2 See eee — 2 ung · 0 ö Mr. 31. Gienen, den 31. Juli 1904. 11. Jahrgang. Redartlon: Kirchenplatz 11. Schloßgasse. Sonnt Mitteldeutsche Mebaltionsschuß⸗ Donnerstag Nachmittag 4 Uhr Ugs⸗Zeitung. Abounementspreis: Bestellung en 2 Juserate Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere] nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die ögespalt. Austräger fre ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Postanstalt und die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 5107) Eppedition in Gießen, Rittergasse 17, die Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung 3831/0% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt Bei mindesten s Der Nussen⸗Prozeß. Am Montag ist der große Hochverrats, Geheimbunds⸗ und Zarenbeleidigungs⸗Prozeß in Königsberg zu Ende gegangen. Zwei Wochen dauerten die Verhandlungen, die von ganz Deutschland und dem Auslande mit Spannung verfolgt wurden. Es war eine Haupt⸗ und Staatsaktion, oder sollte es wenig⸗ stens sein, die hier von der preußisch⸗deutschen Regierung gegen den Umsturz in Szene gesetzt wurde. Einen gewaltigen Apparat setzte man in Bewegung, um dem russischen Zaren zu Liebe ein paar Hochverräter zu fangen und sie zur höheren Ehre der Knutenherrschaft zu hängen und zu spießen. Der Feldzug ist scheußlich verunglückt. Das Zarentum wurde vielmehr vor aller Welt gebrandmarkt, die schauderhaften, kulturwidrigen Zustände des barbarischen Rußlands bloßgelegt und die deutsche Justiz schändlich blamiert. Von den neun Angeklagten wurden zwar sechs verurteilt und zwar wegen„Geheim⸗ bündelei“. Es wurden folgende Strafen aus⸗ gesprochen: Nowagrotzki 2½ Monate, Kugel 3 Monate, Klein 8 Wochen, Treprau 2½ Monate, Mertins und Pätzel je 3 Monate Gefängnis. Von der Anklage des Hochverrats und der Zarenbeleidigung wurden sämtliche Angeklagten freigesprochen. Bei Nowagrotzkt und Treptau wurde je ein Monat 2 Woc len, bei Klein 6 Wochen auf die Untersuchungshaft angerechnet. Bei Kugel wurde die Strafe durch die Untersuchungshaft für verbüßt erachtet; es erfolgte seine sofortige Entlassung. Baum, Kögst und Ehrenpfort wurden auch von der Anklage der Geheim⸗ bündelei freigesprochen. Wir zweifeln nicht daran, daß die Revistons⸗Instanz auch die übrigen Angeklagten wird freisprechen müssen, denn sie haben einen„Geheimbund“ im Sinne des Gesetzes nicht gebildet. Man wird zugeben müssen, das ist eine lächerlich geringe Ausbeute, die der Staats⸗ anwalt nach soviel Aufwand einheimste. Eine schwere Niederlage der deutschen Justiz— ein gewaltiger moralischer Triumph der Sozialdemokratie! Was haben die Angeklagten getan? Sie haben geholfen, russische sozialdemokratische Schriften nach Rußland einzuführen, um dadurch an der Aufklärung des russischen Volkes und an der Beseitigung der vermoderten Zu⸗ stände, der Blut⸗ und Knutenherrschaft mitzu⸗ arbeiten. Sie kannten aber den Inhalt der Schriften nicht einmal aus eigner Wissenschaft, weil sie die russische Sprache nicht verstehen. Die preußische Justiz leitet aber wegen dieser in Deutschland nicht strafbaren Handlung Ver⸗ folgung wegen Hochverrat, Zarenbeleidigun und Geimbündelei ein! Ein Riesen⸗Prozeß ist eingeleitet worden, deutsche Bürger sind viele Monate lang ihrer Freiheit beraubt wor den auf Grund eines Tatbestandes, wegen dessen sie in Deutschland gar nicht hätten verfolgt werden dürfen, da die Gegenseitigkeit nicht gesetzlich verbürgt ist. Und zur Einleitung eines solchen Prozesses hat die deutsche Regie⸗ rung die Erlaubnis des Zaren eingeholt, hat sie den Strafantrag der russischen Regierung erbeten. Im blinden Eifer, der befreundeten Macht zu dienen, faßte man die Verdächtigen und ging an die Sammlung des Belastungs⸗ materials, ohne vorher sich über die rechtliche Zulässig⸗eit eines solchen Verfahrens genau zu vergewissern. Was hat dieses ungeheuerliche Verfahren bezweckt? Deutschland sollte unter russisches Gesetz gestellt werden! Eine„Verschwörung“, die darauf hinarbeitete, die Fundamente des Zarentums zu untergraben, wollte man zer⸗ sprengen! Man wollte die Fenster verhängen, die aus dem russischen Kerker nach dem Westen gehen 2 Und was hat man erreicht. Die richter⸗ liche Feststellung, daß man bei dem gegenwär⸗ tigen Stand der Dinge auch ungestraft Taten begehen darf, die zu begehen gar nicht in der Absicht des Angeklagten gelegen hatte. Es gibt vorläufig keine„Majestätsbeleidigungen“ gegen den Zaren, keinen„Hochverrat“ gegen das russische Reich! Die Angeklagten wollen gar nicht zur gewaltsamen Aenderung der russischen Verfassung auffordern; das Gericht mußte erkennen, daß sie straffrei bleiben müßten, selbst wenn sie es wirllich und mit Willen ge⸗ tan hätten! Man wollte dem Zarismus gegen seine Feinde beistehen. Aber indem man die Verteidigung zwang, vor den Augen ganz Eu⸗ ropas das System der gegenwärtigen russischen Regierung bloßzulegen, hat man dem Zaris⸗ mus tausendmal mehr Schaden zu⸗ gefügt, als es alle Burzesfs und Nadeschdins mit hunderttausend Ballen Druckschriften ver⸗ möchten! Man wollte dem Vertrieb russischer Schriften ein Ende bereiten und brachte es doch nur bis zur Feststellung, daß es gesetzlich voll⸗ kommen zulässig set, den Vertrieb der Schriften in Deutschland öffentlich zu organistieren. Man wollte ein warnendes Exempel geben und jeder⸗ man davon abschrecken, den Spuren der Braun und Nowagrotzkt zu folgen;„abgeschreckt“ sind aber nicht Nowagrotzkis Nachfolger, sondern die Nachfolger der Staatsanwälte Schütze und Caspar! Oder glaubt jemand, die preußtsche Justizverwaltung zeige ein großes Gelüste, einen zweiten Prozeß dieser Art zu unternehmen. Kurzum, die politischen Sonntagsjäger kehren von der Jagd auf„Schnorrer und Verschwörer“ selbst mit zerschossenen Gliedern heim. Sie haben in jedem Punkte, aber auch in jedem, das Gegenteil von dem erreicht, was sie gewollt hatten. Nichts bleibt als dauernder Erwerb der Königsberger Tage übrig als eine aufgepeitschte öffentliche Meinung wider das Zarentum und alle, die es in seinem blutigen und schmutzigen Handwerk schützen. Selbst die gesamte bürgerliche Presse, mit Ausnahme einiger im russischen Geiste geleiteten, wie die„Post,“ die sich selbst durch ihre schäbige Denunziatian schmählich blamiert hat, verurteilen die Einleitung des Prozesses zum Teil mit scharfen Worten gegen die russischen Zustände. Viele Preßstimmen lassen die Freude über den Hereinfall des Zarismus und der deutsch⸗russischen Justiz durchleuchten. So sagt das Kölnische Zentrumsblatt:„hoffentlich werde man in Deutschland jetzt für immer von dem Diensteifer gegen Rußland geheilt sein.“ Und die blaßliberale„Tägl. Rundschau“ fällt fol⸗ gendes Urteil:„Rußland ist die Verwirklichung der unsittlichen Idee; es ist die Staat gewordene Unmoral.“ Die„Frkf. Ztg.“ bezeichnet es als eine schwere Verletzung des Rechtsgefühls, daß mehrere Angeklagte eine 2—8mal solange Untersuchungshaft zu erdulden hatten, als die verhängten Strafen betragen. Man ist hier mit einer Blindwütigkeit sonder⸗ gleichen vorangegangen, wie ein Stier gegen ein rotes Tuch und hat eine politische und Rechts⸗ Solidarität mit einem Lande statuiert, dessen politische Zustände den unsrigen gleichzustellen Peso beleidigend wirken muß. Derartige ersuche sind für jetzt und für immer auf's schärfste zurückzuweisen.“ Unsere Partei wird die Prozeßverhandlungen als Ilgitattonsbroschüre herausgeben und so jedem die Möglichkeit geben, sich genauer und eingehender über die ganze russenfreundliche Riesenaktion der deutschen Justiz zu unter⸗ richten, als das in Zeitungsartikeln möglich ist. So wird auch dieser Prozeß aufklärend wirken und die Arbeiterschaft ebenso wie der saarabische zum Kampfe gegen das heutige System aufstacheln. Nieder vor allem mit der russischen Knutenherrschaft! Das muß auch die Losung der deutschen Arbeiterschaft sein. Die deutschen Gewerkschafts⸗ or ganisation im Jahre 1903. II. Die größte Mitgliederzunahme haben die Metallarbeiter zu verzeichnen, sie ge⸗ wannen 31293 Mitglieder. Dann folgen die Maurer mit 18 932, Bergarbeiter 18233, Tex⸗ tilarbeiter 16378, Holzarbeiter 9342, Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter 7087, Bau- arbeiter 6442, Schuhmacher 4983, Maler 4734, Fabrikarbeiter 3515, Gemeindearbeiter 2840, Zimmerer 2763, Buchdrucker 2601, Brauer 2577, Schneider 2331 2c. Die Verbände der Metallarbeiter, Maurer, Bergarbeiter, Textil- arbeiter, Holzarbeiter und Handels-, Transport⸗ und Verkehrsarbeiter weisen allein eine Zunahme an Mitgliedern von 101265 auf. Nur wenige Verbände haben geringe Verluste an Mitgliedern zu verzeichnen. Die Hirsch⸗Dunkerschen Gewerk⸗ vereine weisen eine Mitgliederzunahme von 7364 auf. Sie verzeichneten Ende 1903 einen Mitgliederbestand von 110215 und einen Ver⸗ mögensbestand von 3 311746 Mk. Ferner gibt es noch eine Gruppe gewerk⸗ schaftlicher Organisattonen, welche als Unab⸗ hängige Vereine bezeichnet werden und die über 68 724 Mitglieder verfügen. Auch sie hatten eine Zunahme von 12000 gegen das Vorj ahr zu verzeichnen. Weibliche Mitglieder gibt es 40666 in den Gewerkschaften, 12 448 mehr gegen das Vorjahr.. Das Prozentverhältnis der Orga⸗ nisierten zur Zahl der Berufsangehörigen ist am Besten bei den Buchdruckern, von denen fast neun Zehntel aller Beschäftigten dem Verbande angehören. Dann folgen die Bild⸗ hauer mit zwei Drittel, die Glaser, Gemeinde— arbeiter, Stukkateure, Lithographen, Handschuh⸗ macher mit der Hälfte und mehr; ferner haben die Maurer 42, Tapezierer 40, Brauer 37, Metallarbeiter 29, Böttcher 27, Zimmerer 26, Holzarbeiter 25, Tabakarbeiter 18 Prozent ꝛc. Bezüglich der inneren Einrichtungen der Organisationen ist folgendes zu erwähnen. Es — J ͤ D — —— — — p——— r 2 5 8 verausgabt. Seite 2. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 31. haben 59 Verbände das Fachorgan obligatorisch eingeführt, während 4 dasselbe im Abonnement den Mitgliedern liefern. Die Gesamt⸗Auflage der Gewerkschaftspresse beträgt 1044650 Exem⸗ plare. Eines dieser Organe erscheint wöchent⸗ lich dreimal, 27 erscheinen wöchentlich einmal, 2 monatlich dreimal, 16 alle 14 Tage, 6 mo⸗ natlich zweimal und sieben monatlich einmal. Die Finanzgebahrung der Gewerk— schaften. Die 63 Centralverbände hatten im Jahre 1903 eine Einnahme von 16 419 991 Mk. und Gesamtausgabe von 13 724 336 Mk. zu ver⸗ zeichnen und es verblieb ihnen am Jahresschluß ein Kassenbestand von 12973 726 Mk. In den vorstehenden Einnahmen sind nicht enthalten die Einnahmen der Lokalfonds, welche von den Vorständen der Verbände nicht verrechnet wer⸗ den, sowie die Einnahmen besonderer Kassen⸗ einrichtungen. In 12 Verbänden beträgt die Einnahme in den Lokalfonds 513 431 Mk., die zum größten Teil für Agitation, Streikunter⸗ stützung, sowie Arbeitslosen-, Reise⸗, Kranken⸗ und sonstige Unterstützung verausgabt wurden. Ueber die Ausgaben, welche die Verbände im Jahre 1903 gemacht haben, gewährt folgende Aufstellung einen Ueberblick. Es wurden ver— ausgabt für: Verbandsorgan 63 Organis. 884662 Mk Agitation 60 5 560987„ Streiks im Beruf 54 7 4409855„ Streiks in anderen Berufen 54„ 118858„ Rechtsschutz 52 150 286„ Gemaßregeltenunterstützung 41 7 157887„ Reiseunterstützung 41 2 613876„ Arbeitslosenunterstützung 28 5 1270023„ Krankenunterstützung 5 944059„ Invalidenunterstützung 1 5 189 442„ Sonstige Unterstützung 52 55 301961„ Stellenvermittelung 12 70 7872 Bibliotheken 16 10 14832„ Sonstige Zwecke 53 1 818 906„ Konferenzen und General⸗ versammlungen 43 10 164909„ Beitrag an die General⸗ kommission 59 7 89318„ Prozeßkosten 10 6 2276„5 Gehälter 61 5 304173„ Verwaltungsmaterial 57„ 2e, Für Streiks wurden allein 4515812 Mk. Der bisher höchste Betrag für Streiks aus den Kassen der Verbände betrug 1900 2625 642 Mk. und die höchste Gesamt⸗ ausgabe für Streiks betrug 1886 3 042 950 Mk. Die Summe, welche 1903 allein aus den Ver⸗ bandskassen für Streiks verausgabt wurde, übersteigt also ganz bedeutend die bisher in einem Jahre für Streiks insgesamt verausgabte Summe. Und die für Unterstützungs⸗ und Bildungs⸗ zwecke verausgabte Summe übersteigt die für Streiks aufgewendete noch um fast 100 000 Mk. Reiseunterstützung wird in 48 Ver⸗ bänden gewährt, Arbeitslosenunterstützung in 30, Krankenunterstützung in 23 und Invaliden⸗ unterstützung in 5 Verbänden. Die Kassenbestände der Gewerkschaften haben im letzten Jahre ebenfalls eine nicht un⸗ bedeutende Erhöhung erfahren. Trotz der enormen Ausgaben ist der gesamte Reservefonds von 10 253 559 Mk. auf 12973 726 Mk. ange⸗ wachsen. Auf den Kopf der Mitglieder be⸗ rechnete sich der Kassenbestand am höchsten bei den Notenstechern mit 278 Mk.; dann folgen die Buchdrucker mit 112 Mk., als dritte die Hutmacher mit 55 Mk. Dann fällt der auf den Kopf entfallende Betrag sehr rasch und zwar verzeichnen u. a. die Buchbinder 30 Mk., Zigarrensortierer 21 Mk., Zimmerer 20 Mk., Maurer 16,99 Mk., Holzarbeiter 16,94 Mark, Handschuhmacher 11.93 Mk., Glaser 10,86 Mk., Brauer 10,55 Mk., Bäcker 8 Mk., Böttcher 6,67 Mk., Metallarbeiter 5,69 Mk., Tabakarbeiter 5,31 Mk., Schneider 5,26 Mk., Tapezierer 5,07 Mk., Transport- und Verkehrs⸗ arbeiter 3,72 Mk. ꝛc. Die Aermsten sind die Dachdecker, deren Vermögen nur einen Pfennig per Mitglied beträgt. Das Gesamtbild, welches uns die Statistik gewährt, ist nach jeder Seite hin ein recht er⸗ freuliches. Die Zahl der Gewerkschaftsanhänger hat sich ganz beträchtlich vermehrt, die Kassen sind erstartt, trotz der riesigen Kämpfe, die mit dem Unternehmertum zu führen waren, und es ist wohl begründete Hoffnung vorhanden, daß auch in diesem Jahre die Entwickelung vorwärts schreiten wird. Aber auch die Unternehmer- vereinigungen sind kräftiger und widerstands⸗ fähiger geworden und sie nehmen eine immer drohendere Gefahr gegenüber unseren Gewerk⸗ schaften an. Angesichts dessen ist es notwendig, daß wir unsere Kassen immer mehr kräftigen. Wir dürfen uns in der Freude über unsere Er⸗ folge nicht in Siegessicherheit wiegen, sondern wir müssen fortdanernd ernstlich pestrebt sein, unsere Organisation nach jeder Richtung aus⸗ zubauen. Noch ist in dieser Beziehung eine gewaltige Arbeit zu verrichten. Große, starke Verbände haben doch in weiten Gebieten noch kaum Fuß gefaßt, in verschiedenen Berufen ist die Zahl der Organisierten zur Zahl der Be⸗ rufsangehörigen noch eine sehr geringe, kurz, die deutschen Gewerkschaften nehmen in ihrer Gesamtheit noch nicht jene machtvolle Stellung ein, wie sie einzelne Organisationen bereits auf⸗ zuweisen haben. Die sehr günstige Entwickelung im letzten Jahre wird jeden einzelnen Anhänger und Freund der Gewerkschaften zu neuer Tätig⸗ keit anspornen, mitzuhelfen an der Ausgestaltung des gewaltigen Baues der gewerkschaftlichen Organisationen. L. Brunner. Politische Rundschau. Gießen, den 28. Juli 1904. Das teure Afrika. Der famose„Platz an der Sonne,“ den sich Deutschland in Südwestafrika im Kolomalfieber⸗ wahn zugelegt hat, ist so heiß, daß es unseren Regierenden sogar in ihrer Sommerfrische zu heiß wird. Als Bebel im Reichstage die Be⸗ fürchtung aussprach, daß die Expedition gegen die Hereros dem Volke an die 50 Millionen kosten würde, tönten ihm ungläubige und höhnische Zurufe von den Kolonialphantasten im Reichstage entgegen. Jetzt kostet der Rummel schon viel mehr und es ist noch gar kein Ende abzusehen, noch viel weniger ein Erfolg zu erwarten. Außer den Geldopfern fordert der Krieg zahlreiche Menschenopfer, die besonders der Typhus dahinrafft. So gelangte anfangs der Woche eine Nachricht des Paters Nachtwey aus Owikokorero(Südwestafrika) nach Osnabrück, worin es heißt: „Der Typhus steht im Bunde mit der List und Tücke des Feindes. Der Krieg wird noch sehr lange dauern und wird mit jedem Tag schwerer.“ Danach bringt General Trotha auch nicht fertig, was dem Oberst Leutwein nicht gelang, der Land und Leute kennt. Dieser wurde ab⸗ gesägt und Trotha hingeschickt, der von den dortigen Verhältnissen keine Ahnung hat. Viel⸗ fach wurde ihm deshalb der Mißerfolg voraus⸗ gesagt. Jetzt kann das deutsche Volk für die Sandwüste noch eine erkleckliche Anzahl Milli⸗ onen Mark locker machen. Selbst das„Berl. Tageblatt“ schrieb dieser Tage:„Voraussichtlich wird der Krieg jetzt noch Jahre dauern und Hunderte von Millionen verschlingen.“ Für die Weisheit der Regierungsleute muß unser Volk schwer bluten! Die Sozialdemokratie und der Krieg. Die japanische sozialdemokratische Partei hat für den internationalen Sozialistenkongreß in Amsterdam eine Resolution beantragt, die zu Schritten für die Beendigung des russisch⸗ japanischen Krieges auffordert. Der Krieg werde von den kapitalistischen Regierungen der beiden Länder geführt, was große Leiden für die Arbeiter Rußlands und Japans verursache. Schon früher haben sich sowohl die japanische als auch die russische Sozialdemokratie ent⸗ schieden gegen den Krieg ausgesprochen und so gezeigt, daß sie als wahre Kulturparteien mit der Sozialdemokratie aller Länden den wahn⸗ sinnigen Völkermord verurteilen. Ein Minister⸗ Reinfall. Der bayrische Kriegsminister v. Asch hat sich neulich in der Kammer eine schwere Blamage geholt, so schwer, daß er sich ver⸗ anlaßt sah, seine Eutlassung einzureichen, die jedoch vom Prinzregenten nicht genehmigt wurde. Der Major Seitz hatte die Frau eines Kame⸗ raden, des Leutnants Pfeiffer verführt, also schändlich gehandelt. Er wurde mit ehren⸗ vollem Abschied entlassen. Ein beabsichtigtes Duell zwischen den beiden Offizieren wurde zunächst hintertrieben. Dann aber erließ de r Kriegsminister v. Asch einen Erlaß auf Grund dessen das Duell zustande kam. In der bay⸗ rischen Kammer wies kürzlich der Abg. Heim auf diesen Erlaß hin und interpellierte deshalb den Kriegslöben. Dieser leugnete den Erlaß. Heim wies nach, daß der Erlaß wirklich kxistiert. Wie steht nun der Kriegs⸗ minister da? Unser Genosse Vollmar hats ihm deutlich genug gesagt. Charakteristisch ist es, daß der Zentrumsabgeordnete den Erlaß schon seit 1898 kannte— so lange liegt die ganze Affäre zurück—, aber erst jetzt Gebrauch da⸗ von machte. Und warum das? Der Kriegs⸗ minister hatte einen argen Zusammenstoß mit dem Zentrumsabg. Pichler gehabt— Affäre Eras— und nun erst wurde er abgemurkst, denn der Zweck heiligt ja die Mittel. Antisemitisches. Vorige Woche starb in Hamburg der Schriftsteller Wilhelm Marr, der, ein alter Achtundvierziger, später den Antisemitismus propagierte. Er hat sich aber dann wieder davon abgewandt und sich wiederholt in derber und höchst abfälliger Weise über den Antisemi⸗ tismus und seine Vertreter ausgesprochen. So veröffentlichte jetzt die„Berl. Ztg.“ einen Brief von ihm, worin er erklärt: Ich bin ein alter Parteigänger, aber nie habe ich mehr Erzschelmenbande gefun⸗ den als unter den heutigen Geschäftsantise⸗ miten. Das aber dürfen Sie privatim er⸗ klären, daß ich nach 30 jährigem Judenkrieg mich mit Ekel bis zum Erbrechen abwende von dem ganzen heutigen Geschäftsschwindel-Antisemitismus. 1 werde diese Behauptung nicht wider- rufen. Aehnliche Urteile haben bekanntlich noch andere Anttsemiten über antisemitische Sache und Partei gefällt. Wir erinnern nur daran, was im Sommer 1901 der Berliner Antise mit Wilberg schrieb: „Keine einzige Partei hat so viele Gaukler und Schaumschläger in ihren Reihen gezählt, wie die unsrige und keine Partei hat sich von Phrasenhelden und elenden Spekulanten so nasführen lassen, wie die antisemitische.“ Neben den Erzschelmen, von denen Marr spricht, gibt es unter den Antisemiten nicht wenige Erznarren, von denen der Dresch⸗ graf Pückler wohl der größte ist. Uebrigens soll der geistige Zustand des Dreschgrafen Pückler jetzt derartig bedenklich ge⸗ worden sein, daß man ihn von Amtswegen in eine Anstalt zur Beobachtung bringen will. Wie aus Berlin berichtet wurde, wäre er schon seit längerer Zeit Gegenstand psychiatrischer Beobachtungen. Daß der Mann geistig nicht gesund sein konnte, mußte sich jeder sagen, der nur eine einzige seiner Reden gehört oder ge⸗ lesen hatte. Auch die antisemitische Partei⸗ leitung und die antisemitischen Führer mußten das wissen und trotzdem schleppten ste den geisteskranken und deshalb bedauernswerten Menschen in zahllose Versammlungen, um ihn gegen hohes Eintrittsgeld dem Publikum als Schaustück vorzuführen! Man benutzte die tollen Phantasten eines Verrückten und diesen selbst als Einnahmequelle! Eine solche ehr- und ge⸗ wissenlose Handlungsweise ist nur in einer Partei wie der antisemitischen möglich und es ist damit ein neuer Beweis geliefert für die Richtigkeit der oben angeführten Urteile, die Marr und Wilberg voll ehrlicher Entrüstung über die antisemitische Partei abgaben.— Nebenbei bemerkt, wäre noch bei andern anti⸗ r———— — — del 9 eie ten dell fell hl ale len Abt ge⸗ el ) 0 die die 1 i Nr. 31. Mitteldeutsche Sonutaas⸗Zeitung. Seite 3. semitischen Führern eine Beobachtung ihres Geisteszustandes angezeigt, die beispielweise durch ihr Verhalten zu der Konitzer„Ritualmord“⸗ Angelegenheit den Behörden dazu alle Ver⸗ anlassung gegeben haben. Der Mirbach⸗ Skandal wird noch immer von der gesamten Presse leb⸗ haft erörtert. Besonders wird die Frage auf⸗ geworfen, wo denn die 325000 Mk. ge⸗ blieben sind, über die Freiherr v. Mirbach quittierte, ohne auch nur einen Pfennig davon erhaltenzu haben? Die rückhaltlose Beant⸗ wortung dieser Frage dürfte aus begreiflichen Gründen gewissen hohen Kreisen nicht gerade erwünscht sein. Von Mirbachs Rücktritt als Oberhofmeister ist keine Rede mehr. Wer begnadigt wird. Der frühere Oberleutnant Rüger vom 17. Infanterie⸗Regtment, welcher wegen Tot⸗ schlags(er hatte den Hauptmann Adam meuch⸗ lings erschossen) zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt worden war, wurde begnadigt und aus dem Zuchthaus entlassen. Er hat noch nicht die Hälfte seiner Strafe verbußt.— Mehrere Opfer des Löbtauer Urteils schmachten aber noch immer hinter Zuchthausmauern. Eine kaiserliche Lohnerhöhung Der alte Kaiser Franz Joseph von Oester⸗ reich war mit seinem bisherigen Gehalt, das nicht weniger als 18,6 Millionen Kronen beträgt— eine österreichische Krone gleich 85 Pfennig— nicht mehr zufrieden und verlangte vier Millionen Kronen Lohnerhöhung. Franz Joseph bezieht mit Ausnahme des rus⸗ sischen Despoten seit 30 Jahren die höchste Zivilliste in Europa, trotzdem er zwei arme, wirtschaftlich zurückgebliebene und dazu noch vom Militarismus ausgesogene Staaten regiert. Wenn aber der Hof auf die Einnahmen aus der Zivilliste noch angewiesen wäre! Kaiser Franz Joseph zählt zu den reichsten Männern Europas und auch einige Erzherzöge(kaiserliche Prinzen) gibt es, die hundertfache Milltonäre sind. Die Mitglieder des Hauses Habsburg besitzen nicht nur riesige Ländereien, sondern auch industrielle Unternehmungen, die selbstver⸗ ständlich nicht nach anderen Grundsätzen be⸗ trieben werden, als die Unternehmungen irgend eines Schulze oder Kohn. Auf einem Gut des Kaisers ist es neulich sogar wegen der schmäh⸗ lichen Behandlung der Landarbeiter zu einem Streik gekommen. Der Hof besitzt auch Aktien, besonders die der einträglichsten Bahn Oester⸗ reichs— der Nordbahn, die man sich deshalb nicht zu verstaatlichen traut. Diese Umstände wurden bei der Debatte über die kaiserliche Lohnforderung im ungarischen Parlamente mit angeführt und zwar in sehr wenig respektvoller Weise. Ueber Majestäts⸗ beleidigungen regt man sich in Ungarn nicht auf und die Abgeordneten übten daher ihren Witz in der gemütlichsten Weise.„Die Erzher⸗ zöge könnten doch einmal den Versuch machen, aus eigenen Mitteln zu leben! Sie erhalten ja meist als Militärs eine Gage und besitzen Privatvermögen. Es ist doch vielleicht nicht absolut nötig, daß die Nation zu ihrem Unter⸗ halt beiträgt.“ Und Abgeordneter Gabany sagte: „Dafür können wir wirklich nichts, daß sich die königliche Familie in so rapider Weise vermehrt. Gegen die Vermehrung könnte man sich so wehren, daß man aus den Er z⸗ herzögen katholtsche Pfaffen macht. Aus den Damen der Familie wollte man Nonnen machen.“ Ugron rief unter stür⸗ mischer Heiterkeit:„Die Habsburger sollen zum Zweikindersystem greifen!“ Und Abg. Eötvös:„Sie vermehren sich wie die Ratten.“ So fielen noch viele und stärkere Ausdrücke.— Die Leute aber, die so sprachen, sind nicht etwa Republikaner, sondern ungarische Patrioten und Bourgeois. Ihr Hauptärger war, daß sich der alte Kaiser fast nie in Ungarn sehen läßt. Wenn er das Geld des Landes in Budapest veraus zabte, so daß die„Patrioten“ und ihr Anhang auch ihr Schäfchen scheeren könnten, wäre alles recht. Aber wozu einem Monarchen, bei dem man nicht schmarotzen kann, den Lohn aufbessern? Trotzdem bewilligten sie die Forderung mit großer Mehrheit und der alte Kaiser braucht darum nicht zu streiken wie seine armen Land⸗ arbeiter. Russisch⸗japanischer Krieg. Kämpfe. Ein heftiges Gefecht hat vorige Woche bei Kiaotung stattgefunden. Darüber wurden folgende Einzelheiten berichtet: Die Japaner griffen die russischen Stellungen am Montag an. Abends waren die Russen um⸗ zingelt. Am Dienstag morgen wurde der Kampf erneuert und wütete lange heftig, bis schließlich Kiaotung von den Japanern genommen wurde. Man erbeutete 4 Kanonen. Die Verluste der Russen werden auf 1000 Mann angegeben, die der Japaner auf 300. In Tokio verlautet, daß nunmehr zum endgültigen Sturme auf Port Arthur vorbereitet werde. Bei Tatschitschao erlitten die Russen am Sonntag wiederum eine schwere Nieder⸗ lage. Sie eröffneten früh morgens den An⸗ griff auf die Stellungen der Japaner, nach einem hartnäckigen Kampfe mußten sie sich aber unter heftigem Feuer eiligst nördlich auf Kaitscheng zurückziehen.— Die Hafenstadt Niutschwang wurde am Montag von den Japanern besetzt. Die russischen Behörden hatten kurzvorher die Stadt verlassen und die Amtsgebäude zerstört. Mit diesen Vorstößen haben die Japaner die russische Hauptarmee unter Kuropatkin fast ein⸗ gekreist, so daß dieser sich höchstens durch einen verzweifelten Durchbruchsversuch nach Norden retten kann. Gegen die russischen Seeräubereien im Roten Meere haben die betroffenen Regter⸗ ungen energisch Protest eingelegt, worauf die beschlagnahmten Schiffe wieder freigegeben wurden. Trotzdem hat das Wladiwostok⸗ Geschwader einen englichen Handels dampfer in den Grund gebohrt. Dieses Vorkommnis hat natürlich die in England gegen Rußland herrschende Erbitterung noch gesteigert und ein⸗ flußreiche Blätter erklären, daß diese Dinge Rußland noch in schwere Verlegenheiten bringen können. Ueber die Zustän de in der rus⸗ sischen Armee schreibt ein Milttärarzt dem im Auslande erscheinenden Organ der russischen Sozialdemokratie„Iskra“:„In der Armee ist vollständige Demoralisation. Es mangelt an Proviant, die Soldaten hungern. Die Offi⸗ ziere sind äußerst unzufrieden mit dem höheren Kommando. Das Oberkommando seinerseits hat zu vielen Ofsizteren kein Vertrauen und schickt Kavallerieoffiziere zur Infanterie, sowie umgekehrt. Die Soldaten werden wegen Ver⸗ fehlungen gepeitscht. Es geht ungeheuerlich zu.“ Und ein Soldat, der am Jalu mitgekämpft hat, sagt in einem Briefe, den trotz der strengen Zensur ein russisches Blatt veröffentlicht hat: „8 Tage während des Kampfes und auch nach⸗ her haben die Soldaten kein Brot gesehen, statt dessen bekamen sie Mehl, das von den Soldaten entweder mit oder ohne Wasser verzehrt wurde.“ Selbst die Regierung muß die traurigen Zu⸗ stände anerkennen. Der Hauptbevollmächtigte des Roten Kreuzes berichtet, daß es nötig ist, Proviant anzuschaffen nicht nur für die Kranken, sondern auch für die Verpflegung des kämpfenden Heeres. Derselbe Bericht erzählt, daß während der Schlachten am Jalu das Rote Kreuz unter den Soldaten nicht nur Tee, Zucker, Tabak und ähnliches, sondern auch Brot verteilte! Das Rote Kreuz wendet sich jetzt an die Spender mit der Bitte, unter anderem auch getrocknetes Brot nach dem Kriegsschauplatze zu senden. Als ob es sich um ein hungerndes Dorf handelte! Bald wird man auch um Schuhzeug betteln müssen, denn die Soldaten haben entweder gar keins oder total zerrissenes. Dagegen führen höhere Offiziere ein Lotterleben mit den zahlreich aus allen Ländern herzugeströmten Halbweltdamen. Vor Kurzem kam, wie das„Berliner Tagebl.“ berichtete, ein kaiserlicher Prinz, der Großfürst Boris, Leutnant im Gardehusaren-Regt. mit einem ganzen Harem nach Mukden. Als ihm der Höchstkommandierende Kuropatkin befahl, die Damen aus dem Lager zu entfernen, kam es zwischen beiden zu Tlätlichkeiten. Der Großfürst zog den Säbel und verletzte damit den General an der Nase. Die Nachricht von diesem skandalösen Vorfall gelangte sofort nach Petersburg, die Abberufung des Großfürsten war die Folge. Die militärische Ueberlegenheit der Japaner konstatiert eine kurz nach der Schlacht am Jalu an die„Iskra“ abgesandte Zuschrift, worin es heißt: Das russische Heer ist am Jalu von den Japanern geschlag en worden 1. dank der Ueberlegenheit ihrer Kriegs⸗ taktik, 2. dank der Ueberlegenheit ihrer Artillerie, 3. dank der vorzüglichen Eigenschaften des ja⸗ panischen Offizierskorps und endlich 4. dank der bemerkenswerten Tapferkeit ihrer Soldaten. Die Ueberlegenheit der japanischen Armee über die russische wird jetzt auch von unserem Feld⸗ stab anerkannt. 2— Soziales, Gewerkschaftliches, Arbeiterbewegung. Ein wichtiges Urteil, das bekanntlich für die Arbeiterorganisationen von Bedeutung ist, fällte das Landgericht in Magdeburg. Ein Bauunternehmer„Strohmann“— sogen. Zwischenunternehmer in Magdeburg war, wie die„Frankf. Ztg.“ berichtete, seinen Arbeitern wiederholt den Arbeitslohn schuldig geblieben, weshalb sie durch den Zentral-Verband der Maurer über den Neubau die Sperre ver⸗ hängten. Die Folge davon war, daß, da fast sämtliche Maurer organisiert sind, der Unter⸗ nehmer monatelang keine Arbeiter erhalten konnte. Schließlich ging, derartige Schiebungen sind ja nichts seltenes im Baugewerbe, der Neubau an einen anderen Käufer über. Die Arbeiter durchschauten aber die Sache und ent⸗ deckten, daß der neue Besttzer völlig mittel⸗ los und von der Firma Mayer Oppenheimer in Hannover mit Geld notdürftig ausgerüstet war. Sie ließen deshalb die Sperre bestehen. Auch dieser„Besttzer“ erhielt keine Arbeiter. Er strengte nunmehr bei der Zivilkammer des Landgerichts gegen den Vertrauensmann der organisterten Maurer, Schleue, und einige an⸗ dere Verbandsführer Klage auf Schadenersatz an. Er forderte für den angeblich ihm durch die Sperre erwachsenen Schaden 5 Prozent Zinsen von 55000 Mark und eine größere Summe Extrabuße! Das Landgericht hat nunmehr nach Abhaltung mehrerer Termine die Klage kostenpflichtig abgewiesen und erklärt, daß die Selbsthilfe der Arbeiter, die ihren Lohn nicht erhalten konnten(von den Strohmännern, die vom Gewerbegericht verur⸗ teilt wurden, war nie etwas zu holen) völlig berechtigt, der Anspruch auf Schadenersatz jedoch unberechtigt set. Mit diesem Urteil ist den Organisattionen der Arbeiter aller Berufe gegen⸗ über zahlfaulen Unternehmern eine wirksame Waffe in die Hand gegeben. Pon Nah und Lern. Hessisches. — Staatsrettung in Hessen. Ju Gonsenheim bei Mainz hatte kürzlich ein Einwohner eine Wirtschaft eröffnet und die Anzeige von seinem Unternehmen außer in den Mainzer bürgerlichen Lokalblättern auch in dem in Gonsenheim viel gelesenen Organ der Sozial⸗ demokraten erlassen. Kaum war aber die Nummer dieses Blattes mit der Anzeige er- schienen, als auch schon das Gouvernement in Mainz über die neue Wirtschaft das Militärverbot verhängte, trotzdem der Besitzer der Wirtschaft ein Mann ist, der sich nie um Politik bekümmerte. Nun wird's wohl anders bet ihm werden. — Die Freisinnigen und die Wahl⸗ vorlage. Eine Vertrauensmänner⸗Versamm⸗ lung der freisinnigen Volkspartei in Alzey beschloß am Sonntag eine Resolution zur hgess. Wahlrechtsreform, in der gesagt wird: — 777... ö Einteilung zeigt nun gewiß bedeutende Mängel, Seite 4. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 31. „Die Vertrauensmänner der Freisinnigen Volkspartei, grundsätzlich auf dem Boden des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts stehend, protestieren hierdurch energisch gegen die vollständig einseitige, zu Gunsten einer einzelnen Partei, nämlich der Zentrums⸗ partei, willkürlich gemachte Wahlkreiseinteilung des neuen Landtagswahl⸗Gesetzes. Die versammelten Vertrauensmänner bitten daher die Regierung, dieser Einteilung ihre Zustimmung zu versagen und darauf bestehen zu wollen, daß die Wahlkreiseinteilung eine gerechte, keine Partei bevorzugende, der geographischen Zusammengehörigkeit und der Bevölkerungszahl entspre⸗ chende wird. Die Sozialdemokratie hat vornherein ver⸗ langt, daß die Wahlkreise nach der Bevölkerungs⸗ ziffer abgegrenzt werden sollen. Die jetzige besonders zu ungunsten der Arbeiter, aber sie entspricht wenigstens einigermaßen der Bevölke⸗ rungsziffer. Nit dem jetzigen Verlangen der Freisinnigen stimmt ihr früheres, auf Erhaltung des besonderen Wahlrechts der drei Kleinstädte gerichtetes nicht überein. Von der Regierung verlangen sie, einem Majoritätsbeschlusse der Volksvertretung Widerstand entgegen zu setzen, das ist auch nicht besonders demokratisch. — Gemeindewahlen. Einen glän⸗ zen den Sieg erkämpfte unsere Partei bei der am Samstag in Langen stattgefundenen Gemeinderats ahl. Sämtliche sozial⸗ demokratische Kandi)aten wurden gewählt! Von insgesamt 845 ab jegebenen Stimmen fielen 471 auf unsere Liste.— Auch in Oberts⸗ hausen(Kr. Offenbach) wurden die sozial⸗ demokratischen Kandidaten mit großer Mehrheit gewählt. Fast sämtliche Wähler machten von ihrem Wahlrecht Gebrauch, es wurden 277 Stimmen abgegeben. Unsere Kan⸗ didaten erhielten 167, 165 und 138 Stimmen, während es die Gegner trotz intensipster An⸗ strengung nur auf 112—125 brachten.— Unser Parteitag für Hessen. Die„Landeskonferenz“ beginnt diesen Samstag in Pfungstadt ihre Verhandlungen, für die zum ersten Male zwei Tage vorgesehen sind. Es wird sich zeigen, daß zwei Tage für den vorliegenden Beratungsstoff unbedingt nötig sind. Zwar unterscheidet sich die Tages⸗ ordnung nicht viel von derjenigen früherer Landeskonferenzen, aber der Geschäfts⸗ bericht des Landeskomitees wird voraus⸗ sichtlich eine eingehende Debatte hervorrufen. Ausgestaltung unserer Organisation, Schaffung des Wochenblattes, Kalender ꝛc. sind Punkte, welche nach jeder Seite hin erörtert werden müssen. Außerdem sind in zahlreich eingelaufenen Anträgen Wünsche aller Art in bezug auf die innere Organisation enthalten, deren Er⸗ örterung geraume Zeit beanspruchen wird. Weniger wird über den internationalen Kongreß und den Parteitag in Bremen zu sagen sein, desto mehr jedoch bei dem Bericht über die Tätigkeit des Landtags, welchen Punkt das Landeskomitee erfreulicherweise diesmal auf die Tagesordnung gesetzt hat. Hier werden wir uns mit der Wahl reform und unserer künftigen Landtagswahlagitation beschäftigen müssen.— „Jedenfalls liegt Arbeit in Fülle vor, aber sie wird geleistet werden zur weiteren Förderung unserer Sache! Mit diesem Wunsche unsern herzlichsten Gruß der Vertretung der hessischen Sozialdemokratie! Gießener Angelegenheiten. — In der Stadtverordneten-Ver⸗ sammlun gam Donnerstag fragte unser Genosse Krumm an, wegen der Löhne der städtischen Arbeiten. Der Oberbürgermeister versprach, nach den Ferien Erhebungen anzustellen und Erhöhung der Löhne erwägen zu wollen. Die Freie Turnerschaft Gießen halt Sonntag auf der Pulvermühle ihr Sommerfest ab. Das reichhaltige Programm ist aus dem Inseratenteil ersichtlich. Wir sind überzeugt, daß bei dem Feste der Arbeiter⸗ Turner, deren Leistungen erst auf dem Offen⸗ bacher Wettturnen anerkannt wurden, die übrige Turnerlieder“ aus voller Brust und Ueber⸗ zeugung gesungen. und Polizeidiener Nauheim hatte vor dem Schöffengericht in Bad Nauheim zu verantworten. Die Beleidigung soll in einem Versammlungsbericht aus Rödgen der Mitteld. Sonnt.⸗Ztg. Nr. wurde gesagt, daß mehrere Redner in der Ver⸗ sammlung dem vergehen vorgeworfen hätten. noch drei Einwohner aus Rödgen ebenfalls wegen Beleidigung angeklagt. weisaufnahme, bei welch r sich u. a. herausstellte, daß in der Gemeindeverwaltung eine großartige Schlamperei herrscht, beschloß das Gericht auf Antrag des Verteidigers, Rechtsanw. Kaufmann⸗ Gießen die Verhandlung zu vertagen und die Akten der zwecks Untersuchung gegen Fink wegen Meineids. Blatt in Friedberg lügt, daß die Wirte in Steinberg in großer Aufregung seien, Einbuße erlitten hätten. Mensch hat sich beschwert. — Wegen Beleidigung des Flurschützen Fink in Rödgen bei Bad⸗ sich unser Redakteur Vetters 13 enthalten sein. Darin Fink wiederholte Eigentums⸗ Zugleich waren Nach der Be⸗ Staatsanwaltschaft einzusenden — Antisemitischer Schwindel. Hirschels weil sie bei dem Kreisfest Das ist Schwindel, kein Aus dem Rreise gießen. r. Kommunales aus Steinberg⸗ Watzenborn. Die Erledigung unser Ge⸗ meindeangelegenheiten geht neuerdings in recht eigentümlicher Weise vor sich. Da war z. B. kürzlich die Stelle des Wasenmeisters zu be⸗ setzen. Statt die Vakanz, wie das richtig ist, ortsüblich und geschäftsordnungsmäßig bekannt zu machen, schrieb der Bürgermeister einen Vorschlag auf einen Zettel nieder und schickte damit seinen treuen Polizeidiener bei den Ge⸗ meinderatsmitgliedern herum, die durch ihre Unterschrift ihre Zustimmung erteilen sollten. Das taten sie auch, das heißt die Mehrheit der Gemeinderäte. Unseren Genossen im Gemeinde⸗ rat den Zettel zur Unterschrift ebenfalls vorzu⸗ legen hielt der treue Polizeidiener nicht für nötig, er hatte ja die Mehrheit zusammen, was brauchte er da noch die Arbeitervertreter? Ob⸗ wohl wir nun gegen die Anstellung des Vor⸗ geschlagenen nichts einzuwenden haben, halten wir die Behandlung der Sache durchaus nicht für richtig, sie mußte vielmehr, wie das Artikel 36 der Landgemeinde⸗Ordnung vorschreibt, in der Gemeinderatssitzung erledigt werden. Auf dieselbe Art wie dieser Fall wurde auch die Anstellung eines Gänsehirten vom Bürgermeister erledigt.— Solche Vorkommnisse zeigen, wie man über die Vertreter der Arbeiterschaft glaubt hinweggehen zu können, weil sie noch in der Minderheit sind. Daß das anders werde, da⸗ für müssen unsere Genossen sorgen und übrigens werden unsere Gemeindevertreter ihr Augenmerk darauf richten, daß der Vetter⸗ und Verwandten⸗ wirtschaft, welche hier zum Schaden der Ge⸗ d noch eine Rolle spielt, ein Ende bereitet wird. aus dem Nreise Iriedberg⸗Püdingen — Nette Ordnungshüter. Am vorigen Donnerstag brachen der Nachtwächter Blech er und der Feldschütz Launhardt in Oberroßbach im Verein mit einem dortigen Bäckermeister in das Schulhaus ein und mißhandelten die beiden Lehrer Harth und Presser, so⸗ wie die Frau des Letzteren in äußerst roher Weise. Die Ueberfallenen mußten sich in ärztliche Behandlung begeben. Vom Kreisamt Friedberg wurde auf die Bitte um Schutz von Seiten der Mißhandelten sofort Gen⸗ darmerie nach Oberroßbach geschickt und die sofortige Entlassung der gefährlichen Gesetzes⸗„Feld⸗ und Nacht⸗ wächter verfügt. Die Angreifer sollen nicht den gering⸗ sten Grund zu ihrem Vorgehen gehabt haben; sie wollten einige größere ungezogene Jungen, welche Schul⸗ arrest abzubüßen hatten, befreien. Dieser Scherz dürfte für die beiden Gemeindediener noch ein unangenehmes Nachspiel haben. aus dem Nreise Alsfesd-Cauterbach — Wegen Meineids wurden am Montag früh vier Männer verhaftet und nach Gießen abgeführt. Sie hatten in einem Prozeß gegen Schlitt in Leusel be⸗ schworen, daß sie mit einem Mädchen aus Angersbach, das als Nebenklägerin auftrat, geschlechtlich verkehrt der damalige Angeklagte die Zeugen zu dieser falschen Aussage verleitete. 5 Aus dem Rreise Wezlar. h. Bei der Gewerbegerichtswahl am 15. Juli sind nach der Bekanntmachung des Vorsitzenden des Gewerbegerichts folgende Personen als Beisitzer gewählt worden: Als Arbeitnehmer: im Bezirk Wetzlar: Hermann Kothe, Robert Hilde⸗ brand, Jakob Reinhardt, August Beck, sämtlich in Wetzlar; im Bezirk Braunfels: Zimmermann H. Berghäuser, Obern⸗ dorf, Maschinist Fr. Rech, Burgsolms, Schmied Fr. Faber, Braunfels; im Bezirk Ehringshausen: Aufseher H. Messer⸗ schmied, Ehringshausen, Bergmann W. Schmidt III., Ehringshausen, Bergmann J. Stützel II., Dillheim; im Bezirk Krofdorf: Maurer Wilh Mandler, Krofdorf, Zimmerer Ph. Pfaff, Krofdorf, Maurer Wilh. Winter, Gleiberg; im Bezirk Rodheim: Maurer L. Hasselbach, Rodheim, Maurer W. Keller, Rodheim. Als Arbeitgeber: im Bezirk Wetzlar: Handschuhfabrikant D. Diedrich, Dachdecker H. Kottmann, Hüttendirektor Jantzen, Bäcker⸗ meister Kyrmse sämtlich in Wetzlar; im Bezirk Braun⸗ fels: Maurermeister Weitz, Braunfels, Bergwerksdirektor Foelling, Braunfels, Ingenieur Spoerer, Burgsolms; im Bezirk Ehringshausen: Maurermeister Gernand, Ehringshausen,, Maurermeister Schweißer, Ehrings⸗ hausen, Zimmermeister P. Schmidt. Aßlar; im Bezirk Krofdorf: Pflastermeisrer A. Grumbach, Krofdorf, Zigarren⸗ fabrikant K. Stork, Krofdorf, Schreinermeister Chr. Käs, Krofdorf; im Bezirk Rodheim: Zimmermeister L. Krauskopf, Maurermeister L Steinmüller II. beide in Rodheim. Wie wir neulich schon bemerkten, war in⸗ folge der ungünstigen Wahlzeit und Wahlbezirks⸗ einteilung die abgegebene Stimmenzahl eine recht geringe. aus dem Rreise Dillenburg⸗Herborn. Dr. Burckhardt und seine Leute. Herr Dr. Burckhardt sagt in seiner Erklärung gegen mich weiter:„Trott schreibt: Die Sozialdemokraten treten für billiges Fleisch ein.“ Wenn man gerecht sein will, so muß man aber nicht nur für die Arbeiter gute Löhne verlangen, sondern auch den Viehzüchtern gute Preise gönnen. Mittlere, ständige Preise sind daher er⸗ strebenswert. Höhere Löhne und niedere Preise sind ein⸗ fach nicht zu vereinigen.“ Ich frage, was wird denn die Wirkung der Lebens mittel⸗ zölle sein? Als Wirkung des Fleischbeschaugesetzes ist anzusehen, daß die Einfuhr von Büchsenfleisch, die 1898 rund 40 000 Doppelzentner, 1899 39 100 und 1900 55 000 Doppelzentner betrug, für das erste Halb⸗ jahr 1901 aber nur noch 500 Doppelzentner ergeben. Die Einfuhr von Würsten betrug 1899 53 600, 1899 48 600, 1900 38 600 Doppelzentner, im ersten Halb⸗ jahr 1901 aber erst 500 Doppelzentner. Vom 1. April 1903 ab ist auch die Einfuhr von Lungen, Herzen, Lebern und dergleichen verboten, wovon noch 1901 für 29 Millionen Mark eingeführt wurden, dies ist für die deutsche Wurstfabrikation ein ungemein harter Schlag. Außerdem wird der Industrie⸗ und Arbeiterbevölkerung, deren Fleischgenuß hauptsächlich in Wurst besteht, die Ernährung verschlechtert, während, wenn die Einfuhr gestattet wird, die Wurstqualitäten besser sind. Den Schaden der ganzen Zollpolitik hat in erster Linie die deutsche Industrie und speziell deren Arbeiter, die zu schlechteren Löhnen arbeiten müssen oder auch brodlos werden. Es findet eine Auswanderung von Kapital und die Errichtung von Konkurrenzfabriken im Aus⸗ lande statt. Mit sinkenden Löhnen sür die Arbeiter tritt sinkende Konsumtionsfähigkeit und schlechtere Ernäh⸗ rung ein. Das gleiche tritt ein, durch Verteuerung der Lebensmittel. Der Arbeiter wird sozusa gen mit doppelten Ruten gepeitscht. Ebenso wirkt die verschlechterte Lage auf die Handwerker und Gewerbetreibende zurück, deren Kunden die Arbeiter sind. Schließlich wird die Landwirtschoft selbst geschädigt, die ihre eigenen Kousumenten, die Industriearbeiter und die Stadtbevölkerung schwächt. Steigende Unzufriedenheit in den weitesten Kreisen ist die unausbleibliche Wirkung dieser Maßregeln. Die sogenannte„Mittelstandspolitik,“ die man mit der Zoll⸗ politit angeblich treiben will, wird ein Ruin für den gesamten Mittelstand. Wenn B. nun folgert, hohe Löhne und niedere Pneise sind nicht zu vereinigen, da hat er Recht, das tritt aber cuch nie ein. Burckhardt will aber hohe Preise und niedere Löhne, denn in seiner Jungfernspeech, gönnt er ja den Agrariern„ sich er den höchsten Lohn.“ Wenn er mit den wirtschaft⸗ lichen Verhältnissen unseres Wahlkreises einigermaßen vertraut wäre, so würde er unter Beobachtung unserer Krisen⸗ und Prosperitätsjahre zur Einsicht kommen, daß bei hohen Löhnen auch höhere Preise, für landwirtschaft⸗ liche Produkte selbstverständlich sind; ja, man kann ruhig hohe Preise als eine Begleiterscheinung hoher Löhne an⸗ Arbeiterschaft recht zahlreich vertreten sein wird. Jedenfalls werden auch die„dummdreisten hätten. Dies bestritt das Mädchen unter Eid, worauf es verhaftet wurde. Jetzt hat sich heraus gestellt, daß sehen, natürlich künstliche Preistrelbungen oder Mißernten —— „Der berfütt halte. Bauer verlauf trotz Intere Or. licher ruhige Sachw demok 6 nallib 2 schltt. Fraktt berwa des mitis Burckl Minis eine k stets wer Beifa cht! 2 geblic Stim steben sorgel 9 und einem st ez Fagor werder wie i Zeitu. Soble 6 brük wüste auf! dorf dorf Cant in N Minn sic,, wora Dem — E A 2 —— 77... dd e — Nr. 31. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. Seite darf man nicht als Norm ansehen.— Vom Apotheker⸗ und Rentnerstandpunkt allerdings braucht man ja damit nicht zu rechnen, denn die 100 und 200 Prozent Ver⸗ dienste der Medizinal⸗Taxe richten sich nicht nach der Conjunktur, sondern die werden herausgeschlagen, wenn noch so schlechte Lohn⸗ und Arbeitsverhältnisse sind.— Dr. B. hat doch im Reichstage gehört, wie ein agra⸗ risches Mitglied der nationall. Fraktion, der Abg. Held, welcher einen kleinbäuerlichen Kreis vertritt, von der Rednertribüne aus bestätigt hat, daß gerade die Bauern seines Wahlkreises für den Sozialdemokrat gestimmt haben, weil wir gegen hohe Vieh- und Korn⸗ zölle waren. Das Geständnis des Abg. Held hat uns wieder bestätigt, daß unser Standpunkt der richtige war, daß die Getreide- und Viehzölle den kleinen Mann nur schädigen und dem Großgrundbesitzer aber nützen. Wörtlich rief damals der natl. Abg. Held— in unsern Augen ist er auch ein Held— unserer Fraktion zu: „Der Bauer will gar keine Getreidezölle, das Getreide verfüttert er nur oder er verbraucht es in seinem Haus⸗ halte.— Sie werden doch selbst nicht glauben, daß Bauern mit einem Besitze unter 2 Hektar, viel Getreide verkaufen können.“ Wenn eine solch agrarische Autorität trotz politischer Gegnerschaft uns bei der Vertretung der Interessen der Kleinbauern Recht geben muß, dann kann Dr. B. als Ritter ohne Halm und Ar, der von prak⸗ tischer Landwirtschaft gar nichts versteht. sich be⸗ ruhigen. Die Kleinbauern können gar keinen besseren Sachwalter ihrer Interessen bekommen als die Sezial⸗ demokraten. (Weitere Ausführungen über Unterstützung der Natio⸗ nalliberalen sind zurückgestellt. D. R.) Daß Dr. B. den Abg. Krösell von sich abzu⸗ schütteln sucht, ist ja begreiflich. Ob beide in demselben Fraktiönchen sind, ist gleichgültig, geistig und politisch verwandt sind sie miteinander. Auf meine Anführung des württemberg. Ministers Pischeck, der den antise⸗ mitischen Agrarter Wolf der Lüge geziehen hat, sagt Burckhardt, daß bei uns sonst die Aussprüche von Ministern wenig Geltung hätten. Glaubt er damit eine besondere Weisheit zu verkünden? Wir erkennen stets das Wahre und Richtige an, gleichgiltig wer es ausspricht und würden auch Herrn Burckhardt Beifall spenden, wenn er etwas Vernünftiges sagt, bis jetzt hat er uns dazu noch keine Veranlassung gegeben. Triumphierend weist dann Dr. B. auf unsere an⸗ geblich geringe Stimmenzunahme in Haiger hin. Unsere Stimmen stiegen dort von 5 auf 34, beinahe um das siebenfache. Damit sind wir vorläufig zufrieden und sorgen für Weiteres! Herr B. erklärt zum Schluß, daß ihm alle Angriffe und Anfeindungen gleichgültig lassen. Freut mich, einem Korbmacher, der an einem schlechten Korbe flickt, ist es auch ganz gleichgültig, ob derselbe beim Flicken Fagçon behält oder nicht. Wir Genossen aber alle werden weiter arbeiten und in nicht allzulanger Zeit, wie ich zu meiner aufrichtigen Freude in einer liberalen Zeitung las, die christlich-soziale Erbschaft antreten. Soviel für heute! Auf Wiedersehen! L. Trott. t. Ordnungsliebende Sanges⸗ brüder als Knüppelhelden. Zu einer wüsten Keilerei kam es am Sonntag Abend auf der Eisenbahnstation Niederdresseln⸗ dorf. Der Gesangverein von Niederdresseln— dorf feierte an dem Tage seine Fahnenweihe. Sangesbrüder von Herdorf wollten mit dem in Niederdresselndorf fälligen Zuge 8 Uhr 37 Minuten die Rückreise antreten. Sie weigerten sich, dem Bahnbeamten ihre Karten vorzuzeigen, worauf eine regelrechte Prügelei entstand. Dem Bahnsteigschaffner wurde der Arm drei⸗ 0 mal gebrochen, außerdem erhielt er sonst noch bedeutende Verletzungen. Der diensthabende Stationsvorsteher trug erhebliche Verletzungen davon, ebenso zwei weitere Hilfsbeamten. Alle Beamten der Station wurden derartig zu⸗ gerichtet, daß ste dienstuntauglich waren. Die Vereinsfahne, welche als Waffe diente, wurde kurz und klein geschlagen. Die Prügelhelden sind teilweise bereits verhaftet. Aus dem Rreise Marburg⸗Nirchhain. r. Ueber den Bremer Parteitag verhandelte die am Samstag stattgefundene Partei⸗Versammlung. Nach kurzer Diskusston wurden zwei Anträge ange⸗ nommen, die dem Parteitag unterbreitet werden sollen. Von der Entsendung eines Delegierten wurde Abstand genommen. r. Auf zum Gewerkschaftsfest! Wie all⸗ jährlich, so haben die vereinigten Gewerkschaften ein Sommerfest au diesem Sontag, den 31. Juli veran⸗ staltet. Da es uns nur zweimal im Jahre vergönnt ist, ein gemeinsames Fest zu feiern, so wollen sich die Mitglieder der Gewerkschaften recht zahlreich einfinden. Für genügende Unterhaltung hat das Komitee nach jeder Richtung hin gesorgt. Vor allen Dingen müssen unsere Freunde zahlreich zum Festzug antreten, der um 3 Uhr von Valentin Zeiß nach der Schanze abgeht. Auf dem Festplatze giebts Konzert, Gesangsvorträge, Preisschießen, Kinderbelustigung und noch vieles andere. Abends gehts im Lampionzuge durch die Stadt nach dem Schloßgarten, wo ein Tänzchen das Fest beschließen soll. Darum kommt in Schaaren zum frohen Feste! r. Feste auf städtische Kosten. Diese Woche wurde in Marburg der 400 jährige Geburtstag des Landgrafen Philipp des Großmütigen von Hessen ge⸗ feiert, der sich für die Stadt durch die Gründung der Universität besonders verdient gemacht haben soll. Das ist immerhin ein Verdienst, wenngleich wir der Meinung sind, daß ohne diese Gründung des biederen Philipp die allgemeine Bildung auf demselben Niveau stände. Aber den Marburger besseren Leuten gab der Geburts⸗ tag Veranlassung zu einem Fest, mit dem zugleich die 70. Jahres versammlung des Vereins für hessische Ge⸗ schichte abgehalten wurde. Eine große Anzahl Mit⸗ glieder des Vereins hatten sich von Nah und Fern ein⸗ gefunden. Nach der Feier auf dem Schlosse, bei der verschiedene Reden gehalten wurden, bewirtete man sämt⸗ liche Gäste auf Kosten der Stadt. Wer hat aber dazu die Mittel bewilligt? Bis jetzt weiß es noch niemand. Jetzt ist auch ganz leicht erklärlich, warum am letzten Male die Stadtverordneten⸗Sitzung so schwach besucht war. Manche Stadtväter wollten eben eine solche Forderung nicht bewilligen und hatten andrerseits auch nicht den Mut, offen dagegen aufzutreten. Jetzt wird nun der Magistrat„Indemnität“ bei den Stadtver⸗ ordneten nachsuchen müssen. Da es bei der Feier ziem⸗ lich„hoch“ herging, so werden die Kosten dementsprechend sein. Bewilligt werden sie aber doch. Wie aber wäre es, wenn die Stadt eine ansehnliche Summe zu dem Gewerkschaftsfeste beisteuerte? Da bei uns zumeist nur ärmere Leute verkehren, so wäre für die⸗ selben ein Stadtzuschuß eher angebracht als für die reichen Mitglieder des hess. Geschichtsvereins. Kleine Mitteilungen. k Tod durch Ueberfahren erlitt der schon acht zigjährige Landwirt Eichelmann in Echzell. Er wollte am Samstag eine Fuhre Klee heimbringen, als das Pferd durchging. Bei dem Versuche es zu halten stürzte der Greis und geriet unter den Wagen. Er wurde schwer verletzt nach Hause gebracht, wo er bal verstarb. N * Opfer der Arbeit. Schon wieder haben drei Arbeiter im Essener Bezirk bei der Arbeit das Leben eingebüßt! Zwei wurden auf der Zeche Neumühl durch hero bfallendes Gestein getötet, ein anderer zwischen zwei Förderwagen zerquetscht.— Ferner geriet im Nickelwalzwerke in Schwerte ein Arbeiter in eine Transmission, wodurch er so schwere Verletzungen er⸗ litt, daß der Tod sofort eintrat. Lohnbewegungen. Mit einem Siege der Arbeiter endete der Ausstand der Tischler und Glaser in Dresden. Unter den Forderungen, mit welchen die Dresdener Holzarbeiter durchdrangen, befinden sich 9, stündige Arbeitszeit, Mindeststundenlohn von 45 Pfg. für Bautischler und Glaser, 42 Pfg. für Möbeltischler. Vom 1. April 1905 soll die gstündige Arbeitszeit eingeführt und der Lohn um 2 Pfg. per Stunde erhöht werden.— Die Aussperrung im Maingebiete dauert noch fort; ebenso der Schreinerstreik in Offenbach. Versammlungskalender. Samstag, den 30. Juli. Gießen. Wahl verein, fällt aus. Gießen Freie Turnerschaft. abends 8 Uhr Sitzung bei Lö b. Sonntag, den 31. Juli. Lauterbach. Sozialdemokrat. Wahlverein. Nachmittags 3 Uhr Versammlung im Vereinslokal. Dienstag, den 2. August. Gießen. Gewerkschaftskartell. Abends 9 Uhr Sitzung bei Orbig. Russischer Men schenschinder hingerichtet. Der russ. Minister des Innern Plehwe wurde am Donnerstag in Petersburg auf der Fahrt zum Warschauer Bahnhofe durch eine Sprengbombe getötet. Der Wagen mit sämtlichen Insassen flog in die Luft, 20 Personen sollen dabei noch umgekommen sein. Plehwe war einer der brutalsten und blutigsten Schergen des Zarismus und sein Tod ist der Lohn für seine Scheußlichkeiten gegen das Volk, besonders die Studenten und die Arbeiterschaft. Wiederholt ließ er Massenverhaftungen und Auspeitschungen vornehmen; er ist schuld an den scheußlichen Metzeleien in Kischinew und Homel, die den fluchwürdigsten Grausamkeiten, die je ein Bluthund anordnete oder geschehen ließ, würdig zur Seite zu stellen sind. Von Plehwe stammt unter Anderem auch ein Erlaß, welcher zuließ, daß die in Sibirien geborenen Kin der der deportierten Frauen ermordet und als„Todgeburten“ in die Standesbücher gebucht wurden. Unter diese Summe von Greueltaten hat jetzt ein Unbekannter den Strich gezogen.— Mit Plehwe ist aber nur ein Einzelner, wenn auch einer der hündischsten Vertreter des Systems Väterchens dahin. Das System selbst wird weiterbestehen, weiterbruta⸗ lisieren, weite'rmorden und kein Attentat wird es aus der Welt schaffen. Aufklärung der Massen allein wird das Schandregiment Väter⸗ chens stürzen! Festkomitee, R 9 Streng feste Preise! rurs Jugendfest Gesucht A gute Strohbinder bei einer Dreschmaschine in sg Vorteilhaftes Angebot! 1 Heuchelheim. 0 Gel 1 käuf Kreiling. E egen eltskaufe Nheller Nilson lin gelben und roten Kinder- und e gaben f b Mädchen-Stiefeln u. Halbschuhen] uu. acer Wasserkrüge Packköôrbe kaufen Beuner& Krumm Gießen, Bahnhofstr. 40. Ausfall des Händler-Aufschlages Die Fahrradfabrik„Schwalbe“ Act.-Ges. Gegründet 1896 Duisburg-Wanheimerort versendet zu Händler-Preisen ihre Fahrräder und Zubehörteile. Giessen, Mäusburg 12. —— 8 Drucksqchen aller firt fertigt die Buchdruckerei Schläuche„„„„ CCC ã ·² ù Peppeler 8 euer, Giessen Preisliste umsonst und portofrei. Fahrräder schon zu ca. Mk. 60.— Mäntel 1„„* 4. 30 2.90 — a—v— —— — . ———— ——e— ——— — — —— Seite 6. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Rr. 31. Winter ⸗Antisemiten. Am Bahnhofe eines berühmten steierischen Kurortes, der u. a. auch von vielen Juden be⸗ sucht wird, erwartete eine Menge Leute den Schnellzug. Eine Bürgerfamilie vom Orte ist auch darunter, die vollzählig den„Onkel Franz“ aus Wien erwartet. Endlich kommt der Zug und der Langersehnte, ein dicker Selchermeister, steigt aus. Nachdem die überaus herzliche Be⸗ grüßung auch von seiten der Neffen und Nichten zu Ende war, sieht sich der Onkel staunend um, betrachtet die Menschenmenge und sagt zum lieben Schwager:„Aber Jud'n habts ös viel! Ja, seids denn ös nöt Antisemit'n?“„A wull,“ sagte der Angeredete eifrig,„aba nur im Winter!“ Die Stallweihe. In dem gut katholischen„Bayr. Vaterland“ — früher das Organ des bekannten Dr. Siegl — erzählt ein Landgeistlicher folgende interes⸗ sante und nach mehreren Seiten hin bezeichnende Geschichte: Da wurde ich eines Tages gebeten, einen Stall zu benedizieren, weil„oa Stückl nach dem andan umschteht“, d. h. eingeht. Nun kannte ich die betreffende Stallbesitzerin als hervorragendes Muster von Unreinlichkeit. Ich steckte also Stola und Rituale in die Tasche und begab mich nach dem Stalle. Richtig, der wahre Augiasstall en miniature.„Mit Stola und Rituale kannst du hier nichts machen,“ dachte ich mir eben, da zeigte mir die Beherr⸗ scherin dieses Stalles heulend eine Kuh. Auch hier wäre Rituale und Stola ohnmächtig gewesen. „Ja Weiberl,“ sagte ich,„da kann i nimma helfa, dös Schtückl müßt's n Schinda geben.“ „Na,“ heulte sie,„dös hot scho aner kafft“ (gekauft).„Was, ja um wie viel denn?“ fragte ich verblüfft.„um 25 Mark.“„No, guti Nacht, wer da was kriegt, gut'n Appetit.“„Ja, wiss'ns, Här Hochwürden,“flüstert die jetzt unter Tränen Schmunzelnde,„dö in da Schtoad drin fress'ns scho, dö kennas net.“„Ja, wie bringt Ihr denn dös nacha in d'Schtadt?“ „Da kimmt a bei da Nacht.“„Ffffft!“ pfiff ich zwischen die Zähne,„die alte Geschichte!“ Nun, ich bin kein Gendarm, kein Schlachthaus⸗ inspektor, meinetwegen soll die Bäuerin ihre 25 Markl haben. Aber den Stall habe ich ihr nicht ausgeweiht, ich lehrte sie statt dessen folgenden Privatweiheritus: Ich führte sie hin, wo der steinere Wassergrand und nebenan ein Besen standen, nahm den Besen, tauchte ihn tüchtig in den Grand und sagte:„So, dös da is enka Weichbrunnkessel und dös is enka Weichbrunnpemsel, do weichzt enka Stall selber aus, denn in den Dreck geht koa Teuf'l eina, mirks enk dös, bhüaht Gott.“ Verdutzt schaut sie hinter mir drein und eben noch hörte ich sie sagen:„Derhot koan recht'n Glaubn.“ „Ha, ha, das Echo meiner Betschwestern,“ lachte ich und walzte als frisch gewappelter Ketzer auf meiner Filialstrada heimwärts. Das Bild der Arbeitswilligen. Aus Köln wurde kürzlich der„Frankfurter Volksstimme“ berichtet: Der Maurerverband hat über den Bau des Unternehmers Kohl die Sperre verhängt; es ist dem Unternehmer ge⸗ lungen, ein Viertelhundert Arbeitswillige heran⸗ zuziehen, und er beschloß, das Ereignis der Nachwelt zum dauernden Gedächtnis zu über⸗ liefern. Er ließ sich deshalb an der Baustelle inmitten seiner braven Arbeitswilligen photo- graphieren; im Vordergrunde der lieblichen Gruppe halten zwei wilde Männer ein Schild, worauf geschrieben steht:„Zur Erinnerung an die Bausperre bei Ignaz Kohl. Wir halten treu zusammen!“ Einige der Wackeren halten, um ihren Geist zu zeigen, Schnapsflaschen hoch, andere trinken, und— jetzt kommt das Beste: dret der Helden halten jeder in der erhobenen Hand einen Revolver! Wenn die Regierung wieder einmal dem Drängen der Scharfmacher folgt und eine Zuchthausvorlage einbringt, wird sie, das erwarten wir, auch diese Probe Terrorismus ihrem Material ein⸗ verleiben. Bis dahin bemüht sich vielleicht August Scherl, das Bild für eine seiner Zeit⸗ schriften zu erwerben; es verdient mehr, als Die Here. Die Lene war ein kleines, gesundes Mädchen. Gesunde Kinder sind wie Vögel, vom Morgen bis zum Abend in fortwährender ee In dem großen Miethause war Lene auf d Stube angewiesen. Da stürzte sie die Stühle um, lief mit ihrer Puppe um die Wette, sang und krähte und störte dadurch die Mutter, die sich durch Glanzplätten ihr Brot verdiente. Am schädlichsten war Lene, wenn die Mutter aus dem Hause ging, um die Wäsche abzuliefern. Dann brachte sie alles in Bewegung, was be⸗ weglich war, und zerbrechliche Sachen waren dann nie des Lebens sicher. Was halfen alle Ermahnungen bei einem dummen Kinde? Da kam die Mutter auf einen unglücklichen Gedanken. Vor dem Weggehen sagte sie einmal so nebenbei zu ihrem Kinde:„Wenn Du heute nicht ruhig sitzen bleibst, holt Dich die Hexe.“ Lene horchte auf.—„Die Hexe?“ fragte sie. „Ja, die Hexe.“ „Die kann ja aber nicht herein, wenn Du die Tür zuschließt!“ f „Die Hexe kann überall hinein. Sie ver⸗ 11 sich hinter dem Ofen. Man sieht sie aber nicht.“ „Bei uns auch?“ „Freilich, überall, wo kleine Kinder sind.“ „Warum, wo kleine Kinder sind?“ „Sie frißt die kleinen Kinder.“— Damit nahm die Mutter ihre Wäsche, verließ die Stube und schloß die Tür ab. Lene saß einige Minuten starr da. Dann stürzte sie zur Tür, rüttelte an derselben und schrie:„Mutter, Mutter!“ Aber die Mutter hörte sie nicht. Mit scheuen Blicken sah Lene nach der Ofenecke, schlich zu dem alten großen Sofa und duckte sich zitternd in die Ecke. An der Wand gegenüber machte sich ein surrendes Geräusch bemerkbar. Lene steckte in unheimlicher Angst den Kopf zwischen die Sofakissen. Jetzt klirrte es in der Küche— ah, die Uhr schlug ihre Stunden. Nach und nach fing es an zu dämmern. Lene hob den Kopf. Rührte sich da nicht etwas hinter dem Ofen?„Ach wenn doch bald die Mutter käme!“ Und die Mutter kam. Das Knirschen des Schlüssels klang Lene wie Musik. Mit einem Satz sprang sie vom Sofa und krallte sich der eintretenden Mutter in die Kleider. „Ich war artig!“ flüstert sie scheu zur Mutter empor. Die Mutter lächelte. Sie wußte nun, wie man den kleinen Wildfang bändigen konnte. Die Hexe wurde noch grauenhafter, als Lene einmal ihr Bild im Bilderbuche bei dem Knaben des Nachbars sah. Freilich, ein solches Weib mit der langen Nase, mit dem großen Munde und den vorstehenden Zähnen und mit den Händen mit Raubvogelkrallen konnte nur Kin⸗ der fressen. Seit einiger Zeit ging Lene zur Schule. Sie ging gern; denn sie lernte gut und auf dem großen Schulhofe konnte ein kleines lustiges Mädchen nach Herzenslust herumspringen. Eines Tages summte die große Schar der Kleinen vor dem Unterricht wie ein Bienenschwarm. Es ist nicht festgestellt worden, wer unter der Schar das unglückliche Wort zuerst aussprach. Das Summen wurde aber immer stiller, wie ein Raunen ging's durch die Bänke, zuletzt trat eine Todenstille ein und eine weinende Stimme rief:„Ich bleibe nicht hier, in der Schule ist eine Hexe.“ Ein unbeschreiblicher Tumult folgte diesen Worten. Die Kinder stürzten aus den Bänken und drängten schreiend durch die Tür. Lene hatte kaum das grauenhafte Wort ge⸗ hört, das sie seit Jahren wie ein Gespenst ver⸗ folgte, da war sie auch mit einem Satze zum Fenster hinaus, das glücklicherweise zu ebener Erde lag. Wie gehetzt flog sie über den Schul⸗ hof, stürzte durch die offene in Tür den Garten, jagte die Gänge in einer Ecke, wo ein umge⸗ stürztes Faß lag. In blinder Angst stürzte sie hinein und fiel mit einem Wehlaut in Ohnmacht. Das Faß war mit einigen Nägeln ausgeschlagen, die sich in den Körper des Kindes bohrten. manches andere, der weiten Oeffentlichkeit bekannt zu werden. Wochen vergingen, ehe die tiefen, von den ver⸗ rosteten Nägeln erzeugten Wunden geheilt waren. Eine ängstliche Scheu hat aber Lene die gesamte Kindeszeit nicht mehr verlassen. Warum ich dies hier erzähle? Jahre ver- gingen; aber die Mutter erging sich immer wieder in bitteren Klagen, daß ihr Kind durch die Schule zu Schaden gekommen wäre. . 7 Unterhaltungs-Ceil. 7 So du mir, so ich dir. Erzählung von Friedrich Gerstäcker. 2.(Fortsetzung). Aber selbst der Wurm krümmt sich, wenn er getreten wird und in Salomos Schöubeins Herzen begann in diesem Augenblicke eine wunderbare entsetzliche Veränderung. Er haßte den Schneidermeister Ehrlich, der seine Hand gefaßt hatte und sie herzlich drückte— er haßte die Schwiegermutter, die mit blumengeschmückter Haube und freudestahlendem Antlitze hinter ihm drein schritt, ja er haßte in diesem Augenblick selbst seine Braut, das liebe holde Mädchen, das vertrauensvoll ihr ganzes Lebensglück in seine Hände legen wollte. Er vergaß, daß er selber es sei, der zuerst bittend an sie getreten und ihr vorgelogen hatte, wie unendlich glücklich sie ihn durch ihr Jawort mache. Er vergaß, daß der alte ehrliche Schneidermeister es zuerst gewesen, der dem armen unbedeutenden Kommis sein Kind anvertraute, und ihm die erste Hand reichte in der Welt ein selbstständiger Mann zu werden. Er mußte das alles vergessen, wenn er den schwarzen Undank beschönigen wollte, der jetzt sein ganzes Herz füllte; er mußte sein Gewissen damit betäuben, daß er sich selber als schlecht behandelt, als mißbraucht hinstellte, wo er zuerst der Bittende gewesen. Aber was half ihm jetzt das Grübeln, was der finstere Haß?— Unrettbar riß ihn sein Schicksal dem Unvermeidlichen entgegen. Wie sich mechanisch ein Fuß nach dem andern hob, und Schritt nach Schritt die Entfernung kürzte, die ihn noch von dem geglaubten Abgrund trennte, muße auch jede, selbst die letzte Hoff⸗ nung schwinden. Schon umfingen ihn die düsteren beengenden Räume der Sakristet— dort stand der Priester in dem schwarzen Rock, den sorgfältig gefalteten symbolischen Mühlstein⸗ kragen um den Hals und er kam sich in dem Augenblicke vor, wie jemand, der in einen Strom gefallen ist, und mit reißender Schnelle 10 donnernden Mühlwehr entgegengerissen wird. Von den übrigen war indes jedes viel zu sehr mit sich selber beschäf igt, die furchtbare Aufregung des Bräutigams zu bemerken, und wenn ste den Brautjungfern auch vielleicht nicht entging, schrieben diese dieselbe doch natürlich einer ganz anderen Ursache zu. Der Geistliche hatte indessen seine Rede be⸗ gonnen, und wußte dabei nicht wie viel Unglück er mit dem langen zähen Faden, den er spann, heraufbeschwor. Der fromme Mann hielt es für seine Schuldigkeit, den beiden jungen Leuten so recht mit Allgewalt ins Herz zu reden, und glaubte das nicht anders bewerkstelligen zu können, als wenn er lieber gleich von der Er⸗ schaffung der Welt seine Zuhörer allmählig bis zu dem Punkte führte, auf dem sie sich gegen⸗ wärtig befanden. 5. Salomo Schönbein indessen hörte so wenig von der Rede, wie er vorher von der Erzählung des Schwiegervaters und von den gerührten Worten der Schwiegermutter gehört. Aber in der Rede sammelte er Kräfte, in der Rede kam er zu einem Bewußtsein seiner Lage, wenigstens von seinem Standpunkte aus. Ihm war es, als sei er ein armes hilfloses Opfertier, das von feindlichen Gestalten zum Altar geschleppt worden, abgeschlachtet zu werden; dort in der Nach längerem Suchen wurde die Lene ge⸗ funden und aus ihrer qualvollen Lage befreit. Ferne streckten Hanke& Blenkert mitleidig die Hände aus, ihn zu retten— mit aufgelösten 1 f finst Das Ton und hall ung Volt jetzt des Dies er he n esel feine 2 110 abge Klag Var such bei zum zuschl hatte D 1 sic ugeh fc f Stun ber 2 Fenst enn ins eine ite and ite ler ihm lick hen, in er eten lich 1 — —. — D — — — — S ——— — — — 5 Nr. 31. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. Haaren und tranenschwimmenden Augen sah er die Tochter des Geschäfts, und wie mit einer Flut von Eis durchgoß es ihn, als in diesem Augenblicke der Geistliche, der gerade seine Rede zu einem glücklichen Ende gebracht, seine und der Braut Hand ergriff und die entscheidende Frage an ihn richtete:„Wollen Sie diese Jungfrau, Fanny Sophie Barbara Ehrlich zu Ihrer ehelichen Gattin wählen, wollen Sie in Freud und Leid, in Krankheit nnd Trübsal treu bei ihr ausharren, und ihr hilfreich und liebend zur Seite stehen, in allem was das Schicksal Ihnen auferlegen möge?“ Wie in einem Traume war es ihm dabet, als ob er schon neben sich das leise flüsternde Ja der Braut gehört. Da faßte ihn der böse Geist— da raunte ihm ein schwarzer Unhold aus der Unterwelt ins Ohr: jetzt noch sei es möglich die verhaßte Fessel zu brechen. Vor seinem wirren Blicke hob sich bittend, flehend die Tochter des Geschäfts und mit heiserer und angstgequälter Stimme rief er:„Nein!“ Nach diesem Augenblicke hatte er ein un⸗ bestimmtes Gefühl, als ob irgend jemand an seiner Seite ohnmächtig würde, als ob zwei jugendliche Stimmen einen schwachen Schrei ausstießen und eine alte Dame mit einem großen Blumenbukett auf der Mütze ihm die Augen auskratzen wolle. Im nächsten Moment aber fand er sich auf der Straße, flog mehr als er ging eine schmale Quergasse hinunter, kam ge⸗ rade auf den Bahnhof, als der Zug anbrauste und— war gerettet. * 5* Von diesem Momente an, wo sich Salomo Schönbein, wie er es nannte, ermannt hatte, kam auch ein anderer Geist— ein Geist der finsteren hartnäckigen Entschlossenheit über ihn. Das Schlimmste, was überhaupt nur geschehen konnte, war geschehen— der Würfel gefallen und noch dazu ohne seine eigene Schuld. Wes⸗ halb hatte der alte Schneidermeister die Trau⸗ ung so übereilt, wenn er nicht Kunde von dem Lotteriegewinnst des Glücklichen bekommen und jetzt auch recht gut wußte, daß seine Tochter des reichen Eidams nicht mehr würdig war. Diese Gier nach schönem Gold hatte er bestraft; er hatte die Banden abgeschüttelt, die ihn noch an die unteren Schichten der Gesellschaft ge⸗ fesselt, und mit kaltem Blute wollte er fortan seinen Weg verfolgen. Was jetzt noch kommen konnte und mußte, wußte er recht gut: herzbrechende Vorwürfe der abgeschüttelten Schwiegereltern, Tränen und Klagen der verschmähten Braut— bah, das war noch ein schlimmer Tag, und dann aber auch alles glücklich überstanden. Morgen früh bei Tagesanbruch zog er aus, und heute— ei zum Henker, er brauchte ja nur seine Tür zu⸗ zuschließen und niemand herein zu lassen, dann hatte er von selber Ruhe. Das geschah. Zu Haus angekommen, schloß er sich ein und gedachte erst spät abends aus⸗ zugehen, denn die Familie Meister Ehrlichs zog sich immer sehr früh zurück. Nach etwa zwei Stunden hörte er einen Wagen rasseln und vor der Tür halten, aber er wagte nicht aus dem Fenster zu sehen. Jedenfalls war die Familie zurückgekehrt und er durfte nun auf den Besuch des Schneidermeisters rechnen— aber niemand kam. Er hörte im Hause Türen öffnen und schließen und Schritte auf der Treppe und dem Vorsaal, aber an seine Tür kam niemand— Niemand bekümmerte sich um ihn, und Salomo Schönbein wurde zuletzt— so fehr ihm das falsche Herz auch im Anfang gepocht, ordentlich ärgerlich darüber. Das aber half ihm nichts— der Abend kam, an dem er sonst regelmäßig zur bestimmten Zeit zum Nachtessen gerufen wurde. Heute er· schien niemand; selbst das Mädchen, das sein Zimmer zu besorgen hatte, kam nicht herauf. Wollten sie ihn aushungern? Unten im Hause schien alles seinen regelmäßigen Gang zu haben; kein lautes Wort wurde gehört. Der Klang der Schritte klang deutlich zu ihm herauf, wie die Gesellen zu sbrer gewöhnlichen Zeit ihre Arbeitstische verließen.— Vorsichtig schaute er jetzt aus dem Fenster, aber keiner der Leute sah zu ihm herauf. Unten gab der eine der Gesellen dem Lehrjungen eine Ohrfeige, weil er so lange auf dem Besorgungswege geblieben war, dann gingen die Leute ruhig ihrer Wege — sie konnten keine Ahnung von dem haben, was heute in dem Hause ihres Meisters— oder wenigstens in dessen Familie— vorge⸗ gangen war. Es dunkelte schon, ehe sich Salomo getraute sein Zimmer zu verlassen, denn sein böses Ge⸗ wissen ließ ihn fürchten, irgend einem Familien⸗ mitglied, selbst dem Dienstmädchen zu begegnen. Vorsichtig verließ er deshalb das Haus, heute abend in einer Restauration sein Souper zu verzehren und kehrte erst nach elf zurück. In⸗ sofern aber hatte er seine Zeit vortrefflich dazu benutzt, daß er einen Kontrakt über eine vor⸗ läufige neue Wohnung in der Nähe des Hanke & Blenkertschen Geschäftes abgeschlossen. Er traf den Eigentümer eines dort gelegenen Hauses beim Billard und erfuhr hier zu seiner Freude, daß derselbe ein kleines Logis für einen einzel⸗ 900 soliden Herrn gerade frei und leer stehen abe. einen Wink des Himmels, zahlte einen Taler Draufgeld und meldete sich bei seinem neuen Wirt auf morgen früh an. Der Morgen kam. Salomo hatte in seiner gestrigen Aufregung am Abend vorher mehr wie gewöhnlich getrunken und deshalb auch heute länger wie gewöhr lich geschlafen. Sein Erwachen war ebenfalls höchst unangenehmer Art. Heute, mit kaltem Blut, wollte es ihm doch beinahe vorkommen, als ob er gegen die Leute, die ihn so herzlich aufgenommen, nicht ganz recht gehandelt— als ob Fanny wohl Ursache habe, sich über ihn zu beklagen. Aller⸗ dings hatte er früher selber geglaubt, daß er sie liebe, das Gefühl aber, das jedenfalls nur Achtung gewesen, mißverstanden, und sollte er jetzt, da er das noch zur rechten Zeit entdeckt, sein ganzes Leben und seine ganze bürgerliche Existenz einem solchen Wahne opfern? Nein— das ging unmöglich an. Hatte er gefehlt, so war es geschehen; er wollte auch dem Meister Ehrlich keine weiteren Vorwürfe mehr machen. Das alles lag aber jetzt auch hinter ihm, und er, Salomo Schönbein ging einem neuen glänzenden Leben entgegen. Mit diesen Gedanken war er aufgestanden, hatte sich gewaschen und angezogen und befand sich, ohne Kaffee, eigentlich noch immer etwas unbehaglich. Aber er mochte auch nicht danach klingeln und wollte ihn lieber heute morgen auswärts trinken. Ueberdies mußte er jetzt zu Hanke& Blenkert in das Geschäft, sich dort noch für heute morgen, seines Umzugs wegen, zu entschuldigen— dann hatte er nur noch die allerdings fatale Unterredung mit seinem Wirt und gewesenen Schwiegervater in spe in Aus⸗ sicht, und mit der war auch das letzte Unan⸗ genehme überstanden— Fanny würde sich schon nicht dabet sehen lassen, und er hoffte ihr gar nicht mehr zu begegnen. Ueberdies konnte ihm der alte Ehrlich gar nichts anhaben. Wollte er ihm Vorwürfe machen?— dazu hatte er kein Recht und er brauchte sich das nicht gefallen zu lassen, und wurde er— Salomo schrack zusammen, denn an seiner Tür klopfte leise ein Finger. ortsetzung folgt.) Allerlei. Auf der Erde herum. Der„Daily Chronicle“ erzählt eine amüsante Anekdote von dem verstorbenen Präsidenten Krüger. Es handelt sich um eine Unterredung, die der Präsident kurz vor dem Ausbruch des Krieges in Prätorta mit einem Amerikaner, Kapitän Joshua Slocum, hatte. Dieser unter⸗ nehmende Reisende hatte gerade eine Reise um die Welt zurückgelegt und befand sich auf dem Nachhausewege, als ihm einfiel, dem berühmten Präsidenten des Transvaal seine Aufwartung zu machen. Mr. Slocum wurde von dem Richter Beyers dem Präsidenten vorgestellt, der ihn auch zuerst sehr freundlich empfing. Als Kapitän Slocum aber dann erzählte, er sei so⸗ eben um die Erde herumgefahren, verfinsterte Salomo Schönbein betrachtete das als „Sie meinen, Sie sind auf der Erde he gefahren.“ Ohm Paul hatte sich nämlich überzeugen lassen, daß die Erde rund ist, er glaubte bis zu seinem Tode, daz die Sonne um die Erde kreise.— Die Wahrheit der Ge⸗ schichte vorausgesetzt, würde sie der allgemeinen ildung des ehemaligen Präsidenten kein be⸗ sonders gutes Zeugnis ausstellen. Firma Bebel, Singer, Vollmar& Co. Eine heitere Episode spielte sich kürzlich in einem Coupee zweiter Klasse auf der Fahrt nach einem bekannten Ostseebade ab. Auf einer der letzten Kreuzungsstationen war der Andrang der Passa⸗ giere ein besonders großer, so daß die Schaffner sich nicht mehr anders zu helfen wußten, als die Passagiere dritter Klasse in der zweiten Klasse unterzubringen. In einem Coupee zweiter Klasse saß bisher ein einziger Herr, den man den Reserbe⸗Leutnant und notleidenden Agrarier schon von weiter Ferne ansah; der⸗ selbe schien von den Neuzukommenden sehr un⸗ angenehm berührt und brummte etwas wie „Skandalös!“„Unerhört!“ Schließlich wandte er sich an einen ebenfalls neu eingestiegenen Passagier mit den Worten!„Aeh! unglaublich, man sollte doch, äh, mehr Wagen zweiter Klasse gehen lassen! Aeh!“ Zweiter Passagier: „Dritter wäre viel notwendiger!“— Reserve⸗ leutnant:„Aeh, sehr richtig, bemerkt äh! Jo⸗ vial) Aeh!— Reisen wohl geschäftlich? Aeh!“ eee Passagter:„Na, so ähnlich, jeden⸗ falls nicht zum Vergnügen.“— Reserveleutnant: „Aeh— renommierte Firma natürlich? Aeh.“ — Zweiter Passagier:„Größte und angesehenste Deutschlands.“— Reserveleutnant: Meß heißt und macht in?“— Zweiter Passagier: „Heißt: Bebel, Singer, Vollmar& Kompagnie und macht in Sozialismus!“— Allgemeines Gelächter der Mitreisenden erfüllte das Coupee, der Herr Reservelentnant sagte nur noch einige⸗ mal:„Aeh äh“ und verstummte, und es klang wie ein Schrei nach Erlösung, als er am Reise⸗ ziel aus den Coupeefenster hinausrief:„Aeh— Gepäckträger! Aeh, schnell!“ Franklin und das Wahlrecht. Jemand behauptete einst gegen Benjamin Frauklin, baß das Wahlrecht an den Besttz eines Vermögens geknüpft sein müsse, oder daß der Wähler doch wenigstens eine kleine Summe von Dollars haben sollte.„Sehr wohl,“ erwiderte Franklin, zbetrachten wir den Fall eines Mannes, dessen Vermögen in dem Besitze eines Esels besteht, der einen Wert von zwanzig Dollar hat. Er verliert seinen Esel un) verliert sein Wahlrecht. War es der Mann oder der Esel, der das Wahlrecht hatte?“ r Splitter. Wahrhaftig große Männer sind immer ein⸗ fach— ihr Betragen ist immer ohne Kunst und ohne Schminke. Klinger. Humoristisches. Zweierlei Wirkung. Gehn jetzt auch in die Ferien Des Staates Stützen all', Das große Staatsgebäude Kommt deshalb nicht zu Fall, Doch geht einst in die Ferien Das Proletariat, Dann bricht in sich zusammen Der ganze Ordnungsstaat. (HI. E. im„Wahr. Jakob“) Patentmedizin. Apothekerlehrling:„Was be⸗ findet sich denn in der Flasche ohne Etikette?“— Provisor:„Eine Medizin, die schon vielen das Leben gerettet hat; von ihr nimmt man, wenn man das Rezept nicht lesen kann.“ BBB BBB A BBB Empfehlenswerte sozialistische Schriften. Von der Expedition der Mitteld. Sonnt.⸗Zeitung Gießen, Rittergasse 17, sind zu beziehen: Die Neue Zeit. Wochenschrift der deutschen Sozialdemokratie. Allwöchentlich ein Heft. Preis 25 Pfg. sich das Gesicht des Präftdenten, der ihn in ziemlich scharfem Tone korrigierte und sagte: Wahrer Jakob; Süddeutscher Postillon. Witzblätter. Erscheinen alle 14 Tage. Prels 10 Pfg. — ——— e ee — 3 e Seite R. Mitteldentsche SonntagsZeitung. No. 31. Freje Turnerschaft Giessen. Sonntag, den 31. Juli 1904: Großes Sommer ⸗Fest nuf der Pulvermüble bestehend in Konzert, turnerischen Aufführungen, Dam en⸗ und Kinderspielen, 1 Tanz u und Volksbelustigungen usw. unter gütiger Mitwirkung des Gesangvereins„Eintracht“. Festrede vom Turugenossen und Stadtverordneten Eduard Krumm. Bei eintretender ⸗ Dunkelheit: Nallenische Hacht mit feenhafter Beleuchtung. 5 Lampion- Polonaise. Aufaug präzis 3 Uhr. Kinder frei. Eintritt 20 Pfg. Karten sind sichtbar zu tragen. Mitglieder gegen Vorzeigung der Mitgliedskarte 1 Dame frei u zahlreichem Besuche ladet ein a Die Verguügungskommission. Vereinigte Gewerkschaften Marburgs. Sonntag, den 31. Juli 1904: Grosses Gewerkschafts⸗Fest. Nachmittags 3 Uhr: Abmarsch des Festzuges von der Wirtschaft Valentin Zeiß nach der Schanze. Daselbst Waldfest, bestehend in Konzert, Gesangsvortr., Kinderbelustigungen ꝛc. Abends ½ 9 Uhr: Lampionzug durch die Stadt nach Restaurant Schloßgarten, daselbst TANZ. Zahlreiche Beteiligung der Arbeiterschaft Marburgs erwartet Die Gewerkschaftskommission. A 5 A rare Für Arbeiter und Landleute empfehle mein reichhaltiges 2 Keluhwaren lager* Arbeiterschuhe und-Stiefel Sowie alle sonstigen Schuhwaren in jeder Preislage und reicher Auswahl. Justus Benner Marktstrasse 34. . — Ferd. Nennstiel Ciessen, NMochsdti. 8. Lager in sämtlichen Kastenmöbeln, poliert und lackiert, als Vertikows, Kleiderschränke Tische, Stühle, Spiegel Küchenmöbel Spezialität: Betten und Polstermöbel eigener Anfertigung Uebernahme voll- Spazierstöcke kauft gut und billig in der Cusseler Schirmfubrilli Giessen, Seltersweg 9. Marburg Tulda Ca ssel Schirme werden repariert und neubezogen. A oer var La us möbel ständ. Ausstattung. *— 10 l Konsumvereindiessen 5 Carl Müller 0 und Umgegend. 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