2, cc 5 Nr. 2. Gießen, den 8. Januar 1905. 12. Jahrgang. Nüdaktion: 2 Nebaktionsschluß: Kirchenplatz 11. Schloßgasse Mitteld eutsche Dannerztag Neachutng 4 Uhr. 2 Jonntags⸗Zeit Abonnementspreis: Die Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung kostet durch unsere Aus träger fiei ins Haus gelfefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch die Erpebition aurer Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Bestellung en 2 Juserate nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt. Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Petitzelle oder deren Raum kostet 10 Pfg. Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Postanstalt und 4 mal. Bestellung gewähren wir 25%% bei 6 mal. Bestellung jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 5107) 331¼% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Bei mindestens Gefängnis. 8 0 165 5 — 7. 4 2 f 8 Im datschen Rechtsstaate! Obiges Bill, das wir in der letzten Nummer unseres Blattesbereits erwähnten, ist die genaue Wiedergabe eiser photographischen Aufnahme, die im Zimmr eines Gefangenen auf der Festung Eh enbreitstein gemacht wurde und zwar vernttelst Blitzlicht um— halb 1 Uhr nachts. Das Bild eigt drei Gefangene, die sich's bei gefüllten n hinter einer Batterie leerer Flaschen wohl ein lassen. Am wohlesten von den Dreien ist e aber jedenfalls dem lächelnden Jüngling auf er rechten Seite des Bildes, der zudem besoyeren Anspruch auf unser In⸗ teresse machen krf, als es sich sozusagen um eine historische Zersönlichkeit handelt. Es ist nämlich Fähr ich Hüssener, der tapfere Held, der am Istertag des Jahres 1903 in ner Vatersta; Essen in Erfüllung seiner arten, harten Soldatenpflicht“ wegen Nicht⸗ zens den C. jährig⸗Freiwilligen Hartmann derstach. 1 Hüssener wide bekanntlich wegen dieser vom Mari kriegsgericht in Kiel zu vier ren Gefänges und Degradation, von der ungsinstan dagegen zu zwei Jahren g ohne egradation verurteilt. Der err hatte beiden Instanzen sechs Jahre Zuchthaus beanagt. a Ende 1903 sezog Hüssener die Festung Ehrenbreitstein. Wie„schwer“ er dort unter seiner„Strafe“ üßt, zeigt unser Bild. Er genießt uhr Freiheit als ein im Dienste des Kapitals si abmühender Arbeiter. Im vergangenen Sumer konnte die„Rheinische Haan mitteih, daß Hüssener des Oefteren rlaub erhalte ud eines Sonntags mit Freun⸗ den lustwandelnhin Köln gesehen worden sei. Eine Berichtigung seitens der Militärb . ehörde ist nicht erfolgt. In einem Coblenzer Hotel in der Nähe des Bahnhofs ist Hüssener den Kellnern unter dem Namen„Werner“ als sonn⸗ täglicher Frühschoppengast bekannt. Die ihm für seine schändliche Tat zudiktierte „Strafe“ ist nicht anders als Erholung zu be⸗ trachten. Auf dem inmitten landschaftlicher Reize gelegenen Ehrenbreitstein mag es sich für „Gefangene“ aus den besitzenden Klassen außer⸗ ordentlich gut leben lassen. Jeder Gefangene hat sein gut eingerichtetes Zimmer, das nicht verschlosen und nur in längeren Zwischen⸗ räumen untersucht wird. Wir können aus eigener Anschauung bestätigen, schreibt unser Kölner Parteiblatt, daß das Zimmer eines solchen Gefangenen, was Umfang und Wohn⸗ lichkeit betrifft, den unter Proletariern üblichen Räumen weit vorzuziehen ist. Daß die hier angeführten Tatsachen richtig sind, beweist die nach der Veröffentlichung obigen Bildes von der Coblenzer Militärbehörde er⸗ lassene Erklärung, wonach die Angelegenheit untersucht werden soll. Wäre irgend etwas unrichtig, so hätte ein scharfes Dementi des Festungs⸗ Gouverneurs gewiß nicht auf sich warten lassen. Das Bild zeigt die Gerechtig⸗ keit der heutigen Rechtspflege. Man erinnere sich an die Zuchthausurteile gegen„aufrührische“ Soldaten; an das Löbtauer Zuchthausurteil! Wegen unbedeutender Dinge wurden damit ehrliche Leute auf viele Jahre in's Zuchthaus geschickt! Und sozialdemokratische Redakteure, die in ihrer Ueberzeugung ein Wort zuviel geschrieben hatten, wurden allen Qualen der Gefängnis⸗Einzelhaft überantwortet. Verdienen sie schlechtere Behandlung als Burschen, die ein Menschenleben auf dem Gewissen haben? —— Dom preußischen sozialdemokratischen Parteitag. Ueber die Verhandlungen des zwischen Weih⸗ nachten und Neujahr in Berlin abgehaltenen preußischen Parteitages haben wir in letzter Nr. nur kurze Mitteilungen machen können. Bei dem Interesse, das dem Parteitag von den Parteigenossen auch außerhalb Preußens mit Recht entgegengebracht wird, ist es selbst⸗ verständlich, daß wir die Verhandlungen, die sich um außerordentlich wichtige Gegenstände drehten, etwas ausführlicher schildern. Der Preußentag hat in unserer Partei durch den guten Verlauf allgemeine Befriedigung hervor⸗ gerufen. Für eine Reihe besonders wichtiger Fragen wurden nach sachlicher und ruhiger Er⸗ örterung klare Richtlinien gesteckt. Die Debatten waren stets erfrischend und interessant. Wenn die bürgerliche Presse den Parteitag herunterzusetzen suchte und ihn als bedeutungslos hinzustellen sich bemühte, zeigt ste nur ihre eigene Verständnislosigkeit ud beweist, daß sie das Wesen der Sozialdemo“ratie nicht begreifen können. Die Liberalen Blätter, darunter auch die Frankfurter Zeitung, erklärten mit über⸗ legener Gebärde, daß es sich bei den vom Preußentag erhobenen Forderungen um alte liberale Programmsätze handele. Das mag zu einem Teile zutreffen. Aber das ist's ja eben: Das„liberale“ Bürgertum hat seine alten, wirklich liberalen Grundsätze längst verleugnet, die Sozialdemokratie muß sie verfechten und wird sie auch zur Durchführung bringen. Den ersten Verhandlungsgegenstand bildete die Wohnungsfrage. Referent hierüber war der Stadtverordnete Heimann ⸗Berlin. Er führte aus: Nach langen Verbereitungen und Ankündigungen hat die preußische Regierung den Gesetzentwurf veröffentlicht, den 1„Gesetzentwurf zur Ver⸗ besserung der Wohnungsbedingungen“ nennt. Für die 1,600,000 sozialdemokratischen Wähler Preußens, die das Dreiklassenwahlrecht vom direkten Einfluß auf die Gesetzgebung ausschließt, ist der prinzipielle Standpunkt zu ihm gegeben. Wir müssen gegenüber allen Plänen, in der bürgerlichen Gesellschaft die Wohnungsnot zu beseitigen, besondere Vorsicht walten lassen. Denn gerade die Wohnungsfrage ist seit jeher der Tummelplatz sozialpolitischer Re⸗ former aller Art. So fand vom 16.19. Ottober in Frankfurt a. M. der erste allgemeine deutsche Wohnungskongreß statt. Sein komplettes Fiasko bezeugt das Urteil des Professors Brentano, daß es der bürgerlichen Wissenschaft nicht gelungen sei, die Klassen⸗ gegensätze zu überwinden; bezeugt ebenso der Jubelruf der Hausbesitzer, deren Urteil der bekannte Baumeister Hartwig dahin zusammen⸗ fassen lonnte, daß der Grund der Wohnungsnot die mangelndesittliche Qualifikation vieler Mieter sei, die Lust an Spiel und Weibern hätten und ihr Geld in die Streik⸗ kasse abführten.(Hört, hört!) Und der Referent Professor Pohle negierte jede Wohnungsreform, als er schrieb, das Anwachsen der Bodenrente sei keine ungerechte Erscheinung, müsse als not⸗ wendige und gegebene Tatsache hingenommen werden. So wenig wie dieser Kongreß hat ————— E 104 1 7 Nr. 2. 1 Seite 2. Nittelbentsche Senntags· gettang. der preußische Städtetag nene Wege zur Ver“ rungen der folgenden von ihm vorgelegten in Bezug auf die Vorso de fend des. 8 besserung des Wohnungs wesens gewiesen. Nun Resolution. Luftraums sogar hinter denen 5 Preunges⸗ müssen wir scharf unterscheiden zwischen akuter Die kapitalistische Entwicklung der bürgerlichen Ge. heimer Gefängnisses a Weiter Dre 14 Wohnungsnot, dem Mangel an Wohnun en sellschaft schafft auf dem Gebiet des Wohuungswesens meint er, daß die Frankfurter Wo gsreformen 0 1 für zahlungsfahige Mieter, und 7 Zustände, die für die breiten Volksmassen in Stadt und und die Tätigkeit des Oberbürgermeisters Adickes die darin besteht, daß die Wohnungen für die] Land die schwersten Schädigungen in gesund. nicht überschätzt werden dürften; die dort ein⸗ 1 unbemtttelte Bevölkerung vollkom⸗ beitlicher, sittlicher und materieller Hinsicht geführte Zuwachsstener werde auf die Mieter men unzulänglich und im Verhältnis zu 1 a Grund und Boden abgewälzt. Schü tz⸗Breslan berichtete don dem %%%% Diesen Uebelständen wirkt der Entwurf nur in den Städten die Rente aus Grund⸗ und Hausbesiz rung Arbeiterwohnungen zu bauen, mit dem sehr schwach entgegen. Weder die Aenderung los in die 95 trieb d dadurch be⸗ Hinweis bekämpft, daß man den Hausbesitzern 1 der Baufluchtlinienfestsetzung noch einige Steuer⸗ 5 70 595 die Hirte 221 pie bis 5 nicht Konkurrenz machen könne. Eine vor erlässe für Häuser mit kleinen Wohnungen Teil ihres Einkommens für die Wohnungsmiele aus- Jahren eingesetzte Gesundheitskommission habe K werden mehr als eine Farce sein. Auch die geben muß. auch nichts geleistet, den Hausbesitzern zuliebe. 57 Baugenossenschaften werden in absehbarer Zeit Die unerschwinglich hohen Mieten zwingen entweder Obige Resolution findet hierauf einstimmige gegen das Privatkapital nicht aufkommen zur Aufnahme von Aftermietern und Schlafgängern in Annahme und der Parteitag geht zum zweiten können; aber für die bestgestellfen Arbeiter[die Familienwohnungen, wodurch eine mit schweren Punkt der Tagesordnung: leisten sie Nützliches und insoweit hat ihre gesundheitlichen und sittlichen Uebelständen verbundene ; 15 Ueberfüllung der Wohnungen herbeigeführt wird, oder Die Schulfrage⸗ f 270770 1. u wenn es weber ztüune für Wobnzwagt kennt. bl zur Be, über. Hierzu referiert Gen. Dr. Arons, die Baugenossenschaften billige Baugelder hätten, bausung von Menschen ungeeignet find. der zunächst einen geschichtlichen Rückblick über 5 Um eine durchgreifende Aenderung dieser Verhältnisse die twickelung der preußischen Volkeschule die ganze Wohnungsfrage gelöst ist. Deshalb zu bewirken, bedarf es der Loslösung des Grund und F 55 Ein 815 5 können wir auch nicht für den neuesten Vor⸗ und Bodens von allen kapftalisttschen In⸗ gesetz besteht überhaupt nicht, dafür laufen schlag des Or Freund eintreten durch Zwangs. teressen, da diese zunig und allein auf Auswuche⸗ eine Menge Ministerialverordnu igen Reskripvze da zuschläge zur Invalidenversicherung billige[rung des Grund und Bodens und möglichste Steigerung usw., einander kreuzend oder a hebend Die e Hypothekengel der für die Baugenossenschaften und der Grundrente abzielen. 0 3 8 5 8 6 Kirche hat in den Volksschulen noch tmner die — für den Bau von Arbeiterwohnungen dur Erst auf dem im Allgemeinbestz ocfindlichen nicht j f f n nehmer oder andere ve 9 0 2 ü 5 dem Kapitalismus dienstbaren Grund und Boden können Herrschaft. Die Kreisschulinspektoren find meist die rnehmer o bertrauenswürdig 4 Geistliche beider K Von 1064 Kreis⸗ gesunde zweckentsprechende Wohnungsverhältnisse für die eistliche beider Konfesstonen. Von Kreis-. 1 Priwate zu gewinnen. Abgesehen von den Arbeiterklasse geschaffen werd schulinspektoren sind 971 Theologen und nut 0 Inpalidengaftalten müßte aber die Unterstützung ur Die bürger 15 Gef licht in weber geil noch— O8 seminaristisch vorgebildete Beamte. Siebzig en f durch die Gemeinden erfolgen und da wäre es b e e e ü eee ge 5 30 r 0 ürlich viel wirk wie die bisher gemachten Mohnungsreform⸗Vorschläge Prozent der Volksschulen sind Halbtags⸗ 80 1 N e türlich viel wuksamer wenn die Gemeinden Aenncler—abeföhigt, der infolge der kapttalistschen ch ulen, die noch dazu in hohem Maße über- b ü selbst den Bau k leiner Wohnungen Ausbeutung entstandenen Wohnungsnot der Arbeiterklasse füllt sind. In solchen Schulen wurden 1901 la 3 energisch in die Hand nähmen. Die nötigen durchgreifend entgegenzutreten. insgesamt 875 576 Kinder, also 15 Proz., unter⸗ bea 1 Mittel müßten mit Hilfe von Zweckverbänden Auch der von der preußischen Regierung veröffent⸗ richtet. Wie groß das Elend der eberfüllung ist n 55 oder mit Hilfe des Staates aufgebracht werden. lichte Wohnungsgesetz⸗Entwurf ist völlig unge⸗ kann man ermessen, wenn man bedenkt daß in 90 Aber freilich, kein Privatier kann sich beim nügend, den schweren auf dem Gebiet des Wohnungs⸗ weiklassigen Schulen 50 Kinde, in einklasst wu Grundstücksverkauf weniger um das Allgemein wesens vorhandenen Mißständen ernstlich zu begegnen.— dul 980 Ander uterfüuk⸗ 1 15 . Wohl kümmern, als der preußtsche Staat, 5 1 0 5 e 1 eee Im Durchschnitt waren in diesen Schulen der 3 f f a ilitär⸗ aat un emeinde, dur e Fortdauer* 8 3.4 ö 113 12 1 Elsenbaht e. 4 deren Bevorrechtung der Hau sbesiter bei den[89 Kinder vorhanden. Der Kößg von Preußen N 55 Spekulant ist.— Der Redner eht d f Gemeindewahlen erstickt der Entwurf jede gesunde und hat es aber als 10 erei bezeichnet, Fe 1 die Besti mu des Ent 9 8 über 155 wirksame Wohnungsreform im Keime. wenn ein Lehrer auch nur 70 inder zu unter⸗ 1 8 Erl 1 1e K utwurfs über den Von der alle kulturellen urd freiheitlichen Bedürfnisse richten hat. Redner schildert dann eingehend 1 N 15 von Wohngeorduungen und die Er⸗ des Volkes zurückdrängenden preußischen Regierung ist die Halbtagsschulen und die Mitteltagsschulen, her 7 rich ung von i ohnungsämtern ein und weist ebenso wenig eine ausreichende Wohnungsreform zu er⸗ ferner die Sommerschulen. Diese letzteren hei 1 5 auf die zahlreichen Beschränkungen hin, die in warten, wie von dem preußischen Landtag, der, das Kategorien sind die auf dem Bande vorherr⸗ die 15 den Bestimmungen enthalten sind, insbesondere Zerrbild einer Volksvertretung darstellend, nur kapita⸗ schenden Formen. Dritteltagz hulen existieren wü die Ausnahme des Landes und der kleinen listischen Interessen dient und in dem eine klerikal⸗abso⸗ 8 N a g ogar noch drei vor den Toren Berlins, nämli Städte, die eine Kapitulation vor den Junkern lutistische Majorität ihr volks⸗ und arbeiterfeindliches 100 b don Ein L rer in der 1 75 sieh 15 f 1 j Wesen treibt.. 5 5 e wurfes als die denkbar geringsten Anforderungen Nahmen der heutigen Gzelscaftsordnung hat zur Vor zu unterrichten. Der Akan det nun a 5 mag 0 aussetzung einen maßgebenden Einfluß des Pro- des Näheren auf den Lehsplan zin den 13 1 bezeichnet. Aber trotzdem habe unter den Haus⸗ Volksschulen ein. In„den einklassigen. 5 N agrariern der Entwurf einen Sturm der Ent⸗ 0 . letariats auf Staat und Gemeinde, der nur durch Pre 3 8 5 8 Eroberung der polttischen Macht errungen werden kann.] Schulen werden bei 29 uden Unterricht f 1 rüstung entfesselt. In seiner Broschüre gegen Der Parteitag der preußischen Sozialdemokratie] 4 Stunden Religion geleh“ da egen keine f das Wohnungsgesetz erklärte bekanntlich der fordert daher unter Verwerfung des preußischen Gesetz⸗ einzige Stunde für Natur] antnisse, Physik, 1 Vorsitzende des Zentralverbandes deutscher entwurfes: Anthropologie uw. Bei in Mittelschulen, 1 5 Hausbesitzer, Justizrat Baumert, daß die gemein⸗ 1. Den Erlaß eines umfassenden Reichs wohnungs⸗ wo ein Schulgeld gezahlt 5 fällt die 1 ö same Benutzung des Aborts erzteherisch gesetzes unter anderem mit Bestimmungen für die in Zahl der Religionstunden Verhältnis zu 2 auf die Mieter wirke und daß die Forderung den einzelnen Gemeinden zu erlassenden Wohnungsord⸗ dem übrigen Unterricht. Hie“ 4 N a f raucht man den getrennter Schlafräum'e für Kinder verschiedenen[nungen und weitgehendem Enteignungsrecht zu Gunsten Kindern das Rückgrad nicht 5 u beugen wie in der Gemeinden. N e 45 15 5 10 5 2. Schaffung eines Reichs⸗Wohnungsamtes der Volksschule, denn aus diem Kreise gehen zJamiliensinnschädige“ und die ch⸗ als Zentralinstanz für die in allen Gemeinden zu er] die Uunterofftziere der Induf he hervor. Redner keit nicht fördere.— Der Redner macht ferner richtenden komm unalen Wohnungsämter. behandelt nun den Lehrelsangel. Dieser auf die Lücken im Entwurf aufmerksam. So 3. Einführung des allgemeinen, gleichen, geheimen] habe seinen Grund in der Ibhängigkeit vom fehle eine Bestimmung über die Fenster über und direkten Wahlrechts für alle Einwohner der] Geistlichen und in den Cchaltsverhältnissen. 8 5 haupt. Und doch sage ein wahres italienisches Gemeinden. Aufhebung aller Vorrechte für die Während das Anfangsgehal der Lehrer 900, * Sprichwort:„Wo die Sonne nicht eintritt, Hausbesitzer. das der Lehrerinnen 700 M. betrage, erhalte 4 tritt der Arzt ein.“ Auch könnten die 4. Völlige Selbst verwaltung der Gemeinden. der evangelische Geistliche 800 Mk. Anfangs⸗ N Wohnungsämter nicht direkt auf die Erst wenn diese politischen Vorbedingungen gegeben gehalt, der katholische 1500 Mk. Die Aus⸗ Wohnungsverhältnisse einwirken, sondern nur find, werden die Ge neinden die Wohnungsnot ernstlich p f[dung der Lehrer geh genau nach dem⸗ Sim i durch die Polizei, ebenso wie die Wohnungs⸗ bekämpfen können. Als hierfür geeignete Mittel kommen selben Grundsatz wie dle her Kinder: nicht eine ö ordnungen nur durch Poltzeistatut geschaffen in erster Linie in Betracht: a. Erhaltung und Vermeh⸗ zu viel lernen, dafür recht bescheiden. Habe größ werden könnten. Trotzdem dies eine Beein. rung des Gemeinderigentums an Grund und Boden, erst die Sozialdemokratie di Macht im Staate trächtigung der Selbstverwaltung sei, dürfe nde ee Sa z be a e dann werden die Lehrer d 55 Stelle ein⸗ eint man sich nicht von den Hausagrariern mit Wohnungen, welche zu Mietsprelsen abzugeben sind, bei] nehmen, während sie heute anach getzen, mit hall diesem Schlagwort ins Schlepptau nehmen denen nur die Verzinsung und Amortisation des aufge-[den Subalternbeamten auf eine Stufe gestellt kön f 19175 ven 111 1 90 61 wendeten Kapitals sowie die aus der Instandhaltung 90 i bee Maur eische daß wischen dem rolelartat un nen. eder Gebäude entstehenden Kosten in Ansatz gebracht Ulregulative bespro en, ge er über zu g Arbeiterschaft sei bereit, auch heute an der werden. C. Besteuerung des unverdienten Wertzuwachses Kritik des gegenwärtigen Schulkompro⸗ 17 5 ul U b Verbesserung des Wohnungswesens mitzuwirken, an Grund und Boden. d. Aufstellung von umfassenden misses, das den alten Rumerschen Regula⸗-— 1 solange noch das Privateigentum an Grund Stadterweiterungsplänen und Erlaß abgestufter Bauord⸗ tiven wieder zustrebt. Anstelle der Simul⸗ und Boden bestehe. Aber sie lasse sich nicht nungen. e. Uebernahme der Verkehrsmittel in kommu⸗ tanschule soll danach die fonfes fine; f 5. abspeisen mit Bestimmungen, die vollkommen 5 1 und planmäßige Aufschließung des Gemeinde⸗ 1 wie 15 auch im digt de Schulent⸗ f unfruchtbar auf dem Papier bleiben müßten. 5 wurf vorgesehen war. cht der liberalen 5 Sie sei sich aber auch vollkommen klar, daß Die Diskusston, welche dem Referat folgte,] Parteien wäre es gewest, statt dessen die g nur im Rahmen des großen Emanzipations⸗ war nur kurz. Es beteiligten sich daran Frau vollkommene Ausscheid u 8 der Religion 5 kampfes der Arbeit das Proletariat sich auch Dr. Weyl, Dr. Quarck⸗Frankfurt und Schütz[aus dem Lehrplan de Schule zu fordern. Au 5 gesunde Wohnungen erkämpfen könne.— Redner Berlin. Quarck bemerkte, daß die Bestimm. Die Vertreter der Freisinnen haben sich aber. i begründet dann eingehend die einzelnen Forde- ungen des preußischen Wohnungsgesetzentwurfs im preußischen Landtag diegen verwahrt, die eine 1 Doll ler die ind meist 04 Kris. und nut ebzi tags ße über⸗ en 1901 , Unker⸗ klassigen gelten. Schulen Preußen zeichnet, unter- gehend schulen, ietzteren orherr⸗ zistieren nämlich r Pro⸗ inder ht nun den lasstgen terricht keine Pult, schulel, t die nis zu an den wie in gehen Redner Dleser t le. tnissen. r 000, erhalle folg Aus⸗ delle cht habe tale, Ar. 2. Witteldentsche Sountags⸗Zeitung. Seite. Schule„entchristlichen“ zu wollen.— Wie habe sich nun die Sozialdemokratie bei diesem Kampf um die Schule zu verhalten? Der Auffassung, den Kampf den Liberalen zu überlassen, tritt Redner entgegen, da in Deutschland eben eine wirklich lüberale Partei nicht bestehe. Aber auch die weitgehendsten liberalen Pro⸗ gramme bleiben in wesentlichen Punkten hinter den Forderungen der Sozialdemokratie zurück. Der Sozialdemokratie ist das Losungswort, mit dem sie in den Schulkampf zu ziehen habe, aufgezwungen; da man die Konfessionsschule einführen wolle, so müsse unser Kampfeswort lauten:„Fort mit der Religion aus der Schule!“ Anderseits müsse unsere Haupt⸗ forderung sein: die Einheitsschule. Erst wenn diese unsere Forderung erfüllt ist, wenn die Kinder der Reichen mit denen der Armen zusammen unterrichtet werden, haben auch unsere anderen Forderungen Ausstcht auf Erfolg. Die Volksschule ist unter der Herrschaft der kapita⸗ listischen Gesellschaft zu einer Anstalt entwickelt worden, deren vornehmste Aufgabe ist, die bestehende Klassen⸗ herrschaft zu erhalten und die vorhandenen staatlichen und gesellschaftlichen Autoritäten zu stützen. Um diesen Zweck in höherem Grade zu erreichen, ist die Schule dem Einfluß und der Herrschaft der Kirche unterworfen, ist der Geistliche zum Vormund des Lehrers elngesetzt worden, ist anstatt der Einheitsschule für sämtliche Kinder des Volkes ein nach den sozialen Schichten geschiedenes Schulsystem entwickelt worden, das darin gipfelt, daß der Lehrstoff für die in den eigent⸗ lichen Volks schulen vereinigten Schüler auf das dürftigste bemessen ist. Obgleich die preußische Volksschule längst von dem Volksschulwesen in vielen anderen Staaten überflügelt wurde, und obgleich es die Entwickelung des modernen Wirtschaftssystems in hohem Grade fördert, wenn auch der letzte Arbeiter ein höheres Maß von Wissen und Können besitzt, hat ein großer Teil der sich liberal nennenden Bourgeoisie sich mit den ausgesprochensten Feinden der Volksbildung zu dem sogenannten Schul⸗ kompromiß vereinigt. Der Schulkompromiß ist ein Verrat an den bis⸗ herigen Kulturerrungenschaften, ein Akt namenloser Feig⸗ heit einer sich liberal nennenden Bourgeoiste, die damit die Volksschule endgültig zur Dienerin der Kirche herab⸗ würdigen will. Der Parteitag der Sozialdemokratie in Preußen sieht in der allgemeinen möglichst hohen Volksschulbildung aller ein eminentes Kulturelement, das die geistigen und materiellen Interessen des Volkes aufs höchste fördert. Von diesem Gesichtspunkt aus fordert der Parteitag als Mindestmaß zur Hebung des Volksschulwesens in Preußen: 1. Die Trennung der Schule von der Kirche, d. h. die gänzliche Beseitigung des Einflusses der Geist⸗ lichkeit in der Schule und die Ausscheidung jedes religiösen Unterrichtes aus dem Lehrstoff der Schule. 2. Die Einheitsschule für alle der Schulpflicht unter⸗ worfenen Schüler; neben der Unentgeltlichkeit des Unterrichts auch die Unentgeltlichkeit der Lehrmittel; Beschränkung der Schülerzahl auf ein Maß, das dem Lehrer die volle Unterweisung seiner Schüler ermöglicht. Bessere Ausbildung und Besoldung der Lehrerschaft. 3. Schaffung von Schulräumen und Lehrmitteln, die den Anforderungen der Hygiene und der vorge⸗ schrittensten Pädagogik entsprechen. 4. Ernährung und Bekleidung aller hülfsbedürftigen Schüler. Der Parteitag fordert die Parteigenossen auf, im Sinne der vorstehenden Forderungen die Agitation für eine Umgestaltung des Volksschulwesens in Preußen mit größtem Nachbruck zu betreiben. An das vorzügliche Referat schloß sich eine eingehende Diszussion, auf die wir raumes⸗ halber aber erst in nächster Nummnr eingehen können, ebenso auf die Verhandlungen über das Kontraktbruchgesetz und das Landtagswahl⸗ recht. Die Resolution zur Schulfrage wurde mit einigen Zusätzen einstimmig angenommen. 22———— Politische Nundschau. Gießen, den 5. Januar 1905. Die Ausbungerung des deutschen Volkes. Die„Soziale Praxis“ brachte dieser Tage eine wirtschaftliche Untersuchung von Dr. Ferd. Goldschmidt über den Fleischkonsum in Deutschland. Er geht davon aus, daß der Mensch ein bestimmtes Quantum Eiweiß nur durch Fleischnahrung asstmilieren kann, da Pflanzeneiweiß durch den menschlichen Körper nur im beschränkten Umfang assimiliert wird; dasselbe gilt von den Kohlehydraten. Gold⸗ schmidt kommt zu dem Schlusse, daß in Deutsch⸗ land ein durchschnittliches Jahresdefizit von 6½ Kilogramm Eiweiß pro Kopf der Be⸗ völkerung besteht, zu dessen Deckung ein Mehrkonsum von 32½ Kilogramm Fleisch pro Kopf nötig wäre, auf den heute nur 40 Kilo⸗ gramm Jahreskonsum entfallen.„Dieses Plus vermag die Bevölkerung nicht zu kaufen,“ führt Goldschmidt aus,„und wie deckt ste den Mangel? Sie deckt ihn gar nicht, sondern sie setzt das Nahrungs⸗ bedürfnis herab durch— Alkohol. Die wechselseitige Abhängigkeit des Fleisch⸗ und Branntweinkonsums ist durch die französische Statistik festgestellt.“ Dieser Nachweis der Aushungerung des deutschen Volkes durch den Fleischwucher läßt die Unterernährung der großen Masse weniger kraß erscheinen, als ste tatsächlich ist. Denn in die Durchschnittsrech⸗ nung sind auch die Angehörigen der besitzenden Klassen einbezogen, die ihren Leib nicht zu kasteien pflegen, und sicher weit über das von Goldschmidt als Minimum bezeichnete Ausmaß von 72 Kilo Fleisch pro Kopf und Jahr konsu⸗ mieren. Derlei Feststellungen kennzeichnen das Verbrecherische der agrarischen Fleischwucher⸗ pläne, deren Verwirklichung die deutsche Reichs⸗ regierung jetzt in den Vertragsverhandlungen mit Oesterreich so hitzig betreibt! Wieder ein militärisches Zuchthausurteil! Von dem Kriegsgericht in Trier wurden zwei Musketiere wegen militärischen Aufruhrs zu je fünf Jahren Zuchthaus ver⸗ urteilt.— Die Berufungsverhandlung der Dessauer Verurteilten, Voigt und Günther, soll am 11. Januar in Magdeburg stattfinden. Wegen eines andern„Verbrechens“ gegen den unbedingten Gehorsam bekam ein Infanterist des Regiments Nr. 39 vier Monate Ge⸗ fängnis. Ein Leutnant hatte dem Manne den unseres Erachtens chikanösen Befehl gegeben, den Namen eines Vorgesetzten zwanzigmal abzuschreiben. Darauf hatte der Füstlier vor versammelter Mannschaft erwidert:„das tue ich nicht, wir sind hier nicht in der Schule“. Diese Sünde muß der Mann mit vier Monaten büßen. Geschlagener Ordnungsbrei. Einen schmählichen und wohlverdienten Rein⸗ fall hat das Scharfmachertum in Crimmit⸗ schau erlitten. Bei der letzten Stadtverord⸗ netenwahl stegten unsere Genossen in der ersten Klasse(das sind die ärmeren Steuerzahler) mit einer Mehrheit von nur 2 bis 6 Stimmen. Es gelang den Gegnern, die Ungültigkeits⸗ erklärung der Wahl zu erreichen. Nunmehr machten die Reichstreuen und Scharfmacher, an deren Spitze ein Rechtsanwalt Tietze steht, die wahnsinnigsten Anstrengungen, um unsere Genossen aus der Stadtvertretung zu drängen. Die Streikbrecher vom vorjährigen Textilarbei⸗ terstreik wurden als Wahlhelfer benutzt und sonst mit allen den gemeinen Mitteln der Ver⸗ leumdung gegen unsere Partei gearbeitet, wie sie nur das sächsische Ausbeutertum und seine Tintenkulis gewohnt sind. Aber es nützte der Gesellschaft nichts. Mit 18 Stimmen Mehr- heit wurden am 29. Dezember nach heißem Kampfe unsere Genossen wiedergewählt, auf die sozialdemokratische Liste entfielen 677, auf die gegnerische 659 Stimmen. Als Erfolg ihrer traurigen Machinationen ernten die„Reichs⸗ treuen“ jetzt die Blamage.— Zwangsgeschenke für Prinzessinnen treibt man in Mecklenburg ein. Für die Herzogin Cäcilte, die Braut des deutschen Kron⸗ prinzen, müssen 73099 Mk. Prinzessinnensteuer aufgebracht werden, wozu auch die kleinen Eigentümer mit beitragen müssen. Man„hofft“, diese mittelalterliche Einrichtung zu beseitigen, ob's aber gelingt, ist eine andere Frage. Nussisches. Rußland ist eben dabei, einen neuen Pump von 500 Millionen Mark anzulegen und deut⸗ sche Bankhäuser bemühen sich, den mit 4¼% verzinslichen Betrag aufzubringen. Erst im April v. Js. kam die letzte russische Anleihe von 648 Millionen Mark heraus. Der wahn⸗ sinnige Krieg kostet natürlich ein heidenmäßiges Geld; ein großer Teil des Volkes nagt aber am Hungertuch. Vätercheuns Gnade. Die lebensläng⸗ liche Kerkerstrafe, die Sasanow, dem Mörder Plehwes, zuerkannt wurde, ist gemäß dem katserlichen Erlaß vom 24. August d. J. be⸗ treffend die von Sondergerichten gefällten Ur⸗ teile auf 14 Jahre ermäßigt, die dem Mit⸗ angeklagten Sikorskt zuerkannte Strafe von 20 Jahren auf 10 Jahre Kerker ermäßigt worden. Mehrfache Behauptungen, daß man es bei den Verurteilten überhaupt nicht mit den wirklichen Mördern zu tun hätte, ge⸗ winnen dadurch an Wahrscheinlichkeit. Unterdes wächst die Bewegung gegen den Zarismus immer mehr. In vielen Orten fanden Demonstrationen gegen die Re⸗ gierung und gegen den Krieg statt, über die aber nur selten wahrheitsgetreue Berichte in das Ausland gelangen. In Kalisch(Russisch⸗ Polen) fanden von Mittwoch bis Freitag Straßenkämpfe statt, wobei die russtsch⸗ orthodoxe Kirche und mehrere angrenzende Straßen völlig zerstört wurden. In Mielce und Wansk verband sich die Bevölkerung mit den Reser visten, welche unter keiner Bedingung in die Militärzüge einsteigen wollten. Die Behörden waren gegenüber den Revoltierenden mehrere Tage machtlos.— Ferner wird aus Schuscha berichtet: Der Steuerinspektor Scherdakoff wurde durch fünf Revolverschüsse am Tage mitten in der Stadt getötet. Den beiden Attentätern gelang es, zu entfliehen. Dem Attentat liegen politische Beweggründe zugrunde. Das Publikum erweist den verurteilten Mördern Plehwes Ehrungen und bekundet ihnen Sympathie. In der Literarisch⸗artistischen Gesellschaft in Odessa stellte jemand nach einem Vortrage den Antrag, Sasanow und Sikorski durch Erheben von den Sitzen zu ehren. Das gesamte Publikum erhob sich, wie ein Mann, die anwesenden Militärpersonen nicht ausgenom⸗ men.„Die Regierung“— setzte der Redner fort— „hat sie verurteilt, doch hat der Urteilsspruch des Absolutismus selbstverständlich nicht die geringste moralische Bedeutung.“ Ein brausendes „Nieder mit der Alleinherrschaft!“ erfüllte bei diesen Worten den Saal. Es sprachen noch ein Sozialdemokrat und ein revolutionärer Sozialist und zum Schluß auch ein Liberaler, der seine Ansprache mit dem Rufe:„Nieder mit dem Kriege!“ schloß, was in der gauzen Versammlung stürmischen Widerhall weckte. l Russisch⸗japanischer Krieg. Der Fall von Port Arthur ist am 2. Januar nun endlich erfolgt. An diesem Tage berichtete General Nogi der japanischen Regierung, daß er einen Brief General Stössels erhalten habe, worin dieser Vorschlaäͤge zur Uebergabe mache. Die Feindseligkeiten wurden noch an diesem Tage eingestellt und die beiderseitigen Befehlshaber und Bevoll⸗ mächtigten verhandelten über die Kapitulations⸗ bedingungen. Darüber kam es noch im Laufe des Nachmittags zu einer Einigung und Abends gegen 10 Uhr wurde das Abkommen unter⸗ zeichnet. Den gefangenen Offizieren werden danach alle militärischen Ehren zugestanhen und ihnen die Erlaubnis zur Rückkehr nach Rußland unter der Bedingung gegeben, daß ste nicht wieder gegen Japan kämpfen. Die Mannschaften werden zu Kriegsgefangenen gemacht Nach den Berichten muß die Besatzung Port Arthurs in der letzten Zeit schrecklich gelitten haben, mehr als 14000 Kranke und Verwundete befinden sich in den Hospitälern. Die Stadt gleicht einem Trümmerhaufen. Selbstverständlich rief die Nachricht von dem Falle Port Arthurs in Japan ungeheueren 5 — * 1. g 5 Sr c Seite 4. Mitteldentsche Sonutags⸗Zeitung. Jubel hervor und fatsächlich bedeutek dfe Er⸗ oberung der Festung für die Japaner einen glänzenden Triumph. Sie haben damit die unbestrittene Herrschaft zur See; die rus⸗ sische Flotte ist vollständig vernichtet, die noch im Hafen von Port Arthur befindlichen, ohnehin schwer beschädigten Schiffe wurden vorher von den Russen in die Luft gesprengt. — Mit der Einnahme Port Arthurs ist der Krieg so gut wie entschieden; auch die Ex ⸗ pedition der„berühmten“ baltischen Flotte, die den„großartigen Sieg“ über die englischen Fischerboote davon trug und deren größter Teil jetzt bei Madagaskar vor Anker liegen soll, ist zwecklos geworden. Soziales, Gewerkschaftliches, Arbeiterbewegung. Hoher Lohn für Nichtstun. Eine fette Dividende heimsen in diesem Geschäfts⸗ jahre die Aktionäre der Ilseder Hütte(Braun⸗ schweig) ein. Sie preßten von den Arbeitern nicht weniger als 52 Prozent heraus. Schade, daß das Blatt, dem wir diese Mit⸗ teilung entnehmen, nicht zugleich die Löhne der Arbeiter anführt. Soviel ist aber ganz sicher, das diese über den Durchschnitt nicht hinausgehen. Da findet sich aber kein bürger⸗ liches Blatt, das dazu etwas zu bemerken hätte. Ja, wenn es sich um einen Arbeiter⸗Konsumverein handelte, wollten wir einmal den Lärm hören! Ueberhaupt sind hohe Entbehrungslöhne gar nichts so seltenes. Um nur einige! anzuführen, zahlen Dividende: Farbwerke in Höch st a. M. 20 Prozent; Badische Anilin⸗ und Sodafabrik 22 Prozent; Chemische Fabrik Mannheim 16 Prozent; Kaliwerke Westerregeln 17 Prozent; eee Waldhof 15 Prozent und so weiter! Eine Produktiv Genossenschaft der Schneider hat sich in Jena gebildet. Gegen⸗ stand des Unternehmens ist die Herstellung und der Verkauf von Herren⸗ und Damen⸗ garderobe, Handel mit Kleidern und Kleider⸗ stoffen, sowie allen Bedarfsartikeln des Schneider⸗ gewerbes auf gemeinschaftliche Rechnung. Die Anfänge der Genossenschast führen auf den vorjährigen im Schneidergewerbe ausgefochtenen Kampf um den Arbeitsvertrag zurück. Die unterlegenen Ausgesperrten haben sich selb⸗ ständig gemacht und ein eigenes Geschäft ge⸗ gründet, das sich bisher einer zahlreichen Kund⸗ schaft zu erfreuen hatte und nun in einen genossenschaftlichen Betrieb umgewandelt wurde. . mḉ8—m—j—ñ—— von Nah und Fern. Hessisches. — Wozu Geld da ist. Die Darm⸗ städter Stadtverordneten⸗Versammlung hat gegen die Stimme unseres Genossen Cramer zwanzigtausend Mark für die Einzugs⸗ feierlichkeiten zu der demnächst stattfindenden Vermählung des Großherzogs bewilligt. Wenn die Darmstädter Stadtväter aus eigener Tasche zahlen müßten, hätten sie sich gewiß nicht so freigehig gezeigt. Gießener Angelegenheiten. — Zu dem Hüssener⸗Bilde, das wir auf ber ersten Seite wiedergeben, sei noch be⸗ merkt, daß dessen Richtigkeit von bürgerlichen Blättern angezweifelt und von einer„Mysti⸗ fikation“ der sozialdemokratischen Presse geredet wurde. Zur Beruhigung der zweifelnden Ge⸗ müter sei mitgeteilt, daß unserem Gewährs⸗ mann die sämtlichen Personen des Bildes be⸗ kannt sind. Rechts der Alte ist ein Gendurm aus dem Saarrevier, der in der Mitte ein rheinischer Hotelbesitzer; beide waren zu einer mehrmonatigen Gefangnisstrafe verurteilt, bie im Guadenwege in Festungshaft umgewandelt wurde. Man sieht also, daß wir auf das Genaueste unterrichtet sind und der von militär⸗ behördlicher Seite angeordneten Untersuchung mit Ruhe entgegensehen können. Der neue Fall Hüssener wird jedenfalls im Reichstage * zur Sprache kommen, wobei dann weitere Einzelheiten aus dem artigen Gefängnis in Ehrenbreitstein aus Licht befördert werden. — Söhnchen der Gebildeten. Unter dieser Spitzmarke berichteten wir kürzlich über eine hier entdeckte Schülerverbindung, mit deren Treiben sich unter Umständen noch der Staats⸗ anwalt befassen würde. Mit Bezug darauf erhielten wir eine Postkarte folgenden Inhalts: „In Ihrer letzten Nummer schrieben Sie unter„Söhnchen der Gebildeten“ einen Ar⸗ tikel, der nicht der Wahrheit entsprechende ehrverletzende Artikel brachte. Die letzt im Realgymnastum entdeckte Verbindung trieb keinerlei Dinge, mit denen sich wohl der Staatsanwalt beschäftigen wird. Möchten Sie gern Auskunft zu einer Berichtigung, so können Ste fich diese holen, wenn Sie (möglichst Red. Vetters) Freitag 5 Uhr im Rest. Lonys Bierkeller erscheinen würden. Gruß mehrere Beteiligte.“ Jedenfalls zeigt diese Zuschrift neben manchem andern, daß sich die hier in Betracht kommende Schuljugend schon Allüren angeeignet hat, durch welche sich vielfach die Nachkommen⸗ schaft„besserer“ Kreise unvorteilhaft auszeichnet. Unsere Mitteilung hatten wir aus sehr zuver⸗ lässiger Quelle. Eine dieser Verbindungen soll sich sogar„Die Räuber“ genannt haben. Ob diese Bezeichnung an Schiller oder an Schinder⸗ hannes erinnern sollte, wissen wir nicht. Hoffentlich bessern sie sich noch. Wir würden den jungen Leuten raten, die Verbindungs⸗ sptelerei sein zu lassen, vielleicht finden sie einen gefälligen Barbier, der ihnen„Schmisse“ ins 5 0„operiert“, wenn sie danach Sehnsucht aben. — Der Wahlverein hält Saustag, den 8. Januar seine erste Mitglieder⸗Versamm⸗ lung im neuen Jahre ab. Gen. Vetters wird einen Vortrag halten über:„Die Politik im Jahre 1904“, in welchem die hauptsächlichsten politischen Vorgänge im verflossenen Jahre zur Besprechung gelangen. Es wird recht zahl⸗ reiches Erscheinen der Parteigenossen erwartet. — Ferner erinnert der Kassterer die Mitglieder an den Quartalsschluß und ersucht, die Quittungsbücher in Ordnung bringen zu wollen. — Zum Gewerkschaftsfest, das in diesem Jahre, wie bereits vor einiger Zeit be⸗ kanzt gegeben wurde, Samstag, den 14. Januar im Saale des Café Leib stattfindet, bittet die Festkommission, daß Geschenke zur Verlosung bis Mittwoch, den 11. Januar, abends 9 Uhr in der Wirtschaft Orbig niedergelegt werden möchten. — Das Gewerkschaftskartell regelte in seiner am Dienstag stattgefundenen Sitzung zunächst mehrere auf das Gewerkschaftsfest be⸗ zügliche Angelegenheiten. Weiter wurde be⸗ schlossen, die allgemeine Gewerkschaftsver⸗ sammlung am 22. Januar abzuhalten, in welcher die üblichen Berichte gegeben werden. Ferner beschloß man, am 29. Januar eine Besichtigung des neuen Bibliothekgebäudes für die Gewerkschaftsmitglieder zu arrangieren. Aus dem Nreise gießen. Achtung, Lokalliste! An die Parteigenossen allerorts! Mit der nächsten Nummer werden wir gemäß des Beschlusses der letzten Kreiskonferenz damit beginnen, eine Liste der für unsere Genossen empfehlenswerten Lokale zu veröffentlichen. Die Genossen der einzelnen Orte— wo Partei⸗ vereine bestehen, selbstverständlich deren Vor⸗ stände— ersuchen wir deshalb, uns die in die Lokalliste aufzunehmenden Wirtschaften baldigst zu bezeichnen. Bedingung ist: 1. daß das betr. Lokal(Saal) uns zu Versammlungen zur Verfügung steht; 2. daß die„Mitteldeutsche SonntagsZeitung“ oder ein anderes Blatt unserer Partei aufliegt. b. Staufenberg. Diesen Samstag findet, wie bereits in letzter Nummer bekannt gegeben, die General⸗ versammlung des Wahlvereins abends 8 ½ Uhr im Vereinslokal statt. Die Tagesordnung ist aus dem Versammlungskalender ersichtlich. Alle Mitglieder werden ersucht, hierzu recht pünktlich zu erscheinen. Diejenigen, welche für das verflossene Jahr noch Beiträge zu ent⸗ richten haben, wollen etwas früher in der Versammlung erscheinen und diese Angelegenheit regeln, damit deine glatte Abrechnung gegeben werden kann. g f. Leihgesteen. Am zweiten Weihnachtstage starb hier unser treuer Genosse Kasp. Seipp III. im Alter von 63 Jahren. Bei seiner Beerdigung, die am Mitt⸗ woch unter großer Beteiligung stattfand, wurde von Seiten unserer Genossen ein Kranz niedergelegt. Ehre seinem Andenken! Aus dem Nreise Alsseld⸗Cauterbach. n. Aus Schotten schreibt man uns unterm 4. Januar: Vorigen Donnerstag verließ der Taglöhner Stephan Zinnel von hier seine Wohnung und sst seit⸗ dem verschwunden. Man vermutet, daß er sich ein Leid angetan hat. Seine Frau erstat tete deshalb sofort An⸗ zeige, doch wurden bisher noch keine Nachforschungen angestellt. Man scheint es also damit nicht sehr eilig zu haben, hoffentlich liegt der Grund zu der Langsam⸗ keit nicht darin, daß es sich nur um einen Tagelöhner handelt! Aus dem Odenwald. h. Neustadt i. O. Der hiesige Arbeitergesang⸗ verein„Vorwärts“ hielt am Neujah rstage sein Winter⸗ fest ab, das einen außerordentlich guten Besuch aufzu⸗ weisen hatte. Bis auf den letzten Platz war der ziem⸗ lich geräumige Saal des Gasthauses„zur Krone“ besetzt. Die gesanglichen und theatralische Darbietungen wurden exakt durchgeführt und erzielten starken Beifall, besonders verdienen die Leistungen des jungen Vereins, der mehrere Chöre mit Präzision zum Vortrag brachte, alle An⸗ erkennung. Gegenwärtig zählt der Verein 35 Mitglieder und besteht im vierten Jahre, er hat es aber bereits soweit gebracht, daß er vor vielen älteren Vereinen nicht zurückzustehen braucht und getrost mit dem hlesigen bürgerlichen Gesangverein in Wettbewerb treten kann. Aus dem Rreise Wetzlar. h. Einen teuren Prozeß hat die Stadt Wetzlar neulich mit Herrn Jung und einigen andern reichen Leuten von Niedergirmes wegen zu viel erhobener Gemeindeabgaben durchzufechten gehabt. Die Herren gingen zwar als Sieger aus dem Prozeß hervor, doch werden sie, weil der Oberprästdent inzwischen die von ihnen angefochtene Steuer genehmigt hat, diese doch zahlen müssen. Der Stadt sind aber nicht weniger als 2000 Mk. Kosten. erwachsen. Danach fragen aber solche stein⸗ reichen Herren nicht, die sich bei jeder Gelegen⸗ hett als Patrioten und erstklassige Bürger aufspielen. n. Krofdorf. Den Gemeindeförster Lucas, der seit Dienstag Abend vermißt wurde, fand man am Mittwoch Vormittag in dem Gemeinde- Wald vor der Höhe erschofsen auf. Seine Doppelfliute lag nahe bei ihm. Die Kugel war unter dem Unterkiefer in der Richtung nach aufwärts in den Kopf gedrungen. Lucas stand im 64. Jahre und war schon seit mehreren Jahrzehnten in Krofdorf Gemeinde⸗ förster. Ob hier Unglücksfall oder Selbstmord vorliegt, konnte noch nicht aufgeklärt werden. Eine uns zugegangene Zuschrift neigt zu der letzteren Annahme, doch sprechen die Umstände für Unglücksfall. Westerwald und Antersahn. n. Wahlverein in Niedershausen bei Weil⸗ burg. Von jetzt ab kommen die Mitglieder jeden ersten Sonntag im Monat bei Gastwirt Bender zusammen, erstmalig am Sonntag(8.), nachmittags 4 Uhr. Später etwa eintretende Aenderungen werden bekannt gegeben. Die Parteigenossen werden ersucht, sich recht zahlreich einzufinden. 1 Langenaubach. Ueber die Arbeitsverhält⸗ nisse auf der Grube„Constanze“ und die in letzter Nummer abgedruckte Zuschrift des Herrn Direktor Vahlensieck schreibt unser Gewährsmann: Wenn es dem Herrn Direktor absolut nicht einleuchten will, daß unsere Angaben über die Arbeitszeit richtig sind, so⸗ müssen wir den§ 11 seiner Arbeitsordnung sprechen lassen, der besagt:„Die regelmäßige tägliche Arbeitszeit dauert 13 Stunden. Die Arbeitszeit beginnt morgens um 6 Uhr und endet abends um 7 Uhr.“ Zur Zeit 1 die Steinbrecher, die ihre Arbeiten alle in kkord ausführen, morgens um 1/8 Uhr und hören um ½¼6—6 Uhr abends auf. Die Einlader treten um ½8 Uhr morgens an und sind bis 7508 Uhr abends beschäftigt. Mitunter kann man aber die Lokomotive um 8 Uhr abends noch rangieren hören; auch diese Arbeiter laden im Akkord ein. Die Aufbereiter arbeiten von morgens 7 bis 7 Uhr abends. Nach genauester Er⸗ kundigung und Erfahrung dauern die Pausen keinesfalls Nr., chungen fehr el dung. agelöhuer ergesang⸗ Vlnter⸗ ch auf dir ze e bescht. 1 wurden desonderz mehrere lle An⸗ uiglleber bereitg en nicht hlesigen kann. at die 9 und girmes gaben gingen , doch wischen ehmigt 5tabt osten steln⸗ elegen⸗ Bürger rster ermißt tag in ossen ihm. in der ungen. on seit neinde⸗ stmord perden. zu Del stände 1 Vell i aten 0 ammel, Spott gegeben. ahnt pahöl in lehlet Duellor 2 = D 2 — 2 2 8. — 8 2 2 — S — — — ͤ und die Mißstände abstellen. Mittel deutsche Sountags⸗Zeitung. Sei e 5. so lang wie B. angibt, übrigens besagt der Schluß⸗ passus des§ 11, daß im Winter„nur eine Pause von einer Stunde in der Mitte der Schicht stattfindet“. Im Steinbruch werden alle Arbeiten im Gedinge, d. h. im Akkord ausgeführt, es kann also von einem Stundenlohn absolut keine Rede sein. Da Herr V. anscheinend über die Lohnhöhe nicht genau orientiert ist, warten wir mit nachstehenden Lohnzahlungen auf. Die Kolksteinbrecher erhalten pro 200 Zentner zu brechen Mk. 2.60 und die Einlader pro Doppelwaggon einzu⸗ laden Mk. 2.15. Die Steinbrecher haben verdient im Oktober pro Schicht Mk. 2.93, im November Mk. 2 63 bis Mk. 2.93, davon ist allerdings zum Teil der Dynamit abgezogen, für Dezember wird aber noch rück⸗ ständiger Dynamit für zirka Mk. 42 abgehalten werden. Die Kolonne Paul hat pro Schicht Mk. 1.60 und die Kolonne Pitz Mk. 1.50 im Nobember verdient. Die Einlader haben Mk. 2 bis 2.30, die am Bremsberg Mk, 2 bis 2.40. Die Brecher erhalten von ihrem Brutto⸗Verbienst für Dynamit pro Pack Mk. 3.55 ab⸗ gezogen; das soll allerdings nach der Arbeitsordnung der Durchschnitts⸗Selbstkostenpreis sein, wenn wir aber der„Routine“ des Herrn V. zur Herausrechnung der Sel bst kosten mit Dynamitofferten dienen sollen, so sind wir aus„Menschenfreundlichkeit“ bereit dazu. Im Monat November verdienten eine ganze Anzahl Berg⸗ leute für 24 Schichten 36 Mk.; der höchste Lohn, den ständige Bergleute, die schon jahrelang auf der Constanze arbeiten, erzielten, betrug 60—65 Mk. An Stunden⸗ löhne von 44 und 47 Pfg. glaubt in Langenaubach kein Mensch, auch die Direktion nicht. Es sollte ja auch angeschlagen werden, daß der Durchschnittsverdienst im November Mk. 2,60 betrage. Bezüglich der Schutz⸗ hütte stellten wir fest, daß dieselbe von alten gebrauchten Eisenbahnschwellen zusammengeflickt und von 2 Seiten offen ist, auf keinen Fall also genügend Schutz bietet. Unsere Behauptung bezüglich der Beleuchtung entspricht ebenfalls den Tatsachen. Ebenso halten wir durchaus aufrecht, was wir über die Strafen sagten, Die kürzlich verhängten Strafen waren einfach ungerecht. 13 Arbeiter trinken nach Beendigung der Arbeit in ihrer Bude einen Schnaps und auf dem Nachhausewege singen sie ein Bergmannslied. Am andern Morgen er⸗ halten drei von ihnen je 2 Mk. Strafe„zudiktiert“, weil sie laut gesungen und sich in der Dunkelheit„un⸗ antändig betrugen“. Die vier anderen Arbeiter er⸗ hielten je 5 Mk. Lohnabzug, weil sie nach der An⸗ weisung des früheren Steigers Gail 2 Wagen zusammen⸗ gekoppelt hatten. Es muß einen überhaupt wundern, daß sich Arbeiter solche Strafen gefallen lassen. Wegen einer Bagatelle wird ein Arbeiter um zwei Tagelöhne gebracht, er und seine Familie zum Hungern verurteilt! Bedeutet es überhaupt nicht eine unerhörte Anmaßung des Unternehmers, die Leute zu strafen, die ihm Reichtümer erarbeiten? Dazu kommt noch, daß bei dem üblichen samosen Verrechnungs⸗System die Arbeiter ge⸗ radezu um einen Teil ihres Arbeitsverdienstes geprellt werden. Unser Gewährsmann setzt nun weiter auseinander, wie das gemacht wird. Wir müssen das aber für heute zurückstellen. Erwähnt sei nur noch, daß Herr Vahlen⸗ sieck in einem weiteren Schreiben uns mit Klage droht. Das ist immer die letzte Rettung„humaner“ und menschenfreundlicher Unternehmer, doch halten uns solche Droh ungen niemals ab, die Interessen der Arbeiter wahrzunehmen und gegen Ausbeutung und Ungerechtigkeit Stellung zu nehmen, auch wenn die betreffenden Arbeiter nicht zu unserer Partei gehören. Weiter erklärt Herr V., daß er sich nicht weiter mit einem„sozialdemokra⸗ tischen Hetzblatt“ unterhalten wolle. Natürlich, wer Mißstände aufdeckt, wird den Herren unbequem und von ihnen als„Hetzer“ bezeichnet. Anstatt zu schimpfen, sollte der Direktor lieber die Beschwerden untersuchen Schließlich fordern wir Herrn Direktor Vahlensieck hiermit auf, uns nur einen einzigen sozialdemokratischen Betrieb zu nennen, in dem 13 stündige Arbeitszeit üblich ist. Er erklärt, dafür Beweise zu haben, also heraus damit! Aus dem Rreise Marburg⸗Rirchhain. * Eine Schweinburgiade gemeinster Sorte leistete sich vorige Woche das Marburger Reptil, die„Oberhessische Zeitung“, im Volks⸗ munde die„Knochenbeilage“ genannt. Irgend ein Schmierfinke pöbelt unsere Partei in einem Artikel über den preußischen Parteitag in einer Weise an, die mit allem, was je gewissen⸗ und ehrlose Subjekte im Interesse des Ausbeuter⸗ tums gegen die Partei des arbeitenden Volkes zusammengelogen und geschimpft haben, erfolg⸗ reich in Konkarrenz treten kann. a Der„Drei rote Tage“ überschriebene Artikel ist burchaus im Pücklerstyl gehalten und spricht von unsern Vorkämpfern als„se w issenlos en Volksverführern, denen es nur um Be⸗ friedigung der Herrschsucht und des eigenen Vorteils zu tun sei“, deren Anhanger uch„von Singer, Arons und anderen Stammesgenossen beschwindeln lassen“. Den niedrigsten Schurkenstreich begeht der kleine Schweinburg mit einer elenden Verleumdung Singers, dem er nachsagt, er habe sich„im Hause einer be⸗ ruf⸗mäßigen Kupplerin minderjährige Mädchen zuführen lassen.“— Der Offenbacher Amtsblatt⸗ redakteur Anton Beer schrieb früher einmal: „Was in einem Amtsblatt steht, hat nichts zu bedeuten“. Das erkennen wir als durchaus richtig an und sind deshalb der Meinung, daß die von so niedriger Gesinnung zeugende Schimpfleistung auf keinen Menschen mit ge⸗ sunden Sinnen Eindruck machen kann. Der auf die Sozialdemokratie geworfene Schmutz fällt auf den Reptitredakteur zurück; man hat ja in hunderten von Fällen erlebt, daß solche Ordnungsretter dem Schicksale Hammersteins verfielen. Sollte es etwa noch Arbeiter geben, welche ein solches ihre Klasse und ihre Vor⸗ kämpfer besudelnde Papier abonnieren, so wer⸗ den ste hoffentlich wissen, was sie sich selbst schuldig sind und den Wisch zum Tempel hin⸗ auswerfen. r. Gegen Krebskrankheiten hat der außerordentliche Professor der Marburger Frauenklinik, Herr Dr. Opitz ein neues, wirksames Mittel gefunden. In der letzten Stadtverordneten⸗Sitzung kam eine Eingabe von ihm zur Beratung, in der er die Stadt⸗ verwaltung ersucht, ihm einige Räume im Siechenhause unentgeltlich zur Verfügung zu stellen zur Vornahme eingehenderer Studien. Dem Gesuch gab die Versammlung selbstver⸗ ständlich bereitwilligst statt. r. Gewerkschaftsversammlung. Samstag, den 14. Januar findet abends 8/ Uhr, wie aus dem Inserat in heutiger Nr. ersichtlich ist, eine öffeutliche Gewerkschafts⸗ versammlung im Jesbergschen Lokale statt, in welcher u. a. ein Vortrag des Gen. Vetters⸗ Gießen über„Die Entwickelung und der jetzige Stand der Gewerkschaftsbewegung“ auf der Tagesordnung steht. Außerdem wird die Ge⸗ werkschaftskommission ihren Jahresbericht erstatten. Die Gewerkschafts mitglieder und Parteigenossen wollen recht zahlreich erscheinen und auch in ihren unserer Bewegung etwa noch fernstehenden Bekanntenkreisen für recht regen Besuch wirken. r. Das Winterfest der vereinigten Ge⸗ werkschaften Marburgs wird am Sonntag, den 29. Januar im„Café Quentin“ abgehalten. t. Stöckerianer auf Agitation. Der Sekretär der„Christlich⸗Sozialen“ Dr. Burck⸗ hardt, Reichstagsabgeordneter für den Wahl⸗ kreis Dillenburg⸗Herborn, wird diesen Sonntag, (8.) nachm 4 Uhr in Cölbe eine Versammlung abhalten. Wenn unsere Genossen einmal die ganze Saft⸗ und Kraftlosigkeit der christlich⸗ sozialen Wassersuppen⸗Politik kennen lernen wollen, so können sie sich den Genuß bei dieser Gelegenheit recht bequem verschaffen. Geistliche Sünder. Mit der lieben Geistlichkeit haben verschiedene Staatsanwälte in der letzten Zeit Arbeit be⸗ kommen. In der letzten Nummer berichteten wir von dem Pfarrer Goldbach von Hauswurz bei Fulda, der unter Mitnahme von einigen 30 oder 40000 Mark Kirchengeldern mit der Haushälterin verduftete. Letztere kehrte unter⸗ des wieder nach Fulda zurück, Pfarrer und Geld sind jedoch verschwunden.— Ferner wurde der Pfarrer A. Oehling in Unterer⸗ tha!(Unterfranken) von Gendarmen festge⸗ nommen und ins Amtsgerichts ⸗ Gefängnis Hammelburg eingeliefert. Der Herr Pfarrer soll einer Meineidsverleitung schuldig sein.— Der katholische Pfarrer Wilhelm Schilo in Schmitten im Taunus wurde seines Amtes enthoben, weil er daran schuld war, daß seine Haushälterin eine längere Badereise antreten mußte. Kleine Mitteilungen. * Den Metzger Hudde, der wegen Ermordung des Pfarrers Thöbes in Heldenbergen verfolgt wird, hat man immer noch nicht. Seine Verhaftung wurde schon öfters gemeldet, hat sich aber immer als unrichtig er⸗ wiesen. i Auf der Wanderschaft gestorben. In Altenlotheim, Kreis Frankenberg wurden zwei Handwerksburschen, die dort in einem Stallgebäude übernachtet hatten, tot aufgefunden. Sie sollen durch den Kohlendunst eines Ofens erstickt sein. * Ein Eisenbahndieb wurde in Oberlahn⸗ stein in der Person eines Eisenbahnbeamten abgefaßt. Er hatte zwischen Ober- und Niederlahnstein eine Kiste mit 1000 Zigarren aus dem Zuge geworfen und wurde dabei ertappt, als er sie später holen wollte. i Ein Bürgermeister wie er sein muß. Der Düsseldorfer Oberbürgermeister Marx hat eine ihm von den Stadtverordneten angebotene Gehalts⸗Erhöhung mit der Begründung abgelehnt, daß er volle Befrie⸗ digung in der gedeihlichen Entwicklung des ihm anver⸗ trauten Gemeinwesens finde. * Tod bei der Arbeit. Durch den Sturm, der am vorigen Freltag in fast ganz Deutschland wütete, wurde in Bonn die Giebelmauer eines Neubaues der Wessel'schen Wandplattenfabrik umgeworfen. Dabei wurden drei Zimmerleute getötet, zwei schwer verletzt.— In Koburg stürzte das Eisgradierwerk der Vereinsbrauerei zusammen. Fünf Arbeiter sind tot, vier schwer verletzt.— Im Darmstädter Rangierbahnhofe wurde am Dienstag der Bahnarbeiter Gengnagel aus Erfelden über fahren und war sofort tot. Partei-Nachrichten. Parteipresse. Aus der Redaktion unseres Mainzer Parteiorgans ist Genosse E. Mendel aus⸗ geschteden. An seine Stelle trat Genosse Gotthilf Hitzler aus Stuttgart ein.— Aus der Redaktion des Offen⸗ bacher Abendblattes scheiden am 1. April die Genossen Ph. Scheidemann und R. Hauschild aus. Beide gehen nach Kassel, um die Leitung des dortigen Parteiblattes zu übernehmen, das in erweiter ten Umfange erscheinen soll. An Stelle Scheidemanns tritt Genosse Wittrisch, der vor Jahren schon ein mal Redakteur des O. A. war und gegenwärtig das Partei⸗ blatt in Forst redigiert. Das Dietz'sche Geschäft in Stuttgart (Zeitschriftenverlag und Buchdruckerei) ging mit dem 1. Januar 1905 in den Besitz des Genossen Paul Singer über, der unter der Firma Paul Stug er, Verlagsanstalt und Buchdruckerei, das Geschäft weiter betreiben wird. Der Antrag auf Uebernahme des Ge⸗ schäfts ist von den bisherigen Inhabern der alten Firma Bebel und Dietz ausgegangen und vom Parteivorstand acceptiert worden. Als Prokuristen wurden bestimmt die Genossen J. Belli und A. Kirchhoff. Versammlungskalender. Samstag, den 7. Januar. Gießen. Sozialdem. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Gießen. Brauer. Abends 8⅛ Uhr Versamm⸗ lung bei Löb(Wiener Hof). Staufenberg. Voltsverein. Abends 8 ¼ Uhr General⸗Versammlung im Vereinslokal. Tages⸗ ordnung: 1. Vorstindswahl. 2. Kassenbericht, 3. Kreisfest 1905. 4. Verschtedenes. Lauterbach. Sozialdemokrat. Wahlverein. Abends 8/ Uhr Versammlung im Vereinslokal. Sonntag, den 8. Januar. Heuchelheim. Arbeiterbildungsverein. Abends 8 Uhr General Versammlung bei Wirt August Rinn. Niedershausen bei Weilburg. Wahlverein. Nach⸗ mittags 4 Uhr Zusammenkunft der Mitglieder bei Gastwirt Bender. Neustadt i. O. Wahlverein. Nachmittags 2 Uhr Mitgliederversammlung im Vereinslokal. Tagesordnung: 1. Abrechnung; 2. Neuwahl des Vorstandes; 3. Stellungnahme zur Bürgermelster⸗ wahl; 4, Verschiedenes. Zahlreich und pünktlich erscheinen! Montag, den 9. Januar. Gießen. Schneider verband. Abends 9 Uhr Versammlung bei Or big. Briefkasten. P.⸗Odnuhsn. Ihr vom 29. Dez. datierter Brief lief erst am 5. Jauuar nachmittags bei uns ein. Wir wären bereit gewesen. In Zukunft geben Sie Briefe einfach zur Post!— Leihgstn. Weihnachtswohltälig⸗ keit nächste Nummer. Parteifreunde! nach besten Kräften für die immer weitere Verbreitung Eueres Blattes, der (Mitteldeutschen Sountags⸗Zeitung! PPP —— 2— — 9 N 8 e 3* 3 2 e e e 2 S e N N N . N 3 Mittel dentsche Sonntags- Zeitung. Nr. 2. 10 Unterhaltungs-Cril. 7 Das ungerechte Jahr. Wir rufen froh bei deinem Scheiden: Fahr' hin, du ungerechtes Jahr, Du brachtest uns nur neue Leiden Und neue Knechtschaft emsig dar; Du warfst die Frucht mit vollen Händen Den faulen Schlemmern in den Schoß, Uns aber lässest du verenden Bei harter Arbeit niedrem Los. Du reiftest Wein— wir tranken Wasser, Du schenktest Korn— wir litten Not, Vu gabst das Brot dem reichen Prasser Und schicktest uns den Hungertod; Du hast uns jederzeit vergessen Beim Leeren deines goldnen Horns, Doch reichlich hast du zugemessen Uns aus der Schale deines Sorns. Im Krieg ward unser Blut vergossen, Beim Mißwachs faulte unser Brot, Und wenn die Ströme überflossen, So standen wir in Schlamm und Kot; Je mehr die Sonne Aehren reifte, Je kleiner wurde unser Teil, Doch wenn der Sturm das Land durchstreifte, Traf uns gewiß sein Donnerkeil. Bon unsrer Arbeit reichem Segen Nast du gefüllt des Wuchrers Haus. And unsers Geistes freies Regen Ersticktest du mit kaltem Graus. Vu hast das gute Recht verhöhnet Mit deinem ganzen Lebenslauf— Wir stehn am Grabe, unversöhnet, Und werfen einen Fluch darauf. Robert Seidel. Idyllen aus einem Gebirgsdorfe. Frei nach dem Leben von Ludwig Schierk. 75(Schluß.) Der Meister merkte die Bewegung sogleich, und seine Aeuglein verrieten, daß ihn ein anderer Gedanke ergriffen hatte. „Klipp“, sagte er im Tone eines mahnenden Beichtvaters,„Du hast doch für das Mädel gesorgt?“ Klipp schwieg eine Weile. Dann drehte er in plötzlicher Entschlossenheit seinen Kopf herum. „Schneider, Du kannst mich ja einen Esel 1 15 so oft Du willst. Das Mädel ist bei mir!“ Der Meister warf seinen Stuhl um. „Klipp, da hast Du sie schlecht aufgehoben!“ sagte er ärgerlich. f 5 der Gescholtene wurde plötzlich ge⸗ prächig. „Schneider!“ begann er,„es gibt Leute, die am Morgen verwünschen, was sie am Abend getan; aber ich gehör' nicht zu ihnen. Als sich das Mädel ausgeweint hatte, ging ich auf sie zu. Der Jude, der noch auf der Ofenbank lag, hätte es hören können, was ich ihr sagte. Sie war noch in meinen Rock eingewickelt und sah mich traurig an. Mädel, sagte ich, ich trag jetzt das Geld zum Huttenmeister, der es auf⸗ beben soll. Willst Du mir in meiner Stube Feuer machen inzwischen? Sie war bereit, und ich ging. Als ich das Dorf herunter kam, sah ich Licht in meiner Stube; ich trat hinein. Es war schön warm, auf dem Tische stand mein Essen, und das Mädel stand traurig da und lehnte sich an den Ofen. Ich gab ihr meine Suppe und redete ihr freundlich zu. Zuletzt fragte ich sie, ob sie bei mir bleiben wolle. Da schlug sie die Hände vors Gesicht und weinte bitterlich. Ich drückte ste an mich und sagte ihr, wie lieb ich sie habe. Als ich dann die Türe von innen abschloß, wehrte sie es nicht. Sie löschte das Licht und legte sich auf mein Bett. Ich stand am Fenster und hörte sie leise beten. Da kniete ich neben ihr nieder und küßte sie. Sie ließ mich auf ihr Kreuzlein schwören, daß ich sie nicht verlassen wolle. Heute in der Frühe war ste schon flink half den armen Jüdlach in bei der Hand und die Totenkammer tragen.“ „Klipp,“ sagte der Meister,„wann wirst Du es dem Pfarrer sagen?“ „Schneider,“ sprach der Hüttenmann mit Festigkeit,„ich bin den Schwarzröcken immer wird sich auch ohne gerne ausgewichen. Es den Weihwedel leben lassen!“ VIII. So kam Hammerklipp zu einer Gefährtin. Seine einsame Stube dünkte ihm jetzt ein kleines Paradies; das Gerede der Dorfleute, unter welchem besonders ein giftiges Zürnen der Weiher zu bemerken war, focht ihn nicht an. Er sah Rosel nicht als seine Frau an in dem Sinne der gebräuchlichen Verheiratungen. Was er von Ehen im Dorfe erfahren, war weder erfreulich, noch nachahmenswert. Seine Kame⸗ raden redeten von ihren Frauen im Tone einer kläglichen Enttäuschung. Er kannte Rosel von dem Tage an, da sie der Jude, noch als halb kindliches Mädchen, ins Dorf gebracht. Ihre Natürlichkeit, ihre Folgsamkeit und ihre Freund⸗ lichkeit sagten ihm ungemein zu; daß ste sich ihm auf Treue und Glauben ohne Weiteres ergeben, riß ihn völlig hin. Vielleicht lag gerade in diesem eigentümlichen Verhältnis die beste Bürgschaft seiner Beständigkeit; denn Klipp war ein ehrlicher Mann, und im Grunde ist auch die eheliche Treue nur eine bestimmte Form der Ehrlichkeit. Da aber diese Ehrlichkeit sowohl von den Formen irgend eines religiösen Kultus, als auch von den Formen bürgerlicher Akte völlig unabhängig ist, so konnte das Verhältnis, in dem jene beiden jungen, gesunden und ver- liebten Personen standen, als eine Musterehe angesehen werden. In der Tat brachte das junge Familienglück sogar die anfänglichen Bedenken des Schneiders zum Schweigen. Der Alte kam jetzt oft zu dem jungen Paar. „Dein Mädel gefällt mir mit jedem Tage besser, Klipp,“ sagte er einmal zu seinem Freunde. „Gestern war's ein Jahr, daß sie den Juden heraustrugen; Ihr lebt wie junge Brautleute!“ „Das macht,“ lachte Klipp,„weil Rosel wirklich noch immer meine Braut ist. Ich werbe jeden Tag aufs Neue um sie; steht ste einmal traurig da, faßt es mich wie Kummer an, daß sie mir fortzteht.“ Klipp arbeitete sehr fleißig. Wenn er vor dem Riesenhammer stand, schien sich seine ganze Gestalt zu heben. Er wußte jetzt, für wen er sich rührte. 5 f „Schneider,“ sagte er,„mein größtes Glück ist, wenn ich meinen Lohn heimbringe. Dann sttzt das Mädel bei mir, und ich schütte ihr das Geld in den Schooß.“ Klipp blieb über die Zeit des Mittags im Werke; Rosel brachte ihm täglich das Essen. In ihrem sauberen Röckchen stand sie vor ihm, von Allen gern gesehen. Auch seine Kameraden gewannen ste lieb. Klipp war nicht eifersüchtig. Es freute ihn, wenn der und jener seiner Gefährten sich mit dem munteren Mädel zu schaffen machte. Einst kam Rosel auf ihrem gewohnten Wege nach dem Werke. Sie schritt über den weiten Raum des Hofes zwischen Eisenteilen und Maschinenstücken daher. 7 Da näherte sich ihr einer der jüngeren Beamten. Es war ein feines Herrchen mit klugem Gesicht und goldener Brille. Rosel wich ihm gerne aus. Sie war in der Judenschänke mit Männern aller Art zusammengetroffen und hatte manche Freiheit und Anmaßung mit jener ruhigen Abwehr hingenommen, die gewöhnlich reinen Naturen eigen ist. 0 Allein das junge Herrchen trug etwas zur Schau, das Rosel abstieß; und als der Geck mit seiner Brille jetzt näher kam und ihr den Weg verstellte, faßte ste ein Gefühl seltfamer Hilflosigkeit. Der alberne Mensch erhob halb spielend sein Spazierstöckchen gegen den Saum ihres kurz geschürzten Rockes, den er lächelnd hinauf⸗ schob; es lag in dieser einzigen Geberde eine ganze Summe von Gemeinheit. Rosel wurde totenblaß; dann, indem sie bestürzt emporblickte, gewahrte sie an einem Fenster plötzlich das wutentstellte Gesicht Ham⸗ merklipps, der den Vorgang mit angesehen; und dieses Gesicht war wie ein Blitz wieder verschwunden. Im nächsten Augenblicke sprang die Gestalt des Schmiedes über ein mächtiges Maschinenstück, das am Wege lag, und zwei unerbittliche Hände griffen den erschreckten jungen Herrn. Es ward dabei kein Wort gesprochen. Nach einigen Minuten verzehrte Klipp fein Mahl mit 0 Hunger; das Mädchen stand bleich vor ihm. Aus dem Tore aber hinkte ein junger Fant mit schlotternden Knien und schmerzendem Kopfe, Wut und Rache im Herzen. Auf dem Tatorte lag— ein unschuldiger Zeuge eines bewegten Vorganges— eine Brille in Scherben. „Du wirst um Deine Arbeit kommen, Hein⸗ rich!“ klagte Rosel. „Laß es gut sein, Du dummes Mädel,“ beschwichtigte Klipp,„es stampfen noch mehr Hämmer den We Der Schmied bekam wirklich seine Entlassung; ste tat ihm nicht wehe. Sein Schatz wollte in Tränen zerfließen; er lachte und scherzte, bis auch Rosel munterer wurde. Sie wanderten aus. „Klipp,“ sagte der Schneider beim Abschiede, v»ich ginge gern mit Euch. Ich habe so eine dumme Ahnung, daß unserm alten Dörfchen nichts Gutes bevorsteht.“ Der Schneider sollte Recht haben. An einem trüben Herbsttage kam eine Schaar Lohnweber aus dem Städtchen ins Dorf zurück. Sie hatten von dem Fabrikanten, der ihr Brot⸗ geber war, keine Arbeit erhalten. Etwa um dieselbe Zeit erschien der Graf, dem die Hirsche im Walde gehörten, in seinem viertürmigen Schlosse. Es gab eine stürmische Unterredung mit seinen Beamten: die Direktoren nahmen ihren Abschied. Im Eisenwerke wurde ein Teil des Betriebes eingestellt. Die Hütten⸗ leute machten verdutzte Gesichter; es half nichts. Der Industrieengel schwebte von dannen, und der Dämon des Notstandes senkte seine düsteren Flügel über die Gegend. Die Zeitungen schlugen Lärm; man sprach von Einführung neuer Industriezweige. Ein lluger Kopf schlug„Notstandsbauten“ vor; es sollten Straßen in der Gegend gebaut werden; man dachte an eine Flußregulierung. Arbeits⸗ suchende meldeten sich massenhaft. Bald durch⸗ zog ein Straßennetz die ausgehungerte Landschaft; schöne, breite Wege— für wen? Der Graf, dem die Hirsche im Walde ge⸗ hörten, zerfleischte sich förmlich, um die Not zu lindern. Er ließ das Eisenwerk nicht völlig sperren; nur die jüngeren, stärkeren Leute sollten „Gelegenheit zur Arbeit finden. Jeden Monat durften die Lohnweber einmal den Wald betreten und loses Holz auflesen. Aeltere Hüttenleute saßen an den neuen Straßen und klopften die Steine, die zur Beschotterung gebraucht wurden. Zur Weihnachtszeit floß das Herz des Grafen über alle Schranken der Vernunft. Da pflegte in dem viertürmigen Schlosse eine Kiste einzu⸗ treffen, welche die Schätze der Welt enthielt; da ward in einem leeren Wagenschuppen ein Weihnachtsbaum aufgestellt; da gab es Lichter, Wollmützen und Strümpfe; Körperwärmendes und Magenverderbendes die bunte Menge. Zur Linken standen die blassen, blutarmen Weberkinder; zur Rechten die trotztgen, ver⸗ stockten Hüttenjungen. Nach einer Rede des Pfarrers beginnt die Verteilung der Gaben. Ein kurzes Drängen und Stoßen, dann ist die Herrlichkeit vorbei. Fünf Minuten später ist Audienz beim Grafen. Der Pfarrer preist seine Mildtätigkeit, und der Graf— verspricht ... Ol was verspricht er alles! So viel, daß der Pfarrer aus den gräflichen Worten eine Rede zusammenstellt, die sich am Neujahrs⸗ 9555 über die andächtig lauschende Gemeinde ergießt. Im Dörfchen aber haust die Not.— Dies geschah in demselben Zeitalter, da ein großer Gelehrter, von der Zweckmäßigkeit der modernen Gesellschaft erfüllt, über eben diese „„ . r r 2. 8 — ing; in bis le 5 in , 0 — Nr. 2. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 7. Gesellschaft ein Buch schrieb, as ein Dutzend Auflagen erlebte; während ein Heer von Zei⸗ tungen nicht müde wurde, den Segen zu preisen, den der industrielle Fortschritt über die undauk⸗ bare Menschheit ausgeschüttet. Die Bekämpfung des Gebärmutter krebses. Ein Merkblatt aus der„Gleichheit“, Organ der sozialdemokratischen Frauen. Von Dr. Kurt Freudenberg und Dr. J. Zadek⸗ Berlin. (Schluß.) Das wichtigste und bedeutsamste Zeichen des be⸗ ginnenden Krebses find aber unregelmäßige Blutungen aus der Scheide. Auch schon während der Zeit, in der im allgemeinen regelmäßig alle vier Wochen das„Un⸗ wohlsein“,„die Periode“ auftritt, achten unsere Frauen leider viel zu wenig auf Abweichungen von diesem regel⸗ mäßigen Verhalten; von Rechts wegen sollte jede Frau, 5 bei der ein vorzeitiger Abgang von Blut aus der Scheide erfolgt oder bei der gar der regelmäßige Ablauf der Periodenblutungen durch unregelmäßige Blutungen ganz gestört wird, sofort den Arzt in Anspruch nehmen und sofort ihrerseits auf die Vornahme einer inneren Unter⸗ suchung dringen. Sehr oft wird dann in diesen Fällen ein Krebs als die Ursache dieser unregelmäßigen Blutungen rechtzeitig festgestellt werden, und dann wird die recht⸗ zeitig vorgenommene Operation fast stets dauernde Hei⸗ lung bringen können. Namentlich aber achten während des„Wechsels“ und nach demselben unsere Frauen viel zu wenig auf Unregel⸗ mäßigkeiten der Blutung. Treten während der Wechsel⸗ jahre, statt daß die Blutungen seltener und schwächer werden oder auch mit einem Schlage ganz verschwinden, häufigere und stärkere Blutabgänge ein, so ist sofort der Arzt zu Rate zu ziehen und sofort auf die ein⸗ gehendste Untersuchung zu drängen. Und dasselbe gilt erst recht, wenn Monate oder gar Jahre nach dem völligen Aufhören der„Regel“ wieder Blutabgang aus der Scheide erfolgt. In den Fällen dieser beiden letzten Gruppen ist's zumeist ein Krebs, der die unregelmäßigen Blutungen bewirkt, und deshalb ist schleunigstes Ein⸗ greifen notwendig. Noch eines Zeichens ist zu gedenken! Tritt bei einer Frau ohne erkennbare andere Ursache plötzlich nach dem Geschlechtsverkehr ein Abgang von Blut oder blutig gefärbter Flüssigkeit aus der Scheide ein, so sollte diese Frau unbedingt, womöglich innerhalb 24 Stunden, den Arzt aufsuchen und eine Untersuchung fordern. Denn das ist ein fast sicheres Zeichen des Gebär⸗ mutterkrebses. Es ist kein Unglück, wenn bei Befolgung dieser Vorschriften viele Frauen unnötig untersucht werden, aber es ist ein furchtbares Unglück, wenn auch nur bei einer, welche einen beginnenden Krebs an der Gebär⸗ mutter hat, dieser nicht rechtzeitig erkannt wird und zur Operation kommt. Denn diese Unglückliche ist damit dem qualvollsten Tode verfallen, den man sich denken kann. Von den furchtbaren Schmerzen beim Fortschreiten der Krankheit— Schmerzen, die selbst den größten Morphiumgaben häufig trotzen— haben wir bereits gesprochen. Aber das ist noch nicht alles. Der Aus fluß — siehe oben— nimmt bald an Menge ungeheuer zu und bekommt dabei einen furchtbaren Geruch, so daß die Kranke sich und ihrer Umgebung geradezu zum Ekel wird. Dazu kommt häufig unwillkürlicher Harn⸗ und Stuhlabgang— und nun bedenke man, wenn das sich im Proletarierheim ereignet, wo die ganze doch oft recht zahlreiche Familie auf Stube und Küche angewiesen ist! Da hält die treueste Gatten⸗ oder Kinderliebe nicht stand; gebieterisch drängt sich— und vom medizinischen Stand⸗ punkt mit Recht— die Notwendigkeit auf, die Kranke dem Kranken- oder Siechenhaus zu überantworten, um dort fern von ihren Lieben unter den größten Qualen, bei häufig recht mangelhafter Pflege— auch dort hat man solche Kranke nicht sehr gern— ihre Tage zu beschließen. Und darum muß es Allgemeingut der Frauen werden, daß bei den geschilderten Zeichen, ins⸗ besondere also bei rötlichem Ausfluß und bet Blutungen ohne Zusammenhang mit der Regel eine sofortige innere Untersuchung durch den Arzt vorgenommen werden muß. So sicher es ist, daß jeder Gebärmutterkrebs, sich selbst überlassen, nach etwa zwei Jahren zum Lode führt, so sicher steht es fest, daß der beginnende Krebs der Gebärmutter leicht und sicher durch die Operation geheilt wird. Und was wollen dem⸗ gegenüber die Gefahren der Operation bedeuten! Niemand leugnet, daß vorläufig noch die Operation keine ganz gefahrlose ist, aber diese Gefahren find bet rechtzeitig vorgenommener Operation am allerkleinsten. Und dann: wenn ohne Operation die Krankheit in allen Fällen— also in 100 Prozent— zu qualvollem Tode führt, was besagen demgegenüber die paar Prozent Operations⸗ todesfälle. Wer aber erklärt, daß er den Krebs ohne Operation heilen kann— gleichviel ob durch Beten oder Handauflegen, ob durch Lehm oder durch Wasser— von dem behaupten wir mit ruhigem Gewissen, daß er ein Schwinbler ist. Mögen die Bemühungen Winters, durch Belehrung und Aufklärung auf breitester Grundlage, durch rastlose und planmäßige Bekämpfung der heimtückischen Krankheit Tausenden von Frauen alljährlich das Leben zu retten, den verdienten Erfolg haben, und mögen auch diese Zeilen dazu beitragen, in den Kreisen unserer Genossinnen und durch diese in der unbemittelten Bevölkerung über⸗ haupt Verständnis und tatkräftiges Handeln gegenüber der Krebsgefahr zu wecken! Das Gewissen. Ein Schwank. Ein Bauer fuhr einmal zusammen mit einem Arzt und einem Advokaten. Diese beiden taten ihr Möglichstes, den Bauern zum Narren zu halten und ihr Spiel mit ihm zu treiben. „Ihr Bauern wollt ja gern so klug sein“, sagte der Advokat.„Ich habe so viel davon gehört, daß ihr so viele Geschichten erzählen könnt; laß doch einmal hören, was du weißt“. „Jaa, meinethalben“, sagte der Bauer, der den Schalk im Nacken hatte, und dann erzählte er: „Es war also so in alten Tagen, zu der Zeit, da der König noch Läufer brauchte. Damit sie sich nicht außer Atem laufen sollten, schnitt man ihnen die Milz aus. Dann war einmal so ein armer Teufel, der zum Läufer zugerichtet werden sollte. Der Doktor kommt mit Scheren und Messern, Krügen, Flaschen, Pillen, Pflastern und was für Teufelszeug er noch hatte, aber er war wohl nicht klug genug, wie es ja so oft mit den Doktoren, geht, denn er irrt sich und schneidet dem armen Kerl statt der Milz das Gewissen fort.“ „Das war aber eine verkehrte Geschichte“, rief der Advokat und grinste zum Arzt hinüber, „ja—a, die Doktoren— die Doktoren— aber sage mir, lieber Mann, was wurde denn aus dem Kerl?“ „Jaa“, sagte der Bauer und kratzte sich den Kopf,„er war ja rein zugrunde gerichtet da er kein Gewissen mehr hatte, und das einzige, wozu er noch gebraucht werden konnte, war zum— Advokaten!“ Da grinste der Arzt und der Advokat machte ein langes Gesicht, und von nun an ließen sie den Bauern in Ruhe. Splitter. Wehe einem jeden, der nicht sein Schicksal an dasjenige der öffentlichen Gemeinschaft bindet! Denn es wird nicht nur keine Ruhe finden, sondern dazu noch allen inneren Halt verlieren und der Mißachtung des Volkes preis⸗ gegeben sein, wie ein Unkraut, das am Wege steht. Der große Haufe der Glleich⸗ giltigen muß aufgehoben und mora— lisch vernichtet werden; denn auf ihm ruht der Fluch der Störungen und Verwirrungen, welche durch kühne Minderheiten entstehen. Wer nicht für uns ist, der sei wider uns! Nur nehme er teil an der Arbeit, auf daß die Entscheidung beschleunigt werde! 4 Cottfried Keller. * Stümper sprechen am meisten von ihrem Können und verraten einen Dünkel, der einem anekelt. Jean Paul. * * Immer behalte getreu vor Augen das Höchste, doch heute strebe nach dem, was heute du zu erreichen vermagst. Geibel. ——— Humoristisches Zweierlei.„Zum Teufel, Herr Strebe, was machen Sie denn da?“—„Hier in diesem Hause hab' ich um die Hand der Tochter angehalten.“—„Und —?“—„und den Fuß des Vaters hab' ich be⸗ kommen!“ Verrannt. Leutnant:„Wer von euch Kerls ging denn gestern Abend an mir vorüber, ohne Front zu machen? Zum Donnerwetter, wenn ich mir hundert dämliche Gesichter merken muß, könnt ihr euch doch wohl eins merken.“ „Hof“ trauer. Sepp: Ja, der Deixel— warum tragt denn der Wastel jetzt dan Flor um dan Arm? Michel: Du— den las in Ruh'! Der hat Hoftrauer! Woast, dem ist a Sau krepiert! Neudeutsches Soldatenlied. Nach einer alten Melodie. Es geht bei gedämpfter Trommel Klang, Wie weit noch die Stätte, der Weg wie lang? Zum Richtplatz führt man ein junges Blut, Das tat in dem doppelten Tuche nicht gut. Sie kamen vom Schießen im Sonnenbrand, Entgegen stolzierte ein Leutenant, „Die Augen rechts!“ scholls Kommando flink, Er, aber, er warf sie frevelnd nach links. Man stellte ihn vor das Kriegsgericht, Das kannte Schonung und Milde nicht, Gebrochen hatt er die Disziplin, Da gab es zu? Sühne den Tod nur für ihn. Nun steht er an offner Grube Rand, Neun Kugeln, die wurden ihm aufgebrannt, Entsetzen und Schauder hat alle gepackt, Die Disziplin doch ist wi der intakt! „Südd. Postill.“ Empfehlenswerte sozialistische Schriften. Von der Expedition der Mitteld. Sonnt.⸗Zeitung Gießen, Rittergasse 17, sind zu beziehen: Die Neue Zeit. Wochenschrift der deutschen Sozialdemokratie. Allwöchentlich ein Heft. Preis 25 Pfg. Wahrer Jakob; Süddeutscher Postillon. Witzblätter. Erscheinen alle 14 Tage. Preis 10 Pfg. Freie Stunden. Beste Romanlitteratur. Illu⸗ striert. Wöchentlich ein Heft à 10 Pfg. Die Volksschule, wie sie sein soll. Rühle. Preis 30 Pfg. Die innerpolitischen Zustände des deut⸗ schen Reiches und die Sozialdemokratie. Von Gg. v. Vollmar. Preis 20 Pfg. Wider die Pfaffenherrschaft. Kulturbilder aus den Religionskämpfen des 16. und 17. Jahr⸗ hunderts. Reich illustriert. Von Emil Rosenow. In Heften zu 20 Pfg, komplett in 50 Heften. Der Zukunftsstaat der Junker. Man⸗ teuffeleien gegen die Sozialdemokratie im preußischen Herrenhaus. Mit Einleitung und Anmerkungen von Kurt Eisner. Preis 20 Pfg. Ratgeber für Arbeiter, eine Zusammenstellung der wichtigsten Bestimmungen der Arbeiter ⸗Versicherungs⸗ gesetze und der bürgerlichen Gesetzgebung ꝛc. 20 Bogen Taschenformat. Verlag der Leipziger Buchdruckerei⸗ Aktiengesellschaft. Preis gebunden 1,25 Mk. Die zehn Gebote und die besitzen de Klasse. Von Adolf Hoffmann, Berlin. Preis 30 Pfg. Das Schriftchen ist besonders geeignet, die Arbeiter über die heutigen Zustände und die sittlich⸗ religtöse Heuchelei der herrschenden Klassen aufzuklären. Die Schreibweise ist packend und dem Verständnis der Arbeiter angepaßt. Lohnarbeit und Kapital. Separatabdruck aus der Neuen Rheinischen Zeitung vom Jahre 1849 von Karl Marx. Preis 20 Pfg. Diese religiöse Polemik zwischen unserm Genossen und dem Kaplan Hohoff fand bereits in den Jahren 1873/74 statt. Der Inhalt des Schriftchens ist aber noch heute durchaus zeitgemäß. Die Vernichtung der Sozialdemokratie durch den Zentralverband deutscher Industrieller. Preis 20 Pfg. Die agrarische Gefahr. Von Paul Göhre. Der Verfasser schildert in gemeinverständlicher Sprache die einseitige agrarische Interessen⸗Bewegung von ihrer Entstehung bis zu ihrer heutigen das Volks wohl ge⸗ fährdenden Macht und legt dar, wie allein die sozial⸗ demokratische Bewegung die letzten Ziele dieser Bewegung des Junkertums und seiner Anhängsel verhindern kann Preis 20 Pfg. Die katholische Kirche und die Sozial⸗ demokratie. Von Karl Kautsky. Der Verfasser giebt in der kürzlich erschienenen Broschüre eine historische Darstellung der ökonomischen und politischen Grundlagen der katholischen Kirche und skizziert die prinzipielle und taktische Stellung, welche die Sozialdemokratie ihr gegen⸗ über einnimmt. Preis 30 Pfg.(Agitationsausgabe) Von Otto —— Seite g. Witte lbeuttdle 5 aN. TGewerkschaften— Samstag, den 14. Januar 1905 Abends 8% Uhr in sämtlichen Räumen des Café Leib Winterfest Um recht zahlreichen Besuch bittet das Kom itee Eintritt à Person 20 Pfg. 28 15 5 1 75 0 n 5 1 N F Wahlverein Aeustadt i. G. Sonntag, den 8. Januar, mittags 2 Ahr im Vereinslokal Mitglieder versammlung. Tages⸗Ordnung: Abrechnung und Einzahlung. Aufnahme neuer Mitglieder. . Neuwahl des Vorstandes. Stellungnahme zur bevorstehenden Bürgermeisterwahl. Verschiedenes. . 4 3 E Glas- Porzellan. und Steingutwaren empfehlen in reicher Auswahl zu billigsten Preisen Lang& Wiederstein Marktstraße 4 Giezen Telephon 394. Ferd. 575 del Giessen, MMochsti. 8. Lager in sämtlichen Kastenmöbeln, poliert und lackiert Vertikows, Kleiderschränke Tische, Stühle, Spiegel Les rαπ e αο. Küchenmöbel Spezialität: Betten und Polstermöbel eigener Anfertigung Uebernahme voll- ständ. 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Die Entwickelung und der heutige Stand der Gewerkschafts⸗ bewegung. Referent Gen. Vetters⸗Gießen. 2. Jahresbericht der Gewerkschaftskommission. 3. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch sämtlicher Berufe erwartet . Seweakschafesekanttiktien. Denisher Mekllardrite. Herba Sonntag, den 15. Januar 1905 4% 3 Nachmittags 2 Uhr bei Orbig,] Ritt ergassefst7 3 eee Mitglieder- Versammlung Tages⸗Ordnung: Der Ansban des Unterstützungswesens in unferem Verbande. Referent: F. Ehrler⸗Franksurt. Die Mitglieder werdeu ersucht pünktlich zu erscheinen. Die lin ee Eudgar De Eisenhandlung Neustadt 11 2 Telephon 298. empfiehlt: Herde und Oefen— Landwirtschaftl. Geräte ruchtpressen— Keltern— Bohnenschneider etroleum⸗, Spiritus⸗ u. Gaskocher Wasch⸗, Wring⸗ u. Mangelmaschinen Dezimal“, 1 und Wirtschafts⸗Waagen Fleischhack⸗, Reib⸗ u. 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