifällig aufgenommen und das Fest nahm überhaupt den besten Verlauf. Unsere Altenbusecker Freunde trugen auch durch mehrere Vor⸗ träge zum Gelingen des Festes bei, wofür ihnen Dank gebührt, den wir hiermit an dieser Stelle abstatten. — Wenig rücksichts voll verfuhr der Arzt Herr Dr. Nikolay in Leidhecken mit einem seiner Kunden. Dieser hatte die Hilfe des Arzkes in den Jahren 1901, 1902 und 1903 mehrfach in Anspruch genommen. Dafür bekam er am 18. Dezember vorigen Jahres eine r Rechnung von 57,10 Mk. zugestellt. Schon 13 Tage später, am 31. Dezember erhielt er eine Vorladung auf das Amtsgericht Hungen; der Herr Doktor, der sonst im Verkehr sehr freundlich und liebenswürdig ist, hatte 6 den Betrag eingeklagt, jedenfalls um die Verjährung zu vermeiden. Nun hatte der Betroffene etwa nicht die Absicht, den Arzt um sein Geld zu bringen, sondern er würde es auch bezahlt haben, wenn schon Verjährung eingetreten gewefen ware. Jetzt mußte er noch 20,70 Mk. Gerichtskosten extra bezahlen, für den nicht wohlhabende Mann ein erheblicher Betrag.„Wer war wohl Schuld, daß es zur Klage kam?“ Ware es nicht Pflicht des Arztes gewesen, die Rechnung rechtzeitig zu schreiben, damit die Sache gütlich geregelt werden konnte? Wären die Arzte vom Staate angestellt, es wäre eine ungehen re Er- leichterung für Arbeiter sowie Handwerker und Bauer. So schreibt uns der Arbeiter entrüstet. Wir finden 9 seine Mißstimmung begreiflich. Empfehlenswert ist. andererseits, daß bei Zeiten Rechnung gefordert wird. 9 — Folgen der Spielerei mit Gewehren. Vor der Gießener Strafkammer hatte sich am Dienstag der Landwirtssohn Konr. Krausgrill 1 Niederweisel wegen fahrlässiger Tötung zu verant- macher Häuser von dort in dessen Wertstelle mit einen Flobertgewehr aus Unvorsichtigkeit in's Auge geschossen und dadurch dessen Tod herbeigeführt. Er wurde nach dem Antrage des Staatsanwalts zu 6 Monaten Ge⸗ fängnis verurteilt. Aus dem Nreise Alsseld-Cauterbach. zumal die Zahl der in Alsfeld im Holzarbeiterberufe Beschäftigten nicht gering ist. Die Löhne sind äußerst niedrig, der Zusammenschluß der Berufskollegen wäre mindestens so nötig wie anderwärts. Von den An⸗ wesenden erklärten eine Anzahl ihren Beitritt zum Verband n. Schotten. Die Mitgliederversamwlung Wahlvereins am Samstag war sehr gut besucht, auch einige neue Freunde waren erschtenen, um sich als Mitglieder aufnehmen zu lassen. Der Vorfitzende er⸗ mahnte die Anwesenden, in der Agitation für unser Sache nicht zu erlahmen, denn hier in unsrer Gegen sei noch sehr viel Arbeit zu leisten. Jeder den ...... sozial⸗ e Mit⸗ Zuers clossen, etwas l durch N a nöttgen unsere er ihre ang Be⸗ über die machen. eit des at, die Es kaun ossen in „Dinge — Die Agnunde er Wirt⸗ ang hal, Waten⸗ ersucht, unseres ct, auc ten zohl⸗ sonstigen und daß Unsere ere Vor- en Dank alten. der Atzt u seiner n Jahren nomman, ihres eig 13 Tot dung au der sont is, ham hrung licht di. pudern er crjahrung 00 Ml. (habende ———— 9 „[?)ʃ: D———— des Angle damit die bie Atze heute Gr 0 Bauel. Bir findet zwert if 1 wird. sch au till u 1 heran n 70 b eil 15 pure l. naten 2 Ir. 11. Mitterdeutsche Sonntags⸗gAitung. Seite 5. Arbeiter müsse es als seine Aufgabe erachten, sein Möglichstes zu tun für die Förderung der Arbeiterbe⸗ wegung und nicht in Kriegervereinen sich gegen seine eigenen Interessen gebrauchen zu lassen.— Es wurde noch beschlossen, zur nächsten Versammlung einen Referenten kommen zu lassen. Aus dem Rreise Wetzlar. h. Eine Parteiversammlung findet Sonntag, den 19. März, in Gleiberg, im Lokale Feuser statt. Genosse Dittmann⸗ Frankfurt wird einen Vortrag halten. Außer⸗ bem soll die Gründung eines Kreiswahlvereins vorgenommen werden. Es ist nocwendig, daß sich auch die Wetzlarer Parteifreunde zahlreich einfinden. h. Haben Arbeiter nichts Besseres zu tun? Im„Wetzl. Anz.“ erschien kürzlich ein Juserat aus Hermannstein, in dem zur Gründung einer Kriegerkameradschaft auf⸗ gefordert wurde. In dem kleinen Orte, wo fast nur Arbeiter wohnen, die in Wetzlar arbeiten, besteht zwar schon ein Kriegerverein, doch das scheint den Leuten noch nicht zu gensigen, um ihren Kriecher⸗ und Helden⸗ sinn zu betätigen. Sollten lieber mit ihren Klassengenossen an der Herbeiführung besserer Zustände arbeiten! Oder geht's den Hermannsteiner Arbeitern so gut, daß sie keine Vesserung nötig haben? Das Kriegervereius⸗ wesen steht im vollsten Widerspruch mit dem Streben nach höherer Kultur, kein denkender Arbeiter wird jene Vereinigungen für Soldaten⸗ spielerei unterstützen. h.„Landeswohlfahrt“. Im„Wetzl. Anz.“ war neulich zu lesen:„Der Verein Landeswohlfahrt läßt zur Zeit in den einzelnen Schulen des Standesgebietes... einen farbigen Lichtbilder⸗Zyklus zeigen, der das Leben Jesu nach bekannten Mustern darstellt Durch die Einlage passender Liederstrophen gestaltet sich die Vorführung zu einer tiefreli⸗ giösen Andacht.“ Wie man sieht, bedient man sich auch neuzeitlicher Errungenschaften, um „dem Volke die Religion zu erhalten.“ Westerwald und Anterlahn. Von der Dill. Die Nationalliberalen des Wahlkreises Dillenburg sind amüsante Leute. Bei der letzten Wahl erlitten sie eine Niederlage und erlebten eine Wählerflucht, die sie doch zum Nachdenken anregen müßte. Ihre Stimmen gingen bei der Hauptwahl von 7343 im Jahre 1898 auf 4733 zurück. Handwerker und alles, was sich sonst noch im Schlepptau der Großkapitalistenpartei befand, wurde fahnen⸗ flüchtig. Es fehlt dieser Partei eben nicht nur an werbender Kraft, sondern auch an tatkräf tigen Führern. Um sich nun wieder aufzuhelfen, hat die Drehscheibenpartei einen Parteisekretarius für diesen Wahlkreis angestellt. Dieser neue Siegfried⸗Ellegard Leis ner versucht nun mit Mitteln aller Art, auch höchst verdächtigen, „unserm“ Liberalismus wieder einen neuen Austrich zu geben. Mit nichtssagenden und unverbindlichen agrarischen Phrasen versucht man die Kleinbauern wieder für die Partei des Großhandels und Großkapitals einzufangen. Und nach Papageien⸗Art schreit man bis zum Ueberdruß: Gegen den Ultramontanismus! Gegen die Sozialdemokratie! Aber das zieht selbst in unserer Gegend nicht mehr, so leicht lassen sich die Wähler heute nicht mehr täuschen, sie kennen, zum großen Teil wenigstens, den Natlonalliberalismus sehr wohl und weil sie ihn kennen, hat er auch allen Kredit bei ihnen verloren. Und dem„neuen jungen Mann“, dem Sekretarius, wird's auch nicht möglich sein, ihn wieder zu erobern. Aus dem Rreise Marburg⸗Nirchhain. r. Zur Stadtverordneten wahl, die Mitte November vorgenommen werden muß, wird von bürger⸗ licher Seite bereits jetzt die Kandidatenfrage angeschnitten. Es werden deren diesmal jedenfalls wieder eine ganze Anzahl auftreten, denn es scheiden diesmal 12 Stadt⸗ verordnete aus. Jedenfalls gibts wieder eine Rathaus⸗ liste, Bürgervereins⸗, Beamtenvereins⸗ ꝛc. Listen, hoffent⸗ lich aber auch eine Arbeiterliste! Die Rathausliste präsentiert in der Regel jene Gutgesiunten, die für Alles etwas übrig haben, nur recht herzlich wenig für die arbeitende Klasse. Der Bürgerverein will es Allen recht 0 machen und wie es heißt, will man sogar Arbeiter mit auf die Lifte nehmen, wogegen sich die Arbeiter wähler rerpflichten sollen, für die ganze Liste des Bürgervereins zu stimmen. Ob die Arbeiter damit einverstanden sind, dos wird eine der nächsten Wahlvereinsversammlungen entscheiden. Wir zweifeln nicht daran, daß der Beschluß auf Aufstellung einer eigenen Liste lauten wird, denn wir haben von den Leuten, die sonst nach dem Stadt⸗ vateramt streben und sich nicht selten als Vertreter der Minderbemittelten bezeichnen, nichts zu erwarten. Die Arbeiter werden also gut tun, sich schon jetzt mit den Stadtverordnetenwahlen und was damit zusammen hängt eingehender zu befassen. Also an's Werk! Das Schwurgericht verurteilte am Montag die Witwe eines Maurers aus Botten⸗ dorf bei Frankenberg wegen Meineids zu sechs Monaten Gefängnis. Die Frau ist 67 Jahre alt, macht einen geistig minderwertigen Eindruck und hat einen geisteskranken Sohn. Der Meineid war wegen einer Lappalie geleistet worden. Die Frau hatte ihren Feldnachbar wegen Umwendens des Wagens zur Anzeige gebracht und dieses auch vor dem Schöffengericht beschworen, worauf der Feldnachbar zu 2 Mk. Strafe verurteilt worden war Die Ge⸗ schworenen bejahten sowohl die Schuldfrage wie die Frage der Zurechnungsfähigkeit.— Am Mittwoch stand Herr Bezirks⸗Schornsteinfeger Kremlein aus Rauschenberg vor den Ge⸗ schworenen unter der Anklage eines Sittlich⸗ keitsverbrechens, begangen an einem 15 jährigen geistesschwachen Mädchen. war eine Hauptstütze der konservativen Partei, eifriger Kriegervereinler und noch in der letzten Wahlbewegung als Agitator für den konserva⸗ tiven Kandidaten des Bundes der Brotverteuerer tätig. Der tapfere Kämpfer für Religion, Ordnung und Sitte wird unter Zubilligung mildernder Umstände durch eine anderthalbjährige Gefängnisstrafe seiner staatsretterischen Tätigkeit entzogen worden. f g. Die Märzfeier begehen die Marburger Parteigenossen durch eine am Samstag den 18. März abends ½9 im Lokale Jesberg statt⸗ findende Versammlung, in welcher Stadtver⸗ ordneter Krumm ⸗Gießen sprechen wird. r. Die Marburger Holzarbeiter haben eine, wenn auch nur geringfügige Besserung ihrer Löhne er⸗ reicht. Am Freitag fanden mit den Arbeitgebern Ver⸗ handlungen über die Forderungen statt, welche von Seiten der Gesellen gestellt worden waren. Nach 3 ½ stündtger Verhandlung wurden die Forderungen zum größten Teile bewilligt und treten mit dem 1. Mai in Kraft. Leider wurde eine Verkürzung der Arbeitszeit nicht erzielt. Der Holzarbeiterverband hat in den letzten Wochen be⸗ deutend an Mitgliedern gewonnen. O Die neue Kreisbahn Marburg⸗Süd⸗ Dreihausen, für welche die Steuerzahler des Kreises in diesem Jahre einen Steuerzuschlag von 7 Prozent zu zahlen haben, soll für die Strecke bis Ebsdorf am 1. April und für die Strecke bis Dreihausen am 1. Juli eröffnet werden. Nach dem veröffentlichten provisorischen Fahrplan scheint die Bahnverwaltung in der Hauptsache auf die Beförderung von Landräten und Kreisausschuß⸗ mitgliedern ꝛc. zu rechnen, denn der erste Zug von Ebs⸗ dorf trifft erst morgens kurz vor 9 Uhr in Marburg ein, also zur Zeit, wo die Herren ins Bureau gehen. Die in Preußen wegen der Billigkeit beliebte vierte Wagenklasse ist nicht vorhanden, sodaß die Bahn den Arbeitern vorläufig nur geringe Vorteile bietet, aber bezahlen müssen sie ihre Kreissteuern doch. Zwei schwere Grubenkatastrophen ereigneten sich vorige Woche in Oberschlesien. Auf der„Preußengrube“ wurde eine Arbeits⸗ bühne, auf der 15 Mann arbeiteten, durch abstürzende Gesteinsmassen in die Tiefe gerissen. Sämtliche fünfzehn Mann kamen um. Die Wassermassen, unter denen die Schachtanlage leidet, drangen durch die Gesteinsmassen durch und bereiteten den Bergleuten einen schreck⸗ lichen Tod, da alle, die nicht erschlagen worden waren, ertrinken mußten.— Auf dem Oskar⸗Schacht der Hulschiner Steinkohlen grube bei Petrzkowitz, Kreis Ratibor, wurden durch einen Grubenbrand fünfzehn Mann abgeschnitten. Die Bergleute sind zweifel⸗ los durch giftige Gase getötet worden. Kleine Mitteilungen. * In Friedberg fand man vorige Woche in der Zudwigstraße die Leiche eines neugeborenen Kindes Herr K. männlichen Geschlechts, das nach ärztlichen Feststellungen nach der Geburt gelebt hat. An einem Wäschestück be⸗ fanden sich die Buchstaben J. K. Jedenfalls ist das Kind von auswärts an die Fundstelle verbracht worden. * Revolverschießerei. Aus Eifersucht schoß in Limburg ein Handlungsgehülfe auf einen seiner Kol⸗ legen und verletzte ihn schwer. * Wieder einer. Der Kaplan Schlamber in Cilli Steiermark) wurde wegen Notzucht und Schändung an Schulkindern, welchen er„Religionsunterticht“ erteilte, zu anderthalb Jahren schweren Kerker verurteilt. — Partei-Nachrichten. Neun Monate Gefängnis wurden dem Ge⸗ nossen Lange, verantwortlichen Redakteur der„Leip⸗ ziger Volksztg.“ zudiktiert. Und warum diese unge⸗ heuerliche Strafe? Zur Zeit des Königsberger Prozesses hatte das Blatt Bemerkungen gemacht, in denen, gestützt auf den Charlottenburger Fall Weber, wo Packete mit russischen Schriften in demselben Augenblick beschlag⸗ nahmt worden sind als sie von der Post gebracht worden waren, der Verdacht ausgesprochen wurde, daß die Postverwaltung nicht genügend die Pflicht der Geheimhaltung wahre. Die Sammlungen für den Bergarbeiter⸗ streik sind nun im Einverständnis mit der Leitung des Bergarbeiterverbandes von unserm Parteikassierer Gerisch geschlossen worden. Im Ganzen sind bei Gerisch Mk. 277 908,16 eingegangen. Allen Gebern wird namens der Bergleute für die bewiesene Opfer⸗ willigkeit herzlich gedankt. Weitere Eingänge wird der Parteikassierer, sofern die Geber nicht andere Verfügungen treffen, dem Unterstützungsfonds der sozialdemokratischen Partei Deutschlands über weisen. Versammlungskalender. Samstag, den 11. März. Gießen. Sozialdem. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Vortrag: Republik oder Monarchie? Sonntag. den 12. März. Gießen. Freie Turnerschaft. Abends 8 Uhr gesellige Zusammenkunft bei Lö b(Wiener Hof).— Montag Abend 9 Uhr Monatsversammlung bei Nellen(Zum Scorch), Steinstraße. Rödgen. Nachmittags 4 Uhr: Oeffentliche Ver⸗ samwlung bei Gastwirt Balser. Dienstag, den 14. März. Gießen. Gewerkschaftskartell. Abends 9 Uhr Sitzung bei Orbig. Für die streikenden Bergarbeiter gingen noch folgende Beträge ein: Bei der Expedition der Mitteld. Sonntags Zeitung: Brauer Mk. 20,—.— In letzter Nr. muß es bei Liste Nr. 87 Lollar richtig heißen Mk. 22,35 nicht 21,35. Die noch ausstehenden Listen bitten wir baldigst an uns einzuschicken, damit die Schlußabrechnung fertig gestellt werden kann. Diese wird dann in nächstr Nr. bekannt gegeben. Bei A. Fauth in Wetzlar; Liste 0775, Mk. 4,— Gi; N 0779,„(M.⸗Kinzenbach).— Bet den Quittungen in Nr. 10 muß es heißen Liste 0768 nicht 0786. ———'! Geschäftliches Wie wird sich Mutter freuen, das war der begeisterte Ausruf einer jungen Dame, als sie dem Vater einen Tischläufer mit prachtvoller Kunststickerei zeigte, den sie auf ihrer Singer Maschine angefertigt hatte. Und der Vater war auch nicht wenig erstaunt ob der Leistung seines Töchterleins und bei sich dachte er„hätte kaum geglaubt, als ich damals in Gießen, Lindenplatz 1 bei der Singer Co. Nähmaschinen Act. Ges., die Maschine kaufte, daß es meinem Mädel in den paar Wochen gelingen würde, so etwas Schönes zu Stande zu bringen.“ Bei Feststellung dieser Tat⸗ sache hellten sich seine Züge auf, und nicht genug konnte er sich in seinem Innern selbst beloben, daß er die Singer Maschine gekauft habe. Was aber soll jeder Gatte, jeder Water sich daraus merken? Gehe hin und tue desgleichen Letzte Nachrichten. Russisch⸗japanischer Krieg. Aus Tokio wird berichtet: Die Russen sind in jeder Richtung gesclagen. Sie begannen den Rückzug auf Tieling. Die japanische Armee verfolgt sie jetzt energisch.— Eine weitere Depesche sagt: Die Japaner schnitten die Eisen⸗ bahn verbindung nördlich von Mukden ab.— Die Gesamtverluste bei den letzten Kämpfen betragen weit über 1 0 0 000 Mann! mutteldenische Sonntags · Zeitung · Nr. 11. 1 von Nah und Lern. Großfeuer beim Karneval. Im Restaurant Konrads in Köln brach Feuer aus, als das Lokal mit Karnevalsgästen angefüllt war und die Musikkapellen zum Tanz aufspielten. Während die Menge aus den hinteren Restaurationsräumen flüchtete, stürzte der Kronleuchter von der Decke herab. Eine Gasexploston entstand und setzte die ganzen Partereräume in Brand. Das zahlreiche Polizei⸗ aufgebot konnte nur mit Mühe eine Panik verhindern und die unaufhaltsam nach der Brandstätte drängende Menge zurückdrängen. Das Feuer hat große Verwüstungen angerichtet, Menschenleben sind nicht zu beklagen. Auch ein„Dichter werk“. Kürzlich wurde in Stuttgart ein„soziales Schauspiel“ unter dem Titel„Der Messias“ aufgeführt, das einen Schauspieler des dortigen Restdenztheaters zum Verfasser hatte. Da das Stück eine ziemlich klägliche Verhöhnung der sozialdemokratischen Arbeiterschaft darstellte, widmete ihm der Referent unseres Stuttgarter Parteiblattes, der„Schwäbischen Tagwacht“, Genosse Hugo Heller, bloß einige mehr heitere als entrüstete Worte. Aber gerade die fröhliche Ueberlegenheit scheint den Schauspieler, der das schlechte Stück verbrochen, noch viel mehr als eine empörte Abwehr, die er wohl erwartet hatte, geärgert zu haben, und Herr Skuhra — so heißt der„Dichter“— lauerte Heller am Montag mit zwei anderen Schauspielern in der Nähe der Redaktion der„Tagwacht“ auf. Der Dichter und zwei Schauspieler gingen auf Hells los, beschimpften ihn unflätig und drohten ihm mit Tätlichkeiten. Da die Rauf⸗ bolde auch mit einem Spazierstock loshauen wollten, war Heller genötigt, auch von seinen Fäusten Gebrauch zu machen. In der„Tag⸗ wacht“ beweist Heller, daß er durch den Ueber⸗ fall im frischen Gebrauch seiner Feder nicht weiter behindert ist, und er sagte es dem Rauf⸗ bold, Dichter und Schauspieler auf den Kopf zu, daß er durch diese Straßenszene bloß seinem langweiligen Theaterstück zu einem bißchen Reklame verhelfen wollte. Den Stuttgarter Theaterkritikern wird in der„Tagwacht“ nahe⸗ gelegt, die Leistungen der drei Veranstalter des Ueberfalles nicht mehr zu besprechen. Höchstens vielleicht in der Gerichtssaalrubrik. Ueber das falsche Schamgefühl. Eine zeitgemäße Betrachtung, zugleich ein Mahnwort an die Arbeiter und deren Familien. Nichts gibt dem politisch Fernstehenden ein anschaulicheres Bild von dem gewaltigen Um⸗ fang und der Bedeutung der modernen Arbeiter⸗ organisation als grade die Gewerkschafts⸗ bewegung; sie ist die markanteste Erscheinung im wirtschaftlichen Leben der Arbeiterklasse. Dem entspricht auch die Tatsache, daß die Kenntnis der wichtigsten Parteiangelegenheiten, sowie überhaupt der politischen Vorkommnisse in den Kreisen des arbeitenden Volkes sehr verbreitet ist. Dafür wird täglich in Wort und Schrift ausreichend gesorgt. Aber bei Weitem nicht gleichen Schritt damit hält die Aufklärung der Arbeiter über die geistigen, künstlerischen und sittlichen Bestrebungen unserer Zeit, denn sonst träfe man nicht eine so er⸗ staunliche Unkenntnis der gewöhnlichsten Vor⸗ stellungen und Auffassungen auf diesem Gebiele an, die zwar mit dem Streben nach besserem wirtschaftlichen Fortkommen, nach höherer s ozialer Stellung an sich nichts zu tun haben. Aber die Welt beruht durchaus nicht allein auf matertellen, die äußere Lebenshaltung betreffen⸗ den Grundssgen; mindestens in gleichem Maße sind in ihr Kräfte wirksam, die im Gemüts⸗ und Geistesleben der Völker und also auch der Welt eine hervorragende Rolle spielen. Volks⸗ tümlich würde dies heißen:„Der Mensch lebt nicht vom Brod allein“; er bedarf, soll er nicht zum Tiere herabsinken, der mannigfaltigsten Anregung und Aufklärung über jene höheren Gebiete geistigen, stttlichen und künstlerischen Schaffens. Denn auch er besitzt, gleich dem Begüterten, Geist und Seele, die, ebenso wie der Leib, sortdauernd gut gepflegt werden müssen, sollen sie nicht verkümmern. Die vorstehenden Sätze sind allerdings selbst⸗ verständlich— aber eben nur für die geistige Elite der Arbeiter. Die anderen, noch im Dunkeln tappend, bedürfen der Führung; darum sei es auch mir gestattet, durch einen kleinen Beitrag eine Angelegenheit aufzurollen, die dringend des Interesses aller Volkskreise be⸗ darf; ich meine das in der Ueberschrift genannte „falsche Schamgefühl“. Zur Erklärung betone ich, daß hier das Wort„falsch“ soviel bedeutet, wie:„naturwidrig“, also„entstellend“(nämlich die Wahrheit entstellend), sehr häufig, ja zumeist auf dem üppig gedeihenden Feld der Heuchelei als beliebte Pflanze anzutreffen. Die Sache selbst liegt so: Wenn ich bei der ärztlichen Untersuchung von Kindern jeden Alters, besonders kleiner Kinder, mich von der Be⸗ schaffenheit der inneren Organe(Gehirn, Lunge, Herz, Bauchinhalt usw.) überzeugt hatte und nun auch die Geschlechtsgegend auf irgend welche Krankheiten) prüfen wollte, dann wurden die anderen Kinder, auch größere, vom Vater und von der Mutter sofort energisch aus der Stube gewiesen mit dem Bemerken:„Kinder brauchten das noch nicht zu sehen“. Trotz meiner Entgegnung, dabei wäre doch nichts Schlimmes, beharrten beide Eltern starr auf ihrem Befehle; sie waren eben felsenfest von der Richtigkeit ihrer Ansicht überzeugt. Warum? Wie ist es möglich, daß in unserer vorgeschrittenen Zeit, die sich auf freie Meinungs⸗ äutzerung, auf die energische Wahrung der Un⸗ gebundenheit des Individuums so Vieles zu Gute tut, wie ist es möglich, frage ich, daß in dieser Zeit Meinungen und Gedanken auf⸗ kommen, die denen der orthodoresten Pfaffen und anderer Dunkelmänner in nichts nachstehen? Und dabei ist die Arbeiterschaft sonst durchaus nicht prüde zu nennen; am Biertisch und bei irgend welchen anderen Zusammenkünften wird ebenso, wie in den Kreisen der sogenannten „gebildeten“,„höheren“ Gesellschaft, oft Un⸗ glaubliches an schamlosen Redensarten geleistet und von allen Seiten beifällig belächelt. Dieser klaffende Widerspruch bei ein. und demselben Menschen ist so auffallend, daß er dringend einer Erklärung bedarf. Offenbar fürchten jene Eltern, die Kinder könnten„un⸗ sittliche“ Gedanken in sich aufnehmen, wenn sie die Geschlechtsteile des Brüderchens oder des Schwesterchens sehen! Solche Befürchtung be⸗ weist schlagend, daß die Erzeuger dieser Kinder von dem einfachsten Geistes⸗ und Gemütsleben der Kleinen keine Ahnung haben, denn sonst müßten sie wissen, daß unsittliche sinnliche Vorstellungen und Begriffe erstens im frühen Kindesalter überhaupt nicht möglich sind, so⸗ dann aber auch im späteren Leben des mit Wahrheit erzogenen Kindes sich nicht vor⸗ finden; wenn sie aber dennoch vorkommen, dann sind sie sicherlich von einem sittenlosen Sch mutzfink in das ursprünglich reine Kinder- gemüt gebracht worden. Denn rein ist von Anfang an die Kindesseele; aufmerksame Eltern kennen die tausend unschuldigen, tief die Wahr⸗ heit begehrenden Fragen nach der Entstehung der Kinder usw.; aber als Antwort wird den aufhorchenden Kleinen— die Geschichte vom Storch aufgetischt(offenbar zum höheren Ruhme der„Sittlichkeit“). Aber in Wahrheit gibt es nichts Schimpflicheres auf diesem Gebiete, als solche Entstellung wunderbarster Geschehnisse. Denn Kinder durchschauen mit Adlerblicken früher oder später dennoch die Wirklichkeit, aber anders, als sich ihre sittenstrengen „Erzieher“ träumen ließen. Sehr einfach ver⸗ läuft der Prozeß: Da den Kindern, wie das angeführte Beispiel zeigt, die Geschlechtsteile ihrer Geschwister sorgsam verborgen werden, sie aber natürlich ihre eigenen Geschlechtsteile sehr wohl kennen, so bemühen sich diese jungen ) Belaunelich kommen dort recht schlimme Zustände schon im frühesten Tindesalter vor, so z. B. die oft hochgradige, zu lebensbedrohlichen Erscheinungen führende Verengerung der Vorhaut, werner Wasser⸗ brüche usw. Wesen, betroffen und unzufrieden ob des selt⸗ samen Verbotes, hinter das Wesen dieser e Sache zu kommen; denn n nder gehen jedem Dinge unnachsichtlich auf die letzten und allerletzten Spuren“). Die geheimnisvolle Angelegenheit, in unserem Thema das Verborgenhalten der Geschlechts⸗ gegend, wird nach und nach, wenn die Kinder älter werden, als etwas 755„Sonderbares“ gedacht; notgedrungen mischen sich, weil der natürliche Wissenstrieb nicht gestillt wurde, alle möglichen Vorstellungen bei, in denen die kind⸗ liche Phantaste sich unheimlich früh schon vor der geschlechtlichen Reife ergeht. Daher rührt zu einem nicht geringen Teil die in Arbeiter⸗ kreisen ganz unbekannte geschlechtliche Ver⸗ trrung zahlloser Kinder“), eine Tat- sache, die in ihrer ungeheuren Bedeutung für die Volksgesundheit nicht nur Aerzte, sondern Männer und Frauen aller Stände und jeden Alters“) seit langem ernstlich beschäftigt. Man kennt nur zu gut diesen Mißwuchs auf sittlichem Gebiete, ein Produkt, gerade in den Jahren groß gezogen, wo die vollste, dem kindlichen Verstande angepaßte Auf⸗ klärung Wunder getan hätte; denn die Seele der Kleinen blüht nur, wenn ste vom frischen Quell reinen Sc auens erquickt wird. Wo aber nach altem Sittlichkeits⸗Rezept verfahren wird, da erscheint die Wahrheit in Ekel er⸗ regender Gestalt, nicht mehr als strahlende Göttin. Indes, diese unwahre Art, an die aller⸗ natürlichsten Dinge und Zustände heranzutreten, ist ja nicht neu; sie ist vielmehr, wie bei den meisten übrigen, uns im Alltagsleben begegnen⸗ den Vorstellungen, sehr deutlich als eine Fort⸗ setzung jahrtausene alter Ueberlieferungen an⸗ zusehen. Oder mit Goethe's Worten aus dem Faust(1. Teil) ausgedrückt: „Es erben sich Gesetz und Sitte Wie eine ew'ge Krankheit fort...“ (Fortsetzung des Artikels in nächster Nr.) Frühlingsfreude. So freu dich doch, daß es Frühling wird Und laß die Wintergedanken, Caß keimen, was der Sonnenschein Dir in die Seele will ranken. Allüberall alles voll Jubelgetön, Voll Mailust⸗entgegen⸗Genesen, Und die Luft so lau und der Himmel so blau Und die Welt so schön, o! so wunderschön, Wie sie noch nie gewesen. Es wird schon werden, es wird schon werden! Ein kleines Weilchen nur noch, und: Mit blühenden Kosen steht es am Weg Und küßt auf die Stirn dich mit seligem Mund. Cäsar Flaischlen. Ein Glückspilz. Erzählung von Robert Schweichel. „Kuchen Fein und Grob Bäckerei von Gustav Ader sen.“ So stand mit kühner Verachtung von Komma, Verbindungsstrichen und Punkt in aroßen Buchstaben auf dem Schilde über dem Laden, durch dessen Schaufenster die Kinder, wenn sie Mittags aus der Schule vorüberkamen, begehrliche Blicke auf die aus⸗ gestellten Kuchen warfen. Meister Adersen pflegte sich um diese Tageszeit wohl selbst zu! Schau zu stellen, um die schmale Straße links und rechts und die gegenüberliegenden Häuser ) Daher werden Spielsachen schnell vernichtet! *) Bedeutsam hierfür sind teilweise aber auch noch andere Einflüsse, so z. B. der weit verbreitete Alko⸗ holismus der Väter jener Kinder, ferner Geistes⸗ krankheiten usw. * z. B. Vereine für Jugendfürsorge. .—— ̃————— —— — ö N — — +—— —— 1 ̃²—.—:½ũ!— e.. ³¹1¹. ˙ꝛ¾»ꝗ p«⅛‚Üͤ ß]⅛—crTnee...n, ̃..... f ße. . —= S c — felt. dieser sunde auf rem chtz. inder ares der alle lind⸗ bor ührt iter Jer. Tat für dern den fügt. auf den dem lẽf⸗ ele schen hren er⸗ ende ller⸗ eten, den nen⸗ vort. al dem . tab ung unkt über die hule alk fel 5 ler 1 noch lo“ 2 Wr. 11. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeuung. Seite 7. in Augenschein zu nehmen. Und man muß gestehen, daß er ein nicht minder anziehendes Schaustück war als sein Gebäck. Füllte er doch mit seiner Breite den Türrahmen ganz aus, wenn er in seinen gestickten Schlafschuhen und der gleichfalls gestickten Kappe auf dem dicken Kürbishaupte mit dem Doppelkinn und der dicken goldenen Uhrkette über dem Bauche auf der Schwelle stand. Gewöhnlich hatte er dabei die Hände unter den Rockschößen auf dem Rücken zusammengelegt, damit die goldene Kette nicht verhüllt würde. Hätte er zur Zeit des Julius Cäsar gelebt, der ihm, beiläufig, nie vorgestellt worden, so würde er von diesem mit seinem allerhöchsten Vertrauen beehrt worden sein, denn sein Fett ließ keinen Gedanken an Ränke, Verrat und Meuchelmord aufkommen. Auch der„Bürgerstolz vor Königsthronen“ stack bei dem Meister im Bauche, und das Fett machte seine Augen ganz klein. Man würde sich bei seinem Anblick kaum haben vorstellen können, daß Meister Adersen einst so dürr wie ein Windhund gewesen war. In der Tat hätte er damals, als er in die Stadt gehumpelt kam und Arbeit suchend an das Haus geklopft hatte, das nunmehr sein Eigentum, oder richtiger, das seiner Frau war, kaum einen Schatten in der Sonne werfen können. Die Walze mästet keinen Handwerksburschen, und Adersen hatte lange, sehr lange liegen müssen, denn die Lehrlingszüchterei erzeugte eine Armee von überzähligen Gesellen, so daß für eine freie Stelle ein beinahe hundertfacher Ersatz vor⸗ handen ist. Es war wie im Mittelalter, wo nach einem beendeten Kriege das gemietete Heer aufgelöst und die entlassenen Landsknechte als Bettler in alle Winde zerstreut wurden. Gustav Adersen war auch das Früchtlein einer solchen Zucht, zu welcher die Meister den Samen vom platten Lande beziehen. Kaum daß er eingesegnet gewesen, so hatte ein Agent ihn von der heimat⸗ lichen Dorfflur in die nächste Stadt zu einem Bäckermeister gebracht, der ihn sechs Jahre lang als Lehrling geschunden, nicht indem er ihn in die Geheimniff seiner Kunst hineingeprügelt hätte, sondern mit Backwaren hausteren sckickte und ihn auf das Straßenpflaster warf, nachdem er ihn ein weiteres Jahr als Geselle ausge⸗ beutet hatte. Die noch junge Frau Meisterin war es ge⸗ wesen, die den von der langen Wanderschaft Erschöpften eingestellt hatte. Vielleicht aus Mitleid, und dieses Gefühl mochte sie bestimmen, ihn nicht gleich wieder wegzuschicken, als es nur zu bald offenbar wurde, wie blutwenig er von der Bäckerei verstand. Mochte er sich erst ein wenig ausfüttern. Der Meister lag schwer krank zu Bett und die Frau führte das Regi⸗ ment, wie im Hause, so im Geschäft. Adersen machte gar große Augen, als er die Backstube betrat; eine solche Reinlichkeit war ihm noch in keiner Backstube vorgekommen. Und dann die saubere Bettwäsche in der abgesondert ge⸗ legenen Schlafkammer, wo Jeder seine eigene Bettstelle hatte, und das gute und völlige Essen! Das alles waren Dinge, die er nie für möglich gehalten hätte! Er ließ es sich daher wohl sein und ertrug geduldig, daß seine Mitgesellen ihn wegen seiner stümperhaften Arbeit hänselten. „Seinen Freunden gibt er es schlafend“, dachte er, als er sich zum ersten Male in dem rein⸗ lichen Bette ausstreckte. Es war einer von den unzähligen Bibelsprüchen und Gesangbuch⸗ liedern, mit denen ihn der Dorfschulmeister und der Landpfarrer in seiner östlichen Heimat vollgepfropft hatten. Und„er“ gab es ihm schlafend, denn bevor er sich noch herausgefüttert hatte, starb der Meister, und als das Trauerjahr zu Ende war, führte Gustav Adersen die Witwe auf das Standesamt. Der Verstorbene hatte seine Frau aus Dankbarkeit für ihre sorgsame und liebevolle Pflege während seiner Krankheit zu seiner Universalerbin eingesetzt. Kinder waren der Ehe keine entsprossen. Adersen aber genoß den Triumph, nach Verlauf eines zweiten Jahres ein Töchterlein taufen zu lassen, das den pomphaften Namen Rosalie erhielt. Er war sehr für das Pomphafte; eine Neigung, die sich aus seinem ursprünglichen ruppigen Raupenzustande durch die Puppe hindurch schnell zum Falter entwickelte. Seine Frau war froh, wieder eine männliche Stütze zu haben, und ließ die Leitung des Ge⸗ schäfts allmählig, hauptsächlich während ihres Wochenbettes, in seine Hände gleiten. Meister Adersen sonnte sich in seiner Macht. Es war gar zu süß, für die lange Unterdrückung und Schuhriegelung, die er selbst erlitten, jetzt da⸗ durch Vergeltung zu üben, daß er gegen seine eigenen Arbeiter den strengen Herrn heraus⸗ kehrte. Zunächst geschah es freilich nur in lautem Lärmen um ein Nichts, denn er fühlte seinen früheren Mitgesellen gegenüber die Un⸗ sicherheit des Bodens, auf dem sein Können stand; um so mehr Ursache für ihn, sie nach und nach an die Luft zu setzen und ihre Stellen mit Lehrlingen auszufüllen. Nur den Alt⸗ gesellen behielt er zu deren Anlernen bei. Warum auch den schweren Lohn für Gesellen hinauswerfen, da er aus eigner Erfahrung wußte, daß das Geschäft ebenso gut mit Lehr⸗ lingen, die nichts kostetlen, betrieben werden konnte? Und er hatte noch einen andern Grund, in dieser Beziehung zu sparen. Er hatte als hausterender Bäckerjunge beobachtet, daß die Leute lieber Kuchen als Brot aßen; tat er es doch auch selbst, wen en er konnte. Also stellte er einen geschickten und zuverlässigen Konditor⸗ gehülfen ein, den er natürlich nicht umsonst be⸗ kam. Die Spekulation schlug gut ein, und seine Frau bekam eine große Achtung vor ihm. Hatte das mit ihr erheiratete Geschäft schon eines bedeutenden Umsatzes sich zu erfreuen ge⸗ habt, so wuchs derselbe jetzt mächtig, und Meister Adersen stellte in der Wohnstube, von der man durch ein Fenster den Laden über⸗ blicken konnte, einen eisernen Geldschrank auf, in dem er seine Seele verschloß. Im Laden, wo seine Frau mit ihrem allmählig heran⸗ wachsenden Töchterlein in dessen schulfreien Stunden den Verkauf besorgte, mußte Alles blinken und blitzen, hinter diese Dekoration aber durfte man nicht schauen. Von der Sauber⸗ keit, die dort unter der Oberleitung der Frau einst geherrscht hatte, war bald jede Spur ver⸗ wischt; die Reinlichkeit kostete ja auch Geld. Nur in Bezug auf die Verpflegung blieb es beim Alten, denn hierin behielt die Frau die Hauptstimme, und ihr Herr und M'eister aß selbst gern gut und viel. Und so wie er in die Breite ging, so wuchs sein Selbstbewußtsein und das Gefühl seiner Ueberlegenheit über Andere. Gleich den meisten Menschen schrieb er sein Glück auf das Konto seines Verdienstes. Wenn nur die Anderen seine Ueberlegenheit ebenso bereitwillig anerkannt hätten, wie er selbst! Aber das war der Flecken in der Sonne seiner Zufriedenheit mit seinem Ich. Von den Verwandten seiner Frau, deren Gestalt sich ebenfalls im Laufe der Zeit artig rundete, ohne jedoch ihre Beweglichkeit zu beeinträchtigen, erfreute noch ein älterer Bruder sich des Daseins. Arr. Edgar Borrmann, Giessen Neustadt 112 Telephon 298 Eisenhandlung, Stahlwaren, Werkzeuge, Haus- und Küchengeräte⸗ Handlung Spaten Landwirtschaftl. Geräte , angen, Vogelkäfige Rasenmäher aagen und Gewichte Stehleitern Messerputzmaschinen 2— Herde und N 700 Draht t= u. Wri inen Petroleum⸗ u. Gaskocher ac n 7 5 e 175 chhack⸗ u. 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Der reiche Bäckermeister hätte den Pfahl gern aus seinem Fleische herausgezogen un d die„pauvre“ Verwandtschaft abgeschüttelt; aber das litt seine Frau nicht, welche die Kinder ihres Bruders liebte, und diese wieder ver⸗ götterten die Tante Karline, von der sie bei jedem Besuche mit Kuchen vollgestopft wurden. Otto Lebrecht, der älteste Bube des Malers und Erbe von dessen Charaktereigenschaften, wurde der Spielkamerad seiner um ein paar Jahr jüngeren Cousine Rosalie und blieb deren Freund selbst im Anstreicherkittel, in den er schlüpfen mußte. Der Junge wäre gern ein Kunstmaler geworden, aber woher die Mittel nehmen und nicht stehlen? (Fortsetzung folgt). Humoristisches. Aus einer Gerichtsverhandlung. Richter: „Und wie gelangen Sie zu den Mitteln, welche Ihnen eine so üppige Toilette ermöglichen?“ Angeklagte: „Aber Rudolf! Das fragst Du mich?“ Ein Schreckenskind.„Das ist aber nett von Euch, ihr lieben Kinder, daß ihr mich'mal besucht!“ Ja, weißt Du, Tante, der Papa schickt uns her, weil wir ihm zu viel Lärm machen! 75 Orden! Der Hofmarschall von Eulenburg Hat fünfundsiebzig Orden, Aus allen Ländern sind sie ihm So reich zu Teil geworden. Das Volk weiß nicht zu würdigen Der Orden hehre Pracht, Es weiß nicht, wieviel Diener man Für einen Orden macht. (Aus der„Frkftr. Volksst.“) Litterarisches. Das Märzheft der Sozialistischen Monats⸗ hefte(Berlin, Beuthstr. 2) enthält unter anderem: Max Schippel: Handelspolitische Kometenjahre.— Otto Hue: Ueber den Generalstreik im Ruhrgebiet.— Paul Kampfmeyer: Zur Kritik der philosophischen Grundlagen des Marxismus.— Dr. Ladislaus Gumplowicz: Das russische Kaisertum und die Revolution.— Bernhard Schildbach: Der korpo⸗ rative Arbeitsvertrag.— Dr. Hugo Lindemann: Die städtische Grundrente und ihre Bekämpfung.— Edmund Fischer: Die Frauenfrage.— Außerdem noch viele andere Artikel über sozialistische, politische und gewerkschaftliche Bewegung. Wilhelm Liebknecht. Sein Leben nnd Wirken. Unter Benutzung ungedruckter Briefe und Aufzeichnungen. Herausgegeben von Kurt Eisner Mit Porträts un Abbildungen. Preis 30 Pfg. 1E 9 Bemüht Parteifreunde! can ez nach besten Kräften für die immer weitere Verbreitung Eueres Blattes, der Mitteldeutschen Sonntags⸗Zeitung 0 Sees Konfirmandenstiefe! in jeder Preislage und reichster Auswahl, sowie Arbeiter-Schuhe und Stiefel, Sonntagsstiefel und alle sonstigen Schuhwaren in den besten Qualitäten zu den billigsten Preisen empfiehlt Justus Benner, Giessen Marktstrasse 34. Reparaturen in eigener] Werkstätte rasch, gut und billig. Aefer tigung nach: Muss. Sosse sss J ĩͤ KV Seite 8. * Mitteldeutsche Snuntacs⸗ Zeitung No, 11. Autenstehende Zahlen lind nicht etwa aus der Ses 2222 L I ft SSA gegriffen, sondern sind ein Auszug aus dem Inventar welches zum Zweck der Steuerveranlagung aufgenommen. Es sollen unbedingt verkauft werden: 2026 Hosen jeder Art und Grötze. von Mk. 1.50 an, SiS Anzüge jeder Ant„ 8„, Schwerste Buxkin⸗ Anzüge„„ 10.—„ Kammgarn⸗ und. 5%%%%ͤ; b? 650 Paletots, Havelocks und Capes: Gute Flocone⸗ u. Double⸗Palctots mit Futter u. 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Schönste Kartoffel dlz glb: Sie wurde von keiner bis letzt 1 5 1 1 1 4 1 1 1 7 1 1 —— ————