— 8 2 — — 55 — — 2 2 5 1— 8 N FDF Y 2 2— e ee er gütig werein — en. Komsttl 2 n A . I . fländen unseres Nr. 23. Gießen, den 4. Juni 1905. 12. Jahrgang. Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. — Mitteldeutsche Sonntags⸗Jeitu Nedaktionsschluz: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. 1 Abounementspreis: Die Bestellungen Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbr⸗icung. Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Eppedition in Gießen, Rittergasse 17, die Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Juserate Die 5 gespalt. Bei mindestens Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Postanstalt und 4 mal. Bestellung gewähren wir 26% bei 6 mal. Bestellung die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 5107) 33/% ͤ und bei mindestens 2 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Degeneration. Die Degeneration hat in unserem deutschen Volke ungeheure Dimensionen angenommen; die Verwüstungen, die das kapttalistische Zeitalter an der Volksgesundheit anrichtet, sind geradezu rauenhaft. Das wacht sich namentlich an der ugend bemerkbar. Wenn auch die meisten der oberen Zehntausend denken mögen:„Nach uns die Sintflut!“ so gibt es doch auch Elemente unter ihnen, denen einigermaßen bange wird bei dem raschen Verfall der Volksgesundheit, und die auf behördliches Eingreifen, auf staat⸗ liche und kommunale Fürsorge drängen. So berichtet ein süddeutsches Blatt, daß der Schul⸗ arzt des Kreises Worms einen Bericht über die Gesundheitsverhältnisse in den Volksschulen der ländlichen Gemeinden des Kreises erstattet hat. Dieser Bericht dürfte weithin Aufsehen erregen und beweist auch, wie notwendig die, namentlich von der Sozialdemokratie so dringend geforderte, allgemeine Anstellung von Schulärzten geworden ist. Die wirtschaftlichen Verhältnisse im Land⸗ kreis Worms sind nicht so schlimm, wie etwa im schlesischen Eulengebirge oder im sächsischen Erzgebirge. Dennoch ergab die Untersuchung, die der Schularzt des Kreises Worms unter⸗ nommen hat, ein ganz überraschendes Resultat. Er hat etwa 8000 Kinder untersucht und hat dabei über 2500 als krank oder leidend bean⸗ standet. Und das in einem ländlichen Kreise, wo nach den Behauptungen unserer Agrarier die Gesundheitsverhältnisse so bedeutend besser sein sollen, als in den Städten! Und wie mag es erst da aussehen, wo die allgemeinen wirtschaft⸗ lichen Verhältnisse schlechter sind, die Lebenshal⸗ tung niedriger ist, als im Wormser Landkreis! Der Worqaser Schularzt hat bei den Kindern der Landbevölkerung sehr viel Tuberkulose und Skrophulose vorgefunden; Rückgratsver⸗ krümmung war auch sehr häufig; desgleichen Augen⸗ und Ohreuleiden— auch in dem Bericht des Gießener Schularztes ist ähnliches zu lesen.— Besouders auffallend war, daß bei so vielen Kindern die Zähne schadhaft waren; dies ging in einzelnen Schulen bis zu 90 pzt. der Schüler. Die Gründe dieser Erscheinung müssen erst erforscht werden. Die Wormser Kreisverwaltung hat nicht unansehnliche Mittel für die Pflege und die ärztliche Behandlung der kranken und siechen Schuljugend ausgeworfen; dazu werden von berschiedenen Seiten Ferienkolonien resp. Ferien⸗ heime für die ländlichen Schüler und Schüle⸗ rinnen vorgeschlagen. Das ist alles recht gut und schön und lobenswert, aber„unzufrieden“, wie wir nun einmal sind, können wir in alledem keine ernst⸗ hafte Bekämpfung des Uebels erblicken. Die Degeneration wird, wenn man diese Art von Fürsorge vervollkommnet, vielleicht in einem etwas langsameren Tempo vor sich gehen, aber aufgehalten wird sie nicht. Wer die deutschen Verhältnisse einigermaßen kennt, wird darüber auch gar nicht erstaunen. Weitaus der größte Teil des deutschen Volkes lebt im Zustande der Unterernährung und die Wirkungen dieses recklichen Elends machen sich eben auch an sch g . Jugend bemerkbar. Lange Zeit ist es gar nicht so bekannt gewesen, unter welchen Zu⸗ Volkes Jugend die dürftige Bildungsausstattung sich aneignen muß, die ihr die Volksschule bieten kann. Erst in neuerer Zeit haben menschenfreundliche Lehrer diesen Abgrund aufgedeckt. Sie stellten fest, daz ein sehr großer Prozentsatz der Kinder, ohne e in Frühstück genossen zu haben, zur Schule kommt, daß ein anderer nicht geringer Prozent⸗ saz auch über Mittag ohne Nahrung bleiben muß, und daß ein anderer großer Prozentsatz nur mit ganz unzureichenden Nahrungsmitteln den Tag über versehen ist. Das ist namentlich der Fall, wo die Eltern beide für den Unter⸗ halt der Familie arbeiten müssen und die Frau und Mutter sich den Tag über um ihren Haus⸗ halt und um ihre Kinder nicht bekümmern kann. Aus Mitleid haben die oberen Zehutausend vielfach Kinderküchen eingerichtet, in deuen die armen Schulkinder für 5—10 Pfennig Nahrung haben können; auch kann ein Kind, dem seine Eltern gar nichts mitgeben, umsonst eine Speise⸗ marke bekommen. Die aus Privatmitteln er⸗ richteten Kinderküchen siud, so löblich ihr Zweck an sich sein mag, doch nur ein Tropfen auf einen heißen Stein. Auf dem Lande sind solche Einrichtungen jedenfalls nur sehr schwer oder gar nicht durchführbar, da die wohlhabende bäuerliche Bevölkerung zu solchen Veran⸗ staltungen nicht heranzuziehen ist. Da kann nur Wandel geschaffen werden, wenn den Gemeinden vom Staat die Fürsorge für die Jugend auferlegt wird. Aber auch damit wäre noch nicht viel getan. Mehr als irgend ein anderer Faktor ist der Klassenstaat geneigt, den Brunnen erst dann zuzudecken, wenn ein oder auch mehrere Kinder hineingefallen sind. Muß man die Degeneration erst abwarten und sie vorschreiten lassen, ehe man sich zum Einschreiten entschließt? Ein deutscher Professor hat jenes frivole Wort von der Vortrefflichkeit der Kriege gesprochen, die nach seiner Meinung von der Vorsehung dazu bestimmt sein sollen, mit dem„skrophulösen Gesindel“ aufzuräumen. Glücklicherweise denken die Männer der Wissenschaft im allgemeinen doch nicht so roh; aber auch nicht so dumm. Denn das immer weitere Kreise unseres Volkes schon in der Jugend ergreifende Siechtum ist ein Ausfluß unserer Gesellschaftsordnung und die Leiden eines„frischen fröhlichen Krieges“ könnten dasselbe nur vermehren, niemals aus der Welt schaffen. Die Entdeckungen des Wormser Schularztes erscheinen wie ein warnendes Flammenzeichen an der Wand, wie ein düsteres Mene Tekel gegenüber den in ihre Genüsse versunzenen herrschenden Klassen. Was soll aus Deutschland und dem deutschen Volke werden, wenn seine Jugend so dem Siechtum und der Degeneration verfällt? Und wie ein Hohn erscheinen jene Gesänge der Dichter, in denen die Vorzüge des deutschen Volkes gepriesen werden, wenn man sieht, wie dies Volk unter einer erbarmungs⸗ losen Ausbeutung in Verfall gerät! Es ist freilich die industriell⸗kapitalistische und die agrar⸗kapitalistisch⸗feudale Ausbeutung nicht allein, die solche Erscheinung zeitigt. Der Kampf um die Nahrungsmittel, der unserem Volke seine kärgliche Nahrung ver⸗ teuert und verschlechtert, steigert seine verheerenden Wirkungen. Sie werden noch be⸗ deutend höher gesteigert werden, wenn erst die Handelsverträge in Kraft treten. f des triebskapital, Wir wollen nur hoffen, daß das Verfahren Wormser Schularztes Nachahmung findet, wenn wir auch der Meinung sind, daß der größte Teil der herrschenden Klassen auch durch die bedenklichsten Erscheinungen dieser Art aus seiner Trägheit und Genußsucht nicht aufge⸗ rüttelt werden kann. Wäre die Qualität des Patriotismus dieser Elemente echt und besäßen sie nur den hundertsten Teil von der Quantität von Patriotismus, die sie sich bei ihren Festen in selbstlobhudlerischen Toasten zuschreiben, dann könnten sie die fortschreitende Degeneration der Massen in Stadt und Land nicht so ruhig mit ansehen. g Und der Klassenstaat hat ja keine Mittel. Er hat keine Mittel, um den Lungenheilan⸗ stalten unter die Arme zu greifen; das groß⸗ mächtige Deutsche Reich mit seinem Riesenbudget von über zweitausend Millionen hat zwar Mittel für afrikanische Kolonien, aber um das Siechtum im eigenen Volke zu be⸗ kämpfen, ist es zu arm. So lange die Unternährung in unserem Volke nicht beseitigt wird, muß die Degeneration fortschreiten. Dazu muß aber eine gründliche Umkehr stattfinden und die agrarische Beute⸗ politik unmöglich gemacht werden. H. Echo. Die Gemeindesteuer-Reform in Hessen. II. In unserem ersten Artikel haben wir das Wesen und die Tendenz des Gemeindesteuer. gesetz⸗Entwurfs in möglichster Kürze gekenn⸗ zeichnet. Wir kamen zu dem Schluß, daß er vielfach eine Belastung der Leistungsschwächeren zu Gunsten der Leistungsfähigeren involviere. Diese Tendenz kommt durch die Ausnahme⸗ bestimmungen des Entwurfs so recht zur Geltung. Da ist zunächst die Befreiung der zu Zwecken der Hofhaltung benutzten Schlösser und Paläste des Großherzogs und die dazu gehörenden Gebäude, Gärten und Anlagen, die frei bleiben von der Grundvermögenssteuer, ebenso die Grundstücke und Gebäude der Kirchen und rechtsfähigen Religionsgesellschaften, soweit sie dem öffentlichen Gottesdienst oder der öffent⸗ lichen Totenbestattung dienen. Bei der Gewerbebetriebsvermögenssteuer ist es der Art. 8, welcher Ausnahmen zuläßt, darunter auch jene, daß die Rechtsanwälte der Steuer nicht unterliegen. Ein Versuch, bei diesem Artikel die Arbeiter⸗Konsum vereine zur Gewerbevermögenssteuer heranzuziehen, mißlang glücklicherweise. Ganz besonders ist es aber der Art. 11, welcher, obschon er auch Erhöhungen zuläßt, dazu dienen wird, etwa zu hoch gegriffene Gewerbetreibende teilweise oder ganz von der Betriebsvermögenssteuer zu befreien. Andererseits soll der Art. 11 dazu dienen, jene interessanten Betriebe zur Gemeindesteuer heranziehen zu können, welche es verstehen, so abzuschließen, daß sie weder zur Einkommen⸗ noch zur Vermögenssteuer herangezogen werden können. Und derartige Betriebe gibt es im Lande mehr als mancher denkt, sodaß wir in dieser Richtung der Absicht des Entwurfs nur zustimmen können. Erleben wir es doch, daß es eine Braueret gibt mit 7844314 Mk. Be⸗ die kein Einkommen und kein Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 23. Grundvermögen hat; daß eine Malzhandlung mit 3 058 907 Mk. Betriebskapital ohne Ein⸗ kommen und Grundvermögen existtert und daß eine Maschinenfabrik mit 1380 099 Mk. Be⸗ triebskapital und 400 335 Mk. Grundkapital keinen Pfennig verdient haben will! Für diese eigenartigen Gebilde— die übrigens nicht gerade künstlich gestaltet sein müssen— ist auch der Art. 15 bestimmt, welcher den Gemeinden das Recht gibt, durch Ortsstatut festzustellen, daß derartige Betriebe nach dem Ertrag eines bestimmten Zeitraumes, nach der Zahl der beschäftigten Hilfskräfte, nach einer Verbindung von Ertrag, Hilfs⸗ kräften und Betriebskapital, oder nach anderen Merkmalen für den Umfang des Betriebes zur Gewerbebetriebsvermögenssteuer herange⸗ zogen werden. Beim Kapitalvermögen bringt Art. 18 wieder die üblichen Befreiungen von dieser Steuer für die Mitglieder des Großh. Hauses, für die Religionsgemeinschaften und für Per⸗ sonen, die dem hessischen Staatsverbande nicht angehören und die im Großherzogtum eine mit Erwerb verbundene Beschäftigung weder aus⸗ üben noch ausgeübt haben. Das ist die berüchtigte Bestimmung, die den„ausländischen“ Rentner befreit von der Kapitalvermögenssteuer, während der„in⸗ ländische“ Rentner, der sich sonst in ganz gleichen Verhältnissen befindet, von dieser Steuer nicht befreit ist. Und diese famose Bestimmung wird noch erweitert durch den Artikel 35, wonach,„wenn besondere Verhältnisse der Ge⸗ meinden es rechtfertigen“, durch Ortsstatut be⸗ stimmt werden kann, daß derartige glückliche Fremde bis zur Dauer von 3 Jahren ganz oder teilweise von der Gemeinde⸗ Einkommensteuer befreit werden können. Daß die Mehrheit des Ausschusses diese Bestimmungen gutgeheißen, kennzeichnet den Geist, der dieselbe beherrscht. Allein am schlagendsten trat dieser Geist in die Erscheinung, als der Art. 32 beraten wurde. Dieser Artikel bestimmt, daß die Gemeindesteuern vom Grundbesitz und vom Gewerbebetrieb nach einheitlichem und gleichmäßigem Satze für je 100 Mk. des auf volle hundert Mark nach unten ab⸗ gerundeten Wertes des dieser Steuer unter⸗ liegenden Grundbesitzes und Anlage⸗ und Betriebskapitals und für je 200 Mk. des in gleicher Weise ermittelten Kapitalvermögens erhoben werden; mit anderen Worten: das Kapitalvermögen hat nur halb so viel Steuern zu zahlen, als das Grundbesitz⸗ und Gewerbe⸗ betriebsvermögen! Hier setzte die Mehrheit wieder ein und suchte die Steuer der Kapitalisten auf ein Drittel von dem herabzud rücken, was Grundbesitzer und Gewerbetreibende zu zahlen haben. Und als das zu heftigen Widerspruch bei der Minderheit fand, ließ man das Ver⸗ hältnis von 1 zu 2 bestehen, beschloß aber, die Pos. 5 des Art. 35 so zu fassen, daß durch Ortsstatut bestimmt werden könne, daß das Kapitalvermögen mit einem geringeren Werte, jedoch nicht unter einem Drittel der Grundbesitz und Betriebssteuer herabgesetzt werden könne. Die armen Kapitalrentner noch mehr als um ein Drittel zu entlasten, geht also nicht an. Immerhin hat der Ausschuß in der Schonung der Kapitalisten mehr geleistet, als die Regierung sich zu leisten getraute, und zwar mit der ausdrücklichen Erklärung, daß sie den Landtag so eingeschätzt, daß er für eine weitergehende Entlastung der Kapitalvermögen als die Re⸗ gierung vorgesehen, nicht zu haben sein würde. —— politische Nundschau. Gießen, den 1. Juni 1905. Was kosten die Pa raden? Die„Kaisertage“ in Mörchingen in Lothringen sollen nach der bürgerlichen Presse sehr erhebend verlaufen sein. Man höre nur, was der„Straßb. Bürgerztg.“ aus Mörchingen u. a. darüber geschrieben wird: „... Für die bei dem einstündigen Ge⸗ fechte veranlaßten Flurbeschädigungen hat die Militärbehörde angeblich— man ist ja nie in der Lage, sich hierüber Gewißheit zu verschaffen und muß mit dem vorlieb nehmen, was als öffentliches Geheimnis in der Luft herumflattert also angeblich 40000 Mark ausgesetzt. Zu bezweifeln bleibt jedoch, ob diese enorme Summe ausreichen wird!? Herzzerreißend war es, zu sehen, wie sich das militärische Gefechtsspiel durch die blühenden Saaten wälzte. Mußte denn ein Gefecht gerade zur jetzigen Jahreszeit erprobt werden und welches ist der reelle, welches der moralische Wert solcher Ver⸗ 90 15 die man sich mit einem Federstrich 40 000 Mark aus dem Säckel der Steuerzahler kosten läßt? Man erinnert sich, wie außer⸗ ordentlich schwierig in einzelnen Gegenden besonders voriges Jahr infolge verunglückter Vermittelung durch die Arbeitsnachweiszentrale in Straßburg die Gewinnung von militärischen Arbeitskräften um die Erntezeit war! Hier in Mörchingen erlebten wir nun, daß die ganze Garnison zu Häuserausschmückungsarbeiten auf⸗ geboten war.... Bei den endlosen Reisen, die der Kaiser jahraus jahrein die Kreuz und die Quer durch Deutschland unternimmt, werden ungeheuere Summen an barem Geld wie an resultatloser Arbeitskraft vergeudet. Eine Statistik über Dekorationsgelder würde erschreckende Zahlen ergeben, man würde vor Summen stehen, mit denen in sozialer Hinsicht außerordentlich Gutes gewirkt werden könnte.“ Felder werden verwüstet, Ernten, die Frucht monatelangen Schweißes, vernichtet in einer Stunde! Warum? Nur glänzender Schauspiele wegen, deren Wertlosigkeit von Fachleuten ein⸗ dringlich genug gepredigt wird. Junge Männer, die zwei Jahre lang aus ihrer Wirksamkeit gerissen werden, um„zum Schutze des Vater⸗ landes“ das Waffenhandwerk zu erlernen, werden damit beschäftigt, Häuser zu dekorieren. Viel⸗ leicht gehört das auch zum Kriegshandwerk. — Wer aber zahlt die verstampften Saaten, die verwüsteten Fluren? Wer zahlt die praktisch wertlosen glänzenden Spiele des Militarismus? — Das arbeitende Volk! Nutzlosigkeit des Parademarsches. Unsere Genossen im Reichstage haben stets darauf hingewiesen, daß der Parademarsch auch vom militärischen Standpunkte vollkommen wertlos sei. Zu dieser Ansticht scheint sich jetzt auch der Kaiser bekehrt zu haben, denn er soll, wie Oberst a. D. Gädke im„Berl. Tagebl.“ erzählt, nach Abhaltung der Parade über das 145. Regiment im Kasino gesagt haben: „Meine Herren! Der Parademarsch meines Regiments war nicht gerade berühmt; aber ich habe beide Augen zugedrückt, weil man mit dem Parademarsch nicht den Feind schlägt. Das haben die Japaner gezeigt, die keine gute Parade machen, aber gut marschieren und kämpfen.“ Wird man nun endlich aufhören, die Sol⸗ daten mit dem nutzlosen Parademarsch zu quälen? Gewissenloses Spiel mit Menschenleben trieb der Leutnant Hugo Moser vom 22. bayr. Infanterie⸗Regiment in Zweibrücken, der sich am Montag vor 8 Tagen vor dem Kriegs⸗ gericht in Land au zu verantworten hatte. Er ist der fahrlässigen Tötung des Infanteristen Karl Haager, Bergmanns aus Kirkel⸗Neu⸗ häusel, angeklagt. Die Verhandlung ergab folgenden Tatbestand: Die 6. Kompagnie des 22. Infanterie⸗Regiments hielt am Freitag, den 14. April, auf dem vorgenannten Schieß⸗ platz Schulschteßen ab. Da der Infanterist Haager schlechte Schießergebnisse erzielte, ging Leutnant Moser auf Haager zu und gab ihm Aufklärung über Anschlagübungen. Er stellte sich vor Haager, nahm ihm das Gewehr ab und zielte auf Haager, worauf Haager einen Schritt beiseite machte. Leutnant Moser sagte, er solle stehen bleiben, es könne ihm ja nichts passieren, da das Gewehr gestchert sei, was seitens des Haager nicht bestätigt wurde. Leutnant Moser soll nach der Aussage eines heute vernommenen Zeugen zu Haager gesagt haben:„Wenn ich Sie auch tot⸗ sebieße, so ist nicht viel verloren.“ Das nichtgesicherte Gewehr ging los, das Geschoß fuhr dem Haager unterhalb der Nase in den Kopf und ging am Hinterkopfe wieder heraus. Haager stürzte tot zu Boden. Nach Aussage des Oberstabsarztes war die Verletzung eine derartige, daß der Tod sofort eintreten mußte. Nachdem der Leutnant gesehen, was er angerichtet, packte er sich am Kopfe und rief aus:„Ach, was mach ich jetzt!“ Nach Aussage des Regiments⸗Büchsenmachers Franz war die Sicherung am Gewehre in ganz normalem Zustande, Leutnant Moser müsse den Fundh der Sicherung ohne Wissen bei der andhabung am Gewehre herumgedreht haben. Sämtliche Zeugen sagen bestimmt aus, daß das Gewehr des Haager gesichert war. Die Annahme, daß das Gewehr durch Au⸗ streifen des Rockärmels an der Sicherung ent⸗ sichert worden set, ist vollständig ausgeschlossen. Der Angeklagte selbst kann über den Vorfall keinen Aufschluß geben, er verhält sich während der ganzen Verhandlung sehr passiv, der Ver⸗ treter der Anklage beantragte 1 Jahr 3 Monate Festungshaft, und stellte es dem Gerichte anheim, den Angeklagten aus dem Dienste zu entlassen. Das Gericht erkannte auf ganze 9g Monate Festungshaft, von der Dienstentlassung wurde abgesehen. Eine milde Sühne für den Tod eines Menschen, und wenn es auch nur ein„Gemeiner“ ist. Es spricht ganze Bände über die„Höhe“ der Gesinnung des Offiziers, der gefühlsroh über den Tod eines„Kameraden“ meint:„Es ist nicht viel verloren!“ Bezeichnend ist es, daß das Gericht einen Mann solcher Denkungsart weiter des Offiziersranges für fähig hält, be⸗ zeichnend für den Militarismus, der die Klassen⸗ scheidung und Klassenjustiz ebenso übt, wie sein Vater, der Kapitalismus. 5 ö Verurteilung der saarabischen Willkürherrschaft. Der„saarabische Prozeß“ hat mit der Ver⸗ urteilung des Bergmanns Krämer zu 200 Mk. Geldstrafe geendet. Das Gericht billigte ihm den Schutz des§ 193(Wahr⸗ nehmung berechtigter Interesser) zu. Das Urteil kommt tatsächlich einem Frei⸗ spruche gleich, es bedeutet eine eutschiedene Verurteilung des Systems der Hilger und Konsorten, der nationalliberalen Wahlterro⸗ risten. Der Staatsanwalt hatte selbst nur 300 Mk. beantragt.— Schon der Saarbrücker Prozeß hat der Welt das Saarsystem in seiner ganzen Nacktheit gezeigt, aber das Gericht nahm dort die Schilderungen skrupelloser Wahl⸗ beeinflussung als nicht erwiesen an. Anders die Strafkammer in Trier! Nur wegen for⸗ meller Beleidigung wurde auf eine Geldstrafe erkannt. Das Saarsystem ist somit also auch vor einem Gericht öffentlich verurteilt worden. Es wurde erwiesen, daß preußische Beamte die gesetzlich gewährleistete Wahlfreiheit annullierten und die Arbeiter mit der Hungerpeitsche zwangen, sich politisch zu prostituieren; es wurde ferner erwiesen,— wenigstens für die Oeffentlichkeit— daß dieses System brutaler Entrechtung der Arbeiter auch von oben Billigung fand. Selbst Beamte, welche sich nicht dazu hergeben wollten, den Arbeitern das Wahlrecht zu nehmen, mußten „fliegen“. Und dabei handelte es sich in der Mehrzahl nicht etwa um sozialdemokratische Arbeiter, sondern um Zentrumsanhänger. Das Saarsystem ist das Wahlsystem nach dem Herzen unserer Reaktionäre! N Der Bergmann Krämer hat gegen das Urteil Revision eingelegt. Die Hamburger Wahlrechtsräuber waren vorige Woche an der Arbeit. Die Ver⸗ handlung am Mittwoch dauerte fünf Stunden. Die meisten bürgerlichen Redner erklärten ihre Zustimmung zu der Vorlage, die Soztaldemo⸗ kratie lehnte scharf ab und verlangte mindestens — — „„ F FTT. ., Ä 8 Nr. 23. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. Seite. sei, eine Ausschußberatung, von der indes keines⸗ daß der gegen die englichen Fischerbote so sieg⸗ vorschlagen. Die zweite Gruppe von Auträgen igt wegs sicher ist, daß sie zugestanden wird. Der reiche Admiral Roschdjestwensky mit seiner will die Ausarbeitung dieses Statuts erst nach age Senat empfahl die Vorlage, die in„maßvoller] Flotte die Straße von Korea passiert habe und den Vorschlägen der Generalkommission auf ger Weise“ den drohenden Gefahren begegne und dort von den Japanern angegriffen worden dem nächsten Kongreß vornehmen. Die dritte ot; allen Parteien einen entsprechenden Einfluß] sei. Bei dem Kampfe wurde die russische Gruppe beschränkt sich darauf, anzuordnen, daß 0 sichere. 0 Flotte größtenteils vernichtet. Eine Ueberschüsse aus derartigen Sammlungen der a5 Die Heylsche„Wormser Zeitung“, die sich] in Washington eingelaufene amtliche Depesche Generalkommisston verbleiben und zum Grund⸗ ase schon ziemlich unverblümt für Abschaffung des aus Tokio besagt, daß die ganze baltische stock eines außerordentlichen Kampffonds werden der Reichstagswahlrechtes ausgesprochen hat, ist Flotte vernichtet ist. Sämtliche Schiffe][follen. Nach einer längeren Diskusston fand en. von dem Hamburger Wahlrechtsraub natürlich] seien in Grund gebohrt, und zwei hätten die die Abstimmung statt, in der folgende prinzipielle die ganz entzückt. Sie schrieb: Japaner erbeutet. Nicht bloß Nebogatow, Richtlinien angenommen werden: ort„Wer nicht reine Interessenpolitik betreibt, sondern auch die Admirale Roschdjestwenski] 1. Der Kongreß macht es allen Gewerk⸗ en, wer nicht auf das allgemeine Wahlrecht in und Fölkersahm sind gefangen. schaften zur Pflicht, ihre regelmäßigen Beiträge pft allen Lebenslagen eingeschworen und wer Die Schlacht habe am Samstag nachmittag so hoch festzusetzen, daß sie auch größeren An⸗ nicht unheilbar verliebt in die Sozialdemokratie] zwischen 3 und 4 Uhr begonnen. Es ließ sich forderungen gegenüber die finanzielle Selbst⸗ ers ist, muß dem soliden, staatsmänni⸗ wohl denken, daß die Japaner der russischen tändigkeit sichern und bei der Beschlußfassung 15 schen Plan des Hamburger Senats Flotte es nicht so leicht machen würden, nach über Streiks sich immer im Rahmen der eigenen den seine volle Achtung zuteil werden Wladiwostok zu kommen. Leistungsfähigkeit halten.(Einstimmig). der lassen. 8 200 2. Die Generalkommisston erhält das Recht, en. Man entschließt sich in Hamburg, ein N in Verbindung mit den Zentralvorständen in 15 allgemeines Recht, das zu einem Un⸗ Im Reichstage ganz besonderen Fällen Sammlungen auszu⸗ ar. recht, nämlich zur Alleinherrschaft lebt Mitt ö bedeut⸗ schreiben.(Einstimmig.) lu. elner radikalen Partei zu werden erlebte man am Mittwoch eine hochbedeut⸗ 3. Die Sammlungen sollen möglichst durch lt. drohte, einzudämmen. same Szene. Schlot⸗ und Krautjunker, die Extrabeiträge aufgebracht werden.(Gegen zahl⸗ 0 Also das allgemeine Recht“ wird zum Bergtyrannen vom Rhein und die Sklavenhalter reiche Stimmenthaltungen.) al Unrecht, wenn das Volk von diesem Gebrauch aus Kassubien, Junker und Junkergenossen, der 4. Die Generalkommisston wird Zentralstelle 5 macht. Das ist die Logik aller Wahlrechts⸗ ganze Janhagel des pferdestallduftenden borus⸗ für die gesammelten Gelder.(Gegen eine große = ende. Der Geldsack will befehlen, der Arbeiter sischen ftleinabels mit seinen streberischen bürger. Minderheit.) N g 10 soll schuften und das Maul halten. lichen Mitläufern, die Schmarotzer der Grund⸗ Die Frage, ob auch die Partei Sammellisten 10 5 Erl rente und die Ritter vom dicken Geldsack haben ausgeben soll, wird einer Vereinbarung der 9 Die Nachwahl in Fürth⸗Erlangen, zugunsten des preußischen Klassenparlaments Generalkommission mit der Partei überlassen. 10 welche durch die Ungüntigkeitserklörung der gegen das allgememe Wahlrecht revoltiert. aur Ausarbeitung der gefaßten Beschlüsse 10 Wahl Barbecks notwendig geworden ist, hat] Dieselben Leute, die sich in heuchlerischen Tiraden] wird eine Kommtssion von 15 Mitgliedern ein⸗ 0 für uns bedeutendes Interesse. Diesen Wahl⸗ über das Verhalten der Linken im Zollkampf gesetzt.. N i 105 kreis vertrat von 1898 bis 1903 unser Genosse J ergingen, haben zu dem von ihnen so oft ver⸗ In der Nachmittagssitzung beschäftigte sich a Segitz, der bei der letzten Wahl leider den] dammten Mittel der Obstruktion gegriffen, um der Kongreß mit der Frage des Heimarbeiter⸗ . vereinten Gegnern unterlag. Von 1881 bis zu verhindern, daß der Reichstag die Reform schubes und der Abschaffung des Kost⸗ 6 1898 war der Wahlkreis in den Händen der] des Bergrechts in seine Hand nimmt; nachdem und Logiszwanges beim Meister. 65 Freisinntgen Volkspartei, zu der auch der Sieger[das preußische Abgeordnetenhaus beides, seine] Stühmer⸗Berlin befürwortet folgenden Antrag: 15 von 1903, Herr Barbeck, gehörte. Daß den] Unfähigkeit und seinen bösen Willen, so über⸗[„Der Kongreß erklärt: Die Forderungen des dh Freistnnigen der Wahlkreis schon lange nicht aus glänzend dokumentiert hat. Eben hat erst Heimarbeiterschutzkongresses in Berlin an die art mehr zukommt, zeigen die Wahlziffern von die Linke zugelassen, daß der konservative Gesetzgebung sind das Mindeste, was zum Schutze be⸗ 1903. Damals erhielt Segitz 12031, Barbeck Inttiativantrag von Treuenfels, der ein neues der Heimarbeiter verlangt werden muß. Es 10 born der nabonalliberale Kandidat 303% der] Ie sches Nrwwileg fordert, zur Beratung kam. hat den Anschein, daß die Reichsregierung gar 2 konservative 2866 und ein Zentrumskandidat] Die Rechte hat ihren Dank abgestattet, indem nicht gewillt ist, diese Materle gesetzlich zu 1351 Stimmen. Bei der Stichwahl vereinigte sie durch Verlassen des Saales das Haus regeln, weil sie trotz eller Erhebungen bis jetzt sich alles gegen Seg'tz und Barbeck stegte mit beschlußunfähig machte und so werhinderte, dem Reichstage noch nicht einmal einen Heim⸗ 15505 gegen 13553 sozialdemokratische Stimmen. daß am Wonnerstag die Inttiativanträge arbeiterschutzgesetzentwurf unterbreitet hat. Die i Wir dürfen wohl erwarten, daß unsere Genossen] des Zentrums und unserer Fraktion über das Arbeitervertreter im Reichstage werden aufge⸗ ti in den seitdem verflossenen zwei Jahren tüchtig] Bergrecht zur Beratung gelangen. Eben fordert, die Regierung fortgesetzt an ihre Pflicht z an der Aus wetzung der Scharte gearbeitet haben hat sich erst der Junkerfreund Paasche beschwert, zu erinnern, bezw. einen selbständigen Gesetz⸗ icht und diesmal den Wahlkreis zurückerobern werden. daß Abgeordnete, die einen Antrag auf nament⸗ entwurf einzubringen. Ferner verpflichtet der hr, 5 liche Abstimmung gestellt haben, an dieser Ab⸗ Kongreß fämtliche Gewerkschaften, nach Kräften 10 Ueberflüssige Reisen. stimmung dann nicht teilnehmen. Jetzt hat die alle Bestrebungen zu unterstützen, die geeignet 5 Mit dem deutschen„Speztalgesandten“ in] Rechte nebst einem Teile der Wos sind, eine Besserung der elenden Zustände in ene Fez, Grafen Tattenbach, will ein Vertreter des eben unter Paasches Führung 10 0 e. 11 den Heimarbeitsindustrieen herbeizuführen. nd Echo de Paris eine Unterredung gehabt haben, worüber 11 1 4 1 0 9 10 5 93 tem Nach längerer Diskussion wird in der Abstim⸗ „ u deren Verlauf der deutsche Diplomat folgende 9% 0 aß Mert 11 1 den mung die Resolution Stühmer und ein Antrag ur sehr vernünftige Aeuzerung getan haben soll: 15 15 1 1 85 e der Reichs- Wiegbaden, beim Bundesrate die Ausdehnung Er„Wir Gesandten hätten insgesamt die müh⸗ wird, daß no 6 01 1 15 Berg beit 825 der Alters und Invalidenversicherung auf die 2 same Exkursion nach Fez sparen können. In 1 a gesetz lich pr 7 70 1555 as Heimarbeiter zufordern einstimmig angenommen. iht Tanger wäre wohl auch ein grüner Tisch ache ig In f 5 ae ene Auch die Resolution, die sich sehr scharf gegen all⸗ zu finden gewesen.... Nun werden wir Fon 1 0 0 5 918 0 if für ihr Verhalten im den Kost. und Logiszwang beim Meister aus⸗ ers in Fez mit einunder und mit den Mächten 1 00 8 0 1 5 0 140 Verständigung“ spricht, wird etustimmig angenommen. Nach⸗ bo konversteren, das ist der Unterschied.“ 17 1 f Kosten der ergaben 17 7 dem sich beim letzten Punkt des Vorstands⸗ fe Ja, es wird mächtig viel Zeit und Geld in 65 0 1 Nach den bishert 0 Verhalten berichtes: Cor respondenzblatt und 9 biöchst überflüssiger Weise verfahren! 10 bereitelt. Nach 1 lich in Au Zentralarbeitersekretartat der Ge es Zentrums ist hierzu natürlich wenig Aus⸗ neralsekretär R. Schmidt- Berlin ausführlich 15 1 Wieder ein Bluthund gerichtet.„ 5 sulgten nacß bret 5 1 geäußert, wurden die Beratungen Ver mittag 3 Uhr] Am gleiche ge erfolgten, auf Mittwoch vertagt. b. r l AVakaschidse, durch eine Bombe getötet;] wahlen. Und zwar wurde das Mandat des der Kongreß mit der Genossenschafts⸗ 167 bbenso ein Kosakenofftzier, der zufällig vorbei⸗ e 11 5 rl(Wahlkreis Tun frage, über die der Genosse v. Elm aus⸗ ging. Der Kutscher wurde verwundet.— Fürst der beiden 13116 5 führlich referierte. Von einzelnen Rednern * Nakaschidse hat die Greuel von Baku, die zu Kuln) und Korfanty(fattowitz) kasstert. wurden die Arbeitsbedingungen der Konsum⸗ l Anfang dieses Jahres in der ganzen Welt] Die weiteren Verhandlungen boten kein beson⸗ vereinsangestellten einer scharfen Kritik unter⸗ tel, einen Widerhall des Abscheus und Entsetzens deres Interesse. zogen, wogegen sich von Elm verwahrte. Als ben erregten, wenn nicht direkt in Szene gesetzt, so b Letzterer sich zu der Aeußerung herbeiließ, daß e eee de benden de Gocdelene Soziales, Oewerbschafllches dig ae ahr Ford range Men, e verschuldet.— Die Ermordung des Gouverneurs Oiales, 0„ auch unvernünftige 25 51 Ne bt in Petersburg ungeheure Aufregung hervor⸗ Arbeiterbewegung. stand ein ungeheurer Skandal, der durch die ub gerufen, weil man ersteht, daß die Ruhe im 2 e Ein pn A Aas 1 1 0 bare iche ist.— after Kongreß der Gewerkschaften Ein Antrag, die Konsumvereine anzuweisen, daß Reiche eine mehr scheinbare als h f Denlsclands, Die Vormittagssitzung am nur die Gewerkschaftsarbeitsnachweise zu berück⸗ Dienstag beschäftigte sich 15 dem. cee 1 52 ein Fa 11 N i Streikreglement un Streik⸗„Gewerkschaftstarife un orderungen allge⸗ 1 0 Russisch⸗japanischer. 1 ng. Drei Wine 55 meinen Charakters sind anzustreben“, ange⸗ „Die Vernichtung der russischen Flotte. Anträgen stehen mit zur Debatte. e] nommen. 45 0 Die seit e und angekündigte einen wollen die bisherigen ee S! saelgat 1 1 1185 Antrag che Seeschlacht hat unnmehr stattgefunden. für große Aae ee urch e n 10 15 15 11 15 die 5e 1 0 l,, Sonntag und Montag meldeten Telegramme, Beitragssystem ersetzen, für das ste ein Statut J teresse des Proletariates für die Fortentwicke⸗ 1 4 4 U 6 2 6—————— 2 Deutschland lasse die Maifeier viel zu wünschen Seite 4. Mitteldentsche Souutags⸗ Zeitung. Nr. 23. lung des Genossenschaftswesens ausspricht, ein⸗ stimmig zur Annahme. Es wurden ferner Beschlüsse gefaßt, die sich auf die Organisation der Genossenschaftskartelle beztehen. Um hreit⸗ Berlin spricht sich noch für Arbeitskammern aus, worauf sich der Kongreß auf Donnerstag vertagt. In der Donnerstagssitzung setzte Umbreit sein Referat über Arbeits kammern, denen er das Wort redet, fort, während der Korreferent Hué für Arbeiterkammern eintritt. Bei der Abstimmung entscheiden sich 48 Delegierte, die 379 431 Stimmen vertreten, für Arbeitskammern die übrigen 151 Delegierten, die 771663 Mit⸗ glieder vertreten, stimmen für Arbeiterkammern. Der Kongreß hat sich also für Letztere entschieden. Der nächste Punkt der Tagesordnung betrifft: Stellun der Gewerkschaften zum Gen eralstreit. Referent ist Reichstagsabge⸗ ordneter Bömelburg, welcher sich gegen den Generalstreik ausspricht. In der sich hier anschließenden Diskusston meint Abg. v. El m, der Generalstreik sei nicht im Stande, die soziale Frage zu lösen; es dürften aber Zeiten ein⸗ treten, in denen man von dieser Waffe Gebrauch machen müsse. Die anderen Redner waren auch der Meinung, daß die Möglichkeit eines Generalstreiks ins Auge gefaßt werden müsse; man müsse aber die Arbeiter vor Putschen be⸗ wahren. Es gelangt schließlich mit allen gegen 7 Stimmen ein Antrag Bömelburg zur Annahme. Danach erklärte der Kongreß, daß die Taktik für etwa notwendig werdende Kämpfe zur Verteidigung von Volksrechten sich nach den jeweiligen Verhältnissen zu richten habe. Der Kongreß hält daher alle Versuche, durch die Propagierung des politischen Massenstreikes eine bestimmte Taktik festlegen zu wollen, für ver⸗ werflich; er empfiehlt der organisterten Arbeiterschaft, solchen Versuchen energisch ent⸗ gegenzutreten. Den Generalstreik, der von Anarchisten und Leuten ohne jegliche Erfahrung auf dem Gebiete des wirtschaftlichen Kampfes vertreten wird, hält der Kongreß für undis⸗ kutabel. Er warnt die Arbeiterschaft, sich durch die Aufnahme und Verbreitung solcher Ideen von der täglichen Kleinarbeit zur Stär⸗ kung der Arbeiterorganisatton abhalten zu lassen. — Ueber Gewerkschaften und Maifeier referierte Robert Schmidt Berlin, welcher ausführte, daß die Maifeier im Auslande all⸗ mählig anfange abzuschwächen, aber auch in übrig. In England sei die Malfeier auf den Sonntag verlegt worden. Dadurch verliere die Maifeier ihren demonstrativen Charakter. Es sei aber kein Zweifel, wenn die wirtschaftlichen Verhältnisse einen Rückgang erfahren, dann werde auch folgerichtig die Maifeier in Deutsch⸗ land eine weitere Abschwächung erfahren. Refe⸗ rent empfahl eine diesbezügliche Resolution, welche später jedoch wieder zurückgezogen wurde. Nach einer sehr lebhaften Diskussion, in welcher sich die Delegierten teils für, teils gegen die Arbeitsruhe aussprechen, erklärt Vorsitzender Bömelburg: Anträge liegen nicht vor. Nach meiner Auffassung bleibt damit der Beschluß des Amsterdamer Kongresses für uns maßgebend, so daß wir die Maifeier genau so, wie bisher, begehen, und die Gewerkschaften für verpflichtet halten, im Rahmen des Beschlusses dafür zu sorgen, daß die Arbeitsruhe nicht weniger, sondern mehr als bisher eingeführt wird. Widerspruch gegen meine Feststellungen ist nicht erhoben worden; der Kongreß hat demnach so beschlossen. Die Resolution der Fünfzehnerkommission über Streikunterstützung wird darauf ange⸗ nommen, ebenso die Resolution betreffs Ar⸗ beiterkammern. Ein Antrag Blum, die Generalkommission möge der Frage der ge⸗ werkschaftlichen Unterrichts kurse näher treten, wird einstimmig angenommen, ebenso ein Antrag Timm⸗München, der die General⸗ kommission beauftragt, im Sinne der Beschlüsse des Heimarbeiterschutzkongresses zu wirken.— M assi n i⸗Berlin teilt die Wahlen zur Generalkommisston mit. Gewählt sind: Legien(Holzarbeiter) 150, Döblin(Buchdrucker) mit 140, Ku o 11 (Steinsetzer) mit 135, Robert Schmidt (Holzarbeiter) mit 119, Cohen(Metallarbeiter) und Schumann(Transportarbeiter) mit je 116 und Drunsel(Töpfer) mit 101 Stimmen. Hierauf erhält BDömelburg das Schluß⸗ wort: Wir stehen am Ende unserer Arbeiten. Wir hatten zwei Fragen zu erörtern, bei denen die Gefahr nahe lag, daß wir in einen Gegen⸗ satz zur Partei gerleten. Aber wenn auch sach⸗ liche Meinungsverschiedenheiten vorkommen können, Partei und Gewerkschaft sind doch eins. (Lebhafter Beifall.) Wenn wir auseinandergehen mit dem festen Vorsatz, in drei Jahren die 2 Millionen Mitglieder erreicht zu haben, können wir getrost in die Zukunft sehen. Die Einig⸗ keit muß unsere Parole sein! Hoch die Einigkeit der deutschen Arbeiter- bewegung! Stürmischer Beifall.) Der Kongreß ist geschlossen.— Der nächste Kongreß findet 1908 in Hamburg statt. Generalstreik. In Solingen beschloß eine von 2000 Personen besuchte Gewerkschafts⸗ versammlung den Genera lstreik aller bei der Stahlwarenfirma Hammesfähr be⸗ schäftigten Arbeiter wegen Lohn⸗ und Tarif⸗ streitigkeiten. Aussperrungen. Am Samstag Abend wurden 4000 Zigarettenarbeiterinnen in Dres⸗ den wegen der Weigerung aus dem Tabak⸗ arbeiterverband auszutreten, gekündigt.— Wenn die Dortmunder organssierten Bauarbeiter nicht bis zum 30. Mai die verhängte Bausperre aufheben wird mit jeuem Tage laut Beschlusses des Arbeitgeberverbandes 30,000 Bauarbeitern in Rheinland⸗Westfalen gekündigt. Von Nah und Fern. Hessisches. — Der Großherzog hat den hessischen Eisenbahnbeamten nun auch für 25⸗ bezw. 40⸗ jährige Dienstzeit ein Erinnerungszeichen gestiftet. Ob speziell den niederen Eisenbahnbeamten eine Anerkennung in Gestalt einer Gehaltsaufbesse⸗ rung nicht lieber gewesen wäre? — Der jetzige Landtag soll am 15. Juli geschlossen werden. Am 15. Juni wird er, wie unser Mainzer Parteiblatt 11 zu seiner letzten Tagung zusammen⸗ treten. — Die Wahlrechtsvorlage kann als gescheitert angesehen werden. Es verlautet jetzt bestimmt, was wir in der vor⸗ letzten Nummer als Vermutung mitteilten, daß der Gesetzgebungsausschuß der Ersten Kammer die unveränderte Annahme der Regierungs⸗ vorlage vorschlagen wird. Stimmt dem die Erste Kammer zu— woran kaum zu zweifeln ist— so ist damit die ganze Wahlreform in's Wasser gefallen, da bekanntlich die Zweite Kammer für die Regierungsvorlage nicht zu haben ist.— Für unsere Parteigenossen erwächst unter diesen Umständen die Aufgabe, die un⸗ fassendsten Vorbereitungen für die Neuwahl zu treffen, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um die Wahl von Wahlrechts und Volksfeinden zu verhüten. — Zum hessisch⸗preußischen Lotte⸗ rie-Abkommen wird aus Darmstadt be⸗ richtet: Zwischen den Regterungen von Preußen, Hessen und den Thüringisch⸗Anhaltischen Staaten ist nunmehr eine Verständigung dahin zustande gekommen, daß die Hessisch⸗Thüringische Staatslotterie nach Ablauf der 7. Lotterie (1. Juni 1906) gegen Zahlung einer Rente seitens der Preußischen Regierung eingestellt wird. Ob der Vertrag sonst als für Hessen vorteilhaft angesehen werden darf, wird sich erst erkennen lassen, wenn er in der Form der Regierungsvorlage dem Landtag zugeht.— Die Kollekteure der Hessisch⸗Thürin⸗ gischen Staatslotterie hielten am Diens⸗ tag in Mainz eine Versammlung ab, in welcher dieselben gegen das Preußisch⸗Hessische Lotlerie⸗ Uebereinkommen Stellung nahmen. Gießener Angelegenheiten. mit 182, Sassenbach Fir mit 176, Ku le(Zimmerer) mit 179, Silber schmidt (Maurer) mit 180, Sabath(Schneider) mit [ Zum Fall Schädel und der Be⸗ schwerde des Gymnastalprofessors Dr. No ack⸗ Gießen gegen den Geh. Oberschulrat No d⸗ nagel wird geschrieben: „Es steht richtig, daß Professor Noack eine solche Beschwerde gegen den Großh. Geh. Oberschulrat Nodnagel erhoben hat. Wegen dieser dem Inhalt nach unbegründeten, der Form nach ungehörigen und beleidigenden Eingabe wird sich Prof. Noack disziplinär zu verantworten haben.“ Herr Prof. Dr. Noack beschuldigte den Oberschulrat Nodnagel, daß er im Landtag bei der Verhandlung über den Fall Schädel das Aktenmaterial über die ministerielle Unter⸗ suchung des Falles objektiv nicht den Tat⸗ sachen entsprechend wiedergegeben habe. — Zum Scheiderstreik. Die„Kuhhaut der über den Schneiderstreik stets so„objektiv“ berichtete und seine Informationen nach eigener Angabe aus zuverlässigster Quelle schöpfte, präsentierte in einer der letzten Nummern seinen Lesern die Nachricht, daß der Schneiderstreik sich seinem Ende zuneige, weil die Arbeiter ihr Unrecht eingesehen und bei den Arbeitgebern ein pater peccavi gemacht hätten. Wie genau die Kuhhaut informiert war, erhellt aus der Tatsache, daß die Streikleiter in Gießen in der angeführten Weise wegen Aufhebung des Streiks bei den Arbeitgebern überhaupt nicht vorstellig wurden. Der Streik hat vielmehr seit Montag eine Wendung genommen, denn nachdem in verschiedenen von der Aussperrung betroffenen Orten einsichtsvolle Arbeitgeber mit den Ver⸗ tretern der Arbeitnehmer zwecks Beilegung der Differenzen in Unter handlungen getreten waren, die Vorschläge aber stets die Billigung jener von Zäsarenwahn besessenen Herren des Vor⸗ standes vom Arbeitgeberverbande nicht fanden, ist im Angesicht der Scharfmacherpläne vom Vorstand und Ausschuß des Verbandes der Schneider und Schneiderinnen der Beschuß gefaßt worden, daß, falls bis Montag früh die Vorstände der verschiedenen Ortsgruppen des Arbeitgeberverbandes ihre Hauptleitung in München nicht beauftragt haben, daß jene Herren betreffs Beilegung der Differenzen in Gießen in Unterhandlung treten, die Ar⸗ beit bei sämtlichen Firmen des Arbeitgeber verbandes eingestellt wird.(Ist bereits geschehen.) Und warum das alles? Seit Wochen lagen die Schneider in Leipzig und Gießen im Streik. Während in Leipzig seit 14 Tagen die Arbeit wieder aufgenommen ist, beharren die Gießener bei ihrer Forderung. Wiederholt haben sie den Weg der Verständigung beschritten, noch am Dienstag vergangener Woche die Vermittlung des Gewerbegerichts angerufen. Statt nun mit den Arbeitern in Unterhandlungen einzu⸗ treten, will man ihnen einen Tarif aufdringen, welcher teil weise Verschlechterungen gegenüber den bisherigen Lohnsätzen enthält.„Bedingungs⸗ lose Annahme!“ so lautet der Befehl. Stadt auf Stadt ist in diesem Frühjahr in Mitleiden⸗ schaft gezogen. Um die Schneider lahmzulegen, wurde eine Aussperrung inszeniert, welche an den wahnwitzigen Plan der Alphabet⸗Aus⸗ sperrung, den Herr Menck-Altona ersann, er⸗ innert. Nicht die Alphabet⸗Aussperrung der Arbeiter trat in Wirklichkeit, sondern es wurde diktiert, diese oder jene Stadt hat auszusperren, während andere Städte verschont beiben, um die dringende Arbeit zu bewältigen. Diesen Plan zu durchkreuzen, ist nun Aufgabe geworden. witziger Herren, welche in dem Arbeiter nicht den gleichberechtigten Menschen erkennen, gilt diesmal der Kampf. Um den Sieg ihrer guten Sache braucht es den Schneidern nicht bange zu sein.— Interessant ist auch eine Zu⸗ schrift des Verbandes christlicher Schneider und Schneiderinnen, welche besagt: Eine jüngst veröffentlichte„Erklärung“ des Arbeitgeber⸗ verbandes widerspricht in einigen Punkten den Tatsachen. Zunächst werde die Aussperrung damit begründet,„daß in zahlreichen Städten von den Gehilfen unberechtigterweise Streiks der öffentlichen Meinung. in der Schulstraße“— alias Gießener Anzeiger, Den brutalen Scharfmachergelüsten einiger wahn⸗ 1 angezettelt wurden“. Das sei eine Irreführung Tatsache sei, daß außer in Gießen in keiner einzigen Stadt ein selbständiger Streik bestehe. In allen anderen — loßh. hal. eten, Uden linär den 0 bei del iter⸗ Tat⸗ be. hat diger “ gener ohfte, einen streik r ihr bern genau 8 der in der rkils stellig ontag em in fenen Ver⸗ ng der waren, ener ö Vor⸗ anden, e bol ee der gesch J ftüh fuphen ing in jene en in e Ar- des telt warum meidet, zahrend wieder ner bel ste dell och am sittlung tt Hul einzu⸗ dringel, ur Agungs⸗ leid stleiden⸗ Nr. 22. Mittel dentsche Sonutags⸗Zeitung. Seite 5. Städten handele es sich nur um die Zur ü c⸗ weisung der„Gießener Streikarbeit“. Was speziell Nürnberg betreffe, so sei allgemein bekannt, daß die Arbeiter bereits vor acht Tagen die Arbeit aufnehmen wollten, von den Arbeitgebern aber zurückgewiesen wurden. Die „unberechtigten, tief einschneidenden Forderungen der Arbeiterführer“ würden am besten dadurch illustriert, daß„in Leipzig die Löhne bis zu fünf Mark pro Stück niedriger sind, als sie der Arbeitgeberverbandtarif in München aufweist.“ Aehnlich sei es in Gießen.— Wie uns mit⸗ geteilt wird, werden die Schneider dem⸗ nächst eine öffentliche Versammlung abhalten, um dem Publikum einen ungetrübten Einblick in die derzeitigen Verhältutsse zu gestatten. — Antisemitische Schmutzereien über die Gießener Schneider. Das Friedberger antisemitisch⸗ bauernbündlerische Blättchen läßt sich— angeblich aus Klein⸗Linden— Folgendes über den Schneider⸗ Streik schreiben: „Im benachbarten Gießen haben die Schneider⸗ gesellen seit fast 10 Wochen die Arbeit eingestellt. Sie faulenzen und lungern täglich auf der Straße und am Bahnhof herum. Wie ein gesunder Mensch überhaupt 10 volle Wochen ohne jede Be⸗ schäftigung zubringen kann, ist schon an sich ein Rätsel. Wenn man aber noch seine Familie dabei hungern läßt und in Not bringt, so ist das eine Schande und eine Sünde. Die Gesellen sind lauter Sozialdemokraten, sie wollten ihren Meistern einmal weisen, daß, wenn die Gehülfen es wollten, die Meister nach ihrer Pfeife tanzen müßten, sie wollten auf ihren Budiken die Herren sein. Jetzt aber, nachdem sie ihre Ersparnisse verzehrt haben, Not und Unglück über ihre Familien gebracht haben, müssen sie zu Kreuze kriechen, jetzt haben sie Zeit, darüber nachzudenken, wohin sie sich durch die sozlaldemokratischen Hetzer und Schürer haben treiben lassen, wie verblendet sie waren. Jetzt können sie sich beim Herrn Krumm und den anderen Führern bedanken und wenn ihre Familien der Stadt zur Last fallen sollten, dann schickt sie hoffentlich die Stadt zum Herrn Orbig und den anderen Genossen. Die Schneidergesellen klagen über schlechte Löhne— allein sie mögen ein⸗ mal ehrlich bekennen. wieviel Geld ihnen im Jahr durch Blaumachen an jedem Mon⸗ tag durch ihr eigenes Verschulden ver⸗ loren gegangen ist. Wenn 50 Gesellen jeden Montag blau machen, so entgeht ihnen gering ge⸗ rechnet einschließlich dessen was sie verwichsen, 200 Mark, das macht im Jahr 10 000 Mark. Jetzt haben sie durch den Streik noch mehr wie 10 000 Mark verloren und dabei glauben die Leute noch, das Publikum stände auf ihre Seite. Nur so weiter! Wir haben es für angebracht gehalten, diesen ge⸗ meinen Anwurf des Hirschelblattes vollständig und wörtlich abzudrucken, unter Hervorhebung der einzelnen Kraftstellen. Einmal, um den kämpfenden Schneidern einige vergnügte Minuten zu bereiten, dann aber auch, um ihnen und der übrigen Arbeiterschaft zu zeigen, wie niederträchtig diese Bande der Junkertrabanten gegen die Arbeiter hetzt. Vielleicht wollte die antisemitische Kreatur mit dieser Sudelei die Sympathie der Arbeiter für die immerwährende, von Hirschel und Konsorten be⸗ triebene Preissteigerung der Lebensmittel und landwirtschaftlichen Produkte gewinnen! Im Allgemeinen macht's ja gar nichts aus, was der blödsinnig zusammengekleisterte antisemitische Wisch seinen paar Lesern verkohlt.(Wenn es nämlich die von ihm früher ganz richtig als Bauernfänger bezeichneten Junkerbündler nicht mit ihren Geldmitteln aushielten, hätte es längst der Teufel geholt). Aber die Arbeiter sehen doch die unglaublich niedrige Gesinnung dieser Burschen, bisher gab es immer noch Arbeiter, die diese traurige Gesellschaft noch etwas höher einschätzten. Für die Schneider bedeutet allerdings der Streit eine ihnen sehr notwendige körperliche Erholung, sie haben durch⸗ schnittlich 15—2 0 Prozent ihres vorheriben Körper⸗ gewichts zugenommen. Trotzdem wiegen sie höch⸗ stens den dritten Teil dessen, was vollgefressene Manschettenbauern und agrarische Agitatoren wiegen! Belustigend ist es schließlich zu sehen, daß das Antisemitenblatt für die Interessen— teilweise— jüdischer Geschäfte eintritt, denn gerade die Inhaber dieser waren die Hauptscharf acher. Vielleicht hat gar einer davon obigen Erguß geschrieben! — Der Frankfurter Konsumverein hat sich in den letzten Jahren ausgezeichnet entwickelt, trotz der bedeutenden Konkurrenz, die ihm dort die großen und leistungsfähigen Geschäfte machen. Am Sonntag wurde das an der Mainzer Landstraße neuerbaute Lager; haus und die Bäckerei des Vereins einge⸗ weiht. Architekt Tutmann, der den Bau ent⸗ worfen und ausgeführt hat, gab ein anschau⸗ liches Bild vor den aus Nah und Fern herbei⸗ geeilten Vertretern der Gewerkschaften und Genossenschaften über die schnelle Art des Ent⸗ stehens des Baues mit seinen mustergültigen Einrichtungen. Stadtverordneter Dr. Quarck sprach die Hoffnung aus, daß, wenn auch die Genossenschaft nicht den Segen von oben habe, dafür aber sicher die Gewähr vorhanden sei, daß sie wachse und gedeihe. Professor Dr. Staudinger aus Darmstadt sprach in groß⸗ zügiger Weise über das Wesen der Konsum⸗ gesellschaft und wünscht dem Unternehmen viel Glück zum weiteren Gedeihen. Es sprachen noch der Vorsitzende des Frankfurter Gewerk⸗ schaftskartells, sowie ein Vertreter des Lager⸗ halterverbandes im Sinne der ersten Redner. Die Besichtigung der in jeder Hinsicht muster⸗ gültigen Räumlichkeiten und Einrichtungen wurde sodann in eingehender Weise vorgenommen. Arbeiter und Genossen aus unserm Verbreitungs⸗ gebiete, die sich dafür interessteren, sollten nicht verfehlen, sich den Bau anzusehen, wenn sie gelegentlich nach Frankfurt kommen. Man fährt in wenigen Minuten mit der elektrischen Bahn vom Bahnhof aus bis zur Galluswarte, in deren Nähe sich der Bau befindet. — Die Schiller⸗Ausstellung der Universitäts⸗Bibliothek wird, um vielfach ge⸗ äußerten Wünschen nachzukommen, noch bis zum 9. Juni unentgeltlich geöffnet bleiben und zwar an den Sonntagen von 11—1 Uhr, am Dienstag und Freitag von 11—12 Uhr. — Zwei Einbrüche wurden in der Sonntag Nacht verübt und zwar in das am Seltersweg gelegene Bureau der„Justitia“, wo den Dieben allerdings nur 3 Mk. Baargeld in die Hände fielen. Das zweite Mal handelte es sich um einen Einbruchsversuch in ein hiesiges Geschäftshaus. der Arbeit gestört und nahmen Reißaus. Aus dem Rreise gießen. — Unser Kreis fest findet bekanntlich am Sonn⸗ tag, den 25. Juni, in Staufenberg statt. Wir machen nochmals darauf aufmerksam und ersuchen die befreundeten Vereine im Bezirke, an diesem Tage von eigenen Veranstaltungen abzusehen und für zahlreiche Beteiligung am Kreisfeste zu sorgen. Aus dem Nreise Wetzlar. h. Der sozialdemokratische Verein für den Wahlkreis Wetzlar hält seine Mitglieder⸗Versammlungen jeden zweiten und vierten Samstag im Monat im Lokale Kyrmse,„Zur Glocke“, ab. Der Verein hat sich bis⸗ her in recht erfreulicher Weise entwickelt. Seine Mit⸗ gliederzahl beträgt bereits über Hundert. Wie bereits früher erwähnt, wird demnächst für Glei erg und Krof⸗ dorf eine Filiale des Vereins errichtet, die voraussichtlich sehr bald über eine ansehnliche Mitgliederzahl verfügen wird. X. Maurerstreik. Der lange Zeit vorbereitete Maurerstreik ist gestern zur Tatsache geworden. Die Maurer, welche seither einen Stundenlohn von durch⸗ schnittlich 32 ½ Pfg., hatten, überreichten den Unter⸗ nehmern schon vor 2 Monaten Forderungen, wo als Stundenlohn 40 Pfg. gefordert wurde. Die Herren Arbeitgeber fanden es nicht der Mühe wert, auf diese Eingabe etwas zu erwidern, erst auf wiederholtes schrift⸗ liches Vorstelligwerden erklärten sie, als Mitglieder des Arbeitgeberverbandes, auf die Forderungen der Maurer nicht eingehen zu können. Daraufhin traten am Mon⸗ tag 160 Maurer in den Ausstand. Dienstag fanden bereits Verhandlungen zwischen der Streikleitung und den Unternehmern statt. Da letztere jedoch erklärten, erst nach Wiederaufnahme der Arbeit in eine Prüfung der Forderungen eintreten zu können, sah sich die Steeik⸗ leitung genötigt, die Verhandlungen abzubrechen. Westerwald und Anterlahn. I Herborn. Siegfried Ellegard Leisner ist, während er fern von Madrid, auf dem natl. Maskenball in Dresden war, aus der Redaktion des Herborner Tageblattes gegangen worden— pardon— laut freund⸗ schaftlicher Vereinbarung von der Redaktion entbunden worden. Armer Siegfried! Vor Not schützt ihn ja sein Kontrakt, aber in dem„Ewigen Lehm“ ist er mit seinem vielen Anhängsel gestolpert, Der„Totengräber“, der gerade wie Majestät sprechen wollte, frißt also, um mit den Herbornern zu sprechen, in H. keinen Sack Salz. Es ist eine alte Wahrheit, wenn die akademischen Pro⸗ letarier auf einen Esel kommen, hängt man ihnen einen Die Diebe wurden jedoch bei Maulkorb um, damit ihre Dummheit nicht verraten wird. Der christlich⸗soziale Gänserich hat auch seine Wahrheitsliebe und Mannhaftigkeit bewiesen, als er in seiner Dienstagsnummer zum sechsten Male Abbitte tun und zurücknehmen muß, sogar herzlich dankt, daß man ihn widerrufen läßt. h. In Odersbach bei Weilburg, dem kleinen Arbeiterorte, hatten unsere Genossen ebenfalls eine Schillerfeier arrangiert. Allerdings war sie nicht so glanzvoll, wie diejenige mancher Städte, aber mindestens so würdig, wie die des Weilburger vornehmen Bürger⸗ tums, das Schillers Todestag am— Kriegerdenkmal feierte! Am Sonntag vor 8 Tagen nachmittags fand sich unser halbes Dörfchen, Männer und Frauen, Alt und Jung in Schneider's Lokalitäten ein, wo die Musik zunächst einige Stücke aufspielte und dann Genosse Zielowski eine Festrede hielt, in der er Schiller als Kämpfer für Freiheits⸗ und Humanitätsideale pries. An die Rede schloß sich eine gesellige Unterhaltung. Aus dem Rreise Marburg⸗Nirchhain. W. Von der Flugblattverteilung. Die am Sonntag im Kreise von unseren Genossen verteilten Flugblätter sind bis auf eine Ausnahme gut aufge⸗ nommen worden. Diese Ausnahme war der Schullehrer in Reddehausen, den wir mit Recht nicht zu den Großgrundbesitzern zählten. Es wies das Blatt zurück mit den Worten:„Ich brauche dies Zeug nicht, wie könnt ihr es überhaupt wagen, in ein solches Haus zu kommen. Nehmt den Wisch wieder mit und macht, daß ihr fort kommt“! Er hat uns, da wir gute Kostgänger sind, den Appetit nicht verderben können. r. O welche Lust Soldat zu sein. Als kürz⸗ lich das hiesige Jägerbataillon von einem Uebungs⸗ marsche in Marburg eintraf, wurde plötzlich ein Soldat ohnmächtig. Zwei seiner Kameraden trugen den Be⸗ wußtlosen in einen Garten. Dort lag der Soldat, der jedenfalls von einem Sonnenstich betroffen war, über eine Stunde bewußtlos, ehe ärztliche Hülfe kam. Erst als man ihn in einen Tragkorb zur Klinik geschafft hatte, wurde ihm die ärztliche Hülfe nach ziemlich zwei Stunden zu teil. Letzte Nachrichten. Köln, den 1. Juni. Gestern Abend legten auch alle hier im freien Verbande der Schneider organisierten Gehilfen die Arbeit nieder. Die christlich organisterten Schneider arbeiten aber weiter. Sie haben den Revers unter⸗ schrieben, wonach sie eventuell auch Streikarbeit anfertigen. Dresden, 1. Juni. Die Mehrzahl der Dresdener Schneiderfirmen erklärte, mit dem Arbeitgeberverband keine Beziehungen zu haben. Andere verpflichteten sich schriftlich, aus dem Unternehmerverbande auszutreten, keine Streikarbeit zu übernehmen und keinerlei Aussperrung jetzt oder wegen der Zugehörigkeit zur Organisation vorzunehmen. Hierauf wurde die Arbeit in vielen Geschäften wieder auf⸗ genommen. Die Aktion des Unternehmer ver⸗ bandes ist hier so gut wie gescheitert. Paris. Auf den König von Spanien wurde am Donnerstag ein Attentat ausgeübt; eine mit Nägel gefüllte Bombe fiel auf die Straße und explodierte. Der Wagen des Königs war schon vorüber, es wurden jedoch drei Personen, zwei Polizeibeamten und eine Frau verletzt. Der Attentäter ist noch nicht entdeckt. .——— Partei-Uachrichten. Ein Arbeiter⸗ und Gewerkschafts⸗Sekre⸗ tariat haben die Gewerkschaften in Worms errichtet Zum Sekretär wurde einstimmig der Genosse Engel⸗ man n⸗Worms gewählt. Zum Kreisfest in Staufenberg. Wir bitten die Vorstände der eingeladenen Vereine, welche uns noch keine Zuschrift haben zugehen lassen, dies umgehend tun zu wollen. Der Vorstand. J. A.: Ph. Moos. Versammlungskalender. Samstag, den 3. Juni. Gießen. Sozialdem. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Gießen. Maler und Weißbinder. Nachmittags ½ 5 Uhr Vertraueusmännerkonferenz bei Lö b (Wiener Hof). Schotten. Wahlverein. Abends 8 ½ Uhr Ver⸗ sammlung bei Wirt Müller. Sonntag, den 4. Juni. Heuchelheim. Brauer⸗Lersammlung. Nach⸗ mittags 3½ Uhr bei A. Rinn. —— 1— ———— . 22 ——2—— —— — . S—[ VT — — — r ——— Seite 6. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 23. Von Nah und Lern. Raubmord an einem Kinde! Kaum hat sich die Erregung über das große Brandunglück in Offenbach einigermaßen gelegt, so ruft 00 wieder ein anderes gräß⸗ liches Ereignis bei der Offenbacher Einwohner⸗ schaft begreifliches Entsetzen hervor. Der„Frkftr. Ztg.“ wird darüber folgendes mitgeteilt:„Am Sonntag half die elfjährige Rosa Lückert ihren Onkel Fleck Wochenbeiträge für den„Neuen Verein Ceres“ einsammeln. Da sie mittags nicht nach Hause kam, befürchtete ihr Onkel, dem Mädchen sei ein Unfall zugestoßen, und ließ durch die Polizei Nachforschungen anstellen. Man ermittelte, daß das Kind zuletzt in das Haus Biebererstraße 69 gegangen, aber nicht mehr herausgekommen war. Das Haus wurde durchsucht. Abends 10 Uhr fand der Kriminal⸗ schutzmann Hechler die Leiche des Mädchens unter dem Dach auf dem Boden liegen. Das Kind war mit einem Strick und einem Handtuch erdrosselt und der gesammelten Gelder— etwa 87 Mk.— beraubt worden. Als der Tat verdächtig wurde die 30 Jahre alte Frau des Glasers Lotz, die im dritten Stock des Hauses wohnt, verhaftet. Sie legte in der Untersuchung nach anfänglichem Leugnen ein Geständnis ab und gab an, ihr Bruder, der Taglöhner August Brückner, habe ihr bei dem Mord Beihilfe geleistet. Brückner ist geflohen und wird von der Polizei gesucht“.— Auch in Gaugrehweiler (Pfalz) wurde die Leiche eines 10 jährigen Mädchens gefunden, an dem ein Lu stmord begangen worden war. Der Täter wurde verhaftet.— Neueren Nachrichten zufolge hat die Mörderin in einem Verhör am Dienstag eingestanden, die Tat allein begangen zu haben. Trotzdem wird nach ihrem Bruder, der seit Sonntag flüchtig ist, gefahndet. Die gerichtliche Obduktion der Leiche ergab, daß die Mörderin ihrem Opfer auch schwere Verletzungen am Unterleib und im Rücken beibrachte, die anscheinend von Fußtritten herrührten. Brandkatastrophe in Offenbach. Ueber das furchtbare Brandunglück berichten Augenzeugen noch das Folgende:„Jener Häuserkomplex, in welchem das Feuer entstand, besteht aus sechs bis acht getrennten und doch aneinandergehängten Gebäuden, die unten Stallungen, oben Heuboden, Futter- lager und Wohnungen sind! Die Wohn⸗ räume sind derartig baupolizeiwidrig, daß den Mietern— sechsundzwanzig Familien!— auf den ersten Juni gekündigt war. Die Familien Fisch und Röninger sollten an dem Unglückstage die Wohnung räumen. Es sind arme Leute, die nichr einmal die Miete für diese gesundheitsschädlichen Räume, die schlechter sind als die schlechtesten Mansarden, aufbringen lonnten. Unter den Stiegen lag Heu und Stroh aufgestapelt! Der gefährliche Wind trieb mächtige Bündel glühen⸗ den und brennenden Heus weit über die Dächer der Nachbarhäuser, die glücklicherweise verschont blieben. Auch die Treppen waren sehr primitiv und selbst am Tage nur mit einer Laterne gangbar.“ Angesichts dieser keineswegs übertriebenen Schilderungen muß man sich wundern, daß der Brand nicht noch mehr Opfer gefordet. Hätten die Leute freilich ein besseres Einkommen gehabt, so würden sie nicht in diesen Todesfallen über Pfer deställen und eingepfercht zwischen Heu- und Strohvorräten gehaust haben. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, lehrt der katholische Pfarrer Ambros Weber in Hochgreuth bei Kempten und er packte am 29. Januar in Gemeinschaft mit mehreren Bauernburschen den als„Fremden“ zur Braut⸗ schau ins Dorf gekommenen Brauereibesitzer Otto Riepp am Kragen, zog ihn ins Pfarrhaus, hielt ihn gewaltsam fest und verhaute ihn ganz exemplarisch. Wegen Nötigung, Freiheitsbe⸗ raubung und gefährlicher Körperverletzung er⸗ hielten der Pfarrer und die DBurschen je zwei . Gefängnis und müssen 150 Mk. Buße zahlen. 0 Würde des Menschen. Kürzlich brachten Berliner Zeitungen folgende Notiz: Drei Wochen tot in seiner Woh⸗ nung gelegen hat der 47 Jahre alte Arbeiter Adolf Mahrenholz, ein Witwer, der für sich allein im Keller des Hauses Solms⸗ straße 43 in einer Stube hauste und in einer Papierfabrik beschäftigt, zuletzt aber arbeits⸗ los war. Der Mann war schon seit dem 15. vorigen Monats nicht mehr zum Vorschein gekommen, es kümmerte sich aber nie⸗ mand um ihn. Erst als gestern der Hauswirt die Miete holen wollte, fand man den M. halb angekleidet, tot und schon stark verwest in seinem Bette liegen. Zur selben Stunde, da in Berlin hundert Redner Schiller als den Sänger der Menschen⸗ würde feierten, stieß man in einem Kellerloch auf die Leiche eines verhungerten Mannes. Drei Wochen lang hatte niemand den Weg zu ihm gefunden, an dem Ueberzähligen hatte die kapitalistische Welt kein Interesse mehr. Das einzige Ausbeutungs verhältnis, in dem er noch stand, führte erst zur Entdeckung seines Leich⸗ nams. Sein einziger Wert bestand ja darin, daß er einem Hauswirt tributpflichtig war, sonst wäre er weiter liegen geblieben wie eine tote Ratte! Die Masse der Menschen existiert für diese Gesellschaftsordnung nur soweit, als ste Lohn⸗ sklaven, Mieterkunden, Schuldner sind; der Mensch an sich ist ihr gar nichts. Der arme Mahrenholz verhungerte, als er nicht mehr Lohnsklave war; als man sich dessen erinnerte, daß er Mieter sei, begrub man ihn. So geschah es hundert Jahre nach dem Tode eines Mannes, der gelehrt hatte, daß der Mensch der einzige Zweck des Staates sei. Der Orden vom heiligen Grabe. Mit ungeheuerer Begeisterung ist von einem gewissen Teile der Presse die Nachricht aufge⸗ nommen worden, daß Wilhelm II. kürzlich eine neue Auszeichnung, den Orden vom heiligen Grabe, erhalten hat. Wie nun der Pariser „Matin“ mitteilt, ist es nicht weit her mit der Ehre, Ritter dieses Ordens zu sein. Erstlich ist's überhaupt kein sogen.„Ritterorden“, daher ihn auch kein Staat der Welt„anerkannt“ hat. Ja, es ist nicht einmal ein offizieller katholischer Orden, sondern eine Art Mönchsdekoration, die — und das dürfte das Beste an der ganzen Sache sein— von jedem Beliebigen für 1000 bis 3000 Franks gekauft werden kann! Bisher hat sich noch kein Monarch bemußigt gesehen, die Insignien des zweifelhaften„heiligen“ Ordens anzunehmen. Wenn das Alles erst bekannt wird, dürfte es vielleicht am Ende gar noch zu einer Majestätsbeleidigungsklage gegen den Herrn Patriarchen von Jerusalem kommen. — n Der Verbrecher aus verlorener Ehre. Eine wahre Geschichte von Friedrich Schiller. 3.(Fortsetzung.) „Jetzt floh ich waldein wärts. Ich nußte daz, das Half sich vier deulshe Meilen nurb⸗ wärts erstreckte und dort an die Grenzen des Landes stieß. Bis zum hohen Mittage lief ich atemlos. Die Eilfertigkeit meiner Flucht hatte meine Gewissensangst zerstreut; aber sie kam schrecklicher zurück, wie meine Kräfte mehr und ermatteten. Tausend gräßliche Gestalten gingen an mir vorüber und schlugen, wie schneidende Messer in meine Brust. Zwischen einem Leben voll rastloser Todesfurcht und einer gewalt⸗ samen Entleibung war mir jetzt eine schreckliche Wahl gelassen, und ich mußte wählen. Ich hatte das Herz nicht, durch Selbstmord aus der Welt zu gehen, und entsetzte mich vor der Aussicht, darin zu bleiben. Geklemmt zwischen die gewissen Qualen des Lebens und die unge⸗ wissen Schrecken der Ewigkeit, gleich unfähig zu leben und zu sterben, brachte ich die sechste Stunde meiner Flucht dahin, eine Stunde, vollgepreßt von Qualen, wovon noch kein leben⸗ diger Mensch zu erzählen weiß. In mich gekehrt und langsam, ohne mein Wissen den Hut tief ins Gesi ht, als ob mich dies vor dem Auge der leblosen Natur hätte unkenntlich machen können, hatte ich unvermerkt einen schmolen Fußsteig verfolgt, der mich durch das dunkelste Dickicht führte— als Plötzlich eine rauhe, befehlende Stimme vor mir her: „Halt!“ rief. Die Stimme war ganz nahe, meine Zerstreuung und der heruntergedrückte Hut hatten mich verhindert, um mich herumzu⸗ schauen. Ich schlug die Augen auf und sah einen wilden Mann auf mich zukommen, der eine große, knotige Keule trug. Seine Figur ging ins Riesenmäßige— meine erste Bestürzung wenigstens hatte mich dies glauben gemacht— und die Farbe seiner Haut war von einer gelben Mulattenschwärze, woraus das Weiße eines schielenden Auges bis zum Grassen hervortrat. Er hatte, statt eines Gurts, ein dickes Seil zwiefach um einen grünen, wollenen Rock geschlagen, worin ein breites Schlachtmesser bei einer Pistole stack. Der Ruf wurde wiederholt, und ein kräftiger Arm hielt mich fest. Der Laut eines Menschen hatte mich in Schrecken gejagt, aber der Anblick eines Bösewichts gab mir Herz. In der Lage, worin ich jetzt war, hatte ich Ursache, vor jedem red⸗ lichen Mann, aber keine mehr, vor einem Räuber zu zittern. „Wer da?“ sagte diese Erscheinung. „Deinesgleichen,“ war meine Antwort,„wenn du der wirklich bist, dem du gleich stehst!“ „Dahinaus geht der Weg nicht. Was hast du hier zu suchen?“ „Was hast du hier zu fragen?“ versetzte ich trotzig. Der Mann betrachtete mich zweimal vom Fuß bis zum Wirbel. Es schien, als ob er meine Figur gegen die seinige und meine Ant⸗ wort gegen meine Figur halten wollte—„Du sprichst brutal, wie ein Bettler,“ sagte er endlich. „Das mag sein. Ich bins noch gestern gewesen.“ Der Mann lachte.„Man sollte darauf schwören,“ rief er„du wolltest auch noch jetzt für nichts Besseres gelten.“ 128 ur etwas Schlechteres also“— Ich wollte weiter. „Sachte, Freund! was jagt dich denn so? Was hast du für Zeit zu verlieren?“ Ich besann mich einen Augenblick. Ich weiß nicht, wie mir das Wort auf die Zunge kam;„das Leben ist kurz,“ sagte ich langsam, „und die Hölle währt ewig.“, sein,“ sagte er endlich,„oder du bist irgend an einem Galgen hart vorbeigestreift.“ „Das mag wohl noch kommen. Also auf Wiedersehen, Kamerad!“ „Topp, Kamerad!“ schrie er, indem er eine zinnerne Flasche aus seiner Jagdtasche hervor⸗ langte, einen kräftigen Schluck daraus tat, und mir sie reichte. Flucht und Beängstigung hatten meine Kräfte aufgezehrt, und diesen ganzen entsetzlichen Tag war noch nichts über meine Lippen gekommen. Schon fürchtete ich, in dieser Waldgegend zu verschmachten, wo auf drei Meilen in der Runde kein Labsal für mich zu hoffen war. Man urteile, wie froh ich auf diese angebotene Gesundheit Bescheid tat. Neue Kraft floß mit diesem Erquicktrunk in meine Gebeine und frischer Mut in mein Herz, und Hoffnung und Liebe zum Leben. Ich fing an zu glauben, daß ich doch wohl nicht ganz elend wäre; soviel konnte dieser willkommene Trank. Ja, ich bekenne es, mein Zustand grenzte wieder an einen glücklichen, denn endlich, nach tausend fehlgeschlagenen Hoffnungen, hatte ich eine Kreatur gefunden, die mir ähnlich schien. In dem Zustande, worein ich versunken war, hätte ich mit dem höllischen Geiste Kameradschaft ge⸗ trunken, um einen Vertrauten zu haben. ich tat ein Gleiches. Er sah mich stier an.„Ich will verdammt Der Mann hatte sich aufs Gras hingestreckt,d 9 5 .. N 0 8 . hen 10 hig te lde, en dein 0 itte erkt Irch lich er: he, te zu⸗ sah der ane ies aut ls um t, ien, ltes felt itte nes rin ed⸗ lem ern jetzt lte 00 age im, imt auf ine or⸗ Ind ten zen Ale rel Nr. 23. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeuung. Seite 7. „Dein Trunk hat mir wohlgetan!“ sagte ich.„Wir müssen bekannter werden.“ Er schlug Feuer, seine Pfeife zu zünden. „Treibst du das Handwerk schon lange?“ f 17 sah mich fest an.„Was willst du damit agen?“ War das schon oft blutig?“ Ich zog das Messer aus seinem Gürtel. „Wer bist du?“ sagte er schrecklich, und legte die Pfeife von sich. „Ein Mörder, wie du— aber erst ein Anfänger.“ Der Mensch sah mich steif an und nahm seine Pfeife wieder. „Du bist nicht hier zu Hause?“ sagte er endlich. „Drei Meilen von hier. Der Sonnenwirt in L.. wenn du von ihm gehört hast.“ Der Mann sprang anf, wie ein Besessener. „Der Wildschütze Wolf?“ schrie er hastig. „Der Nämliche.“ „Willkommen, Kamerad, Willkommen!“ rief er und schüttelte mir kräftig die Hände.„Das ist brav, daß ich dich endlich habe, Sonnenwirt! Jahr und Tag schon sinn ich darauf, dich zu kriegen. Ich kenne dich recht gut. Ich weiß um alles. Ich habe lang auf dich gerechnet.“ „Auf mich gerechnet? Wozu denn?“ „Die ganze Gegend ist voll von dir. Du hast Feinde, ein Amtmann hat dich gedrückt, Wolf! Man hat dich zu Grunde gerichtet, himmelschreiend ist man mit dir umgegangen.“ Der Mann wurde hitzig—„Weil du ein paar Schweine geschossen hast, die der Fürst auf unsern Aeckern und Feldern füttert, haben sie dich Jahre lang im Zuchthaus und auf der Festung herumgezogen, haben sie dich um Haus und Wirtschaft bestohlen, haben sie dich zum Bettler gemacht. Ist es dahin gekommen, Bruder, daß der Mensch nicht mehr gelten soll, als ein Hase? Sind wir nicht besser als das Vieh auf dem Felde?— Und ein Kerl wie du, konnte das dulden?“ „Konnt ichs ändern?“ „Das werden wir ja wohl sehen. Aber sage mir doch, woher kömmst dn denn jetzt und was führst du im Schilde?“ Ich erzählte ihm meine ganze Geschichte. Der Mann, ohne abzuwarten, bis ich zu Ende war, sprang mit froher Ungeduld auf, und mich zog er nach.„Komm, Bruder Sonnenwirt,“ sagte er,„jetzt bist du reif, jetzt hab ich dich, wo ich dich brauchte. Ich werde Ehre mit dir einlegen. Folge mir!“ „Wo willst du mich hinführen?“ „Frage nicht lange. Folge!“— Er schleppte mich mit Gewalt fort. Wir waren eine kleine Viertelmeile gegangen. Der Wald wurde immer abschüssiger, unweg⸗ samer und wilder, keiner von uns sprach ein Wort, bis mich endlich die Pfeife meines Führers aus meinen Betrachtungen aufschreckte. Ich schlug die Augen auf, wir standen am schroffen Absturz eines Felsen, der sich in eine tiefe Kluft hinunterbückte. Eine zweite Pfeife antwortete aus dem innersten Bauche des Felsen. und eine Leiter kam, wie von selbst, langsam aus der Tiefe gestiegen. Mein Führer kletterte zuerst hinunter, mich hieß er warten, bis er wieder käme.„Erst muß ich den Hund an Ketten legen lassen,“ setzte er hinzu,„du bist hier fremd, die Bestie würde dich zerreißen.“ Damit ging er. (Fortsetzung folgt.) Rückgratsverkrümmungen der Schulkinder. Die Rückgratsverkrümmung ist eine der häufigsten gesundheitlichen Schädigungen, die wir an Kindern beobachten. Im allgemeinen macht man sich keine rechte Vorstellung von ihrer Verbreitung; es ist deshalb nötig, einige Zahlen anzuführen. Dr. Eduard Quirsfeld in Rumburg, der im Verlaufe von mehreren Jahren nahezu 8000 Schulkinder sehr genau Untersucht hat, macht folgende Angaben: beim Schulantritt hatten nur 63,85 Prozent der Knaben und 67,92 Prozent der Mädchen eine S. — — 6F77CFFFCFCPCPPTCT(TWTTT7TTT—T—T—T—T—T—T—T—T—T—T—T—... normale Wirbelsäule; alle anderen waren mehr oder weniger schief gewachsen. Nun weiß man seit langer Zeit, daß die Hauptursache der Wirbelsäulenverkrümmung in einer allgemeinen Schwäche des Körpers zu suchen ist. Aber die außerordentliche Häufigkeit dieser Lageveränderung der Wirbelsäule drängt doch immer wieder zur Untersuchung der Frage, ob nicht auch noch andere Ursachen mitwirken. Das ist umso wahrscheinlicher, als sich heraus⸗ gestellt hat, daß neben muskelschwachen Mädchen gerade die muskelstarken Knaben sehr oft unter Skoliose e leiden. Dazu bemerkt Dr. Quirsfeld erklärend, daß jeder Arzt die Beobachtung machen könne, wie die Pflegepersonen alle schwachen Kinder, aber auch gerade die muskelkräftigen Knaben ausschließlich auf dem linken Arme tragen, um sich die rechte Hand zur Arbeit freizuhalten; das Kind liegt dann in der Regel mit seinem Kopfe auf der Brust der Pflegeperson und sein Körper beschreibt nach außen einen leichten Bogen. Dieses stete Tragen der Kinder auf einem Arme ist die Ursache vieler Fälle von Skoliose.„Es genügt nicht, zu sagen, das Knochengerüst des Kindes ist zu schwach, daher müssen Skoliosen ent⸗ stehen. Hier wird entschieden Ursache und Wirkung verwechselt: Besserung der sozialen Verhältnisse, Inslebenrufen von Krippen in allen größeren Orten, Belehrung der Bevölkerung über Kindererziehung und Kinderernährung— und die Skoliose ist zur Seltenheit gemacht!“ Gegen diese Darlegungen wird sich nichts ein⸗ wenden lassen; sie stimmen durchaus mit denen anderer Aerzte überein. Aber Dr. Quirsfeld vergißt, wie alle anderen Gelehrten, die sich mit der Frage beschäftigt haben, auf einen Punkt besonders aufmerksam zu machen, das ist auf die Art und Beschaffenheit der nächtlichen Lagerstätten der Kinder. Hätte jedes Kind, wie es aus hygienischen und sittlichen Gründen durchaus zu verlangen wäre, seine eigene Lager: stätte, als die nur ein ordentlich zusammenge⸗ setztes und gemachtes Bett angesehen werden kann, dann würde die Rückgratsverkrümmung zweifellos viel seltener auftreten. Aber wie steht es damit? Der Stuttgarter Stadtarzt Dr. Gastpar hat im Auftrage des Gemeinde⸗ rats eine Enquete aufgenommen, die sich auch auf die häuslichen Verhältnisse der Volksschul⸗ kinder bezog. Dabei wurde festgestellt, daß 3,6 Prozent der untersuchten Kinder überhaupt nicht in Betten schliefen, sondern sonstwo in der Wohnung, meist auf dem„Sofa“. Nicht einmal die Hälfte der Kinder hatte ein eigenes Bett: 5,9 Prozent schliefen bet den Eltern im Bett, 40,6 Prozent schliefen mit Geschwistern gleichen Geschlechts, 6 Prozent mit Geschwistern anderen Geschlechts zusammen. Fast ein ganzes Prozent der Kinder schlief bei fremden Personen des gleichen Geschlechts! Da auch noch wenigstens ein Drittel sämtlicher Kinder in überfüllten Räumen nächtigen muß, so kann man sich nicht wundern, daß nur 15,7 Prozent allen Anforde⸗ rungen in gesundheitlicher Beziehung entsprachen, während die anderen 84,3 Prozent irgend einen gesundheitlichen Schaden hatten! Unter diesen Schäden steht die Rhachitis mit 44,2 Prozent obenan; bei diesen rhachitischen Kindern ist die Gefahr der Rückgratsverkrümmung ohne Weiteres gegeben. Die schauerlichen Wohnungsverhältnisse des Proletariats verwüsten geradezu die Gesundheit des her anwachsenden Geschlechtes. Sie nötigen es, die Nachtruhe in Formen zu suchen, die nicht dazu dienen können, den Körper natur⸗ gemäß zu entwickeln, sondern geradezu Miß⸗ bildungen herbeizuführen. Daher müssen wir immer und immer wieder auf Verbesserung im Wohnungswesen drängen. Allerlei. Eine gemischte Familie. In Eilendorf bei Aachen wird demnächst ein Brautpaar den Bund fürs Leben schließen, von dem Mann und Frau Kinder aus je drei Ehen mit in die neue Ehe bringen werden, da beide mehrfach verwitwet sind. Sollten dem verhältnismäßig noch jungen Paar auch noch Kinder beschert werden, so wären in einem Haushalt nicht weniger als„siebenerlei“ Kinder vorhanden, was gewiß nicht allzuoft vorkommen dürfte. Ein interessantes Dokument aus dem Jahre 1848 gelangte jetzt durch eine Autographenversteige⸗ rung in einem Berliner Antiquariat zum ersten Mal an das Licht der Oeffentlichkeit. In einem umfangreichen Schriftstück zur Geschichte der Mission des Prinzen von Preußen, späteren Katsers Wilhelm J., nach England gibt der Historiker und Kampfgenosse Theodor Körner's, Hofrat Friedrich Förster einen eingehenden Be⸗ richt über die Szene, die sich in der Barrikaden⸗ nacht vom 18. zum 19. März 1848 zwischen König Friedrich Wilhelm IV. und seinem Bruder Wilhelm abgespielt hat. Förster teilt unter genauer Angabe seiner Gewährsmänner die auch schon anderweit bekannte Tatsache mit, daß der König den Befehl habe erteilen wollen, nicht länger auf das Volk schießen zu lassen, daß sich aber der Prinz diesem Befehl auf das Leidenschaftlichste widersetzt habe. Es wird dann wörtlich der erregte Wortwechsel ange⸗ führt, in dem die stärksten, kaum wiederzu⸗ gebenden Ausdrücke zwischen dem König und dem Prinzen fielen. Die Folge dieser Szene war die„Mission“ des Prinzen nach England. Es ist bekannt, daß der Prinz in jener Nacht seinem Bruder mit den Worten:„Unter Dir kann man nicht mehr mit Ehren dienen!“ den Degen vor die Füße geworfen hat. Elende. „Elende“ nennt ihr uns— das rechte Wort! Das tönt in unsern Reihen grimmig fort; Es soll begleiten uns in allen Stunden, Das schöne Wort, das euer Haß gefunden. Wir wollen es dem Mann der Arbeit sagen, Wenn abends er nach Hause geht— zerschlagen; Dem Greis, den auf das Pflaster ihr gesetzt Und den der Hunger durch die Straßen hetzt. Und jeder Mutter, die sich quält und schindet, Weil sie kein Brot für ihre Kinder findet; Dem Kinde selbst, das früh schon mit erwirbt Und das durch euch verkümmert und verdirbt. „Elende“ nennt uns euer guter Ton, Doch nur euch selbst trifft euer ganzer Hohn: Ihr mögt uns noch so sehr beschimpfen, hassen, Ihr müßt euch doch von uns ernähren lassen! W. Cremer(W. Jakob). Splitter. Der Furchtsame erschrickt vor der Gefahr, der Feige in ihr, der Mutige nach ihr. J. Paul. * * Wir hoffen immer; und in allen Dingen Ist besser hoffen als verzweifeln; denn Wer kann das Mögliche berechnen? Goethe. Humoristisches Majestät.(Vorübergehender zu dem am Boden liegenden Betrunkenen, der ihn beschimpft):„Schimpfen Sie ruhig weiter, Männeken! Mich können Sie nicht beleldigen. Ste können höchstens noch eine Majestäts⸗ beieidigung begehen.“ Orientierung.„Du willst in den Himmel kommen und kennst nicht einmal die gebotenen Fasttage!“ —„Da feit se nix!'s ganze Jahr habe i a so nix als wia a Brot und a Wurscht z' Mittag! Aber wenn t beim Pfarrhof vorbei kimm und es riacht b'sonders fein, na woaß i's glei, daß Fasttag is, na kaf' i mir bloß an Kas.“ Die Kraft des Gebetes. Senator Harms hatte ein kurzes Bein und das vergällte ihm das Leben. Da kam eines Tages Frau Pape zu ihm und sagte, sie wolle ihn gesund beten für 20 Mark. Er gab ihr 50, weil sie ihm geeignet schien, denn sie hatte starke Kinn⸗ laden. Und Frau Pope betete. Dem Senator Harms wuchs das Bein nach, und alle Leute in Hamburg wunderten sich. Da ließ sich auf einmal Senator Harms nicht mehr erblicken, so daß seine Freunde in Sorge gerieten. Senator Schlüders besuchte ihn; er lag voll Verzweiflung in seinem Leynstuhl.„Aber lieber Harms, was fehlt dir?“ rief Schlüders.—„Mein Bein! Mein Bein! Es wird jeden Tag länger, und sie betet und betet, und ich habe die Adresse der Frau verloren.“ f(Swmnpliz) — Seite 3. Mitteldeutsche Sonntas⸗Kitung. Nr. 23. Frankfurter in großer Auswahl in 12 Mäusburg 12 Damen-, und Kinder⸗Stiefel Schuhlager Mäusburg 2 Miessen Mausburg 12 empfiehlt nur guten Qualitäten: Herren⸗ Ifbeite-Schühe in bester Ausführung. . 870 S 8 2 leds N 19* 2 . 8 2 15 805 J. Giessener Tahrradversand-Geschäft Joh. Fr. Schaaf, Nelnsteilstr. 44 Offeriere: vollständig complette Räder von Mk. 71 an. Pneumatiemäntel von Mk. 4 an. Luftschläuche von Mk. 3 an. — 2 C. F. 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