* 3 8 E f 2 E 5 225 . · Wil N —— 1.—— . Gießen, den 5. November 1905. —————— Nr. 45. 12. Jahrgang. a eng 11. Sclosgese Mitteldeuts. che eee, 1——— 5* Sonntags- ung. Abounementspreis: Bestellungen Juserate Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindestens Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Postanstalt und 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 5107) 33¼%ͥ und bei mindestens 2 mal. Aufgabe 50% Rabat. Gegen die einde der Polkorechte! So muß für alle Angehörigen der werk⸗ lätigen Bevölkerung, alle Kleinbauern, Hand⸗ werker und Arbeiter die Parole bei den be⸗ vorstehenden hessischen Landtags⸗ wahlen lauten. Es gilt für alle wirtschaft⸗ lich Schwachen, für alle Minderbemittelten, daß sie auf den Plan treten um nicht nur ihre kärg⸗ lichen Rechte zu schützen, sondern auch weitere zu erobern, die ihnen bisher vorenthalten wurden. Das hessische Volk war bisher in seinen Rechten empfindlich beschränkt. Es konnte nicht in dem Maße, wie es sich für ein geordnetes Staatswesen und freies Volk ge⸗ bührt, an der Gesetzgebung und an der Ge⸗ staltung der Staatsangelegenheiten teilnehmen. Eine Handvoll„Standesherrer“, fürst⸗ licher Großgrundbesitzer beeinflußt als Erste Kammer die hessische Politik in volksfeindlichem Sinne und verhindert die fortschrittliche Weiter⸗ entwicklung unseres staatlichen Gemeinwesens. An diesen beschämenden Zuständen ist aber das Volk selbst nicht unschuldig. Es hat sich bedauerlicher⸗ und unbegreiflicherweise das Vorrecht einiger Geburts- und Geldaristokraten gefallen lassen. Es hat diesen Dingen bisher ziemlich gleichgültig gegenübergestanden. Wo es sich an den Landtagswahlen beteiligte, wurden meist Leute als Volksvertreter abgeordnet, die weder den Willen noch sonst das Zeug dazu hatten, gegen dieses widersinnige, der Vernunft und der sozialen Gerechtigkeit widersprechende Adels- und Geldsackvorrecht anzukämpfen. Jetzt tritt jedoch die Gemeingefährlichkeit dieser In. stitution immer deutlicher zutage; jedermann fühlt und erkennt den unhaltbaren Zustand, daß zwei Dutzend Privilegierter den Willen des gesamten Volkes durchkreuzen können. Darum: Fort mit der Ersten Kammer! Nieder mit den Adels⸗ vorrechten! Diese Parole, die in dem An⸗ trage der sozialdemokratischen Land- tagsfraktion auf Abschaffung der Ersten Kammer ihren Ausdruck findet, muß jeder wahre Volksfreund zu der seinen machen. Jeder, dem die Wohlfahrt des gesamten Volkes und die freiheitliche Entwickelung unseres Staatswesens am Herzen liegt, muß bei der bevorstehenden Landtagswahl mit aller Energie dahin wirken, daß Männer in die Zweite Kammer gewählt werden, die auf dem Boden des sozialdemokratischen Antrages stehen und die Volksrechte kraftvoll zu schützen und zu er⸗ weitern bereit sind. Daraufhin die Kandidaten sich anzusehen ist Pflicht des Wählers! Er muß sich auch die Frage vorlegen: wie stellen sich die Parteien hierzu? Die letzte! Landtagsverhandlungen haben das volksfeindliche Wesen und die Gemeinge⸗ fährlichkeit der vermoderten J stitution in die hellste Beleuchtung gerückt. Die Wahl⸗ reform schelterte an dem Widerstande der errenhäusler unter Führung des Wormser ederbarons. Dadurch blieb dem Volke wieder das direkte Wahl recht, das es schon seit Jahrzehnten fordert, vorenthalten. Die „hohen und erlauchten“ Herren dünken sich als Vormünder des Volkes und erklären es für politisch nicht reif. Sie machten sogar den dreisten Versuch, ihre Vorrechte noch zu er⸗ weitern. Bet der Gemein desteuer⸗Re⸗ form zeigte sich wiederum die Volksfeindlich⸗ keit der Privilegierten. Sie brachten die Ge⸗ setzesvorlage zum Scheitern, weil ste die Reichsten und Reichen, sich selber schützen und alle Lasten den Armen aufhalsen wollen. Wenn irgendwo, so war es hier am Platze, deß auch alle bürgerlichen Parteien einmütig und energisch die Beseitigung des Herrenhauses forderten. Aber nichts von alledem! Weder National- liberale, noch Bauernbündler, noch Zentrums⸗ leute konnten sich dazu aufschwingen. Sie waren sogar gewillt, Volks rechte preis⸗ zugeben und der Ersten Kammer Erweiterung ihres Budgetrechtes zuzustehen. Wie stehen diese Parteien überhaupt zum direkten Wahlrecht? Bauernbündler und Nationalliberale, die hier bei uns besonders in Frage kommen, ertlärten sich wohl öffent⸗ lich dafür. Hinter den Koulissen aber gaben sie sich redliche Mühe, die Wahlreform zum Scheitern zu bringen. Welche Anstchten einige von der Partei Drehscheibe in dieser Beziehung haben, erkennt man an den Ausführungen des früheren nationalliberalen Abg. Jöckel von Friedberg, der bei der ersten Beratung der Wahlrechtsvorlage erklärte: „Einem Mann, der nach der Richtung von äußeren Einflüssen und wirtschaftlichen Ver⸗ hältnissen abhängig ist, dem gebührt überhaupt kein Wahlrecht. Das ist kein selbständiger Mann, kein freier Mann, der hat kein Wahlrecht.“ Aehnliches sprach Heyl und andere National⸗ liberale aus. Und wie verhielten sich die Bauernbündler? Sie haben zwar das direkte Wahlrecht im Programm stehen. Mit der praktischen Durchführung dieses ihres Programmpunktes sah's aber anders aus. Wir sahen, daß einer von ihnen, der Vertreter von Gießen⸗Land, Leun, bei der prinzi⸗ piellen Abstimmung gegen das direkte Wahl⸗ recht stimmte. Später traten ste nicht nur für alle erschwerenden„Kautelen“ ein, ste be⸗ reiteten der Wahlreform auch sonst alle mög⸗ lichen Schwierigkeiten. In raffinierter Weise suchten sie bei der Wahlkreiseinteilung Vor⸗ teile für sich herauszuschlagen. Sie wollen den ehrlichen, besitzlosen Arbeiter, der doch seine Pflichten gegen den Staat erfüllen muß, als vollberechtigten Staatsbürger nicht anerkennen. In ihrem Organ, dem Blatte des Herrn Hirschel in Friedberg wurde die Arbeiterschaft wiederholt als„hergelaufene Masse“, als„Lum⸗ penzeug“ bezeichnet und die Sozialdemokratie aufs ordinärste beschimpft. Nebenbei treten die Bauernbündler bekanntlich für den Lebens⸗ mittel wucher ein und erschweren den Ar⸗ beitern, Handwerkern und Kleinbauern empfind⸗ lich die Lebenshaltung. Sollen wiederum Vertreter solcher rückstän⸗ diger Anschauungen, solcher verderblicher und volksfeindlicher Politik in großer Zahl in den Landtag einziehen? Nein! Gegen die Feinde des Volksrechts muß das werktätige Volk in den Wahlkampf ziehen! Für Freiheit, Gerechtigkeit und Volks⸗ wohlfahrt laute seine Parole, der es nur Ausdruck geben kann durch Wahl eines sozialdemokratischen Vertreters. Die russische Revolution. Was sich in den letzten Tagen in Rußland abspielte, hätte noch vor wenigen Monaten jeder Mensch für unmöglich gehalten. Es ist Tat⸗ sache: die Revolution marschiert nicht nur, man kaun getrost sagen, sie hat gesiegt! An allen Ecken des gewaltigen Reiches lodert der Aufruhr empor. Wo früher kein Mensch einen soztaldemokratischen, ja nicht einmal einen liberalen Gedanken zu äußern wagte, werden jetzt große Versammlungen abgehalten, in denen die Redner Errichtung der Republik fordern; gewaltige Demonstrationszüge bewegen sich unter Vorantritt roter Fahnen durch die Straßen Moskaus und Petersburgs. Die öffentlichen Gewalten sind machtlos, die Behörden haben jede Autorität verloren. Militär, Offiziere, in einzelnen Fällen sogar die halbwilden Kosaken⸗ horden verweigerten es, ihre Waffen gegen das Volt zu kehren. In Petersburg und Moskau nahmen Offiziere an den Versammlungen teil, hielten sogar Reden und verlangten mit dem Volke Beseitigung der Willkürherrschaft. Kurz, die Flamme des Aufstandes jagt wie ein ver⸗ zehrendes Präriefeuer über die Steppen durch die großen Industriebezirke von einer Grenze des russischen Reiches zur andern! Das Ende des Zarismus ist gekommen. Die Willkür⸗ herrschaft, der Absolutismus überdauert diese Bewegung nicht. Noch vor kurzem schien es manchmal, als würde sie im Blute erstickt, doch jetzt sehen wir die Flammen des Auf⸗ standes an allen Orten gleichzeitig hervorbrechen. Immer erhabener und gewaltiger wird dieser Aufstand eines ganzen Volkes gegen seine Henker und Schlächter. Das ist die rein prole⸗ tarische Rebolution mit ihren modernen unwiderstehlichen Waffen; das ist die Anwendung des politischen Massenstreiks mit einer Wucht und in einem Umfange, wie es sich noch zur Zeit des Jenaer Parteitages kein deutscher Sozialdemokrat hätte träumen lassen. Die rusfischen Arbeiter geben uns ein prächtiges Beispiel der Anwendung dieses revolutionären Mittels. Sie vermeiden nach Möglichkeit Zu⸗ sammenstöße mit dem Militär, ste ermüden und verwirren die Herrschenden, ste stürzen die Ge⸗ sellschaft durch die Verweigerung der Arbeit in das wildeste Chaos. Und der Erfolg ist da. Die staatliche Antorität ist so tief gesunken, daß sich revolutionäre Wohlfahrtsausschüsse, provi⸗ sorische Regierungen bilden und daß kein rächen⸗ der Blitz die Frevler zerschmettert. Das hat der Massenstreik der Proletarier getan, der dem Absolutismus die Machtmittel aus der Hand wand. Jeden Augenblick können wichtige Ent⸗ scheidungen fallen. Und wenn auch jetzt das Volk nochmals unterliegen sollte, seine Sache wäre deshalb noch nicht verloren, sein Sieg nur hinausgeschoben! Aus der Fülle der Nachrichten, die seit Sonntag einliefen, können wir hier nur die wichtigsten verzeichnen. Fast alle Bahnlinien stehen seit voriger Woche infolge des allgemeinen Eisenbahnerstreiks still. Weder Güter noch Briefe werden von der deutschen Post zur Beförderung nach Ruß⸗ land angenommen. Auch der Telegraph ist auf vielen Linien unterbrochen. Seite 2. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. Ar. 45. In Petersburg erscheinen keine Zei⸗ tungen, da die Setzer streiken. Das Clektrizi⸗ tätswerk mußte den Betrieb einstellen, die Stadt war nachts in Dunkel gehüllt. In Moskau stellten bereits am Freitag das Wasserwerk, die Straßenbahn und die Gasanstalt den Be⸗ trieb ein. Dem Pariser„Temps“ telegraphierte sein Petersburger Korrespondent am Sonntag: Allem Anscheine nach wird die gegenwärtige Krists mit dem Siege des Volkes endigen. An dem letzten Meetings in der Universttät nahmen Ministerialbeamte in Uniform teil. Man begrüßte sie mit Rufen:„Hoch die Re⸗ volution! Nieder die Autokratie!“ Der Kaiser stehe vor der Alternative, die Konstitution zu gewähren oder den unmöglichen Versuch zur Herstellung der Ordnung durch die bewaffnete Macht zu machen. Die Aufgabe ist um so schwerer, als der Zar nicht mehr auf die Treue der Soldaten rechnen kann. Ferner wurde am gleichen Tage berichtet: Die Revolutionäre sind gut bewaffnet und mit Bomben ausgerüstet. Die Regierung verlor die Kontrolle über die Probinzen. Wohlfahrtsausschüsse verwalten Mos⸗ kau, Charkow und Saratow. Die Behörden sind unfähig, Petersburg lange zu halten. Das Heer ist unzuverlässig, sogar die Garden sind verdächtig. Die Abdankung ist der einzige Ausweg. Und weiter aus Petersburg: Die Arbeiter- verbände haben eine eigene Regierung gewählt und beschlossen, mit bewaffneter Hand die kaiserlichen Truppen zu bekämpfen. Der Aufstand greift immer weiter um sich. Ueberall werden Versammlungen abgehalten, worin die Bevölkerung zum Aufruhr aufge⸗ fordert wird. Die Studenten den Medizinischen Akademie beschlossen, in einer Resolution dem Zaren ihren Abscheu auszusprechen. Aus Sosnowice(Polen) wird berichtet, daß die Menge der zarischen Konstitution mi 2⸗ traue. Man verlangt das allgemeine Wahl⸗ recht. Unter den Augen der Polizei und des Militärs wurden massenhaft Proklama⸗ tionen verteilt, in denen weitere Revolution, die Republik und das Verharren im Ausstande gefordert wird. Die Behörden ließen gewähren. Agitatoren hielten aufreizende Reden an die Menge, die unter Vorantragen roter Fahnen zum Polizeimeister und Prokuratur marschierte und die Freilassung mehrere politischer Häft⸗ linge forderte.— Das Mißtrauen erscheint allerdings sehr berechtigt. Politische Rundschau. Gießen, den 2. November 1905. Der Reichstag wird nicht am 24. sondern am 28. November zusamentreten. Die Einberufung auf dieses Datum ist bereits erfolgt. Wahrscheinlich wird man ihm die Flotten vorlage und die sogenannte Reichs finanzreform als die ersten, vor allen Dingen zu erledigenden Auf⸗ gaben vorlegen. Der Ertrag der Reichs⸗ erbschaftssteuer ist nicht auf 100 und mehr Millionen, wie es hieß, sondern, wie zu⸗ verlässig verlautet, nur auf ungefähr 60 Mil⸗ lionen für die Reichskasse veranschlagt. Eine treffende Abfertigung läßt Bebel dem Haupt⸗Zentrumsorgan, der „Germanta“ zuteil werden. Das Zentrums⸗ blatt hatte sich bemüht darzulegen, daß wenn das Zentrum einer Erhöhung der Steuern auf feineren Tabak und echtes Pilsener Bier zustimme, alsdann Leute wie Singer und Bebel noch nicht bankerott würden, auch wenn sie 5 Pfennig mehr für das Glas zahlen müßten. Bebel antwortet darauf im Vorwärts sehr treffend: „Das stimmt. Muß einmal zum erhöhten Schutz von Thron, Altar und Geldsack gesteuert werden, können wir uns dem nicht gut entziehen. Aber ich werde von solchen Steuern sehr gering betroffen und das schmerzt mich. Nach einer genauen Berechnung, die ich anstellte, würde ich für meinen gesamten Jahreskonsum an Bier höchstens zwei Mark Steuer zu zahlen haben. Und die Erhöhung einer Steuer auf feinere Tabake und Zigarren würde mich noch weniger treffen, da ich als Sonntags⸗ raucher höchstens 50 Stück im Jahre verbrauche. Freund Singer würde es freilich schlimmer er⸗ gehen. Er trinkt mehr Bier und raucht namentlich weit mehr Zigarren als ich. Aber ich habe meinen Freund Singer als boshaften Menschen kennen gelernt und traue ihm zu, daß, wenn diese Steuern recht hoch ausfallen, er in seiner trockenen Art sagte:„Nu man jrade nicht!“ das Biertrinken und Rauchen einstellte und so das Reich aufs schnödeste um seine Einnahme prellte. Ich will also der„Germania“ und dem Zentrum auf die Sprünge helfen, wie man uns Und andere in ähnlicher Lage wie wir gründlich treffen kann. Herr v. Stengel wird dem Reichstag ein Steuerbukett präsentieren, in dem auch eine Erbschaftssteuer enthalten ist. Ich fürchte, die letztere entpuppt sich als reine Anstandssteuer. Beantragen wir also, daß Aszendenten und Deszendenten mindestens 4 Proz. ihres Erbes an das Reich zu zahlen haben, Seitenverwandte nach dem Grad der Verwandtschaft bis 10 Prozent, fremde Erben 20 Proz. Um die Steuerhinterziehung schon bei Lebzeiten der Erb⸗ lasser zu verhindern, führe man ein gleich ge⸗ artete Schenkungssteuer ein. Damit aber dem Reich, das bekanntlich auch im Dalles sitzt, gründlich geholfen wird, schlage ich weiter vor, dem Gesetz über die Erbschaft⸗ und Schenkungsstener rückwirkende Kraft bis zum Jahre 1901 zu geben. Es würden als⸗ dann unzählige Erbschaften getroffen. I ch befinde mich z. B. alsdann in der Gesellschaft der Erben von Stumm und Krupp, welch' letzterer bekanntlich ein kolossoles Vermögen, das über 26 Millionen Jahresein⸗ kommen abwirft, hinterließ. Ferner würde Fürst Bülow mit seiner 5 Millionen⸗ Erbschaft getroffen. Zugleich müßte aber alsdann eine Entlastung der unbemittelten und armen Klassen eintreten, durch Aufhebung der Salz⸗ und Zuckersteuer, des Petroleumzolls und der Zölle auf Getreide und Fleisch. Bringt die Sozialdemokratie, wie ich an⸗ nehme, solche oder ähnliche Anträge im Reichstag ein, so hoffe ich, daß die„Germania“ sie warm befürwortet und das Zentrum ihnen zustimmt, damit wenigstens einigermaßen den schönen christlichen Geboten entsprochen wird, die ich neulich in meiner Antwort auf die„Post“ im „Vorwärts“ vom 20 Oktober aus dem Neuen Testament zitierte.“ Unser Alter hat sehr recht. Er weiß natürlich so gut, wie das Zentrum selber, daß dieses einer Steuer, die zwar viel einbringen würde, aber die Reichen träfe, niemals zustimmen wird. Es halst lieber den Armen die Lasten in Form von Zöllen und indirekten Steuern auf. Wegen seiner Erbschaft wurde Bebel übrigens von irgend einem Berliner Schmierfink ange⸗ griffen. Man mutete Bebel zu, die ihm zuge⸗ fallene Erbschaft doch zu verteilen. Der Artikel war auch dem Gießener Amtsblatt zum Ab⸗ druck nicht zu blödsinnig. Diese Gesellschaft! Warum forderten sie denn von Stumm, Krupp, Heyl und anderen vielfachen Millto⸗ nären nicht, daß sie ihre Milltonen mit dem Volke teilen, durch dessen Ausbeutung sie ihren Reichtum erst„erworben“ haben. Bebel hat niemanden ausgebeutet und verwendet das ihm zugefallene Geld im Interesse der Befreiung der Arbeiter. Jeder Parteigenosse gönnt es ihm auch und wünscht ihm noch mehr dazu! Merkwürdige Kaiserreden. Wilhelm II. hat jüngst wieder zwei Reden gehalten, die en aufftelen. Die eine in der Dresdener Grenadier⸗Kaserne, die andere bei Enthüllung eines Moltke⸗Denkmals in Berlin. Letztere wird in der französtschen Presse als„kriegerische Rede“ und als kaiser⸗ liche Drohung registriert. Er sagte da u. a.: Wie es in der Welt steht mit uns, Haben die Herren gesehen. Darum das Pulver trocken, das Schwert geschliffen, das Ziel erkannt, die Kräfte ge⸗ spannt und die Schwarzseher ver⸗ bannt. Mein Glas gilt unserem Volk in Waffen.“- Jeder muß sich da fragen: Was ist denn los? Wo brennt's denn? Soll das deutsche Volk etwa in einen mörderischen Krieg gestürzt werden? Wir meinen, Rußland böte er⸗ schreckendes Beispiel genug. Man braucht zwar die Bedeutung solcher Tafelreden nicht zu über⸗ schätzen und das deutsche Volk wird sich in seiner Mehrheit auch schwerlich in einen Kriegs- taumel hineinreden lassen. N Der Fleischnotminister und Besttzer einer großen Schweinezüchterei, Podbielski hat vor kurzem wieder mal eine Rede gehalten und zwar in Münster auf irgend einem Landwirtschaftstag. Er sagte da unter anderem: „Wir haben dank der Unterstützung und Mitwirkung des Reichstags und dank dem ein⸗ mütigen Zusammenstehen unserer Landwirt⸗ schaft bessere Erwerbs- und Arbeits⸗ bedingungen erhalten. Wir wollen dabei nicht vergessen, wie immer im Leben, daß man dann, wenn man eine längst erstrebte Position er⸗ stritten und errungen hat, nicht die Hände in den Schoß legen darf, sondern sich überzeugt halten muß, daß es auch Leute gibt, die uns diese Posttion nicht gönnen. Er gilt jetzt nicht, eine Position zu nehmen, son dern diese zu halten. Wir sind gestählt, und ich bin überzeugt, daß gerade durch die bessere Ans sicht, die uns jetzt winkt, die Landwirtschaft, weil ste harte Männer erzogen hat, wirklich als gesunder, kräftiger und gleich wichtiger Faktor mit Handel und Industrie sich entwickeln wird, zum Segen unseres ge⸗ samten Vaterlands.“ Mehr kann kaum ein Minister, dem doch das Wohl des ganzen Volkes am Herzen liegen sollte, für sein eigenes persönliches Interesse und das seiner Kaste, der Junkersippe eintreten. Wir haben höhere Preise erzielt; wir müssen unsere Position erhalten; uns winkt bessere Aussicht— der Minister spricht genau, wie der Vorsttzende eines bündlerischen Vereins! Er benutzt seine Machtstellung, um seine und seiner Klassengenossen Einkünfte zu erhöhen. Daß das unter dem Lebens wucher schwer leidende Volk diesen Herrn nicht mit Schimpf und Schande zum Teufel jagt, beweist, von welcher Lausgeduld es beseelt ist. Zu den badischen Landtagswahlen. Ende voriger Woche sind die nötigen Stich⸗ wahlen in Baden vorgenommen worden. Für diese war, wie in letzter Nummer bereits erwähnt, ein Abkommen zwischen dem liberalen „Block“ und unsern Parteigenossen getroffen worden, das gegenseitige Unterstützung vorsieht, um eine Zentrumsmehrheit zu verhüten. In Freiburg II und III unterlagen die Zen⸗ trumsleute und es wurde der Liberale Reb⸗ mann und unser Genosse Kräuter gewählt. Bei den übrigen am Samstag vorgenommenen Stichwahleg sind noch sechs weikere Sozial⸗ demokraten gewählt worden, sodaß unsere Partei nunmehr 12 Mann stark im badischen Landtage vertreten ist. Die neue Kammer, die 10 Abgeordnete mehr zählt, als die vorige, setzt sich nunmehr zusammen aus: 28 Zentrum, 24 Nationalliberalen, 12 Sozialdemokraten, 5 Demokraten, 3 Konservativen und 1 Frei⸗ sinnigen. Gewonnen haben: Sozialdemo⸗ kratie 6, Zentrum 5, Konserv. 2 Mandate; verloren: Nationallib., Demokratie und Frei⸗ sinnige je 1 Mandat. Die sozial demokratische Fraktion setzt sich nunmehr wie folgt zusammen: Bechtold, Landwirt, Eich ho ru, Parteisekretär, Frank, Dr., Rechtsanwalt, Geck, Adolf, Buchdr.⸗Bes., Horst*, Gastwirt, Kolb, Redakteur, Kramer“, Kassier, Kräuter, Sägenfeiler, Lehmann“, Buchhalter, Pfeiffle, Ex⸗ pedient, Rössch, Buchdrucker, Süßkind, Kaufmann. Die mit“ bezeichneten gehörten 5. — ben der fen, ge⸗ er. in U82 dolt irt el: war her⸗ i ag rel, eine auf da und kin t. its. abel nan er⸗ in gt uns icht, ern und ere die gen leich fre 9e hoch gen lst len. sen sere der iner e, 50 . 10 dell. el alen fel, i Nr. 48. Witteldentsche Sonntags⸗Zeitung. ————— Seite 3. bereits früher dem Landtage an, außerdem Drees bach, der leider unterlegen ist. Menschenopfer für die Sandwüsten. Die deutschen Gesamtverluste in dem jetzt 22 Monate währenden südwestafrikantschen Aufstande betragen nach Berichten bürgerlicher Blätter 1850 Mann. Wegen Krankheit heimgesandt, hierbei aber nicht berücksichtigt, sind etwa 750 Offiziere und Mannschaften, die genau genommen auch ein Verluste der Truppe sind. Der Gefechtsverlust der Truppen, d. h. der im Kampfe Gefallenen und Verwundeten beläuft sich insgesamt auf 1009 Mann, davon 110 Offtziere.— Und alle diese Opfer wurden gebracht, um die Schwarzen dafür zu„strafen“, daß sie sich die infamen Drangsalierungen durch die Weißen nicht stillschweigend gefallen ließen! Und weitere Tausende von Opfern werden diesem erhabenen Zwecke auch weiter dargebracht wer den! Für das allgemeine Wahlrecht utfal ten auch unsere österreichischen Genossen eine energische Agitation. In Prag, Brünn und anderen Orten wurden bereits gewaltige Straßendemonstrationen, an denen sich zehn⸗ tausende von Menschen beteiligten, veranstaltet und die Forderung des allgemeinen Stimmrechts bei den Behörden erhoben. Auf dem diese Woche in Wien abgehaltenen Parteitag der österreichischen Sozialdemokraten forderte am Dienstag Dr. Elleübogen die Anwen⸗ dung des Massenstreiks zur Erzwingung des allgemeinen Wahlrechts. Es kam zu einer begeisterten Kundgebung für die russische Revolution. Redner verlaß ein Begrüß⸗ ungsschreiben des russischen sozialdemokratischen Blattes„Iskra“ und kritisierte den Zaren⸗ erlaß. Schu meier sagte, jetzt seien auch in Oesterreich der Worte genug gewechselt, man müsse zu Taten schreiten.„Unser Platz ist jetzt auf der Straße. Hinaus auf den Ring bor die Burg!“ Die Sitzung wurde danach unterbrochen zur Beratung der Gesamtexekutive der Partei. Man beschlotz, abends eine Demon⸗ stration auf der Ringstraße abzuhalten, die unter riesiger Beteiligung verlief. Viele Tausende von Arbeitern zogen unter stür⸗ mischen Rufen:„Hoch das allgemeine Wahl⸗ recht“ über die Ringstraße vor das Parlaments⸗ gebäude, vor dem Adler, Schumeter und Das zynsk! Ansprachen hielten, in denen sie den Sieg des russischen Proletartats feierten. Auch in er sei endlich die Zeit gekommen, dem Volke das allgemeine Wahlrecht zu geben. Die Sozialdemokratie werde nicht eher ruhen, bis diese Forderung erfüllt sei. Die Ausführungen wurden mit tausendstimmigen Hochrufen begleitet. Ein Zarenmanifest. Am Montag Abend erschien ein kaiser⸗ liches Manifest, das die Kapitulation der e e vor der Revolution bedeutet. er frühere Finanzminister Witte, der auch die Frieden sverhandlung mit Japan führte, wird zum Ministerprästdenten ernannt. Nach einigen heuchlerischen Phrasen heißt es darin:„Wir geben der Regierung die Pflicht auf: 1. Der Bevölkerung die unerschütterlichen Grundlagen der bürgerlichen Frei⸗ heit zu verleihen, die gegründet ist auf der wirklichen Unverletzlichkeit der Person und auf Freiheit des Gewissens, des Wortes, der Versammlungen und Vereinigungen; 2. ohne die früher angeordneten Wahlen für die Staats⸗ duma aufzuschieben, zur Teilnahme an der Duma jene Klassen der Bevölkerung zu berufen, welche jetzt Wahlrechte völlig entbehren; und 3. als unerschütterliche Regel aufzustellen, daß kein Gesetz in Kraft treten kann, ohne Genehmigung der Staats duma, und daß den Erwählten des Volkes die Möglichkeit einer wirklichen Teilnahme an der Ueber⸗ wachung der Gesetzlichkeit der Handlungen der von uns ernannten Behörden gewährleistet wird.“ Hoffentlich läßt sich das Volk durch die schönen Versprechungen nicht täuschen, sondern beharrt auf seinen Forderungen. Es ist sehr leicht möglich, daß man das Volk jetzt einlullen und die Bewegung besänftigen will, um dann desto teuflischer die Knute zu schwingen. Und daß diese Befürchtungen auch auf Seite der Revolutionäre bestehen, beweist eine Petersburger Meldung der„Times“, in der es heißt:„Es ist zweifelhaft, ob das Manifest die revo⸗ lutionären Führer befriedigen wird, die nichts weniger verlangten, als allgemeines Stimmrecht und eine konstituierende Versammlung. Es ist auch zweifelhaft, ob die Reformer von dem bureaukratischen Regime Konzessionen annehmen werden und ob die gezwungene Uebergabe der Regierung nicht das Signal sein wird zu weiteren Kämpfen. Im Uebrigen wird aus Warschau und Petersburg berichtet, daß das Manifest mit ungeheuerem Jubel aufge⸗ nommen worden sei. Man gab auch dem Be⸗ fremden darüber Ausdruck, daß keine Amnestie gewährt wurde. Kleine politische Nachrichten. Die Landtagswahl in Tuttlingen (Württbg.) brachte wie vorauszusehen war, den Liberalen den Sieg. Der Volksparteiler Storz⸗Heidenheim wurde mit 3089 gegen 2060 Stimmen für unseren Genossen Mattutat gewählt. Unsere Stimmenzahl zeigt eine erhebliche Zunahme. Die Schweizer Nationalratswahlen fanden am Sonntag statt. Sie standen unter dem Zeichen der Bekämpfung der Sozialdemokratie durch die bürgerlichen Parteien. Unsere Genossen, die bisher sechs Sitze innehatten, haben nur einen Kandidaten durchgebracht; sie unterlagen in Zürich und Winterthur, den Brennpunkten des Wahlkampfes. Die französische Kammer wurde am Dienstag wieder eröffnet und nahm die Amnestie⸗ Vorlage mit 541 gegen 5 Stimmen an, Infolge dies es Gesetzes können verschiedene vor Jahren ans Frankreich ausgewiesene Nationalisten zurückkehren. Sozialistischer Wahlsieg in Frankreich. In Toulouse, wo unsere Genossen erst kürzlich einen glänzenden Gemeindewahlfieg erfochten haben, fand eine Nachwahl für den Gemeinderat an Stelle des verstorbenen Bürgermeisters Serres statt. Gewählt wurde der Kan⸗ didat der geeinigten sozialistischen Part ei, Schriftsetzer Fakandry mit mehr als 12 000 Stim⸗ men. Dessen Sieg rief stürmischen Jubel iu der ganzen Stadt hervor. Soziales, Gewerkschaftliches. Arbeiterbewegung. Aus den Gewerkschaften. Der Hol z⸗ arbeiterverband zählte am Schlusse des zweiten Quartals 1905 Ende Juni 116,041 Mitglieder, das sind 8319 Mitglieder mehr als am Schlusse des ersten Quartals 1905, gegen über einer Mitgliederzunahme von nur 2336 im ersten Quartal dieses Jahres gewiß ein er⸗ freuliches Ergebnis. Tatsächlich hat der Holz⸗ arbeiterverband in dem zweiten Quartal eines Jahres noch niemals einen solchen Mitglieder⸗ zuwachs gehabt wie in dem diesjäherigen. Er⸗ freulich ist auch die fortgesetzte Steigerung der Zahl der weiblichen Mitglieder von 635 am Schlusse des Jahres 1904 auf 810 am Schlusse des ersten und auf 932 am Schlusse des zweiten Quartals 1905; damit ist die höchste Zahl weiblicher Mitglieder im Verband erreicht. Bei den Gewerbegerichtswahlen in Darmstadt, die am Mittwoch voriger Woche vorgenommen wurden, stegte die Liste der freien Gewerkschaften mit 927 von 937 Stimmen. Es stimmten nur 12 Prozent der Wahlberechtigten ab. Eine gegnerische Liste kam trotz der eifrigen Bestrebungen einiger „Christlichen“ und„Hirsch⸗Dunkerscher“ nicht zu Stande. Lohnkämpfe. Beigelegt wurde der bereits zwei Monate währende Holzarbeiter⸗ Ausstand in Fürth, an dem anfangs 1500 Arbeiter beteiligt waren. Der Bürgermeister ließ sich die Vermittelung angelegen sein. Vom 1. April ab wird für drei Jahre eine wöchent⸗ liche Arbeitszeit von 54 Stunden gelten. Die Arbeiter bedangen sich ferner aus, daß sämtliche Streikenden wieder eingestellt werden.— In der Berliner Wäscheindustrie kam es vor kurzem zum Ausstan d. Die kämpf⸗ enden Teile haben sich vor dem Gewerbegericht geeinigt. Der von diesem gefällte Schiedsspruch bestimmt, daß in allen Wäschefabriken eine so⸗ fortige Lohnerhöhung von 6 Prozent für die Arbeiter und Arbeiterinnen der Fabrik- und der Heimindustrie eintreten soll. Eine zu wählende Schlichtungskommission, bestehend aus je steben Vertretern der Arbeiterorganisation und der Unternehmer, hat die Aufgabe, sämtliche Diffe⸗ renzen, die zu Kämpfen führen könnten, zu begleichen. Non Nah und Fern. Gießener Angelegenheiten. — Arbeiter⸗Ausschuß für die städtischen Betriebe. Für die städtischen Arbeiter soll, wie in der letzten Nr. bereits mitgeteilt wurde, ein Arbeiter⸗Ausschuß errichtet werden. Die wichtigsten Bestimmungen, des von der Stadtverordneten⸗Sitzung am letzten Don⸗ nerstag beschlossenen Statuts sind folgende: § 1. Für alle von der Stadt Gießen beschäfligten Taglohnarbeiter wird ein Arbeiterausschuß gebildet. Er soll den Arbeitern Gelegenheit geben, Wünsche und Be⸗ schwerden in Angelegenheiten vorzutragen die alle städ⸗ tischen Arbeiter oder sämtliche Arbeiter eines städtischen Betriebes berühren. § 2. Die Zahl der Ausschußmitglieder wird in der Weise bestimmt, daß auf je 30 sowie einen etwaigen Ueberschuß von mindestens 15 der von dem Gas- und Wasserwerk, von dem Elektrizitätswerk sowie aller übrigen von der Stadt beschäftigten Arbeiter ein Ausschuß mitglied entfällt. Jedoch muß jede der drei genannten Gruppen wenigstens durch ein Mitglied im Ausschuß ver⸗ treten sein. Die sich hiernach ergebende Zahl der Ausschußmit⸗ glieder und ihre Verteilung auf die einzelnen Gruppen wird von dem Bürgermeister festgestellt und mit der Einladung zur Wahl den Arbeitern bekannt gegeben. Für jedes Mitglied ist ein Ersatzmann zu wählen. 5 3. Die Mitglieder des Ausschusses und die Er⸗ satzmänner werden durch geheime Wahl bestimmt. Wahlberechtigt sind alle volljährigen Arbeiter, die sich am Wahltag im städtischen Dienst befinden, so⸗ weit sie im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte sind. Wählbar sind alle wahlberechtigten Arbeiter, die am Wahltag mindestens 25 Jahre alt sind und min⸗ destens seit 3 Jahren ununterbrochen im städtischen Dienst stehen. Krankheiten sowie militärische Uebungen gelten hierbei nicht als Unterbrechungen. § 4. Die Wahl ersolgt getrennt nach den in 8 2 genannten Gruppen. Zeit und Art der Wahl werden von dem Bürger⸗ meister festgesetzt und mindestens eine Woche vorher in geeigneter Weise bekannt gemacht. Die Wahlzeit ist so anzuordnen, daß jedem Arbeiter Gelegenheit gegeben ist, außerhalb seiner Arbeitszeit von seinem Wahlrecht Ge⸗ brauch zu machen. § 8. Verliert ein Mitglied oder ein Ersatzmann die Wählbarkeit oder die Eigenschaft als städtischer Arbeiter, so erlischt damit selbst seine Mitgliedschaft im Arbeiterausschuß oder seine Eigenschaft als Ersatzmann. § 9. In der ersten Sitzung wählen die Mitglieder mittels Stimmzetteln einen Vorsitzenden und dessen Stellvertreter. 5 11. Die Sitzungen des Ausschusses sollen regel⸗ mäßig in die Arbeitszeit gelegt werden. Lohnkürzungen für die versäumte Arbeitszeit finden nicht statt, ebenso⸗ wenig werden Entschädigungen für außerhalb der Ar⸗ beitszeit abgehaltene Sitzungen gewährt. § 12. Zur Beschlußfähigkeit ist die Anwesenheit von mindestens der Hälfte der Mitglieder erforderlich. Der Bürgermeister und die von ihm beauftragten Per⸗ sonen haben das Recht, der Sitzung mit beratender Stimme beizuwohnen und müssen jederzeit angehört werden. Die Beschlüsse erfolgen durch Stimmenmehr⸗ heit; bei Gleichheit der Stimmen gilt der Antrag als abgelehnt. Die Beschlüsse sind in ein Protokollbuch einzutragen, das der Bürgermeisterei auf Verlangen vor⸗ zulegen ist. Das für die Tätigkeit des Ausschusses er⸗ sorderliche Schreibwerk wird von dem Sekretariat der Bürgermeisterei besorgt. Die 88 5, 6 und? enthalten wahltechnische Bestimmungen, deren Wiedergabe wir für über⸗ flüssig erachten.§ 10 handelt von Einberufung der Sitzungen. Manches an dem Statut ist zu bemängeln. So die bereits in der Stadt⸗ verordneten⸗Sitzung von Orbig bekämpfte Be⸗ stimmung, wonach nur in den Ausschuß ge⸗ wählt werden kann, wer seit 3 Jahren bei der Stadt beschäftigt ist. Die sozialpolitische Kommission motivierte diese Bestimmung da⸗ mit, es müsse vermieden werden, daß„Zug⸗ vögel“, die bald hier bald da ein paar Wochen —̃ 3 11. ö 1 Seite 4. Mitteldeutsche Souutaas⸗Zeitung. Nr. 45. arbeiten, in den Ausschuß gewählt werden. Als wenn die Arbeiter nicht selber dafür sorgten! Die wählen solche aus dem sehr ein⸗ fachen Grunde nicht, weil sie sie nicht kennen und nicht wissen, ob sie als Ausschußmitglied geeignet sind. Es kann aber sehr leicht passteren, daß ein Arbeiter, der erst ein viertel oder ein halbes Jahr in den städtischen Betrieben beschäftigt ist als Mitglied des Ausschusses und zur Ver⸗ tretung der Interessen seiner Kollegen sehr ge⸗ eignet wäre. Ein solcher kann dann nicht ge⸗ wählt werden! Im übrigen ist ja die Ein⸗ richtung ganz lobenswert; nur müssen die Arbeiter tüchtige Vertreter wählen. — Flugblattverteilung! Diesen Sonntag wird ein Flugblatt zur Landtags⸗ wahl im Landkreise Gießen verteilt. Unsere Gießener Genossen wollen sich hierzu recht zahl ⸗ reich zur Verfügung stellen und sich Sams⸗ tag Abend in der Wirtschaft Orbig einfinden. Unsere Freunde in den Landorten wollen sich ebenfalls um sorgfältigste Verteilung bemühen. — Die Holzarbeiter⸗Versamm⸗ lung in Lonys Bierkeller am Montag war recht gut besucht und nahm das Referat des Kollegen Simon⸗ Augsburg beifällig entgegen. Der Verband hat in letzter Zeit recht gute Fortschritte gemacht; es gehören ihm jetzt etwa drei Viertel der hier beschäftigten Holzar⸗ beiter an. i — Die Schneider hielten am Sams⸗ tag ihr Stiftungsfest im Café Leib ab. Es war nicht sehr stark besucht; von Mitgliedern anderer Gewerkschaften waren nur wenige er⸗ schienen. Besser wäre es jedenfalls, wenn mehrere Gewerkschaften bei Veranstaltung von Festen sich zusammenschließen. — Ausschuß für Volks vorlesungen. Uns wird geschrieben: Schon vor anderthalb Jahrzehnten haben sichf in unserer Nachbarstadt Frankfurt a. M. opferwillige Männer zu einem„Ausschuß für Volks⸗ vorlesungen und verwandte Bestrebungen“ zusammenge⸗ funden, um an ihrem Teil und nach Kräften für die Hebung und Vertiefung der Volksbildung zu wirken. Diese Bestrebungen haben außerordentlichen Erfolg ge⸗ habt, und eine Reihe ähnlicher Gründungen ist ihnen gefolgt, so daß sich schon die sämtlichen Ausschüsse zu einem„Rhein⸗Mainischen Verband für Volksvorlesungen und verwandte Bestrebungen“ haben zusammenschließen können. Heute steht dieser Verband dank seiner vorzüg- lichen Organisation und unermüdlichen Agitation an der Spitze aller volkstümlichen Bildungsbestrebungen in unseren Landen. Gie ßen ist als Sitz der Landes uni⸗ versität und zahleicher Bildungsanstalten berufen, der geistige Mittelpunkt eines großen Gebietes zu werden. Deshalb haben sich Angehörige aller Stände aus unserer Stadt vereinigt, um die Bestrebungen des Rhein⸗ Mainischen auch hierher zu übertragen, Auf dem Pro⸗ gramm dieses Gießener„Ausschusses für Volksvor⸗ lesungen und verwandte Bestrebungen“ stehen: Volks⸗ vorlesungen, Volksunterhaltungsabende, volkstümliche Theatervorstellungen, Konzerte und Kunstausstellungen, Führungen durch Museen, Förderung des volkstümlichen Bibliothelswesen und Beratung einzelner bildungseifriger Personen Der Ausschuß als solcher ist politisch und religtös völlig neutral, Angehörige aller Parteien und Konfessionen find ihm willkommen ohne Unterschied des Standes, Alters und Geschlechtes. Notwendig aber ist, daß die bildungsinteressierten Einwohner unserer Stadt seine Bestrebungen unterstützen, alle durch Besuch seiner Veranstaltungen, die wohlhabendeu auch durch finanzielle Unterstützung, durch Beitritt zum Gesamtverband(Jahres⸗ beitrag 3 Mk.) Nur dann kann er hoffen, sein hohes Ziel zu erreichen, dann wird auch frisches, geistiges Leben in unserer Stadt erblühen. Zu jeder Auskunft ist bereit: Oberlehrer Dr. A. Klein, Bismarckstr. 32 part. Aus dem RAreise gießen. Zu den Landtagswahlen. — Herr Leun und das direkte Wahlrecht. Der„Gießener Anzeiger“ macht den komischen Versuch, Herrn Leun als bewährten Kämpfer für das direkte Wahlrecht hinzustellen. Das Blatt nennt unsere Agitation „skrupellos“ und meint, niemand habe das Recht, an der Erklärung Leuns, daß er für das direkte Wahlrecht eintrete, zu zweifeln. Der sich so naiv stellende Anzeiger mutet der Wählerschaft wirklich starken Glauben zu. Wenn's dem Anzeiger so ernst mit dem direkten Wahlrecht wäre, wie er vorgibt, müßte er schon etwas zweifelsüchtiger sein. Leun stimmte gegen das direkte Wahlrecht! Taten beweisen mehr als Worte. Die Erklärung Leuns ist, wie Vetters in Garbenteich sagte, etwa so aufzunehmen, wie die eines Mannes, der stets sagt, er trinke keinen Alzohol, den man aber sehr oft betrunken über die Straße taumeln sieht!— Im Uebrigen rechnet das Amtsblatt 25 Wahlmänner für Leun und 16 für uns heraus. Wir könnten also demnach den Wahlkampf aufstecken und den Kreis den Gegnern überlassen. Vorläusig tun wir das aber noch nicht, unsere Wählerschaft muß viel⸗ mehr dafür sorgen, daß die Anzeiger⸗Rechnung kläglich zu schanden wird! a — Zu der Leun'sche Vertrauens⸗ männer⸗Versammlung, aus der wir in voriger Nummer einiges berichten konnten, wird uns mitgeteilt, daß ein Herr Reul, der dort nach unserem Bericht als Redner aufge⸗ treten sein, in Heuchelheim gar nicht ex ist iert. Unser Gewährsmann kann sich möglicherweise also mit dem Namen verhört haben. Doch die sachlichen Ausführungen sind tatsächlich so, wie wir berichteten, gemacht worden. Auch Herr Weißbinder Größer in Großen⸗Buseck be⸗ streitet, wie uns berichtet wird, an der Leun⸗ schen Versammlung teilgenommen zu haben. Es kann ja immerhin möglich sein, daß auch hier ein Irrtum mit dem Namen vorliegt. Aber wir betonen, daß jene Aeußerungen, die darauf hinausliefen im Geheimen für Leun zu agitieren, wirklich gefallen sind. Die Namen spielen ja dabei weiter keine Rolle, unsere Geuossen in den betreffenden Orten kennen schon ihre Leute. Aus Heuchelheim be⸗ teiligten sich übrigens mehrere an der Dis⸗ kusston. — In Garbenteich fand Donnerstag Abend eine gutbesuchte Wählerversammlung statt, in der Abg. Dr. David die politischen Zustände in Hessen beleuchtete und besonders das Verhalten der bürgerlichen Parteien und der Ersten Kammer zur Wahlreform geißelte und auf die Schädigung des werktätigen Volkes durch die agrarische, die Lehensmittel verteuernde Zollpolitik hinwies. Seine Ausführungen wurden ebenso wie diejenigen des Genossen Vetters beifällig aufgenommen. Letzterer betonte am Schlusse, daß die Gegner kurz vor der Wahl es an Verunglimpfungen unserer Partei und ihrer Wortführer nicht fehlen lassen würden. Demgegenüber sollten sich nur die Wähler die Tätigkeit unserer Parteifreunde im Landtag und Reichstag, die auch von Seiten der Gegner wiederholt anerkannt worden sei, vor Augen halten und sich darnach bei ihrer Stimmabgabe richten. Wähler⸗Versammlungen finden statt in: Heuchelheim, Samstag, 4. Nov. 8/ Uhr abends bei Aug. Rinn. Redner Abg. Dr. Da vid. Hausen: Samstag, 4. November 87/ Uhr abends bei Gastwirt Wallbott. Redner Vetters. Großen ⸗Buseck: Samstag, 4. November 8½ Uhr abends bei Gastwirt Wagner (früher Größer). Redner Reichstagsabg. Scheidemann. 0 Staufenberg: Sonntag, 5 Nov. nachm. 3 Uhr bet Gastwirt Geißler. Redner: Scheidemann. Rödgen: Sonntag, 5. November nachm. ½4 Uhr bei Gastwirt Wagner. Redner: Vetters. Leihgestern: Sonntag, 5. Nov. 8 Uhr im„Löwen“. Redner: Scheidemann. Gen. Ulrich spricht 11. und 12. Nov. in Wieseck und Steinberg. — Strafverfolgung Köhlers. Gegen Bürgermeister Köhler⸗Langsdorf ist jetzt, nachdem der Landtag geschlossen und Köhler nicht mehr durch Immunität geschützt ist, wegen der bekannten Eberstädter Kindsmordgeschichte Anklage erhoben. Köhler hatte damals in der „Hungener Landpost“ schwere Angriffe gegen die in der Sache tätig gewesenen Medizinal⸗ und Gerichtsbehörden veröffentlicht. Später nahm er im Landtage seine Behauptungen zurück. Der Redakteur jenes Blattes fiel mit 500 Mk. Geldstrafe herein. Die antisemitisch⸗ bündlerische„Volkswacht“ begleitet die Meldung von der erfolgten Anklage mit folgenden Sätzen: „Die nationalliberal-freistnnig⸗jüdische Clique zu Gießen freut sich dessen baß,— aber auch unsere Bauernschaft! denn die Bauern ersehen daraus, daß es noch Leute gibt, die für ste zu kämpfen und in selbstloser Hingebung ihr Alles aufs Spiel zu setzen bereit sind!“ Ein größerer Schwindel steht wirklich nicht mehr auf! Herr Köhler mag im guten Glauben gehandelt haben, er ist dabei hereingefallen, was jedem passteren kann. Aber den ziemlich täppischen Hereinfall als„selbstlose Hingebung“ für die Bauern ausschlachten zu wollen— das geht denn doch über die Hutschnur. Die Ver⸗ Strafkammer statt. s. Die Maurer in Oberhessen fühlen endlich mehr und mehr, daß die Besserung ihrer Lohn⸗ und Arbeitsbedingungen unbedingt notwendig ist und sie lernen den Wert der Organisation immer mehr schätzen. Am Sountag vor acht Tagen fand in Kohden bei Nidda eine Maurerversammlung statt, in der 50 Maurer erschienen waren. 29 davon gehörten schon vorher dem Verbande an und 16 traten noch bei, so daß die dort errichtete Zahlstelle 45 Mitglieder zählt. Es ist auch wirklich an der Zeit, daß unter den Ar⸗ beitern in Nidda und Umgegend mal ein wenig Auf⸗ klärung geschaffen wird. Aus dem Rreise sriedberg⸗Büdingen. k. Gewerbegerichtswahl in Friedberg. Seit Jahren hat sich das Friedberger Gewerkschafts⸗ kartell um die Errichtung eines Gewerbegerichts be⸗ müht. Endlich gab man dem Drängen der Arbeiter⸗ schaft nach und am Montag fanden die Wahlen statt. Nun hätte man meinen sollen, da andere Kreise für ein Gewerbegericht seither kein Interesse gezeigt hatten, es würde außer unserer Liste keine andere aufgestellt werden. Aber weitgefehlt; dennoch erschien eine Gegenliste und allgemein ist man der Meinung, daß die auf derselben bezeichneten Kandidaten von Seiten des Arbeltgeberver⸗ bandes aufgestellt waren, obwohl sich auch 20 Arbeit⸗ nehmer gefunden hatten, welche die zur Einreichung der Liste notwendigen Unterschriften hergaben. Die Herren Arbeitgeber haben dann auch die nötige Agitation für diese Gegenliste entfaltet, indem sie die Stimmzettel da⸗ für sel bst auf den Arbeitsstellen und Werkstätten ver⸗ tellten. Aber alle ihre Liebesmühe war doch vergebens Die Liste der Gegner erhielt ganze 33 Stimmen, während die Liste des Gewerkschaftskartells 392 erhielt, sodaß also trotz des Proportionalsystems, die Gegner noch nicht einmal einen Sitz im Gewerbegericht bekamen. Dabei war die Beteiligung eine äußerst starke. Von etwa 550 Wahlberechtigten stimmten 428 ab, gleich 78 Proz. Auch die Arbeitgeber erschienen, durch den Arbeitgeber⸗ verband eingeladen, in der Stärke von 78 Mann zur Abstimmung. Hier war nur eine List aufgestellt. Der Ausfall der Wahl zeigt wieder einmal, was die Einig⸗ keit der Arbeiterschaft vermag und dürften wohl die 33„u icht so zialdemokratisch gestnnten“ Ar⸗ beiter, wie es im Zirkular der Gegner heißt, für die Zukunft die Lust verloren haben, sich mit uns zu messen. Aus dem Rreise Wetzlar. h. Die Stöcker leute waren am Sonn: tag im Hotel Kaltwasser zusammen. Wie dem Amtsblatt jedenfalls von den Haupt⸗Akteuren selbst geschrieben wird, sei die Versammlung von sehr vielen Orten des Kreises besucht ge⸗ wesen. Die Stöckerianer wollen den Wahlkreis Wetzlar unbedingt den Liberalen abnehmen und „die Sozialdemokratie am weiteren Wachstum hindern“, wie Herr Burckhardt sagte. Mit dem letzteren wird er aber sicher kein Glück haben, falls ihm das erstere wirklich gelingen sollte woran jedoch stark zu zweifeln ist. Burckhardt erzählte dann weiter, daß die„Reformpartei die Unterstützung den Christlich⸗Sozialen zuge⸗ sagt hätte. Dann stellte er den berühmten Behrens als Reichstagskandidaten vor. Dieser hielt eine Pauke, in er den Beitritt zum christlichen Bergarbeiter⸗Gewerkverein, dessen„Generalsekretär“ er ist, empfahl. Das werden einsichtige Bergleute bleiben lassen. Auch sie leruen allgemach die„christ⸗ lichen“ Streikbrecher⸗Organisation richtig ein⸗ schätzen. h.„Not der Land wirtschaft.“ Ueber eine Bauernhochzeit, die vorletzte Woche in Weyer bei St. Goarshausen a. Rh. drei Tage lang 0 wurde, war im Wetzl. Amtblatt zu lesen:„Die Zahl der Verwandten, Freunde und Bekannten, die sich zun handlung findet Dienstag früh vor der Gießener — ö. . ing en; que blen ohn⸗ und neht , in ten bet, ahlt. Ar⸗ Auf⸗ . erg. astz⸗ bes eiter statt, x ein „ eh rden, un clben rber⸗ chelt⸗ h det eren für be, bend rend daß nicht dabel eint Proz. gebel⸗ 1 zu Det Fug L dier 1 A * d. esse zul e den ett lung t ge f gütul habeh . — Nr. 45. Mitteldeutsche SonntagsZeitung. Seite 5. Hochzeitsschmause versammelt hatten, betrug über 150. Dem gesegneten Appetit der onsehnlichen Tischgesellschaft fielen 1 Oechslein von über 6 Zentnern und 2 Schweine von 4 Zentnern Schlachtgewicht zum Opfer, ferner wurden 4 Zentner Weizenmehl zum Hochzeitskuchen verbraucht. Den Wein lieferte der Keller des einen Hochzeitsvaters. An leeren Fässern um den„Neuen“ keltern zu können, soll es ihm jetzt nicht sehlen.“— Weyer ist ein ziemlich kleines Dorf, besonders„große“ Bauern, die etwa hunderte von Hektaren besitzen, gibt es dort nicht. Trotz⸗ dem scheint nach dem Berichte des Wetzlarer Amtsblattes die Not nicht allzugroß zu sein.(Herr Bürgermeister Köhler in Langsdorf kann sich ja, wie vor zwei Jahren einmal in einem ähnlichen Falle, der aus Olden⸗ burg berichtet wurde, bei seinem Kollegen in Weyer er⸗ kundigen, ob die Schilderung des Kreisblattes zutrifft.) i Noch bei einigen andern Gemeinde⸗ wahlen, als bei den in letzter Nummer bereits er⸗ wähnten sind sozialdemokratische Kandidaten gewählt worden. So in Launs bach unser Genosse Hahn und in Odenhausen L. Pfaff. Unsere Freunde werden es sich selbstverständlich angelegen sein lassen, soviel in ihren Kräften steht, gewissenhaft ihre Pflicht zu erfüllen, die Wohlfahrt ihrer Gemeinden zu fördern und das Iunteresse der werktätigen und minderbemittelten Gemeinde⸗ angehörigen im Gemeinderat wahrzunehmen — Kontrollversammlungen im Kreise Wetzlar werden abgehalten in: Oberndorf, Ausgang nach Wetzlar, 9. November 1 Uhr 45 nachmittags für Albshausen, Bon baden, Braunfels. Burgsolms, Oberndorf. Aßlar, Bahnhof, 13. November 1 Uhr 15 nach⸗ mittags für Aßlar, Ber ghausen, Blasbach, Klein⸗ Altenstädten, Werdorf. Wetzlar, Schützengarten, 13. November 3 Uhr 30 nachmittags für Wetzlar einschließlich Wetzlar⸗ Niedergirmes(ausschließlich der auf dem Bude⸗ rus'schen Eisenwerkte und der Karolinenhütte be⸗ schäftigten Kontrollpflichtigen). Wetzlar, Schützengarten, 14. November 10 Uhr Vor⸗ mittags für Hof Altenberg, Garbenheim, Nauborn, Oberbiel, Steindorf. Westerwasd und Anterlahn. t. Die Stadtverordnetenwahlen in Haiger finden nächsten Mittwoch, den 8. November statt. Die 3. Klasse wählt von 11 Uhr Vormittags bis 1 Uhr Nachmittags, die 2. Klasse von 2 bis 3 „Uhr Nachmittags und die 1. Klasse von 3 bis 3½ Uhr Nachmittags. Die Verlegung der Wahlzeit der 3. Klasse in die Mittagszeit, ist sehr zu begrüßen; ist es doch dadurch den Arbeitern leichter gemacht, sich an der Wahl zu beteiligen. Da in unserer Stadtverwaltung noch Manches der Verbesserung harrt, wäre es sehr zu wün⸗ schen, wenn endlich ein paar Sozialdemokraten in das Stadtparlament einzögen. Die Frage eines Schulhausneubaues, die Behebung der Wohnungsnot, die Neupflasterung der Straßen, die Durchführung der Kanalisation, die Errichtung einer Badeanstalt, die Hebung des Verkehrs, der Märkte usw.— alle diese dringend nötigen Reformen hapren noch der Lösung. Um sie in Fluß zu bringen, ist as notwendig, daß die alte Lauheit des Bürgertums verschwindet. Besonders muß entschieden dagegen Front gemacht werden, daß die Heimlichtuerei zund Scheu vor der Kritck und Oeffentlichkeit auf unserem Rathaus aufhört. Wer seine im Interesse der Stadt zund Bürgerschaft getätigten Ausführungen und Hand⸗ lungen nicht verantworten kann und im Dunkeln munkeln will, der äst des Ehrenamtes als Stadtverordneter micht würdig. Kontrollversammlungen im Dillkreis finden statt in: Herborn, Schießplatz, 4. November 2 Uhr 20 nachmittags. Haiger, Marktplatz, 7. No⸗ vember 11 Uhr 45 vormittags. Dillenburg, Paradeplatz, 7. November 2 Uhr nachmittags. aus dem Xreise Marburg⸗Airchhain. Der soz. dem. Wahlverein hielt am Samstag seine Generalversammlung ab, die ziemlich gut besucht war. Der angekündigte Vortrag des Gen. Dr. Michels mußte wegen Erkrankung des Referenten ausfallen. Kassierer Steets gab den Kassenbericht, der zufrieden. stellende Kassenverhältnisse nachweist. Darauf führte Härtling in seinem Jahresberichte an, daß im letzten Jahre 7 Vorträge über ver⸗ schiedene Gegenstände meist von auswärtigen Rednern gehalten wurden. Ferner fand eine Flugblatt⸗ und eine Kalender verteilung statt. In den Vorstand wurden gewählt: Härtling, Vorsitzender, Steetz, Kassierer und Fischer, Schriftführer.— Als Kandidaten für die am 14. Nobember stattfindenden Stadtverord⸗ neten wahlen wurden G. Posern, F. Fischer und Dr. Michels aufgestellt. Die Berufsstatistik zum Wahlverein ergab folgendes: Arbeiter 7, Bäcker 3, Bauhills⸗ arbeiter 4, Buchbinder 1, Buchdrucker 17, Dachdecker 1, Dr. phil. 1, Formstecher 2, Gastwirte 2, Gärtner 1, Holzarbeiter 14,5 Kupferschmiede 1, Maler und Lackierer 8, Maurer 3. Metallarbeiter 8, Müller 4, Ofen⸗ setzer 2, Schneider 7, Schuhmacher 5, Zimmerer 1, Heizer 2. Zusammen 75 Mitglieder. An⸗ gesichts der Gewerkschafts⸗ Mitgliederzahlen müßte der Wahlverein bedeutend stärker sein. Der Vorsitzende ermahnte besonders die ag⸗ wesenden Gewerkschafts mitglieder, in ihren Kollegenkreisen für den Wahlverein und unsere Presse zu agitieren. O ünsere Stadtverordneten brüteten am Dienstag über neue Steuerprojekte, welche sie den darüber wohl nicht besonders erfreuten Bürgern bescheeren wollen, Der nächste Etat verlangt 28 000 Mk. Einnahme mehr, und nach langem Suchen ist man auf die Kanalisation gefallen: die Mieter bezahlen ja keine Kanalgebühr. Zwar haben die Hausbesitzer fast aus- nahmslos die Kanalgebühren auf die Mieter abgewälzt, viele sogar das Doppelte dabei herausgeschlagen, aber das schadet nichts, die Mieter müssen nochmals herhalten. Und die Art und Weise, wie sie herangezogen werden sollen, ist ganz unserem Stadtparlament angepaßt: 1½ Prozent der Miete sollen als Kanalgebühren erhoben werden, also eine veränderte Form von Wohnungssteuer, und ctwa 30 000 Mk. sollen dabei herauskommen. Daß bet dieser Steuer die kleinen Wohnungen der Arbeiter verhültnismäßig am stärksten getroffen werden, liegt klar auf der Hand. 1¼ seines Einkommens für Wohnungsmiete ausgeben, während der Reiche in der Regel nur 0 bis ½¼0 seines Einkommens dafür zu verausgaben braucht. Dazu kommt noch, daß unsere Hausbesitzer es verstehen, ihre eigenen eleganten Wohnungen zu einem geringen Nutzungs- werte einschätzen zu lassen. Die neue Steuer wird al so am stärksten wieder die breite Masse der Minderbemittelten belasten und jede Mietsteigerung wird als Fluch der bösen Tat erhöhte Steuer im Gefolge haben.— Der vor einiger Zeit in Vorschlag gebrachten Wertzuwachs⸗ steuer können unsere Stadtverordneten dagegen wenig Geschmack abgewinnen. Sie wurde zurückgestellt, es sallen erst noch„Erhebungen“ angestellt werden. Diese Steuer würde ja die eigenen Klassengenossen treffen!— Ehe die Herren anseinandergingen, hatten sie noch eine „Kulturtat“ zu vollbringen. Die Reorganisation des Unterrichts in der Handwerker⸗Fortbildungsschule bedingt eine Mehrausgabe von etwa 1000 Mk. Der Magistrat schlug vor, daß die Meister jährlich 5 Mk. pro Schüler bezahlen sollten, denn die Stadt habe keine Verpflichtung, für einen Stand besondere Aufwendungen zu machen, sagte unser Oberbürgermeister. Der Magistratsantrag und noch zwei andere Anträge erzielten bei der Ab⸗ stimmung Stimmengleichheit und der Stadtverordneten⸗ Vorsteher hatte nun die Entscheidung zu fällen, die denn auch in einer Weise ausfiel, die auf salomonische Weisheit keinen Anspruch machen kann. Derselbe entschied sich für einen von ihm selbst gestellten Antrag, daß die Lehrlinge diese 5 Mk. bezahlen sollen, der Lehrherr solle jedoch dafür haften.— Eine andere Angelegenheit von öffent lichem Interesse fand keine endgiltige Erledignng. Es sollen Plakatsäulen und„Tafeln aufgestellt und an Privatunternehmer verpachtet werden. Anstatt das An⸗ schlagswesen in eigene Verwaltung zu nehmen, will man es der Willkür eines Unternehmers übergeben, nur über das Wie und Wer ist man noch nicht einig. In einer öffentlichen Holzar⸗ beiterversammlung, die den Umständen nach gut besucht war, sprach am Dienstag Kollege Simon⸗ Augsburg über die Erfolge des Deutschen Holzarbeiter⸗ verbandes. Sein Vortrag fand lebhafte Zustimmung. In der sich daran schließenden Diskussion wurde das Verhalten der modernen Streikbrecherorganisatton, des „christlichen“ Holzarbeiterverbandes einer vernich⸗ tenden Kritik unterzogen und namentlich auf dessen er⸗ bärmlichen Arbeiterverrat bei dem Kölner Schreinerstreik hingewiesen. Alle Redner waren in der Verurteilung dieser Streilbrecher einig und sprachen sich für den weiteren Ausbau der freien Gewerkschaften und speziell des Holzarbeiterverbandes aus. O In Amöneburg, dem katholischen Städtchen im Kreise Kirchhain, in welchem vor einiger Zeit der Bürgermeister größere Unterschlagungen verübte, gab in diesem Sommer der Magistrat einem Gärtner den Aus⸗ trag, zur Anwesenheit des Bischofs von Fulda die Straßen zu schmücken. Als der Gärtner seine Rechnung von ca. 100 Mk. einreichte, machten die Stadtverord⸗ neten Schwierigkeiten, da sie nicht gefragt worden waren. Der Gärtner klagte die Forderung ein und vorige Woche verurteilte das Amtsgericht zu Amöneburg die Stadt zur Zahlung der Summe. O Ein Opfer unserer sozialen Ver⸗ hältnisse stand am Dienstag voriger Woche vor dem Schöffengericht in Wetter, Kreis Marburg. Ein 16 jähriger Kaufmannslehrling hatt; sich wegen Der Arbeiter muß durchgängig /s bis Veruntreuungen zu verantworten. Seine Mutter war kurz nach seiner Geburt verstorben, der Vater arbeitete in einer Fabrik, infolgedessen war seine Erziehung eine mangelhafte und während seiner Schulzeit hatte er sich Unredlichkeiten zu Schulden kommen lassen und während seiner Lehrzeit hatte er Gelder widerrechtlich einkassiert und damit die Kasseler Ausstellung besucht. Die sechs Wochen Gefängnis, welche ihm das Gericht zuniktierte, dürften kaum ein geeignetes Mittel zur Besserung sein. * Einen Brot aufschlag hat die Dar m⸗ städter Bäckerinnung eintreten lassen und zwar um zehn Pfennig den Fünfpfundleib.. Also neben teuerem Fleisch auch noch teueres Brod! Partei-Uachrichten Provinzial⸗Parteitag für Hessen⸗Nassau. Das Agitations⸗Komitee für die Provinz Hessen⸗Na ssau beruft auf Sonntag, den 26. November vorm. 10 Uhr, in das Gewerkschaftshaus zu Frank⸗ furt a. M. einen außerordentlichen Pro⸗ vinzialparteitag ein. Den einzigen Tagesordnungspunkt bildet die Organi⸗ satlonsfrag e. Der noch auszuarbeitende Ent⸗ wurf eines Provinzial⸗Organisations⸗Statuts wird ver⸗ öffentlicht. Wahlkreis Wetzlar⸗Altenkirchen. Sonntag, den 12. November, nachmittags 3¼ Uhr im Gasthaus „Zur Glocke“ in Wetzlar: Seneralversamm⸗ lung des Wahlvereins. Tagesord.: 1. Ge⸗ schäfts⸗ und Kassenbericht. 2. Bericht vom Parteitag in Jena. Bericht der Gemeindevertreter⸗Konferenz in Frankfurt a. M. 4. Neuwahl des Vorstandes. Un zahlreichen Besuch ersucht der Vor st an d. NB. Zutritt nur gegen Mttgliedsbuch. Die Differenzen zwischen dem Parteivorstand und den entlassenen„Vorwärts“-Redakteuren Bütt ner, Eisner, Gradnauer, Kaliski, Schröder und Wetzker be— schäftigen die Parteipressen lebhaft. Wir werden in nächster Nummer eingehender darauf zurückkommen. Der erste Parteidampfer. Unser Ham⸗ burger Parteiblatt, das„Hamb. Echo“ hat ich einen Dampfer zugelegt, der dieser Tage in den Dienst gestellt wird. Die Barkasse„Hamburger Echo“ ist dazu bestimmt, bei der Kolportage des Hamb. Echo und dem Schriftenvertrieb im Hamburger Hafen Verwendung zu finden. Das Fahrzeug stellt einen ganz neuen Typ dar; ist 9 50 Meter lang, 2.06 Meter breit und 1.10 Meter tief. Der Hintertell ist mit einer Kajüte zur Unter⸗ bringung der Zeitungen und Schriften versehen. Das stetige Anwachsen der Echo⸗Kolportage im Hafen hat die Beschaffung eines Fahrzeuges, das lediglich dem Zweck der Kolportage dient, notwendig gemacht. Bisher war für die Kolpo tage die Barkasse„Hans“ gechartert, die aber den gestellten Ansprüchen nicht genügt. Das Boot wurde bei seiner ersten Fahrt, die es am Moutag machte, durch den Hafen überall freudig begrüßt von den„Leuten von der Waterkant.“ r Versammlungskalender. Samstag, den 4. November. Gießen. Sozialdem. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Gießen. Fuhrleute und städtische Arbeiter. Abends 8 Uhr Versammlung in Lon y's Bier⸗ keller. T.⸗O.:„Die Mannhei ner Lohnbewegung und ihre Erfolge.“ Ref. R. Habicht⸗Frankfurt. Alten⸗Buseck. Volksvereln. Abends 8 Uhr außerordentliche Mitglieder⸗Versammlung bei Wirt Becker. T.⸗O.: Die Land'agswahl. Watzenborn⸗Steinberg. Wahlverein. Abends 1/9 Uhr Generalversammlung im Lokale„Z ur Wilhelmshöhe“. Tages⸗Ord.: 1. Landtags⸗ wahl. Nominierung der Wahlmänner. 2. Flugblatt⸗ verbreitung. 3. Verschiedenes. Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ist es Pflicht aller Parteigenossen zu erscheinen! Wieseck. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung bei Wacker. T. O.: Landtagswahl. Sonntag, den 5. November Staufenberg. Volksverein. Nachm. ½4 Uhr Versammlung bei Wirt Vogel. Alsfeld. Oeffentl. Holzarbeiter⸗Versam m⸗ * lung nachm. 3 ½ Uhr im„Stadtpark“ Ref. Koll. Montag, den 6. November. Gießen. Schneider verband. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Dienstag, den 7. November. Gießen. Gewerkschaftskartell. Abends 9 Uhr Sitzung bei Orbig. Briefkasten. Zuschriften aus Wetzlar,) Marburg, Krofdorf, Steinberg mußten zurückgestellt werden. . 22 Seite 6. N — ———— Nr. 48. Mitteldeutsche Sonulaßz⸗ Zeitung. Auf zur Landtagswahl! Parteifreunde! Die Land⸗ tagswahlen sind nunmehr ausge⸗ schrieben. Die Wahlmännerwahlen sind bereits auf Mittwoch, den 15. November festgesetzt. Die Abgeordnetenwahlen sollen am 28. November stattfinden. Es bleibt daher nur noch kurze Zeit zur Agitation übrig, die unsere Freunde tüchtig ausnützen müssen. Ueberall, wo die Vorbereitungen noch nicht beendet sind, muß so⸗ fort die letzte Hand angelegt werden! Wegen etwaiger Aus⸗ künfte wende man sich an den Vorsitzenden des Kreiswahlvereins Gg. Beckmann, Gießen, Grün⸗ bergerstraße 44. Die Sonntag erscheinenden Flugblätter wollen unsere Genossen allerorts zweckmäßig und richtig verteilen. Wahlberechtigt ist jeder 25 Jahre alte Hesse, der seit dem 1. April 1905 irgend welche (Staats⸗ oder Kommunal-) Steuern zahlt. Wähler! Die Angehörigen der werk⸗ tätigen Bevölkerung haben im Wahlkreise Gießen⸗ Land die erdrückende Mehrheit. Sie haben die Aufgabe, dafür zu sorgen, daß nicht wieder ein Feind des direkten Wahlrechts, ein Mann, der die Lebensmittelverteuerungs⸗ Politik unterstützt und die rückständigsten An⸗ schauungen vertritt, als Vertreter unseres Kreises in den Landtag einzieht! Das Wahlkomitee. von Nah und Fern. 1½ Jahre Zuchthaus wegen ein paar Blumen! Von einem Klassenurteil schlimmster Art wurde vor wenig Tagen aus Siegen be⸗ richtet. Dort hatte die Witwe Heinrich Meier auf dem Kirchhof Blumen gestohlen und ver⸗ kauft. Ob sie nun rückfällig ist, ob sie den Diebstahl aus Not oder Profttsucht ausgeführt hat, wird nicht mitgeteilt. Gleichb iel erscheint aber die von der Strafkammer erkannte Strafe von 1½ Jahren Zuchthaus als eine ganz außergewöhnliche harte, besonders im Hin⸗ blick auf die überaus milden Urteile, die täg⸗ lich gegen Millionendiebe, Börsenschwindler, „ und Soldatenschinder erlassen erden. Krankenka ssen⸗Schwindel. Vor der Strafkam mer in Hanno ver hatten sich dieser Tage die Gründer und Leiter der verkrachten Hülfskrankenkasse„Thalia“ wegen ihres Tuns und Treibens zu verantworten. Unter ihnen sind einige vom Unionprozeß her bekannt der Schreiber Karl Schomburg und Kauf⸗ mann Karl Kurre, von denen sich Schomburg noch in Haft befindet. Ferner sind angeklagt der frühere Vizefeldwebel, Kaserneninspektor und Inhaber eines Militäreffektengeschäftes in Dieden⸗ hofen, auch Hülfsgerichts diener in Frankfurt a. M. Josef Hennes, der jetzt wieder in Hachen⸗ burg ⸗Westerwald unter dem klingenden Namen⸗ 2Landeskranken⸗ und Sterbekasse“ eine neue Hülfskrankenkasse mit ins Leben gerufen hat Der aus Coppenbrügge gevürtige Schlosser Heinrich Wichmann und der jetzt erst 23 Jahre alte Sattler Wilhelm Renner. Schomburg stammt aus Bevern, Kurre wohnt in Linden, beide sind bereits wegen Betruges und Ver⸗ gehens gegen das Versicherungsgesetz vorbestraft. Im März 1903 fand die wichtigste Tätigkeit der Kassengründer statt, die Generalversamm⸗ lung, in der die Vorstandsämter verteilt und die enormen Einnahmen festgesetzt wurden. Schomburg wurde zum ersten, dessen Schwager Renner zum zweiten Vorsitzenden, Hennes auf seinen Wunsch zum Kontrolleur, Wichmann zum ersten, ein inzwischen verstorbener Pole Jachinski zum zweiten Beisitzer und ein Ar⸗ beiter Hoffmann zum Revisor gewählt. Der sogenannte geschäftsführende Vorstand erhielt ein monatliches Gehalt von 350 Mk., 5 Prozent Tantieme von der Einnahme, 20 Mk. Reise⸗ spesen pro Tag außer Fahrgeld 2. Klasse pro Mann zugebilligt. Die Generalversammlung bestand nur stets aus Vorstandsmitgliedern und ein paar polnischen Arbeitern, die von den Be⸗ ratungen überhaupt nichts verstanden. Die Beschlüsse wurden laut Protokoll natürlich alle durch Zuruf gefaßt. Auf Grund dieser Be⸗ schlüsse bezog dann Hennes ein Einkommen von über 7000 Mk., Schomburg ein solches von rund 8000 Mk. aus der Kasse. Festgestellt wurde, daß bei Revistonen und bei Besuchen seitens der Gerichtsvollzieher in der Kasse fast nie Geld gewesen ist. Einen Reservefonds gab es nicht. Aus den Sitzungsprotokollen ging hervor, daß die für Tausende von Menschen verhängnisvollen Beschlüsse des angeblich„wohl⸗ tätigen“ Instituts uur von den Eingeweihten gefaßt wurden.— Die Angeklagten suchten vor Jahren auch in unserer Gegend Mitglieder für ihre„Kassen“, gewannen auch hier und da solche, die dann natürlich ihre Groschen umsonst geopfert hatten. Solchen Gründungen gegen⸗ über ist stets Vorsicht geboten. r 7 Auterhallungs Teil. Massenstreik⸗Marseillaise. Auf, Volk der Arbeit, sei gerüstet, Steh' kampfbereit, klar zum Gefecht! Wenn es dem bösen Feind gelüstet Zu rauben dir dein gutes Recht, Dann schreite ernst zum heil' gen Kriege Mit unerschrocknem Mannesmut, Schür' der Begeist'rung helle Glut Und stürme vor, durch Kampf zum Siege. Wir ziehen ins Gefecht Für unser gutes Recht. Kein Ambos dröhnt, kein Fammerschlag— Heut' ist der Freiheit Tag! Will man das Wahlrecht dir verkümmern, Dann stehe wie ein Baum zum Hauf'; Will die Gewerkschaft man zertrümmern, Dann raff' zur mut'ger Tat dich auf. Will man das Volk in Ketten schlagen, Dann laß' die roten Banner weh'n, Sum Sturm voraus den Heerbann geh'n Beim Trommelschall zu kühnem Wagen. Wir ziehen ins Gefecht Für unser gutes Recht. Kein Ambos dröhnt, kein Fammerschlag— Heut' ist der Freiheit Tag! Vom Bau, vom Acker, aus der Grube, Aus der Fabriken stick' ger Cuft, Aus enger Werkstatt, dumpfer Stube— Herbei, herbei, die Freiheit ruft! Kein Schlot raucht, Ruhe herrscht im Hafen Und alle Räder stehen still, weil es der Arbeit Volk so will— Nicht länger will im Frondienst sklaven. Wir ziehen ins Gefecht Für unser gutes Recht. und angeblich bei dieser noch tätig ist. Weiter: Kein Ambos dröhnt, kein Hammerschlag— Heut ist der Freiheit Tag“ Reicht euch die Hand, ihr Millionen, Sum festen Bunde treuvereint. In Ehren wird die Arbeit thronen, Wenn uns des Sieges Sonne scheint. Wer wagt's, die Freiheit anzutasten?!— Es stockt der Pulsschlag der Kultur, Das Räderwerk der Weltenuhr, Wenn unsere fleiß' gen Arme rasten!— Wir ziehen ins Gefecht Für unser gutes Recht. Hein Ambos dröhnt, kein Hammerschlag— Heut' ist der Freiheit Tag! („Hamb. Scho.“ Hoffnungen. Skizze von F. Feilguß. „Marie!“— So klingt es weich und innig in dem kleinen, aber überall sauber erscheinen⸗ den Dachstübchen, und dabei erfaßt er die Rechte des jungen Mädchens, das vor ihm am Fenster mit den blühenden Nelken sitzt. Nur ihren Namen hatte er genannt, aber das genügt, um eine Welt voll Seligkeit in ihrem Herzen wachzurufen.— Ach, sie war ja so glücklich, daß sie hätte laut aufjauchzen mögen, ob der Freude und Wonne, die in ihrem Herzen ein⸗ gezogen. Ihre strahlenden Blicke schweifen hin⸗ über über das von der Morgensonne über⸗ gossene Meer von Dächern, hinter dem fernen Horizont, um endlich auf dem Antlitz des jungen Mannes haften zu bleiben. Und wäh end sie zu ihm aufsteht voll unendlicher Liebe, ent⸗ fährt es sanft ihrem Munde: „So ist es dennoch wahr geworden, Her⸗ mann, was seit so langer Zeit nur im Traum uns vorgeschwebt! Das große Glück ist zur Wirklichkeit geworden. Ein gütiges Geschick hat es gefügt, daß wir uns angehören dürfen.“ „Ein guͤtiges Geschick, ja du hast recht, Marie“, entgegnete der junge Mann,„nach langer Zeit voller Trübnis sind wir am Ziele unser Wünsche. Nur ein Tag noch trennt uns von der Hochzeit.“ Des Mädchen Antlitz leuchtet auf voll un⸗ endlicher Glückseligkeit. Am liebsten hätte sie laut aufjubeln mögen. Nach Tagen voll bitteren Herzeleides war auch für sie endlich die Freude wieder gekommen.— Sie hatten sich lange schon lieb gehabt. Damals auf einem kleinen Vereinsvergnügen hatten sie sich kennen gelernt und seit jener Zeit hatten ihre Herzen sich gefunden. Hermann Bender, ihr Bräutigam, war Dachdecker. Wie sie von vielen hatte rühmen hören, sollte er ein sehr geschickter Arbeiter sein. Ihrem Herzens⸗ bunde aber schien der Dämon des Schicksals feindlich gegenüber zu stehen. Hermann hatte als einziger Sohn für seine Eltern zu sorgen. Bei seinem Verdienst konnte er bei Lebzesten seiner Eltern nicht daran denken, seinen eigenen Hausstand zu gründen. Zu entsetzlich war ihm der Gedanke, daß sein junges Weib das Leben gleich mit Not und Entbehrung hätte beginnen sollen. Nur eines konnte er rollbringen, ent- weder der Gewalt der Liebe sich unterwerfen, um seinem Weibe ein bescheidenes Heim zu bieten, aber seine Eltern mußten sür ihn dann in den Hintergrund treten, oder er mußte der treue Ernährer von Vater und Mutter bleiben und seiner Braut somit auf unbestimmte Zeit entsagen. Wie manchesmal hatte dieser Ge⸗ danke ihn seiner ganzen Schaffensfreudigkeit beraubt und ihn oft einen Ekel an der Welt empfinden lassen. Nur wenn er dann des Abends mit seiner Marie zusammen kam, und diese ihm gebot nicht zu verzagen, sondern aus⸗ ehen, dann schöpfte er immer wieder Hoffnung. Der Glaube an eine neue, schönere Zukunft hatte ihn nicht betrogen. Vor einigen Wochen hatte er eine ansehnliche Summe in der Lotterie gewonnen. Nun waren die Tage des Harrens vorüber. Das Schicksal war ihnen also freund⸗ lich gesinnt gewesen und Fortuna hatte ihr Füllhorn über Herrmann und Marie ausge⸗ schüttet. Jetzt konnten sie sich angehören, ohne daß er seine Eltern der bitteren Not preis zu geben brauchte. von den Lippen des jungen Mannes, hoch oben 155 80 und freudig der Zukunft entgegen zu — e . —— e — 1— Nr. 45. Mitteldentsche Sountags⸗Zeimung. Seite 7. Wenn das Band fürs Leben geschlossen war, dann wollte er sich ein eigenes Geschäft gründen— und dann mußte ja die Zukunft sich heiter gestalten. f Ganz erfüllt von diesem freudigen Gedanken war er auch heute Morgen vor Marie getreten, um ihr guten Morgen zu wünschen, bevor er sein Tagewerk begann. Ihr holdes Bild sollte ihn bei seinem schweren Berufe umschweben, um ihm die Stunden an diesem letzten Arbeits⸗ tage vor der Hochzeit pfeilschnell entschwinden zu lassen. Eeine Welt voll Hoffnungen in der Brust ist er dann von ihr geschieden. Heute war es grade noch ein sehr böses Stück Arbeit, das ihn erwartete. Es galt am Turm der Stadt⸗ kirche eine Reparatur vorzunehmen. Aber was gab es für ihn den geschickten Kletterer denn eigentlich Schweres? Bezwungen lag das Schicksal, das ihm immerdar feindlich gesonnen gewesen, am Boden. Er war am Ziel seiner Wünsche und Hoff⸗ nungen. Was sollte ihm jetzt noch geschehen? Ihm, der in der Gunst der Glücksgöttin sich sonnte. Bei dem Frühstück spendete er seinen Kollegen zur Feier des Tages reichlich Bier. Er selbst, der im Rufe eines äußerst soliden Menschen stand, hatte wacker mit angestoßen, warum auch nicht? Am Tage vor der Hochzeit! Ach,— er war ja so glücklich, daß er die ganze Welt hätte umarmen mögen. Und darum sollten auch seine Kameraden an seinem Glücke sich freuen.— N Leichten Herzens stieg er auf den Dachstuhl des Kirchturmes. In dem heitersten Blau wölbte sich der Himmel über ihm. Durch den plötzlichen Be⸗ such gestört, flogen einige Dohlen mit heiserem Krächzen davon. Fern am Hortzonte sind die Berge in einen grauen Nebel gebettet. Von unten dringt das Leben und Treiben der Straße zu ihm herauf. f Mit geschickter Hand begann er seine Arbeit. Doch was ist das? Mit einem Male schleicht ein eigenartiges Gefühl ihm nach dem Herzen. Er kann es selbst sich nicht erklären. Wie ein Schleier legt es sich vor seine Augen. Ihm deucht, daß die Berge vom fernen Horizont langsam sich zu bewegen beginnen. Und wie er wieder hinblickt auf seine Arbeit, da ist ihm, als wenn der Turm unter ihm schwände. Seine Glieder zittern— in dicken Tropfen tritt der Angstschweiß ihm auf die Stirn. Immer toller beginnt der Horizont ihn zu umkreisen. Die Dohlen, die ihn umfliegen, scheinen anzuwachsen zu gräßlichen Ungeheuern und unten aus der Tiefe klingt es bald wie Wogen der Brandung, bald wie fernes Glocken⸗ geläute und Orgelbrausen— süß— berauschend — harmonisch. Und doch will er mit Gewalt sich aus diesem Zustand reißen. Vergebens. Vor seinen Augen flimmert es immer toller. Der Stütz⸗ punkt unter seinen Füßen schwindet— seine Hände greifen in Todesangst nach einem Halte, aber— sie greifen ins Leere. Ein Schrei dringt von seinen Lippen— markerschütternd — dann ist es geschehen. Totenstille herrscht wieder um den Turm der alten Stadtkirche. Die Dohlen sind von ihrem lästigen Besuche befreit. In dem er⸗ habensten Blau aber spannt das Himmelsge⸗ „nd die Sonne sendet 1 U N Unten hat man eb f Körper in den Flur eines Hauscs gelragen⸗ Am anderen Tage konnte man in der Zeitung lesen: Gestern ist ein junger Dachdecker von der Stadtkirche abgestürzt. Er war sofort tot.— Allerlei. rechtzeitig die Sampen anzünden Im Herbste, wo die Dämmerung schon immer früh hereinbricht, pflegen die Schulkinder nur zu leicht noch bei ganz unzureichender Be⸗ leuchlung zu lesen und zu schreiben, ja, man steht die Mädchen häufig bis spät in die fast völlige Dunkelheit hinein mit feinsten Häkel⸗ und Strickarbeiten beschäftigt. Da es nun all⸗ gemein bekannte Tatsache ist, daß die unge⸗ wohnte Anstrengung der Augen beim Schreiben, Zeichnen und Lesen in Dämmerlicht ungemein die Augen und das Sehvermögen schwächt und die Kurzsichtigkeit, dieses in abschreckender Weise weiter verbreitete Uebel befördert, so haben Eltern und Erzieher gerade in der Herbstzeit ihr Augen⸗ merk auf die Erhaltung der Sehkraft ihrer Kinder oder Zöglinge zu richten. Zu rechter Zeit die Lampen anzuzünden, sei ihnen in der Jetztzeit ernste Pflicht! Das sogenannte Zwie⸗ licht ist der schlimmste Feind der Augen, den aber rechtzeitige Aufmerksamkeit beseitigen kann. Aphorismen. In den„Gemeinnützigen Blättern“ des Rhein⸗Main⸗Verbandes für Volksvorlesungen finden wir folgende treffende Aphorismen: Vorwärts, vorwärts drängen die Denker und Künstler immer anspruchsvoller und reicher werden die Geister, immer feiner und empfindlicher die Seelen; auf immer engere Kreise konzentriert der Einzelne seine Arbeitskraft zu intensivster Ausbeutung, immer enger wird der Kreis derjenigen, die die vordersten Vorläufer der Kultur noch im Auge zu behalten vermögen. Und das Volk? Ist das wohl die gleiche göttliche Bestimmung der Mensch⸗ heit, daß sich ewig unüberbrückt diese Kluft auftun sollte? Der homo sapiens und die misera contri⸗ buens plebs? * All die Spruchsätze, Zitatensammlungen und Antho⸗ logien! Gekaufte Blumen statt der selbst gepflückten! Eine dünne Bildungstünche zum äußeren Aufputz innerer Hohlheit! Was bedeutet mir doch eigentlich ein Zitat, das ich im Bedarfsfalle irgendwo nach einem alpha⸗ betischen Verzeichnis aufschlage? Es fehlt so vielen Menschen die Fähigkeit innerer Sammlung, die zur Verarbeitung jedes ernsten Buches gehört. Die äußere Sammlung für ein paar Mark soll sie ersetzen. * Wenn man auf den Visitenreisen in den Salons unsre Klassiker stehen sieht, die Namen in Gold⸗ lettern auf dem Buchrücken: Herders„Ideen“, Lessings „Erziehung des Menschengeschlechts,“ Schillers„Aesthe⸗ tische Briefe,“ Goethes„Faust“— ist's nicht oft wie ein Schimmer aus einer ganz anderen, fremden Welt? Toilettenfragen und Küchenzettelsorgen, kleinlicher Kla tsch und geistlose Vereinsmeierei, Kaffeegesellschaften und Stammtischabende, wenn's hoch kommt, Sportinteressen und Sammelliebhabereien und zu dem allen die Geschäfte — wo bleibt für jene Raum? Lebendig machen, was sie gedacht haben, das wäre die Aufgabe! Das Wort„Schlagwort“ ist allmählich selbst zum Schlagwort geworden. Man nennt den Idealismus, die soziale Frage, die Kunsterziehung, die Gewissens frei⸗ heit und so manches andere— Schlagworte, dann ist man damit fertig. Das geht auch mit dem Worte„Volksbildung.“ * Ueber die Gefahren der Halbbild ung kann man viel weise Reden hören. Nun, diese Gefahren zu bekämpfen giebt es zwei Wege: Entweder nämlich, die halbe Bildung zu einer ganzen vertiefen oder das Volk in völliger Unbildung und Roheit lassen.— Der letztere Weg ist natürlich der bequemere. * Die„idealen“ Gedanken unserer großen Denker und Dichter mit einem überlegren Lächeln abtun— das hilft am besten über ihr Unbequemes und Beunruhigen⸗ des hinweg. Denn alle idealen“ Gedanken schmecken 71 Jiculich dctute uu jemand, daß doch eigentlich Lessing, Schiller und Goethe nicht so recht„kirchlich“ gewesen seien. Ich fragte dagegen, ob wohl die Schuld daran allein auf Lessings, Schillers und Goethes Seite gelegen habe? Splitter. Erziehung ist das größte Problem und das schwerste, was dem Menschen kann aufgegeben werden. Denn Einsicht hängt wieder von der Einsicht ab. Kant. Humoristisches. Keine Schweinenot. Ede: Ick bejreife jar nich, wodrum det die Ministers von die„Schweinenot“ nischt wissen wollen? Jude: Aber, Ede, det is doch sehr eenfach! Weil die aus die höheren Kreise sind— und da jiebt et„Schweine“ mehr als jenug! („Südd. Postillon“.) Gemütlich. Student:„Kathi, was habe ich zu zahlen?)— Kellnerin:„Eine Mark fünfund⸗ fünfzig, Herr Doktor!“— Student:„Schön, können Ste mir auf 10 Mark herausgeben?“— Kellnerin: „Jawohl, Herr Doktor, hier acht Mark fünfzig!“— Student:„Gut. Das Zehumarkstück bringe ich Ihnen beim nächsten Mal mit!“ g Unter Patrioten. Gast(an der Festtafel): Kellner— die Kompotschüssel!l Vereinsvorstan d: Unterlassen Sie mal jefälligst solche politische Anspielungen, sonst fliegen Sie naus! Hier sind Sie in keinem Arbeiter verein— verstanden? („Südd. Postillon“.) Das Uhren- und Goldwarengeschäft von D, Kaminka „befindet sich jetzt Marktplatz 11 am Kriegerdenkmal. ——— Literarisches Wie sollen wir unsere Kinder ohne Prügel erziehen? Ueber diese Frage hat Julian Bochardt eine Broschüre im Verlage der Buchha idlg. Vorwärts erscheinen lassen. Der Verfasser geht von dem Gedanken aus, daß die Prügel in der Schule zu verwerfen seien, daß aber auch das Prügeln der Kinder im Hause für das körperliche und geistige Entwickeln des Kindes ver⸗ derblich sei. Er gibt dann vielfache Aaregung, wie man die Kinder ohne Prügel erziehen kann. Der Preis dieser Broschüre beträgt 30 Pfg., diese ist durch die Exped. der Mitteld. Sonntagsztg. zu beziehen. Empfehlenswerte sozialistische Schriften! Von der Expedition der Mitteld. Sonnt.⸗Zeitung Gießen, Rittergasse 17, sind zu beziehen: Die Agrarfrage. Von Karl Kautsky. Eine Uebersicht über die Tendenzen der modernen Landwirt⸗ schaft und die Agrarpolitik der Sozialdemokratie. Preis brosch. 5 Mk., gebd. in Leinwand 6.50 Mk. Ratgeber für Arbeiter, eine Zusammenstellun g der wichtigsten Bestimmungen der Arbeiter Versicher ungs⸗ gesetze und der bürgerlichen Gesetzgebung ꝛc. 20 Bogen Taschenformat. Verlag der Leipziger Buchdru clerei⸗ Aktiengesellschaft. Preis gebunden 1,25 Mk. Lohnarbeit und Kapital. Separatabdruck aus der Neuen Rheinischen Zeitung vom Jahre 1849 von Karl Marx. Preis 20 Pfg. Die Vernichtung der Sozialdemokratie durch den Zentralverband deutscher Industrieller. Preis 20 Pfg. Grundsätze und Forderungen der So zial⸗ demokratie. Von Karl Kantsky und Bruno Schönlank. Preis 10 Pfg. Der Zukunftsstact der Junker. Man⸗ teuffeleien gegen die Sozialdemokratie im preußischen Herrenhaus. Mit Einleitung und Anmerkungen von Kurt Eisner. Preis 20 Pfg. Das Kommunistische Manifest. Von Karl Marx und Friedrich Engels. Preis 15 Pfg. Wider die Pfaffenherrschaft. Kulturbilder aus den Religionskämpfen des 16. und 17. Jahr⸗ hunderts. Reich illustriert. Von Emil Rosenow. In Heften zu 20 Pfg. komplett in 50 Heften. Wahrer Jakob; Süddeutscher Postillon. Witzblätter. Erscheinen alle 14 Tage. Preis 10 Pfg. Freie Stunden. Beste Romanlitteratur. Illu⸗ striert. Wöchentlich ein Heft à 10 Pfg. 5 Generalstreik und Sozialdemokratie. Von Henriette Roland⸗Holst. Mit Vorwort von Kautsky. Preis 1.20 Mk. Intime Briefe Lassalles an seine Familien⸗ Angehörigen. Herausgegeben von Ed. Bernstein. Preis 3 Mk. Die Volksschule, wie sie sein soll. Von Otto Rühle. Preis 30 Pfg. Christliche Arbeiterpflichten. Jesuitische Fragen und sozialdemokratische Antworten. Preis 20 Pfg. Die innerpolitischen Zustände des deut⸗ schen Reiches und die Sozialdemokratie. Von Gg. v. Vollmar. Preis 20 Pfg. Seite 3. Singer Co. Nähmaschinen Act Ges. GIESSEN I Lindenplatz 1. 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