1 1 1 N 0 1 ———— er. 44. Gießen, den 30. Oktober 1904. 11. Jahrgang Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. — Sonnt Mitteldeutsche edualttonsschuß: Donnerstag Nachmittag 4 U. N gs⸗Jeitung. Abonnementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Austräger fre ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Postanstalt und die Expedition unrer Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 5107) Bestellung en 6 finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Juserate Die ögespalt. Bei mindestens 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung 33½% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Die Schulden. Ueber die Schulden des Reiches und der Bundesstaaten ist der amtlichen Finanz⸗ statistik folgendes zu entnehmen: Die n Schulden des Reiches be⸗ trugen zu Beginn des Rechnungsjahres 1903 2 2813,5 Millionen Mark; darunter waren 2733,5 Millionen Mark fun⸗ dierte und 80 Milltonen Mark schwebende Schul⸗ den. In den Bundesstaaten betrugen die Schulden 17 766,3 Millionen Mark, davon 11.730, Millionen Mark fundierte und 46,1 Millionen Mark schwebende. Im Ver⸗ gleich zum Jahre 1902 haben sich die fundierten Reichsschulden nicht geändert, doch sind im Laufe des Rechnungsjahres 1903 290 Millionen Mark beigegeben worden. In den Bundesstaaten haben sich die fundierten Staatsschulden von 1901 zu 1902 um 462 und von 1902 zu 1903 um 471 Millionen Mark erhöht, so daß in den zwei Jahren eine Zunahme um 933 Milltonen Mark oder 8,6 v. H. stattgefunden hat. An dieser Zunahme ist Preußen mit 422, Sachsen mit 150, Bayern mit 98, Baden mit 86, Hamburg mit 52, Hessen mit 48, Bremen mit 32, Württemberg mit 25 und Mecklenburg⸗Schwerin mit 18 Millionen Mark beteiligt. Auf den Kopf der Bevölkerung ent⸗ fallen im Reich 48,49 Mark Reichsschulden und 208,10 Mark Staatsschulden, zusammen also 256,59 Mark. Die Staatsschulden sind verhältnismäßig am größten in den Hansestädten; in Bremen kommen auf den Kopf 856,04 Mark, in Ham⸗ burg 596,54, in Lübeck 378,20 Mar; dann folgen Hessen mit 297,05, Württemberg mit 239,77, Bayern mit 236,48, Sachsen mit 233,24, Baden mit 225,58, Mecklenburg⸗Schwerin mit 208,74 und Preußen, das unter den größeren Staaten am günstigsten dasteht, mit 203,84 Mk. Ganz auffallend gering ist die Staatsschuld in Sachsen⸗Weimar mit 4,94 und Sachsen⸗ Altenburg mit 4,53 Mark auf den Kopf. Die Ausgaben an Verzinsung, Tilgung, Verwaltung u. s. w. für die fundierten Staats⸗ schulden betragen bei der Reichsschuld 94,4 und bei den Staatsschulden 471 Millionen Mark, zusammen also 565,4 Millionen Mark oder 10,04 Mark auf den Kopf der Bevöl⸗ kerung. Auf die Staatsschulden allein entfällt ein Betrag von 8,36 Mark für den Kopf, in Preußen ein solcher von 8,27 Mark. Die Zahlen über die Höhe der fundierten Schulden stnd wegen der verschiedenen Verwendung, der die Schulden in den einzelnen Bundesstaaten dienen, nur mit Vorbehalt vergleichbar und verwertbar. Wie in den Hansestädten der weitaus größte Teil aufgenommen ist zwecks Baues von Ver⸗ kehrsanlagen, die wieder Einnahmen abwerfen, so sind auch in den Eisenbahnstaaten die Eisen⸗ bahnschulden, denen ein werbendes Vermögen gegenübersteht, mit enthalten. Sondert man die Eisenbahnschulden aus, so verbleiben von den 11,7 Milliarden Mark der Bundesstaaten nur 4,5 Milliarden reine Staatsschuld(von der noch mindestens /, Milliarde auf die gedachten hanseatischen Anlagen entfällt), der Durchschnitts⸗ anteil an den einzelstaatlichen Schulden sinkt dann von 208,10 auf 80,15 Mark und die Ausgaben für die Staatsschulden fallen von 8,36 auf 3,22 Mark für den Kopf. Baden tritt nach Abzug der Eisenbahnschulden unter die schulden⸗ freien Staaten, in Württemberg beträgt der Rest der Staatsschuld 15,40 Mark auf den Kopf, in Bayern 32,40, in Sachsen 53,56, in Preußen, das nunmehr nächst den Hanse⸗ städten und Braunschweig am schlechtesten dasteht, 92,04 Mark. Das Aulagekapital der Eisenbahnen beträgt im Reich und in den Einzelstaaten 12,69 Milliar⸗ den Mark, übersteigt also die Eisenbahnschulden, die 7,37 Milliarden betragen, um rund 5/ Milliarden. In Preußen stehen dem Anlage⸗ kapital von 8,08 Milliarden Mark Eisenbahn⸗ schulden von 3,85 Milliarden Mark gegenüber, so daß das Anlagekapital die Schulden 4,23 Milliarden Mark übersteigt. Die in der Hauptsache gegen den Militaris⸗ mus, die Kolonialpolitik ꝛc. berursachte Reichs⸗ schuld ist eine ganz ungeheure, zu deren Ver⸗ zinsung Riesensummen aufgebracht werden müssen. Und sie werden vorwiegend aufgebracht durch Steuern auf die notwendigsten Lebens⸗ mittel der minderbemittelten Klassen und sie fließen in Gestalt von Zinsen in die Taschen der Besitzenden. r 200 Millionen Mark für die afrikanischen Wüsten. Immer neue Truppentransporte gehen nach dem Aufstandsgebiete in Südwestafrika ab und man macht sich in Regierungskreisen langsam mit dem Gedanken vertraut, daß der Krieg noch recht lange dauern und noch manches Milliön⸗ chen Mark Opfer kosten wird. Zumal jetzt, wo noch mehrere Negerstämme gegen die Deut⸗ schen sich im Aufstande befinden. Man rechnet bereits damit, daß der Krieg noch mindestens zwei Jahre dauert! Auf mehr als hundert Millionen be⸗ laufen sich nach einer Nachricht, die die„Schle⸗ sische Zeitung“ aus gut unterrichteten kolonialen Kreisen erhalten hat, die bisherigen Kosten des Hererokrieges. Die Kosten, die die Nieder⸗ werfung des ganzen südwestafrikanischen Auf⸗ standes verursachen werden, werden von den⸗ selben Kreisen auf rund 200 Millionen geschätzt. Das wird selbst dem Flottentollsten zu toll. So schreibt das„Berl. Tageblatt“: .. Die Kolonie kann uns in absehbarer Zeit keine Vorteile bieten, selbst wenn sie nicht so verwüstet wäre wie gegenwärtig. Da wird ein so hohes Opfer doppelt schwer, und drei⸗ fach schwer wird es, wenn man sich vergegen⸗ wärtigt, wie viele vitale Reichsinteressen in der inneren wie in der äußeren Politik unter dem chronischen Geldmangel leiden müssen. Wieviel hätte für die 200 Millionen, die wir nun à fonds perdu“) hinauswerfen müssen, auf dem Felbe dringender Reichsaufgaben geleistet werden können. So wird es allmählich auch den Bestgestnnten klar, wie recht die Nörgler und Vaterlands⸗ feinde mit ihrer Kritik an der deutschen Kolo⸗ ) Als verlorenes Geld. ntalpolitik gehabt haben. Das„Tageblatt“ spricht nun jetzt endlich offen aus, was längst klar ist, freilich aber bisher nur in sozialdemokra⸗ tischen Zeitungen zu lesen war: daß nämlich der südafrikanische Krieg eigentlich der hellste Wahnsinn und die tollste Millionenvergeudung ist, die in der Weltgeschichte jemals vorge⸗ kommen ist. Wem glaubt man Respekt einflößen zu können durch eine Politik, die den afrikanischen Sand mit deutschem Blute düngt, die Wüstenet, so weit und breit ste ist, mit Hundertmarkscheinen tapeziert und zugleich weiß, daß das alles nur zum Vergnügen geschieht und daß das deutsche Volk für alle ungeheuren Opfer, die es bringt, niemals irgend einen greifbaren realen Vorteil haben wird? Aber der Aufstand soll niedergeworfen werden, koste es, was es wolle, denn es handelt sich in Südafrika um„unsere Ehre“. Die Masse des deutschen Volkes ist auf diesen Ehrenkodex glücklicherweise nicht ein⸗ geschworen; die Notwendigkeit, daß„wir“ uns mit Samuel Maharero, Heinrich Witboi und den anderen afrikanischen Herrschaften auf Tod und Leben duellieren müssen, sieht es durchaus nicht ein. Den herrschenden Klassen fällt die Schuld an diesem tollen Ehrenhandel vom Anfang bis Ende zu. Und wenn hundert und aberhundert Millionen dafür geopfert wer⸗ den, so geschieht es nicht deshalb, weil es die Ehre des deutschen Volkes, sondern weil es 115 9 des herrschenden Systems so ver⸗ angt. Daß dabet nicht einmal die Formen ge⸗ wahrt bleiben, die die Verfassung vorschreibt, daß über den Kopf des Reichstages hinweg nach rein absolutistischer Art Ausgaben gemacht werden, die das Gleichgewicht des Reichshaus⸗ haltes für Jahre über den Haufen werfen und die regellose wirtschafts- und verfassungswidrige Schuldenwirtschaft vermehren, gehört zu den besonderen preußisch⸗deutschen Eigentümlichkeiten dieses Systems. Es ist merkwürdig, daß noch kein freisinniges Blatt diesen in die Augen springenden Umstand hervorgehoben hat und daß es immer wieder nur die„Umsturzpresse“ ist, die für die Beachtung der Verfassung eintritt. Der Ehrenfeldzug nach Südwestafrika bleibt in allen Erscheinungen, die er zeigt— in kolonial⸗ politischer, innerpolitischer, militärischer Be⸗ ziehung— ein unerträglicher Skandal. Wird der Reichstag ihm ein Ende machen?“ * Im übrigen stehts mit dem Ehrenfeldzug gar nicht so glorreich aus. Die Hiobsposten aus dem schwarzen Erdteil jagen einander, der Typhus fordert ungeheuer viel Opfer. Man kann keine Freiwilligen mehr bekommen, was sich auf die Lockungen der Kreisblätter meldet, ist meist unbrauchbares Material. Es ist tat⸗ sächlich im Volke wenig Luft vorhanden, sich für die südafrikanische Sache ins Zeug zu legen. Es werden daher meist aktive Militärpersonen zu dem Expeditionskorps genommen, von denen sich aus einer Reihe von Gründen mehr„Frei⸗ willige“ melden.— Kurz, in der ganzen deutschen Kolonialpolitik haben wir ein einzig dastehendes Fiasko erlebt. ! Dr ..— 0 0* —— —— 1 5 8 ——————— 2 — — 2 — — — — — — 78 —— — ä Seite 2. mitte ldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 44. Politische Rundschau. Gießen, den 27. Oktober 1904. „Erstklassige Meuschen“. Unter diesem Titel hat der Militär⸗Schrift⸗ steller Graf Baudissin, der unter dem Schrift⸗ stellernamen„Frhr. v. Schlicht⸗ schreibt, vor Jahresfrist einen Roman veröffentlicht. Das Werk machte böses Aufsehen in Offtzierskreisen, wie auch in den diesen nahe stehenden Gesell⸗ schaftsschichten. Aber auch sonst fand das Buch wenig Verteidtger. Dasselbe stellte, als ob es sich um etwas Selbstverständliches handelte, die Zustände in einem der vornehmsten Regt⸗ menter des preußischen Heeres so dar, daß die wahrheitsgetreueste Schilderung einer Ver⸗ brecherhöhle als ein liebliches Idyll dagegen erscheint. Alle Welt blickte entsetzt in diesen Spiegel sittlicher Verwahrlosung und niemand, der sich eine Spur moralischen Empfindens be⸗ wahrt hatte, blieb bei der Lektüre dieses Roman⸗ pamphletes von Schüttelfrösten des Ekels ver⸗ schont. Nur darüber, wie weit die Schuld an diesem wahrhaft niederschmetternden Eindruck dem Verfasser, wie weit sie dem Stoffe selb'st zuzuschreiben war, wogte der Streit der Mei ⸗ nungen. Die staatserhaltende Presse versicherte, daß es sich hier bloß um ein Sammelsurium der schmählichsten Lügen und Verleumdungen handle; dagegen hafteten damals in der Er⸗ innerung der Massen die Skandale von For⸗ bach und anderen„kleinen Garnisonen“ viel zu fest, als daß man al les, was der Verfasser zu behaupten sich erkühnte, in das Fabelreich hätte verweisen wollen. Aber selbst bei den „Vaterlandslosen“, den geschworenen Gegnern unseres verderblichen und verderbten milita ristischen Kastenwesens überwog die Meinung, daß die„Erstklassigen Menschen“ nicht als ein Bild der Wirklichkeit, sondern nur als ein Zerr⸗ bild zu betrachten seien, das vorhandene schwere sittliche Schäden ins Ungeheuerliche übertreibe. Herr Wolf Graf Baudissin stand wegen dieses Buches am letzten Sonnabend in Berlin vor Gericht. Er hätte sich als Angeklagter darauf berufen können, daß es sein Recht als Romauschriftsteller sei, die Wahrheit phantastisch zu übersteigen. Er hätte zugeben können, daß sein Buch mehr Dichtung als Wahrheit sei, er hätte behaupten können, daß er schadhafte Zu⸗ stände habe bessern wollen, indem er vorhandene Laster durch das Vergrößerungsglas seiner Romankunst zeigte. Von einer solchen Art der Verteidigung blieb der erstklassige Verfasser des Buches„Erstklassige Menschen“ weit entfernt. Seine ganze Ver⸗ teidigung war vielmehr danach gerichtet, als ob er mit lächelnder Unschuldsmiene fragen wollte: „Ja, was ist denn da eigentlich dabel?“— Der Roman wurde verlesen. Seinen Inhalt faßte der Staatsanwalt zusammen: Die Offiziere erschienen darin ohne Ausnahme„als Gecken und Narren, ohne ernstes Streben, als Mäd⸗ chenjäger von fast brutaler Roheit, als lieder⸗ liche Menschen, als verlumpte stttlich tiefstehende Schurken“. Aber Wolf Graf Baudissin, der 12 Jahre lang Offizier gewesen ist, dessen hoch⸗ aristokratische Verwandtschaft in hohen mili⸗ tärischen Stellungen steht, ja der einen eigenen Sohn de m Stande zuführen will, den er als einen Abgrund der Verworfenheit geschildert hat, findet das alles als nichts Besonderes, beinahe als etwas Selbstverständliches und Bekanntes! Er erklärt sogar:„Ja, es ist so!“ Wenn auch, was in seinem Buche stehe, nicht so erlebt sei, so sei doch alles, was in dem Buche stehe, erlebt. Er sei imstande, den Wahr⸗ heitsbeweis zu führen! Aber er habe keine Lust, den Sozialdemokraten neues Futter zu bringen und alte Kameraden an den Pranger zu stellen. Der gräfliche Angeklagte kam bedeutend billiger davon, als ein sozialdemokratischer Redakteur bei der gleichen Sachlage davon ge⸗ kommen wäre. Er erhielt nur 300 Mk. Geld ⸗ strafe, der Verleger 200 Mk. Das Urteil ist bemerkenswert. Wäre nämlich die Behauptung des Angeklagten, seine Schilderungen entsprächen der Wahrheit, richtig, dann hätte er über⸗ haupt keine Strafe verdient. Standen aber die Richter auf dem Standpunkt, daß die Behaup⸗ tung des Angeklagten, er habe für alles den Wahrheitsbeweis in der Tasche, unrichtig sei, dann wird man das Strafmaß nicht über⸗ mäßig hoch finden können. Der Prozeß der„Erstklassigen Menschen“ hat unter lauter erstklasstgen Menschen gespielt; der unbehandschuhte Pöbel, der so ungebildet ist, Schurken Schurken zu nennen, hat sich mit der angenehmen Rolle des Zuschauers begnügen dürfen. Und so ist es auch in diesem erst⸗ klassigen Prozeß sehr höflich und sänftiglich, rücksichtsvoll von allen Seiten zugegangen. ES wurde kein aufregender Wahrheitsbeweis ge⸗ führt, kein ungeheuerliches Urteil gefällt— und doch erscheint von allen militärischen Skandal⸗ prozessen dieser der allerschlimmste. Wie der Krieg verroht. Ein bürgerliches, also„gutgesinnntes“ Blatt in Offenburg in Baden veröffentlicht den Brief eines Hererokriegers, der u. a. schreibt: „Ein Herero, der mir unter die Hände fällt lebend, für den ist die Kugel zu teuer, aber das, was auf meinem Gewehr aufge- pflanzt ist, soll ihm wohl bekommen, bis er den letzten Atemzug tut. Bei dem letzten Gefecht nach Ostern wurde festgestellt, daß sie bloß auf Kleider ausgehen; 15 Tote wurden von uns gefunden, nackt ausgezogen, einem Leutnant die Brust kreuz und quer durchschnitten, der wahrscheinlich noch lebte, als es vollzogen wurde. Das besorgen alles die Weiber. Wenn einer von den Männern tot oder kampfunfähig wird, so stehen schon wieder andere da, die das Gewehr abnehmen und weiterfeuern. Es wurde gesehen, daß ein toter Herero noch völlig im Anschlage lag mit der Pfeife im Munde und zielte; so sterben die Hunde; ein anderer wurde ge⸗ funden sitzend am Wasser hinter einem Busch. Dieser hatte in einer Hand einen Fetzen Tuch, war wie lebendig in Stellung und hatte Wunden ausgewaschen; als man näher untersuchte, hatte er 6 Schuß. So haben die Bengels ein Leben, daß sie mit 5 Schuß noch weiter kämpfen. Jetzt hört die Schweinerei auf. Wenn unsere Truppen am Platz sind, so hört der Kampf nicht eher auf, als bis alle Lahin sind.“ Wenn ein Deutscher mit dem Gewehr im Anschlag und der Pfeife im Munde auf dem „Felde der Ehre“ stürbe, der würde stcher als Held ersten Ranges gefeiert werden. Stirbt aber ein Herero so, der doch auch sein Vater⸗ land gegen fremde Eindringlinge verteidigt, so stirbt er, wie ein Hund! Die Kolontalkriege kosten dem deutschen Volke nicht nur ungezählte Millionen und Menschenleben, sie haben auch für die dabei Beteiligten schwere moralische und sittliche Schäden im Gefolge. Die internationale Sozialdemokratie für den Frieden! Die belgische Arbeiterpartei hat den Vor⸗ schlägen Jaures gemädz beschlossen, eine Propa⸗ ganda zugunsten des Friedens zu eröffnen. Ferner teilt der italienische Genosse Andrea Costa dem Genossen Jaures mit, daß die italienischen Parteigenossen sich seinen Vor⸗ schlägen auschließen und daß die Sozialisten von der italienischen Kammer in diesem Sinne vorgehen würden. Sodann teilt Jaures seinen Lesern mit, daß auch der„Vorwärts“ der deut⸗ schen Partei versichert habe, daß diese im Reichs⸗ tag ebenfalls ihre Stimme gegen die Bestiali⸗ täten des Krieges erheben werde, und versucht nun die Bedenken des„Vorwärts“ zu zer⸗ streuen. Diese gingen dahin, daß von einem Eingreifen der Mächte im Sinne der Herbei⸗ führung des Friedens schließlich nur Rußland profitieren, kurz, daß sich das ganze Spiel von 1895 wiederholen werde, wo Japan bekanntlich durch die Diplomatie von Rußland, Deutschland und Frankreich um die Früchte seines Sieges gebracht worden ist. Jaures sagt, es handele sich nicht um eine sofortige diplomatische Aktion, sondern in erster Linie darum, der Stimme der Menschlichkeit das größtmöglichste Gehör zu verschaffen. Nachdem Japan in den neun Monaten des Kampfes seinen festen Willen be⸗ zeugt habe, seine Existenz zu behaupten, könne ihm sein Platz in der Reihe der großen Nationen und die notwendigen Garantien nicht mehr ver⸗ weigert werden. Aber einerseits müsse Ruß⸗ land diesen Garantien zustimmen, andererseits dürfe Japan mit seinen Forderungen nicht über das hinausgehen, was für seine Lebensinteressen und als Gewähr seiner Sicherheit notwendig sei. Amnestie in Sachsen. Anläßlich des Thronwechsels ist Sachsen mit einer Amnestie beglückt worden. Das Regierungsblatt veröffenklichte eine Kundgebung des neuen Königs, wonach alle wegen Maje⸗ stätsbeleidigung, Hausfriedensbruchs, wört⸗ licher Beleidigung einer Behörde oder eines Beamten, Preßvergehens, sowie Uebertre⸗ tungen gegen das Forst⸗ und Feldstrafgesetz ver⸗ hängten Strafen erlassen wurden. Die Voll- streckung der Strafen wurde am 25. Oktober aufgehoben. Durch den Erlaß hat u. a. unsere Genossin Luxemburg, die seit Ende August wegen angeblicher Majestätsbeleidigung im Ge⸗ fängnis zu Zwickau saß, einen Monat profitiert. Das letzte Löbtauer Opfer ist leider unberück⸗ sichtigt geblieben. Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß der strebsame König nicht weniger als 120 Millio- nen Mark Vermögen hinterlassen hat ohne die 52 Ritter güter, die sich in seinem Be⸗ sitze befanden! Und dabei erhielt er bei seinem Regierungsantritte noch eine sehr erhebliche Gehaltszulage! Die Masse des Volkes aber muß sich mit der kümmerlichen Lebenshaltung be⸗ gnügen. Bergwerks Verstaatlichung. Seit lange bemüht sich der preußische Staat die Kohlengrube„Hibernia“ in seinen Besitz zu bringen, seine Versuche sind aber bisher ge⸗ scheitert. Die Aktionäre haben am Samstag den Verkauf des Unternehmens an den Staat abgelehnt. Die besseren Leute halten fest, was sie haben und halten sich allein für berech⸗ tigt, sich durch Ausbeutung der Bodenschätze— die von Natur- und Rechtswegen der Gesamt⸗ heit gehören— und durch Ausbeutung der Arbeiskraft Tausender von Arbeitern die Taschen zu füllen. Grundsätzlict muß die sozialistische Arbeiterschaft für Ueberführung der Bergwerke in den Besitz der Allgemeinheit sein. Der heutige Staat ist aber von unserem Standpunkte aus kaum anders aufzufassen, als der Großkapitalist und deshalb braucht die Sozialdemokratie keine Anstrengungen zu machen, demselben neue Mackt⸗ mittel zuzuführen. Die Hibernia⸗Affaire zeigt aber für jeden Einsichtigen, wie notwendig der Sieg des proletarischen Sozialismus ist. Für Calbe⸗Aschersleben, wo an Stelle des so tragisch geendeten Genossen A. Schmidt eine Reichstags⸗Ersatzwahl statt⸗ finden muß, ist Genosse Albrecht⸗Halle in Aussicht genommen. Albrecht gehörte schon dem vorigen Reichstage als Vertreter vom Anhal⸗ tischen zweiten Wahlkreise an, der 1898 nur mit sehr geringer Mehrheit genommen wurde und im Vorjahre unserer Partei verloren ging. Die Antwort der„Lumpen“. Gegen den antisemitischen Bürgermeister Lueger in Wien, der bekanntlich die mai⸗ feiernden Arbeiter Lumpen schimpfte, richtete sich eine riesige Demonstration, welche die Wiener Arbeiter am Sonntag veranstalteten. Zur Feier des 60. Geburtstages Luegers wollten ihm seine Christlich⸗Sozialen einen Fackelzug bringen, der jedoch von der Regierung verboten wurde, die jedenfalls Zusammenstöße mit der erbitterten Arbeiterschaft befürchtete. Dessenungeachtet fan⸗ den sich nachmittags zwischen 4 und 5 Uhr etwa 30000 Arbeiter vor dem Rathause ein. Die„Frlftr. Ztg.“ berichtet weiter: Die aus ganz Wien zusammengezogene Wache zu Fuß und zu Pferd sperrte bereits in den ersten Nachmittagsstunden sämtliche zum Rathaus führenden Straßen ab, zog bei Anrücken der Arbeiterschaft einen dreifachen Kordon um die Promenade und beschränkte die Arbeiter auf die Ringstraße, während sich trotz der gesperrten Straßen unter den Fenstern der Wohnun Luegers successive etwa 1000 Christlich⸗soziale ansammelten. Die Massen der in geschlossenen Trupps aus einzelnen Bezirken anmarschierenden U 1 bliche muß g be⸗ Staat stz zu 1 ge⸗ Metag Staat i fest, herech⸗ te— am t⸗ 9 der Aschen sstische werke heutige e aug pitalis ie keine Mact⸗ e zeigt dig der * enossen 15 l. dell Nuhal⸗ 5 un wurde 1 ging. .— Nr. 44. Mittel deutsche Sonntags⸗Zeituna. Seite 5. Leute, welche die Leiche tragen, sehr schwierig. Hier wäre es an der Zeit, daß ein Leichenwagen beschafft würde. Bedauerlich ist es, daß unsere Gemeinde derartige un⸗ bedingt notwendige Einrichtungen noch nicht hat. Für zwecklose Sachen war schon öfters Geld in Hülle und Fülle da, aber in wirklich gemeinnütziger Beziehung etwas zu leisten, dazu hat sich die Mehrheit unsres Gemeinderats niemals aufzuschwingen vermocht. Hätte unser Gemeinderat in seiner Mehrheit sein Denkvermögen etwas besser angestrengt und wäre er nicht für weniger notwendige Dinge so bewilligungseifrig, so hätten wir weniger Schulden, und die angeführten Einrichtungen könnten schon längst zum Nutzen der Einwohnerschaft trotzdem beschafft worden sein. Aufgabe unsrer Genossen im Gemeinderate wird es noch mehr wie seither sein, dafür zu wirken, daß in dieser Beziehung mehr geleistet wird wie seither, mit ihrer Tätigkeit zu zeigen, wer das Interesse der Gesamtheit ver tritt und wer nicht. Aus dem Nreise Wetzlar. h. Die Parteiversammlung für den Wahlkreis Wetzlar, welche am Sonntag im Orbig'schen Lokale in Gießen stattfand, war gut besucht. Aus Frankfurt war Genosse Dittmann als Vertreter der Agitation skommission für Nassau erschienen. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrte die Versammlung das Andenken des verstorbenen Abg. Schmidt durch Erheben von den Sitzen. Der Kreisvertrauensmann, Genosse Fauth, gab hierauf den Jahres- und Kassen⸗ bericht. Nach Prüfung der Abrechnung beantragten die Revisoren Entlastung für den Vertrauensmann, die ein⸗ stimmig genehmigt wurde. Ueber den Punkt„Organi⸗ sation“ fand eine sehr lebhafte Aussprache statt, in die besonders Genosse Dittmann belehrend eingriff. Schließ⸗ lich gelangte ein Antrag zur Annahme, nach welchem die einzelnen Vertrauensleute im Verein mit der Agita⸗ tionskommission in Frankfurt das Statut in allernächster Zeit endgültig festlegen sollen. Als Vertrauensmann wurde Fauth wiedergewählt. Nach weiterer lebhafter Diskussion im„Verschiedenen“ schloß der Vorsitzende gegen 7 Uhr die Versammlung mit einem begeistert auf⸗ genommenen Hoch auf die Sozialdemokratie. h. Die Stadtverordneten ⸗Wahlen, welche bekanntlich am 8. November staltfinden, haben die Bürgerschaft noch nicht viel in Be⸗ wegung gebracht. Außer einigen„Eiugesandt“ in dem Amtsblatt merkt man nichts davon. Es ist auch natürlich, daß sich die Masse der Bevölkerung nicht besonders ins Zeug legt, denn bei diesem Wahlrecht ist stets der Sieg auf Seite der Besitzenden. Dazu kommt noch die öffentliche Stimmabgabe!— Unserer Partei ist es aus einer Reihe von Gründen für jetzt noch unmöglich, mit eigenen Kandidaten einzugreifen. Trotzdem müssen es unsere Partei⸗ genossen für ihre Pflicht halten, sich an der Wahl zu beteiligen und den Kandidaten ihre Stimme geben, die Gewähr dafür bieten, daß sie auch die Interessen der Arbeiterschaft ver⸗ treten werden. h. In Niedergirmes fand am Sams⸗ tag eine Kommunal⸗Wählerversammlung statt, in der Herr Mechaniker Michaeli einen längeren Vortrag über die Aufgaben und Einrichtungen der Gemeinde hielt. Seine Ausführungen waren sicher geeignet über diese Fragen Aufklärung zu schaffen. Ueber die Kandidatenfrage kam, wie der„Wetzl. Anz.“ mitteilte, eine Einigung nicht zu stande. h. Rezitatlon. Von der Lesevereinigung war am Donnerstag ein Rezitations⸗Abend arrangiert worden, zu dem sich eine außerordentlich zahlreiche Zuhörerschaft eingefunden hatte, die den großen Saal des„Schützen⸗ garten“ bis auf den letzten Platz füllte. Wiederum war Herr Schauspieler Walkotte als Rezitator gewonnen worden, der hier schon ein alter Bekannter geworden ist und dessen Kunst man sehr wohl zu schätzen weiß. Er führte Gerhart Hauptmanns ergreifende Dichtung „Hannele“ vor, die das Leiden eines armen, mutterlosen von seinem verkommenen und rohen Vater mißhandelten Kindes zum Gegenstond hat. Es darf allerdings frag⸗ lich erscheinen, ob dieses Werk sich zur Rezitation be⸗ sonders eignet, weil es der Bühneneffekte nicht wohl entraten kann, doch verstand es Herr Walkotte, das In⸗ teresse der Zuhörer bis zum letzten Wort zu fesseln und die Feinheiten der Dichtung zum Ausdruck zu bringen. Lebhafter Beifall am Schlusse bewies, daß sich der Vor⸗ tragende zu aller Zufrledenheit seiner Aufgabe entledigt hatte. Das weitere Vortragsprogramm der Lese⸗ vereinigung ist folgendes: Freitag, den 18. November spricht Herr Dr. Delkes kam p, Assistent am Mineralog. Institut und Museum zu Gießen über:„Das Wesen des Vulkanismus.“ Mit Projektion und Experimenten. Sonntag, den 4. Dezember 1904, nachmittags 4 Uhr findet ein Volksunterhaltung sab end statt, durchgeführt von Kräften des„Akademischen Dürerbundes“ zu Gießen. Am Freitag den 6. Januar 1905: Herr Dr. Sauer, Professor der Kunstgeschichte an der Universität Gießen. Thema:„Albrecht Dürer und seine Zeit.“ Mit Lichtbilder⸗Vorführungen. Am Montag, den 30. Januar 1905: Herr Lehrer Volk, Sekretär des Rhein⸗Mainischen Verbandes für Volksvorlesungen aus Offenbach a. M. Thema:„Dichter und Denker aus den Kreisen des werktätigen Volkes.“ Mit Rezitationsproben. n. Gegen die Hereros werden noch Kämpfer gesucht. Auch das Bezirkskommando Wetzlar fordert Mannschaften des Beurlaubten⸗ standes auf, sich zu melden. Ob sich, nach dem, was von dem glorreichen Feldzug bekannt ge⸗ worden ist, noch Leute dafür hergeben? Denn dort kann sich einer höchstens den Typhus holen, aber keine Lorbeeren. o. Aus Krofdorf. Bezüglich der Vergebung der Gemeindearbeiten bestand bei uns das Uebereinkommen mit dem Vorsteher, daß keine Arbeiten durch den Vorsteher freihändig übertragen, sondern alle öffentlich vergeben werden sollten. Unser Herr Vorsteher hat sich aber daran nicht gestört und das Oelen der Fußböden in der Schule einem Schreiner übertragen. Diese Arbeit schlägt doch eigentlich in das Weißbinder⸗ fach und diese beschweren sich mit Recht darüber. Schließlich werden noch Schlosser- und Schreinerarbeiten an Schneider und Schuhmacher vergeben! Der Ge⸗ meinderat sollte mal seine Meinung dazu sagen. n. Zu viel Prügel. Aus Niedershausen bei Weilburg schreibt man uns, daß der dortige an⸗ gestellte Lehrer, der vom Militär als Unteroffizier ab⸗ gegangen ist, den Bakel mit einer Virtuosität schwingt, die das Entsetzen nicht bloß der Kinder, sondern auch der Eltern erregt. Gleich den zweiten Tag begann er damit, einer ganzen Bank voll Jungen mit dem Stocke darzutun, wie er den Unterricht auffaßt. Manche Kinder kann man mit sichtbaren Spuren des Lehr- und Erziehungs⸗ systems des Herrn herumlaufen sehen. Die Kinder weinen morgens, wenn sie in die Schule sollen. Die Eltern sollten an maßgebenden Stellen Beschwerde führen. Aus dem RNreise Marburg⸗Nirchhain. r. Den Kampf gegen Konsumvereine suchen gewisse Vereinigungen und Stellen, welche die Mittel⸗ standsrettung sür ihre Aufgabe halten, in ein richtiges „System“ zu bringen und deshalb wird„Material“ ge⸗ sammelt. Auch die Kasseler Handwerkskammer versendet an verschiedene Vereine in Marburg Fragebogen, die diesem Zwecke dienen sollen. Welcher Art das Material sein wird, kann man sich denken, wenn man weiß, daß unter anderem Fragen wie„Besteht der Vorstand ganz oder teilweise aus Sozialdemokraten“ 2c, gestellt werden. Wir glauben gerne, daß auch hier gewisse Leute den Konsumverein je eher, je lieber zu⸗ sammenbrechen sehen würden. Das fällt dem aber gar nicht ein. Im Gegenteil, der entwickelt sich in erfreu⸗ licher Weise. Seine Mitgliederzahl beträgt jetzt 440, steigt noch stets und ebenso der Umsatz. Einigen Konser⸗ vativen mag der Konsumverein wohl ein Dorn im Auge sein. Wenn das amtliche Kreisblatt in der Hetze mit⸗ macht, ist das zwar unter den heutigen Zuständen nicht weiter verwunderlich, aber das Regierungsorgan sollte sich doch nicht dafür hergeben, die Minderbemittelten in ihrem Streben nach Verbesserung ihrer Lage zu bekämpfen. + Unter Gebildeten. Frankfurter Sänger und Sängerinnen hatten vorigen Freitag hier ein Konzert gegeben. Als sie sich nachts auf den Bahnhof begaben, um wieder nach Frankfurt zurückzureisen, wurden sie von einigen Studenten begleitet, die im Konzert gewesen waren. Ihre Aufmerksamkeit galt wohl mehr den Damen, so wird der Frkftr. Kl. Presse geschrieben, denn sie waren sichtlich bemüht, sich in deren Gunst zu setzen. Solange die Musensöhne sich respektvoll benahmen, ging die Ge⸗ schichte gut, als sie jedoch kurz vor der Abfahrt des Zuges zu intim zu werden drohten, gingen die männ⸗ lichen Mitglieder der Gesellschaft aus ihrer Reserve und prügelten die Studenten weiblich durch. Bei der Abfahrt bemerkten die streitbaren Sänger noch, daß sich auch die Bahnpolizei nach den begeisterten Kunstfreunden umsah. Ungetreuer Kassenbeamter. Durch die Unterschlagungen des Rendanten der Ortskrankenkasse in Wald bei Solingen ist, wie sich jetzt herausgestellt hat, die In. valitätsversicherungsanstalt um 36,000 Mark und die Walder Ortskrankenkasse um 30,000 Mk. geschädigt worden. Ein Teil der unterschlagenen Gelder wird durch die Kaution und einige Vermögensobjekte des Defraudanten, der sich in Haft befindet und seiner Aburteilung ent⸗ gegensteht, gedeckt. Ein neues Löbtau! Gegen eine Anzahl Arbeiter, die bei Gelegenheit der Bauarbeiter⸗Aussperrung in Rostock durch Ansam m⸗ lungen in den Straßen, durch welche die Arbeits willigen transportiert wurden, Widerstand geleistet haben sollen, erkannte das Schwurgericht Güstro w auf zusammen ein Jahr drei Monate Zuchthaus und fünf Jahre acht Monate Gefängnis! Kleine Mitteilungen. * In Lich stürzte das achtjährige Mädchen des Knechtes Luh beim Fensterputzen aus dem 3. Stockwerk in den Hof. Es liegt mit schweren Verletzungen am Kopfe hoffnungslos darnieder. Ein solches Kind läßt man doch eine so gefährliche Arbeit nicht verrichten. 1. In Gleiberg wurde ein Anstreicher verhaftet,. der von Meiningen aus, wo er Unterschlagungen be⸗ gangen haben soll, verfolgt wurde. * Der Revolver. Der am Sonntag vor acht Tagen in Sinn(Dill) bei einem Streite durch Revolver⸗ schüsse verletzte Arbeiter namens Kühn ist in der Gießener Klinik seinen Wunden erlegen. k Wegen Unterschlagung im Amte wurde der Magistratssekre är Otto Steinbach in Kassel zu 1¼ Jahren Zuchthaus verurteilt. * Ein Großfeuer in Hamburg vernichtete einen Speicher des Konsumvereins„Produktion“. Partei-Nachrichten. Ueber den Gesundheitszustaud Auers verbreitet die bürgerliche Presse ungünstige Nachrichten⸗ Auf eine Anfrage an unterrichtetster Stelle erhielt die Chemnitzer„Volksstimme“ die erfreuliche Auskunft, daß sein Zustand nach wie vor befriedigend ist. Genosse Auer wird wahrscheinlich nach Abazia gehen, um voll⸗ ständige Genesung zu erlangen. Sein nervöses Leiden ist zum Teil verschwunden, nur die Störungen seines Hörvermögens halten noch an.— Der sozialdemokratische Verein in Frank⸗ furt hat eine recht gute Entwickelung aufzuweisen. In der letzten Generalversammlung wurde berichtet, daß der Mitgliederstand zurzeit 1440 beträgt. Die Einnahmen betrugen mit einem Kassenbestand von 1346,96 Mark 9497,85 Mk. Die Ausgaben betrugen 4680,39 Mark. Unter diesen befinden sich 750 Mk. für das Arbeiter- sekretariat und 1000 Mk., die an die Parteikasse nach Berlin geschickt wurden. 3800 Mk. wurden dem Wahl⸗ fonds überwiesen, so daß sich in diesem jetzt 10 628,88 Mark befinden. Der Kassenbestand beträgt 1018,46 Mk. Versammlungskalender. Samstag, den 29. Oktober. Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung bei Löb(Wiener Hof). Metallarbeiter. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Marburg. Bauhilfsarbeiter. Versammlung abends 6½ Uhr bei Hildmann.— Wahl⸗ verein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Jesberg. Montag, den 31. Oktober. Lich. Wahlverein. Abends 8 Uhr Versammlung bei Wirt Albach. Berichterstattung über den Parteitag. Marburg. Schneider. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung bei Hillberger. Dienstag, den 1. November. Gießen. Gewerkschaftskartell. Abends 9 Uhr Sitzung bei Orbig. Sonntag, den 6. November. Lauterbach. Sozialdemokrat. Wahlverein. Nachmittags 3 Uhr Versammlung bei Gastwirt Keutzer. Kirchhain. Mühlen⸗Arbeiter. Mitglieder⸗Ver⸗ sammlung nachmittags 3 Uhr im Restaurant Althaus. Letzte Nachrichten. Der Gewaltakt der russischen Flotte. Die Beerdigung der drei getöteten Fischer in Hull am Donnerstag gestaltete sich zu einer großen Trauer-Demonstration, an welcher der Bürgermeister und die Stadtver⸗ waltung offiziell teilnahmen. Zehntausende von Menschen füllten die Straßen.— Die Flotte soll übrigens auch noch einen deutschen und schwedischen Dampfer beschossen haben.— Es heißt, der Krieg set unvermeidlich, wenn Ruß⸗ land nicht alle Forderungen Englands erfülle. Auskunftsstelle für Arbeiter⸗ Angelegenheiten. Kirchenplatz 11 III. Unentgeltlich. Sprech⸗ stunden: Werktags 11—1 Uhr, Sonntags ½9 bis 10 Uhr. Bei Anfragen von außerhalb wolle man das Rückporto beifügen. Hierzu eine Beilage. Seite 6. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 44. — Uah Pfäffische Uunduldsamkeit. Die rote Schle des Herrn angetan. am Sonntag ein braver Parteigenosse, Philipp Kuhn, beerdigt. mit roten Schleifen erblickte, bestand er auf deren Ent⸗ fernung mit der Bemerkung: rot bedeutet Blut!“ diese roten Schleifen, Grabe Genosse Quint fiel ihm der Pfarrer mehrmals in die Rede:„nur kurz“ ..„jetzt ist's genug die Zwischenrufe des den Worten schloß:„Der zu zeit zu seiner Farbe gehalten, zu seiner Farbe, die nicht nur die Farbe des Blutes ist, sondern auch die Farbe der Liebe, wird.. da schrie dem Polizeikommissär, Seckbach an der Beerdigung fordere die Polizei auf, einzuschreiten und den Mann vom Kirchhof zu entfernen!“ Der Beamte tat dies zwar nicht, ersuchte aber Quint, unliebsame Weiterungen zu vermeiden. Auf alle An⸗ wesenden machte das Auftreten des Pastors einen über⸗ aus peinlichen Eindruck.— Wer sich solchen Aufregungen nicht aussetzen will, verzichtet am besten auf die An⸗ wesenheit des Geistlichen bei Beerdigung seiner verstorbenen Angehörigen. Aus dem Gerichts saal. Wegen„Sternberger eien“ hatte sich 44 jährige unverheiratete Bau⸗ unternehmer Höhl in Frankfurt vor dem zu verantworten. Anzahl Schulmädchen verführt. vorige Woche der Schwurgericht liches Treiben war stimme ans Licht ling erhielt 2 Jahre Zuchthaus und 5 Jahre Ehrverlust.— Von der Gießener Straf⸗ kammer wurde am Lich wegen Sittlichkeitsvergehen, die Uhl aus er vor mehreren hatte, zu 1¼ Ehrverlust verurteilt.— Landtagsab Hirschel ist in Frankfurt worden, Auskunftei, Ludwig Katz da⸗ daß er ihm in der„Frankfurter strafe verurteilt einer dortigen durch beleidigte, Post“ vorwarf, K schlecht. Hirschel genannten Blattes. Graf Pückler Der anutisemitische in Berlin zwei Flugblätter verteilen lassen, in denen er sich zum Führer der Berliner Ein⸗ brecher aufwirft. an die Sozialdemokraten,„die lieben roten Kerle“, die er a plündern und diese totzuschlagen. „Ich, Euer Führer, roten Fahne in der Hand und auf der Fahne stehen die Worte:„Fort mit den Juden, raus mit der ver⸗ fluchten Bande, Abraham, raus mit Acs, der Sarahleben, fort mit der ganzen Mischpoke.“ Und weiter sagt der Edle: „Da wird der Jude frech werden, da werden Sie es kommt vielleicht zur Keilerei, dann nehmen wieder frech, Sie sofort den Knü Hund fällt. ver zusammenschießen, das ist ganz egal. Juden, die erkläre kann dieselben zusammenhauen und zusammenschießen, so viel er will. „Diese Bande hat kein besseres Schicksal verdient. Auch kleine Einbrüche pfehlen. Man lie daß hier in Berlin Christen, sehr selten nannte Chara Spitzbuben als einen ritterlichen und vornehmen Sport, wie die Raubritter im Mittelalter, die haben auch manchen verfluchten Jud dert. zwei Taler, ich drei Taler, aus dem Fenster hi In Seckbach⸗ Frankfurt wurde Jahr Gefängnis und 5 jährigem über den Schädel, Sie können den Lümmel auch mit dem Revol⸗ Wer in den nächsten Tagen bei einem Juden einbricht, dem schenke ich einen Taler, und wer dort zu gleicher Zeit alles kurz und und wer außerdem den kleinen Cohn ver⸗ haut, daß der Lümmel nicht sitzen kann, dem schenke und wer obendrein die alte Sarahleben und Fern. üfe hat es doch manchem Diener der Portefeuiller Als der Pfarrer zwei Kränze „Entfernen Sie sofort Als am vortrat und einige Worte sprach, usw. Und als Ouint, der auf Pfarrers gar nicht achtete, mit früh Verstorbene hat all⸗ die Liebe, die niemals vergehen der Pfarrer aus Leibeskräften zu der nebst dem Wachtmeister von teilnahm, hinüber:„Ich Er hatte eine Sein schänd⸗ von der Frankfurter Volks⸗ gezogen worden. Der Wüst⸗ Dienstag der Maurer Ph. Jahren an Kindern verübt eordneter zu 30 Ml. Geld- weil er den Leiter atz behandele die Angestellten ist oder war Redakteur des als Räuberhauptmann. „Dreschgraf“ Pückler hat Im ersten wendet er sich uffordert, bei den Juden zu gehe voran mit einer großen fort mit dem Levysohn und dem dem kleinen Cohn, fort mit dem ppel zur Hand und schlagen dem daß er sofort auf den Rücken Die ich für vogelfrei und jeder Mann bei Juden würden sich sehr em⸗ st beinahe täglich in den Zeitungen, eingebrochen wird, aber immer bei bei Juden. Das ist eine soge⸗ kterlosigkeit der Berliner Ihr müßt das Einbrechen betreiben en beraubt und ausgeplün⸗ klein schlägt, dem schenke ich bloß so knallt auf dem Asphalt von Berlin, dem schenke ich vier Taler und immer so weiter. Ihr könnt Euch also was verdienen, Ihr lieben Einbrecher von Berlin, also auf zum frischen und fröhlichen Einbrechen, auf zum Verhauen, auf zum Demolieren, auf zur schnei⸗ digen und kühnen Tat.“ Man sagt, Pückler ist verrückt und wir zweifeln auch nicht daran. Was er aber von gibt, atmet denselben„Geist“, der uns aus den antisemitischen Reden im österreichischen Reichsrate, im Rathause, sowie aus den antise⸗ mitischen Blättern, wie die Staatsbürgerzeitung und dem Friedberger Blatte des Herrn Hirschel entgegenweht. Fast dieselbe Sprache führte ja der Dreschgraf auch schon, als noch der Ab⸗ geordnete Bindewald als treuer Sancho Pansa mit ihm im Lande herumzog.— Was würde aber geschehen, wenn sich ein Arbeiter einer derartigen Sprache gegen das Unter⸗ nehmertum bedienen würde? Ländliches Dienstboten⸗Elend. Eine am 17. Oktober in Halle durch⸗ geführte Strafkammerverhandlung entrollte ein grauenhaftes Bild von der Mißhandlung eines ländlichen Arbeiters. Der Gutsbesitzer Moritz Berger von Beerendorf bei Delitzsch war wegen fahrlässiger Tötung und Mißhandlung des 14 jährigen Kuhjungens Max Rößler an⸗ geklagt. Der junge, schwächliche Mensch hatte sich bei dem Musteragrarter, der über 110 Mor⸗ en Land, 20 Kühe usw. verfügt, für einen Jahreslohn von 24 Talern vermietet. Er mußte su den heißen Julitagen d. J. früh 4 Uhr 10 stehen, darauf bis 6 Uhr Morgens im Kuh⸗ stall arbeiten und dann zuweilen bis Abends 10 Uhr Feldarbeiten verrichten. Wenn der junge Mensch ermattet war und es mit der Arbeit nicht mehr so recht vom Flecke ging, dann half der Gutsherr mit dem Garbenbinder — einem dicken Knüppel— nach. Wieder⸗ holt durfte der Junge des Abends nicht eher nach Hause kommen, bis er ein bestimmtes Stück Arbeit auf dem Felde fertiggemacht hatte. Der Unglückliche kam durch die Ueberanstrengung wiederholt um sein Frühstück und Vesper; auch die Mittagspause wurde ihm zuweilen gekürzt. Am Abend des 15. Juli war er erst gegen 11 Uhr zu Bett gekommen. Am Morgen des 16. Juli, dem heißesten Tage in diesem Jahre, mußte der Junge wieder, wie gewöhnlich, um 4 Uhr aufstehen. Nachmittags um 4 Uhr brach der Gemarterte bei dem Garbenbinden auf dem Felde plötzlich zusammen und verstarb bald darauf. Dies der nackte, geradezu erschütternde Tatbestand. Die geladenen Sachverständigen konnten leider nicht nachweisen, daß der Tod des Jungen infolge der übermäßigen Anstrengung eingetreten ist. Wahrscheinlich sei„Hitzschlag“ die Todesursache, meinten ste. Da nun der ursächliche Zusammenhang fehlte, beantragte der Staatsanwalt die Freisprechung des Gutsherrn von der Anklage der fahrlässtgen Tötung und nur Verurteilung wegen der Miß⸗ handlung mit dem Garbenknüppel zu 30 Mk. Geldstrafe. Das Gericht verurteilte den An⸗ geklagten zu 100 Mk. Geldstrafe, event. 10 Tage Gefängnis.— Diese geringfügige Strafe wird den Agrarier schwerlich von seinen Menschen⸗ schindereien abhalten. ——— Unterhaltungs-CTeil. 2 Der Gang zur Arbeit. von Moni Ruf. viel müde Arbeitsmenschen seh' ich Die Wege kreuzen hastig, schnell Und jeder einzelne beeilt sich Pünktlich zu sein zur Stell. Die Frauen mit schlotternden Ceibern, Die Männer trutzig und rauh, Sie alle nach Arbeit eilen, Wie viel geweinte Tränen Seigen der Frauen Gesicht', Und welch verscheuchtes Grämen Mir draus entgegenspricht! Der Männer trutziges Auge, Wenn's jung ist, blickt es noch kühn, wie balde beugen Sorgen Und Arbeit den stolzen Hün. Ihr Frauen im seid'nen Gewande Seht nicht der Schwestern Ceid, Nennt nicht die menschlichen Bande, Muß euch des Srevels zeihn! Ihr Manner mit stolzem Nacken Dünkt euch so erhaben und hehr, Der Arme im einfachen Jacken Hat Herz und Verstand oft vielmehr. Der dumme Peter. Von Edmund Schröpel. Nachdruck verboten. (Schluß.) Jahre vergingen. Auf Schloß Möllenburg hatte sich inzwischen vieles geändert. Komtesse Selma war an einen reichen und ebenbürtigen Gutsbesttzer verheiratet worden. Der Graf und die Gräfin verbrachten in den letzten Jahren auch die Wintermonate auf ihrem Schlosse, da die Gräfin seit längerer Zeit an einem Hals⸗ leiden erkrankt war und ihr Hausarzt ihr em⸗ pfahl, dauernd auf ihrem Landsttze zu verweilen. Das Uebel wurde immer ernster, so daß ihr der Arzt riet, einen hervorragenden Spezialisten für Halslrankheiten zu konsultieren. Auch Doktor Krüger, welcher seit der Zeit, als er sich Peter so warm und tatkräftig angenommen hatte, auf das Schloß nicht gekommen war, wurde berufen und um seinen Rat befragt. Er billigte ebenfalls den Vorschlag seines Kollegen. Der Professor wurde berufen und erklärte, es müsse eine Operation vorgenommen werden, die aber erst nach Reifung eines inneren Ge⸗ schwüres ausführbar sei. Als aber der Zeit⸗ punkt der Operation herangerückt war, traf eine Depesche des Professors auf dem Schloß ein, welche meldete, daß es ihm unmöglich set, die Operation persönlich auszuführen, da er er⸗ krankt sei und das Zimmer hüten müsse. Er sende aber setnen ersten Assistenten Doktor Schulze, dem man vertrauensvoll die Operation über⸗ tragen könnte. Noch an demselben Tage langte der em⸗ pfohlene Arzt in Begleitung des Doktor Krüger, welchen der Graf ersucht hatte, Doktor Schulze auf die Bahnstation entgegenzufahren, auf dem Schlosse an. Der Graf und seine Tochter, eine Baronin Borkenfels, die an das Krankenlager ihrer Mutter geeilt war, warteten im Empfangs⸗ salon mit Ungeduld auf das Eintreffen der Aerzte. Endlich hörten die Beiden den Wagen vor- fahren. Wenige Minuten nachher stürzte der alte Friedrich ganz verstört in den Salon. Herr Graf— Herr Graf! Ss ist schreck⸗ lich— entsetzlich!“ rief dieser, die Hände ringend. „Um Gottes willen, ist Mama tot?!“ schrie die junge Dame, von ihrem Sitze auffahrend. 355 Gott! Nein— aber er ist da!— Er der en „Wer?“ frug ganz entsetzt die Baronin. „Nun er, der dumme Peter! Er gab sich mir zu erkennen— was wird jetzt geschehen? — wenn ihn Frau Gräfin erkennen sollte— Eine streng verweisende Handbewegung der Baronin brachte den verzweifelten Haushof⸗ meister zum Schweigen. Doktor Krüger und an dessen Seite der Assistent waren Friedrich auf dem Fuße gefolgt und so Zeugen der Szene gewesen. „Ich habe die Ehre und das sagte Doktor Krüger vortretend, Tone, der große Genugtuung verriet, Herrschaften den Herrn Doktor Schulze, Assistenten des Herrn Professors Brandt— und meinen einstigen Schützling— vorzustellen.“ Hierbei wies er freudeblitzenden Auges auf den Ankömmling. Es war ein hochernster, sehr sympathischer Mann in einem lichten Reiseanzuge; ruhig und Vergnügen,“ mit einem „den nausschmeißt, daß der alte Schädel Frau Sorge ist gar so grau. gemessen trat er vor, verbeugte sich vor dem ersten t 2 r — 0 se 1 85 Nr. 44. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite a. Arbeiter füllte die Ringstraße in der Breite vom Parlamente bis zur Universität aus, so daß der ganze Wagen verkehr eingestellt war und nur die elektrische Straßenbahn schrittweise vorwärts konnte. Die Hochrufe der kleinen von der Wache geschützten Menge der Anhänger Luegers gab das Signal zu einer stürmischen Demonstration der Arbeiter schaft. Tosende Pfui⸗ rufe, Nieder mit Lueger! und Schimpfworte auf die Christlich⸗sozialen erfüllten die Luft. Auf der Rampe des Burgtheaters, die seit den Mittagsstunden von der Arbeiterschaft besetzt war, wurde eine mächtige rote Fahne entfaltet, die jedoch bald polizeilich saisiert wurde. Da⸗ für improvisterten die Demonstranten eine An⸗ zahl kleiner Fähnchen, indem ste rote Sacktücher an die Spazterstöcke befestigten. Andere trugen ähnchen mit der auf die letzte Aeußerung uegers im Landtag Bezug habenden Inschrift: Hoch die Lumpenl, hängten Luegerbildchen an Stöcken auf und kleine rote Luftballons, an die Figuren geknüpft waren, stiegen in die Luft. Dies alles spielte sich unter ununter⸗ brochen tosendem Lärm ab, der stch noch steigerte, wenn das kleine Häuflein der Christlich⸗sozialen unter der Wohnung Luegers Hochrufe aus⸗ brachte. Als die Christlich⸗Sozialen den Lueger⸗ marsch sangen, antwortete ihnen vieltausend⸗ stimmig das„Lied der Arbeit.“ Und während Lueger im hellerleuchteten Festsaale die Gratulationen entgegennahm, ertönten unten tausendstimmige Pfuirufe und gellende Pfiffe.— 1 verhielt sich maßvoll. So haben die Arbeiter Wiens, den frechen Demagogen, der ste in gemeinster Weise beschimpfte, von der Straße weggejagt und ihm eiue deutliche Ant⸗ wort auf seine Rüpelei gegeben.— An die sozialdemokratische Parteileitung sandte der deutsche Parteivorstand folgende Depesche:„Par⸗ tei der„Elen den“ in Deutschland sendet Partei der„Lumpen“ in Oesterreich ihre brüderlichen Grüße zum 23. Oktober.“ Darauf antwortete die„Wiener Arbeiter⸗ zeitung“: Die Lumpen erwidern aus vollem Herzen den Gruß der Elenden und sind ent⸗ schlossen, in Reih und Glied mit den klassen⸗ bewußten Proletariern der ganzen Welt den Kampf gegen Elend und Lumpentum bis ans Ende zu führen. Sozialdemokratischer Präsident. Der Große Stadtrat in Zürich wählte zum ersten Male einen Sozialdemokraten in der Person unseres alten Genossen Arbeitersekretär Greulich zu seinem Präsidenten. Erster Vizeprästdent wurde der Demokrat Dr. Wett⸗ stein, zweiter der Freisinnige Dr. Sieber. Russisch⸗japanischer Krieg. Ein russischer„Sieg“! Wenn schon die Russen gegen die Japaner nicht aufkommen können, so hat doch die russische Ostseeflotte, die nach langem Hängen und Würgen sich end⸗ lich auf dem Wege nach Ostasten befindet, ge⸗ zeigt, daß sie noch zu siegen versteht, wenn auch nicht gerade gegen gut bewaffnete feindliche Kriegsschiffe, so doch gegen— harmlose Fischer⸗ boote! Als nämlich das Geschwader in die Nähe der englischen Küste auf die Höhe von Hu ll kamen, traf es auf eine Fischerflottille, die bet der stürmischen und nebligen Nacht zum Sonn⸗ tag ruhig ihrer Arbeit oblag. Jedenfalls hielten die Russen in ihrer Angst die harmlosen Fischerboote für— Japaner und ste eröffneten sofort ein furchtbares Feuer auf die wehrlosen Schiffe. Ein Schiff, der„Crane“ wurde derart getroffen, daß er ank. Außerdem wurden mehrere Leute getötet und noch mehr verwundet. Dem Kapitän des genannten Schiffes war der Kopf abgerissen. Ein Maat blieb ebenfalls tot. Mehrere Schiffe erhielten so große Schußlöcher, daß sie dem Sinken nahe waren. Die Fischer behaupten, daß sie grüne Lichter, das regel⸗ mäßige anerkannte Zeichen, daß ste ftschten, ge⸗ brannt haben. Ob diese Lichter ausgegangen waren, ehe die russischen Schiffe das Feuer er⸗ öffneten, ist nicht klar, jedenfalls wurde keine Notiz davon genommen. Zwanzig Minuten lang sollen die Russen auf die hilflosen Fischer⸗ anzen boote Schrapnels geschossen haben, dann dampf⸗ ten sie ab nach dem Kanal zu ohne festzustellen, welchen Charakter oder welche Natsonalität die Da le hatten, auf die sie ohne Waruung das tötliche 550 gerichtet hatten und ohne die geringste Anstrengung zu machen, die Mann⸗ schaften der versenkten Boote zu retten. Diese Affaire hat natürlich überall und ganz besonders in England die größte Aufregung hervorgerufen. Ueber den brutalen Gewaltakt herrscht in allen Ländern, Rußland vielleicht ausgenommen, wo die Bekanntgabe des Vor⸗ falles von der Regierungs⸗Zensur verhindert wurde, eine Stimme der Verurteilung. Eine Ne e een unerklärlichen und un⸗ geheuerlichen Hale scheine unmöglich, sagt ein liberales Berliner Blatt. Es wird die An⸗ sicht ausgesprochen, daß die Kommandeure des russischen Geschwaders wahnsinnig oder doch mindestens besoffen gewesen sein müßten. Am schärfsten spricht sich die englische Presse aus. Wie, sagte der„Standart“, wenn es morgen dem c unter dem Befehle des Admirals Roschdjestwensky einfiele einen mit 4— 500 Personen besetzten Postdampfer in den Grund zu bohren? Das Geringste, was der Zar nach diesem Vorfalle tun könne, sei, sein nutzloses Geschwader sofort zurückzurufen und die kommandierenden Offiziere vor ein Kriegsgericht zu stellen.— Sogar die russen⸗ freundliche französische Presse findet scharfe Worte der Verurteilung. Die englische Regierung hat, wie berichtet wird, sofort ernste Vorstellungen bet der russischen erhoben, doch herrscht die An⸗ sicht vor, daß England keine übertriebenen Forderungen stellen wird. Die Diplomaten werden den„Fall“ einrenken! In der Mand schurei soll sich die Lage der Japaner nach den letzten Kämpfen bedeu⸗ tend gebessert haben. Die Verluste der Russen in der letzten Schlacht werden auf 60000 Mann geschätzt, während die der Japaner von Mar⸗ schall Oyama auf 15879 angegeben werden. Soziales, Gewerkschaftliches, Arbeiterbewegung. — Für den Streik sprach sich der Pastor Vöhmer in Löbtau bei Dresden in einem Vor⸗ trage aus, den er im dortigen Evangelischen Arbeiterverein hielt. Er sprach über:„Der Christ und der Streik“ und kam zu dem Schluß, daß der Streik ein vom Gesetz anerkanntes Mittel im gegenwärtigen wirtschaftlichen Kampfe sei. Daher könne auch ein Christ sehr wohl in die Lage kommen, sich in dieser Frage ent⸗ scheiden zu müssen. Ein Christ könne sehr wohl in Rücksicht auf seine Familie, Gesundheit, Sittlichkeit c. nach Erschöpfung der übrigen Besserungsmittel den Streik für berechtigt, ja geradezu für notwendig halten. Er for⸗ dert am Ende seines Vortrages Unternehmer und Arbeiter zur Organisation auf.— Mit dieser richtigen und vernünftigen Anschauung wird der Pastor aber in kirchlichen Kreisen viel⸗ fach anecken. Denn bei diesen Leuten bedeutet Streik soviel wie Empörung gegen die gott⸗ gewollte Ordnung— Teufelswerk! Lohn bewegungen. Die Holzar⸗ beiter in Elberfeld lehnten die„Zuge⸗ ständnisse“ der Innung ab. Ein Streik scheint unvermeidlich. Auch in Berlin waren am Samstag noch ca. 800 Holzarbeiter aus ge⸗ sperrt, während fast die gleiche Anzahl aus Solidaritätsgefühl in den Streik eingetreten sind. Ä——̃̃̃ͤͤͤ von Nah und Fern. Hessisches. — Uebernahme der persönlichen Volksschullasten auf den Staat. Bei der Zweiten Kammer haben vor längerer Zeit die Abg. Schönberger und Genossen einen Antrag eingebracht, die Regierung solle„dem Landtage ein Gesetz vorlegen, das die Ueber⸗ nahme der Volksschullasten auf den Staat an⸗ ordnet, auf der Grundlage, daß sämtliche per⸗ sönliche Volksschullasten durch progressiv ab⸗ gestufte Zuschläge zur staatlichen Einkommen⸗ steuer für das ganze Land gleichmäßig aufge⸗ bracht werden.“ Der Autrag unterscheidet sich von einem früheren Antrag unserer Landtags⸗ fraktion dadurch, daß hier nur die persön⸗ lichen, nicht die sachlichen Volksschullasten in Belracht kommen. Dagegen bedeutet der Autrag insofern eine Verschaͤrfung, als die finanzielle Belastung des Staates nicht auf dem Wege einer Besteuerung in den verschiedenen Steuerformen, sondern lediglich durch progressiv abgestufte Zuschläge zur staatlichen Ein⸗ kommenst euer wettgemacht werden soll. Die Regierung verhält sich dem Antrag gegen⸗ über ablehnend im Einklang mit ihrer früheren Stellungnahme zum Antrag Ulrich und Genossen. Durch Annahme des Antrags würde eine weitere Mehrbelastung der staatlichen Einkommensteuer um rund 4400 000 Mk. eintreten, welcher nur die weniger als die Hälfte der ganzen Summe betragende Eutlastung der Einkommensteuer⸗ pflichtigen in der Gemeindesteuer gegenüberstände, sodaß noch mehrere Millionen Mark an staat⸗ licher Einkommensteuer aufzubringen wären. Die Regierung glaubt dafür eine Verantwortung nicht übernehmen zu können, zumal in einem Zeitpunkt, wo eine Umgestaltung der Gemeinde⸗ steuergesetzgebung unmittelbar bevorsteht, die die Tendenz verfolgt, eine Verschiebung der Gemeindesteuerlasten zu Gunsten der weniger Leistungsfähigen herbeizuführen. Auch andere Zweckmäßigkeitsgründe wurden noch von den Regierungsvertretern gegen den Antrag ins Feld gefuhrt. Der Finanz⸗Ausschuß hat in seiner letzten Sitzung den Antrag Schönberger für vorläufig erledigt erklärt. Ueber den Umbau der Nauheimer Badeanlagen, für den die hessische Regierung Bewilligung der erforderlichen Mittel vom Land⸗ tage verlangt, hat Genosse Ulrich im Auf⸗ trage des Finanzausschusses einen umfangreichen Bericht erstattet, in dem er eingehend die Not⸗ wendigkeit der von der Regierung vorgeschlagenen Um- und Neubauten befürwortet. Die zuneh⸗ mende Frequenz des Bades macht dieselben un⸗ bedingt notwendig. Der Ausschuß erkennt im allgemeinen den vorliegenden Generalplan für die Ausgestaltung der staatlichen Anlagen von Bad Nauheim als empfehlenswert an und be⸗ antragt einstimmig: 1. zu genehmigen, daß für das Etatsjahr 1904 noch 1688 600 Mark— und für das Etatsjahr 1905 1239 500 Mark— im Wege des Staatskredites flüssig gemacht werden, um mit den Bauten beginnen zu können. Die Gesamtforderung beträgt 6 496 000 Mk., welche Summe sich auf über 8 Jahre verteilt. Der Ausschuß beschlos dazu noch weiter: die Groß⸗ herzogliche Regierung zu ersuchen: a) zu prüfen, ob und in welcher Weise für Minderbemittelte weitere Erleichterungen eintreten können; b) beim Abschluß von Verträgen mit Unternehmern möglichst darauf zu sehen, daß die mit den Arbeiterorganisationen vereinbarten Löhne und Arbeitsbedingungen anerkannt und Streiks oder Aussperrungen nicht Naturereignissen gleichge⸗ stellt werden. Gießener Angelegenheiten. — Die Verordnung, welche das Aus⸗ melken der auf den Gießener Viehmarkt auf⸗ getriebenen Kühe verlangt, war in der Stadt⸗ verordnetensitzung Gegenstand der Erörterung. Dagegen haben sich bekanntlich die Viehhändler sehr lebhaft beschwert, ja sogar den Boykott über den hiesigen Viehmarkt proklamiert und bis zu einem gewissen Grade auch durchgeführt. Da⸗ durch werden natürlich eine große Anzahl Gießener Geschäftsleute geschädigt, die sich des⸗ halb ebenfalls um Aufhebung oder wenigstens Milderung der Verordnung bemühen. Wie wir nun aus guter Quelle vernehmen, ist endlich Aussicht vorhanden, daß der uner⸗ freuliche, eine ganze Anzahl Gewerbetreibender schwer schädigende Streit eine allseitig befrie⸗ digende Lösung finden wird. Die Regierung scheint auf voll ständiges Ausmelken der Kühe vor dem Auftrieb zu verzichten und auch die Viehhändler werden einsehen, daß die übrige Forderung, die Euter sollen nicht allzu straff gespannt sein, sich bei gutem Willen und 2 8— . 8 2 1 ... ̃ ˙——— ͤ——— N* 1 — —— Teite 4. Mittel deutsche Sonntacs⸗Neitung. Nr. 44. vernünftiger Handhabung durchführen laßt. Gerade auf dse Handhabung solcher Be⸗ stimmungen kommt es an; uns sind Fälle be⸗ kannt, wo eine Anzahl Händler zur Anzeige gebracht wurden, weil beim Auftreiben hier und da ein Stuͤck Vieh einen Schlag erhielt. Das geht zu weit; gegen absichtliche Tierquälerei Strenge, aber nicht bei jedem Schlage polizei⸗ liche Anzeigen oder Strafen; sonst müßte man auch gegen Reiter, die ihre Pferde mit den Sporen blutig„kitzeln“, vorgehen und davon ist uns noch nichts bekannt geworden. Wir verlangen, daß Leuten, die jahraus, jahrein ihr Geld nach Gießen bringen, der Aufenthalt nicht unnötig und um Kleinigkeiten halber verleidet wird. Vielleicht schickt man für die Folge, ehe man Polizeiverordnungen erläßt, erst eine Deputation auf die benachbarten Märkte Fulda, Hanau, Kirchhain, Herborn u. f. w., wir glauben, daß dort auf dem Gebiete„umgang mit Markt; besuchern“ viel für uns zu lernen wäre. — Die Wäglerliste zur Stadtver⸗ ordneten-Wahl liegt laut amtlicher Be⸗ kauntmachung vom 28. Oktober bis 4. No⸗ vember im Bürgermeistereigebäude zu jeder⸗ manns Einsicht aus. Etwaige Einwendungen gegen dieselben sind innerhalb der bezeichneten Frist im gleichen Lokale vorzubringen. Unsere Parteifreunde ersuchen wir, sich recht bald da⸗ von zu überzeugen, ob ihre Namen in der Liste, die im Gießener Anzeiger im Druck erschienen ist, enthalten sind. Wenn dies nicht der Fall ist, muß die Eintragung unter Vorlage einer entsprechenden Legitimation polizeiliche Be⸗ scheinigung, Gemeindesteuerzettel) sofort ver⸗ langt werden.— Wahlberechtigt sind alle am Wahltage 25 Jahr alten, seit 4 Jahren in der Stadt wohnenden Männer, die seit dem 1. April 1903 kommunalsteuerpflichtig sind. Nicht wählen kann, wer mit der Steuer- zahlung sich im Rückstande befindet. Man zahle also seine Steuern! Es muß das Sep⸗ tember⸗Ziel entrichtet sein.— Wie bitten unsere Genossen ferner, ihre Bekannten, Kollegen ꝛc. auf Vorstehendes aufmerksam zu machen. — Die Stadtverorbneten⸗-Wahlen dürften, wie schon in der vorletzten Nummer bemerkt, in der zweiten Hälfte des November stattfinden. Schon regt es sich hier und da in den Kreisen der Bürger, welche diesem oder jenem die Stadtväter⸗Würde aufbürden oder— sie selber übernehmen wollen. Und davon gibts mehr als gebraucht werden. Von allen Seiten kommen Vorschläge. Da ist der Schulze ein sehr ehrenwerter Mann, der Müller ein alter Gießener, der Schneider hat sich um„unsern Stand“ verdient gemacht und so weiter! Kurz, die ganze Wahl wird auf bürgerlicher Seite fast durchgängig als Personenfrage auf⸗ gefaßt; man fragt nicht nach etwaigen Grund⸗ sätzen, welche die Kandidaten vertreten sollen oder wollen. Davon keine Ahnung! Manch⸗ mal verfährt man dabei sehr unvorsichtig. In der im„Löwen“ am Freitag stattgefundenen „Wählerversammlung“ wurde u. a. ein Bau⸗ unternehmer mit auf die Kandidatenliste gesetzt, der als Stadtvater doch jedenfalls in Situationen kommen würde, wo sein persönliches Interesse mit dem der Stadt in Konflikt gerät.— Ueb⸗ rigens war diese Versammlung nicht bloß amü⸗ sant, sondern in gewisser Beziehung auch lehr⸗ reich, indem sie zeigte, wie wenig Ahnung ein großer Teil der Bürgerschaft von Gemeinde⸗ politik hat. Es wurde ein Komitee von 12 Per⸗ sonen gewählt, die eine Kandidatenliste, zu der ein halbes Schock Vorschläge gemacht wurden, aufstellen soll. Komitees dieser Art bilden sich noch mehrere— es kamen z. B. auch in der Herbert'schen Wirtschaft Wähler des Zentrums“ zu gleichem Zwecke zusammen. So fehlt es nicht an Kandidaten.— Die Vorschlagsliste unserer Partei wird veröffentlicht werden, sobald die Versammlung darüber endgültig be. schlossen hat. Wie bei der letzten Wahl, werden bürgerliche Kandidaten mit auf unsere Viste nehmen. — Gemeindewahlkämpfe. In verschie denen Städten in unserer Nähe befinden sich unsere Genossen gegenwärtig ebenfalls im Kampfe um das Rathaus. Besonders heftig tobt der Kampf in Offen⸗ bach, wo die Gegner alle Anstrengungen machen, unsern ihnen besonders verhaßten Genossen Ulrich, der diesmal allein von unseren Genossen auszuscheiden hat, aus der Stadtvertretung zu verdrängen, u. ihre Herrschaft auf Jahre hinaus zu befestigen. In dem Offenbacher Amtsblatt wird mit allen unsauberen Mittel gegen unsere Partei gekämpft und dem Spießertum graulich zu machen ge⸗ sucht. Hoffentlich vergeblich! Auch in Frankfurt, wo bisher Dr. Quarck als einziger Vertreter der Sozial⸗ demokratie im Rathause saß, befindet sich die Wahl⸗ bewegung im Flusse. Unsere Genossen haben dort 23 Kandidaten aufgestellt.— In Darmstadt steht ebenfalls Gemeindewahl bevor. — Die Lohnbewegung der Gießener Maurer hat nunmehr einen friedlichen Abschluß ge⸗ funden. In der am Samstag im„Wiener Hof“ wiederum stattgefundenen, sehr stark besuchten Maurerversammlung wurden die mit den Unternehmern getroffenen Verein⸗ barungen von dem Gauleiter Hüttmann⸗Frankfurt nochmals eingehend dargelegt und zur Annahme emp⸗ fohlen. Die Versammlung beschloß demgemäß. So ist glücklicherweise ohne ernstere Kämpfe eine, wenn auch nicht sehr bedeutende, Besserung der Arbeitsbedingungen erreicht worden. Hüttmann wies darauf hin, daß dies nur durch den betätigten Zusammenhalt der Kollegen möglich war, möchten daher alle Kollegen den Wert der Organisation erkennen und schätzen lernen. Man müsse Opfer bringen, wenn man sich eine Besserung erkämpfen wolle und hier hätten die gebrachten Opfer Früchte ge⸗ tragen. Gewiß sei nicht alles erreicht worden, was ge⸗ wünscht wurde und nötig gewesen wäre, doch man müsse sich vorläufig bescheiden. Aufgabe eines jeden Mannes sei es aber, mitzuhelfen, daß alle noch Fernstehenden zur Organisation herangezogen werden, damit das Er⸗ rungene nicht wieder verloren gehe, sondern weiter an der Besserung der noch keineswegs befriedigenden Ver⸗ hältnisse gearbeitet werde. Der Verband zähle jetzt ca. 300 Mitglieder; sorge jeder zu seinem Teile mit dafür, daß sich diese Zahl noch beträchtlich steigere! Die Einzelheiten des Vertrags teilen wir in nächster Nummer mit. 1. So, Arbeiter, sollt Ihr Jeste feiern. Ein Fest von twypischer Bedeutung, das seinen Arrangeuren alle Ehre macht und ein beredtes Zeugnis von dem harmonischen Zusammenwirken der Gießener Gesamtarbeiter— schaft ablegte, veranstaltete am vergangenen Samstag im Leibschen Sale der Arbeiter⸗Ge⸗ sangverein„Eintracht“ Gießen aus Anlaß der 33. Wiederkehr seines Gründungstages. War es die alte Zugkraft, die der unter der tüchtigen Direktion des Herrn Musiklehrers Bauer stehende Verein ausübte, oder war es das ge⸗ schickt gruppierte Programm, welches eine so erkleckliche Zahl von Zuhörern angelockt hatte, denn der geräumige Sal war dichtbesetzt. Nach⸗ dem die Müller'sche Kapelle einige Musikpiecen wirkungsvoll zum Vortrag gebracht, sang der Verein den herrlichen Chor„Sängergruß“ von Reiß und lieferte damit den Beweis, daß der Verein eine stattliche Anzahl stimmbegabter Sänger repräsentiert, denen es mit der Pflege des deutschen Volksgesanges Ernst ist. Auch die übrigen Darbietungen, namentlich die beiden Doppelquartetts waren wahre Kabinettstückchen der Sängerkunst und zeugten von guter Schulung und ernster Auffassungsgabe. Hochbefriedigt über das Gebotene spendete das Publikum jeder Nummer stürmischen Beifall, der sich bis zum Enthusiasmus steigerte, als der Verein die ewig schöne Walzeridylle„Am Wörthersee“ von Koschat mit Orchesterbegleitung zu Gehör brachte. Diese an die Sänger nicht geringe Anforderungen stellende Komposition wurde mit einer so tadel⸗ losen Präziston und wohltuenden Nuancserung wiedergegeben, daß darüber nur eine Stimme des Lobes herrschte. Ein flott gespieltes Theater⸗ stück,„Schneider Fips“, um das sich die Damen Fourier und Krüger, sowie die Herren Frenzel und Piecker verdient machten, entfesselte wahre Lachsalven und auch die von der freien Turnerschaft Gießen gestellten Pyramiden wurden lebhaft applaudiert, so daß sich die Jünger Jahns zu mancher Zugabe verstehen mußten. Der Gesangverein„Eintracht“ Mar⸗ burg, der zum Jubelfeste seines Brudervereins wir voraussichtlich auch diesmal noch einige erschienen, erfreute gleichfalls mit einigen gut gewählten Chören und hat damit ebenfalls zum Gelingen des Festes beigetragen. Ein sich an⸗ schließendes Tänzchen hielt die Teilnehmer noch lange beisammen und erst als der junge Tag graute, sah man die„Seßhaftesten“ ihren heimat⸗ lichen Penaten zusteuern. Alles in allem: Der Gesangverein„Eintracht“ kann mit Stolz auf seine 33. Gründungsfeier zurückblicken. Die Gießener Arbeiterschaft aber möge erkennen, daß ste sich auch bei allen ernsten Anlässen so einmütig zusammenftndet, wie sie es bei dieser Gelegenheit getan. Zum Schluß möchten wir nicht unterlassen allen stimmbegabten organi- sierten Arbeitern zuzurufen: Tretet ein in die Reihen des Gesangvereins„Eintracht“! — Eine Versammlung der Zimmer⸗ leute findet diesen. Sonntag nachmittags ½ 4 Uhr im„Wiener Hof“ statt. Alle in Gießen und der Um⸗ gebung wohnenden Zimmerer sind dazu eingel aden. Der erste Punkt der Tagesordnung lautet: Die Bestrebungen des Zentralverbandes der Zimmerer Deutschlands. — Deutsche Standes herren, darunter viele hessische, waren in Frankfurt zu einer Konferenz beisammen. Welche Interessen die Herren zusammenführten, ist uns nicht bekannt geworden, jedoch erscheint es nicht ausgeschlossen, daß die Konferenz auch den Vorrechten galt, die die Standesherren in der Ersten Kammer genießen, hört man doch gerade jetzt, daß unter den hessischen Granden sich Stimmen laut machen, die der Wahlrechtsvor⸗ lage nur dann zustimmen wollen, wenn die Privilegien der Ersten Kammer noch er⸗ weitert werden. Aus dem Rreise gießen. ch. Der Wiesecker Gemeinderat hat in seiner Sitzung vom Freitag über die von der neulichen Bürger⸗ versammlung erhobene Forderung auf Einführung von Wasseruhren, sowie die weitere auf Oeffentlichkeit der Gemeinderatssitzungen verhandelt. Beide Anträge wurden abgelehnt, wie aus einem, dem Vorsitzenden der damaligen Versammlung zugegangenen Bescheid zu entnehmen ist. Eine weltere Begründung ist dem Bescheid nicht beigegeben.— Man geht wohl nicht fehl, wenn man annimmt, daß der Bürgermeister die An⸗ nahme des Antrages betr. die Oeffentlichkeit der Sitz⸗ ungen durch die Erklärung verhinderte, daß er dann die Sitzungen am Tage abhalten würde. Und vor dem damit entstehenden Zeitverlust schreckten die Mitglieder des Gemeinderats zurück. Als ob man nicht abends ebensogut eine öffentliche als eine geschlossene Sitzung abhalten könnte! Der wirkliche Grund ist wohl die Scheu vor der Oeffentlichkeit. ch. Versammlung in Wieseck. Am Sonntag Nachmittag erstattete Genosse Beckmann in gutbesuchter Versammlung im Lokale Kreiling Bericht vom Partei⸗ tag. Mit seinen Ausführungen erklärte sich die Ver⸗ sammlung einverstanden, ebenso mit den Beschlüssen des Bremer Parteitags, für deren Durchführung zu sorgen, Aufgabe eines jeden Genossen sei.— Nachdem dieser Punkt erledigt, beschäftigte man sich mit örtlichen An⸗ gelegenheiten und zwar besonders mit der bevorstehenden Gemeinderats⸗Nachwahl, die in den nächsten Tagen stattfinden wird. Man erörterte nochmals die vor einiger Zeit in der Bürgerversammlung beschlossene und dem Gemeinderat unterbreitete Resolution, betreffend die Einführung von Wasseruhren und Oeffentlichkeit der Gemeinderatssitzungen. An beiden Forderungen müsse unbedingt festgehalten werben, sie liegen im Interesse der Wiesecker Einwohnerschaft und es können dagegen stichhaltige Gründe nicht vorgebracht werden. Bei der bevorstehenden Neuwahl muß jeder auf dem Posten sein, damit unsere Kandidaten gewählt und damit Männer in den Gemeinderat kommen, die für die gerechtfertigten Forderungen der Bürger eintreten. r. Wagenborn⸗Steinberg. Am Mittwoch starb unser Genosse Ludwig Degen in noch jugend ⸗ lichem Alter von 33 Jahren an Blinddarmentzündung. Derselbe hat stets, wo es galt, die Arbeitersache zu fördern, sein Teil dazu beigetragen. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. r. Kommunales aus Watzenborn⸗Stein⸗ berg. Recht schlimme Zustände herrschen bei uns in bezug auf Straßenbeleuchtung. In Steinberg werden jetzt an verschiedenen Stellen Neupflasterungen der Straßen und Gossen ausgeführt. Dabei gibts natürlich kleine Berge von Erde und Steinen, über die man bei Nacht, da noch nicht mal Laternen an den betreffenden Stellen ausgehängt werden, Hals und Beine brechen kann. Oder sollen erst Unfälle passieren, ehe man die selbstverständliche Anordnung trifft?— Ein weiterer Mißstand besteht hier in bezug auf Leichenbestattung Stirbt bei uns jemand, so müssen die Leichen noch zum Friedhof getragen werden. Bei einer so ausgedehnten Gemeinde wie die unsrige ist dies für die betreffenden 9 N—————— r —— 0 ˙ .——— . an⸗ noch Lag nat. Der auf Die nen, 1 seser Wir ani die her- Uhr Um⸗ Det ingen iter iner die aunt sen, ten ten letzt, sic bor⸗ die er einer ürger⸗ g bon lt der träge genden id zu dem fehl, An⸗ Sitz⸗ daun r dem glleder abends iigung l die onntag suchter attei⸗ Ler⸗ sen des sorgen, dieser en Au chenden nächten 15 die Hlossene affen leit der ö müsse zutruse 75 el en fein Männer fertigten Nuwoc jugeb sbung, face i q 00 Steil“ un i * Nr. 44. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 7. Grafen und seiner Tochter und begrüßte sie mit weltmännischer Art; seine Stimme war klangvoll und angenehm. Man sah sofort, daß dieser Mann an eine Selbstbeherrschung ohne Ende gewöhnt war. Die beiden starrten den Assistenten wie ein Phänomen an; sie waren sprachlos. Der sonnverbrannte Teint des ehe⸗ maligen Bauernburschen war einer feinen Blässe gewichen. Die Züge waren scharf markiert und verrieten eine große, geistige Intelligenz; ein blonder, langer Vollbart umrahmte sein Gesicht, Die sorglichst gepflegten Hände verrieten den Operateur. „Ist es möglich, so ein ganzer, wertvoller Mann könnte unser Groom sein, der unge⸗ schlachte Junge?“ dachte die Baronin bei sich. Sie war die erste, welche stch gefaßt; mit einem freundlichen Lächeln trat sie auf den Assisten⸗ ten zu. „Sind Sie uns willkommen, Herr Doktor — umso herzlicher willkommen, da Sie unserer lieben, armen Mama Erlösung von ihrem schweren Leiden bringen sollen.“ Die Baronin hätte so gerne in Erfahrung gebracht, wie er das Unmögliche möglich gemacht, doch band ste der ruhige, fast kalte Ernst des Assistenten an die diskrete Form. Auch der Graf trat auf den Doktor zu und reichte ihm mit einem blöden Lächeln seine Rechte. Er fühlte sich sogar zum Sprechen ge⸗ zwungen, doch waren es unverständliche Worte, die über seine süßlich gekräuselten Lippen kamen. Der alte Friedrich stand wie eine Säule im Hintergrunde des Salons und starrte mit Blicken grenzenloser Fassungslosigkeit auf sein einstiges Mündel. Erst der Befehl der Baronin, den geschätzten Gast auf das bereitgehaltene Zimmer zu führen, riß den Alten aus seiner Versunkenheit. Steif und würdevoll bat er den hochverehrten Herrn Doktor, ihm zu folgen. Mit der Bemerkung, daß er nur seine Reise⸗ kleider ablegen und stch dann sofort zur Gräfin begeben wolle, um nach deren Befinden zu sehen und dann die erforderlichen Vorbereitungen zur Operation zu treffen, empfahl er sich von dem Grafen und seiner Tochter und folgte dem voran⸗ schreitenden Haushofmeister auf sein Zimmer. Doktor Krüger eilte indes in gehobener Stimmung nach Hause; es galt, Vorbereitungen zu einer kleinen Hausfeier, die der gute Doktor und seine Frau abends zu Ehren ihres so wür⸗ digen Schützlings veranstalten wollten, zu treffen. Am nächsten Morgen nahm Doktor Schulze unter Assistenz seines väterlichen Freundes und des Hausarztes die Operation, welche ein äußerst schwieriger und mit Lebensgefahr verbundener Eingriff in die Luftröhre war, an der Gräfin vor. Diese hatte keine Ahnung davon, daß der Operateur ihr einstiger Groom war, dem sie ob seiner Ungeschicklichkeit so sehr gezürnt und der ihr jetzt, dank seiner Kunst und Schicklich⸗ keit, das Leben rettete. Erst nachdem die Operation glücklich vollführt war und Doktor Schulze sich wieder auf der Rückreise nach der Residenz befand, erfuhr die Gräfin von ihrer Tochter, wer ihr Lebensretter war. Anfäng⸗ lich wollte sie es nicht glauben; doch als es ihr der Graf und der alte Friedrich bestätigten, so geriet sie in große Aufregung. Sie konnte es dem Grafen und ihrer Tochter nicht verzeihen, daß sie ihr veben in die Hände eines solchen Menschen, der nach ihrem Dafürhalten unmög⸗ lich eine solche Kapazität sein konnte, gelegt haben. Der so dumme, ungeschlachte Junge sollte ein so hervorragender Arzt geworden sein? Er, der tölpische Plebejer, für den sie nur Miß⸗ achten empfinden konnte, dem sollte sie heute ihr Leben zu verdanken haben? Wirklich, das war ihr lächerlich und für ihr aristokratisches Kolibrihirn unfaßbar. Splitter. Welcher Edeldenkende will nicht durch Tun oder Denken ein Samenkorn streuen zu un⸗ endlicher, immerfortgehender Vervollkommnung seines Geschlechles, etwas Neues und vorher nie dageweseues hineinwerfen in die Zeit, das in ihr bleibe und nie versiegende Quelle werde neuer Schöpfungen! Fichte. * 5* Der stärkste Wille ist nicht der, der alles 1* er will, sondern der alles will, was er tut. Humoristisches. Die beiden Stammbäume. Frei nach Heine. Ein Stammbaum stehet einsam Im Teutoburger Wald, Er ist nicht„zweifelsohne“, Drum geht's ihm traurig halt. Er träumt von einem andern Am fernen Alsensund, Der ist auch„nicht ganz prima“, Doch hält man da den Mund. Auch eine Majestätsbeleidigung. Zurzeit der Sozialistenhetze und der infolge der Denunziationswut üppig ins Kraut schießenden Majestätsbeleidigungsprozesse passterte in einem oberhessischen Dörfchen folgendes Ge⸗ schichtchen: Ein nachts aus dem Wirtshaus heimkehren⸗ der Bauer wurde von dem neuernannten Nachtwächter zur Ruhe verwiesen. Als ihn der Angetrunkene mit der Einladung Götz von Berlichingens beehrte, trat der Nachtwächter, den seine neue Würde wahrscheinlich zum Studium des Strafgesetzbuches veranlaßt hatte, hart an den Mann heran uud verstieg sich zu der fürchter⸗ lichen Drohung:„Wenn Dou Brannteweleul' des noch emol seggst, zeig eich Dich an wege Majestätsbeleidigung“. Sprachs und kehrte dem starr ihm nachblickenden Bauer den Rücken. Der Lebensretter. Kindermann:„Wenn ich mir eine Bemerkung erlauben dürfte: man findet im Volke die Ehrung dieses weiland Kammerdieners doch etwas übertrieben!“ Serenissimus:„Aber warum denn? Meinem hochseligen Vater verdanke ich nur einen Thron,— diesem Manne verdanke ich das Leben!“ Aus der Gemeinderats Sitzung. Bürgermeister: Dös neue Schlacht haus, was d' Regierung verlangt, braucht bei uns net, wo so vüll Automobüll durchfahr'n tun.“ 32323 Litterarisches. Stadthagens„Arbeiterrecht“ erscheint so⸗ eben in neuer Auflage. Die Rechtsverhältnisse zwischen Arbeitgeber und Arbeiter erfahren durch die Gesetzgebung fortwährend eine erhebliche Umgestaltung. Eine syste⸗ matische Darstellung der gültigen Rechtsregeln ist daher dringend erforderlich, da selbst der Jurist bei der Fülle des neuen Rechtsstoffes kaum weiß, was rechtens ist. Das Arbeiterrecht von Arthur Stadthagen bietet eine solche, von allen Fachleuten anerkannte, überaus klare, für jedermann verständliche Darstellung und bildet somit einen unentbehrlichen Führer durch alle Gebiete des Arbeiterrechts. Stadthagens Arbeiterrecht ist ein billiger und zuver⸗ lässiger Arbeiteranwalt im Hause. Das Werk erscheint in wöchentlichen Lieferungen à 20 Pfg. Vollständig in 28 Heften. Empfehlenswerte sozialistische Schriften. Von der Expedition der Mitteld. Sonnt.⸗Zeltung Gießen, Rittergasse 17, sind zu beziehen: Die Neue Zeit. Wochenschrift der deutschen Sozialdemokratie. Allwöchentlich ein Heft. Preis 25 Pfg. Wahrer Jakob; Süddeutscher Postillon. Witzblätter. Erscheinen alle 14 Tage. Preis 10 Pfg. Die innerpolitischen Zustände des deut⸗ schen Reiches und die Sozialdemokratie. Von Gg. v. Vollmar. Preis 20 Pfg. Die Vernichtung der Sozialdemokratie durch den Zentralverband deutscher Industrieller. Preis 20 Pfg. Freie Stunden. Beste Romanlitteratur. striert. Wöchentlich ein Heft. à 10 Pfg. Die Voraussetzungen des Sozialismus und die Aufgaben der Sozialdemokratie. Von Ed. Bernstein. Preis brosch. 2 M. k Sozialdemokratisches Reichstagshandbuch. Von Max Schippel. Ein Führer durch die Zeit⸗ und Streitfragen der Reichspolitik. In 37 Lieferungen A 20 Pfg. Gebunden 2 Mk. Wilhelm Liebknecht. Sein Leben und Wirken. Unter Benutzung ungedruckter Briefe und Aufzeichnungen. Herausgegeben von Kurt Eisner Mit Porträts und Abbildungen. Preis 30 Pfg. Illu⸗ Ratgeber für Arbeiter, eine Zusammenstellun g der wichtigsten Bestimmungen der Arbeiter⸗Verficherungs⸗ gesetze und der bürgerlichen Gesetzgebung ꝛc. 20 Bogen Taschenformat. Verlag der Leipziger Buchdruckerei⸗ Aktiengesellschaft. Preis gebunden 1,25 Mk. Die zebn Gebote und die besitzende Klasse. Von Adolf Hoffmann, Berlin. Preis 30 Pfg. Das Schriftchen ist besonders geeignet, die Arbeiter über die heutigen Zustände und die sittlich⸗ religiöse Heuchelei der herrschenden Klassen aufzuklären. Die Schreibweise ist packend und dem Verständnis der Arbeiter angepaßt. a Die Agrarfrage. Von Karl Kautsky. Eine Uebersicht über die Tendenzen der modernen Landwirt⸗ schaft und die Agrarpolitik der Sozialdemokratie. Preis brosch. 5 Mk., gebd, in Leinwand 6.50 Mk. Kommunale Praxis, Zeitschrift für Kommu⸗ nalpolitik und Gemeindesoziallsmus. Herausgegeben von Dr. Albert Südekum⸗Berlin. Erscheint am 1. und 15. jeden Monats mindestens 12 Seiten stark. Das Abonnement ist allen denen zu empfehlen, die sich für die wichtigen Fragen des Gemeindelebens interessteren. Probenummern versendet gänzlich kostenlos der„Verlag der Kommunalen Praxis, Berlin W 15“. Lohnarbeit und Kapital. Separatabdruck aus der Neuen Rheinischen Zeitung vom Jahre 1849 von Karl Marx. Preis 20 Pfg. Diese religtöse Polemik zwischen unserm Genossen und dem Kaplan Hohoff fand bereits in den Jahren 1873/74 statt. Der Inhalt des Schriftchens ist aber noch heute durchaus zeitgemäß. Die agrarische Gefahr. Von Paul Göhr e. Der Verfasser schildert in gemeinverständlicher Sprache die einseitige agrarische Interessen⸗ Bewegung von ihrer Entstehung bis zu ihrer heutigen das Volks wohl ge⸗ fährdenden Macht und legt dar, wie allein die sozial⸗ demokratische Bewegung die letzten Ziele dieser Bewegung des Junkertums und seiner Anhängsel verhindern kann Preis 20 Pfg. Grundsätze und Forderungen der Sozial demokratie. Von Karl Kautsky und Brun o Schönlank. Preis 10 Pfg. Enthält eine kurzgefaßte, allgemein verständliche Er⸗ läuterung des Erfurter Programms. Muß jeder Genosse befitzen! Christliche Arbeiterpflichten. Jasuitisch Fragen und sozialdemokratische Antworten. Preis 20 Pfg Das Kommunistische Manifest. Von Karl Marx und Friedrich Engels. Preis 15 Pfg. Die katholische Kirche und die Sozial⸗ demokratie. Von Karl Kautsky. Der Verfasser giebt in der kürzlich erschienenen Broschüre eine historische Darstellung der ökonomischen und politischen Grundlagen der katholischen Kirche und skizziert die prinzipielle und taktische Stellung, welche die Sozialdemokratie ihr gegen⸗ über einnimmt. Preis 30 Pfg.(Agitationsausgabe). Handelspolitik und Sozialdemokratie. Von Karl Kautsky. Eine populäre Darstellung der handelspolitischen Streitfragen. Preis 30 Pfg. Die Volksschule, wie sie sein soll. Von Otto Rühle. Preis 30 Pfg. Wider die Pfaffenherrschaft. Kulturbilder aus den Religionskämpfen des 16. und 17. Jahr⸗ hunderts. Reich illustriert. Von Emil Rosenow. In Heften zu 20 Pfg komplett in 50 Heften. Der Zukunftsstaat der Junker. Man⸗ teuffeleien gegen die Sozialdemokratie im preußischen Herrenhaus. Mit Einleitung und Anmerkungen von Kurt Eisner. Preis 20 Pfg. ij durch das Gewerbe⸗Unfallversicherungs⸗Gesetz Führer 117 0 das Bau⸗Unfallversicherungs⸗Gesetz. durch das Unfallversicherungs⸗Gesetz für Land⸗ und Forstwirtschaft. durch das Invalidenversicherungs⸗Gesetz. Jedes einzelne Werk ist zusammengestellt nach den neuesten gesetzlichen Bestimmungen und mit einem aus⸗ führlichen Inhalts⸗Verzeichnis mit alphabetischem Sach⸗ register versehen. Die Führer sind jedem Arbeiter ein treuer Ratgeber in allen, die Unfall⸗ und Iuvaliden⸗ Versicherung betreffenden Angelegenheiten.— Preis des einzelnen Werkchens 25 Pfg., nach auswärts 3 Pfg. Porto. 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Es wird immer schlimmer in der Welt, Weiblichkeit zart und zuvorkommend zu be⸗ Denunzianten⸗Seuche. sagen die einen, während die anderen sich über eine Besserung der Dinge freuen. Den Still⸗ stand wünschen die einen, während den anderen die Bewegung zu langsam vorwärts geht. Freudig dentet der Optimist sich alle Dinge im Sinne der Erfüllung seiner Wünsche, kummer⸗ voll sieht der Pessimist überall das Unheil lauern und heranziehen. In der Bibltothek zu Berlin saß ein alter Herr, der mit Kopfschütteln und sichtlichem Unbehagen einen Artikel in der Julinummer des„XIX. Century and after“) las, den ich gleich darauf mit dem größten Vergnügen genoß. Frl. Vida Goldstein schrieb in diesem Artikel in sehr interessanter Weise über„Die polittsche Frau in Australien.“ Sie verkündete trium⸗ phierend, daß in Australien die Frauen böllige politische Gleichberechtigung mit den Männern erlangt hätten. Sie gab in launiger Weise ihre Erlebnisse aus dem letzten Wahlkampf zum Bundesparlament zum besten, an dem die Frauen sich zum ersten Male als gleichberech⸗ tigte Bürgerinnen beteiligt hatten. Der alte Herr schien recht unzufrieden damit, trotzdem er auch einigen Trost in dem Artikel finden konnte. Die Verfasserin betonte nämlich, daß eine starke Opposition und noch mehr Gleich⸗ gültigkeit gegen die neu erlangten Rechte in weiten Kreisen der Frauenwelt zu finden sei. Viele Frauen glauben einer feindlichen Presse und halten die Karikaturen in den Witzblättern für das wahre Bild der„politischen Frau.“ Die Wahlagitation gab reichlich Gelegenheit zur Aufklärung. Frl. Goldstein, die selbst Kandidatin für den Senat war, erzählt unter anderem: Ich wußte, daß ich weit mehr das Publikum anziehen werde, weun ich als Kandi⸗ datin auftrat, als etwa bet einer Vortragstour über Frauenrechte. In die politischen Ver⸗ sammlungen kamen viele Neugierige, um das „wilde Weib“ zu sehen, welches in die heiligen Parlamentshallen einziehen wollte. Sie kamen, sie sahen, ich siegte— mit meinen Beweis⸗ führungen, die mir niemand zur Zufrieden⸗ heit des Publikums widerlegen konnte. Ein stehender Witz in den Versammlungen war die Frage:„Sagen Sie, Fräulein, würden Sie für eine Junggesellensteuer eintreten?“— Ich erwiderte ruhig:„Es würde mir niemals ein⸗ fallen, irgend einen Vorschlag zu unterstützen, der gewisse Männer veranlassen könnte, zu heiraten.“— Damit hatte ich die Lacher auf meiner Seite.“ Es gibt im politischen Leben Australiens drei Parteien: die Freihändler, die Schutzzöllner und die Arbeiterpartei. Die Frauen be⸗ vorzugten an der Wahlurne in Massen die letztere. Das war eine gerechte Anerkennung der Verdienste, welche sich die Arbeiterpartei um die Frauenrechte erworben hat. Frl. Gold⸗ stein betont, es sei ihre feste Ueberzeugung, daß die Frauen auch in allen anderen Ländern nur dann Erfolge erzielen werden, wenn die Arbeiter⸗ parteien ihre Forderungen aufnehmen. Ju der Arbeiterbewegung kämpfen die Ideen einer neuen Zeit mit dem starren Konservatismus der alten Zeit. Die Philister mögen sich übrigens beruhigen. Ihre Befürchtung, daß sie auch politisch„unter den Pantoffel“ kommen, wird sich nicht so bald erfüllen. Selbst da, wo die Frauen alle ge⸗ wünschten Rechte besitzen, müssen sie schwer um den kleinsten Anteil an der politischen Macht kämpfen. Die Entwicklung braucht Zeit; jede gründliche Umwandlung geht langsam vor stch. Bei den Wahlen in Australien waren vier Kandidatinnen aufgestellt, und alle vier wurden geschlagen. Bet den rückständigen Frauen hatten die lächerlichsten Gründe oft eine große )„Neunzehntes Jahrhundert“; Titel einer engl. Zeitschrift. B handeln, wenn ste die politische Feindin in einer Frau wittern. Lachend entgegnete Vida Gold⸗ stein darauf:„Ganz im Gegenteil! Man wird sich mit den süßesten Schmeicheltönen um die Stimmen der Frauen bewerben, wenn man weiß, daß dieselben ausschlaggebend sein könnten. Die Minnesängerei im Mittelalter wird zum Kinderspiel werden gegen eine Wahlagitation im zwanzigsten Jahrhundert.“ Es ist oft die wirksamste Taktik, sich über den Gegner lustig zu machen. Wer den Humor anrufen kann, trägt eine stolze Siegeszuversicht in der Brust und flößt den Zweiflern und halben Anhängern Vertrauen ein. Was früher einmal in der Frauenfrage als gutes Argument galt, ist heute oft genug ein alter Witz ge⸗ worden, über den man nur noch mitleidig lächelt. Die Geschichte geht über die alten Herren zur Tagesordnung über, einer neuen Zeit ent⸗ gegen, in welcher der Sozialtsmus uns mit der Befreiung der Arbeit die volle Befreiung der Frau bringt. (ar, in der„Gleichheit.“) - Hessisches. — Die Herren von Besitz in Hessen. Nach der Steuerstatistik gibt es im Steuerjahr 1904 in Hessen 64 Einkommensteuerpflichtige, die ein jährliches Einkommen von 50 bis 60000 Mk. haben; 37 haben ein Einkommen von 61 bis 70000 Mk.; 32 von 71 bis 80 000 Mark, 19 von 81 bis 90000 Mk.; 25 von 91 bis 100000 Mk.; und 102 von 101000 bis 1918000 Mk. Von den letzteren entfallen auf die Provinz Starkenburg 49, Rheinhessen 43 und Oberhessen 10 Steuerpflichtige.— Mit Namen werden diese 279 armen Schlucker, die nur ein Kapitälchen von 50000 Mk. bis beinahe 2 Millionen Mark jährlich zu verzehren haben, in der Steuerstatistik leider nicht aufge⸗ führt. Jedoch gehen wir wohl nicht fehl in der Annahme, meint dazu das„Offenbacher Abend⸗ blatt“, daß der Mann, der nur die Kleinigkeit von 1918000 Mk. pro Jahr als Einkommen sein nennt, identisch ist mit dem Herrn, der gegen die Ulrich'sche Steuerskala ganz besonders aufsässig wurde. Wenn man sich ver⸗ gegenwärtigt, daß unser Genosse Ulrich den reichsten Mann Hessens mit nur 1400 000 Mk. Einkommen einschätzte, jetzt aber erfährt, daß diese Summe um beinahe eine halbe Million erhöht werden muß, dann wird man die Wut, in welche die Ulrich'sche Steuerskala gewisse Herren versetzte, sehr begreiflich finden.— Unser Parteiblatt meint damit den Wormser Leder⸗ könig Heyl, was wir für Leser, denen es nicht bekannt sein sollte, bemerken wollen. — Gemeindewahlen. Bei den Kom⸗ munalwahlen in Erbach i. Odenw. beteiligten sich, wie in voriger Nr. schon erwähnt, unsere Genossen am 20. Okt. zum ersten Male. Es gelang zwar noch nicht, einen unserer Genossen durchzubringen, doch erzielten wir einen Achtungs⸗ erfolg, unsere Kandidaten bekamen ca. 100 Stimmen. Wenn tapfer weiter gearbeitet wird, ist uns in drei Jahren der Erfolg stcher.— In Alzey wurden die Kandidaten der bürgerlichen Parteien gewählt und zwar drei Freisinnige, ein Zentrumsmann und ein Nationalliberaler. Von 1200 Wahlberechtigten stimmten 758 ab. Unsere Parteigenossen hatten sich dort, wie be— richtet wurde, mit den Freisinnigen auf eine gemeinsame Liste verständigt, wie weit sie damit gekommen sind, zeigt das Ergebnis. Das „freisinnige“ Bürgertum hat sich den Teufel um die Abmachungen gekümmert und unsere Leute einfach vom Zettel gestrichen. Die Fälle, in denen ehrenhafte Leute wegen irgend einer harmlosen Aeußerung über ein ge⸗ kröntes Haupt zu schweren Gefängnisstrafen verurteilt werden, kommen in der letzten Zeit außerordentlich zahlreich vor. Und meistens sind die Opfer des Majestätsbeleidigungs-Para⸗ graphen durch schmutzige aus niedriger Rachsucht verübte, anonyme Denunziationen dem Staatsanwalt überliefert worden, man kann also mit Recht davon sprechen, daß der § 95 Sitte und Moral des Volkes zu vergiften geeignet ist. Zwei Fälle aus den letzten Tagen beweisen das schlagend. Von der Darm⸗ städter Strafkammer wurde der Privatier L. Schmecker von Michelstadt i. O. wegen Majestätsbeleidigung zu der zulässtgen Mindest⸗ strafe von zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Er hatte vor etwa einem Jahr in Beziehung auf den Großherzog außer einem Schimpfwort auch eine ihm anscheinend zur Gewohnheit gewordene beleidigende Redensart gebraucht. Der Händler R., welcher des Glaubens ist, eine ihm seiner Zeit wegen Un⸗ treue zuerkannte zehnwöchige Gefängnisstrafe set auf Veranlassung Schmecker's erfolgt, und dieser brüste sich damit, rächte sich durch die Anzeige der Majestätsbeleidigung.— Noch krasser liegt ein anderer, vorige Woche in Stuttgart abgeurteilter Fall. Gegen einen 32 jährigen verheirateten Arbeiter in Eßlingen wurde auf Grund anonymer Denunziation ein Strafverfahren wegen Majestätsbelei⸗ digung eingeleitet. Trotzdem die Zeugenaus⸗ sagen sehr unbestimmt lauteten und nicht einmal festgestellt werden konnte, ob die fragliche Aeußer⸗ ung vor 2, 3 oder 4 Jahren gefallen war, obwohl ferner die Zeugenaussagen von politischem Haß beeinflußt erschienen, wurde der Angeklagte zu 2¼ Monaten Gefängnis verurteilt! Solche Urteile sind gewiß geeignet, Patriotismus und Königstreue zu fördern! Armenpflege und Sittlichkeit. Die ländliche Armenpflege in Bayern fördert Zustände zutage, die allen Begriffen der von den Stützen der heutigen Ordnung so oft gerühmten, von der„Umsturzpartei“ angeblich bedrohten Sitte und Moral ins Gesicht schlagen. Die Ortsarmen werden in dem gemeindlichen Armenhause, dem sogenaunten„Hirtenhause“ untergebracht und von den Dörfliugen als Auswurf der Menschheit betrachtet. Die Armen⸗ wohnungen sind meist derart beschaffen, daß manches Haustier sein Unterkommen nicht mit dem dieser Hirtenhäusler tauschen möchte. So hat die Gemeinde Röthenbach, bei Altdorf ein Armenhaus, das nur eine Stube und eine Kammer enthält. Ferner ist nur ein einziges Bett vorhanden, das früher die Tag⸗ löhnerin Bärschneider mit ihrem er⸗ wachsenen Sohne teilen mußte. Als die Bärschneider starb, kam eine junge Witwe als Ortsarme in das Hirtenhaus, und von da an schlief ste mit dem Bärschneider in dem einzigen Bett beisammen. Die Folge war, daß die Armenhäuslerin im Laufe der Zeit fünf Kinder bekam, deren Vater Bärenschneider ist. Nun teilen sich auch die Kinder mit in das einzige Bett. Die Leute suchten schon oft um die Erlaubnis zur Verehelichung nach aber die Gemeinde macht das ihr auf Grund des Armen⸗ gesetzes zustehende Einspruchsrecht geltend. Sie begünstigt also das vom Gesetz mit Strafe bedrohte Konkubinat, und wenn man nach den heutigen Begriffen von Sitte und Moral urteilen will, macht sie sich auch noch eines Vergehens der Kuppelei schuldig. Splitter. Charakter im Großen und Kleinen ist, daß der Mensch demjenigen eine stete Folge gibt, dessen er sich fähig fühlt. Nr. 44. Seite 10. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. G Prüfen Sie nene 2 2 Damen- Konfektion 1 28 che Sie Ihren Bedarf darin decken. 8 1 0 1 6 Snmmtliche Artikel zeichnen sich durch tadellosen Sitz, schicke Ausführung, vorzügl. Verarbeitung aus. S 1 8 Massenauswahl in sämtlichen Preislagen. 5 5 tt 65 Die Preise sind hervorragend billig. 8 900 f dee Er Damen- Jacketts aus Satin double, schick garniert 5.75 Damen- Capes aus schweren Winterstoffen 5.50* Damen- Jacketts aus vorzügl. gerauhtem Winterstoff. 8.50 Damen- Capes aus gemust. Stoffen, schick garniert 9.75 f Damen- Jacketts aus Ia. Eskimo, elegant ausgeführt 13. 50 Damen- Capes aus hoch modernen Stoffen.. 16.50 in ö 6 Damen-. Jackett aus la. Covereoat, Saison-Neuheit 15. 25 Hinder- Jackets in allen möglichen Ausführungen 2. 25 an. 7 Damen-Jacketts aus feinen Stoffen, aparte Ausführ. 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Krumm), Gießen, Verantwortl. Redakteur F. A. Vetters, Gießen. Druck von Heppeler& Meyer, Gießen. 5 4 1