ib von tier ig ge⸗ hen. f L 3 , als zbel bel 2 bel gung Voll- ttung. 1 71 ung! — 1 2 — Gießen, den 28. Februar 1904. 11. Juhrg. Medaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Sonnt Mitteldeutsche Medbaktionsschluz⸗ Donnerstag Nachmittag 4 Uh — l—— Ugs⸗Jeitung. Abonnementspreis: Bestellungen 2 IJInserate Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die ögespalt. Austräger fre ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Postanstalt und die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 5107) Bei mindestens 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung 33¼%%% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Christliche Toleranz. Vor kurzer Zeit wurde die Bewohuerschaft eines Ortes in hiesiger Gegend in große Auf⸗ regung gesetzt durch das sonderbare Verhalten eines Pfarrers, der durch den Anblick eines roten Bändchens an einem Totenkranz der⸗ maßen erregt wurde, daß er nicht nur in ganz ungehöriger Weise die dh fab n des Kranzes veranlaßte, sondern sich selbst dann noch so wenig beherrschen konnte, daß er am offenen Grabe des Verstorbenen statt einer Trostesrede eine Strafpredigt hielt, in der er dem Toten, der als ordentlicher, braver Mann bekannt war, seine etwas große Vorliebe für das Bier in härtester Weise zur Last legte. Dieser Fall ist geradezu typisch für die Art und Weise, in welcher die Vertreter des Christen⸗ tums ihr Amt auffassen. Er ist ein unver⸗ hohlenes Eingeständnis, daß die Herren Geist⸗ lichen, nicht wie sie so gerne behaupten, Für⸗ sprecher der Armen und Bedrückten sind, daß sie keine Religion der Geistlichkeit und der Barmherzigkeit predigen, sondern daß sie als ihre Aufgabe betrachten, die Anwälte der be⸗ sitzenden Klassen zu spielen, indem sie den „Umsturz“ bekämpfen und der„wachsenden Un⸗ zufriedenheit im Volke zu steuern suchen“. Da⸗ rum erregen sie sich über rote Schleifen, wo sie gelbe, grüne oder blaue mit Seelenruhe ge⸗ duldet hätten und halten sich für verpflichtet, einen verstorbenen„Umstürzler“, einen Sozial⸗ demokraten, mit den schwärzesten Farben ihrer Beredsamkeitspalette zu malen. Das Christentum nennt sich eine Religion der Liebe, seine Vertreter aber predigen nicht Liebe, sondern Haß! Der Geistliche soll die Hinterbliebenen eines Verstorbenen trösten, ihren Kummer mildern — nicht aber, wie der erwähnte Pfarrer, Hader und Zwistigkeiten in ein Trauerhaus hinein⸗ tragen. Jener Pfarrer handelte genau wie ein Arzt, der, anstatt die Wunde seines Patienten zu verbinden, sie nur noch weiter aufreißen würde. Wäre es da nicht tausendmal besser gewesen, man hätte nicht den Kranz mit der roten Schleife, sondern den Herrn Pfarrer selber zu⸗ rückgelassen? Lag es nicht mehr im Sinne des Verstorbenen, daß irgend einer seiner Ar⸗ beitskollegen ihm ein paar warmempfundene Abschiedsworte in's Grab nachgerufen hätte? Das würde für die Hinterbliebenen wie Bal⸗ sam gewirkt haben, während die sogenannte Trostrede des Geistlichen wie Pfeffer und Salz in frischen Wunden brennen mußte! Denn der schlichte Arbeitsgenosse hätte wohl anderes über den Toten zu sagen gewußt, als daß er manch⸗ mal ein paar Glas Bier zu viel getrunken! Es gibt kaum eine größere Gefühlsrohheit, als am Grabe eines Toten, wo es gilt zu trösteu, aufzurichten, nichts besseres zu tun zu wissen, als über den Verstorbenen zu schimpfen! Man hört auch wohl von jungen Theologen, die in der Studienzeit ein Glas Bier oder Wein zu viel trinken. Diese selben jungen Leute werden später Pastoren. Ob ihnen auch der Amtsbruder am Grabe eine Strafrede über ihr vieles Trinken halten würde? Ich glaube wohl schwerlich— aber wo bleibt dann die bvielgepriesene Gleichheit in der Religion? Die bösen Sozialdemokraten stehen eben auch in der heutigen Kirche auf einem ganz besonderen Brett, auch der Herr Pfarrer, der sich eigentlich doch in seinem Amtsleben über⸗ haupt nicht um Politik zu kümmern brauchte, fühlt sich— in seiner Stellung als Anwalt des Kapitalismus— bemüßigt, gegen die Rotte der Roten auch in kirchlichen Dingen Krieg zu führen. Das wäre ja nun ganz verzeihlich, wenn— die Sozialdemokraten keine Kirchensteuer zu bezahlen brauchten! Wäre der Geistliche für seinen Lebensunterhalt nur auf die sogenannten staatserhaltenden Parteien angewiesen, ließe sich schon eher eine Entscheidung dafür finden, wenn er sich zum Schützer und Fürsprecher eben diesen staatserhaltenden Parteien aufwirft. Nun fragt aber der Staat und die Gemeinde— so viel und so gerne sie sich auch sonst um die politische Stellung ihrer einzelnen Mitglieder kümmern— beim Einziehen der Steuern durch⸗ aus nicht nach politischen Ansichten, und die weniger frommen Sozialdemokraten werden genau so zur Kirchensteuer herangezogen, wie die aller⸗ konservativsten Frommen in der Gemeinde. Das ist ganz natürlich und selbstverständlich, aber ebenso natürlich und selbstverständlich wäre es dann auch, daß den Sozialdemokraten, die geistlichen Beistand wünschen, auch von seiten der Geistlichkeit die gleiche Behandlung wie politisch„Rechtgläubigen“ zu Teil wurde. Der von mir angeführte Fall steht durch⸗ aus nicht vereinzelt da, ihm ließen sich viele ähnliche Vorkommnisse an die Seite stellen, und sie alle zusammen sind geistig auf das Innigste verwandt mit dem berüchtigten Ver⸗ bot der Weihnachtsfeier in Crimmitschau. Das heutige Christentum ist eben durchaus zu einer Religion im Dienste der herrschenden Klassen geworden.— Und dann wundern sich die Herren darüber, daß das religiöse Gefühl im Volke immer mehr verloren geht! Wie kann das Volk Vertrauen zu einer Religion behalten, die sich so offenkundig auf Seiten seiner Gegner und Ausbeuter stellt, und deren Vertreter jedem Gefühl für Nächstenliebe, ja, selbst jedem ein⸗ fachsten Anstandsgefühl in's Gesicht schlagen! Nicht, wie es täglich wohl einige Dutzend mal behauptet wird, die Sozialdemokratie zerstört die Religion im Volke, das besorgen die berufenen Vertreter der Religion selber! Gisela Michels⸗Lindner. !( AddꝓdddvdTTTTTsTTTTTTTTTTTTTTTTT Politische Rundschau. Gießen, den 25. Februar 1904. Zollplackereien. Der ungeheuerliche Zolltarif, den die Junker und ihre Knechte dem deutschen Volke im vorigen Jahre aufhalsten, weist neben der Wirkung, daß er dem Volke die Lebensmittel unerhört verteuert und Tausenden von Arbeitern die Arbeitsgelegenheit beeinträchtigt, noch die Schönheit auf, daß er für alle, die mit dem ausländischen Warenverkehr zu tun haben, ganz unerhörte Scherereien mit sich bringt. Unser Offenbacher Parteiorgan war in der Lage den bisher geheim gehaltenen Entwurf des Waren⸗ verzeichnisses zum Zolltarif zum Teil zu ver⸗ öffentlichen. Darin sind die Vorschriften für die zollamtliche Behandlung der einzelnen Waren niedergelegt. Fast unglaubliche Dinge sind da am grünen Tisch ausgeheckt worden, Vorschriften, die einfach undurchführbar sind. Tritt der Zolltarif in Kraft, dann wird ein Heer von Zollbeamten nötig sein, die das Volk bezahlen muß. Keine Hunnentaten und keine Plünderungen sollen sich die nach Südwestafrika zur Unterdrückung des Herero⸗ Aufstandes geschickten Truppen zu schulden kommen lassen. Offenbar ist der Regierung die Errinnerung an die chinesischen Hunnenbriefe recht unangenehm und sie hat deshalb den Nabe folgende Verhaltungsmaßregeln ge⸗ geben: „Es ist den Leuten zur strengsten Pflicht gemacht worden, sich gegen die Eingeborenen keinerlei Roheiten schuldig zu machea, da jeder einzelne Fall mit der größten Strenge des Gesetzes geahndet würde. Vor der Rückkehr nach Deutschland unterliegt das gesamte Gepäck der Expedition, auch das der Offiziere, einer genauen Kontrolle, damit kein fremdes Eigentum widerrechtlich entführt wird. Im übrigen ist der Mannschaft anempfohlen worden, sich in Briefen an die Angehörigen der strengsten Wahrheit zu befleißigen und keine übertriebenen und aufgebauschten Schilderungen zu geben; derartige„Beunruhigungen“ seien strafbar und würden ohne Ansehen der Person geahndet werden.“ Diese Ermahnungen und Maßregeln kann man gutheißen; sie sind ein Erfolg der sozial⸗ demokratischen Kritik, die sich an das Vorgehen deutscher Soldaten in China knüpfte. Damals war allerdings den Soldaten gesagt worden: „Pardon wird nicht gegeben, Gefangene werden nicht gemacht! Führt eure Waffe so, daß noch nach 1000 Jahren kein Chinese es wagt, einen Deutschen nur scheel anzusehen!“— Wird nun in Afrika christlicher und kultivierter vorge⸗ gangen, so ist nicht zum kleinsten Teil ein Verdienst der Sozialdemokratie, die sich auch wei wieder als kulturförderndes Element er— weist. Wahlen. Wie vorauszusehen war, sind bei den 6 Stichwahlen zur Hamburger Bürgerschaft unsere Kandidaten unterlegen. Unser bei der Hauptwahl erfochtene glänzende Sieg kanu dadurch nicht weiter beeinträchtigt werden. Im sächsischen Wahlkreise Zschopau-Marien⸗ berg, wo an Stelle unseres verstorbenen Ge⸗ nossen Rosenow eine Neuwahl stattfinden muß, ist diese bereits auf den 28. März festgesetzt. Der Kreis ist uns ziemlich sicher; bei der letzten Wahl wurden 13616 soztaldemokratische Stim⸗ men abgegeben gegen 9876 gegnerische. Als sozialdemokratischer Kandidat ist bon einer Par⸗ teiversammlung, die am Sonntag in Gelenau stattgefunden hat und von fast allen Orten des Wahlkreises besucht war, der Genosse Göhre mit 600 gegen etwa 100 Stimmen aufgestellt worden. Gegen die Aufstellung Göhres, der bekanntlich im Juni im Wahlkreise Mittweida gewählt war, infolge der Auseinandersetzungen auf dem Parteitage sein Mandat aber nieder— legte, machte sich heftiger Widerspruch bemerk— ä Seite 2. DDD= x ͤù⁵Qũ— ——— ̃ ͤ.—— Mitteldeutsche Zountags⸗Zeitung. Nr. 9. bar. Der Vertreter des Zentralkomités, Sin⸗ dermann, wie auch die Vertreter des Chem⸗ nitzer Agitattonskomités wandten sich entschieden dagegen. Trotzdem erhielt Göhre die große Mehrheit. Wir sind auch der Meinung, daß die Genossen hier nicht den besten Griff ge⸗ macht haben. Das Verhalten Göhres konnte doch wirklich nicht dazu ermutigen, ihm ahn neue eine Kandidatur anzubieten. Ob für ihn sämtliche Genossen des Kreises mit demselben Eifer in den Wahlkampf gehen, wie sie es für Rosenow getan haben, ist fraglich.— Als Kan⸗ didat der Ordnungsleute wird der viel durch⸗ gefalle ne Antisemiten⸗Häuptling Oswald Zim⸗ mermann genannt. In Eschwege⸗Schmalkalden findet die⸗ Stichwahl am 1. März statt. Daß hier der Freistnn für den Sozialdemokraten ein⸗ treten wird, ist kaum anzunehmen, wenigstens hat diese Partei noch nichts über ihre Stellung⸗ nahme zur Stichwahl verlauten lassen. Es wird kommen, wie wir vor acht Tagen sagten, der Freisinn wird dem Judenfresser zum Siege verhelfen! 67 Sieg in Cassel! Bei den am Mittwoch in Cassel stattgefundenen Stadtverordneten⸗ wahlen der dritten Klasse siegte die sozial⸗ demokratische Liste. Bravo! Deutsche Gerechtigkeit. Kürzlich kam ein Terrorismusfall vor dem Landgericht in Beuthen zur Aburteilung, der wieder einmal mit aller Deutlichkeit beweist, daß es in Deutschland und besonders in den da für berühmt gewordenen Schlesien durchaus nicht dasselbe ist, wenn zwei dasselbe tun. Während des Beuthener Maurerstreiks im Juni vorigen Jahres wurde der Maurer Scholz beim Vorüberfahren an einem Bau von dem Bauunternehmer Bialas gezwungen, vom Rade zu steigen, und erhielt nach einem Wortwechsel von diesem mehrere Schläge mit dessen dickem Stocke. Der Fleischermeister Nawrath, der auch bauen ließ, kam dazu und nahm Bialas' Stock, um die Mißhandlungen gegen Scholz fortzusetzen; dieser ergriff aber die Flucht, da eine ganze Anzahl Arbeits⸗ williger von den nahegelegenen Bauten mit Kuüppeln und Steinen auf ihn losgingen. Von den Verfolgern war Nawrath der erste, er schlug nach der Bekundung eines Zeugen nach Scholz mit dem Stock, worauf dieser sich umdrehte und Nawrath den Stock entwand, wobei N. hinfiel. Als er wieder aufgestanden war, schlug Scholz nach seiner eigenen Angabe mehreremale mit dem Stock den Nawrath so, daß dieser blutete. Das Schöffengericht nahm seiner Zeit an, daß Scholz sich nicht in Not⸗ wehr befand, als er N. schlug und verur⸗ teilte ihn deshalb zu zwei Monaten Ge⸗ fängnis, während der gleichfalls angeklagte Nawrath— freigesprochen, Bialas aber zu— 21 Mark Geldstrafe verurteilt wurde. Vor dem Landgericht wurde jetzt die Strafe des Scholz allerdings von zwet Monaten auf drei Wochen Gefängnis herabgesetzt; sein freigesprochener Verfolger aber noch— nachträglich zu 21 Mk. Geldstrafe verurteilt. Damit ist an dem schreienden Miß ver⸗ hältnis in dem Urteil gegen den Unternehmer und dem Arbeiter nichts geändert: Der verfolgte Arbeiter erhält zwei Monate bezw. drei Wochen Gefängnis. Die verfolgenden Unternehmer er⸗ halten je 21 Mark Geldstrafe. Dabei ist der eine Unternehmer schon zwölf⸗ utal, darunter fünfmal wegen Körperverletzung, 1 wegen Unterschlagung u. s. w. vor⸗ estraft! Arbeiterfreundliche Geistliche werden gemaßregelt. 12 sächstsche Pastoren hatten sich während des Crimmitschauer Streiks in einer Erklärung für die Textilar⸗ beiter ausgesprochen und sich gegen ihren Amts⸗ bruder Schink⸗Crimmitschau nebst Anhang gewandt, der bekanntlich den Unternehmern durchaus recht gab. Dafür hat jetzt das säch⸗ sische Kultusministerium das Disziplinar⸗ verfahren gegen jene zwölf eingeleitet. Der Fall zeigt deutlich, welche Aufg ibe die Geist⸗ lichkeit im christlich⸗kapitalistischen Staate hat. Tritt der Diener Gottes nicht für die Besitzenden und das Unternehmertum ein, so wird er einfach von der Krippe gejagt. Das wußte man zwar schon früher, aber hier wird doch die Situation wieder einmal recht klar beleuchtet. Sozialistische Kundgebungen wurden am Samstag in Budapest veran⸗ staltet, um gegen eine vom Ministerium er⸗ lassene, gegen sozialistische Versammlungen ge⸗ richtete Verordnung zu protestieren. Sonntag wiederholten sich die Demonstrationen und es beteiligte sich eine größere Volksmenge als am Tage zuvor daran. Man zog vor das Gebäude des liberalen Klubs, wo der Ministerpräsident Graf Tisza sich aufhielt und eröffnete ein Steinbombardement auf dasselbe. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen. Die Scher⸗ gen des Gräfleins Tisza gehen in geradezu unerhörter Weise gegen die sozialdemokratische Partei vor. Täglich werden die Parteiorgane konfisziert, Redakteure verhaftet, Versammlungen verboten usw., kurz die ungarische Polizei ver⸗ fährt ganz nach russischem Muster! Börsenkrach in Frankreich. Durch den russisch⸗japanischen Krieg ist in Frankreich eine Börsen⸗Panik ausgebrochen, die schlimmste, die es seit 1870 gegeben hat. In Frankreich ist ein großer Teil der russischen Anleihepapiere untergebracht, die im Werte ganz bedeutend gefallen sind, seitdem die Nach⸗ richten von den russischen Schlappen einliefen. Die Zeitungen berichteten, daß sogar der Wert der französischen Rente sich seit Anfang Februar um 875 Millionen Fres. verringert habe.— Die„Lanterne“ fragt entsetzt:„Was soll werden, wenn die Panik fortdauert? Frank⸗ reich besitzt ziemlich 10 Milliarden russischer Rente, deren größter Teil in den Wollstrümpfen der kleinen Rentner ruht. Wenn die Russen noch eine ernste Niederlage erleiden, werden die russischen Werte den Markt überschwemmen und eine furchtbare Baisse und eine unwider⸗ stehliche Panik herbeiführen, das wäre für tau⸗ sende braver Leute der Ruin und zugleich eine neue Kriegsgefahr, denn die Inhaber der russischen Werte würden die Versuchung ver⸗ spüren, unsre Regierung zu drängen, der ver⸗ bündeten Nation zu Hilfe zu eilen.“— Hier zeigt sich, wie die wirtschaftlichen Interessen der französischen Bevölkerung durch den Kampf auf der entgegengesetzten Erdhälfte, an dem Frankreich direkt unbeteiligt ist, in Mitleiden⸗ schaft gezogen werden. Dem franz. Volke wird die Russenfreundschaft teuer zu stehen kommen. Ein Manifest, das von der allgemeinen „Konföderation der Arbeit“ erlassen wurde, wendet sich energisch gegen jede In⸗ tervention Frankreichs zugunsten des einen oder des andern Landes. In gleich scharfer Weise spricht es sich gegen das Reich der Knute und gegen den japanischen Imperialismus aus. Beide, das offizielle Japan und Rußland repräsentteren die Barbarei, die kapitalistischen Interessen und die Ausbeutung des Menschen. Die Arbeiterschaft bekämpfe entschieden die Ein⸗ a zugunsten des einen oder des andern andes. Die russische Sozialdemokratie und der Krieg. Das Organ der russischen Sozialdemokratie, die„Jskra“ sprach sich kürzlich über den Krieg und seine möglichen Wirkungen auf die 5 Entwickelung Rußlands folgendermaßen aus: Wie, immer das Drama, das jetzt im fernen Osten seinen Anfang nimmt, auf den Gang der Weltbegebenheiten einwirken wird, für unser Vaterland ist es von unermeßlicher Bedeutung. Die Nachgiebigkeit und Feigheit der zarischen Regierung, die sich in den letzten Wochen offenbarten, bezeugten uns die Schwäche der Regierung. Aber sie vermochte den schreck⸗ lichen Krieg nicht zu verhindern, die früheren Verbrechen drängten die Selbstherrschaft immer weiter auf den 2555 wo sie der Untergang er⸗ 1 wartet. Die Selbstherrschaft weiß, daß sie und nicht Japan dem Volk als der Feind gilt, sie weiß, daß in Millionen Herzen ein unauslöschlicher Haß gegen sie entflammt ist und daß nur durch Kugeln, Bajonette und Galgen der Ausbruch des Volkszornes zurück⸗ 4 ö gehalten wird. Nicht umsonst ist in vielen Städten ein Sturm auf die Sparkassen erfolgt. Die Spareinleger trauen dieser. Mute nicht, die sich nur durch schwindelhafte Anleihen und durch offenkundigen Raub am Volke halten kann, und sie verlangen darum die ihr anver⸗ trauten Groschen zurück. Nicht ohne Grund spricht man von den kolossalen Diebstählen und förmlichen Plünderungen, die schon jetzt bei allen mit den Kriegsvorbereitungen zu⸗ sammenhängenden Aktionen offenbar wurden. Unter dem Drucke des Volkszornes, des allge⸗ meinen Mißtrauens und der eigenen Fäulnis muß dieses asiatische Regime zusammenbrechen, das alles, was zum Licht, zur Entwicklung, zum Leben strebt, zertritt und vernichtet. Das ganze Volk und vor allem die arbei⸗ tenden Klassen müssen auf ihre ohnedies sch wer belasteten Schultern noch diese neue Last neh⸗ men, die die zarische Regierung ihnen auferlegt hat. Wir wünschen also, daß die Opfer nicht vergebens gebracht seien und daß uns der Krieg einen Sieg über die Selbstherr⸗ schaft bringe. Möge die zarische Regierung als Opfer ihrer Verbrechen fallen, möge unser Vaterland durch die Tränen und durch das Blut hindurch aus diesem Meer von Unglück seine Befreiung vom Joche des Zartis⸗ mus erringen. In verschiedenen Orten Rußlands fanden Demonstrationen gegen den Krieg und die Regierung statt. So in Odessa, Charkow, Kiew und Petersburg. In Moskau zog am Sonntag ein Volkshaufe durch die Straßen unter Absingen der Marseillaise und mit den Rufen:„Nieder mit der Selbstherrschaft!“ Vom rusfisch⸗japanischen Kriege. Bemerkenswerte Ereignisse haben sich in der letzten Woche auf dem Kriegsschauplatze nicht abgespielt und die Nachrichten-Bureaus gefallen sich darin, Berichte über die früheren Zusam⸗ menstöße dem Publikum immer wieder und in immer anderer Leseart zu servieren. Wahr⸗ scheinlich ist, daß die Japaner noch weitere Angriffe auf Port Arthur unternommen haben, doch liegen über die Erfolge derselben keine zuverlässigen Nachrichten vor. Doch scheinen die Japaner ungehindert Truppen in Korea zu landen, die sich nördlich nach dem Paluflusse zu(der zwischen Korea und der Mandschurei die Grenze bildet) in Bewegung setzen. Vor Mitte März werden indessen keine größeren Kämpfe erwartet.— Unterdessen haben die Russen mit den größten Transportschwierig⸗ keiten zu kämpfen. Die sibirische Eisenbahn und das Eisenbahn material befindet sich im traurigsten Zustande, ebenso das Kriegsmaterial. Natürlich haben die Beamten die Gelder in die 2 Tasche gesteckt und schlechtes Material eliefert. g Von„patriotischen“ Kundgebungen in russischen Städten wurde mehrfach berichtet. Wie derartige Dinge zu Stande kommen, geht aus einem Briefe aus Moskau hervor, der in der„Leipz. Volksztg.“ veröffentlicht wird. Da⸗ nach wird verlottertes Gesindel zu solchen Demonstrationen gemietet, das— zum Teil in Verkleidung als Studenten— die „patriotische Menge“ markieren muß! Aus dem Reichstage. Ueber den Postetat begann am Mitt⸗ woch die Beratung, nachdem der Rest des Etats des Reichsamts des Innern erledigt war. Hierzu sprach zuerst der Zentrumsabgeordnete Gröber, der die lange Arbeitszeit der Post⸗ unterbeamten zur Sprache brachte, die Eing 5 —— — r 10 U be ler, licht gegen Hall 2 fer! licher Gun f, Ahl lach direl 5 Wah n Hah 5 oder die Abe unte der ihren Het! ar Der sch ebe Meir Unt. . lege däc dee 0 nod haf Gel un den pan 0 Jah hel nN mmer g el g sie Jad u ein ut i und zurück. hlelen licht, N und halten anber⸗ Grund u und n jezt N 1 zu⸗ rden. allge⸗ ichen, lung, arbei⸗ schuer t neh⸗ frlegt stherr⸗ ig als unser ) das glück arks⸗ fanden ud die Arlow, J am traßen it den 10 U aulnis N —. g 5 Nr. 9. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite. schränkung des Sonntagdienstes in den Post⸗ ämtern forderte, gegen die Willkür in der Verleihung der„gehobenen Stellen“ polemisterte und— nach Beseitigung der schlechten Finanz⸗ lage des Reichs— eine Erhöhung der Gehälter der Unterbeamten verlangte. Auch trat er ener⸗ ischer, als es bisher das Zentrum getan hat, für die Vereinsfreiheit der Unterbeamten ein. — Herr Kraetke, der Staatssekretär der solgt. 0 Reichspost, hatte für den Wunsch auf Erhöhung der Beamtengehälter nur ein Nein übrig— schon mit Rücksicht auf Preußen, das seine Unterbeamten ebenso schlecht bezahlt, als die Reichspostverwaltung. Natürlich ist er auch ein Gegner des Koalitionsrechtes seiner Beamten, weil die Disziplin leide und sich die Vereine der Unterbeamten von ihm nicht„kommandieren“ lassen würden. Dazu würden sie allerdings nicht gegründet werden. Genosse Singer hielt dem Staatssekretär seine Rückständigkeiten kräf⸗ tig vor und forderte im Gegensatz zum Zentrum die sofortige Erhöhung der Gehälter der unteren Beamten, die durch„Litzen und Schnüre“ nicht satt werden. In scharfer Weise zog er gegen die fiskalische Plusmacherei der Postver⸗ waltung zu Felde. Bei der Fortsetzung der Debatte am Don⸗ nerstag zeigte es sich, daß unter den bürger⸗ lichen Parteien ein wahres Wettlaufen um die Gunst der Postunterbeamten im Gange ist, das selbst die Konservativen, für die die Abgg. Dr. Dröscher und Dr. Stockmann sprachen, nach Kräften mitmachen. Das ist auch eine in⸗ direkte Wirkung der Sozialdemokratie. Wären wir nicht da, und gäbe nicht das geheime Wahlrecht den untern Beamten die Möglichkeit, an einem Tage freie Männer zu sein, kein Hahn würde nach ihnen krähen, wie traurig es ihnen auch ginge. Danach ist die mehr oder mindere große Begeisterung abzuschätzen, die Zentrum, Konservalive, Antisemiten und Liberale für eine Erhöhung der Gehälter der untern Beamten, für eine besondere Bezahlung der Nachtdienststunden, für eine Einschränkung ihrer Sonntagsarbeit an den Tag legten. Auf Herrn Kraetke machte diese Einmütigkeit der Parteien freilich keinen sonderlichen Eindruck. Der Chef der Postverwaltung muß hohe Ueber⸗ schüsse herauswirtschaften und darum setzt er jeder Anregung auf Gehalts ver besserung fein Nein entgegen. Jede selbständige Regung der Unterbeamten ist ihm unbequem und so schränkt er ihr Vereinsrecht ein und geht mit Maß⸗ regelung gegen jeden Beamten vor, der„ver⸗ dächtige“ Versammlungen besucht, obwohl ihm die Kurzsichtigkeit dieser Politik recht deuf lich nachgewiesen wurde. Auch Freitag ging die Postdebatte noch weiter und es trat zunächst Zubeil leb⸗ haft für die unteren Postbeamten ein, deren Gehälter und Ortszulagen er für vollkommen unzureichend erklärte. Besonders rügte er, daß den Briefträgern keine ausreichende Mittags⸗ pause gewährt wird, und daß fie für ihre Ueberarbeit während der Weihnachts⸗ und Neu⸗ jahrbestellung keine besondere Entschädigung er⸗ hielten. 0 Dann gerieten der Abg. für Marburg, von Gerlach und der Staatssekretär Kraetke scharf aneinander. Herr v. Gerlach sprach für das Koalitionsrecht der unteren Beamten, wo⸗ runter er ihr freies Vereins⸗ und Versamm⸗ lungsrecht versteht. Herr Kraetke scheint es für einen Haupttrumpf gegen Herrn v. Gerlach zu halten, wenn er diesem borwirft, daß er von einem Sozialdemokraten in Schutz ge⸗ nommen worden sei, denn er wiederholte diese Bemerkung fast mit denselben Worten. Die Hilfsboten und Unterbeamten erfuhren von ihrem Chef, daß ihre Bezahlung sich nach den „allgemein üblichen Sätzen“ richte. Dafür wird ihnen mit einem Federstrich das Vereins⸗ und Versammlungsrecht genommen. Sie dürfen an solchen Vereinen und Versammlungen nicht teilnehmen, die die„Disziplin“ untergraben, und was solche Vereine und Versammlungen sind, sagt ihnen die vorgesetzte Behörde. Nach der Auseinandersetzung zwischen Kraetke und Gerlach folgte ein Zwischenfall, der für die geträumte„Einigung aller Liberalen“ be⸗ deichnend ift. v. Gerlach wird von dem grotzen Se een naß Eugen Richter seit langer eit bitter gehaßt, der ihn fast in jeder Num⸗ mer seiner„Freis. Ztg.“ herunterreißt. Unter anderem hatte er in seiner verdächtigenden Art auch geschrieben, v. Gerlach hetze in Versamm⸗ lungen die Postbeamten auf. In dieser Sitzung setzte ein eingeschworener Knappe Eugens, Herr Kopsch, ein richtiger Berliner Phrasenheld, diefes Geschäft fort. Er stellte als„liberalen“ Grundsatz auf, die Verbesserung der Lage der Beamten dürfe nicht durch„Hetzen nach unten“, sondern müsse durch„Ueberzeugen nach oben“ erreicht werden. Hieran schlossen sich rüpel⸗ hafte Ausfälle gegen Herrn v. Gerlach, der vom Liberalismus abgeschüttelt werden müsse, wie er vom Antisemitismus abgeschüttelt wor den sei. Diese Ausführungen machten den Jun⸗ tern viel Vergnügen. v. Gerlach ist gewiß nicht unser Mann, aber auf sozialpolitischem Gebiete ist er doch zehnmal mehr wert, als die Frei⸗ sinnsleute, die vielfach ebenso borniert rück⸗ ständig sind, wie die Konservativen. Und wenn er in so rüpelhafter Weise angegriffen wird, weil er für die Postbeamten eintrat, so muß sich ihm unsere Sympathie zuwenden. Uebrigens verstand es v. Gerlach ganz gut, den Freisinns⸗ helden abzuführen.— Schließlich redete Stöcker noch einem„christlich⸗ nationalen Postbeamten⸗ verband“ das Wort, der jedenfalls seine ver⸗ krachte Parteigründung wieder auf die Beine bringen soll. Der Konflikt zwischen Kopsch und Gerlach spielte auch bei der Samsta g8⸗Verhandlung, die sich noch immer um den Postetat drehte, eine große Rolle. Herrn Kopsch sagte unser Genosse Molkenbuhr sehr gründlich seine Mein⸗ ung, indem er den Wahlspruch dieses Richter⸗ Zöglings:„Nicht nach unten hetzen, sondern nach oben überzeugen“ ins rechte Licht rückte und die Freisinnige Zeitung als Scharfmacher⸗ organ verdientermaßen zwischen Hamburger Nachrichten und Post einrangterte. Ebenso treffend war die Erwiderung, die unser Redner dem Staatssekretär zu teil werden ließ. Gerlach fand erst in seiner zweiten Erwiderung gegen Kopsch den richtigen Ton auf die schulmeister⸗ lichen Tiraden des Richter'schen Knappen. Die Beratung dieses Kapitels ging erst am Montag zu Ende. Unser Genosse Singer brachte wieder Beschwerden der untern Post⸗ beamten zur Sprache und wies namentlich auf den angestrengten Dienst der Telephonistinnen hin. Kraetke mußte anerkennen, daß„seine“ Postbeamten unsere Genossen im Reichstage als ihre Fürsprecher ansehen.— Eine längere Debatte setzte bei den Ostmarkenzulagen ein, die bekanntlich der Bekämpfung des Po⸗ lentums dienen sollen. Um so befremdlicher ist die Schwächlichkeit, mit der der Pole Dr. v. Jazdzewski gegen diese Vorlage auftrat. Man will sich eben die Freundschaft des Zen⸗ trums erhalten und hofft, bei einer gelegent⸗ lichen Wendung im Zickzackkurs der Regierung auch bei dieser wieder lieb Kind zu werden. Ohne solche Rücksichten kämpft nur unsere Partei. In ihrem Namen erklärte Genosse Singer der jetzigen preußischen Polenpolitik den Krieg. Zugleich als Protest gegen das Dreiklassenparlament forderte er Ablehnung der Regierungsvorlage. Seine Kritik wurde wirksam durch den Vizepräsident Grafen Stol⸗ berg unterstützt, der dem Genossen Singer ver⸗ wehren wollte, von der Dummheit der preußi⸗ schen Politik zu sprechen; alle Abgeordneten lachten herzlich über diesen unfreiwilligen Witz. Sonst sorgte noch der Abg. Gamp(Rp.) durch eine unglaublich komische Sozialisten⸗ fresser⸗Rede für die nötige Heiterkeit. Die Re⸗ gierungsvorlage wurde schließlich mit den Stim⸗ men der gesamten Linken und des Zentrums abgelehnt. Beim Etat des Reichseisenbahnamtes am Dienstag stand vorwiegend der Antrag unserer Fraktion auf Uebernahme der Eisen⸗ bahnverwaltung auf das Reich im Vorder⸗ grunde. Zwei Gründe sind es vorwiegend, die nach den Ausführungeu unserer Genossen Hil⸗ denbrand und Dreesbach zu dieser Maß⸗ regel drängen. Einmal die schrankenlose Kon⸗ Mark, die kurrenz, die sich jetzt die eigzelstaatlichen Eisen⸗ bahnverwaltungen machen. Natürlich stegen auch dabei die wirtschaftlich Stärkeren, so daß Preu⸗ ßen mit seinem Großbetrieb die mittleren und kleinen Betriebe der andern Staaten völlig zu verschlingen droht. Andererseits leidet unsere anze Volkswirtschaft, insbesondere die Arbeiter⸗ lasse unter dem heutigen Wirrwarr der Tarife und der Klasseneinteilung auf den Eisenbahnen ganz ordentlich schwer. Die Bürgerlichen waren gegen den Antrag. Soziales, Gewerkschaftliches, Arbeiterbewegung. Unternehmer⸗Organisation. Kürzlich fand in Friedberg eine außerordentliche Ge⸗ neralversammlung des Mitteldeutschen Arbeit⸗ geberverbandes statt, der in Frankfurt seinen Sitz hat. Es waren etwa 60 Delegierte aus Frankfurt, Darustadt, Höchst a. M., Wiesbaden, Mainz, Offenbach, Hanau, Friedberg und Gießen erschienen, außerdem noch etwa 80 andere Mitglieder. Den Vorsitz führte Herr Lüscher⸗Frankfurt a. M., welcher alsbald nach Eröffnung der Versammlung den Geschäftsbe⸗ richt des abgelaufenen Jahres bekannt gab. Danach hat der Vorstand eine Eingabe an die hessische Regierung und an den hessischen Land⸗ tag gerichtet wegen Nichtanstellung von Baukontrolleuren aus Arbeiterkreisen. Diese Eingabe kam mit der Vorstellung des Zimmerers F. Wolff III und Genossen zu Darmstadt am 16. Dezember v. J. zur Be⸗ ratung im hessischen Landtag und wurde auf Antrag des Abg. Frenay der Regierung als Unterlage bei Ausarbeitung einer Normalbe⸗ stimmung für den Arbeiterschutz überwiesen. Nach Ausführungen des Ministerialrats Braun sei angeblich anzunehmen, daß die hessische Re⸗ gierung keine besondere Sympathie für Bau- kontrolleure aus Arbeiterkreisen hat.— Im Laufe der weiteren Verhandlungen werden ver⸗ schiedentliche Aenderungen der Statuten be⸗ schlossen. Unter anderem wird bestimmt, daß während der Dauer von Ausständen oder Sperren das Recht der Austrittserklärung ruht.— An die Statutenberatung schlossen sich mehrere Berichte über verschiedene Lohn⸗ kämpfe an, bei denen angeblich stets günstige Resultate für die Arbeitgeber erzielt worden seien; auch sei mit christlichen Arbeitern tellweise eine Einigung erzielt worden. Schließ⸗ lich weist der Vorsitzende auf die Gefahr von drohenden Streiks im kommenden Früh⸗ jahre hin; ferner auf das Flugblatt in der Fachzeitschrift, welches durch die Maurerorga⸗ nisation verschickt wurde und an die Väter, Mütter und Schwestern gerichtet sei. Die Streikklausel sei Lebensfrage geworden; daher sollte dieselbe in alle Submissionsverträge auf⸗ genommen werden. Die sozialdemokratischen Arbeiter agitieren bereits eifrigst. Damit schlossen die Verhandlungen. Die Frankfurter Gewerbegerichtswahl wird nächsten Montag, den 29. Februar vor⸗ genommen. Hierbei kommt das Proportio⸗ nalsystem zur Anwendung und es werden daher auch die„christlichen“ und sonstigen Or⸗ ganisationen Anstrengungen machen. Wachstum der deutschen Gewerk⸗ schaftsbewegung. Bereits jetzt läßt sich aus den Berichten der einzelnen Berufsvereine feststellen, daß die Mitgliederzahl von 19 Ge⸗ werkschaften im 3. Quartal 1903 um beinah 40000 gestiegen ist im Vergleich zu der Mit' gliederzahl des gleichen Quartals im Vorjahre Daraus läßt sich auch schon der Schluß ziehen, daß die im Sommer zu erwartenden Jahres- übersichten eine erfreuliche Aufwärtsbewegung der deutschen Gewerkschaften zu verzeichnen haben werden. Bäckerverbaud. Der Vorstand dieser Organisation hat schon seinen Geschäfts⸗ und Kassenbericht über das Jahr 1903 veröffentlicht. Die Gesamteinn ahme inkl. eines Kassenbe⸗ standes von 32,448.07 Mk. betrug 128,930.64 Gesamtausgabe 82, 238.16 Mk. Seite 4. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Ar. 9. Der Kassenbestand hat sich um eiwas über 11,000 Mk. erhöht. Von den Ausgabeposten seien erwähnt: Arbeitslosenunterstützung, 21,045,80 Mk., Krankenunterstützung 1652 Mk, Reiseunterstützung 1387.40 Mk., Streikunter⸗ stützung an Berufsangehörige 2064.10 Mk., an andere Berufe 1316.68 Mk., Gemaßregelten⸗ unterstützung 2155 Mk., ꝛc. Die Mitglieder⸗ zahl ist von 5142 am Beginn des Jahres auf 6062 am Jahresschluß gestiegen. pon Uah und zern. Hessisches. Landtag. Aus den Verhandlungen der Zweiten Kammer, die von der Budget⸗ Beratung ausgefüllt wurden, ist die Debatte über das Schulwesen bemerkenswert. elm Freitag voriger Woche ergriff Gen. Dr. David das Wort und unterzog das hessische Unter⸗ richtswesen einer eingehenden Kritik. Er ver⸗ langt die Einführung der Einheitsschule. Man solle den Seminaristen in möglichst weitem Umfange den Zugang zur Universität verschaffen. Die dahin gehende zuletzt erlassene Regierungsverordnung genüge nicht. Die Be⸗ dingungen seien zu hart und zu eng. Der pädagogische Ruf Gießens, der sich an den Namen Schiller knüpfe, habe in letzter Zeit bedentlich verloren. Redner fordert die Reform der Seminare dahin, daß deren Lehrpläne denen der Oberrealschule angepaßt würden. Ebenso verlangt er die Umwandlung der Präparandenanstalten in den höheren Bürger⸗ schulen. Die englische Sprache soll als obli⸗ gatortsches Fach im Lehrplan der höheren Bürgerschulen und Lehrerseminaren eingeführt und den Naturwissenschaften ein weiterer Raum gewährt werden.— Ministeralrat Eisen huth bestreitet dem Abg. David die nötige Sach⸗ kenntnis und lobt das hessische Schulwesen. — Die Debatte setzte sich am Dienstag bei dem Kapitel„Volksschulen“ fort. David wies hier nach, daß für die Kinder der Reichen staatlicherseits höhere Aufwendungen als für die Kinder der Armen gemacht würden. Redner forderte hierbei die Uebernahme der Volks⸗ schullasten durch den Staat, dies liege im Interesse der Gesamtheit. Auf die Ausführungen Davids antwortete der Ministerialrat mit einigen Witzen, David erwiderte ihm jedoch, daß dies keine Art der Widerlegung sei. Parlamentarische Korruption? In der Zweiten Kammer kam es am Freitag zu einem Auf sehen erregenden Zwischenfall. Der Präsiden verlas eine vom Abg. Rein⸗ hau dt und 13 Genossen gestellte Anfrage, die folgendermaßen lautet: „Für die Linie Butzbach⸗Vich ist s. Zt. ein Staatsbeitrag von 20000 Mk. pro Kilo⸗ meter bewilligt worden. Nach umlaufenden Gerüchten soll der Abgeordnete, der seiner Zeit für diese Linie lebhaft eingetreten ist, für die Pari⸗Unterbringung nicht börsengängiger Prioritäten bei den beteiligten Gemeinden eine Provision von 33000 M k., von dem Betriebs⸗ unternehmer erhalten haben. Wäre das Gerücht wahr, so würde das zeigen, daß der Staats⸗ zuschuß ohne Notwendigkeit bewilligt worden wäre. Wir fragen daher an, was der groß⸗ herzoglichen Regierung über diese Angelegenheit bekannt ist.“ Die Anfrage richtet sich gegen den Abge⸗ ordneten Joutz, der während der Verlesung den Sitzungssaal verließ. Der gute Mann, der bei Wahrnehmung seines Amtes als Volks- vertreter seinen persönlichen Vorteil nicht ver⸗ gißt, war früher Bürgermeister in Butzbach. Er zählte sich früher zur freisinnigen Partei, weil er dabei aber auf keinen grünen Zweig kam, und bei dem in Oberhessen total schwind⸗ suchtigen Freisinn sein Streben nach einem Landtagsmandat niemals Erfüllung gefunden haben würde, wechselte er zu den Aukisemkten hinüber. Denen kündigte er ebenfalls die Freundschaft, vorsichtigerweise erst, nachdem er Abgeordneter geworden war. Jetzt zählt er zu den„Wilden“. Obige Anfrage wurde am Dienstag vom Finanzminister Gnauth beantwortet. Für die Bahn Butzbach⸗Lich wären seinerzeit 285 000 Mark Staatszuschuß bewilligt worden. Vor Erteilung der Konzession sei dem Finanzmini⸗ sterium bei Prüfung der Sachlage die Höhe der Kosten für Vorbereitungen aufgefallen. Abg. Joutz als Vorstand der Eisenbahn⸗Gesell⸗ schaft erklärte damals, die Kosten seien durch⸗ aus nicht zu hoch, eher zu niedrig bemessen. Die weiteren Nachforschungen ergaben, daß in dieser Summe auch 33 000 Mark ,für Kurs⸗ verlust“ enthalten waren und daß von der Unternehmerfirma Lenz u. Co. in Berlin am 30. April 1902 tatsächlich dieser Betrag an den Abg. Joutz ausbezahlt worden ist. Die Firma habe sich aber auf Anfrage dahin geäußert, daß es ihr gleichgültig sein könne, auf welche Weise Joutz die Obligationen bei den interessierten Gemeinden unterbrachte; die Papiere seien ihm einfach zum Kurs von 94 Prozent übergeben worden. In eine Debatte über diese heikle Geschichte wurde vorläufig nicht eingetreten, nur Herr Joutz erhielt das Wort zu seiner Rechtfertig⸗ ung, die allerdings matt genug ausfiel. Er sagt, er habe sich um das Zustandekommen der fraglichen Bahn sehr bemüht, bei Unterbringung der Obligationen große Kosten gehabt, somit erblicke er in der Annahme der 33 000 Mark Provision nichts, was mit seiner Stellung als Abgeordneter unvereinbar wäre. Andere Abge⸗ ordnete verdienten durch ihre Beziehungen zu landwirtschaftlichen Organisa⸗ tionen. Gießener Angelegenheiten. — Kreiskonferenz. Diesen Sonntag kommen die Vertreter unserer Partetorte im Kreise zur regelmäßigen Frühjahrskonferenz zusammen. Es liegt ihr wieder ein ziemlich reichhaltige Tagesordnung zur Erlediaung vor und es ist zweifelhaft, ob bei der zur Verfügung stehenden kurzen Zeit alles erledigt werden kann. Trotzdem nützt eine derartige Aussprache un⸗ gemein und die Zelt wird gut angewendet. Diesmal stehen wieder sehr wichtige Dinge auf der Tagesordnung. Da ist zum Beispiel die Organisationsfrage. Hier bleibt noch viel zu bessern übrig und wir zweifeln nicht daran, daß Beschlüsse gefaßt wer den, die weitere Fortschritte verbürgen. Auch bei„Gemeinde⸗ wahlen“ handelt es sich darum, Aufklärung zu schaffen über eine Reihe wichtiger Fragen und darum, unsere Taktik bei den Gemeinde⸗ wahlen einigermaßen einheitlich festzulegen. Im Ganzen: Es ist eine wichtige Beratung, wir wünschen den besten Erfolg und heißen alle Delegierten herzlichst willkommen! — Vom Konsumverein. Nächsten Sonntag, den 6. März findet eine Generalver⸗ sammlung des„Konsumvereins für Gießen und Umgebung“ statt, in welcher der Geschäfts⸗ Bericht über das zweite Halbjahr 1903 den Hauptgegenstand der Tagesordnung bildet. Wie erinnerlich, beschloß die letzte Generalversamm⸗ lung, daß im Jahre zwei Inventuren vorge⸗ nommen werden sollten. Das Ergebnis der am Jahresschluß stattgefundenen liegt nun vor und es kann nach den uns gewordenen Mitteilungen eine recht erfreuliche Entwick⸗ lung der Genossenschaft konstatiert werden. Der erzielte Ueberschuß ist in diesem halben Jahre schon erheblich höher, als im vorigen ganzen zu verzeichnen war und es ist sicher anzunehmen, daß auch in der andern Hälfte des Geschäftsjahres ein gleich günstiges Resul⸗ tat erzielt wird. Das gereicht natürlich allen Mitgliedern zum Vorteil und es müssen sich daher auch alle angelegen sein lassen, an dem weiteren Ausbau der Genossenschaft, soviel in ihren Kräften steht, mitzuarbeiten. — Vor Schwindel⸗Krankenkassen muß wiederholt gewarnt werden. In der letzten Zeit sind wiederum eine ganze Anzahl behöord⸗ lich geschlossen worden, so die„Saxonia“, „Wettin“ und die„Deutsche Krankenversicher⸗ ungskasse“, sämtlich in Dresden. Schon viele Arbeiter sind dadurch in Nachteile geraten. Deshalb ist solchen Unternehmungen gegenüber, durch die stch ihre Gründer blos bereichern wollen, die größte Vorsicht am Platze. Man versichere sich in den Ortskrankenkassen oder den von Arbeitern geleiteten bekannten frelen Hilfskassen. — Ueberfahren. Am Mittwoch wurden auf dem Kirchenplatz zwei Kinder im Alter von 4 und 6 Jahren von dem Omnibus über⸗ fahren und schwer verletzt. Es ist eine höchst mißliche Einrichtung, daß die Kutscher dieser Wagen zugleich als Kondukteure fungieren müffen. Sie sind daher nicht in der Lage, 0 die nötige Aufmerksamkeit zuzu- wenden. Aus dem Rreise gießen. r. Umsturzbekämpfung in der Kirche. Aus Steinberg schreibt man uns: Ueber den Kranz mit der roten Schleife, der neulich bei der Beerdigung des Gen. Fett niedergelegt werden sollte, konnte sich unser Herr Pfarrer noch nicht sogleich beruhigen. Bei der Beerdigung erklärte er, daß er nicht dulde, auf dem Friedhofe Politik zu treiben; er selbst aber tat es in der Kirche am Sonntag recht ausgiebig. Statt dort das Evangelium zu verkünden und im Sinne des Nazareners wahre Nächstenliebe zu predigen, hielt er eine Vernichtungsrede gegen die Sozialdemokratie. Die Grundlage dazu mußte ihm der Dres dener Paytei⸗ tag abgeben und in seinen Ausführungen wußte er dem Genossen Bebel verschiedenes nachzusagen. Am Schlusse seines Referats forderte er jeden christlichen Menschen auf, ihm im Kampfe gegen den Umsturz zu unterstützen. Alle Andächtigen verließen die Kirche unter dem Eindruck, eine nationalliberale Wahlpauke gehört zu haben. Seiner Aufforderung können wir zu unserm Bedauern aber nicht Folge leisten. Die Gründe würden wir ihm sagen, wenn er uns in der Kirche das Wort gestatten würde oder zu uns in die Versammlung käme. Uebrigens wollen wir ihn aber in seiner Umsturzbekämpfung nicht stören. Bis er die Sozialdemokratie vernichtet hat, wird immerhin noch einige Zeit vergehen!— Der zurückge⸗ gewiesene Kranz mit der roten Schleife wurde am Sonn⸗ tag Nachmittag unter großer Beteiligung und im Bei⸗ sein eines Gendarmerie-Wachtmeisters aus Gleßen niedergelegt. Die bei uns ganz ungewöhnliche Anwesen⸗ heit des Gendarmen erregte natürlich allgemeines Auf⸗ sehen.— Darauf fand im Saale„zum grünen Baum“ eine auch von Frauen stark besuchte Volksversammlung statt, in der als Referentin Frau Dr. Michels aus Marburg erschienen war. Sie sprach in einstündiger Rede über: Religion und Sozialdemokratie. Jede der zahl⸗ reichen Konfessionen— führte sie aus— suche recht viele Anhänger zu gewinnen und zu erhalten, wodurch eine, mauchmal sehr unlautere, Konkurrenz unter ihnen entstehe. Jede Richtung aber mache sich allerhand Vor⸗ stellungen über Himmel und Hölle, überirdische Mächte 2c. Dinge, die vor den Forschungen der Wissenschaft nicht standhalten könnten. Heute gilt die Religion als Mittel zum Zweck. Alle religiösen Richtungen suchen das Volk unter Hinweis auf das bessere Jenseits über seine schlechte Lage hinweg zu trösten. Meistens lebten aber die Verkünder solcher Lehren in recht guten Ver⸗ hältnissen. Nicht die Sozialdemokratie sei der Religions⸗ feind, sondern die Wissenschaft. Die Sozialdemo⸗ kratie verlangt nur, daß die Religion als Privatsache behandelt, für kirchliche Dinge keine öffentlichen Mittel verwendet werden.— Sie vertröstet ihre Anhänger nicht auf den Zukunftsstaat im Jenseits, sondern sie strebten danach, daß es hier im Gegenwartsstaate dem ganzen Volke gut gehe. Nur wenn der Sozialismus zum Siege gelangt sei, dann könne es heißen: Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!— Unter stürmi⸗ schem Beifall schloß die Rednerin ihren lehrreichen und aufklärenden Vortrag. — Langgöns. Mehr Sauberkeit in der Gemeinde! Diesen dringenden Wunsch haben die An⸗ wohner der Hunstadenstraße in Langgöns, die sich in einem höchst bedenklichen Zustande befin⸗ det. Eine schöne, breite Straße, die, wenn sie richtig in Stand gesetzt und etwa beiderseitig mit Bäumen be⸗ pflanzt wäre, jedem Orte zur Zierde gereichen würde. Statt dessen zieht ein ziemlich breiter Wassergraben an der einen Seite entlang, dem bei halbwegs wärmerem Wetter Dünste höchst unangenehmer und gefährlicher Art entsteigen. Das Wasser hat nämlich keinen regel⸗ rechten Abfluß: weil sich tiefe Löcher im Graben befin⸗ den, bildet es im Verein mit Abwässern un abgesetztem Schlamm stinkende Sümpfe. Die gesundheitlichen Ver⸗ hältnisse leiden darunter im höchsten Maße und tatsäch⸗ lich werden die Anwohner der Hunstadenstraße außer⸗ ordentlich häufig von Krankheiten heimgesucht.— Vor etlichen Jahren wurden wohl einmal 6000 Mk. für Neupflasterung des Grabens vorgesehen, jetzt hört man aber nichts mehr davon. Dagegen sieht man, daß Straßen⸗Ausbesserungen an Stellen vorgenommen wer⸗ den, wo es nicht so dringend notwendig wäre. Sollte — —— da der gabel, 30 nn ue g halbe n N 1 Letter ug. ba den n lot hakel, U beet Daggen sm dle zu Hale pegeb Ml, peldige, Faulkurau meldeten Darum heller fie Alen mier Rͤler ahlt hett mf bes bleekte ume. walsche nden. Aufrahm sch wied Nadgen Tagen h Werbe dußßuwei angsbor weihen! t fel rlassen b. Mttuo⸗ G hatte fülschr Aulwort Velen! echäbt lich m falle f lan 9 Jahr Ghthel 0 Angebile egal iumer 00 2 wochen chaften bene b 10 ehr Umnen nabe Gewet in dem Balber b alter 80 0 ie ische 5 Abge gent und legten pattel die f obwg in er die dee ** 1 „ne 1 der fte Uurden Ale 5 iber 1 dier Agieren Lag, ul. e. Auz anz nit digung ite sech 1 Bei uf dem tat ez Statt une des hielt er e. Dle artet er dem Shluse lenschen en. 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Darum wende jeder der Einwohner den Gemeinde angelegenheiten seine Aufmerksamkeit zu! — In Rödgen fand am Sonntag Nachmittag eine recht gut besuchte Versammlung statt, in der Gen. Vetters über„die Sozialdemokratie und ihre Gegner“ sprach. Anknüpfend an die Erfolge der Sozialdemokratie bei den letzten Reichstagswahlen bemerkte Redner, daß uns noch eine viel größere Anzahl Stimmen zugefallen wären, wenn jeder Angehörige der arbeitenden und minder⸗ bemittelten Klassen in den wirtschaftlichen und politischen Dingen genügend aufgeklärt wäre. Wie würde die Volksmasse z. B. durch die indirekten Steuern und die Zölle zu Gunsten der Besitzenden belastet und ausge⸗ beutet! Welche ungeheueren Summen würden für Dinge ausgegeben, die dem Volke absolut nichts nützen, für Militär, Flotte, Kolonien und vieles andere! Für not⸗ wendige, im Interesse des gesamten Volkes liegende Kulturaufgaben sei aber meistens kein Geld da und ihnen wendeten die Regierungsleute keine Aufmerksamkeit zu. Darum müsse jeder Staatsvürger, besonders jeder Ar⸗ beiter sich über diese Frage Klarheit verschaffen und seinen Willen kundgeben. Keine Regierung könne den klar ausgesprochenen Willen des Volkes unbeachtet lassen. Redner wies hin auf das Trauerspiel mit der hessischen Wahlreform, welche die bürgerlichen Parteien zu hintertreiben suchen. Hier müsse das Volk energisch da⸗ rauf bestehen, daß sein Wille, der auf Beseitigung der indtrekten Wahl gerichtet sei, gesetzlich zum Ausdruck komme. Vor allen Dingen müsse für Stärkung unserer politischen Organisation, des Kreiswahlvereins gesorgt werden.— Die Ausführungen fanden recht beifällige Aufnahme und es steht zu hoffen, daß der Wahlverein sich wieder besser entwickelt. Mögen die Genossen in Rödgen dazu kräftig mithelfen! — Fest in Trohe. Am Sonntag vor acht Tagen hielt der Wahl verein Trohe im Lokale Seipp sein Wintervergnügen ab. Es hatte sehr zahlreichen Besuch aufzuweisen und die Darbietungen, besonders die Ge⸗ sangsvorträge des Arbeitergesang⸗Vereins fanden allge⸗ meinen Beifall. Erst spät erreichte das bestens verlaufene Fest sein Ende, das jeder Besucher mit Befriedigung verlassen haben wird. Aus dem Rreise Wetzlar. h. Vor der Strafkammer in Wetzlar wurde am Mittwoch ein aufsehenerregender Prozeß verhandelt, es hatte sich Kaufmann Hermann Jakob wegen Wechsel⸗ fälschung, Betrugs und einfachen Bankrotts zu ver⸗ antworten. Jakob, durch dessen Straftaten der Vorschuß⸗ Verein und eine Anzahl Privatpersonen um 33000 Mk. geschädigt wurden, flüchtete nach Amerika; als er sich nicht mehr zu helfen wußte, kehrte er jedoch zurück und stellte sich der Behörde. Er gibt die ihm zur Last ge⸗ legten Verbrechen zum größten Teil zu und wird zu 3 Jahren und 1 Monat Zuchthaus und 5jährigem Ehrverlust verurteilt. * Christliche unter sich. Von dem rohen und ungebildeten Ton, der angeblich innerhalb der Sozial⸗ demokratie bei Auseinandersetzungen herrschen soll, wird immer viel erzählt und sich darüber entrüstet. Nicht bloß Amts⸗ und Ordnungsblätter weisen darauf mit Abscheu hin, auch die Agitatoren„christlicher“ Gewerk⸗ schaften konnten sich nicht genug darin tun, den Dres⸗ dener Parteitag als abschreckendes Beispiel vorzuführen; die guten Leute täten besser, vor ihren eigenen Türen zu kehren. Da hat es kürzlich innerhalb der christlichen Gewerkschaften im Sie gerlande einen Krach gegeben, wobei gehörig Spähne fliegen. Führer der christlichen Gewerkschaften im Siegerland ist Herr Breid ebach, der in dem„Bergknappen“, dem Organe des christlichen Ge⸗ werkvereins in einer Weise angegriffen wird, die den christlichen Ton so recht erkennen läßt. Selbst Zentrums⸗ blättern wird der Skandal und die Schimpferei zu toll. So schrieb die„Kölnische Volksztg.“: „Eine widerwärtige Fehde spielt sich ab zwischen dem„Bergknappen“, Organ des Herrn Brust, Vorsitzenden des christ. Bergarbeiterverbandes, der dem preuß. Abgeordnetenhause als Mitglied des Zentrums angehört, und Breidebach, vom Berg⸗ und Hüttenarbeiter verband im Siegerland, der bei der letzten Reichstagswahl als Kandidat der Zentrums⸗ partei in Wetzlar⸗Altenkirchen aufgestellt war. In die Differenzen, welche zwischen den beiden Organisationen obwalten, wollen wir uns nicht einlassen; dieselben gehen in erster Reihe die christlichen Gewerkschaften an. Aber die Tonart, in welcher diese Differenzen ausgefochten werden, ist derart, daß jeder Freund der christlichen Gewerkschaften dieselbe nur aufs tiefste bedauern kann. Die„Rheinische Zeitung“ verzeichnet u. a. folgende „Auslese“ aus der neuesten Nummer des Bergknappen: Arbeiterverräter, Volksbetrug, Ehrabschneidung, Heuchler⸗ gesellschaft, vorgeschobene Thea tertruppe, schlimmste Heuch⸗ ler, Klique, heuchlerisches Geschrei, Erzheuchler, Lüge und Verleumdung, gemeine Lüge, Ehren⸗Breidebach, rüder Bursche, Schwindel, christliche Schmutz⸗Arbeiterzeitung, elender Heuchler und Feizling, loser Schwätzer, Korona der Arbeiterverräter um Breidebach, Schmutzausgabe der christlichen Arbeiterzeitung, nette Moral, die Breide⸗ bachsche und die andern Kumpels der Arbeiterverräter im Siegerlande, arbeiterverräterische Pläne usw. Man kann dem sozialdemokratischen Blatte nicht unrecht geben, wenn es sagt. wer so schimpfe, habe kein Recht, den Sozialdemokraten Dresden entgegenzuhalten.“ Daß der christliche Führer Brust der Verfasser der wüsten Artikel ist, hat er selbst bekannt. Er folgt damit nur den Spuren vieler Zentrumsblätter, die im Schimpfen schon ihren Mann stellen. Damit wollen wir Herrn Breidebach, der bei der letzten Wahl als „schlichter Mann aus der Werkstelle“ auftrat, nicht als Unschuldsengel hinstellen. Die Arbeiter aber mögen da⸗ raus ersehen, wie die christlichen Gewerkschaften beraten sind. Hoffentlich erkennt die Arbeiterschaft bald, daß sie über diese Gesellschaft, mag sie katholich⸗christlich sein oder zur Stöck erpartei gehören, zur Tagesordnung über⸗ gehen und sich ohne Rücksicht auf die religiösen Unter⸗ schiede zusammenschließen muß. s. Die berühmten Bülow-Reden sind auch in den Dörfern des Westerwaldes verbreitet worden, wie man uns von dort schreibt. Der gewünschte Erfolg ist aber selbst dort ausgeblieben, jeder sagt sich eben: warum denn blos die Rede des einen und nicht auch die des andern? Es wäre sehr angebracht gewesen, wenn von unserer Parteileitung der stenographische Bericht der Reden Bebels und Bülows verbreitet worden wäre. Warum man sich zur Drucklegung derselben nicht entschloß, wissen wir nicht, jedenfalls hätten sie die beste Aufnahme ge⸗ funden. * Aus Hachenburg. Der Förster Carpentier, welcher im Januar seine Frau erschoß, ist aus der Untersuchungshaft entlassen worden und versieht auch seinen Dienst wieder. Damals wurde die Vermutung ausgesprochen, daß C. seine Frau im Jähzorn gelegentlich eines Streites getötet habe, doch scheint sich dies nicht bestätigt zu haben, denn sonst wäre die Haft⸗Entlassung sicher nicht erfolgt. Die Gerichts⸗Verhandlung wird wohl darüber Klarheit bringen. Aus dem Rreise Marburg⸗Rirchhain. r. Genossenschaftliches. Als man in Marburg zur Gründung des Konsum⸗Vereins schritt, ging ein Sturm der Entrüstung durch die Reihen der Marburger Kaufleute. Man empörte sich über die Unverschämtheit einiger Arbeiter, die sich das Recht herausnahmen, den Kaufleuten Konkurrenz zu machen, um sich an dem ev. Ueberschuß zu bereichern. Durch allerhand Redensarten versuchten die Kaufleute, ihre Kunden zu erhalten. Den geringen Leuten wurde der weiteste Kredit gewährt. So kam es, daß manche Leute vom Kaufmann vollständig abhängig und gezwungen waren, nur bei ihm zu kaufen. Erst durch den Einfluß des Kon⸗ sum⸗Vereins wurde dieser Pumppwirtschaft all⸗ mählich abgeholfen, und manches Mitglied ist froh, diese drückende Verpflichtung los zu sein. Als sich uun gar der Konsum Verein durch seine immer größer werdende Mitgliederzahl gezwungen sah, Filialen in den nahen Dörfern zu errichten, da wendeten gewisse Leute, um sich ihre Bauernkundschaft zu erhalten, die un⸗ saubersten Mittel an, um dem Konsum⸗Verein die Mitglieder wieder abspenstig zu machen. Waren es doch die Bauern, auf welche die Händler ihre Hoffnung setzten, wenn sie etwa in der Stadt durch die Genossenschaft Kunden verloren. Deshalb haben auch noch jetzt viele Mitglieder des Konsum⸗Vereins unter den Be⸗ leidigungen mancher Krämer zu leiden. Redens⸗ arten wie:„zum Pumpen war ich gut!“ oder: „wartet nur, wenn der Konsum⸗Verein erst wie⸗ der kaput ist!“ werden ärmeren Mitgliedern immer an den Kopf geworfen. Nicht besser ging es den Mitgliedern des Vereins, welche bei einem Krämer wohnten. Denen wurde ein⸗ fach die Wohnung gekündigt. Sogar Hand⸗ werksburschen werden auf den Konsum⸗Verein aufmerksam gemacht. Erst kürzlich kam ein armer Reisender in einen Laden und bat um eine kleine Gabe. Aber mit wuterfüllten Wor⸗ ten wurde er zum Staunen der anwesenden Kundschaft angeschrieen: Machen Sie, daß Sie fortkommen und gehen Sie in den Konsum⸗ Verein, da kriegen Sie was zu schnurren!— So wütet man gegen den Konsum⸗Verein!— Wohl möglich, daß einzelne Kaufleute durch den Konsumverein direkt einen kaum nennens⸗ werten Schaden erleiden und sich daher auf⸗ regen. Doch die Genossenschaften bedeuten einen Nutzen für die Gesamtheit und somit nützen ste indirekt auch den Kaufleuten. Den erzielten Gewinn behalten die Arbeiter nicht für sich, sondern kaufen damit andere Waren, wodurch die Geschäftsleute wieder Nutzen haben.— Für uns heißt es: Ungeachtet aller Anfein⸗ dungen ruhig weiter agitieren und— weg mit der Pumpwirtschaft! r. Das Gewerkschaftsfest am Sonn⸗ tag hatte einen außerordentlich starken Besuch aufzuweisen und nahm den besten Verlauf. Mit stürmischem Beifall wurde die Festrede des Gen. Krumm Gießen aufgenommen. All⸗ gemein befriedigten aber auch die Gesangs⸗ vorträge des Gesangvereins„Eintracht“, ebenso eine Reihe komischer Vorträge und Couplets, welche an Stelle des Theaterstücks, das wegen Verhinderung einiger Mitwirkenden nicht auf⸗ geführt werden konnte, geboten wurden. In fröhlicher Stimmung blieb man noch einige Stunden beim Tanze zusammen. Die„Hessische Landeszeitung“ ist über uns recht ungehalten, weil ihr in einer Notiz unserer vorigen Nummer das Inserat vorgehalten wurde, durch das ein„Cavalter“ abendlichen Anschluß sucht. Wir sollen ihr glauben, daß diesem Inserat unsaubere Motive nicht zu Grunde liegen. Das ist zuviel ver⸗ langt. Die Redaktion der„Hess. Landesztg.“ handelt unklug, wenn sie jenes Inserat, das doch gar zu deutlich unsaubere Motive erkennen läßt, verteidigt. Sie wäre klüger gewesen, wenn ste erklärt hätte, daß sie von dem Inse⸗ rat keine Kenntnis gehabt habe und daß sie es verurteile. Und das hätten wir geglaubt. Niemand hat behauptet, daß etwa die„Hess. Landesztg.“ ein unsauberes Techtelmechtel ver⸗ mitteln wollte; tatsächlich geschieht es aber durch solche Annoncen. Anträge zur Kreiskonferenz. Lollar: Der Beschluß einer früheren Konferenz, wonach die Kreiskonserenzen stets in Gießen stattzufinden haben, wird aufgehoben. Jede Konferenz bestimmt, wo die nächste abgehalten wird. Versammlungskalender. Erscheint zahlreich und pünktlich in den Ver⸗ sammlungen! Samstag, den 27. Februar. Gießen. Soz.⸗dem.⸗Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Vortrag v. Gen. Krumm über Gemeindepolitik. Montag, den 29. Februar. Gießen. Freie Turnerschaft. Abends 8 ½ Uhr. Monats⸗Versammlung in Lonys Bierkeller. Marburg. Schneider. Abends 7/9 Uhr Ver⸗ sammlung bei Hillberger.— Schuhmacher, im gleichen Lokal. Dienstag, den 1. März. Gießen. Gewerkschaftskartell. Abends 8/ Uhr. Sitzung bei Orbig. Samstag, den 5. März. Lauterbach. Soz.⸗dem.⸗Wahlverein. Abends 8 ½ Uhr. Versammlung bei Gastwirt Kuntzer. Brlefkasten. M.⸗Alsfeld Das alberne, die Dienstboten ver⸗ höhnende Gedicht abzudrucken, halten wir für unnötig. Lassen wir der Gesellschaft den Spaß. Wenn diese Leute glauben, daß es den Dienstboten so gut geht, ist ihnen allerdings zu raten, sich mal selbst als solche zu versuchen. R.⸗Mbg. Wenn Sie sparsamer mit dem Pa⸗ pier wären, brauchten wir kein Strafporto zu bezahlen. Eine illustrierte März⸗Zeitung erscheint zum März im Verlage der Buchhandlung Vorwärts. Vierzig Jahre sind im August dieses Jahres verflossen, seit Ferdinand Lassalle der deutschen Arbeiterklasse ent⸗ rissen wurde. An die Bedeutung Lassalles will die diesjährige März⸗Zeitung erinnern durch die Wiedergabe eines bisher noch nicht veröffentlichten Porträts Lassalles, nach einer Tuschzeichnung von L. Pietsch und durch einen Artikel:„Lassalle und die Revolution“ von Rosa Luxemburg. Die März⸗Zeitung wird aber auch je nen gedenken, die durch Wort ud Blle der Freiheit ein Gasse bahnten. Das Titelbild zeigt einen neuen Winkel Fried, wie er mit unwiderstehlicher Kraft der Feinde Lanzen zersplit tert. — N 2 — — Seite 6. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. 8 Nr. 62 1 Von Nah und Lern. Die beleidigten Hessen. Kürzlich teilten wir mit, daß gegen unser Mainzer Parteiorgan Anklage erhoben worden ist wegen Veröffentlichung der Kriegs⸗ briefe des Generals v. Kretschmann, worin unter anderm gesagt war, daß die Hessen in Sens geplündert hätten. Dieser Tage erließ nun der Mainzer Untersuchungsrichter eine Bekanntmachung, wonach die ehemaligen hess. Jäger, die das Städtchen Sens besetzten, ersucht werden, dem Untersuchungscichter ihren Wohn⸗ ort mitzuteilen. Man beabsichtigt demnach, die Angelegenheit zu einem Sen sationsprozesse auszugestalten, auf dessen Ausgang man ge⸗ spannt sein darf. Bildchen aus der kapitalistischen Ordnung. Der bisherige Vorstand der Gesellschaft für Fabrikation photographischer Apparate, vorm. R. Hüttich u. Sohn in Dresden, Karl Richard Hüttich, wurde wegen bedeutender Unterschlag⸗ ungen zum Schaden der Gesellschaft Freitag vormittag verhaftet. Direktor Hüttichs Verbind⸗ lichkeiten werden auf zirka 700000 Mk. taxiert. Direktor Zabel von der Monopol⸗Kontroll⸗ Rechen⸗Maschinenfabrik, der dem Aufsichtsrat der Hüttich⸗Gesellschaft angehörte, verübte Selbst⸗ mord. Die Monopol-⸗Gesellschaft wird zum Konkurse gezwungen sein.— Auch in Bremen sind mehrere schwere Bankrotts vorgekommen. Herr Senator Lürmann geruhte ohne Abschied zu nehmen zu verreisen, eine Schuldenlast von vielen Tausenden zurücklassend. Ferner stellte die dortige Getreidefirma Meyer die Zahl⸗ ungen ein. Flucht vor dem Bilde. In Schlettwein bei Pößneck in Meiningen haben die Mitglieder der Gemeindevertretung den Beschluß gefaßt, keine Gemeinderatssitzung mehr im Ronnebergschen Restaurant abzuhalten, weil— weil— weil— uns schaudert die Haut, es niederzuschreiben— weil das i Gruppen⸗ bild der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion im Nebenzimmer des Arbeitervereins aufgehangen ist. Schrecklich! Sachsen ist übertrumpft und der Staat, besonders die Gemeinde Schlettwein, ist gerettet! Dienstbotenernährung. Eine ergötzliche Szeue, die so recht die Wertschätzung der Dienstboten bei manchen Herrschaften illustriert, spielte sich, wie unser Karlsruher Bruderblatt schreibt, dort kürzlich in einem Metzgerladen in der Scheffelstraße ab. In den Laden trat eine Dame, herablassend einen guten Abend wünschend. Höflich grüßt der Metzger und erkundigt sich nach den Wün⸗ schen der Dame, indem er sagt: „Womit kann ich dienen?“ Dame:„Ich möchte für fünf Pfennige Schwartenmagen.“ Der Metzger traut seinen Ohren nicht recht und starrt die Dame mit großen Augen an. Die Dame sagt:„Ach, es braucht kein frischer zu sein; es können ältere Stückchen sein, es ist für das Dienstmädchen!“ Metzger:„Ich habe dort schönen, mageren Schinken, soll ich Ihnen nicht davon für drei Pfennig geben?“ Die Dame eilt der Türe zu, unter der ste zurückruft:„Unverschämt!“ Die„Dame“ fand den Metzger, der sie mit verdientem Spott behandelte, unverschämt, findet aber ganz in der Ordnung, daß sie ihr Dienst⸗ mädchen mit„älteren Stückchen“ füttert. Manche „Dame“, die ihr Hausbudget mit einem Dienst⸗ mädchen belastet, täte besser, Schrupper und Besen selbst in die Hand zu nehmen, anstatt der„noblen Krämpfe“ wegen Hunger zu leiden und andere Hunger leiden zu lassen. Die Dame könnte sich selbst dann vielleicht für 10 Pfennige frischen Schwartenmagen kaufen und brauchte nicht um 5 Pfennige„ältere Stückchen“ fürs 5 oder„für den Hund“ einkaufen gehen. r * 0 Unterhaltungs- Cril. 1 ———— 9 2 Die Internationale. Wortlaut dem Französischen des Eugen Pottier nach⸗ gebildet von Franz Diederich. Nun reckt empor des Elends Stirnen, Ihr Angeschmiedeten der Not!— Aus Tiefen grollt des Rechtes Sürnen. Der Tag bricht an, der Glutball loht.— Vermorschtes sinkt in Gruft und Grauen. Was sinkt, wir stoßen es hinein!— Wir wollen neu die Welt erbauen. Sind nichts wir, laßt uns alles sein.— Schon jubeln des Siegs Signale! Empor! Der Tag dringt ein.— Die Internationale Wird die Menschheit sein.— Der ist ein Tor, wer seinen Ketten Der Hoffnung Blick nach oben stellt!— Wir schaffen, um uns selbst zu retten, Und unsere Rettung gilt der Welt.— Die Hände weg von unsrer Scheuer! Dem SGeist die Fesseln ab! So sei's!— Wir heizen selber unsre Feuer. Schlagt auf das Eisen! es ist heiß.— Schon jubeln des Siegs Signale! Empor! der Tag dringt ein.— Die Internationale Wird die Menschheit sein.— In Trug und Druck sind wir geschlagen, Das Blut der Adern preßt der Raub. Den Reichen drückt kein Pflichtentragen, Des Armen Becht ist arm und taub. Nun soll sich Swang und Schmachten heben: Gleich sei der Zukunft Glücksgeschlecht! Kein Recht, dem keine Pflicht gegeben Und keine Pflicht, die ohne Recht! Schon jubeln des Siegs Signale! Empor! Der Tag dringt ein.— Die Internationale Wird die Menschheit sein.— Die Macht, die ohne Maß und Ende Uns niederzwingt in Not und Fron, Sie nahm das Schaffen unsrer Hände Und baute ihrer Herrschsucht Thron. Wo Räder sausen, Gefen lodern, Ragt, was wir darbend aufgeführt, Nun kommen wir, es heimzufordern, Und fordern nur, was uns gebührt. Schon jubeln des Siegs Signale! Empor! Der Tag dringt ein!— Die Internationale Wird die Menschheit sein.— Du Volk verbrüdeter Millionen, Du Arbeitsbund der ganzen Welt! Nur den, der schafft, soll Glück belohnen, Der Müßiggang verliert das Feld. Hinweg, die uns am Fleische hangen! Schon scheucht die Angst sie weit und breit: Sie flattern auf in Todesbangen— O steig empor, du Sonnenzeit! Schon jubeln des Siegs Signale: Empor! Der Tag dringt ein. Die Internationale Wird die Menschheit sein.— Der Sieg des Schwachen. Erzählung von Melchior Meyr. 22.(Fortsetzung.) Mit einem bis zur Sinnlosigkeit gesteigerten Grimme und einem Rachegefühl, das sich nur durch Vertilgung genügen konnte, sah er sich um und hieb mit der Schere in den Spiegel an der Wand, daß er in tausend Trümmer zersprang. Heiser schrie er:„Alles muß hin sein!“— ging über das benachbarte Kanten⸗ brett her, und die Scherben von Krügen, Tellern und Schüsseln flogen klirrend auf den Boden. Er war förmlich rasend geworden. In einer Erregtheit, als ob alle Furien in ihm tobten, Schaum auf den Lippen, die Augen rollend, fuchtelte er mit seinem Instrument, schlug blind um sich, schlug die Hand in einen Splttter, daß das Blut heruntertroff, schimpfte und fluchte.— Die Maßlosigkeit des Gebarens, der giftige Blick, das Schäumen des Mundes und das Zucken der Glieder machte förmlich den Eindruck des Gräßlichen. 10 6 Der Alte hatte während der Rede nichts agen einzuwenden gefunden— er war von der finde Wahrheit, die in den Vorwürfen lag, getroffen. fin f Als Tobias immer leidenschaftlicher wurde 15 1 und endlich um ich schlug wie ein Besessener, ue erschrak er zum Tode— er hielt ihn für wirk⸗ lich verrückt und ging, kein Auge von ihm ver⸗ al wendend, rückwärts und rückwärts. Der Bursche drang nach und fuchtelte wild— der Alte due sprang hinter den Ofen, ergriff einen Stuhl ich und hielt ihn als Schild vor. d So hatte sich denn das Blatt unerwartet, aber begreiflich, gewendet. In dem entsetzten In Alten waren Stolz und Zorn so ganz und itt. gar der Angst gewichen, daß er nicht dazu kam, gain den Sohn in seinem Vertilgungswerke zu stören, 00 obwohl der dadurch angerichtete Schaden ihm u et sehr empfindlich sein mußte. Nur als Tobias 1 1 endlich auch die in der Nähe des Ofens auf⸗ gestellten Milchscherben(Töpfe) zerschlug, daß die gestockte Milch in der ganzen Stube herum⸗ 0 flog, da rief er dringend, ja flehentlich?„um(le Gottes willen, Tobias! Hör' auf! Bist dn 0 850 d rasend? Hör' doch auf! Ich bitte aß Dieser Zuruf brachte den Fürchterlichen ichen wieder zu einiger Besinnung. Durch die letzten Taten gekühlt, mit gestilltem Vernichtungsdurst, hielt er inne. Die Zornwogen sanken, und weill Vernunft kehrte wieder in sein Haupt zurück. Als er nun ober umherschauend die Splitter i und die Milchflocken auf dem Boden und den ahne — 1— — — Vater seinen Stuhl vorhaltend hinter dem uh Ofen erblickte, da empfand er nicht Scham dle g und Reue, vielleicht gar Schreck über das ver- aun übte Werk, nein, Stolz, höchsten Stolz— und deu die Süßigkeit der vollgesättigten Rache. Endlich del hatte er seine Rede wahr gemacht und seinen daß e Willen behauptet, nicht wie ein Esel, der sich 9 nd b schlagen ließ, sondern wie ein Löwe, der auf 1 Ver seine Gegner losgeht und alles in die Flucht Uuben jagt! Ein Gefühl durchdrang ihn, so herrlich daaug wie niemals in seinem Leben— die Seligkeit Juen eines durch Mut und Schlagkraft errungenen Leer vollständigen Sieges! Und in dem Bewußtsein der des Geleisteten erhellte ein Genius seinen Geist„Hol' und gab ihm die Fähigkeit, den Sieg auch zu* benutzen. Hatte die Springflut des Zornes ihm wegle⸗ vorhin den Sitz des Verstandes überschwemmt,(Lache weggeflößt hatte sie diesen nicht; und als die md e Wellen sich verliefen, erhob er sich, wie von mi; dem Bade gestärkt, mit erneuter Kraft, um 0 das, was er seit Jahren versäumt, mit einem ght Schlage wieder gut zu machen. Feelschl Auf den nochmaligen Zuruf des Alten„Hör— 90 auf, ich bitte dich!“ trat er, die Schere in der 0 blutenden Rechten, zum Ofen und versetzte: unf „ ch will aufhären— wel du mich drum i bittest! Aber die Bäbe muß ich heiraten dürfen! 2 Mein Geld muß ich herauskriegen— was ich geln von der Mutter hab' und was mir von dir nun gehört! Und tun muß ich dürfen, was ich will, Wille nicht, was andere Leut' wollen! Kreuz Herr⸗ bun gott!“ jun Der Alte, der ihn bei diesen Worten aufs ub neue die Augen verdrehen sah und immer noch nicht sicher war, daß er's nicht mit einem wirk⸗ N n lich Tollen zu tun hatte, entgegnete:„Alles, Bonn alles! Heirat, wen du mul nimm, was dir 15 gehört, und tu, was du willst!“ bes „Schwörst du mir's?“ rief Tobias. 1 155 „Ich schwör' dir's,“ erwiderte der Alte. 1 1100 „Nun, dann ist's gut,“ versetzte der Bursch! und ließ den Arm mit der Schere niedersinken. 2 Mit Stolz fügte er hinzu:„Ich bin alt genug, Al um selber einen Mann zu machen; ich hab' 3 meinen Verstand(„Haß Gott erbarm'!“ dachte lic der Alte) und werde dir beweisen, was ich fürn Nun ein Kerl geworden bin!“— Indem er ihn lat dabei ansah, fuhr er lächelnd fort:„So, geh) und! jetzt nur wieder vor— ich tu' dir nichts!“ dltw Der Alte, der den Stuhl in die Ecke ges licht setzt, ging langsam vor, indem er ihn scharf 1 im Auge behielt; denn die Veränderung an dem Burschen war so vollständig, daß er noch uin 0 falle. nicht wußte, was er von ihm denken ö ollte. a erlicen letzten gdürs, , und zurüc. Sylitter ind den * dem Scham as ber⸗ — und Endlich N h feinen der sich der auf Flucht herrlich ligkeit ungenen ußtsein n Geist auch zu nes ihm wemmt, — als die be bon ft, m 9 t einem I Hör il der set. bun büfen! bas ich bon dir 0 vil. herr en aus ir och 1 as dir Alte. . ö Ale, r———— 4 getan. 1— 22 Kb —— ständiger, sein sprach betrachtete die Waffe, Tuns an, er rückt, sondern mehr als jemals bei gesundem der Streit damit in der Tat aus war. Der gleich, daß ein Mensch, der sich so benahm, ihm in — der Bursch hatte ihm Respekt eingeflößt; er auch was von ihm hatte. Dieser Gedanke umhin, gegen den„verfluchten Kerl“ sogar der wiedereroberten Ehre— die schöne Sicher⸗ daß er sein Glück ein für allemal geschmiedet Wer hätte so brutal sein können, gegen den — Mitteldentsche Sonutags⸗Zeitung. Seite 7. Tobias, mit eiuer Sicherheit, als ob er un⸗ ahbar geworden und keine Gewalt der Erde ihm mehr was anhaben könnte, legte die Schere weg. Seine Gesichtszüge milderten sich, seine Augen blickten in schönem Glanze immer ver⸗ und das angenehmste Selbstbewußt⸗ aus dem hübschen Gesicht. Ruhig ging er in die Küche, brachte eine Schüssel mit Wasser zurück, wusch sich die Rechte, nahm aus dem Wandschränkchen ein Pflaster heraus und beklebte die Wunde. Dann ergriff er die Schere, mit der er so große Dinge getan hatte, einen Moment wohlgefällig, wusch auch sie und legte sie sorgfältig getrocknet auf den Tisch. Der Alte sah ihm schweigend zu; er sah das Vernünftige, Bedachtsame seines sah, daß er nicht nur nicht ver⸗ Verstand sei.— Er hatte verspielt. Wer das menschliche Herz kennt, weiß, daß Alte hatte ein Versprechen gegeben, einen Schwur Durch die Klagrede des Sohnes über sein eigenes Unrecht aufgeklärt, fühlte er zu⸗ dieser Sache nicht mehr nachgeben und daß die Erneuerung dieser Gewaltsamkeit ihm zu nichts führen würde als allenfalls zu häus⸗ lichem Unglück. Was aber die Hauptsache war hatte gezeigt, daß er sich auch rühren konnte, wenn man's ihm zu arg machte— daß er doch nicht bloß der Mutter nachschlug, sondern schmeichelte dem Vater, und er konnte nicht eine gewisse Neigung zu empfinden. Zu alledem kam noch die Anmut des Sohnes, die Folge heit, der kindliche Glaube, der aus ihm sprach, und von jetzt an nur gute Tage möglich seien. Unbewaffneten die physische Uebermacht zu ge⸗ brauchen und ihn aus dem Himmel so schöner Freude wieder herabzustürzen? Ein normaler Rleser wenigstens nicht! In einem solchen stieg der Humor auf, der zu denken vermochte: „Hol die ganze Geschichte der Teufel!“ Während Tobias die abgetrocknete Schere weglegte, sah der Alte mit tragikomischem Lächeln in der Stube umher. Auf die Splitter und Scherben deutend, sagte er:„Da kann ich mir jetzt eine neue Einrichtung kaufen.“ Der Sohn entgegnete mit Würde:„Das geht dich nichts an, Vater! Ich hab' die Sachen zerschlagen, und ich schaff' sie auch wieder an — bon meinem Gelde!“ „So, so,“ versetzte der Alte.„Nun, du kannst freilich zahlen— du bist jetzt ein Kapi⸗ talist!“ Tobias sah ihn auf diese Rede zugleich schelmisch und gutmütig an und sagte:„Vater, nimm die Sach', wie sie ist. Du hast deinen Willen oft genug durchgesetzt, die Reih' hat einmal auch an mich kommen müssen. Bedenk, daß ich vierundzwanzig Jahr' alt bin und daß es für dich eine größere Ehr' ist, nenn dein Sohn Haar auf den Zähnen hat, als wenn er ein Tropf wär' und sich alles gefallen ließe. Beim Teufel! Courage muß man haben, dann setzt man seine Sachen durch! Du sollst sehen, wie's mit mir vorwärts gehen wird, und nicht reuen, sondern freuen wird es dich, daß Du mir nachgegeben hast!“ Der Vater zuckte die Achseln und sagte: „Wir wollen sehen!“ Die beiden Schneider waren so ausschlteß⸗ lich mit sich beschäftigt, daß ste einen Trupp Menschen, der sich auf der Gasse angesammelt hatte, durch die freilich kleinen, etwas trüben und überdies von Geranien verdunkelten Fenster entweder nicht wahrnehmen oder wenigstens nichts darauf gaben. Jetzt aber mußten ste emporsehen— die Tür ging auf, und die Wal⸗ purg trat ein, mit allen Zeichen des Schreckens in ihrem Gesicht. Die Haushälterin war bei dem Krämer des Ortes, der am andern Ende des Dorfes sein Haus hatte. Wie sie eben nach abge⸗ schlossenem Kaufe mit dem Weibe desselben noch eine gemütliche Plauderei begann, ging ein Bauer vorbei, sah die unter der Tür Stehen⸗ den und rief:„Walpurg, macht, daß Ihr nach Hause kommt, sonst schlägt Euer Alter den Tobias noch gar tot! Es geht fürchterlich zu bei Euch!“ a „Um Gottes Himmels willen,“ rief das gute Weib und eilte, was sie eilen konnte. Wie sie den Haufen Menschen vor ihrem Hause sah, erschrak ste dermaßen, daß sie bei⸗ nahe nicht mehr gehen konnte. „Nun,“ rief sie einer Alten zu,„was ist's denn?“ „Jetzt ist's wieder ruhig,“ sagte diese,„aber,“ fügte sie mit einem Schauerton hinzu,„da ist's arg hergegangen! Weiß Gott, was du sehen wirst da drinnen!“ Die Walpurg bebte am ganzen Leibe; aber Pflichtgefühl und Neugier stegten über ihre Furcht, und sie ging ins Haus. Wie sie den Tobias dastehen sah, atmete sie auf: es war wenigstens nicht zum Totschlag gekommen! Aber sie sah die Zerstörung in der Stube, sie sah Milch und Blut auf dem Boden, sah das Pflaster an der Hand des Tobias— das Verbrechen des Alten war klar! Und nun mochte es gehen, wie es wollte— ste mußte reden und dem Alten sagen, was er für ein Mensch sei. Indem sie die tiefste Mißbilligung auf ihrem Gesicht ausdrückte, rief ste:„ Ist jetzt das auch recht, sein eigenes Kind so zu behandeln— einen Menschen in dem Alter so zu schlagen, daß das Blut in der Stube herum⸗ läuft? Das ist gottvergessen! Und wenn Ihr mich gleich aus dem Haus jagt, so muß ich Euch sagen—“ Das Angesicht des Tobias hatte sich bei diesen Worten erheitert, und der Alte fiel mit humoristischem Unmut ein:„Sei ruhig mit deinem dummen Geschwätz! Ich bin froh, daß er mich nicht totgeschlagen hat, der Blitzkerl!“ „Ja, ja, Bas“, fügte Tobias lächelnd hinzu, „dasmal ist's anders gegangen, als Ihr meint. Ich hab' den Spieß umgedreht!“ „Ach, das ist nich: möglich?“ rief ste. „Nicht möglich?“ fragte Tobias, indem er die Stirn runzelte.„Warum nicht möglich?“ „Nun weil—“ entgegnete das Weib, in⸗ dem ste lächelnd ihren Blick von ihm zum Vater gleiten ließ. „So,“ versetzte Tobias,„Ihr glaubt, daß ich nichts durchsetzen kann? Ihr haltet mich für einen elenden Kerl?“ „Gieb dich drein, Walpurg,“ rief der Vater, „und mach ihn nicht bös, sonst geht es über ich her!“ 3(Fortsetzung folgt.) Hund und Arbeiter. Es ist Abend. Ich liege im Fenster und schaue in den prachtvollen Garten meines Nach⸗ bars hinab. Ruhe.— Nur die Bäume flüstern. In der mit Klematis umrankten Laube Tellerge⸗ klirr. Nun ein Geheul wie von einem getretenen Hund. Leises Sprechen Fast wider Willen spitze ich die Ohren und lausche:„Mußt nicht Anna, ein Tier hat doch auch Gefühle.“ Du solltest man lieber eine Karte an den Schinder schreiben, damit er den Köter abholt. „Aber Frauchen, das kann doch dein Ernst nicht sein,— Nero dem Schinder übergeben.. — 21— Aber nein, das wäre undankbar, das wäre roh. Bedenke, Anna, 17 Jahre haben wir ihn schon, 17 Jahre hat er treu unser Haus bewacht und mir auf der Jagd Dienste geleistet, die ich nimmer vergessen...“ „Das hat er, aber für das Gewesene giebt der Jude nichts. Bedenke nur, heute morgen kam ein Bettler in den Vorgarten, meinst du, daß er auch nur einen Ton von sich gab? und was wollen wir mit einem solchen Hunde? Füttern für nichts?“ „Du bist hart und herzlos!“ Dieselbe Stimme leise, wie seufzend:„Ja, ja, Undank ist der Welt Lohn“ Dann zärtlich und schmeichelnd:„Komm Nero, komm mein Jungecken.— Hast gehört, was Muttern sagte? Aber beruhige dich: so lange ich leb', soll dir — — 2—— kein Haar gekrümmt werden. Du hast ja auch dein Gnadenbrod redlich verdient.“ Schweigen und Tellergeklirr Es öffnet sich die Haustür, heraus tritt ein haubengeschmücktes Dienstmädchen, welches mit schnellen Schritten zur Laube geht und in 0 Arber „Ein Arbeiter wünscht den Herrn zu sprechen.“ „Mich“ Herrn zu sprech „Ja, gnädiger Herr.“ „Was ist denn das wieder für'n Kerl.“ „Derselbe der gestern da war.“ „Ah, der alte Frerking. Sagen Sie ihm nur, ich sei nicht da.“ „Ja— aber ich habe schon gesagt, daß der gnädige Herr da seien.“ g „Dummes Ding— na dann sagen Sie ihm meinetwegen, Sie hätten sich geirrt, ich wäre doch bor, kurzem fortgegangen. Verstanden?“ „Id. Das Mädchen verläßt die Laube und geht ins Haus. „—, Wie dumm und frech doch diese Menschen sind.— Läuft sich fast die Beine aus, um wieder bei mir in Arbeit zu treten. Beruft und stützt sich darauf, daß er fast 30 Jahre in meiner Fabrik gearbeitet hat, grad als wenn ich Schuld sei, daß die Zeit so schnell Berge! „Warum hast du ihn denn entlassen?“ „Warum? war schon zu alt, zu alt, konnte nicht mehr das leisten, was junge Leute spielend machen können. Man kann doch nicht verlangen, daß ich ihn bis an sein Ende durchfüttere...“ Heinrich Kleukens.(Bremer Bürg.⸗Ztg.) 2— Splitter. Erziehung ist das größte Problem und das schwerste, was dem Menschen kann aufgegeben werden. Die Einsicht hängt von der Erziehung, sic 1 hängt wieder von der Ein⸗ ab. —̃. ᷑P—....; èi r.nln: ͤ—Dp— U œç0— Humoristisches Gleiches Los.„Nun, Meier, wie kommen Sie sich denn jetzt vor? Früher der reiche Mann und jetzt in so kleinen Verhältnissen!“—„Wie soll ich mer vorkommen?... Wie Napoleon! Beide haben mer ge⸗ habt in Leipzig e Niederlag' und beide sind mer daran zugrund gegangen!“ Die beiden„Bäche“. A.: Weißt du, welche Fluͤsse im letzten Jahre die meisten Opfer gefordert haben?— B.: Na, die Oder und die Elbe wohl! A.: Keine Spur! Der„Forbach“ und der„Breiten⸗ bach“,(Südd. Postill.) Litterarisches. „Nieder mit den Sozialdemokraten“ von Wilhelm Bracke ist soeben in neuer Ueberarbeitung von unsrem Parteiverlage, Buchhandlung Vorwärts, Berlin, herausgegeben.„Nieder mit den Sozialdemokraten“ ist eine der ältesten, aber noch immer wirkungsvollen Agi⸗ tationsbroschüren für die ländliche Bevölkernn g. Bracke hat die landläufigsten Vorwürfe, die gegen unsre Partei erhoben werden, in volkstümlicher, allgemein verständliche r Weise widerlegt. Die Märchen vom„Teilen“, von der „Zerstörung der Familie und Religion“, die auch heute noch in entlegenen Gegenden von unsern Gegnern kol⸗ portiert werden, werden in überzeugenden Worten zurück⸗ gewiesen. Der Einzelpreis ist 10 Pfg. Zu beziehen von der Exped. der„Mitteld. Sonut.⸗Ztg.“ Geschichtskalender. 28. Februar. 1890: Berufung der Internatio⸗ nalen Arbeiterschutz⸗Konferenz. 1. März. 1864: Lasalles„Offenes Antwort⸗ schreiben“ veröffentlicht. 2. 1903: Wahl eines sozialdem. Bürgermeisters in Kopenhagen. 1892: Erste Lex Heinze vor dem Reichs⸗ tage. 1861: Bauernbefreiung in Rußland 3. 1896: Grubenkatastrophe in Kattowitz, 106 Tote. 1806: Roßmäßler, demokratischer Politiker in Leipzig,“ 4. 1895: Professor Giczykt, Ethiker in Berlin, 5. 1871: Erste Wahlen zum deutschen Reichstage. 5. 1894: Minister Bronsart verteidigt Faustrecht und Duell im Reichstage. — Seite 8. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Partei-Machriichten. Krankheit am Montag zum erstenmale wieder im bayri⸗ bewillkommnet. Möge er sich dauernder Gesundheit er sich in der bewährten Weise der ehemalige Gärtner dieser Tage sein Doktor⸗Examen e den e en eee e en 0 ablegte und mit höchstem Lobe bestand. Sein väterliches Kartoffel 100 Allo 6,00—0,00 Mr, Wiz Erbteil ermöglichte ihm, die Kosten des Studiums zu Kartoffeln per o 6,00—0,„* Genosse Landtagsabgeordneter Orb, Kas⸗ bestreiten. Und so wird er, meint das Magdeburger sierer unseres Landeskomités und seine Ehefrau feierten reiben it ei tlich verstärkt 8 am Samstag ihre sülberne Hochze kt. Dazu noch Parteiblatt, mit einem wesentlich verstärkten und erwei⸗ nachträglich unsere besten Wünsche! Möge es ihm und terten geistigen Rüstzeug angetan, der großen Sache, 0 der wir alle dienen, wesentlich verstärkte und vermehrt seiner Gemahlin vergönnt sein, in gleicher Rüstigkeit Siege erstreiten helfen. 1. für die Interessen des Volkes arbeiten kann. und Gesundheit auch die„goldene Hochzeit“ zu feiern! Vom 8 zum Dr. jur. ist la d schw Vor Kurzem ist Gen. Aug. Müller wieder in die Wenosse Vollmar is nach langer und schwerer Redaktion des Magdeburger Parteiorgans eingetreten, 25. 8b 10 t der er bis 1901 angehörte. Seit dieser Zeit widmete„FJebruar: er VVVVJVVCCCCCCC dem Studium auf dee Universttät Zürich, wo Hühnereier 1 St. 6—7 Pf., Enteneler 1 St. 8.—0 Pf. Käse pr St. 6—8 Pfg., Käsematte 2 St. 5—6 Pfg., Erbsen per Liter 21 Pfg., Linsen per Liter 32 Pfg. Marktberichte. Auf dem Wochenmarkte in Gießen kosteten am per Pfd. Mk. 0,95— 1,00, kraut pr. Stck. 9— 12 Pfg., pr. Zentner 1,30—1,60 Mk. Zwiebeln per Ztr. Mk. 7,00— 12,00, Tauben per Paar 0,80 bis 1,00 Mk., Hühner per St. 1,30—1,40 Mk., Hahnen per St. 0,80— 1,70 Mk., Enten per St. 1,70 bis 2,20 Mk., Gänse per Pfd. 00— 70 Pfg. Freie Stunden ist Roman- Bibliothek! die beste Konsumverein Sonntag, den 6. März d. 38., nachm 4 Ahr, im„Gambrinus“, Kirchstraße, bei Herrn Albold: lusseioibentche beneraversammlung, Tagesordnung: Bericht über das erste Halbjahr des laufen⸗ den Geschäftsjahres. Verschiedenes. Die Mitglieder und ihre Frauen werden dringend ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. Der Vorstaud. „ husskohlen 2 Briketts 8 (Ih. Heinrich Möller) Reichhaltiges Lager in: Herren- u. Hnabenhleidern Stusse in Aus Sοα,j&iLwiĩd A ending, E,] Mass Feste Preise! Streng reelle Bedienung! marke und dem Namen des ursprünglichen Fabrikanten man sich vor minderwertigen Nachahmungen. liefern in nur bester Qualität achenpeimer& Secpaumbeggef Marburgerstrasse 22. Karl Müller(früher NHohlermann) Plockstrasse 12. Wiessen Plockstrasse 12. Reichhaltiges Lager in Holz⸗ Korb⸗ u. Bürstenwaren Haus⸗ und Küchengeräte zu billigen Preisen. Durzea verseheuen gelben Packeten zu haben und hüte * C. F. Schwars Söhne terne als: Osterhäschen,»stereier, Körbchen usw. in reichhaltiger und schöner Auswahl angekommen sind. Bãckerei L. Müller Gießen, Bahnhofstraße 61. Unliebsam verspätet! Unserem treuen Genossen u. denen Hochzeit nachträglich die besten Glück- u. Segenswünsche. Der Wahloerein Wieseck. Tüchtige Genossen finden lohnenden Nebenverdienst durch den zimmerweisen Verkauf a von Tapeten l FSpezialgeschäft 2. 85 ür Taschen- u. 8 Uhrketten Carl Geismar, Uhrmacher Sehulstrasse 5 Giessen Schulstrasse 5 28 2 J gebraucht. 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