* 7 2 2 Nr. 1. Gießen, den 1. Januar 1905. 12. Jahrgang. Aughenpiag 1 1. Schlobaoss⸗ Mittel d eutsch e be 1 4 Uh Sonntags⸗Jeitung. * —— — J 75 Abonnements preis: Bestellungen. FJuserate 1 Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere] nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt. 1 Aus träger fre ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindestens Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch] Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Postanstalt und 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 5107) 88 s¼ͤ% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. kongreß in Amsterdam. Mit der Wetterent⸗ Ich bin in der Provinz Oberhessen geboren, 1 Dem Proletariat. wickelung in Deutschland können wir auch schreibt der Volksstimme⸗Mitarbeiter, dort mitten Sum neuen Jahre. zufrieden sein; besonders haben unsere gewerk- auf dem platten Lande aufgewachsen und habe r schaftlichen Organisationen ganz gewaltigen] von Kind auf— mein Vater war Gutspächter, 915 e 1 Aufschwung genommen. l mein Großvater Webereibesitzer— mit der Des Jahres erste Glocken klingen Das alles darf uns aber nicht genügen, ländlichen Arbeiterbevölkerung in Berührung Ein Grüßen geht von Haus zu Haus: wir müssen weiter vorwärts kommen, mehr gestanden. Herr Wallau, der Kritiker des Versinken soll, was schwach und trübe, erreichen und dazu unsere Organisationen ver.] Katz'schen Buchs im Reichstage, ist dagegen ein Gesunden soll, was elend war—— vollkommnen. Aufklärung muß geschaffen] Mainzer Patrizterssohn, der nur in der Eigen⸗ 1 Viel fromme Wünsche bringt die Liebe, werden überall, wo es noch dunkel ist, unter schaft eines höheren Regierungsbeamten zu der . Viel frischen Mut die Hoffnung dar. den vielen tausenden niedergedrückten um ihre] oberhesstschen Bevölkerung herangetreten ist und 1 ech aue wünschen, alles Hoffen Menschenrechte betrogenen Proleten! Dazu be- als solcher eben nur das gesehen hat, was ihn 9 ere dürfen wir aber einer gut verbreiteten Ar- die Gutsbesitzer, Fabrikanten und Großpächter g Der Zukunft Tore stehen offen: beiterpresse. Im deutschen Reiche ist die]sehen ließen. Daß man von diesem Stand- Sie deckt den Tisch euch ohne Brot. sozialdemokratische Presse die einzige, die frei,][punkte aus die Lebensweise der Arbeiterbevölke⸗ Sie füllt mit Wermuth euch den Becher die unerschrocken, unentwegt, ohne Furcht und] rung eingehend beobachten kann, wird wohl Und höhnt der Armut bittres Leid, Bangen für die Rechte des Volkes eintritt, ohne] Niemand glauben. Herr Wallau ist nicht ein⸗ Das nach dem Richter, nach dem Rächer Rücksicht auf Verfolgung, Kerker und Gefäng⸗] mal über das ihm direkt unterstellte Verwal⸗ Dem neuen Jahr entgegenschreit! 74000 7 7 fes aer 3 10 ben 95 1 5 7599 7 den Kreis Lauterbach, richtig unter⸗ ;; nende Gewissen unserer Zeit, den herrschenden richtet. een e nicht seu 6 ere Klassen ein Menetekel, ruft sie die Massen des erade in diesem Kreise it die Ernährungs⸗ In eurem Wollen schläft das Ende, Volkes, die Arbeiterschaft zum Kampfe für ihre] weise der Landarbeiter und der Lohnarbeiter In eurem Hirn die neue Seit! Rechte, für ihre Freiheit auf. Im politischen der kleinen Industriestädtchen nicht nur ärmlich, Erwacht aus dumpfen Sehnsuchtsträumen, und gewerkschaftlichen Kampfe zieht sie als] sondern erbärmlich. Ich weiß aus eigener Euch ruft der Tag, euch ruft die Tat— Führerin voran. Sie liefert zugleich die gei⸗] Anschauung, daß die Arbeiter der großen Pacht⸗ Schon schwillt der Lenztrieb an den Bäumen, stigen Waffen, sie, die selbst eine schneidige] güter um Lauterbach eine Nahrung erhalten, Und unter Schneelast grünt die Saat! 1 10 e 1 a dem h 9 2 5 n 5 0 0 3 ist desha eines jeden Partei⸗ uf dem Pachtgute meines Vaters verwunderte 2 60 Auf 0 und Gewerkschaftsgenossen, aufs eifrigste für] sich in meiner Gegenwart der Knecht eines Auf Bruderrecht und Segenspende die Verbreitung der Arbeiterpresse, und das ist anderen Gutes über das„vornehme“ Abendessen, 4 Vertraut der hoffnungsvolle Tor. für uns hier die„Mitteldeutsche Sonn- das unsere Knechte erhielten. Dieses Abendessen 1 Nur wer sich regt, dem wird es glücken, tagszeitung“, zu agitieren und ihr stets] bestand aber aus Quellkartoffeln und Gurken. Die Freiheit hat, wer sie sich schafft—— neue Leser und Abonnenten zuzuführen. Hinaus] Der Gutsherr des fremden Knechtes ließ zu Erhebt das Naupt! Auf eurem Kücken mit jenen Amts- und„unparteiischen“ Blättern, den unvermeidlichen Kartoffeln überhaupt nie⸗ Tragt ihr die Welt! Ihr seid die Kraft! welche den Volks⸗ und Arbeiterfeinden Hand- mals eine Zukost verabreichen. Also schon Klara Müller. langerdienste leisten; in jeder Arbeiterwohnungdieses kraftlose Abendbrod— Kartoffel mit 0—. mnmnuß das Arbeiterblatt eine Stätte haben!. 1 15 pee ee 1 Die freie Presse, sie kämpft und ficht„Vornehmes“ gehalten. eses einzige Beispie f Ein neues Jahr! Für 9 4 Lehre; 9 würde genügen, um die jämmerliche Beköstigung Wieder ist ein Jahr vorüber und unter Sie trägt in die Hütten der Wahrheit Licht der Landarbeiter zu kennzeichnen. Auf den Nummer„1905“ folgt ihm ein neuer Zeit⸗ Und sammelt der Schaffenden Heere. Bauerngütern ist es noch schlimmer, als auf abschnitt. Zu seinem Beginne ist es uns eine Sie streitet und wirbt ohne Unterlaß den Pachthöfen. Fleisch gibt es hier eigentlich angenehme Pflicht, allen unsern Lesern, Partei⸗ Und trotzet der Gegner fanatischem Haß. nur an den hohen Festtagen. Dazu kommt genossen und Genossinnen herzlichste Grüße Drum 1 auch du, 1 55 1 15 Volt, noch, daß das Essen so liederlich und schmutzig und Glückwünsche zu entbieten! 1711 für 12 0 9055 A n 1 zubereitet wird, daß es für Jeden, der nicht Aber wir dürfen es mit den bloßen Wünschen Gestritten in vorderster Relhe in diesen Verhältnissen aufgewachsen, einfach nicht genug sein lassen, sondern wir müssen 5 45 ungenießbar wird. Die Frauen der Großbauern arbeiten, unablässig für die Befreiung des 5 f 8 haben die Kochkunst nirgends erlernt und setzen arbeitenden Wii dg 10 5 1 0 105 7 Wie die Landarbeiter 9 55„ ee 1 17 wirken, wenn die Wünsche in Erfüllung gehen, 1 5 a geradezu sprichwörtlich, so da Besserung der Lage des gesamten Volkes und in Oberhessen leben. man z. B. die Bauern des zu Herrn Wallau's damit auch derjenigen des Einzelnen erreicht Vor Kurzem kam im Reichstage— bei] Kreis gehörigen Dorfes Wallenrod in der werden soll. Geloben wir alle, auch im neuen Gelegenheit der Debatte über eine Resolution] ganzen Umgegend die„Ofenlappen“ nennt. Jahre dafür unsere Kräfte einzusetzen! Streben] zum Fleischbeschaugesetz— auch die Lebens- Dieser Spottuame stammt von einer Kartoffel- wir unentwegt unserem hohen Ziele zu: Frei-] haltung der oberhessischen Landarbeiter zur Hspeise, die aus Salz und geriebenen ungekochten heit, Gerechtigkeit und Wohlfahrt allen Menschen![Sprache. Unser Genosse Scheidemann hatte[Kartoffeln hergestellt und in Form handgroßer 1 Wie Großes und Gewaltiges die Menschen hierüber einige Ausfübrungen gemacht und sich][ Lappen wider den heißen Ofen geklebt wird, 9 durch vereinte Kräfte erreichen können, zeigt] dabei auf das vor einiger Zeit erschienene Buch bis sie herunterfällt. Dieses halbrohe Gericht sich heute auf allen Gebieten. Und würden] von Dr. Eugen Katz:„Landarbeiter und wird den Landarbeitern als Delikatesse aufge⸗ die vorhandenen Kräfte und Mittel zum Wohle] Landwirtschaft in Oberhessen“ bezogen. Ihm tischt. g 9 und im Interesse aller verwendet, so würde es trat der agrarisch⸗nationalliberale Abgeordnete Wenn sich Herr Wallau über die Lebens. f ermöglicht und zur Tatsache werden, was heute für Alsfeld⸗ Lauterbach, Kreisrat Wallau, weise der Arbeiter seiner eigenen„Residenz“ 1 noch in's Reich der Illustonen, der Unmöglich⸗] entgegen, der die Lage def Landarbeiter in unterrichten will, dann soll er in Lauterbach 1 keiten verwiesen wird. Kein Menschenkind] Oberhessen als eine vorzüg uche hinstellte und nur einmal die ungesunden, engen, rauchlgen, 1 brauchte Not zu leiden, dem Elend und der] dem Katz'schen Buche stal.— Uebertreibungen J messt nicht gedielten und nicht tapezierten Ar⸗ Schande anheimzufallen, jeder könnte ein nachsagte. Dazu erat in der Frank- beiterhütten im sogenannten„Wichhaus“, am 1 menschenwürdiges und lebenswertes Dasein furter„Volksstimpanischebrener Oberhesse]„Graben“, in der„Rockelsgasse“ und auf dem 1 führen! das Wort, um haben eben der Land⸗„Wörth“ besuchen. Dort gibt es das ganze 1 Unsere diesem Ziele zustrebende Bewegung proleten näher z Naked 1155 Seine Ausfüh- Jahr hindurch nichts als Kartoffeln. Das 1 hatte auch im vergangenen e enen nen die Russen d nen 5 Ach Ran 15 wre, 1 8 n. Ueberall, in allen Ländern.] oberhessischen gewi a und wir geben isch, wenn die Ziege Lämmer geworfen b bes d 1 ö linken und besetz 5 Nur bei besonders feierlicher Veranlassungic⸗ Das zeigte besonders der internationale Arbeiter- sie deshalb vollink n rde der F. f ö Ager U N ———ů——— Seite 2. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. 1 1 1 1 ö 0 Nr. 1. Kindtaufen und Hochzeiten, wird Wurst gekauft. Wässerige Kartoffelsuppe, Quellkartoffeln und ein aus geriebenen rohen Kartoffeln hergestellter, kleisterartiger Kartoffelbrei wechseln miteinander ab. Es gilt schon für Luxus, wenn Abends dem trockenen Brod ein Stückchen Limburger Käse zugesellt oder den auf den ungedeckten Tisch geschütteten Kartoffeln ein Näpfchen mit heißem Leinöl beigefügt wird. Ein Feiertags⸗ essen ist der sogenannte„Nackfrosch“, ein aus zerstampften Kartoffeln, Magermilch und Zwie⸗ beln hergestellter dicker Kuchen, der auf einem viereckigen Blech, das die Arbeiter„Borle“ nennen, im Zimmerofen gebacken wird. In dem ebenfalls zu Herrn Wallau's„Regierungs- bezirk“ gehörigen Dorfe Angersbach wird dieses schreckliche Gericht„Plaatz“ genannt. Immerhin ist die Nahrung der Lohnarbeiter der kleinen Städtchen noch viel besser, als die der Land⸗ arbeiter auf den Gütern, was in der ganzen Gegend jedes kleine Kind weiß. Wenn die Knechte dieser Güter nach Gießen zum Militär kommen, sind sie ganz entzückt über das feine Essen in der Kaserne, sie halten, wie mir zahl⸗ reiche Soldaten bestätigt haben, den Kasernen⸗ tisch förmlich für eine Festtafel. Welche er⸗ bärmliche Lebensweise muß aber der geführt haben, dem die rohe Kommißkost eine Delikatesse dünkt? Die agrarische Voreingenommenheit des Herrn Wallau ist in der Tat unbegreiflich. Er hätte nur von seiner Dienstwohnung in Lauterbach drei Schritte nach dem Mühlbach hinabzusteigen und in den verfallenen Hütten der Lohnarbeiter, die das stattliche Haus des Bürgermeisters umgeben, beim Mittagessen vor⸗ zusprechen brauchen, da würde er sich mit einem einzigen Blick haben überzeugen können, daß Dr. Katz keineswegs übertrieben hat. Im Gegenteil, seine Schilderung wäre noch viel ungünstiger ausgefallen, wenn sie sich nicht auf aktenmäßiges Material beschränkt, sondern auch die eigene Anschauung hätte sprechen lassen. —— Politische Nundschau. Gießen, den 29. Dezember 1904. Etwas vom„guten Ton“. Als kürzlich der Reichskanzler im Reichstage einige Sätze aus einem gegen die Zollwucherer gerichteten Artikel der„Leipziger Volksztg.“ zitierte, konnte sich das bürgerliche Zeitungs⸗ geschwister nicht genug entrüsten über den „rohen Ton“ der Sozialdemokratie. Zwar entrüstet sich die Gesellschaft bei jeder Gelegen⸗ heit über uns, sie sollte sich aber doch etwas mehr um sich selbst bekümmern, denn was in der gesitteten Ordnungspresse schon über die Sozialdemokratie zu lesen war, übertrifft an Kraftausdrücken hundertfach das, was die „Leipz. Volksztg.“ schrieb. Die edlen bürgerlichen Organe sollten sich aber mal ansehen, was die von dem Har- burger Unternehmertum ausgehaltene„Har⸗ burger Zeitung“ sich gegen ein kurz vor den Feiertagen dort verbreitetes Flugblatt leistete. Verfasser dieses Flugblattes ist unser Partei⸗ genosse Pflüger, Pfarrer an der Stadt⸗ kirche in Zürich, welcher darin nachweist, daß sich in den Zielen der Sozialdemokratie wahres Christentum verkörpere. Ueber dieses Flugblatt schimpft nun das„gebildete“ Ordnungsblatt folgendermaßen: „Ein Schandbubenstreich. Da er⸗ lauben sich die hiesigen Sozialdemokraten (natürlich nur die bezahlten Führer) einen Schandstreich, ein Schurkenstück, wie es auf dem Gebiete der Herzensverrohung und Sinnesruchlosigkeit ein Schlimmeres nicht geben kann. Ein Fetzen Papier wird verteilt. Damit die Eltern die Gefährlichkeit des elenden Wisches und des mit Geifer und Gift durchsetzten Zettels nicht erkennen, ist ausdrücklich als Verfasser und Autor ein Pfarrer genannt. Dieser erste Halunkenschritt genügt aber den sich nun wahrhaft als Luft verpester und Wasserverseucher entpuppenden Genossen icht, sie gehen weiter zur Begründung der aufgestellten Bosheiten. keit, die Verrohung, die absichtliche Verdreh⸗ ungsgemeinheit, mit der man den Bringer des neuen Evangeliums zitiert, ist aber bodenlos gemein, selbst ein Sozialdemo⸗ krat muß dieses viehische Gebahren der Obergenossen grundsätzlich verwerfen und sich im widerlichen Ekel von solchem Miste verkommener Subjekte abwenden. Die Hbergenossen sollen die zahlenden Brüder nicht ausbeuten durch Verkauf der Bilder besonders hervorragender Hetzer und Betrüger. Wer bezahlt beispielsweise die vorliegende Flugschrift? Niemand anders als der Arbeiter! Mit anderen Worten: Für sein Geld arbeiten arbeitsscheue Schurken und elen⸗ des, verlottertes Gesindel an seinem Ruin...“ Gewiß ein feiner, christlicher und gebildeter Ton! Und solches Preßgesindel beschwert sich über die Sprache der Sozialdemokratie!— Die Amts⸗ und sonstigen Ordnungsblätter, sowie die biedere Marburger„nationalsoziale“„Hes⸗ sische Landeszeitung“, die stets an unserer Partei etwas auszusetzen hat und ihr Vorschriften zu machen und„Anstand“ zu lehren sich erlaubt, mögen sich mal die obige Schimpfleistung des Harburger Organs für Sitte und Bildung vor Augen halten und dann ehrlich auf die Frage antworten: wo herrscht ein roherer Ton, bei uns oder bei unsern Gegnern? Eine halbe Million für ein Hochzeits⸗ geschenk. Nach Blättermeldungen soll das Geschenk, welches die Städte dem Kronprinzen zur Hochzeit stiften wollen, in einem silbernen Tafel⸗ aufsatz bestehen, der die Kleinigkeit von 500000 Mark kosten wird. Die Stadtväter der ver⸗ schiedenen Städte haben sich's ja damit sehr leicht gemacht, sie bewilligten einfach aus den Taschen der andern, aus dem allgemeinen Steuersäckel. Ein nicht geringer Teil des Geldes stammt also von jenen Steuerzahlern, die der Kronprinz als„Elende“ bezeichnete. Wenn die königstreuen Spießer hätten in ihre eigenen Taschen greifen sollen, wäre die halbe Million gewiß nicht zusammengekommen. — Bei dieser Gelegenheit sei eine andere Zeitungs⸗ nachricht erwähnt, wonach der Kronprinz seiner Braut einen Perlenschmuck als Weihnachts⸗ geschenk übersandte, den die Kaiserin selbst für ihre zukünftige Schwiegertochter bei dem Frank⸗ furter Juwelier Robert Koch ausgewählt habe und der 40000 Mark kostete.— Ein ganz leidliches Weihnachtsgeschenk! Für die dafür aufgewendete Summe würde eine Familie 20 Jahre ganz anständig leben können! Uebrigens haben eine Anzahl Städte eine Beitragsleistung zu dem Geschenk abgelehnt und in Kiel haben unsere Genossen einen energischen Protest gegen eine derartige Ver⸗ wendung städtischer Mittel eingereicht. Eine Königin auf dem Schub. Am Donnerstag vor Weihnachten traf die frühere Kronprinzessin von Sachsen aus Florenz in Dresden ein, um ihre Kinder zu sehen. Sie wurde jedoch an dem Eintritt in das Taschenberg⸗Palais mit Gewalt gehindert. Ueber die der Mutterliebe entsprungene Tat der früheren Kronprinzessin wurden noch folgende Einzelheiten berichtet: Die Polizei, welche von der Ankunft der Prinzessin in Kenntnis gesetzt worden war, hatte die Beobachtung sämtlicher Eingänge des Residenzschlosses durch Geheim⸗ Gendarmen veranlaßt. In der neunten Stunde erschien die ehemalige Kronprinzessin, in tiefes Schwarz gehüllt, vor dem Posten des Taschen⸗ berg⸗Palais und begehrte Einlaß. Ein Kri⸗ minal⸗Gendarm trat ihr jedoch enigegen, klärte sie über d.“ Unzulässige(2) ihres Ver⸗ egleitete sie über den breiten langens auf un Theaterplatz h nach dem Hotel Bellevue zurück. Gleich ag rde der Gräfin ein Schreiben von der Polizen Abergeben, in dem die Verbannte aufgefordert würde, Dresden bis Nachmittags um 4 Uhr zu verlassen. Das Ministertum des königlichen Hauses trat sofort zu einer Sitzung zusanmen, um zu be ⸗ raten, was im Falle von Unrfihen am Bahnhofe Die Spitzfindig⸗ zu tun wäre, und beschloß, umfangreiche Ab⸗ sperrungen um das ganze Bahnhofsterrain vor⸗ zunehmen. Die Gräfin Montignoso hatte unter⸗ dessen an den König, der sofort von den Vor⸗ gängen telegraphisch unterrichtet worden war, einen Brief gerichtet, in dem der Wunsch aus⸗ gedrückt war, ihre Kinder sehen zu dürfen. Am Donnerstag Nachmittag erhielt sie jedoch darauf einen ablehnenden Bescheid.— Weiter wird dazu noch mitgeteilt, daß man die ehe⸗ malige, Kronprinzessin in ein Irrenhaus stecken wolle. Und das, weil sie als Mutter Sehnsucht nach ihren Kindern hatte! i Fünf Jahre Gefängnis f wurden kürzlich wieder von der Militärjustiz für eine Bagatelle verhängt. Am 22. Oktober dieses Jahres hatten drei Musketiere vom Fort Roon bei Straßburg sich betrunken. Nachts begegneten sie einem Vizefeldwebel, der ihre Namen feststellen wollte. Zwei der Sol⸗ daten standen stramm und machten die gefor⸗ derten Angaben; der dritte aber, der Musketier Moll, zog es vor, sein Glück in der Flucht zu suchen, was ihm um so leichter gelang, als gerade mehrere Zivilisten des Weges kamen. Kurz nachdem Moll davongelaufen war, wurde gegen den Vizefeldwebel ein Stein geworfen. Der Stein richtete weiter keinen Schaden an, doch glaubte der Feldwebel ganz genau zu er⸗ kennen, daß Moll ihn geschleudert habe. Er brachte den Fall zur Anzeige, und der Musketier wurde zu der furchtbaren Strafe von fünf Jahren und einem Monat Gefängnis verurteilt. Diese Strafe aber war dem Gerichtsherrn noch zu niedrig! Er legte dagegen Berufung ein. Aber auch der Musketier machte von seinem Berufungsrecht Gebrauch. Während der Verhandlung vor dem Oberkriegsgericht kam ein Brief an, durch den ein Ungenannter mitteilte, daß er den Stein gegen den Feldwebel geschleudert habe, leider aber nicht mit seinem Namen hervortreten könne, da er als Staats⸗ angestellter in diesem Falle die Vernichtung seiner Existenz zu gewärtigen haben würde. Diesem Brief wurde keine Bedeutung beige⸗ messen. Das Oberkriegsgericht hielt sich an die zeugeneidliche Bekundung des Feldwebels, der sich aber doch auch hinsichtlich seiner Wahr⸗ nehmungen geirrt haben konnte und verwarf beide Berufungen. Es bleibt also bei den fünf Jahren Gefängnis für einen— Steinwurf, der nicht einmal getroffen hat. Solche unbegreiflichen Urteile zeigen immer wieder, daß es höchste Zeit ist, auch die mili⸗ tärischen Vergehen den bürgerlichen Gerich⸗ ten zu überweisen. Das militärische Strafgesetz mit seinen barbarischen Härten ist längst schon widersinnig geworden. Zur Aufrechterhaltung einer vernünftigen Disziplin bedarf es selbst beim heutigen Militärsystem nicht solcher ent⸗ setzlichen Strafen, die durch ihr Uebermaß re⸗ voltierend einwirken auf jeden halbwegs gerecht denkenden Menschen. Nicht allein auf jeden Sozialdemokraten.— Dem Fähnrich Hüssener scheint's auf der Festung Ehrenbreitstein, wo er seine zwei Jährchen Festungshaft verlebt, außerordentlich gut zu gehen. Hüssener ist bekanntlich jener Bursche, der am Ostertag 1903 den Einjährigen Hartmann wegen Nichtgrüßens hinterrücks ermordete. Dafür bekam er in der zweiten Instanz ganze zwei Jahre„Festung“, obwohl der Ankläger sechs Jahre Zuchthaus beantragt hatte. Seit Ende 1903 befindet sich Hüssener auf dem Ehrenbreitstein, wo er in Gesellschaft mehrerer anderer „Gefangener“ ein Leben führt, wie es sich besser ein Mensch kaum wünschen kann. Ein rheinischer Partei⸗ genosse kam in den Besitz einer Photographie, die den Hüssener mit noch zwei Gefangenen zeigt, wi; sie es sich in einem fein eingerichteten Zimmer hinter einer Batterie Weinflaschen recht wohl sein lassen. Unsere Parteipresse veröffentlicht eine getreue Wiedergabe des Bildes, das wir in nächster Nummer voraussichtlich auch bringen können. In der Zeit der Zuchthausurteile à la Dessau ist es sicher von Nutzen, der Oeffentlichkeit vor Augen zu führen, wie die moderne Rechtspflege ohne Ansehen der Person unerbittlich gerecht ihres Amtes waltet. Mit Ballin unterwegs. Unter diesem Titel schildert Genosse Kaliski im Vorwärts seine Erlebnisse als russischer Auswanderer. — —— FF e e . 2— r Nr. 1. Mitteldeutsche Sonuutags⸗Zeitung. Seite 3. Schon früher hat unser Zentralorgan den Nachweis gebracht, daß die armen Teufel, welche aus dem Reiche der Knute fliehen, von der Hamburg- Amerikanischen Packetfahrt⸗Gesellschaft in unerhörter Weise ausgebeutet und gezwungen werden, Schiffskarten nach Amerika zu nehmen, auch wenn sie gar nicht dahin wollen. Um diese Dinge aus eigener Anschauung kennen zu lernen, verkleidete sich der Redakteur Kaliski als russischer Aus⸗ wanderer und machte den Transport von der russischen Grenze bis nach Hamburg mit, wo er sich als Redakteur des Worwärts⸗ legitimierte. Da gab es natürlich er⸗ staunte Gesichter bei den Herren. Die Schilderungen seiner Erlebnisse auf der Fahrt sind interessant und be⸗ zeichnend für die russische Wirtschaft in Preußen. Wir kommen noch darauf zurück. Weihnachten beim gläubig⸗katholischen Unternehmer. Aus dem Rheinland erhält der„Vorwärts“ folgende Zuschrift: Ein verheirateter Buchdrucker⸗ gehülfe, der schon seit einigen Wochen krank ist und dessen Frau binnen kurzem mit einem zweiten Kinde ntederkommt, erhielt dieser Tage von dem Verleger der„Ahrweiler Zeitung“, des amtlichen Kreisblattes folgendes Schreiben: „Von amtlicher Seite ging mir gestern die Mitteilung zu, daß Sie hier am Platze die Verteilung sozialdemokratischer Schriften vor⸗ genommen haben. So leid es mir in Anbetracht Ihrer augenblicklichen Lage tut, bin ich durch diese Tatsache aus persönlichen und geschäft⸗ lichen Rücksichten gezwungen, Ihre Stellung in meiner Buchdruckerei durch gegenwärtiges Schreiben zu kündigen. Emil Plachner.“ Der Verleger ist ein steinreicher Zentrumsmann. Beides hinderte ihn nicht, gerade vor dem„Fest der Liebe“ den armen Gehülfen mitten im Winter und mitten in schlimmster familiärer Bedrängnis brotlos zu machen und auf die Straße zu setzen. Friede auf Erden... Die Urheber dieses Streiches sollen auf„amt⸗ licher Seite“ sitzen. Die amtlichen Stellen, die hier in Betracht kommen können, werden sich beeilen müssen, die schwere Beschuldigung von sich abzuweisen, daß sie Mittäter an dieser im höchsten Maße unchristlichen Tat seien. Im Ruhrrevier wird die Lage immer bedrohlicher. Das Kapital will den Krieg, es reizt und provoziert die Arbeiter fortwährend. Vor dem„Feste des Friedens“ wurden auf der Zeche„Bruchstraße“ und andern Schichtverlängerungen dekretiert. Darauf waren ja die Arbeiter ge⸗ faßt, man hätte aber doch erwarten sollen, daß der neue Angriff wenigstens bis nach Weih⸗ nachten verschoben würde. Zuerst erlaubte man sich den Luxus, die Schichtverlängerung unter Misachtung der gesetzlichen Formen an⸗ zuordnen, die Arbeiter streikten, erlitten Verluste. Dann griff die Bergbehörde ein; die ungesetzliche Maßnahme wurde zurückgenommen. Nicht dem Unternehmer, nur den Arbeitern hat die Unge— setzlichkeit des Kapitals Schaden zugefügt und wie zum Hohn wird jetzt die Schichtverlänge⸗ rung erneut angeordnet: allerdings unter Be⸗ achtung gesetzlicher Formen. Jetzt werden die Arbeiter gesetzlich in den Streik gehetzt, denn daß man der Schichtverlängerung zustim⸗ men wird, daran glauben selbst die Gruben⸗ Verwaltungen nicht.— Ueberall finden Ver⸗ sammlungen statt und die Arbeiter werden tun, was ihnen die Pflicht gebietet. Sozialdemokratische Wahlerfolge. In Waltershausen bei Gotha siegte bei der Stadtverordnetenwahl die sozial de⸗ mokratische Liste. Unsere Genossen haben dort jetzt alle zehn Stadtverordnetensitze und von den vier Sitzen des Stadtrats zwei inne. Erst in den letzten Tagen wurde ein neuge⸗ wählter Stadtrat von der Regierung bestätigt. Reichstags⸗Ersatzwahlen. Im Wahlkreise Hof, der durch die Man⸗ datsniederlegung des Nationalliberalen Münch⸗ Ferber frei wird, haben unsere Parteigenossen den Verleger Geißler ⸗Nürnberg aufgestellt. — In Calbe⸗JAschersleben ist die Agitation in vollem Gange. Der Wahltermin ist hier auf den 13. Januar festgesetzt. Die Affaire Eyveton wächst sich immer mehr zu einem Skandal ersten Ranges aus], bei dem die Reaktionäre die Leidtragenden sind. Frau Syyveton gestand dem Untersuchungsrichter, ihr Gatte habe von den ihm anvertrauten Geldern der„Liga des französischen Vaterlandes“ die Summe von 98000 Francs bei Sette geschafft, dieses Geld in fremden Wertpapieren angelegt und deren Zinsen seither regelmäßig bezogen. Frau Syveton hat die Wertpapiere dem Präsi⸗ denten der Liga, Jules Lemaitre, ausgeliefert. — Von anderer Seite wird der Verdacht aus⸗ gesprochen, daß die Gattin Syvetons diesen aus gewinusüchtiger Absicht ins Jenseits befördert habe, und derselbe verdichtet sich immer mehr. Es soll ihr um die Erlangung der hohen Versicherungssumme zu tun gewesen sein. Ihre Verhaftung wird als unmittelbar bevorstehend hingestellt. ö Der plötzliche Tod Syvetons hat seinen nattonalistischen Gesinnungsgenossen nicht bloß einen schweren moralischen, sondern auch einen erheblichen materiellen Schaden verursacht. So hatte das„Petit Journal“ für den Prozeß Syveton vor dem Pariser Schwurgericht eine Spezialnummer seiner illustrierten Beilage in einer Auflage von 800 000 Exemplaren veran⸗ staltet, die am Tage des Prozesses über ganz Frankreich verbreitet werden sollte. Alles war für die Absendung der Spezialnummer bereit, als die Nachricht von dem geheimnisvollen Tode Syvetons eintraf, so daß all das bedruckte Papier in die Stampfe wandern mußte. Russische„Reformen“. Seit einiger Zeit schien es, als ob in Ruß⸗ land dem Verlangen des Volles nach einer freieren Verfassung Rechnung getragen werden sollte und das arme unterdrückte Volk machte sich zum Teil darauf schon große Hoffnungen. Jetzt hat Väterchen Nikolaus einen Erlaß her⸗ ausgegeben, nach dem an dem Absoluttsmus nicht gerüttelt werden soll. Es bleibt also alles beim Alten. Das Volk wird und muß sich eben seine Freiheit erkämpfen. Ueber die Entwickelung der Parteien in Amerika schreibt Eugen Debs, der bei den neulichen Wahlen als Präsidentschaftskandidat der Sozial⸗ demokratie aufgestellt war, in einer Besprechung des Wahlergebnisses u. a. folgendes: „Die letzte Wahl zeigt zwei streng gesonderte und sich zuwiderlaufenden Tendenzen; einerseits den überwältigenden Sieg, den die Geldinteressen davon getragen, anderseits das Auftreten der Arbeiterklasse in der internationalen Politik, wie das die enorme Zunahme an sozialistischen Stimmen beweist. Die demo⸗ kratische Partei ist als Vertreterin des Mittelstandes auf immer dahin. Wie sehr man stie auch durch Reorganisation wieder aufzuleben versuchen mag, es wird nicht gelingen, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil ihrer Hauptstütze— dem Mittelstand— selbst die Vernichtung droht.“ Die Trusts, so heißt es dann weiter, würden immer mehr um sich greifen, und für eine Mittelstands⸗ oder Reform⸗ partei werde kein Raum mehr sein. Es gäbe nur einen Kampf zwischen Kapital und Arbeit, den die Politiker bisher vor dem Volke verdecken konnten. Der nächste große politische Kampf in den Vereinigten Staaten werde zwischen den Republikanern und den Sozialisten ausgefochten werden. Die verflossene Wahl sei der Anfang vom Ende gewesen, von nun an werde der Vormarsch der Sozialdemo⸗ kratie ein rapider sein.— Es ist eben in allen Ländern mit moderner kapitalistischen Produktionsweise die Entwickel⸗ ung die gleiche. Russisch⸗japanischer Krieg. Vor Port Arthur haben die Japaner in den letzten Tagen bedeutsame Erfolge er⸗ rungen. Sie drängten die Russen aus mehreren befestigten Stellungen und besetzten dieselben. Vom 25. Dezember wurde der Fall sämtlicher vor der rechten Flanke der Japaner vorge⸗ schobenen russischen Befestigungen gemeldet. Der Admiral Togo meldete nach Tokio, daß die russischen Schiffe im Hafen von Port Arthur sämtlich zerstört seien und er infolgedessen einen Teil des Blokadegeschwaders zurückgezogen habe. Eine weitere Meldung besagte, die Russen hätten vorgeschlagen, Port Arthur zu übergeben, wenn der Besatzung auf Schiffen die Rückkehr nach Rußland gestattet würde. Die Japaner hätten aber den Vorschlag abgelehnt. Aus der Mandschurei wird nur von kleineren Zusammenstößen mit wechselnden Er⸗ folgen berichtet. Rußland beabsichtigt, bedeu⸗ tende Verstärkungen nach der Mandschurei zu entsenden; Kuropatkins Armee soll nötigenfalls auf 800000 Mann erhöht werden. Das wird allerdings nicht viel nützen, denn schon jetzt können die Truppen nicht gehörig verpflegt werden und leiden Mangel am Nötigsten. Eine noch größere Armee zu verpflegen, muß unter den gegenwärtigen Verhältnissen als unmöglich erscheinen; jedenfalls würde ein großer Teil der Truppen durch Hunger und Kälte zu Grunde gehen. Soziales, Gewerkschaftliches, Arbeiterbewegung. Gewerbegerichte bestanden im Jahre 1903 381 im Deutschen Reiche, außerdem 409 In⸗ nungsschiedsgerichte sowie 24 Gewerbegerichte, die auf Grund landesgesetzlicher Vorschriften zur Entscheidung gewerblicher Streitigkeiten berufen sind. Die Zahl der anhängig gemachten Klagen betrug 94891 gegen 85915 im Vorjahre. Die Tätigkeit der Gewerbegerichte als Eini⸗ gungsämter muß noch immer als sehr ge⸗ ring bezeichnet werden. Pon Nah und Lern. Hessisches. — Das neue Gerichtskostengesetz, welches dem Landtage vor einiger Zeit von der Regierung unterbreitet und von diefem, wie in voriger Nr. berichtet, angenommen wurde, trifft Bestimmungen über die Gerichtskosten nicht nur auf dem Gebiete der freiwilligen, sondern auch der streitigen Gerichtsbarkeit, iusoweit eben der landesgesetzgeberischen Tätigkeit Raum ge⸗ währt ist. Man wollte damit das gesamte landesrechtliche Gebührenwesen in einem Gesetze regeln. Was das System der Gebühren angeht, so hat der Entwurf festgehalten an dem Grund⸗ satz des deutschen Gerichtskostengesetzes, der Abstufung der Gebühren nach dem Wert des Gegenstandes. Der Gesetzgebungsausschuß der Zweiten Kammer befand sich mit allen wesent⸗ lichen Punkten der Vorlage in Uebereinstimmung, nur hat er in verschtedenen Fällen eine Her⸗ absetzung der Gebühren angestrebt und auch im Wege der Verständigung mit der Regterung erreicht. — Ueber das Gesamtergebnis der Gemeinderatswahlen im Kreise Offen⸗ bach wird berichtet, baß von den 30 Orten, in denen gewählt wurde, in 12 die Sozial⸗ demokraten und in ebensoviel der bürgerliche Mischmasch siegte. In den verbleibenden 6 Gemeinden wurden infolge der Streichungen auf den Zetteln teils bürgerliche, teils sozial⸗ demos ratische Kandidaten gewählt. Insgesamt wurden 59 Sozialdemokraten und 55„Bürger⸗ liche“ gewählt. Das ist ein Resultat, auf das die sozialdemokratische Partei gewiß mit Recht stolz sein kann.— Es wäre übrigens sehr zu begrüßen, wenn das Landeskomitee eine Auf⸗ stellung anfertigte, aus welcher die Gesamtzahl der sozialdemokratischen Gemeindevertreter zu ersehen wäre. — Um die Frage: Geistlicher oder nicht? drehte sich die Verhandlung über einen von der Mainzer Zentrumspartei gegen die Wahl des freireligsösen Predigers Frhr. b. Zucco⸗Cuccagna zum Stadverordneten er! hobenen Protest vor dem Mainzer Kreis- ausschusse. Dieser entschied, daß der Prediger 1 Seite 4. Nitteldeutsche Sonntags- geitung. Nr. 1. als Geistlicher anzusehen und er infolgedessen als Stadtverordneter nicht wählbar sei. Seine Wahl wurde demnach für ungültig erklärt.— Gegen diese Entscheidung wird Rekurs beim Provinzialausschuß eingelegt. Um aber das Treiben der zentrümlichen Protest⸗ erheber richtig zu würdigen, muß man sich an die Verhandlungen und den Beschluß der Zweiten Kammer in Sachen desselben Predigers erinnern. Im Landtage protestierten die Zentrümler gegen den Anspruch des Herrn v. Cuccagna auf Zugehörigkeit zum Schul⸗ vorstand, weil der freireligiöse Prediger nicht als Geistlicher anzusehen sei. Die Zweite Kammer entschied in diesem Sinne, erklärte also damit, daß v. Cuccagna nicht die Qualität als Geistlicher besitze. Das hat auch weder der Prediger noch seine Gemeinde behauptet, ihr Anspruch auf Sitz und Stimme im Schul⸗ vorstand gründete sich lediglich auf dasselbe Recht, aus dem die„Geistlichen“ als Leiter des Religions⸗Unterrichtes im Schul⸗ vorstande sitzen.— Nun kommen aber die⸗ selben Leute, welche beim Landtage die Geistlichen⸗Eigenschaft bestritten, her und be⸗ mühen sich nachzuweisen, daß v. Cuccagna Geistlicher sei und folglich nach der Städte⸗ Ordnung nicht als Stadtverordneter gewählt werden könne! Um allen die Krone aufzusetzen, vertrat der Zentrumsabgeordnete Dr. Schmitt den Protest vor dem Kreisausschusse, hatte also hier genau das Gegenteil dessen zu „beweisen“, was er kurz vorher in der Kammer ausgeführt und was diese beschlossen hatte! Bald so, bald so, wie's trefft! Hier mußte wirklich der Zweck, einen Sozialdemokraten aus der Stadtvertretung hinauszudrängen, die juri⸗ stischen Zentrumsmittel heiligen. Gießener Angelegenheiten. — Vom„sozialdemokratischen“ Konsumverein. Wir besprachen in der letzten Nummer einen durch die Ordnungspresse gelaufenen Artikel, der von dem Konsumverein in Sorau(Lausitz) allerhand schlimme Dinge erzählte. Selbstverständlich hatte sich auch der „Gieß. Anz.“ den fetten Brocken nicht entgehen lassen. Es wurde da über Dividendenjägerei, schlechte Bezahlung des Lagerhalters ꝛc. Mit⸗ teilungen gemacht, die, was wir hervorhoben, zuerst von unserm Parteiblatt, der„Märk. Volksstimme“ veröffentlicht wurden. Aus dieser Tatsache schon hätten die braven Leutchen sehen können, daß die Sozial demokratte wirklich keine Ursache hat, sich der Tatsachen zu schämen, die dort im Konsumverein vorgekommen sind. Schämen sollten sich höchstens die bürgerlichen Parteien; denn, wie die„Märk. Volksstimme“ weiter mitteilt, ist auch nicht ein einziges Vorstands⸗ oder Aufsichtsratsmitglied des Sorauer Konsumvereins Mitglied der sozialdemokratischen Partei— eine Tatsache, die den berufsmäßigen Verleum⸗ dern der Sozialdemokratie so unangenehm ist, daß sie diese ihren Lesern unterschlagen.— Ob wohl der Anzeiger sich verpflichtet fühlen wird, von dieser Sachlage seinen Lesern Kennt⸗ nis zu geben? Wir bezweifeln es. Dem paten⸗ tierten Ordnungsblatte kommt es ja nicht dar⸗ auf an, Mißstände an das Tageslicht zu fördern und dadurch Besserungen für Arbeiter oder Angestellte zu erzielen, sondern es wollte mit der Schauergeschichte nur der Sozialdemokratie eins auswischen, ist damit aber wieder einmal hereingefallen. — Eine Parteistreitigkeit— aller⸗ dings nicht besonders ernster Natur— hat sich an den in unserm Blatte mehrfach erwähnten Artikel der„Leipz. Volksztg.“ gegen die Zoll⸗ mehrheit und seine Preisgabe durch die Reichs⸗ tagsfraktion geknüpft und es sind namentlich das Leipziger Parteiblatt und der Vorwärts scharf aneinander geraten. Zuletzt erklärte der Vorwärts, daß er auf die ehrenrührigen Be⸗ schimpfungen der„Leipz. Volksztg.“ nicht mehr antworten werde, sondern die Angelegenheit dem Parteivorstand unterbreitet habe. Natür⸗ lich verfolgt die gegnerische Presse die Polemik mit unverhohlener Freude und bringt mit Vor⸗ liebe die Auslassungen der Leipz. Volksztg. gegen den Vorwärts zum Abdruck, wobei ste sich heuchlerisch über den„Ton“ der Sozial⸗ demokratie entrüstet. Dazu haben die„sittlichen“ Ordnungsblätter gar keinen Grund, sollten sich vielmehr um sich selber bekümmern. Wir geben an anderer Stelle in der heutigen Nummer ein kleines Beispiel von dem Ton, den die„gebil⸗ dete“ bürgerliche Presse gegen die Sozialdemo⸗ kratie anschlägt. Diese Beispiele ließen sich leicht in's hundertfache vermehren. Was zu Wahlzeiten in der gegnerischen Presse und Flugblättern an wüsten Beschimpfungen der Sozialdemokratie und der Arbeiter geleistet wird, geht in's Unglaubliche. Summa summa⸗ rum kann sich die Bildung der Sozialdemokratie jederzeit vor derjenigen der besseren Kreise in jeder Beziehung sehen lassen. Von welcher Sorte letztere ist, kann man ja auch beispiels⸗ weise an dem Benehmen der akademischen Jugend beobachten. Und war es nicht einer der Edelsten, der mit Bezug auf die Minister erklärte:„die Herren können uns sonst was“? — Das Gießener Amtsblatt, das sich natürlich auch über den sozialdemokratischen Ton entrüstet, darf ebenfalls vor seiner eigenen Türe kehren. — Die„Gleichheit“, das Organ der so⸗ zialdemokratischen Frauen, wird im neuen Jahr inhaltlich bedeutend erweitert und ausgestaltet werden. Der Inhalt soll noch mehr als dies bisher möglich war, speziell den Bedürfnissen der Frauen und der Jugend angepaßt werden. Die„Gleichheit“ erscheint jetzt bereits in einer Auflage von 12000 Exemplaren. Sie wird durch die Neuerungen zweifellos sich noch viele neue Freundinnen erwerben und wir möchten ste den Frauen unseres Leserkreises angelegent⸗ lich zum Abonnement empfehlen. Ueberhaupt müßten sich die Frauen, namentlich in Gießen, bedeutend besser an der Parteibewegung be⸗ teiligen, als dies bisher der Fall ist.— Auch das illustrierte Unterhaltungsblatt„Neue Welt“ erfährt mit dem neuen Jahre weitere Aus⸗ gestaltung. — Die Familientragödie in Maul⸗ bach bei Homberg, von der wir in letzter Nr. kurz Mitteilung machten, hat bisher vier Opfer gefordert. Der Landwirt Reitz hatte am Morgen des 22. Dezember jedenfalls in einem Wahnsinns⸗Anfalle seine Frau, den 17. jährigen Sohn, die 13 jährigen Zwillingstöchter und sich selbst durch Schüsse und Beilhiebe fürchter⸗ lich zugerichtet. Die Frau war sofort tot, Mann und Kinder wurden in die hiesige Klinik gebracht, wo Reitz am Samstag starb, sein Sohn folgte ihm am Sonntag und der Tod des einen Mädchens trat am Dienstag Nach⸗ mittag ein. Bei dem zweiten Mädchen soll trotz der schweren Verletzungen Hoffnung auf Genesung vorhanden sein.— Reitz befand sich in guten Vermögensverhältnissen, man hat auch sonst keine Veränderung in seinem Wesen be⸗ merkt und es bleibt für die grausige Tat also keine andere Erklärung, als die oben gegebene, die auch durch eine am Schädel des Verstor⸗ benen entdeckte krankhafte Veränderung bestätigt worden sein soll. — Die Leiche der Emmy Winkler wurde am Freitag voriger Woche in der Lahn aufgefunden und am zweiten Weihnachtstage beerdigt. Was die Unglückliche, die sich vor mehreren Wochen aus ihrer hiesigen elterlichen Wohnung entfernte, in den Tod getrieben hat, ist nicht bekannt. Aus dem Rreise gießen. — Zur mündlichen Agitationsarbeit müssen die Wintermonate so viel als möglich ausgenutzt werden. Ueberall, wo Versammlungen angebracht sind, wollen unsere Genossen solche veranstalten und, falls sie Redner wünschen, sich dieserhalb mit dem Vorstand des Kreiswahlvereins in Verbindung setzen, bei dem sie auch etwaige Wünsche in Bezug auf das Thema anbringen können. 0. Krofdorf. Mit Einrichtung einer regelmäßigen Fahrverbindung zwischen Gießen und Krofdorf beschäftigte sich eine hier im Lokale des Gastwirts Freund am 21. Dez. stattgefundene Versammlung. Zuerst erörterte man die Vermittelung des Verkehrs durch Automobil⸗Omnibus, doch ergab eine Berechnung dessen Unrentabilität und ebenso kam man sehr bald zu der Ueberzeugung, daß ein derartiges Fahrzeug dem Verkehr kaum genügen dürfte. Die allgemeine Meinung ging schließlich dahin, daß der Sache am besten mit einer elektrischen Bahn gedient sei, deren Schaffung ius Auge gefaßt werden müsse.— Für die Anlage einer solchen dürfte allerdings auch die neu angelegte Straße sich als zu schmal erweisen, es wäre daher un⸗ bedingt notwendig, die Straße dementsprechend herzu⸗ richten. Das geht jetzt, wo die Feldbereinigung noch nicht abgeschlossen ist, sehr leicht, während später nach vollständiger Aufteilung des Landes sich große Schwierig⸗ keiten ergeben dürften.— Schon im Frühjahr stellte der Krofdorfer Gemeinderat einen Antrag auf die Be⸗ seitigung der starken Steigungen oberhalb der Seemühle. Damals versprach auch die Baubehörde, dem Projekt, das allgemein in der Gemeinde Anklang gefunden hatte, näher zu treten und dem Gemeinderat einen Kostenvor⸗ anschlag vorzulegen. Darauf wartet aber der Gemeinde⸗ rat bis heute vergeblich, obwohl das Wegenetz der Ge⸗ meinde Krofdorf festgestellt ist. Will man etwa dann erst dem Gemeinderat die Sache vorlegen, wenn nichts mehr daran zu machen ist? Aus dem Nreise Wetzlar. h. Unfreiwillige Feiertage. Die Sophienhürte ließ eine Anzahl Arbeiter mehrere Tage mit der Arbeit aus setzen. Eine mehrtägige Arbeitspause würde nun wohl den Leuten gewiß nichts schaden, nur sollte das Werk auch den Lohn fortbezahlen, denn die Arbeiter können doch während der Zeit nicht von der Luft leben. Was würden die Herren Direktoren Kaiser und Jantzen sagen, wenn ihnen einige Zeit das Gehalt gesperrt würde? Hier bekommen die Arbeiter wieder das Fehlen einer Organisation recht empfindlich zu spüren, wäre eine solche vorhanden, würden sie sich das Aussetzen nicht bieten lassen, sondern wie das ihr gutes Recht ist, Entschädigung ver⸗ langen. Jetzt erlaubt sich das die Direktion, weil sich viel Bauern und Landarbeiter für billigen Lohn anbieten, im Frühjahr rücken ste aber regelmäßig wieder aus. h. Zum geplanten Bahnhofsumbau berichtet der„Wetzl. Anz.“: In Gemäßheit des Beschlusses der letzten Vollversammlung hat die Handelskammer unterm 19. d. Mts. eine erneute Eingabe in der Angelegenheit des Bahn⸗ hofsumbaues an den Herrn Minister gerichtet. Wie wir von zuverlässiger Seite hören, ist die Bahnhofsfrage im Ministerium jetzt besser in Fluß gekommen, und eine Entscheidung steht in Kürze zu erwarten. 0. Krofdorf. Die Weihnachtsfeier des Gesangvereins„Eintracht“, die am zweiten Feiertag im Lokale Hofmann abgehalten wurde, war außerordentlich stark besucht und nahm den besten Verlauf. Auch von auswärts waren Festteilnehmer erschienen. Die gesunglichen Lei⸗ stungen und besonders die des gemischten Chors, ernteten allgemeinen Beifall. Westerwald und Anterlahn. * Fünfter nass. Wahlkreis. Alle Abonnenten der Mitteldeutschen Sonntags⸗Zeitung werden freundlichst gebeten, ihre Adresse an den Vertrauensmann L. Trott, Haiger, einsenden zu wollen. t. Von der Fleischbeschau. Kürzlich verbrei⸗ teten einige Blätter des Dillkreises die Mär, daß der Beschauzwang infolge der Verhandlungen der Wiesbadener Landwirtschaftskammer aufgehoben werden sollte. Das ist natürlich ganz unzutreffend. Im Gegenteil hat der Minister die Durchführung der Fleischbeschau in Nassau als mustergültig für ganz Preußen erklärt. Wir haben in Nassau keine obligatorische Trichinenschau, dafür aber die niedrigste Beschaugebühr. Wie wir hören, sollen einzelne Mißstände beseitigt werden; eine kleine Ermäßi⸗ gung der Beschaugebühren, Wegfall der Kilometergelder, Vermehrung der Beschaubezirke soll eintreten. Jedenfalls ist es im Interesse unserer Bauern zu begrüßen, wenn die Sache vereinfacht wird und die Fleischbeschau nicht bloß als eine melkende Kuh für eine Beamtenklique er⸗ scheint. f Von der Direktion der Grube„Constanze“ in Langenaubach bei Haiger erhalten wir zur Er widerung auf die Korrespondenz in voriger Nummer „G Langenaubach“ folgende Zuschrift: „Nach§ 11 der betreffenden Arbeits⸗Ordnung für den Kalksteinbruchbetrieb dauert die tägliche wirkliche Arbeitszeit nicht 13 Stunden, sondern nur 11 Stunden. Die mit Brechen der Steine beschäftigten Personen werden aber laut Bekanntmacheng des Beschlusses vom Bundesrat vom 20. März 1902 nur 10 Stunden täg⸗ lich beschäftigt. Fleißige Arbeiter haben in früheren Jahren in den Sommermonaten aus freien Stücken 1 bis 2 Stunden länger gearbeitet, teilweise aus dem Grunde, weil bei Regenwetter nicht gearbeitet wird. e e 2 n ene — E... A e — FF 55 . 2 Nr.* 1. Mitter deutsche Sountaas⸗Keitung. eie 5. Die Steinbrucharbeiter haben bei mir die denkbar größte Freiheit. sie werden weder verlesen, noch wird es mit Beendigung der Schicht genau genommen. Man kommt und geht ganz nach Belieben und ist von einer 13½⸗ stündigen Arbeitszeit, wie solches aber massenhaft in großstädtischen sozialdemokratischen Betrieben üblich ist, (Wo L d. Red. d. M. S. ⸗Z.) gar keine Rede. In den letzten Monaten wurde die Arbeit nicht vor 8 Uhr auf⸗ genommen, dann erfolgt um 10 Uhr eine fast einstündige, um 12 Uhr eine fast zweistündige und um 3½ Uhr wieder eine fast einstündige Pause. Um 6 Uhr Abend ist an den meisten Tagen der Betrieb schon eingestellt. Es handelt sich also im ganzen nur um eine wirkliche tägliche Arbeitszeit von 6—8 Stunden. In den letzten 3 Monaten haben die Steinbruch⸗ arbeiter im Durchschnitt 34 Pfg. pro Stunde netto verdient. Ebenso beträgt der Durchschnittslohn für die Bergleute nach Ausweis der Lohnlisten und den Quittungen der Arbeiter nicht 1,60 Mk. pro Schicht, sondern im Durch schnitt der letzten 3 Monate 44 Pfg. pro Stunde; der Durchschnittsjahresverdienst in 1904 betrug sogar 47 Pfg. pro Stunde. Tüchtigen fleißigen Arbeitern ist Gelegenheit geboten, bei pünkt icher Ein⸗ haltung der vorgeschriebenen Schicht äglich 3,50—5 Mk. zu verdienen. Sprengstoffe ꝛe werden von diesen Löhnen nicht mehr in Abzug gebracht. Die Arbeiter Ordnungen sind von den in Frage kommenden Behörden genehmigt. Die Lage des Aborts und die Art der Schutzbude entspricht den gesetzlichen Vorschriften. Es sind 9 große Benzinlampen vorhanden, die beim Einladen während der Duukelheit benutzt werden sollen. Strafen sind seit 1900 bis Anfang Dezember 1904 23,5 0 Mk. eingezogen worden, die an im Dienst Verletzte zum Teil abgeführt sind. Bei der Festsetzung von Strafen wird, obgleich öfters Ver⸗ anlassung vorliegt, sehr human verfahren. Die beregte Strase von 2 Mk, wurde 3 Leuten zudiktiert, weil die⸗ selben sich während der Arbeitszeit total betrunken hatten, auf dem Werksterrain laut sangen und sich unanständig betrugen. Der Abzug von 5 Mk. erfolgte aus dem Grunde, weil die Leute leichtsinnig und mutwillig zwei Mulden wagen zerstörten, welche einen Wert von 240 Mk. repräsentierten. Die Gewerbe Orduung ist mir wohl bekannt. Da⸗ gegen zeugen die unwahren Behauptungen des Blattes, wie wenig die Redaktion mit den hier in Frage kom⸗ menden Gesetzen vertraut ist. Im Uebrigen kann ich behaupten, mit mir auch die wahrheitsliebende Arbeiter- schaft, daß in meinem Betrieb eine humane und gerechte Behandlung jedem Arbeiter zu Teil wird. Die Leute, die solche unwahre Behauptungen kolportieren, sind meistens Säufer, die von ihrem verdienten Gelb 80— 90% vertrinken, ihrer Familie zum Unterhalt nicht das Notwendigste lassen und dann überall ausposaunen, sie hätten nichts verdient. Vahlensieck.“ Der Herr Direktor hat die Freundlichkeit, seiner Einsendung gleich eine„redaktionelle“ Bemerkung hinzu⸗ zufügen, in der wir zerknirscht erklären sollen, daß wir falsch unterrichtet worden wären. So schnell geht das aber nicht. Wir halten es jederzeit für unsere Pflicht, Mitteilungen, die sich als unrichtig erweisen, zu berich⸗ tigen und wir tun das auch ohne besondere Aufforderung. Erst müssen wir aber von der Unrichtigkeit unserer An⸗ gaben überzeugt sein und das sind wir duch obiges Schreiben noch lange nicht, wenn auch der Herr erklärt, für seine Behauptungen den Beweis erbringen zu können. Das genügt umsoweniger, als Herr Vahlensieck oben die gänzlich unwahre und äußerst leichtfertige Behauptung aufstellt, daß 13 stündige Arbeitszeit„in großstädtischen sozialdemokratischen Betrieben mussenhaft üblich sei“. Er würde in arge Verlegenheit geraten, wenn wir ihn auffordern wollten, auch einen einzigen solcher „sozialdemokratischen Betriebe“ zu nennen. Sehr nett und sehr„human“ mutet auch das Verfahren der Herrn Direktors an, einen Teil seiner Arbeiter als Säufer hinzustellen, eine Gepflogenheit allerdings, die man öfter bei gewissen Fabrikpaschas antrifft.— Wir werden selbst⸗ verständlich in der nächsten Nummer erst unserm Ge⸗ währsmann das Wort zu der Sache geben und dabei Gelegenheit nehmen auf neue Beschwerden, die unterdes eingelaufen sind, zurückzukommen. Schließlich läßt der Ton, den sich der Herr in seinem Schreiben erlaubt, die „humane“ Behandlung seiner Arbeiter ungefähr ahnen. Aus dem Rreise Marburg-RNirchhaim. 1. Die Errichtung eines Volksbades war in letzter Zeit in Marburg mehrfach Gegenstand der öffentlichen Erörterung. Bei der letzten Stadtverordneten⸗ wahl haben zuerst die Arbeiterkandidaten eine solche Einrichtung gefordert und vielleicht dadurch angeregt, hielt Herr Prof.ssor Bonhof im nationalliberalen Verein einen Vortrag über Volksbäder. Daraufhin be⸗ schäftigte sich auch die Ortskrankenkasse mit der Volksbadfrage. Da von seiten der Stadt kein öffent⸗ liches Gebäude zur Errichtung eines Volksbades herge⸗ geben wird, mußten Unterhandlungen mit dem Besitzer der einzigen Badeanstalt am Orte geführt werden. Anfangs schien es, als ob auch diese Unterhandlungen fehlschlagen würden. Schließlich wurde jedoch ein Ueber⸗ einkommen dahin getroffen, daß die Stadt das Wasser für Volksbäder umsonst gibt. Gestützt darauf hat sich der Badeanstaltsbesitzer bereit erklärt, den Mitgliedern der Ortskrankenkasse ein Wannenbad für 30 Pfg. und ein Brausebad für 15 Pfg. zu liefern. Um den Mit⸗ gliedern nun ein Bad so billig wie möglich zu liefern, hat der Vorstand der Ortskrankenkasse beschlossen, für jedes Bad 15 Pfg. beizusteuern. Infolgedessen braucht ein Mitglied der Ortskrankenkasse für ein Wannenbad nur fünfzehn Pfennige und für ein Brausebad garnichts zu geben. Von diesem Vorteil wollen die Mitglieder nun regen Gebrauch machen.— Der Bade⸗ vertrag tritt mit dem 1. Januar 1905 in Kraft. Bade⸗ karten sind im Bureau der Ortskrankenkasse abzunehmen. r. Zu der Weihnachtsfeker des Arbeiter⸗Gesangvereins„Eintracht“ am ersten Feiertage hatte sich eine große Anzahl Teilnehmer eingefunden, so daß das Jesberg'sche Lokal bis zum letzten Platz besetzt war. Die Darbietungen, bestehend in Konzert und Gesangs⸗ vorträgen, sowie einem Einakter:„Der große und kleine Soldat“ wurden sehr beifällig auf⸗ genommen. Zum Schluß wurde noch ein Tänzchen arrangiert, das die Teilnehmer fast bis zum Morgen beisammen hielt. Vor dem Gefängnis bewahrt. Der Ratsassessor Ackermann in Dresden, Sohn des berühmten Hofrats mit der weißen Weste und ehemaligen Präsidenten der sächs. Zweiten Kammer, ist in eine Irrenanstalt überführt worden. Die Ordnungsstütze hatte sich bekanntlich gegen den§ 175 des Strafgesetz⸗ 1— vergangen und war deswegen verhaftet worden. Mordtat eines Vizefeldwebels. Am Weihnachtsabende suchte der Vizefeld⸗ webel Bernhardt vom Jufanterieregiment Nr. 19 in Görlitz seine frühere Geliebte, die jetzt ver⸗ ehelichte Frau Böttcher in Mühlheim a. Rh. auf, wo sich dieselbe bei ihren Großeltern auf⸗ hielt. Er begleitete dieselbe und führte sie nach einer einsamen Stelle in der Mühlheimer Haide, wo er sie ermordete. Nach der Tat hatte der Mörder noch die Kühnheit, den Ehe⸗ gatten der Ermordeten in Köln aufzusuchen und sich von diesem an die Bahn begleiten zu lassen. Er wurde noch nicht ergriffen. Der Mordprozeß Berger in Berlin endete nach zehntägiger Verhand⸗ lung mit der Verurteilung des angeklagten Zuhälters Berger zu 15 Jahren Zuchthaus. Die Geschworenen sprachen ihn des Sittlichkeits⸗ verbrechens und des Totschlags begangen an der 11 jährigen Lucie Berlin schuldig. Berger hat bis zuletzt jede Schuld betraulich bestritten. Sozialdemokrat. Parteitag für Preußen. In Berlin trat am Mittwoch der sozial⸗ demokratische Preußentag im Gewerkschafts⸗ hause zusammen. Anwesend sind, wie die Man⸗ datsprüfung ergab, 148 Delegierte. Singer begrüßte den Parteitag im Namen des Partei⸗ vorstandes, Zubeil im Namen der Berliner Genossen. Als Vorsitzende werden Singer und Schütz⸗Breslau bestimmt. Verschiedene Anträge zur Tagesordnung werden abgelehnt, es bleibt somit bei den vom Parteivorstand vorgesehenen Punkten: 1. Der preußische Schulgesetz⸗ Entwurf, 2. das Wohnungsgesetz, 3. das Kontraktbruch⸗ gesetz, 4. das preußische Landtagswahlrecht. Zur Wohnungsfrage referiert Stadtv. Hei⸗ man n-Berlin, der nach einer eingehenden Kri⸗ tik der heutigen Wohnungsverhältnisse und der von bürgerlicher Seite vorgeschlagenen Reformen eine längere Resolution vorschlägt, welche zur Beseitigung der Mißstände auf dem Gebiete des Wohnungswesens: Loslösung des Grund und Bodens von allen kapitalistischen Inte⸗ ressen für notwendig erklärt und im weiteren u. a. fordert: Erlaß eines umfassenden Reichs⸗ wohnungsgesetzes, Schaffung eines Reichswoh⸗ nungsamtes, Einführung des allgemeinen glei⸗ chen und geheimen Gemeindewahlrechts. Völlige Selbstverwaltung der Gemeinden. Nach kurzer Diskufston, an der sich u. a. Frau Dr. Weyl⸗ Berlin, Voigtherr⸗-Stettin, Dr. Quark-Frauk⸗ furt beteiligen, wird die Resolution einstimmig angenommen. Darauf hält Dr. Arons⸗ Berlin ein vorzügliches Referat über die Schul⸗ frage. Die von ihm vorgeschlagene Resolution fordert: Trennung der Schule von der Kirche, Ausscheidung jedes religiösen Unterrichts aus dem Lehrstoff der Schule, Eiunheitsschule, Un⸗ entgeltlichkeit des Unterrichts und der Lehr⸗ mittel, Ernährung und Bekleidung aller hilfs⸗ bedürftigen Schüler.— Eine ausgiebige und interessante Diskussion schloß sich an das Re⸗ ferat. Auf die Verhandlungen kommen wir in nächster Nummer ausführlicher zurück. Als Delegierter für den 3., 4. und 5. nassau⸗ ischen und die Wahlkreise Wetzlar und Mar⸗ burg nimmt der Genosse Habicht-Frankfurt an dem Parteitag teil. Kleine Mitteilungen. e Erfroren. In der Nähe von Nidda wurde am Dienstag ein als Trinker bekannter Mann erfroren aufgefunden. * Bei einem Großfeuer in Mainz ver⸗ brannte der 6 jährige Sohn des Fuhrmann Eschen⸗ felder. Der Stiefsohn der Besitzerin des Hauses und ein von ihr entlassener Dienstkuecht wurden unter dem Verdacht der Brandstiftung verhaftet. * Plötzlicher Tod. In Dillenburg fand man am vorigen Freitag früh den Geschäftsführer der Oranienbrauerei, Stöver, tot in seinem Bette auf. Er war offenbar einem Schlaganfall erlegen. „ Grausiger Tod bei der Arbeit. Auf dem„Bochumer Verein“ stürzten am zweiten Feiertage zwei Arbeiter in eine Gießgrube und ver⸗ brannten in der glühenden Masse vollständig. „ Verhafteter Pfarrer. Der wegen Verun⸗ treuung ꝛc. flüchtige und steckbriefllich verfolgte kathol. Pfarrer Küble aus Illereichen i. B. wurde in Zürich verhaftet. * Geistlicher Durchbrenner. Der katholische Pfarrer Goldbach in Hauswurz bei Fulda brannt: am 28. Dez. nach Unterschlagung von 23 000 Mk. Kirchengeldern mit seiner Haushälterin durch. Beide wurden an den Feiertagen in einem Hotel in Frankfurt gesehen und sollen dann nach der Schweiz gereist sein. Ueber den„Fall“ dieses Pfaffen herrscht unter den Frommen seines bisherigen Wirkungskreises große Auf⸗ regung, denn der fromme Herr kounte stets so brav auf die gottlosen Sozialdemotraten schimpfen * Henkerarbeit. In Arnsberg wurde am 23. Dez. der Bäckergeselle Franz Hesse aus Weiden au a. Sieg, der dort am 5. Mat an einem 11 jährigen Mädchen aus Weidenau einen Lust mord verübte, hin⸗ gerichtet. Partei-Uachrichten. Das Parteibureau befindet sich vom 1. Januar ab in Berlin, S. W. 68, Lindenstraße 69. Dorthin sind alle Postsendungen zu richten und zwar Briefe, Drucksachen ꝛc. an J. Auer; Geldsendungen an A. Gerisch. Neues Parteiblatt in Saarabien. Von Neujahr ab erscheint unter dem Titel„Die Saar⸗ wacht“ ein neues Parteiblatt für das Saar⸗Revier. Es erscheint als Kopfblatt der„Frankfurter Volksstimme“ und die Probenummer gelangte in einer Auflage von 20000 Exemplaren zur Ausgabe. Hoffentlich bekommt unsere Bewegung im Saarrevier dadurch wieder neuen Impuls und Rückhalt; in jenem Bezirke mit hundert⸗ tausenden Arbeitern und dem rücksichtslosesten Ausbeuter⸗ tum war ein sozialdemokratisches Blatt schon längst vonnöten. Versammlungskalender. Dienstag, den 3. Januar. Gießen. Gewerkschaftskartell. Abends 9 Uhr Sitzung bei Orbig. Samstag, den 7. Januar, Staufenberg. Voltsverein. Übends 8 ¼ Uhr General⸗Versammlung im Vereinslokal. Tages⸗ ordnung: 1. Vorstendswahl. 2. Kassenbericht. 3. Kreisfest 1905. 4. Verschiedenes. Lauterbach. Sozialdemokrat. Wahlverein. Abends 8 ¼ Uhr Versammlung im Vereinslokal. Briefkasten. H.⸗Schtitn. Besten Dank! Erwidern aufs herzlichste die Neujehrs⸗Wünsche. Unsere Kreuzband Abonnenten wollen etwa rückständige Abonnementsbeiträge baldigst einsenden. Exped. ale Seite 6. hPPhhPhTPhTrTTTTfTPrTTTTTTTTTTTTrPTTcrTTTTTfTTTTTTTTTTCTTcThc'᷑k„fk——W—7W. Mitteldentsche Sonutags⸗Zeitung. Nr. 1. Hofbaurat und Sozialdemokrat. Aus Anlaß der Wiederkehr seines hundert⸗ sten Geburtstages am 22. Dezember gedachte unsere Parteipresse des„alten Demmler“, der lurze Zeit sozial demokratischer Reichstags⸗ abgeordneter für den Leipziger Landkreis war. Der Name Demmlers ist in der Arbeiterschaft lebendig, trotzdem er schon seit 18 Jahren nicht mehr unter den Lebenden weilt. Das macht: er hat sich in den Herzen des klassenbewußten Proletariats ein Denkmal gesetzt, das unver⸗ änglich ist. Demmlers Jugend war auch die Jugend des deutschen Liberalismus, der in seiner kraftvollen Begeisterungsfähigkeit damals die besten Söhne des Bürgertums mit sich riß. Er war ein Mecklenburger. Als Sechzehn⸗ jähriger ging er nach Berlin, um dort die Bauakademie zu besuchen. Nach Beendigung seiner Studien trat er in den Staatsdienst seines Heimatlandes, wo er 1837 zum Hof⸗ baumeister, vier Jahre später zum Hofbaurat ernannt wurde. Als solcher war er der Schöpfer des herrlichen Schweriner Residenz⸗ Schlosses. Später baute er auch noch das Hoftheater, das Zeughaus und den Marstall. Interessant ist, wie er bei diesen Bauten ver⸗ fuhr, um den Arbeitern einen möglichst guten Verdienst zu gewähren. Genosse Auer schilderte das in dem Nekrologe, den er dem heimgegangenen Demmler schrieb, folgendermaßen:„Um den auf seinen Bauten beschäftigten Arbeitern einen möglichst hohen Lohn zu verschaffen, vergab er die Arbeiten direkt an ste, wodurch er sich freilich die Todfeindschaft aller zünftigen Maurer⸗ und Zimmermeister zuzog, für die bei der Demmler⸗ schen Praxis der Geselle aufhörte, ein Aus⸗ beutungsobjekt zu sein. Demmler war auch ein grundsätzlicher Gegner der Alkordarbeit, von der er behauptete, sie führe zur Pfuscherei. Alle die herrlichen, von Demmler entworfenen und ausgeführten Bauten, auf die Schwerin und Mecklenburg mit Recht stolz sind, sie sind im Tagelohn ausgeführt. Dafür sind diese Mauern aber auch geeignet, der Ewigkeit zu trotzen, und als das großherzogliche Theater 1882 ein Raub der Flammen wurde, da legten die trotz der entstandenen furchtbaren Risse stolz zum Himmel ragenden turmhohen Mauern lautes Zeugnis ab für die Trefflichkeit und Solidität der Demmlerschen Bau⸗ und Arbeitsmethode.“ Als bei dem Brande jemand die Befürchtung äußerte, daß die Mauern fallen würden, antwortete Demmler mit überlegenem Lächeln:„Solche Mauern stürzen nicht ein!“ Infolge seiner politischen Tätigkeit— er war von der Schwe⸗ riner Bürgerschaft in den Bürgerausschuß ge⸗ wählt und entfaltete hier in den Tagen der Kontrerevolution eine große Rührigkeit und Energie— wurde er 1851 ohne Pension aus dem Staatsdienst entlassen. Mit seiner Gattin durchwanderte er dann mehrere Jahre fremde Länder. Als er 1857 heimkehrte, wurde er sofort wieder in den Bürgerausschuß gewählt, wo er bald wieder mit den Staatsbehörden in Konflikt geriet. Als nach dem französischen Kriege die deutsche Arbeiterpartei immer mächtiger emporstrebte, trat er bald in innige Beziehungen zu ihr, so daß er sich schon 1874 in zwei Wahlkreisen als sozialdemokratischer Kandidat um ein Reichstagsmandat bewerben konnte. Im Jahre 1877 entsandte ihn der 13. sächsische Wahlkreis in den Reichstag. In der Folge hat er für seine Ueberzeugung und für die Partei große Opfer gebracht. Die Arbeiter haben es ihm gedankt. Als er am 6. Januar 1886 zur letzten Ruhe bestattet wurde, hatte er ein Ge⸗ folge, wie es Schwerin noch nie gesehen hatte, und noch heute steht der Name des„alten Demmler“ in aller Gedächtnis, die in der Arbeiterbewegung für die Ideale kämpfen, welche die einstigen Parteigenossen Demmlers, die„Liberalen“, längst über Bord geworfen haben. 7 Bemüht Parteifreunde! cc e nach besten Kräften für die immer weitere Verbreitung Eueres Blattes, der Mitteldeuts chen Sonntags⸗Zeitung! 5 5 U * N N a b Unterhaltungs-Cxil. 1 Selbstbefreiung. Von denen wird dich keiner retten, Bon jenen bleichen, glatten Herrn, Die dir von Freiheit und von Ketten Heut' reden, weil es just modern. Kein einzelner wird dich erlösen, Wird dich aus Swang und Vot befrein. Bald schlägt die Stunde allem Bösen. Du selbst wirst dein Messias sein Auch nicht auf jene darfst du hören, Die dich mit hohler Litanei Betümpeln wollen und betören! Volk, mach' von dieser Brut dich frei! Du kennst den Weg, den du wirst wandeln, Bu kennst die Siele, die allein Die Kraft dir geben, kühn zu handeln. Du selbst wirst dein Messias sein. Laß rechts und links es um dich wanken; Dein Weg geht vorwärts durch die Nacht, Du stolzer Kämpfer der Gedanken, Der Feind von List und Niedertracht! Fern graut der Tag... und eine Röte Wächst groß in deine Nacht hinein.— Bald naht das Ende aller Nöte.— Du selbst wirst dein Messias sein., (Aus„Fackeln der Zeit“, Gedichte von Ludwig Lessen, mit Buchschmuck von Agnes Rosenhain. Kürzlich im Vorwärts⸗Verlag in Berlin erschienen. Wir empfehlen unsern Genossen die kleine Gedicht⸗ sammlung zur Anschaffung. Ein großer Teil der Gedichte eignet sich vorzüglich zu Deklamationen bei Vereinsfestlichkeiten ꝛe. Preis 50 Pfg.) Dyllen aus einem Gehirgsdorfe. Frei nach dem Leben von Ludwig Schierk. (Fortsetzung.) Es war„Verdienst“ in das Dorf gekommen. Hausierer suchten die kaufkräftig gewordene Gegend heim; die Zahl der Wirtshäuser mußte durch einen Machtspruch des Grafen, dem die Hirsche im Walde gehörten, beschränkt werden. Dieser Graf kannte in seiner Wohltätigkeit endlich keine Grenzen mehr. Nach Jahresfrist erhob sich ein stattliches„Gasthaus,“ auf dessen Schilde eine Grafenkrone, über dem Haupte eines Hüttenmannes schwebend, prangte. Der gräfliche Pächter, der den Schank verwaltete, gab den weitesten Kredit und ersparte unsern guten Hüttenleuten das lästige Geschäft des Zahlens, indem er seine Forderungen an der Kasse des Werkes eintreiben ließ. Die Grafenkrone prangte auch bald auf dem Schilde eines Viktualienladens, der die Schätze barg, die der gute Hüttenmann bedurfte, um seines Leibes und seiner Familie Notdurft zu stillen. Diese Grafenkrone schwebte wie der Engel der Vorsehung über dem Dorfe. Wenn unsere guten Hüttenleute in die Kirche gingen, meinten sie, die Krone über ihrem Haupte zu sehen. Aber sie sahen an der Decke der Kirche ein gemaltes Auge schweben, das Auge Gottes, das eine Flut von geraden Linien umgab, die der Künstler gezogen hatte, um einen Strahlen⸗ kranz herzustellen. Die guten Leute konnten dann kaum begreifen, was dies Auge wollte über ihnen, die doch in mächtigerem Schutze standen. 5 Bald hatte das Dorf zwei Fleischhauer. Die Lohn weber waren an dieser Tatsache gewiß unschuldig; aber der Industrie⸗Engel brachte ein Heer von Beamten, die den Segen, der von der Grafenkrone ausging, mit ihren Händen auffingen und über die armen Dorfleute aus⸗ streuten. Da gab es Hüttenmeister aus Schwaben, Forstmeister aus dem Elsaß, Werkmeister aus Belgien, Adjunkten aus Böhmen. Wie die Dorfjungen, welche die Eskimo⸗ hütten bauten, große Augen machten, als ste all' diese Herrlichkeit sahen! Denn all' die feinen Leute hatten einen Gehalt, eine freie Wohnung, Holz aus dem Walde; die Direktoren gar Wagen und Pferde! Es war eine Herrlichkeit, die den Glanz der Grafenkrone fast völlig verdunkelte. Und der Graf, dem die Hirsche im Walde gehörten, mochte dies selbst fühlen; denn er überwies das viertürmige Schloß seinen Beamten und zog nach der Hauptstadt. Aber zu Zeiten kam er doch wieder mit vielen Gästen in die einsame Gegend. Dann zogen die Beamten auf acht Tage die Hochmuts⸗ fäden ein; die Direktoren gingen zu Fuß wie die Hüttenleute. In solchen Tagen gab es auch Feste und Jagden; Fürsten und Prinzen fuhren in schönen Korbwägen durch das Dorf. Ein goldenes Zeitalter war angebrochen. VII. Am Dorfbache, genau an der Stelle, wo sich der Müller ertränkt hatte, stand ein Häus⸗ chen. Es lag etwas höher als die übrigen, und sein Schornstein war der erste von den zweien, die ein wenig über den Straßendamm hinausragten. Er hatte die Worte vernommen, die der braune Vollbart im Vorbeifahren ge⸗ sprochen. Das Häuschen war so klein, daß es nur eine Stube mit zwei Fenstern faßte. Aber in den reinen Glasscheibchen dieser Fenster, in den zarten Stüfchen, die vom Dorfwege hinauf⸗ führten, lag eine unverkennbare Zierlichkeit. So zierlich war auch das Täfelchen, das die Zahl 66, die Nummer des Gebäudes, trug. Die beiden Ziffern waren von auffällig genauer Rundung, und das Pünktchen an ihrer rechten Seite war so wohl gestaltet, daß man leicht merkte, der Zeichner habe auch ihm seine ganze Sorgfalt zugewendet. In einem der Fenster stand ein feines Gestellchen, das etliche, reich blühende Blumen⸗ töpfchen trug; am andern hing ein hölzerner Bauer, in dem ein wohlgemästeter Gimpel auf und nieder hüpfte. Der Eigentümer des Häuschens war nicht minder zierlich als sein Besitztümchen. Es war der Meister, dem das Loch in der Brücke seinen Ursprung verdankte; der Barde, der in der Judenscheuke die hübsche Dirne angesungen; der Kobold, der unsern Hammerklipp so grau⸗ sam getauft hatte. Das ganze Dorf kannte ihn, foppte ihn, brauchte ihn. f Er war der Kopf, der für Alle dachte; er war das Auge, das für Alle wachte; er war der Mund, der für Alle lachte; er war die Hand, die Alles machte. Keine Uhr schlug im Dorfe, der er nicht den Kopf zurecht gesetzt; kein Schloß schnappte an den Haustüren, dem er nicht Vernunft bei⸗ gebracht. Sein Hauptgeschäft drückte ihn wenig und machte ihm keine Freude. Er hatte die Nadel gewählt, weil ihm keine andere Wahl blieb. In diesem Augenblicke saß der Meister auf seinem Stühlchen am Fenster, wo der Gimpel hing. Auf einem Brette, das er auf den Knien hielt, lagen bemalte Bilderbögen, mit denen er sich zu schaffen machte. Da gab es Engel und Türken, Hirten und Könige, Wanderer mit Brotsack und Stecken. Mitten in diesem Völker⸗ gewühle schlummerte friedlich zwischen Ochs⸗ und Eselskopf das Christkind in seiner Krippe. Denn in wenigen Tagen war Weihnachten. Draußen lag der Schnee, und harter Frost fesselte den Dorfbach. Aber in dem Stübchen war der Frühling. Die Blumentöpfchen am Fenster, des Meisters Stolz und Augenweide, triumphierten über die Oede da draußen mit blitzender Blütenpracht. Um diese Zeit wurde der Meister alljährlich ein Maler. Von seiner klugen Hand stammten die Bilderbogen, die in keinem Hause fehlten. Sie flatterten selbst in das Städtchen, wo der Landesfürst das Gericht unterhielt. 5 Eben schuf der Meister einen Türken. Während er an den Windungen des Turbans malte, pfiff er. Nach kurzer Weile setzte der Gimpel in die Melodie ein, und es gab ein treffliches Duett. Der Vogel flötete äußerst gefühlvoll; er blähte sein rotes Bäuchlein und 228 F CCC 2 2— D r CCC — 14 0 1 Nr. 1.. ö Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 7. Ftehte in unbeschreiblscher Jeberde den dicken f. Genau so wie sein Herr und Meister, 8 er in der Judenschänke die hübsche Dirne angesungen. Man sah hier das merkwürdigste Paar der Welt; der Meister, der an den Windungen des Turbans malte; der Gimpel, der mit der Geste des Verliebten sein Liedchen pfiff. Die Idylle wurde durch ein Geräusch unter⸗ brochen. Es war ein starker, munterer Männer⸗ 7 der sich vernehmen ließ. Der Meister ließ sich nicht stbren; er kannte den Schritt; denn manchen Tag hatte er ihn, um diese Stunde just, gehört. or dem Türlein stapften sich zwei Füße den Schnee von den Sohlen; Hann klang das Schloß. f Hammerklipp trat ein. Er trug seinen blauen Hüttenkittel und behielt die geschwärzte Mütze auf dem Kopfe. Ohne ein Wort zu sprechen, setzte er sich dem Maler gegenüber. Eben war der Turban fertig, und der Bart des Türken kam an die Reihe. Der Gimpel ließ das Pfeifen. Mit einem Auge schielte er auf den stummen Gast. Der Mann, der da auf dem Stuhle saß, war offenbar in Sorge. „Schneider!“ rief er plötzlich,„gestern Abend ist der Jüdlach gestorben.“ Dem Meister fiel das Blatt aus der Hand. „Die Gäste drückten ihn nicht sehr in der letzten Zeit,“ fuhr Klipp fort.„Seit der Graf den„Hüttenmann“ bauen ließ mit der schönen Krone über dem Kopfe, mochte keiner mehr seinen Branntwein leiden. Ich war gewöhnlich allein mit dem Mädel. Wie ich hinkam, gestern in der Dämmerung, lag er auf der Ofenbank. Die Stube krachte vor Kälte, aber er ließ das Mädel kein Feuer machen. Als ich bei ihm stand, nannte er mich Elohim. Da wußte ich, daß es mit ihm zu Ende gehe. Denn die alten Juden sprechen immer das sonderbare Wort, wenn sie sterben wollen. Ich faßte an, um die Bank vom Ofentürchen bea zu rücken. Aber da wurde er wieder lebendig; er schrie und zeterte, bis ich ihn stehen ließ. Ich hängte dem Mädel meinen Rock um und ging in der Stube hin und her. Manchmal fing der Alte zu reden an. Er sprach auch von dem Kruge, den Du ihm noch schuldig bist. Es war sehr finster in der Stube. Nach einer Weile begann er zu röcheln. Das Mädel kniete nieder und weinte. Dann nahm das gute Ding ein Kreuz lein vom Halse, das ich ihr einmal gekauft habe, und hielt es ihm vor das Gesicht. Aber der Jüdlach sah es nicht mehr.“ „Und das war gut,“ fuhr jetzt der Meister auf, dem die Tränen über die Wänglein liefen. „Das Mädel ist wirklich noch recht unverständig.“ „Ich sagte ihr das auch,“ bemerkte Klipp. „Wir rückten die Bank weg, und ich bückte mich, um Feuer zu machen. Da lag ein Packet im Ofen. Es war das Geld des Jüblach, das er bis zum Tode behütet hatte. Es fehlte nicht viel, so wäre der Schatz durch den Kamin gefahren. Ich hab's nicht gezählt, aber es kam mir schwer vor. Ich trug's zu unserem Hütten⸗ meister, der's mit dem gräflichen Siegel einschloß.“ Der Meister, der bei diesem Teile des Be⸗ richtes etwas bänglich gehorcht hatte, machte eine plötzliche Bewegung und fuhr mit der Hand, die den Pinsel führte, dem halbfertigen Türken über das Gesicht. Der arme Musel⸗ mann verlor Turban und Bart in einem ein⸗ zigen Augenblick. 5 „Klipp!“ rief das Schneiderlein in jenem rätselhaften Tone, der aus Lachen und Weinen zusammengesetzt ist,„ich habe den Türken ver⸗ dorben; aber jetzt male ich auf den Bilderbogen einen Hüttenmann; einen Hüttenmann in Kittel und Pantoffeln, und statt der Grafenkrone kommt ein Heiligenschein über seinen Kopf!“ Aber Klipp schien von dieser Verherrlichung seines Standes nicht sehr erbaut zu sein. Mit sichtlicher Befangenheit erhob er sich und trat ans Fenster, um eine Röte zu verbergen, die er in seinem Gesichte aufsteigen fühlte. (Fortsetzung folgt.) Die Bekämpfung des Gebärmutter⸗ krebses. Ein Merkblatt aus der„Gleichheit“, Organ der sozialdemokratischen Frauen. Von Dr Kurt Freudenberg und Dr. J. Zadek⸗ Berlin. Alljährlich sterben im Deutschen Reiche 10000 bis 15000 Frauen am Gebärmutterkrebs, und diese Zahl steigt anscheinend noch beständig an; die meisten könnten gerettet werden, wenn die erkrankten Frauen rechtzeitig ärztliche Hilfe aufsuchten und diejenige Behandlung ein⸗ geleitet würde, welche ven der modernen Frauenheilkunde verlangt wird. Der Leiter der Königsberger Frauen⸗ klinik, Professor Winter), hat das Verdienst, in ebenso nachdrücklicher wie geschickter Weise den Kampf gegen den mörderischen Feind eröffnet zu haben, indem er sich mit belehrenden Flugblättern an sämtliche Aerzte und Hebammen der Provinz Preußen und durch auf⸗ klärende Artilel in der Tagespresse der Provinz an die Frauen selbst wandte. Das energische Vorgehen des menschenfreundlichen Arztes verdient alle Anerkennung und Förderung auch seitens der Arbeiterpresse, und ins⸗ besondere die„Gleichheit“ als das für Arbeiterinnen geschriebene und von Arbeiterinnen gelesene Organ ist berufen, für weiteste Verbreitung der Veröffentlichung Winters, für möglichste Aufklärung über Entstehung und Bekämpfung dieses schrecklichen Frauenleidens in ihrem Leserkreis zu sorgen. Die Heilkunde kennt zurzeit nur ein radikales Heil⸗ mittel für den Krebs, die frühzeitige Operation, ein innerliches Mittel gegen das tötliche Leiden besitzen wir bis jetzt nicht. Es kommt alles darauf an, mög⸗ lichst frühzeitig den Krebs zu erkennen und zu entfernen. Ist der Krebs festgestellt, so ist keine Zeit zu ver⸗ lieren, es muß sofort operiert werden. Die Aussicht auf dauernde Heilung wird mit jeder Woche, die gezögert wird, schlechter; sind erst die Nachbarorgane eckrankt, so ist die Operation überhaupt nicht mehr vorzunehmen und die Kranke verloren. Leider wird dieser günstige Termin für die Heilung des Gebärmutterkrebses in den meisten Fällen versäumt und die Zahl der Dauerheilungen ist darum eine so geringe: 90 Prozent der erkrantten Frauen kommen so spät zum Operateur, daß eine Hilfe nicht mehr möglich ist, und zwar sind es in der weitaus größten Zahl der Fälle die„Sünden der Frauen selbst gegen ihren eigenen Körper“(Winter), welche die Verschleppung verschulden. Die Frauen holen ärztlichen Rat zu spät ein oder befolgen den Rat zur Operation gar nicht oder nicht rechtzeitig genug. Von 1061 von Winter zusammen⸗ gestellten Fällen von Gebärmutterkrebs in Deutschland säumten 927, also 87 Prozent, zu lange, von einem Monat bis zu über einem Jahre nach dem Auftreten der ersten Symptome des Leidens, bevor sie ärztlichen Rat einholten. Neben Unkenntnis und Gleich⸗ gültigkeit für alles, was am eigenen Körper vor sich geht, sind es das Schamgefühl vor dem männlichen Arzte, die Furcht vor der Untersuchung und der Mangel an Zeit und Geld für die Konsultation, welche diese schwere Unterlassungssünde verschulden. Es ist darum kein Wunder, daß die Städterin und insbe⸗ sondere die wohlhabende Dame nach den Feststellungen Winters auch hierbei viel günstiger gestellt ist, gegenüber der Landbewohnerin und insbesondere der armen Frau; die letztere entschließt sich ungleich schwerer, zum Arzte zu gehen, und hat sie's endlich getan und den Rat erhalten, sich schleunigst operieren zu lassen, so treten wieder Mangel an Zeit und Geld störend dazwischen. 10„Die Bekämpfung des Uteruskrebses.“ Stuttgart 1904, Ferd. Enke. —— „Erst wenn jede Frau weiß, daß der Krebs durch eine Operation heilbar ist, und zwar nur dann, wenn unmittelbar nach den ersten Zeichen der Erkrankung operiert wird; erst wenn jede Frau diese ersten Zeichen des Gebärmutterkrebses kennt und wenn jede Frau es als ihre Pflicht gegen sich und ihre Angehörigen be⸗ trachtet, sich bei den ersten verdächtigen Symptomen ärztlich untersuchen zu lassen, erst dann sind wir am Ziele(Winter), der Ausbreitung der Krebserkrankung unter unseren Frauen wirksam zu begegnen.“ Welches sind aber diese ersten verdächti⸗ gen Symptome des Krebses? Schmerzen, das ist vorauszuschicken, fehlen im Beginn der Krebserkrankungen fast stets; sie pflegen sich erst einzustellen, wenn das Leiden unheilbar(„inoperabel“) geworden ist, und zwar dann in einem Maße, daß allein hierdurch schon das Leiden der Krebskranken sich zu einem der qualvollsten und furchtbarsten gestaltet. Ausfluß tritt dagegen häufig schon sehr frühzeitig auf; er hat durch Blutbeimengungen nicht selten eine rötliche Farbe— sieht„fleischwasserartig“ aus— und hat meist schon sehr früh einen recht unangenehmen Geruch.(Schluß folgt.) Allerlei. Langsingereien in„besseren“ Kreisen. In der englischen Monatsschrift„Boudoir“ erzählt, wie wir im„Hamb. Echo“ lesen, eine bekannte Schriftstellerin, es sei heutzutage bet vornehmen Hochzeiten der Brauch, die Juwelen unter den Brautgeschenken auf Tischen in wohlverschlossenen Glaskästen auszu⸗ stellen, weil andernfalls einige Geheimpolizisten zur Bewachung in Dienst gestellt werden müßten. Es ist merkwürdig, bemerkt die Dame— wie leicht Schmuckstücke sich bei solchen Gelegenheiten in Muff, Taschentuch oder selbst in Aermel verfangen. Und sie bleiben nicht nur hängen, sondern befestigen sich sogar. Wie heute die Dinge liegen, scheuen sich sogar die Besitzerinnen wertvoller Kleidungsstücke aus Furcht vor Irr⸗ tümern, sie in der Garderobe zur Aufbewahrung zurückzulassen. Die Möglichkeit solcher unan⸗ genehmen Zufälle wird so allgemein vnerkannt, daß die Dtenerschaft selbst sich wundert, wenn eine unerfahrene Persönltchkeit ihr einen mit Zobel besetzten Mantel oder einen Spitzen⸗ überwurf zum Abendanzuge zur lufbewahrung einhändigt. Humoristisches Prosessoren.„Es ist mir wirklich unbegreiflich, wie dieser Studiosus Süffel sein Examen so glänzend bestehen konnte!“ „Lieber Kollege, was war da zu machen! Der Kan⸗ didat brachte nach jeder an ihn gerichteten Frage ein dreifaches Hurra auf seine Majestät aus. Da mußten wir natürlich stets mit einstimmen und konnten ihn doch unmöglich durchfallen lassen. Das wäre uns sonst als Illoyalitätskundgebung schlecht bekommen!“(W. Jak.) Steh stramm! Steh stramm! wenn auch im Rausche wild Ein Vorgesetzter auf Dich schilt. Die Hände an der Hosennaht, Vergiß Dich nicht zu einer Tat, Steh stramm! Steh stramm! wenn, Wahnsinn im Gesicht, Ein Vorgesetzter nach Dir sticht, Indes der Walzer lieblich klingt Und hold die Braut zum Tanze winkt,— Steh stramm! Steh stramm! wenn jach der Säbel zuckt Und Dich durchbohrt. Nur nicht gemuckt! Und hast Du Deine Pflicht getan Und bist Du tot, als braver Mann: Lieg stramm!(Aus dem Ulk“) rr rr Meinen werten Gästen, Freunden und Be— 4 kannten 4 herzlichste Glückwünsch zum Jahreswechsel! August Albold„Zum Gambrinus“. Empfehle A la. Korubrot sowie sämtliche andere in nur guter Qualität. Perzlichen Glückwunscsi Wieseck. zum Jahreswechsel! Karl Post und Frau. N N Gack waren L. Müller at Gießen, Bahnhofstraße 61 g . Mitteldeutsche Sonntaas⸗Zeituna. Konsumwefenbiessen b. bsngeg Se. G. m. b. H. Allen unseren Mitgliedern und Geschäftsfreunden zum bevorstehenden Jahreswechsel die herzlichsten Glückwünsche verbunden mit der Bitte, das uns im verflossenen Jahre so reich bewiesene Vertrauen für die Zukunft bewahren zu wollen. Der Vorstand. Heinrich Baum. Michael Kessler. Paul Niewisch. . Die besten Wünsche zum Jahreswechsel! Ed. krumm. 5 Dee — 2 Giessen. 5 0 8 2 3 9 8 2 9 8 9 2 2 5— e Allen werten Freunden und Gönnern zum Jahreswechsel die besten Wünsche. Giessen. . ö ö Louis Löb und Frau. Die acen Wünsche zum JIdhreswechsell Exp. Consumer“ Giessen und Umgegend. Kinderstrümpfe Damenstrümpfe Herren- Socken Herren- Unterhosen Herren- Westen. Gute Qualitäten! g Billige Preise! Neu-Eintriete können stets in unserer Verkaufsstelle Bahnhofstrasse 312 erfolgen Der halb drei Jahren zu bezahlen. Verkauf nur an Mitglieder. Wasserkrüge Packkörbe kaufen Benner& Krumm Gießen, Bahnhofstr. 96000 Zwei selbstgefertigte Sophas preiswert abzugeben. Wilhelm Will, Wieseck. 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Die Reichstagswahlen 1903 Kurze Biographien unsrer Reichstagsabgeordneten Alkohol-Merkblatt(mit Illu⸗ jtrationen).— Sozialistische und Gewerlschaftspresse Deutschlands — Für alle, die an Redaktionen schreiben.— Adressen der deut⸗ schen Gewerbeinspektoren— der deutschen Gewerkschaften— der Mitglieder der Generalkommission der Internationalen Sekretaxiate — der Arbeitersekretariate.— Mit⸗ gliederzahlen u finanzielle Leistun— nen der deutschen Gewerk⸗ schaften.— Deutsche Streik⸗ satistik 1890—1903.— Mitglieder in den einzelnen Gewerkschaften. — Weibliche Mitglieder.— Porto⸗ taxe, Münztabelle, Einnahme- und Ausgabetabellen ꝛc. Außerdem enthält der Kalender ein vorzüglich hergestelltes Lichtdruckbild unseret Reichstags- Fraktion. Der Kalender ist ein be⸗ liebtes und unentbehrliches Nachschlagebuch für Ge⸗ werkschaften und Partei. 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