3 r 5 SSR DDR/ 2 S 2 1 1 1 111 . Gießen, den 2. Juli 1905. 12. Jahrgang. Redaktion: 5 2 Nedaktionsschluß: Kirchenplatz 11, Schloßgass⸗ Mitteld eutsche Donnerstag Nachmittag 4 Ute. unt gs kitung. Abounementspreis: Bestellungen 2 Juserate Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbretrung. Die 5 gespalt. Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindestens Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Postanstalt und 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 5107) 33½U/% und bei mindestens 22 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Politik, Ethik und Regierung. Kürzlich hat in Hannover wieder der „ebangelisch⸗soziale Kongreß“ getagt. Man bekam dabet den erfreulichen Eindruck, daß diese Herrn, je tiefer sie mit der Zeit in die national⸗ökonomischen Fragen eindringen, um so deutlicher auch die eutscheidende sittliche Bedeutung der sozialen Bewegung erkennen lernen. Wir wünschten, daß sich jeder Arbeiter das Wort zu Herzen nähme, daß da ge⸗ sprochen wurde: „Es ist nicht Pflicht in einer christlichen Gewerkschaft organisiert zu sein, aber es ist Pflicht organisiert zu sein.““ Wir freuen uns, hier auch endlich einmal von bürgerlicher Seite den guten erzieherischen Einfluß der Gewerkschaft richtig gewürdigt zu sehen. Auch die Hervorhebung, daß gerade der organisterte Arbeiter der beste Familienvater sei, wird durch die Erfahrung im vollsten Maße bestätigt. Aber freilich, je ehrlicher und gründlicher der evangelisch soziale Kongreß seine soziale Pionierarbeit auffaßt, um so weniger Ver⸗ ständnis wird ihm von den Höhen der Regie⸗ rung aus entgegengebracht. Der Wind der von da oben her weht, säuselt, wenig Gutes versprechend, durch die Blätter der„Norddeutschen allgemeinen Zeitung“. Da wird dem evangelisch⸗ soztalen Kongreß vorgehalten, man könne doch nicht so wie er vom philosophischen Katheder herab Politik treiben. Da wird es für einen gefährlichen Irrtum gehalten, wenn jemand die Politik mit der Ethik d. h. mit sittlichen Forderungen verquicken wollte. Da⸗ nach hat also die Politik etwa mit einem Streben nach Gerechtigkeit und dergl. nichts zu tun. Sie müsse vielmehr opportunistisch sein, das heißt, sich nach dem Erfolge richten, wobei dann freilich nicht gefragt wird, für wie lang dieser Erfolg gelten soll. Es ist so recht, als ob man den Fürsten Bülow hörte: da kommen auf der einen Seite zu ihm die Agrarier und wollen einen Getreidezoll von 10 Ml., auf der anderen Seite kommen die Industriellen und möchten am liebsten gar keinen Getreidezoll. Da macht dann der ge⸗ schmeidige Herr ein Kompliment nach beiden Seiten, erfüllt halb den Wunsch der einen, halb den Wunsch der anderen Seite, und setzt einen Getreidezoll von 5 Mk. ein. Ist das nicht furchtbar gerecht? Oder ein ander Mal wenden sich die betrübten Bergarbeiter an ihn, um gegenüber dem tyrannischen Absolutismus ihrer Brotherren und gegen deren allmächtige Ver⸗ bände auch ihre Organisationen staatlich auer⸗ kannt und gesetzlich fundamentiert zu bekommen. Und wiederum ein liebenswürdiges Lächeln nach beiden Seiten: gewiß, die Arbeiter⸗ organisationen werden anerkannt, die Arbeiter dürfen ihre Ausschüsse wählen— aber die Wahl zu diesen Ausschüssen und die Stellung in ihnen muß natürlich so verklausuliert und erschwert werden, daß sie nur ja den Herren Kohlenbaronen zu keinem Aergernis werden könne. Ist nicht auch das eine äußerst gerechte Stellung über den beiden Parteien? Es wird in der Tat alles Mögliche von dieser Regierung erwogen und geprüft, nur elne Frage, die wird leider dabei überhaupt nicht aufgeworfen, eine Möglichkeit wird von! vornherein ignoriert. Man sucht allen mög⸗ lichen Wünschen gerecht zu werden, aber o b diese wirklich alle einen gerechten Kern haben, das unterläßt man zu erforschen. Die Arbeitgeberorganisationen erstreben ausgesprochenermaßen die Unterdrückung der Arbeiter⸗Verbände. Sie wollen keine Tarif⸗ verträge mehr, sie wollen an Stelle friedlicher Vereinbarung auf Grund gesetzlicher und fak⸗ tischer Gleichberechtigung eine Verewigung des sozialen Kampfeszustandes, sie erstreben den Konsumenten gegenüber das möglichst willkür⸗ liche Hinaufschrauben der Preise, sie wollen auf Kosten der großen Massen ihrer Mitmenschen „die Herren“ bleiben und die Besitzenden. Das Alles aber hindert den Fürsten nicht, das liebenswürdigste Lächeln der Welt gerade für sie übrig zu haben, lieber die Hälfte der gerechtesten Arbeiterforderungen über Bord zu werfen, als jene Mächtigen zu kränken. Denn wo die Macht ist, da ist auch der Erfolg, mit den Forderungen der Gerechtigkeit haben ja die Forderungen der Politik nichts zu tun. Wir haben freilich keine„Philosophen“ auf unsern Ministersesseln sitzen. Armer Plato, der Du vor langer, langer Zeit einmal von solchen Möglichkeiten geträumt hast! Armer Fichte, armer Schiller, die ihr seine Träume wieder aufzufrischen euch erkühntet. Wie wenig habt doch ihr von Regierungsweis heit gewußt! Aber seid froh, daß ihr nun schon in die Ge⸗ filde der Seeligen eingegangen seid, wo man euch eure leichtfertigen Träumereien hoffentlich gnädigst verziehen hat. Welche Stellung würdet ihr sonst heute unter einer königlich preußischen Regierung einnehmen! Man möchte gar manchmal bitter ergrimmen über dieses Regiment ängstlicher Halbheiten, über dieses politische System des langsamen Schrittes, über diese oberflächliche Verschleierung und Vertuschung der Gegensätze. Man wünschte sich oft lieber den„starken Mann“, nach dem unsere Konservativen sich sehnen, einen zweiten Bismarck, der die klaren Situationen und die entscheidenden Kämpfe liebte. Das rüttelte wenigstens die Geister auf, das forderte überall die Energie heraus, das nötigte unsere Par⸗ teien einmal wieder über die grotzen Prinzipien politischen Handels nachzudenken, nötigte sie, mit mannhafter Entschlossenheit den Weg nach rechts oder den Weg nach links zu wählen. Was wir aber da eben erleben, das ist eine Zeit des rechten, echten Philisterregiments, des unselbstständigen Hin⸗ und Herpendelns, des Mangels jeder großzügigen Auffassung. Um so ernster ist daher unsere Aufgabe, das Erbe der großen Denker der Menschheit, den Glauben an ihre Ideale, auch dem kleinen Geschlecht unserer Tage gegenüber hoch und heilig zu halten. K. Wbr. Volksschule und Universität. Von K. Wbr.(Schluß des Artikels aus voriger Nummer). Ist das Streben des Volksschullehrerstandes nach Universitätsbildung nun wirklich, wie die Gegner meinen, ein solcher„Genieschwung“? Täuscht man sich da in der Tat betreffs der gefährltchen Breite und Tiefe des Grabens, über den hinüberzukommen man den Anlauf nimmt? Auf die finanziellen Schwierigkeiten ist natürlich zuerst von allen Seiten hingewiesen — worden. Dann die Frage: Wie würde sich der Akademiker in einem Dorfe vorkommen? Und wozu braucht ein Bauern⸗ und Arbeiterkind über⸗ haupt einen feiner gebildeten Lehrer? War es nicht einfach anmaßende Eitelkeit, die zu der bekannten Königsberger Resolution geführt hat? Wir aber fragen dagegen: Ist es nicht ein Stück jener„rohen ungeübten Beurteilung“, von der Kant redet, wenn man mit diesen Ein⸗ wänden sich von der Pflicht jeden weiteren Nachdenkens über eine so durchgreifende Mensch⸗ heitsfrage dauernd befreit zu haben glaubt? Darf man der Finanzsorge gegenüber nicht auch betonen, daß sittliche Ziele sehr wohl so viel Eigenwert haben, daß sie zunächst einmal unabhängig vom Geldpunkt diskutiert werden dürfen? Und dann sei an die Heer⸗ und Flottenbegeisterung erinnert, die auch durchaus nicht bei allen von ihr Erfüllten im direkten Verhältnis zu den nationalökonomischen Kennt⸗ nissen steht. Und das man sich nicht nur für ein äußerlich 1 sondern ebenso für ein innerlich reiches Leben seines Volkes begeistern kann, daß über dem Krafthuber⸗Ideal die viel⸗ verspottete Humanität nicht ganz verloren gehen darf, wird man uns doch wohl zugeben. In diese Richtung aber zielt die Volksschul⸗ lehrerforderung, insofern sie allgemeine Ver⸗ breitung echter Bildung und möglichst gerechte Auslese nach der geistigen Befähigung allein erstrebt. Die Aufstellung solcher philosopisch weitschauenden Ziele kann nur derjenige schelten, dem stie unbequem sind oder für den die größten Denker der Menschheit nicht dagewesen sind. In Freytags„Verlorner Handschrift“ heißt es:„Ich aber frage, was haben Millionen Menschen, die mit Ihnen eine Sprache sprechen, Ihres Namens sind und mit Ihnen leben, von all der Gelehrsamkeit, die sie für sich und eine kleine Zahl wohlhabender und müßiger Leute erwerben? Wenn sie zu meinen Arbeitern reden, die Leute verstehen sie nicht. Wenn Sie von ihrer Wissenschaft etwas erzählen wollten, meine Knechte würden vor ihnen stehen, wie Neger. Ist das ein gesunder Zustand? Und ich sage ihnen, solange dieser Zustand dauert, sind wir noch kein rechtes Volk“. Stcherlich aber stellen unsere jetzigen Schulverhältnisse noch nicht den besten Weg zu solchen Zielen dar. Daß für Kindern unbemittelter Eltern einige Stipendien da sind, daß es andrerseits auch fuͤr das Kind,„besserer“ Kreise eine Grenze der Dummheit gibt, jenseits deren seine soziale Stellung ihre Tragkraft verliert, baß ist wahr⸗ haftig noch keine Idealeinrichtung, auf der man sich für alle Zeiten zur Ruhe zu setzen Grund hätte. Bei der weiteren Einwendung, daß der Wirkungkreis in einer Dorfschule dem akademisch Gebildeten nicht mehr genügen werde, übersteht man meist, daß mit den höheren Voraussetzungen auch der Wirkungskreis selbst ein anderes Ansehen bekommen würde. Sogut es übrigens ein Amtsrichter, Arzt oder Pfarrer im kleinen Landnest aushalten muß, so gut kann man das auch dem akademisch gebildeten Volksschullehrer zumuten. Sein Beruf an sich bietet gewiß nicht weniger Reize. Freilich muß man auch bei ihm innere Neigung für möglich halten, Liebe und Verständnis für aufblühende Kinder⸗ seelen voraussetzen. An mancher kleinen Real⸗ oder höheren Bürgerschule ist übrigens der Akademiker schon heute nicht so sehr viel anders Seite 2. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 27. dran. Einmal ist es da eben Pflicht, an dem Posten auszuhalten, der im Interesse der All⸗ gemeinheit gehalten werden muß; sodann wird sich jeder in seiner Art auch innerlich damit abfinden, der eine, indem er keine allzu hohen Ansprüche an den Geist der Geselligkeit stellt (es gibt nämlich auch unter den Akademikern außerst bescheidene— Gemüter), der andere, indem er aus dem Reichtum seines Innenlebens heraus sich überell seine eigene Welt aufbaut, andern davon mitzuteilen sich freut. An em⸗ pfänglichen Seelen unter den Kindern aber, die diese Freude am reichsten gewähren, fehlt es gewiß nirgends. Und ob es befriedigender ist, in der Sexta eines Gymnastums lateinische Grammatikregeln zu pauken oder ein gutes deutsches Lesestück in einer Dorfschule zu be⸗ sprechen, daß mag jeder nach seinem Geschmack entscheiden. Jedenfalls liegt darin auch kein Grund, sich auf die Seite jener bescheidenen Geister zu stellen, die für die Parole der „Menschenrechte“ das Gehör böllig verloren haben. Die Menschheit hat auch in unserer Frage noch große Aufgaben vor sich, nicht nur hinter sich. Wir wollen uns nicht vor der Sünde fürchten, zu glauben, daß nicht nur für die richtige körperliche sondern auch für die richtige geistige Behandlung der großen Masse der Menschheit, der sogenannten unteren Schichten, die Arbeit wissenschaftlich gebildeter Männer keine Verschwendung sei. Die letzte Frage freilich, wohin es denn führen soll, wenn sichere Bildung und damit höhere Ansprüche bis zu den Bauern⸗ und Ar⸗ beiterkindern kommen, die weist hinaus aufs stürmische Meer der sozialen Frage an sich. Das aber können wir nur mit Freude begrüßen, daß das Nachdenken über sie, die im Grunde nur die Frage nach möglichst gerechter Ein⸗ richtung der menschlichen Gesellschaft, also eine sittliche Frage ist, auch von der Seite der ee her aufgeworfen und vertieft wird. Die Revolution in Rußland. Das von den Zarischen Henkersknechten seit Jahrhunderten scheußlich mißhandelte und ge⸗ quälte Volk bäumt sich endlich energisch gegen seine Schinder auf. Die Erregung im Volke ist in der letzten Zeit unter dem Eindruck der fürchterlichen Niederlagen in Ostasten und der dabei wie auch sonst im Innern zu Tage getretenen unglaublichen Korruption auf das höchste gestiegen und täglich macht die revolu⸗ ttonäre Bewegung weitere Fortschritte. Wieder⸗ holt kam es in den letzten Monaten in ver⸗ schiedenen Städten zu blutigen Zusammenstößen, die zum Teil zahlreiche Menschenopfer forderten. Am Donnerstag kam es nun in der polnischen Fabrikstadt Lodz zumallgemeinen bewaffneten Auf⸗ stan d. Direkt veranlaßt war die Erhebung durch unerhörte und niederträchtige Bluttaten des Militärs. Am Sonntag war es zwischen Arbeitern und Militär zu einem Zusammenstoße gekommen, wobei fünf Arbeitergetötet wurden. Am Dienstag fand das Begräbnis von vier der Ermordeten statt, das zu einer gewaltigen Demonstration wurde; etwa 70,000 Arbeiter beteiligten sich daran. Am Mittwoch sollte ein weiteres Opfer beerdigt werden. Ueber die Vorgänge, die sich nun abspielten, berichtete der Vorwärts: „Die Arbeiterschaft war schon vor 6 Uhr nachmittags in unzähligen Tausenden in der Altstadt versammelt. Nun stellte es sich heraus, daß die Polizei sich nachts der Leiche bemäch⸗ tigt und sie in aller Stille begraben hatte. Die Arbeiterschaft geriet bei dieser Nachricht in Erregung. Die Partei wollte angesichts des vereitelten Begräbnisses von der Demonstration Abstand nehmen, doch wollten die versammelten Massen vom Auseinandergehen nichts hören. Der Zug setzte sich also in Bewegung. Unter⸗ wegs suchten die Militärpatrouillen absichtlich uns überall aus dem Wege zu gehen, sogar die Polizei zeigte freundliche Mienen und nickte uns zu mit den Köpfen. So gelangte der Zug Gassen des Arbeiterviertels. Nach dem Ver⸗ halten der Soldaten die ganze Zeit hatte nie⸗ mand einen Gedanken mehr an einen Ueberfall gehegt; vertrauensvoll marschierte die singende Arbeiterschaft. Und nun plötzlich, wie wir in den engen Gassen uns durchpressen, stellt es sich heraus, daß vorn Kosaken den Weg ver⸗ sperren und hinten Militär bereits den Rückzug abgeschnitten hat. Auch alle Quer⸗ straßen waren dicht von den Schergen besetzt, um ein Entkommen unmöglich zu machen! Und da begannen die Salven zu krachen ohne jede Aufforderung oder die übliche Warnung! Eine furchtbare Panik brach aus. Alles suchte sich zu retten. Die Haustore wurden erbrochen und man rettete sich in die Haushöfe. Aber die Soldateska schoß auf die Fliehenden und bald lagen Haufen von Leichen und Verstümmelten vor und in den Hausfluren. Also ein vor⸗ bedachter Mord Unbewaffneter durch die zarische Soldateska. Als Antwort auf diese Greuel proklamierte die Sozialdemokratie für Freitag den 23. Juni den Generalstreik.“ Zahlreiche Meldungen berichten graustge Einzelheiten über die Mordtaten der zarischen Bluthunde. Schlimmer wie blutdürstige Raub⸗ tiere hausten die Kosaken. Ein Fabrikant in Lodz erzählte dem Mitarbeiter eines englischen Blattes:„Ich sah zu, als zwei Kosaken einem jüdischen Mädchen beide Arme glatt von den Schultern abhackten, worauf sie den Kopf vom Rumpf trennten und die Leiche weg⸗ warfen. Wir haben viele Wagen mit glied ⸗ losen Leichen in den Straßen unterwegs nach den Friedhöfen gesehen.“ Am Sonntag nachmittag wurde in der Vorstadt Baluty eine jüdische Familie, die in einer Droschke zum Bahnhofe fuhr, von einer Kosaken⸗Patrouille überfallen und alle 5 Insassen des Wagens erschossen. Gegen die kosakischen Bestien suchte sich das Volk zu verteidigen. Barrikaden wurden an vielen Stellen der Stadt errichtet, die eine Höhe von zweistöckigen Häusern erreichten. 60 000 bewaffnete Arbeiter griffen gegen vier Regimenter Infanterie, ein Kosaken⸗ und ein Dragoner⸗Regiment an, die General Exten befehligte. Die Barrikaden wurden von den Truppen mit Hilfe von Sappeuren ge⸗ stürmt. Die ganze Nacht zum Samstag hielt das Gewehrfeuer an, es ereigneten sich schreck⸗ liche Vorfälle.— Wo das Militär in die Häuser eindrang, wurden sämtliche Einwohner ohne Gnade niedergemetzelt. In verschiedenen Straßen verteidigten sich die Bewohner der Häuser damit, daß sie Steine, heißes Wasser ꝛc. aus den Fenstern und von den Dächern auf die Soldaten herunter warfen. Verschiedentlich wurden Bomben geworfen, wodurch auch viele haben sich angeblich 30 000 Arbeiter beteiligt. Die Zahl der Opfer wird auf 2000 Tote und Verwundete angegeben. Selbst die Offiziere wollen sich nicht mehr zu der Henkerarbeit gebrauchen lassen. Die Offiziere eines Dragonerregiments erklärten dem Kommandanten, sie würden nicht mehr auf wehrlose Leute schießen. Der General⸗ gouverneur von Warschau befahl darauf die sofortige Rückkehr dieses Regiments in seinen Garnisonsort. Ein Geheimerlaß befiehlt, alle Soldaten polnischer Nationalität oder jüdischen Glaubens von dem in Lodz tätigen Militär herauszuziehen, weil sie nur in die Luft, aber nicht in die Volksmenge geschossen hätten. In Warschau kam es ebenfalls zu blutigen Kämpfen, wobei es auf beiden Seiten Tote und Verwundete gab. Am Dienstag warfen streikende Arbeiter eine Bombe gegen eine Kompagnie Soldaten, wodurch drei getötet und etwa 50 schwer verwundet wurden. Auch in Odessa fanden Kämpfe statt; es herrscht all⸗ gemeiner Ausstand.— Die Mannschaft eines russischen Schlachtschiffes im Hafen meuterte und mordete die Offiziere. Das Knutenreich kracht in allen Fugen, möge es endlich zusammenkrachen! aus den breiten„besseren“ Straßen in die engen Militärpersonen fielen. An den Straßenkämpfen Politische Rundschau. Gießen, den 29. Juni 1905. Zur Mirbach⸗Affaire. In dem Preußenbank⸗Prozesse wurde be⸗ kanntlich festgestellt, daß Frhr. v. Mirbach eine Quittung über 325000 Mk. ausgestellt hatte, aber in der Gerichtsverhandlung erklärte, daß er diese Summe nicht erhalten habe. Von verschiedenen Blättern wurde damals Herzog Ernst Günther von Schleswig⸗Holstein, der Bruder der Kaiserin, mit dieser Angelegenheit in Verbindung gebracht. Dieser kündigte dar⸗ auf an, daß er Anklage gegen diese Blätter erheben würde. Das ist jetzt geschehen. Nach⸗ dem sich das vorbereitende Verfahren nahezu dreiviertel Jahre hingezogen hat, ist dem ehe⸗ maligen verantwortlichen Redakteur der Berliner Zeitung, Reichstagsabgeordneten v. Gerlach, die Anklage zugestellt worden.— Das könnte ein sehr interessanter Prozeß werden, aber man wird schon dafür sorgen, daß nichts in die Oeffentlichkeit kommt, was diese nicht wissen soll. Ein Hunnenprozeß wurde in Halle gegen unsern Genossen Abg. Kunert verhandelt, der angeklagt war, das deutsche Expeditlons⸗ korps nach China in einer Rede dadurch beleidigt zu haben, daß er äußerte, die europäischen Soldaten hätten dort geraubt und gemordet. Zahlreiche als Zeugen vernommene Teilnehmer an dem Chinazuge bekundeten, daß leider auch deunsche Soldaten geplündert, verwüstet und Frauen geschändet haben. Trotzdem wurde Kunert zu drei Monaten Gefängnis ver. urteilt. Er wird aber gegen das Urteil Revision ein⸗ legen. Staatsanwalt gegen das Witzblatt. Gegen das beste bürgerliche Witzblatt, den „Simplizissimus“, wurden vorige Woche in Stuttgart zwei Beleidigungsprozesse ver⸗ handelt. Am Montag wurde das Urteil ver⸗ kündet, das für den Schriftsteller Ludwig Thoma auf sechs Wochen Gefängnis und den Redakteur Linnekogel auf 200 Mk. Geldstrafe lautete.— Thoma, der im„Simpl.“ unter dem Pseudonym„Peter Schlehmihl“ schreibt, war der Beleidigung der Pastoren Bohn und Weber angeklagt, die s. Zt. auf dem Kölner internationalen Kongresse zur Be⸗ kämpfung der Unsittlichkeit verschiedene Witz⸗ blätter und besonders den Simplizissimus an⸗ gegriffen hatten. Auf diese Angriffe antwortete 1 mit folgendem groben Gedichte: Warum schimpfen Sie, Herr Lizentiate, Ueber die Unmoral in der Kemenate, Warum erheben Sie ein solches Geheule, Sie gnadentriefende Schöpsenkeule? Ezechtel und Jeremiae Jünger, i Was beschweußen Sie uns mit dem Bibeldünger, Was gereucht Ihnen zu solchem Schmerze, Sie evangelische Unschlittkerze? Was wissen Sie eigentlich von der Liebe Mit Ihrem Pastoren⸗Kaninchentriebe Sie multiplizierter Kindererzeuger, Sie gottesseliger Bettbesteuger? Als wie die Menschen noch glücklich waren, Herr Lizentiate, vor vielen Jahren, Da wohnte Frau Venns im Grtechenlande In schönen Tempeln am Meeresstrande. Man hielt sie als Göttin in hohen Ehren Und lauschte willig den holden Lehren, Sie reden von einem schmutzigen Laster, Sie jammerseliges Sündenpflaster. Sie haben den Schmutz wohl häufig gefunden In Ihren fündlichen Fleischesstunden Bei Ihrem christlichen Eheweibchen? In Frou Pastorens Flanellenleibchen? Der Staatsanwalt erblickt in diesen Versen eine Beleidigung der oben genannten Geistlichen in Bezug auf ihren Stand. Zwei Münchener Literatur⸗Sachverständige, Dr. Bernstein und Dr. Ganghofer erklärten, daß der Kölner Kongreß mit seinem Schreien nach Polizei und Beschränkung der künstlerischen Freiheit zur Abwehr herausgefordert habe, es sind dort über Kunst und Literatur so törichte und in 1 jeder Beziehung minderwertige Ansichten ge⸗ äußert worden, daß sie unter verständigen 90 9 lach, lönnte man in die i soll. unert dittons⸗ digt zu hätten Zeugen undeten, ndert, Trotzdem lis ber, on ein⸗ lat. t, den Woche se ber⸗ ber- dwig ugnis 00 Ml. Jul. mib“ astoren, gt. auf ur Be⸗ Wiz ius an⸗ wortele ünger/ Nr. 27. Mitteldentsche Sounutags⸗Zeitung. Seite&. Menschen zaum diskutierbar sind und die mit Recht in dem Gedichte zurückgewiesen wurden. — Die Verurteilung Linnekogels erfolgte wegen Beleidigung des Dresdener Schöffengerichts, das den russischen Fürsten Kotschubey, der einen Hotelportier halbtot getreten hatte, weil er ihm den„Simplizisstmus“ aufs Zimmer brachte, nur zu 1000 Mk. Geldstrafe verurteilte. Dies Urteil hielt der„Simpl.“— mit Recht, wie auch der Staatsanwalt zugibt— für viel zu milde, er warf den Richtern vor, daß sie einen Ausländer vor einem Deutschen bevorzugt hätten, und veröffentlichte ihre Namen und Adressen. Die Folge war, daß den Richtern eine große Anzahl teils anonymer tadelnder Zuschriften zuging. Der Verteidiger unterzog das Dresdener Urteil einer scharfen Kritik. Es habe das Rechtsempfinden schwer verletzt. — Ein Triumph für die Mucker und Lexheinze⸗ riche bedeutet der Prozeß keineswegs! Deutsche Justiz gegen Streikende. Die letzte Zimmererbewegung in Görlitz führte den Zimmermann Bote vor die Gör⸗ litzer Strafkammer. Er soll als Streikender Arbeitswillige, die abends von der Ausstellung heimkehrten, belästigt haben. Der arbeitswillige Zimmerer Deutschmann beschwört, daß Bote ihn am Abend des 4. April an der Reichenberger Brücke beschimpft und durch Aufheben der Hand bedroht habe, weil er nicht mitstreikte. Deutschmann ließ sich nicht ab⸗ halten, weiter zu arbeiten. Es blieb also bei einem Versuche! Der Staatbanwalt beantragte einen Monat Gefängnis. Die Straf⸗ kammer erklärte es für„geradezu gemein⸗ gefährlich“, wenn Streikende durch Ehrverletz⸗ ungen Arbeitswillige von der Arbeit abhielten und ging über den Antrag des Staatsanwaltes weit hinaus. Bote wurde zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Ein solches Urteil ist einfach unerhört. Und da wollen die Unternehmerverbände noch mehr Schutz für die Arbeitswilligen! Man will eben Exempel statuieren! Das soll der Zweck solcher aufreizenden Urteile sein. Der Erfolg wird aber ein anderer sein, als ihn die Klassenrichter sich ausmalen.— Noch ein anderer Fall zeigt die Klassenjustiz. Wegen Auflaufs, Widerstands gegen die Staatsgewalt und Begünstigung wurden vom Lanogericht Freiberg der Zimmerer Neuber zu fünf, Maurer Börnert zu sechs, Maurer Nicolaus zu sechs und der Fabrik⸗ arbeiter Klembt zu zwei Monaten Ge⸗ fängnis verurteilt. Es handelt sich um Vorgänge gelegentlich des Transports von Arbettswilligen beim Maurerstreik. Sind Studenten solcher Dinge angeklagt, kommen ste mit einer kleinen Geldstrafe davon. Sind's aber Arbeiter, dann setzt es schwere Gefängnisstrafen, ohne Rücksicht auf Fortkommen und Familie der Verurteilten! Erinnerung an das Löbtauer Zuchthausurteil. Als ein gemeiner Schuft ist jetzt der Kron⸗ zeuge im Löbtauer Prozeß entlarvt worden, auf dessen damalige Aussage sich die Anklage aufbaute, die zur Verurteilung einer Anzahl Löbtauer Bauarbeiter zu unerhört schweren Zuchthausstrafen führte. Der Mann, der in Löbtau allgemein unter dem Namen„Lügen⸗ schmidt“ bekannt war, wurde wegen Rach⸗ sucht erfolgter falscher Anschuldigung eines Löbtauer Arbeiters, den er wegen Straßen⸗ raub denunziert hatte, zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt. Die Opfer des Löb⸗ tauer Prozesses haben sämtlich ihre Strafen bereits verbüßt. Vor wenig Wochen wurde der letzte, Zwahr, vorläufig entlassen, obwohl er noch einige Jahre abzubüßen gehabt hätte. Nun zeigt sich, auf welcher verdächtigen Grund⸗ lage das Bluturteil beruhte! Gewerkvereinsführer Dr. Max Hirsch ist im Alter von 73 Jahren gestorben. Seit Jahrzehnten betätigte er sich in der deut⸗ schen Arbeiterbewegung, ohne dabei Erfolge zu erzielen. Die von ihm im Jahre 1869 ge⸗ gründeten„Hirsch⸗Dunker'schen“ Gewerkvereine sind bedeutungslos geblieben, erwiesen sich viel⸗ fach sogar als Hemmnis der proletarischen Gewerkschaftsorgauisation. Sie waren auch zu dem Zwecke gegründet, der sozialistischen Ar⸗ beiterbewegung entgegen zu wirken, doch konnten ste das gewaltige Anwachsen der letzteren nicht hindern. So lange die Hirsch-Dunker'schen Gewerkvereine sich im Sinne der„Harmonie zwischen Kapital und Arbeit“ betätigten, die Hirsch und ihre andern Führer predigten, ließ das Unternehmertum ihnen Förderung ange⸗ deihen, sobald sie aber sich bemühten, Arbeiter⸗ interessen wirklich wahrzunehmen, war's mit der„Harmonie“ vorbei.— Hirsch war öfters Mitglied des Reichstags und zuletzt noch preußi⸗ scher Landtagsabgeordneter. Russisch⸗japanischer Krieg. Die Japaner rücken in der Mandschurei unaufhaltsam vor. 100 000 Mann unter General Hasagewa sollen sich auf dem Marsche nach Wladiwostok befinden. Ein ganzes Regiment desertiert. Vom 67. russischen Ulanenregiment in Lublin, das nach der Mandschurei abgehen sollte, sind 160 Mann unter Führung des Ritt⸗ meisters Dumakowskt und noch zweier Offiziere in voller Ausrüstung zu Pferde bei Cieszanow über die galtzische Grenze gegangen, lieferten dort bei der österreich⸗ ischen Bezirkshauptmannschaft Waffen und Pferde ab und zerstreuten sich dann über Galizien. Drei Offtztere reisten nach Amerika weiter. Zwei Unteroffiziere sind in Lemberg angekommen und erklärten bei der Polizei, die Eskadron wollte sich nicht in den sicheren Tod nach der Mandschurei schicken lassen. Bon Rah und Lern. Hessisches. Die Gemeindesteuerreform im hes⸗ sischen Landtage. In der Sitzung der Zweiten Kammer pom vorigen Mittwoch, über die wir in letzter Nummer nur kurz berichten konnten, legte unser Genosse Ulrich nochmals seinen Standpunkt ausführlich dar und ant⸗ wortete auf die gegnerischen Angriffe. Er führte unter anderem aus, daß er den Schulden⸗ abzug als notwendig betont und gesagt habe, daß Zuschläge zur Einkommensteuer und Zu⸗ schläge auf die fundierten Einkommen aus Grundbesitz, Gewerbebetrieb und Kapitalver⸗ mögen zu erheben seien. Nach diesen Grund⸗ sätzen, führte Ulrich weiter aus, würde nicht maßgebend sein, was ein Mann für ein Be⸗ triebskapital hat, sondern was er daraus für ein Einkommen hat. Die Berufe der Aerzte und Rechtsanwälte sind heut⸗ zutage auch solche, die um ihr Brot arbeiten. Wenn der Gesetzentwurf diese Berufe nicht zur Gewerbesteuer heranzieht, kann ich das nicht gutheißen, auch dieses Einkommen ist ein fun⸗ diertes und ist zu besteuern. Wir sehen, daß diese Geschäfte immer mehr als kauf män⸗ nische Geschäfte betrieben werden und man begreift es im Volke nicht, wenn diese Berufe nicht zur Gewerbesteuer herangezogen werden. Ar⸗ tikel 32 des Entwurfs entlastet die zinsenein⸗ steckenden Kapitalvermögen nur um die Hälfte dessen, was der Gewerbetreibende und kleine Grundbesitzer zu zahlen haben wird. Man sieht, daß der Kapitalbesitz sehr gut weg⸗ kommt, sodaß ich die Stellung der Herren vom Bauernbund nicht begreifen kann.— Herr Mol⸗ than hielt es für notwendig, uns als Beschützer des Kapitals hinzustellen. Es ist schon wieder⸗ holt festgestellt worden, daß wir im Reichstag für das Wuchergesetz gestimmt haben und so⸗ gar für Verschärfungen eingetreten sind. Beim Börsengesetz haben wir gegen dasselbe gestimmt, weil es dem kleinen Manne nichts nützt und der Börse die Giftzähne nicht auszieht, das sieht man jetzt auch schon in weiten Kreisen der Landwirtschaft ein. Herr Windecker hat, wie er das schon immer getan, Herrn von Heyl als Sozialpolitiker und als Steuerpolitiker herausgerissen. Die Stellung- nahme des Freiherrn von Heyl zum Berg⸗ arbeiterstreik war aber nur eine Folge der Tätigkeit des Herrn Kollegen Reinhart, der einen Nasenstüber erhalten sollte, ich hoffe, daß er sich diesen Nasenstüber nicht gefallen lassen hat. Herr von Heyl hat aus meiner Skala den Schluß gezogen, daß die„armen“ reichen Leute 118 Prozent Steuer zu zahlen hätten, und dadurch expropriert und ins Armenhaus geb racht würden. Er hat eine Lamento darüber angeschlagen, als die Progression in der Ein⸗ kommensteuer bis zu 5 Prozent festgesetzt wurde und hat eine Herabsetzung der Vermögenssteuer gewünscht. Lächerlich ist es, wenn man die Vermögenssteuer herabgesetzt sehen will, und wenn dann noch gesagt wird, Herr von Heyl sei dafür eingetreten, daß die Un be⸗ mittelten von der Steuer befreit würden! In der Freitagssitzung wird die Beratung über den Entwurf fortgesetzt und die General⸗ debatte mit einer Rede des Berichterstatters Abg. Gutfleisch beendet, der die ver⸗ schiedenen Einwände, die in der Generaldebatte gegen die Vorlage und gegen die Fassung des Ausschusses gemacht wurden, zu enikräften sucht. Ee bittet zu bedenken, daß das Haus vor einer großen Aufgabe stehe und daß die Gemeinde⸗ steuergesetzgebung bedeutend schwieriger ist, als die Staatsstenergesetzgebung. Nachdem ein Antrag des Abg. Schön⸗ berger, die Vorlage in der jetzigen Form abzulehnen, mit allen gegen 3 Stimmen verworfen wurde, beginnt die Einzelberatung. In der Einzelberatung werden eine Reihe Verbesserungsanträge des Abg. Ulrich ab⸗ gelehnt. Unter anderem hatte Ulrich beantragt, den Absatz des Art. 3 zu streichen, wonach die zu Zwecken der Hofhaltung benützten Schlösser und Paläste des Großherzogs und die dazu gehörigen Gebäude, Gärten und An⸗ lagen, sowie das Hoftheater steuerfrei sein sollen. Ein weiterer Antrag wollte das Ver⸗ bot des Schuldenabzugs beseitigt wissen. In Art. 18 beantragte Ulrich die Streichung der Ziffern 1, 2 und 5, nach welchen von der Steuer vom Kapitalvermögen befreit sein sollen: 1. die Mitglieder des Großherzoglichen Hauses; 2. der Staat, sowie die staatlichen Anstalten mit selbständiger Rechtsfähigkeit ein⸗ schließlich der Invalidenversicherungsanstalt, die Provinzen, Kreise, Gemeinden, die evangelische und katholische Kirche, sowie die rechtsfähigen Religionsgemeinschaften hinsichtlich des Ver⸗ mögens, das zu Zwecken dieser Körperschaften dient oder bestimmt ist; 5. Personen, die dem hessischen Staatsverbande nicht an⸗ gehören und die im Großherzogtum eine mit Erwerb verbundene Beschäftigung wed er ausüben noch ausgeübt haben. Diese Anträge wurden sämtlich abgelehnt, trotzdem sie den Geboten der Gerechtigkeit und Billigkeit entsprachen. Am Samstag gab es über die Frage der Besteuerung der Konsumvereine eine längere Debatte. Der Zentrumsmann Mol⸗ than hat eine solche beantragt und zwar für solche Kousumvereine, welche offene Verkaufs- läden haben. Gen. Adelung sagt dem Abg. Molthan, wenn er sich als Freund der Konsumvereine bezeichnet, hätte er konsequent auch für die Steuerbefreiung sein müssen. Das Genossen⸗ schaftsgesetz verbiete den Konsumvereinen, an Nichtmitglieder zu verkaufen, es treffe also nicht zu, daß sie offene Verkaufsstellen hätten und Gewerbebetriebe seien. Daß die Konsum⸗ vereine zur Vermögens- und Grundsteuer herangezogen würden, sei selbstverständlich, eine Heranziehung zur Gewerbesteuer aber sei ein großes Unrecht. Gutfleisch erklärt sich gegen die Be⸗ steuerung der Konsumvereine. Präsident Haas hält die Besteuerung der Konsumvereine mit offenen Verkaufsläden nicht für berechtigt. Die Organisation der Konsumvereine, die noch eine sehr junge sei, sei eine sehr gut ge⸗ leitete und es wäre zu erwarten, daß dieser Zweig der Genossenschaftsbewegung auch in Zu⸗ kunft große Fortschritte machen werde. —— ö ö ö — 5 5 Seite 4. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 27. Gen. Dr. David glaubt, daß die Aus⸗ führungen des Abg. Haas, der beanspruchen dürfe, ein genauer Kenner der Genossenschafts⸗ bewegung zu sein, als zutreffend anerkannt werden müßten. Wenn man die Konsumvereine besteuere, dann könnten diese sagen, sie seien keine Genossenschaften mehr, sondern Gewerbe f betriebe, die auch an Nichtmitglieder ver⸗ kaufen könnten. Daß die Konsumvereine keine offenen Verkaufsläden besitzen, sei schon äußer⸗ lich kenntlich, in den Fenstern würden keinerlei Waren ausgelegt, und die Geschäftszeit wäre zum größeren Teile eine lürzere wie bei den Gewerbebetrieben. Redner bedauer t, daß die Regierung sich zu diesem Antrage Molthan bekannt habe. Schließlich wird der Antrag Molthan in namentlicher Abstimmung mit 21 gegen 19 Stimmen angenommen. Als bemerkenwert muß auch angeführt werden, daß Herr Hirschel sich gegen die Besteuerung der Konsumvereine erklärte. Gut. Aber seit Jahren haben die Antisemiten gegen die Regierung gehetzt und um deren Besteuerung geschrieen, nun haben ste den Salat. Denn es werden mit dem Inkrafttreten dieses Ge⸗ setzes auch die landwirtschaftlichen Konsumvereine mit zur Gewerbesteuer herangezogen werden und dafür dürften die Bauern den Herren schwerlich Dank wissen.— Das ganze Gesetz wird schließlich mit einem Antrage des Abg. Mölliuger, die Geltungsdauer vom 1. April 1906 bis dahin 1912 festzulegen, angenommen. — Die nächste Sitzung findet voraussichtlich am 4. Jult statt. k. Die Freie Vereinigung der Kranken. kassen Hessens hielt am Sonntag in Alzey ihre Jahresbersammlung bei überaus starker Beteiligung ab. Als wichtigster Punkt der Ver⸗ handlungen dürfte wohl der Vortrag des Herrn Prof. Dr. Sommer ⸗ Gießen über„Nerven⸗ krankheiten und die Notwendigkeit der Errich⸗ tung einer Nervenheilanstalt für Hessen“ her⸗ vorzuheben sein. An Hand der von ihm auf⸗ gestellten Leitsätze, die angenommen wurden, erläutert er die Entwickelung der Heilstätten⸗ bewegung im Allgemeinen und schildert, gestützt auf reiches Material, die Art, wie auch für die Nervenkranken durch Heilstätten Gutes ge ⸗ schaffen werden könne. Es werden nun dem⸗ nächst noch weitere Erhebungen stattfinden und man darf annehmen, daß in nicht allzulanger Zeit eine derartige Anstalt zum Wohle der Minderbemittelten errichtet werden wird. Gießener Angelegenheiten. — Zur Affaire Schädel veröffent⸗ lichte Genosse Dr. David in der„Mainzer Volkszeitung- eine offene Anfrage an den Ober⸗ schulrat Nodnagel. Bekanntlich hatte Herr Prof. Dr. Noack sich bei dem Ministertium beschwert, weil Nodnagel in der Kammer eine der Wahrheit nicht entsprechende Darstellung des Falles Schädel gegeben habe. Wegen dieser Beschwerdeschrift wurde gegen Prof. Noack Disziplinar⸗Untersuchung eingeleitet und das hochnotpeinliche Verfahren endete mit einem einfachen Verweis für Noack. Schon daraus konnte man ersehen, daß die Sünden des Herrn Noack nicht so große sein konnten.— In der Kammersitzung am 15. Februar erklärte aber der Schulrat Nodnagel wörtlich: „Wir haben ferner festgestellt, daß die Oberlehrer des Lehrerkollegiums zu Gießen... es mit Entrüstung zurückwiesen, irgendwelchen Zusammenhang mit diesen Dingen zu haben, und daß es ablehne, irgend etwas an diesen Behauptungen für berechtigt zu halten“. Daß heißt, an den Behauptungen, die in einem bei den Akten befindlich pseudonymen Schriftstück aufgestellt waren und die sich mit denjenigen Davids deckten. Dazu bemerkt nun Gen. David:„Diese Erklärung vom Regierungs- tisch die mit allem Nachdruck und unter aus⸗ drücklicher Bezugnahme auf eine nochmals statt⸗ gehabte genaue Prüfung der Akten sowie auf weiter eingeholte Informationen vorgetragen wurde, machte erklärlicherweise einen tiefen Eindruck auf die Kammer. Sie war zweifellos von entscheidender Bedeutung für den ganzen weiteren Verlauf der Angelegenheit. Wenn die Regierung das Gießener Lehrerkollegium uber die nämlichen Beschwerden, die ich vorgetragen hatte, bereus früher vernommen hatte, und wenn dieses Kollegtum damals es abgelehnt hatte,„irgend etwas von diesen Dingen für berechtigt zu halten“— dann war die von mir verlangte Untersuchung in der Tat überflüssig, und für alle Fernstehenden lag der Schluß nahe, daß ich selbst das Opfer einer falscher Infor⸗ mation geworden sei. Dieser Schluß ist denn auch in der Kammer gezogen und dann in einen Teil der gegnerischen Presse mit schweren Be⸗ leidigungen und ehrverletzenden Unterstellungen für meine Person verknüpft worden. Genosse David stellt nun im Weiteren fest, daß Oberschulrat Nodnagel überhaupt nur mit zwei Oberlehrern des Gießener Gymnastums gesprochen habe und nur mit Herrn Prof. Stamm über die in dem Schriftstücke ent⸗ haltenen Angriffe gegen Dr. Schädel. Dieser Gewährsmann hat Herrn Nodnagel nun keines⸗ wegs die Auskunft erteilt, daß das Lehrer⸗ kollegium es ablehne,„irgend etwas an diesen Behauptungen für berechtigt zu halten.“ Viel⸗ mehr hat Herr Professor Stamm seinem Vor⸗ gesetzten erklärt: die in dem Schriftstück ent⸗ haltenen Beschwerden seien zwar der Form nach übertrieben, entsprächen aber dem Inhalt nach durchaus den Ansichten und Stimmungen, die im Gießener Lehrerkollegium herrschten. Diese Auskunft war also in dem entschei⸗ denden Punkt das gerade Gegenteil von dem, was Herr Nodnagel der Kammer dar⸗ über mitgeteilt hat. Gen. David fragt deshalb Herrn Schulrat Nodnagel, ob er nunmehr nicht die in der Oeffentlichkeit gegebene falsche Darstellung richtig stellen wolle? Man darf einigern'aßen gespannt darauf sein, was der Herr Oberschulrat darauf antworten wird. — In der Stadtverordneten⸗Sitzung vom Donnerstag legte der Oberbürgermeister einen mit Herrn Bravuereibesitzer Bichler abzuschließenden Kaufvertrag zur Genehmigung vor. Nach demselben übernimmt die Stadt das Anwesen der Aktienbrauerei zum Preise von 605000 Mk. Das Anwesen hat einen Umfang von 83 000 Quadratmeter. Die Brauerei selbst mit der Einrichtung behält Herr Bichler. Die Stadtverordneten genehmigten den Kauf.— Bei mehreren Baugesuchen wurde bemängelt, daß das Baugelände oft in einer ungehörigen Weise ausgeschlachtet werde, dem entgegen getreten werden müsse. Oberbürgermeister Mecum sagt die Vorlage einer neuen Bauordnung zu.— Zur Errichtung einer landwirtschaftlichen Winterschule ver⸗ langt der landwirtschaftliche Provinzialverein eine Anzahl Räume. Mehrere Stadträte meinen, man solle auf die Schule verzichten und den kleineren Städten, wie Butzbach, Grünberg ꝛc., etwas zukommen lassen. Es wird in diesem Sinne beschlossen.— Der Westerwald⸗ Klub ersucht die Stadt zum Beitritt als Mitglied. Nachdem Krumm, Gutfleisch und andere dafür eingetreten sind, wird unter Widerspruch einer Minderheit beschlossen, sowohl dem Westerwaldklub, wie dem Vogelsberger Höhenklub mit einem Jahresbeitrag von 10 Mk. bei⸗ zutreten.— Die ewige Buddelei in den Straßen, die oft wenige Tage, nachdem sie fein säuberlich zuge⸗ walzt sind, wieder aufgerissen werden, wird von Löber kritisiert. Daran knüpft sich eine lange Debatte. Der Oberbürgermeister will nach Möglichkeit Abhilfe schaffen, aber in der jetzigen Uebergangszeit bis zur Fertigstellung der Kanalisation seien diese Mißstände oft unvermeidlich. — Die Fleischpreise sind jetzt so hoch, wie noch nie vorher. Die Arbeiterfamilie kann sich kaum ein Stückchen Fleisch leisten. Das ist eine Folge der deutschen Zoll⸗ und Absperrungspolitik, die von der Reichsregierung im Interesse der Großgrundbesitzer be⸗ trieben wird. Die Dinge werden sich für die Folge noch schlimmer gestalten. Für diese Politik tritt auch der Abgeordnete für Gießen, Herr Kommerzienrat Heyligen⸗ städt ein. Ihm würden allerdings auch noch höhere Fleischpreise nicht weiter genieren. Wenn aber seine Arbeiter infolge der gesteigerten Lebensmittelpreise bessere Löhne verlangen, würde er sich nicht so bereitwillig zeigen! Darum muß jeder Arbeiter und jede Arbeiter frau die Sozialdemokratie fördern helfen, damit solcher Aussaugung der Aermsten entgegengearbeitet wird! — Der Konsumverein Gteßen und Umgegend hat nicht nur 265 Mitglieder, wie in voriger Nummer infolge eines Druck. fehlers zu lesen war, sondern es beträgt die Mitgliederzahl 365. Aus dem Nreise gießen. — Unser Kreisfest in Staufenberg war trotz einigem Gewitterregen bedeutend stärker besucht als seine beiden Vorgänger. Aus allen Orten der näheren —+ 3 l Umgebung waren die Parteigenossen erschienen, etwa 40 Vereine waren vertreten, die Zahl der auf dem Festplatze anwesenden Personen betrug mindestens 2500. Von Wetzlar waren mehr als 100 Personen erschienen, ebensoviel aus Marburg. Selbstverständlich waren auch die preußischen Orte in der Nähe, wie Krofdorf, Glei⸗ berg dc. stark vertreten und aus den hessischen war eine bedeutend größere Beteiligungsziffer als im Vorjahre zu verzeichnen. Ein langer Festzug mit vielen Fahnen bewegte sich durch den Ort und gruppierte sich nach der Rückkehr zum prachtvoll gelegenen Festplatze um das Musikpodium, von welchem aus Genosse Krumm die Festrede hielt. Er sprach darin zunächst den Wunsch aus, daß auch bei ernsten Dingen die große Beteiligung und Begeisterung vorhanden sein möge, als bei diesem Feste. Weiter betonte er, daß heute die Arbeiterschaft mehr als je zusammenhalten müsse, ste hätte die bürger⸗ lichen Parteien aller Schattierungen gegen sich! Alle Kapitalisten, antisemitische und jüdische, sind sich einig gegen die Arbeiter und ihre Forderungen. Auch die Kleinbauern müßten Hand in Hand mit der Arbeiter⸗ schaft gehen, sie hätten ein großes Interesse daran, wenn die Arbeiter nach Verbesserung ihrer Lage strebten. Im Lgeiteren wies Redner auf die Erfolge unserer Bewegung hin, forderte auf, bei den kommenden Kämpfen pflichteifrig zu wirken, besonders falle den Frauen die Aufgabe zu, ihre Männer für unsere Bestrebungen zu begeistern. Mit der Aufforderung, unsere Parteipresse zu unterstützen und allen arbeiterfeindlichen Vereinigungen, wie Kriegervereinen ꝛc. fern zu bleiben, schloß Redner seine beifällig aufsenommenen Ausführungen. Die sonstigen Darbietungen, die turnerischen Vorführungen und der Tanz wurden von dem Regen etwas beein⸗ trächtigt, nicht aber die Stimmung der Festtellnehmer, die sich noch erhöhte, als sich das Wetter aufheiterte. Schnell verrannen die paar Stunden und bald mußten sich die Parteifreunde wieder trennen, um der Heimat zuzusteuern. Jeder tat es in dem Bewußtsein, einem echten und rechten, prächtig verlaufenen Arbeiterfeste beigewohnt zu haben. 5 Aus dem Nreise Wetzlar. „Fleiß und Sparsamkeit. In seiner Sonn⸗ tagsnummer unterbreitet das Wetzlarer Amtsblatt seinen gläubigen Lesern eine erbauliche Sonntags⸗Nachmittags⸗ Predigt. Neues wird darin allerdings nicht verkündet; im Gegenteil ein recht altes Lied mit ebenso altem Text, wird den ausgebeuteten Arbeitern da vorgesungen. Jeder Arbeiter kennt es auch; jeder kann mit Heine sagen: „Ich kenne die Weise, ich kenne den Text, Ich kenne auch die Verfasser; Ich weiß, sie tranken heimlich Wein Und predigten öffentlich Wasser.“ In diesem Falle kennt man allerdings den Verfasser nicht. Denn jedenfalls hat der Anzecger die Epistel in einer alten Kirchen⸗ oder Dorfzeitung aus Anfang der siebziger Jahre aufgegabelt und hält es für ange⸗ bracht, sie seinem Lesepublikum zu servieren. Die Fasten⸗ predigt beginnt: „Von berufsmäßigen Volksverführern wird in unsern Tagen die Unzufriedenheit der Masse mehr als je ge⸗ schürt. Nach der Lehre dleser Hetzapostel ist der kleine Mann außerstande, seine Lage aus eigener Kraft zu verbessern. Erst der Umsturz alles Bestehenden werde den ärmeren Volksklassen das ersehnte Glück bringen. Das ist eine nach jeder Richtung hin verderbliche Lehre. Am gefährlichsten aber wirkt dieselbe deshalb, weil sie den Menschen dazu bringt, die Grundbedingungen alles Glückes und aller Wohlfahrt außer Acht zu lassen. Diese Grundbedingungen sind und bleiben für alle Zeit Fleiß und Sparsamkeit.“ Und sie schließt, nachdem sie noch viel schönes über diese Tugenden gesagt hat: „Fleiß und Sparsamkeit sind die Grundbedingungen der Wohlfahrt. Deshalb handelt nur derjenige richtig und weise, der sich eifrig regt und müht und das Er⸗ worbene zusammenhält. Wer sich aber durch die Lock⸗ ungen und Hetzreden der angeblichen Volksbeglücker, die in Wahrheit Volksbetörer sind, von der Bahn des Fleißes und der Sparsamkeit abdrängen läßt, der fällt früher oder später dem Verderben anheim und wird selber zum Totengräber seines Glückes.“ Nach diesen schönen Lehren werden hoffentlich die Wetzlarer Arbeiter den Hetzreden der Volksbeglücker, womit natürlich die vermaledeiten Sozialdemokraten ge⸗ meint sind, nicht mehr folgen. Vielleicht denken aber auch einige darüber nach, wie es in Wirklichkeit aussieht. Und dabei stoßen sie auf die merkwürdige Tatsache, daß viele Tausende sehr fleißiger und sehr sparsamer Arbeiter, die sich jahrein, jahraus ein Menschenleben lang von früh bis spät plagen und sich kaum das Notwendigste gönnen, doch nicht vorwärts gekommen, vom„Glück“ gemieden worden sind. Und andererseits sehen sie viele andere Leute mie arbeiten, ein recht bequemes, luxuriöses Leben führen und trotzdem immer reicher werden! Wo⸗ Uher das nur kommen mag? Der Pharisäer des Amts⸗ blattes wird antworten, das ist so die göttliche Welt⸗ . —— . — lw dem 500. enen, auch Hlel⸗ eine jahre nen nach das n die unc gung iesem chat irger⸗ Ale einig 9 die heiter wenn ebten. nseret mpfen en die gen zu apresse ungen, fedner Die ungen heein⸗ ehmer, etberte. nußten Helmat elnem iterfeste Sonn⸗ t seinen ilttags⸗ kündet, altem sungen. Heine Berfasser Cpsstel Anfang r ange⸗ Jasten⸗ i unsemn Je ge, er leine aft zu u werde briggel. ge Lehkk. l sie gen alles 1 sasse ale at 15 über Nr. 27. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 5. ordnung. Diese bringt es auch mit sich, daß von dem Hsorgt und wolle man Bestellungen und Adressenver—⸗ mochten folgende Gedanken in ihr besonders unterstreichen: dreiviertel Millionen Mark Ueberschuß, den die Buderus'] änderungen dorthin richten. daß keine Partei das Recht habe, die andere der„Vater⸗ schen Eisenwerke im vorigen Jahre machten, die Arbeiter, ö landslosigkeit“ zu beschuldigen. Grade auch in dem die ihn doch hervorgebracht haben, keinen Pfifferling zu Westerwald und Anterlahn. Sozialismus hätten sich zum guten Teil die Ideale sehen bekommen, sondern daß sich darin Leute teilen, die t. Agitation der Stöckerkaner. Herr Dr. unsrer Größten vor hundert Jahren, besonders Ficht es, ganz bedeutend weniger arbeiten, zum Teil sogar sich Burckhardt, christlich⸗sozialer Abgeordneter für den gerettet. Und wie man auch über die Möglichkeit der gar nicht um's Geschäft bekümmern. Denkende Arbeiter Wahlkreis Dillenburg⸗Herborn, reist trotz der großen Verwirklichung so ferner Ideale denken möge, unzweifel⸗ also und auch andere Leute,— soweit sie nicht Kapi⸗ Hitze im Wahlkreise herum und hält Versammlungen haft lägen in dieser Richtung gewaltige noch ungelöste talisten sind— werden finden, daß die„Hetzapostel“] ab, um für die Stöckerei Propaganda zu machen. An Aufgaben. Es wäre ein Gewinn, wenn neben viele n gar nicht so unrecht haben, wenn sie die se„Ordnung“, Samstag war er in Donsbach bei Haiger. Die andern guten Gedanken dieser Rede doch auch grade in der der Fleißig: darbt und der Nichtstuer schwelgt, Versammlung war von etwa 40 bis 50 Bergarbeitern diese hier oder da Verständnis in den Zuhörern gefunden ein wenig umkrempeln wollen. Sie finden aber auch und etwa 20 Anhängern der Christlich⸗Sozialen, zu hätten. Denn in der Tat sind die Wünsche und Be⸗ weiter, daß die Sozialdemokraten sehr flei ig sind, daß denen sich meist die„Großen“ des Ortes zählen, besucht. strebungen des Sozialismus nur die moderne Fortsetz ung ihr Fleiß sogar den„Staatserhaltenden“ oft unangenehm Dr. B. hielt seine bekannte Rede. Wie immer, versuchte und Umbildung der Humanitätsideale unserer Klassiker. geworden ist! er auch hier den Leuten einzureden, daß auch die Arbeiter Mit ihren Gedanken, die in den langen Zeiten der h. Eine Volksbadeanstalt beschtoß die Stadt⸗ pon der Zollpolitik Vorteile hätten.(Die spüren die Reaktion, dann in den Zeiten der Krieve von 1864 verordneten ⸗Versammlung zu errichten. Zu den Kosten, Arbeiter jetzt schon an den Fleischpreise n). Trotz⸗ bis 1871 und ihrer Folgen zurückgestellt, verkannt, die auf 60 000 Mk. berechnet sind, wollen die Buderus⸗ dem behauptete B., daß die Zölle keine Preisstelgerung verlacht oder vergessen wurden, muß doch einmal auch schen Eisenwerke 30 000 Mk. beisteuern, die andere Hälfte zur Folge hätten.— Gen. Dittmann⸗ Frankfurt, der] Ernst gemacht werden. Und das ist es, was wir mit soll durch freiwillige Spender und eventl. durch Anleihe sich zufällig in unserer Gegend aufhielt, trat ihm ent⸗ Stolz aus Siegeszuversicht als unsre Aufgabe betrachten. aufgebracht werden. Dos ist doch mal etwas Vernünfe gegen und wies ihm seine groben Irrtümer und zahl: Unsere„opportunistisch“ veranlagte Regierung freilich, tiges. Weniger vernünftig war schon, daß man 150 losen Widersprüche nach. Als dann Herr B. wieder die auf den Erfolg(agtürlich des Augenblicks) hin Mark für den reichen Ruderklub bewilligte. eine Viertelstunde geredet hatte und Dittmann ihm ant. wlrtschaftet, wird mit solchen Ideen wenig anfangen h. Wegen Falschmünzerei hatte sich der worten wollte, hieß es, daß der Bürgermeister die können.(Vgl. den Artikel Politik, Ethik und Regierung!) Maurer Ottweiler aus Wetzlar vor dem Schwurgerichte Versammlung geschlossen habe. Dr. B. erklärte zwar, in Limburg zu verantworten. Die Anklage legt ihm er sei daran unschuldig, aber jeder hatte den Eindruck, VBersammlungskalender. zur Last, in Wetzlar falsche Geldstücke verschiedener Sorten daß die christlichen Brüder unsere Genossen mundtot Samstag, den 1. Juli. angefertigt und verausgabt zu haben. Man hatte vor ö machen wollten. Bei den anwesenden Arbeitern haben[Gießen. Sozialdem. Wahlverein. Abends 9 Uhr längerer Zeit bei dem Angeklagten zu solchem Geschäft! die tapferen christlichen Helden durch dies Bravourstückchen Versammlung bei Orbig. nötige Werkzeuge gefunden. Er kam gut weg. Die nur das Gegenteil des Beabsichtigten erreicht; der Un⸗][ Friedberg. Wahl verein. Abends 9 Uhr Ver⸗ „ e die Nane 5 er 1 wille über dasselbe war bei ihnen allgemein. sammlung bei Ihl, 99990 von 5 5 1 reigesprochen.— Um zu Gelde zu ommen wir 5 b 5 Marburg. Holzarbeiter. Abends 9 r 25. Einer 18 15 5 fälschen Aus dem Rreise Marßburg⸗Nirchhain. Versammlung bei Jesberg. Ref. Vetters. U ü U 8— ä 7 3 f J 1 1 ee sud f 5 105 i ew elschastskommisstan eiläßt fol, Hieten ee Nachmittags 4 Schlimmsten. Und mancher, dem es gelang, auf diese] gende Erklärung: Uhr Versammlung bei Löb(Wiener Hof) Art zu Vermögen zu kommen, sagt, er hats„durch Gegenwärtig zirkuliert in Marburg das Gerücht, Dienstag, den 4. Juli 5 Fleiß und Sparsamkeit erworben.“ daß die Lagerarbeiter uw Konsum verein für Mar⸗ Gizßen Gewerkschaftskartell Abends! 9 Uhr h. Brutale Mißhandlung verübte der Betriebs⸗] burg und Umgegend eine 15 stündige Arbeltszeit hätten. S bei Orbig.. 10 führer Debus auf der Sophienhütte an einem jungen] Dieses Gerücht soll nach verschiedenen Aussagen von Gießen. Freie Turnerschaft. Abends 8 Uhr Arbeiter. Debus hatte letzteren, den etwa 17 jährigen] dem früheren Lagerarbeiter Arno Wedermann her⸗ S 5 Tagelöhner 0 i 2 5 daß er ihm 1 stammen. Um diese Angelegenheit zu prüfen hielt die ee 1600 5 e gestohlen habe. Als er ihn deswegen in sein Zimmer Gewerkschaftskommission uit Vorstand und Aufsichtsrat Gießen. All gem ne 5 1 kommen ließ und zur Rede stellte, bestritt das Nagel des Konsu! vereins eine Sitzung ab, in welcher Herr Ver sammlun g Abends 9 Uhr bei Lö b. mit aller Entschiedenheit. Trotzdem fiel Debus wütend A. Wedermann bestritt, jemals diese Aeußerungen getan Suu m 31 a g den 8. Juli. über den jungen Aienschen her und bersezte ihn 6—8 zu haben. Auch sei die 15 stündige Arbeitszeit wicht Wieseck. Wahlverein Abends 9 Uhr Versammlung wuchtige Schläge an den Kopf, daß er an den Ofen üblich.— Anschließend hieran bittet der Vorstand des 7 7 i bei Wacker. flog; und nach einer anderen uns zugegangenen Darstellung[Konsumvereins, alle Beschwerden, welche gegen den Sonntag. den 9. Juli. oll er ihn au t Fil 10 55 Verein oder deren Angestellte erhoben werden, beim + te, 255 er 45 e 9001 1 0 1015 Geschäftsführer Franz Fischer zu melden, da nur auf Heuchelheim. Transportarbeiter Fuhrleute acker, Hausburschen). Nachmittags 4 Uhr Ver⸗ mit hochgerötetem Kopfe und Beulen an der Stirn, saß diesem Wege Abhilfe geschaffen werden kann. 11 bei 115 1 1 0 Meseteut Habicht⸗ der Mißhandelte lange Zeit auf einer Bank und war r. Das Sommer fest der Gewerk⸗ Frankfurt. vollkommen arbeitzunfählg. Jedenfalls wird sich Debus schaften Marburgs findet Sonntag, Gießen. Transportarbeiter. Abends 8 Uhr wegen dieser Roheit vor Gericht zu verantworten haben. den 16. Juli auf der Schanze statt. Näheres Versammlung bei Löb(Wiener Hof). Tages⸗ — Was sagt aber die Direktion der Sophienhütte zu] wird noch bekannt gegeben. ordnung: Welche Vorteile bietet uns der Verband? solchen Ausschreitungen? Sie kann doch nicht dulden,— Vernünftige Worte. Aus Anlaß des 90. Referent Habicht⸗Frankfurt. daß ihr Beamter die Leute halbtot schlägt!— Debus Stiftungsfestes der 1815 in Jena gegründeten Burschen⸗ brüstete sich früher öfter damit, daß er stets den Revolver schaft hielt u. a. auch der Professor der Philosophie, Briefkasten. bei sich führe. Natorp, eine Rede auf das Vaterland. Sie unter⸗ Eine Anzahl Einsendungen(Fellingshausen, h. Zur Beachtung. Die Fekftr.„Volksstimme“ schied sich höchst vorteilhaft von sonst bei derartigen[Wetzlar, Steinberg 2c.) mußten leider wiederum zurück⸗ wird ab 1. Juli durch Zahn, Lahnstraße 28 II be⸗ Gelegenheiten üblichen„patriotischen“ Ergüssen. Wir gestellt werden. Inventur Jusverit i i W vom 1.—15. Juli Zu enorm billigen Preisen Sessel Frankfurter Sehuhlager Biessen Mäusburg 12. Maäusburg 12. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. W Nr. 27. Seite 6. von Nah und Fern. Patriotischer Landfriedensbruch. In Bingen machten neulich spät nachts Studierende des dortigen Technikums einen fürchterlichen Spektakel. Einige kamen aus der Kneipe und lärmten, so daß die Polizei einen davon verhaftete. Die andern forderten die Freilassung ihres verhafteten Kollegen, wo⸗ 15 895 rauf noch mehrere eingelocht wurden. kamen aber noch mehr hinzu und in wenigen E Minuten waren 300 Studierende alarmiert, die die sofortige Herausgabe ihrer Freunde forderten. Die Schutzmannschaft antwortete damit, daß sie wit blanker Waffe vorging, und es fielen nun gegenseitig Hiebe. Die mehrhundertköpfige Menge der Studierenden schlug jetzt Scheiben ein 0 stürmte die Wa 55 5 Die Polizei] die insgesamt, 649588 Mitglieder hatten. Das fühlte sich machtlos und unter dem Gesange ist eine Steigerung der Mitgliederzahl des „Es braust ein Ruf wie Donnerhall“ Zentralverbandes um 74139 gegen das Vor⸗ erhielten die Fertan 9 11 fe 3 bon 0 f 9 gelen der desert ück. dauerte bis a ü e von 8 ie binn he nac erhöhte sich von 176 456 549 auf 202 646 189 Mk. Gemüter beruhigt hatten und die nächtliche Ruhe wieder hergestellt war. Einige Tage vor dieser Revolte besuchte das Bonner Corps„Borussta“ Bingen und zog nachts um e e spielender Kapelle durch die Stadt, wobei eben⸗ falls ein Auflauf entstand und die Schutzleute stark verulkt wurden.— In einer Eingabe an das Ministerium des Innern beschweren sich die Krakehler noch wegen der„Uebergriffe“ der Binger Polizei. Also ein Aufruhr, wie ihn vor zwei Jahren die Marburger Studenten verübten. Diese wurden damals mit einer lächerlich geringfügigen Geldstrafe belegt. Wenn sich Arbeiter derartiges erlaubten, kämen sie sicher in's Zuchthaus, wenigstens auf lange Jahre ins Gefängnis. Das konfessionelle Flußbad. In der Frauenabteilung des städtischen Frei⸗ bades in Würzburg, ist nach Zeitungs⸗ mitteilungen folgende merkwürdige Bekannt⸗ machung angeheftet: Am Montag, Mittwoch und Freitag für protestantische Mädchen Was in Deutschland alles an pfäffischen Unfug geleistet wird, geht doch wirklich über die Hutschnur. Ob die eine Konfession auf die andere abfärbt, wenn sie zusammen baden? „Harmlosigkeiten“ in besitzenden Kreisen. In Berlin interessiert sich der Staats⸗ anwalt für Vorgänge, die sich in neuester Zeit in einem vornehmen Berliner Klub ab⸗ gespielt haben. Der mit 18,000 Mark jährlich angestellte Geschäftsleiter, ein Mitglied der eleganten Gesellschaft wird beschuldigt, Wert⸗ marken entwendet und mit Klubmitgliedern, die durch das Spiel in Verlegenheit gekommen waren, Wuchergeschäfte gemacht zu haben. Der Geschäftsleiter behauptete dagegen seine Unschuld, er will gegen die Vorstandsmitglieder Verleum⸗ dungsklage erheben und beschuldigt, selbst ein anderes Klubmitglied, Wuchergeschäfte gemacht zu haben. Darüber soll nun das bevorstehende gerichtliche Verfahren Aufklärung schaffen. Wie munter das Geschäft betrieben wurde, geht u. A. aus der Tatsache hervor, daß allein an „Kartengeldern“ von dem Klub 596,000 Mk. im letzten Jahre vereinnahmt worden sind. Daß das Harmlosenwesen in den Berliner vornehmen Klubs wieder so üppig blüht, wie nur jemals vor dem berühmten Berliner Spielerprozeß, ist längst ein offenes Geheimnis. Damals aber, beim ersten Harmlosenprozeß, lief der Graf Günther v. Königsmarck zu dem seither ver⸗ storbenen Polizeidirektor Meerscheidt v. Hülle⸗ bewegung. 5 auf dem Genossenschaftstag in Kreuzuach im Jahre 1902 ein Jahr später(1903) in Dresden gegründete Zentralverband deutscher systematische Konsumvereinsbewegung. Das Sekretariat des Zentralverbandes hat soeben w einen Rechenschaftsbericht auf das verflossene Jahr herausgegeben. l 1904 dem Zentralverbande 760 einzelne Vereine an(die In eigener Produktion wurden für 17092086 Mk. Waren hergestellt. 1 eine Steigerung von zirka 17¼ Million auf 19¼ Million Mark. 16/ Millionen Mark, wovon 14914000 Mk. an die Mitglieder zurückvergütet wurden.— Interessant ist eine rufe der Mitglieder, sonen erstreckt. ständige Gewerbetreibende 44 263, selbstständige Landwirte Gemeindebeamte 30 122, ohne bestimmten Be⸗ ruf 36 376, Soziales, Gewerkschastliches, Arbeiterbewegung. Aus der deutschen Konsumvereins⸗ Der nach dem bekannten Krach onsumdereine hat sich während der Zeit seines Bestehens rapid entwickelt. r repräsentiert in Deutschland die eigentliche Demnach gehörten Ende Zahl ist unterdessen auf 800 gestiegen), Das eigene Kapital erfuhr Der Reingewinn betrug Statistik über die Be⸗ die sich auf 500 001 Per⸗ Danach entfallen auf: selbst⸗ 10 289, freie Berufe, Staats- und Lohnarbeiter aller Art rund 374000, weibliche Mitglieder 67285.— In Stuttgart tagte kürzlich der zweite Ge⸗ nossenschaftstag des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine, der von 447 Dele⸗ gierten, die 190 Vereine vertraten, besucht war. Aus den Gewerkschaften. Der Berg⸗ arbeiter⸗Verband trat am 10. Juni im Gewerkschaftshause Berlin zu seiner alle zwei Jahre stattfindenden ordentlichen General⸗ versammlung zusammen. Die Verhandlungen stehen natürlich noch völlig unter dem Eindruck des letzten Streiks. Der Vorsitzende Sachse erinnerte in seiner Eröffnungsrede an den von allen vier Organisationen einberufenen allge⸗ meinen Bergarbeiterkongreß, der vor wenigen Monaten im selben Saale getagt habe, um die Stellung der Arbeiter zur Berggesetzuovelle klarzulegen. Die Stimme der Arbeiter sei un⸗ gehört verhallt; die Beschlüsse des Abgeordneten⸗ hauses bedeuteten einen schmählichen Verrat an den Bergleuten. Die Versammlung beriet daran die vom Vorstand vorgeschlagenen Bei⸗ tragserhöhungen. * 7 Mnterhaltungs-Ceil. 1 ——— wann kommt das Licht? „Wann kommt das Licht— du fragst nach dem Wann p So lange ihr zaudert zu brechen denn Bann, Den lange Jahre um euch gezogen, Die euch um das Glück eines Lebens betrogen, So lange ein Mensch noch am Wege verhungert, Und ein anderer am brechenden Tische lungert; So lange der eine sich Nerrscher dünkt Und den Fuß auf den Nacken des andern zwingt; So lange ihr diese Bande nicht sprengt, Ist Fluch über euch und Elend verhängt.., L. Jakoby. ssem, um ihm zu erklären, zweihundert Offiziere und fast die ganze vornehme Gesell⸗ schaft von Berlin seien unheilbar kompro⸗ mittiert, wenn die Untersuchung ihren Fort⸗ gang nähme. Man kann daher mit Recht be⸗ fürchten, daß sich dem Wahrheitseifer der An⸗ kläger auch diesmal unüberwindliche Schranken entgegentürmen werden. ———üÄ⁰⁰———— —— Die ungläubige Margareth. Humoreske von Ernst Freihaupt. (Fortsetzung.) Der Wirt tat einen Schluck aus meinem Glase und fuhr dann fort: „Am anderen Tage um dieselbe Zeit mußte schäkern. schöne Augen und Margareth verschlug es die Rede. mehr. so bi hinunter und von Anna ge Ihr Männer ja immer, in's Unglück stürzen wollt. so zu mir, morgen zu einer Anderen.“ Da— Margareth ers gauerte die drei Finger seiner rechten Hand gen Himmel und sagte:„Gott soll mich 25 sie durch's Scheunentor Vorgänge des gestrigen innerung. Da waren die Beiden gestanden und dark Während sie n durch das Scheunentor gareth erschrak heftig. und kalt. Martin kam a ußte nicht, was Martin sagte „Du wirst w hast ja wohl schon einen Da beteuerte Miene aufzog: „Meiner Seel', Margareth, ich hab' noch keinen Schatz und wenn ich mir einen wünsche, st Du es und keine Anvere.“ Margareth w Mit einem nicht zu Ende Daß Lächelnd fragte Wenn man überlieferte! es mußte sein. ender. Margareth mich anlügst.“ nicht an.“ „Was soll „Gott soll sie wollte da treffen soll. reicht wird! Margareth Stroh aus der Scheune holen. Ale —— 2 3 — breite Brust:„Martin, schau, „Meiner Seel', es feierlich durch die Margarethe hielt zu. Er soll seinem Nun mußte ihn die Strafe Gottes ereilen Blitzstrahl mußte diesen frevelnden Lästerer zerschmettern. Wenn nur der Blitzstrahl nicht etwa auch sie trifft! Ach nein, der Blitzstrahl wird wissen, wen er Martin küßte geschehen. Sie hörte nicht, was Martin sprach, eintrat, kamen ihr die Tages wieder in Er⸗ och darüber nachdachte, trat Martin ein. Mar⸗ Es überlief sie heiß uf sie zu und fing an, zu Wie sie sauber sei und was für nette Füßchen nur habe. Sie sie darauf sagen sollte. ihr der Schönheiten immer Margareth wurde immer verlegener. Da legte Martin seinen Arm um ein Hüfte und fragte, ob sie nicht sein Schätzchen Da endlich gewann Margareth wieder die Sprache. Sie machte sich aus seiner Umarmung los und sagte zu ein wolle. Martin: ohl auf mich nicht ansteh'n, Schatz.“ Martin, indem er die ernsteste ar paff. So zu lügen, noch dazu mit diesem ernsthaften Gesicht so frech zu lügen, das hätte ste Martin doch nicht zugetraut. Schon wollte sie diesem schlechten Kerl die ganze Wahrheit, die sie wußte, Gesicht schlagen. als Lauscherin verraten. die grobe Antwort, die ihr auf der Zunge lag, sagte zu ihm, hört hatte: Schau Martin, in sein heuchlerisches Doch— da hätte ste fich ja Sie schluckte daher wie sie es gestern so redet wenn Ihr ein Mädel Heut' sprichst Du — hob Martin — 2 jähen Ruck hielt Margareth Martin den Mund zu, daß er seinen Schwur sprechen konnte. die Männer schlecht sind, hatte ste schon oft gehört, aber daß einer ein solcher Halunke sein könnte, hätte sie niemals geglaubt. Gestern hatte er hier an Schwur geleister und heute. Sie hielt aber ihre Entrüstung zurück. derselben Stelle Anna den sie Martin, wie vielen Mädchen er schon mit diesen Worten Treue geschworen. „Keiner Einzigen sonst, Martin mit der ernsthaftesten Miene. Da hörte sich denn doch der Spaß auf. Ein solcher Heuchler verdiente denn doch nicht, auf der Welt zu sein. mußte die Strafe Gottes treffen! wie Dir,“ sprach Einen solchen Frevler da Gott zu Hilfe käme! Wenn man diesen elenden Menschen seinem Schicksal Margarethe überlegte hin und her. Ja, Martin wurde immer stürmischer und dräng⸗ lehnte ihren Kopf an Martin's ich weiß, daß Du Margareth, ich lüg' Dich Dir geschehen, Martin, wenn Du schon einer Anderen die Treue versprochen hast und Dein Versprechen heute brichst?“ mich strafen!“ rief Martin, daß Tenne hallte. ihm den Mund nicht mehr Verderben entgegengehen. und 3 Werkzeug Gottes sein. Ein herniederfahren und mußte Und wenn auch! Einerlei! Wenn nur dieser elende Kerl von seiner Strafe er⸗ Margareth. Sie ließ es sich . Nr. 27. Mitteldeutsche Sonntags⸗Jeitung. Seite 7. und sah nicht, was um sie geschah. Sie wartete auf den Blitzstrahl. 1 Es war schon dunkel als das Pärchen die Tenne verließ. Kein Blitz war niedergefahren. Martin war frisch und munter. An jenem Tage hat Margareth den Glauben an Gott verloren. 0 Daß damals keine strafende, rächende Hand vom Himmel herablangte und den Frevler mindestens ein wenig beim Schopfe packte, das nahm ihr den Glauben. „Seitdem ist sie die ungläubige Margareth“. „Was geschah denn mit diesem Malefizkerl, dem Martin?“ fragte ich den Wirt. „Das ist es ja eben,“ sagte der Wirt,„was ihr ganz den Text gab. Der Martin hat geheiratet...“ „Die Anna?“ unterbrach ich den Wirt. „J wo!“ lachte der Wirt.„Eine reiche Bauerntochter. Hat eine Menge Kinder und lebt glücklich und zufrieden.“ g „Und die Margareth?“ fragte ich. „Die Margareth bat zuerst von Tag zu Tag gewartet, daß ihn doch noch die Strafe ereilt. Wie nichts dergleichen geschehen ist, hat ste's aufgegeben. Sie hat seitdem keinen Mann mehr angeschaut und ist so das alte Weiberl geworden, das Sie heute gesehen haben.“ „Sie ist aber, scheint mir, ganz lustig dabei geblieben,“ meinte ich. „Ei ja, freilich,“ sagte der Wirt. Herr Pfarrer hat ihr wollen den Glauben wiedergeben und hat sie vertröstet, daß im Jenseits der Martin ganz gewiß noch seine Strafe bekommt. Da hat ste ihm in's Gesicht gelacht und gesagt:„Na, ist recht, ist recht! „Der Bis ich ihn in der Höll' braten seh', dann glaub' ich 12 10 wieder!“ Seitdem sagt er ihr nichts mehr.“ Gerade kam die ungläubige Margareth die Straße herunter. „Margareth“, rief ich sie an,„jetzt kenne ich auch Eure Geschichte!“ Fröhlich mit den Augen zwinkernd, sagte sie met ihrem zahnlosen Munde:„Na... und hab' ich nicht recht?“ Humoristisches. Abgefü hrt. Unteroffizier:„Füsilier Becker, haben Sie noch mehr Brüder?“„„Jawohl, Herr Unter⸗ offizier, einen.“„Ist denn der auch so dumm wie Sie?“„„Noch dümmer!““„So, was ist denn der?“ „„Sergeant, Herr Unterofftizier!““ (Aus einer oberhessischen Garnison.) Der Anfang zur Umkehr. Leutnant:„Oberst hat heute Rede jegen Ueberhandnahme des Luxus im Offizierskorps jehalten und Sitten der alten Spartaner zu Lektüre empfohlen. Lesen wir also, was dte alten Heldenonkels jetrieben.— Friedrich, rück' mir mal den Fauteuil her und stell nne Pulle Sekt kalt!“ „Elende!“ Schulze: Warum ist denn der Reichstag nicht vertagt, sondern ganz unverhofft gee⸗ schlossen worden? Müller: Wissen Sie— ich glaube, weil er kein Hochzeitsgeschenk gestiftet hat. Schulze: Die Elenden! Da geschiehts ihnen recht. — n—— Empfehlenswerte sozialistische Schriften. Von der Expedition der Mitteld. Sonnt.⸗Zeitung Gießen, Rittergasse 17, sind zu beziehen: Die Neue Zeit. Wochenschrift der deutschen Sozialdemokratie. Allwöchentlich ein Heft. Preis 25 Pfg. Wahrer Jakob; Süddeutscher Postillon. Witzblätter. Erscheinen alle 14 Tage. Preis 10 Pfg. Freie Stunden. Beste Romanlitteratur. striert. Wöchentlich ein Heft à 10 Pfg. Die Volksschule, wie sie sein soll. Rühle. Preis 30 Pfg. Sozialdemokrati sches Reichstagshandbuch · Von Max Schippel. Ein Füh rer durch die Zeit⸗ und Streitfragen der Reichspolitik. In 37 Lieferungen à 20 Pfg. Gebunden 2 Mk. Wider die Pfaffenherrschaft. Kulturbilder aus den Religionskämpfen des 16. und 17. Jahr⸗ hunderts. Reich illustriert, von Emil Rosenow. In Heften zu 20 Pfg. komplett in 50 Heften. Der Zukunftsstaat der Junker. Man⸗ teuffeleien gegen die Sozialdemokratie im preußischen Herrenhaus. Mit Einleitung und Anmerkungen von Kurt Eisner. Preis 20 Pfg. Christliche Arbeiterpflichten. Jesuitische Fragen und sozialdemokratische Antworten. Preis 20 Pfg. Die Voraussetzungen des Sozialismus und die Aufgaben der Sozialdemokratie. Von Ed. Bernstein. Preis brosch. 2 Mik Die innerpolitischen Zustände des deut⸗ schen Reiches und die Sozialdemokratie. Von Gg. v. Vollmar. Preis 20 Pfg. Die katholische Kirche und die Sozial⸗ demokratie. Von Karl Kautsky. 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Grosses Doppel-Konzert auf dem Rennplatz und der Terrasse, ausgeführt von der gesamten Kapelle des Thüringischen Ulanen⸗ Regiments No. 6(Hanau), unter persönlicher Leitung ihres Dirigenten, des Kgl. Musikdirektors Herrn Urbach, sowie der hiesigen Feuerwehr⸗Kapelle, unter Leitung ihres 8 Uhr: Preis⸗Verteilung und darauf folgende Reunion in der Festhalle auf Textors Hardt. Auf der Terrasse: Grosses Volksfest und Tanz. — Montag, den 3. Juli: 8 Uhr: Ausflug per Rad oder Wagen nach dem Forstgarten und Schiffenberg. Abfahrt vom Ludwigsplatz. 11 Uhr: Früh-Konzert im Garten des Hotel Schütz. 3 Uhr: Abfahrt mit Musik vom Neuen Saalbau nach dem Festplatz. Von 3 Uhr ab: Vereinsfahren, Kunstfahren, Motorrennen, Radballspiele. Während dessen: Konzert. 8 Uhr: Preisverteilung in der Festhalle. Grosses Volksfest mit Tanz. auf der Terrasse. Bei eintretender Dunkelheit: Grosses Brillant- Feuerwerk. Musik: Die Kapelle des Thüringischen Ulanen⸗Regiments No. 6 (Hanau) unter persönlicher Leitung ihres Dirigenten, des Dirigenten Herrn Weller. Eintrittspreise 1 Familien⸗Dauerkar Montag Mk.—.75. Dauerkarte Mk. 1.7 Stehplatz und Terrasse: nicht einbegriffen) Mk. 2.25, Dauerkarte Mk.—.50, einmaliger Eintritt Sonntag Mk.— 40, Montag Mk.—,20.— Zuschlagskarte zur gedeckten Tribüne Mk.—,60, I. Platz Mk. 30. 0 F find Karten erhältlich bei den Herren: W. Amend, Konditorei, Bahnhofftr., Chr. Bieker Im Vorverkauf Kolonialwarenhdlg., Neustadt, Ernst Challier(Wilh. Rudolphs' Nachf.), Konditorei Hettler⸗ Südanlage, Louis Scharmann(Daniel Heil Nachf.), Lindenplatz, J. Seibel, Delikatessenholg. und Weinstube, Ludwigsplatz, G. Sonntag, Zigarrenhdlg. im„Kaufhaus zur Sonne“ und Seltersweg. Regelmus sige mmibusrer bindung nech in, HHνν α Feslplulæ. Kgl. Musikdirektors Herrn Urbach. te, 951770 für 4 Personen(männliche Angehörige über 14 Jahren orverkauf Mk. 2.—, jede weitere Beikarte 40 Pfg. 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