8—— 09 1 90 18 lden her⸗ rts⸗ Nr. 49. Gießen, den 3. Dezember 1905. ———— K ̃—— 12. Jahrgang. Nedaktion: Nirchenplatz 11, Schloßgasse. — ö Son Mitteldeutsche tags⸗Zeitu Webaftionsfctut Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. 19 Abounementspreis: Bestellungen Juserate Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreicung. Die 5 gespalt. Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Po die Expedition unter Kreuzband viertelfährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗ Bei mindestens stanstalt und 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung K. 5107) 33½%% und bei mindestens 22 wal. Aufgabe 50% Rabatt Neue Lasten für das Volk. 15 Diese ruchlose Raubpolitik, begangen an den Ueber die neuen Steuerpläne der Reichsre⸗ gierung haben die halbamtlichen Blätter einiges verlauten lassen. Was da ans Tageslicht kommt, ist allerdings wenig tröstlich für unser Volk und ganz besonders für den minderbe⸗ mittelten und ohnehin schon schwer belasteten Teil desselben. Nicht weniger als 500 Mil⸗ lionen Mark, eine halbe Milliarde soll an neuen indirekten Steuern und erhöhten Zollsätzen aus den Knochen der Armen herausgeschunden werden. Und diese ungeheure Summe will man für neue Panzerschiffe und Kanouen verpulvern! Um die maßlosen An⸗ forderungen des Militarismus und der Wasser⸗ politik zu decken, verfällt man auf indirekte Steuern aller Art, sucht dem bei den Regier⸗ ungen und der besitzenden Klasse sehr beliebten indtrekten Steuersysteme weitere Ausdehnung zu geben. Ueber den ausbeuterischen Charakter dieses Systems stnd sich die deutschen Arbeiter, soweit sie politisch denken gelernt haben, klar. Schon vor mehr als vierzig Jahren hat ihnen Lassalle darüber die Augen geöffnet. Sie wissen, was sie davon zu halten haben, wenn Regierungsleute oder die Ordnungspresse von indirekten Steuern das Wort reden, weil man sie„nicht merke“. Solches blödes Zeug sucht man heute noch dem Volke einzureden, wo jede Hausfrau täglich feststellen kann, in welch beängstigender Weise der Preis der Lebens⸗ mittel in die Höhe getrieben worden ist, wo es dem Arbeiter täglich schwerer wird seiner Familie die Existenz zu ermöglichen. Jeder einsichtige Arbeiter wird grimmig lachen, wenn man ihm erzählen wollte, daß man die indirekte Steuern nicht„merke“. Allerdings giebt es noch eine große Masse Besttzloser, die wohl den Druck selbst und die stetige Verschlechterung ihrer Lage spüren, die aber infolge ihrer Ein⸗ sichtslosigkeit nicht wissen, woher der Druck kommt. Als Mitte der stebziger Jahre Bismarck seinen Umschwung zum Schutzzoll vorbereitete, erklärte er ganz offen:„Das Ideal, nach dem ich strebe, ist, möglichst ausschließlich durch in⸗ direkte Steuern den Staats bedarf aufzubringen!“ Dieses Programm hat er denn auch, schreibt unser Leipziger Parteiblatt, was an ihm lag zu erfüllen versucht. Im Jahre 1878 betrug die Einnahme aus Zöllen und indirekten Steuern 235 Millionen Mark. Sie stiegen dann mit unheimlicher Regelmäßigkeit im Jahre 1885 auf 346 Millionen, 1895 auf 661 Millionen und betragen jetzt weit über 900 Millionen Mark. Das bedeutet eine Steigerung um rund 700 Millionen Mark oder um 400 roz., während die Bevölkerung um 32 Proz. ieg. Dazu soll von jetzt an die neue halbe Milliarde treten, die ebenfalls wieder ausschließ⸗ lich von den unbemittelten Klassen aufzu⸗ bringen ist. ba Im Jahre 1876/77 betrug die indirekte Steuerlast für eine fünfköpfige Familie im Jahr 34.50 Mk. Im Jahre 1901 aber 82,75 Mk.! Vom nächsten Frühjahr an wird der neue Zoll⸗ tarif diese Last auf mehr denn 100 Mk. im Jahrerhöhen, und dazu treten auch noch die neuen indirekten Steuern in Höhe von 250 Millionen, die diese Gesamtbelastung auf die Spitze treiben. men, ist auf der anderen Seite ein goldner Regen für die Reichen. Dieselben indirekten Steuern, die den Besitzlosen die Taschen bis auf den letzten blutigen Heller ausplündern, lenken Ströme roten Geldes in die Taschen der geschworenen Todfeinde der Arbeiterklasse. Die Schnapssteuer ist so veranlagt, daß ste unsern Schnapsjunkern jährlich 44 Millioneu direkt schenkt. Seit Bestehen des Gesetzes sind auf diese Weise 700 Millionen diesen Schnapsproduzenten auf Kosten des arbeitenden Volkes in die Tasche gesteckt worden. Die Liebesgaben für Zucker, die ebenfalls in der Hauptsache denselben„notleidenden“ Junkern zugute kamen, erreichte in den zwanzig Jahren 18821902 die skandalöse Höhe von 1185 Millionen. Die Folge war, daß unsere so reich beschenkten Zuckerbarone den deutschen Zucker ins Ausland beinahe verschenken konnten. Und im neuen Zolltarif endlich haben stch die herrschenden Klassen und besonders wieder die Junkerbrut, ein Instrument geschaffen, das die Massenausplünderungen ins riesenhafte hebt. Allein durch die neuen Getreidezölle wird nach einer bürgerlichen Berechnung die Ge⸗ samtbelastung des Nationaleinkommens um den ganz enormen Betrag von 1345 Millionen Mark erhöht. Auch die neuen Steuern, welche in der so⸗ genannten Steuerreform⸗Vorlage gefordert werden, belasten die große Masse der Minder⸗ bemittelten. Dagegen hütet man sich ängstlich, die Reichen stärker heranzuziehen. Das trifft namentlich auf folgende Steuerlasten zu, die man dem Reichstage zu bewilligen zumutet. 41 Millionen Mark jährlich soll die Ausdehnung des Frachturkundenstem⸗ pels bringen. Das heißt, der Güterverkehr soll um diese Summe verteuert werden. Statt dafür zu sorgen, daß Güter aller Art als da sind Kohlen, Erze, Metalle, Getreide, Holz, Vieh usw. möglichst billig von einem Ende des Reichs nach dem andern gebracht werden können, wird auf ihre Beförderung eine neue Abgabe gelegt. Wir leben im Zeitalter des Verkehrs! 12 Millionen Mark soll die Be⸗ steuerung der Personenfahrkar⸗ ten im Eisenbahn⸗ und Dampfschiffahrtsver⸗ kehr eintragen. Die Steuerpflicht soll für die 3. Klasse bei 67 Kilometer, für die 4. bei 100 Kilometer eintreten. Wie hoch die Steuersätze sein sollen, wird vorläufig nicht verraten. 16 Millionen will man aus einer neuen Quittungssteuer ziehen. Quit⸗ tungen über Beträge bis zu 20 Mk., ferner Quittungen von Lohn und Gehaltsbezügen von Personen, die zur Invalidenversicherung ver⸗ pflichtet sind, sowie andere Quittungen, die im Verkehr der kleinen Leute gebraucht werden über Unfalls⸗, Altersrenten usw. sollen steuer⸗ frei bleiben. Belastet wird demnach nur der Geschäftsverkehr im engeren Sinne. Die Millionen, welche durch diese Steuern aufgebracht werden sollen, reichen aber noch nicht um den Rachen des Mariuismus zu stopfen. Es fehlen noch 40—50 Millionen. Und nach⸗ dem man nun alle Hexenkünste der schwarzen Finanzküche hat spielen lassen, um nur nicht die Reichen ernstlich besteuern zu müssen, findet man sich schließlich dennoch genötigt, die herrschenden Klassen um eine kleine milde Gabe zu bitten. Eine Reichserb⸗ schaftssteuer soll eingeführt werden, deren Erträge 72 Millionen Mark betragen sollen, wovon ein Drittel an die Einzelstaaten abge⸗ liefert werden, während zwei Drittel zur Dis⸗ posttion des Reiches verbleiben sollen. Erbschaften, die von den Eltern auf die Kinder, oder von den Groseltern auf die Enkel und Urenkel(sog.„direkte Linie“) oder von einem Ehegatten auf den anderen übergehen, sollen steuerfret bleiben. Die Steuersätze für die steuerpflichtigen Erbschaften schwa nken zwischen 4 bis 20 Prozent je nach dem Grade der Verwandschaft und dem Werte der Hinter⸗ lassenschaft. Die Mindestsätze sollen für Ver⸗ mögen bis zu 50 000 Mk.(Erbschaften bis 300 Mk. sollen steuerfrei sein) erhoben werden; mit dem Doppelten des Mindestsatzes sollen die be⸗ Vermögen von mehr als 500000 Mk. den Höhe⸗ punkt erreichen. Demnach wird also ein alter Dienstbote, der für langjährige treue Dienste von seinem Herrn 350 Mart erbt, davon 35 Mk. an die Reichskasse zu bezahlen haben, während ein vor⸗ nehmer junger Herr, der von seinen Eltern resp. Großeltern eine oder mehrere Millionen erbt, keinen Pfennig zu bezahlen brauchte! So wird ein und für sich gerechte Steuerge⸗ danke durch seine Ausführung im Interesse der besitzenden Klasse in sein Gegenteil verkehrt! Die Schonung, die deutsche Reichserbschafts⸗ steuer der direkten Linie gewähren will, steht vereinzelt in der Welt da. Selbst Oesterreich, das in dieser Beziehung sehr rückständig ist, erhebt von der direkten Linie eine Steuer von 1 Prozent. In anderen Staaten(Frankreich und England voran) steigt die Besteuerung der direkten Linie mit der Höhe der Erbschaft stufenweise bis 5 und 8 Prozent. Darum hat sich auch für diese Staaten die Erbschaftssteuer zu einer sehr ergiebigen Steuerquelle gestaltet, man rechnet dort mit Erbschaftssteuererträgen von 250—300 Millionen Mark jährlich! Würde das deutsche Reich dem Vorbilde Frankreichs und England folgen, so würde es keine Bier⸗ und keine Tabaks⸗, keine Verkehrs⸗ und keine Quittungssteuer brauchen, sondern es würde die Kosten der ganzen Reichsfinanz⸗ reform aus der einen Reichserbschafts⸗ steuer decken können. Um aber den Reichen einen Schutz vor unangenehmen Steuern zu gewähren, den ihnen weder der französtsche noch der englische Klassenstaat gewährt, darum allein ist es notwendig, daß das Bier und daß der Tabak neu besteuert, daß die Tabakindustrie gefährdet, der Verkehr geschädigt wird. Es ist eine sehr aufreizende, aber es ist auch eine unbestreitbare Tatsache, die wir damit fest⸗ stellen. Und wenn jenen großen Massen des Volkes, die noch nichts wissen wollen von der „sozialdemokratischen Verhetzung“, diese Tat⸗ sache bekannt wird, so werden ihnen vielleicht doch endlich die Augen aufgehen, so werden sie doch begreifen, wie sehr wir mit unserer Be⸗ hauptung recht haben, daß die herrschenden Klassen den Staat nicht zum Wohle des Gan⸗ zen, sondern nach ihrem beschränktesten eigensüchtigsten Klasseninteresse willkürlich regieren. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Ein deuischer Städtetag m Anfang der Woche in B erlin 144 Städte beteiligten. a der Verhandlungen bildete die leischversorgung der deut⸗ und die Schädigung ihrer Be⸗ die gegenwärtige Fleischteu⸗ ndelskammersyndikus Dove dem Standpunkt, führte e der Produktion chaftliche Sache an⸗ eranlassung, zu e die wich ⸗ teuren Luxuszigarren auf Kosten der 88 d. H. billigen Zigarren steuerlich zu bevor ⸗ m Schlusse des Artikels wird die Hoff⸗ nung ausgesprochen, daß die Reichstagsmehr⸗ heit„jede Gewichts steuererhöhung ablehnen wird, um diese große heimatliche Industrie kleiner Existenzen nicht dem Ruine preiszugeben“.— Diese Hoffnung dürfte sich leider kaum erfüllen, denn die Entscheidung liegt bei dem„regteren⸗ den“ Zentrum, das noch immer die Hoffnungen etäuscht hat, wenn es sich um Wahrnehmu er Volksinteressen gehandelt hat. Jetzt eben der Zentrumsführer Reichsgerichtsrat Spahn um Oberlandesgerichtsprästdenten in Kiel be⸗ ördert worden und es wird wohl nicht mit Unrecht angenommen, daß die Regierung das Zentrum damit in bewilligungslustige Stimm⸗ ung versetzen will. Wenn nicht die Volks⸗ massen selbst mit aller Energie gegen die neuen Belastungen Front machen, dann werden ste ihnen nicht erspart werden. Zu der Eisenacher Ersatzwahl und dem jämmerlichen Verhalten der Frei⸗ stunigen, die wieder einmal einem reaktionären Junkertrabanten in den Reichstag verhalfen, bemerkt unser Erfurter Parteiblatt: Von den 17434 Stimmen der Hauptwahl erhielt der Soztaldemokrat 6799, der Freisinnige 2692. Hätten die Freisinnigen nun Maun sür Ma nn den Sozialdemokraten in der Stichwahl gewählt, so hätte das 9491 ausgemacht, so wären dem Antisemiten von den 18 946 bet der Stichwahl abgegebenen Stimmen nur 9455 Stimmen ge. blieben, mithin der Sozialdemokrat gewählt worden. Der Sozialdemokrat Leber hat bei der Stichwahl aber nur 1822 Stimmen ge⸗ wonnen, von denen sicher 900 bis 1000 aus zialdemokratischen Reserven und ver⸗ 8 den andern Parteien n im besten Falle etwa 800 bis 900 Freisinnige für Leber ge⸗ stimmt, d. h. etwa der dritte Wähler der Hauptwahl. Hätten aber 2 Freisinnigen für uns gestimmt und mit unsern 1000 Reserven vereint, dann Genosse Leber mit 10 500 gegen 8500 antisemitische Stimmen gewählt wo artige Dinge hat man ja v helden öfters wenn unsere Aufgabe unserer Partei wird es sein, die Masse des Volkes auf diese Tatsach lichst hinzuweisen. Frage der F schen Städte völkerung durch erung, wozu der Ha Revolution in Rustland. Wenn in den letzten Tagen verschiedene Meldungen aus Rußlan revolutionären Bewegung ch, daß diese Stillstandes un flammen um so bald an allen E Soviel steht jedenfalls fest: nicht mehr zurück t sich auch nicht mehr mit leeren Ver⸗ abspeisen, es wird den Kampf fort⸗ 8 seine volle Freiheit erkämpft hat. Machthaber werden sich umsoweniger re Kosaken stützen e der Truppen als en werden muß. e bastopol revoltiertendie Am Samstag ver⸗ rt Matrosen aller Abteilungen. wski erschien mit einer Zordnung und forderte auseinanderzugehen, Darauf kommandierte doch fiel auf sein Kom⸗ mando kein Schuß von seiten der Kom- wohl aber von seiten der Matrosen. leicht durch die Schulter Ein Kapitän des Regi⸗ der Kommandeur der ie, wurde getötet. Am 25. November sich die Hafenarbeiter den Matrosen mit diesen unbewaffnet die gasernen des Regiments wo sie mit Begeisterung empfangen das Regiment schloß sich der Revolte an. Es durchzog mit den Matrosen in einem 10000 Mann starken Haufen die Stadt bis Boulevard, wo das Regiment Gewehr stand. Das Regiment ock empfing die Meuterer mit Hurra, ch ihnen aber nicht an. Gegen Abend die Meuterer in die Kasernen zurück, skommandanten und arretiert und in Nach dieser der Spitzen des Militärs riebrigade und ein Re⸗ d das Abflauen d meldeten, so zeigt es Nachrichten sehr verfrüht siud. schlagen nach wenigen Tagen des d der Ruhe die Revolutions- mächtiger empor und zünden cken des ungeheueren Reiches. die Revolution drängen und das er aus, der diese Frag und als technisch⸗landwirts sehe, hätten die Städte olle V betonen, daß es sich auch um ein Konsumtionsinte industriellen Produktion Eine Unterernährung der Industrie beschäftigten Bevölkerungs- iner Herabsetzung der Leistungen Ausgleich durch Lohnerhöhungen die wiederum die Produkelon edner schlägt eine Anzahl von Leitsätzen vor und empfiehlt eine möglich st rte Einfuhr lebenden 3 dem Auslande unter twendigsten Schutzmaßregeln g in den öffentlichen Schlacht⸗ infuhr ausländischen Büchsen⸗ gen Fleischdauerwaren, sowie der Zölle und Elsenbahntartfe — Unsere Genossen, beteiligten sich berührende Fra sei das Juteres schicht führe zu e und es müsse ein gesucht werden, auf ihr Bajonette und ih können, als die gro erlässig angese ungehinde Viehes au Wahrung d zur Abschlachtun häusern, die E fleisches und sonsti eine Ermäßigung in Zeiten der Futternot. Singer und Ulrich, en andern von verschiedenen Städten rteigenossen, an den Verhand⸗ ten sich mit Schärfe gegen Raubpolitik, gen werden müsse. und Zölle sei die Die vorgeschlagenen Leitsätze wurden schließlich angenommen und ein ständiger Vorstand gewählt. Deutschlands Fleischyproduktion reicht bekanntlich nicht aus, seigen eig Das wissen auch die dem behaupten ste in der Oef⸗ Unter sich ur⸗ So hat die Landwirt⸗ für die Provinz Branden⸗ holt den amtlichen Kreis⸗ Aufforderung an die Land⸗ „Die Kälberaufzucht stärker betrieben werden! unserer Provinz muß im kommen⸗ indestens 1 Kalb mehr als „Es wäre ja sehr schön, wenn ten sämtlich diesem Rat Folge Die große Frage ist nur, ob Marinetruppen! sammelten sich do Der Admiral Pisare Kompagnie in voller Krieg die Matrosen auf, weigerten sich dessen. der Admiral„Feuer“, delegierten Pa lungen und wende die agrarische schärferer Ton angeschla Beseitigung der Hauptsache.— Der Admiral brach, getroffen, zusammen. ments Brest, Stein, an und durchzogen Stadt bis vor die sprengten Ueberläufern au Demnach habe eil der frei⸗ darf zu decken. sehr wohl, trotz fentlichkeit das Geg teilen sie anders. schafts kammer burg schon wiede blättern folgende wirte beigelegt: um historischen rden.— Der⸗ n Freisinns⸗ Es ist aber gut, Parteifreunde sich das merken. Wie die„Nationalztg.“ zu dem Wahlaus⸗ Autisemiten den Wahl⸗ Schwindel erobert. liberale Organ schreibt: ze Stimmenzahl, die der Anti⸗ Schack in der Stichwahl in Eis okraten auf sich vereinigte, f die raffinterte Ausbeu⸗ sozialdemokratischen Demonstration der Stichwahl zurückzuführen. Noch de in Eisenach ein fulminan⸗ ie Revolution in Eise⸗ mit dem am grauenden evölkerung durch die gellen⸗ der antisemitischen Sendboten aus chreckt wurde. ch auf dem Lande in vollstem in vielen schon erlebt. nachdem sie den Festun den örtlichen Divistonsche die Kasernen interniert hatten. Gefangennahme schlossen sich die Artille servebatalllon den Meuterern au. Aehnliche Milttärevolten werde on Städten berichtet. die letzte Hoffnung der Re⸗ die Militärgewalt zu stützen. Wladiwostock, sowie in der Mand⸗ schurei befinden sich die Soldaten ebenfalls in Wladiwostok und Charbin seien zum größten Teile niedergebrannt.— m stwo⸗Kongreß, der in verlangte man zwar das allge⸗ meine Wahlrecht, doch wurden von mehreren Mitgliedern auch Reden gehalten, die gegen die Reglerung und Witte zu viel Vertrauensselig⸗ keit bekundeten. Politische Rundschau Gießen, den 30. November 1905. Der Reichstag ist am Dienstag mit einer Thronrede eröffnet worden, in welcher die Flottenforderungen und die im Leitartikel besprochenen neuen Steuern Nebenbei wird erheblich efahr operiert, wozu nicht die vorliegt.— Mittwoch ichstag und wählte das gange schreibt, haben die kreis durch gemeinen Das genannte überraschend gro Viehhaltung den Winter m sonst aufziehen. die Viehproduzen leisten würden. sie dazu auch im stande sind. „Tabak ist Luxus.“ Die„Süddeutsche Tabakztg.“ schrelbt zu den Mitteilungen über die Tabaksteuer: 1 wir endlich, was das Wort f teure Zigarren und Zigaret⸗ ten hat, das man einigen Zentrums⸗ Tabak ist Luxus“, n aus einer den Sozialdem hauptsächlich am Vortage in der Nacht wur tes Flugblatt:„D nach“ angefertigt, ganzen Reihe v schwindet damit „Jetzt wisser „Luxussteuer ten“ zu bedeu rern souffliert hatte.„ lich belastet man die 3, 4 und 5 igarren dermaßen, Qualitäten ni Auf dem Se Moskau tagte, dem Schlafe ges Dieses Flug⸗ blatt hot denn au Maße seine Orten ist Schuldigkeit getan; eine Stimmenbeteiligung in der Stichwahl erzielt wor den, bei den[Septen nats⸗ verzeichnen gewesen daß ihre Fabrikation in cht mehr möglich sein hrend die deutschen Zigarren in den reislagen von 15, 20, 30 und mehr Pfennigen Gewichtszoll, dieselbe Belastung zu n werden, wie die billigsten Preis⸗ die hohen und höchsten Preislagen ch einen Schutz durch die Erhöh⸗ olles auf Importen, während die deren Herstellung allein vornehmlich die Zollreform zu tragen t ihr der Inlandstabakbau, zu wie es heißt, die norddeutsche Zigarre„keine Beeinträchtigung er⸗ Das nennt man eine logische 1 Man vernichtet die west⸗ die schlesische wie die süddeutsche 5 weil man den Genuß aks als entbehrlich ansieht, folglich eine Luxussteuer erstrebt, um— die wie sie selbst wahlen nicht zu 0 r. Daß der elende Schwindel seine Wirkung nicht verfehlte, läßt sich leich gen ist aber auch von S ation nicht energ tragen habe t denken. Im übri⸗ n unfrer Genossen isch genug betrieben wenigstens beklagt sich in der Erfurter Tribüne ein Genosse darüber, indem er u. g. Der Umstand, daß es den Antisemiten durch ihre schwindelhafte Agitation andleuten Sand in die Augen zu 1 bekommen no 160 000 Arbeiter ernährt, Kosten diese haben wird. Mi angekündigt wurden. dessen Gunsten, mit der Kriegs mindeste Veran konstituierte sich der frühere Präsidium wieder. wählten Singer als ersten Vizepräsidenten, der jedoch nur 66 3 anmen erhielt. Bürgerlichen wählen lehnt, zu Hofe zu gehen gelungen ist, den kleinen L reuen(indem sie ihnen Vorteile aus der Zoll⸗ kelten und die Landleute dies wie wir nur durch beit unter der Land wirtschaft g den Antisemiten das Und das darf nicht der Wahl geschehen.“ Das ist fahren dürfe“. Beweisführung fälische wie die sächstsche, er und ebenso politik vorgau beweist uns, — ufklärungsar treibenden Bevölkerun Wasser abgrabe nur kurz vor die Eichsfeld weil er es ab⸗ Bücklinge zu N * 2 kel⸗ en, den der 92. Inn hlt, em ahl ge⸗ ihlt bel dus hel⸗ tien alle kei⸗ aber und ann 90⁰ der uls⸗ gut, len. aus zahl⸗ bert. Die luli⸗ ehen t eu- Mion Noch mal ise⸗ dell ellen⸗ aus 12 een ung del, 413% esell lung übri⸗ vossen Hebel surtet uU. 0. ten tion f 50 3 1 punch 1 Dab 0 00 soll fortbestehen. Am Montag wurde im Land⸗ Nr. 49. rener rere r———— Mitteldentsche Sounags⸗Zeitung' Seite 3. zwelsellos richtig und hat Gültigkeit für die, Genossen überall. Die sächsische Dreiklassenwahl⸗Schande tage über eine von nationalliberaler Seite aus⸗ gehende Interpellation wegen der Wahlreform verhandelt. In der Beantwortung der An⸗ frage erklärte der Minister Metzsch, daß die Regierung nicht daran denke, ein anderes Wahl⸗ recht vorzuschlagen. Es sollen demnach also auch fernerhin neun Zehntel des sächstschen Volkes rechtlos bleiben. Natürlich fanden diese Ausführungen die begelsterte Zustimmung der kouservativen Beutepolttiker. Der einzige Sozial⸗ demokrat im sächstschen Landtage, Genosse Goldstein sagte den Wahlrechtsräubern das Nötige. Er wies auf die machtvollen Demon⸗ strationen hin, die vor kurzem auch in Sachsen stattfanden und erklärte, daß dieselben sich in immer mächtigerer Weisewiederholen würden und immer stürmischer würden die Forderungen des Volkes erhoben werden, bis sich das Wort erfüllt: Gebt dem Volke, was des Volkes ist.— Den sächstschen Perücken muß allerdings durch eindring⸗ lichere Mittel die nötige Einsicht beigebracht werden. Unsere Genossen werden in dieser Beziehung ihre Schuldigkeit tun. a Gewaltige Wahlrechts⸗Demon strationen haben am Dienstag in ganz Oesterreich statt⸗ gefunden. Ueberall verliefen dieselben großartig und überaus eindrucksvoll. In Wien herrschte vollkommene Sonntagsruhe. Ein Riesenzug, dessen Teilnehmerzahl von der Polizei auf mindestens 220000 angegeben wird, nach andern Schätzungen 250000 betrug, bewegte sich durch die Straßen und dauerte fünf Stunden. Eisiges Schweigen herrschte im Zuge wie auch unter den zahllosen Zuschauern. Die Kund⸗ gebung war würdig und tiefernst und machte einen gewaltigen Eindruck. Nirgends kam eine Störung oder Ausschreitung vor.„Man hatte auf bürgerlicher Seite weder geglaubt, daß die Sozialisten eine so unge eure Masse aufbieten, hoch daß ste so musterhabt disziplinteren könnten,“ wurde der Frkftr. Ztg. geschrieben. Die Christ⸗ lich⸗Sozialen, die Lueger⸗Trabanten, sind pein⸗ lich überrascht und ganz kleinlaut geworden. Diese hatten nämlich am Sonntag vorher eben⸗ falls einen Umzug zu Gunsten des allgemeinen Wahlrechts veranstaltet, der jedoch kläglich ver⸗ lief. Die Eröffnungssitzung des Abgeordneten⸗ hauses stand ganz unter dem Eindruck der Demonstration; der Ministerprästdent Gautsch versprach, daß die Regierung die Vorlage über das allgemeine Wahlrecht spätestens bis Ende Februar einbringen werde. In Prag ruhte ebenfalls der Verkehr und die Arbeit vollständig. Auch dort bewegte sich ein ungeheuerer Zug durch die Straßen, an dem sich außer den Sozialdemokraten auch die czechischen National⸗Sozialen und viele Bürger⸗ liche beteiligten. Im Zuge wurde auch ein Ochsenwagen geführt, auf welchem eine Puppe, das tote Parlament darstellend, sich befand. Ein anderer Wagen enthielt eine Frau mit einer Jakobinermütze, die Freiheit darstellend, ein dritter einen schwarzen Sarg, der das tote Herrenhaus bedeutete. Im Zuge sah man viele rote Fahnen, darunter solche mit roten Hussitenkelchen auf schwarzem Grunde und mit einer von Arbeiterfäusten zerbrochenen Flinte als Symbol der bewaffneten Macht.— Sicher ist, daß die österreichische Arbeiterschaft auf dem Wege zur Erringung des allgemeinen Wahl⸗ rechts eine gute Strecke weiter gekommen ist. Kleine politische Nachrichten. Die Chemnitzer Parteigenossen stellten als Reichstagskandidaten den Redakteur Nos ke zur Ersatz⸗ wahl für Schippel auf. In Dresden wurden am Mittwoch vier Sozialdemokraten in die Stadtverordneten⸗ Versammlung gewählt. Das sind die ersten Sozial⸗ demokraten, die in das Dresdener Stadthaus einziehen. Für unsre Frauen! Militarismus. K. Seit langen Jahren rufen die enormen Ausgaben, die für den Moloch„Militarismus“ aufgewendet werden, berechtigte Entrüstung im Volke hervor. Besondere Ursache, dieses System einmal genauer anzuschauen, haben auch die Frauen, da sie die gewaltigen Summen, die der Moloch verschlingt, mit aufbringen müssen. Denn jeder Deutsche ist diesem Moloch sztribut⸗ pflichtig; die deutsche Bevölkerung bezahlt nach einer Berechnung aus dem Jahre 1903 jähr⸗ lich pro Kopf rund 21 Mark für Heer und Marine. Der Steuerzettel verzeichnet diese Last frei⸗ lich nicht. Kein Gerichtsvollzieher pfändet dtese Summe. Wir bezahlen sie in den durch Zölle und indirekte Steuern künstlich erhöhten Preisen unsrer Lebeus⸗ und Genußmittel. Wäre diese künstliche Verteuerung, die dem Militarismus dient, nicht da, so würde der knappe Lohn des Arbeiters viel weiter reichen. So könnte die Mutter den Kindern größere Brotschnitten schneiden und brauchte sie nicht vornehmlich auf Kartoffelkost zu setzen, unzureichend für den Aufbau eines gesunden Körpers, der gesunden Geist beherbergt. Und bitter muß es die Mutter empfinden, daß bei jeder Vergrößerung der Familie auch der Tribut an den Militarismus wächst. Vom Kinde schon nimmt er die Steuer, denn das Kind verzehrt ja auch die vom Mili⸗ litarismus verteuerten Lebensmittel. Der Kindersegen, von dem die Bibel spricht, er 1 in unserer verderbten Gesellschaft zum uch! Diese Militarlasten beuten das arbeitende Volk bis zum Weißbluten aus; wie ein Krebs⸗ geschwür am menschlichen Körper Verheerungen und Verwüstungen anrichtet, so verübt der Militarismus Verwüstung am Gesellschafts⸗ körper und untergräbt die Volkswohlfahrt, daß Not und Elend in breiten Volksschichten nicht verschwinden. Der Militärismus ist ein Zwillingsbruder des Kapitalismus. Während dieser Raubbau mit der Arbeitskraft des Proletarta“s treibt, für möglichst niedrige Löhne die Arbeitskraft der Bevölkerungsmehrheit ausbeutet, suchen die gesetzgebenden Körperschaften die gewaltigen Summen, die der Militärismus verschlingt, durch Steuern und Verbrauchsabgaben aus den Taschen des Proletariats herauszuholen. Schon jetzt warten Kriegsminister und Marinestaatssekretär sehnsüchtig auf die Geld⸗ ströme, die der neue Zollstarif fur dieses System bringen wird. Alle Milliarden, die der Mili⸗ tarismus verschlingt, werden vorwiegend durch die Besteuerung der Armen und Aermsten aufgebracht, und wahrlich, die Summen sind nicht gering. Im Jahre 1880 betrug die Gesamtausgabe für Heer und Marine 463 Millionen Mark, im Jahre 1903 waren schon 1065 Millionen Mark notwendig, um die laufenden Ausgaben 1 decken und immer neue Quellen werden ge⸗ ucht und gefunden, um Futter für diesen Mo⸗ loch herbeizuschaffen. In der nächsten Reichs⸗ tagssesston wird wiederum versucht werden, aus dem Tabak und dem Bier neue Summen her⸗ auszupressen. Tansende und Abertausende junger kräftiger Söhne des Volkes werden all⸗ jährlich aus ihren Berufen herausgerissen, um sich einem Drillsystem zu unterziehen, das den Menschen zur Maschine entwürdigt. Durch den Militarismus werden die Klassen⸗ gegensätze verschärft und das Volk vom Volk getrennt. Das dokumentieren die Worte Wilhelms II.:„Wenn ich es befehle, so müßt ihr auf Vater und Mutter sckießen! Angestchts solcher Tatsachen kann es nicht wun⸗ der nehmen, daß die Mutter den unter Schmerzen und mit Gefahr des eigenen Lebens geborenen Sohn nur ungern den bunten Rock anziehen läßt. Weiß sie doch von vielen Nachrichten über schändliche Soldatenmißhandlungen, was eventuell auch ihrem Sohne passteren kann. Denn das militärische Drillsystem treibt rohe, gefühllose Vorgesetzte gar leicht zu Soldaten⸗ schindereien, wodurch manches blühende Menschen⸗ leben frühzeitig vernichtet worden ist. Durch den aller Kultur hohnsprechenden Militarismus wird das Menschenherz häufig schwer getroffen; daher sollten die Frauen weit mehr als bisher diesem System den Krieg erklären. Schon der Kriegsgedanke erfüllt uns mit Entsetzen. Der ostasiatische Krieg hat gezeigt, welche Wunden ein mit modernen Waffen ge⸗ führter Krieg schlägt. Um derartige Völkermorde, die im Interesse weniger Kapitalisten geführt werden, zu ver⸗ hindern, bedürfen wir einer Ummodelung unserer sogenaunten„göttlichen Weltordnung“. Der Ruf: Die Waffen nieder! klingt zwar recht schön, doch zeigen dieRegierungen wenig Neigung, diesem Rufe zu folgen. Erst wenn der sozia⸗ listische Gedanke von allen Herzen Besttz er⸗ greift, erst dann wird eine andre Weltordnung Platz greifen, worin keine am Mar? der Völker zehrende Einrichtungen geduldet werden. Dann tritt auch der Passus unsres Programms in Kraft, der da lautet: Erziehung zur allge⸗ meinen Wehrhaftigkeit, Volkswehr an Stelle der stehenden Heere, Entscheidung über Krieg und Frieden durch die Volksvertretung, Schlich⸗ tung aller internattonalen Schreitigkeiten auf schiedsgerichtlichem Wege. Der Frauenwelt liegt nun die schöne Auf⸗ gabe ob, innerhalb der Sozialdemokratie das Grab des Militarismus mit schaufeln zu helfen. Er muß versinken, um für den Kulturfortschritt 1 den Völkerfrieden Platz und Raum zu geben. Vorwärts! Frauen und Mädchen des Pro⸗ letartats, helft das kulturfeindliche System des Militarismus, auf den die Kapitalsmacht sich stützt, vernichten! Helft der Sozialdemokratie zum Siege! Parteigenossen! Im Juli dieses Jahres haben wir bereits einmal einen Aufruf an Euch gerichtet, in dem wir Euch baten, Euer Solidaritätsgefühl für unsre im russischen Reiche kämpfenden Genossen dadurch zu be⸗ tätigen, daß Ihr Geldsammlungen für die Opfer der russischen Revolution veranstaltet. Die damaligen Sammlungen haben einen Ertrag von über 130 000 Mk. ergeben. Aber wie erfreulich dieses Resultat ist, es reicht nicht entfernt, um die furchtbaren Wunden zu heilen, die seitdem wieder der heldenmütige und unvergleichliche Kampf geschlagen hat, den das russische Proletariat unter Führung unserer Genossen gegen das fluch⸗ und schmachbeladene Regiment des russischen Zarismus führt. Zehntausende und aber Zehntausende sind wiederum im Laufe weniger Monate als Schlachtopfer tot oder verwundet gefallen, Tausende füllen die Gefängnisse, Hunderttausende Männer, Frauen und Kinder befinden sich infolge dieser Kämpfe in schrecklichstem Elend oder in bitterer Not und sind der Verzweiflung nahe. Und noch ist kein Ende dieses Kampfes abzusehen. Die deutsche Arbeiterklasse, welche dem russischen und polnischen Proletariat einen vollen Erfolg seiner helden⸗ mütigen Anstrengungen zum Sturze des russischen De⸗ spotismus und für eine neue, bessere und gerechtere soziale und politische Ordnung der Dinge im russtschen Reiche wünscht, kann durch schleunige Samm⸗ lung von Geldmitteln die ungeheure Not und daa s Elend der Opfer lindern, die dieser einzit dastehende Kampf für die Befreiung Rußlands bisher gekostet hat. Parteigenossen! Wir richten deshalb nochmals an Euch die Aufforderung, sofort und überall Geld⸗ sammlungen in die Wege zu leiten und den Ertrag dieser Sammlungen an unseren Kassierer, Genossen Albin Gerisch, Berlin SW. 68, Lindenstraße 69 zu senden. Für eine gerechte Verteilung der eingehen ⸗ den Beträge werden wir Sorge tragen. Parteigenossen! Frisch ans Werk! Betätigt durch eine möglichst umfassende Sammlung Eure tatkräftigen Sympathien mit unsern kämpfenden Genossen und Euer Mitgefühl mit den Opfern dieses Riesenkampfes. Hoch die Internationalität Sozialdemokratie! Berlin, den 23. November 1905. Der Parteivorstand. der Von Nah und Lern. Hessisches. Zu den Landtagswahlen. Die Abgeordnetenwahlen, die am vorigen Freitag erfolgten, haben im allge⸗ Seite 4. Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 49. meinen das nach den Wahlmännerwahlen vor⸗ aussichtliche Ergebnis gehabt. In den ober⸗ hessischen Bezirken Büdingen, Nidda, Homberg, Alsfeld, Ulrichstein und Hungen wurden die bisherigen bauernbündlerischen Vertreter ohne. Gegenkandidaten wiedergewählt, in Gießen⸗ Land und Vilbel gegen die Stimmen der sozial⸗ demokratischen Wahlmännner. In Nauheim tritt an Stelle Windeckers der Bündler Breiten⸗ bach.— Fast einstimmig wurden unsere Genossen Berthold im Kreise Groß-Gerau und Dr. Fulda in Isenburg⸗Sprendlingen gewählt. Genosse Raab stegte in Pfung⸗ stadt mit 22 gegen 21 nationallib. Stimmen. In Bessungen erhielt der Freisinnige Noack 43, Friedrich(Soz.) 11 Stimmen. Mainz⸗Land behaupteten die Zentrumsleute(Dr. Schmitt) mit 34 gegen 22 sozlalistische Stimmen. Der Bündler Wolf unterlag im Bezirk Wörr⸗ statt dem Freistnnigen Christ mit 15 gegen 17 Stimmen. Im übrigen wurden die bis⸗ herigen Vertreter wiedergewählt, so daß sich in der Kammer eine wesentliche Veränderung nicht ergiebt. Sozialdemokraten und Freisinnige haben je einen Sitz gewonnen, die National- liberalen zwei verloren. r. Watzenborn⸗Stein berg. Wie das Resultat bei der verflossenen Landtagswahl zeigt, haben wir in unserem Orte für unsere Partei im Vergleich zu früheren Wahlen eine erheblich geringere Stimmenzahl aufgebracht. Zieht man die hiesigen Verhältnisse, die scham⸗ lose Kampfesweise unserer Gegner und die Lax⸗ heit eines Teils der hiesigen Arbeiter in Be⸗ tracht, dann erscheint der„Sieg“, den unsere Gegner über uns davon getragen haben, keines- wegs so glänzend, als es von ihnen ausposaunt wurde. Schon wochenlang vor der Wahl wurde mit allerhand schofeln Mitteln gegen uns ge⸗ arbeitet. Man scheute vor keiner Lüge und Verleumdung zurück. So log man z. B. vielen vor, daß von diesem Jahre ab, die erwerbs⸗ tätigen Frauen Gemeindesteuer zahlen müßten, daran seien nur die im Gemeinderat sitzenden Sozialdemokraten schuld. Obwohl diese Sache mit der Landtagswahl rein gar nichts zu tun hat, wurde dies Mittel doch gegen uns ausge⸗ spielt und leider haben sich auch eine Anzahl damit einfangen lassen und gegen uns gestimmt. Auch an Beeinflussungen aller Art hat es nicht gefehlt. Sogar die Wahlmänner der Gegner, obwohl dieselben eigentlich nicht recht gewußt haben, was sie als Wahlmänner für eine Funktion auszuführen hatten, liefen in der Woche vor der Wahl von Haus zu Haus und bettelten um Stimmen. Ferner konnte man am Tage der Wahl beobachten, welche fieberhafte Tätigkeit die Gegner entfalteten. Alles was sie aufzutreiben vermochten, alle Mucker die sonst bei keiner Wahl zu sehen waren, schleppten sie herbei. Der Polizeidie ner lief von Haus zu Haus und im Wahllokal Trepp auf Trepp ab, und rief dabei wie ein Marktschreier:„Bitte, meine Herren, Stimmzettel für Leun!“ Daß eine derartige Agitation durch den Ortspoltzisten, der von den Steuerzahlern der ganzen Ge⸗ meinde bezahlt wird, durchaus unzulässig ist und einen Wahlprotest begründet, kann keinem Zweifel unterliegen. Eine Person ver⸗ dient noch besondere Würdigung. Als bauern⸗ bündlerischer Wahlmann fungierte der ehemalige erste sozialdemokratische Gemeindevertreter Johs. Schäfer XI., Lackierer in Steinberg. Dieser „Ergenosse“ hatte im vorigen Jahre von der hiesigen Arbeiterschaft bei der Gemeinderats⸗ wahl infolge seines zweifelhaften Verhaltens, den verdienten Fußtritt bekommen. Um sich nun in seiner ganzen Charakter⸗Größe zu zeigen, ist er, wie wir hören, zu den Gegnern gelaufen und hat sich diesen als Wahlmann angeboten! Es zeigt das, wie richtig er von den hiesigen Genossen beurteilt wurde, als sie ihm das Gemeindevertreteramt nicht mehr übertrugen. Jede weitere Bemerkung über derartige Ge⸗ sinnungslumperei ist natürlich überflüssig.— Eine große Anzahl unserer Wähler machten ferner von ihrem Wahlrecht keinen Gebrauch und ferner standen eine ganze Reihe nicht in der Wählerliste, was beweist, wie notwendig die Kontrolle der Wählerlisten ist, die leider von Unter solchen Umständen ist unsere Niederlage sehr erklärlich. Wir werden dafür sorgen, daß bei der nächsten Wahl die Scharte wieder aus⸗ gewetzt wird. 2 Gießener Angelegenheiten. — Arbeiter und Krieger vereine. In den letzten Jahren machen die Kriegervereine immer größere Anstrengungen, um die entlasse⸗ nen Reservisten als Mitglieder zu gewinnen. Es ist ja bekannt, daß in Hessen den Reser⸗ visten gleich das Statut des„Hassia“⸗Verbandes in den Militärpaß beigelegt wird. Als Lock⸗ mittel müssen dabei ferner die„treue“ Kamerad⸗ schaft und die Unterstützungseinrichtungen des deutschen Kriegerbundes dienen. Von den po⸗ litischen Aufgaben der Kriegervereine ist in der Regel bei der Werbung von Mitgliedern nicht die Rede. Begreiflicherweise! Denn so⸗ bald ein gewesener Soldat aus der Arbeiter⸗ klasse sich darüber klar würde, daß er durch den Beitritt zum Kriegervereine sich gewisser⸗ maßen verpflichtet, keine eigene poli⸗ tische Meinung mehr zu haben und bei Lohnkämpfen den Streikbrecher zu spielen, würde er, sofern er ein ehrenhafter Charakter ist, sich vor dem Beitritt wohlweislich hüten. Das von der Kriegervereinsleitung erlassene Gebot an alle Kriegervereinsmitglieder:„Ihr sollt keine sozialdemokratische Gesinnung hegen“ und„Ihr dürft keiner freien Gewerkschaft an⸗ gehören“, verrät den wahren Zweck der Militär⸗ vereine. Sie sollen dazu dienen, der deutschen Arbeiterbewegung das Rückgrat zu brechen. Denn zur Pflege„treuer Kameradschaft“ bedarf es solcher Gebote nicht und überdies wird ge⸗ rade in den freien Gewerkschaften die beste Kameradschaft gepflegt, wie auch die Unter⸗ stützungseinrichtungen der Berufsverbände weit⸗ aus bessere sind, als die der Militärvereine. Der richtige Platz für den vom Militär ent⸗ lassenen Arbeiter ist also nicht der„patriotischen“ Zwecken dienende Kriegerverein, sondern der Gewerksckaftsverband. Bei jeder Gelegenheit zeigen die Kriegervereine ihren arbeiterfeind⸗ lichen Charakter. Deshalb muß sich jeder frei⸗ denkende und aufgeklärte Arbeiter von ihnen fernhalten und sich nicht zum Verräter an seiner eigenen Sache hergeben. r. In der Generalversammlung der Ortskrankenkasse waren 47 Vertreter der Kassenmitglieder und 3 Vertreter der Arbeit⸗ geber anwesend. Zur Prüfung der Jahres⸗ rechnung wurden die Herren Sickert, Gentner und Wiegand bestimmt.— Die ausgeschiedenen Vorstandsmitglieder(Dahmer, Bing, Volz und Gentner von Seiten der Kassenmitglieder und Wiegand und Nauheimer von Seiten der Arbeit⸗ geber) wurden wiedergewählt. Zum Schlusse erstattete der Geschäftsführer Fourier aus. führlichen Bericht über die Versammlung des Zentralverbandes deutscher Ortskrankenkassen zu Dresden sowie diejenige der freien Vereinigung hess. Krankenkassen zu Alzey. — Wahl zur Ortskrankenkasse. Nächsten Dienstag, den 5. Dezember findet von mittags 12 Uhr bis abends 8 Uhr im Post⸗ keller die Wahl der Vertreter zur General- Versammlung der Ortskrankenkasse statt. Für die Kassenmitglieder hat das Gewerkschaftskar⸗ tell eine Liste aufgestellt, welche mit Amend an⸗ fängt und mit Zipp endigt. Es ist Pflicht der Arbeiterschaft sich recht zahlreich an der Wahl zu beteiligen, damit sich auf diese Liste eine hohe Stimmenzahl vereinigt. Anch die weiblichen Mitglieder können ihr Wahlrecht ausüben. Wir ersuchen in allen Arbeitsstellen für eine zahlreiche Beteiligung agitieren zu wollen, da ÜUeberraschungen nicht ausge⸗ schlossen sind. — Omnibus Gießen⸗Altenbuseck. Herr Eschstruht in Altenbuseck macht bekannt, daß er vom 1. Dezember ab einen Omnibus für Personenverkehr täglich zweimal von Alten⸗ buseck über Wieseck und zurück gehen lassen werde. Diese Einrichtung dürfte vielen willkommen sein Fahrpreise erschwingliche sind. Zureden hilft. In den letzten Tagen bemüht man sich, in den Straßen der und stark benutzt werden, vorausgesetzt, daß die Den Erfolg dieser Bemühungen lann man stele in einigen Straßen mit Genugtuung fest⸗ ellen. — Das Schwurgericht für Oberhessen 1 diesen Montag mit seinen Verhand- ungen. Aus dem Rreise gießen. zl. Heuchelheim. Der Arbeiter ⸗ Bildungsverein hält am Samstag Abend bei Wirt K. Stumpf seine Mitgliederversamm⸗ lung ab, auf welche hiermit besonders aufmerk⸗ sam gemacht sei. Die Genossen werden ersucht vollzählig zu erscheinen, da für unsere Partei⸗ organisation sehr wichtige Punkte zur Beratung stehen. Ueberheupt müßte sich unter unseren hiestgen Parteifreunden eine größere Regsam⸗ keit zeigen. — Kriegervereinliches aus Klein⸗ Linden. Am Samstag feierte der Krieger⸗ verein in Klein⸗Linden Großherzogs⸗Geburtstag. Bei solchen Festen wird aber nicht nur ge⸗ trunken und Hoch geschrieen, sondern vielfach gibts zum Schlusse kriegerische Schauspiele, in denen die Festteilnehmer aktiv mitwirken. So auch in Klein⸗Linden. Wie uns berichtet wird, erprobten die Krieger ihren Kampfesmut und lieferten sich eine regelrechte Schlacht. Wer den Sieg davon getragen wissen wir nicht, doch steht fest, daß die Nase des ganz unbeteiligten Wirtes stark in Mitleidenschaft gezogen wurde Und was war die Ursach'? Die leidige Politik Die vertrackte Sozialdemokratie! Sie hat es darauf abgesehen, wie der Lehrer und Patriot Keil dem Gießener Amtsblatt schrieb, in die Kriegervereine Uafrieden zu bringen und hat auch dort einen Krieger ohne sein Wissen und Willen“ als ihren Wahlmann aufgestellt. Herr Keil sollte lieber für gute Erziehung der Jugend und auch der— Krieger sorgen, als daß er Unwahrheiten wie die obigen in die Welt setzt. — In Großenlinden sprach am Sonntag in einer im Lokale Weigandt abge⸗ haltenen ziemlich gut besuchten Versammlung Gen. Häuser über:„Politische Rechte und Pflichten.“ Er beleuchtete die heutigen poli- tischen und wirtschaftlichen Verhältnisse und wies besonders darauf hin, wie durch die in⸗ direkte Steuergesetzgebung dem arbeitenden Volke schwere Lasten auferlegt, ihm aber politische Rechte vorenthalten würden. Diese zu erkämpfen, sei Organisation nötig. Im Anschluß daran wurde die Gründung eines Arbeiter⸗Bildungs⸗ vereins beschlossen, dem sofort 20 Mann hei⸗ traten. Sonntag, den 3. Dezember soll nach⸗ mittags im gleichen Lokale wiederum eine Ver⸗ sammlung stattfind en, in welcher der Vorstand gewählt werden soll. Aus dem Nreise Alsfesd⸗Cauterbach. * Was für gemeiner Schwindel über die Sozialdemokratie die„Ordnungspr e sie⸗ ihren Lesern austischt, dafür liefert folgende Notiz, die sich kürzlich im Alsfelder Kreisblatt be⸗ fand, ein Beispiel. Sie wird uns von einem dortigen Genossen zugesandt und lautet: „Wo wandern die Arbeitergro schen. hin? Es berührte eigentümlich als neulich die Notiz durch die Blätter ging, in Jena habe eln Zi⸗ garrenhändler noch nie so viel Havanna⸗Importen verkauft als zur Zeit der sozlaldemokratischen Tagung. So lesen wir von einem österreichischen Arbeiterführer, Dr. Adler, dessen Genosse in Montecarlo gesehen hat, als er an der Ronlette mit blanken Goldstücken sein Heil versuchte. Sein Genosse hat es selbst weiter erzählt und hervorgehoben, daß Adler als armer Mensch zur Partei gekommen war.— Ja, die Ar⸗ beiter haben noble Führer.“ Wer nur ein llein wenig mit unseren Parteiver⸗ hältnissen und ⸗Personalien vertraut ist, weiß ja ganz genau, daß obige, aus der Korrespondenz des edlen Viktor Schweinburg— der nach gerichtlicher Feststellung jährlich fünf z ehntausend Mark vom Bunde der Industriellen bekommt, damit er jede Woche einen Schimpfartikel gegen bie Sozialdemokratie liefert— abgedruckte Notiz elende Lüge ist. Das w ei ß auch derjenige, der sie in das Amtspapler aufge⸗ nommen hat. Der Bursche lügt bewußt. Er ist also ein ganz erbärmlicher Schwindler und Verleumder. Leider wissen wir seinen Namen ncht, sonst würden wir ihn unter Na mens nen nung Lügner uuseren Leuten noch oft genug versäumt wird. Stadt einigermaßen Sauberkeit herzustellen. heißen, solang er nicht be w eist, daß seine Angaben 8 3 — riot llt. als die ge; ung Un lis und in olle fen, fran gs bei. nach Ver⸗ Nr. 49. Mitteldeutsche Sonntags Reitung. — Seite 8. auf Wahrheit beruhen. Der Lumpazius würde nicht den Mut haben, uns zu verklagen! Allgemein ist in der Partei bekannt, daß gerade Dr. Adler sein ganzes Vermögen der Partei geopfert hat. In derselben Nummer druckt das Kreisblatt noch„Merlsprüche für Genossen“ ab, die ebenfalls auf Schweinburg'schem Miste gewachsen sind. Hier einige Beispiele davon: Was der Singer spricht, was der Bebel tut, Das befolge stumm, Frage nicht warum. Wo man nicht überzeugen kann, Da wende man die Knute an. „Genosse“ nennt man einen Mann, Der wie ein Hund parieren kann. Diese Sprüche könnte man mit vollem Rechte auf die„Ordnungs“⸗Parteien und dle Kriegervereine anwenden! Die Arbeiterschaft(und überhaupt alle an⸗ ständigen Leute) in Alsfeld und Umgebung sollten die Kampfesweise jener Preßbanditen beantworten, wie es sich gehört, nämlich das Schandblatt aus dem Hause hinauswerfen. Dann würde ihm bald die Puste aus⸗ gehen. p. Versammlung in Alsfeld. Ueber den Wert der Konsum vereine sprach am Sonntag Frau Gisela Michel 8⸗Marburg in einer gut besuchten Versammlung im Stadtpark. Rednerin wies zunächst auf die sündhafte Verteuerung der Lebensmittel durch Zölle und indirekte Steuern hin, wie dem ärmsten Arbeiter bei jedem Stückchen Brot, jedem Pfund Salz, jedem Hering, jeder Zigarre ein ganz erheblicher Prozentsatz des Preises als Steuer abgepreßt werde. Aber noch elne weitere Verteuerung finde durch den Zwischenhandel statt. Jede Ware geht durch sou idsoviel Hände und jede will daran verdienen. Der Konsument muß nartür⸗ lich schließlich den Gewinn des Zwischenhandels bezahlen. Durch den Konsumverein könne wenigstens ein Tell dieser Kosten erspart und den Mitgliedern zugeführt werden, indem die Waren direkt bezogen würden.— Der Marburger Konsumverein wurde mit nur 60 Mit⸗ gliedern gegründet und habe sich jetzt zu einer blühenden Genossenschaft entwickelt.— Nach dem mit Beifall auf⸗ genommenen Referat wurde die Gründung eines Vereins beschlossen und zur Statuten⸗Vorberatung eine Kommission gewählt. Sonntag findet eine Mitgliederversammlung im Stadtpark statt, in welcher der Vorstand gewählt werden soll. Aus dem Nreise Wetzlar. Der„Ober von Wetzlar“. In der Apotheke des Wetzlarer„Oberbürgermeisters“, des Herrn 1. Beigeordneten Siegmand Hiepe ereignete sich dieser Tage ein Vorfall, der gewiß einer kurzen Erwähnung verdient. Kommt da ein Polizei⸗ Sergeant mit einer Düte voll Nah⸗ rungsmittelproben herein, welche er dem Herrn Apotheker zur Untersuchung übergeben soll. Diesem war die Zeit aber anscheinend höchst ungelegen— vielleicht war er auch noch miß ⸗ mutig über den ihm kürzlich entgangenen nach seiner Ansicht verdienten(9) Seminar ⸗Orden oder mögen ihm die Melchtor⸗Pillen wieder Leib⸗ schmerzen verursacht haben— denn er kanzelte den armen Polizeimann vor allem Publikum im Kasernenhoftor derart ab, daß kein Hund mehr ein Stück Brot von ihm genommen hätte und die Zuhörer Mund und Nase aufsperrten. Und nun ist es nicht recht begreiflich, wie ein städtischer Angestellter sich eine derartige Be⸗ handlungs weise, die doch gewiß nicht geeignet ist das Ansehen des vlelgepriesenen Beamten- standes zu heben, gefallen lassen kann. Die Leute sollten doch wissen, daß dieser Mann nicht mehr ist als jeder gewöhuliche Bürger; daß er vielleicht nur dann etwas zu sagen hat, wenn er vom Bürgermeister in Behinderungsfällen ausdrücklich mit seiner Vertretung oder Aus⸗ führung einzelner Geschäfte beauftragt ist. Daß dies nur ganz geringfügige Funktionen sein können, liegt auf der Hand. Da ähnliche Fälle schon öfter vorkamen, muß man annehmen, daß Herr H. sich über die Grenzen seiner Macht- befugnisse im Unklaren befindet und es sollten ihm diese mit möglichster Dentlichkeit bezeichnet werden.— In voriger Nr. unseres Blattes haben wir den Stadtväter an's Herz gelegt für die Linderung der Schmerzen, des Herrn Hiepe auf dem Gebiete der Repräsentation Sorge zu tragen. Auch hier in diesem Falle könnten die Stadtväter ihm etwas nachhelfen durch Be⸗ willigung des Knigge'schen Buches„Umgang mit Menschen“. Ob es was helfen wird, ist allerdings fraglich. h. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich schon wieder in der Karolinenhütte. Der an der Bolzenscheere beschäftigte Arbeiter Dern wollte am Mittwoch Abend einen Riemen reparieren und suchte ihn zu diesem Zweck über eine Nachbarschelbe zu heben; dabei kam er mit dem linken Arm an den daraufliegenden Riemen, der ihm drei⸗ bis viermal förmlich den Arm durchschnitt. Allem Anschein nach wird Dern den Verlust des Armes zu beklagen haben. In dem Raume ist eine so schlechte Beleuchtung, daß man oft die Hand vor den Augen nicht sehen kann. Da auch noch sonstige Miß⸗ stände in dem Betrieb vorhanden sind, wird es gut sein, wenn der Fabrlkinspektor mal nachsteht. Auch in der Druckerei Waldschmidt passterte ein Unfall. Ein Lehrling wurde vom Riemen der Maschine erfaßt und zur Decke geschleudert und erheblich verletzt. b. Frommer Lüstling. Vor einiger Zeit teilte der„Wetzl. Anz.“ mit, daß ein hiesiger Geschäfts⸗ mann wegen Sittlichkeitsvergehen verhaftet worden sei. Es handelte sich um den unverheirateten Tapezierer F., der nebenbei Mitglied des katholischen Gesellen vereins ist. Er versuchte, als er in einem Privathause Tape⸗ zierer⸗Arbeiten auszuführen hatte, das dort in Stelle befindliche 16 jährige Dienstmädchen zu vergewaltigen. Als das Mädchen sich wehrte und schrie, floh er und ließ die Arbeit im Stich. Das Limburger Landgericht hat jedoch den Betreffenden außer Verfolgung gesetzt, weil, wie es in dem Gerichts⸗Beschlusse heißt, das Mädchen dem Versuche einen ernstlichen Widerstand nicht entgegengesetzt habe. Ueber diesen Ausgang der Sache sind die Eltern des Mädchens außerordentlich entrüstet. Sie find von der Sittenreinheit ihrer Tochter überzeugt und meinen, daß letztere nur auf die Fragen des Unter⸗ suchungsrichters nicht klar und richtig zu antworten ge⸗ wußt habe. Deshalb wollen sie gegen den Beschluß des Limburger Gerichts Beschwerde führen. * Eine Anfrage. Aus Wetzlar werden wir angefragt, warum denn vor dem Hause des Stadt⸗ verordneten Htepe immer die städtischen Arbeiter das Trottoir reinigen, während sonst alle Haus besitzer selbst für die Reinigung vor ihren Häusern sorgen müßten. Wir wissen darauf keine Antwort zu geben und müssen dem Fragesteller raten, sich mal bei der Stadtverordneten⸗Versammlung darüber zu erkundigen. Vielleicht zahlt Herr Hiepe jährlich einen gewissen Betrag dafür, er wird gewiß nichts umsonst verlangen, so wenig wie er selber etwas umsonst tut. Und von der Stadt⸗ verwaltung aus werden doch sicher alle Bürger gleich⸗ mäßig behandelt. Aus dem Nreise Marburg⸗Rirchhain. Im Wahl verein hielt am Samstag Gen. Michels ei en Vortrag über„Unsere Rechtspflege“, der mit lebhaftem Beifall aufge⸗ nommen wurde. Hierauf wurde das neue Organisationsstatut für Hessen⸗Nassau beraten. Im Allgemeinen war man mit dem vom Frankfurter Agitationskomitee vorgelegten Ent⸗ wurf einverstanden.— Zur Stadtverordneten. Stichwahl wurde folgender Antrag beschlossen: „In Anbetracht, daß keiner der in Stichwahl stehenden Kandidaten zur Stadtverordnetenwahl unsere Forderungen auf dem Rathause ernstlich zu vertreten im Stande ist, beschließt die heutige Versammlung Stimmenthaltung.“ Mit der von uns aufgebrachten Stimmenzahl könnten wir zufrieden sein, nur wurde getadelt, daß mehr⸗ fach Arbeiter nur 1—2 unserer Kandidaten wählten, während die übrigen Stimmen den Bürgerlichen gutkamen. Sogar ein früherer Vertrauensmann unserer Partei(E.) verleugnete seine Gesinnung und wählte nicht einen unserer Kandidaten. Im weiteren Verlauf der Ver⸗ sammlung wurde beschlossen, daß am Sonntag, den 3. Dezember, eine Kalenderverbrei⸗ tung im ganzen Wahlkreise stattfindet. Des⸗ gleichen findet am Sonntag, den 10. Dezember eine öffentliche Protestversammlung gegen die Fleischnot stat..— Zum Schluß kam man auf die Presse zu sprechen. Es sei bedauer⸗ lich, daß einige Genossen noch immer das „Volks“blatt, die nationalsoziale Hessische Landes⸗ zeitung, lesen. Was dieses edle Streikbrecher⸗ vermittelungsblatt in der letzten Zeit über unsere Partei zusammengeschmiert hat, ist haar⸗ sträubend. Aufgabe der Genossen muß es end⸗ lich sein, Blätter dieses Schlages aus dem Hause herauszuwerfen. Mehrere Bauunfälle sind in den letzten Tagen auf hiesigen Baustellen vorgekommen. Vorige Woche stürzte ein Maurer aus Marburg beim Neubau des Kammergebäudes am Kämpfrasen so unglücklich vom Gerüste, daß er st ar b. Am Montag Nachmittag fielen bel einem Neubau der Lander⸗Hellanstalt der Spengler⸗ meister Geidt, sein Gehilfe und sein Lehrling infolge eine Gerüstbruches zwei Stockwerk hoch hinab. Alle drei wurden schwer, wenn auch nicht lebensgefährlich verletzt. Ob in diesen Fällen die gesetzlichen Vor⸗ schriften beachtet worden sind, dürfte jedenfalls not⸗ wendig sein, durch eine gründliche Untersuchung feststellen zu lassen. O Freigesprochen wurde von der hiesigen Strafkammer am Freitag ein Steinbruchpächter Gabriel aus Gießen und sein Obersteiger Kirchner aus Steden von der Anklage, in ihrem Kalksteinbruche bei Bleber die gesetzlichen Vorsichtsmaßregeln nicht beachtet und da⸗ durch den Tod eines Arbeiters Krauskopf aus Krumbach verschuldet zu haben. In der Beweisaufnahme bekundet ein Arbeiter, man habe sich nicht getraut, etwas zum Obersteiger zu sagen, der Unglücksfall hätte bei einiger Vorsicht verhütet werden können. Das Gericht konnte sich jedoch nicht von der Schuld der Angeklagten über⸗ zeugen, da ver Stein, welcher den Arbeiter verletzte, erst 20 Minuten nach dem Abschießen sich losgelöst habe, und erkannte auf Freisprechung. O Eine öffentliche Verhöhnung ihrer Vorgesetzten und deren juristischen Urteile dürfen sich unsere Herrn Studenten schon leisten. Am Montag nachmittag wurde ein zu Karzerstrafe verurteilter „Student“ von seinen Saufkumpanen in lustiger Kaval⸗ kade vierspännig zur„Verbüßung seiner Strafe“ be⸗ gleitet. Für solche öffentliche Verhöhnung der Justiz erhalten die Herrchen höchstens ein paar Mark Geld⸗ strafe wegen Abhaltung eines nicht angemeldeten Umzuges. Wenn ein sozialdemokratisches Blatt oder ein Redner aber in der Kritik nicht peinlich genau seine Worte ab⸗ wägt, setzt es Monate Gefängnisstrafe ab— Klassen⸗ justiz! O Seinen kargen Lohn wollte ein beim Bahnbau der Strecke Treysa Hersfeld beschäftigter ita⸗ lienischer Arbeiter dadurch aufbessern, daß er den Lohn⸗ zettel fälschte. Statt 3.50 Mk. Mehrlohn für nicht ge⸗ leistete 10 Arbeitsstunden brachte ihm diese verfehlte Manipulation drei Wochen Gefängnis eln, welche ihm die hiesige Strafkammer am Freitag zudiktierte. Das flüchtige Gemein deo berhaupt. Der Bürgermeister Weber aus Amöneburg, der be⸗ kanntlich nach Unterschlagung von 10,000 Mk. sich vor einigen Monaten„dünn“ gemacht hat, ist jetzt endlich vom Bezirksausschuß seines Amtes enthoben worden. Drei Monate Gefängnis wegen Dieb⸗ stahl von Holz im Werte von 10—2 0 Pfg. erhielt ein Einwohner aus Frankenberg vom dortigen Schöffen⸗ gerichte, welches Urteil am Dienstag in der Berufungs- instanz von der hiesigen Strafkammer bestätigt wurde. Der Mann war„rückfälliger Verbrecher“ am geheiligten Eigentümer und die erkannte Strafe für solche Misset äter das gesetzliche Mindestmaß und unsere„göttliche“ Welt⸗ ordnung verlangt, daß in solchem Falle, auch wenn es sich um ein fast wertloses Objekt handelt, auf diese unverhältnismäßig hohe Strafe erkannt wird. Partei-Uachrichten. Parteitag für Hessen⸗Nassau. Am Sonntag fand ein außerordentlicher Parteitag sür Hessen⸗Nassau im Frankfurter Gewerkschaftshause statt, der von 83 Delegierten besucht war. Es wurde nach eingehenden Beratungen ein Organisations⸗ statut für die Provinz Nassau beschlossen, nach welchem zwei Agitationsbezirke— Frankfurt und Kassel— ge⸗ schaffen werden. Wir werden das Wesentlichste daraus demnächst veröffentlichen. Am Schlusse des Parteitags wurde eine Resolutlon angenommen, die die Sympathie für die russischen Freiheitskämpfer ausspricht und im Anschluß daran eine Sammlung für die Opfer des Zarismus veranstaltet. Versammlungskalender. Samstag, 2. Dezember. Sozialdem. Wahlverein. Abends Gießen. Vortrag. 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Zahlreich erscheinen! Steinberg. Wahlvevein. sammlung im Lokale„Zur Wilhelmshöhe“. Zahl⸗ reich erscheinen! Hausen. Arbeiter⸗ Verein. Abends 8½ Uhr Mitgl. Versammlung bel Wirt Wallbott. Heuchelheim. Arbeiterbild ungsverein. Abends 1/9 Uhr Versammlung bel Wirt Karl Stumpf. Sonntag, den 3. Dezember. Krosdorf⸗Gleiberg. Wahlvereln. Nachmittags ½4 Uhr Versammlung bei Gastwirt Feu ser⸗Gleiberg. Gießen. Maschinisten und Heizer. Nach⸗ mittags 4 Uhr Versammlung im„Wiener Hof“. Dienstag, den 5. Dezember. Gießen. Gewerkschaftskartell. Abends 9 Uhr Abends ½9 Uhr Ver⸗ Sitzung bei Orbig. ——6é—— n— Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 49. Schillers geistige Entwicklung.“) Dr. R. Strecker. Rh.-M. V. Schon früh regten sich in dem Sohn des Wundarztes und späteren Hauptmanns Kas⸗ par Schiller diejenigen beiden geistigen Interessen, welche das ganze Innenleben des großen Dichters bis zuletzt beherrschen sollten, und deren Ver⸗ einigung so oft den tiefer angelegten Geist ge⸗ kennzeichnet hat. Vom Vater, der selbst in den Kriegen Friedrichs des Großen mitgefochten hatte, wurde er auf die Geschichte hinge⸗ wiesen, während die Mutter ein tiefreligiöses Empfinden pflegte, aus dem später die Neigung und Anlage zur Philosophie hervorging. Schon im 14. Lebensjahre ahmte Friedrich Schiller in christlichen Trauerspielen Klop⸗ stock nach. Die nafürliche Entwickelung des jungen Genies wurde aber durch einen landesfürstlichen Eingriff, der in diesem Falle wohl der lächer⸗ lichste, je vorgekommene Mißgriff war, zerrissen und aus der Bahn gebracht. Herzog Karl Eugen von Württemberg verfügte 1773 die Aufnahme des Knaben in die später sogenaunte hohe Karlsschule und legte dem innerlich zur Theologie Neigenden das Studium der Rechts⸗ wissenschaf: auf. Freilich, eine starke Persön⸗ lichkeit läßt sich auch durch Kasernierung, pe⸗ dantische Disziplin und völlig unangemessene geistige Nahrung nicht ersticken; wenn es offiziell verboten war, die Dichter der Zeit, Lessing und Goethe zu lesen, so wurden sie dafür heimlich nur um so eifriger studiert, und Plutarch und Shakespeare wirkten nicht weniger als sie. Aber ohne Eindruck auf die empfindliche Seele konnte ein so gewaltsamer Druck erst recht nicht bleiben, vielmehr erklärt nur er den ganzen von tiefster Empörung durchzitternden Freiheitsdrang des mißhandelten Dichterherzens. Nur eine geringe Lockerung der beengenden Fesseln war es, als neben dem Rechtsstudium auch wenigstens die Medizin gestattet war, der sich dann Schiller zuwandte. Es hat etwas Rührendes zu sehen, wie er mühsam in das aufgezwungene geistige Joch seine angeborene philosophische Anlage zu fügen sucht, was die eine seiner Abschlußarbeiten schon im Titel verrät:„Ueber den Zusammenhang der tierischen Natur des Menschen mit seiner geistigen.“ Uebrigens ließ ihn sein Eifer und seine Begabung auch mit dem ihm innerlich fernliegenden Studium ausgezeichnet fertig werden, und seit ) Die folgenden Skizze schließt sich eng an die aus⸗ gezeichnete kleine Literaturgeschicht e(2.50 M.) von Dr. Gotthold Klee, Professor am Gymnasium zu Bautzen, an. Das Werkchen zeichnet sich vor manchem populären besonders durch seinen gediegenen philosophischen Unter⸗ grund aus, der allein eine allseitig gerechte Beurteilung literarischer Schöpfungen, zumal eines philosophischen Dichters wie Schiller, ermöglicht. Uebrigens sollte auch in keinem guten deutschen Bürgerhause und in keiner Bibliothek, wo es die Mittel gestatten, eine ausführliche Biographie unserer beiden Dichterfürsten fehlen, denn aus ihrem Leben heraus nur sind ihre Werke völlig zu verstehen. Für Goethe ist die von Bielschowsky(Bd. I 6 M., Bd. II 8 Mh, für Schiller die von Kühnemann (6 Mk.) zu empfehlen. Ende 1780 konnte er als Regimentsmedikus in Stuttgart etwas mehr von der schwer ent⸗ behrten Freiheit genießen, die seiner Dichter⸗ kraft wie Luft und Licht zur Entfaltung nötig war. Die„Räuber“ wurden vollendet, die, wie mangelhaft auch ihre Charakteristik der Personen ist, doch so hinreißend wirken durch die wasser⸗ sturzartig aufschäumenden Aeußerungen tiefster leidenschaftlicher Empfindung. Aehnliches gilt von den überschwänglichen Lauraoden, deren Gegenstand, eine kokette Hauptmaunswitwe, nur ganz äußerlich Anlaß zu den dichterischen Er⸗ güssen des noch jugendlich ungeklärten Fühlens geben konnte. Wir ermessen aus diesen Schöpfungen leicht, wie schwer das Ringen des Jünglings gegen sein eigenes heißblütiges Na⸗ turell gewesen sein muß. Eine düstere ver⸗ bitterte Stimmung breitete sich infolge dieser inneren Disharmonie über die Seele des Dich⸗ ters aus(Kindsmörderin, Elegie auf den Tod eines Jünglings, Gruppe aus dem Tartarus u. a.), nur noch gesteigert durch die Schicksale der nächstfolgenden Zeit. Am 13. Januar 1782 waren zwar die „Räuber“ mit großem Erfolge am Hoftheater in Mannheim(Karl Theodor von Kurpfalz und Bayern) aufgeführt worden. Aber dem Dichter zog sie nur die Ungnade seines Landes⸗ herrn zu. Bei Strafe der Kassation sollte er in Zukunft uur noch über medizinische Dinge schriftstellern dürfen. Die Mißstimmung des Herzogs Karl Eugen mag begreiflich sein; dieses Verbot wird trotzdem von der ungewollten Ironie, die es enthält, nichts verlieren. Nur durch Desertion vermochte der in seiner geistigen Existenz bedrohte Dichter sich zu retten. (Fortsetzung folgt.) 1 Wir Roten? Verteuert das Fleisch und verteuert das Brot, Und erhöht die Steuern der Schwachen! Und schnoddrige Worte noch über die Wot— Dann könnt ihr von Herzen lachen. Das Daterland ist ja in euer Hut, Und alles ist wohl getan, was ihr tut. Verbrecher sind nur wir Roten— Noch hurrah die Patrioten! Stumpft ab die Herzen und knebelt den Geist In der Dunkelmännerschule! Was Lessing, Schiller und Goethe heißt, Ersäuft im lichtscheuen Pfuhle! Das Vaterland ist ja in eurer Hut, Und alles ist wohl getan, was ihr tut. Verbrecher sind nur wir Roten— Noch hurrah die Patrioten! Wir Roten wir wollen„Gerechtigkeit“, Wir fordern„Menschenrechte“. Doch das ist ja Sünde! Das ist nur der Neid! Gott ist nur mit eurem Geschlechte. Das Vaterland gab er in eure Nut Und alles ist wohl getan, was er tut. Verbrecher sind nur wir Roten. Hoch hurrah die Patrioten! 5 555 Aus unseren Tagen. Von Gerard Keller. 3(Fortsetzung.) Aber ein Besuch in den Ministerien und sonstigen Staatsgebäuden würde ein sehr un⸗ angenehmes Unternehmen gewesen sein, da es nicht wenig Mühe macht, in diesem Irrgarten von Gängen, Türen und Treppen sich zurecht zu finden. Malvine schien den Weg schon einige Mal gemacht zu haben, wenigstens fand sie sich sehr leicht zurecht, und erreichte ohne Schwierig⸗ ketten die nummerierte Tür, die zu dem Zimmer führte in welchem ihr Vater seine Tage zu⸗ brachte. Es war ein nicht sehr großer, aber ziem⸗ lich hoher Raum mit geweißten Wänden und und ohne Fußteppich, denn das kleine Stück einer Decke, welches vor dem Schreibtische lag, konnte kaum erwähnt werden. Dieses Pult und ein Tisch nebst einem großen Feuerungs⸗ kasten, drei Stühlen, einem Papierkorb und einer Wasserflasche mit zwei Gläsern waren die einzigen Gegenstände, die sich in dem Raume befanden. Die beiden Fenster gewährten die Aussicht auf den sonnigen Hof, wo man die Fenster des Regierungsrates auf der entgegen⸗ gesetzten Seite sehen konnte und die Tauben des Portiers girren hören konnte. In den Stunden, wann keine Schule war, konnte man wohl auch die Kinder des Portiers spielen sehen, bis sie von der Mutter hereingeholt wurden; aber in der Regel sah man nur die 444 blauen Steine des Hofpflasters, wovon 14 zerbrochen waren, die zur Abwechselung einige Grasbüschel durchließen. Des Sommers waren alle Gardinen an den Fenstern, welche auf den Hof gingen, geschlossen, und des Winters waren alle Scheiben gefroren, so daß Herr Morsen, der am Pulte saß, und Herr Werner, der am Tisch saß, weder im Sommer noch im Winter eine besondere heitere Aussicht hatten. Beide Herren reinigten gerade ihre Federn, um, Morsen mit der Zeitung in der Hand, und Werner, indem er auf die 444 blauen Steine starrte, ihre halbstündige Pause zu machen— als an der Tür geklopft wurde.„Herein!“ rief Morsen, der, wie sein Pult bereits verriet, hier der Erste war; aber als er Malvine eintreten sah, beschränkte er sich auf einen halblauten Gruß und tauchte seine Feder wieder ein. „Ich bin angenommen, Vater!“ flüsterte Malbine, indem ste sich über Werners Arm⸗ stuhl lehnte. „So, Kind!“ entgegnete dieser,„nun das ist gut, sehr gut.“ Und gedankenlos tauchte auch er seine Feder in das Tintenfaß. „Wenn du etwas Näheres wissen willst—“ „Freilich, freilich, sehr gern.“ Und er be⸗ gann einige Akten zu sortieren. „Könntest du nicht heute einmal auf ein halbes Stündchen nach Hause kommen?“ „Ja, ja, das wäre so übel nicht. Laß ein⸗ mal sehen: ein Viertel vor Zwölf. Nun das läßt sich machen.“ „So laß uns gleich gehen.“ „Gleich? Ja das läßt sich machen.“ Aber Werner blieb bei seinen Akten beschäftigt, bis er plötzlich, wie aus einem Traum erwachend, aufstand und frug:„Was wolltest du mir er⸗ zählen, liebes Kind?“ Malvine war es bei ihrem Vater gewohnt, daß er sprach, ohne zu wissen, was er wollte und antwortete auf Dinge, die er gar nicht verstanden hatte. Ohne die geringste Empfind⸗ lichkeit, die doch wohl erklärlich gewesen wäre, erzählte ste ihm nochmals, daß sie angenommen sei, und daß er jetzt mit ihr nach Hause kommen solle, um alles ausführlich zu vernehmen. Werner zog dann seinen alten abgetragenen Rock aus, holte seinen sorgfältig aufgehobenen guten Rock zum Vorschein, strich seinen Hut allmählich glatt, reinigte dann mit der Hand sein Beinkleid und die Aermel und verließ dann das Bureau mit der Bemerkung, daß er Nach⸗ mittags eine halbe Stunde früher kommen werde. 8 „Dieser Werner wird nachlässig,“ brummte sein unmittelbarer Vorgesetzter.„Der Mann wird eben auch alt.“ Und mit einer gewissen Selbstzufriedenheit warf Morsen einen Blick in den kleinen Spiegel, den wir unter dem vorhandenen Mobilar zu nennen vergaßen, strich seinen Backen⸗ bart, setzte seinen Knelfer auf und fand, daß kein Mensch ihn auf Vierzig schätzen werde. Im Vergleiche zu ihm war Werner ein uralter Mann, obgleich sie nur zwei Jahre ausein⸗ ander waren. Ueberdies, obgleich sie in der⸗ selben Nummer saßen, stand er doch einen Rang höher als sein Zimmergenosse, welchen Sprung er einem Verwandten zu verdanken hatte, der vorübergehend eine Zeit lang an der Spitze gestanden hatte. Werner hatte einen Haushalt mit sechs Kindern, Morsen dagegen war nicht verheiratet und besaß nebenbei ein C7 ˙ ˙— ⁵˙ ͤedũa1i! 1—————.—ͤ122 A oa—— 8 Nr. 49. Mitteldenische Sountags⸗Zeitung. Seite 7. 4 hübsches Vermögen. Außerdem hatte Morser Malbine setzte sich ans Fenster und blickte 5 risti 1 sehr angesehene Bekanntschaften und Werner nach dem schmalen blauen Streifen zwischen den Dumoristisches. .— wer kannte Werner außer denen, die Geld gegenüberliegenden Häusern, der für die Fa⸗ ieee eee eee, 0 von ihm zu bekommen hatten? Kurzum, Morser milie Werner den Himmel vergegenwärtigte. i e 0 fühlte, daß er eine ganz andere Persönlichkeit] Sie sprach kein Wort und nicht mit Unrecht don Spanten ache,. De Tochter: ee! Aer als der alternde Kollege sei, mit dem er das schloß Frau Werner hieraus, daß das ausge Hurra. 7 u r 15 er. Gehe rar 0 Zimmer teilte, und doch— Morser wieder⸗ zeichnete Schicksal ihr nicht so ausgezeichnet] So? Na— das ist auch so gut 1 holte dies so oft bei sich selbst, daß man fast erschten. 5 5 daran zweifeln konnte, ob er von dem großen„Sie ist bei Taubermanns auf fünf Jahre n 05 Unterschiede wirklich überzeugt sei. engagtert,“ sagte das Haupt der Familie end⸗ 2 5 rs 1901 75 1 19 Während er also seine Aufmerksamkeit lich, in einem Tone des Selbstgefühls, als ob 995 stets dau an hungert 1 zwischen diesen Betrachtungen, den Zeitungs- diese glänzende Versorgung ihm ganz allein zu Serkan 19105 Acerknecht; n nachrichten und seinem Butterbrode teilte, hatten[danken sei, obgleich der gute Mann nichts an⸗ Er hängt sich an die Schöße 1 Werner und seine Tochter die bescheidene] deres dafür getan hatte, als daß er die An⸗ Der Großen dieser Welt, lt Wohnung erreicht, welche sie in einer Seiten⸗ zeigen in der Zeitung las. Er gibt sich jede Blöße— ie straße nicht weit von Taubermanns Laden be-.„Bei Taubermanns?“ entgegnete seine Ehe⸗ Ume Geld. J. Audorf., 4 wohnten. hälfte, deren Stimme mehr von Enttäuschung 8 92 Frau Werner saß bereits am Tische; von] als von Genugtuung zeugte;„nun, und der Vassende Weihnachtsbeschensie U vier d Knaben n oder vielmehr[ Minister?“ 1 1 in großer Auswahl und in allen n von drei Kno ben von vierzehn, zwölf und acht„Minister?“ wiederholte Werner,„sie ist viel[Preiskagen in dem 8 5 1 Jahren und einem Mädchen von zehn, dessen] besser daran; ein Miner kann 15 Porte e. l Schultoilette und hungriger Magen es recht feuille verlteren, aber ein Kolontalwarenhänd⸗ von D. Kaminka 1 gut gleichfalls für einen Jungen gelten lassen] ler— nein, glaube mir Josephine, sie ist viel Markplatz 11, am Kriegerdenkmal 0 ace Fester f 5 der lt st Soh der sich besser daran,(Sorteesn 3 4 015 Reparaturen— 53— 8 0 aß der älteste Sohn, der si ortsetzung folgt. i. en J0 17 u e Zustand befand, worin 2 5 ae 8* , o viele im siebzehnten Jahre sind, in dem i „ Zustand, daß er einen Beruf wählen sollte. Splitter Literarisches. nn als ub ihm eine Waßl übri 5 5„Die Prostitution als soziale Klassen⸗ in 5 0 N hl, übrig erscheinung und ihre sozialpolitische Be⸗ f blieb! Wäre dies der Fall, so würde sein Wie bitter immer für die Klugheit, von der][ deutung.“ unter diesem Titel ist im Verlag der er Entschluß balr gefaßt sein; er würde Pastor] Dummheit regiert zu werden. Spricht sie ihre[Buchhandlung Vorwärts soeben eine beachtenswerte Ar⸗ en werden, wie seine Mutter wünschte, oder Be⸗ bessere Einsicht aus, nennt man's Anmaßung; beit aus der Feder Paul Kamffmeyers erschlenen. en amter, wie sein Vater hoffte, oder Offizier, was schweigt ste still, so heißt's Falschheit; will ste] Der Verfasser hat sich bemüht, alle sozlalen Seiten der er selbst am liebsten wollte, oder— aber wo- aber gar selbst das Steuer nehmen, so ist's] Prostitutionsfrage zu erfassen und in selner Arbeit dar⸗ 6 zu das alles! Vater Werner hatte kein Geld, Revolution.— Und der Kampf gegen die zustellen. Er wendet sich in erster Linie an das käm⸗ 1 um seinen Sohn studieren oder eine Akademie] Dummheit ist nicht leicht. pfende, um eine höhere Kultur ringende Proletariat, 5 besuchen zu lassen; Franz mußte etwas wählen, 5 0 5 dessen N Mitgliedern so häufig das Schandmal g e e e den/ 5 K alvine der Fall ge. man sie an die Kette, werden sie umso schärfer.] Ste it also auch berufen, gegen die Form der Kuechtu ng wesen, die nun nach der Erklärung, welche ihr Erfreuen kann sich ihrer in Freiheit nur die und Uaterdrückung di Siiun b 5 Vater nach seinem Eintreten aussprach, ausge⸗ f e 1 Kraft eines überlegenen Geistes. K. W. fasser zeigt die Mttel, die ihm geeignet erscheinen zur zeichnet angekommen war.** Eindämmung dieses Krebsschadens, und die schließlich e„Ausgezeichnet gut, Josephine,“ wiederholte zur Ueberwindung der Prostitatlon, die eine auf das Werner, ohne richtig auf die Fragen seiner Ein fester Sinn geziemt dem klugen Manne, engste mit der heutigen Gesellschaftsordnung verbundene in Frau zu antworten, die mehr Einzelheiten[Doch ziemt ihm auch nicht minder nachzugeben, Klassenerscheinung ist, führen müssen.— Der Preis für wissen wollte, um sich über das ausgezeichnete] Wenn andre ihm des Bessern überzeugen. die Broschüre beträgt 1,50 Mark; eine Agitationsaus 1 Los ihrer Tochter eine Vorstellung zu bilden. Sophokles. gabe kostet 75 Pfg. f 8 5 3 Für Arbeiter und Landleute . Staunend billige] empfehle mein reichhaltiges e ö . Schuh L 5 Schuhwaren-Lager; er⸗ in gediegenen, soliden Oualitäten zu billigsten Preisen. 0 lt, 7 In unerreicht grosser Auswahl Arbeiterschuhe und-Stiefel 1 88 bieter das sowie sämtliche Winterschuhwaren 10 n in jeder Preislage und reicher Auswahl. 5 1 Aunkfurter Schuhlagers; z ießen; 1 5 1 Justus Beuner, Gießen gen 3 8 Marktstrasse 34. 2 1 N. 8 E 9 8 S S8qJ3235˙ I W Giessen; Carl Müller; Ind 1 ertigun 12 Mäusbur 12 4 4 W 85— 5 25. Giessen, Plochstrasse 12. 5 , n empfiehlt sein reichhaltiges Lager in: 5 U a 3„ 5 ortwagen eisekörbe le O a E E k II G Leiterw Waschkörb 0 rtskrankenkasse Gießen. 3 8 sel Gemäß 8 79 des Statuts hat die Wahl der Vertreter zur General⸗Versamml lle 3 Jah 10 eee em reter zur eneral⸗Versammlung alle ahre 8 ö 3 5 stattzufinden und muß sonach, da die letzte Wahl am 10. und 11. Dezember 1902 stattgefunden hat 1 b. e 4 le dieses Jahr Neuwahl eintreten. Von Seiten der Kassenmitglieder sind 104 und von Seiten der Arbeit⸗ 5 2 2 4 10 1 geber 52 Vertreter zu wählen. Zu diesem Zwecke haben wir für die Kassenmitglieder Wahltermine auf: 5 N r cde. Dienstag, den 5. Dezember d. Js. von mittags 12 Ahr bis abends 8 Ihr ö. lter im Posskeller N Warz 0 ne l und für die Arbeitgeber auf:** det ienstag, den 5. Dezember d. Js. von 2 bis 6 Ahr f 5 8 Dienstag,. a0(Inh.: Heinrich Molle) el anberaumt und laden wir die Interessenten zu diesem Wahlakt freundlichst ein. Reichhaltiges Lager in: 17 Wählbar, sowie wählen können von den Kassen mitgliedern solche, die das 21. Lebens⸗ Herren., Knaben⸗ und Arbeitskleidern de ahr überschritten haben und im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte sind. 10 ö Von den Arbeltgebern sind wählbar und können wählen solche, die aus eigenen Mitteln Stoffe im Nus schnitt. Anfertigung nach mass. 10 Beiträge entrichten; ebenfalls deren Vertreter. D Feste Preise! streng reelle Bedienung! er Vorstand. marktstraste und ecke Wettergasse. — —— * ————— —— Seite 8. Muteldeussche SonntagsZeitung. Konsum.Verein diessen und Umgegend. Unseren Mitgliedern zur Kenntnis, daß unsere zweite Verkaufsstelle— Asterweg 6— eröffnet wurde. Für die he vorstehenden Feiertage sind unsere Lager reichlich versehen und empfehlen wir diese zum regen Besuch. Frisch eingetroffen: Mehl., Marke„Phönix“ der bestrenomierten Weinheimer Mühle. Alle Backzutaten. Ia. naturreine Weine der Winzervereinigung Eltville a. Rh. Glasschmucksuchen in reicher Aus wahl. Lichterhalter— Christbhaumlichter. Neueintretende können jederzeit in unseren Ver⸗ kaufsstellen— Asterweg 6 und Bahnhofstraße 31— erfolgen. Diese sind vom 1. Dezember ab an Werktagen von 12½ bis 1½¼ Uhr mittags geschlossen. An Sonntagen von 11 bis 1 Uhr geöffnet. 7„e 2 2 R 1 Brauer-Ball Samstag, den 9. Dezember, abends s Uhr im Leib'schen Kgale, Walltorstraße. Karten à 75 Pfg. sind nur bei Herren Löb, Wiener Hof, Orbig, Rittergasse und im Konsumverein zu haben. Für Unterhaltung in den Pausen ist bestens gesorgt. Es ladet ergebenst ein Der Vorstand. Allgemeine Sterbekasse Giessen. Sonntag, den 10. Dezember, nachmittags 4 Uhr in der Restauration zum Felsenkeller(Wilhelm Fischer) General- Versammlung. Tagesordnung: 1. Geschäfts⸗ und Kassenbericht. 2. Neuwahl des Vorstands und Aufsichtsrats. 3. Verschiedenes. Wegen Wichtigkeit der Tagesordnung wird um zahlreiches Erscheinen ersucht. Gießen, den 2. Dezember 1905. Der Vorstand. Dunnen— Duppenlöäpfe Puppenbälge Puppenwagen Schauuelpferule sowie sämtliche Neschen har liel Spielwaren aller Art zu bekannt billigen Preisen. 6 Giessener Bazar Bahnhofstr. 4 Max Marum 4 Bahnhofstr. Haushaltungsartikel sröste Auswahl Enorm billig. De enng age! — Murmeln bn und bitte ich Kunden ö 2 -pun vonuuosuneq;s meine werten ihre Bestellungen zu ä 8 dle Fahrlk marke. V 0 Mähmaschiney Singer Co. Nähmaschinen Act. Ges ö GIESSEN I Lindenplatz i. erneuern. Heinr. Lynker, Kirchenplatz 2. 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