S 2— 2— rr zum N nd Mk hren des tigt vin⸗ ürzt ohlt 0 2— — — . Gießen, den 11. Juni 1905. 12. Jahrgang. Nr. 24. Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Mitteldeutsche SonntagsZeitung. Redaltionsschluß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. Abonnementspreis: Bestellungen 1 Juserate 2 Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt. Aus träger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Erpedition in Gießen, Rittergasse 17, die Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindestens Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Postanstalt und 4 mal. Bestellung gewähren wir 25%% bei 6 mal. Bestellung die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 5107) 33 ¼% und bei mindestens 2 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Ii allgewalt'gen alten Römerreiche, Das breit sich lagerte um's Mittelmeer Und den Besitz der ganzen Welt verdaute, In einem Winkel, der zu großem Ruhme Als Allerletzter kaum berufen schien, Von Männern, deren armer Stand und Name Zu keiner Ehre wird und keiner Macht, Geschah das Wunder. Da standen sie und predigten begeistert Von einem Gpfer menschlichen Gerichtes, Von jenem Schreinerskind aus Judenstamm, Des edles Herz von Staat und Priesterschaft Verkanmt, verhöhnt, verfolgt am Kreuz verblutet. In allem Festesprunk und Völkertrubel, Dor hohen Herrn und schaubegier'ger Menge Sie predigen von ihm. Und mag der Spott von Trunkenheit auch witzeln, Mag auch der Priester giftig bohrend blicken, Der Schriftgelehrte mit den Achseln zucken, Der Römer lachend auf den Bauch sich schlagen, Sie predigen von ihm. Das sprüht wie Seuerfunken! Ihre Worte Von inn'rer Glut getrieben flammen auf, Ein heißer Regen! Sieh', und hier und dort Da findet sich ein lechzendes Gemüt. In dem ein Scho prasselnd sie entzünden. Da werden Augen glänzend, Mienen leuchten, Und Herzen schlagen wärmer, schlagen höher, Auf Adlers Schwingen hebt sich der Gedanke, Und immer heller flammt die Glut der Rede, Und immer fester schließt sich die Gemeinde, Sie bleibt zurück, da sich der Schwarm verläuft. Ein Bruderbund. Nun teilt er Hab und Gut, und Lust und Leiden, Inmitten einer altersgrauen Welt Den Anfang einer neuen kühn gestaltend, Wo alle zeitlich äußer'n Schranken fallen, Wo nur die Seele gilt, und jede Seele Und der Verklärte sollte wiederkehren, Sein Reich den treuen Jüngern zu begründen. Den Todesschatten ihnen selbst zerstreuend, Und ihrer Feinde Heere niederschmetternd. Er kehrte nicht zurück. Ein längres Leben war der Welt beschieden, Als sie sich dachten, und das Todesrätsel, Uns ist es nicht so einfach mehr gelöst. Doch eines blieb, das Siel! Das Siel, das jene schauten, Das glänzt auch heut' noch aus Prophetenaugen, Das läßt auch heut' noch Herzen rascher schlagen Und immer neue, neue Gpfer bringen: Der Bruderbund der Menschen und der Völker, Wo alle zeitlich äußern Schranken fallen, Wo nur die Seele gilt, und jede Seele Und dafür denken, schaffen, sorgen, leiden, Das gibt allein dem klein begrenzten Ich Den stolzen Anspruch auf die Swigkeit. Für dieses Siel gehn unsre Werbeboten, In rauchiger Fabrik, auf staub'ger Straße, In dumpfer Hütte, weihelosem Saal Der Menschheit heil'ge Rechte zu verkünden, In Arbeitstieren Seelen wachzurufen Und aus dem trägen Herdentrieb und Schlafe Persönlichkeiten, Menschen, aufzurütteln. cose Pfingsten. Su sprengen gilt es alle starren Bande Die auf gesunden Geistes Wachstum drücken, Veraltete, zu eng gewordene Schranken Und kalter Selbstsucht Rücksichtslosigkeit. Wir brauchen Freiheit! Freiheit zur Entfaltung Der starken, guten Kraft, die in uns lebt, Der Menschenwürde, die in Staub getreten, Nur kümmerlich noch Blatt und Blüte treibt. Die tönernen Kolosse müssen fallen. Wir lassen uns von keiner Kerze blenden, Wo uns die Sonne führt, die Sukunft ruft. Schon spürt die Seit ein Beben, und vergebens Putzt ängstlich ihre alten Götter sie Mit doppeltem Theaterpomp heraus, Unsicher greifen die Gewaltigen, Bald nach der Peitsche, bald nach der Schalmei. Der Glaube, der den Galgen überlebte Der keinem Spott und keinem Haß erlag, Den keine leere Freundlichkeit betörte, Der keinem Herren dieser Welt sich beugte, Der eigner Täuschung kraftvoll sich entwand, Wird seines Weges unbeirrbar schreiten. Getragen von Millionen bricht er doch An's Licht hervor einst, wie das Leben selbst, Das jeden Frühling in den Binden drängend Die eng geword'nen Hüllen sich zerreißt. Es muß der Geist zum Herrn des Stoffes werden, Muß über jeden Gegner triumphieren, Die Selbstsucht muß in die Gemeinschaft münden, Das ist die große Suversicht der Pfingsten! K. Die Apostel. Am fünfzigsten Tage nach der Auferstehung ihres Meisters— so meldet das zweite Kapitel der Apostelgeschichte— saßen die Jünger Christi einmütig bei einander, als sich brausend über sie von oben her der heilige Geist ergoß, und sie, klein, beschränkt, unwissend zuvor, in allen Sprachen ihrer Welt mit feurigen Zungen zu predigen begannen. b Man mag von den Wundern der Heiligen Schrift wie immer denken; sicherlich haben die Spötter, die da meinten, die Herzensergüsse feuchtfröhlicher Brüder zu vernehmen, nicht Recht behalten. In der Stärke und der Vor⸗ trefflichkeit der Männer war die Gewalt nicht gelegen, an der die Waffen der griechischen Philosophen gleichwie die Folterwerkzeuge rö⸗ mischer Cäsaren kraftlos zersplitterten. Nicht als siegende Eroberer treten Gott und Heilige des neuen Testaments auf; ebensowenig wie die Apostel ist Jesus auf feinem Erdenwege ein „Uebermensch“ gewesen. Eine Geschichtsauf⸗ sassung, die alles Gewaltige, davon uns die Menschheitsgeschichte erzählt, auf kraftgeniale Heldennatur zurückzuführen strebt, kann die Tatsache des Christentums nur durch Wunder erklären, will es sie nicht als eine Entgleisung aus vorgeschriebenen Bahnen zähneknirschend verdammen. a Das erste Wunderwerk einer weltumspan⸗ nenden Organisation ist von den vielen errichtet worden, von den vielen, die fähig sind, zum bergeversetzenden Glauben, fähig zur Begeisterung, fähig zu unerschütterlichem Wagemut in der Verfolgung erfaßter Ziele. Von allen den mannigfachen Berührungspunkten zwischen der Entwicklung des Christentums und der des Sozialismus ist vielleicht dieser der wichtigste, daß beide das Wesen der menschlichen Geschichte nicht in den Willensäußerungen und Willens⸗ konflikten einzelner Persönlichkeiten, sondern in einem höheren Unpersönlichen suchen, mag man es die Gottheit oder die Naturnotwendigkeit der Entwickelung heißen. Name ist Schall und Rauch. Von den Kanzeln wird es zu Pfingsten ge⸗ sagt, daß die Zeit der Wunder noch nicht vor⸗ über sei: Wenn sich Morgens strahlend rot das Tagesgestirn über die Wolken hebt, Baum, Strauch und Gras sehnsüchtig sich ihm entgegen⸗ dehnen, wenn sich im stillen Nest hoch oben am rauschenden Gipfel das heimliche Werk der Liebe vollzieht und aus der toten Kalkhülle warmbewegliches Leben hüpft, vollzieht sich da nicht ein leibhaftiges holdes Wunder vor unseren Augen? Gut denn, es sei! Laßt uns dann aber auch unser Pfingstwunder gelten! Die ewige gewaltige Macht, deren Wirken in jedem neuen Frühling sich wunderbar enthüllt, sie wirkt nicht minder gewaltig im Werden des Menschenge⸗ schlechts als im Werden der übrigen Natur. Nein, gewaltiger noch denn uns hat sie die süße berauschende Macht des Wortes gegeben, uns hat sie die Welt der Gedanken erschlossen, Zeit und Raum hat sie unseren Geist überfliegen gelehrt. Was tut es, daß ihre Apostel heute mit anderen Worten ihre Heilsbotschaft ver⸗ künden, als sie es vor eintausendneunhundert Jahren taten? Auch Petrus fählte sich, da er die erste Pfingstpredigt hielt, nicht als ein Schaffender, sondern als ein Verkünder. Das Geheimnis, daß Schaffen und Verkünden eines sei, war ihm nicht aufgegangen. Was werden sollte, erschien ihm einfach als das Notwendige, das ward, ohne daß man es wollte, ohne daß man es sagte. Abermals sehen wir die Extreme des trocken⸗vernünftigen Materialismus und begeisterter Religiösität hart zusammenstoßen. Kein Raum bleibt zwischen ihnen für die Auf⸗ fassung, daß Herrscher, Kanzler und Generäle bevorzugte Werkzeuge Gottes seien. Für den Alliirten von Roßbach und Dennewitz ist da kein Platz; er ist vielmehr ein direkter Abkömm⸗ ling der Heidengötter, die, vom Olymp herab⸗ steigend, für und wider Ilion Partei ergriffen, die Wunder der Weltgeschichte sind keine Unter⸗ brechungen des natürlichen Entwickelungsganges, sondern nur seine ruhig und stetig wachsenden Erscheinungsformen. Der Gedanke, Verkünder dessen zu sein, was werden muß, hat jenen wie uns die ruhige Gewißheit des Sieges und die Fähigkeit ge⸗ geben, uns im Glanze unseres künftigen Be⸗ sitzes zu sonnen. Zwischen toller Verzweif⸗ lungstat und stumpfem Geschehenlassen schwankt der Wankelmütige und Unsichere, das begetsterte Wort, die begeisterte Tat entspringt der ruhigen sicheren Gewißheit. Nie aber noch sind Wort und Tat so ganz eines gewesen, wie zur Zeit der Stiftung der christlichen Kirche und zur Zeit der erwachenden sozialistischen Bewegung. Das Christentum mußte seine Pfingsten haben, um zu werden, was er geworden ist. Wie einst den Römern der siegbringende Schild, ist den Aposteln in der Ausgießung des heiligen Geistes ihre einzige Waffe vom Himmel ge⸗ fallen und ihre beste: die Beredsamkeit. Wohl denn, auch wir erleben heute und täglich . n ——— r n — r 2 ————ůů—— — 3 — — ——ññ ͤ—ü— * r — „ Seite 2. 0 Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 24. unser Pfingsten! Auch in unseren Tagen hat ein neuer heiliger Geist einer armen, gedrückten, unwissenden Menge Begeisterung und feurige Zungen gegeben. Spottet der Apostel nicht! Sagt, ste seien Rasende, Verzückte gewesen, ihr könnt ste damit nicht schmähen. Nur Raserei kann wähnen, die Vollkommenheit zu erreichen, nur die Voll⸗ kommenheit anstrebend kann sich das menschliche Geschlecht über die ttefsten Stufen der Unvoll⸗ kommenheit erheben. Spottet der Apostel nicht! Sie sind stärker als ste selber glauben, und ihre Worte sind gewaltigere Werke als es die Heldentaten bewaffneter Heere sind. Die wissen⸗ schaftlichen Fehler, die kritische Gemüter den geistigen Heroen des Sozialismus nachzuweisen bemüht sind, sind ihre genialsten Taten gewesen; mit„Wenn und Aber“ und„Wer weiß, ob nicht..“ hat niemand noch die Welt nur einen Schneckenschritt emporgezogen. Nur der Vor⸗ wärtsstürmende erhält den Kranz; nur die Apostel bleiben Sieger. E. F. Die Gemeindesteuer-Reform in Hessen. III Wir haben in unseren früheren Artikeln nachgewiesen, wie bei den drei Vermögenssteuer⸗ arten die Gemeindesteuerpflichten zur Tragung der Gemeindelasten herangezogen werden und wie schließlich der Ausschuß der Zweiten Kammer noch kapitalistenschonungslüsterner war als die Regierung. 5 Sehen wir uns nun die eigentümlichen Verhältnisse etwas näher an, welche bei Heran⸗ ziehung der Einkommen zur Gemeindesteuer ins Auge fallen. Dabei ist zunächst festzustellen und hervor⸗ zuheben, daß bei der Steuer vom Einkommen für die Gemeinden ganz, und bei der Steuer vom Vermögen, das Leistungs⸗ und Gegen⸗ leistungsprinzip bis zum gewissen Grade völlig nebenhingesetzt ist, und das Prinzip der Leist⸗ ungsfähigkeit zur Geltung kommt. Bisher wurde bei der Gemeinde⸗Einkommen⸗ steuer auf Grund der alten Gesetzgebung nur die Hälfte des Einkommens bei Berechnung der Steuer zu Grunde gelegt, während für die Grund-, Gewerbe⸗ und Kapitalrentensteuer der ganze Betrag zur Versteuerung kam. N Dieses Verhältnis muß, sobald man an der Einkommensteuer für die Gemeinde fest⸗ halten will, beibehalten werden, weil sonst gerade die Arbeiter und kleinen Leute mit geringem, völlig unfundiertem Einkommen be⸗ deutend stärker belastet werden würden, als dies zur Zeit geschieht. Nur wenn man sich dazu entschlossen hätte, durch eine besondere Skala mit entsprechend stark steigen⸗ der Progression, Einkommen, Ver⸗ mögen und Erbschaftsheimfälle auch für die Gemeinde zu besteuern, hätte eine Aenderung hinsichtlich der Quote, mit der die Einkommen in der Gemeinde zur Besteuerung herangezogen werden könnten, eintreten können. Unter dem Zeichen der Beibehaltung der Real⸗ steuern jedoch— und etwas anderes ist das neue System eigentlich nicht— kann an dieser Quote nichts geändert werden ohne Benach⸗ tetligung der großen Masse der Gemeindesteuer⸗ pflichtigen, die nur auf ein Einkommen aus ihrer Arbeitskraft angewiesen sind und weder aus einem Gewerbe, noch aus Grundbesitz und Kapitalvermögen irgend welches Einkommen zu verzeichnen haben. Und da die Staatsregierungen ausgesproche⸗ nermaßen darauf bedacht find, die Leistungs⸗ fähigkeitssteuern vom Einkommen, Vermögen und Erbschaft möglichst allein auszunutzen, so erklärt sich auch der Standpunkt der hesstschen Regierung, die sonst unumwunden zugibt, daß das System der Besteuerung nach der Leistungs⸗ fähigkeit das beste ist. Sie behält das Real⸗ steuersystem unter veränderter Ausnutzung des⸗ selben für die Gemeinden bei, um dadurch freiere Hand für die Bedürfnisse des Staates zu haben. Da nun aber in fast allen Gemeinden, je nach deren besonderen wirtschaftlichen Entwicke⸗ lungen, der Anteil der Realsteuern und der Einkommensteuer an dem erforderlichen Gesamt⸗ steuer⸗Aufkommen verschieden ist, so mußte man auch in diesem Gesetzentwurf im Rahmen dieser stark von einander abweichenden Verhältnisse eine Norm suchen, welche Geltung haben soll. Und so kam man im Artikel 33 zu folgender Fassung: 8 Die Höhe der Steuerausschläge wird all⸗ jährlich auf Grund der hierfür von den Steuerbehörden zu liefernden Unterlagen durch die Gemeindevertretung bestimmt und bedarf der Genehmigung des Ministeriums des Innern. Für je 1 Pfennig der nach Maßgabe des Artikels 32 Abs. 1 zu erhebenden Steuer vom Grundbesitz, Gewerbebetrieb und Kapital⸗ vermögen sind mindestens 3,5 Prozent und höchstens 7 Prozent Ausschlag auf die Ein⸗ kommensteuer zu bilden. g Soll durch die Festsetzung das im vorher⸗ gehenden Steuerjahr P hend Verhältnis zwischen dem Gesamtbetrag der Einkommen⸗ steuer und dem Gesamtbetrag der Grund⸗, Gewerbe- und Kapitalvermögenssteuer zu Ungunften der Einkommensteuer geändert werden, so kann die in Abs. 1 bezeichnete Genehmigung nicht ohne Zustimmung unseres Ministeriums der Finanzen erteilt werden. Nun entspricht aber die Verschiedenheit der Einkommensteuerquote den übrigen Steuern gegenüber in den Gemeinden nicht immer dem im Artikel 33 beabsichtigten Verhältnis. Und so sagt man denn in Artikel 35 Abs. 4, daß durch Ortsstatut, wenn besondere Verhältnisse 1 Gemeinde es rechtfertigen, bestimmt werden ann, daß das Verhältnis zwischen Einkommen⸗ und Grund⸗, Gewerbe- und Kapitalvermögens⸗ steuerausschlag in anderer Weise festgesetzt wird, als dies in Artikel 33 bestimmt ist. Der Ausschlag an Einkommenstener darf jedoch 8 Prozent auf 1 Pfennig der letzten Steuer nicht übersteigen. Daß diese komplizierten Berechnungen ohne Mitwirkung der Steuerbehörden von den meisten Gemeindevertretungen nicht bewältigt werden können, liegt auf der Hand und so erklärt sich denn auch die doppelt, ja dreifach festgelegte staatsbehördliche Mitwirkung. Und trotz alle⸗ dem scheint man der Geschichte im Ministerium doch noch nicht recht zu trauen, denn der Artikel 34, der zunächst bestimmt, daß über die Aufbringung des Staatsbedarfs die Gemeinde bei Aufstellung des Gemeindevoranschlags Be⸗ lbsat zu fassen hat, sagt in seinem letzten atz: Kommt bis zu dem dem Rechnungsjahr, für das die Veranlagung erfolgt, voraus⸗ gehenden 31. März ein gültiger Beschluß nicht zu stande, so wird die Einkommensteuer mit dem gleichen Ausschlag wie im vorher⸗ gehenden Steuerjahr zu den Gemeindeumlagen herangezogen. Man will seitens der Regierung etwaige Versuche, das einfache Einkommen höher zu belasten, als nach der bisherigen Veranlagung geschehen ist, von vornherein unmöglich machen und zwar mit Rücksicht auf das Interesse, welches sie gerade an der Ausnutzung der Ein⸗ kommen zu steuerlichen Zwecken hat. Es ergibt sich somit, daß der Regierungs⸗ Entwurf auf dem Doppel system der Leist⸗ ungsfähigkekt der Steuenpflichtigen einer⸗ seits und der Leistung der Gemeinden für die einzelnen Steuerzahler und der Gegenleistung dieser den Gemeinden gegenüber, auf⸗ gebaut ist. Die Regierung hält dies Doppelsystem für das passendste für die Gemeindesteuern; wir sehen darin ein bedenkliches Festhalten an ver⸗ alteten Grundsätzen, wodurch die wirklich leistungsfähigen Gemeindeglieder nicht dieser Leistungsfähigkeit gemäß zur Tragung der Gemeindelasten herangezogen werden, was ganz von selbst zur Folge hat, daß die weniger leistungsfähigen Gemeindeglieder höher heran⸗ gezogen werden, als ihrer tatsächlichen Fähigkeit entspricht. Und trotz aller dieser Mängel ist das jetzt angestrebte System der Besteuerung von Grund f und Gewerbe immer noch besser als das zur Zeit geltende, welches, vor zirka 80 Jahren geschaffen, fast noch genau so angewendet wird, als damals im Anfang des vorigen Jahrhunderts. 1 Politische Nundschau. Gießen, den 8. Juni 1905. Die„Edelsten“ f und die Reichserbschafts teuer. Die preußischen Herrenhäusler debattierten am Samstag über die Reichserbschafts⸗ steuer. Dabei hielt ein Graf York v. Warten⸗ burg die fällige Ueberjunkerrede. Die Erb⸗ schaftssteuer will er nur zulassen, wenn vorher die Vermögenssteuer— und vielleicht auch die Einkommensteuer— aufgehoben wird. Nach einigen scheinheiligen Redensarten über die Grausamkeit, den Schmerz der Kinder über den Verlust der Eltern durch eine Steuer zu vermehren, bekannte er sich auch für seine Person zum Prinzip der Steuerhinter⸗ ziehung: er und seine Standesgenossen wollen durch Schenkungen unter Lebenden den Ertrag der Erbschaftssteuer möglichst ver⸗ ringern. Außer den Junkern soll auch noch der Staat Preußen behalten was er hat, seine Erbschaftssteuer. Auch dieser preußische Patriotismus hat bei den Herrenhäuslern ein unmittelbares materielles Interesse zur Grundlage; denn die preußische Erbschaftssteuer ist so niedrig, wie sie im Reiche nie ausfallen wird. Diese Argumente über⸗ zeugten natürlich das hohe Haus, so daß es in seiner übergroßen Mehrheit dem Antrage des Manteuffel gegen die direkten Reichssteuern zustimmte.— Die„Edelsten der Nation“ sind 1 bereit zu nehmen, niemals zum Steuer⸗ zahlen. „Fürst“ Bülow. Gelegentlich der am Dienstag stattgefundenen Hochzeit des preußischen Kronprinzen hat Vielen die kaiserliche Gnadensonne geleuchtet, ver⸗ schwenderisch find Orden und Titel ausgeteilt worden. Reichskanzler Graf Bülow wurde zum Fürsten gemacht. Seine Politik wird deshalb allerdings nicht mehr taugen als bisher. Wie's den Kriegern in Afrika geht ist aus dem Briefe des in Südwestafrika ver⸗ storbenen Reiters Karl Eisenmann ersichtlich, den der Backnanger Volksfreund veröffentlichte. Dattert ist der Brief vom 24. Februar und es heißt darin: „Wir bekommen hier sehr wenig Pro- viant, nur halbe Portion statt ganze, was wir bekommen sollten. Wir haben hier schon einmal 5 Tage nichts als Fleisch und Wasser gehabt, da war es bald fertig mit uns. Wir laufen hier noch lumpiger herum als draußen die Zigeuner. Hier macht man richtig gesagt eine Hungerkur mit. Hier be⸗ kommt man nicht einmal seine volle Portion, was jedem Manne zusteht, viel weniger Liebes⸗ gaben, welche draußen immer gesammelt werden. Wir haben hier noch keine Liebesgaben gesehen, und draußen denken die Leute wunder, was wir alles bekommen. Man läuft hier herum wie lebende Skelette. So geht es uns in Südwestafrika. Sagt man ein Wort zuviel wegen dem Fressen, so wird man ein paar Stunden an ein Geschützrad gebunden, von 11 bis 1 Uhr, in der staͤrksten Sonnenhitze; das nennt man auf deutsch„Preußische Diszi⸗ plin“. In unserer Batterie stürzte einmal ein Führer auf dem Marsche bei Nacht, als es dann der Oberleutnant Sch. sah, sagte er, hat denn der Schuft das Genick nicht ge⸗ brochen? Sie brauchen aber noch viel schlimmere Ausdrücke. Und mit solchen Men⸗ schen soll man ins Gefecht ziehen!“ Die Militärverwaltung hätte hier wohl die Pflicht, eine Untersuchung über die Behandlung der Leute anzustellen. Eine Polizeitat in Breslau. Am Samgatag Abend umstellten sechs Kri⸗ minalbeamte das Lokal unseres Parteiblattes keil uf wal hie ach lich Wil. 187 Wen Leu ber fan din sind und wor wer! ——⅜— S 2 2 2 4. fur hren nir, elt. arten fts⸗ kten⸗ Erb⸗ her die Nach die über E zu selue ter⸗ ollen den ber⸗ noch seine t hei ielles ische leiche über⸗ b ez trage euern nd er⸗ enen ielen ver⸗ etellt urde wird her. eht ber⸗ ichte. Id es Pro- 1605 f aer Wir als man f be⸗ io ebes⸗ dell. ehel, bas rum 1.— — ee eee eee eee Nr. 24. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. Seite. der„Volkswacht“, in Breslau. Sie be⸗ schlagnahmten die Exemplare der Nummer des Blattes, in welcher eine Rede des Genossen Bernstein über den politischen Massen⸗ streik enthalten ist. Sie suchten auch nach der angekündigten Broschüre über denselben Gegenstand, ferner suchten sie die Person Bern⸗ steins selbst in dem Hotel, in welchem er seinen Aufenthalt gehabt hat, bevor er wieder nach Berlin zurückkehrte. Die Polizei fand 108 Exemplare und die Matrizen der betreffenden Nummer. Die Beschlagnahme ist angeorduet, weil Aufreizung zum Klassenhaß vor⸗ liegen soll. Was in dem Bernsteinschen Vor⸗ trag eigentlich staatsgefährliches enthalten sein soll, hat bis jetzt noch niemand herausbekommen. Breslau liegt aber nicht weit von der russi⸗ schen Grenze. Wie leicht man zu einer Majestäts⸗ beleidigung kommen kann. Die Hildesheimer Strafkammer verur⸗ teilte kürzlich den epileptischen Fabrikarbeiter Hache aus Hildesheim, der in betrunkenem Zustande bei einem Kaiserhoch sitzen geblieben war, wegen Majestätsbeleidigung zu vier Monaten Gefängnis. Es wird also nächstens bestimmt so kommen, wie ein prophe⸗ tisches Witzblatt schon vorausgesagt hat. Man wird bald auch die Invaliden, denen Anno 1870 beide Beine abgeschossen wurden, einsperren, wenn stie sich beim Kaiserhoch nicht erheben. Leute aber, die im Besitze gesunder Beine sind, werden gut tun, das Sitzen überhaupt zu ver⸗ meiden, da man ja nie weiß, wie, wann und wo zufällig ein Kaiser hoch ausgebracht werden kann. Mag sich auch jeder hüten, im Schlafe eine Majestätsbeleidigung zu begehen! Die Landtagswahlen in Bayern sind nunmehr durch eine Verordnung festgesetzt und der gegenwärtige Landtag ist aufgelöst worden. Die Urwahlen sollen am Montag, den 10. Juli, die Abgeordnetenwahlen am Montag, den 17. Juli, vorgenommen werden. Eine Reichstagserfsatzwahl fand im hannöverschen Wahlkreise Hameln⸗ Springe statt, der bisher nationalliberal, zu⸗ letzt vom Baurat Wallbrecht vertreten war. Es erhielten Stimmen: unser Genosse Brey 7812, der Nationalliberale 8189, der Welfe 4964, der Bündler 3739. Es findet Stichwahl zwischen dem Nationalliberalen Hausmann und Brey statt. Unsere Stimmen sind leider um fast 1500 zurückgegangen. Das erklärt sich vermutlich aus dem Umstande, daß viele Ar⸗ beiter, die auf dem Lande wohnen und in den entfernteren Großstädten beschäftigt sind, nicht zur Wahl nach Hause gingen. Die Stichwahl findet am 8. Juni statt und bietet für uns natürlich gar keine Aussichten. Ersatzwahl in Essen. Der Zentrumsabgeordnete Stötzel, Ver⸗ treter des Wahlkreises Essen ist vorige Woche 1 storbe n. Die deshalb notwendig werdende rsatzwahl beansprucht das Interesse unserer Partei in besonderem Maße. Von 1871 bis 1893 war der Kreis Besitzstand des Zentrums, 1893 fiel er an die Reichspartei und seit 1898 war er wiederum durch einen Zentrumsabge⸗ ordneten vertreten. Bei der letzten Wahl rangen drei Parteien um den Sieg, neben unsrer das Zentrum und die Reichspartei. Im ersten Wahlgang erhielten wir von 80 368 abge⸗ gehenen Stimmen 22 773, das Zentrum 35 129 und die Reichspartei 20819; in der Stichwahl wurden für unsere Partei 32 632 und für das Zentrum 39 016 Stimmen abgegeben. Die Verhältnisse in dem Kreise haben sich seit der letzten Wahl noch zu unsern Gunsten verschoben. Der Bergarbeiterstreik und die Berggesetzuovelle haben den Bergarbeitern gezeigt, was sie vom Zentrum als arbeiterfreundliche Partei zu halten haben. Diese Situation wird von unsrer Seite so ausgenutzt werden, wie es das Gebahren des Zentrums verdient. Jedenfalls ist diesem eine Nachwahl in jenem Bezirk besonders un⸗ angenehm. Die Revolution in Rußland breitet sich infolge der russtschen Niederlagen im ostastatischen Kriege immer weiter aus. Das Volk verlangt überall die Einstellung des blutigen und opferreichen Krieges. Am Freitag Abend kam es in der Petersburger Vorstadt Liesnoi zu einem heftigen Zusammenstoße der Arbeiter mit der Polizei. 15000 Arbeiter zogen mit roten Fahnen, revolutionäre Lieder singend, zum Gebäude des Technischen Instituts, welches ganz mit roten, revolutionäre Inschriften tragenden Fahnen beflaggt war. Als die Ar⸗ beiter sich dem Institut näherten, erschienen Kosaken und berittene Polizei. In dem Getümmel hieben die Kosaken mit Säbeln auf die Arbeiter ein, die sich mit Stöcken und Steinen verteidigten. Das Getümmel dauerte etwa eine Stunde. 12 schwer verwundete Arbeiter blieben auf dem Platze zurück, außerdem etwa 40 Leichtverwundete. Von der Polizei und den Kosaken sind etwa 15 verwundet. Von oben herunter wurde zwar schon un⸗ zähligemal die Einberufung einer Volks- vertretung versprochen, die als die einzige Rettung aus dem Wirrwarr angesehen wird. Es ist aber noch nicht das Geringste in dieser Richtung geschehen; das Volk wird damit nur betrogen. Dagegen ist der General T rep o w zum Polizeiminister ernannt und ihm diktatorische Gewalt übertragen worden. Kleine politische Nachrichten. „Kulturtaten“ in Südwestafrika. Wegen Ermordung eines Hereroweibes sind vier Reiter einer Patrouille in Deutsch⸗Südwestafrika anfangs zum Tode und auf ihre Berufung zu lang jährigen Zuchthaus⸗ strafen verurteilt worden.— Deutsche Rechts⸗ pflege. Wegen Kritik eines Urteils der Geschworenen in Altona, das vier Söhnchen„besserer“ Leute freisprach, die gemeinsam ein minderjähriges Mädchen vergewaltigt hatten, erhielt unser Genosse Waberski, Redakteur des„Hamburger Echo“ 600 Mk. Geldstrafe. Wir kommen auf diesen Fall noch eingehend zurück. Russisch⸗japanischer Krieg. Ueber die Vernichtung der russischen Flotte und den Seesieg der Japaner macht ein englisches Blatt folgende interessante Mit⸗ teilung: Das vereinigte zweite und dritte Geschwader gelangte in japanische Gewässer durch die Bashee⸗ Straße. Der kommandierende russische Admiral wollte gleich zu Anfang die japantschen Streit⸗ kräfte teilen, und er schickte seine schnellen Kreuzer voraus, damit diese die Tsuschimastraße von der Rhede von Saischiutau aus rekognoszierten. Das Gros des russischen Beschwaders veränderte seinen Kurs, wie wenn es zur Bashee⸗Straße zurückkehren wollte, aber am Saustag, 27. Mai, um 5 Uhr Morgens dampfte es mit zwölf Kilometer Geschwindigkeit in südöstlicher Rich⸗ tung durch die Straße von Korea nach Sai⸗ schiutau zu durch die Gewässer der Insel Iki. Jedes Schiff der Russen dampfte mit der größten möglichen Geschwindigkeit vorwärts, und das Geschwader bot ein eindrucksvolles, majestätisches Bild. Inzwischen lauerten die Japaner in der Nähe. Die Russen passierten die starke Strömung, die bei der Insel Iki vorbeigeht, und fuhren dann in rein nördlicher Richtung. Die Japaner waren für den Kampf bereit, und ihr nördliches Hilfsgeschwader ver⸗ stellte dem Feinde den Weg. Nun begann die große Schlacht. Die Szene war von schrecklicher Großartigkeit. Die Kanonen von fünfzig Kriegsschiffen wurden abgefeuert. Die Taktik des Geschwaders Roschdjestwenskis ver⸗ riet Zögerung, und das war die Einleitung zu völliger Verwirrung. Die Japaner sahen sofort, daß der Feind geschlagen war, und die Kon⸗ zentrierung ihres Feuers wurde nun wahrhaft höllenmäßig. Jede Kanone wurde auf die in der Sackgasse gefangenen Russen gerichtet. Lange Linien von Rauch schwebten wie Seewolken über das weite Wasser hin, untermischt von den Blitzen der Artillerie. i f Um acht Uhr Abends wurden die japanischen Torpedojäger und Torpedoboote vorgeschickt, und es gab kein Rückwärts mehr. Wte eine große Heuschreckenwolke eilten diese kleinen Fahrzeuge vorwärts. Die See war besät mit den bleichen Strahlen zahlreicher Scheinwerfer. Die Arbeit des Tages war vorüber, die Arbeit der Nacht begann. Die großen japanischen Kriegsschiffe deckten den Angriff. Unter den Geschossen der großen Kanonen eilten die win⸗ zigen Fahrzeuge heran, um die feindlichen Schiffe zu stechen und zu versenken. Die rus⸗ sischen Schiffe erwiderten das Feuer immer noch, und eine Seeschlacht fand statt in der Nacht beim Lichte der Scheinwerfer, die die Verdecke bestrichen, und beim Blitze der Kanonen. Nicht ein Augendlick der Ruhe unterbrach den Kampf. Und über Roschdjestwenskis Ge⸗ fangennahme erzählt der Führer des japa⸗ nischen Torpedobootzerstörers„Murasame“: „Ich lag mit meinem Schiffe nebst andern Zerstörern ziemlich weit hinterwärts der eigent⸗ lichen Schlachtlinie und konnte eine ganze Wetle ungestört beobachten, wie kläglich die Russen schossen. Ihre meisten Granaten flogen hoch im Bogen über die Schiffe, denen sie galten, hinweg und fielen in unserer Nähe ins Wasser. Aus einer Entfernung von 2000 Meter konute ich beobachten, wie der„Knjäs Ssuworow“ von einem 18zölligen Whitehead⸗ Torpedo am Stern getroffen wurde; von da ab verdoppelte sich die Gewalt des auf ihn konzentrierten Granatfeuers, seine brennenden Masten stürzten krachend über Bord. Von seinen Schornsteinen standen nur noch zersplitterte Stümpfe, als wir ein weiteres Torpedo ab⸗ feuerten, daß den Maschinenraum traf und das Schiff zu schnellem Sinken brachte. Bis wenige Minuten, bevor es in den Fluten verschwand, war der russische Admiral, obwohl aus mehreren Wunden blutend, auf der Kommandobrücke sichtbar; erst im letzten Augenblick bestieg er mit acht andern Offizieren den Torpedobootszerstörer„Biedovy“. Seine Versuche zu entkommen scheiterten an einem Angriff des Zerstörers„Sassanamt“, dem es glückte, das Steuer des„Biedovy“ bis zur Unlenkbarkeit des Schiffes zu beschädigen. In dem Kampfe zwischen den beiden Zerstörern ward Roschdjestwenskt von neuem und noch schwerer verwundet.“ Das mit den„vielen Wunden“ kann nicht ganz stimmen, denn nach neueren Meldungen soll sich Roschdjestwenski im Hospital von Sa⸗ seho des besten Wohlseins erfreuen. Sieben⸗ tausend Sol daten aber liegen auf dem Grunde der japanischen See den Fischen zum Fraß. Grauenhafte Dinge, die sich auf dem von den Japanern eroberten russischen Kriegs⸗ schiffe„Orel“ abgespielt haben sollen, werden aus Totto berichtet. Es heißt, zu Anfang der Schlacht seien 300 Matrosen an Bord getötet oder verwundet worden und das Geschrei und Stöhnen der Verletzten habe einen so lähmenden Eindruck auf den Rest der Mann⸗ schaft ausgeübt, daß man sich zu der furcht⸗ baren Maßregel entschloß, die hoffnungslos Verwundeten, 140 an der Zahl über Bord zu werfen und die leichter Verwundeten um den Mast zu legen und mit Stricken an⸗ zubinden, sodaß sie den Kampf nicht weiter stören konnten. Ferner sollen Verwundete noch lebend in das Feuer geworfen worden sein; die Japaner hätten verkohlte Leichenteile in den Kesselfeuerungen gefunden. Derartiges ist bet den Russen schon möglich. Zu der Niederlage der russischen Flotte hat die Korruption im Zarenreiche nicht wenig beigetragen. Es wird berichtet, daß das Panzergeschwader Roschdjestwenskis während der Schlacht eine so geringe Widerstandsfähigkeit zeigte, weil es in Rußland nachlässiger Weise gebaut war. Die Panzerplatten ge⸗ währten fast gar keinen Widerstand, so daß die Panzer wie leichte Kreuzer zerschossen wurden.„Retwisan“ und„Zesarewitsch“ waren ausländischen Ursprungs und haben bei der starken Feuertaufe vor Port Arthur verhältnis⸗ mäßig wenig gelitten. Seite 4. Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 24. Von Nah und Lern. Hessisches. — Die Zweite Kammer tritt Mittwoch wieder zusammen, voraussichtlich zur letzten Tagung dieses Landtags. — Zum Gemeindesteuer⸗Entwurf. Der Bericht des Sonderausschusses der Zweiten Kammer für die Gemeindesteuer ist anfangs der Woche herausgekommen. Er stellt nebst den zahlreichen tabellarischen Anlagen einen stattlichen Band dar. Auf den Inhalt können wir nicht weiter eingehen, wir verweisen unsere Leser vielmehr auf die Artikel, die wir über diesen wichtigen Gegenstand brachten und die aus sachkundiger Feder stammen. Der Bericht ist vom Abg. Justizrat Gutfleisch erstattet. Gießener Angelegenheiten. — Fröhliche Pfingsten allen unsern Lesern und Parteigenossen! Man benutze auch die Feiertage des herrlichen Frühlingsfestes dazu, für unsere große Sache bei fröhlichem Zu⸗ sammensein zu arbeiten, dem heiligen Geiste der Menschenfreiheit und Menschenrechte immer mehr Eingang zu verschaffen! b — Ende des Schneiderstreiks. Die Anfangs der Woche in München zwischen dem Schneiderverbande und dem Arbeitgeber⸗ verbande stattgefundenen Verhandlungen haben zur Beseitigung der Differenzen geführt und am Mittwoch früh ist die Arbeit überall wieder aufgenommen worden. Für Gießen wurde vereinbart: f 1) In Gießen wird der erhöhte Tarif der Arbeitgeber gewerbegerichtlich festgelegt, der hiermit mit folgenden drei Aenderungen seitens des Zentralvorstandes des Allgemeinen Deutschen Arbeitgeberverbandes für das Schneidergewerbe und des Zentral vorstandes des Verbands der Schneider und Schneider⸗ innen anerkannt wird: a) Für die Hose mehr 20 Pfg. in der 2. Klasse. b) Für die schwarze Weste mehr 20 Pfg. in der 2. Klasse. c) Für die Stunde 35 Pfg. Bemerkungen: Bisher von einzelnen Firmen höher bezahlte Löhne werden aus⸗ nahmslos weiter bezahlt und festgelegt. 2) Der Verband der Schneider und Schneiderinnen hebt demgemäß den Streik in Gießen und sämtliche Solidaritätsstreiks auf; der Allgemeine Deutsche Arbeitgeber⸗ verband für das Schneider⸗Gewerbe beendigt die von ihm verfügten Aussperrungen gleich⸗ zeitig. Die beiderseitigen Reverse sind damit hinfällig. 3) Maßregelungen finden nicht statt. 4) Die Arbeit wird spätestens Mittwoch früh aufgenommen. 5) Mit Ausnahme abgereister Gehilfen sprechen die Gehilfen wieder bei der Firma vor, bei der sie vor der Bewegung beschäftigt waren. So ist der Kampf nun endlich vorüber, der 9177 zehn Wochen währte. Das Gteßener mtsblatt meint, daß dieser Ausgang einen Sieg der Arbeitgeber bedeute. Mit nichten. Wenn von einem vollen Erfolge der Arbeiter auch nicht gesprochen werden kann, so sind doch für Gießen diejenigen Tariferhöhungen erreicht worden, auf welche die Gehilfen das meiste Gewicht legten, von den Meistern aber am entschiedensten abgelehnt wurden. Am meisten fällt jedoch ins Gewicht, daß sich die Arbeitgeber vereinigung genötigt sah, mit der Organtsation der Arbeiter zu ver⸗ handeln, was sie vorher bestimmt ablehnte. Darin liegt ein nicht zu unterschätzender Er⸗ folg.— Die Gießener Schneider haben sich während des Kampfes recht tapfer gehalten, nur ein 1 wurde zum Streikbrecher. Sie haben den Wert einer guten Organisation kennen elernt und werden sie zu schätzen wissen. Sie lar gesehen, daß kein bürgerliches latt für ihre Interessen eintrat, das tat einzig und allein nur die Arbeiterpressel — Die Ortskrankenkasse hielt am Sams⸗ tag im Postkeller ihre General⸗Versammlung ab, welche den Geschäfts⸗ und mehrere andere Berichte entgegen⸗ nahm. Das Statut wurde u. a. dahin geändert, daß bereits vom 1. Tage der Erkrankung an Krankengeld gezahlt wird. — In eigener Sache. Im„Corre⸗ spondent“, dem Organ des Deutschen Buch⸗ druckerverbandes, befindet sich in der Nummer vom letzten Dienstag ein Bericht über eine Versammlung der Gießener Verbandsmitglieder, in dem folgende Sätze enthalten sind: „Das Schmerzenskind am hiesigen Orte, die sozial⸗ demokratische„Mitteldeutsche Sonntagszeitung“(Heppeler und Meyer) stand auch wieder auf der Tagesordnung. Auf die fortwährenden Tarisverletzungen, welche sich obige Firma zu schulden kommen läßt und mit welchen sich unsere Versammlungen seit Jahren beschäftigen, hier näher einzugehen, würde zu weit führen“. Dieser Satz ist dem betreffenden Bericht⸗ erstatter, wie er selbst und andere Buchdrucker zugeben, total verunglückt und geeignet, falsche Vorstellungen zu erwecken. Wir wüßten auch nicht, warum unserm Blatte die Rolle eines „Schmerzenskindes“ zugeteilt werden sollte, seine„Eltern“ können im Gegenteil mit Stolz auf ihr Kind und seine Entwickelung blicken. Auf die Einrichtungen und Verhältnisse in der Druckerei Heppeler& Meyer hat der Verlag der Mitteldeutschen Sonntags⸗Zeitung nicht den geringsten Einfluß; die geschäftlichen Verbin⸗ dungen zwischen beiden Teilen sind nicht andere als sonst zwischen privaten Geschäftsleuten. Und an diesem Verhältnisse hat der Verlag keine Veranlassung etwas zu ändern, so lange die Firma— gemäß des Vertrages— der Tarifgemeinschaft angehört. * Wegen Beleidigung des Polizeidieners Fink in Rödgen bei Nauheim wurde am Donnerstag gegen Redakteur Vetters und 3 Rödgener Einwohner verhandest. Die Verhandlung dauerte bis ½9 Uhr Abends und wird Samstag noch fortgesetzt. Ausführ⸗ licher Bericht folgt. Mordprozeß Hudde. Am Montag begann vor dem Gießener Schwur⸗ gericht die Verhandluug gegen den Metzgergesellen Oskar Hudde aus Schalke wegen Ermordung des Pfarrers Thöbes in Heldenbergen, sowie wegen verschiedener Einbruchsdiebstähle, die er in Gemeinschaft mit dem Zuschneider Otto Walter, gegen den zu⸗ gleich mit verhandelt wird, ausgeführt haben soll. Vorsitzender ist Landgerichtsrat Prätorius; die Staats⸗ anwaltschaft vertreten Oberstaatsanwalt Theobald und Staatsanwalt Hooß; Verteidiger sind Rechtsanwalt Jung für Hudde, Rechtsanwalt Spohr für Walter.— Der ermordete Pfarrer Thöbes bewohnte das Erdgeschoß des Pfarrhauses in Heldenbergen, eine Treppe höher wohnte die Haushälterin Kath. Sulzbach. In der Nacht rom 11. zum 12. November v. J., etwa gegen 12½ Uhr Nachts, vernahm die Haushälterin einen unterdrückten Schrei. Sie sprang aus dem Bett und öffnete das Fenster. Da jedoch Alles ruhig war, begab sie sich wieder zu Bett. Am Morgen des 12. November klopfte vom Garten aus der Küster am Fenster des Schlafzimmers des Pfarrers; er hatte den Befehl, den Geistlichen zu wecken, damit er rechtzeitig zur Frühmesse erscheine. Allein wie sehr er auch klopfte, der Pfarrer gab keine Antwort. Inzwischen war die Haushälterin heruntergekommen. Ihr Schreck war kein geringer, als sie sah, daß alle Türen, die sie am Abend vorher gut verschlossen hatte, weit offen standen. Sie rief, das Schlimmste befürchtend, eine Frau herein, die gerade, auf dem Gange zur Frühmesse begriffen, vorüberging. Beide Frauen betraten mit einer schnell angezündeten Lampe das Schlafzimmer des Pfarrers. Dieser lag, nur mit dem Hemde bekleidet, entseelt, quer über dem Bette, mit dem Kopfe nach der Wand. Die Bettwäsche war mit Blut besudelt. Ein eiligst herbeigerufener Arzt stellte fest, daß der Pfarrer tot und zwar ermordet worden war. Die Leiche wies acht Stichverletzungen auf; eine davon ging in den Hals und war 4 Zenti⸗ meter lang in den rechten Lungenflügel eingedrungen. Fünf Stiche waren in die Brust gedrungen. Ein Stich hatte die große Schlagader getroffen, zwei die Lunge durchbohrt. Einen Stich hatte der Pfarrer in die rechte Wange und einen in die rechte Hand, die er ossenbar zur Abwehr vorgestreckt hatte, erhalten. Die Stiche waren dem unglücklichen Pfarrer zweifellos mit einem großen Küchenmesser beigebracht worden, das der Mörder offenbar von der Küche in das Schlafzimmer mitge⸗ nommen hatte. Das Messer zeigte Streifen getrockneten Blutes, die den Eindruck machten, als sei das Blut mit den Fingern abgestrichen worden. Die Schränke des Schreibtisches waren aufgebrochen und die Schubladen herausgezogen. Auch alle anderen Kästen und Schub⸗ laden waren aufgebrochen. Es waren 200800 Mk. baares Geld, eine goldene Anker⸗Remontoiruhr nebst Kette, eine silberne Uhr mit sogenannter Peterskette, eln alter Revolver und einige Zigarren geraubt. Von dem Mörder fehlte zunächst jede Spur. Erst später verstärkte sich der Verdacht gegen Hudde, der endlich in Aachen am 10. Januar d. Is. verhaftet wurde, nachdem er in der Zwischenzeit eine Reihe von Einbruchsdiebstählen ausgeführt hatte. Der Mitange⸗ klagte Walter, welcher früher mit Hudde zusammen „reiste“, war kurz vor der Heldenberger Mordtat ver⸗ haftet worden.— Hudde bestreitet bei seiner Verneh⸗ mung, den Pfarrer ermordet zu haben, gibt aber zu, bei dem Einbruchdiebstahl im Pfarrhause beteiligt ge⸗ wesen zu sein. Den Mord habe vielmehr einer namens „Willy“ ausgeführt, den er auf der Landstraße kennen gelernt habe und mit dem zusammen er kurz nach Mitternacht in das Pfarrhaus eingestiegen sei. Nach⸗ dem sie vergeblich alle Räume des Erdgeschosses nach Geld durchsucht hatten, habe„Willy“ gesagt:„Ohne Geld gehen wir nicht heraus. Wir müssen Geld haben, nun gehen wir in das Schlafzimmer.“ Er, Hudde, habe dort in einer Schublade des Schreibtisches Geld gefunden. Währenddessen habe„Willy“, mit dem Küchenmesser bewaffnet, vor dem im Bette liegenden Pfarrer gestanden, um ihm, wenn er aufwache,„bange zu machen“. Durch das durch die Wegnahme des Geldes verursachte Geräusch sei der Pfarrer wach ge⸗ worden. Er habe sich erhoben und einen Schrei von. sich gegeben. Er, Hudde, habe auf den Pfarrer zu⸗ springen wollen, um ihn zurückzudrücken. Ehe er aber dazu kam, hatte„Willy“ den Pfarrer ermordet. Als⸗ dann haben sie Uhren, Ketten und Alles, was sie vor⸗ fanden, geraubt, sich an Speise und Trank gütlich getan, eine Flasche Wein geleert und sich danach auf demselben Wege, auf dem sie gekommen waren, entfernt. Auf der Chaussee, wo die Straße nach Windecken und Büdes⸗ heim abzweigt, haben sie sich getrennt. Sie hatten ver⸗ abredet, sich am nächsten Vormittag am Hauptbahnhof in Frankfurt a. M. zu treffen, er habe aber den„Willy“, dessen Familiennamen er nicht wisse, nicht mehr gesehen. Die Existenz dieses„Willy“ wird von der Anklage⸗ behörde bezweifelt und auch aus den Zeugenaussagen sowie aus den im Garten vorgefundenen Fußspuren geht hervor, daß nur eine Person als Mörder in Frage kommen kann. Trotzdem besteht Hudde fest auf seinen Angaben. Fast 50 Zeugen werden vernommen. Ueber⸗ einstimmend bekunden die aus Heldenbergen, daß am Tage vor dem Morde Hudde allein gesehen wurde, niemand hat ihn mit einem Begleiter gesehen. Als Zeugen treten u. a. auch mehrere Prostituierte aus Köln⸗ 8 auf, mit denen Hudde dort nach dem Morde verkehrte. Interessant sind die Darlegungen, die der Sachverständige Gerichtschemiker Dr. Po pp⸗Frankfurt über seine Unter⸗ 1 suchungen der Fingerspuren macht. Diese weisen nur auf Hudde hin und Popp glaubt deshalb mit an Sicher⸗ hett grenzender Wahrscheinlichkeit zu schließen, daß Hudde als alleiniger Täter in Frage komme. Die Plaidoyers nehmen den ganzen Donnerstag in Anspruch. Der Oberstaatsanwalt tritt für Bejahung der bei Hudde auf Mord lautenden Schuldfrage ein, während Verteidiger Dr. Jung die vorgeführten Beweise für einen Schuldspruch nicht fur genügend hält. Die Gee⸗ schworenen sprechen jedoch Hudde des Mordes schuldig sowie des schweren Einbruchsdiebstahls in fünf Fällen. Hudde wird darauf zum Tode, 12 Jahren Zuchthaus und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt. Walt er erhält 7 Jahre Zucht⸗ haus und Ehrverlust auf 10 Jahre. Hudde nahm das Todesurteil mit großer Ruhe entgegen. Aus dem Nreise gießen. r. Herr Leun auf Agitat on. Am Sonntag hielt Herr Landtagsabg. Leun eine Versammlung in Watzenborn bei Wirt Sommer ab. In seinem Vor⸗ trag über die Gemeindesteuer⸗Reform bemerkte er, daß er dabei als Mitglied des Ausschusses eine besondere Tätig⸗ keit entfaltet hätte,„um etwas Vorteilhaftes für die minderbemittelte Bevölkerung zu schaffen.“ Gen. Häuser wies in der Diskussion an Hand des ihm zur Verfügung stehenden Materials nach, daß an dem, was Herr Leun da habe schaffen helfen, nicht viel zu rühmen sei. Bei⸗ spieisweise habe er für die Befreiung der Rechts anwälte 1 von der Gewerbebetriebssteuer gestimmt.. Herr Leun gab zu, daß er hier nachgegeben habe, weil der Referent Abg. Gutfleisch gedroht habe, das Referat abzulehnen, wenn der Art. 8 im Ausschuß angenommen würde. Häuser erwiderte ihm, daß er doch etwas mehr Rückgrat 3 d habe zeigen sollen, für Gutfleisch wäre wohl noch Ersatz zu finden gewesen. daß er für die Befreiung ausländischer Rentner von der Kapitalvermögenssteuer gestimmt habe, weil man damit eine Lockspeise zur Hereinziehung von Rentnern nach Hessen habe, Demgegenüber bemerkte Häuser, dadurch habe man reichen Leuten Gelegenheit gegeben, sich drei Jahr von der Steuer zu drücken. Dies gab Herr Leun eben⸗ falls zu, doch suchte er die weitere Bemerkung Häusers zu bestreiten, daß die Tendenz dieses Steuergesetzes dahin ginge, die Reichen auf Kosten der Aermeren zu entlasten Im Weiteren gab Herr Leun zu, — —— 0 r e r N * 9 * 0 1 — — c.. Nr. 24. Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung. Seite 5. Ferner hielt unser Genosse dem Herrn Abgeordneten sein Verhalten zur Wahlrechtsvorlage vor. Warum habe er denn gegen das direkte Wahlrecht gestimmt? Abg. Leun erklärte, er sei kein Feind des direkten Wahlrechts, habe sich nur den„Luxus“ erlaubt, bei der ersten Beratung gegen die Vorlage zu stimmen. Häuser ver⸗ säumte nicht, diese Aeußerung gebührend festzunageln. Mit dem wichtigsten Rechte des Volkes dürfte ein Volks⸗ vertreter nicht ein solches Spiel treiben und sich den „Luxus“ erlauben, bald so und bald so zu stimmen; es bleibt die Tatsache bestehen, daß er gegen das direkte Wahlrecht gestimmt habe, weil bei direkter Wahl sein Mandat gefährdet ist, und wies das an den abgegebenen Stimmen nach. Bei der vorjährigen Abstimmung habe er gefehlt. Herr Leun suchte dies zu entkrästen, was ihm aber nicht gelang. Auf die Versammlung, mit deren Verlauf wir sehr zufrieden sein können, kommen wir nochmals zurück. f. Eine Maler⸗ und Weißbinder⸗Ver⸗ sammlung fand am Sonntag in Steinberg im Lokale„Zur Krone“ statt. Zimmermann⸗ Frankfurt sprach sehr eingehend über:„Die deutschen Gewerkschaften und deren Einfluß auf die wirtschaftliche Lage der Arbeiter“. Der Vortrag wurde von der gut besuchten Versammlung sehr beifällig aufgenommen und in der Diskussion wurde die Notwendigkeit des gewerk⸗ schaftlichen Zusammenschlusses betont und zum Beitritt in den Verband aufgefordert. Eine Anzahl der An⸗ wesenden kamen dieser Aufforderung nach. Immer vorwärts! n. In Reiskirchen fand am Samstag Abend im Lokale des Herrn Biermann eine gut besuchte Versammlung statt, in der Genosse Beckmann⸗ Gießen über Politische Tagesfragen sprach. Er betonte im Laufe seiner Ausführungen die Notwendigkeit der politischen Organisation, die für die Arbeiter besonders wertvoll sei. Es traten denn auch sofort 27 Mann dem Kreiswahlverein bei. Aus dem Rreise Jriedherg⸗Büdingen. — Konflikt im Vilbeler Gemeinderat. Von der Mehrheit des Vilbeler Gemeinderats wurden die Sitzungen auf eine Zest festgelegt, zu welcher die sozlaldemokratischen Mitglieder, die sämtlich Arbeiter sind, unmöglich erscheinen konnten. Dadurch war der Ge⸗ meinderat beschlußunfähig. Sie fanden sich auch auf Aufforderung des Kreisamts nicht ein. Jetzt sind sie auf den 4, Juli zur Verantwortung vor den Kreis⸗ ausschuß geladen. Aus dem Nreise Alsseld⸗Cauter hach. k. Eine rohe Tat. Vor dem Schöffengericht in Alg feld hatte sich am Montag der Fuhrknecht Joh. Bluhm wegen Mißhandlung eines Kindes zu ver⸗ antworten. Eines Tages sah er den 11jährigen Sohn des Schneiders Konrad Dechert mit andern Jungen spielen und ohne jede Veranlassung stieß er ihn mit dem Kopfe gegen die Wand, warf ihn zu Boden und versetzte ihm einen Fußtritt. Der Körperverletzung an⸗ geklagt, gab er die Tat zu, entschuldiste sich jedoch mit Trunkenhelt. Das Gericht bezeichnete die Tat als eine außerordentlich rohe und verurteilte den Angeklagten zu 1 Monat Gefängnis. * Die Maurer in Alsfeld sind in eine Lohnbe⸗ wegung eingetreten. 0 Aus dem Nreise Wetzlar. * Mißstände im Wetzlarer Konsumverein. Es gehört bekanntlich zu den Lieblingsbeschäftigungen der bürgerlichen und Kreisblattpresse, Mißstände aus sozlaldemokratischen Betrieben in die Oeffentlichkeit zu bringen, um den Spießern vor dem roten Gespenst gruselig zu machen. Vor allem müssen da die Arbeiter⸗ konsumvereine tüchtig herhalten, die— nebenbei bemerkt — nicht das Geringste mit der soztaldemokratischen Partei zu tun haben.— Werfen wir nun einmal einen Blick in die Bäckerei des Wetzlar⸗Braunfelser Konsumvereins, dessen Leitung aus auter kapitalistischen Elementen be⸗ steht, als da sind General⸗Direktoren, Bergräte, Kommerzlen⸗ räte, Millionäre usw. In diesem Betriebe werden ein Oberbäcker und zwei Gehilfen beschäftigt. Die wöchentliche Arbeitszeit beträgt durchschnittlich 78 bis 80 Stunden, die Hälfte dieser Zeit wird bei Nacht gearbeitet und der Lohn beträgt 22 Mk. pro Woche für die Gehilfen; der Lohn des Oberbäckers ist uns nicht bekannt, dürfte aber 35 Mk. betragen. Die gesetzlich zulässigen Ueberstunden werden mit 40 Pfg. vergütet,„aber“ so sagte der Geschäftsführer zu dem vor einiger Zeit neu eingetretenen Oberbäcker:„sorgen Sie dafür, daß keine Ueber⸗ stunden gemacht werden“. Infolgedessen herrscht auch das reinste Antreibersystem bei der Arbeit. Nichts destoweniger müssen aber doch genug Ueberstunden gemacht werden, ohne daß dieselben auf der Kalendertafel ver⸗ merkt werden: der Leitung des Vereins sind die Arbeiterschutzgesetze Luft, sie stehen nur auf dem Papier. Einer der Gehilfen wurde am 1. April um 2 Mk. Lohnerhöhung bei der Verwaltung vorstellig und in der am 23. Mal stattgefuudenen Aufsichtsratssitzung wurde das Gesuch abgelehnt; in dieser ganzen Zeit hat also keine Sitzung stattgefunden.— Aber nicht allein die Lohn⸗ und Arbeitsverhältnisse lassen vieles zu wün⸗ schen übrig, auch die sanitären und hygienischen Zustände spotten jeder Beschreibung. So war z. B. den ganzen Winter hindurch das Klosett zur Nachtzeit verschlossen und die Bäcker mußen, wenn sie naß geschwitzt waren, in Wind und Wetter ihre Notdurft auf dem Hofe oder auf dem vorbeigehenden Wege verrichten! — Erst nachdem die Polizei von diesem skandalösen Zu⸗ stande in Kenntnis gesetzt wurde, schaffte der Herr Ge⸗ schäftsführer Abhilfe.— Eine Bade⸗ oder anständige Waschvorrichtung ist in dem Betriebe Luxus, man muß sich unter der Wasserleitung waschen. Ebenso fehlt es an einem An⸗ und Auskleideraum, hierzu wird die Um⸗ gebung des Gasmotors benutzt. Die Wände der Bäckerei scheinen seit Jahren nicht geweißt worden zu sein. An einer Stelle ist die Decke sogar nicht verputzt und an Mäusen und Heimchen ist auch kein Mangel vorhanden. — So sind die Zustände in einem kapitaltstisch geleiteten Genossenschaftsbetriebe. Die Mitglieder aber, in der Mehrzahl Arbeiter und Kleinbauern, sollten sich etwas mehr um ihre Genossen⸗ schaft bekümmern; sie haben alle Ursache zu verlangen, daß ihr notwendigstes Nahrungsmittel, das tägliche Brot, unter anderen Verhältnissen hergestellt wird. h.„Unparteiische“ Gemeinheit. Vorige Woche sind einem Pferde der Baufirma Schneider und! Comp. von ruchloser Hand mehrere Stiche in die Brust beigebracht worden. Eine solche rohe und gemeine Tat wird jeder vernünftige Mensch verurteilen. Die „unpartetischen“ Wetzlarer Nachrichten stellen aber, ehe noch eine Untersuchung stattgefunden hat, diese Tat als einen Racheakt eines streikenden Bauarbeiters hin. Das ist eine Verdächtigung, die an Gemeinheit der Tat selbst nicht viel nachgibt. Die Bauarbeiter sollten das ihrige zur Ermittelung des Täters tun. Gehörte er, was wir nicht glauben, zu den organisterten Arbeitern, so würden diese keinen Augenblick zögern, ihn mit Schimpf und Schande aus ihren Reihen zu jagen. h. Zum Maurerstreik. Noch immer be⸗ harren die Wetzlarer Bauunternehmer auf ihren Herren⸗ standpunkt und sind den bescheidenen Forderungen der Arbeiter noch in keiner Weise entgegengekommen. Von den Streikenden sind bereits eine nicht geringe Anzahl abgereist und befinden sich in weit besseren Arbeits⸗ bedingungen, als sie in Wetzlar gefordert werden. Für die nächsten Tage hat sich wieder eine größere Partie zur Abreise bereit erklärt und es dürfte den Unternehmern schwer fallen, für diese Ersatz zu bekommen.— Wer hätte noch vor wenig Jahren geglaubt, daß die Wetzlarer Maurer einen derartigen Kampf durchführen würden? Es geht erfreulicherweise überall vorwärts!— Kürzlich hielten auch die Stein arbeiter eine Versammlung ab, nach welcher sich 20 Mann in den Verband auf⸗ nehmen ließen. * Eine Berichtigung wünscht Herr Rein⸗ hard Richter, Metallgießerei in Wetzlar, von dem in der vorletzten Nummer unseres Blattes unter der Spitz⸗ marke:„Unternehmerfrechheit“ berichtet war, daß er einen Arbeiter geschlagen habe. Dies bestreitet Herr Richter; er will den Arbeiter Graf,„einen in validen, dem Trunke zuneigenden Arbeiter“ nur etwas unsauft an der Schulter angefaßt und ihn zu einem Coakshaufen geführt. haben. Es liege ihm ferne, meint er weiter, Arbeiter zu schlagen; auch habe sich der Betreffende beim Hinfallen nicht verletzt, sonst hätte derselbe nicht weiter gearbeitet.— Wir erblicken in dieser„Berichtigung“ höchstens eine Bestätigung der von uns mitgeteilten Tatsachen. Das„unsanft“ an der Schulter anfassen nennen andere Leute eben schlagen. Westerwald und Anterlahn. O Das Oberlandesgericht hat in der Klage, welche der Spediteur Heppe gegen die Gültigkeit der letzten Stadtverordnetenwahlen in dritter Abteilung gerichtet hatte, entschteden daß es den Beschluß des Bezirks ausschusses auf Abweisung der Klage bestätigt hat. Es hat keine Wahlbeeinflussung darin gefunden, daß der Oberbürgermeister vor der Wahl erklärte, er wolle demissionieren, wenn Heppe gewählt werde. Diese Auffassung des Gerichts wird wohl nicht allgemein geteilt werden. Der Arbeiterschaft ist wohl „wurschtig“, ob der Oberbürgermeister oder auch der Stadtvercrdneten⸗Vorsteher von der Wahl einer be⸗ stimm.en Person ihre Demission abhängig machen wollen, aber in der Bürgerschart dürfte es doch viele geben, die sich durch eine derartige Erklärung beeinflussen lassen. Unser Stadtoberhaupt aber wird sich mit der Zeit dar⸗ ein finden, ebenso wie es der Herr Stadtverordneten⸗ Vorsteher bei der vorletzten Wahl auch hat tun müssen, auch dann, wenn er es begreiflicherweise als keine An⸗ nehmlichkeit empfindet, mit Antisemiten vom Schlage des Herrn Heppe zusammenzuarbeiten, daß die Wähler darüber zu entscheiden haben, wen sie zu Stadtverordneten wählen wollen, und daß die Wähler sich um das persön⸗ liche Empfinden der hohen Herren nicht zu kümmern brauchen. O Unsern Wahlkreis bereist zur Zeit ein Herr Dr. Böhme aus Berlin und hält an ver⸗ schiedenen Orten Versammlungen ab, in denen er seine Reichstagskandidatur anpreist. Aufgestellt als solcher hat er sich selbst, nennt sich deutsch⸗sozial und hofft bei der nächsten Wahl alle nationalgesinnten Wähler auf seine Kandidatur zu vereinigen. Der Vorstand der konserva⸗ tiven Partei hat ihn jedoch bereits abgeschüttelt. Falls der Mann bis zur nächsten Wahl seine Kandidatur auf⸗ recht hält, wird er das bürgerliche durcheinander lediglich um eine Stimme vermehren. O Bürgerliche Unkenntnis in Verbindung mit einer guten Portion Unverfrorenheit kamen in der Stadtverordnetensitzung vom letzten Freitag zum Ausdruck bei Beratung eines Antroges zur Ab⸗ änderung der Konzessionierung von Wirtschaften. Herr Stadtverordneter Berdux meinte, die in der Nähe don Wirtschaften wohnenden Leute könnten besonders Sonn⸗ abends beobachten, wie die Arbeiter ihren Wochenlohn verjubelten, während die Frauen sich vor den Türen die Haare rauften, weil sie anderen Tags kein Geld für Brot zu kaufen hätten. Wenn„die in der Nähe von Wirtschaften wohnenden Leute“, die Herrn Berdux ihre Wahrnehmungen mitgeteilt haben, sich den Schlaf aus den Augen wischen würden, könnten sie bald merken, daß nicht bloß Sonnabends, sondern auch in anderen Nächten es keine Arbeiter sind, welche die nächtlichen Radauszenen vollführen, denn gerade in diesem Sommer feiert die„akademische Freiheit“ wahre Triumphe, sodaß die jungen Leute, die das Geld ihrer vielfach durch Arbeiterausbeutung reichgewordenen Väter verjubeln, alle Ursache haben zu singen bis zum frühen Morgen:„Ein freies Leben führen wir!“ Ein Mann aber, der in so leichtfertiger Weise wie Herr Berdux in öffentlicher Stadtverordnetensitzung die Arbeiter beleidigt, verdient ausgehauen zu werden(in Stein selbstverständlich), um als dauernd abschreckendes Beispiel zu zeigen, was für Leute in einer Universitätsstadt die kommunalen Angelegenheiten regeln. OQEin Brotpreisaufschlag ist der Fleischver⸗ teuerung auf dem Fuße gefolgt. Die Wirkung dieses Aufsch ages auf den Haushalt eines kinderreichen Arbeiters sollten sich Leute von Schlage des Herrn Berdux einmal genau ausrechnen, bei etwas Vernunft würden sie dann zu anderen Anstchten kommen. b. Paragraph 175. Hauptmann v. Horn von der ersten Kompagnie des Marburger Jägerbataillions wurde vom Dienste entfernt, weil er mit Untergebenen unzüchtige Handlungen begangen hat. Am Montag früh hat er Marburg verlassen. * Verhaftete Sünder. Der Staatsanwaltschaft gestellt hat sich der wegen Sittlichteits verbrechen entflohene und steckbrieflich verfolgte Lehrer Pfeif fer aus Nassauerfurt.— Ferner wurde der Bureauvorsteher Renke, dem Fälschungen und Betrügereien zur Last ge⸗ legt werden, ebenfalls in das Untersuchungsgefängnis eingeliefert. Renke führte früher ein sehr flottes Leben, für das aber seine Mittel nicht ausreichten, weshalb er sich solche durch betrügerische Mannöver zu verscha fsen suchte. Letzte Nachrichten. Reichstagswahl in Hamel n⸗Springe. Bei der Stichwahl am Donnerstag erhielt Brey(Soz) 10167, Hausmann Matl.) 14361 Stimmen. Letzterer ist somit gewählt.(Siehe pol. Rundschau.) ——.....—ñꝛ Versammlungskalender. Samstag, den 10. Juni. Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Ver⸗ sammlung bei Löb(Wiener Hof).— Metall⸗ arbeiter. Abends 8¼ Uhr Versammlung bet Orbig. Steinberg. Wahlverein. Abends 9 Uhr Ver⸗ sammlung im Lokale zur„Wilhelmshöhe“. Zahl⸗ reich erscheinen! Wieseck. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung im„Gambrinus“ bei Wacker. BBB Briefkasten. Von Einsendungen mußten wir zu unserm Bedauern eine Anzahl zurücklassen. Die betreffenden Einsender wollen dies entschuldigen, In eigener Angelegenheit. Zu dem Bericht aus dem„Correspondent“, siehe Seite 1 dieser Nummer, bemerken wir, daß Tarifver⸗ letzungen, wie sie in der letzten Buchdrucker⸗ versammlung besprochen wurden, bei uns nicht stattfinden. Sämtliches Personal wird von uns tarifmäßig entlohnt. Gießen. Heppeler& Meyer. — 8 — 1 — —— — —̃—— r ——— 5* N— ——— —— —— 8 —— 2 — ee . — S — 3— 5 3 5 .—. Seite 6. Mitteldentsche Sonntags⸗ Zeitung; Nr. 23. Von Nah und Fern. Die gefährdete Sittlichkeit. In Hanau hat sich die Polizei wieder ein⸗ mal berufen gefühlt, die Arbeiter vor Schaden an ihrer Sittlichkeit zu bewahren. Sie hat den Simplizisstmus⸗Abend verboten, weil durch die zum Vortrag bestimmten Kunstwerke die Sittlich⸗ keit der jugendlichen und weiblichen Arbeiter gefährdet werden könnte. Das Hanauer Ge⸗ werkschaftskartell wird die nötigen Schritte ergreifen, um von den oberen Instanzen die Erlaubnis für die geplante Veranstaltung zu erlangen, zumal in anderen Städten die gleiche Veranstaltung ohne Weiterungen mit der Polizei möglich gewesen ist. Vorläufig freilich ist die Veranstaltung vereitelt. Sauberkeit in der Bäckerei! Neulich hatte sich in Hanau der Bäcker⸗ meister Karl Kaltenschnee wegen Vergehens gegen die Nahrungsmittelgesetze vor Gericht zu verantworten. Bei der Verhandlung stellte sich heraus, daß in der Bäckerei Kaltenschnee seit mehreren Jahren die widerlichsten Schmutze⸗ reien bestanden haben. Der reiche Bäcker⸗ meister hat in seinem Geschäft nicht die aller⸗ notwendigsten Forderungen der Reinlichkeit er⸗ füllt. Sein Mehlboden war nicht verschalt, so daß das Mehl direkt unter den Ziegeln lag und fortgesetzt durch eindringenden Staub und herabfallende Spinngewebe verunreinigt wurde. Eine Tür hatte der Mehlboden auch nicht, Katzen und Hühner liefen ungehindert ein und aus und täglich fanden die Bäckergehilfen die Exkremente dieser Tiere im Mehle vor, das aber trotzdem verbacken werden mußte, nachdem es einmal durchsiebt war. Dazu kam ferner, daß die Mehlkammer direkt über den Schweineställen und den Aborten lag, deren Dünste in den Mehlraum einströmten. Wenn Kaltenschnee seinen Schweinen das Futter bereitet und gebracht hatte, dann wusch er in der Regel seine dabei beschmutzten Hände in der Backstube in dem lauwarmen Wasser, das zum Anmachen des Teiges ver⸗ wendet wurde, und goß diese schmutzige Brühe in den Teig. Noch viele andere Schweinereien wurden durch 27 Zeugen fest⸗ gestellt, trotzdem erhielt der saubere Backermeister, der auch die Lieferungen für das Spital hatte, nur 300 Mk. Geldstrafe, während der Antrag des Staatsanwalts auf 3 Monate Gefängnis lautete.— Das Stadtverordneten⸗ kollegium stellte einen Antrag beim Magist⸗ rat, dieser möge erwägen, inwieweit es möglich sei, festzustellen, ob in den anderen hiesigen Bäckereien Mißstände inbezug auf die Sauber⸗ keit beständen und ob die Möglichkeit gegeben sei, solche durch Maßnahmen der städtischen Behörde abzustellen. Ein zärtlicher Bruder. Der Berliner Gerichtsassessor Fried. Frei⸗ herr Haller von Hallerstein hat gegen den sozialdemokratischen bayerischen Landtags⸗ abgeordneten Siegmund Haller von Haller⸗ stein eine interessante Klage angestrengt. Der letztere bezieht aus den freiherrlichen Familien⸗ stiftungen nicht unansehnliche Renten. Die Klage Friedrichs geht nun dahin, daß Sieg⸗ mund weder zum Stiftungsgenuß noch zur Verwaltung berechtigt sein soll. Sie wird damit begründet, daß er aus der christlichen Kirche ausgetreten, daß er als Führer und Agitator der sozialdemokratischen Partei tätig sei, die den Umsturz des bestehenden Staates, die Besettigung des Adels und die der adeligen Familien als Endziel erstrebt, also auf die Schädigung sowohl des Staates als der adeligen Familien und damit der Familie Haller von Hallerstein ausgeht.— Stärker selbst als alle Blutsbande sind die Klassengegensätze, selbst Brüder wenden sich gegen den Bruder, wenn er zum Volke geht und für die Freiheit ficht! Berliner„Kirchennot“. In Zehlendorf bei Berlin hat sich an einem der letzten Sonntage der seltsame Fall ergeben, daß der Gottesdienst gänzlich ausfallen mußte, weil sich außer dem Pastor überhaupt niemand dazu eingefunden hatte.— In Berlin und Umgebung wird eine Kirche nach der anderen gebaut; auf welche Weise die Mittel dazu auf⸗ getrieben werden, hat die Affäre Mirbach ge⸗ zeigt. Aber daß zu einer Kirche auch noch etwas mehr gehört als Stein und Mörtel, zeigt der geringe Kirchenbesuch, über den viel geklagt wird und an dem die Liberalen den Orthodoxen und die Orthodoxen den Liberalen die Schuld zuschreiben. Der Kaiser scheint recht gehabt zu haben, als er in Wilhelmshaven sagte, daß es bei uns mit dem Christentum schlimm bestellt sei. Müssen fürstinnen patriotisch sein? Gewöhnliche Sterbliche, ob männlichen oder weiblichen Geschlechts müssen patriotisch sein, sonst gehören sie zu jener„Rotte“ von Menschen, die man auch„vaterlandslose Gesellen“ nennt. Zum Patriotismus gehört vielerlei. Für das Proletariat sind folgende Tugenden als höchst patriotisch bekannt: Arbeit bis zur Bewußtlostg⸗ keit, aber für billigen Lohn; diese Bewußt⸗ losigkeit oder Gedankenlosigkeit an sich, denn Gedanken werden leicht unpatriotisch; niemals eine Verbesserung der Arbeits⸗ oder Verstcherungs⸗ gesetze verlangen, denn so macht man ja die Einrichtung des Vaterlandes verächtlich; aus demselben Grunde mit Vorliebe das teuerste Fleis) und Brot essen, damit die vaterländischen Junker uns in den ausländischen Blumen⸗ und Amorsälen keine Schande machen; überhaupt alle Steuern nicht nur mit Wonne zahlen, sondern um deren Erhöhung bitten, lieber selbst Hungers sterben als das Haus Glücksburg darben lassen; zuletzt, nicht am wenigsten, die ungeheuere Ueberlegenheit des Militärs aner⸗ kennen und sich zur ungeheuren Wurstigkeit des Zivils bekennen. Die patriotische Tugend des Proletariats, sich so billig wie möglich ausbeuten zu lassen, nennt man auch gern: Unterstützung der natio⸗ nalen Industrie. Diese Unterstützung der natio⸗ nolen Industrie üben die reichen Leute viel an⸗ genehmer und müheloser, indem sie recht viel schöne und nützliche Gebrauchsgegenstände er⸗ werben. Aber auch diese für den Eigner so nette vaterländische Tugend, recht viele Dinge im Lande zu kaufen und zu gebrauchen, als da sind: Wein, Parfüm, Schaumwein, Liqueur, Seide, Sammt, Spitzen, Gemälde, Statuen, Vasen usw. ist Pflicht nur für die Untertanen. Die! Fürsten und die Fürstinnen gebrauchen diese Tugend nicht, sie sind schon tugendhaft genug. Daß Fürsten und Fürstinnen tugendhaft find, behaupten wir sogar auf diese Gefahr hin, für ungebildet zu erscheinen und uns zu dem jetzt so gefeierten Schiller in Widerspruch zu setzen. Sagt der doch bekanntlich: „Fürsten, diese mißratenen Projekte der wollenden und nicht könnenden Natur, sitzen 15 1 zwischen Menschheit und Gottheit nieder.“ Schiller nennt die Fürsten mißratene Pro⸗ jekte der Natur. Dem sei nun wie ihm sei! Daß ste aber auch heute noch gern„zwischen Menschheit und Gottheit niedersitzen“ ist gewiß. Deshalb brauchen die„höchsten Herrschaften“ auch keinen Patriotismus in dem gewöhnlichen Sinne; dort auf ihrem erhabenen Sitz ist diese Tugend zu erdenschwer. Deshalb braucht die künftige Kronprinzessin auch nicht die heimische Industrie zu unterstützen, sie kann getrost hin⸗ überschweben ins„erbfeindliche“ Land und dort ihre ganze Ausstattung kaufen. Was lärmen die deutschen Industriellen darüber!? Fürstinnen, 20 fi Fürstinnen brauchen nicht patriotisch zu sein. r Der Verbrecher aus verlorener Ehre. Eine wahre Geschichte von Friedrich Schiller. 4.(Fortsetzung.) Jetzt stand ich allein vor dem Abgrund, und ich wußte recht gut, daß ich allein war. Die Undborsichtigkeit meines Führers entging meiner Aufmerksamkeit nicht. Es hätte mich nur einen beherzten Entschluß gekostet, die Leiter herauf⸗ zuziehen, so war ich frei, und meine Flucht war gesichert. Ich gestehe, daß ich das einsah. Ich sah in den Schlund hinab, der mich jetzt auf⸗ nehmen sollte; es erinnerte mich dunkel an den Abgrund der Hölle, woraus keine Erlösung mehr ist. Mir fing an, vor der Laufbahn zu schaudern, die ich nunmehr betreten wollte; nur eine schnelle Flucht konnte mich retten. Ich beschließe diese Flucht— schon streckte ich den Arm nach der Leiter aus— aber auf einmal donnerts in meinen Ohren, es umhallt mich wie ein Hohngelächter der Hölle:„Was hat ein Mörder zu wagen?“— und mein Arm fällt gelähmt zurück. Meine Rechnung war völlig, die Zeit der Reue war dahin, mein begangener Mord lag hinter mir aufgetürmt, wie ein Fels, und sperrte meine Rückkehr auf ewig. Zugleich erschien auch mein Führer wieder und kündigte mir an, daß ich kommen sollte. Jetzt war ohnehin keine Wahl mehr. Ich kletterte hinunter. Wir waren einige Schritte unter der Fels⸗ mauer weggegangen, so erweiterte sich der Grund, und einige Hütten wurden sichtbar. Mitten zwischen diesen öffnete sich ein runder Rasenplatz, auf welchem sich eine Anzahl von achtzehn bis zwanzig Menschen um ein Kohlenfeuer gelagert hatte.„Hier Kameraden,“ sagte mein Führer und stellte mich mitten in den Kreis;„unser Sonnenwirt! heißt ihn willkommen!“ „Sonnenwirt!“ schrie alles zugleich, und alles fuhr auf und drängte sich um mich her, Männer und Weiber. Soll ichs geskehn? Die Freude war ungeheuchelt und herzlich. Ver⸗ trauen, Achtung sogar erschten auf jedem Ge⸗ sichte; dieser drückte mir die Hand, jener schüttelte mich vertraulich am Kleide, der ganze Auftritt war, wie das Wiedersehen eines alten Bekannten, der einem wert ist. Meine Ankunft hatte den Schmaus unterbrochen, der eben an⸗ fangen sollte. Man setzte ihn sogleich fort und nötigte mich, den Wllkomm zu trinken. Wild⸗ pret aller Art war die Mahlzeit, und die Wein⸗ flasche wanderte unermüdet von Nachbar zu Nachbar. Wohlleben und Einigkeit schien die ganze Bande zu beseelen, und alles wetteiferte, seine Freude über mich zügelloser an den Tag zu legen. Man hatte mich zwischen zwei Weibspersonen sitzen lassen, welches der Ehrenplaß an der Tafel war. Ich erwartete den Auswurf ihres Geschlechts, aber wie groß war meine Ver⸗ wunderung, als ich unter dieser schändlichen Rotte die schönsten weiblichen Gestalten entdeckte, die mir jemals vor Augen gekommen. Mar⸗ garethe, die älteste und schönste von beiden, ließ sich Jungfer nennen und konnte kaum fünfundzwanzig sein. Sie sprach sehr frech, und ihre Geberden sagten noch mehr. Marie, die jüngere, war verheiratet, aber einem Manne entlaufen, der ste mißhandelt hatte. Sie war feiner gebildet, sah aber blaß aus und schmächtig, und fiel weniger ins Auge, als ihre feurige Nachbarin. Beide Weiber eiferten auf einander, meine Begierden zu entzünden; die schöne Margarethe kam meiner Blbdigkeit durch freche Scherze zuvor, aber das ganze Weib war mir zuwider, und mein Herz hatte die Marie auf immer gefangen. „Du stehst, Bruder Sonnenwirt,“ fing der Mann jetzt an, der mich hergebracht hatte,„du stehst, wie wir untereinander leben, und jeder Tag ist dem heutigen gleich. Nicht wahr, Kameraden?“ „Jeder Tag, wie der heutige!“ wiederholte die ganze Bande. „Kannst du dich also entschließen, an unserer Lebensart Gefallen zu finden, so schlag ein und sei unser Anführer. Bis jetzt bin ich es ge⸗ wesen, aber dir will ich weichen. Seid ihr's zufrieden Kameraden?“ Ein fröhliches„Ja!“ antwortete aus allen Kehlen. Mein Kopf glühte, mein Gehirn war be⸗ täubt, von Wein und Begierde stiedete mein Blut. Die Welt hatte mich ausgeworfen, wie einen Verpesteten— hier fand ich brüderliche Aufnahme, Wohlleben und Ehre. Welche Wahl ich auch treffen wollte, so erwartete mich Tod; hier aber konnte ich wenigstens mein Leben für — — — ͤ—..— ——— = 2 1 1 1 N 2 8 —— Nr. 24. Mitteldeutsche Sonntags⸗ genung. Seite 7. einen höheren Preis verkaufen. Wohllust war meine wütendste Neigung; das andere Geschlecht hatte mir bis jetzt nur Verachtung bewiesen, hier erwarteten mich Gunst und zügellose Ver⸗ gnügungen. Mein Entschluß kostete mich wenig. „Ich bleibe bet euch Kameraden,“ rief ich laut mit Entschlossenheit und trat mitten unter die Bande;„ich bleibe bei euch,“ rief ich nochmals, „wenn ihr mir meine schöne Nachbarin abtretet!“ — Alle kamen überein, mein Verlangen zu be⸗ willigen, ich war erklärter Eigentümer einer Hr und das Haupt einer Diebesbande. Den folgenden Teil der Geschichte übergehe ich ganz; das bloß Abscheuliche hat nichts Unter⸗ richtendes für den Leser. Ein Unglücklicher, der bis zu dieser Tiefe heruntersank, mußte sich endlich alles erlauben, was die Menschheit em⸗ pört— aber einen zweiten Mord beging er nicht mehr, wie er selbst auf der Folter bezeugte. Der Ruf dieses Menschen verbreitete sich in kurzem durch die ganze Provinz. Die Land⸗ straßen wurden unsicher, nächtliche Einbrüche beunruhigten den Bürger, der Name des Sonnenwirts wurde der Schrecken des Land⸗ volks, die Gerechtigkeit suchte ihn auf, und eine Prämie wurde auf seinen Kopf gesetzt. Er war so glücklich, jeden Anschlag auf seine Frei⸗ heit zu vereiteln, und verschlagen genug, den Aberglauben des wundersüchtigen Bauern zu seiner Sicherheit zu benutzen. Seine Gehilfen mußten aussprengen, er habe einen Bund mik dem Teufel gemacht und könne hexen. Der Distrikt, auf welchem er seine Rolle spielte, ge⸗ hörte damals noch weniger, als jetzt, zu den aufgeklärten Deutschlands; man glaubte diesem Gerüchte, und seine Person war gestchert. Niemand zeigte Lust, mit dem gefährlichen Kerl anzubinden, dem der Teufel zu Diensten stünde. Ein Jahr schon hatte er das traurige Hand⸗ werk getrieben, als es anfing ihm unerträglich zu werden. Die Rotte, an deren Spitze er sich gestellt hatte, erfüllte seine glänzenden Erwar⸗ tungen nicht. Eine verführerische Außenseite hatte ihn damals im Taumel des Weines ge⸗ blendet; jetzt wurde er mit Schrecken gewahr, wie abscheulich er hintergangen worden. Hunger und Mangel traten an die Stelle des Ueber⸗ flusses, womit man ihn eingewiegt hatte; sehr oft mußte er sein Leben an eine Mahlzeit wagen, die kaum hinreichte ihn vor dem Verhungern zu schützen. Das Schattenbild jener brüder⸗ lichen Eintracht verschwand; Neid, Argwohn und Eifersucht wüteten im Innern dieser ver⸗ worfenen Bande. Die Gerechtigkeit hatte dem⸗ jenigen, der ihn lebendig ausliefern würde, Belohnung, und, wem es ein Mitschuldiger wäre, noch eine feierliche Begnadigung zugesagt — eine mächtige Versuchung für den Auswurf der Erde! Der Unglückliche kannte seine Ge⸗ fahr. Die Redlichkeit derjenigen, die Meuschen und Gott verrieten, war ein schlechtes Unter⸗ pfand seines Lebens. Sein Schlaf war von jetzt an dahin; ewige Todesaugst zerfraß seine Ruhe; das gräßliche Gespenst des Argwohns rasselte hinter ihm, wo er hinfloh, peinigte ihn, wenn er erwachte, bettete sich neben ihm, wenn er schlafen ging, und schreckte ihn in entsetzlichen Träumen. Das verstummte Gewissen gewann zugleich seine Sprache wieder, und die schlafende Natter der Reue wachte bei diesem allgemeinen Sturme seines Busens auf. Sein ganzer Haß wandte sich jetzt von der Menschheit und kehrte seine schreckliche Schneide gegen ihn selber. Er vergab sich jetzt der ganzen Natur, und fand niemand, als sich allein zu ver⸗ fluchen. (Schluß folgt.) Splitter. Sobald das Recht uns ein bischen nach Pflicht riecht, sucht jeder Einzelne sein Recht darin, keines zu üben. Gottfried Keller. *ñ** * „Mein Herr, Sie sind erst halb so alt wie ich Und müssen sich vor meiner Einsicht beugen.“ „„Sie hätten recht und wollen dennoch mich Mit Jahren statt mit Gründen überzeugen?““ a Ludwig Fulda. * * Durch unsere ganze Zeit geht der Grundzug einer großartigen und fundamentalen, wenn auch vielleicht still und friedlich sich vollziehenden Reform aller Anschauungen und Verhältnisse. Man fühlt, daß die Weltperiode des Mittel⸗ alters erst jetzt sich dem Ende zuneigt, und daß die Reformation, und selbst die französische Revolution, vielleicht nur Dämmerungsgestalten eines neuen Lichtes sind. F. A. Lange. Humoristisches Humor in der Schule. In der Frkftr. Ztg. veröffentlicht ein Lehrer Anekdoten von Schulprüfungen. Darunter auch folgende: Es war Pfingsten und Konfirmation, die Kirche bis auf den letzten Platz besetzt. Da fragt der Pfarrer in der Christenlehre einen Konfirmanden: „Was ist Glaube?“ Der Konfirmand, der wahrscheinlich eine andere Frage erwartet hatte, antwortete zum Entsetzen des Pfarrers und aller Gläubigen mit lauter durch die ganze Kirche hallender Stimme: „Der Glaube ist die Wurzel alles Uebels!“ Von den Militärgerichten. Kriegsge⸗ richtsrat:„Unteroffizier Mayer, Sie sind angeklagt, den Gefreiten Knöpke mit Ihren Stiefel absätzen in den Magen getroffen zu haben. Wie können Sie Ihr Vor⸗ gehen entschuldigen?“— Unteroffizier Mayer:„Ich habe es mir zum Prinzip gemacht, die Soldaten meiner Kompagnie immer nur mit Handschuhen anzufassen. Wenn ich aber einmal fatt der Hände die Füße ge⸗ brauche, da kann man doch nicht von mir verlangen, daß ich deshalb gleich die Schuhe ausziehe!“— Das Kriegsgericht erkannte gleich nach kurzer Beratung auf Freisprechung des Angeklagten, weil Konsequenz eine Soldatentugend sei und der Angeklagte nur konsequent gehandelt habe.(Ind.) Auf dem Schiffe.„Weißt Du, Erna, warum der große Lloyddampfer„Kaiser Wilhelm“ heißt?— „Warum denn?“—„Weil er immer unterwegs ist.“ Aterarisches Grundsätze und Forderungen der Sozial⸗ demokratie. Erläuterungen zum Erfurter Programm von Kautsky und Bruno Schönlank. Von dieser viel fach verbreiteten Agitationsbroschüre hat sich abermals eine neue, von Kautsky durchgesehene Auflage notwendig ge⸗ macht, die soeben von der Buchhandlung Vorwärts aus⸗ gegeben wird. Im ersten Abschnitt der Broschüre er⸗ läutert Kautsky den prinzipiellen Teil des sozialdemo⸗ kratischen Programms, indem er aus der Schilderung der bestehenden Zustände die Unhaltbarkeit der heutigen Gesellschaftsordnung und die Notwendigkeit nachwelst, daß der Sozialismus zum Siege führen muß. Der zweite Tetl der Broschüre behandelt den Weg, der zu diesem Ziele führt und bringt bei jedem Punkte des Programms eingehende Erläuterungen. Die Broschüre ist für Massen verbreitung besonders geeignet; sie ist im einzelnen für 10 Pfennig in unserer Expedition zu haben. Geschlechtsverkehr und Geschlechtskrank⸗ heiten betitelt sich das soeben erschienene Heft der Arbeiter⸗Gesundheitsbibliothek. Der Verfasser, Dr. Ernst Gebert, welcher als langjähriger Spezialarzt für Haut⸗ und Geschlechtskrankheiten über große Erfah⸗ rungen auf dem Gebiet verfügt, behandelt in dem vor⸗ liegenden, knapp und leicht verständlich geschriebenen Heft den Geschlechtstrieb und seine Befriedi⸗ gung. Was versteht man unter Geschlechts⸗ krankheit? Wie erfolgt die Ansteckung? Wie schützt man sich vor der Ansteckung? Me be⸗ sonderer Aufmerksamkeit bespricht der Verfasser die häufige Uebertragung der Krankheit, besonders der Syphilis auf außergeschlechtlichem Wege: durch Kuß, Berührung“ wunder Stellen, Verletzungen beim Rasieren, Benutzung gemeinsamer Eß⸗ und Trinkgeräte, gemeinsame Mund⸗ stücke ꝛc. 2c. Verfügt er doch selbst über einen Fall von Famtlienansteckung, in dem nicht weniger als 7 Personen auf außergeschlechtlichem Wege unbewußt Syphilis bekamen. Die überaus lesens⸗ und beherzigens⸗ werte Schrift wird zur Anschaffung dringend empfohlen. In der Arbeiter⸗Gesundheits⸗Bibliothek sind bereits früher erschienen: 1. Heft: Die erste Hülfe bei Unglücksfällen. — 2. Heft: Das erste Lebensjahr.— 3. Heft: Zur Gesundheilspflege des Nervensystems.— 4. Heft: Der Achtstundentag.— 5. Heft: Alkoholfrage und Arbeiter⸗ klasse.— 6. Heft: Das Schulkind.— Jedes Heft ist für sich abgeschlossen und kostet 20 Pfennig. Steingutwaren Marktstraße 4 Gießen Telephon 394 Clas, Porzellan- und empfehlen in reicher Auswahl zu billigsten Preisen Lang& Wiederstein The Premier Cycle Co. Ltd. Nürnberg-Doos, 1905 er Modelle. Hochvollendet in Material, Ausführung. Aus- 1 u. Widerstandsfähigkeit. 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