1 4 U ng⸗ seck Hähliges tand. ar! *— — 8 2 eee ess — 2—— 2 8 2 Assessed Nr. 19. Gießen, den 7. Mai 1905. 12. Jahrgang. Redaktion: Mirchenplatz 11, Schloßgasse. Sonnt Mitteldeutsche -Z Nebaktionsschluß. Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. itung. Abounementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Bestellungen nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die] Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Postanstalt und 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 5107) 33¼½% und bei mindestens 22 mal. Aufgabe 50% Rabatt. 1 Juserate Die 5 gespalt. Bei mindestens Schiller. Alle Welt feiert in diesen Tagen Friedrich Schiller, Deutschlands hervorragendsten Dichter. Der 9. Mai ist sein Todestag, seit⸗ dem nun hundert Jahre verflossen sind. In unzähligen Festreden, Festvorstellungen und „Schriften wird man sein Lob singen und viele werden Begeisterung für ihn zur Schau tragen, die nicht die geringste Ideen⸗Gemeinschaft mit dem kühnen Freiheits dichter haben, denen seine revolutionären Gesänge sogar recht unangenehm in den Ohren klingen dürften. Gewiß, wenn einer heute auftritt und für Volksfreiheit streitet, kann er sicher sein, von der„guten Gesellschaft“, die in Schillerverehrung das Möglichste leistet, gemieden, geächtet und gehetzt zu werden. Aber Schiller ist ja tot und somtt ungefährlich; mit einem Lebenden, der„das Volk verhetzt“, wäre es allerdings eine andere Sache! Das würde er selbst erfahren müssen, wenn er heute noch lebte und seine glühenden Freiheitsgesänge ins Volk schleudern könnte. Heute würden sie wohl auch etwas anders klingen als damals. Zu seiner Zeit waren Absolutismus und die Adels⸗ herrschaft die Feinde der Volksfreiheit und Volkswohlfahrt, die zu bekämpfen waren und ihnen hat er auch nichts geschenkt, sondern ihnen energisch genug seine Zornesblitze in's Gesicht geschleudert. In Tyrannos! Nieder mit den Tyrannen! Das war das Motto, das der 18 jährige Dichter⸗ jüngling auf sein kühnes Erstlingswerk„Die Räuber“ setzte.„Fiesko“,„Kabale und Liebe“, „Don Carlos“ atmen denselben Geist. Und das reifste Werk des Dichters,„Tell“, das er ein Jahr vor seinem Tode vollendete, ist ein Hochgesang auf die Revolution, als die ultima ratio des Volkes, wenn alles andere versagt. Da hilft keine beschönigende Sophistik. Schiller scheut hier nicht davor zurück, selbst den poli⸗ tischen Mord von dem Grundsatz aus zu rechtfertigen, daß der Zweck unter Umständen auch das sonst verabscheuenswerteste Mittel heilige. Die Tat Tells erscheint ihm groß und gut, weil sie nach Lage der Verhältnisse not⸗ wendig geworden war zur glücklichen Durch⸗ führung des Befreiuugswerkes. Das repu⸗ blikanische Ideal der freien Selbstbestimmung des Volkes über seine höchsten Angelegenheiten, wird als berechtigtes Ziel politischen Strebens unumwunden und mit flammender Begeisterung gefeiert. So sagt unser Genosse David sehr richtig in seinem Aufsatze in der Schillerzeitung, welche die, Buchhandlung Vorwärts herausgab. Seine republikanische, antimonarchische Ge⸗ sinnung bringt Schiller vielfach in seinen Werken zum Ausdruck.„Der erste Fürst war ein Mörder, und führte den Purpur ein, die Flecken seiner Tat in dieser Blutfarbe zu verstecken,“ heißt es in Fiesko.„Deutschlands Majestät und Ehre ruhet nicht auf dem Haupt seiner Fürsten,“ sagt er an anderer Stelle. Und an die schlimmen Monarchen richtet er diese Verse: Berget immer die erhabene Schande Mit des Majestätsrechts Nachtgewande! Bübelt aus des Thrones Hinterhalt. Aber zittert für des Liedes Sprache, Kühnlich durch den Purpur bohrt der Pfeil der Rache Fürstenherzen kalt. Leider wenig wissen die Arbeiter von Schiller. Woher auch? Was ihnen die Volksschule in dieser Beziehung bietet, beschränkt sich auf ein paar Gedichte, die in den Lesebüchern ab⸗ gedruckt sind. Sonst wird wenig oder gar nichts über unsere klassischen Dichter und ihre Werke gesagt. Dazu bleibt keine Zeit übrig. Der Lehrer ist froh, wenn er seiner Herde Schüler das vorgeschriebene Quantum von biblischen Geschichten, Katechismusstücken und Gesangbuchversen eingepaukt hat. Die weltliche Poesie und Literatur wird da als gefährlicher und verbotener Luxus angesehen. Und ist das Proletarierkind der Schule entwachsen, so fehlt ihm erst recht Gelegenheit und Anleitung zum Studium der Werke unserer großen Geister. Nur wenigen aus der Arbeiterklasse gelingt es, davon etwas zu erhaschen. Wir können hier nicht entfernt daran denken, über Schiller und seine Werke, seine Bedeutung für das deutsche Volk Eingehendes zu sagen. Ebensowenig können wir sein kurzes(er war geboren am 10. November 1759 in Marbach in Württemberg, ist also nur reichlich 45 Jahre alt geworden), aber an Entbehrungen und auch Verfolgungen reiches Leben schildern, daß er am 9. Mat 1805 in Weimar beschloß. Wer von unsern Freunden und Lesern über Schiller und seine Bedeutung etwas Gutes lesen will, dem empfehlen wir Franz Mehrings kürzlich in Leipzig erschienene Schrift:„Schiller, ein Lebensbild für deutsche Arbeiter“, wo sein Wirken und seine Werke klar, verständlich und objektiv gewürdigt sind. Von den vom Bürgertume veranstalteten Schillerfetiern ist die Arbeiterschaft meist aus⸗ geschlossen. Die„besseren“, besitzenden Kreise wollen keinen Proleten dabei haben. Und an⸗ statt alles zu tun, um unsere deutschen Denker und Dichter dem ganzen Volke näher zu bringen, sind auch unsere meisten Gelehrten eher bestrebt, ste ihnen fern zu halten. Was tut ein Arbeiter mit Schiller? Wäre er aber heute noch unter uns, so wäre wohl bei seiner leidenschaftlichen Freiheitsliebe nicht zu bezweifeln, daß er in gleichem Maße, wie einst dem Absolutismus, heute auch dem Kapitalismus ein„Monument von unserer Zeiten Schande“ in seinen Werken setzen würde. Schiller könnte und würde nicht an der sozialen Frage, die eine Frage der ganzen Kulturmenschheit, eine Frage der Kultur selber . ist, vorübergehen. Er war kein Mensch, der aus feiger Berechnung unange⸗ nehmen Konsequenzen aus dem Wege ging— er war ein feuriger Kämpfer, der für seine Ideale gern und freudig alles einsetzte. Sein früher Tod ist ja nicht zum wenigsten mit einer Folge seiner Jugendkämpfe und Jugendentbehrungen; seine Kraft hat sich in der rastlosen Arbeit und in dem nimmermüden Kampfe gegen armselige und widrige Verhält⸗ nisse allzurasch verzehrt. Schon aus diesem Grunde darf ihn das Proletariat mit zu den Seinen rechnen denn—„Er auch war ein Proletar“, wie Ferdinand Freiligrat von dem darbenden Dichter so ergreifend singt. Schiller war mit seinem gewaltigen Frei⸗ heitsdrang ein Bahnbrecher auch für das Prole⸗ tariat, und darum hat dieses nicht bloß das Recht, sondern geradezu die Pflicht, auch seiner⸗ seits am Gedächtnista des großen Toten einen Ehrenkranz auf sein rab niederzulegen. —̃— Vor 25 Jahren. Am 27. 11 7 waren es 25 Jahre, daß die sozialdemokratische Partei Deutschlands einen schweren Verlust erlitt! Wilhelm Bracke schloß am 27. April 1880 für immer die Augen. Sein Name ist aufs innigste verknüpft mit den bewegtesten Zeiten der deutschen Sozialdemo⸗ kratie, mit ihrem Heroenzeitalter. Unter der „alten Garde“, die in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts unmittelbar aus der Las⸗ salleschen Agitation erwachsen war, nimmt Bracke eine hervorragende Stelle ein. Trotzdem seiner aufopfernden Betätigung durch einen frühen Tod bald ein Ziel gesetzt wurde, sind die Spuren seines Wirkens unauslöschbar. Am 29. Mai 1832 in Braunschweig geboren, erreichte er ein Alter von kaum achtunddreißig Jahren; eine tückische, unheilbare Krankheit raffte ihn im besten Mannesalter dahin. Wenn wir, so schreibt das„Hamb. Echo“, heute seiner ehrend, in alter Liebe und Freundschaft gedenken, so wollen wir nicht vergessen, zu bemerken, daß er nicht proletarischer, sondern bürgerlicher Herkunft war. Bracke zählte zu den wenigen aus den Kreisen des gewerbtätigen Bürgertums, welche, der Anregung Lassalles folgend, aus unverdorbenem liberalen Ideengang sich kon⸗ sequent zu Bekennern des demokratischen Sozia⸗ lismus entwickelten, um in der jungen Arbeiter⸗ partei eine führende Stellung zu erlangen. Einem kaufmänntischen Beruf obliegend, trug er kein Bedenken, seine bürgerliche Exlstenz einzusetzen im Kau'pfe für die Sache der Arbeiterklasse— ein gutes und erhebendes Beispiel, das ihm, wie auch unserem Geib und manch anderem Kampfgenossen jener Zeit, als besonderes Ver⸗ dienst angerechnet werden muß. Bracke war ein vorzüglicher Propagandist und Taktiker. In seiner Eigenschaft als Mit⸗ glied des Ausschusses der sozialdemokratischen Arbeiterpartei, welcher damals in Braunschweig seinen Sitz hatte, war er in die Lötzener Kettenaffäre verwickelt. Es war am Morgen des 9. September 1870, als die fünf Mitglieder des Ausschusses von Militärpatrouillen, unter Führung von Polizeibeamten, in ihren Wohnungen überfallen, verhaftet und in Ketten nach der Festung Lötzen transportiert wurden. Dieser brutale Gewaltakt war befohlen von dem Gouvernear der Küstenlande General Vogel von Falkenstein; er hatte seinen Grund in einem von dem be⸗ zeichneten Ausschusse unterm 5. September gegen die Annexion von Elsaß⸗Lothringen und für einen billigen Frieden mit Frankreich er⸗ lassenen Mantfest. Bracke und die übrigen Mitglieder des Ausschusses wurden des„Hoch⸗ und Landesverrats“ beschuldigt, zunächst vom Braunschweiger Kreisgericht zu Gefängnisstrafen verurteilt— Bracke zu der höchsten von sechzehn Monaten— dann aber in der Rekursverhand⸗ lung vor dem Obergericht zu Wolfenbüttel freigesprochen. Die schmachvolle Ketten- schließung und die verfassungswidrige Ein⸗ kerkerung in Lötzen die langwierige und strenge Untersuchungshaft und die Anklage— dieses ganze Justtzgebaren reaktionärer Gewalt wurde Seite 2. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 19. 5 durch diesen Freispruch gebührendermaßen zu einer frivolen Ungerechtigkeit gestempelt. Das Opfer, das er da seiner Ueberzeugung hatte bringen müssen, war nur geeignet, seine Kampfesfreudigkeit zu stärken. Unermüdlich wirkte er in Versammlungen als gern gehörter, fesselnder und überzeugender Redner, sowie auch schriftstellerisch und buchhändlerisch für die Partei. Zahlreichen wichtigen Propaganda⸗ schriften sicherte er die Verbreitung. Eine sehr wirksame Agitationsschrift von dauerndem Wert unter dem Titel„Nieder mit den Soztal⸗ demokraten“ lieferte er der Partei zu der Reichstagswahl im Jahre 1877; ste ist in Hunderttausenden von Exemplaren in der deut⸗ schen Arbeiterwelt verbreitet und wird als Doku⸗ ment des felsenfesten Vertrauens auf den Sieg der Sozialdemokratie nicht in Vergessenheit geraten. Bei den Reichstagsneuwahlen von 1877 er⸗ oberte Bracke das Mandat für den sächstschen Wahlkreis Glauchau⸗Meerane, welches ihm 1878 bei den Attentatsschwindelwahlen abermals zu⸗ fiel. Hervorragend beteiligte er sich im Reichs⸗ tage an den Sozialistengesetzdebatten; ruhig und objektiv, mit durchdringender Schärfe, setzte er in drei Reden die niederträchtige Ten⸗ denz dieses Schandgesetzes und die Torheit des Gedankens auseinander, mit ihm die Sozial⸗ demokratie vernichten zu wollen. Und in einer dieser Reden fällte er folgendes prophetische Urteil über das Schandgesetz: „Wenn Sie da eine solche Bestimmung treffen, dann kann man auf politischem Gebiete machen, was man will. Wenn Sie irgendwo das Recht der Staatsbürger schützen wollen, so können Sie eine solche Bestimmung absolut nicht aufnehmen. Dieselbe richtet sich auch gar nicht gegen die Sozialdemokraten. Meine Herren, ich will Ihnen sagen: Wir pfeifen auf das ganze Gesetz!(Großer anhaltender Lärm. Orb nungsruf.) Meine Herren! Ich will das gesagt haben— und ich spreche das hier offen und deutlich aus— in bezug auf die Wirksamkeit des Gesetzes gegenüber unserer Be⸗ wegung. Das Gesetz kann einzelnen Personen, unseren einzelnen Unternehmungen Schaden tun, meine Herren, aber der Bewegung im ganzen nimmermehr.“ Bald darauf, im Dezember 1879, zwang ihn seine Krankheit zur Niederlegung des Man⸗ dats. Nur anderthalb Jahre sozialistengesetz⸗ licher Zeit hat er miterlebt und, soweit es schließlich sein Zustand noch gestattete, mit durchkämpft. Jetzt ist ein Vierteljahrhundert seit seinem Tode verflossen. Durch gewaltigen Kampf ist die Partet, wie Bracke vorausgesehen hat, von Sieg zu Sieg geschritten. Der Terro⸗ rismus der Herrschenden, wie die aus Mißver⸗ ständnissen entspringenden, in einem so großen Organismus kaum zu vermeidenden inneren Konflikte sind von ihr mit Leichtigkeit über⸗ wunden worden. Und so wird es bleiben. Die Kämpfer fallen, aber der Kampf dauert fort. Die Heerschau, die das Proletariat Deutschlands und das Proletariat der ganzen Welt am 1. Mai abhält, zeigt immer größere Massen, die sich unter die glorreichen Fahnen des inter⸗ nationolen Sozialismus gestellt haben. Immer mehr wird dem arbeitenden Volke zur Gewiß⸗ heit, was Bracke im Jahre 1878 im Reichstag der Reaktion zugerufen hat: Was in der Zeiten Schotz schlummert, bermag keine Macht der Erde zurückzuhalten!“ Die Maifeier 1905. Ueberall in Deutschland hat auch in diesem Jahre der Feiertag der Arbeit den besten Ver⸗ lauf genommen und stärkere Beteiligung als im Vorjahre gezeigt. Besonders stark war natürlich die Beteiligung in Berlin, Hamburg, Leipzig und anderen großen Industrie⸗Zentren und Partei⸗Orten. In Berlin und Umgebung wurden etliche achtzig Vers ammlungen abgehalten, die meistens überfüllt waren, so daß die Loka⸗ litäten polizeilich abgesperrt wurden. Im Bau⸗ gewerbe ruhte trotz der Aussperrungsdrohungen der Unternehmer die Arbeit fast vollständig. Auch in der Metall- und in der Holzindustrie wurde in größerem Umfange als in den ver⸗ gangenen Jahren gefeiert. Alles in Allem sprechen die Zeichen in Berlin für einen neuen Aufschwung des Maigedankens. Die sozial⸗ demokratischen Arbeiter Berlins begreifen, daß in der Polttit nur der sicher mitzureden hat, der Macht hat und Macht zeigt. Nach einer kurzen Periode der Enttäuschung und des Zweifels hat das alte Machtwort seine alte Bedeutung wieder erlangt:„Alle Räder stehen still, wenn Dein starker Arm es will.“ Wie immer, nahm auch in Hamburg die Feier unter großer Beteiligung der Arbeiter- schaft einen prächtigen Verlauf. Ein Demon⸗ strationszug bewegte sich durch die Straßen, an dem sich etwa 25000 Personen beteiligten. Der Arbeitgeberverband erklärte, feiernde Ar⸗ beiter für zehn Tage auszusperren. Großartig verlief die Maifeier in Leipzig. Am Vormittag demonstrierte das Leipziger Proletariat in fünf überfüllten Versammlungen. Dann kamen die Maidemonstranten im feinsten Viertel Leipzigs, dem Albertpark, zusammen und bewegten sich in losem Zuge durch die Stadt nach Stötteritz. Etwa 10000 Personen mögen an dem Spaziergange mit teilgenommen haben. In Stötteritz wurde in dem bekannten Brauereigarten die Maifeier bei herrlichstem Wetter begangen. In der Festhalle hielt Ge⸗ nosse Goldstein aus Zwickau die Festrede. An sächstsche Verhältnisse wurde man gemahnt, als die Polizei verlangte, die rote Fahne mit einer großen 8 und weißem Rande, die lustig auf dem Volkshause flatterte, müsse entfernt werden. Diesem Verlangen kam man nach und hängte sie im Lokale auf. Aus Dresden und den übrigen Sachsen wird starke Beteiligung an der Maifeier ge⸗ meldet und überall nahm sie den besten Verlauf 155 zeigte sich starke Begeisterung der Arbeiter⸗ chaft. Enorme Beteiligung war auch in Münch en, Nürnberg und den übrigen bayrischen Städten zu verzeichnen. Aus München wurde berichtet: Von einem Abflauen der Begeisterung für die Maifeter⸗Demonstration ist in der bayrischen Hauptstadt vorläufig nichts zu merken. Die beiden Vormittagsversammlungen, die in dem riesigen Saale des Münchner Kindl⸗Kellers und in der Schwabinger Brauerei stattfanden, waren total überfüllt und die Reden der Genossen Ad. Müller und Ed. Schmid wurden mit großer Begeisterung aufgenommen. Nachmittags fand ein Ausflug nach Holzapfelkreuth statt, der vom herrlichsten Sommerwetter begünstigt war und an dem eine sehr zahlreiche, festlich gestimmte Menge teilnahm. Ebenso war in Nürnberg weit stärkere Beteiligung als in früheren Jahren zu ver⸗ zeichnen. Einige tausend Arbeiter waren in der Lage, den Weltfeiertag durch Arbeitsruhe zu begehen. Verschiedene große Fabriken und eine Anzahl kleinerer Betriebe hatten den Tag ihren Arbeitern vollständig freigegeben. Aehnlich gestaltete sich die Feier im übrigen Süden, in Straßburg, Heidelberg, Mannheim, Ludwigshafen ꝛc. Allein Stuttgart macht eine Ausnahme, wo infolge des vom Gewerkschaftskartell gefaßten Be⸗ schlusses, von Vormittagsversammlungen abzu⸗ sehen, wenige Feiernde zu verzeichnen waren.— Im Ruhrrebier und dem rheinischen Indu⸗ striegebiet sind die Feiern ebenfalls imposant ver⸗ laufen. Aus Krefeld, Köln, Düsseldorf wird über starken Besuch der Maiversammlungen berichtet. * Auch im Auslande, Frankreich, Spanien, Italien und besonders Belgien feierte man diesmal den 1. Mai mehr als sonst. Selbst in Rußland fanden in verschiedenen Orten Umzüge statt, wobei die vertierte zarische Sol⸗ dateska viele aus der wehrlosen Menge mordete. Politische Nundschau. Gießen, den 4. Mai 1905. Eine Reichserbschaftssteuer soll doch eingeführt werden. Wenigstens wußte ein Scherl⸗Blatt zu berichten, daß der Entwurf zu einer solchen dem Staatsministerium vorliege. Die Reichserbschaftssteuer sei nach elsässischem Muster ausgearbeitet, begreife auch Erbanfälle an Kinder ein und werde nach Abzug der er⸗ 1 wähnten Entschädigung etwa 80 Millionen Mark bringen. Man braucht sich aber keinen grotzen Hoffnungen auf Einführung einer ge⸗ rechten, die unbemittelte Bevölkerung etwa ent⸗ lastenden Steuer hinzugeben. Es wird schon genügend Wasser in den etwaigen Wein gegossen werden. Und vielleicht will man mit der Reichs⸗ einkommensteuer irgend eine neue indirekte Ver⸗ brauchssteuer einführen. Die Angst vor der Sozialdemokratie wird von der preußischen Regierung und den bürgerlichen Arbeiterfreunden ganz unzweideutig als das treibende Motiv des kärglichen Reform⸗ gesetzes zur Verbesserung der Lage der Berg⸗ arbeiter eingestanden, das an der Trutzkommission des preußischen Landtags zu scheitern droht. So erbringt die preußische Regierung höchstselbst den Beweis der Notwendigkeit und Berechtigung der Sozialdemokratie und belehrt die Arbeiter darüber, daß sie dieser Partei jeden, auch den geringsten Fortschritt zu danken haben. Es verleutet, daß Graf Bülow bei der zweiten Lesung des Bergarbeitergesetzes im Abgeordnetenhause selbst„mit Nachdruck“ in die Verhandlungen eingreifen und der reform⸗ feindlichen Mehrheit den Kopf zurechtsetzen will. Aber es ist kaum anzunehmen, daß die Mehr⸗ heitsparteien des Landtages sich in ihrer Politik beirren lassen werden durch die angstvollen Hinweise darauf, daß sie die Geschäfte der Sozialdemokratie besorgen durch ihre Politik. Sie rechtfertigen ihr Verhalten ja gerade mit der Behauptung, durch Arbeiterschutzgesetze würden unsere Geschäfte besorgt. Die Lösung der Preisfrage, ob man unsere Geschäfte besser durch Arbeiterschutz oder durch Arbeitertrutz besorgt, wollen wir gern den streitenden„Staats⸗ erhaltenden“ aller Richtungen überlassen. „Objekt“ bilden die Arbeiter für alle bürger⸗ lichen Politiker nur. Nur durch die Sozial- demokratie können sie sich aus diesem unwürdigen Zustande der Bevormundung befreien und es erreichen, daß sie endlich Subjekt der Gesetz⸗ gebung werden und selbst bestimmen können, was ihnen frommt. Die monarchischen Glasmacher in Portugal. Zur Zeit als der Kaiser auf seiner letzten Reise in Lissabon weilte, ging eine Meldung durch die bürgerliche Presse, die besagte, daß organisterte sozialdemokratische Glasarbeiter Kaiser Wilhelm eine Huldigung dargebracht und ihm einen silbernen Teller als Geschenk überreicht hätten. Obwohl der Schwindel mit Händen zu greifen war, hat die Notiz doch die Runde durch die ganze bürgerliche Presse ge⸗ macht und einige Blätter haben dem angeblichen aufsehenerregenden Vorgang auch Leitartikel gewidmet. Jetzt wird der Schleswig⸗Holsteini⸗ schen Volksztg. durch eine Zuschrift aus Amora noch bestätigt, daß die bürgerliche Presse zu früh gejubelt hat und die huldigenden sozial⸗ demokratischen Glasmacher das Phantasieprodukt eines Reporters sind. In dem Schreiben heißt es: Es besteht nämlich seit dem 1. Januar hier eine deutsche Schule, welche der deutschen Gesandtschaft von Lissabon untersteht, und deren Hauptzuschuß vom Deutschen Reiche entrichtet wird. Als es bekannt war, daß der Kaiser nach Lissabon komme, so wurde unserem Kandidaten, welcher die Kinder in der Schule unterrichtet, von der Gesandtschaft gesagt, daß die Schulkinder von Lissabon und Porto den Kaiser bei seiner Ankunft empfangen würden und unter anderem auch ein kleines Geschenk überreichen würden, so möchte auch er mit seinen Kindern sich diesen beiden Städten anschließen. Es gab in unserer Kolonie keinen Widerspruch, schon wegen unseres Kandidaten und wegen der kaiserlichen Gesandtschaft, welche sehr viel für unsere Schule übrig hat, und welcher wir auch verdanken, daß unsere schul⸗ pflichtigen Kinder, 36 an der Zahl, nicht versumpfen, wie die hiesigen Eingeborenen und aufwachsen wie die Wilden. Es war selbstverständlich von vornherein be⸗ schlossen, daß das Geschenk ein Schulkind dem Kaiser überreichen soll. Kaisers bekam der Schullehrer von der Gesandtschaft die Nachricht, daß das Geschenk kein Kind überreichen könne, sondern daß dies von einer Deputation von drei Mann geschehen müsse. Der Kandidat bestimmte drei Mann, welcher Vorschlag von der Versammlung, *I 8 8 8 588 — 1 1 8 Zwei Tage vor der Ankunft des . Vcc 5 lttit. mit ksetze sung esser krutz lals⸗ sen. ger⸗ zal igen k set⸗ en, ten ung daß er acht enk mit die ge⸗ hen ikel il⸗ ld jal⸗ kt eine haft oll hat/ em fel, bon unt eß mit en. 1 hel lg + fen, die r bel aft 901 1 19 Nr. 19. Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung. Seite. die den anderen Tag stattfand, akzeptiert wurde. Un⸗ wahr ist, daß der Name„Bebel“ oder„Parteileitung“ in der Versammlung ausgesprochen wurde. Ich könnte mir auch gar nicht vorstellen, wie das angehen sollte, da doch die meisten hiesigen Arbeiter bürgerliche Blätter lesen, keinem Verein angehören, mithin die Partei in keiner Weise unterstützen, darum auch gar keine Sozial⸗ demokraten sein können Man hatte so schön ausgemalt, wie deutsche soztaldemokratische Arbeiter nur der„Partei⸗ knute“ entronnen zu sein brauchten, um ihre wirklich vorhandene monarchische Gesinnung zu offenbaren, die sie angesichts der Parteidiktatur nicht hervorkehren dürfen. Und nun fällt alles in nichts zusammen. Mit einer kläglichen Blamage für die Ordnungspresse endet die schöne Hoffnung auf Wandlungen sozialdemo⸗ kratischer Arbeiter zu huldigenden Byzantinern. Dalles bei den Sozialistenvernichtern. Der Reichsverband zur Bekämpfung der Sozialdemokratie hat lediglich aus Mangel an Mitteln bisher dem Umsturz noch nicht den Garaus machen können. Er versendet daher aufs neue ein Rundschreiben an Scharfmacher und Scharfmachergenossen, in dem sie flehentlich gebeten werden, endlich die zur Kriegsführung erforderlichen Moneten locker zu machen. Der bisherige Erfolg ist mehr als kläglich. Kaum 20000 Mitglieder hat der Verband bis jetzt aufzuweisen, und über die von diesen gespendeten Summen schweigt der Vorstand sich gründlich aus. Viel Staat wird sich mit der„patriotischen Opferwilligkeit“ wohl kaum machen lassen. Nehmen it seliger, als geben— denken die Herrschaften. Gemeinheit kapitalistischer Soldschreiber. Ein Leitartikel der„Post“, des Berliner Scharfmacher⸗Organs, über die Aussperrung der rheinischen Brauer beginnt:„Seit der Brauereidirektor Roesicke, der später durch seinen Dauermarsch hinter der Leiche des Sozenhäuptlings Liebknecht eine ge⸗ wisse traurige Berühmtheit erlangt hat, in Berlin mit den ausständigen Arbeitern den faulen Frieden schloß usw.“ Und solche er⸗ bärmliche Schmurfinken wagen die Kampfes⸗ weise der Sozialdemokratie zu bekritteln. Aus dem herrlichen Kriegsheere. Eine ganze Menge Fälle scheußlicher Sol⸗ datenschindereien sind in der letzten Zeit wieder von den Krtegsgerichten abgeurteilt worden.— Der Unteroffizier Elsner vom Fußartillerie⸗ Regiment Nr. 10 in Straßburg verging sich an einer Anzahl Soldaten im Jahre 1903 und 1904 in grober Weise. Einem Rekruten stieß er mit dem Seitengewehr in die Zähne, daß sie bluteten, andere ohrfeigte er, drehte ihnen die Nase um, und wieder andere mußten in der Nacht aufstehen, um ihre Kleider zu reinigen und Knöpfe, welche andere abge⸗ schnitten, anzunähen. Ein Rekrut mußte sich auskleiden und von einigen Soldaten mit Wasser und Wurzelbürste behandeln lassen. In einem Falle schlug der Unteroffizier einen Rekruten mit einem Hebebaum über den Kopf und ähnliches mehr. Das Urteil des Gouverne⸗ mentsgerichts lautete auf fünf Monate Gefängnis und Degradation. Schwere Mißhandlungen haben sich auch die ehemaligen Unteroffiziere Rothe, Ersing und Sergeant Scherfe zu Schulden kommen lassen, die sämtlich früher im 22. Dragoner⸗Regiment zu Mülhausen i. Els. waren. Es liegt ihnen eine ganze Reihe von schweren Soldatenmißhandlungen zur Last, die ste in der Zeit von 1898 bis 1901 verübt haben. Der Vorsitzende meinte bei Einleitung der Verhandlung, die Angeklagten könnten Gott danken, daß ein Teil ihrer Schandtaten bereits ber jährt sei, da sie sonst noch viel schwerer bestraft werden müßten als es ohnehin schon nötig sei. So mußten u. a. der Dragoner auger und mehrere seiner Kameraden im inter stundenlang am glühenden Ofen in Kniebeuge sitzen und in der Stube über Schemel ꝛc. hinweg Laufschritt machen, bis sie in Schweiß gebadet waren, worauf sie im Korridor in strengster Kälte in den Durchzug gestellt wurden, bis sie bis zum Steifwerden abgekühlt waren. Der vernommene Militärarzt bezeichnete diese Grausamkeit als weit schlimmere Miß⸗ handlung als jeden tätlichen Angriff, tatsächlich hätten auch einzelne der Geschundenen derart unter diesen Quälereien gelitten, daß ste heute körperlich völlig ruiniert seien. In der Putzstunde mußte der Rekrut Hauger auf einem Schemel sitzen, der auf den Tisch gestellt wurde; in den Mantel eingehüllt, den Besen zum Präsentieren in der Hand, mußte er dann so lange Zigarren rauchen, bis er betäubt und halb bewußtlos umsank. Noch eine Reihe anderer Schandtaten wurden den Schindern vorgehalten, die sie an dem Hauger begangen haben. Und das Urteil? Ersing bekam drei Monate Gefängnis, Scherfe acht Tage Mittelarrest! Rothe war wegen Krankheit nicht erschienen. Geradezu lächerlich geringe Strafen für solch' niederträchtige Gemeinheiten! Wieder ein militärisches Schreckens⸗ urteil. Vor dem Kriegsgericht der fünften Diviston in Frankfurt a. d. O. gelangte am Donnerstag eine Verhandlung wegen militärischen Aufruhrs und Achtungsverletzung gegen die Artilleristen Heinrich Sims und Karl Scheter zum Abschluß. In seiner Entstehung und auch im Urteil erinnert der Fall stark an die Dessauer Affäre. Die Angeklagten hatten unter dem Einfluß des Alkohols einige Unteroffiziere mehrmals angerempelt und beleidigt. Das Urteil lautete gegen Scheier auf fünf Jahre steben Monate und gegen Sims auf fünf Jahre sechs Monate Gefängnis und Versetzung in die zweite Klasse des Soldaten⸗ standes.— Vom Stuttgarter Ober⸗Kriegs⸗ gericht als Berufungsinstanz war der Grenadier Arnold wegen„Verbrechen“ gegen die Pflichten der militärischen Unterordnung zu drei Jahren und fünfzehn Tagen Gefängnis verurteilt worden. Das ist nur ein paar Wochen weniger, als das erste Urteil gelautet hatte. Der Un⸗ glückliche war mit einem Posten in Konflikt gekommen und hatte diesem einen Schlag versetzt. Beteiligung an den Landtagswahlen haben unsere Parteigenossen auf der Landes versammlung beschlossen. Abg. Geyer referierte am zweiten Verhandlungstage dar⸗ über und trat entschieden für die Beteiligung an diesen Wahlen ein. Man habe dagegen eingewandt, daß wir keine Erfolge erzielt hätten; die Wahlbeteiligung treiben wir nicht des Er⸗ folges wegen, sondern der Agitation wegen. Man wolle durch Protestversammlungen gegen das Dreiklassen⸗Wahlrecht protestieren, allein der Protest reiße nicht dauernd das Volk mit und gebe den bürgerlichen Parteien nur Ge⸗ legenheit, sich der dritten Wählerklasse anzu⸗ nehmen. Auch durch einen Massenstreik lasse sich nicht eine Aenderung des Wahlrechts er⸗ zielen, denn ein solcher Streik könne nicht vor⸗ bereitet werden, sondern müsse spontan entstehen, und dies könne nur geschehen, wenn das Volk durch Maßnahmen der Gegner aufgepeitscht würde. Es bleibe nur die Wahlbeteiligung übrig, gemäß dem Mainzer Parteitags. Beschluß. Dem Referat folgte eine sehr rege Debatte, an deren Schluß eine von Geyer vorgeschlagene Resolutton, in der es heißt:„Die Sozialdemo⸗ kratie Sachsens beteiligt sich gemäß dem Be⸗ schlusse des Parteitages der deutschen Sozial⸗ demokratie zu Mainz im Jahre 1900 trotz des Dreiklassenwahlsystems an den sächsischen Laud⸗ tagswahlen,“ mit allen gegen 9 Stimmen an⸗ genommen wurde.— Die Landes versammlung nahm ferner ein Referat des Genossen Lange über: Die Armengesetzgebung in Sachsen entgegen. Eine Resolution, in der gefordert wird:„Uebernahme der Armenlasten durch den Staat; von den Gemeinden vorbeugende Maß⸗ nahmen und ausreichende Unterstützung,“ fand Annahme. Es wird ferner noch beschlossen, das Zentralkomitee in Dresden zu belassen. Beleidigte sächsische Majestät. Seit dem Regierungsantritt des Königs Friedrich August mehren sich die Majestäts⸗ beleidigungsprozesse in Sachsen bedenklich. Der kürzlichen Verurteilung des Redakteurs unsres Zwickauer Parteiblattes wegen Beleidigung des säͤchsischen Königs ist jetzt eine neue Verurteilung gefolgt. Vom Landgericht Leipzig wurde der Verlagsbuchhändler Bremer, weil er in einer von ihm verfaßten Broschüre:„Louise und ihr Sachsenbolk“ sich der Majestätsbeleidi⸗ gung schuldig gemacht haben soll, zu acht Monaten Gefeugnis verurteilt. Eine unerhörte Strafe!— 15 90 Straßburger Parteiorgan wurde auch mit einer Anklage wegen Beleidigung des Königs von Sachsen bedacht. Die Beleidigung soll in einem der Wiener Arbeiter⸗Zeitung“ entnommenen kleinen Feuilleton enthalten sein, welches das Vorgehen gegen die ehemalige Kronprinzessin Louise von Sachsen kritisterte.— Auf die Art will man Kate die monarchische Gesinnung im Volke ärken. Zarische Bluthunde. In Warschau haben die Kreaturen am Montag ein scheußliches Gemetzel inszeniert. Auf dem Wibkowsky⸗Platz wurde am Nach⸗ mittag eine 5000 Köpfe zählende Arbeiter menge vom Militär angegriffen. Das Militär schoß. Die Sanitätswache zählte 31 Tote und 15 Verletzte. Die Polizei schaffte außerdem 60 Tote und Verwundete fort. Auf der Jerusalemer Straße wurde Militär von der Menge angegriffen, wobei 25 Ar⸗ beiter verwundet und 25˙ getötet wurden. Kleine politische Nachrichten. Bei der Stadtverordnetenersatzwahl in Itzehoe ge⸗ lang es unseren Genossen, trotz des 900⸗Mark⸗Zensus zwei Sozialdemokraten durchzubringen. Es sind dies die beiden ersten Parteivertreter im Stadthause.— Einen glänzenden Sieg errang unsere Partei ferner bei den Stadtverordnetenwahlen in Karler uh e. Die Wahl am Montag in der dritten Klasse brachte unseren Kandidaten 3400 Stimmen, während der bürgerliche Zettel nur 2200 Stimmen erhielt. Das Zentrum en sich jedoch zum Teil der Wahl ferngehalten zu aben. Soziales, Gewerkschaftliches, Arbeiterbewegung. Aussperrungen. 2800 Arbeiter sind in Bremen ausgesperrt. Die Werft⸗ Aktiengesellschaft„Weser“ hat die vor einer Woche ihren gesamten Arbeitern ange⸗ kündigte Aussperrung zur Tatsache gemacht. Die Werft wollte die Aussperrung, mochte es kosten was es wollte. Als die Kün⸗ digung der gesamten Arbeiter am vorigen Donnerstag ausgesprochen und ein folgenschwerer und erbitternder Kampf in nahe Aussicht gerückt war, war der Vorsitzende des Gewerbegerichts in Bremen, Herr Dr. Meyer, sofort bemüht, eine Vermittlung herbeizuführen. Diese Bemüh⸗ ungen scheiterten jedoch.— In Hamburg nimmt die Aussperrung der Tischler einen größeren Umfang an. Die Bautischlereien haben sich mit den Möbeltischlereien solidarisch erklärt und mit der Aussperrung begonnen.— In Dresden sperrte der Arbeitgeberverband wegen Arbeitsversäumnis am 1. Mai 750 Bauarbeiter mehrere Tage aus. eee eee von Nah und Fern. Hessisches. — Ueber die Wahlrechts vorlage verhandelte am Freitag der Ausschuß der Ersten Kammer. Was dabei heraus kam, ist nicht bekannt; ein kurzer Bericht besagt, daß die Diskussion„streng vertraulich“ gewesen sei. Die Privilegierten scheuen also das Licht der Oeffentlichkeit und sie haben jedenfalls auch allen Grund dazu. Wenn diese Art Volks⸗ vertreter Wahlrechtsreform macht, kann man sich schon denken, das etwas ausgeheckt wird, was dem Volke zum Schaden gereicht. — Der Gemeindesteuer-Gesetzent⸗ wurf wurde vom Ausschuß der Zweiten Kammer im Prinzip abgelehnt. Die Re⸗ gierung soll ersucht werden, eine Vorlage auf Seite 4. Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 19. anderer Grundlage einzubringen, in der Rich⸗ tung des Staatssteuergesetzes, in Verbindung mit dem Prinzip von Leistung und Gegenleistung. Mit andern Worten heißt das wohl, daß die „stärkeren Schultern“, die Geldsäcke, ja nicht zu schwer belastet werden sollen. Gießener Angelegenheiten. — Die Oktroi⸗Erhöhung abgelehnt. Die Stadtverordneten haben doch die von der Bürgermeisterei vorgeschlagene Erhöhung des Oktrois auf Fleisch und die Wiedereinfüh⸗ rung desselben auf Mehl und Backwaren nicht beschlossen. Mit 17 gegen 12 Stimmen(5 Stadtverordnete fehlten) wurde die Oktroi⸗ „Reform“ abgelehnt und zur Deckung des Deftzits eine Erhöhung der Gemeindesteuern auf 120 Prozent beschlossen. Dafür, also für Belastung der Armen zu Gunsten der Besitzenden stimmten die Stadtväter: Petri, Brück, Emme⸗ lius, Heichelheim, Schmall, Jann, Keller, Helf⸗ rich und Schiele, ferner der Oberbürgermeister und die zwei Beigeordneten 0 und Curschmann. Eine Diskussion sollte nach dem Wunsche des Herrn e erst gar nicht stattfinden, sondern sogleich zur Abstimmung geschritten werden. Dagegen erhob sich denn doch Protest. Die Beratung war eine sehr ausgiebige. Verschiedene Freunde des Oktrois brachten recht merkwürdige Ansichten vor. Mit Entschiedenheit wendeten sich Gutfleisch, Krumm und Beigeordt. Georgi dagegen. Gutfleisch räumte gründlich auf mit den Behauptungen der Denkschrift, daß die Preise von dem Oktrot nicht beeinflußt würden. Herr Löber wandte sich auch dagegen und las etne Rede vor, die mit ihrem ee Humor stürmische Heiterkeit entfesselte. echt hatte er insofern, als er die Oktroi⸗Erhöhung als ein neues Geschenk an die Bäcker bezeichnete. — Der erste Mai in Gießen und Uagebung wurde wie alljährlich durch Versammlungen gefeiert. Die in Gieden auf Lony's Bierkeller war sehr gut be⸗ sucht und nahm die Ausführungen des Genossen Vetters, beifällig auf. Genosse Ulrich⸗Offenbach, der als Redner vorgesehen war, hatte für einen erkrank. en Referenten einspringen müssen und konnte daher nicht erscheinen. Der Gesangverein„Eintracht“ verschönte die Feier durch mehrere Liedervorträge.— Die Feiern in Wie seck am Sonntag, sowie die in Heuchelheim und Lollar am Montag waren ebenfalls gut besucht.— In der weiteren Umgebung, Frankfurt, Offenbach, Mainz und Umgegend war stärkere Beteiligung als früher zu ver⸗ zeichnen. In der Vormittags⸗Versammlung in Offenbach waren zirka 1800 Personen anwesend. In Frankfurt füllten fast die Holzarbeiter allein den großen Saal des Gewerkschaftshauses, wo Genosse Vetters sprach. — Maifest. Wie alljährlich haben auch diesmal die Gießener Gewerkschaften ein Wald⸗ fest arrangiert, das am Sonntag im Stadtwalde an der Licherstraße abgehalten wird. Punkt ½2 Uhr marschiert der Festzug von Oswalds⸗ garten nach dem Festplatze ab. Alle Gewerk⸗ schaftsmitglieder und Parteigenossen wollen sich beteiligen und wenigstens eine Viertelstunde vor Abmarsch zur Aufstellung des Zuges auf Oswaldsgarten sich einfinden. Selbstverständlich können auch Frauen und Kinder im Zuge mit⸗ 1 das ist sogar erwünscht. Im Uebrigen ei auf das Inserat verwiesen, Bei ungünstigem Wetter findet das Fest 8 Tage später statt. — Ueber unsere Maifeier verzapfte der„Gieß. Anzeiger“ in seiner Nummer vom vorigen Samstag fürchterlich dummes Zeug. Der„Weltfeiertag“ überschriebene Artikel steht wirklich aus, als stamme er aus dem Bureau eines Scharfmacher⸗Verbandes oder aus der Fabrik Schweinburgs. Unter anderm heißt es da: „Die meisten„Genossen“ Blätter klagen denn auch regelmäßig am 1. Mai über die immer geringer werdende Teilnahme an der Maifeier, aber wenn sie mehr Be⸗ geisterung für die Feier verlangen, so stellen sie damit eine durchaus inkonsequente Forderung auf. Wofür sollen sich denn eigentlich die Arbeiter begeistern? Ein besonderer Gedenktag, auch von Partei wegen, ist doch der 1. Mai nicht. Er soll nur die Macht des einigen Arbeitertums zeigen, soll zeigen, daß kein Mensch den Arbeiter zur Arbeit zwingen kann, wenn er eben nicht arbeiten will, kurz, er soll die Ueberlegenheit der Arbeiter über die Arbeitgeber zeigen. Er 5 105 etwas zeigen, was in Wirklichkeit nicht a ist.“ Von wegen der Beteiligung straft sich der Anzeiger in derselben Nummer selbst Lügen, indem er berichtete, daß in Berlin und Um⸗ gebung rund 100 Versammlungen stattfinden würden. Soviel waren es auch tatsächlich, also bedeutend mehr als in früheren Jahren und viele davon überfüllt! Von einer geringeren Beteiligung ist also in Berlin nicht die Rede. Ebensowenig aber auch in der Provinz, wie auch diesmal wieder konstatiert werden konnte. Wofür die Arbeiter am 1. Mai eintreten und sich begeistern, wissen ste sehr wohl. Das Amtsblatt könnte sich davon in jeder Mai⸗ versammlung überzeugen. Es wäre aber die Gegenfrage erlaubt, wofür sich die Arbeiter bei gewissen„nationalen“ und dynastischen Feiern, etwa am St. Sedan, den in früheren Jahren Tausende von Arbeitern durch Arbeitsruhe be⸗ gehen mußten, ohne daß ihre„patriotischen“ Unternehmer für den Lohnausfall aufgekommen wären. Allerdings soll die Maifeier die Macht der Arbeiter zeigen, die sie wirklich in Händen der Fall ist, werden auch die„Ordnungs“blätter den ersten Mat feiern, sie müßten es zum größten Teile jetzt schon, wenn der Buchdrucker⸗ tarif nicht wäre! Anmaßend ist es von den Unternehmern, den Arbeiter zur Arbeit zu zwingen. Was würden sie sagen, wenn die Arbeiter ihnen gegenüber dasselbe[wollten? — Schiller⸗Ausstellung der Uni⸗ versitäts⸗ Bibliothek. Die in dem Aus⸗ stellungsraum der Großhzgal. Universttäts⸗ Bibliothek(Erdgeschoß) veranstaltete Schiller⸗ ausstellung wird am Dienstag, den 9. Mai vormittags 11 Uhr eröffnet werden. Die Ausstellung wird zunächst den Mai hindurch an jedem Dienstag und Freitag von 11—12 Uhr und an den Sonntagen von 11—1 Uhr unentgeltlich zugänglich sein. Näheres über Umfang und Inhalt der Ausstellung, die sich auch auf Schillers Zeitgenossen, namentlich Göthe ersteckt, wird in Kurzem an dieser Stelle mitgeteilt werden. — Der Schneider⸗Ausstand dauert noch immer fort. Anstatt, daß die Unternehmer die paar Pfennige Lohn bezahlen, die gefordert werden, was sie sehr wohl können und nur nicht wollen, machen ste sich nicht geringe Kosten und Unannehmlichkeiten mit ihren Versuchen, die Arbeit anderwärts unterzubringen. Das geht nicht immer so glatt, wie folgende Episode zeigt: In Mainz wurde, wie die„Volksztg.“ berichtet, entdeckt, daß eine Schneiderfamilte für Gießen Streikarbeit lieferte. Der Schneider Hof arbeitet gewöhnlich für die Firma Scheuer und Plaut, und stolz auf seine Heldentat als Aufertiger von Gießener Streikarbett, erzählte er ahnungslos dem Genossen Pfeifer, wie leistungsfähig er sei. Die beiden Söhne Hof's sind bei Scheuer und Plaut als Zu⸗ schneider beschäftigt und der jüngere von beiden arbeitete abends bei seinem Vater noch für Gießen. Da die Arbeit scheinbar durch die Hände der Firma Scheuer und Plaut ging, so beschloß eine Werkstattversammlung, hier sofort Abhilfe zu schaffen. Bei den Verhand⸗ lungen zwischen der Kommission und der Firma kam es ans Licht, daß der Reisende Mann hinter dem Rücken der Firma Streikarbeit für die Firma Frensdorf in Gießen vermittelte, die dann bei Hof angefertigt wurde. Die Firmeninhaber machten der Geschichte ein resolutes Ende. Sie waren von diesen Dingen aufs peinlichste berührt. Die Firma sagte auch ebenso wird der ältere Zuschneider Hof und sein Vater entlassen. So sind in diesem Falle weitere Differenzen infolge der entschiedenen Haltung der Arbeiter und des taktvollen Ver⸗ haltens der Firmeninhaber vermieden worden. Die Gießener Unternehmer müssen aber nach neuen Arbeitswilligen Umschau halten. Von „Terrorismus“ wußte das Amtsblatt zu reden. Ein streikender Schneider sollte einen Streilbrecher überfallen und verprügelt haben. Das ist un wahr. Auch die polizetliche Ver⸗ nehmung hat, wie uns mitgeteilt wird, nichts Belastendes für die Streikenden ergeben. — Zum Schneiderstreik erhielten wir folgende Zuschrift: haben, wenn sie einig sind. Wenn dies einst sofort die Entlassung des jüngeren Hof zu und „In der letzten Nummer Ihrer Zeitung veröffentlichen Sie einen Bericht der hiestgen im Streik stehenden Schneidergehilfen, aus dem zu ersehen, daß die Prinzipale trotz Milch⸗ erhöhung, trotz Oktroidebatte, trotz kommender weiterer Mietsteigerungen infolge der Kanali⸗ sation und endlich trotz der infolge der Zoll⸗ tariferhöhungen gesteigerten Lebens mittel preise, zu keinerlei Entgegenkommen sich bequemen wollen. Es dürfte nun im Interesse der Ge⸗ hilfen liegen, wenn der angedeutete Schritt, Einrichtung einer Betriebswerkstätte, baldigst in die Wege geleitet würde. Denn eine Unter⸗ stützung aller rechtlich denkenden Bürger Gießens wäre sicher. Dann aber wäre eine Bekannt⸗ gabe derjenigen Firmeninhaber, die so geringes sozialpolitisches Verständnis zeigen, durchaus zweckentsprechend, damit nicht Leute geschäftlich unterstützt werden, die bei einer derartigen Sachlage noch von einer Aufhetzung durch be⸗ zahlte Agitatoren reden.“ 5 Ein alter Gewerkschaftler. — Studentische Rüpeleien sind in der Nacht zum 1. Mat zahlreiche verübt; in der Mäusburg und andern Straßen wurden Fenster⸗ und Erkerschetben sowie Straßenlaternen zertrümmert. So begehen die zukünftigen Staatsstützen ihre„Maifeier“. Wir wollten mal hören, wie das Amtsblatt schimpfen würde, wenn sich Arbeiter auch nur den zehnten Teil derartiger„Freiheiten“ erlauben würden. Wenn auch verschiedene der Herrchen zur An⸗ zeige kommen, ste wissen, es passiert ihnen nicht viel. So wurden erst kürzlich in Halle zwei Studenten mit geringen Geldstrafen von 75 und 100 Mk. belegt, trotzdem sie die Poltzisten in der unverschämtesten Weise beleidigt und beschimpft hatten. Der eine davon krakehlte in einem Freudenhause und mußte mit Gewalt herausgebracht werden. Dabei schrie er dem Poltzeibeamten unter andern gemeinen Schimpf⸗ worten die freche Aeußerung zu:„Die Hallesche Poltzei und die Vertreter der Staatsanwaltschaft stecken mit den H... unter einer Decke.“ Das sind Söhnchen der„Gebildeten“! — Das Schwurgericht der Provinz Oberhessen tritt am Freitag, den 2. Juni, zu⸗ sammen. Gegen den Raubmörder Hudde dürfte erst am 5. Junt verhandelt werden. — An Genickstarre starb ein Italiener in der hiesigen Klinik, wohin er vor einigen Tagen verbracht worden war. Aus dem Rreise gießen. — Watzenborn⸗Steinberg. Die Maffeier begehen die hiesigen Parteigenossen diesen Sonntag Nachmittag durch eine Festlichkeit, die auf dem Wiesen⸗ platze zwischen Watzenborn und Steinberg abgehalten wird. Näheres im Inserat. Die Arbeiterschaft der Umgebung wolle sich dazu recht zahlreich einfinden, X. Trohe. Ihre silberne Hochzeit feierten unser Parteigenosse und langjähriges Mitglied des Arbeiter⸗ Gesangvereins Jakob Licher und Frau, geb. Müller. Aus diesem Anlaß gingen dem Paare von Seiten vieler Freunde und Bekannten Glückwünsche zu und abends vereinigte man sich in der Wirtschaft Seipp zur ein⸗ fachen, aber recht gemütlichen Feier. Mögen dem Paare noch ein langes glückliches Zusammenleben beschieden sein! r. Alten⸗Buseck. Die hiesigen Parteigenossen begingen ihre Maifeier am Montag Abend in einer gut besuchten Versammlung. Leider war es nicht mög⸗ lich, einen Redner von auswärts zu erhalten; trotzdem verlief die Feier in der schönsten Weise. Gesang und sonsrige Unterhaltung wechselten in angenehmer Weise mit einander ab. Eine entsprechende Resolution, in der auch den russischen Freiheitskämpfern die wärmste An⸗ teilnahme ausgesprochen wurde, fand einstimmige An⸗ nahme. — Sozialdemokratie im Konfirmanden⸗ Unterricht. An den Osterfeiertagen war in der Kirche in Groß en⸗Buseck Konfirmanden ⸗Examen. Unter anderm stellte der Pfarrer die Frage an ein Mädchen:„Wie heißen die Leute, die an keinen Gott glauben?“„Sozialdemokraten!“ antwortete das Mädchen prompt. Darauf bemerkte der Pfarrer:„Nein Kind. die sind vielleicht frömmer als du und ich.“ Dabei hat der Herr Pfarrer gewiß nicht an die Frömmigkeit im landläufigen Sinne gedacht, die gleichbedeutend mit Frömmelei und Muckerei ist; er wollte gewiß damit sagen, daß die Sozialdemokraten mehr wahrhafte christ⸗ liche Gesinnung, christliche Nächstenliebe betätigen, als man sonst bei denen, die sich Christenleute nennen, zu sehen gewohnt ist. Und wenn es der Herr Pfarrer so gemeint hat, stimmen wir ihm bei. Jedenfalls ehrt ung gen em der ali⸗ oll le, fler tag lesen⸗ alten det unser eller⸗ ler. blelet hend ell Paar fein asse elntt wöh⸗ dem 8 in det e A* l det 1 d amel. n el 00. Joche Nr. 19. Mittel deutsche untaSogs⸗Zeitung. Seite 5. es ihn aber, wenn er es ablehnt, zu den Kindern von politischen Dingen zu reden, die sie nicht verstehen, oder etwa bei dem Religionsunterrichte gegen unsere Partei zu hetzen. — Sozialisten feindlicher Gemeinde⸗ rat. In dem Dorfe Saasen bei Grünberg wohnte der Maurer Lang bei seinen Schwiegereltern in einem Hause, das der Gemeinde gehört, ganz ruhig und so gut es ging, zufrieden. Er hatte sich dem Maurer⸗ Verbande angeschlossen, und das war wohl auch der Grund, weshalb er eines schönen Tages ein Schreiben des Bürgermeisters erhielt, das wir hier wörtlich mit allen seinen Schönheiten wiedergeben: „Durch Beschluß des Gemeinderats vom 12. l. Mts. wird dem Herrmann Ph. Lang von Lich eröffnet daß sich derselbe wegen Beteiligung an der Sozialdämokratie das Gemeindehaus unverzüglich innerhalb 3 Monaten zu verlassen hat. Saasen am 14. April 1905. Großh. Bürgermeisterei Saasen Schmitt.“ Wenn Saasen etwa zwischen Konitz und Rawitsch läge, wo die Menschheit der Junkerwillkür ausgeliefert ist, würde man sich über dieses für unsere Zeit bezeich⸗ nende Dokument noch weniger wundern. Aber in Hessen ist's doch noch selten vorgekommen, daß ein Gemeinderat seine Ordnungsretter⸗Gesinnung so offen betätigt und einen Menschen obdachlos machen will, bloß weil er Sozialdemokrat ist. Das Empörende dieses gemeinde⸗ rätlichen Beschlusses wird auch nicht durch die gelungene Form gemildert, die ihm der Bürgermeister mit seiner Schreibweise und seiner gemütlichen Auslegung des Wortes„unverzüglich“, das bei ihm 3 Monate bedeutet, gegeben hat. Unsere Genossen sehen hier wieder, wie notwendig es ist, daß Leute von uns in die Gemeinde⸗ vertretungen kommen. Aus dem Rreise griedberg⸗Püdingen. ch. Niederflorstadt. Die hiesigen Partei⸗ genossen halten ihre Maifeier diesen Sonntag Nach⸗ mittag im Gemeindewald an der Altenstadterstraße ab. Genosse Busol d ⸗Friedberg wird die Festrede halten. Alle Parteifreunde werden dazu eingeladen, V. Ein solider Brückenbau. In Helden⸗ bergen stürzte am Montag Mittag die neuerbaute Brücke über die Nidda ein, als der Fuhrunternehmer Schäfer mit einem Wagen voll Sand, der als Be⸗ deckungsmaterlal dienen sollte, darüber fuhr. Der Wagen stürzte in die Tiefe. Dem Umstand, daß Schäfer auf seinem Wagen saß, ist es zu verdanken, daß er mit dem Leben davonkam und nur einige leichte Verletzungen er⸗ litt. Einem Pferde wurde ein Bein völlig abgeschlagen, so daß es bald getötet werden mußte; das andere Pferd verendete, Die beiden seitlichen Bogenträger stürzten gleichzeitig zusammen. Aus dem Rreise Alsfeld⸗Cauterbach. dt. Den Weltfeiertag der Arbeit beabsichtigten auch die hiesigen Genossen in würdiger Weise zu begehen und sie faßten in der vor 14 Tagen stattgefundenen Mitgliederversammlung demenrsprechende Beschlüsse. Leider war aber keine größere Lokalität aufzutreiben, die Saal⸗ besitzer verweigerten wieder einmal ihre Säle. Dashalb ist für Sonntag, den 7. Mai, bei günstiger Witterung, ein Ausflug nach dem idyllischen Waldort Münch⸗Leusel geplant. Die Parteigenossen wie überhaupt die Alsfelder Arbeiter wollen recht zahlreich erscheinen. Zusammen⸗ kunft am Schwabenröder Weg um 2 Uhr.— Bei un⸗ günstiger Witterung wird die Feier im Stadtpark abge⸗ halten. Aus dem Nreise Wetzlar. h, Zum ersten Male fand in Wetzlar eine Maifeier⸗Versammlung statt. Sie war ausgezeichnet besucht und nahm die Rede des Gen, Krumm⸗Gießen sehr beifällig entgegen. Eine ganze Anzahl von den Anwesenden ließ sich in die gewerkschaftliche oder politische Organisation aufnehmen. h, Eine Typhus⸗Epidemie ist in dem Dorfe Erda ausgebrochen und der Verlauf derselben ist gar nicht unbedenklich. Welche Ursachen die Seuche veranlaßt haben, darüber liegen zur Zeit zuverlässige Mitteilungen nicht vor. Vermutlich sind aber die Wasserverhältnisse schuld; es sind meistens Ziehbrunnen von geringer Tiefe vorhanden, deren Wasser gewiß gesundheitlich nicht ein⸗ wandfrei ist. Jetzt soll, wie uns mitgeteilt wurde, die Behörde die Schließung dieser sogenannten Brunnen angeordnet haben, eine Maßregel, die jetzt für viele Einwohner Unannehmlichkeiten zur Folge hat, weil das Wasser für Küche und für das Vieh teilweise weit ge⸗ holt werden muß. Die Gemeinde hat hier jedenfalls gesündigt, sie hätte beizeiten schon für ordentliche Brunnen oder Wasserleitung sorgen sollen. Aber in vielen Ge⸗ mein den denkt man nicht an notwendige und nützliche Einrichtungen, wogegen für Kriegerdenkmäler und ähn⸗ lichen Unfug immer Geld verplempert wird. Es ist ein trauriges Zeichen für unsern Kulturstaat, wenn jetzt für die Opfer der Epidemie die öffentliche Mildtätigkeit angerufen wird.— Vorige Woche ist von der Krankheit noch ein 19 jähriges Mädchen hinweggerafft worden. Es sind nunmehr vier Personen gestorben, etwa 20 sind erkrankt. h. Ein kleines Lemgo. Im Inseraten⸗ teile des Wetzl. Anz. war dieser Tage folgende Bekanntmachung des Lehrers Lepper in Her⸗ mannstein zu lesen: „Den Schreibern der auonymen Karten und Briefe diene hiermit zur Nachricht, daß ich sämtliche Sachen der Staatsanwaltschaft übergeben habe. Die Hand⸗ schriftvergleichung wird die Namen der werten Brief⸗ schreiber schon ermitteln, damit diese unanständigen Schmähkarten und Briefe, bei deren Lesen jeder erröten muß, ihr Erscheinen einstellen.... Uebrigens erlauben diese Schmähungen, man müßte sie Schweinereien nennen, einen Rückschluß auf die Gesinnung der betreffenden Schreiber, die von außen wohl fein anständig anzusehen sind, im Innern aber von Schmutz starren müssen.“ Wenn Herr Lepper klug ist, regt er sich darüber nicht auf, sondern wirft die Schmutze⸗ reien einfach unbeachtet tas Feuer. Das ärgert erfahrungsgemäß solche Schmlerfinken am meisten. Daß es Leute der„besseren“ Klasse sind, glauben wir gern, andere haben zu solchen Dingen keine Zeit. * Eine rote Fahne, wehte am 1. Mai früh⸗ morgens auf dem Wettenberg(der sog. Napoleonsnase) bei Krofdorf. Westerwalsd und Anterlahn. t.. Stöckerianer Burckhardt kneift. Dr. Burckhardt hielt am Sonntag und Dienstag Versamm⸗ lungen in Dillenburg und Allendorf ab. Unserm Gen. Trott⸗Haiger, der das Wort verlangte, wurde es ver⸗ weigert. Warum? Weil Trott Herrn B. früher in einer Versammlung in Langenaubach mit Recht vorge⸗ halten hat, daß er seine Trichinen⸗Rede in verbesserter Auflage in Flugblättern habe erscheinen lassen, mit andern Worten, sie entstellt wiedergegeben habe, Das ist eine Tatsache.— Uebrigens muß es bei den Stöckerleuten windig aussehen. Im„Volk“ droht Dr. B. die Mit⸗ gliedsbeiträge durch Nachnahme einzuziehen, da von 100 Ortsgruppen 96 nicht bezahlt hätten. Aus dem Rreise Marburg⸗Nirchhain. r. Die Maifeier⸗Versammlung am Montag Abend im Jes ber g'schen Lokale war sehr gut besucht. Genosse Göller⸗Frankfurt a. M. hatte das Referat übernommen und seine Ausführungen wurden mit be⸗ geistertem Beifall aufgenommen. 12 Anwesende er⸗ klärten ihren Beitritt zum Wahlverein. Etwa 30 Mann — für Marburg eine ganz ansehnliche Zahl— feierten durch Arbeitsruhe.— Auch der Ausflug nach Cölbe am Sonntag fand unter zahlreicher Beteiligung statt, nur vermißte man leider verschtedene ältere Partei⸗ genossen. Im Allgemeinen nahm unsere Malfeier einen recht guten Verlauf. — Der Kon sumverein Marburg und Umgebung hielt am Samstag die zweite Generalver⸗ sammlung in diesem Jahre ab. Sie war leider nur mäßig besucht. Aus dem Bericht, den Geschäftsführer Fischer erstattete, geht hervor, daß der Verein recht gute Fortschritte macht. Mit der Mitgliederzunahme habe sich auch der Waren⸗Umsatz bedeutend gesteigert und man könne mit der ganzen Entwickelung der Genossenschaft nur zufrieden sein. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Herr Scheldt, berichtete über die Revisionen, die von dem Verbandsrevisor regelmäßig vorgenommen würden und die niemals zu irgendwelchen Beanstandungen Anlaß gaben, der Revisor habe sich im Gegenteil sehr aner⸗ kennend über die musterhafte Ordnung in der Führung des Geschäftes ausgesprochen, Es wurden noch einige Wahlen vorgenommen und verschiedene Vereinsangelegen⸗ heiten erledigt, während ein in Aussicht genommener Vortrag für diesmal von der Tagesordnung abgesetzt wurde. O Der zünftlerische Zopf kommt in einer Bekanntmachung des hiesigen Landratsamtes im Kreis⸗ blatt zum Vorschein. In derselben wird den Standes⸗ beamten eingeschärft, namentlich bei Anmeldungen des Eheaufgebots vor der Eintragung genau zu prüfen, ob die betreffenden Personen zur Führung des Meistertitels berechtigt sind, da es in letzter Zeit vielfach vorgekommen sei, daß Handwerker sich in unberechtigter Weise den Meistertitel beigelegt haben. In früheren Jahrhunderten wachten die Innungen darüber, daß solche Freveltaten nicht vorkamen, im zwanzigsten Jahrhundert haben die Behörden diese Tätigkeit übernommen. O Die Genickstarre hat beim hiesigen Jägerbataillon ein Opfer gefordert. Ein zwanzigjähriger junger Mann ist an dieser Krankheit gestorben. — Ein irrsinniger Bürgermeister. Vom Amte suspendiert und in die Marburger Irrenanstalt gebracht wurde der Bürgermeister von Amöneburg bei Kirchhain. Der Mann hat das Städtchen dadurch, daß er seit dem Jahre 1898 den Steuerpflichtigen gegen Mk. 60 000 Steuern„stundete“, an den Rand des Bankrotts gebracht. Ein Teil der Schuld trifft dabei die Aufsichtsbehörde, denn es wurde seit 1898 wohl alljährlich der Haushaltsplan, nicht aber der Jahres⸗ abschluß an die Regierung eingesandt, Es müssen doch aber auch sonst noch Leute in der Gemeinde da sein die die Rechnungen nachzuprüfen haben. Die Automobilmörderei nimmt überhand. Schon wieder wurde ein Menschenleben in den Tod gejagt. Durch ein von Köhn kommendes, in rasendem Tempo dahinfahrendes Automobil wurde Dienstag gegen Abend in der Nähe von Benrath der Arbeiter Pohlmann aus Ohligs überfahren und so schwer verletzt, daß er auf dem Transport zum Krankenhause st ar b. Weder der Name des Führers noch die Nummer des Wagens konnte festgestellt werden.— Verbrecherische Auto⸗ mobilfexe überfuhren in Köstriz bei Pößneck in Thürengen ein sechs⸗ und ein dreijähriges Kind. Das erstere war sofort tot, das zweite dürfte kaum mit dem Leben davon kommen. Die erstklassigen Verbrecher konnten nicht festgestellt werden, da sie sofort weiter fuhren. Späteren Mitteilungen zufolge hätten sie sich in Berlin gemeldet. Man darf sich nicht wundern, wenn die fortwährend bedrohte Bevölkerung schließlich an dem die Landstraßen unsicher machenden Aut o mo b summarische Vergeltung übt. Dem gemeingefährlichen Autounfug wäre gewiß schon längst gesteuert, aber er erfreut sich im schnellsten Tempo hoher Protektoren. Ortsschulzen⸗Dünkel. Der Schultheiß von Laichingen in Württem⸗ berg saß eines Abends im dortigen Wirtshaus, gedrückt von der Last seines Amtes. Da er⸗ laubte sich ein ganz gewöhnlicher Mensch, ein Schmied, dem Herrn Schultheiß zuzurufen: „Prost Herr Schultheiß!“ Eine solche Gemeinheit konnte sich die Spitze der Behörden natürlich nicht gefallen lassen und der Dorf⸗ büttel erhielt den Befehl, den Schmied in den Ortsarrest zu schleppen, was auch prompt aus⸗ geführt wurde. Die Gefangenschaft dauerte zwar nur eine Viertelstunde, desto länger aber wird nun der überspannte Schultheis eingelocht. Das Landgericht in Ulm verurteilte ihn wegen Freiheitsberaubung zu vier Monaten Ge⸗ fängnis. „Christliche“ Duldsamkeit. In Füssen im Allgäu starb ein Prolet, arm wie eine Kirchenmaus. Da er ohne geist⸗ lichen Beistand aus dem Leben geschieden war, wurde der Tote in früher Morgenstunde sang⸗ und klanglos in einer entlegenen Ecke des Friedhofes begraben. Wie sehr der Verstorbene in seinen letzten Lebenstagen noch mit Bekeh⸗ rungsversuchen gequält wurde, darüber könnte man ja vielleicht noch schweigen. Daß man aber den Toten auf einem Mistschlitten vom Krankenhause ins Leichenhaus transpor⸗ tierte, das hat doch bei vielen Leuten berechtigtes Aergernis erregt. Und da hat ein Prediger der christlichen Nächstenliebe noch den traurigen Mut, zu sagen:„So macht man's den Glaubens⸗ losen!“ Hätte der Mann Reichtümer hinterlassen, er wäre sicher mit allem Pomp bestattet worden. So aber war er eben nur ein armer Teufel! Versammlungskalender. Samstag, den 6. Mai.] Gießen. Sozialdem. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Vortrag. Steinberg. Wahlverein. Abends 8 Uhr, Ver⸗ sammlung in der„Wilhelmshöhe“. Wichtige Tagesordnung. Auch die Genossen von Watzenborn wollen zahlreich erscheinen. Wieseck. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung im„Gambrinus“ bei Wacker. Zahlreich erscheinen! Sonntag, den 14. Mai. Kirchhain. Mühlenarbeiter⸗Versammlung, nachmittags 3 Uhr, im Saale„Zur Post“. Ref. A. Wedermann⸗ Marburg. Alle Kollegen von Gießen, Marburg, Kirchhain, Ziegenhain ꝛc. sind eingeladen. Briefkasten. n.⸗Alsfeld. Lassen Sie den braven Arbeits⸗ willigen getrost klagen, wenn er Lust hat. Er wird dadurch nicht sauberer und sein Auftraggeber auch nicht, Das Uebrige ist zur Veröffentlichung nicht geeignet, Seite 6. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Johann Jakoby. Zu seinem 100. Geburtstage. Unter jener dünn gesäten Kategorie bürger⸗ lichen Demokraten, die vermöge ihrer Intelli⸗ genz und lauteren Gesinnung sich über die Schranken ihrer Klasse erhoben haben, zum Verständnis und zur Würdigung der prole⸗ tarischen Bewegung vorgedrungen sind und schließlich sich ihr als Mitkämpfer angeschlossen haben— in rühmlichem Gegensatz zu andern, die sich rückwärts mausern— strahlt in unver⸗ gänglich historischem Glanze der Name des Mannes, von dem Franz Ziegler, der wetter⸗ feste Freiheitsmann, 1870 bezeugte:„Als wir alle noch in polttischer Finsternis lebten, trat Johann Jakoby aus dem Dunkel hervor, fertig, klar, glänzend, kühn, und ward der Schöpfer des politischen Lebens in Preußen.“ In Königs berg, wo er am 1. Mai 1805, etwa ein Jahr nach dem Untergange des großen philosophischen Gestirns Kant, geboren ward, studierte er Philosophte und Medizin und war seit 1830 daselbst praktischer Arzt. Dabei widmete er den öffentlichen Zuständen lebhaftes Interesse und trat bald mit einer Publikation auf den Plan, die in jener dumpfen Reaktions⸗ periode das Signal zur Freiheitsbewegung gab und das Volk mächtig aufrüttelte. Man weiß, wie schmählich das deutfche Volk nach den sogenannten Befreiungskriegen von seinen lieben Landesvätern geprellt wurde. Von dem großen Weltdespoten Napoleon unter⸗ jocht, hatten die kleineren Despoten Verfassungen und Freiheit versprochen. Um mit Börne zu reden: Den Völkern sagten sie, Napoleon sei ihr einziger Tyrann und sein Untergang wäre der Aufgang ihrer Freiheit. Die deutschen Völker glaubten das und sie besiegten den Kaiser der Franzosen. Darauf kamen ste mit großen Schnappsäcken herbei, um von den Schlacht⸗ feldern die erbeutete Freiheit nach Hause zu tragen. Aber die Fürsten lachten das dumme Volk aus, und als es räsonnierte, prügelten stie es weidlich durch. Und der schlimmsten einer war der Hohenzoller Friedrich Wilhelm III., der auch andere Fürsten, welche Wort halten wollten, zur Treulosigkeit verleitete. Das Jahr 1848 drängte Jakoby aus der Studierstube in die Arena des Revolutions⸗ kampfes. Er gehörte zu den hervorragenden und radikalsten Mitgliedern des Frankfurter Parla⸗ ments, der preußischen Nationalversammlung und der oktroyierten Zweiten Kammer. Zum geflügelten Wort wurde die Antwort, die Jakoby als Mitglied der Deputation der Nationalversammlung im November 1848 im Schloß zu Potsdam dem König gab, als dieser sich weigerte, bei der Ueberreichung der Adresse Darlegungen über die wahre Lage des Landes zu hören:„Das istimmer das Unglück der Könige gewesen, das sie die Wahrheit nicht hören wollen.“ Schon damals war Jakoby weit über den Bannkreis der bürgerlichen Demokratie hinausgeschritten. Das zeigt besonders die Rede vom 5. Juni 1848. Als die Handhaben, deren herrschsüchtige Fürsten sich zu ihren egoistischen Zwecken bedienen, hebt er hervor, neben dem zu blindem Gehorsam abgerichteten stehenden Heer, die Furcht der Besitzenden vor den Besitzlosen. Er fordert Gerechtigkeit, volle Gerechtigkeit gegen die arbeitende Klasse. Und er schließt seine Rede mit der Aufforderung, fest im Auge zu behalten, daß die politische Freiheit nicht der höchste und letzte Zweck sei, sie solle nur den Weg bahnen zur Lösung einer höheren Aufgabe, der so⸗ zialen, nur als Mittel dienen zum Wohl⸗ ergehen, zur Erhebung und Veredelung aller. Der Fortschrittspartei mit wachsendem Miß⸗ trauen gegenüberstehend, lehnte Jakoby ein Mandat für die preußische Kammer zweimal ab und nahm ein solches erst 1862 an, als ihm der 2. Berliner Wahlkreis trotz seiner Ablehnung nochmals wählte. Natürlich trat er der äußersten Linken bei und verweigerte den Etat. In der Konfliktszeit hatte er mehrfache Verfolgungen zu erdulden. Wegen einer Protest⸗ rede in Königsberg am 14. Sept. 1870 gegen die Annexion von Elsaß⸗Lothringen wurde er auf Befehl des Generals Vogel von Falckenstein am 20. Sept. verhaftet und nach der Festung Lötzen an der polnisch⸗russischen Grenze gebracht und einige Zeit als Staatsgefangener festge⸗ halten. Wie weit er sich inzwischen in sozialistischer Richtung fortentwickelt hatte, beweist am deut⸗ lichsten seine Rede vom 20. Januar 1870 vor seinen Berliner Wählern über„Das Ziel der Arbeiterbewegung“. In dieser Rede forderte er auch Abkürzung der Arbeits⸗ zeit, Festsetzung eines Normalarbeitstags und Verbot der Kinderarbeit. Ob auch aus ideologischen Grundanschau⸗ ungen herausgewachsen, deckte sich im wesent⸗ lichen sein soziales Programm mit dem unserigen, so daß er 1872, nach der Verurteilung Lieb⸗ knechts und Bebels im Leipziger Hochverrats⸗ prozeß, öffentlich seinen Beitritt zur sozial⸗ demokrattschen Partei erklärte. Auch das andere geflügelte Wort hat Johann Jacoby geprägt: „Die Gründung des kleinsten Arbeiter⸗ vereins wird für den künftigen Kultur⸗ historiker von größerem Werte sein als der Schlachttag von Sadowa.“ a Johann Jacoby starb am 6. März 1877. Zwanzig Jahre nach seinem Sterbetag widmete ihm Liebknecht einen begeisterten Nachruf, der mit dem Satz schloß:„Er hat das Banner, unter dem die Kämpfe des Völkerfrühlings geführt wurden, entrollt— sein Geist, seine Werke werden immer leben. So lange das Herz des Volkes für Freiheit und Recht erglüht, wird sein Name unvergessen sein.“ (Schw. Tagw.) betten v ——— 2 Sehillerspende. Von Dr. R. Strecker in Bad⸗Nauheim. Schiller! Der Name erklingt zum Fest in jubelnden Tönen, Gleiche Begeist' rung entflammt selbst Widerstrebende heut. Und an Worten gewiß, an schönen, wird es nicht fehlen. Bliebe ihr Echo doch stark in einem dauernden Werk! „In die Furchen der Seit bedenkst du dich Taten zu streuen, Die, von der Weisheit gesät, still für die Ewigkeit blühn d“ Aber zu großer Tat, wem sind die Kräfte gegeben d Weisheit, wo findet sie sich, die für die Ewigkeit sät d— „Immer strebe zum Ganzen! Und kannst du selber kein Ganzes Werden, als dienendes Glied schließ' an ein Ganzes dich an! Was nicht der Einzelne kann, das können verbündete Hräfte, Und auch unsere Seit hat ihre höhere Pflicht.“— Schon Jahrtausende lang durchrauschet irdische Lande Segnend ein doppelter Strom, mündend ins ewige Meer: Kunst und Wissenschaft! da erblühen die Gärten des Lebens, Aber nur schmales Gebiet netzt ihr erquickendes Naß. Keine Welle findet den Weg zum entlegenen Tale, Dürstender Armut reicht niemand den labenden Kelch. Wer, wer hilft? Wer öffnet das Herz und öffnet die Hände, Rilft Kanäle uns ziehn, hilf uns schöpfen die Flut d Schillerspende! O, käme ein Schatz, ein reicher, zusammen. Schöneres Denkmal für ihn, als in Marmor und Erz! ———ͤ—e— 2 Seines Geistes laßt einen Hauch, einen warmen, euch rühren, Gebt ein Kleines dem Siel, welchem der Große gelebt! Willst du Armer stehen allein, und allein durch dich selber, Wenn durch der Kräfte Tausch selbst das Unendliche N steht d Laßt vereinigt uns dienen der aufwärts strebenden Menschheit, Ceben im Ganzen! Wenn wir lange dahin sind, es bleibt. Der Verband für Volkvorlesungen und ver⸗ wandte Bestrebungen(Sitz: Frankfurt a. M.) veran⸗ staltet die Sammlung einer Schillerspende für Zwecke der Volksbildung in den Rhein⸗Main⸗Landen Hessen, Nassau und angrenzenden Gebieten). Aus dem rtrag der Sammlungen sollen Volks bibliotheken gegründet, gemeinverständliche Vortragsveranstalt⸗ ungen eingeführt und alle auf Hebung unserer Volks⸗ knltur dice Bestrebungen gefördert werden. Bei⸗ träge zur Schillerspende nimmt Herr Charles L. Hallgarten in Frankfurt a. M., Neue Mainzerstr. 74, entgegen. ir sind gern erbötig, Beiträge rung entgegen zu nehmen. Red. d. zeitung, r Weiterbeförde⸗ itteld. Sonntags⸗ Schillerworte. Kein Despot hält das Rad der Geschichte auf. Sie wollen sich dem Rade Des Weltverhängnisses, das unaufhaltsam In vollem Laufe rollt, entgegenwerfen? Mit Menschenarm in seine Speichen fallen? Sie werden nicht. Der Mensch ist mehr, als sie von ihm gehalten. Des langen Schlummers Bande wird er brechen. Pharisäer. Da donnern sie Sanftmut und Duldung aus ihren Wolken und bringen dem Gott der Liebe Menschenopfer wie einem feuerarmigen Moloch— stürmen wider den Geiz und haben Peru um goldener Spangen willen entvölkert und die Heiden wie Zugvieh vor ihre Wagen gespannt! * Belecken den Schuhputzer, daß er sie vertrete bei Ihro Gnaden, und hudeln den armen Schelm, den sie nicht fürchten. Verdammen den Sadduzäer, der nicht fleißig genug in die Kirche kommt, und berechnen ihren Judenzins am Altare. Fallen in Ohnmacht, wenn ste eine Gans bluten sehen und klatschen in die Hände, wenn ihr Nebenbuhler bankrott von der Börse geht! f Herrschsucht. Herrschsucht hat eherne Augen, worin ewig nie die Empfindung perlt.— Wer keinen Menschen zu fürchten braucht, wird es sich eines Menschen erbarmen? Wer an jeden Wunsch einen Donnerkeil heften kann, wird er für nötig finden, ihm ein sanftes Wörtchen zum Geleite zu geben? Strafen. Seitdem die Gesetze zu der Schwäche des Menschen herunter gestiegen, kam der Mensch auch den Gesetzen entgegen. Mit ihnen ist er sanfter geworden, wie er mit ihnen verwilderte. Ihren barbarischen Strafen folgen die bar⸗ barischen Verbrechen allmählich in die Vergessen⸗ heit nach. Ein großer Schritt zur Veredelung ist geschehen, daß die Gesetze tugendhaft sind, wenn auch gleich noch nicht die Menschen. * Einen Menschen aus den Lebendigen ver⸗ tilgen, weil er etwas Böses begangen hat, heißt eben so viel, als einen Baum umhauen, weil eine seiner Früchte faul ist. * Dem Menschen bring' ich nur die Tat in Rechnung, Wozu ihn ruhig der Charakter treibt; Denn blinder Mißverständnisse Gewalt Drängt oft den besten aus dem rechten Gleise. Nr. 19. 2 — ͤä—— ——— — ä 2 2 B r . ͤ„——————————— ien. en. ing der gen hen ert gen kete len en die in die der ig nen nes 110 eile e. Begleiter mit ruhiger Zuversicht und dem ge⸗ Nr. 19. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeuung. Seite 7. Ein Glückspilz. Erzählung von Robert Schweichel. 2(Schluß.) Am nächsten Sonntage fuhr Otto Nach⸗ mittags auf seinem Rade nach der Villa hinaus. Rosalie mußte schon auf ihn gewartet haben, denn sie erschien in der Haustür, wie er durch das Straßengitter hereinkam und sein Rad an die Wand lehnte. Ihr Aussehen erschreckte ihn, so bleich und vergrämt war sie, und kaum, daß er fragte, was sie habe, als sie in Tränen ausbrechend ihm um den Hals fiel und klagte: „Ach Otto, es ist Alles aus!“ „Mut, Mut, liebes Herz,“ versuchte er sie zu trösten, nachdem sie ihm den von der Mutter erfahrenen Widerstand des Vaters gegen ihre Liebe mitgeteilt hatte.„Ist Dein Vater nicht willig, so brauch ich Gewalt. Jetzt gleich laufen wir Sturm auf ihn und Pardon wird nicht gegeben.“ Er faßte ihre Hand und zog ste mit sich nach der Veranda, die auf der Rückseite des Hauses lag und von der einige breite Stufen in den Garten hinunter führten. Hier, auf der Veranda saß der Onkel ganz so, wie er sich in seinem Zukunftstraum gesehen hatte: in Schlaf⸗ rock und Pantoffeln und die Zigarre im Munde bei dem Nachmittagskaffee. Nur eines fehlte, und zwar die Hauptsache: das erträumte Be⸗ hagen. Ueber die Weiber, daß sie keine Ver⸗ nunft annehmen wollten! Seit der Unterredung mit seiner Frau am Abend ihrer Ankunft sah er nur noch Gesichter, die ihm gar nicht gefielen; seine sonst so muntere Frau war ernst, einsilbig, kalt, und seine Tochter trübsinnig, bleich und hatte verweinte Augen. Da stiegen Otto und Röschen Hand in Hand die Stufen zur Veranda hinauf; ste in roter Verlegenheit mit niedergeschlagenen Augen, ihr wohnten, etwas spöttischen Lächeln.„Guten Tag, Onkel, guten Tag, Tantchen,“ grüßt er. „Na, wie ich sehe, gefällt's Euch gut auf dem Lande. Ja? Und da will ich Euch denn auch gleich meine Braut vorstellen. Ihr werdet ja gegen die Partie nichts einzuwenden haben, denk' ich.“ „Bist verrückt?“ schnob der Onkel, der wie eine Bildsäule dagesessen hatte. „Wieso Onkel?“ fragte Otto ruhig und hielt die Hand des Mädchens, die an die Brust der erschreckten Mutter flüchten wollte, fest.„Ich finde, daß es eine sehr gute Partie ist. Wir lieben uns und von Deinem Gelde, Onkel, be⸗ gehren wir keinen Heller.“ 2 Ein Tag! vor der Konfirmation finden Sie noch 100 de Konfirmanden⸗Anzüge in allen Farben und Macharten à Stück in von Mk. 7.— an. Ebenso Stiefel, Stiefeletten, Hüte, Hemden ꝛc. 1. Lubehör teile, ande ven Hochzeitsanzige für Stadt u. Land „Ha, ha, ha!“ gurgelte der Onkel und wurde im Gesicht blaurot.„Da Du mir denn die Ehre antust, mein Schwiegersohn werden zu wollen, so will ich Dir denn auch gleich sagen, daß ich dafür danke. Einem Sozialdemokraten geb' ich mein Kind nicht, niemals!“ „Und warum nicht, Onkel? Sind wir etwa schlechtere Menschen, als Ihr Reaktionäre? Um⸗ gekehrt wird ein Schuh daraus. Wir Sozial⸗ demokraten wollen nichts für uns selbst, Alles, was wir erstreben, soll der ganzen Menschheit zu Gute kommen. Ihr Reaktionäre wollt alles für Euch selbst. Ich, ich ich! schreit Eure Selbstsucht, und je mehr Ihr habt, je mehr wollt Ihr. Ob die ganze Menschheit darüber zu Grunde geht, Euch ist's Wurst.“ Der Onkel herrschte ihn an, er solle den Mund halten. Der Neffe aber rief mit blitz⸗ enden Augen:„Widerlege mich, wenn Du es kannst. Es ist heute vielleicht zum ersten Male, daß Du die Wahrheit zu hören bekommst. Ich fürchte mich nicht vor Dir. Bilde Du Dir nur nicht ein, daß Du Dein Kind liebst. Du denkst nur daran, auch aus ihm Deinen Vorteil heraus⸗ zuschlagen. Dein Herz ist ein Geldsack. Du siehst, daß die Rosa unglücklich ist, daß sie über Deine Härte Tag und Nacht weint, und die Tante auch. Aber was kümmert Dich das? Und es würde Dich nur ein Wörtlein kosten, um sie, die Tante, mich und Dich selbst glücklich zu machen. Sei kein Barbar, Onkel, sei einmal in Mensch und wir Alle werden Dich auf Händen tragen. Ach, soll das ein Leben werden!“ Er hielt dem Onkel die Hand hin, Rosa, die wieder zu weinen angefangen, warf sich an des Vaters Hals, die Mutter streichelte von der anderen Seite seinen Arm und bat:„Gieb nach, Gustav!“ Rosa schluchzte: O, Papa, ich hab' Dich ja so lieb!“ Der Alte wiegte sich hin und her, um sich von den Armen der Tochter zu befreien. Er sah alle Drei an, zuckte die Achseln, pu stete, schnaufte und endlich gurgelte er:„Na ja! Laßt mich nur los! Zum Donner⸗ wetter, ja!“ Die Tochter erstickte ihn fast mit ihren Küssen; dann küßte ihn seine Frau. Otto rief: „Hurra, der Onkel soll leben,“ worauf er ihn ebenfalls küßte. Dann warf sich Röschen jubelnd in die Arme des Geliebten und dann lachten ste Alle und der Papa schmunzelte. Und als später der Mond über den Kiefern und Fichten heraufkam und sie alle vergnügt um den Tisch herum sitzen und den Goldenen Wein in den Gläsern blinken sah, da schmunzelte auch sein Vollgesicht, wie vorhin das des Bäckermeisters a. D. Nur war dieses jetzt rot, sehr rot. So hatte denn Otto Lebrecht die Festung im Sturme glücklich eingenommen, und wenn der Rentier Gustav Adersen, da er auf der weiten Welt gar rein nichts zu tun hatte und zu schwerfällig war, ur sich tüchtig Bewegung zu machen, das ländliche Idyll nicht gar bald satt bekam und sich scheußlich langweilte, so hatte er es nur dem Humor und der Heiter⸗ keit des jungen Ehepaares zu danken, das im oberen Stock der Villa sein Nest baute.— Humoristisches. Der Prinz. Jetzt habe ich schon wieder den Befehl vergessen, ich kann mir das Zeug nicht merken. Schad nischt. In sechs Jahren kommandiere ich doch'ne Brigade. Frech. Schusterlehrling(der von seinem Meister geohrfeigt worden ist):„Meester, wenn Ihre Stiebeln so säßen wie Ihre Maulschellen, dann wären Se, gloob' ich, bald'n gemachter Mann.“ Litterarisches Das Maifest der Sozialistischen Monats⸗ hefte ist dem in wenigen Wochen zusammentreten den Gewerkschaftskongresse gewidmet. Aus seinem Inhalt seien folgende Artikel hervorgehoben: Karl Legien: In Köln am Rhein.— Adolph von Elm: Gewerkschaften und Genossenschasten.— Otto Hue: Zur Geschichte der christlichen Gewerkvereine.— Max Schippel: Bergarbeiter und preußischer Landtag. — Eduard Bernstein: Gewerkschaftswesen und so⸗ ztale Auslese.— Theodor Leipart: Die Gewerk⸗ schaften und die Maifeier.— Johannes Timm: Zur Konferenz der Arbeitersekretäre.— Robert Schmidt: Der Streit um die Rente.— Alwin Körsten: Ist Akkordarbeit Dienst⸗ oder Werkvertrag. — Gustav Link: Die Aufgaben der Gewerkschafts⸗ kartelle und ihre Begrenzung.— Ernst D einhardt: Gewerkschaftliche Unterrichtskurse.— Em ma Ihrer: Die proletarische Frau und die Berufstätig keit.— Johannes Schlaf: Die Feldarbeiter.—& duard Reynolds Pease: Henry Broadhurst. Das Leben eines Gewerkschaftsführers. Der Preis des über 100 Seiten starken Heftes be⸗ trägt 50 Pfg. 2 B 3 t Parteifreunde! c nach besten Kräften für die immer weitere Verbreitung Eueres Blattes, der Mitteldeutschen Sountags⸗Zeitung — 2 2 Buckskin Fabrik an Private und Händler von Mk. 65.— an. von Mk. 2.80 an. auch an frem- Konfirmandenstiefel in jeder Preislage und reichster Auswahl, sowie Arbeiter-Schuhe und Stiefel, Sonntagsstiefel und alle sonstigen Schuhwaren in den besten Qualitäten zu den billigsten Preisen empfiehlt Fahrräder, rue Justus Benner, Giessen Marktstrasse 34. Reparaturen in eigener Werkstätte rasch, gut und billig. Anser tigung ant Hass. ca. Mk. 4.—, Luftschlauch:.. Dem geehrten Publikum von Giezen und Umgebung, 6 sowie Freunden und Bekannten die Mitteilung, daß ich ein Anzüge vom schwersten Buckskin, dunkel, hell, Mr. 10.— Kammgarn⸗Berren⸗Anzüge, blau, braun und schwarz, Mk. 13.50. Mein Lager in Hosen, Westen⸗, Jünglings⸗„Knaben⸗ u. 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Gesangsvorträge und Volksbelustigungen. The Premier Cycle Co. Ltd. Nürnberg-Doos, 1905 er Modelle. Hochvollendet in Material, Ausführung. Aus- stattung u. Wee Die Parteifreunde von Florstadt und der Umgegend werden ersucht, sich recht zahlreich an unserer Veranstaltung zu beteiligen. Der Sozialdemokratische Verein Nieder⸗Florstadt. Eintritt 10 Pfennig · 2 Man beachte die Fabrikmarke. Singer Co. Nähmaschinen Ast. Ges. Gießen, Lindenplatz 1. Eintritt 10 Pfennig. Vertr.: H. Kraft Nachfolger Gernand Giessen. e C. F. Schwarz Sohne (Inb.: Heinrich Möller) Reichhaltiges Lager in: Herren⸗, Knaben⸗ und Arbeitskleidern Stoffe im Nusschnsst Anfermgung nach Mass. Feste Preise! Streng reelle Bedienung! Marktstrasse und Ecke Wettergasse. Ausverkauf! Um mein Lager in Uhren, Gold- und Silberwaren zu räumen gebe ich bei Einkauf für 10 Mf 20% Rabatt. Für jede gekaufte Uhr zwei Jahre Garantie. Reparaturen werden schnell und billig ausgeführt. J. Burgmayer Seltersweg 2. 2 e in Matzenboim-Senbeng. Sountag, den 7. Mai, uachmittags 3 Uhr: Je Maifest 2 8 5 auf dem Rasen zwischen Watzenborn und Steinberg. 9 D estrede des Genossen E. Krumm⸗Gießen. Darauf Gesangsvorträge, Konzert, abends von ½38 uhr Tanz im Saale zum„grünen Baum“. Bei ungünstiger Witterung findet die Feier im„grünen Baum“ statt. Zu recht recht zahlreichem Besuch ladet ein der Vorstand des Wahlvereins Steinberg und des Arbeiterbildungsverein Watzenborn. Eintritt 10 Pfennig. e 1 Eintritt 10 Pfennig. E ͤ b Mee ess Täglich frisches Kaffeegebäck L.. Müller Gaul efedern ee i edern eu. Taunen. Pfund 2.— M. prima Halbdaunen, ganz weiß, sahr zart. 2.75 M. Gerissene Federn halb⸗ weiß, seyr weich u. daunig, 2.50 M., weiß 3.— M., hochurima 8.50 M. Daunen 4.50 u. 5.5 M. Vorstehend habe nur dle gangbarst. Sort. mein. großen Lagers aufgeführt. 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