89. — 4 e 1 85. II v eneral⸗ genden Sept. Anteil⸗ rechtigt ach der schüfts⸗ ke ing. 90 en te⸗ gochet emasch. mise Gießen, den 1. Oktober 1905. 12. Jahrgang. Nr. 40. Redaktion: Kirchenplatz 11. Schloßgasse. Mitteldeutsche Nedbaktionsschluß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. Abounementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Sonntags⸗Zeiti Bestellungen Juserate Die 5 gespalt. Bei mindestenz Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Postanstalt und 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark.] jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z. K. 5107) 33¼%ͤ und bei mindestens 2 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Hierzu eine Beilage. Zwangsgewalten.“ Die gegen die Sozialdemokratie gerichtete Propaganda der sogenannten„staatserhal⸗ tenden“ Elemente hat ihr hervorstechendstes Charakteristikum in einem förmlichen System von Lügen, Phrasen und Schlagwörtern, darauf berechnet, die Wahrheit zu verdunkeln, über entscheidende Tatsachen hinwegzutäuschen, Begriffe zu verwirren und zu fälschen, um gehässige Vorurteile und blöden Fanatismus wider die„Umsturzpartei“ zu erzeugen. So haben sie den Umstand, daß die Sozialdemo⸗ kratie, geleitet von der Einsicht in die Logik der Weltgeschichte, überzeugt ist von der Not⸗ wendigkeit und Unabwendbarkeit einer besseren, erechteren, vollkommeneren Staats- und Ge⸗ ellschaftsordnung, zum Anlaß genommen, das Bild eines wahrhaft schrecklichen„sozial⸗ demokratischen Zukunftsstaates“ zu entwerfen. Da geraten sie denn gleich von vornherein in einen tragikomisch wirkenden Widerspruch mit sich selbst. Sie behaupten, die Sozialdemokratie könne ihr Ziel, den „Zukunftsstaat“ nur erreichen durch„völlige Zerstörung der Grundlage aller Ordnung“, die sie je nach ihrer Geistesrichtung als „natürliche“ oder als„von Gott gegebene“ Grundlagen bezeichnen; es müsse ihr darauf ankommen,„alle Autorität zu vernichten“ und einen„anarchischen Zustand“, einen Zu⸗ stand der„wildesten Zugellosigkeit“ herbei⸗ zuführen. Zugleich aber versichern sie, der „sozialdemokratische Zukunftsstaat“ würde zur „völligen Beseitigung der persönlichen Freiheit“ führen; er werde keinem Menschen das Recht lassen, sich frei nach Neigung und Fähigkeit zu betätigen; er werde die„denkbar schlimmste Organisation widernatürlichen Zwanges“, eine„große Zwangsarbeitsanstalt“ sein. Wie sind diese Behauptungen mit ein⸗ ander zu vereinbaren? Solch ein Staat würde doch ohne Zweifel eine äußerst starke Autoritätsherrschaft voraussetzen und ganz zweifellos eine„Ordnung“ darstellen. Wie wär's, wenn ein mit besonderem Scharfsinn begabter Ordnungspolitiker versuchte, diesen Widerspruch zu lösen? Aber das ist nur ein Teil des Wider⸗ spruchs, in dem die„Staatserhaltenden“ sich verstricken bei dem Bemühen, vor dem von ihnen konstruierten„sozialdemokratischen Zu— kunftsstaat“ gruselig zu machen. Sie selbst bezeichnen den Staat ganz richtig als eine Einrichtung, die ihrem Wesen nach und um ihrer Existenz willen des Zwanges nicht ent⸗ behren kann. Es ist die wichtigste und be⸗ deutsamste aller staatsrechtlichen Lehren, daß die Unterordnung der Staatsbürger unter bestimmte Rechtsnormen, Gesetze, Einrich⸗ tungen erzwungen werden müsse und daß es Kürzlich verlangte die ultramontane„Köln. Volkszeitung“ wieder einmal, daß die sozialdemokratische Partei die Pflicht hätte, ihren Anhängern„ein einiger⸗ maßen detailliertes Bild vom Inventar des Zukunfts⸗ staats zu entwerfen“. Unser Hamburger Parteiblatt antwortet darauf mit diesen treffenden Ausführungen, halt wir unseren Lesern vorzuführen für zweckmäßig alten. Aufgabe der Staatsgewalt sei, diesen Zwang auszuüben. f Diese Theorie— der wir unter gewissen Voraussetzungen auch beipflichten— hat ge⸗ golten von Beginn der Staatenbildung an bis zu diesem Tage. Die Weltgeschichte be⸗ lehrt uns darüber, welche praktische Be⸗ währung sie erfahren hat. Der Staat war bis jetzt immer und überall Klassenstaat. Das Sonderinteresse herrschender Stände und Klassen hat ihm das Gepräge gegeben, ihn organisiert, ihn sich dienstbar gemacht. Gleich⸗ viel welche Macht dabei jeweilig den Aus⸗ schlag gegeben hat, ob eine politische, wirt⸗ schaftliche oder kirchliche, stets hat sie die Volksmassen unter ihre Herrschaft gezwungen, unter rücksichtslosester Anwendung brutaler, nicht selten blutiger Gewalt. Zwang, Ge⸗ walt war das oberste Gesetz dieser Herrschaft. Der Feudalismus, der monarchische und der kirchliche Absolutismus waren Schöpfungen zwingender Gewalt. Und nie hat diese Ge— walt gewirkt in der Richtung zum Heile des Volkes, um es zu erlösen aus den Banden der Not, der Unwissenheit und des Vorurteils, sondern stets scharf entgegengesetzt, um das Volk nicht zu einer gesunden Entwicklung ge⸗ langen zu lassen, um ihm Freiheit und Recht, Wohlfahrt und Bildung vorzuenthalten. Gegen jeden Versuch, dieses Zwangsrecht des herr⸗ schenden Interesses zu brechen und zu über⸗ winden, haben die„Autoritäten“ alle ihre Gewaltmittel zur Anwendung gebracht. Sie haben die arbeitenden Massen in schlimmster, wahrhaft menschenentwürdigender Abhängig⸗ keit von sich erhalten entsprechend dem Dogma der entarteten Selbstsucht, daß nach„gött⸗ licher Anordnung“ es Herren und Knechte, Unterdrücker und Unterdrückte, Befehlende und Gehorchende geben müsse, daß darin eigentlich sich alle„wahrhafte Ordnung“ be⸗ greife. Sie haben das Zwangsregiment über die Massen als unantastbares, von„gött⸗ licher Allmacht und Allweisheit“ verliehenes Herrenrecht in Anspruch genommen und geübt in einer Weise, die vom menschlichen Recht der Untertanen, von der menschlichen Würde der Unterdrückten nichts übrig ließ. Als unfähig und unberufen erachteten sie den einzelnen der unterdrückten Massen wie diese selbst, über sich nach freiem Ermessen zu be— stimmen. Bevormundenden Zwang in jeder Hinsicht bezeichneten sie als unerläßlich, um das„Volk im Zaume zu halten“ und die „Ordnung“ zu schützen. Doch wir brauchen garnicht in die Ver⸗ gangenheit zu schweifen, um zu erkennen, daß alle Herrschaft im Klassenstaate Zwangs⸗ regiment ist und nichts anderes sein kann. Der Gegenwartsstaat, der sogenannte „Rechtsstaat“ kann uns darüber auch, und zwar in mancher Hinsicht noch viel eindring⸗ licher belehren. In früheren Zeiten war das auf Unterdrückung gerichtete Zwangsregiment positives Recht. Der Begriff der persön⸗ lichen Freiheit, der Glaubens- und Gewissens⸗ freiheit ꝛc. war nicht anerkannt. Aber der moderne„Rechtsstaat“ erkennt ihn an. Um so drastischer tritt der Verstoß gegen diesen Begriff in die Erscheinung. Des Zwanges hat dieser Staat sich selbstverständlich nicht begeben. Er macht sein Zwangsrecht geltend, jedoch in einer Weise, die— und das ist das charakteristische— der geltenden Theorie dieses Rechtes nicht entspricht. Ihr nach soll der Zwang geübt werden durch Gesetzgebung und Verwaltung lediglich zum gemeinen Wohl, im Sinne der anerkannten Rechtsnormen, der verfassungsmäßig den Staatsbürgern ge⸗ währten Rechte und Freiheiten. Dem aber spricht die Praxis Hohn, Es gibt gewisse Arten obrigkeitlichen resp. gesetzlichen Zwanges, die unbedingt geübt werden müssen im Interesse des gemeinen Wesens. So der Schulzwang. Voraus⸗ setzung dabei ist jedoch, daß mit ihm eine solche Wirksamkeit der Schule sich verbindet, wie sie vernünftigen Anforderungen entspricht; sie soll Menschen, freie Menschen bilden und der Jugend das möglichst beste bieten, um sie freigeistiger Erkenntnis teilhaftig zu machen. Welcher Staat in Deutschland hat ein Schulwesen, das dieser Voraussetzung entspricht? Fast überall ist die Schule weniger eine Erziehungs- als eine Dressur⸗ anstalt, die dem wohlerwogenen Zwecke dient, dem Geiste der Jugend ungerechte Ge⸗ walt anzutun, ihr Denken in die dem herrschenden Interesse entsprechende Richtung zu zwingen. Da ist ferner der Steuer⸗ zwang. Aller Gerechtigkeit spottend wird er seitens der Reichsgewalten mißbraucht; das System der indirekten Steuern dient dazu, gerade die Armen und Unbemittelten unerhört zu belasten. Und dazu das System der Schutzzölle, das die konsumierende Volksmasse zwingt, dem Agrariertum Schmarotzerprofite zuzuwenden. Der Jenaer Parteitag. (Fortsetzung aus der Beilage.) Unsere Aufgabe ist, im Einverständnis mit der Partei⸗ leitung die gemeinsamen Wege zum gemeinsamen Ziele zu gehen zur Aufhebung der geistigen und physischen Knechtschaft der Arbeiter. Gegen Schmidts Ausführungen, besonders den Teil, der sich gegen die„Neue Zeit“ richtete wendeten sich sehr energisch Frau Zietz⸗Ham⸗ burg und Frau Luxemburg. Elm bemerkte, daß auch in ländlichen Bezirken Schleswig⸗ Holsteins das Interesse an der Maifeier zuge⸗ nommen habe, eine Tatsache die wir auch in unserer Gegend wahrnehmen können. Im Laufe der weiteren Diskussion wurden gewiß manche unnötige und unrichtige Bemerkungen gemacht, aber im Wesentlichen zeigte sich eine einheitliche Auffassung. Nach einem Schlußwort Fischers, der die gemachten Einwendungen und die An⸗ griffe auf die Neue Zeit in sehr maßvoller Weise zurückwies, wurde die beantragte Reso⸗ lution einstimmig angenommen. Am Don⸗ nerstag Abend wurden noch einige allgemeine Anträge, unter andern mehrere über Jugend⸗ organisation und Jugendzeitschriften erledigt. Abgelehnt wurde ein von Dr. Liebknecht be⸗ gründeter Antrag betreffend Agitation unter den vor ihrem Eintritt in den Militärdienst stehenden jungen Leuten, nachdem stch Bebel dagegen gewendet hatte. 1 Seite 2. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 40. Den Höhepunkt der Parteiverhandlungen bildeten die Beratungen über den politischen Massenstreik. Hierzu lag folgende von Bebel beantragte Resolution vor: Bei dem Bestreben der herrschenden Klassen und Gewalten, der Arbeiterklasse einen legitimen Einfluß auf die öffentliche Ordnung der Dinge in den Gemein⸗ wesen vorzuenthalten oder, soweit sie durch ihre Vertreter in den parlamentarischen Vertretungskörpern einen solchen bereits erlangten, diesen zu rauben und so die Arbeiter⸗ klasse politisch und wirtschaftlich rechtlos und ohnmächtig zu machen, erachtet es der Parteitag für geboten, auszusprechen, daß es die gebieterische Pflicht der gesamten Arbeiter⸗ klasse ist, mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln jedem Anschlag auf ihre Menschen⸗ und Staatsbürger⸗ rechte entgegenzutreten und immer wieder die volle Gleichberechtigung zu fordern. Insbesondere hat die Erfahrung gelehrt, daß die herrschenden Parteien bis tief in die bürgerliche Linke hinein Gegner des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts sind, daß sie dasselbe nur dulden, aber sofort abzuschaffen oder zu verschlechtern trachten, sobald sie glauben, daß durch dasselbe ihre Herrschaft in Gefahr komme. Daher ihr Widerstand gegen eine Ausdehnung des allgemeinen, gleichen, direkten und ge⸗ heimen Wahlrechts auf die Einzelstaaten(Preußen ꝛc.), und selbst die Verschlechterung bestehender rückständiger Wahlgesetze aus Angst vor einem noch so geringen Ein⸗ fluß der Arbeiterklasse in den parlamentarischen Ver⸗ tretungskörpern. Beispicle hierfür sind die Wahlräuberelen durch eine herrschgierige und maßlos feige Bourgeoiste und ein borniertes Kleinbürgertum in Sachsen und in den so⸗ genannten Republiken Hamburg und Lübeck und die Gemeindewahl⸗Verschlechterungen in den verschiedenen deutschen Staaten und Orten durch die Vertreter der verschiedenen bürgerlichen Parteien. In Erwägung aber, daß namentlich das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht die Voraussetzung für eine normale politische Fortentwicklung der Gemein⸗ wesen ist, wie es die volle Koalitionsfreiheit für die wirtschaftliche Hebung der Arbeiterklasse ist, in weiterer Erwägung, daß die Arbeiterklafse durch ihre stetig wachsende Zahl, ihre Intelligenz und ihre Arbeit für das wirtschaftliche und soziale Leben des ganzen Volkes, sowie durch die materiellen und physischen Opfer, die sie für die militärische Verteidigung des Landes zu tragen hat, den Hauptfaktor in der modernen Gesellschaft bildet, muß sie nicht nur die Einhaltung, sondern auch die Erweiterung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahrechts für alle Vertretungskörper im Sinne des sozialdemokratischen Programms und die Sicherheit der vollen Koalitionsfreiheit fordern. Demgemäß erklärt der Parteitag, daß es namentlich im Falle eines Anschlages auf das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht oder das Koalitionsrecht, die Pflicht der gesamten Arbeiterklasse ist, jedes geeignet erscheinende Mittel zur Abwehr nachdrücklichst anzuwenden. Als eines der wirksamsten Kampfmittel um ein solches politisches Verbrechen an der Arbeiterklasse abzu⸗ wehren oder um sich ein wichtiges Grundrecht für ihre Befreiung zu erobern, betrachtet gegebenen Falles der Parteitag die umfassendste Anwendung der Massen⸗Arbeitseinstellung. Damit aber die Anwendung dieses Kampfmittels ermöglicht und möglichst wirksam wird, ist die größte Ausdehnung der politischen und gewerkschaftlichen Orga⸗ nisation der Arbeiterklasse und die unausgesetzte Belehrung und Aufklärung der Massen durch die Arbeiterpresse und die mündliche und schriftliche Agitation unumgänglich notwendig. Diese Agitation muß die Wichtigkeit und Notwendig⸗ keit der politischen Rechte der Arbeiterklasse, insbesondere des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahl⸗ rechts und der vollen Koalitionsfretheit darlegen, mit Hinweis auf den Klassencharakter des Staates und der Gesellschaft und den täglichen Mißbrauch, welchen die herrschenden Klassen und Gewalten durch den ausschließ⸗ lichen Besitz der politischen Macht an der Arbeiterklasse verüben. Jeder Parteigenosse ist verpflichtet, wenn für seinen Beruf eine gewerkschaftliche Organisation vorhanden ist oder gegründet werden kann, einer solchen beizutreten und die Ziele und Zwecke der Gewerkschaften zu unter⸗ stützen. Aber jedes klassenbewußte Mitglied einer Ge⸗ werkschaft hat auch die Pflicht, sich der politischen Organisation seiner Klasse— der Sozlaldemokratie— anzuschließen und für die Verbreitung der sozialdemo⸗ kratischen Presse zu wirken, Freitag früh ergriff Bebel das Wort und seine Rede füllte die ganze Vormittagssitzung aus. Von seinen Ausführungen können wir auch nur die Hauptstellen wiedergeben. Er leitete sie ein mit einem längeren Rückblick au 4 die Entwickelung der polittschen und wirtschaft⸗ lichen Zustände. Die Wahl von 1903 habe ihre Wirkung nicht verfehlt, der ungeheuere Stimmenzuwachs habe die Gegner entsetzt. Er verursachte aber auch in unserer Partei gewisse Differenzen. Ich habe euch oft gesagt, meinte Bebel, seid ihr im Zweifel, ob eure Handlungen richtig oder falsch sind, dann seht auf eure Feinde, und wenn die das, was ihr tut, be⸗ dauern, fürchten, verurteilen, so seid ihr auf dem richtigen Wege. Danach hätten in erster Linie die handeln sollen, die innerhalb der Partei allerlei Treibereien ins Leben rufen, wozu sie auch nicht die geringste Berechtigung haben. Redner verwies auf eine Aeußerung des Zentrumsmannes Trimborn, der sich über die 3 Millionen Stimmen erschreckt zeigte. Was würde nun die Sozialdemokratie tun, fragte man. In der Neuen Zeit warf Kautsky— und das gleiche geschah seitdem in anderen Blättern, es geschah in Versammlungen, es geschah in der Rede von Vollmar— die Frage auf, werden wir nunmehr bei dieser gewaltigen Stimmen⸗ zahl nicht eine andere Taktik einschlagen müssen? Sie wissen, daß diese Fragen auch den Dres⸗ dener Parteitag beschäftigt haben. Es ist dabei zu sehr heftigen Erörterungen gekommen und noch heute gibt es nicht kleine Kreise der Partei, die meinen, daß diese Erörterungen der Partei in hohem Grade nach außen geschadet hätten, vielleicht auch nach innen. Es wird mir eben zugerufen: Sehr richtig! Ja, wir haben selbst in den Spalten unseres Zentralorgans wieder⸗ holt bis in die letzten Monate hinein derartige bedauerliche Aeußerungen laut werden sehen und nun gar in der gegnerischen Presse hört ja das Gezeter und Geschrei über den Dresdener Partei⸗ tag gar nicht auf, als wenn die Herren be⸗ dauerten, daß es so gekommen ist, während ste doch in Wahrheit sich freuen. Nun, was hat der Dresdener Parteitag denn getan? Es waren in diesen Erörterungen über das, was kommen sollte, eine ganze Reihe Differenzpunkte aufgetreten und der Parteitag hat gegenüber. diesen Fragen klare Stellung genommen und hat mit einer enormen Mehrheit die Taktik der Partet aufs neue festgelegt mit einer Klarheit, die bei Freund und Feind keinen Zweifel über die Stellung der Partei ließ. Das ist die große historische Tat des Dresdener Partei⸗ tags trotz allerlei Schlacken, die ihm anhafteten, das ist seine historische Bedeutung. Bebel ging dann auf die Behauptung Friede⸗ bergs und anderer ein, die von der gänzlichen Ohnmacht des Reichstags redeten. Keineswegs sei das richtig; im Gegenteil sei die Macht des Reichstags seit Bismarck gewachsen. Redner kennzeichnete dann die Zerfahrenheit im Bürger⸗ tum und dessen Charakter- und Grundsatz⸗ losigkeit. Der Kapitalismus wächst aber und mit ihm die Gegensätze. Redner weist auf die Zuspitzung der Gegensätze im Reichstag hin. Seit den Zollkämpfen stünden sich bürgerliche Parteien und Sozialdemokratie viel schroffer gegenüber. In den Hochburgen der Sozial⸗ demokratie verschlechtert man das Wahlrecht. Redner wies ferner hin auf die zunehmende Macht der Unternehmerverbände und führte aus: ö Es gibt Industrieverbände, wo nicht ein einziger Unternehmer mehr außerhalb desselben steht, während wir leider noch Hunderttausende von Arbeitern haben, die weder den freien Gewerkschaften, noch den christlichen Verbänden angehören. Der Klassencharakter, das Klassenbewußtsein der deutschen Bourgeoisie, ist dem der deutschen Arbeiterklasse bedeutend überlegen! Das muß ausgesprochen werden, wenn wir wissen wollen, was wir tun müssen. Dort haben wir die vollste Geschlossenheit, hier bei den Arbeitern die Spal⸗ tung in verschiedenen Organisattonen. Sind doch die christlichen Gewerkschaften nur gegründet, um die Macht der Arbeiterklasse zu brechen. Wenn man einen christlichen Unternehmer sagen würde, er müsse sich einer christlichen Unternehmerorganisation anschließen, er würde lachen und sagen: Ach, was fällt Ihnen ein! Es ist mir doch gleich, ob der Mann Jude, Christ, Heide oder Mohammedaner ist, er ist doch Fleisch von meinem Fleisch, er ist Kapitalist. Nur dle Arbeiter lassen sich infolge ihrer Dummheit, ihrer Unwissenheit, in der sie künstlich erhalten werden, spalten, obwohl doch gerade sie es nötig hätten, einig und geschlossen zusammenzustehen. Aus der ganzen Situation heraus ist auch die Angriffslust des Unternehmertums gewachsen, Deshalb die Aussperrungen in Berlin, Rheinland⸗Westfalen, den Unterweserorten, Bayern, Sachsen und Thüringen. Es ist aber nur von Vorteil, wenn so die Gegensätze auf die Spitze getrieben werden, weil dadurch eine klare Situation geschaffen wird, bei der es kein Ausweichen, kein Vertuschen, keine Kompromisselel mehr giot. Auch dem dümmsten Arbeiter wird durch diese Aussperrungen der Klassengegensatz begreiflich gemacht, und wer das einmal erlebt hat, der ist für immer für die Llbe⸗ ralen oder das Zentrum verloren. Die Angriffslust macht sich bei der Unternehmerklasse in steigendem Maße überall bemerkbar. Ein Ende dieser Kämpfe ist nicht abzusehen. Seit 1895 haben wir eine kolossal indu⸗ strielle Entwicklung erlebt. Auch die Arbeiterklasse hat dadurch an Macht gewonnen, eine Macht, die auf ihrer Zahl beruht. Die Macht der Bourgeoisie beruht auf dem Gelde, aber die Zahl der Köpfe gibt der Arbeiterklasse, so bald sie sich nur dieses Umstandes bewußt wird, eine so ungeheure Macht, daß ste die Macht der Bourgeoiste, und habe sie Zehntausende von Millionen im Tresor, schließlich überwindet. Aber da muß man der Arbeiterklasse bemerkbar machen, es darf nicht vorkommen, daß in ihren eigenen Reihen ihre Macht und Bedeutung nicht gebührend gewürdigt wird, und auch die Agitations⸗ und Auf⸗ klärungsarbeit in der Presse ist zu einem großen Teil durchaus falsch. Da muß endlich auf diesem Parteitag Klarheit geschafft werden, da wollen wir endlich alle wissen, was wir zu tun haben, da müssen wir wissen, daß wir einer Situation gegenüberstehen, aus der mit Notwendigkeit Katastrophen resultieren, wenn nicht die Arbeiterklasse den Gegnern das Gelüste. Katastrophen herbeizurufen, ein für allemal verleidet. Es ist ein großer Irrtum, wenn man sagt, die Sozialdemokratie arbeite auf Revolutionen hin. Fällt uns gar nicht ein, was haben wir denn für ein Interesse daran, Kata⸗ strophen zu erzeugen, unter denen die Arbeiter in erster Linie schwer zu leiden haben? Selbst ein Blatt, wie das katholische Echo für das Rheinland schrieb im Mal dieses Jahres, daß es eine völlig unhistorische Auffassung sei, daß Revolutionen von wenigen Bösewichten und Volksverführern gemacht werden; Revolutionen können im geschichtlich gewordenen Staatswesen nur entstehen und Erfolg haben, wenn Mißstände vorhanden sind, durch die die Masse des Volkes sich beschwert fühlt.„Es möge noch soviel geeifert werden gegen die Sozialdemo⸗ kratie, wir werden ste nicht anders überwinden, als durch Reformen, und wenn wir die gerechten Forderungen der Arbeiter nicht erfüllen, werden sie schließlich Sozial⸗ demokraten.“ Sehr vernünftige Anschauungen! Durch⸗ aus korrekt! Aber das ist ja der Fluch einer herrschen⸗ den Klasse, daß sie im entscheidenden Moment niemals zur Einsicht kommt. Wir Sozialdemokraten befinden uns in der günstigen Position, daß wir, was immer unsere Gegner gegen uns machen, weiter wachsen. Wir müssen wachsen, weil die kapitaliftische Gesell⸗ schaft wächst und in immer höheren Grade die Be⸗ dingungen schafft, die die Soztalisten erzeugen. So wenig man unter dem Sozlalistengesetz unser Herr geworden ist, so wenig wird man unser Herr werden, wenn man eines Tapes zu neuen Gewaltmaßregeln greift. Nach längeren Darlegungen über den Wert und die Macht des Parlamentarismus ging Bebel auf die Frage des Generalstreiks näher ein, die schon viel diskutiert worden sei und eine Reihe internationale Kongresse be⸗ schäftigt habe. Er führt verschiedene Beispiele dafür und zuletzt die Resolution des Amster⸗ damer Kongresses an. Ferner bespricht er die Schrift der Genossin Roland⸗Holst⸗Amsterdam über diesen Gegenstand und die Kritik, die ihr besonders Heine in den„Sozialistischen Mo⸗ natsheften“ angedeihen ließ. Ich bestreite entschieden, führt Redner weiter aus, daß alle die Folgen eintreten müssen, die Heine bei einem Massenstreik voraussieht. Was er als möglich und wahrscheinlich bei einem Massenstreik in Aussicht stellt, kann man im Grunde genommen, von jedem großen Streik sagen. Hätte man Heine bei Ausbruch des großen Bergarbeiterstreiks um einen Rat gefragt, dann hätte er auf Grund derselben Erwägungen zum Abraten kommen müssen. Nun, in Wirklichkeit hat der Bergarbeiterstreik nicht die geringste Handhabe zum Ein⸗ schreiten geboten. Die Bergarbeiter haben einen groß⸗ artigen Massenstreik geführt, der bedeutender war als die Massenstreiks in allen anderen Ländern je gewesen sind, und zwar in bewunderns würdiger Ruhe. Ich fuhr damals aus Brüssel von einer Konferenz zurück und erstaunte über die feierliche Ruhe im Ruhrrevier. Keine Esse dampfte, während man sonst die Fenster des Maggons wegen Rauches schließen muß. Wenn das möglich ist bei einer Arbeiterschaft, die politisch und kulturell weit rückständiger ist wie die übrige, ja, da muß man doch fragen, was müssen wir da nicht leisten können bei unseren weit größeren Mitteln und unserer . 40. standeg daß fe sausende merkbar genen bühren ib Auf⸗ gen Tel gacteltag lch all wlssen, der mlt sicht be strophen it ein mokka“ icht ein, „ Kata- in erstn latt, we I Mal ffassun en unh bonne elstehen en fill, lt.„z lalbemo⸗ en, dib rungen Sussch Durch. aurschel⸗ Rlemalk hefiubeg b bung wachsl, Gesel. ble 8 . E er Hen werdel, fu gef 1 Wel 5 b reil den 1 sse. elspidl Nute, el de terdal 0 1 ell M. 1er lh ene be b 0 Auksch 1 Ph cb gescul, gen l 8 hal 006 Nr. 40. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 3. Disziplin, ohne daß die Folgen eintreten, die Heine vor⸗ aus sieht. Und schließlich giebt es auch einen Punkt, wo man nicht mehr nach dem Schaden fragen darf. Schiller sagte:„Nichtswürdig ist die Nation, die nicht ihr Alles freudig setzt an ihre Ehre.“ Ja, nichts würdig, erbärmlich ist die Ar⸗ beiterklasse, die sich hundsföttisch be⸗ handeln ließe, die ihren Bedrängern nicht die Spitze zu bieten wagte.(Stür⸗ mischer Beifall.) Da ift Rußland, da ist die Jani⸗ schlacht, da ist die kommune! Bei den Manen dieser Märtyrer sollt Ihr nicht einm al ein paar Wochen hungern, um Eure höoͤchsten Menschenrechte zu verteidigen! Da kennt Ihr die deutschen Arbeiter schlecht, wenn Ihr ihnen das nicht zutraut! Was hätte denn Heine in Wyden gesagt, als ich den Antrag stellte, das Wort „gesetzlich“ aus unserem Programm zu streichen? Das ist damals einstimmig und ohne Debatte beschlossen worden.(Heine: Mit Recht!) Dann handeln auch wir recht, wenn wir es das nächste Mal ebenso machen. Wir provozieren nicht, wir verteidigen uns nur. Der politische Massenstreik ist nicht bloß eine theoretische, sondern auch eine eminent praktische Frage, nach einem Kampfmittel, das gegebenenfalls angewendet werden soll und muß. Mit keinem Worte sagt Heine, wie wir uns eigentlich verteidigen sollen, wenn man uns angreift. Er sagt nur dies Mittel taugt nichts, aber er bringt kein anderes in Vorschlag. Sollen wir uns etwa kalten Blutes die Haut über die Ohren ziehen lassen? Man sagt, der Massenstreik sei eine unbrauchbare Waffe. Aber 1891 hat der Massenstreik, den die Bel⸗ gler anwandten, um das alltzemeine Wahlrecht zu er⸗ kämpfen, Erfolg, gehabt, relativ mehr Erfolg, als der Bergarbeiterstreik, der eine verpfuschte Bergarbeiternovelle brachte und auch ein politischer Streik war. In der Kammer haben unsere belgischen Genossen von 140 Man⸗ daten 33 erobert. 1903 griffen sie noch einmal zum Massen⸗ streil, um das allgemeine Wahlrecht ganz durchzusetzen. Da hatten sie allerdings keinen Erfolg. Redner zählt im Welteren eine Reihe Streiks auf, bei denen es sich zum Teil um politische Forderungen handelte und die erfolgreich für die Arbeiter verliefen, in Oesterreich, Schweden, Italien. Dann fährt er fort: Wir kämpfen nicht um Forderungen des Zukunftsstaates. Wir glauben nicht, daß wir die bürgerliche Gesellschaft nit dem Ge⸗ neralstreik aus den Angeln heben können, sondern wir kämpfen um ganz reale Rechte, die Lebensnotwendig⸗ keiten Für die Arbeiterklosse sind. Wenn die Frage der Beseltigung des allgemeinen Wahlrechts auf die Tagesordnung kommt, dann ist es ganz sicher, daß es auch in den bürgerlichen Kreisen, so korrupt sie sein mögen, ein ganzes Teil Leute gibt, die sagen, so geht es nicht, den Arbeitern darf nicht ein Recht genommen werden, daß sie nie gemißbraucht haben, und wir werden zweifellos auch in diesen Kreisen eine gewisse Sympathie haben. Außerdem habe ich eine gewaltigere Macht, wenn ich ein Recht, das ich Jahrzehnte lang besitze, verteidige, als wenn ich ein neues Recht erobern will. Wenn ich sagen kann: bei euch ist nichts weiter als brutale Gewalt, ihr wollt uns das Recht nehmen, ihr seid Gewaltmenschen, ihr seid Tyrannen— wenn ich all das sagen kann, was die Massen empören und auf⸗ peitschen muß, dann müßte es doch mit zehntausend Teufeln zugehen, wenn wir da nicht die Massen in hellen Haufen gewinnen würden, auch die christlichen Arbeiter. Wenn das allgemeine Wahlrecht flöten ist, dann ist auch das Vereins⸗ und Bersammlungsrecht flöten, dann ist das Koalitionsrecht flöten, dann sind alle die Rechte flöten, die wir brauchen. Denn wenn unsere Feinde uns einmal das allgemeine Wahlrecht nehmen, dann wären sie ja geradezu Toren, weun sie uns die übrigen politischen Rechte, mögen sie noch so gering sein, ließen. Gesetzt einmal, es sei ein Kampf beim Raub des all⸗ gemeinen Stimmrechts geführt, bei dem wir schließlich unterlegen sind! Da versteht es sich doch ganz von selbst, daß wir unausgesetzt in unseren Vereinen, in Versammlungen, in der Presse kämpfen, daß wir die Massen aufrütteln und dadurch den Gegnern unbequem werden. Haben sie uns das Hauptrecht genommen, dann müssen sie auch die andern Rechte beseitigen. Da hängt eins am andern. Nach längeren gegen Friedeberg gerichteten Aus⸗ führungen schlleßt Bebel mit der Aufforderung an die Genossen, energischer als bisher an der Schulung und Aufklärung der Partel zu ar beiten. Wenn dann gleich⸗ zeitig auch die Parteipresse mehr als bisher den Organisationsfragen sich widmet, wenn überall im Sinne meiner Resolution gearbeitet wird, dann wird es kein Meisterstück sein, im Laufe eines Jahres die Mitglieder- zahl unserer Vereine zu verdoppeln, die der Gewerk⸗ schaften um mindestens 25 Proz. zu steigern und die Leser unserer Organe um 50 bis 100 Proz. zu heben. Dadurch werden wir ein Maß von Mitteln zur Auf— klärung der Parteigenossen und zur Vorbereitung auf die schweren Kämpfe, die kommen werden, erhalten, wie es großartiger aber auch eigentlich selbstverständ⸗ licher nicht gedacht werden kann. In diesem Sinne wollen wir kämpfen, bis der Sieg voll und ganz unser ist. Bebels mit stürmischem Beifall aufgenom⸗ mene Rede war ein rhetorisches Meisterstück. Wir haben nur Bruchstücke daraus wiedergeben können; wir müssen uns auch versagen, auf die Diskusston und das Schlußwort einzugehen. Dazu gibt es gewiß später noch Gelegenheit. Beiläufig sei nur bemerkt, daß von einzelnen Rednern in der Debatte Ausführungen gemacht wurden, die durchaus unzutreffend und nicht zu billigen sind. Diese wird uns auch die bürgerliche Presse noch oft vorreiten! Doch das tut nichts! Maßgebend ist, was der Partei⸗ tag beschlossen hat. Und in dieser Frage fand die Resolution Bebels in namentlicher Ab⸗ stimmung mit allen gegen 15 Stimmen und 2 Enthaltungen an Von den weiteren Verhandlungen und Be⸗ schlüssen sei noch erwähnt, daß die alte Partei⸗ leitung wiedergewählt und zum Orte des une Parteitages Mannheim bestimmt wurde. Tolitische Nundschau. Gießen, den 28. September 1905. Eine Wehrsteuer⸗Vorlage soll nach Zeitungsmitteilungen bereits im Reichs⸗ schatzamte ausgearbeitet sein. Für diese Steuer sollen, wie die agrarische„Deutsche Tagesztg.“ kürzlich glauben machen wollte, in weiten Volks⸗ kreisen Sympathien vorhanden sein; der Krieger⸗ vereinsbund habe sich dafür ausgesprochen und betrachte die Einführung einer Steuer, welche den wegen geringer körperlicher Fehler von militärischer Dienstpflicht befreiten Männern auferlegt werden sollte, einen Akt„ausgleichender W Jawohl, ausgleichender Ge— rechtigkest! Wenn davon die Rede ist, muß stets der Arme bezahlen! Es wäre doch viel gerechter und vernünftiger, erst einmal die besitzenden Klassen, die in den Einzel⸗ staaten nur sehr wenig zu direkten Steuer⸗ leistungen herangezogen werden, für das Deutsche Reich aber nicht einen roten Pfennig direkter Steuern zahlen, durch eine Reichs-Ein⸗ kommensteuer zu den Reichslasten heranzu⸗ ziehen. Selßst wenn die eigentlichen Krüppel von der Wehrsteuer ausgenommen werden, und selbst wenn nach dem Vermögen die Wehrsteuer progressiv abgestuft werden sollte, so bliebe immer noch eine schwere und durchaus ungerechte Belastung solcher proletarischen Elemente übrig, die schon durch ihre minder kräftige Konstitution in ihrem Erwerb bedauerlicherweise geschädigt sind. Und gerade jetzt, wo durch die Fleisch⸗ teuerung die arbeitende Bevölkerung in skandalöser Weise belastet wird, wo die Lebens⸗ haltung des arbeitenden Volkes durch die neuen Handelsverträge noch elender gestaltet werden wird, als es ohnehin der Fall ist, gerade jetzt sollte man so viel Scham bestitzen, nicht zu einer neuen, die Volksmasse treffenden Steuer zu greifen. Die Reichen wären dagegen sehr leicht in der Lage, eine Reichs⸗Einkommen⸗ steuer zahlen zu können, ohne sich irgend welche Einschränkung nicht nur der Lebenshaltung, sondern auch ihrer Lebensgenüsse auferlegen zu müssen. Wenn man bedenkt, daß in Preußen allein 1½ Millionen Steuer pflichtige ein Vermögen von 76 Milliardenversteuern, daßalso auf jeden Zenstten ein Vermögen von 60000 Mk. entfällt, so beweist schon diese Tatsache, wo mit Leichtigkeit der Steuerhebel eingesetzt werden könnte. Wenn also die Regierung und die besitzenden Klassen der soztaldemokratischen Agitation ein neues Propagandamittel von großer Wirksamkeit in die Hände spielen wollen, so brauchen sie nur die Wehrsteuervorlage an den Reichstag ge— langen zu lassen! Partei⸗Ruinen. Am Samstag und Sonntag hielten die beiden linksliberalen Parteien, die Demokraten und Freisinnigen ihre Parteitage ab. Erstere in Frankfurt, die Freisinnigen in Wiesbaden. Die Oeffentlichkeit kümmert sich wenig darum, kaum daß ein Bericht in den Blättern über die Ver⸗ handlungen erscheint. Sie sind halt bankrott und zwar nicht bloß finanziell, sondern auch, was noch schlimmer ist, politisch. Wahlerfolge. In Sachsen haben unsere Parteigenossen trotz des elenden Wahlrechts ein Mandat erobert und zwar haben sie im 37. Kreise die Mehrheit der Wahlmänner. Danach wurde Gen. Gol d⸗ stein gewählt. Auch in Oldenburg eroberten unsere Parteigenossen zwei Mandate. Sozialdemokratische Wahlerfolge in Schweden. Die in den letzten Wochen stattgefundenen Reichstagswahlen in Schweden— es wird nicht an einem bestimmten Tage im ganzen Lande gewählt, sondern es sind die Wahltermine für die einzelnen Wahlkreise verschieden— haben unseren Parteigenossen gute Erfolge gebracht. Bisher wurden acht Sozialdemokraten als ge⸗ wählt gemeldet. Ebenso haben die liberalen Anhänger einer demokratischen Wahlreform an Mandaten gewonnen; im ganzen eroberte die Linke 16—18 Sitze. Soziale, Gewerkschastliches. Christliche Streikbrecher. EinSchreiner⸗ meister in Sprendlingen im Kreise Offenbach a. M. schrieb kürzlich an die Zahlstelle des christlichen Holzarbeiterverbandes in Offenbach um Zuweisung von Gesellen, die er in Arbeit nehmen wollte. Das Vorstandsmitglied Spahn antwortete dem Meister, daß augenblicklich niemand verfügbar set, da sämtliche verfügbaren Arbeitskräfte nach Köln abgeschoben werden, weil dort die freien Holzarbeiter im Streik stünden. Das„Offenb. Abend⸗ blatt“ nagelte diesen Arbeiterverrat nach Ge⸗ bühr fest. Daraufhin rühmten sich in dem Offenbacher Amtsblatt die Christlichen noch ihrer Verräterei, setzten aber hinzu, nicht Streik⸗ brecher, sondern Schreinergesellen schickten ste nach Köln.„Wir werden nach wie vor Schreiner nach Köln schicken, denn wir haben beschlossen: es existiert kein Streik, also sind unsere Leute keine Streikbrecher.“ Eine gentale Methode, unbequeme Wahrheiten aus der Welt zu schaffen. Die Wahrheit wird festgestellt durch— Abstimmung! von Nah und Fern. Hessisches. — Hessische Dorfbürgermeister machten wiederholt den Versuch, sozialdemo⸗ kratischen Gemeindevertretern die Ausübung ihres Amtes zu erschweren. Zu diesem Zwecke werden die Sitzungen der Gemeindevertreter zu so ungünstiger Zeit einberufen, daß die meist auswärts arbeitenden Arbeitervertreter einen ganzen Arbeitstag verlieren. So war es in Vilbel und so verfuhr auch der Bürger⸗ meister von Urberach trotz entgegenstehenden Beschlusses der Gemeindevertretung. Als dann die sozialdemokratischen Vertreter der Sitzung fernblieben, die dadurch beschlußunfähig wurde, verhängte der Bürgermeister über sie eine Ord- nungsstrafe, die allerdings auf Berufung vom Kreisamt wieder aufgehoben wurde. Auch sonst verfuhr der Bürgermeister sehr selbstherrlich und es herrscht infolgedessen ein gespanntes Verhältnis, das kürzlich im„Offenbacher Abend⸗ blatt“ scharf kritisiert wurde. Die Kritik ver⸗ schnupfte und es folgte die übliche Beleidigungs⸗ klage, aber nicht vom Bürgermeister, sondern von einem seiner Schützlinge. In dem Arttkel war nämlich gesagt, daß der Bürgermeister einen Mann, der wegen schwerer Körperver⸗ letzung und Sachbeschädigung mit Gefängnis bestraft und der Erfinder des„heiligen Knüppels“ sei, nicht nur als Stellvertreter des früheren Polizeidieners benutzte und sich dafür vom Kreis⸗ amt auf Beschwerde hin die Anweisung gefallen lassen mußte, für diesen Posten einen Mann mit„ungetrübten Leumund“ zu nehmen, sondern Seite 4. Mitteldentsche Souutags⸗Zeitung. Nr. 40. daß dieser Mann auch vom Bürgermeister vor⸗ geschlagen wurde als Schöffe am Amtsgericht zu Langen. Es war dann noch die Bemerkung angehängt, daß bezüglich des letzten Falles böse Zungen behaupteten, daß dieser Schöffe als Sachverständiger des hessischen Gefängniswesens der„geeignetste Mann“ sei. Der Name des Betreffenden war nicht genannt, aber der ge⸗ meinte Mann klagte doch und erzielte auch die Verurteilung des Genossen Schildbach vom „Offenb. Abendbl.“ zu 30 M. Geldstrafe wegen formaler Beleidigung. Vor Gericht wurde aber festgestellt, daß der Kläger tatsächlich wieder⸗ holt wegen schwerer Roheitsdelikte bestraft worden ist und daß dem Bürgermeister dieses bekannt war, als er den Mann als Polizeidiener anstellte und als Gerichts⸗ schöffen vorschlug. Das Urteil erkennt wenigstens an, daß das„O. A.“ berechtigte Interesse wahrte, als es den unter Anklage stehenden Arttkel brachte: es sei wirklich nicht angängig, wenn ein Mann mit derart getrübtem Leumund Polizeigewalt und Richteramt übertragen be⸗ komme. Also ist das Urteil in Wirklichkeit eine Verurteilung der Verwaltungsmaximen des Bürgermeisters. Dieser Bürgermeister ist in dem liberalen Hessen aber keine vereinzelte Er⸗ scheinung. Gießener Angelegenheiten. Zum„Jewa der Partei“ sollte nach den Erwartungen und Prophezeiungen und ach, so innigen Wüunschen der bürgerlichen Presse der Jenaer Parteitag werden. Es giebt aber nichts damit. Es kam noch nicht zum „Krach“ und kommt auch nicht mehr dazu. Der Streit Kautsky⸗Mehring gegen den„Vorwärts“ wurde in einer Kommission vorverhandelt und da⸗ mit war der Sache schon die Spitze abgebrochen. Etwa 60— 80 Berichterstatter bürgerlicher Zeitungen hatten sich zu dem Zwecke nach Jena begeben, um das„zweite Dresden“ recht an⸗ schaulich in ihren Organen schildern zu können. Jetzt ist das viele Geld umsonst geopfert, hinaus⸗ geworfen! Das ist fatal und darum suchen sich die Ordnungsblätter mit anderen Schimpfe⸗ reien und Albernheiten über unsere Partei zu entschädigen. So hälts auch die„national⸗ soziale“„Hess. Landesztg.“ in Marburg, die doch eigentlich den schmählichen Zusammenbruch ihrer Partei noch nicht vergessen haben sollte. Uns aber freut diese verhaltene Wut und der gute Verlauf des Parteitags! Besonders amüsant ist, wie sich das Berliner Scharfmacherblatt, die„Post“ über den Parteitag ausschleimt. Aus einem Leitartikel zitiert der„Vorwärts“ folgenden anmutigen Satz: „Mit dem Cantus„Zum Lobe Jenas und der Freiheit,“ der die ganze hausbackene Philisterpoesie des roten Groschenkol⸗ lekteurtums atmet, wurde eine Art Er⸗ öffnungskneipe des großen Men a⸗ gerierummels eingeleitet. Außer dem holden Kranze von„Genossinnen“, welche mit ihren auffallenden Toiletten den Tisch der kneipenden„Genossen“ umsäumten, einer Klara Zetkin, der„blutigen Klara“, wie sie im Jargon der„Revistonisten“ heißt, der Lily Braun, deren„Chic“ in der Kostümie⸗ rung zuweilen den Zorn der wilderen, sich schon im äußeren Menschen durchaus als „Genossinnen“ verratenden Kolleginnen erregt, der Rosa Luxemburg oder Rosalie Lübeck und a. m., glänzten unter den Zuschauern die Jünglinge mit den Löwenmähnen und den unheimlichen Blicken, jüdische Re⸗ volutionäre aus dem Osten vom Schlage der Mandelstamm und Silberfarb.“ Der Stil ist der Mensch, auch wenn er all⸗ zu menschlich sich austobt, bemerkt der Vorwärts dazu mit Recht. Von den„auffallenden Toi⸗ letten“ wird selbst ein mit sehr guten Brillen⸗ läsern bewaffneter Zuschauer nichts bemerkt 1005 ebensowenig von den übrigen schönen Dingen. Ordnungsblatt⸗Schwindel! — Bellende Hunde. Die„Ord- nungs“ blätter aller Schattierungen kläffen die Mainzer Stadtverwaltung an, weil sie einen Nachruf für den verstorbenen Bürger⸗ meister Gaßner, wie in den Blättern der anderen Parteien so auch in dem„Vorwärts“ veröffentlichte. Die eigentlich selbstverständliche gleichmäßige Behandlung, die die Mainzer Stadtverwaltung den Parteien zuteil werden läßt und davon auch die Sozialdemokratie nicht ausnimmt, kann diese Gesellschaft schon anf⸗ regen. Das Antisemitenblatt in Friedberg heult:„Was mag wohl die Bürgerschaft von Mainz dazu sagen, daß aus den von ihr auf⸗ gebrachten Steuermitteln das Zentralorgan der gehässigsten Feinde des Bürgertums in einer derartigen Weise unterstützt wird? Wir habens in der Tat herrlich weit gebracht in der För⸗ derung der Umsturzpartei; es scheint aber immer noch schlimmer zu werden ꝛc.“ Wirklich unsag⸗ bar schrecklich! Hätten doch die Mainzer das Inserat lieber in der Friedberger Volkswacht aufgegeben, wie notwendig hätten die Pückler⸗ leute das Geld brauchen können und wie schmunzelnd hätten ste die Steuergroschen der — Arbeiter eingesteckt! — Aus dem Stadtparlament. Die Fleischnot führte in der letzten Stadtverord⸗ netensttzung zu lebhaften Debatten. Einstim⸗ mig wurde eine Petition um Oeffnung der Grenzen beschlossen, ferner soll sich die Stadt bemühen, Fische in größeren Mengen zu bil⸗ ligen Preisen zu beziehen. Dagegen wandte sich die„liberale“ Halbheit der Stadtväter⸗ Mehrheit entschieden gegen die Aufhebung des Oktrois auf Fleischwaren und Vieh, die unser Genosse Krumm unter Hinweis auf die ungeheuerliche Preissteigerung aller Lebensmittel mit Recht verlangte. Dem liberalen Durch⸗ schnittsspießer ist es so in Fleisch und Blut übergegangen, daß Oktroi eine hübsche Steuer sei, daß er jedesmal nervös wird, wenn jemand an diesem geheiligten Herkommen rüt⸗ telt. Für die mit irdischen Gütern reichlich gesegnete 1. Steuerklasse ist es auch ein schreck⸗ licher Gedanke, die direkte, nach der Leistungs⸗ fähigkeit bemessene Steuer um einige Prozent gestiegen zu sehen, mögen lieber Handwerker und Konsumenten blechen, wenn nur die Herrn Fabrikanten nicht allzuhart in den Beu⸗ tel greifen müssen. Als Vorwand für die Ab⸗ lehnung mußte natürlich die„fürchterliche Un⸗ ordnung“ der diesjährigen Budgets herhalten; namentlich der Herr Oberbürgermeister und Herr Schmall jammerten beweglich, daß die Deckung für den Oktroiausfall fehlte. Als voriges Jahr 30—40000 Mark Einquar⸗ tierungskosten auf die Stadt übernommen wurden, blos damit die Herren aus den besseren Kreisen nicht ihre Ferien zu unterbrechen brauch⸗ ten, da hörte man weder von dem Bürgermeister noch von Herrn Schmall ein Wort über„man⸗ gelnde Deckung“. Da galt es den reichen Leuten einen Gefallen zu tun, das steht den„Liberalen“ höher als eine Linderung der Fleischnot. Die⸗ jenigen Handwerker und Arbeiter, welche bei kommenden Wahlen diesen ihre Stimme geben, müßten eigentlich in der Kopfbedeckung zwei Löcher zum Durchstecken der Ohren haben! Wenn Herr Schmall den durchaus richtigen und berechtigten Ausführungen Krumms in an⸗ maßender und überhebender Weise entgegentrat, so hatte er, nach dem Berichte des Amtsblattes zu urteilen— wir waren selbst in der Sitzung nicht anwesend— gar keinen Grund dazu. Er wollte wohl blos mal sein Licht besonders leuch⸗ ten lassen. Anders hätte er vielleicht geredet, wenn es sich um Bekämpfung einer Mehrbelast⸗ ung des Tabaks gehandelt hätte, bei der er in Mitleidenschaft gezogen worden wäre. In sol⸗ chem Falle zöge er sogar mit auf die Land⸗ agitation, wie seinerzeit als er den Antisemitis⸗ mus hochleben ließ, der gegen die Tabaksteuer zu stimmen versprochen hatte! Die Vorwürfe, die er gegen Krumms Ausführungen erhob, treffen ganz und gar auf seine Reden zu, das Gefühl müßte er eigentlich selber gehabt haben. Er und seine Kollegen könnten allerdings aus eigener Initiative eine Linderung des Notstandes herbeiführen, wenigstens für die Tabakarbeiter, wenn nämlich deren erbärmliche Löhne aufge⸗ bessert würden. Herr Gutfleisch sprach ja ganz nett, wenn er sagte, daß man bei künftigen Reichstagswahlen den„richtigen Standpunkt“ einnehmen müsse. Dann wird hoffentlich der freisinnige Führer nicht mehr für den national⸗ liberalen Zöllner die Kandidatenrede halten!? Schließlich möchten wir noch bemerken, daß wir den Statistiken über den Fleischkonsum nicht großen Wert beimessen. Jedenfalls ist Tatsache, daß in den minderbemittelten Kreisen der Fleischkonsum ganz bedeutend ge⸗ ringer geworden ist, das wird jeder bestätigen und fühlen, der zu diesen Kreisen gehört. — Der Amtsblatt⸗Redakteur rempelt unsern Genossen Krumm an, weil er in ver Stadtverordneten⸗Sitzung der„liberalen“ In⸗ konsequenz zu Leibe ging. Ohne Lügen geht's dabei aber nicht ab. Da wird z. B. behauptet, Krumm habe gegen alle Vorschläge der Kom⸗ mission gestimmt, während ex doch nur wegen des Oktroi mit ihr stritt. Kein Amtsblättchen kann ohne Schwindel gegen und über die Sozial⸗ demokratie leben. Wenn der Anzeiger ferner von Krumms Ausführungen und den Parteitags⸗ beschlüssen als„leerem Gerede“ spricht, so möchten wir ihn in aller Bescheidenheit daran erinnern, daß der Amtsblatt⸗Redakteur Beer in Offenbach als Kenner der Amtsblatt⸗Mache selbst erklärte:„Was in einem Amtsblatt steht, hat nichts zu bedeuten!“ — Parteiversammlung. Dienstag Abend halb 9 Uhr findet im Saale„Lonys Bierkeller“ eine Parteiversammlung statt, in welcher Genosse Vetters über den Jenaer Parteitag sprechen wird. Unsere Partei⸗ genossen wollen für recht zahlreichen Besuch wirken, Gäste haben natürlich Zutritt. Der Bericht des Gen. Vetters wird nicht in einer trockenen Wiedergabe der Parteitagsverhand⸗ lungen bestehen, sondern es werden Ausführungen über die im Vordergrunde des Interesses stehenden politischen und für die Partet besonders wich⸗ tigen Fragen gemacht werden, die für viele manches Neue und auch Interessante bieten dürften. Auch die Frauen müssen in die Versammlung kommen. — Unsere Leser werden an der letzten Nummer bemerkt haben, daß von verschiedenen wichtigen Vorgängen nichts in der Zeitung enthalten war. Es fehlte u. a. ein vorläufiger Bericht über die Parteitagsverhandlungen bis Donnerstag, sowie eine Mitteilung über die Verhaftung des Genossen Zielowski wegen Zeugnisz wang. Das erklärt sich daraus, daß der Brief mit dem Manusskript erst nach Fertigstellung der Zeitung in die Druckerei ge⸗ langte. Wir bitten unsere Leser deshalb um Ent⸗ schuldigung. Bei dieser Gelegenheit sei hinzu⸗ gefügt, daß Genosse Zielowski, den das Hanauer Landgericht verhaften ließ, weil er, wie das seine Pflicht als Redakteur war, das Zeugnis gegen einen Gewährsmann verweigerte, wieder aus der Haft entlassen worden ist. Immerhin muß es als barbarisch entschieden verurteilt werden, wenn man einen Menschen zwingen will, eine Ehrlosigkeit zu begehen. Zur Parteitagsberichterstattung machen wir nochmals darauf aufmerksam, daß die einzelne Orte ihre Wünsche wegen Versamm⸗ lungen rechtzeitig bei den bekannten Stellen anbringen wollen. Wo immer es möglich ist, sollen die Genossen zu diesem Zwecke Versamm⸗ lungen abhalten. — Am Freitag, 22. d. Mts. fand im Saale von Lonys Bierkeller eine gutbesuchte öffentliche Metallarbeiterversammlung statt, in welcher Kollege Ehrler über die wirtschaft⸗ lichen Kämpfe in der Metallindustrie sprach. Referent führte aus, daß die letzten großen Kämpfe in der Metallindustrie für den Verband agitatorisch gewirkt und für die Mitglieder sehr lehrreich gewesen, aber auch auf die Unter⸗ nehmer nicht ohne Eindruck geblieben seien. Sie hätten einsehen müssen, daß sie mit ihren Aussperrungsgelüsten das Gegenteil von dem erreichten, was sie bezwecken wollten; so sei man auch von der sogenannten Abe Aus⸗ sperrung abgekommen, weil dadurch ein großer Teil Organisterter wie Unorganisterter dauernd dem Hunger preisgegeben wäre. Während man früher jegliches Verhandeln mit der Organi⸗ sation bekämpft hätte, wäre es jetzt als günstig u bezeichnen, daß das Organ der Unternehmer ie„Arbeitgeberzeitung“, dieselben auffordert, bei etwa vorkommenden Differenzen mit den Arbeitern zu verhandeln. Redner konunt auf den Streik bei der Firma Schaffstädt zu sprechen — 0 0. — daß zun it alten N ge⸗ igen pelt ber In⸗ chls tet, fog pegel, schen al, ernet ag ö 0 ran er in lache lakt tag ons „in get Irtele esuch Del eiuer hand⸗ gen den wich⸗ ele ele! 1 de ehen ehen stung Igel 1 b 1 dee pegel Daß nach el ge⸗ Elle iazu⸗ mauel, daß Agne rte, 1st. Nr. 40. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 5. und verliest mehrere Briefe der Firma, worin diese es erst ablehnt mit der Arbeiterschaft zu verhandeln und erklärt, keinen der Streikenden wieder einzustellen. Hernach war sie aber froh, ihre alten Arbeiter wieder zu bekommen. Wenn man auch nicht einen vollständigen Sieg er⸗ rungen, so sei doch ein großer Erfolg von Seiten der Arbeiter zu verzeichnen. In seinen weiteren Ausführungen kommt Ehrler auf ein Flugblatt von Solingen zu sprechen, in welchem dem deutschen Metallarbeiterverband von den Christlich⸗Sozialen Arbeiterverrat vorgeworfen wird, um im Trüben zu fischen. Redner er⸗ klärt, daß nur der ein Recht habe, darüber zu urteilen, der die örtlichen Verhältnisse dort kenne und fordert hierauf den christlichen Ver⸗ bandsfunktionär Scherrer von Offenbach auf, sich in der Diskussion hierüber zu äußern. Nachdem Ehrler den Christlichen ihre unschöne Handlungsweise gekennzeichnet und ihr Ver⸗ halten in Köln bei dem Holzarbeiterstreik als Streikbruch und Verrat bezeichnete, schloß er uater lebhaftem Beifall seinen mit großer Auf⸗ merksamkeit verfolgten Vortrag. Hieran knüpfte sich eine sehr lebhafte Diskusston. Der Vertreter der Christlichen, Scherrer von Offenbach, er⸗ klärte sich mit dem ersten Teil von Ehrlers Ausführungen einverstanden; bei der Bewegung in Köln sei jedoch der freie Holzarbeiterverband selbst schuld, daß die Christlichen nicht mit⸗ machten, Köln würde ihnen nicht schaden. Nach⸗ dem noch einige Gewerkschaftler das Gebahren der hiesigen christlichen Metallarbeiter einer Kri⸗ tik unterzogen hatten und ein solcher dann er⸗ klärte, daß sie in zehn Jahren in Gießen stär⸗ ker sein würden, schloß die Diskusstion. Hierauf erhielt Kollege Ehrler das Schlußwort, in wel⸗ chem er auf Grund von erdrückendem Beweis⸗ matertal die christlichen Arbeiterführer als Ar⸗ beiterzersplitterer und Verräter kennzeichnete; die freien Gewerkschaften seien allein in der Lage durch ihr so oft bewiesenes mannhaftes Auftreten bei Lohnkämpfen die Interessen der Arbeiter zu vertreten. — Ueber den weiteren Verlauf und das Ende des Streiks bei Schaffstädt wäre noch kurz folgendes zu berichten. Nach⸗ dem die Firma in einem Schreiben vom 14. d. Mts. in der Beantwortung eines solchen der streikenden Arbeiter an den Chef der Firma erklärt hatte, daß sie jeden der sich persönlich melde, soweit noch Platz vorhanden sei, zu den alten Bedingungen wieder einstelle, be⸗ schlossen die Streikenden am 16. d. M. durch Kommissions mitglieder der Firma mitzuteilen, daß sie gewillt wären, die Arbeit wieder auf⸗ zunehmen, wenn dieselbe verspreche die Lohn⸗ verhältnisse zu regeln und die Arbeiter wieder bis auf die Abgereisten einzustellen. Das Re⸗ sultat dieser Verhandlungen war, daß von 24 Streikenden 16 wieder eingestellt werden sollten, wenn sie bis 6 Uhr abends ein Schriftstück unterzeichneten, in welchem sie erklärten, am Montag ½7 Uhr morgens die Arbeit wieder bedingungslos aufzunehmen. Da eine be⸗ dingungslose Aufnahme der Arbeit und eine nur teilweise Einstellung der Streikenden nach Lage der Sache ausgeschlossen war, blieb die Firma ohne Antwort. Bei den Streikenden stand es nunmehr, nachdem ste sich die größte Mühe zur Beilegung der Differenz gegeben hatten, fest, daß es jetzt Sache der Firma sei, mit Vorschlägen an die Arbeiter heranzutreten. Dies muß wohl auch dieser zur Erkenntnis ge⸗ kommen sein, denn am 19. d. M. fand auf Veranlassung des Chefs der Firma, eine Be⸗ sprechung desselben mit einem Mitgliede der Kommisston statt, in welcher sich ersterer bereit erklärte, die Lohnverhältnisse zu regeln und sämtliche noch nicht abgereisten Streikenden wieder einzustellen. Im Vertrauen auf dieses Versprechen, beschlossen die Arbeiter am fol⸗ genden Morgen die Arbeit wieder aufzunehmen. Im Interesse eines dauernden Friedens, liegt es nun, wenn den Wünschen der Arbeiter, welche ja der Firma bekannt und auch schon zum Teil erledigt worden sind, die Erfüllung nicht versagt wird. Möge dieser Streik sein Teil dazu beigetragen haben, die Lohnverhältnisse der Gießener Metallarbeiter zu bessern und sie in Einklang zu bringen mit den gesteigerten Ansprüchen, welche die Lebenshaltung fort⸗ während erfordert. — Einen Schmutzartikel gegen die freien Gewerkschaften leistete sich der Anzeiger in seiner Samstags⸗Nummer. Er ist einem Unternehmerorgan entnommen, das natürlich alles Interesse daran hat, die christlichen Streik⸗ brecher herauszustreichen. Alle möglichen Scheuß⸗ lichkeiten werden da den Mitgliedern des freien Holzarbeiter⸗Verbandes angedichtet und fast gewinnt es den Anschein, als ob es in Köln gar keine Polizei gäbe. Schwindel nichts als Schwindel! Das weiß auch der Anzeiger, trotz⸗ dem verbreitet er ihn weiter. Die Arbeiter müssen stch's gut merken. Aus dem RNreise gießen. — Am Samstag fand in Daubringen eine Versammlung der Tabakarbeiter und „Arbeiterinnen statt. Kollege Hermann referierte, er wies auf die traurige Lage der in dieser Branche beschäftigten Arbelter und Arbeite⸗ rinnen hin, ferner auf die drohende Tabaksteuer⸗ vorlage, nach deren Annahme die Arbeiter noch mehr ausgebeutet würden. Nur durch eine gute Organisation könnten die Arbeiter sich eine bessere Lebenslage erringen. Redner forderte zum Schluß auf, sich dem Tabakarbeiter⸗Verband anzuschließen. — Oeffentliche Turnerversammlungen finden am Samstag, den 30. d. Mts. abends in Steinberg und Staufenberg, am Sonntag, den 1. Oktober, nachmittags 3 Uhr, in Annerod, Wie seck und Alten⸗Buseck statt. In diesen Versammlungen sprechen vom Arbeiter⸗Turnerbund Bezirksvorsteher Keaft⸗Frankfurt und Krüger⸗Offenbach über„Deutsche Turnerschaft und Arbeiter⸗ Turnerbund.“ Mögen die Arbeiterturner und die Freunde der Turnsache in jenen Orten für guten Besuch der Versammlungen Sorge tragen, damit die Arbeiterturnsache auch hier an Boden gewinnt und dem letzten Arbeiter zur Erkenntnis kommt, daß sein Platz nicht in der hurrapatriotischen„Deutschen Turnerschaft“, sondern bei seinen Arbeitsbrüdern im Arbeiter⸗Turnerbund sein muß! Die Freie Turner⸗ schaft Gießen hält ihre Monatsversammlung am Sonntag 1. Oktober, vorm. 10 Uhr auf Lonys Bier⸗ keller ab, in welcher Kreisvertreter Stunz⸗Frankfurt über den Bundesturntag in Berlin Bericht erstatten werd. Die Heuchelheimer Turngenossen sind hierzu be⸗ sonders eingeladen.— Kraft wird der Als felder freien Turnerschaft am Sonntag Abend über den Bundesturntag berichten. Aus dem Nreise Wetzlar. h. Die Wetzlarer Stadtpäter ver⸗ handelten kürzlich auch über die Fleischnot und die Eingabe, welche von der Volksversammlung beschlossen wurde. Der Vorsitzende erkannte das Vorhandensein der Fleischnot an. Trotzdem empfahl er und der Ausschuß Uebergang zur Tagesordnung und die Versammlung beschloß demgemäß. Die Herren können sich vorläufig noch Fleisch leisten und deshalb pressiert's ihnen voch nicht, etwas zur Linderung des Notstandes zu tun. Der Plebs mag Kartoffeln fressen. Aus dem Rreise Marburg⸗-Rirchhain. Eine Stadtverordneten⸗Stitz⸗ ung fand nach längerer Pause am vergangenen Donnerstag wieder einmal statt. Es wurde in derselben eine Verbesserung des Droschken⸗ Fahrverkehrs in Marburg besprochen. Wegen einer Ausgestaltung derselben hatte man sich an die Marburger Fuhrwerksbesitzer gewandt, die jedoch keine Neigung zu etwelchen Kon⸗ zessionen zeigten. Es erklärte sich aber Herr Heppe bereit, einige Droschken bereit zu stellen. Die Einzelfahrt soll 1 Mk. kosten.— Auf der „Weide“ soll ein 2 ha großer Spielplatz er⸗ richtet werden. Zu diesem Zwecke wurden die Berghöfer'sche Bleiche und die daran liegenden Grabländer auf 30 Jahre gepachtet.— Ein armer Fabrikarbeiter, der 5 Kinder zu ernähren hat, ersuchte die Stadtverwaltung um Erlaß der Müllabfuhrkosten, die er bei 15(sage fünf⸗ zehn!) Mark Wochenverdienst nicht erübrigen könne. Man war schließlich so gnädig und er⸗ ließ ihm diese Forderung. Die Stadtväter sollten sich mal zu Gemüte führen, was es heißt, eine sieben Köpfe starke Familie mit 15 Mark wöchentlicher Einnahme zu„ernähren.“ Fest der„Eintracht“. Vor einem aus⸗ verkauften Hause konnte am Sonntag der Arbeiter⸗ gesangverein„Eintracht“ sein 5. Stiftungsfest feiern. Diesmal hat ihn die Marburger Arbeiterschaft reich lich unterstützt. Die einzelnen Programmnummern fanden den lebhaften Beifall der sehr zahlreich erschienenen Gäste. Präsident Birnert hlelt eine Ansprache, in welcher er die stimmbegabten Arbeiter aufforderte, dem Vereine beizutreten. Die„Freie Turnerschaft Ockershausen“ half das Fest noch verschönern, indem sie Pyramiden stellte und andere turnerische Produktionen ausführte. Ihre Leistungen wurden mit großem Beifall aufgenommen. Das Lied von der Leuchtenburg.“ Der Staat ist in Gefahr! Der Staat ist in Gefahr! Der Staat, der niemals sicher war, Niemals sicher war, Der Staat ist in Gefahr! Was macht die rote Brut? Was macht die rote Brut? Der geht's in Deutschland viel zu gut, Deutschland viel zu gut, Der ganzen roten Brut. In Jena hält sie Rat, In Jena hält sie Rat, Zu unterwühlen dort den Staat,. Wühlen dort den Staat, In Jena hält ste Rat. Doch liebt sie auch die Lust, Doch liebt sie auch die Lust, Sie amüstert sich zielbewußt, Ja, ganz zielbewußt, Die weil sie liebt die Lust. Das Altenburger Land, Das Altenburger Land. Das brächt' sie gern aus Rand und Band, Außer Rand und Band, Das Altenburger Land. Doch hat es eine Burg, Doch hat es eine Burg, Da rennt kein Sozischädel durch, Sozischädel durch, Die stolze Leuchtenburg. Auf diese rückten an, Auf diese rückten an, Die Revoluzzer Mann für Mann, Luzzer Mann für Mann, So rückten ste heran. Was wollen sie wohl dort? Was wollen sie wohl dort? Erstürmen sie durch Brand und Mord, Ja, durch Brand und Mord, Das wollt' die Bande dort. Doch ward dies nicht erreicht, Doch ward dies nicht erreicht, Der Staat hat ihnen heim⸗ geleucht't, Juja, heimgeleucht't, Drum ward dies nicht erreicht. Zum Burgwirt kam's Gebot, Zum Burgwirt kam's Gebot, Zu reichen weder Bier, noch Brot, Weder Bier noch Brot, So lautet das Gebot. Gerettet ist der Staat, Gerettet ist der Staat, Durch dlese große, kühne Tat, Große, kühne Tat. Gerettet ist der Staat. Denn ohne Bier und Brot, Denn ohne Bier und Brot, Ist selbst der Umsturz mausetot, Umsturz mausetot, Hat er nicht Bier, noch Brot. O Altenburgs Lykurg! O Altenburgs Lykurg! Wle leuchtet jetzt die Leuchtenburg, Hell die Zeiten durch, O Altenburgs Lykurg! (Aus Nr. 20 des„Süddeutschen Postillon“. Bezieht sich auf die bereits erwähnte Verfügung der Altenburger Regierung, den Parteitagsdelegierten bei dem nach der Burg geplanten Ausfluge nichts zu verabreichen.) Letzte Nachrichten. Bei der an! 28. September in Essen stattgehabten Reichstagsstichwahl erhielt Giesbert(Zentrum) 42047, Genosse Gewehr 38085 Stimmen. Es ist dem Zentrum noch einmal gelungen den„Sieg“ an seine Fah nen zu heften. Unsere Parteigenossen können mit dem Ausgang der Wahl völlig zufrieden sein, auch die Stichwahl brachte uns eine Zunahme von 10 000 Stimmen die zum großen Teil aus unseren Reserven stammen dürften. Versammlungskalender. Samstag, den 30. September. Gießen. Holzarbeiter. Abends ½7 Uhr Ver⸗ sammlung bei Löb(Wiener Hof).— Metall⸗ arbeiter. Abends 8 ¼ Uhr Versammlung bei O rbig. Alten-⸗Buseck. Tabakarbetter⸗Versamm⸗ lung. Abends 8 Uhr bei Wirt Becker. Steinberg. Wahlverein. Abends ½9 Uhr Ver⸗ sammlung im Lokale„Zur Stadt Gießen“. Wich⸗ tige Tagesordnung. Zahlreich erscheinen! Sonntag, den 1. Oktober. Krofdorf⸗Gleiberg. Wahlverein. Nachmittags 3½ Uhr Mitgliederversammlung bei Gastwirt Feußer in Gleiberg. Erscheinen aller Mit⸗ glieder sehr notwendig, Gleiberg. Tabakarbeiter⸗Versammlung. Abends 4 Uhr bei Th. Wuz. Krofdorf. Tabakarbeiter⸗Versammlung. Abends 8 Uhr bei Karl Hoffmann. Mittwoch, den 3. Oktober. Gießen. Gewerkschaftskartell. Abends 9 Uhr Sitzung bei Orbig. Sonntag, den 8. Oktober. Staufenberg. Volks versammlung. Nach⸗ mittags 4 Uhr bei Wirt Gelßler. Mehrere Juschriften mußten wegen Raum⸗ mangels zurückgestellt werden. 1 — Seite 6. Mitteldeutsche Sountags⸗Zertung. Nr. 40. 5 — —————ů In der Zwickmühle. Erzählung von R. Schweichel. (Fortsetzung.) J Die Osterferien waren zu Ende, und Ruprecht hatte zum ersten Male Schule gehalten. Nieder⸗ geschlagen saß er in seiner Giebelstube, an deren Decke die Nässe des Himmels verschtedene Land⸗ karten gemalt hatte. Er hatte mit Begeisterung für seinen Beruf das Seminar verlassen, und Pastor Köschke, welcher der ersten Unterrichts⸗ stunde beigewohnt, hatte vor deren Beginn gar schöne Worte über die erhabene Aufgabe des Jugendbildners gesprochen und die Kinder zu Aufmerksamkeit und Gehorsam gegen den Lehrer vermahnt. Kaum aber hatte er den Rücken gewendet gehabt, da hatten die kleinen Teufel in Hosen und Unterröckchen ein Spiel ange⸗ Auer als ob sie sich noch auf Feld und Weide umhertrieben. Durchgreifen hätte er sollen! Aber wie? Prügeln? Das widerstrebte ihm. Mit Güte und Liebe hätte er nichts ausgerichtet. Ach ja, mit Liebe, und da stand das schwarz⸗ braune Annerl vor ihm. Warum es nur ein gar so spöttisches Gesicht gemacht, als er ihm berichtet, wie überaus freundlich er von den Pfarrersleuten aufgenommen worden war? Er begriff es nicht. Es waren doch so prächtige Menschen, der Pastor und seine Tochter. Frei⸗ lich, mit dem frischen, blühenden Annerl konnte die Letztere sich nicht vergleichen. Plötzlich fuhr er von seinem Sitze auf. Wurde draußen nicht sein Name gerufen? Richtig! Unten vor dem Schulhause standen der Pfarrer und Amalie. Die Tochter in aufgeschürztem Kleide, einen breitrandigen, mit Kornblumen und Mohn beladenen Strohhut auf dem Kopfe und über den schmalen Schultern eine Botanistertrommel. Ruprecht erschrack; was man von ihm wollte, brauchte er nicht erst zu fragen.„Ich komme schon,“ rief er hastig zum Fenster hinaus und griff nach seinem Hute. Eine Pflanzenkapsel besaß er nicht.„Das lieb' ich, ein Lehrer muß pünktlich sein wie ein Soldat,“ begrüßte der Pastor ihn. Amalie lächelte ihm mit spitzem Munde zu, wie ste auch stets mit solchem sprach. Die Ursache fand er erst später heraus. Ihr fehlte nämlich ein Vorderzahn im Oberkiefer. „Wie ist es Ihnen in der Schule ergangen?“ fragte Pastor Köschke, nachdem alle Drei die Dorfstraße unter ihre Sohlen genommen hatten. Greiner, der aus seinem Herzen keine Mörder⸗ grube zu machen wußte, entlud sich seiner Kümmernisse. Der Pfarrer tröstete ihn:„Man muß das Ding nur beim rechten End' anfassen, mein Lieber. Die moderne Pädagogik will in ihrer Weichherzigkeit von körperlicher Strafe nichts wissen. Unsere ganze Zeit krankt an Humanität. Ich meine, wenn man den Dorf⸗ buben einmal die Hosen stramm zieht, so schadet das ihnen nichts. Ihr derbes Fell schüttelt das ab, wie ein Pudel das Wasser.“ Um eine glattrasierten Lippen tauchte es wie ein ächeln auf.„Aber hier scheiden sich unsere Wege,“ sagte er, stehen bleibend.„Ich habe noch einen Krankenbesuch abzustatten. Frau Baronin von Quecke, eine sehr fromme Dame.“ Er wies mit seinem Stocke nach einem plumpen Steinkasten, der sich in einiger Entfernung auf einer Bodenerhöhung zeigte.„Also eine gute Ausbeute!“ „Adieu, Väterchen,“ wünschte Amalie mit süßer Stimme und schlug mit Greiner einen Fußweg ein, der in's freie Feld führte.„Sie haben den Herrn Baron von Quecke gestern wohl in dem herrschaftlichen Stuhl in der Kirche gesehen? Den stattlichen Herrn mit eisgrauem Haar und feuerrotem Gesicht? Nicht? Es ist nicht gut mit ihm Kirschen essen, und wegen seines Kostenanteils zu den Schulrepa⸗ raturen giebt's immer schrecklichen Streit. Er zahlt und zahlt nicht. Die Bauern seien schon viel zu klug und die Kinder brauchten nichts 5 lernen; die Schule verdürbe sie nur für die andwirtschaft. Ach, es ist ein schrecklicher Herr!— Aber sehen Sie nur, die Bäume aller⸗ wärts wie beschneit! Die Kirschen blühen. Der Frühling ist doch die allerschönste Jahreszeit le Ihre entzückten Blicke forderten Ruprecht auf, mit ihr zu schwärmen.„Ja,“ sagte er zögernd. Sie schüttelte wie zürnend das Haupt, besänftigte sich aber sogleich, indem sie bemerkte:„Freilich, Sie sind ja ein Großstädter! Sie sehnen sich wohl sehr nach Ihrer Geburtsstadt zurück?— Nein? Wissen Sie, ich möchte auch nicht in der Stadt leben. Nur auf dem Lande lebt es sich schön, gemütlich; da fühlt der Mensch sich noch in Harmonie mit der Natur!“ Und sie begann, ihrem Begleiter ein Idyll mit den ver⸗ lockendsten Farben, die ihr zu Gebote standen, auszumalen. Ein Hütte und ein Herz. Rup⸗ recht wußte nicht, was er antworten sollte. Am liebsten wäre er weggelaufen, so eng, so be⸗ klommen war ihm zu Mut. Ein Glück war es, daß sie während des Redens Pflanzen pflückte, ihm deren Namen nannte und zu welcher Klasse sie gehörten; was für Arten sie weiterhin finden würden. So pflückte auch er eifrig Alles, was ihm unter die Hände kam, und lachte, wenn sie ihn wegen des gewöhn⸗ lichen Zeuges mit sanftem Elfer schalt. Bis ste endlich nach einem Blick auf die schon tief stehende Sonne erschreckt ausrief:„Gott, wir müssen nach Hause, es wird spät!“ Er atmete aus Freude über die Erlösung so tief auf, daß sie ihn mißtrauisch von der Seite ansah. Sie machte aber keine Bemerkung. Er begleitete ste bis zur Pfarre.„Das war ein schöner Tag, nicht wahr 2“ fragte sie unterwegs und er sagte: „Ja!“ Und vor der Haustür:„Morgen wollen wir wieder botanisteren, wenn das Wetter schön bleibt, nicht wahr? Aber Sie holen mich dazu ab. Um fünf Uhr erwarte ich Sie.“ Sie sah. ihn dabei so zärtlich fragend an, daß er feuer⸗ rot wurde und mit einer hastigen Zusage die Flucht ergriff. Er spürte einen großen Durst und folgte ihm in die„Sonne.“ Eine halbe Maß glaubte er sich leisten dürfen. Aber dem Annerl wollte er von der botanischen Exkursion nichts be⸗ richten. Er hätte es übrigens auch nicht können, wenn er es gewollt hätte. Denn er fand das Schenkzimmer mit zechenden und qualmenden Gästen angefüllt, und das Mädcheu hatte keine Zeit zur Unterhaltung mit ihm. Kaum, daß es ihm flüchtig einen schönen guten Abend bieten konnte. Ruprecht Greiner fand in einer Ecke noch ein Plätzchen. Um ihn das überlaute Gewirr der Stimmen, aus dem zuweilen ein Lachen aufschlug, das Klappen mit den Krug⸗ deckeln, das Klopfen auf die Tische, das Klirren von Tellern und über dem Ganzen ein dicker, blaugrauer Schwaden von Tabaksrauch. Er aber freute sich in aller Heimlichkeit, wie Anna gleich einem Wiesel so flink und geschickt und dennoch ohne Uebereilung zwischen den wohlbe⸗ setzten Tischen hin und 955 glitt. Hinter dem Schenktische thronte die stattliche Sonnenwirtin, und die Tochter war in fast ununterbrochener Bewegung zwischen ihr und den Gästen, bald mit überschäumenden Bierkrügen in beiden Händen, bald mit geleerten, um ste frisch füllen zu lassen. Zuweilen vernahm Ruprecht auch aus dem Lärm ihr helles:„Platz! Platz!“ und mitunter war es ihm auch, als ob aus ihren glänzenden Augen ein Blick in seine Ecke schoß und ein Lächeln auf ihren Lippen erblühte. Als er auf dem Heimwege in glücklicher Stimmung die Sterne suchte, gewahrte er, daß über dem Bergrücken im Westen dunkle Wolken sich heraufschoben. Regen, Regen, jubelte er. Aber, ach! ver Tag hielt nicht, was der Abend versprochen hatte. Einige graue Wölkchen, die langsam am Himmel hinzogen, als er nach der Pfarre kam, um das Fräulein abzuholen, er⸗ mutigten ihn zu der Vorstellung, ob es des drohenden Himmels wegen nicht besser wäre, den Ausflug zu unterlassen. Amalie fürchtete sich jedoch nicht. Sie hörte nur seine Besorgnis um ste heraus und sie fühlte sich dadurch ver⸗ anlaßt, während des Ausfluges einen milden, ja weichen Ton gegen ihn anzuschlagen und zu ö behaupten. Wohl regte sich in ihm die Ver⸗ suchung, ihr rauh zu antworten, allein davor bewahrte ihn schon die aner zogene Furcht vor seinem Vorgesetzten, der ihr Vater war. sie meinte es auch gewiß gut mit ihm. (Fortsetzung folgt.) —— Zwei Nachbarinnen. „Meiner Seel' ich kann es nicht verstehen! Wie bringen Sie es nur fertig, Frau Schmidt? Immer sauber, immer fertig und dann noch Zeit, die Zeitung zu lesen! Und in Versamm⸗ lungen reden Sie wie ein Buch, das hat mir noch neulich Frau Kunze erzählt.“ Die so sprach, war ein kleines rundliches Weibchen mit krausem Blondhaar, das etwas wirr um die Stirne hing. Auf dem Arme trug sie einen kleinen Buben, der sich aus Leibeskräften mühte, mit seinen Füßchen einen in der Schürze befindlichen Winkelriß zu ver⸗ größern. Die Angeredete, eine schlanke Frau mit braunem, glatt gefcheiteltem Haar und einem schmalen, sympathischen Gesicht, blickte ernst von ihrer Arbeit auf: „Wie ich es mache? Ach, Frau Franke, das Und hätte ich Ihnen schon längst gerne gesagt, wenn ich gesehen hab', wie unnütz Sie sich abrackern. 357 hab' nur immer gedacht, Sie nehmen mir's el— 5 „Ja, wo werd' ich denn——!“ „Na also! Aber auch wirklich nicht böse sein, wenn ich Ihnen Dinge sage, die Ihnen nicht gefallen werden. Bei Ihnen und viclen anderen fehlt nämlich eine große Hauptsache: das ist Ordnung und Zeiteinteilung! Nicht auffahren, bitte, Sie haben mir's versprochen, sondern zuhören: Frühmorgens, wenn Sie Feuer anstecken wollen, ist nichts in Ordnung. Der Herd liegt noch voll Schlacken, es find keine Kohlen, kein Holz, kein Feuerzeug da. Nun stürzen Sie in den Keller, bleiben in der Eile am Schlosse hängen, und ritsch⸗ratsch ist ein Loch in der neuen Schürz, und die Kohlen kollern auf den Boden. Die Hetze und Wirrnis, bis dann Mann und Kinder versorgt und fort find!— Oder Sie stehen am Herd und wollen das Gemüsse einbrennen——! Saperlot! auf einmal sehen Sie, es ist kein Mehl oder keine Zwiebel mehr da. Sie rücken den Topf auf die Seite und laufen zum nächsten Krämer. Dort sind noch mehr Leute, Sie müssen warten, geraten in einen gemütlichen Schwatz, und bis Sie heimkommen, ist entweder das Feuer aus oder das Essen angebrannt, oder es ist sonst etwas passtert. Kommen dann die Ihrigen heim, so ist das Essen noch nicht fertig und der Radau ist da.— Und nun will ich Ihnen an zwei Beispielen zeigen. Abends wird mein Herd ausgeräumt und mit Kohlen, Holz oder Tann⸗ äprel und etwas Papier so vorgerichtet, daß ich nur ein Hölzchen anzustecken brauche, um sogleich das schönste Feuer zu haben. Und dies Hölzchen kann ich im Dunkeln ergreifen, denn die Zündhölzchen haben, wie alles bei mir, ihren bestimmten Platz! Das, liebe Frau Franke, ist die Hauptsache: Ordnung muß sein! Wenn wir in unseren kleinen und engen Wohnungen nicht auf Ordnung halten, dann sind wir verloren. Da gibt's Leute, die werfen das eine Kleidungsstück dahin, das andere dort⸗ hin. Nachher geht die Sucherei los. Das ibts bei mir nicht. In unseren zwei Schränken 1 5 die Kleider eng aufeinander, aber da⸗ ür fährt auch nie etwas herum. Waschkom⸗ mode ist immer in Ordnung, so daß ich alles greifen kann. Und wenn ich in der Küche ein Geschirr gebraucht habe, so wasche ich ent ⸗ weder sofort wieder ab, oder ich räume es in eine Schüssel. Salz, Mehl und alles andere tue ich sofort nach Gebrauch wieder an seinen Platz. Viele Leute aber bringen es fertig, inner⸗ halb fünf Minuten eine so tolle Unordnung um sich zu verbreiten, daß sie nicht mehr ein noch aus wissen. „Dann uoch etwas: Sehen Sie dort meine Küchentafel. Auf die schreib' ich mir alles auf, was ich demnächst an Küchensachen brauchen werde. Dann habe ich nicht nötig, beim nächsten Krämer meine Spezereien usw. um teures Geld und in kleinsten Mengen zu holen, sondern ich .... ie 1 lt Nr. 40. Mittel dentsche Sountaas⸗geitung. Seile 7. kann warten, bis ich in die Stadt komme und und mir meine Sachen im Konsumver⸗ ein mitnehme. So erspare ich Zeit und Geld und bekomme gute Ware und richtiges Gewicht. „Und so geht es immer und überall. Man kann da sparen und dort, ohne daß Mann und Kinder etwas entbehren müssen; man kann dabei überdies manches Stündchen für sich selbst heraussparen. So richte ich mir manchmal das Essen für zwei Tage vor, es ist dies sehr angenehm, wenn ich Wäsche und Putzeret habe, im Sommer aber erspart es Kohlen und be⸗ fördert die Kühlhaltung der Wohnung. „Gar viel ließe sich noch sagen, aber nicht wahr, Frau Nachbarin, wir haben beide jetzt keine Zelt mehr. Probieren Sie einmal, meinem Rate zu folgen. Geben Sie jedem Dinge seinen genauen Platz, so daß Sie alles leicht greifen können. Teilen Sie sich ihre Zeit und ihre Arbeit ganz genau ein und richten Sie alles so vor, daß es am rechten Orte und zur richtigen Zeit geschchen känn, sehen Sie zu, daß Sie überflüssige Gänge und Laufereien ver⸗ meiden, kurz: arbeiten Ste nicht nur mit den Händen, sondern vor allen Dingen mit dem Kopfe. Sie werden es dann gerade so gut haben wie ich, Ihre Möbel und Kleider werden mit viel weniger Mühe sauber und ordentlich zu halten sein, als Sie heute aufwenden müssen, der Mann wird nicht über ein halbfertiges oder schlecht zubereitetes Essen oder eine wüste Stube klagen, und Sie werden, so wie ich, immer fertig sein und für manches Zeit haben. Und nun nichts für ungut, Frau Nachbarin! Das nächstemal unterhalten wir uns ein bißchen über die Frauen, die selbst auf Arbeit gehen müssen und es nicht so gut haben wir.“ Eine wahre Geschichte. Monsteur de Varnetot war ein brutaler Laudedelmann, aber er hatte Geld, sonst hätte es nicht so kommen können. Seine Dienerin, ein junges Mädchen, hieß Rose. Sie liebte ihn, und wie es so kommt, sie trug ein Kind unter dem Herzen, dessen Vater er war. Er stammte aus adeliger Familie und fürchtete sich vor Skandal, auch hatte er das Mädchen niemals geliebt, nein, er hatte sich nur amüsieren wollen. Drum ging er zu einem groben Bauernsohn und wollte, daß er das Mädchen heirate.— „Aber was bekomme ich dafür?“ Der Edel- mann versprach ihm ein kleines Gütchen mit einem Häuschen drauf.„Und das Mobilar?“ fragte der Bauer.-„Nein.“—„Aber ein Gütchen und ein Kind, das ist zu wenig.“ Da versprach der Edelmann auch das Mobilar. „Und wenn ste stirbt“, fragte der Bauer,„wird alles mir gehören?“—„Alles,“ sagte der Edelmann. Nun waren sie einig. Rose weinte wohl und widerstand, denn sie liebte ihren Herrn, aber als er ihr drohte, er werde sie aus dem Hause werfen, da gab ste langsam, langsam nach. Und als ste Mutter war, da kam ste von Zeit zu Zeit, ihn zu sehen, abgehärmt und immer trauriger und oft mit Tränen. Ihr Mann, der Bauer, schlug sie so sehr und seine Mutter machte ihr das Leben so hart, daß sie sterben wollte. Der Edelmann fand es peinlich und ging auf Reisen. Als er zurückkam, war Rose gestorben und auch ihr Kindchen, sein Kindchen war tot. Der Bauer aber halte das Gütchen geerbt. Er hatte geprügelt, bis er erben! konnte. Es ist eine — reine Eigentumsgeschichte, von der Heirat bis zum Tode der Frau und eine Menschenseele wurde geopfert. Und wenn der Edelmann die Geschichte er⸗ zählte, dann pflegte er zu sagen:„Es erinnert mich immer an Mirza, meine Hündin, die ich dem Grafen d'Haussnonel verkauft hatte und die immer wieder zu mir zurückkam, so oft man sie freilteß. So unmöglich war es ihr, mich e verlassen. Endlich ersuchte ich den Grafen, ste an die Kette zu halten und wissen Sie, was geschah? Die Hündin starb vor Kummer.“ Daß der Edelmann so sprach, hat auch mit dem Eigentumsrecht zu tun. Maupassant. Allerlei. Merkwürdige Wirkung der Nüsse. Nüsse sind Pflanzenspeck. Sie enthalten viel Fettstoffe und bilden daher für bleiche, schwäch⸗ liche, abgezehrte Personen eine sehr wichtige 1 9 Da sie auch sonst noch wertvolle Nähr⸗ stoffe besitzen, ist es nicht recht, daß man sie nur als wohlschmeckende Abwechslung zu genießen pflegt. Hoffentlich wird das nach den neuesten wissen⸗ schaftlichen Ergebnissen anders. Dr. Munoz hat nämlich in den Nüssen ein eigentümliches Alka⸗ loid gefunden, welches ganz merkwürdige Wirkungen auf den menschlichen Organismus ausübt. Alkaloide nennt man scharfe Stoffe, die in gewissen Pflanzen vorkommen und nach diesen ihren Namen haben; so findet sich z. B. im Tabak(Nicotiana) das Alkaloid Nikotin, welches dem Tabak seine spezifische Wirkung verleiht. Das Alkaloid der Nüsse zeigt nun folgende Wirkungen: Wenn ein gesunder Mensch mittags und obends regelmäßig je 8 große Wallnüsse verzehrte, so stellte sich nach einigen Tagen vermehrter Blutzufluß nach der Haut und den Schleimhäuten ein; Gesichtsfarbe und Lippen bekamen ein frischeres und tieferes Rot. Wurde die Menge der Nüsse weiter gesteigert, so trat bisweilen sogar Nasenbluten auf. Die Herztätigkeit wurde in vielen Fällen auffallend stärker. Die an verschiedenen Personen häufig wiederholten Versuche hatten stets dasselbe Re⸗ sultat: Vermehrung der Blutzirkulation im ganzen Körper, die namentlich in der Haut recht sichtbar wurde. Hieraus ergibt sich die wichtige Folgerung, daß der regelmäßige Genuß von Wallnüssen äußerst günstig wirken muß bei Blutarmut, Bleichsucht, Skrofulose, Ab⸗ magerung und zehrenden Krankheiten, wohl auch bei vielen Nervenleiden. Zu meiden da⸗ egen haben den Genuß von Nüssen solche Pilsonen, welche mit Blutfülle und Vollsaftig⸗ n stnd. ir befinden uns jetzt geradein der Jahreszeit der frischen Nüsse. Möchten daher alle Leidenden der ersten Kategorie sich dies zu nutze machen und eine mehrwöchentliche Nußkur gebrauchen. Bemerkt sei noch, daß Nüsse nur dann leicht verdaulich sind, wenn sie recht tüchtig gekaut und im Munde mit dem Speichel zu einer rahm⸗ ähnlichen Masse verarbeitet werden. Unter aller Kanone sein. Mit diesem Ausdruck wird bekanntlich gern der höchste Grad der Minderwertigkeit bezeichnet; die Redensart selbst aber entbehrt des rechten Sinnes und wird als Mißverständnis oder Verdrehung einer uns nicht mehr bekannten Wendung empfunden. Einen Hinweis auf ihre Entstehung, der die richtige Erklärung bieten dürfte, hat soeben in der!„Zeitschrift für den deutschen Unterricht“ Prof. Dr. Ernst Schabe in Leipzig mitgeteilt. Der Genannte fand nämlich gelegentlich schulgeschichtlicher Studien über das Kurfürstentum Sachsen in einem alten Aktenband einer städtischen Lateinschule folgende Erzählung: Die Schüler der Anstalt waren im 18. Jahrhundert im Latein besonders verwahr⸗ lost, und das erregte den berechtigten Ingrimm der Väter der Stadt. Auf ihre Veranlassung nahm daher der Oberpfarrer eine Visitation vor, indem er sie ein„Extemporale“ schreiben ließ, und machte sich dann an die Zensur. Das 1 war sehr unbefriedigend; denn in dem Bericht an den Stadtrat teilte er mit, daß er sich„einen canon“(Maßstab) von fünf Zensuren gemachet(optime, bene, sie satis, male, pessime)(sehr gut, gut, genügend, schlecht, sehr schlecht), daß aber leider viele der Arbeiten so schlecht seien, daß sie nur als„sub omni canon“ (unter jeder Kanone) bezeichnet werden könnten. Kanon war also die Staffel der Schülerzensuren, und aus diesem Sprachgebrauch hat sich also durch absichtliche oder unabsichtliche Verdrehung unsere Redensart entwickelt. Flugblattlied. Das ist ein lustig' Streiten: Ein Flugblatt in der Hand Und wandern in die Weiten, Erleuchtung zu verbreiten Ringsum in Stadt und Land! Wenn dann die Knospen springen Im Frühlingssonnenschein, Dann ziehen wir aus mit Singen, Die Feinde zu bezwingen: Der Sieg muß unser sein!— Das geht von Schanz' zu Schanze, Wenn rings die Aehre reift Und goldig wird im Glanze, Und aus dem Blätterkranze Die Drossel lustig pfeift! Und wenn in roten Gluten Das Laub im Herbste fällt, Als wollt' Natur verbluten,— Dann werben wir Rekruten Doch ohne Werbegeld!— Und wenn die Flocken fallen, Dann geht's von Saal zu Saal. Begeist'rung füllt die Hallen, Wenn Wort auf Worte schallen Zu zündendem Signal!— Das Flugblatt bläst hien ieden Gar lustige Schalmei, Die nimmer läßt ermüden!— Das ist der Krieg im Frieden: Wir waren auch dabei! Ludw. Lessen.“) ) Aus„Fackeln der Zeit“ von Lessen. Verlag Vorwärts, Berlin. Preis 50 Pfg. Das Uhren- und Goldwarengeschäft von D. Kaminka befindet sich jetzt Marktplatz 11 am Kriegerdenkmal. SS Humoristisches. Witte Triumphator. Der Zar: Julie⸗ witsch! komm an mein Herz! Du bist der einzig e meiner Getreuen, der einen Sieg heimbringt! Witte: Ich bin ja auch der einzige, den Ew. Majestät nicht gesegnet haben! 5 Für Arbeiter und Landleute empfehle mein reichhaltiges Schuhwaren Lager; in gediegenen, soliden Oualitäten zu billigsten Preisen, Arbeiterschuhe und Stiese! 3 sowie sämtliche Winterschuhwaren 3 Wasserkrüge im jeder Preislage und reicher Auswahl. Justus Benner, Gießen ö Marktstrasse 34. Kaffeegebäck L. Müller Bahnhofstraße 61. Packkörbe kaufen Benner& Krumm. aa... C. F. 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Versammlung in Lony's Bierkeller. Tagesordnung: Bericht vom Parteitage, erstattet vom Geuossen Vetters. Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung wird allseitiger Besuch erwartet. Gäste haben Zutritt. alle Sorten Minter- Schuhe und-Stiefel, Pantoffel ete. sind eingetroffen. Grösste Auswabl! Billigste Preise! Frankfurter Schuhlager N. RE ISS 12 Mäusburg 12 Telephon 537. Der Vorstaud. = Heuchelheim. Sonntag, den 1. Oktober, Nachmittags 2½ Uhr, Herbst⸗ Gergnügen bestehend in tutnerischen Aufführungen, Preisschießen 1 5— 2 Hierzu ladet ergebenst ein Bringe meinen Salon zum Haarschneiden, Frisjeren und Rasieren in empfehlende Erinnerung, gute und saubere Bedienung zusichernd. Aug ust Rinn, Gastwirt. Gleichzeitig empfehle mich zur W von 8 Eintritt 20 Fg. Tanzkarten 320 PE. Parthien, fen, Toubeib. Lager wen Oise ketten un re iu recht zahlreichen Besuch bittend, zeichne ee 5 hochachtungsvoll Ferd. Nennstiel* ax RNoscher, Friseur. 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Die Verhandlungen unsexres Parteiparla— mentes, die am Samstag Nachmittag geschlossen wurden, waren diesmal von besonderer Wich—⸗ tigkeit und werden von jedem Parteigenossen mit Interesse gelesen werden. Wir können sie in unserem Wochenblatte natürlich nicht in der Ausführlichkeit wiedergeben, wie wir es gerne wünschten und unsere größeren Parteiorgane es können. Aber wir wollen im Folgenden das Wichtigste hervorheben und uns bemühen, un⸗ seren Lesern ein übersichtliches Bild der Ver⸗ handlungen und bedeutsamsten Beschlüsse zu geben. Wer sich genau unterrichten will, den berweisen wir auf das Protokoll, das ja sehr bald erscheinen wird. In letzter Nummer haben wir mit der Diskussion über die Organisationsfrage geschlossen. Am Montag Abend wurde die Diskussion darüber beendet und die Vorlage nochmals einer Kommisston überwiesen zur end⸗ gültigen redaktionellen Fertigstellung. Die De⸗ batte brachte im allgemeinen wenig, was nicht schon vorher in den Parteiblättern erörtert worden wäre. Mit den wesentlichen Bestim⸗ mungen des neuen Organisationsstatuts war man ja einverstanden, gestritten wurde jedoch über die Frage der Vertretung der Reichstags⸗ fraktion auf dem Parteltage, sowie ferner dar⸗ über, ob der„Vorwärts“ Zentralorgan bleiben solle. Die Berliner Parteigenossen hatten beantragt, dem Vorwärts diesen Charakter zu nehmen. Dagegen wendete sich u. a. Bebel, der darlegte, wie sich die Verhältnisse am Zentral- organ entwickelt haben und erklärte, daß es jetzt im Augenblick unmöglich sei, den Partei⸗ vorstand gegenüber dem Hauptblatte in eine subalterne Stellung zu drängen, ihn zu zwingen, sich gegebenenfalls bittend an die Redaktion oder die Berliner Parteigenossen zu wenden. Im Uebrigen sei man ja entschlossen, alles auf⸗ zubieten, um den vollberechtigten Klagen der Berliner, die die unseren sind, abzuhelfen. Es bleibt auch in der Frage der Vertretung der Reichstagsfraktion so wie bisher, daß also jedes Fraktionsmitglied das Recht hat, auf dem Parteilag ohne Delegierten⸗Mandat zu erscheinen. Das Organisationsstatut wurde, nachdem es von der Kommission durchberaten war, im Ganzen ohne weitere Debatte angenommen. Ehe am Dienstag in die Beratung der Vorstands berichte eingetreten wird, beantragt Stolten⸗Hamburg, den Streit zwischen Leipziger Volkszeitung und Neue Zeit gegen den Vorwärts aus der Debatte auszuscheiden und vor eine Kommission zu ver⸗ weisen. Das findet die allgemeine Zustimmung des Parteitags, der sich in seiner großen Mehr⸗ heit abgeneigt zeigt, den Literatenstreit anzu⸗ hören. In die Kommission werden gewählt: Dietz⸗Stuttgart, Haase⸗Königsberg, Stolten⸗ Hamburg, Ernst⸗Berlin, Kleemann ⸗Leipzig, Seger⸗Leipzig, Schwartz⸗Lübeck, Schmitt⸗Mün⸗ chen, Frank⸗Mannheim, Sperka⸗Stuttgart, Ebert. Bremen, Frl. Bader-Berlin, Hengsbach⸗Köln, Rother⸗Breslau, Wolderski⸗Berlin. Um dies gleich vorweg zu nehmen, wurde, nachdem die Kommission am Samstag Bericht erstattet hatte, folgende Resolution ein- stimmig angenommen: 5 Der Parteitag erkennt an, daß die Preßfehden der jüngsten Zeit nicht als„Literaten⸗Gezänk“ anzusehen sind, daß ihnen vielmehr ernste sachliche, insbeson⸗ dere auch prinzipielle Meinungs⸗ Differenzen zu Grunde liegen. Dementsprechend ist es auch anzuerkennen, daß die den Inhalt der Preßfehden bildenden Streitfragen an sich einer öffentlichen Diskussion bedürfen. Der Parteitag erkennt ferner an, daß die streiten den Teile von dem Bestreben erfüllt gewesen find, der Partei nach bestem Wissen zu dienen. Was dagegen die Form betrifft, in der die Dis⸗ kusstonen zum Teil geführt wurden, so ist sie auf das Schärfste zu mißbilligen. Mit aller Entschiedenheit er⸗ hebt der Parteitag Einspruch gegen eine gehässige, die persönliche und die Parteiehre von Genossen verletzende Art der Diskussion, durch welche auch der Agitation im Lande die größten Schwierigkeiten bereitet werden. Der Parteitag erklärt deshalb mit allem Nachdruck, daß dieser Art der Diskusston nun Ziel zu setzen ist, daß aber selbstverständlich der sachlichen Kritik der freleste Spielraum gelassen werden muß. Zur Erreichung dieses Zweckes fordert der Parteitag: 1. Die Parteischriftsteller und Redakteure unserer der Parteikontrolle unterstellten Partꝛiorgane haben in erster Linie ihre Aufgaben in der prinzipiellen Aufklä⸗ rung der Arbeitermassen sowie in der Bekämpfung der politischeu Gegner zu sehen. 2. Die prinzipielle Aufklärung hat entsprechend den Grundsätzen des Parteiprogrammes im Sinne der Dresdner Resolution zu erfolgen. 3. Kritische Untersuchungen des Parteiprogramms sind tunlichst in der„Neuen Zeit“ zu veröffentlichen, die zu diesem Zwecke erforderlichen Falles zu erweitern ist. 4. Die Preßkommissionen haben dafür zu sorgen, daß in den ihrer Aussicht unterstellten Parteiblättern nicht von neuem die oben verurteilte Art der Polemik Platz greift. 5. Unbeschadet der Rechte der Preßkommissionen hat der Parteivorstand unter voller Wahrung der freien Meinungsäußerungen die Verpflichtung auf die Beob⸗ achtung vorstehender Beschlüsse rechtzeitig vermittelnd hinzuwirken. Mit der Annahme dieser Resolution war der Streit beseitigt, von dem die Gegner ge— hofft hatten, daß er zu heftigen Debatten, wo⸗ möglich zum„Jena der Partei“, zum Zerfalle führen würden. Den allgemeinen Vorstandsbericht er⸗ stattete Molkenbuhr. Er führte im wesent⸗ lichen aus: Der Stettiner„Volksbote“ kritisiert unsere Bemer⸗ kung im Bericht, die einzelnen Orte sollten sich möglichst selbst helfen, um jungen Rednertalenten Gelegenheit zur Ausbildung zu geben. Es ist ja bekannt, daß der Partelvorstand nicht überallhin ausreichende Redner⸗ kräfte entsenden kann, man sollte sich also daran ge⸗ wöhnen, am eigenen Ort die das öffentliche Leben be⸗ schäftigenden Fragen zu behandeln. Statt dessen hält man vielfach überhaupt keine Versammlung ab, wenn kein auswärtiger Redner zur Verfügung steht. Man sollte deshalb darauf bedacht sein, immer mehr jüngere Kräfte auszubilden. Wie sind denn die alten, jetzt so beliebten Redner das geworden, was sie sind? Aus Begelsterung für die Sache haben sie so gesprochen, wie ihnen der Schnabel gewachsen war, und so ist es ge⸗ kommen, daß Leute, die früher keine Redner waren, im Laufe der Zeit sich zu guten Rednern entwickelt haben. Diese alte Taktik sollte man auch jetzt beobachten. Die meisten der vielverlangten Redner sind stark in Anspruch genommen, als Redakteure, Abgeordnete usw., und wenn einmal im Reichstag eine Anzahl Abgeordnete fehlen, erhebt sich ein großes Geschrei, wie im letzten Jahre, weil zehn Abgeordnete an der Abstimmung über die Handels vertrage nicht teilnahmen. Daher sollte man die Abgeordneten als Redner nicht so sehr in Anspruch nehmen. Allerdings muß die Agitation ausgebreitet werden, und wir müssen auch auf die Kreise Einfluß zu gewinnen suchen, die uns noch fernstehen und unsere Presse nicht lesen. Die jetzige Zeit ist dazu besonders geeignet. Wir stehen jetzt am Anfang einer Periode, in der die weitesten Schichten der Bevölkerung durch die Ausbeutungspolitik sehr stark in Mitleidenschaft gezogen werden. Dagegen müssen wir nicht nur innerhalb unserer Partei Front machen, sondern wir müssen weit über unsere Partei hinaus die Bevölkerung in Bewegung setzen. Die Arbeiterklasse muß deshalb sich mit aller Macht zum Widerstand rüsten und alle rednerischen Talente ausbilden, damit auf dem letzten Dorfe die Wahrheit verkündet wird. Die Preisschrauberei auf dem Vieh⸗ markt hat man schon vor Inkrafttreten des neuen Zoll⸗ tarifs eintreten lassen, damit man gedankenlosen Menschen sagen kanu, schon vorher waren die Preise hoch. Dieser Absicht dient die Grenzsperre. Redner weist auf die Vieh⸗ und Fleischeinfuhrverbote hin, die allmählich sämtliche Grenzen angeblich im Interesse der Seuchen⸗ freiheit des einheimischen Viehstandes gesperrt haben. Nach all diesen Maßnahmen sollte man meinen, Deutsch⸗ land sei ein seuchenfreies Land. Was sehen wir aber? Drei Jahre nach all diesen Verboten veröffentlicht das Reichsgesundheitsamt eine Statistik, die den Nachweis bringt, wie verseucht der Viehstand in Deutschland ist. (Redner gibt ausführlich den zahlenmäßigen Nachweis.) Der Wuchertarif muß die Fleischpreise mit Notwendig⸗ keit in die Höhe treiben. Es sind ja nicht nur die menschlichen Nahrungsmittel mit hohen Zöllen belegt, sondern auch die wesentlichen Futtermittel, die wir in bedeutenden Meugen aus dem Auslande einzuführen ge⸗ zwungen sind. So werde der Mais durch den Zoll um 3 M. verteuert. Die Mehreinnahmen aus den Zöllen sind für kriegerische Zwecke bestimmt. Die herrschenden Klassen haben ja ein Interesse an fortwährenden Rüst⸗ ungen; der Schiffsbau ist bei den Kapitalisten jetzt so beliebt, weil daran ungeheuer viel verdient wird. Natür⸗ lich ist man immer mit sogenannten Gründen bei der Hand, bald wird auf der einen, bald auf der anderen Seite ein Kriegsgeschrei angestimmt und dem deutschen Volk begrelflich gemacht, daß Deutschsand von äußeren Feinden bedroht ist. Redner geht jetzt ausführlich auf politische Fragen besonders auf das Redeverbot gegen Jaureès ein. Er geht dann weiter auf die Preßstreitigkeiten ein, die jüngere Genossen veranlaßten an eine Spaltung in der Partei zu glauben. Die alten Genossen aber wissen, daß es ohne gewisse Gegensätze in der Partei niemals abgegangen ist. Die Partei hat es aber immer ver⸗ tragen können, daß hier und da gegen ein Prinzip oder eine Theorie versteßen wurde. Sie hat sich trotzdem immer weiter entwickelt, und die Genossen, die von sol⸗ chen Entgleisungen gleich die Spaltung der Partei er⸗ warten, scheinen die Parteigeschichte wenig zu kennen. Wir haben lange Zeit hindurch ein Programm gehabt, von dem eigentlich nach Ansicht von Marx kein Satz zu rechtfertigen war. Damals war also die ganze Partei entgleist; wir haben aber trotzdem— es war unter dem Sozialistengesez— mutig unseren Mann gestanden und die Interessen der Arbeiter vertreten. Die Gegensätze waren damals dieselben wie heute. Nur die Namen haben gewechselt. Früher sagte man, es würde den Untergang des Sozialismus bedeuten, wenn man sich mit den Lassalleanern verbünde. Dieser Mei⸗ nung war auch Marx. Als aber die Verbindung doch zu Stande kam, zeigte sich, daß die Lassalleaner ganz gute Parteigenossen waren. Marx hat die Unterschiede über⸗ schätzt. Nun ist ja gewiß nichts dagegen einzuwenden, daß man, wenn eine Entgleisung vorkommt, den Versuch macht, sie ins Lot zu bringen. Man geht dabei nur leider oft mit untauglichen Mitteln vor. Auch früher kamen solche Entgleisungen vor. Jüngere Genossen entwickelten oft Theorien, daß einem die Haare zu Berge standen. Wir hüteten uns aber sehr, dann zu den Versammlungs⸗ besuchern zu sagen: Seht mal, was das für ein Rind⸗ vieh oder Schaf oder Esel ist!(Heiterkeit). Vielmehr versuchten wir, ihn so gut es ging herauszureißen. Nachher wurde dann allerdings oft stark gestritten. Da hat man denn auch manchmal harte Ausdrücke ge⸗ braucht und den Belreffenden auch mal Schafskopf oder so ähnlich genannt. Aber soweit ist man nie gegangen, daß man ihn gar einen„ethischen Aesthetiker“ genannt hätte.(Große Heiterkeit.) Wir müssen, schließt der Redner, Auge und Ohr offen halten, wir sehen die rapide wirtschaftliche Entwicklung, wir sehen, wie alles durcheinander gewürfelt wird, was früher fest war. Da heißt es, die Kräfte zusammenfassen, um den Wucher⸗ tarif zu bekämpfen, um die Angriffe auf die Rechte der Arbeiterklasse abzuschlagen. Da heißt es, die Ar⸗ beiterklasse aufzuklären, daß sie einig in der Agitations⸗ und Organisationsarbeit sein muß. Ist das ernste Bestreben vorhanden, und herrscht Einigkeit, dann werden wir gerade in der gegenwärtigen Zeit Fortschritte machen können, wie zu keiner anderen Zeit; denn die politische und wirtschaftliche Situation ist uns so günstig, wie nie zuvor. In wenigen Jahren muß sich die Partei mit Leichtigkeit verdoppelt haben. Wenn der ernste Wille vorhanden ist, dann wird auch das Ziel erreicht werden. Gerisch erstattet hierauf den Kassenbericht. Er weist auf den günstigen Stand unserer Parteifinanzen hin und bemerkt dabei, daß die Genossen auch durch andere Sammlungen stark in Anspruch genommen wurden. Er führt ferner das erfreuliche Wachstum der Parteipresse vor und ermahnt zum Schlusse, auch ferner für deren Ausbreitung lebhaft tätig zu sein.— Hieran schließt sich der Bericht der Kontrollkommission, den Meister erstattet. Er führt einige Be⸗ schwerdefälle an, mit denen sich die Kontroll- kommission zu befassen hatte. Den größten Raum nehmen dabei die Streitigkeiten unter den Genossen in Mülhausen i. E. ein, die jetzt nun endlich beigelegt sind. Aus der Diskussion über die Berichte ist eine Auseinandersetzung zwischen Dr. David und Scheidemann herborzuheben, zu der das Verhalten unserer Genossen in Mainz bei den Stadtberordnetenwahlen Veranlassung gab. Die Mainzer Genossen hatten eine gemeinsame Seite 10. Mittel dentsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 40. Liste zusammen mit den Liberalen aufgestellt. Diese Taktik bekämpfte Scheidemann als Kuh⸗ handel, David erklärte sie jedoch aus den Ver⸗ haltnissen in Mainz. Nach einem Schlußwort Molkenbuhrs wird dem Parteivorstande De— charge erteilt. Ferner werden mehrere vom Vorstand vorgelegte Resolutionen ange⸗ nommen. Elne derselben richtet sich gegen die Fleischteuerung, eine zweite gegen die vom Fürsten Bülow über Jaures ꝛc. verhängten Rede verbote und eine dritte begrüßt die englischen Parteigenossen und Gewerkschafts⸗ vertreter, verurteslt die Kriegshetzeresen und wünscht schließlich den englischen Genossen Glück zu den nächsten Parlamentswahlen. Nunmehr folgte der Bericht über die parlamentarische Tätigkeit. Abgeordneter Förster ist Berichterstatter. Er faßt sich ziemlich kurz und führt u. a. aus: Der neugewählte Reichstag hat jetzt seine erste Session hinter sich und wir lönnen überschauen, was er für die Arbeiter geleistet hat. Mit diesen Leistungen sind wir natürlich ebensowenig zufrieden wie unsere Presse. Es ist aber auch nicht richtig, daß die Verstärkung unserer Fraktion ganz ohne Einfluß geblieben sei. Ver⸗ schiedene bürgerliche Parteien haben eine förmliche Jagd mit arbeiterfreundlichen Resolutionen begonnen. Man hatte es also eilig, den schlechten Eindruck, den die Annahme des Wuchertariss im Volke gemacht hat, etwas zu verwischen. Von diesen zahlreichen Resolutionen ist nun aber nur ein kleiner Teil angenommen worden. Man sollte meinen, Konservative und Agrarier müßten mit diesem Reichstage sehr zufrieden sein. Das ist durchaus nicht der Fall. Unsere Unzufriedenheit mit dem Reichstage beruht auf anderen Gründen. Die Interessen des kleinen Mannes finden in ihm zu wenig Beachtung, und wenn ein Teil unserer Genossen erwartet hat, daß das nach unserem großen Wahlsieg gleich wesentlich anders werden würde, so hat man unsere Gegner unterschätzt. So leicht lassen sich unsere Gegner nicht über den Haufen rennen. Dazu bedarf es ganz anderer Kämpfe, die sich wahrscheinlich gar nicht im Parlament, sondern außerhalb abspielen werden. Redner bespricht ferner eine Anzahl zu diesem Punkte gehörige Anträge und schließt: Die Verschwendungssucht unserer Politik, die seit dem Regierungsantritt Wilhelms II. immer mehr zupenommen hat, hat eine finanzielle Misere zur Folge gehabt, der man jetzt durch die sogenannte Finanzreform abhelsen will. Dadurch werden auch die bürgerlichen Klassen berührt, denn es geht ja an ihren Geldbeutel mit. Und in dieser Situation werden wir vor allem mit unserer Agitation einsetzen können und müssen. So leicht wird die Regierung aus der Finanz⸗ klemme nicht herauskommen. Nur um das vorhandene Loch zu stopfen, werden 100 Millionen gebraucht und dabei werden immer neue Millionen dem Moloch Mili⸗ tarismus und Marinismus geopfert. Die Regierung wird gezwungen sein, zu neuen Steuerquellen zu greifen und dabei werden wir mit einer intensiven Agitation einsetzen können. Die am Mittwoch Vormittag gepflogene Debatte über den Fraktionsbericht war nur kurz und wir brauchen hier nicht weiter darauf ein⸗ zugehen. Noch am Vormittag hielt Gen. R. Fischer sein Referat über die Maifeier. Diese hat noch auf keinem Parteitage eine so lebhafte und eingehende Debatte hervorgerufen, als hier in Jena. Veranlaßt war sie durch die Behandlung dieser Frage auf dem Kölner Gewerkschaftskongreß und die Ausführungen, die dort darüber von einzelnen Rednern(R. Schmidt, Legien, Bringmann ꝛc.) gemacht worden sind. Etwa 60 Redner hatten sich zur Dis⸗ kussion einzeichnen lassen und erst am späten Nachmittage gelangte ein von Genosse Vetters 3 Schlußantrag zur Annahme. Das erhältnis zwischen Partei und Gewerk⸗ schaft wurde ausgiebig erörtert. Fischers Aus⸗ führungen fanden die Zustimmung fast des ganzen Parteitages und entsprachen wohl auch der Meinung weiter Kreise in den Gewerkschaften, die mit der Art, wie die Frage in Köln be⸗ handelt wurde, keineswegs einverstanden sind. Er begann sofort mit den Kölner Verhandlungen und führte aus: In Köln sind gewisse Gegensätze zwischen der Partei und den Gewerkschaften in Erscheinung getreten. Nun kann man gewiß nicht sagen: Die Gewerlschaften und der Kölner Gewerkschaftskongreß stehen im Gegensatz zur Partei, wohl aber haben einzelne Gewerkschastsführer und Gewerkschaftsmitglieder Auffassungen vertreten, die in einem Gegensatz zu den Auffassungen der Partei⸗ genossen stehen. Denn auch dort gab es jn Anträge auf volkommene Arbeitsruhe. Aber daneben gab es auch die Resolution Schmidt, der wohl auch die General⸗ kommisston zustimmte. Von ihrer Votierung wurde bekanntlich abgesehen, damit die Gegner nicht aus dem Stimmenverhältnis Folgerungen ziehen könnten. Als Meinung des Kongresses konnte Bömelburg unter all⸗ gemeiner Zustimmung feststellen, mehr wie bisher für die Arbeitsruhe am 1. Mai zu wirken, vor dem nächsten internationalen Kongreß aber eine Verständigung mit der Partei herbeizuführen, damit die Stellungnahme der deutschen Delegation dann den Willen der ganzen deutschen Arbeiterklasse vertrete.(Bravo!) Aber trotz⸗ dem die Solidarität und das gemeinsame Denken und Fühlen mit der Sozialdemokratie betont wurde, so ist das Verhältnis der beiden Bewegungen nicht ganz so, wie wir es wünschen müssen. Da und dort scheint der sozialistische Geist verloren gegangen zu sein und wir müssen uns doch fragen, wie Leute, die in der Partei aufgewachsen sind und stets für sie ihre Schuldigkeit getan haben, zu solchen Aeußerungen kommen können, wie etwa Bringmann. Bringmann glaubte nachweisen zu können, daß es der Partei selbst nicht ernst sei mit der Malfeier. Aber wir wären ja wahnsinnig, hätten wir in Zeiten ungünstiger Konjunktur zur strikten Arbeitsruhe aufgefordert. Bringmann führte weiter aus, die Maifeier, eine politische Demonstration, sei in der Gewerkschaftsbewegung ein Fremdkörper. Das sollte man doch nicht zu einer Zeit sagen, wo ein Akt der Gesetzgebung, die Zollgesetze, 10 Jahre gewerkschaft⸗ licher Arbeit einfach zu nichts gemacht hat. Die Be⸗ fürchtungen für die zukünftige Entwickelung, die solche Meinungen in uns erwecken, müssen wir offen aussprechen. Gewiß lassen sich in der Gewerkschaftsbewegung durch den Hinweis auf Augenblicksvorteile agitatorische Wirk⸗ ungen erzlelen. Aber sie sind doch immer nur Mittel zu unserem letzten großen Zweck. Die Generalversamm— lung des Metallarbeiter-Verbandes hat sich mit der Haltung seiner Delegierten in Köln denn auch ausdrück⸗ lich nicht einverstanden erklͤört. Robert Schmidt führte zur Begründung seiner Resolution an, die Maifeler ver⸗ lange von den Gewerkschaften zu große Opfer. Diese Behauptung hält weder vor der Aussperrungsstatistik der Gewerkschaften, noch vor der amtlichen der Behörden stand. Jedenfalls können diese Opfer die Gewerkschafts⸗ bewegung nicht veranlassen, ihre Stellung zur Malfeier zu ändern.(Sehr richtig!) Wohl würdige ich die große finanzielle Verantwortung, die auf den Gewerk schaftsbeamten lastet; aber die letzte Eutscheidung darf nicht beim Geldbeutel liegen. Es gibt Situatlonen, in denen Ehre und Pflicht gebieten, den Kampf unter allen Umständen aufzunehmen.(Lebhafte Zustimmung.) Es ist wohl wahr, daß auch die Partei sich sehr verschieden zur Maifeter gestellt hat, aber ihre Entschledenheit be⸗ wegte sich auf immer aufsteigender Linie, wenn die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse es nur einigermaßen zuließen; die Partei wurde immer radi⸗ kaler, während Schmidt, zu einer Zeit, wo die Mai⸗ demonstration immer gewaltiger, der Widerstand des Unternehmertums gegen sie immer schwächer wird, eine gewonnene Posttion ohne jeden Grund aufgeben will. Es ist nicht nur ein Gebot der politischen Ehre, die auf diesem Gebiet kein Zurück kennt, sondern auch der politischen Klugheit, die die eigenen und die gegnerischen Kräfte sorgsam abschätzt, die Maifeier voll aufrecht zu erhalten. Ist uns doch das Maisest nicht nur eine Demonstration für Arbeiterforderungen, die erfüllt werden müssen, sondern auch ein Glaubensbekenntnis, in dem wir uns zur Sozialdemokratie und zum Inter⸗ natlonalismus bekennen.(Lebhafter Beifall.) Mögen Partei und Gewerkschaft auch sonst verschiedene Wege gehen, an diesem Tage sollen sie zeigen, daß es im letzten Ziel zwischen ihnen keinen Gegen satz gibt. 1890 zündete der Maifeier⸗Gedanke wie ein elektrischer Funke und seitdem zeigte sich eine große Werbekraft, jetzt zurückzuweichen wäre politischer Selbstmord.(Sehr richtigl) Wir wollen aber die entgegengesetzte Meinung nicht tadeln, sondern zu erklären versuchen. Partei und Gewerkschaft sind so groß geworden, daß jetzt jede von ihnen die volle Arbeitskraft und Energie verlangt. Aber jede nimmt auch den Geist derer, die sich ihr ausschließ⸗ lich widmen, völlig gefangen. Daher die Aus wüchse, die Ansätze zum Zunftwesen, z. B. bei den Buch⸗ druckern, die auch so ein gewerkschaftsfreundlicher Mann, wie v. Elm, in den Scozialistischen Monatsheften be— dauernd hat konstatieren müssen. Um so notwendiger ist es, als Korrektiv die Aufgaben der Sozialdemokratie daneben zu stellen. Das Gefühl der Klassensolidarität darf nicht überwuchert werden durch die engen besondern Berufsinteressen. Die gemeinsamen Interessen von Partei und Gewerk⸗ schast werden gefördert werden, wenn alle Parteigenossen in den Gewerkschaften ihre Pflicht erfüllen.— Gerade die Maifeier im Sinne der internatlonalen Beschlüsse ist ein treffliches Aktions- und Agitations mittel, die Gewerkschaften dem gemeinsamen Bette des Klassen⸗ kampfes zuzuführen. Wenn Sie meine auch von der Generalkommission gebilligte Maifeler⸗Resolution ein⸗ stimmig annehmen, tun Sie einen weiteren Schritt zur Sicherung der Unbesiegbarkeit der deutschen Arbeiterklasse. (Stürmischer Beifall.) Diese Resolutlon hat folgenden Wortlaut: Die Maifeier ist eine zur Unterstützung der Klassen⸗ forderungen und des Klassenkampfes des Proletariats sowte zur Förderung des Weltfriedens von den inter⸗ nationalen Arbeiterkongressen beschlossene“ Demonstration, deren wirksame und würdige Gestaltung gemeinsame Aufgabe aller politisch und gewerkschaftlich organisterten Arbeiter ist. Als solche Klassendemonstration wird sie vom Unternehmertum und den bürgerlichen Regierungen bekämpft, aber dieser Widerstand kann für die Arbeiter⸗ klasse kein Anlaß sein, von der Durchführung der Mai⸗ feler abzusehen. In Uebereinstimmung mit den inter⸗ nationalen Arbeiterkongressen von Paris 1889, Brüssel 1891, Zürich 1893, London 1896, Paris 1900 und Amsterdam 1904 betrachtet die deutsche Sozlaldemokratie die allgemeine Arbeitsruhe als die würdigste Form der Feier. Der Parteitag macht es daher den Arbeitern und Arbeiterorganisationen zur Pflicht, neben den andern Kundgebungen für die allgemeine Arbeitsruhe am 1. Mai einzutreten und überall da, wo die Möglichkeit der Ar⸗ beitsruhe vorhanden ist, die Arbeit ruhen zu lassen. Robert Schmidt⸗Berlin war in der Mai⸗ feierdebatte der Hauptredner, der eine vom Re⸗ ferenten abweichende Meinung vertrat. In ein⸗ stündiger Rede— es war ihm längere Rede⸗ zeit zugebilligt worden— legte er seinen Stand⸗ punkt dar, ging aber dabei auch viel auf die „Neue Zeit“ und die dort von Kautsky und anderen veröffentlichten Artikel ein. Im Ver⸗ laufe der Debatte wurde an verschiedenen Be⸗ merkungen Kritik geübt, die Bringmann, Kolb und andere gemacht und die von Gegnern als Waffen gegen die Partet benutzt worden waren. Schmidt erklärte sich eingangs mit der Reso⸗ lution Fischers einverstanden, führte aber dann weiter aus: Wir erblicken den Hauptwert der Malfeier in der Massendemonstration. Da sich nun aber gezeigt hat, daß große Industrieen ihre Arbeltermassen am Tage nicht mobllisteren können, halten wir die Feier nach Feierabend für die einzig richtige Demonstration Genau so werden ja alle Parteidemonstrationen veranstaltet. Ist aber die Arbeitsruhe die einzig würdige Form der Maisfeier, so schaffen wir doch die Abendseiern ab, die jetzt vielfach die Würde des Tages vermissen lassen. Nun sprach Fischer viel von dem Ueberwiegen rein materieller Interessen. Gewiß müssen die Gewerkschastsführer sich stets fragen, oh sie den nötigen Einsatz für den Kampf wagen sollen. Aber deshalb kann von einem Abweichen vom Klassenkampf nur reden, wer nicht das geringste Quentchen politischer und gewerkschaftlicher Erfahrung hat. Es sind nicht die schlechtesten Gewerlschafts führer, die wagen, der Masse entgegenzutreten. Aber das Gewerkschafts⸗ leben hat doch auch seine idealen Momente, Ausdauer, Kampfesbegeisterung, Kompaniegeist. Mit allen Un⸗ bilden und Schmerzen des Gewerkschastsführers hat mich die Tatsache ausgesöhnt, daß wir in Berlin in kurzer Zeit 20 000 Holzarbeiter organisiert und zu 80 Pfg. Wochenbeitrag gerade durch die Unterstützungseinrich⸗ tungen begeistert haben. Die Geweikschaften haben sich jederzeit würdig gezeigt, ihre Aufgaben voll zu lösen und die Arbeiterschaft zu vertreten. Aber Fischer warf uns vor, daß wir jetzt in der Zeit aufsteigender Konjunktur nachgeben wollen. Aber später werden wir gezwungen sein, nachzugeben, wenn auf die Hochkonjunktur wieder die wirtschaftliche Depression folgt. Das eben ist der Unterschied, ob man sich freiwillig zurückzieht, auf der Höhe der Situation, oder. zurückgeschlagen wird. Der Gedanke der internationalen Demonstration wird von uns allen anerkannt. Fischer sprach viel über den engherzigen Egoismus, die selbstsüchtigen Berufsluteressen. Mit der Forderung des Buchdruckerverbandes, nicht durch ungelernte Arbeiter an den Setzmaschinen sich den Tarif durchbrechen und die Löhne herabdrücken zu lassen, ist die große Mehrheit der Parteigenossen ein⸗ verstanden. Ebenso mit dem Streben dieses Ver⸗ bandes, die übermäßige L hrlingszüchterei zu beseitigen. Der Metallarbeiterverband hat nie daran gedacht, seinen Beamten die politische Tätigkeit zu verwehren. Das beweisen doch schon die Beispiele von Scherm und Kloß. Aber darüber hinaus ist Fischer für die enge Ver⸗ knüpfung von Partei und Gewerkschaft. Im Namen des Parteivorstandes hat, wie früher Bebel, jetzt Molken⸗ buhr ch durchaus mit der Neutralität der Ge⸗ werkschaften einverstanden erklärt. Vergessen Sie doch nicht, daß in der Partei nur aufgeklärte, durch⸗ gebildete Genossen hineingehen, wir aber Toleranz üben müssen und alle Mitläufer dulden. Er bittet zum Schluß die Parteigenossen, sich nicht durch die Kritlken irr machen zu lassen an der Bedeutung unseres gewerk⸗ schaftlichen Kampfes und der gewerkschaftlichen Aufgabe. (Siehe Fortsetzung im Hauptblatt Seite 150 —